Das Flussmädchen hatte es schließlich geschafft an den Wachen vorbei zu kommen. Sobald sie die Tore hinter sich gelassen hatte, zog sie sich ihre Kapuze wieder tief ins Gesicht. Es war ihr gar nicht behaglich zu Mute unter den starrenden Blicken der Stadtbewohner. Dieser Hass in den Augen war ihr neu. Natürlich war sie schon immer Feindseeligkeiten ausgesetzt gewesen, doch diese Intensität kannte sie nicht. Nervös hielt sie ihre Tasche fest und machte sich auf den Weg zum Marktplatz. Dort wollte sie sich etwas zu Essen stibitzen und sich bei der Gelegenheit auch gleich umhören, was genau hier vor gefallen war während ihrer Abwesenheit.
Auf dem Marktplatz herrschte das übliche Getümmel. Über dem ganzen Platz lag ein einziges Gewirr aus Stimmen. Händler priesen ihre Waren an, Waschweiber wuschen am Brunnen ihre Kleider und erzählten sich dabei den neuesten Tratsch und so mancher feilschte um einen guten Preis. Eigentlich so wie immer, hätte das Mädchen nicht am Rand eine weitere Stadtwache bemerkt, die glücklicherweise ihren Job nicht ganz so ernst zu nehmen schien. Der breitschultrige bullige Mann stützte sich eher gelangweilt auf sein großes Schwert und schien fast über die Menge hinweg zu sehen. Sinda ließ sich also nicht beirren und schon bald hatten ein paar Äpfel den Weg in ihre Manteltasche gefunden. Sie wollte sich gerade noch ein Stück Brot stehlen, als ein lauter Ruf sie zusammen fahren ließ…