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Thema: Tingulin - eine Art Fortsetzung

Baum-Darstellung

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  1. #29
    Seine Geduld, die im Vergleich zu manch’ anderen Menschen schier unerschöpflich zu sein schien, wurde auf eine denkbar harte Probe gestellt. Diese beleibte Frau, die nebenbei bemerkt noch immer nicht den Anstand besessen hatte, ihren Namen zu sagen, ging ihm langsam aber sicher zu weit mit ihren Andeutungen und Vorwürfen. Und unter diesen Umständen war er nur all zu bereit, auf ihre Forderung einzugehen – auf seine Weise.
    „Wenn die verehrte Lady nichts mit mir und der jungen Dame hier zu schaffen haben möchte, so respektiere ich das.“, begann Marxzes überfreundlich. „Draußen auf der Wiese stehen zwei stattlich gebaute Rösser, von denen eines bereits Bekanntschaft mit euch geschlossen hat. Nichts hindert euch daran, eines der Pferde zu nehmen und euch damit auf den Weg in euer Heim zu machen.“. Der Mann wies mit großer, übertriebener Geste nach draußen, wo irgendwo im Zwielicht der Nacht die beiden Tiere auf der Wiese standen und grasten.
    Im Gesicht der dicken Frau spiegelten sich keinerlei Emotionen wieder; ihr Gesicht war zu einer Maske erstarrt, was Marxzes nur recht war. „Sollte dieser Vorschlag euer Gnaden nicht so genügen“, fuhr er ungerührt und ungleich sarkastischer fort, „würde ich vorschlagen, eure Zunge im Zaun zu halten und nochmals genau – sehr genau! – zu überdenken, wem ihr es verdankt, dass ihr hier stehen und uns in einem fort beleidigen könnt!“. Entgegen seines Vorhabens war seine Stimme bei den letzten Worten doch leiser, drohender, geworden. Eigentlich lag es nicht in seiner Absicht, der Dicken zu drohen, doch sie stellte auf so unheimlich perverse Art und Weise genau das Menschenbild dar, weswegen er die Städte und die Gesellschaft anderer Menschen vermieden hatte, so gut es ging.

    Ohne ein weiteres Wort an die Frau zu richten, wandte er sich um und bot Sinda mit einer Geste einen Stuhl an; einer von dreien, die sich in seiner Hütte befanden. Er wusste selbst nicht, warum er drei Stühle besaß. Ein Relikt aus seiner Vergangenheit, ebenso wie das Schwert, das in seiner Scheide steckte und an einem Nagel in der Wand neben dem Kamin hing. Zu jenem ging er nun hin, hockte sich kurz nieder und machte sich daran, mit Hilfe eines Feuersteins und eines Stück Metalls, ein Feuer zu machen. Es dauerte einige Momente, doch dann füllte sich der Raum mit Licht, eine angenehme Wärme breitete sich aus und das Knistern des Feuers bot eine heimelige Geräuschkulisse.
    Als er sich umwandte, sah er, dass die dicke Frau noch immer unentschlossen an der Tür stand; sie interessierte ihn nicht. Sinda hatte auf einem der Stühle Platz genommen und sah ihn mit ihren großen, blauen Augen fragend an. Marxzes zuckte mit den Schultern. „Auch wenn ich es beherrsche, Feuer entzünde ich lieber auf traditionelle Weise.“. Er nahm seinen Umhang ab, warf ihn auf sein Bett und machte sich daran, in einem kleinen Schränkchen Tassen, einen Kessel und ein Beutel mit Teekräutern zu suchen…

    Geändert von Simon (03.11.2008 um 12:51 Uhr)

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