Ergebnis 1 bis 20 von 24

Thema: What is AnimE???

Hybrid-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #1
    Sorry, dass ich den Thread nochmal ausgrabe, aber ich brauche immer etwas länger .

    Zitat Zitat von Motorradcop68 Beitrag anzeigen
    Aber so wie es mir erscheint, ist es gerade der (festland-)europäische Comicmarkt, der nicht durch grafische Spielereien reizt und diese manchmal sogar stark vernachlässigt. Ich kann jetzt nur für meine begrenzten Erfahrungen mit franko-belgischen, deutschen und italienischen Comics sprechen, aber soweit ich mich entsinne, sind viele Comics hierzulande doch sehr spartanisch und in einem sehr einfachen, cartoon-artigen Stil gezeichnet. Ausnahmen wie Blueberry (mMn) bestehen zwar, aber sind sicher nicht überwiegend. Aber wie gesagt: mit irgendwelchen "alternativen" Kunst-Comics habe ich mich nicht auseinandergesetzt...
    Ich persönlich finde aber gerade den Stil der franco-belgischen Comics ziemlich interessant (und das hat nichmal was mit meiner allgemein fast schon peinlichen Francophilie zu tun), in der Beziehung sogar um einiges hübscher als das Zeug, dass von England rübergeschwappt ist oder die neueren japanischen Sachen; -
    Mein Wissen ist da auch arg begrenzt, aber wenn man mal Asterix oder Tim & Struppi oder die Schlümpfe mit Atlan oder Batman vergleicht, steckt da zumindest meiner Meinung nach viel mehr Liebe zum Detail drin. Dann gibt es auch noch Serien, die teils vor, teils zur Zeit meiner Kindheit (begrüßt den Mann mit dem imaginären Bart) mal kurzzeitig Bekanntheit hatten - Dinge wie Clémentine, Moi Renart, Die drei Musketiere, Yakari (oder Calimero aus Italien) -, die meiner Meinung nach in puncto Bekanntheitsgrad sogar gleichauf mit ähnlichen Sachen sind, welche damals aus Japan importiert, oder zusammen mit den Japanern produziert wurden (ich denke da an Alfred Jodokus Kwak, Die kleine Prinzessin Sara, Katzenauge, Eine fröhliche Famile, Lady Oscar, Der Stern von der Seine, etc.).

    Ich denke, die Tatsache, dass der japanische Anime-Markt so sehr dominiert - und das sind wirklich nur fiese Vermutungen -, rührt daher, dass die Japaner viel besser auf ihre Zielgruppe reagiert haben. Allein, das Niveau hat sich teilweise amerikanischen Fernsehfilmen angepasst, hat teilweise auch ganz andere, bemerkenswert passende Elemente eingebracht bzw. erneuert; -

    In Europa ziehen große Ritter in den Kampf gegen Drachen, den schwarzen Ritter, den schwarzen König, die fiese Bedrohung von schießmichtot; im japanischen Animé kämpft man eben gegen Wesen aus der fernöstlichen Mythologie, was wahrscheinlich auch den Reiz an der Sache ausmacht (pöh, die unbekannte Bedrohung aus Innuyasha ist viel interessanter, als der einundzwanzigtausendste Drache, der Feuer und dicke Schuppen zu bieten hat).
    Auch fasziniert - ich sag's jetzt einfach mal so dreist - die 'breite Masse' sicherlich die Sache mit der Kampfkunst. Es ist ein offenes Geheimnis, dass vorallem männliche Jugendliche mit weniger sozialem Talent (das hab ich doch schön gesagt, oder?!) in der Regel mal zu dem Punkt kommen, an dem sie meinen, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft durch andere Dinge, als Gesellschaftlichkeit erlangen können sollten - im japanischen Animé ist der Held praktisch genau so, hat sich meist genauso wenig unter Kontrolle wie so ein Pubertierender und erreicht durch seine kämpferischen Fähigkeiten Ansehen. Der Unterschied zum herkömmlichen Superhelden: Das Ziel ist viel realistischer, weil man nicht erst zu irgendwas Ekligem mutieren muss, man muss sich nicht hinter irgendwelchen Kostümen verstecken und überhaupt ist der Gedanke doch sehr reizvoll, nur durch Disziplin und Ausdauer irgendwann mal das tollste Kerlchen der Zivilisation zu werden. Normalen Sport finde ich dahingehend auch sehr langweilig.
    Weiters bauen die japanischen Werke meinem bescheidenen Empfinden nach sehr auf Dramatik und eine teilweise sehr flache, dadurch leicht aufzunehmende Handlung auf, ähnlich wie heutzutage Aktion- und Liebesfilme, das alles verbunden mit einer ziemlich minimalistischen, aber dadurch doch recht eingängigen Symbolik. Wie oft steht das Mangamännlein keuchend und aus allen Wunden blutend, in sich zusammengekrümmt vor dem fiesen Gegner, der nur hämisch lacht und erstmal einen Monolog führt - über 3 Folgen hinweg? Wie oft erscheint diese lustige Verlegenheitsblase, oder das Wutkreuzchen, oder die Rotwerd-Strichchen, allesinklusive verkleinerter Pupillen?
    Nicht zuletzt finde ich, ist der japanischer Trickfilm nicht so stockprüde wie der europäische. Da laufen auch mal zarte Mädchen mit praller Oberweite durchs Bild (und den männlichen Protagonischen klappt der Unterkiefer auf den Boden und fliegen die Augen 30 Meter heraus), da sieht man die begehrenswerte und heimlich vom Hauptprotagonischen begehrte Nebenfigur schonmal nackig baden - und das alles ohne Rücksicht auf irgendwelche Altersgruppen.

    Das sind doch alles Sachen, die die westliche Kultur so sehr will, aber selber nicht ganz auf die Reihe bekommt (oder nur in anderen Bereichen): gemäßigter Anspruch, Unverblühmtheit (dann ist der Typ eben klatschend fett, unrasiert, pervers und stinkt - sowas sieht man jeden Tag auf der Straße), Fremdartigkeit, Innovation (ob nun für die breite Masse oder das Kennerherz) ... und ein bisschen Sex verkauft sich auch immer gut, selbst bei halben Kindern. Hinzukommt, dass der Zeichenstil sehr eingängig und vorallem ein richtiger Zeichenstil ist. Man braucht nur mal hin und wieder auf das Kinderprogramm zu zappen, um zu sehen, dass da nur noch irgendwelche bunten Kreise Monopoli spielen - dann doch lieber Detektiv Conan.


    Oh, und folgendes ist mir sehr wichtig gesagt zu haben: Ich bin mir bewusst, dass das hier ein Animé-und-Manga-Forum ist und ich nicht auch nur 1% eures Wissens über die japanische Kunstszene habe, hier schlimmer Pauschalisiere als die Bravo und es durchaus anspruchsvolle, tiefgründige und vorallem kunstvolle Animés gibt, mit einer tollen Metaebene und einem umwerfend japanisch-typischen/-untypischen Zeichenstil, auf die meine aufgelisteten Klischees nicht zutreffen.
    Ich finde aber, dass der Grund, warum die japanische Bildkultur uns so überfluten konnte, darin besteht, dass sich irgendwann ein Schlitzohr (ich sag jetzt nicht '-auge', das wäre zuuuu bescheuert) daran gemacht hat, die europäische Kultur mit der japanischen zu vermengen und in die westliche Zeichentrickwelt zu schmeißen (im Übrigen ist es zumindest von meiner Warte aus teilweise sehr schwer zu unterscheiden, was damals japanisch und was europäisch war), bevor uns der japanische Markt mit guten wie schlechten Sachen immer vertrauter wurde. Dass japanische Werke billiger und für die doch sehr anständige Qualität scheinbar viel schneller produziert sind, ist denke ich nur ein weiterer Grund, warum die europäischen Trickfilmserien immer weiter in den Hintergrund gerückt sind, was einerseits ein bisschen zum Hollywood-Syndrom führt, andererseits wiederum unseren kulturellen Horizont genau in die andere Richtung erweitert.

  2. #2
    Der Post is schon älter, der Verfasser gebannt, aber ich muss trotzdem nochmal hintergrundslos reagieren.


    Zitat Zitat
    Anime über alles!!!!!!!!!

  3. #3
    Zitat Zitat
    pöh, die unbekannte Bedrohung aus Innuyasha ist viel interessanter, als der einundzwanzigtausendste Drache, der Feuer und dicke Schuppen zu bieten hat.
    Inuyasha und unbekannte Gegner? Ähem, ich denke, da gibt es passendere Besipiele...

  4. #4
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Inuyasha und unbekannte Gegner? Ähem, ich denke, da gibt es passendere Besipiele...
    Nimm's mir nich übel . Das ist die einzige Animé-Serie mit japanischem Kulturhintergrund, die ich länger als 2 Folgen durchgehalten habe =3.

  5. #5
    Zitat Zitat von Eynes'Prayer Beitrag anzeigen
    Nimm's mir nich übel . Das ist die einzige Animé-Serie mit japanischem Kulturhintergrund, die ich länger als 2 Folgen durchgehalten habe =3.
    Du hast zumindest die treffendste europäische Interpretation japanischer Popkultur-Stereotypen abgeliefter. Zeigt, dass du wohl mehr Geduld für das Thema aufgebracht hast, als der Schnitt der Zuschauer.

    Außerdem haben wir sowieso nicht allzu viele, die sich wirklich krass in die Volkskultur stellen würden. Inuyasha ist nicht Gege no Kitaro sondern eher Ranma 1/2-Dragonball mit mehr Monstern.

    Im Großen und Ganze muss ich dir recht geben, auch wenn du gewisse Punkte eigen interpretiert hast und im letzten Absatz irrst. Die Märkte sind strikt getrennt und für den westlichem Markt wird ausschließlich auf Auftrag produziert. Man kümmert sich eigentlich nicht um unsere Existenz als Käufer. Es gab nur wenige Ausnahmefälle, wie z.B. The Big O, welches in Japan floppte und für die Staaten weiter produziert wurde. Es gibt unterschiedliche Rezeptionsstrategien auf den Kontinenten - von den Amerikanern sagt man z.B., dass sie sich an die Kombination aus großen Robotern und großen Titten gewöhnt haben.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •