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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : FOSS und der Weg in den Kommunismus



Ineluki
05.04.2006, 20:26
Werte Diskussionsfreudige, Anhaenger der freien und offenen Software, lieber Politiker und deren Anhaengsel,

Viele von euch kennen, nutzen und lieben FOSS, die Freie und oder Open Source Software, und in Zeiten von mySQL, PHPmyAdmin, OGG Vorbis und Linux ist es auch schwer an solcher Software vorbei zu kommen, was in meinen Augen auch gut so ist.

Doch lassen wir uns als erstes einmal definieren, was FOSS ausmacht. Einzelne oder Gruppen von freiwilligen Programmierern erstellen fuer sich und andere Software und sogar ganze Softwarepakete, um sie letztendlich kostenfrei der Allgemeinheit zugaenglich zu machen, ohne selber irgendwelche Forderungen zu stellen, oder auch nur Gegenleistungen zu erwarten, ausser der Kennzeichnung, dass andere Werke, die auf ihrem Code basieren, als solche kenntlich gemacht werden, und oftmals abgeleitete Werke ebenfalls ihren Code offenlegen muessen.

Was wir hier haben ist ein Akt des selbstlosen Einsatzes der lohnens- und lobenswert ist, und nicht in vielen Bereichen unseres heutigen Lebens zu finden ist. Ebenso waere eine Ausdehnung dieser selbstlosen Prinzipien auf andere Aspekte unseres alltaeglichen Lebens wuenschenswert, da sie doch das Beste in uns zu Tage foerdern. Zum Beispiel gibt es bereits einige Musikgruppen, die ihre Musik lizenzfrei im Internet vertreiben.

Andererseits wuerde die konsequente Anwendung dieser Prinzipien, in Essenz die selbstlose Hingabe an die Beduerfnisse der Allgemeinheit ohne Erwartung einer Rueckverguetung, in den Kommunismus fuehren, der, wie wir alle Wissen, bereits in seinen Anfaengen ueberall auf der Welt gescheitert ist.

Die Frage, die sich nun aufdraengt, ist, wann und warum diese Idee zum Scheitern verurteilt ist.

Dhan
05.04.2006, 20:36
Die Idee ist zum Scheitern verurteilt, sollte sie primär ausschließlich genutzt werden (mit "ausschließlich genutzt" meine ich, dass eine Person NUR oder GRÖßTENTEILS "selbstlos" arbeitet) und eine spürbare Anzahl Personen das Konzept nicht anwenden.
Das System könnte allerdings stabilisiert werden, indem alle Personen, die problemlos kopierbare Produkte wie Software herstellen, vom Staat (also vom Steuerzahler) unterstützt werden und dafür vom Konsumenten keine direkte Vergütung erhalten

Ineluki
05.04.2006, 20:57
Was hindert aber die Leute daran, so zu arbeiten ? Wenn jeder etwas der Allgemeinheit gibt, ist es doch nur natuerlich, dass sich die Allgemeinheit auch um einen selbst kuemmert. Liegt es vielleicht in der Natur des Menschen, Verantwortung nicht aus der hand geben zu wollen, so auch die Verantwortung sich selbst zu versorgen ? Andererseits lassen sich Menschenmengen in der Regel auch lieber von jemandem Fuehren, weil sie dann nicht ueber alles selber nachdenken muessen. Wenn es so nicht waere, haetten sich Feudalsysteme und Politik nie entwickelt.

Dhan
05.04.2006, 21:27
Das Problem ist einfach, dass viele Menschen schmarotzen wenn sie die Gelegenheit dazu finden.

RPG-Man
05.04.2006, 21:52
Das Problem, warum es zum Scheitern verurteilt ist, ist ganz einfach. Wir leben halt in einer Welt, wo es über Freie Software gespaltene Lager gibt. Nehmen wir doch mal Linux und Windows. Linux ist ja ein freies Betriebssystem für den Privatanwender, was sicher ist und nix kostet. Auf der anderen Seite steht Windows, der wie viele Sagen einige Sicherheitslücken sind und eine Menge Geld für den Privatanwender kostet. Dann kommt die große Frage: Wenn Linux so viele Vorteile gegenüber Windows hat warum benutzten mehr Leute Windows anstatt Linux. Der große Unterschied ist, dass Microsoft die Leute seit DOS (oder auch Windows 95) die Privatanwender in ihrer Hand hat und die meisten Leute halt darauf fixiert sind sich immer dieses Betriebssystem auf den neusten Stand zu besorgen (Manche eher weniger^^). Ein anderer Unterschied ist, dass Windows für den Normalbenutzer recht einfach zu bedienen ist und bei Linux erstmal schauen muss wie was geht. Bei Windows ist es Klicken und bei Linux ist es meist Textzeilenkommandos, was der Privatanwender gar nicht mag weil nur Klicken ja wesentlich einfacher zu lernen ist. Ein anderer Hintergrund ist auch das Marketing der Firmen. Bei Windows sagt der normale Privatanwender: " Na klar kenn ich Windows." und bei Linux würde er sagen: "Ja hab ich schonmal gehört." Das heißt solange Produkte, die Geld kosten, im Allgemeinen bei den normalen Anwendern sowieso dominieren wird sich das auch nicht ändern.

Ineluki
05.04.2006, 21:56
Das ist ja auch gar nicht das Problem, das ich anspreche ...

Man sieht ja, das zumindest in der Softwareindustrie der nichtkomerzielle Weg moeglich ist. Die Frage ist nun, wieso dies nicht auf die Anwendung auf die gesamte Gesellschaft funktionieren kann.

RPG-Man
05.04.2006, 22:10
Das ist ja auch gar nicht das Problem, das ich anspreche ...

Man sieht ja, das zumindest in der Softwareindustrie der nichtkomerzielle Weg moeglich ist. Die Frage ist nun, wieso dies nicht auf die Anwendung auf die gesamte Gesellschaft funktionieren kann.

Du meinst, dass niemand was zahlen muss und jeder dabei trotzdem seinen Beitrag leistet oder verstehe ich da etwas eher falsch?

Ineluki
05.04.2006, 22:19
*nick*

Genau darum gehts doch beim (idealen) Kommunismus.

RPG-Man
05.04.2006, 22:28
O.K. nach endlich verstehe ich es auch. Also ich denke der Kommunismus kann im Grunde genommen nicht so zustande kommen weil ihn keiner im Grunde genommen will. Der Typus Mensch will ihn einfach nicht. Sieht man doch in der Geschichte der DDR. In der DDR wollte die Bevölkerung den Kommunismus nicht weil er einfach einige Nachteile gegenüber dem Westen hatte insbesondere sich mal Wünsche zu erfüllen, die sonst keiner hätte und die Politiker in der DDR wollten den typischen Kommunismus im Grunde genommen auch nicht weil alle nur an sich gedacht haben (Zumindest die Meisten). Der Mensch meiner Meinung nach mit dem Kommunismus einfach inkompatibel, da er gerne anders sein möchte als seine Mitmenschen. Man muss also sehen, dass jeder Mensch anders sein möchte als seine Mitmenschen und der Kommunismus nimmt ihnen das Beddürfnis. Dabei muss man doch sehen, dass es auch ein Recht hohes Bedürfnis ist.

Ineluki
05.04.2006, 22:51
Der Komunismus an sich fordert ja nicht die Gleichschaltung aller Individuen.
Und selbstloses Handeln ohne monetaere Interessen in komplexen Projekten ist durchaus moegleich, wie die internationale FOSS Gemeinde beeindruckend zeigt.

Jesus_666
06.04.2006, 00:35
FOSS funktioniert unter Anderem deshalb, weil es vom Urheberrecht geschützt wird. FOSS-Entwickler können andere Leute dazu zwingen, sich an ihre Lizenz zu halten - denn wenn sie das nicht tun ist das eine Urheberrechtsverletzung (da dr Vrletzer keine gültige Lizenz für den Quellcode hat) und eröffnet dem Entwickler die Möglichkeit, den Verletzer zu verklagen.

FOSS arbeitet also innerhalb nichtkommunistischer Regeln und nutzt diese aktiv. Dabei hilft, daß der Nachweis des Verstoßes oft relativ einfach ist: Man scannt die Binary nach gewissen Symbolen, die sich auch im eigenen Quelltext finden und man hat seinen Nachweis. Auch das Vorhandensein spezifischer Verhaltensweisen kann zum Nachweis verwendet werden.

In der echten Welt ist es weit schwerer, einen Gesetzesverstoß nachzuweisen - sonst hätte es nicht so viel Schmuggel über die BRD/DDR-Grenze gegeben. Das macht es Schmarotzern einfacher.
Dazu kommt, daß man Quellcode und Programme ohne Kosten beliebig oft kopieren kann - wenn ich mit anderen teile verliere ich nichts¹. Das steht im krassen Gegenteil zur echten Welt: Wenn ich hundert Euro habe und jemandem 50 davon gebe dann habe ich nur noch 50 Euro übrig.


¹ Aus dem gleichen Grund ist es auch kein Diebstahl, wenn ich einen Film runterlade - Diebstahl impliziert, daß der andere den Gegenstand nicht mehr hat. Raubkopieren ist ein Fall von Urheberrechtsverletzung. Wenn ich hingegen bei Sony einbrechen, den DVD-Master für den Film klauen und alle Digitalkopien löschen würde, das wäre Diebstahl.

Rübe
06.04.2006, 00:57
Hmm, meinem Weltbild nach existiert sowas wie Selbstlosigkeit ja sowieso nicht. Man bedenke: Linux ect. basieren auf dem freiwilligen Engagement von (Hobby)programmierern, die sich vielleicht einen Namen machen, den Leuten aus "ihrem Kreis" helfen oder die Welt weiterbringen wollen.
Das wichtigste Element ist der Faktor "Freiwilligkeit". Damit ein Programmierer freiwillig ein kostenloses Betriebssystem herstellt, braucht er eine Motivation (z.B. die oben genannten Ziele). Damit jetzt der Kommunismus funktionieren könnte, müsste jeder bereit sein, für diese "edlen" Ziele seine Aufgabe zu verrichten.
So kommen wir zu zwei Gegenfaktoren:
1. Kann man noch von Freiwilligkeit sprechen, wenn eine bestimmte Aufgabe zugeteilt wird? Ist der Bäcker, der den Auftrag hat, 25 Brote herzustellen in der selben Situation wie der Programmierer? Ich würde sagen nein, denn an ihn wird eine Anforderung gestellt.
2. Der grosse Vorteil von Geld ist sein Tauschwert. Man kann Geld in fast alles umtauschen, es ist also das Mittel, dass sehr viele Bedürfnisse der Menschen befriedigen kann und ist somit ein sehr potentes Motivationsmittel. Das Problem liegt jetzt darin, dass es zwar für einige Menschen durchaus erstrebenswert ist, die Gesellschaft zu bereichern (weil sie sich auf einer emotionalen Ebene selber damit befriedigen), jedoch gilt das eher für einen kleinen Teil. Die meisten Menschen werden eher Bedürfnisse haben, die sie direkt betreffen. Während also der Programmierer sich ein Bedürfnis befriedigt, indem er der Community sein Wissen zur Verfügung stellt und damit zu Ruhm und Ehren (oder vielleicht nur zu einem guten persönlichen Gefühl) kommt, möchte der Bäcker vielleicht einen Ferrari oder, um ein weniger extremes Beispiel zu bringen, eine gute Ausbildung für seine Kinder. Ergo: Natürlich gibt es Gruppen, deren Ziele sich mit der gesellschaftlichen Wohlfahrt schneiden, diese stellen aber eher eine Minderheit dar.

Der Knackpunkt liegt wohl in einem zentralen kommunistischen Satz: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen."
1. Es müsste ein grundlegendes Bedürfnis jedes Gesellschaftsmitgliedes sein, primär der Gesellschaft zu helfen. Dem ist aber ganz offensichtlich in den wenigsten Gesellschaften so.
2. Bedürfnisse selbst verursachen diverse Probleme. So gibt es nie genug Güter, um alle Bedürfnisse maximal zu erfüllen (man kann sich z.B. denken, dass mehr Deutsche gerne einen Porsche in der Garage haben als sich überhaupt Porsches in der aktuellen Qualität produzieren lassen). Es mangelt also schon an der Zuteilung von Gütern. Oder wieso darf das Kind des Parteisekretärs eine Eliteschule besuchen, während das Kind des Bauern mal sehen soll, ob es mit einem Stöckchen Buchstaben in den Schlamm bekommt (Willkürzuteilung). Das zweite Problem ist, dass sich Bedürfnisse bzw. deren Erfüllung gegenseitig beeinflussen: Wenn der Nachbar sich ein teures DolbySurround-Heimkino leistet, ist die Chance, dass man selber auch eines will, höher. Wie geht man mit diesen neuentstehenden Bedürfnissen um, wenn man nicht für diese eingerichtet ist.
3. Es stellt sich zuletzt das Problem der Fähigkeiten: Um zu grantieren, dass immer genug Bauern zur Verfügung stehen, müssen Söhne zum Beruf des Bauern gezwungen werden. Dies kann gegen deren Bedürfnisse laufen (wenn der Sohn z.B. lieber eine neue Version für Linux programmiert hätte)


Die Frage, die sich nun aufdraengt, ist, wann und warum diese Idee zum Scheitern verurteilt ist.
Die Idee scheitert genau in jenem Moment, in dem man annimmt, dass alle Gesellschaftsmitglieder ihre persönlichen Bedürfnisse zugunsten der Gesellschaftsbedürfnisse ohne Gegenleistung zurückstellen. In der Tat wäre es wohl möglich, eine kommunistische Gruppe zu unterhalten, wenn die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Gruppenkomponenten der Gruppe selbst entsprechen.
Insofern strebt der Kommunismus eben doch nach einer Gleichschaltung, und sei es nur jener der Bedürfnisse.

Don Cuan
06.04.2006, 03:52
Andererseits wuerde die konsequente Anwendung dieser Prinzipien, in Essenz die selbstlose Hingabe an die Beduerfnisse der Allgemeinheit ohne Erwartung einer Rueckverguetung, in den Kommunismus fuehren, der, wie wir alle Wissen, bereits in seinen Anfaengen ueberall auf der Welt gescheitert ist.
Die Fortführung ist ein bisschen sehr gewagt, obwohl insbesondere die Ideale der Free Software Foundation (fsf.org) mit einigen kommunistischen kompatibel sind. Dennoch haben weder FSF noch sonstige Organiisationen der FOSS-Szene bisher für eine bestimmte politische Richtung geworben. Der Einsatz gegen die Folgen wirtschaftlicher Monopole (teils durch staatliche Institutionen) kann genauso auch wirtschaftsliberal (bzw. libertär in der amerikanischen Sprechweise) motiviert sein. Beide Gruppen (Libertäre Kommunisten und Wirtschaftsliberale) überschneiden sich in ihren Rändern auch dadurch, dass sie teilweise den Begriff des Anarchismus für sich beanspruchen. In der Linux-Distro Debian ist anarchism BTW das einzige wirklich politisch gefärbte Paket (fortunes-off ist nur religös eindeutig ;))
Der einzige mir bekannte Versuch, Kommunismus und FOSS zu verbinden, besteht im von der chninesischen Regierung geförderten Red Flag Linux. Abgesehen von derer fragwürdigen "kommunistischen" Einstellung schätze ich diese Initiative aber eher als Protektionismus ein, da raubkopierte Windowsversionen dort einen Marktanteil von über 80% haben sollen, was auf ein WTO- und WIPO-Mitglied kein gutes Licht wirft.

Aber z.B. werden mit Red Hat, SuSE und Mandriva drei der verbreitetsten Linux-Distros von Firmen vertrieben, die sich insbesondere am Support der Corporate-Versionen verdient machen. Und der hat mit Kommunismus erst recht wenig am Hut, wenn deren Gestaltung den branchenüblichen Preisen folgt. Ubuntu ist auch nicht wirklich mit kommunistischen Ideen kompatibel, weil sein Kapital zu großen Teilen vom Multimilliardär Mark Shuttleworth stammt, der es wiederum aus Spekulationen erworben hat (mehr oder weniger schmutziges Kapital).
Daneben gibt es auch Modelle wie das von Hans Reiser/Namesys, das Software kostenlos unter der GPL verteilt, proprietäre Nutzungsrechte und Support aber gegen Bezahlung anbietet. Mit etwas Geld kann man sich also vom "idealistischen Ballast" auch freikaufen.
Und schließlich gibt es auch Konzerne wie etwa IBM, Intel oder Sun, die in FOSS investieren und auch in-house unter der (L)GPL entwickeln, aber von den Rückflüssen auch profitieren und die gleichzeitig proprietäre Strategien verfolgen (z.B. Unix-Klon AIX, Intel-Macs und viiv, Sun Java und StarOffice)

Deshalb kann man die Bewegung IMO gar nicht über einen politischen Kamm scheren. Zudem müsste die Zusammenfassung FOSS in politischer Hinsicht wieder aufgebrochen werden, da der Open-Source-Gedanke viel mehr auf Effektivität als auf das Sichern von Freiheitsrechten abzielt. Wenn OSS also mit Kommunismus gleichgesetzt wird , wäre ihr Sieg lediglich die Niederlage des proprietären, kapitalistischen Entwicklungsmodells. Auf höherer Ebene würde das aber nichts ändern, OSS wäre lediglich eine rentablere Entwicklungsweise.
Die Freie-Software-Bewegung (mit der FSF als Sprachrohr) vertritt dagegen vehement ihre Ziele, ruft u.a. zum Boycott von Trusted Computing, DRM und Organistionen wie der WIPO auf. Die Idee, Urheberrechte für sich zu nutzen und umzudrehen (Copyleft) stammt zwar von dieser Fraktion, aber sie setzt sich tatsächlich für den Abbau exklusiver Urheberrechte ein und ist ein Feind des Begriffs des geistigen Eigentums. Wenn es um die Grenzen zwischen Hard- und Software geht, wird die FSF aber z.T. schon wackelig (Campaign for Free BIOS (http://www.fsf.org/campaigns/free-bios.html)), und manche Kampagnen wären unter kommunistischen Maßstäben sehr fraglich:

The most uncooperative company is Intel, which has started a sham "open source" BIOS project. The software consists of all the unimportant parts of of a BIOS, without the hard parts. It won't run, and doesn't bring us any closer to a BIOS that does run. It is just a distraction. By contrast, AMD cooperates pretty well.

You can help our campaign by buying AMD CPU chips and not buying Intel, and by publishing statements about what you're doing.


FOSS funktioniert unter Anderem deshalb, weil es vom Urheberrecht geschützt wird. [...]
FOSS arbeitet also innerhalb nichtkommunistischer Regeln und nutzt diese aktiv.
Das gilt aber nur für Software unter der (L)GPL, aber FOSS unter BSD-artigen, der Artistic (Perl) License usw. oder solche im Public Domain funktioniert auch ohne die Umkehrung von Copyright zu Copyleft. Und ich würde keinen der beiden Ansätze als unbedingt erfolgreicher ansehen. BSD-Lizenzen bedienen sich nicht groß des Copyright, dafür hat Apple einen großen Teil des FreeBSD-Codes für ihr im gesamten proprietäres MacOS X verwendet. Die FSF-Lizenzen bedienen sich des Copyrights, sind weit verbreiterter, sind jedoch kommerziell wohl in einem engeren Spektrum interessant.

Ich würde den FOSS-Ansatz nicht als gescheitert ansehen (das Wachstum von Linux, Firefox und Apache lassen sich gut dagegen halten), doch es war nie sein Ziel, einen ganzheitlichen gesellschaftlichen Wandel herbei zu führen. Ich halte ihn eigentlich auch für überlegen, weil er das Vertrauen der Nutzer von auf Shareholder Value geilen Konzernen wieder auf reale Personen verteilt, die nicht sich selbst und den Nutzer zu Huren von Interessengruppen machen.



Also ich denke der Kommunismus kann im Grunde genommen nicht so zustande kommen weil ihn keiner im Grunde genommen will.
Für sich selbst wollen ihn sicher die meisten, die Gemeinschaft ist nur der springende Punkt ;).

@Rübe
Der Zwang wird IMO weniger problematisch, wenn er nur als innerer Zwang besteht. Wenn also nicht genügend Nahrung vorhanden ist, zwingt man sich selbst zur Befriedigung dieses Zwangs. So lange nicht alle notwendigen Bedürfnisse befriedigt sind, arbeitet man auf dieses Ziel hin. Durch eine vernünftige Arbeits- und Güterteilung würde eine Wirtschaftsform entstehen, in der Geld als Zahlungsmittel unnötig ist und ensprechend der Bedürfnisse gearbeitet wird. Wir hatten das jetzt schon oft, natürlich ist dieses Modell sehr ungeschliffen und wohl kaum endgültig umsetzbar.
Der Weg ist das Ziel, der Weg ist das Ziel...

Jesus_666
06.04.2006, 13:33
BSD-Lizenzen bedienen sich nicht groß des Copyright, dafür hat Apple einen großen Teil des FreeBSD-Codes für ihr im gesamten proprietäres MacOS X verwendet.
Qué? Apple verwendet weite Teile von FreeBSD in Darwin, welches der Kernel ist, auf dem OS X läuft. Darwin ist Open Source. Was Apple proprietarisiert hat ist KHTML, welches als Grundlage für WebCore dient, allerdings gibt Apple auch sehr viel an die KHTML-Entwickler zurück. KHTML unterliegt übrigens nicht einer BSD-artigen Lizenz sondern der LGPL.

Zugegeben, BSD-Artige bürden den Verwendern des Quellcodes nicht viele Auflagen auf, aber wenn ich BSD-Code in meinem Projekt verwende und mich nicht an die Lizenz halte habe ich immer noch unlizensierten Code, was eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Die GPL-Artigen schießen mit weitaus schärferer Munition als die BSD-Artigen, aber beide basieren auf dem gleichen Prinzip: Sie stellen Bedingungen dar, unter denen der Quelltext legal verwendet werden darf; wer gegen die Lizenz verstößt verliert den Anspruch auf den Quelltext. Selbst extrem liberale Lizenzen wie die zlib arbeiten so. Die einzige Möglichkeit, dem Verwender völlige Freiheit zu geben ist, den Quelltext allgemeinfrei zu machen (Public Domain), was allerdings in Deutschland rechtlich nicht möglich ist.

Rübe
06.04.2006, 14:15
@Rübe
Der Zwang wird IMO weniger problematisch, wenn er nur als innerer Zwang besteht. Wenn also nicht genügend Nahrung vorhanden ist, zwingt man sich selbst zur Befriedigung dieses Zwangs. So lange nicht alle notwendigen Bedürfnisse befriedigt sind, arbeitet man auf dieses Ziel hin. Durch eine vernünftige Arbeits- und Güterteilung würde eine Wirtschaftsform entstehen, in der Geld als Zahlungsmittel unnötig ist und ensprechend der Bedürfnisse gearbeitet wird. Wir hatten das jetzt schon oft, natürlich ist dieses Modell sehr ungeschliffen und wohl kaum endgültig umsetzbar.
Der Weg ist das Ziel, der Weg ist das Ziel...
Ich rede ja auch nicht von selbsterhaltenden Bedürfnissen. Man bedenke: Theoretisch könnte man den Preis für Lebensmittel und Kleider nullen und dafür pauschal einen Preis für eine monatliche Ration abziehen (oder ähnlich). Nur: Wer will nicht mehr als nötig ist? Eigentlich könnte man mit Kleidern, Brot, Fleisch, Obst und einer Bleibe auskommen, ohne zusätzliche Leistungen. Aber wir wollen ja Internet, Autos, Fernsehn, Literatur, Luxus (darunter auch qualitativ höherstehende Mittel für Grundbedürfnisse); das ist alles nicht notwendig um eine möglichst lange Lebensspanne zu haben.
Der einzige Zweck des Geldes ist eigentlich die Verbindung von Bedürfnispartnern. Man stelle sich vor, jemand brauche Schinken und handle dafür mit Brot. Ohne Geld muss man sich jetzt erst jemanden suchen, der Schinken gegen Brot tauscht (oder Pelz gegen Linux :D). Geld hat den Vorteil, dass es jeder als Tauschmittel akzeptiert, weil er es problemlos weitertauschen kann und so die Transaktionskosten (die Suche nach dem geeigneten Partner) minimiert werden. Mit einer Rationierung könnte man dieser Sache zwar begegnen, indem man Schinken und Brot an eine Verteilungszentrale gibt und dann dort Rationenweise verteilt. Da aber nicht jeder Schinken mag, kommen wir wieder zum Problem, dass nicht jeder die selben Bedürfnisse hat.

Ein weiteres Problem, dass mir zur Programmierung eingefallen wäre, ist, dass Programme viel eifacher vervielfälltigt werden kann. Ein Programm wird einmal geschrieben und dann kopiert. Das geht schon mit landwirtschaftlichen Gütern nicht, man kann ja nicht einen Sack Mehl einfach kopieren (wir sind ja nicht bei Star Trek). Ist also eine Frage der Knappheit.

Ineluki
06.04.2006, 16:21
Da stoesst natuerlich die Frage auf, ob das Kopieren von Lebensmitteln nicht vielleicht eines Tages moeglich sein sollte. Ich denke da an Fortschritte auf den Sektoren der Energieerzeugung, des Recyclings und vor allem der Gen- und Stammzellenforschung. Wenn es eines Tages moeglich ist, eine Rinderfilet in einer Naehrloesung wachsen zu lassen, ohne den Rest des ganzen Rindes erhalten zu muessen, koennte genau ausschliesslich das Produziert werden, was gebraucht wird, und das, was ueberschuss ist, wird ueber Recycling erneut zu Naehrstoffloesung verarbeitet. Interessante Tendenzen in der Gemueseproduktion Suedamerikas gibt es ja bereits, wo Gemuese nicht mehr in Boeden auf Feldern angebaut wird, sondern in Hydrokultur auf Fliessbaendern waechst, die mehrmals Taeglich durch eine Naehrstoffloesung laufen.

Eine Entwicklung, die sich im aktuellen Arbeitsmarkt abzeichnet, ist doch, dass man durch Automatisation immer weniger Arbeiter im Primaeren und sekundaeren Sektor benoetigt, was zum Teil ein Grund fuer die hohe Arbeitslosigkeit ist. Konsequent weiter gedacht koennte eine groessere Automatisierung zu einer starken Verlagerung in den tertiaeren Sektor (Dienstleistung) und quartaeren Sektor (Forschung, Kultur) fuehren. Waehrend im tertiaeren Sektor der "Tauschhandel" schon viel einfacher moeglich ist ("Du reparierst mir mein Abflussrohr und ich Tapeziere deine Kueche."), so ist im quartaeren Sektor ein ein Tauschhandel jederzeit moeglich, da der Abnehmer immer die Gesellschaft ist, die stets an neuem Kultur- und Forschungsgut interessiert ist. Das Kopieren von Erzeugnissen ohne nennenswerten Verlust wird somit vom primaerem zum quartaeren Sektor immer einfacher, wobei der primaere und sekundaere, sowie Teile des tertiaeren Sektors zunehmend automatisiert werden koennen.

Die FOSS Entwicklung, um den Kreis zu schliessen, ist in meinem Dafuerhalten ein Mittelding zwischen tertiaerem und quartaerem Sektor, wobei der Schwerpunkt auf dem quartaeren Anteil liegt. In Einer Gesellschaft, in der Arbeit nur noch im tertiaeren und vornehmlich quartaeren Sektor vorhanden ist, waere Geld ein ueberfluessiges Relikt vergagener Tage.

Don Cuan
06.04.2006, 18:39
Qué? Apple verwendet weite Teile von FreeBSD in Darwin, welches der Kernel ist, auf dem OS X läuft. Darwin ist Open Source. Was Apple proprietarisiert hat ist KHTML, welches als Grundlage für WebCore dient, allerdings gibt Apple auch sehr viel an die KHTML-Entwickler zurück. KHTML unterliegt übrigens nicht einer BSD-artigen Lizenz sondern der LGPL.
Ich hatte mir bisher nicht die Apple Public Source License zu Gemüte geführt, unter der Darwin lizensiert ist. Nach Überfliegen des Textes und des dazugehörigen Kommentars der FSF ist der Kern von OS X sowohl frei als auch Open Source, was wohl auch für andere Bestandteile, aber nicht das gesamte Betriebssystem gilt (ansonsten würde mir ein Listenpreis von 129$ ohne weitreichenden Support auch seltsam vorkommen).
Da die freien Lizenzen also nur Teile des OS umfassen, rechne ich OS X im Bundle als proprietär an. Aber es stimmt natürlich auch, dass Apples Engagement gegenüber gewissen Konkurrenten (*hust*) vorbildhaft, wenn auch nicht uneigennützig ist.

Rübe
07.04.2006, 01:18
Da stoesst natuerlich die Frage auf, ob das Kopieren von Lebensmitteln nicht vielleicht eines Tages moeglich sein sollte. Ich denke da an Fortschritte auf den Sektoren der Energieerzeugung, des Recyclings und vor allem der Gen- und Stammzellenforschung. Wenn es eines Tages moeglich ist, eine Rinderfilet in einer Naehrloesung wachsen zu lassen, ohne den Rest des ganzen Rindes erhalten zu muessen, koennte genau ausschliesslich das Produziert werden, was gebraucht wird, und das, was ueberschuss ist, wird ueber Recycling erneut zu Naehrstoffloesung verarbeitet. Interessante Tendenzen in der Gemueseproduktion Suedamerikas gibt es ja bereits, wo Gemuese nicht mehr in Boeden auf Feldern angebaut wird, sondern in Hydrokultur auf Fliessbaendern waechst, die mehrmals Taeglich durch eine Naehrstoffloesung laufen.

Das erinnert mich daran, dass Trekies darüber diskutieren, ob es in Star Trek überhaupt noch Geld gibt, da ja dadurch, dass man alle Lebensmittel replizieren kann, kein Mangel mehr bestünde. Es ist schon so, je einfacher und zahlreicher ein Gut produziert werden kann, umso billiger wird es zu haben sein. Deshalb ist Brot auch billiger als Kaviar. Mit entsprechenden Technologien liessen sich wirklich die Preise für Nahrungsmittel und auch Industriegüter gegen null senken. Eine entsprechende Entwicklung hat Europa schon längst hinter sich. Der primäre Sektor ist sehr weit geschrumpft, ebenso die Industrie (Daten: CH) während die Dienstleistungen inzwischen zum grössten Sektor geworden sind. Sollte alles automatisiert werden, so entstehen höchstens noch Wartungsplätze.
Was den einfachen Tausch von Dienstleistungen betrifft, da bin ich nicht ganz deiner Meinung. Ich würde mich dir z.B. nicht als Klempner für dein Abflussrohr anbieten ;)... oder zum Tapezieren. Eigentlich steht man wieder vor dem selben Problem: Man muss jemanden finden, der die Fähigkeit besitzt, die entsprechende Dienstleistung richtig zu erfüllen und dies für jene Dienstleistung, die ich ihm biete. Geld löst das weiterhin sehr bequem. Zu bedenken gebe ich auch, dass der technologische Fortschritt nicht nur die Preise durch eine günstige Herstellung senkt, sondern die Herstellungsmittel gleichzeitig komplexer werden. Kein Mensch wird, wenn es denn futuristische Maschinen geben wird, fähig sein, wirklich alles zu verrichten. In der Zukunft wird es wahrscheinlich eher Gruppen verschiedener Spezialisten geben, zwischen denen durch Geld vermittelt wird.
Zum 4.Sektor: Den drei "Standardsektoren" ist eines gemein: Sie forschen innerhalb ihres eigenen Umfelds, egal ob Land- und Forstwirtschaft, Industrie oder Dienstleistungen, Leistungsinnovation ist Teil der Leistungserstellung und lässt sich deshalb nicht in einen eigenen Sektor ausgliedernl, sie bleibt Teil des Sektors in dem sie stattfindet. Kultur andererseits lässt sich kaum auf einen Sektor herunterbrechen. Die "Standardsektoren" und die Forschung sind gewiss bewusste und gezielte Prozesse. Eine gezielte Kultur herzustellen erscheint mir dagegen als unmöglich. Klar kann man einen Maler beauftragen, ein Bild zu erstellen. Dann ist er aber Dienstleister, der wiederum auf die Kultur wirkt. So gesehen ist Kultur nicht ein Sektor, sondern viel eher das Umfeld, in dem die Sektoren handeln. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass, sollte es z.B. keine Menschen mehr brauchen, die Maschinen bedienen, diese einfach Kulturschafende werden. Meiner Meinung nach liegt die Zukunft in den Dienstleistungen. Die Forschung wird von Leuten, die ein Interesse an Sektorinnovation haben weitergetrieben. Und die kulturelle Entwicklung lässt sich weder bewusst steuern noch aufhalten. Und wie ich eben schon dargelegt habe, ist Geld bei den Dienstleistungen ebenso wichtig, wie bei den anderen beiden Sektoren, da nicht jeder alles kann.

Jesus_666
07.04.2006, 01:45
Ich hatte mir bisher nicht die Apple Public Source License zu Gemüte geführt, unter der Darwin lizensiert ist. Nach Überfliegen des Textes und des dazugehörigen Kommentars der FSF ist der Kern von OS X sowohl frei als auch Open Source, was wohl auch für andere Bestandteile, aber nicht das gesamte Betriebssystem gilt (ansonsten würde mir ein Listenpreis von 129$ ohne weitreichenden Support auch seltsam vorkommen).
Da die freien Lizenzen also nur Teile des OS umfassen, rechne ich OS X im Bundle als proprietär an. Aber es stimmt natürlich auch, dass Apples Engagement gegenüber gewissen Konkurrenten (*hust*) vorbildhaft, wenn auch nicht uneigennützig ist.
Naja, das Problem ist eben: Darf Apple freie und proprietäre Komponenten parallel verwenden? Wenn ja gibt es an OS X nicht viel auszusetzen, weil die freien Komponenten frei und die proprietären proprietär sind. Lizenztechnisch gibt es auf jeden Fall keine Probleme.
Wenn nein, invalidiert das nicht auch die meisten Linux-Distributionen? Die meisten Paketmanager enthalten proprietäre Pakete - beispielsweise den beschleunigten Treiber für NVidia-Grafikkarten oder das Flash-Plugin für Mozilla. Wenn die Verwendung einer proprietären Komponente das Gesamtsystem inakzeptabel macht gibt es nur wenige Distros, die nicht per default inakzeptabel sind.
Wenn OS X schlimm ist aber Linux generell gut, wo ist dann die Grenze? Ist Linspire schlecht? Und was ist mit SUSE? Beide haben eine Menge proprietären Kram integriert. Und wie sieht's mit Paketen wie Cedega aus?

Die Vermischung freier und proprietärer Elemente ist idologisch gesehen eine verzwickte Sache - es sei denn man hält sich einfach an die Lizenz. Denn weder die GPL noch die BSD haben was dagegen, wenn ein freies Programm in einem proprietären System arbeitet oder umgkehrt.

Don Cuan
07.04.2006, 03:49
Naja, das Problem ist eben: Darf Apple freie und proprietäre Komponenten parallel verwenden? Wenn ja gibt es an OS X nicht viel auszusetzen, weil die freien Komponenten frei und die proprietären proprietär sind. Lizenztechnisch gibt es auf jeden Fall keine Probleme.
Wenn nein, invalidiert das nicht auch die meisten Linux-Distributionen? Die meisten Paketmanager enthalten proprietäre Pakete - beispielsweise den beschleunigten Treiber für NVidia-Grafikkarten oder das Flash-Plugin für Mozilla. Wenn die Verwendung einer proprietären Komponente das Gesamtsystem inakzeptabel macht gibt es nur wenige Distros, die nicht per default inakzeptabel sind.
Debian \o/ http://www.multimediaxis.de/images/smilies/old/hell_yeah.gif
Verdammt, die haben ihr non-free-Repository x_x.

Der Unterschied besteht aber darin, dass Linux-Distributoren den Großteil ihrer Pakete nur zusammenstellen und nicht selbst entwickeln, von daher also gar nicht die rechtliche Kontrolle über die Pakete haben (bis auf distrospezifische). Sie dürften mich (auch durch die Lizenzen der Einzelpakete) schwer zwingen können, die Distro zu vervielfältigen. Und bei einer Veränderung würde ich die Distro auflösen, wodurch nur die Bestimmungen der Einzelpakete wirklich auf mich wirken könnten.
Apple kann dagegen zumindest die eigenen proprietären Pakete kontrollieren, und selbst die APSL-Pakete scheinen mir unter Copyright Apples zu bleiben. Ich weiß jetzt nicht, inwieweit dich Apple bei der Vervielfältigung der OS X-Distribution einschränkt, aber bei einem Preis über 100€ müssten sie etwas dagegen haben (gut, SuSE kostet in der Box auch 50€, aber da zählt das Handbuch als Support rein)
Bei Linux-Distros ist man der Regel nach in der Gesamtvervielfältigung nicht eingeschränkt (könnte aber z.B. bei Xandros anders sein, die CrossOver Office mitliefern), was umgekehrt ein Kritikpunkt gegenüber Apple sein kann.


Wenn OS X schlimm ist aber Linux generell gut, wo ist dann die Grenze? Ist Linspire schlecht? Und was ist mit SUSE? Beide haben eine Menge proprietären Kram integriert. Und wie sieht's mit Paketen wie Cedega aus?
Linspire ist schon mal generell bösartig, weil sie mit ihrem CNR-Dienst u.a. Geld für den Download von xine (Verdammt, das war bestenfalls mal so) verdienen wollen.
Die FSF erkennt die APSL als frei an, schließt aber mit der Bemerkung "We must not judge all of a company by just part of what it does." Wenn wir nur das freie Modell als gut rechnen, dann sind Apple und Mac OS zumindest teilweise "schlimm".
Und Cedega ist ganz klar unfrei, ich weiß gar nicht mal, ob es überhaupt quelloffen ist.


Die Vermischung freier und proprietärer Elemente ist idologisch gesehen eine verzwickte Sache - es sei denn man hält sich einfach an die Lizenz. Denn weder die GPL noch die BSD haben was dagegen, wenn ein freies Programm in einem proprietären System arbeitet oder umgkehrt.
Das wäre auch nicht praktikabel, es sei denn die FSF wollte plötzlich Privatnutzer wegen Lizenzbruch verklagen. Immerhin verbietet die GPL aber die Proprietarisierung und das Linken mit proprietären Programmen.

OMFG, Windows XP läuft nativ auf Intel-Macs :hehe:! (http://www.cnn.com/2006/TECH/ptech/04/05/apple.software.ap/index.html)

Jesus_666
07.04.2006, 11:21
Der Unterschied besteht aber darin, dass Linux-Distributoren den Großteil ihrer Pakete nur zusammenstellen und nicht selbst entwickeln, von daher also gar nicht die rechtliche Kontrolle über die Pakete haben (bis auf distrospezifische). Sie dürften mich (auch durch die Lizenzen der Einzelpakete) schwer zwingen können, die Distro zu vervielfältigen. Und bei einer Veränderung würde ich die Distro auflösen, wodurch nur die Bestimmungen der Einzelpakete wirklich auf mich wirken könnten.
Was hindert dich daran, das selbe mit Darwin zu machen? Nicht vergessen, OS X ist nur Darwin mit einem netten Frontend. So wie du YaST aus SUSE entfernen und das Ergebnis deine Distro nennen kannst kannst du dir auf Darwin aufbauend deine eigene BSD-Distro basteln.
Und der ganze proprietäre Kram von Apple unterscheidet sich von den distrospezifischen proprietären Paketen in gewissen Linuxen hauptsächlich davon, daß OS X mehr davon hat.


Apple kann dagegen zumindest die eigenen proprietären Pakete kontrollieren, und selbst die APSL-Pakete scheinen mir unter Copyright Apples zu bleiben.
Okay, bei der APSL hätten wir einen Ansatzpunkt. Allerdings gibt Apple auch einiges an die FOSS-Gemeinschaft zurück (siehe KHTML). Apple ist nicht perfekt aber in Sachen Open Source immer noch einer der anständigsten Konzerne.


Bei Linux-Distros ist man der Regel nach in der Gesamtvervielfältigung nicht eingeschränkt (könnte aber z.B. bei Xandros anders sein, die CrossOver Office mitliefern), was umgekehrt ein Kritikpunkt gegenüber Apple sein kann.
Naja, die haben sehr viel proprietären Kram, da ist es nicht weiter verwunderlich, wenn das Betriebssystem nicht free-as-in-beer ist.


Die FSF erkennt die APSL als frei an, schließt aber mit der Bemerkung "We must not judge all of a company by just part of what it does." Wenn wir nur das freie Modell als gut rechnen, dann sind Apple und Mac OS zumindest teilweise "schlimm".
Genau wie Kapersky Labs, Google, so ziemlich jede Spielefirma außer id Software, id Software (weil es immer so lange dauert, bis sie den Quellcode freigeben)... Zugegeben, RMS würde diesen Standpunkt vertreten, RMS markiert aber auch einen der Extrempunkte des FOSS-Ideologiekomplexes.


Und Cedega ist ganz klar unfrei, ich weiß gar nicht mal, ob es überhaupt quelloffen ist.
Die Frage ist eben nicht "frei oder unfrei" (IIRC haben sie mittlerweile selbst den öffentlichen CVS-Server geschlossen) sondern "gut oder ungut". Ich sehe es pragmatisch und freue mich darüber, daß jemand sich bezahlen läßt, um die nicht gerade triviale Aufgabe anzunehmen, DirectX nachzubauen. Wenn Privatpersonen das machen würden würde es nie so schnell und gut vorankommen (und RedHat & Co. würden da nie im Leben einen Finger für krumm machen). Und Cedega macht Linux als Plattform attraktiver.
Man könnte Cedega als böse weil unfrei klassifizieren, aber in diesem Fall funktioniert die unfreie Entwicklung besser als die freie.


Das wäre auch nicht praktikabel, es sei denn die FSF wollte plötzlich Privatnutzer wegen Lizenzbruch verklagen. Immerhin verbietet die GPL aber die Proprietarisierung und das Linken mit proprietären Programmen.
Ich meinte nicht, daß die Lizenzen plötzlich geändert werden, sondern daß bei ihrer Erstellung keine derartige Beschränkungen vorgesehen waren.


OMFG, Windows XP läuft nativ auf Intel-Macs :hehe:! (http://www.cnn.com/2006/TECH/ptech/04/05/apple.software.ap/index.html)
Bekannt. Microsoft hat jetzt übrigens ein Linux-Testlabor. (http://rss.slashdot.org/Slashdot/slashdot?m=4740)

Don Cuan
07.04.2006, 13:26
Was hindert dich daran, das selbe mit Darwin zu machen? Nicht vergessen, OS X ist nur Darwin mit einem netten Frontend. So wie du YaST aus SUSE entfernen und das Ergebnis deine Distro nennen kannst kannst du dir auf Darwin aufbauend deine eigene BSD-Distro basteln.
Dass ich nicht die Mittel dazu habe. Ich weiß wie gesagt nicht, wie leicht sich OS X als Distribution trennen lässt und die Teile unabhängig verwendet werden können. Ich kenne in der Richtung das GNU-Darwin-Projekt, doch ich habe bisher weder mit ihm noch mit echtem OS X Erfahrungen.


Genau wie Kapersky Labs, Google, so ziemlich jede Spielefirma außer id Software, id Software (weil es immer so lange dauert, bis sie den Quellcode freigeben)... Zugegeben, RMS würde diesen Standpunkt vertreten, RMS markiert aber auch einen der Extrempunkte des FOSS-Ideologiekomplexes.
Ich kann diesen Standpunkt auch schwerlich vertreten, mein virtueller RMS moniert ja schon 2-3% meiner Debian-Pakete als unfrei (und ich würde ihn gar nicht erst auf dem parallel installierten Windows laufen lassen wollen).
Dieses Kriterium ist aber auch allgemein nachvollziehbar, bei "gut" und "schlecht" fließen noch viele andere ein. Apple gibt sicherlich einiges an die Entwickler zurück, genauso wie es auch etwa Codeweavers zwischen CrossOver Office und wine machen. Cedega gibt sich da weit weniger großzügig, wobei es als freie Software schon Probleme damit hätte, dass es Kopierschutzmechanismen aus eigener Kraft aushebeln müsste und somit sogar UrhG-widrig wäre.
Cedega funktioniert also z.T. nur auf "böse" Weise, aber es ist mir auch wegen des Abomodells unsympathisch. Ich kann aber nicht abstreiten, dass es die Attraktivität von Linux für diejenigen erhöht, die nur wegen der Spiele noch Windows nutzen (wozu ich mich auch fast zähle). Loki Games' Lösung wäre mir aber in der Hinsicht sympathischer, doch die Geschichte ist bekannt...

Jesus_666
07.04.2006, 13:56
Bei Cedega ist das Abomodell das einzig sinnvolle Modell. Für reguläre Releases entwickelt die Software sich zu schnell weiter (und mußes, weil permanent neue Spiele rauskommen) - zumal der Preis nicht mal besonders hoch ist.

Was OS X angeht: Alle freien Teile sollten in Darwin enthalten sein; die Trennung wurde also bereits vorgenommen.

Ineluki
07.04.2006, 15:30
In den quartaeren Sektor habe ich Kunst und Forschung erhoben, die sich selbst als Selbstzweck hat. Es hat immer schon Kuenstler und Forscher gegeben, die Werke geschaffen haben, nicht um Profit zu machen. Van Gogh schnitt sich nicht aus Werbezwecken sein Ohr ab, und Galileo stand nicht aus Profitgier vor der Inquisition.

Die Kapitalisierung von Kunst und Wissenschaft ist erst eine Erscheinung, die seit wenigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten einzug gehalten hat. Zuvor war es gang und gaebe, dass ein Maezen einen Kuenstler "selbstlos" unterstuetzt hat, um oeffentliches Ansehen zu erhalten. Und in die selbe Bresche schlaegt mMn auch die Entwicklung von FOSS. Dass sie dabei von einigen Firmen unterstuetzt wird, aehnelt dem Maezenentum der Antike. Und statt sich als Ausgleich in Stein hauen zu lassen, benutzen sie heute das Ergebniss, um verfeindete Monopole zu torpedieren ...

Wenn der Preis von Gebrauchsguetern gegen Null strebt, und somit alle materiellen Beduerfnisse befriedigt werden koennen, wendet sich der Mensch sozialen und kulturellen Beduerfnissen zu, z.B. Bewunderung zu erlangen, sei es als genialer Forscher, brillianter Programmierer, ausdrucksstarker Maler oder vertraeumter Poet.

Was den Tausch von Dienstleistungen angeht, moechte ich einfach mal den Begriff der "Nachbarschaftshilfe als Schwarzarbeit" kommentarlos in den Raum werfen.

Rübe
08.04.2006, 01:14
In den quartaeren Sektor habe ich Kunst und Forschung erhoben, die sich selbst als Selbstzweck hat. Es hat immer schon Kuenstler und Forscher gegeben, die Werke geschaffen haben, nicht um Profit zu machen. Van Gogh schnitt sich nicht aus Werbezwecken sein Ohr ab, und Galileo stand nicht aus Profitgier vor der Inquisition.

Bei der Forschung geht es mir nicht einmal um den Profit, sondern viel eher darum, dass Spezialisten aus einzelnen Sektoren die Effizienz/Qualität steigern wollen. Ein Forscher muss meiner Meinung nach mit der Materie zu tun haben und daher aus den entsprechenden Sektoren stammen, um eine Entwicklung im entsprechenden Bereich zu bewirken. Profit ist nicht das primäre Ziel, Ziel muss die Effizienz sein. Sie bringt uns weiter. Wenn z.B. ein Forscher eine Methode entdeckt, wie Weizen schneller fertig auswächst, so würde das die Gesamtwohlfahrt der Getreidebauern eher senken. Trotzdem stellt es eine Weiterentwicklung für alle Menschen dar. Oder nehmen wir die Entwicklung von Heilmitteln: Obwohl ich sonst eher pragmatisch denke, wage ich es zu behaupten, dass die Suche nach Heilmitteln nicht nur aus Geldgier geschieht. Und als letztes gebe ich zu bedenken, dass die Profitgier (auch wenn ich sie jetzt etwas beschnitten habe) als Antriebsmotor für jene Forscher dient, die nicht aus nonprofitablen Gründen forschen. Das beweist alleine der Umstand, dass die GUS-Staaten auch heute noch hinterher hinken.


Die Kapitalisierung von Kunst und Wissenschaft ist erst eine Erscheinung, die seit wenigen Jahrzehnten bis Jahrhunderten einzug gehalten hat. Zuvor war es gang und gaebe, dass ein Maezen einen Kuenstler "selbstlos" unterstuetzt hat, um oeffentliches Ansehen zu erhalten. Und in die selbe Bresche schlaegt mMn auch die Entwicklung von FOSS. Dass sie dabei von einigen Firmen unterstuetzt wird, aehnelt dem Maezenentum der Antike. Und statt sich als Ausgleich in Stein hauen zu lassen, benutzen sie heute das Ergebniss, um verfeindete Monopole zu torpedieren ...
Ich bleibe dabei: Kunst lässt sich nicht kontrolliert weiterentwickeln. In den anderen Sektoren geht dies (gerade durch die Forschung... s.o.). Kunst entwickelt sich parallel mit der Gesellschaft weiter (so wurde das abstrakte Malen in jener Zeit entdeckt, in der die Photografie die Portraitkunst überflüssig gemacht hat). Gerade das Mäzenentum macht für mich einen Dienstleister aus: Gegenleistung für einen Dienst. Immerhin lebten auch diese Künstler nicht von der Hand aus dem Mund.

Wenn der Preis von Gebrauchsguetern gegen Null strebt, und somit alle materiellen Beduerfnisse befriedigt werden koennen, wendet sich der Mensch sozialen und kulturellen Beduerfnissen zu, z.B. Bewunderung zu erlangen, sei es als genialer Forscher, brillianter Programmierer, ausdrucksstarker Maler oder vertraeumter Poet.

Vorher wird aus ihm ein Verkäufer, ein Taxifahrer, ein Bankangestellter, ein Architekt, ein Reparaturbeauftragter (Klempner, Elektriker, ect. DIe ganze moderne Technik muss schlussendlich trotzdem gewartet werden...). Ich denke, wenn der Mensch wieder Zeit hat, so wird er zuerst Stellen wieder mit Personen besetzen, damit das ganze soziale Netz wieder gestärkt wird. Die Bewegung im Moment ist doch so: Um Geld zu sparen, kauft eine Bank lieber einen Bankomat und streicht dafür eine Schalterstelle. Wenn jedoch die Kosten sinken, so hat man wieder Geld für eine Schalterbedienung. Menschen können besser auf Menschen eingehen, als es Maschinen können (ich werde z.B. lieber an einem Schalter bedient als z.B. ein Billet an einem Automaten zu lösen.). Danach wird wohl die Forschung in den entsprechenden Sektoren ausgebaut: Immerhin will der Mensch immer weiter streben, alles noch bequemer machen. Was ich jedoch nicht glaube, ist, dass eine FLut von Künstlern auf uns zukommen würde. Wenn es ungeheuer viel Maler gibt, so verliert meiner Meinung nach die Malerei an Stellenwert. Wieso ist denn ein Picasso so toll? Wenn jeder gemalt hätte (und es hätte mehr Maler gegeben, die in diesem Stil gemalt hätten.. s.o.) so hätten seine Bilder wohl kaum einen wichtigen Wert gehabt. Ein Bild von mir ist wohl kaum etwas wert, weil ich nicht viel anders male als die meisten Laien.


Was den Tausch von Dienstleistungen angeht, moechte ich einfach mal den Begriff der "Nachbarschaftshilfe als Schwarzarbeit" kommentarlos in den Raum werfen.
Dazu möchte ich aber einen Kommentar entgegenhalten ;) : Wie schon gesagt, funktioniert dies für allgemeine Arbeiten. Ich habe auch schon Freunden beim Umzug geholfen oder ein Gartenbeet umgegraben. Geht es jedoch um spezifische Sachen, so hört diese Möglichkeit auf. Ich könnte meinem Nachbarn z.B. nicht anbieten, seinen kaputten Fernseher zu reparieren oder seine Steuerrechnung auszufüllen (schlicht, weil mir die Kompetenzen dazu fehlen). Da in der Zukunft durch die fortschreitende Technologisierung je länger je mehr komplizierte Geräte Einzug in den Haushalt nehmen werden (gerade ein Replikator z.B.), werden immer weniger Arbeiten allgemein erledigt werden können. Deshalb rede ich auch von einer fortschreitenden Spezialisierung was z.B. dazu führt, dass in der Nachbarschaft keiner lebt, der den Staubsauger reparieren kann. Jetzt muss man sich eben doch jemanden suchen, der den Staubsauger gegen einen "Gefallen" (denn sind wir doch ehrlich: Wenn man den Nachbaren hilft, so schulden sie einem doch etwas... und sei es nur ein Abendessen) repariert. Und dieser Gefallen muss wiederum unseren Fähigkeiten entsprechen, ect. Du siehst, wohin mich das führt ;).