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Ehrengarde
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Einige Wochen später: Sinda hatte die Hügel hinter sich gelassen. Die Wege ihrer Bekannten und die ihren hatten sich überraschend wieder getrennt. Nachdem die Zigeunerin mitten in der nacht aufgebrochen war und es nicht hatte lassen können auch die erbeuteten Kutscherpferde mit sich zu nehmen, hatte sie sich von Marxzes und der anderen Dame, die sich gegen Ende als Ludvika vorgestellt hatte, verabschiedet und war einige Wochen durch die Länder gestreift, bis ihr Hunger sie wieder in die Stadt getrieben hatte. Die Flüsse in der Gegend wiesen nicht mehr so viel Fische auf, wie noch vor einigen Jahren und es war dem Flussmädchen schwer gefallen sich ihre Nahrung zu beschaffen.
Langsamem Schrittes ging Sinda auf die Tore der Stadt zu. Normalerweise war dieses immer weit offen und lud Handelsreisende und anderes nicht sesshaftes Volk geradezu dazu ein herein zu treten und sich am wilden Getümmel auf den Straßen zu beteiligen. Heute sah sie die Tore zum ersten Mal geschlossen. Nur eine Öffnung nicht größer als eine Tür hatte man geöffnet. Dahinter wartete eine Wache und beobachtete aufs Schärfste, wer in die Stadt hinein oder hinaus ging. War in den letzten Tagen etwas vorgefallen, von dem sie noch nicht wusste? Oder hatte ihre Flucht doch mehr Wellen geschlagen, als sie abzusehen im Stande gewesen wäre?
Als sie durch die Tür ging, wurde Sinda von einem der Wachmänner am Arm gepackt. „Nimm die Kapuze ab.“ Dies klang weniger nach einer Bitte, sondern hatte den klaren Charakter eines Befehles, dem man im Notfall auch mit etwas mehr als nur harschen Worten Nachdruck verleihen würde. Etwas wiederwillig glitten ihre zarten Hände zu der Kapuzenkrempe oberhalb ihrer strahlenden Augen und zogen die Haube weg, so dass man nicht nur ihre hellen Haare, und ihre leicht grünliche blasse Haut sehen konnte, sondern auch die funkelnden blauen Augen, die sie sogleich zusammenkniff, da die hellen Strahlen der Sonne nicht nur ihre Haut wärmten, sondern sie auch blendeten und unangenehm stachen. Sie hatten sich an den Schatten gewöhnt, den ihre Kapuze gespendet hatte. Als das Flussmädchen wieder sehen konnte, hatte die Wache sie noch immer nicht los gelassen.
„Gibt es noch etwas, … mein Herr?“ Bei dem Blick auf die Waffen der zwei Männer erschein es ihr ratsamer höfliche Worte zu wählen, auch wenn ihr das „Herr“ nur verzögert und etwas unwillig über die Zunge ging. Sie würde sich niemals von einem Landmenschen beherrschen lassen, auch wenn sie auf deren Städte angewiesen war, seit man sie ihres alten Lebens beraubt hatte. Auch die andere Wache musterte sie nun neugierig. Man sah hier wohl eher selten eine Angehörige ihres Volkes. Einen anderen Grund konnte es nicht geben für die musternden und abschätzigen Blicke der wachsamen Bediensteten der Stadt. „Was wollt ihr in der Stadt und wie lange wollt ihr bleiben?“ Wie bitte? Hatte sie sich verhört? Da fehlte nur noch, dass man sie nach einer Aufenthaltserlaubnis fragte. In dieser Stadt hatte sich eine Menge verändert, seit sie das letzte Mal hier gewesen war. Und das nicht gerade zum Besseren.
Geändert von kate@net (28.01.2009 um 13:34 Uhr)
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