Ich hatte am Erscheinungstag durch einen glücklichen Zufall schonmal die Möglichkeit, ins D&D4 Core zu schauen. Kurz gesagt: System whoa, Hintergrund naja..., Design ok.

Das Cover sieht in echt eigentlich ganz cool aus, auch wenn mir die stilistische 3er Variante lieber war. Die Verarbeitung des Buchs ist gewohnt klasse, das Design innen sogar richtig gut. Die Illustrationen haben ihre Qualität nochmal einen Deut höher geschraubt als schon in der tollen 3er. Der Charakterogen ist gewohnt sieht-komplizierter-aus-als-es-ist.

Nun erstmal das Positive, das System. Man hat viiiiiel Würfeln weggenommen. Die Rettungswürfe sind nun feste Zahlen, die auch nicht mehr nur auf einem Attribut, sondern auf zweien beruhen (bspw Ch und We sind Willenswurf, ist durchaus sinnvoll), auch bei Fertigkeitswürfen usw. wurde einfach mal viel vereinfacht. So auch die Skills an sich. Es gibt gottseidank nur noch etwa 15 davon, und zwar 15 feste, der zweifelhafte Batzen an 50 Fertigkeiten, der in den 90ern wohl mal Mode war, hat sich endültig aus dem System verabschiedet. Das Magiesystem ist komplett über den Haufen geworfen, hatte allerdings keine Zeit, da reinzuschauen, ebenso bei den neuen "Powers", besondere Fähigkeiten nach Klasse (also noch keine Meinung). Die HP sind man-hat-meine-Gebete-erhöht grundlegend überarbeitet. Man hält nun in den allermeisten Fällen auch auf Stufe 1 einen Treffer aus, die Hp steigen auch nicht mehr so rapide und zufällig an wie früher. Heißt, der Powerlevel schrumpft zusammen (nicht zu verwechseln mit "er wird kleiner"). Das was ich am System gesehen habe, war durchweg klasse für ein Hack'n'Slay Spiel mit Rollenspielpart. Ich warte aber ein endgültiges Ergebnis ab.

Nun zum Aufregen... Die D&D Gemeinde ist Kiddy-durchsetzt, das wissen wir ja alle, aber man hat sich in v4 in einem Ausmaß an den Wünschen der Fans orientiert, dass es das Spiel aus dem Konzept reißt. Für mich war D&D immer standard-Fantasy, Tolkien, oder sogar noch eher D&D halt. Weshalb ich auch Supplements wie das Psionic Handbuch nicht besonders toll fand. In der vierten Edition gibt es ein paar fatale Veränderungen bei den Rassen. Zuerst die gute Nachricht, Gnome sind aus dem Core geflogen, klasse, zwei kleine Völker (Zwerge und Halblinge) reichen. Halb-Orks ebenfalls, da kann ich auch drauf verzichten, hat eh kaum jemand gespielt. Die erste seltsame Veränderungen ist das Aufsplitten der alten Elfen in "Elfs" und "Eladrin". Erstere sind die Waldelfen (im weitesten Sinne), also Bogen, Wald, Waldläufer umschreibt es ganz gut. Die zweiten sind die Hochelfen, also weltfremde Magiebegabte, edle Wesen, die mit der Natur nicht so viel am Hut haben. Prinzipiell finde ich diese Einteilung gar nicht mal schlecht bis richtig gut (der Unterschied ist schließlich groß), aber warum (?!) kann man nicht einfach Wood Elfs und High oder Moon Elfs sagen? Eine Wortneuschöpfung ist in einem klassischen System (wie gesagt, meine Sicht auf D&D) immer Gift. Naja. Wo wir gleich beim zweiten Punkt wären. Dragonblooded (oder so ähnlich) haben es doch tatsächlich ins Core geschafft, und wir reden hier nicht von Menschen mit ein Bisschen Drachenblut, sondern tatsächlich von humanoiden Drachen im Kleinformat (guckt euch Bilder im Web an). Das ist nicht nur so "obercool", dass man kotzen möchte, es passt auch überhaupt nicht in den Rest der Grundvölker mit rein. Ich bin sehr gespannt wie lächerlich sie das Erscheinen der Dragonblooded in den Forgotten Realms erklären. xD' Einziger positiver Aspekt: Die Drachen neigen zu guter ehrenhafter Gesinnung, mit Paladin als bevorzugter Klasse, was viele böse Kiddo-Drachen verhindert (oder zumindestens nicht unterstützt). Die Freude wärt aber nicht lang, denn jetzt kommt der Dreath Strike. Die Tieflinge sind im Core. *würg* *brech* *kotz* Sorry für meine Emotionalität, aber das ist zum Weinen. Ich habe absolut nichts gegen Tieflinge, Halbdämonen sind eine tolle Idee, aber eine "böse" Rasse mit Schurke als bevorzugte Klasse im Core ist der Todesstoß für jede Anfängergruppe. Ich sehe Scharen von 13-Jährigen mit Möchtegern-Drizzts durch die Lande ziehen und ihre frühpubertären Neigungen ausleben. Dass die Aasimare fehlen, macht das Ganze nur noch schlimmer, da ich beide Rassen immer als Equivalent angesehen habe, die Dragonblooded nehmen zwar deren Rolle ein, aber zu denen wurde ja schon alles gesagt.
Kurz: Schade drum. Die Drachen hauen das System um, hätten sie stattdessen die etwas weniger coolen Aasimare, hätte es irgendwie noch gepasst, aber so... naja.

Kurzfazit, ohne dass ich alles gesehen, geschweige denn gelesen hätte: Zu zwieschneidig, um genial zu sein. Man hat es sich wirklich vertan. Das System ist zwar offenbar so richtig toll, aber der Hintergrund... Das GRW fühlt sich mit den Rassen ein Bisschen wie eine spezielle Kampagnenwelt an, nicht wie ein Grundregelwerk. Das bleibt jedoch nur der Ersteindruck.

Ausführliche Meinung ein paar Tage, nachdem mein eigenes Exemplar angekommen ist.