Hinweise kann ich gerade noch geben.

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2. Inwieweit kann man sagen, dass die abbildenden Künste in ihrer Machtpolitik eine Rolle gespielt haben? (beispielsweise meinte die florentiner Stadtführerin, die Statue von David stände für den Sieg des Schwächeren nach der Verbannung der Medici und der Hercules für den Sieg des Stärkeren, nach ihrer Rückkehr) Inwieweit bestand das vorallem im Bezug zu den zwei Polen sakrale Obrigkeit - weltliches Herrschertum?
Bilder spielten eine Rolle - in Florenz, wenn ich mich recht entsinne, ließ man eine ganze Reihe von gefemmten Personen und ihre Wappen an die Wand des Rathauses malen - allerdings kann die Bildbenutzung IMO nicht mit der des Barocks gleichgesetzt werden da die Ideologie des Absoluten Herrschers noch in der Entwicklung war. Die Sache mit dem David und dem Hercules würde ich als Beispiel von Rhetorik annehmen. Man liebte solch bildliche Vergleiche, mit der Realität mussten sie nichts zu tun haben.
Von einer Polarisierung zwischen weltlicher und kirchlicher Herrschaft in Bildern habe ich bisher erst während des Barocks gehört (Inszenierung von Ludwig XVI als Sonnengott z.B.)

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3. Die theologische Lehrmeinung des Katholizismus hat im Mittelalter viele Einschränkungen erzwungen, die in der Renaissance gelöst wurden (Stilisierte Vertreterbildnisse --> exakte anatomische Zeichnungen, Ikonisierung im Kleinen --> übermächtige Fresken und Gemälde Heiliger). Geht das vielleicht mit einer Anpassung der Kirche an den Takt der Zeit einher? Wie lässt sich die Kirche als Auftraggeber der Meister bewerten?
Malen "gleich der Natur" wurde in den Niederlanden erfunden und von dort nach Italien geführt. Die Kirche hatte sehr wenig damit zu tun, da man im Westen verglichen mit der Ostkirche generell weniger Bildkritisch eingestellt war. "Die Kirche" als Auftraggeberin ist ebenfalls sehr relativ, da viele Teile der Kirchen durch Mäzenen und Stifter ausgeschmückt wurden. Diese heuerten ihre eigenen Maler an und ließen sie nach ihrem Geschmack arbeiten.

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5. Die europäische Kultur findet die antiken Philosophenschmöker in den Klosterbibliotheken wieder und wird schlagartig mit dem hellenistischen Kunststil konfrontiert. Warum genau kommt es eigentlich zu der Wiederbelebung des klassischen Altertums? Inwieweit ist das mit dem Geniekult der Meister, der sich zu der Zeit entwickelt, in Verbindung zu sehen? (die Kunstakademien weisen bspw. große Ähnlichkeit den den Philosophenschulen der Antike auf)
Die Texte kamen aus Byzanz, in Europas Klöstern fand man bestenfalls korrumpierte Versionen davon. Was geschah, war das Italien mit römischen und griechischen Texten konfrontiert wurde, das hellenistische Erbe lag vollständig auf dem Gebiet der Türken und konnte dementsprechend nicht studiert werden. Die Rennaissance ist eher eine Interpretation des römischen Altertums durch die Brille des Mittelalters als eine "Konfrontation mit dem hellenistischen Kunststil". Wenn du das suchst, wirst du weiter vorgreifen müssen - Zu Hinckelman und Goethe und dem Klassizismus. Rom, nicht Hellas war der Trend der Renaissance.
Der Geniekult steht in keinem Zusammenhang mit den Altertumstexten, da der Begriff unter Römern und Griechen nicht existierte. Der Geniekult ist eine Entwicklung der Zeit - die Maler betrachteten sich als Schöpfer im christlichen Sinne, welche die Natur nach ihrem Sinne bilden konnten. Dies war ihnen durch die "neuen" Techniken der der Darstellung "gleich der Natur" möglich. Müsste jetzt die Bücher wieder auspacken, wenn ich das Thema verbreitern sollte.

Kannst du mir Input bezüglich der Kunstakademien der Renaissance geben? Ich dachte, die Ausbildung lief damals noch in den Werkstätten ab? Das Akademiewesen begann doch erst später in Frankreich und die mittelalterliche Universität ist ein ganz anderes Biest gewesen.

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Barock:
1. Ist die These richtig, dass der Vanitas-Gedanke dazu führte, dass dem Portrait eine zusätzlich gehobene Stellung zukam? (Das Portrait - in seiner abbildenden, teils religiösen Funktion - als Vergegenwärtigung von Verschiedenen oder Abwesenden) Gibt es vielleicht Belege dafür?
Was meinst du damit? Religiöse Portraits und Vanitas-Darstellungen gibt es in Deutschland seit dem späten Mittelalter. Siehe die ganzen Totentanz-Darstellungen und die Stifterportraits in den Kirchen. Inwiefern kann man den Dreißigjährigen Krieg aber zum Barock zählen? Der deutsche Barock begann doch erst danach?!

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2. Gibt es Beispiele von portraithaften Darstellungen, in denen die Polarität von Sein und Vergehen auftaucht? (was beispielsweise in der Lyrik mit dem Sonnett oft aufgegriffen wurde)
Der Manierismus hat eine Reihe von solchen hervorgebracht - mir fallen spontan das Portrait des Jünglings mit dem Totenschädel und das Doppelportrait mit dem verzerrten Totenschädel ein. Sonst habe ich irgendwo aufgeschnappt, dass Vanitas-Ideen eher in Stilleben verarbeitet wurden.

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3. Inwieweit hat sich die Technik, bzw. das Material der Kunstwerke im Hinblick auf die Renaissance weiterentwickelt?
Die Erforschung der Optik machte Fortschritte, die Sehunschärfe wurde während der Renaissance noch nicht in die Bildplanung eingezogen. Materialtechnisch wäre mir kein Fortschritt bekannt.