Zu dem Argumenten gegen eine derartige Sperrung kommt dann noch, daß dezentrale Netzwerke heute schon technisch machbar und gleichzeitig ein heißes Forschungsgebiet sind. Falls alle ISPs der Welt plözlich entscheiden, das bisherige Internet effektiv abzuschalten und nur noch Routen zu ihren walled gardens anzubieten, werden die Leute entweder erzwingen, daß die alten Routen wieder freigeschaltet werden, oder sie werden ein dezentrales Netzwerk aufbauen. Das ist dann vielleicht nicht annähernd so schnell, aber es funktioniert. Dann haben wir das kommerzielle "Internet" und parallel ein dezentrales, unreguliertes Netzwerk von BBSen.

Dazu kommt natürlich noch, daß die ISPs keine Möglichkeit haben, diesen Ansatz sinnvoll durchzuziehen. Nur Routen zu kommerziellen Websites nach Abonemment zu erlauben würde bedeuten, keinen Datentransfer zwischen verschiedenen Firmenstandorten (üblicherweise vis VPN) mehr zuzulassen, was mittleren bis großen Firmen sauer aufstoßen würde. Wenn aber VPNs zugelassen werden wird es nicht lange dauern, bis jemand sich ein Datencenter mit einer fetten Anbindung holt und Leuten gegen Bezahlung VPN-Zugang mit Zugriff auf alles mögliche gewährt, ohne daß sie die content provider bezahlen.

Dann ist da noch die rechtliche Frage - in Kanada und den Staaten setzt sich das Konzept der network neutrality gerade massiv durch und wird in Gesetzen kodifiziert. Soweit ich weiß würde das hier diskutierte pseudo-Internet gegen diese Gesetze verstoßen, was die Umsetzung weiter erschwert.