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Thema: Tingulin - eine Art Fortsetzung

Baum-Darstellung

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  1. #29
    Sinda, so hatte sie sich selbst vorgestellt. Ein eigentümlicher, wenngleich aber auch klangvoller und schöner Name. Das Flussvolk schien offensichtlich eine Schwäche für die wohlklingenden Eigenheiten der Sprache zu besitzen. Das ließ sich auch deutlich am Sprachrhythmus Sindas ausmachen, der sich zwar nur in wenigen Nuancen dem eines Landmenschen unterschied, diese kleinen Abweichungen aber hatte bereits eine große Wirkung.
    Umso überrumpelter war er, als die beleibte Frau ihn plötzlich ansprach. „Ich habe euch wohl euer kleines… Vergnügen vermiest“. Sein kleines Was? Marxzes war im ersten Augenblick nicht deutlich, worauf die Frau hinaus wollte, bis er ihren Blick bemerkte, der eindeutig auf Sinda zielte und sie fortfuhr: „Kommt gar nicht erst auf dumme Gedanken. Ich würde euch euer Geld niemals für so etwas ersetzen. Aber ich wenn ihr mich auf schnellstem Wege nach Hause geleitet, so könntet ihr den Rest der Nacht noch immer in Anspruch nehmen.“.
    Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: diese Frau, welchen Namen sie auch immer trug, hielt Sinda für eine… er wollte dieses Wort nicht einmal denken, zumal dieser Gedanke über ihn aussagte, dass er Geld für gewisse „Dienste“ ausgab. Eine Unerhörtheit!
    „Werte Dame,“ begann Marxzes unter größter Bemühung, einen betont freundlichen Tonfall zu erwischen. „Eure Spitzfindigkeit in allen Ehren, sowie die momentane Situation als mildernde Umstände ausgelegt, doch würde ich euch raten, in Zukunft vielleicht nicht gleich mit dem erstbesten Gedanken heraus zu platzen, der euch in den Sinn kommt.“. Mit einem Seitenblick auf Sinda bemerkte der Mann, dass die Frau des Flussvolkes die Andeutung der Frau ebenso deutlich verstanden hatte, wie er; nur schien sich in ihren Augen keine Wut ob der verletzten Ehre zu spiegeln, sondern resignierende Trauer. Offensichtlich waren solcherlei Beleidigungen nichts Neues für sie; ein Umstand, der Marxzes traurig stimmte.
    „Ich weiß zwar nicht, für was ihr euch haltet – für was ihr mich und die Lady haltet, habt ihr ja mehr als nur deutlich zur Sprache gebracht – ,doch ich an eurer Stelle würde den Personen, die gerade euren wohlgenährten Hintern gerettet haben, etwas mehr Dankbarkeit entgegen bringen!“. Er hatte die Stimme nicht erhoben oder sich zu irgendeiner dummen Handlung hinreißen lassen; einzig sein Tonfall war eisiger, härter und vor allem bestimmter geworden. Er wollte definitiv klar stellen, dass man ihn besser nicht reizen sollte.

    Anstatt jedoch noch weitere Worte an die beleibte Dame zu richten, die mit ihrem nun offenen Mund den Gesichtsausdruck einer Kuh perfekt imitierte, wandte sich Marxzes an Sinda um; sogleich nahm sein Gesicht einen weichen, freundlichen Ausdruck an. „Lasst uns lieber hinein gehen.“, sagte er, während er sich am Schloss der Tür zu schaffen machte und diese mit einem galanten Schwung öffnete. „Bei einem heißen Kräutertee und einem behaglichen Feuer lässt es sich angenehmer reden, als draußen mitten in der Nacht.“. Ein Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, während er mit einer – zugegeben übertriebenen – Geste Sinda einlud, ins Haus zu gehen. Diese schien einen Augenblick zu zögern, bevor sie nickte und über die Schwelle trat.
    Marxzes wandte sich nochmals zu der dicken Frau um. „Wenn ihr wollt, dürft ihr uns Gesellschaft leisten.“, sagte er wieder mit harter Stimme. „Es sei denn, ihr hängt nicht sonderlich daran, den nächsten Sonnenaufgang zu erleben.“. Mit diesen Worten wandte er sich um und ging ins Haus…

    Geändert von Simon (02.11.2008 um 10:54 Uhr)

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