PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Erben der Häuser



KingPaddy
02.12.2012, 10:55
Folgender Gruppenthread erzählt die Geschichte von Tarrior, Tirian aus dem Rollenspiel- und Geschichten aus Tamriel-Thread im Kampf gegen Behram Meradanz weiter.

Es schreiben Andromeda mit Dreveni Neladren (http://www.multimediaxis.de/threads/91429-Charakter-Vorstellungen?p=2687855&viewfull=1#post2687855) und KingPaddy als Tarrior Gildres (http://www.multimediaxis.de/threads/91429-Charakter-Vorstellungen?p=1792157&viewfull=1#post1792157) / Tirian Morvayn.

Anmerkung: Tirian ist eigentlich ein NPC und wird in der Handlung nur solange als aktiver Char benutzt, bis Tarrior wieder zur Gruppe stößt.

Anschluss an die Handlung des Rollenspielthreads (http://www.multimediaxis.de/threads/104961-Rollenspielthread-3-%28Signatur-aus%29?p=3015989&viewfull=1#post3015989).

KingPaddy
02.12.2012, 10:59
Anschluss an diesen Post (http://www.multimediaxis.de/threads/104133-Geschichten-aus-Tamriel?p=3008266&viewfull=1#post3008266) im Geschichten aus Tamriel-Thread.


Es war zwielichtig im Handelshaus von Vos. Auf jedem Tisch brannte ein Öllämpchen, aber in der Wand des großen Pilzes, aus dem das Haus gearbeitet war, fanden sich keine Fenster. Auch so mochte es draußen vielleicht schon längst Nacht sein. Tirian hatte sein Zeitgefühl inzwischen verloren. Er hatte sich selbst verloren und saß nun mit durchhängenden Schultern an einem der Tische im hinteren Teil der Mitte des Schankraumes. Die schlechte Stimmung, die ihn befallen hatte, schien auf die anderen Gäste abzustrahlen, denn niemand zog es auch nur länger als für einige Augenblicke in Betracht sich zu ihm zu setzen. Der Stuhl ihm gegenüber blieb frei und das passte ihm auch ganz gut so. Er hatte nun schon seinen fünften Humpen Mazte vor sich und setzte immer mal wieder zu großen Schlucken an, während er ein beklagtes Seufzen vernehmen ließ, um das sich die Umhersitzenden schon lange nicht mehr kümmerten. Der Dunmer bot einen eher mitgenommenen Anblick. Die kurzen, schwarzen Haare, die von einem sauberen Mittelscheitel zu beiden Seiten des Kopfes hin abfielen und vorne in langen, nach vorne springenden Strähnen ausfielen, waren stumpf und zerzaust. Ein ungepflegter Drei-Tage-Bart zierte das aschgraue, junge, aber jetzt müde wirkende Gesicht des Dunmers, in dem die eindringlichen blutroten Augen einen Kontrast zu den sie umgebenden Augenringen boten. Wieder ein Seufzen und ein weiterer Schluck aus dem Humpen. „Verflucht! Was soll ich tun?“: fragte er sich in Gedanken. Er war unglaublich müde und das lag nicht nur am steigenden Alkoholpegel. In den letzten Wochen war er kaum zur Ruhe gekommen und war ständig unterwegs gewesen. Tirian war auf der Suche nach seinem Vater Tarrior. Jener wollte allein gegen den mächtigen Telvanni-Ratsherren Behram Meradanz antreten, was der junge Dunmer für einen großen Fehler gehalten hatte. Als Tirian von der Plantage in der Westspalte aufgebrochen war, führten ihn seine Schritte zunächst nach Norden. Er wusste, dass Tarriors Weg nach Maar Gan führte und dazu musste er an einem Lager des Widerstandes vorbei, das den Pass ins Aschland gesperrt hatte. Dort war sein Vater allerdings bereits eines der bestimmenden Gesprächsthemen. Offenbar hatte er mit dem Anführer einer großen magischen Miliz gekämpft und diesen sogar niedergerungen. Aus diesem Grund wandte sich der Heiler auch an jene magische Miliz und kam mit einer Bretonin in Kontakt, die ihm tatsächlich weiterhelfen konnte, was sie auch gerne tat, als er ihr seine Geschichte vortrug - und von der er auch vom Angriff auf die Stadt erfuhr, zu der sein Vater gewollt hatte.

„Am Morgen des Tages, an dem die Daedra angriffen, erhielt ich noch per Falke eine Nachricht von unserer Truppe vor Ort. Euer Vater hat die Stadt vor dem Angriff gen Norden verlassen. Wie es scheint, wollte er eine Höhle in der Foyada aufsuchen. Allerdings könnt ihr nicht denselben Weg nehmen. Die Stadt hat sich in die Hölle verwandelt. Tarrior hat viel für mich getan, deshalb möchte ich euch helfen. Wegen der angespannten Lage auf Solstheim und einer womöglich bevorstehenden Invasion ist eine Garnison von uns in Khuul stationiert. Reist dorthin und ich werde veranlassen, dass ihr mit einem Boot zum Nordende der Foyada übergesetzt werdet“: sagte sie ihm zu und Tirian nutzte das Angebot und fand sich wenige Tage später tatsächlich im Aschland wieder, wo er sich umgehend auf die Suche nach der besagte Höhle machte, die er dann auch fand. Es gestaltete sich allerdings als Suche nach der Nadel im Heuhaufen und so klapperte er alle Höhlenzugänge ab, die auf seinem Weg lagen und fand schließlich vor einer Höhle mit Namen Sha-Adnius, dessen Eingang recht windgeschützt lag, zerwühlte Asche und jede Menge Fußabdrücke, die auf rege Aktivität vor nicht allzu langer Zeit hindeuteten. Tirian untersuchte die Höhle und fand tatsächlich Anzeichen für Kämpfe und er fand auch Leichen, allerdings waren dies bereits vor langer Zeit gestorbene und das als Zombies wiederauferweckte Körper, die deutlich Tarriors feurige Handschrift trugen. Auch die letzte Höhle des Höhlensystems bot Anzeichen eines Kampfes allerdings waren bis auf zersplitterte Skelette keine Toten zu finden. Auch eine Hütte, die er fand, bot keine weiteren Hinweise, denn sie war völlig ausgebrannt. Der Dunmer war sich sicher, dass sein Vater hier gewesen war, aber es gab keinerlei Hinweise auf seinen Schicksal oder gar seinen Verbleib. Er wollte die Untersuchung bereits aufgeben und weiter das umgebende Aschland absuchen, als er dann doch in einem der Wasserbecken, die in diesem hintersten Teil des Höhlensystems terrassenartig von den Höhlenwänden abliefen, ein Zahnrad nach dwemerischer Machart entdeckte. Es war zu groß für irgendwelche Maschinen der Dwemer, die er kannte und so konnte es nur ein Bauteil eines kleineren und filigraneren Animunculus gewesen sein. „Behram!“: ging es Tirian dabei sofort durch den Kopf, denn er wusste aus Tarriors Erzählungen, das der Telvanni solche seltsamen humanoiden Maschinen für seine Zwecke einsetzte. Dem Dunmer war damit sofort klar, wo er seinen Vater würde suchen müssen und entschloss sich zur Rückkehr an die Küste.

Eine Überfahrt mit dem Schiff, auf die er noch einige Tage warten musste, brachte ihn zunächst nach Hla Oad, von dem aus er sich wieder Richtung Norden nach Balmora wandte, um Unterstützung im Rat der Hlaalu zu suchen, um seinen Vater den Ratsherren zu befreien. Leider fehlten ihm die Beweise. Ebenso gestalteten sich auch die Besuche an anderen Stellen, an denen er um Hilfe nachsuchte. Sowohl in Ebenherz als auch in Vivec wurde er bei den mächtigen Ratsherren abgewiesen, wenn sie seine Geschichte überhaupt glaubten, dann war ihnen das Risiko zu groß womöglich einen Krieg mit dem gesamten Fürstenhaus Hlaalu heraufzubeschwören, wenn sie Meradanz angriffen. Tirian wollte schon aufgeben, als er zufällig im Hlaalu-Bezirk auf Dram Bero stieß. Er kannte das markante Gesicht aus vielen Erzählungen Tarriors. So wusste er auch, dass der alte Dunmer eine Art Mentor für seinen Vater war. „Das ist eine verrückte Geschichte, Tirian“: stellte Dram Bero fest. Dennoch war er bereit ihm zu helfen, allerdings konnte auch er nicht viel tun, denn auch ihn trug die Sorge darum, welche Auswirkungen ein Angriff auf den Telvanni haben würde. „Allerdings ist Behram Meradanz nicht ganz unumstritten im Haus Telvanni. Meister Aryon von Tel Vos, ein sehr gemäßigter Magierfürst, hasst ihn. Wenn euch jemand helfen kann, dann ist er es. Ansonsten gab es ja da noch diese Geschichte in Balmora mit der Eiermine…“: schlug Dram Bero damals vor und der Ratsherr organisierte Tirian dann auch zwei Tage später eine Überfahrt von Vivec nach Vos, die sich aufgrund des schlechten Wetters an der Küste hinzog. Gestern kam er schließlich in der Stadt an und ersuchte den Magierfürsten um eine Audienz. Jetzt war er von jener Audienz aus Tel Vos zurück. Und gerade der Gedanke daran, zwang Tirian dazu noch einen kräftigen Schluck aus dem Humpen zu nehmen.

„Es tut mir Leid um euren Vater und ihr könnt mir glauben, dass ich Behram Meradanz mehr als alles andere, am liebsten tot sehen möchte, aber leider kann ich im Moment keine Truppen entbehren. Seit dem Vorfall in Maar Gan haben sich die daedrischen Angriffe auf die Weidenländer verstärkt. Erst vor wenigen Tagen gab es eine große Schlacht hier vor Tel Vos, wo wir einen Belagerungsring der Daedra aufbrechen konnten, aber schon sickern aus dem Aschland neue Verbände heran und ich muss nicht nur Tel Vos und Vos schützen, sondern auch die Stämme der Aschländer stehen unter meinem Schutz. Außerdem muss ich die Verheerung der Weideländer verhindern. Der wild wuchernde Dochtweizen hier, dient inzwischen weiten Teilen Vvardenfells der Grundernährung und natürlich auch unserer Truppen hier vor Ort. So sehr ich es auch möchte, kann ich leider niemanden entbehren“: musste Meister Aryon seine Hilfe versagen. Als er diese Nachricht verdaut hatte, überraschte ihn der Telvanni allerdings noch mit einigen Informationen: „Ich kann euch allerdings mit ein paar Informationen weiterhelfen. Ich habe Spione in Mora Uvirith im Einsatz, um Meradanz zu überwachen. Mir kam deshalb zu Ohren, dass vor etwa einer Woche eine Gruppe unter der Führung von Meradanz’ Sprecher Aytor von Brasselin zwei Särge nach Tel Uvirith geliefert wurden. Ich mag euch jetzt eure Hoffnung nicht nehmen wollen, dass eurer Ratsherr noch am Leben ist. Wenn er noch am Leben sein sollte, dann werdet ihr ihn bestimmt in den Kerkern unter dem Turm finden. Ich weiß trotz meiner Spione Nichts über den Turm. Meradanz lässt nur seine Vertrauten hinein, allerdings ist es auch schon eine Herausforderung die Stadt im Moment überhaupt zu betreten. Jeder Besucher wird durchsucht und überprüft, aber wenn ihr es hinein schafft, könnt ihr euch an meinen Agenten Vingald wenden. Er betreibt ein kleines Geschäft für nordische Waffen am Rande des Marktplatzes von Mora Uvirith. Er könnte euch in den Turm bringen.“

Da Tirian durchaus wusste, dass Unterstützung von solch mächtigen Personen nie aus reiner Herzensgüte gegeben wurde, fragte er: „Und wo ist der Haken an der Sache?“ Der Telvanni lächelte knapp, bevor er antwortete: „Ich gebe euch einen Ring mit. Der wird bei einer Kontrolle am Tor nicht so auffallen, wie ein Schreiben von mir. Wenn Vingald diesen Ring sieht, wird er euch helfen. Wenn er euch in den Turm bringen kann, möchte ich, dass ihr etwas für mich erledigt. Meradanz untergräbt meine Autorität im Rat und sorgt für eine passive Politik, die dafür sorgt, dass ich alleine gegen die Horden der Daedra stehe. Er will mich schwächen. Ich habe den Verdacht, dass er plant die Macht im Haus Telvanni zu übernehmen und sich selbst zum Erzmagister zu machen und deshalb nun seine Konkurrenten ausschaltet. Sucht mir im Turm entweder etwas Belastendes, dass ich im Rat gegen ihn verwenden kann oder aber etwas, dass mir seine Pläne verrät. Wenn er tatsächlich einen Staatsstreich plant, lasst mir die Pläne schnell zukommen und ich werde gegen ihn militärisch vorgehen. Ich habe eine Einheit im Süden in der Nähe der Grenze zu seinem Gebiet stationiert. Die zwar mit den Daedra beschäftigt, aber wenn ihr mir eine Grundlage gibt, die ein militärisches Eingreifen legitimiert, dann genießt ihr meine volle Unterstützung.“ Tirian nickte und nahm nur noch den Ring entgegen, bevor er sich dann entfernte. Er seufzte. „Wo ist Tarrior da nur hinein geraten“: überlegte der Dunmer, der sich wünschte jetzt wieder auf einem Handelsschiff zu sein und die kranken Seeleute zu heilen, anstatt sich in politische Verwicklungen zu stürzen, die er nicht annähernd durchschaute. Aber gerade das Schicksal seines Vaters gab ihm den Willen sich dem entgegenzustellen.

Als er erschöpft wieder in Vos ankam und sich ins Handelshaus zurückzog, wurde ihm allerdings bewusst, wie wenig er bei der Rettung seines Vaters, den er eigentlich immer noch eher als Freund denn als Vater sah, weiter gekommen war. Er selbst wollte sich gegen Behram Merdanz und seine Horde von Animunculi und treuen Wächter stellen – allein. Er hatte Tarrior damals davon abhalten zu wollen, sich allein mit dem Telvanni anzulegen und jetzt befand sich der Heiler selbst in dieser Lage. Keiner war bereit zu helfen. Wie sollte er nur allein gegen all diese Krieger ankommen. Überhaupt war ein lautloses Herangehen wahrscheinlich der beste Weg in den Turm und doch war auch das nicht gerade das, was er tun konnte. „Ich bin Heiler verdammt noch mal“: ließ er seinen Unmut nur einmal gesprochen freien Lauf, doch im Schankraum ging diese klägliche Klage in der Geräuschkulisse einfach unter. Er wusste selbst, dass es wohl besser wäre, anstatt zu trinken, nach Söldnern Ausschau zu halten, aber was sollte ihm das schon nutzen. Die fähigsten Waffenarme fanden sich da draußen im Feld gegen die Daedra und mit einem plumpen Barbaren an seiner Seite käme er nicht einmal durch die Stadttore denn geschweige in den Turm hinein. Er seufzte, starrte ins Leere und hoffte ein Wunder, während sich in Gedanken eine immer stärkere Mordlust gegen den Mann aufbaute, der nicht nur Tarrior sondern nun auch ihn in diese Angelegenheit hinein gezogen hatte – Behram Meradanz.

Andromeda
02.12.2012, 12:28
Anschluss an die Handlung von "Schildstadt (http://www.multimediaxis.de/threads/131680-Schildstadt)".


Als sich Dreveni von Erynn verabschiedete, hatten ihr tatsächlich die Worte gefehlt, eine Situation, in die sie nur selten kam. Sie hatte die Hand der anderen genommen und war sich fast sicher gewesen, dass dieser Abschied nicht endgültig war. Irgendwo, irgendwann in Cyrodiil würden sie sich wieder sehen, unter welchen Umständen auch immer. Es fühlte sich seltsam an, auf einmal wieder alleine zu sein, das kam ihr zu Bewusstsein als sie zusah wie das Schiff später den Hafen von Tel Vos verließ. Der Guar, der sie den ganzen Weg treu begleitet hatte, schnaufte leise und stieß sie mit der flachen Schnauze an, als wüsste er, wie sie sich gerade fühlte. Gedankenverloren strich sie ihm über das gutmütige Gesicht, bevor sie sich schließlich ruckartig umdrehte und auf die Häuser von Tel Vos zuhielt. Sie hatte immer noch keinen Plan, was sie in Morrowind noch tun sollte, außer endlich Feryn aus ihrem Kopf zu bekommen, auf die eine oder andere Art und Weise. In ihrer Sprache hieß das entweder durch Alkohol und Arbeit - auch wenn sie sich in Morrowind wohl mit Morden etwas zurück halten sollte, sie hatte nicht viel Lust, noch einmal mit der Morag Tong aneinander zu geraten, oder sie würde herausfinden, was wirklich mit irgendwelchen verdammten Dokumenten gelaufen war. So oder so, einen Abschluss würde sie finden müssen, das war ihr klar geworden.

Sie fand eine Stallung in der sie ihr Reittier abgeben konnte, und stellte dem Stallburschen ein paar Draken extra in Aussicht, wenn ihr Gepäck später noch vollzählig war. Am Körper trug sie nur ihre Waffen, für deren Verkauf sicher so mancher sein Leben riskiert hätte. So trug sie den Dolch und ihr Langschwert am Gürtel, den Köcher hatte sie locker um die Schulter gehängt und den entspannten Bogen in einem Stoffschlauch in der Hand. Ihre Haare waren im Nacken zu einem einfachen Zopf geflochten, die leidlich saubere grauschwarze Kleidung wurde von ihrem dunklen Wollmantel verdeckt. Nach kurzem Suchen hatte sie das Handelshaus gefunden, das auch als Taverne zu dienen schien.

Im Schankraum war es düster und stickig, was daran liegen mochte, dass es keine Fenster gab und das einzige Licht von Öllampen herrührte. Außerdem war es relativ voll, es schien keinen freien Tisch mehr zu geben, auf den ersten Blick. Auf den zweiten sah sie, dass es immer noch den einen oder anderen freien Stuhl gab, sie hatte allerdings wenig Verlangen, sich zu einer der lärmenden Gruppen zu setzen. Halb unbewusst nahm sie den Wollumhang ab und hängte ihn sich über den Arm, als sie nach einem passenden Platz ausschau hielt. Es war nicht nur stickig sondern auch ziemlich warm. Schließlich kam ein Tisch in ihr Blickfeld, an dem nur eine einzelne Person saß, die sich in einen Krug vertieft hatte. Als sie sich dem Tisch näherte, sah sie, dass es ein Dunmer war, und als sie nur noch ein paar Schritte davon entfernt war sah sie auch in welchem Zustand er sich befand. Das Haar zerstrubbelt, das Gesicht eingefallen und die Augen von dunklen Ringen umrandet. Gesund sah er nicht aus, und für einen kurzen Moment war Dreveni kurz davor, wieder umzudrehen, nicht dass er noch ansteckend war. Andererseits konnte sein Aussehen vermutlich auch nur dem Alkohol geschuldet sein. Wie auch immer, es war noch mit Abstand der beste Platz hier.

Als sie den Tisch erreicht hatte, nickte sie dem Dunmer kurz zu - er musste etwa in ihrem Alter sein, auch wenn man das nie so genau sagen konnte - und begann ohne groß auf eine Reaktion zu warten ihren Bogen und den Köcher an den Tisch zu lehnen, hängte den Mantel über die Lehne und setzte sich schließlich. Er würde sich schon noch beschweren, wäre der Stuhl für jemanden reserviert gewesen. Als sie saß, versuchte sie herauszufinden ob es hier eine Bedienung gab oder man selbst aufstehen musste wenn man etwas zu trinken wollte.

KingPaddy
12.12.2012, 21:20
Die Zeit verflog während Tirian noch nachdachte und die Welt um seinen Mazte herum für ihn immer undurchsichtiger wurde. Er spürte ein Rucken am Tisch. Doch nur das Heben einer Augenbraue verriet, dass der junge Dunmer überhaupt bemerkte, dass sich jemand an den Tisch gesetzt hatte. Eigentlich wollte er jetzt lieber allein sein, aber ihm stand nun auch nicht der Sinn danach mit dem Neuankömmling darüber zu diskutieren, wem denn nun dieser Platz zustand. Überhaupt war der Schankraum, auch wenn er ihm seit geraumer Zeit keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt hatte, wahrscheinlich so überlaufen, dass es für den Angekommenen besser war, sich diesen freien Platz einfach zu nehmen. Einfach zu nehmen. Tirian hätte sich am liebsten so einiges einfach genommen. „Truppen, zerstörerische Zauber, einen Henker auf Abruf“: ging es ihm schwarz durch den Kopf. Selbigen wollte er Behram Meradanz von den Schultern schlagen und seinen armen Vater retten. Der Dunmer wusste selbst nicht, woher diese bösartigen und gewalttätigen Gedanken und Vorstellungen kamen, denn diese waren ihm ansonsten eigentlich fremd. Sein Naturell war grundsätzlich ein ruhigeres. Eigentlich konnte und wollte er niemanden töten. Aus diesem Grund war er ja auch Heiler geworden – um Leben zu retten. Behram Meradanz jedoch kehrte scheinbar in jedem das Schlechteste nach außen. Auf ihn zumindest traf es zu. Er hasste sich selbst ein Stück weit für diese abscheulichen Gedanken. Er biss sich auf die Zähne und hatte plötzlich einen bitteren Geschmack im Mund. „Tarrior, was soll ich nur tun“: fragte er sich und griff beherzt nach seinem Mazte-Humpen, der mittlerweile bis auf etwa ein Fünftel seines Inhalts geleert worden war und stürzte das Bier seine Kehle hinunter. Er stellte das Gefäß zurück auf den Tisch, schlug die Hände vors Gesicht und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Noch immer rumorte es in seinem Kopf, doch Tirian wollte das nicht länger hinnehmen. Das ewige Gedankendrehen brachte ihn nicht weiter. Er entschloss sich dazu lieber morgen weiter über einen Plan nachzudenken. „Im Zweifelsfall gehe ich eben allein nach Mora Uvirith und befreie Tarrior“: entschied der Dunmer. Ebenso beschloss er die üblen Gedanken und Befürchtungen zunächst durch betäubenden Alkohol zu vertreiben. „Vielleicht kann ich dann die Nacht wieder ruhig schlafen“: hoffte er und nahm die Hände vom Gesicht, um sich noch einen Humpen zu bestellen. In genau diesem Moment stutzte.

Als er seine Augen öffnete erblickte er die roten Augen einer Dunmerin mit langem, schwarzen Haar. Ihm fiel fast die Kinnlade herunter. Sie hatte das Gesicht etwas abgewandt und blickte ihn nicht direkt an, wich scheinbar bewusst seinen Blicken aus. Tirian konnte es nicht fassen. Er hatte zwar Briefe an die Plantage geschickt, um Gilluk auf dem Laufenden zu halten, was Tarrior anging, aber das sie ihm gleich folgen würde, fand er wirklich unglaublich. Er war dennoch viel zu sprachlos, um etwas anderes zu machen, als empört zu fragen: „Mama, warum bist du mir gefolgt?!“ Erst als sich die Dunmerin verwirrt zu ihm umdrehte, erkannte er anhand des viel zu jungen Gesichtes seinen Fehler und war nun noch sprachloser als zuvor.

Andromeda
13.12.2012, 19:06
Dreveni hatte inzwischen eine Bedienung ausgemacht und versuchte diese - eine junge Dunmer - auf sich aufmerksam zu machen, was ihr nicht recht gelingen wollte, da diese mehr als genug zu tun hatte und kaum in Drevenis Richtung sah. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie ihren Tischnachbarn, der inzwischen die Hände vor das Gesicht geschlagen hatte. Hoffentlich wurde es ihm nicht noch schlecht, das hätte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Andererseits roch er noch gar nicht so übermäßig nach Alkohol, sein Benehmen musste einen anderen Grund haben. Nicht dass es Dreveni etwas angegangen wäre, aber das Erlebnis mit den Morag Tong, die nur ihren Namen und ihre Beschreibung hatten und sie daraufhin verschleppt hatten, saß ihr immer noch in den Knochen. Auch wenn sie das niemals zugegeben hätte.
Schließlich gab sie es auf, nach der Bedienung zu winken und wollte eben aufstehen, um selbst an den Tresen zu gehen, als sie den Dunmer etwas sagen hörte.
Mama!? Sie drehte ihm ihr Gesicht zu und hatte immer noch halbwegs die Hoffnung, sich verhört zu haben. Sicher, sie war durch die Reise etwas mitgenommen, aber seine Mutter konnte sie beim besten Willen noch nicht sein. Tatsächlich hoffte sie, überhaupt niemals in ihrem Leben Mama genannt zu werden, Kinder mochte sie nicht, und das beruhte in den meisten Fällen auf Gegenseitigkeit. Sie musterte ihr Gegenüber genauer, da ging ihr auch endlich auf, dass sie ihn sogar verstanden hatte. War er auch aus Cyrodiil?
"Hör mal, Kleiner. Du siehst zwar jung aus, aber so jung dass ich deine Mutter sein könnte, auch wieder nicht." Sie hatte sich über den Tisch gebeugt und wiederstand gerade noch der Versuchung, ihn am Kragen zu packen, eine Schlägerei wollte sie hier nicht unbedingt anzetteln. Dabei verrutschte allerdings ihr Ärmel und das Stilett an ihrem linken Unterarm wurde zum Teil sichtbar. Sie sah ihm fest in die Augen, welche ein wunderschöne, intensive blutrote Farbe hatten. Sollte das ein neuer Trick der Morag Tong sein? Wenn du jetzt schon so paranoid wirst, hättest du vielleicht doch einfach mit Erynn nach Cyrodiil gehen sollen., dachte sie bei sich. Wieso sollte ihm überhaupt seine Mutter folgen? War ihm jemand auf den Fersen? Wenn ja, dann war das vielleicht eine gute Gelegenheit, zu etwas Geld zu kommen, Verfolger wollte man im Allgemeinen los werden.
Während sie diese Überlegungen anstellte, verlor ihr Blick etwas von der Schärfe, blieb aber weiter abschätzend.

KingPaddy
18.12.2012, 21:05
Tirian konnte sich gar nicht so schnell herausziehen, wie er sich diese Sache eingebrockt hatte. Als sein Blick auf die seltsam geformte Klinge fiel, die die Dunmer in ihrem Ärmel versteckt hatte, brach ihm ein wenig der kalte Schweiß aus. Leute die mit versteckten Waffen am Körper in Tavernen gingen, reagierten selten verständnisvoll auf Beleidigungen, auch auf unbeabsichtigte. Er schluckte. Er konnte zunächst nur dümmlich dreinschauen, während sich der Blick der Dunmer in seine Augen bohrte, doch trat plötzlich eine kaum merkliche Veränderung ein, die etwas von der stechenden Schärfe nahm und seinen Adrenalinspiegel merklich sinken ließ. Seine Zunge, die zuvor einem vertrockneten Blatt geglichen hatte, entspannte sich. Tirian gewann seine Sprache zurück. „Ver... Ver… Verzeiht bitte. Ich habe euch verwechselt. Aus dem Profil saht ihr meiner Mutter sehr ähnlich. Auch jetzt noch mögen mir beim dunklen Licht meine Augen einen Streich spielen. Vielleicht ist es auch das Bier. Entschuldigt bitte vielmals“: entschuldigte sich Tirian mehrfach und erkannte, dass die Frau ihm gegenüber ihren Blick zwischenzeitlich immer mal wieder zum herum laufenden Schankmädchen schweifen ließ. Er erhob seinen Humpen und winkte damit, was das geschäftige Mädchen an den Tisch lockte und er bat ebenso für sich selbst als auch zur Wiedergutmachung für die Frau am Tisch nach einem Krug Mazte für den Tisch. Als sich das Mädchen entfernte seufzte er einmal kurz. Die Dunmer musterte ihn noch immer mit gerunzelter Stirn. „Es tut mir wirklich leid“: wiederholte Tirian noch einmal.

„Ich hatte geglaubt meine Mutter würde mir folgen. Sie war dagegen, als ich hierher wollte und ich fürchtete schon sie wäre jetzt persönlich gekommen, um mich zurückzuhalten. Verrückt, nicht wahr?“: versuchte er immer noch sich zu rechtfertigen. Und bei diesen Gedanken geriert der Heiler schnell in einen Redefluss, der nur dadurch unterbrochen wurde, dass das Schankmädchen einen weiteren Humpen brachte und einen Krug mit dem dunmerischen Bier auf den Tisch stellte. „Dabei müsste ich gar nicht hier sein, wenn dieser verfluchte Sohn eines Skribs nicht wäre. Sein Tod wäre geradezu eine Erlösung“: faselte Tirian und bemerkte erst sehr spät, was er da eigentlich redete. „Ich rede Unsinn. Ich habe wohl zuviel getrunken. Ich sollte besser gehen“: besann er sich und wollte sich erheben. „Entschuldigt noch einmal die Verwechslung. Sagt der Bedienung, dass ich für den Alkohol aufkommen werde. Sie soll es auf meine Rechnung setzen“: machte er Anstalten sich auf sein Zimmer zu entfernen.

Andromeda
19.12.2012, 21:53
Der Dunmer schrumpfte unter ihren Blick sichtbar zusammen, erst recht als er einen Blick auf ihr Stilett geworfen hatte, was Dreveni nicht entgangen war. Immerhin war er höflich, etwas was ihr auf der Reise mit Arranges irgendwie abgegangen war. Und er konnte sich gewählt ausdrücken, so betrunken schien er wirklich noch nicht zu sein. Allerdings merkte er wohl nicht mehr, wenn es genug war, und als er weitersprach verschwand das Stirnrunzeln aus Drevenis Gesicht und sie zog statt dessen eine Braue überrascht in die Höhe. Immerhin hatte sie inzwischen etwas zu trinken, und so wirklich böse konnte sie dem anderen für seine Verwechslung gerade auch nicht mehr sein. In dem Krug musste Mazte sein, es war nicht so gut wie das Sujamma dass sie in Molag Mar gehabt hatte, aber trinkbar. Molag Mar, daran dachte sie lieber nicht zurück, und so widmete sie wieder ihrem Tischnachbarn ihre volle Aufmerksamkeit.
Sein Tod wäre eine Erlösung? Das ließe sich sicher arrangieren, oder fehlte ihm einfach nur das nötige Kleingeld dafür?
Eigentlich hatte sie sich vorgenommen hier in Morrowind nicht den Morag Tong in die Quere zu kommen, davon abgesehen dass ihr Mordan wohl die Hölle so heiß machen würde, dass sie sich in die Ebenen Oblivions zurückwünschen würde, wenn er es mitbekommen sollte. Daran zweifelte sie keine Sekunde, nachdem ihm ja die ganze Sache mit Feryn auch nicht verbogen geblieben war.
Als er Anstalten machte aufzustehen, legte Dreveni ihm die Hand leicht auf den Arm um ihn aufzuhalten. "Ich weiß nicht ob Ihr Unsinn redet. Nur vielleicht sprecht Ihr am falschen Ort, allerdings nicht zur falschen Person? Manchmal braucht man einfach etwas Hilfe..."
Ihre Stimme war leise gewesen, so dass sie hoffentlich nur von ihrem Gegenüber verstanden worden war. Der Ärger in ihrem Gesicht war einem im Ansatz verschwörerischem Lächeln gewichen, als sie den Dunmer von unten her ansah. Ohne auf eine Antwort zu warten ließ sie seinen Arm nach ein paar Augenblicken wieder los und lehnte sich zurück, den Blick weiter auf ihr Gegenüber gerichtet. Hier unter den ganzen Leuten würde sie diese Konversation ohnehin auf keinen Fall weiterführen.

KingPaddy
29.12.2012, 14:26
Als Tirian plötzlich die Hand der Dunmerin an seinem Arm spürte, die ihn zurückhalten wollte, setzte sein Herz einen weiteren Schlag aus. Wollte sie ihn hier vor allen Leute... Umso überraschter war er, dass sie ihn nicht angriff, sondern ihm scheinbar sogar ein Angebot machte. "...nicht die falsche Person": sagte sie. Er blickte sie verwirrt an. Das Stilett kam ihm wieder in den Sinn und dessen Versteck im Ärmel. So langsam begriff er, worauf die Frau hinaus wollte. Ekel stieg in ihm auf, als er ernsthaft darüber nachdachte, dass er sie anheuern könnte. Doch bei den Gedanken an Behram Meradanz und seinen Vater wurde der Ekel durch Hass ausgelöscht und sein Mund formte fast mechanisch flüsternd: "In einer Viertelstunde auf meinem Zimmer. Ich lasse die Tür unverschlossen." Tirian entfernte sich mit abgehackten Schritten vom Tisch und wandte sich der Treppe zu, die aus schweren Holzbalken bestand, die man in die Wand eingelassen hatte und die jetzt wie Rippen herausragten. Es gab kein Geländer, also zog Tirian es vor in seinem angetrunkenen Zustand nahe der Wand zu bleiben. Er schwankte zwar nur leicht, aber es war besser kein Risiko einzugehen. Auf der schmalen Galerie gab es drei Türen, die zu einzelnen, kleinen Zimmer führten. Tirian war froh über dieses Zimmer. Er musste dem Vorbesitzer eine Menge Geld bezahlen, damit er die Reservierung auf umschrieb, aber immerhin konnte er so in einem richtigen Bett schlafen und im Moment war ihm dafür jeder Betrag recht. Er schloss die Tür auf und ging hinein, ohne sie wieder abzuschließen. Wenn die Frau tatsächlich das war, wofür sie sich ausgab, dann würde sie bald ebenfalls kommen.

Er setzte sich auf den Rand seiner Schlafstatt und fuhr sich mit den Händen über die Augen. „Was tue ich da gerade?“: fragte sich der Heiler. Er ließ sich nach hinten fallen und seufzte. „Eine vermeintliche Meuchelmörderin?!“: stöhnte er. Langsam nagte sein Gewissen an ihm. Es war eine Sache, wenn man jemanden selbst umbrachte, aber jemanden dafür zu bezahlen einen anderen hinterrücks umzubringen, war eine gänzlich andere Qualität. Es war… schäbig. Auch empfand er es geradezu als widerlich für den Tod eines Anderes zu bezahlen, als könne man ein Leben für Geld kaufen und dann frei darüber verfügen. „Eigentlich habe ich es zu meiner Lebensaufgabe gemacht Leben zu retten und Verletzungen zu heilen…“: schüttelte er sich. Er war angewidert von sich selbst. „Ich kann das nicht tun“: sagte er sich selbst, aber er klang selbst für sich nicht überzeugend. Ein tiefes inneres Verlangen verlangte nach dem Blut des verfluchten Telvanni-Hexers. Er konnte es kaum unterdrücken und leugnen schon gar nicht.

Tirian war sich bewusst, dass er allein nicht die Kraft hätte, gegen Behram Meradanz und seine Schergen anzutreten, doch konnte und wollte er diesen nicht einfach ermorden lassen. Doch er wollte es. Aber er konnte es nicht tun. Seine Gedanken drehten sich im Kreis und sein Kopf fing an zu schmerzen. Sein Gewissen bereitete ihm schiere Qualen. Er rollte sich auf dem Bett herum, versuchte eine Entscheidung mit sich zu treffen und wurde erst durch das Drücken der Türklinke ins Hier und Jetzt zurück gerissen. Er schluckte. Er wusste nicht, was er sagen sollte, als die Dunmerin eintrat.

Andromeda
30.12.2012, 15:14
[Dreveni]
Dreveni hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass der Andere auf ihr Angebot eingehen würde, umso erstaunter war sie über seine Antwort. Mit hochgezogener Augenbraue sah sie ihm nach, bis er in seinem Zimmer verschwunden war. Gleich darauf erschien eine steile Falte zwischen ihren Augen, sollte das eine Falle sein? Nein, sie meinte genug Menschenkenntnis zu besitzen, um sich sicher zu sein, dass dieser Dunmer mit Sicherheit nichts mit irgendeiner Mördergilde zu tun hatte. Wenn doch war er der beste Schauspieler, der ihr jemals untergekommen war. Er erinnerte sie eher an einen Auftraggeber bei Bravil, der jedes mal vor Angst fast umgekippt war, wenn er mit ihr zu tun gehabt hatte. Den Rest hatte sie ihm gegeben, als sie nach Erledigung des Auftrages einfach in sein Zimmer eingebrochen war und ihm den Finger des Opfers unter die Nase gehalten hatte. Sie musste grinsen bei dem Gedanken daran, es schien schone ewig her zu sein, wie alles das geschehen war, bevor Feryn wieder in ihr Leben getreten war. Sie trank den Krug aus, richtete der Bedienung aus, dass sie die Getränke auf die Rechnung des Dunmers setzen sollte, und machte sich auf zu seinem Zimmer. Den Mantel hatte sie sich umgehängt, so dass man nicht sehen konnte, dass sie ihren Dolch gezogen hatte. Das daedrische Metall fühlte sich kühl an, und doch konnte man gleichzeitig seine Hitze spüren. Bogen und Köcher hingen über ihren Rücken, als sie mit der linken schließlich die Zimmertür öffnete. Sie hatte einen Moment gelauscht, aber es war nichts von drinnen zu hören.

Als sie die Tür weit genug aufgezogen hatte, sah sie, dass der Dunmer allein auf seinem Bett lag und sich jetzt ruckartig aufsetze. In seinen Zügen lag eine Mischung aus Ekel und etwas das Dreveni nach Unentschlossenheit aussah. Alles in allem wirkte er noch mehr neben sich stehend, als vorhin am Tisch.
Sie zog die Tür leise zu, nicht ohne den Blick von der Gestalt vor ihr auf dem Bett zu nehmen. Dabei fiel ihr siedend heiß ein, dass es nur drei Zimmer zu geben schien und sie selbst noch keins hatte. Scheiße. Darum würde sie sich später kümmern müssen. Zur Not müsste sie die Nacht im Schankraum verbringen.
Äußerlich merkte man ihr von dem kurzen Schreck allerdings nichts an, und sie konzentrierte sich wieder auf die aktuelle Situation. Jedenfalls schien es keine Falle zu sein, sonst war das spärlich eingerichtete Zimmer leer.
Mit der linken Hand in die Hüfte gestützt und die Rechte mit dem Dolch unter dem Umhang verborgen, blieb sie kurz vor dem Bett stehen. "Ihr solltet in der Wahl eurer Worte in der Öffentlichkeit etwas vorsichtiger sein, auch wenn hier in Morrowind andere Sitten zu herrschen scheinen.", sagte sie leise. "Wen wollt Ihr euch vom Hals schaffen?"

[Tirian]
Eine solche Frage hatte er gerade noch gebraucht, doch machte es ihm ihre Direktheit leichter. "Jemanden den Tod zu wünschen ist kein Verbrechen. Auch wenn es schon verwerflich ist die Auslöschung eines Lebens herbeizusehnen": sagte er und seufzte. "Wisst ihr, ich bin mir nicht mehr so ganz sicher, ob die Ermordung": er zog das letzte Wort lang, als würde sich seine Zunge weigern es aussprechen zu wollen: "der rechte Weg ist, um meine Probleme zu lösen." Er stand auf und ging etwas im Zimmer auf und ab. "Sein Tod würde nicht automatisch die Rettung bedeuten, die ich mir eigentlich erhoffe": sagte Tirian kryptisch, da er nicht wusste, wie viel er dieser Fremden anvertrauen konnte. "Ich möchte jemanden retten, der in Gefangenschaft geraten ist, aber den Verantwortlichen zu töten, wird, auch wenn es vielleicht meinem Rachewunsch entspricht, wohl nicht dafür sorgen": erklärte er dann doch etwas mehr, da ihm selbst bewusst wurde, dass die Dunmer mit kryptischen Botschaften Nichts anfangen konnte. "Verzeiht, aber ich war zu voreilig. Ich sollte eure Zeit nicht verschwenden, wenn ich keinen... Mord... möchte": gestand er sich ein.

[Dreveni]
So ganz schlau wurde Dreveni aus dem Gestammel des Dunmers nicht. Sie beobachtete ihn, als er scheinbar nervös durch das Zimmer ging. Langsam setzten sich allerdings die Bruchstücke, die er von sich gab, zu einem Bild zusammen. Noch wollte er also niemanden tot sehen, was Dreveni sogar entgegenkam, auf einen neuerlichen Zusammenstoß mit den Morag Tong oder dieser anderen Gruppe, deren Name ihr gerade entfallen war, hatte sie keine Lust.
Zwar war ihre Lust auf einen neuen "Jagdauftrag" auch nicht gerade groß, wenn sie am Ende wieder niemanden ums Eck bringen konnte, aber irgendwie musste sie ihren weiteren Aufenthalt hier finanzieren.
"Ihr verschwendet meine Zeit nicht. Wie Ihr vielleicht an meiner Aussprache gehört habt, ich bin nicht aus Morrowind. Und außerhalb meiner gewohnten Gefilde kann ich in der Wahl meiner Aufträge nicht so wählerisch sein, wie ich es normalerweise bin. Und nachdem sich mein Aufenthalt hier noch etwas ziehen wird..."
Alles in allem schien es nicht so schlecht zu werden, auch wenn der Mann vor ihr eher so wirkte, als würde er ihr früher oder später gewaltig im Weg stehen. Kampferfahrung war nun nicht gerade auf seine Stirn geschrieben, andererseits machte er keinen dermaßen jähzornigen Eindruck wie Arranges.
"Tatsächlich macht es keinen großen Unterschied, ob man sich reinschleicht, jemanden ermordet, wieder rausschleicht oder jemanden am Leben lässt und mit raus nimmt.", fügte sie noch mit einem feinen Lächeln hinzu.

[Tirian]
Tatsächlich fiel Tirian erst jetzt auf, wo sie ihn mit der Nase darauf stieß, dass sie Cyrodiilisch ohne den breiten vvardenfeldischen Akzent sprach, der den Leuten, die ihre Insel nie verließen, so zu Eigen war. "Was für eine Ironie": stellte Tirian fest und lachte leicht, was ihm etwas von seiner Anspannung nahm. "Ich stamme aus Süd-Morrowind, aber war bisher so häufig auf Reisen, dass ich inzwischen fast schon automatisch Cyrodiilisch spreche, da es ja die Umgangssprache im Kaiserreich ist. Wir sind also Beide relativ fremd hier auf Vvardenfell". erklärte der Dunmer. Er sah darin Nichts Schlechtes, eher im Gegenteil. Sie fielen so hier bei den ganzen Söldnern, die wegen der Daedra auf der Insel waren, nicht weiter auf. Auf jeden Fall gab ihm ihre letzte Aussage etwas Hoffnung: "Daran habe ich gar nicht gedacht. Ihr... Assassinen seid ja gut darin euch lautlos zu bewegen und einzuschleichen. Wenn es nicht unbedingt ein Mord sein muss, dann wären eure Dienste sicherlich außerordentlich hilfreich." Tirian setzte sich wieder auf das Bett. "Ihr meint also, dass ihr Geld braucht. Mein Va.. ähm..., ich meine, ich habe ein kleines Vermögen zur Verfügung, um euch zu bezahlen. Wenn ihr mir helft, dann wird es sich für euch lohnen. Das verspreche ich euch. Außerdem bin ich bereit für eure Spesen aufzukommen, solange der Auftrag dauert": bot er an, allerdings erinnerte ihn sein Gewissen an eine Tatsache, auf die er noch hinweisen sollte. Der Heiler schluckte, aber sah der schwarzhaarigen Dunmer, die seiner Mutter wirklich sehr ähnlich sah, ins Gesicht und fügte noch an: "Ich muss euch aber warnen, dass es sehr gefährlich werden wird, denn wir müssen uns in den Turm eines Hexenmeisters einschleichen."

[Dreveni]
Das leichte Lachen auf seinem Gesicht ließ den Dunmer vor ihr wieder etwas selbstsicherer wirken, und veranlasste Dreveni zu der gedanklichen Feststellung, dass es wohl doch nicht gar so aussichtslos mit ihm werden würde. Auch die Tatsache dass er oft auf Reisen war, gab Anlass zur Hoffnung, da sollte er ja wohl einmal in die Situation gekommen sein, sich verteidigen zu müssen. Auch die Aussicht auf eine gute Bezahlung - oder überhaupt eine Bezahlung, die Jagd nach Gumora war eine ziemliche Nullrunde gewesen - ließ Dreveni die Gefahr eines Hexenmeisters nicht mehr so groß erscheinen. Natürlich erschwerte dass die ganze Sache noch mal um einiges, allerdings war sie selbst jetzt auch nicht unbedingt unbegabt in Sachen Magie, auf der anderen Seite konnte auch ein Hexenmeister gegen einen Dolch oder Pfeil im Rücken nichts mehr ausrichten. Geschah ihm halt am Schluss halt doch ein kleiner Unfall, egal ob der Dunmer ihn nun tot sehen wollte oder nicht. Sie hütete sich allerdings das jetzt anzusprechen, da er eindeutig mehr Skrupel bei solchen Dingen zu haben schien als Dreveni.
"Dann werden wir eben vorsichtig sein müssen.", sagte sie, steckte den Dolch weg den sie bis jetzt in der Hand gehalten hatte und den der andere erst jetzt sehen konnte und hielt ihm die Hand hin um den Auftrag zu besiegeln.

KingPaddy
13.01.2013, 11:57
Als er den Dolch bemerkte, ging ihm ein gewisser Schauer über den Rücken, als ihn jedoch wegsteckte beruhigte sich sein springendes Herz wieder. Er schaute auf die stattdessen dargebotene Hand. "Gut dann ist es abgemacht": sagte Tirian und nahm die kühle Hand und drückte sie, um den Auftrag zu besiegeln. "Es wird das Beste sein, wenn wir morgen in der Frühe aufbrechen, deshalb möchte ich mich jetzt gerne hinlegen. Alles Weitere besprechen wir dann am Morgen bei einem Frühstück": schlug der Dunmer vor und die Assassinin war da scheinbar auf seiner Seite. "Wir sehen uns dann": sprach sie und entschwand durch die Tür. Der Heiler wartete noch einen Moment, dann sprang er vom Bett auf und schloss ab. Sie traf ihre Sicherheitsvorkehrungen und er seine. Lange stand er noch an die Tür gelehnt und lauschte auf die Geräusche und Stimmen, die dumpf aus dem Schankraum nach oben drangen. Sein Kopf war in diesem Moment seltsam leer. Nur langsam löste er sich von dem spröden Holz und schwankte zu seinem Bett herüber, auf dem er dann niedersank. Mit einer Bewegung schlüpfte er aus seinen Lederschuhen und schleuderte sie von sich. Müde schlüpfte er aus der grünen Robe und behielt nur das blau gefärbte Leinenhemd und die braune Hose an. Dann zog er die kratzige Decke über sich und bettete den Kopf auf das gestärkte Kissen. Seine Gedanken kreisten noch. "Dann geht es wohl doch ans Eingemachte": überlegte der Heiler. Er würde sich jetzt doch mit Behram Meradanz anlegen, von dem er durch seinen Vater wusste, dass er wirklich skrupellos war. "Wenn sie uns in Mora Uvirith erwischen, sind wir so gut wie tot": ging es Tirian dabei auf. Die Worte der Dunmer gingen ihm durch den Kopf: "Dann werden wir eben vorsichtig sein müssen." "Zumindest ist sie optimistischer als ich": sagte er sich. "Außerdem haben wir ja immer noch Meister Aryon als Trumpf, wenn alles schief geht": seufzte er und schloss endlich die Augen, nachdem er die Laterne auf dem kleinen Holztisch neben dem Bett gelöscht hatte. Ein Gedanke überfiel ihn noch, bevor er vor Erschöpfung ins Reich der Träume glitt: "Wo bin ich da nur hinein geraten?"

Als er am nächsten Morgen erwachte, war er schweißgebadet und in seinem Kopf klebten die Reste eines Alptraums, wie hartnäckige Spinnenweben, aber er konnte sich nicht daran erinnern und der Versuch danach zu greifen, zerriss das Gespinst und hinterließ nur ein Gefühl von Vergessen. In letzter Zeit erwachte er häufiger in diesem Zustand. Und jedes Mal musste er dann an Tarrior denken, doch er wusste einfach nicht wieso. Tirian setzte sich auf und schüttelte den Kopf um die Senkbleie von seinen Gedanken abzuschütteln und wuchtete sich aus dem Bett. Ein Blick aus dem winzigen Fenster seiner Kate verriet ihm, dass die Sonne noch nicht aufgegangen war, aber die Helligkeit der zwielichtigen Nacht dort draußen ließ auf eine baldige Dämmerung mit ihren golden-roten Farbimpressionen am Himmel schließen. Er schlüpfte aus seiner feuchten und nun mehr speckigen Kleidung und genoss einen Moment die morgendliche Frische auf der nackten Haut, bis sich ihm die feinen Härchen aufstellten. Er kramte aus seinem Gepäck ein frisches Hemd und eine frische Hose und zog sich die an. Er musste seine Kleidung unbedingt wieder waschen. An sauberer Wäsche war ihm nicht mehr viel geblieben. Heute hatten sie keine Zeit mehr. Wenn sie an die Küste kämen, würde er dort dann die Schmutzwäsche bei der Gelegenheit gleich reinigen. Es war ohnehin besser, wenn sie nach Tel Uvirith den Weg an der Küste entlang wählten und nicht direkt durch die Molag Amur gingen. Die Kundschafter mit denen er gesprochen hatte, hatten das alle empfohlen, zumal sich inzwischen auch mehr Anhänger Dagons dort herumtrieben, die ihre Aktionen nach dem Fall Mar Gaans nun auch in die beiden großen Küstenregionen ausweiteten. Seine restlichen Sachen und die abgelegte Kleidung packte der Heiler noch zusammen, streifte sich die robuste, grüne Robe wieder über, schloss die Tür auf und trat dann hinaus. Mit geschultertem Bündel ging er die Treppe hinunter, wobei er wieder nahe an der Wand blieb.

Im Schankraum sah er sich flüchtig um, aber konnte die Dunmerin nicht auf Anhieb entdecken. Stattdessen suchte er sich einen Tisch, der gestern von den Gästen nicht völlig eingesaut worden war, setzte das Bündel ab und setzte sich hin. Der Wirt bemerkte ihn, als er aus der Küche kam und war ehrlich überrascht schon so früh jemanden wach zu sehen, aber das Frühstück war ohnehin schon in der Vorbereitung weshalb dies auch kein Problem darstellte. Vorsorglich bestellte Tirian Essen für zwei und bekam dann nach und nach, je nachdem wie es fertig wurde. Eine Gemüsebrühe mit Salzreis, hart gekochte Kwama-Eimer, Brot und dazu Skattel und dazu dann stark verdünnten Wein. Als der Wirt das Mahl platziert hatte, tauchte die Dunmer aus den Weiten des Schankraumes auf und setzte sich mit einem knappen "Guten Morgen" an den Tisch. Während die Auftragsmörderin noch damit beschäftigt war die Speisen vor ihm auf dem Tisch zu mustern, kam der Heiler gleich zur Sache: "Ein Freund von mir wird wahrscheinlich in den Kerkern unter einem als Tel Uvirith bekannten Magierturm gefangen gehalten. Ich weis nicht, ob ihr euch in der politischen Landschaft Vvardenfells auskennt, aber dieser Turm ist der Sitz eines mächtigen Hexenmeisters namens Behram Meradanz der zu allem Überfluss noch im Fürstenhaus Telvanni den Posten eines Ratsherren bekleidet. Tel Uvirith liegt in der Siedlung Mora Uvirith, die schwer bewacht ist. Jeder Besucher wird an den Stadttoren kontrolliert. Da wir meinen Freund befreien wollen, müssen wir also in die Stadt, in den Turm und dann auch noch in die Kerker gelangen und schließlich und endlich muss uns noch die Flucht gelingen. Wie gesagt ein durchaus nicht leichtes und sogar gefährliches Unterfangen."

Tirian schaute bedrückt in die Ferne, als er geendet hatte. Erst der aufmerksame Blick der Dunmer, der nichts über ihre Gefühle verriet, holten ihn ins hier und jetzt zurück. Er zog sich sein Schälchen mit der Brühe heran und nahm einige Löffel. "Es gibt einen Kontaktmann in der Stadt der uns angeblich helfen können soll - ein Nord namens Vigald, der einen Waffenladen betreibt. Außerdem habe ich eine Möglichkeit gesichert, wie wir möglichst unauffällig in die Stadt gelangen können, ohne allzu genau kontrolliert zu werden. Der schwierigste Teil wird also der Turm und da verlasse ich mich dann ganz auf eure Talente": ergänzte Tirian noch und widmete sich nun gänzlich seiner Suppe, bis ihm noch ein kleines Detail in den Kopf kam: "Da wir nun schon zusammenarbeiten... Mein Name ist übrigens Tirian Morvayn."

Andromeda
26.01.2013, 00:41
Das, was Dreveni schon befürchtet hatte, war tatsächlich eingetreten, es gab keine freien Zimmer mehr. Als sie sich von dem Dunmer verabschiedet hatte, ließ sie sich also wieder im Schankraum nieder, der sich inzwischen deutlich gelehrt hatte. Nach einem neuen Krug Mazte konnte sie tatsächlich im Sitzen etwas schlafen, bis sich der Raum in der Früh wieder Besuchern und Geräuschen füllte. Um richtig wach zu werden, ging sie kurz nach draußen und genoss die kühle Luft, während sie über den Auftrag nachdachte. Es klang wirklich nicht leicht, aber es würde schon irgendwie gehen. Mehr Sorgen machte ihr ihr neuer Begleiter, der wirklich kein Krieger zu sein schien.
Als sie sich halbwegs wach fühlte ging sie wieder in den Schankraum, wo ihr Auftraggeber schon an einem der Tische saß. Sie grüßte ihn knapp, ließ sich dann auf den zweiten Stuhl gleiten und warf dem Frühstück einen interessierten Blick zu. Die Ausführungen ihres Gegenübers sagten ihr nur wenig, Die Telvanni waren ihr wenigstens im Ansatz ein Begriff, aber von einem Behram Meradanz hatte sie noch nie gehört. In die Stadt zu kommen, konnte sich allerdings als schwierig erweisen, dachte sich Dreveni als sie zuhörte. Schmerzlich wurde ihr bewusst dass sie hier nicht die Verbindungen zu gewissen zwielichtigen Gestalten wie in Cyrodiil hatte. Andererseits hätte sie es nicht gewundert, wenn ihr hier S`Dar über den Weg gelaufen wäre. Allerdings relativierte der Dunmer das Problem mit der Stadt, als er weitersprach. In den Turm würden sie sich schon einschleichen können, es war ja keine Vorrausetzung, dass es ohne Opfer zu geschehen hätte. Schließlich stellte er sich ihr endlich vor.
"Lyviani", stellte sich Dreveni ebenfalls vor. Sie tat es ohne zu zögern, obwohl ihr der Name gerade erst eingefallen war. Das Erlebnis mit den Morag Tong war ihr nur noch allzu gut im Gedächtnis und man wusste nie, wer hier noch mithörte.
"Wie ich gestern schon sagte, ich bin nicht von hier, wo genau liegt Tel Uvirith?"
Tirian sah von seinem Essen auf und antwortete: "In der Molag Amur. Ich hatte gedacht, dass wir uns die Küste entlang halten, da das der sicherste Weg für jemanden Ortsfremden ist."
Dreveni nickte nur und antwortete: "Mir soll es recht sein, und meinetwegen können wir auch bald aufbrechen."
Nachdem beide ihr Frühstück beendet und Tirian die Rechnung beglichen hatte, packten sie ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Weg nach draußen. Dreveni holte noch den Guar aus den Stallungen wo sie den Stalljungen bezahlte und ihre Sachen auf das Tier lud. Sie selbst lief nebenher, als sie Tel Vos verließen und bot Tirian an, sein Gepäck ebenfalls auf den Rücken des Guars zu transportieren.

KingPaddy
28.03.2013, 01:48
Tirian nahm Lyvianis Angebot an und lud auch sein Gepäck auf den Rücken des Tieres. Inzwischen überlegte er, ob er nicht noch mehr Sachen hätte mitnehmen sollen. Er hätte sich nicht träumen lassen, dass er solange unterwegs sein würde und vor allem hatte er nicht damit rechnen können, dass er es auch noch mit Behram Meradanz aufnehmen müssen würde. Als sie schweigend Vos verließen, musste Tirian an Tel Uvirith, die Festung des Telvanni-Hexers, denken. Sie hatten einen langen Weg durch die Weidenländer vor sich und mussten etwa ins Zentrum der Molag Amur. Sie hätten sich einfach vom örtlichen Hafen aus nach Tel Uvirith einschiffen können, aber leider hatte der Hexer wohl auch dies bedacht und ließ Handelsschiffe aus dem Gebiet der Telvanni nicht mehr in seinem Hafen vor Anker gehen oder ließ sie gut durchsuchen. Die anderen Magierfürsten duldeten dieses Verhalten nur, weil sie sich bezüglich ihrer eigenen Städte auch nicht anders verhielten. Die Paranoia beherrschte Vvardenfell inzwischen. Jeder fürchtete die Agenten der Mythischen Morgenröte. Ein geradezu schizophrenes Verhalten machte sich inzwischen breit. Jede Stadt suchte kräftige Krieger und Söldner zur Verteidigung und wollte Hilfe, aber gleichzeitig wollte niemand Fremde oder Auswärtige in die eigenen Städte lassen, um sich nicht in die Gefahr zu bringen, einen Verräter aufzunehmen. Inzwischen war auch jeder sich selbst der Nächste in diesem Land. Der Tempel, der eigentlich für die Bevölkerung da sein sollte, erging sich in inneren Machtkämpfen und kämpfte um den Rest der Bedeutung, der ihm nach dem Verschwinden des Tribunals noch geblieben war, anstatt sich um die Kranken und Verletzten zu kümmern, wie es aus Tirians Sicht dringend notwendig wäre, gerade in diesen Zeiten.

Sie waren ein Stück vor Vos als er seine Gefährtin kurz anschaute. Ihr Blick war starr nach vorne gerichtet. Sie machte nicht den Eindruck, als wollte sie reden, also beließ auch er es dabei. Was hätte er sie auch schon großartig fragen können? „Du bist also eine Auftragsmörderin und erledigst Leute gegen Geld? Wie ist das denn so“: überlegte er und verdrehte die Augen. Seinen Blick ließ er nun etwas über die Landschaft schweifen. Er kannte die Weidenländer aus Tarriors Erzählungen. Eine leicht hügelige Ebene mit wenigen Bäumen, dafür mit einem fruchtbaren Boden, auf dem wilder Dochtweizen spross und der Nahrung für herumziehende Herden wilder Guars bot, von denen die hiesigen Stämme der Aschländer lebten. Sein Vater hatte von der ewigen, ruhigen Weite der Ebene unter dem blauen Himmel geschwärmt. Tatsächlich war die Schönheit noch zu erkennen, obwohl er jetzt durch ein eindeutig entstelltes Land zog. Der blaue Himmel war von den Schlieren schwarzen Rauches verunreinigt, den der Rote Berg in riesigen Mengen ausspie.

Von Westen aus der Gegend um Tel Vos wehte der beißende Geruch verbrannter Leichen herüber. Die erst vor wenigen Tagen abgewehrte Belagerung, hatte ihre Spuren in Form von hunderten toten Kämpfern und aberhunderten getöteter Daedra hinterlassen, deren Körper wohl nun den Flammen übergeben wurden. Doch nicht nur der Himmel und die Luft spiegelten das Blutvergießen und die Kämpfe der letzten Zeit wieder auch der Boden trug deutliche Zeichen. Zwischen den gold-braunen Dolden des Dochtweizens klafften häufig riesige Schneisen der Verwüstung. Niedergetrampeltes Gras, aufgewühlter oder verbrannter Boden zeigten die Stellen, wo die Söldnerheere oder Daedra auf ihren Märschen quer durch das Land hindurch geschritten waren. Verwüstung und wilde Schönheit der Weidenländer wechselten sich mannigfaltig ab. Hier sah man eine Guar-Familie, die unbeschwert aber aufmerksam graste und nur etwas mehr in der Entfernung sah man die bekannten Zacken und das feurige Lodern von Toren ins Reich des Vergessens. Man stieß auf ganze unberührte Felder des Dochtweizens und fand am Wegesrand Leichen oder Überreste von überfallenen Konvois oder Karawanen. Für das Auge bot sich ein wechselhafter Anblick.

Sie zogen noch eine ganze Weile nach Süden bis ihnen einige Dunmer auf gesattelten Guars entgegen kamen. Sie trugen verschiedentliche Rüstungen, die nicht ganz passend zusammengestellt waren. „Offenbar Söldner“: wie Tirian vermutete und insgeheim hoffte, dass es keine Banditen wären. Der Truppführer der Dunmer zügelte sein Reittier und brauhte es vor ihnen zum Stehen. Ein Seitenblick auf Lyviani und ihre Hand, die in Richtung ihrer Waffen glitt, verriet dem Heiler die Kampfbereitschaft und Vorsicht der Dunmer. Abschätzig sah der Mann auf sie herunter. „Seid gegrüßt. Wo gedenkt ihr, dass ihr hinwollt?“: fragte der Reiter. Lyviani schnaubte, offenbar war ihr diese Rechtfertigung zu viel. „Wir sind auf dem Weg nach Tel Uvirith. Wir wollen dort handeln“: erklärte der Dunmer. Der Reiter zog die Augenbrauen hoch. „Nach Tel Uvirith ist es weit. Nach der Belagerung sind viele Daedra entkommen und streifen jetzt wild durch die Weidenländer. Wir haben vorhin erst einen toten Händler gefunden. Wir fanden ihn halb zerfetzt. Wir haben die Aufgabe übertragen bekommen die übrigen Kreaturen zu eliminieren. Ich würde euch empfehlen, dass ihr nach Vos zurückkehrt und eure Geschäfte lieber in Tel Aruhn oder Sadrith Mora abwickelt“: berichtete der Guar-Reiter. Noch bevor Tirian etwas erwidern konnte, zischte Lyviani: „Wir kommen schon zurecht.“ Sie ging einfach weiter und die restlichen Reiter machten ihr Platz. Tirian folgte ihr. „Wir haben euch gewarnt“: rief der Mann ihnen noch nach, bevor er sich mit seiner Gruppe in eine andere Richtung auf den Weg machte.

An die Warnung des Reiters musste Tirian erst wieder denken, als sie wenig später an einer Felsformation vorbei kamen. Der eklige, tierhafte Geruch hätte ihnen schon auffallen müssen, als sie in die Nähe kamen, doch plötzlich war überall um sie, als die Skampe, die dort am Wegesrand gelauert hatten nun mit ihren spitzen Krallen und Zähnen aus ihrem Versteck stürzten und über sie kamen. In dem Chaos aus dürren, braunen Leiben versuchte Tirian die Orientierung zu behalten. „Lyvani, was tun wir jetzt?“: rief er.

Andromeda
29.03.2013, 13:03
[Dreveni]
Was tun wir jetzt? WAS TUN WIR JETZT?? Man, du bist echt ein Held., dachte sich Dreveni, als sie von den Skampen angegriffen wurden und sie ihr Schwert zog. Kämpfen, was wohl sonst. Du kannst dich auch fressen lassen, wenn dir das lieber ist... Schon schlug sie mit dem Schwert nach dem ersten Skamp, der ihr gefährlich nahe kam. Aufheulend wich er zurück, war aber noch weit davon entfernt, tot umzufallen. Sie waren inzwischen schon von den Kreaturen umringt, so dass es einer schaffte ihr in den Rücken zu fallen und ihr schmerzhaft die Krallen über den Rücken zu ziehen wo er ein paar tiefe Kratzer hinterließ. Sie versuchte den Schmerz zu ignorieren, drehte sich um und holte wieder mit dem Schwert aus. Von oben hieb sie es dem Skamp mit aller Kraft auf den Schädel, welcher mit einem trockenem Knacken nachgab, woraufhin der Skamp leblos zu Boden sank. Es waren aber immer noch viel zu viele übrig, als Dreveni die linke Hand zur Faust ballte und einen ungezielten Schockzauber in den Haufen aus stinkenden Leibern vor sich warf, der ihr zumindest etwas Luft verschaffte.

[Tirian]
Tirian sah das Bemühen seiner Begleiterin. "Also mitten rein": dachte er und zog wegen des engen Nahkampfes, den ihre Gegner ihnen schon aufgezwungen hatten, sein Schwert. In letzter Zeit musste er seine Notfallwaffe häufiger verwenden. Ihm wäre wesentlich lieber, er könnte darauf verzichten. Ein Rundumschlag mit der Klinge, den er sich von Tarrior abgeschaut hatte, aber nun mehr schlecht als recht selbst umsetzte, brachte ihn ins Taumeln, aber die Skampe etwas auf Distanz. Ein Blick zur Seite versicherte ihm, dass er Lyviani nicht getroffen hatte, die den Biestern gerade mit einem Schockzauber einheizte. Ein Lächeln kam in Tirians Gesicht. Das konnte er auch. Knisternd sammelte sich Energie in seinen Händen. Er entließ sie in einer gerichteten kleinen Welle in Richtung dreier Skampen, die ihm entgegenstanden. Die Biester kreischten, als die Blitze ihre Körper durchfuhren. Er nutzte die Gelegenheit und sprang nach vorne und setzte einen Hieb an, der den getroffenen Daedroth aufkreischen ließ. Aus dem Augenwinkel heraus sah er, wie die Dunmer auch auf einen Gegner einhackte. Auch ihr Schlag reichte nicht aus, um den Monstren Gliedmaßen abzutrennen. Tirian verschaffte sich noch etwas Luft nach vorne mit einigen gefuchtelten Schlägen und ein, zwei kleinen Schockzaubern und konzentrierte sich dann auf Lyviani. Ein Murmel, ein Fingerzeig und schon löste sich eine Kugel stärkender Magie von seiner Hand ab und schoss auf die Elfe zu.

[Dreveni]
Als Dreveni sich kurz zu Tirian wandte, sah sie, wie er - wenn auch etwas ungeschickt - ebenfalls mit dem Schwert hantierte und die Skamps etwas auf Abstand brachte. Er schien jedenfalls momentan nicht in unmittelbarer Gefahr zu sein, so konzentrierte sie sich ebenfalls wieder auf die Biester, die einfach nicht weniger zu werden schienen. Sie war gerade dabei, einem der Viecher den Rest zu geben, als sie von etwas getroffen wurde was sie im ersten Moment so überhaupt nicht einordnen konnte, und sie obendrein so aus dem Konzept brachte, dass der Skamp fast wieder Oberhand bekommen hätte. Allerdings nur fast. Ein schneller Stich nach vorne, und ihr Schwert bohrte sich durch seinen Bauch. Als sie das Schwert aus dem Kadaver gezogen hatte fand sie Zeit, sich umzudrehen und sah gerade noch Tirians ausgestreckten Finger - dass die Schmerzen in ihrem Rücken nachgelassen hatten, registrierte sie nur am Rande. Bei sämtlichen Daedrafürsten, was soll dass denn werden?, dachte sie, während sie ihn leicht entgeistert anstarrte. Sollten sie das hier überleben, würde sie mit Tirian unbedingt ein ernsthaftes Gespräch über Taktik führen müssen. Als sie den Gedanken zu Ende gedacht hatte, näherte sich ihm auch schon ein Skamp von hinten, den Dreveni schnell mit einem neuen Schockzauber auf Abstand brachte, der nur ganz knapp an dem Dunmer vorbeischoss. Es kam ihr allerdings so vor, als würden die Skampe langsam etwas zaghafter werden, immerhin hatten sie beide auch schon gut aufgeräumt unter den Biestern.

[Tirian]
Ein Skamp war herangekommen. Beinahe hätte er den Dunmer mit der Klaue erwischt, doch ein schneller Schockzauber Lyvianis, die sich zu ihm umgewandt hatte, brachte den Wurm wieder auf Abstand. Tirian setzte mit einem Schlag nach und trieb die Klinge eine Fingerbreite in den Schädel des Daedroth. Er ging zu Boden. Die Skampe wurden nun zaghaft. Ein Mutiger stürzte noch nach vorne, doch Tirian ließ weitere Magie wirken. Er fühlte ein schmerzhaften Ziehen in seinen Muskeln. Er hob sein Schwert, holte seitlich aus und ließ es direkt in den angreifenden Dämon krachen, als der zu nahe kam. Die Klinge schnitt bis zur Hälfte in den Körper der Kreatur hinein. Sie spuckte dunkles Blut und zuckte noch, als der Heiler das Schwert angewidert befreite. Die verbliebenen Skampe - vier Stück - wichen nun zurück und scharrten nervös auf dem Boden. Ihre krächzenden Laute und ihr ekliger, tierischer Geruch erfüllten die Luft. Lyviani trat neben ihn. Die Augen der kleinen Daedra irrten umher und es schien als wollten sich zur Flucht wenden, doch in diesem Moment erklang ein Knall wie von einer Peitsche und die Wesen fingen an zu zittern, aber blieben an Ort und Stelle. Hinter dem Felsen trat ein leicht gerüsteter Dremora mit einem langen Spieß hervor. Er keifte etwas in einer fremden Sprache und schlug hinter einem der Skampe mit der Peitsche, die er in der anderen Hand hielt, auf den Boden. Die Augen des Skampen zuckten wild umher und offenbar wurde der Dremora über die Missachtung seiner Befehle ungehalten. Er schrie. Tirian tauschte einen Blick mit Lyviani, um abzuschätzen, wann sie gemeinsam eingreifen wollte, in diesem Moment stach der gerüstete Daedroth dem Skamp den Spieß in den Rücken. Die Kreatur jaulte vor Schmerz und ein weiteres Brüllen das Dremora brachten ihn und seine Artgenossen zu einem neuerlichen Angriffsversuch. Ein herannahender Gegner wurde sofort von einem starken Blitzschlag Tirians gefällt. Die anderen erwartete er mit erhobener Klinge.

[Dreveni]
Na bitte, geht doch. Ihr Begleiter schien doch mit dem Schwert umgehen zu können, wenigstens ein bisschen. Mit dem was danach geschah, hätte sie allerdings nicht im Traum gerechnet. Für einen Moment vergaß sie die restlichen Skampe, als sie den Dremora ansah, der wie eine Erscheinung mit seinem Spieß und der Peitsche unweit von ihnen stand. Als er in einer fremdartigen und doch für Drevenis Ohren melodiösen Sprache auf den Skamp einschrie, war sie völlig in seinen Bann geschlagen, aus dem sie sich erst wieder lösen konnte, als er einen seiner Kreaturen einfach abstach und sich der Rest wieder zum Angriff entschloss. Einer schaffte es nahe genug an Dreveni um sich in ihren Arm zu verbeißen, so dass sie ihr jetzt nutzloses Langschwert fallen lassen musste und mit der freien Hand ihren Dolch zog, während sie dem Vieh das Knie kräftig in den Bauch rammte. Als sie endlich den Dolch in der Hand hielt, stieß sie dem Skamp das Messer mit Schwung durch die Kehle bis es hinten an der Wirbelsäule anstieß. Der Skamp zuckte noch einmal, dann ließ er von ihr ab und sackte zusammen, während der daedrische Stahl ihrer Waffe mühelos aus der Wunde an seinem Hals glitt. Das Blut dass an ihrem rechten Unterarm entlang lief, vermischte sich mit dem der Kreatur, als sie nach Tirian und dem letzten verbliebenen Gegner Ausschau hielt, nachdem sie der Leiche des widerwärtigen Biestes dass sie angenagt hatte noch voll Ekel einen kräftigen Tritt versetzt hatte.

[Tirian]
Tirian erwartete den Sprung fast schon, zu dem der Skamp ansetzte. Die Klauen und die hässliche Fratze nach vorne gereckt, stieß sich die Kreatur vom Boden ab und schoss auf ihn zu. Er ließ sein Schwert nach vorne zucken, doch hatte er nicht mit dem Feuerball gerechnet, der auf ihn zuflog. In allerletztem Moment drehte sich der Heiler zur Seite, nahm dabei jedoch das Schwert herunter und wurde durch den Skamp am Arm verletzt. Die Klauen bohrten sich durch seine Robe, rissen den Ärmel auf und rissen die Haut auf. Ein unterdrückter Schmerzenslaut entwich Tirians Kehle. "Dieser verfluchte Dremora": dachte er in Gedanken, als er den Daedroth hämisch grinsen und sich dann Lyviani zuwenden sah. Er sah noch, wie der Diener Mehrunes Dagons mit der Peitsche ausholte, dann zog das Knurren des Skampes seine Aufmerksamkeit wieder zurück. Die kleine, stinkende Kreatur setzte zu einem neuen Angriff an. Er brachte schnell sein Schwert zwischen sich und die Kreatur. Die sich darauf stützend, über ihm nach seinem Gesicht langen wollte. Wieder zog er Magie in seine Muskeln. Schmerzend setzte der Zauber neue Kräfte frei. Er stieß das kleine Biest zurück. Er versuchte nicht aufzustehen, sondern sandte Schockmagie in die Klinge hinein und stach zu. Zappelnd und kreischend empfing der Körper den Strom. Tirian hielt den Zauber aufrecht, bis der Skamp verstummte. Er zog sein Schwert heraus und wandte sich zu Lyviani um.

[Dreveni]
Über die Attacke des Skampes hatte Dreveni den Dremora komplett aus den Augen verloren, was sich jetzt bitter rächte, als die Peitsche haarscharf an ihrem Kopf vorbeiknallte, so dass sie den Luftzug eiskalt auf ihrer Haut spürte. Eine Horde Skampe war definitiv das eine, ein Dremora mit Spieß und Peitsche etwas ganz anderes. Er war zwar nur in leichter Rüstung, aber ein gutes Stück größer als Dreveni, und nah genug um einen Schlag anbringen zu können musste sie erst einmal kommen, ohne von der Peitsche getroffen zu werden. Dazu kam noch, dass sie der Skamp ganz schön am Arm erwischt hatte, so dass sie Mühe hatte ihre Hand zu bewegen. Sie ging einen großen Schritt rückwärts auf ihr Schwert zu, während sie den Dremora nicht aus den Augen ließ. Sie konnte nicht einmal nach Tirian sehen, aber er konnte ja doch halbwegs gut auf sich selbst aufpassen. Gerade als sie sich bückte um das Schwert aufzuheben, schlug der Dremora wieder mit seiner Peitsche nach ihr und verfehlte sie abermals knapp. Fast hatte Dreveni den Eindruck, als würde er mit ihr spielen, wie eine Katze mit einer Maus, bevor sie sich endgültig auf sie stürzt. Sie verdrängte den Gedanken sofort, hielt das Schwert so fest es ging in beiden Händen und stand lauernd etwas mehr als eine Klingenlänge vor dem Dremora. Vielleicht hatte sie eine Chance, wenn sie die Peitsche um die Klinge wickeln konnte, wenn er das nächste mal ausholen würde. Dann wäre da nur noch der Spieß... Ihre ganze Hoffnung lag im Moment tatsächlich auf Tirian, der sich hoffentlich nicht mit irgendwelchen Heilzaubern aufhalten würde, sondern statt dessen dem Dremora vielleicht in den Rücken fallen würde.
"Na, was machst du hier so alleine mitten im Nirgendwo? Hat dir jemand dein Tor unterm Hintern weg geschlossen? Es tut mir gerade nur leid, dass ich das nicht war. Hast du den Ansatz einer Ahnung, wieviel von deinen dummen kleinen Kreaturen ich schon auf dem Gewissen habe?" versuchte Dreveni die Aufmerksamkeit des Dremoras komplett auf sich zu lenken. Ob er sie nun verstand oder nicht war nebensache. Ihr Tonfall würde ihm schon genug sagen.

[Tirian]
Tirian sah die Dunmer ihrem gerüsteten Gegner gegenüber. Sie wechselte einige Worte mit ihm, die er kaum verstand, aber ihr Ton verriet den Hohn. Der Dremora lachte, sagte mit lauter Stimme diese fremdartigen Worte, die Tirian nicht verstehen konnte und leckte sich über die rauen, schwarzen Lippen. Er hatte offenbar nur noch Augen für Dunmer vor ihm. Er holte erneut mit seiner Peitsche aus. Tirian sah seine Chance nun seinerseits den Daedroth zu überraschen. Da er nur eine einfache Robe trug, war es ihm ein Leichtes sich schnell und geräuschlos auf den Gegner zuzubewegen. Als er kurz hinter ihm war, holte er aus und ließ mit einem Schrei das Schwert herunterkrachen. Der Heiler hatte leider nicht mit den Reflexen des Dämons gerechnet. Er drehte sich blitzschnell und wirbelte mit dem Spieß, sodass es den Dunmer von den Füßen holte. Einen schnell geworfenen Schockzauber wich der Diener Dagons mit einer leichten Körperbeugung aus, ließ die Peitsche fallen und packte seine Speerwaffe nun mit beiden Händen und setzte dazu an, auf ihn einzustechen. In diesem Moment kam Lyviani von hinten angerannt. Sie sprang mit Kraft vom Boden ab, in der Hand ihren Dolch. Geschmeidig schnitten sie und die Klinge durch die Luft und mit einem satten Geräusch versenkte sie die Klinge im Nacken ihres gemeinsamen Gegners, dort wo die Rüstung am Hals nicht fest saß. Der Dremora verdrehte die blassroten Augen, ließ den Speer fallen und sank in die Knie, um schließlich zur Seite zu kippen und regungslos im Gras liegen zu bleiben. Er war tot. "Danke, das war knapp": bedankte sich Tirian bei seiner Begleiterin.

[Dreveni]
Als der Dremora von Tirian abgelenkt wurde, sprang ihn Dreveni mit der Kraft der Verzweiflung an. Nicht nur dass es für Tirian unweigerlich vorbei gewesen wäre, sie selbst war inzwischen auch schon zu erschöpft von dem Kampf mit den Skampen, als dass sie es noch lange machen würde. Sie glaubte selbst nicht daran, dass sie es schaffen konnte, da kippte der Dremora schon zur Seite mit der Klinge ihres Dolches im Nacken.
"Keine Ursache.", sagte sie nur zu Tirian, steckte den Dolch weg und wandte sich dann der Bisswunde an ihrem rechten Arm zu. Der Skamp hatte sie ganz schön angekaut, stellte sie fest als sie mit spitzen Fingern die Reste des Stoffes der einmal ein Ärmel gewesen war aus der Wunde zupfen wollte. Jedoch spürte sie langsam den Schmerz, jetzt wo der Kampf vorüber war, und so ließ sie sich einfach neben Tirian auf den Boden fallen. Nur kurz sitzen...
"Verdammte Mistviecher. Wo..." Weiter kam Dreveni nicht, da wurde sie von hinten schon von der großen, runden Schnauze ihres Guars angestupst. Mochte der Himmel wissen wo er sich versteckt hatte während des Kampfes. Er war auch der Einzige, der ihn unverletzt überstanden hatte.
"Irgendwo in meinem Gepäck müssten noch ein paar Heiltränke sein.", sagte sie mit Blick auf Tirians Arm.

[Tirian]
"Nicht nötig": meinte er, schob den mitgenommenen Ärmel seiner Robe nach oben und legte die aufgerissene Haut frei. "Diese Kratzwunden sind nicht allzu tief": sagte er und legte sich die Hand auf die Seite. Die Berührung brannte und schmerzte. Ebenso schmerzte der Zauber, den er nun verwendete, um sich zu heilen. Das aufgerissene Gewebe zog sich wieder zusammen, schloss die Wunden und die angekratzten Blutgefäße und beseitigte somit die Wunde. Von dem Krallenangriff blieben nicht mehr als ein paar dunkelgraue Striemen auf der hellgrauen Haut, die in der nächsten Zeit auch noch verschwinden würden. Dann schaute Tirian zu Lyviani hinüber. Ihr Arm sah wesentlich schlimmer aus. Die spitzen, scharfen Zähne des Skamps hatten sich tief in ihr Fleisch gegraben und ihre Spuren hinterlassen. "In diesem Fall wäre wohl doch ein Heiltrank angebracht": meinte er, nach dem er sich die Wunde etwas besehen hatte. Sie kramte ihn aus ihrem Gepäck, doch nahm der Dunmer ihn ihr gleich aus der Hand. Ohne zu zögern griff er nach ihrem Arm und träufelte fachmännisch den Trank in die Wunde. Das kurze Zusammenziehen ihres Gesichtes verriet das kurze Brennen. Der Heiler legte seine Hand auf die Bisse und ließ die Magie strömen und wirken. Er fühlte die Heilung des Fleisches unter seinen Fingern. Einen Moment verharrten sie so nebeneinander, dann nahm er die Hände weg. "Der Heiltrank wird einer etwaigen Entzündung entgegenwirken und die Tiefenheilung vorantreiben und beschleunigen. Den groben Wundverschluss hat mein Zauber bereits getan. Der Arm dürfte sich die nächste Zeit etwas taub anfühlen, aber das ist normal": sagte Tirian und lächelte über das Verhalten des Guars, der offenbar weiter wollte. In Anbetracht der stinkenden Kadaver um sie herum, wollte auch er selbst nicht länger verweilen. "Wollen wir aufbrechen?": fragte der Dunmer.

[Dreveni]
Interessiert beobachtete Dreveni, wie Tirian die Kratzwunde an seinem Arm heilte. Er schien mehr Ahnung davon zu haben, als jemand der einfache Heilsprüche irgendwo aufgeschnappt hatte. Ihr Verhältnis zu Heilern war etwas zwiespältig. Dreveni sah sie als notwendiges Übel an, wenn man mit seinen eigenen Fähigkeiten nicht mehr weiterkam, ansonsten hatte sie nicht sonderlich viel dafür übrig, da sie selbst eher damit beschäftigt war, Leute vom Leben in den Tod zu befördern, und nicht damit, leben zu retten. Als er einfach nach ihrem Arm griff, war ihr erster Reflex ihn wegzuziehen, schalt sich aber gleich in Gedanken, wie sie denn jetzt auf diese blöde Idee kommmen konnte. Wären da nicht die Bilder am Rande ihres Bewußtseins von einem gewissen Dunmer in einer Dwemerruine... Schnell verdrängte sie das ganze wieder und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Dann sah sie zu Tirian, der nichts bemerkt zu haben schien. Sie mußte unbedingt diese ganze Geschichte abhaken, wenn sie nicht doch noch verrückt werden wollte. Das hier war keine Dwemerruine, und Tirian so weit entfernt von den Typen die sie entführt hatten, wie es nur irgendwie ging. Und trotzdem war sie erleichtert als er seine Hände wieder von ihrem Arm nahm. "Ich glaube jetzt muß ich mich bedanken.", murmelte sie und sah in Tirians lächelndes Gesicht. "Einen Moment noch." sie erhob sich und ging zu der Leiche des Dremoras, die sie durchsuchte. Brauchbare Waffen hatte er keine, bis auf den Spieß, der ihr dann doch etwas zu groß war. An seinem Finger fand sie schließlich einen Ring, der schwer nach Gold aussah, und von dem ein leichtes, magisches Kribbeln ausging. Sie zerrte kurz daran, konnte ihn aber nicht abziehen. Sie hatte schon den Dolch in der Hand, da fiel ihr Blick wieder auf Tirian. Oh man, Dreveni, du wirst noch weich. Sie ging einen Schritt zur Seite und stellte sich so, dass er nicht sehen konnte wie sie dem Dremora den Finger abschnitt, und hielt im kurz darauf nur noch den Ring unter die Nase, bevor sie ihn weg steckte. "Jetzt können wir los."

[Tirian]
Tirian sah mit verschlossenem Gesicht zu, wie Lyviani die Leiche des Dremora fledderte. Glücklicherweise ersparte sie ihm den Anblick, einen Finger wegen eines Goldringes, den sie ihm dann stolz unter die Nase hielt, abzuschneiden. Wenn man gerade Geld brauchte, um sich eine Unterkunft zu finanzieren oder womöglich Heiltränke, Waffen und dergleichen benötigte, dann hielt auch er das Fleddern von Leichen für vertretbar. Aber aus seiner Sicht befanden sie sich nicht in einer Lage, in der sie es unbedingt nötig gehabt hätten, einen Toten zu bestehlen. Das es sich dabei um ein dämonisches Wesen handelte, das ihn beinahe getötet hätte, verdrängte der junge Dunmer erfolgreich. Er ließ seine Begleiterin jedoch gewähren. Er war noch nie ein Moralapostel gewesen, etwas das ihn auch immer am Tempel geärgert hatte. "Ja, wir können euch helfen, aber zuvor dankt den Almsivi für ihre Gnade": kam ihm der Ausspruch eines Priesters des Tribunals in den Sinn, über den er innerlich noch immer den Kopf schüttelte, während er schaute, ob der Guar tatsächlich unverletzt aus dem Kampf gekommen war. Dem Tier ging es tatsächlich gut. Ein leichtes Schwächegefühl machte sich in ihm breit. Der Kampf hatte an seiner magischen Kraft gezehrt. Er musste seine Kräfte erst einmal schonen. Tirian hoffte, dass sie den Rest der Wegstrecke ohne Zwischenfälle würden zurücklegen können. Als Lyviani auch soweit war und sie sich neu orientiert hatten - die Bergkette zum Inland zu ihrer Rechten - setzten sie ihren Weg fort.

KingPaddy
29.03.2013, 14:37
Lyviani und Tirian wanderten nach dem Zusammentreffen mit den Skampen noch eine Weile schweigend durch die Weidenländer. Noch immer konnte man hier und dort Verwüstungen erkennen, wo die Daedra entlang gezogen waren, aber mit zunehmender Entfernung von Tel Vos, nahmen sie ab und die Natur der Weidenländer trat in den Vordergrund. Es wehte auch eine leichte Brise und die Luft roch frisch und sie roch auch nach dem Meer und zeigte, dass sie sich trotz der weiten Ebenen in einer Region an der Küste befanden. Nur die allgegenwärtigen Oblivion-Tore stellten einen nicht zu übersehenden Makel dar. Die Energie des Reiches des Vergessens, die aus ihnen nach Nirn sickerte, vergiftete und verwandelte das Land um sie hin und färbte den Himmel in einem diabolischen Rot. Er konnte herrenlose Daedra erkennen, die mehr planlos als gezielt die Tore ins Reich des Vergessens umstreiften. Sie hielten sich soweit es ging von den zackigen Gebilden, die aussahen wie Raubtierzähne, fern.

Tarrior hatte ihm damals in Cyrodiil von seiner Begegnung mit einem dieser Tore berichtet und er selbst war nicht erpicht darauf, die Erfahrung zu teilen. Hinter dem feurigen Spiegel lagen wohl nur Tod und Ödnis. Dank ihrer Vorsicht und dem einsichtigen Gelände – sie mieden jetzt auffällige Felsformationen oder Hügel, die sie nicht überblicken konnten – entgingen sie weiteren Angriffen durch die Dämonen. Nur in der Entfernung sahen sie häufiger, wie Gruppen aus Soldaten der Legion, der Telvanni und Söldnern sich kleinere Scharmützel mit versprengten Daedragruppen lieferten, die sich nach der gescheiterten Belagerung wohl über das ganze Gebiet verteilt haben mussten. Lyviani selbst schaute häufiger nachdenklich drein, wenn sie kurz innehielten, um die Daedra oder die Tore zu betrachten, als würde sie etwas beschäftigen.

Auf den Nachmittag hin erklommen sie einen kleinen Hügel, auf dem zwischen einigen kleineren Felsen ein einsamer Baum wuchs und Schatten vor der herabprasselnden Sonne spendete. Sie waren erschöpft und beschlossenen eine Rast zu machen. Nach dem Kampf, dem langen Fußmarsch und der Tatsache, dass eine Essenspause zum Mittag ausgefallen war, war es wirklich Zeit für eine Rast. Inzwischen war Tirian dank seiner Wanderungen der letzten Zeit wieder an lange Märsche gewohnt, etwas, das er sich in den vergangenen Jahren in seinem Dienst als Schiffsheiler abgewöhnt hatte. Anders als noch nach den ersten Tagen in Cyrodiil mit Tarrior oder hier auf Vvardenfell brauchte er sich keine Sorgen wegen Blasen oder dergleichen zu machen. Seine Füße taten ihm dennoch etwas weh und er war für die Verschnaufpause dankbar. Eine lange erloschene Feuerstelle zeigte den Beiden, dass dieser Ort hier schon öfter für Rasten genutzt wurde. Während Lyviani etwas Proviant auspackte, zog sich Tirian seine Robe über den Kopf, sodass er nun in seiner leinenen Unterkleidung etwas mehr Bewegungsfreiheit genoss. Er kramte aus seinem Gepäck das kleine Lederpäckchen mit seinem Operationsbesteck und rollte es auf dem Boden aus. Neben scharfen Messern, einer kleinen Säge, Schwämmen und anderen metallischen Instrumenten fanden sich darin auch einige Nadeln, von denen er sich eine mit dem feinen Wundgarn nahm und anfing den Ärmel der Robe zu flicken und zwischenzeitlich nur unterbrach, um etwas Fleisch von Lyviani entgegen zu nehmen und das zu essen.

Zwar ging etwas Wind und ließ die Blätter des Baumes, in dessen Schatten sie sich aufhielten, rauschen, ebenso wie die Gräser um sie herum und doch kam es Tirian so totenstill vor. Er und Lyviani schwiegen sich schon die letzten Stunden mehr oder weniger an. Um die beklemmende Stille zu durchbrechen, stellte er eine Frage, um ein Gespräch zu beginnen: „Ihr sagtet heute früh, dass ihr nicht aus Morrowind kommt, was hat euch denn nach Vvardenfell verschlagen? Ihr scheint schon gegen Daedra gekämpft zu haben. Seid ihr deswegen hier?“

Andromeda
29.03.2013, 15:36
Auf ihrem weiteren Weg konnten sie Konfrontationen mit den Daedra erfreulicherweise aus dem Weg gehen, Dreveni stand nicht der Sinn nach weitere Kämpfen, das eben war schon knapp genug gewesen. Sie warf immer wieder einen verstohlenen Blick zu Tirian, wenn dieser die Umgebung beobachtete, und fragte sich, was für ein Mensch er wohl war. Er schien das komplette Gegenteil von ihr zu sein, es kam ihr auch so vor dass in seinen Zügen manchmal noch eine gewisse Naivität lag. Oder war es Gutmütigkeit? Einen Zug, den sie bei den Personen mit denen sie sich sonst umgab, lange nicht mehr gesehen hatte. Außer vielleicht bei Mordan, aber das war ihr gegenüber ja etwas anderes. Andererseits musste man wohl so sein, wenn er seinen Unterhalt wirklich hauptsächlich als Heiler bestritt.

Schließlich erreichten sie einen Platz, der für eine Rast geeignet schien. Sie sah Tirian kurz irritiert an, als er seine Robe auszog, allerdings beließ er es dabei und bestätigte kurz darauf ihre Vermutung, als er eine Rolle mit Operationsbesteck auspackte um seine Robe zu flicken. Ein kurzes lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie an Erynns Ledernadel dachte, das hier war doch wesentlich feiner gearbeitet.
Sie selbst suchte eine kurzärmlige Tunika aus ihrem Gepäck, die zwar schon lange nicht mehr die Bezeichnung Sauber verdiente, aber immerhin nicht in Fetzen hing. Morrowind bringt kein Glück., war alles was ihr zu dem Anblick ihrer nackten Arme in den kurzen Ärmeln einfiel, neben den Bissen des Skampes sah man immer noch recht deutlich die hellen Striche der beiden Schnitte die ihr der Assassine der Morag Tong beigebracht hatte, als er ihr seinen Dolch über die Arme gezogen hatte.

Sie saßen eine Weile schweigend im Gras, was Dreveni nicht unangenehm war, und sie begann schließlich ihr Schwert mit einem alten Lumpen zu polieren und das inzwischen geronnene Blut abzuwischen. Wann immer sich der rote Himmel in dem Vulkanglas spiegelte, wirkte es, als wäre flüssiges Blut in die Klinge eingegossen, und obwohl sie das Schwert jetzt schon recht lange besaß, zeigten sich noch immer keine Scharten oder Kratzer, außerdem war es noch fast so unglaublich scharf wie am ersten Tag. Kein Wunder, gab es doch wenig was härter als Vulkanglas war, höchstens noch daedrischer Stahl.

Auf Tirians Frage sah sie ihn erst ein paar Sekunden schweigend an, bevor sie antwortete: "Was interessieren mich die Daedra hier." Dann hielt sie inne um das Schwert in die Scheide zu stecken die neben ihr mit dem Waffengürtel im Gras lag und widmete sich statt dessen ihrem Dolch. "Ich war mit meinem letzten Auftraggeber hinter einer Echse her, die sich hier verkrochen hatte. Schließlich haben wir sie gefunden, aufgehängt, die Schuppen abgeschabt und ausgeweidet." Sie sagte es in einem völlig beiläufigen Tonfall, nur in dem Blick den sie Tirian zuwarf, lag etwas leicht provozierendes. Vielleicht ließ er sich ja so etwas aus der Reserve locken, dachte Dreveni sich innerlich grinsend.

KingPaddy
29.03.2013, 16:43
„Oh“: gab er kleinlaut von sich. Tirians Augen weiteten sich und er musste schlucken, während Lyviani erzählte, wie sie ihren letzten Auftrag zu Ende gebracht hatte. „Was hast du auch erwartet. Sie ist schließlich eine Assassine“: schalt er sich einen Narren in Gedanken und war dennoch überrascht, wie offen und vor allem unbekümmert, sie darüber sprechen konnte. „Ihr erwähntet, dass ihr vorhattet länger auf Vvardenfell zu bleiben. Da nahm ich an, dass ihr euch vielleicht als Söldner gegen die Daedra verdingt“: erklärte er seine Frage und zog gerade ein loses Stück Stoff fest und konnte damit ihrem Blick ausweichen, um sich einen Moment zu sammeln. Schließlich fing er ihn wieder ein. „Wisst ihr, ich bin immer überrascht, wenn Leute, in meinem Fall waren das häufiger Söldner und Krieger, derart kühl über das Töten reden können. Ich habe auch getötet, häufig und wesentlich mehr als mir lieb wäre und noch immer lässt es mich nicht kalt. Vielleicht liegt es auch daran, dass es meine Berufung als Heiler ist, Leben zu erhalten, anstatt es zu vernichten, aber… Tirian seufzte und richtete seinen Blick in den Himmel. Ich frage mich immer, wenn wir so viel Mühe darauf verwenden, Leben zu erhalten, unser eigenes Leben zu schützen und unseren Körper und Geist zu schonen, unsere Lieben vor Schaden zu bewahren, wie können wir dann die Auslöschung eines anderen Lebens derart beiläufig hinnehmen, wie einen Kieselstein, den man beiseitetritt. Würde der Tod eines Geliebten jemanden wie euch auch so kalt lassen? Wieso aber wäre sein Leben wertvoller als Eines, dass ihr für eine Handvoll Gold nehmt?“: sinnierte er, während seine Hände ruhten, einen Moment und sah Lyviani dann wieder ins Gesicht. Er forschte in ihren roten Augen, aber konnte keine Reaktion erkennen. Er seufzte. „Verzeiht. Ihr verdient euren Lebensunterhalt damit“: sagte er und wandte sich wieder dem Stoff zu: „Ich sollte nicht über euch urteilen.“

Bei diesem Satz wurde ihm klar, wie wenig gerade er selbst das Recht dazu hatte. Er selbst hatte sie angeheuert, um seinen Vater zu befreien, aber zu dem Angebot war es erst gekommen, weil er sich selbst den Tod des verhassten Telvanni gewünscht hatte und sogar bereit gewesen wäre, dafür zu bezahlen. Wie weit war es mit seiner Moral schließlich schon her, wenn er ohne dazu gezwungen zu sein, ein Leben liebend gerne aus Rache nehmen wollte und in seinem Herzen wusste Tirian, dass er es auch jetzt noch wollte. Er konzentrierte sich auf den Ärmel seiner Robe und flickte weiter.

Andromeda
29.03.2013, 17:11
Er redete wirklich viel, wenn er erst einmal in Fahrt war. Allerdings hatte sie nicht mit einem derartig inbrünstigen Plädoyer für das Leben gerechnet. Im ersten Moment war Dreveni sprachlos und auch ein wenig überfahren, dann fing er an, wie auch Erynn schon vor einer Weile, von denen die man lieben und beschützen würde zu sprechen. Hatte sie Feryns tot nicht auch kalt gelassen? Wenigstens redete sie sich das ein. Hatte sie überhaupt das Recht dazu irgendetwas deswegen zu empfinden, wenn sie es doch selbst gewesen war, die ihm den Dolch in den Rücken gerammt hatte? Wer zum Henker war Tirian überhaupt, dass er jetzt davon anfing? Ihr personifiziertes Gewissen? Sie sah ihn immer noch starr an, und überlegte wie sie darauf reagieren sollte. Schweigen wäre wohl am besten gewesen, und auch definitiv die erste Option, die sie normalerweise in Betracht gezogen hätte, aber die normalen Zeiten waren bei ihr seit ein paar Monaten vorbei.

"Wenn man Geliebte hat, ist man in meinem Gewerbe von Grund auf falsch. Man wird angreifbar, verwundbar. Und das ist das absolut Letzte das man sich leisten kann.", antwortete sie schließlich, nachdem sie Tirian weiter beim Nähen beobachtet hatte. Sie hätte ihm nur früher einmal auf die Hände sehen sollen, dann hätte sie gleich gemerkt, dass es bei ihm mit Kämpfen nicht weit her war, er hatte nicht die groben Männerhände, die zeitlebens ein Schwert geführt hatten.
"Davon abgesehen weiß ich wie es ist jemanden der einem nahesteht, nein, stand, zu... verlieren."
Halt. Nicht drüber sprechen, nicht mal daran denken. Was war nur an diesem Dunmer? Es wurde höchste Zeit dass sie sich wieder mir ihresgleichen umgab.
"Außerdem ist es mir gleich, ob ihr über mich urteilt. Ich höre diese Worte nicht das erste Mal, und werde sie sicher auch später noch öfter hören. Das ist eben meine Berufung. Vermutlich muss man dafür genauso geboren sein wie für die Selbstaufopferung die manch Heiler betreibt. Außerdem sind es wirklich auffällig oft Leute wie ihr, die auf einmal bei Leuten wie mir landen.", konnte sie sich den Seitenhieb dann doch nicht verkneifen.

KingPaddy
29.03.2013, 18:22
"Wenn man Geliebte hat, ist man in meinem Gewerbe von Grund auf falsch. Man wird angreifbar, verwundbar. Und das ist das absolut Letzte das man sich leisten kann": er ließ sich diesen Satz durch den Kopf gehen. „Man bleibt auch zeitlebens allein, will mir scheinen, weil man niemandem trauen kann. Man ist dann zwar nicht mehr über seine Lieben angreifbar, aber wie verwundbar ist man, wenn man allein in dieser Welt steht, ohne jemanden, auf den man sich verlassen kann? Wer wäre für euch da, wenn ihr irgendwann nicht mehr eurer Arbeit nachgehen könnt? Vor einer solchen Einsamkeit würde mir grauen“: sagte er und prüfte die Naht. Sein Ärmel glich jetzt einem Flickenteppich, aber bei den scharfen Klauen der Skampe war nicht mehr zu machen, zumindest war die Robe wieder halbwegs in Ordnung.

Er wandte sich ihr wieder zu. „Euer Verlust tut mir leid. Wenn ihr aber nun wisst, wie es ist jemanden zu verlieren, der euch viel bedeutete, dann scheint ihr nicht immer so gedacht zu haben. Meint ihr nicht auch, dass diese Person es wert gewesen war? Nun stellt euch vor, dass die Leute, deren Leben ihr nahmt, Anderen womöglich genauso viel bedeutet haben, deren Leben für jemanden genauso wertvoll war, wie für euch ein anderes“: sagte Tirian mit leiser Stimme und legte die Robe zur Seite.

„Wie gesagt, ich will nicht über euch urteilen, denn ihr habt Recht. Ich glaube euch gerne, dass ihr häufiger Kunden habt, die wie ich sind. Allein das ich euch angesprochen habe, verbietet, dass ich über euch urteile, weil ich schließlich auch eure Dienste in Anspruch nehme. Rachegefühle kenne ich auch. Wir haben alle Gefühle, auch wenn ihr meint sie abstellen zu können und unsere Emotionen führen uns auch zu dunklen Wünschen, aber es ist besser mit diesem Widerspruch zu leben, als keine Gefühle zuzulassen, weil wir dann nicht mehr wären als Automaten, wie Dwemer-Maschinen“: meinte Tirian und erhob sich, um sich seine Robe überzuziehen.

„Vielleicht ist es allein eine Sache der Grundes. Weder Menschen noch Elfen können immer gut sein“: sagte er mehr zu sich selbst als zu Lyviani, als er in das Kleidungsstück hinein geschlüpft war und sich wieder hinsetzte. An sie gerichtet fragte er: „Der Argonier, von dem ihr spracht, gab es einen Grund ihn zu töten?“

Andromeda
29.03.2013, 19:07
Dreveni hatte sich nie einsam gefühlt, im Gegenteil, sie war immer Stolz darauf gewesen, dass sie die meiste Zeit auf niemanden angewiesen war. Und doch machten sie Tirians Worte nachdenklicher, als es ihr lieb war. Bei Mephalas Netz, warum war sie in der Taverne ausgerechnet an diesen Dunmer geraten, der das absolute Gegenteil von ihr war? Das Schlimme war, dass sie seine Worte nicht einmal so wütend machten, wie es normalerweise der Fall war, wenn jemand sich in solchen moralischen Betrachtungen verlor. Irgendetwas an seiner Art, auszusprechen was ihn in den Sinn kam, verleitete Dreveni ebenfalls zum reden, und das war gefährlich.
"Es gibt immer einen Grund.", antwortete sie Tirian. "In diesem Fall Rache. Deshalb auch die etwas ungewöhnliche Art ihn ins Jenseits zu befördern, genau genommen habe ich auch nur zugesehen."
Dreveni hatte inzwischen genug von der Unterhaltung, da sie langsam an Dingen rührte, über die sie jetzt sicher nicht genauer nachdenken wollte. Über die sie überhaupt nicht mehr genauer nachdenken wollte. Sie spürte mehr unbewußt als das es tatsächlich ein klarer Gedanke war, dass sonst früher oder später ihr ganzes Weltbild seinen Zusammenhalt verlieren würde.
Mit der Zeit würde Gras über alles wachsen, über Feryn, über die Morag Tong, wenn sie sich nur noch eine Weile davon ablenken würde.
"Wenn ihr wollt könnt ihr etwas schlafen, ich werde Wache halten.", sagte sie deshalb übergangslos zu ihrem Begleiter.

KingPaddy
30.03.2013, 00:33
Tirian war allein der Gedanke zu wider. Dabei auch noch zuzusehen, wäre für ihn unerträglich gewesen. Er hatte noch eine Frage stellen wollen, doch er merkte, dass Lyviani offenbar nicht weiter darüber sprechen mochte. Er respektierte das. „Wenn ihr dies möchtet, würde ich das gerne annehmen“: sagte er. Er war erschöpft und wollte sich wirklich gerne ausruhen und war seiner Begleiterin dankbar dafür. Er schmiegte sich an den Baum und zog seine Arme ins Innere seiner Robe. Es war nicht sonderlich kalt hier in den Ebenen und noch stand die Sonne am Himmel. Er würde schon nicht erfrieren. „Ich danke euch für eure Hilfe. Ich hätte auch allen Grund für Rache, doch wichtiger ist mir, dass wir meinen Freund da rausholen. Schließlich ist es das, was zählt“: dankte er Lyviani, die dazu schwieg und schloss dann die Augen. Er schlief schnell ein. Sein Schlaf würde traumlos bleiben.

Andromeda
30.03.2013, 01:44
Dreveni beobachtete Tirian, wie er an den Baum gelehnt und mit den Armen in seiner Robe schlief. So sah er noch friedlicher aus, als in wachem Zustand, auch wenn Dreveni gedacht hätte, das wäre überhaupt nicht mehr möglich. Immerhin wurde sie jetzt keinen weiteren Missionierungsversuchen ausgesetzt.
"Ja, Freunde sind das was zählt, solange bis sie dir ein Messer in den Rücken stechen.", murmelte sie leise vor sich hin, als sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Umgebung widmete. Nun ja, in der Dwemerruine wäre sie aufgeschmissen gewesen ohne Erynn und Arranges, aber sie hatte immer damit gerechnet, dass ihr Leben eher früher als später auf eine solche oder ähnliche Art enden würde.
Ihr Blick fiel wieder auf Tirian, und sie schüttelte grinsend den Kopf. Du brauchst mir auch nicht für meine Hilfe danken, hauptsache dieses Mal bleibt am Schluss nicht die Bezahlung schuldig.
Was Erynn jetzt wohl gerade trieb? Seufzend stand Dreveni auf und streckte sich ausgiebig, danach nahm sie ihr Gepäck vom Rücken des Guars, und sortierte grob den Inhalt ihrer Taschen, dabei schaffte sie es so leise zu sein dass ihr Begleiter nicht wieder wach wurde, und sie stellte fest, dass gerade ihre Kleidung die Reise bis hierhin nicht wirklich überstanden hatte. Sie fand eine Tunika, die sie mit ein paar wenigen Stichen mit ihrem groben Nähzeug richten konnte, was nichts daran änderte dass sie dringend gewaschen werden wollte. Einzig ihr Kleid war noch in Ordnung, dass sie bis jetzt nur Abends in Tavernen getragen hatte. Das sollte auch so bleiben, und so lief sie eben weiter in ihren abgetragenen Sachen rum.
Als sie alles wieder verstaut und nebenbei ihre Haar gekämmt und ordentlich geflochten hatte, setzte sie sich wieder ein paar Schritte neben Tirian auf den Boden und hielt Wache, wie versprochen. Allerdings tat sich nichts, und als Dreveni nach einer ganzen Weile meinte, Tirian habe jetzt genug geschlafen, beugte sie sich zu ihm, streckte den Arm aus und stupste ihn kräftig mit dem Finger dahin, wo sie unter der Robe seine Schulter vermutete: "Aufwachen, wir sollten langsam weiter, bevor es Nacht wird."

KingPaddy
30.03.2013, 13:02
Tirian fühlte ein Stochern an seiner Schultern, von dem er erwachte. Er schlug die Augen auf und sah in Lyvianis tiefrote Augen. Da sie gegen die Sonne stand, lag ein Schatten auf ihrem Gesicht. Sie sah seiner Mutter, wenn gleich sie jünger war, zum Verwechseln ähnlich. Er richtete sich auf. Sein Rücken schmerzte etwas. Die Versuchung war groß das leichte Ziehen mit etwas Magie zu betäuben, doch wusste Tirian, dass das nicht gut war. „Ich denke auch. Ich fühle mich wieder einigermaßen ausgeruht. Wir könnten heute noch ein ganzes Stück schaffen“: stimmte der Heiler ihr zu. Sie packten schnell zusammen und setzten ihren Weg gen Süden fort. Wieder die altbekannten Landschaften der Weidenländer. Ab und an nahm sich der Heiler zum offensichtlichen Verdruss von Lyviani Zeit ein paar Kräuter, die er am Wegesrand entdeckte, zu sammeln. Auch er war in Eile, um seinen Vater, von dem er nicht genau wusste, ob er überhaupt noch am Leben war, aus den Kerkern unter Tel Uvirith zu befreien, aber wenn man sich etwas auf die Alchemie verstand, konnte es nicht verkehrt sein, wenn man Zutaten besaß, die man verarbeiten konnte. Womöglich konnte ihnen ein Trank noch einmal das Leben retten, weshalb Tirian es vorzog diese Gelegenheit direkt zu nutzen, wenn sie sich ihm schon am Wegesrand bot. Da es sich hauptsächlich um Kräuter handelte, die nur abgeschnitten oder ausgerissen und nicht speziell oder kompliziert geerntet werden mussten, nahm es auch nicht allzu viel Zeit in Anspruch, außerdem war es eine gute Möglichkeit für den Dunmer sich vom Schweigen abzulenken, dass wieder zwischen ihn und die Assassine getreten war.

Er war zwiegespalten. Einerseits sträubte sich in ihm Alles gegen den Gedanken mit einer Meuchlerin zusammen zu arbeiten, aber andererseits war er für ihre Hilfe auch dankbar, selbst wenn er sie dafür bezahlte. In den Turm eines gefährlichen Hexenmeisters einzubrechen, war keine einfache Angelegenheit. Zumindest hatte er es geschafft seinen Rachegedanken zu beherrschen und seinen Sinn auf das eigentliche Ziel, Tarriors Befreiung, zu lenken. Sein Vater sollte gerettet werden. Mehradanz war ihm egal. Allerdings ging ihm seit dem Tag auf der Plantage, als seine Mutter ihm die Identität seines Vaters offenbart hatte, auch nicht aus dem Kopf, was sie über seine vermeintliche Tochter gesagt hatte. Tarrior hatte behauptet, dass der Telvanni sie gefangen hielte und ihn erpresse. Gilluk und seine Mutter waren aber davon überzeugt, dass es eine Tochter nicht gab. Das gab ihm Rätsel auf, ein Rätsel, das ihn beunruhigte. „Was hast du nur angestellt, Tarrior, dass er dich sogar dazu bringen kann, die Heimat zu verlassen und in Cyrodiil gegen die Daedra zu kämpfen und gegen Nekromanten!“: überlegte Tirian. Der Gedanke, den er immer nur streifte, sich aber nicht getraute ihn wirklich zu denken, machte ihm Angst davor, wer sein Vater wirklich war. Was er getan hatte, um derart erpressbar zu sein? Und innerlich hatte er auch Angst, wer er selbst deswegen war. Tirian verdrängte solche Gedanken, in dem er sich auf das Sammeln einiger Blätter Häckselblatt konzentrierte oder Lyviani folgte und dabei den Blick in die Ferne schweifen ließ.

Sie bogen von ihrem Weg über die Hügel wieder ab und kehrten auf feste Straßen zurück. Durch die Hügel und Ebenen schlängelten sie sich südwärts auf die Amur zu. Es dämmerte langsam. Der Himmel färbte sich rot und golden zugleich, während die Sonnenscheibe am Horizont langsam verschwand. Es war ein schöner Moment, doch wurde er plötzlich von Lärm unterbrochen. „Lasst uns in Frieden!“: schrie eine Frau auf Dunmeri mit starkem Akzent. Tirian drehte sich nach der Stimme um und sah in der Entfernung eine kleine Gruppe Gerüsteter, die eine kleine Gruppe Dunkelelfen in seltsamer Kleidung umringte. Die Frau stand einem der Gerüsteten gegenüber und schien eine weitere Person zu schützen, die schon am Boden lag. Tirian wandte sich zu Lyviani um. „Da braucht jemand Hilfe“: sagte er und meinte es als Aufforderung. Die Dunmer schaute eher desinteressiert nach drüben und zog die Augenbrauen hoch. Tirian wusste, was sie sagen würde, also ergriff die Initiative und lief zu bedrängten Leuten hinüber. Insgeheim hoffte er aber, dass die Assassinin ihm folgen würde, denn allein standen seine Chancen gegen die Gewappneten nicht allzu gut.

Andromeda
30.03.2013, 13:30
Dreveni trottete neben Tirian dahin, und warf ihm nur ab und an einen leicht genervten Blick zu, wenn sie schon wieder anhielten weil er an irgendwelchen Kräutern zupfte. Sie überlegte kurz, ob sie ihn fragen solle ob er auch wirksame Gifte brauen konnte, verschob dass aber dann doch auf später.
Widerwillig musste sie zugeben, dass Tirian sie auf eine Art und Weise faszinierte, die sie selber nicht ganz bestimmen konnte. War es die Leidenschaft mit der er für seine Überzeugungen argumentierte? Sein Wesen, dass so komplett anders war als das ihrer sonstigen Bekanntschaften? Sie brauchte nur an den Kaiserlichen in Skingrad zu denken, der dort ihr Kontaktmann war und mit dem sie mehr als einmal das Bett geteilt hatte. Er war fast ebenso verschlagen wie Dreveni, was ihn berechenbarer für sie machte, als es Tirian bis jetzt war. Bei ihrem Begleiter konnte sie nicht sagen, ob er beim nächsten Kampf einfach davon laufen würde oder sich mit dem Mut der Verzweiflung mitten hineinstürzen würde, obwohl er wissen musste, dass er kaum eine Chance hatte.

Zumindest diese letzte Frage beantwortete sich schneller, als es Dreveni lieb war. Als sie das Geschrei hörte, wollte sie Tirian gerade vorschlagen, dezent die Richtung zu ändern und sich am besten nicht einzumischen, da hörte sie ihn schon sagen: "Da braucht jemand Hilfe.", und sah sie dabei auffordernd an.
Bevor sie noch irgendetwas erwidern oder ihn gar zurückhalten konnte, war er schon auf die Gruppe aus Dunmern und Kriegern zugelaufen.
Verfluchte Scheiße. Sie hatte nicht einmal verstanden, was die Frau gesagt hatte, aber es war für Dreveni durchaus im Bereich des möglichen, dass sie zurecht von den Bewaffneten aufgehalten wurden. Zusätzlich ging ihr gegen den Strich, dass sie jetzt auch noch auf Tirian als Übersetzer angewiesen war, da sie kein Wort Dunmeri sprach, bis auf ein paar deftige Flüche, die sie aufgeschnappt hatte. Vielleicht sollte sie doch endlich mal die Sprache ihrer Ahnen lernen, so schwer konnte das ja nicht sein.
Mit einem letzten, genervten Augenrollen folgte sie Tirian, weniger um der Gruppe Dunmer zu helfen, als ihren Auftraggeber davon abzuhalten, sich abschlachten zu lassen. Es wäre mehr als ärgerlich, den Weg hierher umsonst gelaufen zu sein. Dieses mal würde sie aber ein ernstes Wort mit ihm reden, wenn sie beide heil aus der Sache herauskamen, so ging es einfach nicht. Der Guar schien einen ihm eigenen Sinn für Gefahr zu haben, denn er hielt ich an Ort und Stelle.

Sie holte Tirian gerade noch ein, packte ihn hart am Arm und zischte ihm ins Ohr: "Seid ihr verrückt geworden? Das ist Selbstmord!" zu mehr kam sie nicht, da sie inzwischen die volle Aufmerksamkeit der Gerüsteten hatten, die nicht den Eindruck machten, als würden sie großen Spaß verstehen.

KingPaddy
30.03.2013, 17:43
Dass es halber Selbstmord war, stellte Tirian in diesem Moment auch fest, als der Anführer der fünf Gewappneten sich zu ihnen umdrehte – ein grobschlächtig dreinschauender Dunmer mit kahlem Schädel und einer breiten Narbe im Gesicht. „Was wollt ihr?!“: herrschte der Kerl sie auf Dunmeri an. Tirian antwortete reflexhaft in dem ihm mehr vertrauten Cyrodiilisch. „Wir hörten, dass jemand in Schwierigkeiten ist und wollten helfen“: antwortete der Heiler und sah dem Mann, der sich nun ganz ihm zugewandt hatte, herausfordernd in die Augen. „Fremdländer“: zischte er und spuckte aus. „Süd-Morrowind“: beharrte Tirian. Die Augen des Mannes verengten sich. „Dres-Abschaum, also“: kommentierte er das und spuckte noch einmal aus. Sein Blick wanderte zu Lyviani. „Ein Jammer das Dres-Huren so hübsch sind“: meinte er und musterte seine Begleiterin ausführlich. Aus dem Augenwinkel sah Tirian, wie sich die vier bedrohten Dunmer langsam zu entfernen versuchten. Zu ihrem Unglück bemerkte das der Gerüstete auch. „Bleibt gefälligst hier ihr Aschaffen. Wir sind mit euch noch nicht fertig“: brüllte er auf Dunmeri in die Richtung der zwei Männer und zwei Frauen in ihren komischen Gewändern, die Tirian zuvor noch nie gesehen hatte. Die beiden Männer, trotz das einer offenbar verletzt halb auf dem Boden lag, schauten den Anführer der Gerüsteten wütend ob der Beleidigung an.

In den Augen der Frauen spiegelte sich stolzer Trotz. Etwas was der Kahlköpfige zum Anlass nahm, derjenigen, die zuvor schon ihren verletzten Begleiter verteidigt hatte, einen Schlag mit der behandschuhten Hand zu verpassen. Sie fiel nach hinten über in Dreck. Tirians Hände zuckte nach vorne doch umgehend, wurde er von einem der Männer des Kahlkopfes zurückgestoßen. „Lerne wo dein Platz ist, unzivilisierte Hündin“: sagte er auf Dunmeri zu der Frau und deutete auf ein in seine Rüstung eingearbeitetes Wappen. Tirian erkannte Insignien des Tempels darauf, konnte es aber nicht zuordnen. „Was haben euch diese Leute getan?“: fragte der Heiler mit mühsam unterdrückter Wut. Ganz als hätte er schon vergessen, dass er und Lyviani noch dort standen, wandte sich der Anführer um. „Diese Wilden nehmen den Schutz unserer Armeen gegen die Daedra in Anspruch, fliehen feige, wenn die Dämonen angreifen und lassen uns die Arbeit machen. Und dann verweigern uns diese Hunde hier den Respekt“: ereiferte sich der Mann. Die Frau, die er gerade geschlagen hatte, rappelte sich wieder auf. „Das ist Lüge! Ihr raubt uns Besitz“: widersprach sie in gebrochenem Cyrodiilisch. Er wollte offenbar noch einmal ausholen, doch diesmal war Tirian schneller und packte ihm am Arm. Er konnte ihn kaum halten, soviel Kraft war dahinter. Er schaffte es allerdings, dass er seine Aufmerksamkeit auf jemand anderen richtete. Dem Heiler wurde kurz weiß vor Augen, als er einen Fausthieb des anderen Dunmers einstecken musste. „Warum verteidigt ihr diese steinzeitliche, daedra-verehrende Brut!?“: wollte der Gerüstete wissen, dessen Kopf sich vor Wut langsam dunkel verfärbte. Tirian rappelte sich wieder auf. Er bemerkte das Lyviani ihn stützte und mit Druck auf sein Schulterblatt zum Gehen drängte. „Wir vom Haus Redoran sind nachsichtig. Das hier ist nicht eure Sache. Ich gebe euch zehn Sekunden, um euch umzudrehen und zu verschwinden“: sagte er und legte eine Hand auf den Streitkolben, der an seiner Seite hing.

Andromeda
30.03.2013, 18:19
Eins musste man dem Heiler lassen, Nerven hatte er, als er darauf beharrte, kein Fremdländer zu sein sondern aus Süd-Morrowind zu kommen. Als ob das im Moment eine große Rolle spielen würde. Andererseits hatte Dreveni schon mitbekommen, wie die hiesige Bevölkerung zu Fremdländern stand, egal ob Dunmer oder nicht Dunmer.
Das erste Mal, dass Dreveni in dieser Situation fast der Kragen geplatzt wäre war, als sie den anzüglichen Blick des Söldners auf sich spürte und sich dadurch unangenehm an die Dwemerruine erinnert fühlte. Noch beherrschte sie sich aber, und wartete auf eine günstige Gelegenheit, Tirian wegzuziehen, denn offenbar galt das Interesse der Kämpfer immer noch mehr den vier Dunmern als ihnen beiden. Außerdem stank es ihr inzwischen wirklich gewaltig, dass sie nur die Hälfte des Gesagten verstand, auch wenn das reichte um sich einen Reim zu machen, worum es ging.

Tirian schien allerdings immer noch nicht genug zu haben, und langsam wurde klarer, was die Bewaffneten wollten. Sie hatten einen guten Punkt, fand Dreveni, und vielleicht nicht mal so unrecht. Für ihren Begleiter schien es jedenfalls klar zu sein, auf wessen Seite er stand, und packte den großen Dunkelelfen am Arm, noch bevor Dreveni ihn zurückhalten konnte. Als Dank fing er sich einen Fausthieb ein, der ihn zurück taumeln ließ. Dreveni hoffte inständig, dass es ihm jetzt reichte, und als das Angebot kam, sich zurückzuziehen, hatte ihn Dreveni, die ihm aufgeholfen hatte, schon am Arm um ihn wegzuziehen.

In diesem Moment tat die Aschländerin das wohl dümmste in dieser Situation und zog ein beinahe lächerlich kleines Kurzschwert, das ihr auch umgehend vom Anführer der Bande aus der Hand geschlagen wurde, der nun seinerseits mit dem Streitkolben ausholte. Dreveni war sofort klar, dass sie den Schlag keinesfalls überleben würde, und mit dem Plan, einfach zu verschwinden, machte Tirian kurzen Prozess, als er ebenfalls sein Schwert zog und zu einem unbeholfenen Schlag - er schien noch etwas benommen ob des Fausthiebes zu sein - gegen den großen Dunmer ansetzte. Immerhin reichte es, dass der Streitkolben die Aschländerin knapp verfehlte.
Dreveni sprach schnell einen Schildzauber, dessen Worte sie sich schon ins Gedächtnis gerufen hatte, und zog nun ihrerseits ihr Schwert, da die Chance zu verschwinden jetzt definitiv vorbei war. Mit ihrer Beherrschung war es nun auch vorbei, was aber eher an Tirian als den Söldnern lag.
Sie hieb nach dem Anführer, die Klinge schrammte aber nur an seiner Rüstung entlang, da er schnell ausgewichen war. Ganz toll, Tirian, ganz toll.
Sie standen offenbar nicht ein paar dummen Banditen gegenüber, die irgendwo mal ein Schwert gefunden hatten, nein, diese hier wußten genau was sie taten. Noch dazu waren sie deutlich unterlegen, wenn man die Aschländer nicht berücksichtigte, und Dreveni konnte kaum mehr tun als die Schläge des Dunmers zu blocken und darauf zu achten, dass ihr niemand in den Rücken fiel.

KingPaddy
30.03.2013, 23:39
Von dem Fausthieb noch ganz benommen, er fragte sich, warum der Kerl auch nur so einen harten Schlag draufhaben musste, sah Tirian, wie die Dunmer in der merkwürdigen Kleidung ein Chitin-Kurzschwert zog und sich auf den Kahlköpfigen stürzte. Er bemerkte den Angriff schnell, wehrte den Angriff mit seiner beinernen Armschiene ab und schlug er mit der Länge seines Armes die Klinge aus der Hand und stieß sie damit ein Stück zurück. Geradezu pfeilschnell zog der Redoraner seinen Streitkolben und holte auch schon aus. Ein Schlag damit, da wir sich Tirian sicher, hätte der Dunmerin den Schädel zertrümmert. Trotz des leichten Schwindels befreite er sich von Lyviani und zog ebenso schnell - das hätte er sich selbst nicht zugetraut - seine eigene Klinge und ging unbeholfen dazwischen. Der Streitkolben traf auf die Klinge und glitt an ihr zur Seite weg. Der Heiler stolperte geradezu seinem Schwert nach. Der Anführer hatte ihn nun im Visier, riss den Streitkolben herum und wollte einen Schlag gegen ihn setzen, dem er nicht ausweichen konnte. Er schloss die Augen und erwartete den Aufprall und den Schmerz, doch der blieb aus. Er öffnete die Augen und schaute wild umher. Tatsächlich hatte sich auch Lyviani in den Kampf gemischt und den Anführer mit ihrem eigenen Schwert attackierte und ihn somit von ihrem Begleiter abgelenkt. Dieser nahm diese neuerliche Störung nun als Anlass, um auf die Assassinin einzuprügeln.

In diesen Augenblicken löste sich die Starre der umstehenden Redoraner und der bedrohten Dunmer. Die beiden Gruppen gingen nun aufeinander los. Die Gerüsteten reagierten allerdings langsamer und mussten gegen die Chitin-Waffen der Anderen einstecken, bevor sie selbst wirklich zum Kampf bereit waren. Tirian wollte dem nicht nachstehen und wirkte einen Zauber, der Lyvianis Stärke erhöhen würde auf seine Begleiterin, packte sein Schwert fester und wollte ihr mit dem Anführer helfen, doch einer seiner Schergen, versperrte ihm den Weg. "Warum helft ihr diesem Aschländerpack? Sie sind doch Nichts wert": sprach ihn dieser nicht weniger grobschlächtig aussehende Dunmer an, während er mit einer Streitaxt im Nord-Stil und einem kleinen Rundschild den Kampf bestreiten wollte. „Das sagt ein ach so ehrenwerter Redoraner, der sie dann doch wert genug befunden hat, um sie zu bestehlen“: warf Tirian ein und versuchte sich auf den Kampf zu konzentrieren, obwohl ihm der Schwindel doch noch zu schaffen machte. Einem Axtstreich entging er mit einer Seitwärtsbewegung, die er auch zu einem Schlag von der Seite nutzte, der jedoch nur den Schild traf. Zu seinem Ungemach verlief der Kampf auf diese Art und Weise auch weiter. Wenn er die Schläge nicht mit dem Schwert parierte, schlug Tirian selsbt zu, aber traf in der Regel nur den Schild.

Mit einem Blick auf Lyviani, die noch immer in einen erschöpfenden Kampf gegen den Anführer verstrickt war und einen Zauber benutzte, kam ihm eine Idee. Mit einigen ungezielten Hieben verschaffte sich der Heiler etwas Luft und schuf Distanz zwischen sich und seinem Gegner. Der Redoraner wollte es jedoch nicht lange bei diesem Zustand belassen und begann einen erneuten Angriff, um seinen Feind wieder in den Nahkampf zu verwickeln. Tirian hatte auf diesen Moment gewartet. Er sammelte Magie in seiner rechten Hand und konzentrierte sich auf den Schildarm seines Gegners. Ab und an waren beim Auf und Ab des Laufens die ungeschützte Hand und der Arm des Mannes zu sehen, da der Rundschild nicht sonderlich groß war. Er konzentrierte sich auf diese Stelle. Kurz bevor der feindliche Dunmer heran war, setzte der Heiler seinen Schockzauber frei. Ein Knistern und Zwischen gefolgt von einem lauten Schrei ließ erkennen, dass Tirian getroffen hatte. Sein Gegner ließ den Schild aus der verbrannten, schmerzenden Hand fallen und gab sich eine offene Blöße, die der junge Dunmer ausnutzte, indem ihr ihm mit dem Schwert einen Streich direkt über die in Netch-Leder gehüllte Brust gab, der ihn nach hinten umwarf. Ein Schlag mit dem Schwertknauf gegen den Kopf des am Boden liegenden Gegners schickte ihn ins Traumland.

Andromeda
31.03.2013, 00:50
Dreveni hatte alle Hände voll mit dem Anführer zu tun, als sie wieder von einem von Tirians Zaubern getroffen wurde. Noch ein Punkt auf der Liste, über den sie unbedingt mit ihm reden musste. Sie kannte ihre Kräfte genau, wusste wie sie kämpfen musste und wenn sie etwas überhaupt nicht brauchen konnten, waren es unterstützende Zauber, auch wenn sie noch so gut gemeint waren. Zugegeben kam ihr das doch ganz gelegen, trotzdem brachte es sie auch aus dem Konzept und sie wusste noch nicht einmal, wie lange dieser Zustand anhalten würde. Außerdem bin ich nicht deine verdammte verlängerte Faust, nur weil du meinst dich überall einmischen zu müssen. Während sie diese Worte dachte, schlug sie einige Male aus purer Wut fester mit ihrer Klinge auf den Streitkolben, als es nötig gewesen wäre, um ihn nur abzulenken.

Mit roher Gewalt würde sie aber auch nicht weiterkommen, sie musste sich darauf konzentrieren, eine Blöße ihres Gegners auszunützen, wenn er mit dem relativ schwerfälligen Streitkolben ausholte. Ihr Glück war, dass gerade alle anderen der Truppe anderweitig beschäftigt waren, so konnte sie sich ganz auf den Dunmer vor ihr konzentrieren. Als er wieder einmal voll mit dem Streitkolben ausholte, duckte sie sich geschickt unter dem Schlag weg, und hieb ihm ihr Schwert mit Schwung in die Seite. Ihr Gegner heulte wütend auf, als ihm das Blut über seine Rüstung lief, aber kampfunfähig war er noch lange nicht. Immerhin reichte die Zeit bis er sich wieder gesammelt hatte, dass ihn Dreveni in die Defensive drängen konnte, und er jetzt derjenige war, der ihre Hiebe parierte. Schließlich brachte sie einen Hieb an einer seiner Hände an, der ihm ein paar Finger kostete. Mit einer Parierstange wäre dir das nicht passiert., dachte Dreveni grimmig. Mit einem wilden Aufschrei ließ er den Streitkolben los, und bevor ihm noch richtig bewusst wurde, was eben geschehen war, hatte Dreveni mit dem Schwert zu einem tödlichen Schlag gegen seinen Hals ausgeholt. Es war nicht genug Schwung dahinter, um seine Wirbelsäule zu durchtrennen, was auch gar nicht nötig war. Noch im fallen starb der vorher so großmäulige Söldner. "Du hättest mich nicht Hure nennen sollen, du Drecksack."

Ihr blieb leider keine Zeit, auch noch auf die Leiche zu spucken, sie musste sich nach dem Rest der Gegner umsehen. Einen hatte Tirian anscheinend erledigt, die restlichen Drei waren inzwischen mit dem Heiler und den Aschländern beschäftigt, als sie bemerkten, dass ihr Anführer gefallen war. Schwer atmend übersah sie die Szene, nur war ihr keine lange Verschnaufpause gegönnt, da rannte einer der Söldner mit hoch erhobenem Schwert auf sie zu, offenbar komplett im Rage über den Tod seines Anführers.
Sie erwog kurz, den Angreifer einfach in ihr Schwert laufen zu lassen, allerdings wäre der Schlag von oben auch für sie absolut tödlich gewesen, und sie sah wenig Chance ihn zu blocken, also wich sie einfach erst einmal zur Seite aus. Inzwischen war sie selbst auch schon reichlich erschöpft, war es doch bereits der zweite Kampf an diesem Tag. Sie löste den Schildzauber, um mehr Konzentration für einen Schockzauber zu haben, den sie ihrem Gegner entgegen schleuderte. Leider war nicht mehr soviel Magie dahinter wie Dreveni gehofft hatte, aber immerhin kam er etwas auf Abstand.
Gleich darauf beging sie einen Fehler, der ihrer nachlassenden Konzentration geschuldet war, und der ihr einen unschönen Schnitt quer über ihren linken Unterarm einbrachte. Lange konnte das so nicht weitergehen. Sie unternahm einen letzten, fast schon verzweifelten Versuch, dem anderen das Schwert aus der Hand zu winden, nachdem sie ihm jetzt sowieso schon nahe genug war. Es gelang ihr auch, allerdings nicht so wie beabsichtigt, und beide Waffen fielen zu Boden. Immerhin war sie schneller damit, ihr Stilett zu ziehen, dass an ihrem Arm befestigt war, als der Söldner sein Messer gefunden hatte. Sie sprang ihn an, so dass sie beide zu Boden gingen, und stach ihm dabei durch die Kehle. Er lebte noch, wobei die Betonung auf noch lag, aber darum konnte sich Dreveni jetzt nicht kümmern, aufstehen würde er sicher nicht noch einmal, bis er an seinem eigenen Blut erstickt war.

Nachdem sie erschrocken gesehen hatte, wieviel Blut ihren eigenen Arm inzwischen hinunter lief, hatte sie endlich Zeit, nach den letzten Gegnern zu sehen. Sie hoffte inständig, dass die beiden auch schon tot am Boden liegen würden.

KingPaddy
01.04.2013, 01:08
Lyviani schlug sich ganz gut gegen den Anführer, wie Tirian bei einem kurzen Blick feststellte. Die Aschländer, zumindest waren das die Fremden in den seltsamen Kleidern nach Aussage des niedergeschlagenen Dunmers, waren hingegen in größerer Bedrängnis gegen die verbleibenden drei Gegner. Ihre einfachen Waffen, allesamt aus Chitin oder Knochen, halfen nur wenig gegen die Knochenrüstung des einen der Drei, der seine beiden Gefährten in Netchleder-Rüstungen gegen ihre Schläge abschirmte. Da Lyviani offenbar weniger Probleme mit ihrem Gegner hatte als die bedrängten Fremden, entschied sich Tirian, dort einzugreifen. Sein von der Seite kommender Angriff mit dem Schwert brachte den gemeinsamen Vorwärtsangriff der drei Dunmer völlig aus dem Konzept und gab ihre Schwachstellen den Aschländern preis, die die Chance sofort ergriffen und mit scharf geschliffenem Chitin in die Lücke vorstießen und ihre Peiniger ihren Zorn spüren ließen. Der Heiler reihte sich mit ein. Es gab keine abgetrennten Zweikämpfe nur das Wirken der einen Gruppe gegen die Andere. Jeder schlug zu und jeder wurde von jedem getroffen, sodass ein jeder gegen jeden kämpfte. Erst ein Schockzauber Tirians löste den Gruppenkampf auf, in dem er die Formation der Gegner aufsprengte und wieder einzelne Duelle möglich machte. Allerdings ertönte in diesem Moment ein dumpfer Aufprall und der Heiler vernahm die Stimme seiner Begleiterin: „Du hättest mich nicht Hure nennen sollen, du Drecksack.“ Für einen Moment hielten alle inne und schauten auf den am Boden liegenden Körper des offensichtlich toten Anführers der Redoraner. Blut lief in Strömen aus einem tiefen Schnitt am Hals. Tarrior sah genau, wie sich die Augen der anderen Dunmer weiteten und die Adern an ihren Hälsen bedenklich schwollen.

Einer der Ledergerüsteten von ihnen stürzte ohne zu zögern, blind vor Zorn, auf Lyviani los, um die Tötung zu rächen. Das der andere Mann in der seiner Netch-Rüstung nicht auch auf die Assassin losging, hatte sie dem Einsatz der Aschländer zu verdanken, die ihn zu dritt umzingelten. Ihr verwundeter Freund lehnte an einen Stein gelehnt abseits und hielt klugerweise sich aus dem Kampf heraus. Leider kostete diese Bestandsaufnahme Tirians Aufmerksamkeit und er bemerkte erst zu spät, wie der Dunmer in der Knochenrüstung auf ihn zustürmte, eine schwere Streitaxt in der Hand. Er hatte schon ausgeholt. Im wahrsten Sinne des Wortes haarscharf entging der Heiler seiner Enthauptung, in dem er sich geistesgegenwärtig duckte, doch prallte er dadurch mit der vollen Masse des Gerüsteten zusammen, der ihn einfach umwarf. Das Schwert entglitt dabei den Händen des jungen Dunmers. Am Boden liegend tauchte schnell der Schatten des Krieges über ihm auf. Breitbeinig stand er über ihm und die Axt schimmerte im Abendrot, während er sie mit beiden Händen hochhielt. Tirian rollte sich hin und her, während der Mann die Waffe mehrfach nur knapp neben seinem Kopf in den Boden trieb. Nach Willen des jungen Dunmers hätte es noch eine Weile so weitergehen können, doch dann zielte der Redoraner direkt auf seinen Brustkorb. Als er die Axt mit einem Zischen herab sausen hörte, schnellte seine Hand vor und packte die Hände des Kriegers am Stiel des Beils. Die Schneide war nur knapp über seinem Brustkorb als Tirian einen Schockzauber losließ. Mit einem Aufschrei zuckte der Gerüstete zurück und damit auch die Axt, die er vor Schmerzen fallen ließen. Der Heiler nutzte diesen kurzen Zeitpunkt, um sich aufzurappeln, war aber wegen der Robe nicht agil genug.

Er war gerade auf wacklige Beine gekommen, da sah er den älteren Dunmer wie einen wildgewordenen Ork unbewaffnet auf ihn zu stürmen. Es dauerte nur wenige Sekunden, da war er auch schon heran, noch bevor Tirian überhaupt eine Chance hatte zu reagieren. Der Gerüste packte ihn brutal am Hals und drückte zu. Der Heiler sah in die zornglühenden, roten Augen der Redoraners, der deutlich kräftiger war, als er selbst und dessen Gesicht, eingerahmt von schwarzen Haaren ebenfalls von einer Narbe geziert wurde, wie auch das des Anführers. „Was musstet ihr euch einmischen. Das hier ging euch Nichts an. Mein Bruder. Ihr habt meinen Bruder ermordert!“: brüllte der Mann und verstärkte den Druck auf Tirians Hals. Er bekam kaum mehr Luft, konnte nur noch hilfslos keuchen. „Du verfluchter Bastard. Ich bringe dich um. ICH BRINGE DICH UM!“: schrie er weiter und konnte den Druck auf den Hals seines Opfers kaum mehr verstärken. Tirian hatte inzwischen seine Hände auf dessen Arme gelegt und versucht den Griff des Mannes mit Schockzaubern zu locken, doch es half Nichts. Er fühlte seine Kräfte und Sinne langsam schwinden, merkte wie die Luft knapp wurde und seine Lunge sich brennend nach frischem Atem sehnte.

„Werde ich jetzt sterben“: ging ihm durch den Kopf. „Ich hätte gedacht, dass Meradanz mich vielleicht töten würde“: überlegte Tirian und musste plötzlich an seinen Vater denken. Entschlossenheit formte sich. Er riss die Augen schaute dem Redoraner tief in seine. „Nein, du wirst sterben! Du wirst hier krepieren. Ich muss Tarrior retten!“: brüllte Tirian in Gedanken. In seinen Blick trat Zorn, in seinem Blick spiegelte sich etwas Manisches. Er nahm alle Kraft zusammen und drückte die Hand ins Gesicht des Angreifers. Dieser wollte sein Gesicht wegdrehen, doch der Heiler drückte seine Finger in die Augenhöhlen, um sich festzukrallen. Der Krieger begann zu brüllen, doch ließ er nicht locker. In diesem Moment presste der junge Dunmer seine Handfläche mit Kraft auf das Gesicht und sammelte seine Magie. Ohne Rücksicht entlud er sie nun über seine Hand in den Gegner. Umgehend krampfte der Körper des Kriegers zusammen. Der Griff um Tirians Hals lockerte sich, doch statt keuchend nach Luft zu schnappen, hielt er die Luft noch einen Moment länger an, ließ die Magie in den schreienden Körper strömen, der inzwischen in die Knie gegangen war, eine Bewegung die der Heiler ganz unterbewusst mitmachte auch noch als sein Gegner längst zu schreien aufgehört hatte, machte er weiter und ließ erst vor Erschöpfung vom Kopf des Dunmers ab. Erschöpft und wild nach Luft schnappend stützte er sich im Gras ab. Zitternd sah er dann auf seine schwarz verbrannten Handflächen. Nein, sie waren nicht verbrannt. Es waren die Reste verbrannten Fleisches, die daran kleibten. Immer noch schwer atmend warf er einen Blick auf das Gesicht seines Opfers. Seine eigene Handfläche hatte sich deutlich ins Gesicht des Mannes eingebrannt. Es wäre nicht einfach ein schwarzer Abdruck seiner Handfläche, sondern die Hand hatte sich regelrecht in das Gesicht eingeschmolzen und hatte einen plastischen Abdruck hinterlassen, der sich von den Augen über den Mund bis hin zum Kinn zog.

Tirian brach der kalte Schweiß aus. Er musste sich übergeben. „Was habe ich getan?“: fragte er sich selbst und starrte auf den Erdboden vor sich.

Andromeda
01.04.2013, 16:41
[Dreveni]
Dreveni übersah das Schlachtfeld, denn als solches konnte man es fast bezeichnen, und stellte erleichtert fest, dass keiner der Krieger mehr stand. Die Aschländer schienen gerade noch auf einen der Gerüsteten eingeschlagen zu haben, und Tirian...
Was bei den Neun?! Er saß wie ein Häuflein Elend vor der Leiche eines ihrer Angreifer, der im Gesicht übel zugerichtet war. Soweit man da überhaupt noch von einem Gesicht sprechen konnte. Die Gruppe von Dunmern ignorierend, sammelte Dreveni ihr Schwert auf und wankte zu Tirian hinüber, wobei sie eine leichte Blutspur hinterließ, der Bastard hatte sie ordentlich mit seinem Schwert erwischt. Durch die Anstrengung des Kampfes und den Schnitt wurde es ihr gerade auch ziemlich leicht im Kopf, und so war sie froh dass sie sich unauffällig neben Tirian auf den Boden setzen konnte. Sie beobachtete ihn ein paar Augenblicke, konnte aber keine Verletzungen erkennen, die für seinen erbärmlichen Zustand verantwortlich sein konnten, bis auf leichte Würgemale am Hals und ein inzwischen ziemlich dunkel gerahmtes Auge. Was aber nichts heißen musste, er konnte auch einen stumpfen Schlag abbekommen haben.
Dass er nicht verkraftete, was er eben getan hatte, kam ihr nicht in den Sinn.
"Ihr seht nicht gut aus.", sprach sie endlich das offensichtliche aus. "Wo hat es euch erwischt? Ich war leider die letzten Minuten so beschäftigt, dass ich nicht nach euch sehen konnte." Ihre Worte klangen nicht so schnippisch, wie man es dem Inhalt nach vermuten konnte, dafür sah Tirian zu schlecht aus und sie selbst war einfach schon zu fertig für heute. Was nichts daran änderte, dass sie nach wie vor ein ernstes Wort mit ihm reden würde, wenn er nicht in den nächsten Minuten tot umkippte.

[Tirian]
Tirian schaute ins Leere. Nur ab und zu zuckte der Muskel unter seinem Auge und zeigte damit an, dass überhaupt noch eine Seele diesen Körper bewohnte. "Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet. Ich habe ihn getötet": ging es ihm immer wieder, wie bei einer Gebetsmühle durch den Kopf. Er war sich nur in seinem Innern bewusst, dass es nicht der Tod des Mannes an sich war, der ihn so mitnahm, sondern die Art, wie er ihn getötet hatte. Er bemerkte nicht einmal wie sich Lyviani neben ihn auf den Boden setzte. "Ihr seht nicht gut aus": waren ihre ersten Worte nach einigen Augenblicken. Ihre Stimme ging durch ihn durch, wie durch das aufklaffende Dunkel einer Höhle. Selbst ihre nächsten Worte streiften nur den Rand seines Bewusstseins. Es reichte, dass er sie bemerkte und sich ihr zuwandte. "Ich habe ihn getötet": sagte er und klang dabei so ehrlich fassungslos, wie auch in seinen Gedanken. Er sah die Dunmer zwar an, doch glitt sein Blick auch durch sie mehr durch, als das er sie wirklich anschaute. Seine Augen zuckten umher und suchten eine Stelle, an der er sich festhalten konnte. Da entdeckte er ihren Arm und an diesem blieben sie kleben. Eine breite Schnittwunde, aus der Blut sickerte, diente ihm als Anker. "Ihr seid verletzt": sagte er, völlig ohne Gefühl und griff geradezu mechanisch nach ihrem Arm und begann ebenso mechanisch mit einer magischen Behandlung, als wären weder Lyviani noch er wirklich da.

[Dreveni]
"Ich habe ihn getötet.", war alles was von Tirian als Antwort kam. Dabei blickte er wirr durch die Gegend, ohne dabei wirklich etwas zu sehen. Für einen Moment war Dreveni ehrlich sprachlos, und ihr Gesicht eine einzige Maske des Unverständnisses. Ihr dämmerte langsam, dass er es absolut ernst meinte, und halb hoffte sie, dass er einfach nur einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekommen hatte, aber da griff er schon zielsicher nach ihrem Arm.
Da hatte sich Dreveni wieder gesammelt, entwand ihm schnell ihren Arm, wobei sie kurz vor Schmerz mit den Zähnen knirschte, und wollte den Heiler grad an den Schultern packen, um ihn kräftig zu schütteln. Sie besann sich aber gerade noch, sie war sich noch immer nicht komplett sicher, ob er nicht doch verletzt war, und so beließ sie es dabei, ihm halbwegs kräftig mit der flachen Hand eine zu scheuern. Sie wollte ihm nicht ernsthaft weh tun, es sollte ihn nur wieder zurück in die Realität bringen.
"Tirian, DIE haben UNS angegriffen, das war ein ehrlicher Kampf. Kein Grund... Ach verflucht." Dreveni, der bisher in jeder Situation irgendetwas eingefallen war, fühlte sich gerade leicht überfordert, was wirklich selten vorkam.

[Tirian]
Tirians erster Reflex war es nach dem Arm zu greifen, als er ihm entzogen wurde. Er war Heiler und es gab eine Verletzung die er behandeln musste, auf diesen Bruchteil seines Wesens hatte sich sein Verstand bereits verengt. Es war so als könne er durch diesen Arm auch die Welt heilen. Dass ihm das nicht gelungen würde, wurde ihm klar, als Lyviani ihm mit der flachen Hand einen Schlag verpasste. Er spürte das Brennen in seinem Gesicht. Der Schmerz riss den Heiler aus seiner Betäubung. "Tirian, DIE haben UNS angegriffen, das war ein ehrlicher Kampf. Kein Grund... Ach verflucht": sagte sie und nun drangen ihre Worte auch zu ihm durch. Er schielte zum Körper des toten Redoraners hinüber. Eine Kaskade von Bildern stürzte auf ihn ein. Er fasste sich an den Kopf. "Nein. Ich... Ich... Es ist nur... Habt ihr seine Wunden gesehen? Ich hätte ihn nicht töten müssen. Ich hätte ihn nicht so zurichten müssen. Ich... ich konnte nicht...": stammelte er und vor seinem Auge stiegen Bilder aus seiner Jugendzeit auf. Er sah Blut. Die Stimme versagte ihm. Er atmete tief ein. Seine Aufmerksamkeit, als wäre ein Schalter umgelegt, galt jetzt wieder Lyvianis Arm: "Euer Arm sieht schrecklich aus. Lasst mich ihn behandeln. Ihr verliert sonst zuviel Blut."

[Dreveni]
Der Heiler schien sich zumindest halbwegs wieder gefasst zu haben, immerhin war die Starre aus seinem Blick gewichen. Dreveni sah ebenfalls noch einmal zu der Leiche, und ja, er hatte ganze Arbeit geleistet, das musste sie neidlos anerkennen.
"Das war keine Übungsstunde mit Holzschwertern, es ging um deren oder unser Leben.", sagte sie leise und mit eindringlicher Stimme. "Dass man da manchmal etwas.. Nun ja.. Es passiert. Und ich bin mir sicher, er hätte nicht aufgegeben, solange noch ein Funken leben in ihm war."
Das konnte ja echt noch heiter werden, wenn sie seinen Freund aus den Fängen eines Hexenmeisters befreien sollten, wenn er jetzt schon völlig fertig war. Außerdem wunderte sie sich über sich selbst. Normal hätte sie ihm auf den Kopf zugesagt er solle sich nicht so anstellen, und ihn darauf hingewiesen, dass ihr letzter Gegner vermutlich gerade immer noch an seinem Blut ertrank, obwohl es schon verdächtig still in der Ecke war, wo er lag. Und dass das ganze Elend überhaupt nur passiert war, weil er nicht weitergehen wollte, sondern darauf bestanden hatte, sich einzumischen. Aber als sie Tirian da so sitzen sah, brachte sie es einfach nicht fertig. Sie sah ihm noch einmal fest in die Augen, die eine so unglaublich intensives Rot hatten wie sie es bis jetzt nur ein einziges Mal bei einem Dunmer gesehen hatte...
Scheiße. Vermutlich hatte er recht, sie war kurz davor zu verbluten und deshalb einfach nicht mehr Herr ihres Verstandes.
"Ihr habt recht.", sagte sie nach einem Blick auf ihren Arm, wo das Blut inzwischen auf ihre Hose gelaufen war, und hielt ihn wieder Tirian hin.

[Tirian]
Der Heiler war dankbar dafür sich mit Lyvianis Wunde ablenken zu können. Angewidert klopfte er sich noch einmal ordentlich das verbrannte Fleisch von den Händen und legte seine Hand dann auf den Schnitt. "Erfreulicher als der Biss": sagte er. Die Wunde war relativ einfach zu heilen. Ein sauberer Schnitt ließ sich besser zusammenfügen als eine ausgefranste Wunde von Krallen oder Zähnen. Er konzentrierte sich und schickte seine Magie in tiefere Hautschichten und ließ die Blutgefäße und Gewebe sich wieder an einander schmiegen und nähte den Schnitt mit frischen Zellen, deren Wachstum er mittels Magie beschleunigte. So arbeitete er sich von innen nach außen. Schließlich zog er mit seinem Zeigefinger den Verlauf des Schnittes auf dem Arm seiner Begleiterin nach und nur eine dunkle Stelle erinnerte noch an die Wunde. Seine Hände waren nun blutig. Er wischte sie sich an seiner Robe ab. "Ihr habt viel Blut verloren. Hier kaut das. Das regt den Kreislauf an": holte er eines der Kräuter, die er zuvor noch gepflückt hatte aus dem kleinen Beutel an seinem Gürtel und hielt es ihr hin. Zögernd nahm sie es entgegen. Er selbst schob sich auch einige Blätter davon in den Mund und begann zu kauen. Jetzt wo sich Tirian wieder etwas gefasst hatte, wurde ihm bewusst, dass auch die Aschländer wenigstens einen Verletzten hatten, dem geholfen werden musste, doch war sein Magicka stark beansprucht nach dem Kampf und der Heilung, sodass es ihm half, wenn er seine Regeneration mit dem Kraut etwas beschleunigte. Er stand auf, stand dabei eher wacklig als wirklich fest und machte Anstalten zu den anderen Dunmern hinüber zu gehen, die sich um ihren Verletzten Freund versammelt hatten.

[Dreveni]
Nun saßen sie hier schon zum zweiten Mal an einem Tag dichter zusammen als es Dreveni lieb war. "Schön wenn wenigstens einer dem ganzen noch etwas positives abgewinnen kann.", nuschelte Dreveni auf Tirians Kommentar zu den Bisswunden. Wobei das tatsächlich noch besser war, als angenagt zu werden. Kaum war der Heiler fertig und hatte ihr irgendwelches Kraut gereicht, das absolut abartig schmeckte, war er schon wieder auf den Beinen und wankte auf die Gruppe Dunmer zu. Sie erwog kurz, ihn zurück zuhalten, wusste aber dass das ohnehin sinnlos war. Sie seufzte und stand ebenfalls auf, wobei sie für ein paar Sekunden die Augen schließen musste, bis sich der Schnee in ihrem Blickfeld verzogen hatte und sie wieder klar sehen konnte. Aber sie blieb stehen, immerhin. Unschlüssig ließ sie ihren Blick über die Leichen schweifen, bis sich ihre Augen erstaunt weiteten. Da lebte tatsächlich noch jemand, einer der Gerüsteten begann sich langsam zu bewegen. Nicht nur dass, je wacher er wurde, desto mehr fing er an, schmerzerfüllt zu stöhnen. Kein Wunder, war seine Hand doch leicht angekokelt. Tirian.. Für einen Heiler kannst du aber ganz schön austeilen.
Sie ging neben dem verwundetem in die Knie und betrachtete sein Gesicht. Noch war er nicht wieder ganz da, aber er schien zu realisieren, was um ihn herum vor sich gegangen war. Schließlich trafen sich sein und Drevenis Blick. Neben Schmerz konnte sie tatsächlich noch so etwas wie Verachtung in seinen Augen lesen. "Na, auch Lust mich als Hure zu bezeichnen? Dein Anführer hat das mit seiner halben Enthauptung bezahlt.", sagte sie leise mit einem fiesen Grinsen. Währenddessen hatte sie aus dem kurzen Umhang den er trug einen Streifen geschnitten und begann, ihm die Hände zu fesseln. Seine Protestlaute überhörte sie geflissentlich. "Schnauze sonst gibts auch noch einen Knebel.", flüsterte sie ihm schließlich ins Ohr, als es ihr doch zu bunt wurde.
Ein schneller Blick zeigte ihr, dass Tirian gerade noch mit den Aschländern zu Gange war.
"Gefangene sind völlig überbewertet, meint ihr nicht auch?", sprach ihn Dreveni wieder an, während sie ihren Dolch zog und das rötliche Metall im Licht blitzen ließ.

[Tirian]
Der Heiler war zu den Aschländern hinüber gegangen. Die Leute waren sehr reserviert, als er sich ihnen näherte. Tirians Dunmeri war durch die lange Zeit außerhalb der Provinz zwar deutlich eingerostet, aber nach dem er ein paar Sätze mit ihnen geredet hatte, ging es wieder einigermaßen. Er gab den Drei, die gekämpft hatten, auch von dem Kraut und besah sich die Kratzer, die sie davon getragen hatten. Es waren keine ernsthaften Wunden. Nur der Frau, die zuvor schon so energisch gewesen war, wollte er einen etwas größeren Schnitt, der aber nicht bedrohlich war, mit Magie behandeln, doch sie wehrte ab, sagte, dass sich die Weise Frau ihrer annehmen würde, wenn sie wieder im Lager waren. Mit einem Schulterzucken wandte sich Tirian ihrem sitzenden Gefährten zu. "Sie haben ihm mit ihrem Streitkolben den Arm zertrümmert": sagte die Frau auf Dunmeri, das sie schon die ganze Zeit sprach. Offenbar war sie die Wortführerin der Gruppe ihm gegenüber. Der andere Mann und die andere Frau beäugten ihn, trotz der Hilfe, die er und Dreveni geleistet hatten, misstrauisch und abweisend. Dem Heiler war das egal. Er beugte sich nun hinunter und forderte den Mann auf seine Hand zur Seite zu nehmen, die den anderen Arm hielt und verbarg. Als dieser das zögernd tat, sah er auch schon das Problem.

Tatsächlich stand der Unterarm unnatürlich vom Ellenbogen aus ab und Blut nässte die Kleidung aus einfachem Stoff. Der Mann schwitzte offenbar. Tirian verengte seine Augen und legte die Hand auf dessen Stirn. Sie war glühend heiß. "Er fiebert. Ich muss ihn sofort behandeln": sagte er und die Frau verzog das Gesicht. "Die Weise Frau...": wollte die Aschländerin protestieren, doch er schüttelte den Kopf. "Dafür bleibt keine Zeit. Wenn ich ihn nicht behandle, wird er sterben." In diesem Moment löste sich die Abweisung in den Gesichtern der Dunmer auf. Sie schauten sich gegenseitig an und nickten. "Was braucht ihr?": fragte die Frau. "Ich brauche warmes Wasser. Sammelt schnell Holz und macht ein Feuer": wies er sie an und blickte sich um, ob es einen Baum in der Nähe gab. Dabei entdeckte er, wie Lyviani mit einem gezückten Dolch über dem Mann kniete, den er vorhin niedergeschlagen und inzwischen ganz vergessen hatte. Es sah als würde sie zustechen. "Was tut ihr da?!": rief er und stürzte los. Er sah die Klinge niedersausen. Gerade noch im letzten Augenblick konnte er den Arm der Assassinin packen und sie vom tödlichen Stoß abhalten. Sie fuhr auf und drehte sich mit funkelnden Augen zu ihm herum.

KingPaddy
02.04.2013, 18:06
[Dreveni]
Dreveni sah dem Dunmer noch einmal fest in die Augen, dann hob sie den Dolch. Gerade als sie zustechen wollte, fühlte sie sich unsanft an ihrem Arm gepackt. Ihr Kopf fuhr herum, und ihr Blick fiel auf Tirian. Nicht wirklich. Er hatte es jetzt nicht gerade wirklich gewagt, ihr in den Stich zu fallen. Sie fühlte dass sie kurz davor stand, zu explodieren und dachte schon, wie leicht sie jetzt die Hand des Dunmers von ihrem Handgelenk schlagen und seinen Arm verdrehen konnte. Ihr fielen wenigstens zwei schöne Hebelgriffe ein, mit denen er sicher nicht rechnen würde. Ganz ruhig. Nicht aufregen.
Dreveni sah ihn mit einem eiskalten Ausdruck in den Augen an und sagte leise, aber trotzdem für Tirian gut hörbar: "Das war genauso mutig wie dumm. Lasst meinen Arm los. Sofort."
Für Dreveni war klar, dass es viel zu gefährlich war, den Angreifer entkommen zu lassen, nachdem es kein gewöhnlicher Wegelagerer war.

[Tirian]
Bei dem Blick, den ihm Lyviani zuwarf wurde Tirian ganz anders zumute. "Das war genauso mutig wie dumm. Lasst meinen Arm los. Sofort": whisperte sie fast, was er für den jungen Dunmer noch ein Stück gruesliger machte. Er schluckte. Einen Moment zitterte seine Hand, doch er fing sich wieder. "Ich kann das nicht zulassen. Der Mann ist entwaffnet und sogar gefesselt. Das hier wäre ein glasklarer Mord": entgegnete er mit allem Mut, den er bei diesem geradezu tödlichen Blick aufbringen konnte. Ihm war sichtlich unwohl dabei.

[Dreveni]
Dreveni mertke das kurze Zittern seiner Hand, und war schon wieder kurz davor, sich einfach aus seinem Griff zu befreien. Wenn sie ihm das Messer an die Kehle halten würde, würde das ihre Argumentation sicher noch unterstützen. Er fing sich jedoch wieder, zumindest ansatzweise.
"Natürlich ist das Mord.", antwortete sie ihm genauso leise wie zuvor. "Nachdem ihr euch unbedingt einmischen musstet, und das hier vermutlich nicht nur irgendwelche Banditen sind, glaubt ihr doch nicht ernsthaft, dass wir ihn laufen lassen können? Was wird wohl passieren, wenn er berichtet wer seine ganze Einheit auf dem Gewissen hat?" Sie musterte Tirian weiterhin, und konnte nicht mit Sicherheit sagen ob er einfach nur naiv oder wirklich mutig genug war, sie jetzt aufhalten zu wollen.

[Tirian]
Schon sein Vater Tarrior konnte ihn nie von solch einer Denkweise überzeugen. "Sie wollten eine Gruppe Aschländer überfallen und womöglich töten, hätten wir das einfach ignorieren sollen? Verdammt, er kennt nicht einmal unsere Namen! Wir haben keinen Grund ihn jetzt noch zu töten": versuchte er auf die Dunmer einzuwirken. Ihr Blick wanderte kurz zu ihrem Handgelenk, dass er umklammert hielt. Mittels seiner verbleibenden Magie verlieh er mit einem Zauber seinem Körper mehr Stärke. Er verstärkte den Griff etwas, damit sie sich nicht losreißen konnte. Dem Blick, dem er zuvor ausweichen wollte, begegnete er nun, obwohl er schon fürchtete, dass er nicht die gleiche Entschlossenheit würde vermitteln, von dem ihre Augen sprachen. "Bitte, wir müssen das nicht tun": sagte er.

[Dreveni]
"Darüber müssen wir später ohnehin noch reden.", antwortete Dreveni. "Es hätte vermutlich überhaupt keine Toten geben müssen, wäret ihr einfach weitergegangen." Dabei warf sie - wie zufällig - einen kurzen Blick aus dem Augenwinkel zu der Leiche, die Tirian so zugerichtet hatte. Als ihr Blick noch einmal über Tirians Hand schweifte, die sie festhielt, merkte sie wie sich sein Griff verstärkte, außerdem konnte sie das kurze Wirken der Magie spüren. Treibs nicht zu weit.
"Wollt ihr die ganze Zeit meinen Arm festhalten? Vielleicht muß ich es nicht tun, vielleicht doch. Das wird sich nur leider erst später zeigen."
Sie konnte natürlich auch einfach den Dolch in ihre linke nehmen, der Heiler hielt nur ihre Rechte umklammert. Das hing nur davon ab, wie schnell Tirian war, und das konnte sie momentan noch nicht sicher einschätzen. Und sie wußte nicht, was er noch an Zaubern beherrschte.

[Tirian]
"Es hätte vermutlich überhaupt keine Toten geben müssen, wäret ihr einfach weitergegangen." Dieser Vorwurf traf und traf ziemlich genau. Er wusste, dass es richtig war den Aschländern zu helfen und doch quälte ihn gleichzeitig der Gedanke daran diese vier Elfen getötet zu haben, nur um die vier Anderen zu retten. Tirian hätte etwas sagen können in der Art, dass er das Ganze unblutig beenden wollte": aber als er Lyvianis Blick zu der Leiche des Dunmers, den er mit dem Schockzauber erledigt hatte, folgte, verbot er sich diesen Kommentar. In gewisser Weise war es offensichtlich gewesen, dass er nicht alle retten konnte und das war ihm gerade als Heiler auch nur allzu schmerzhaft bewusst, aber dennoch machte er sich Vorwürfe. In einem Moment stand er kurz davor die Hand seiner Begleiterin loszulassen, weil er ihr schlecht etwas verbieten konnte, was er selbst getan hatte, doch dann besann er sich der Vernunft. "Ein Fehler legitimiert nicht einen der gleichen Art": sagte er. "Und weil wir es nicht wissen können, solltet ihr es nicht tun": antwortete Tirian auf ihre Frage und war nicht gewillt seinen Griff freizugeben.

[Dreveni]
Ihre Bemerkung traf, das konnte sie ihm ansehen. Leider verfehlte es knapp die beabsichtigte Wirkung, er sackte nicht wieder in sich zusammen zu dem Häuflein Elend von vorhin. Dreveni war bewußt, wie gemein dass in diesem Moment war, aber so war das Leben aus ihrem Blickwinkel nun einmal.
Leicht erstaunt bemerkte sie, wie sich der Heiler wieder fing, und sie immer noch überreden wollte, den Gefangenen am Leben zu lassen. In diesem Moment entschloss sie sich zu testen, wie weit seine Gutgläugigkeit wirklich ging.
"Wenn ihr darauf besteht.", brachte sie schließlich vor, den Blick abgewandt. "Aber sollte uns das noch einmal einholen, seid ihr Schuld, ihr ganz alleine." Dabei sah sie ihm wieder direkt ins Gesicht. Sie hoffte nur, dass ihr Sinneswandel nicht zu überraschend kam, und sie noch genug Zeit hatte, zu vollenden was sie von Anfang an vorgehabt hatte, wenn Tirian nur endlich ihren Arm losließ, und sich idealerweise auch noch ein paar Schritte entfernte. Viel Zeit würde sie nicht brauchen...

[Tirian]
Tirian fand den plötzlichen Sinneswandel Lyvianis verdächtig. Er verengte die Augen und forschte in ihren nach einer Antwort. Der Blick war so kalt, wie auch schon zuvor. Er konnte darin nicht wirklich lesen, was sie vorhatte. "Wenn ich ihr nicht vertraue, stehen wir hier noch für Stunden": überlegte und musste auch an den Aschländer denken, der einer dringenden Behandlung harrte. "Und was, wenn sie ihn doch umbringt, wenn du dich abwendest": rief ihm sein Gewissen zu. Innerlich schüttelte er den Kopf. "Man kann nicht alle retten": dröhnte ihm dabei ebenso innerlich durch den Schädel. Er hatte einige Patienten verloren. Er musste einfach darauf vertrauen, dass Lyviani ihn nicht töten würde, wenn er sie losließ. "Ich übernehme die Verantwortung dafür, sollte uns diese Geschichte noch ein Nachspiel bereiten. Ich ertrage lieber diese Konsequenzen, als dass ich mein Gewissen mit einem Mord belaste": sagte Tirian, jedwede Selbstgerechtigkeit, die andere in ihre Wort gelegt hätten, ging Tirian dabei völlig ab. Er dachte an die Toten. Er entließ Lyvianis Handgelenk aus seinem Griff. Sie rieb es und behielt den Dolch in der Hand. In dem Moment, in dem er die Stirn runzeln wollte, tauchte jemand hinter ihnen auf.

Der unverletzte Aschländer war unbemerkt an sie heran getreten. Wie in Zeitlupe spielte sich für Tirian ab, was nun geschehen würde. Von seiner Überraschung gelähmt, sah er, wie der Mann seien Chitin-Axt erhob und sie niedersausen ließ. Tirian sah die schreckgeweiteten Augen des Redoraners, fühlte sich selbst wie gelähmt. Die Axt fuhr nieder, drang in den Kopf des Wehrlosen ein und ließ Blut spritzen. In einem Ruck zog der Dunmer sie wieder aus dem Schädel. Tirian wandte sich zu ihm um "Wenn ihr nicht wisst, wie ihr ihn töten sollt, sagt es gleich": meinte der Mann völlig emotionslos auf Dunmeri. Offenbar war der Redoraner auch für ihn nur ein Gegner gewesen, den man am Besten einfach erledigt. Tirian stand nun bestürzt neben der Leiche.

[Dreveni]
Als der Heiler endlich Drevenis Handgelenk aus seinem Griff entließ, konnte man die Abdrücke seiner Finger hell leuchten sehen, welche aber sofort anfingen zu verblassen. "Wenn überhaupt ein Gewissen belastet worden wäre, dann wohl meins, ihr hättet ja...", setzte Dreveni an zu sprechen, als plötzlich der Aschländer hinter ihnen auftauchte und mit einer seltsam aussehenden Axt kurzen Prozess mit dem Gefangenen machte. Dreveni drehte instinktiv den Kopf, um nicht das ganze Blut in die Augen zu bekommen, da hörte sie auch schon den Dunmer etwas auf Dunmeri sagen. "Danke", sagte Dreveni nur zu ihm, und hoffte, dass er es verstehen würde. Das war zwar eben absolut unverhofft, aber manchmal kam Hilfe aus Ecken, wo man es nicht vermutet hätte.
Dann wandte sie sich wieder an Tirian: "Was zum Henker hat er gesagt??" Da sah sie den bestürzten Blick Tirians, nicht ganz so schlimm wie vorhin, aber immer noch deutlich. Sie schloss für einen Moment genervt die Augen, dann fuhr sie fort: "Auch egal. Er hat mir jedenfalls gerade einiges an Arbeit abgenommen." Während sie gesprochen hatte, hatte sie gestikulierend mit dem Dolch auf Tirian gezeigt, den sie nun endlich wieder wegsteckte. "Habt ihr da hinten noch etwas zu tun, oder können wir weitergehen? Wir müssen reden, dringend. Und das ist nicht für deren Ohren bestimmt.", sagte sie noch, wobei sie auf die Aschländer zeigte. Innerlich mußte sie den Kopf schütteln über Tirian. Wo hatte er sich die letzten Jahre seines Lebens nur vergraben? Als Heiler mußte er doch schon wesentlich mehr tot und leid gesehen haben, als Dreveni. Und da ging ihm immer noch alles dermaßen nahe?

[Tirian]
"Ich muss ihren Verletzten behandeln. Er hat einen offenen Bruch und offenbar eine Entzündung. Er fiebert schon, wenn ich ihm nicht helfe, überlebt er es nicht": sagte er. Zu Lyvianis Kommentar "Danke" wäre ihm noch so Einiges eingefallen, aber es war nun einmal ihr Beruf zu töten. Wahrscheinlich machte es für sie wirklich keinen Unterschied mehr, ob sie jemanden im Kampf umbrachte oder einen besiegten Gefangenen danach einfach abstach. Den Aschländer konnte er fast noch verstehen, denn der musste schließlich seinen Stamm schützen. Tirian überlegte, ob er es hätte verhindern können und ober er es überhaupt hätte verhindern sollen. Die Assassinin hatte schon Recht. Das hier waren keine Banditen oder Piraten, die man in die Flucht schlug und die dann froh waren, entkommen zu sein. Hier wäre ein Racheakt nicht unwahrscheinlich gewesen. Auch wenn er gegen das Töten als notwendiges Übel Nichts hatte, war ihm dies hier zuviel. "Einen Wehrlosen": nuschelte er. Der Heiler schaute Lyviani ins Gesicht. Er sah Unverständnis in ihren Zügen. "Man muss sich bei jedem Tod, den man verursacht klar sein, dass man in diesem Moment ein Leben auslöscht. Jeder sollte in der Lage sein sich auszumalen, was es bedeutet, wenn man stirbt, da man ja selbst am Leben ist. Etwas ungleich Kostbares geht mit dem Tod verloren, auch wenn derjenige, den man tötet oder der vor den eigenen Augen stirbt, nicht unbedingt Gutes oder Sinnvolles mit seinem Leben anzufangen wusste. Wem es irgendwann egal ist, so etwas zu zerstören, unabhängig vom Grund, der es womöglich rechtfertigen kann, der muss innerlich schon gestorben sein": reagierte Tirian auf ihren unverständigen Ausdruck und wandte sich ohne ein weiteres Wort um. Ihm war jetzt nach keiner Unterhaltung zumute.

Der Heiler selbst wusste aber, dass er damit nur die halbe Wahrheit ausgesprochen hatte. Einen Tod mit anzusehen, konnte schrecklich sein, aber tatsächlich hatte er mehr davon erlebt, als das er sich nicht mit einer gewissen Distanz darüberstehen konnte. Dieser Tod jedoch nahm ihn besonders mit. Nicht weil ihm dieser Mann sonderlich wichtig gewesen wäre, sondern, so gestand er sich still ein, er wollte seinen Ausbruch, der den anderen Dunmer das Leben gekostet hatte, wiedergutmachen, in dem er den Gefangenen vor Lyvianis Stahl retten wollte. Wie verlogen dieser Kuhhandel eigentlich war, kam Tirian dann selbst in den Sinn und es widerte ihn vor sich selbst an. "Du kannst nicht jeden retten": sagte er sich wieder und ging zu den Aschländern hinüber, um sich zu beschäftigen.

Andromeda
02.04.2013, 18:50
Während Tirians Rede sah ihn Dreveni zunehmend fassungslos an. "Hey, ich war es nicht!!", fiel sie ihm ins Wort, als er nuschelte: "Einen Wehrlosen.", und sie dabei absolut vorwurfsvoll ansah. Er ignorierte ihren Zwischenruf, und Dreveni ärgerte sich schon, warum sie sich überhaupt rechtfertigen wollte. Innerlich gestorben? Dir geb ich gleich gestorben., dachte sie wobei sie die Fäuste ballte. Sie hatte nicht vor, sich auf Tirian zu stürzen, spürte aber, dass es mit ihrer Beherrschung gerade überhaupt nicht mehr weit her war. Ihr Gesicht war merklich blasser geworden, und sie starrte ihn aus schmalen Augen an, in denen eine Mischung aus Stolz und Wut blitzte. Was bildete er sich überhaupt ein? Wusste er überhaupt wie es war, mit den Konsequenzen seines Handelns leben zu müssen, wenn man überhaupt endlich mal handelte und sich nicht wie ein Fähnchen im Wind drehte? Mischen wir uns ein, aber es darf ja keiner verletzt werden. Blablabla.
"Wagt es ja nicht, jetzt einfach zu gehen!", rief sie ihm hinterher. "Ihr seid selbst meilenweit von dem Heiligen entfernt, der ihr wohl gerne wäret!", spielte sie wieder auf den Dunmer mit dem bis zur Unkenntlichkeit verschmortem Gesicht an.
Doch der Heiler drehte sich nicht mehr um und ging einfach weiter.
"Scheiße!!", fluchte sie und trat kräftig gegen einen Stein, so dass er in hohem Bogen davonflog. Dann sammelte sie ihre Waffen ein - das Stilett steckte immer noch im Hals des Dunmers, und ihr Schwert lag dort, wo sie vorher gesessen waren - und ging zu dem Guar, der in etwa zehn Metern Entfernung stand und Gras mit seinem breiten Maul vom Boden zupfte.

Sie setzte sich neben ihn und sah dumpf brütend ins Leere, während sie in Gedanken immer noch Tirian und die ganze Situation verfluchte. Er hätte einfach auf sie hören und weitergehen sollen. Dann wären die Dunmer vielleicht ihren Besitz los gewesen - soviel konnte das ohnehin nicht sein - und niemand hätte sterben müssen. Vor allem hätte sie nicht hinter ihm aufräumen müssen und sich dafür auch noch dumm anreden lassen müssen. Es wurde höchste Zeit, dass sie wieder alleine arbeitete, ohne Träumer an ihrer Seite, die bei jeder Gelegenheit ihre moralische Überlegenheit raushängen lassen mussten.
"Warum rege ich mich überhaupt so über ihn auf.", flüsterte sie und sah dabei den Guar an. Dieser erwiderte ihren Blick stumm, gab aber sonst keinen Ton von sich. "Natürlich, was erwarte ich auch von dir."
Sie seufzte, starrte wieder vor sich hin und hing ihren Gedanken nach. Tatsächlich war seit sie Feryn umgebracht hatte, kein verfluchter Tag vergangen, an dem sie damit nicht mehr oder weniger gehadert hatte. Auch wenn sie wusste, dass es vermutlich die einzig richtige Entscheidung gewesen war, und ihr das auch Mordan gesagt hatte, konnte sie damit nicht abschließen. Reden wie die von Tirian machten es nicht unbedingt einfacher. Es war ihr in jeder Sekunde schmerzlich bewusst, wie endgültig sie damit etwas ausgelöscht hatte. Das schlimme war nicht einmal, dass er jetzt tot war, sie hatte schon einige Menschen verloren, die ihr durchaus auch - auf einer gewissen Ebene - etwas bedeutet hatten, oder die sie geschätzt hatte. Aber das war nicht durch ihre Hand geschehen. Damit konnte sie umgehen, Menschen - und Elfen - starben eben. Ob im Kampf, im Alter oder durch die Hand eines Mörders.
Inzwischen war jede Wut aus ihren Gesichtszügen verschwunden und hatten einer tiefen Trauer platz gemacht, was ihr allerdings gar nicht bewusst war. Außerdem fühlte sie sich inzwischen völlig erschöpft, und so sah sie zu der Gruppe Dunmer hinüber und wartete auf den Heiler, dass sie endlich weiter konnten.

KingPaddy
03.04.2013, 23:18
„Ihr seid selbst meilenweit von dem Heiligen entfernt, der ihr wohl gerne wäret!": diese Worte rief Lyviani ihm nach, als er sich dem Verletzten zugewandt und sie stehen gelassen hatte. Er ignorierte diesen Kommentar. Er wollte nie ein Heiliger sein. Und Tirian glaubte auch nicht, dass jemand das ernsthaft konnte, der wirklich lebte. Ihn widerte auch diese Heiligenverehrung des Tempels an. Tirian mochte die Geschichten über die Heiligen und wie sie sich in Demut und Bescheidenheit dem Volk oder dem Tempel hingegeben hatte, aber er verachtete diese Heiligenverehrung. Es waren gute Elfen, die dort verehrt wurden, aber auch diese hatten Fehler, auch sie waren sicherlich einmal wütend, un- oder selbstgerecht, gierig, eigennützig – sie waren einfach normal. Und das ist eigentlich das, was für Tirian auch im Zentrum stand. Perfektion ist gut und schön aber auch kalt und leblos wie eine Marmorskulptur. Man konnte nicht immer gut sein und das war gut so, weil das Leben eben auch beinhaltete Fehler zu machen. Das einzige was er wollte, war ein gutes Leben zu führen. Er wollte kein Heiliger sein, sondern nur ein guter Elf, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Er wollte nie perfekt sein, weil er sein Leben nicht durch Perfektion ersetzen wollte, er wollte auch leben, aber versuchte sein Leben so zu gestalten, dass er sich noch in die Augen schauen konnte. „Lyviani“: seufzte er. Während er über den Vorwurf der Assassinin nachgedacht hatte, hatte er auch schon die Wunde des Aschländers freigelegt. Der Knochen war tatsächlich aus dem Arm ausgetreten und schien auch leicht gesplittert zu sein. Eiter begann sich zu bilden. „Der Streitkolben schien verzaubert zu sein. Das scheint eine magische Infektion zu sein“: überlegte der Heiler. Tirian hatte schon diese Vermutung als er das Fieber des Mannes gesehen hatte, denn so schnell entzündete sich normalerwiese eine Wunde eigentlich nicht derart stark.

Die anderen Aschlandbewohner hatten glücklicherweise seine Anweisungen befolgt, ein kleines Feuer geschürt und Wasser in einem Tonkrug, den sie mit sich führten, erhitzt. Er holte den Rest der Kräuter, die er gesammelt hatte, aus seinem Beutelchen und sortierte die aus, die er für den Sud nicht gebrauchen konnte. Die Aussortierten packte er zurück. Die anderen nahm er in die Hand und schaute sie einen Moment nachdenklich an. Tirian begann dann, sie in seiner Hand zu zerreiben. Eigentlich hätte er dafür Mörser und Stößel nehmen sollen, aber die waren noch bei seinem Gepäck und das Gepäck war noch auf dem Guar und bei dem Gepäck und dem Guar saß Lyviani, der Tirian im Moment aus dem Weg gehen wollte. Er fand auch, dass sie nachher noch reden mussten, aber zunächst einmal, musste dieser Patient hier versorgt werden. Als sein Blick beim Zerreiben zu der Dunmer hinüber wanderte, sah er einen leichten Anflug von Trauer in ihrem Gesicht. Es war mehr eine Andeutung als eine wirklich offensichtliche Tatsache und dennoch… „Worüber sie wohl gerade nachdenkt“: fragte er sich. In diesem Moment sah sie auf und direkt zu ihm herüber. Schnell wandte er seinen Kopf wieder dem Topf zu und warf die aufgeriebenen Kräuter hinein. Sie waren frisch und würden sie ihre Öle und Säfte gut freisetzen. Zur Stärkung goss er noch einen kleinen Heiltrank von seinem Gürtel hinein. Nun drehte sich Tirian wieder dem Aschländer zu. Sein Atem ging schneller und er hatte die Augen geschlossen. Drei Paar anderer roter Augen ruhten erwartungsvoll auf ihm. Die Drei machten ihn nicht nervös. Er hatte unter den Augen einer halben Schiffsmannschaft auf hoher See operiert. Er war sich seiner Fähigkeiten sicher, also beunruhigten ihn die Zuschauer nicht. „Könnt ihr mich hören“: sprach er den Verletzten auf Dunmeri an. Dieser öffnete kurz ein Auge und brachte ein schlaffes Nicken zustande. „Ich werde den Knochen jetzt wieder an seine richtige Stelle schieben. Es wird höllisch wehtun. Ich zähle bis fünf, dann werde ich es tun“: erklärte er in der Sprache seiner Heimat weiter und der Mann folgte ihm mit regungslosem Ausdruck. Er griff den ausgerenkten Unterarm und die Schulter des Mannes. Der Heiler nutzte wieder etwas Magie, um seine körperliche Kraft zu erhöhen, damit er den Knochen leichter verschieben konnte und begann zu zählen.

„Eins, Zwei...“: zählt er. „Drei“: zählte Tirian weiter und langsam begann sich Mann darauf einzustellen, gleich Schmerzen zu haben. Im nächsten Augenblick schaute Tirian dem Aschländer direkt in die Augen, sagte „Vier“ und mit einem starken Ruck schob er den Knochen in den Arm zurück. Die Plötzlichkeit des Schmerzes ließ ihn erst eine Sekunde später vor Schmerz aufbrüllen. Auch seine Muskeln verspannten sich erst einen Moment später, wie Tirian gehofft hatte, so schob er mit „Fünf“ noch einen kräftigen Ruck nach und brachte damit den Knochen wieder in die richtige Position. Ein weiterer gebrüllter Schmerzenschrei war die Folge, doch jetzt war alles soweit. Ein kräftiger Geruch verbreitete sich. Sein Blick glitt zu dem tönernen Gefäß hinüber. Der Trank hatte eine sehr blasse weiß-blau-grünliche Färbung angenommen. Er war gut. Der Heiler erbat sich von der Aschländerin einen Chitin-Dolch, den sie ihm aushändigen konnte. Es schien halbwegs sauber zu sein. Zur Sicherheit tauchte er die Klinge in den Sud und ließ ihn abtropfen. Aus der Wunde, aus der zuvor der Knochen herausgeragt hatte, quoll nun mit Blut vermischter, bräunlicher Eiter. Die Wunde war eindeutig von mehr als nur reinem Dreck infiziert worden. Tirian nahm den Dolch, setzte ihn an der Wunde an und begann den Arm aufzuschneiden, was der Aschländer mit schmerzverzerrtem Gesicht quittierte. Zum Schreien war er offenbar inzwischen zu schwach. Der junge Dunmer schälte ein Groß Stück Fleisch heraus und legte den Knochen damit nun wieder frei und konnte die Bruchstellen jetzt deutlich besser erkennen und der Arm war offen für den Sud.

Am liebsten hätte er ihn etwas abkühlen lassen, aber Verbrennungen waren nun das kleinste Problem. Er schöpfte mit der leeren Flasche des Heiltrankes den blubbernden Trank, den er gebraut hatte, ab. Tirian legte die Hand auf den Brustkorb des Mannes und drückte ihn nieder, dann goss er die heiße Brühe in die Wunde. Wie geahnt, versuchte sich der Aschländer aufzubäumen, aber der Griff des Heilers war unerbittlich. Der Trank füllte die Wunde auf und brannte vermutlich höllisch. Tirian wartete einen Moment, bis sich die blaue Flüssigkeit, die wie eine Pfütze in der Wunde stand, etwas abgekühlt hatte. Als es soweit war legte Tirian seine Hände darauf und ließ die heilende Magie fließen, die nun von der blauen Flüssigkeit deutlich verstärkt wurde. Der Heilungseffekt war nun deutlich stärker. Unter den Wellen heilender Magie, die er in den Arm schickte, regenerierte sich der Knochen und über dem Knochen bildeten sich neues Fleisch und neue Haut. Als Tirian die Hand herunternahm, war er selbst schwer erschöpft, aber von dem zerschmetterten Arm war kaum mehr etwas zu erkennen. Er würde dennoch Narben vom rechteckigen Einschnitt, den er vornehmen musste, zurückbehalten. Die Gefährten des Mannes hatten inzwischen den Sud vom Feuer genommen und er war deutlich runtergekühlt. Wieder schöpfte der Heiler etwas von der Flüssigkeit ab, aber diesmal gab er sie seinem Patienten zu trinken, um die Infektion zu bekämpfen. Als letzte Maßnahme nahm er den Ärmel des Gewandes des Aschländers, den sie herunter geschnitten hatten, tränkte ihn im Rest der Flüssigkeiten und wickelte ihn um Arm und Oberkörper, sodass beide umwickelt waren und sich der Arm auch nicht mehr bewegen ließ. „Puh“: sagte er. Stützte sich ab, schaute zum Himmel und atmete tief ein und aus.

Der Mann öffnete die Augen wieder und gestützt auf seine Gefährten erhob er sich. „Habt Dank, Fremder“: meinte er mit schwacher Stimme auf Dunmeri. „Ich denke ich schulde euch mein Leben und meine Gefährten euch ihres auch“: fuhr er fort. „Ich bin froh, dass ich euch helfen konnte“: erwiderte Tirian. In diesem Moment schloss der Aschländer wieder die Augen. Besorgt schaute die Frau ihn an. „Keine Sorge. Er ist nur sehr erschöpft. Er muss sich ausruhen, damit sein Körper seine Kraft zurückgewinnen kann“: beruhigte der Heiler sie. „Unser Dorf ist gleich hier in der Nähe. Wir werden ihn dort hinbringen. Habt vielen Dank. Ich möchte euch und eure… Gefährtin einladen uns zu begleiten“: bot die Dunmer an. Tirian machte Anstalten abzulehnen: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns und wollen weiterziehen und…“ Doch sie fiel ihm ins Wort: „Ihr würdet uns entehren, wenn er diese Einladung ausschlagt. Ein Nachtlager ist das Mindeste, das wir euch anbieten können. Seht den Himmel. Es wird bald dunkel und auch ihr seht erschöpft aus. In unserem Lager könnt ihr sicher ruhen“: sagte sie. Tirian hatte nicht vor die Frau auch nur im Mindesten zu verärgern und außerdem erschien es ihm am besten, wenn sie die Nacht im Dorf dieser Aschländer verbrachten, anstatt ungeschützt in der Wildnis. Erwartungsvoll schaute die Frau ihn an. „Wir nehmen euer Angebot an“: stimmte der Heiler zu. Lasst mich meine Begleiterin holen, dann können wir aufbrechen.

Er ging schnell zu Lyviani hinüber. „Die Aschländer haben uns angeboten, dass wir in ihrem Dorf die Nacht verbringen können. Abendessen wohl inklusive. Ich hielte es für unklug dieses Angebot auszuschlagen“: berichtete Tirian der Asssassinin und hoffte, dass sie damit einverstanden wäre.

Andromeda
04.04.2013, 21:46
Während Dreveni auf Tirian wartete und dabei versuchte, das Geschrei des Dunmer zu ignorieren, verflog ihr Ärger auf den Heiler langsam aber sicher. Vielleicht auch nur, weil sie inzwischen einfach zu Müde und zu erschöpft war, um sich noch groß über irgendetwas aufzuregen. Als Tirian schließlich fertig war, und ihr die Einladung der Aschländer übermittelte, erwachte allerdings wieder ihre Skepsis.
"Unklug im Sinne von wir verletzen lediglich deren Gefühle, oder wir haben gleich den ganzen...", sie suchte kurz nach einem passenden Wort, "...Stamm auf dem Hals, weil wir irgendein ungeschriebenes Gesetz missachtet haben?", fragte sie Tirian misstrauisch.
"Sie meinte, dass ihr Volk es als Entehrung betrachten würde, wenn wir diese Einladung ausschlagen. Offenbar schulden sie uns ihr Leben und es wäre dann wohl unhöflich, wenn wir als Lebensretter ihr Gegenleistung zurückweisen würden und könnte sie wirklich beleidigen. Mein Freund erwähnte einmal, dass viele Aschländer nur sehr selten freiwillig Leute in ihre Lager einladen. Ich wäre auch ganz froh, wenn wir heute Nacht zumindest eine weiche Lagerstatt dem Grasboden vorziehen würden. Es war ein langer Tag.", antwortete dieser.
Dreveni sah ihn noch einmal überlegend an, es war tatsächlich ein langer Tag, und weit würde sie mit Tirian heute nicht mehr kommen.
Einen weiteren Kampf konnten sie sich beide erst recht nicht mehr leisten, das war Dreveni mehr als klar.
Schließlich erhob sie sich, und sie folgten mit dem Guar im Schlepptau den Fremden. Aschländer also. Nicht dass diese Tatsache Dreveni viel sagen würde, sie kannte kaum mehr als das Wort an sich.

Schneller als Dreveni gedacht hätte, tauchten die Zelte vor ihnen auf, welche wohl das Lager der Aschländer darstellten. Urtümlich.., war das erste, was ihr spontan dazu einfiel. Die Zelte hatten nicht viel mit den ordentlichen Zelten der Legionäre in Cyrodiil zu tun, selbst die der Banditenlager waren - nun ja - symmetrischer. Diese hier schmiegten sich eher organisch in die Landschaft, und sie wunderte sich schon, ob da überhaupt ein System dahinter war, oder sie aufgespannt wurden, wie die Planen eben gerade fielen.
Davon abgesehen war das Lager größer und es hielten sich mehr Dunmer hier auf, als sie gehofft hatte. Nun waren sie auf Gedeih und Verderb dem guten Willen ihrer Gastgeber ausgeliefert, was Dreveni überhaupt nicht gefiel. Trotzdem bemühte sie sich um einen freundlichen Gesichtsausdruck, als sie versuchte die vielfältigen Eindrücke zu verarbeiten. Überall hörte sie leise Gespräche auf Dunmeri, dazu lag das leichte Klimpern und Klingen von Windspielen in der Luft, die überall an den zelten hingen.
In den Eingängen der Zelte konnte sie bunte Decken und Kissen erkennen, sowie Körbe in allen Größen, die entweder an den Zeltstangen hingen oder auf dem Boden standen.
Durch die Luft wehten eigenartige Gerüche, die anscheinend von Räucherwerk herrührten. Fremde schienen für die Aschländer kein ungewohnter Anblick zu sein, wurden die beiden doch kaum beachtet, obwohl sie allein aufgrund ihrer Kleidung auffielen.
Das alles trug dazu bei, dass sich Dreveni langsam aber sicher nur nur fremd, sondern auch noch leicht verloren vorkam. Sie wusste nicht einmal genau, wo sie jetzt waren. In Cyrodiil musste man eigentlich nie weit reiten, um wieder zu einer Stadt zu kommen, jedenfalls konnte man das Gefühl bekommen wenn man sich dort so gut auskannte, wie sie.
Und trotz aller Fremdartigkeit konnte sie nicht verhindern, dass sie eine gewisse Bewunderung für diese Art zu leben empfand, auch wenn es niemals ihr Fall gewesen wäre.

KingPaddy
13.04.2013, 23:32
Ein Seitenblick auf Lyviani ließ Tirian erkennen, dass seine Begleiterin von den Zuständen im Dorf der Aschländer ebenso fasziniert war, wie er selbst. Er stammte ja schließlich aus Morrowind, aber da es traditionell lebende Dunmer nur noch unter den Aschländern Vvardenfells gab, war ihm dieses Lebensgefühl, das sich um sie herum in diesem Lager zeigte, auch völlig fremd. Der Heiler war die Zivilisation des städtischen Morrowind gewohnt. Tränenstadt gehörte zu einer der blühendsten Städte in Süd-Morrowind. Dieses Lager hier war dazu Nichts im Vergleich. Die Urtümlichkeit dieses Ortes faszinierte ihn dennoch auf ganz besondere Weise. Etwas verloren standen sie nun inmitten der Zelte. Zunächst nahm man erst keine Notiz von ihnen, erst allmählich, sammelten sich Neugierige und auch Kinder um sie herum. Allerdings interessierten sich diese weniger für den Heiler und seine Begleitung als vielmehr für die heimgekehrten Angehörigen ihres Stammes. Ein Stimmengewirr aus Dunmeri hob an. Den Gesprächen und Satzfetzen konnte Tirian wegen des starken Dialektes, des Durcheinanders und der hohen Sprechgeschwindigkeit nur schlecht folgen. Soviel er mitbekam waren die vier Aschländer, die sie gerettet hatten, auf dem Rückweg von einem Treffen mit einem anderen Stamm gewesen, als sie überfallen worden waren. Auch stellte die Frau, die offenbar nach dem verletzten Mann die Führungsperson der Gruppe war, die beiden Fremden als ihre Retter vor. Während die Älteren wenig mehr als angedeutet anerkennende Blicke zustande brachten, in der Regel eher neutrale Zurückhaltung, interessierten sich vor allem die Kinder für Tirian und Lyviani und begannen an ihren Kleidern zu zupfen.

„Habt ihr es wirklich mit Beinernen aufgenommen?“: fragten manche, andere fragten nach der scheinbar wundersamen Heilung durch Tirians Magie und wollten wissen, ob er eine Weise „Frau“ sei. Er konnte die Fragen gar nicht beantworten, so schnell und vielstimmig wurde er bedrängt. Er warf einen Blick zur seiner Begleiterin hinüber in deren Gesicht sich deutliche Verwirrung und Unwillen ob der jetzigen Situation abzeichneten. Auch von ihr wollten die Kinder wissen, ob sie auch mit den Beinernen gekämpft habe und ob sie eine „Mabrigash“ sei, ein Wort das Tirian vage bekannt vorkam, dem er aber im ersten Moment keine Bedeutung zuordnen konnte. Er wusste nicht, wie die Assassine reagieren würde, wenn die Bedrängung durch die Kinder noch länger anhielt, aber die Sorge verflüchtigte sich in dem Moment, in dem ein hochgewachsener, älterer Dunmer aus einem Zelt trat. Seine Rüstung und sein Auftreten verrieten, dass er über Autorität im Stamm verfügte. Fast augenblicklich erstarben alle Gespräche und respektvoll machten die anderen Aschländer Platz, als er sich auf sie zubewegte. Tirian hielt sich ebenso zurück und hielt es für besser zu schweigen, auch als sich der Mann den beiden Fremden direkt vor ihnen stand und sie beäugte. Er wandte sich dann an die gerettete Aschländergruppe. Da der Mann noch immer bewusstlos war, sprach er nun die Frau an. „Was ist geschehen“: verlangte er zu wissen. Sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass diese Frage als Befehl zu verstehen war: „Die Ahemmusa. Hat die Weise Frau zugestimmt?“ Seine zweite Frage beantwortete sie mit einem Ja und dann begann sie noch einmal zu berichten, wie er und Lyviani sie vor den Redoranern gerettet hatten. Als sie geendet hatte, wandte er sich wieder den Beiden zu. Sein musternder Blick wechselte mehrfach zwischen Tirian und seiner Begleiterin hin und her. Sein Blick ruhte einen Moment auf der Assassine. Er zog die Augenbrauen zusammen und musterte sie noch einmal ausführlich.

„Eine würdige Kriegerin“: befand er auf Dunmeri und fasste Tirian nun wieder ins Auge. Sein Gesicht, das zuvor sehr verschlossen gewesen war, hellte sich deutlich auf. „Habt dank, dass ihr unsere Stammesbrüder und Stammesschwestern gerettet habt. Ama wird euch bei sich unterbringen. Ihr Mann schuldet euch sein Leben und das Gesetz der Gastfreundschaft gebietet es, dass sie euch dafür versorgen“: beschloss der Mann einfach. Ama so stellte sich nach kurzer Verwirrung heraus, war eben jene Frau, die gerade neben ihnen stand. Der autoritäre Dunmer reichte nun Lyviani und Tirian die Hand. „Willkommen bei den Zainab. Ich bin Ashkhan Kaushad. Genießt für diesen Abend und die kommende Nacht die Gastfreundschaft meines Stammes. Ich muss euch jedoch bitten, dass ihr uns am Morgen verlasst. Die Diener des Zerstörers suchen das Land unserer Ahnen heim und wir können in Anbetracht dieser Gefahr nicht für eure Sicherheit sorgen“: stellte er sich vor und schränkte die Gastfreundschaft seines Volkes sogleich auch wieder ein. Der Name Zainab sagte dem Heiler etwas. Er kannte die Aschländer aus Tarriors Geschichten und er hatte ihm auch etwas über die Zainab erzählt. „Wir danken euch Kaushad. Wir wollen auch sobald wie möglich weiter und werden eurem Volk nicht länger als nötig zur Last fallen“: bestätigte Tirian. Kaushad nickte und wandte sich dann ab. Ama sprach die Beiden nun an: „Mein Bruder bringt euch zu meinem Zelt. Dort könnt ihr heute Abend schlafen. Ich und mein Mann werden noch die Weise Frau aufsuchen. Sobald wir dort waren, werden wir nachkommen und ich werde euch ein Abendessen bereiten.“ Lyviani schaute noch immer verwirrt drein. Offenbar verstand sie kaum ein Wort von dem, was hier gesprochen wurde, sodass Tirian stattdessen bestätigte.

Die Aschländer im Lager zerstreuten sich wieder und gingen ihren Tätigkeiten nach. Ama verschwand mit ihrem verletzten Mann in einem etwas abseits stehenden, großen Zelt, währenddessen der zweite Mann, der in der Gruppe war, die sie gerettet hatten, sie durch das nicht allzu große Lager hindurch führte. Die Assassine schwieg die meiste Zeit. Tirian hätte zu gerne gewusst, worüber sie nachdachte. Es dauerte kaum drei Minuten da hatten sie ein etwa mittelgroßes Zelt erreicht, dass sich zusammen mit einigen anderen zwischen einige Felsen duckte. Der Dunmer bedeutete ihnen, es zu betreten. „Das ist das Zelt von Ama und Hamsur. Ihr könnt hier warten“: sagte der Aschländer. „Ich werde nun zu meiner Familie zurückkehren“: verabschiedete er sich und ging einfach. Tirian wechselte mit Lyviani einen Blick und schob eine Plane aus Guarleder, die den Eingang des Zeltes bildete, das auch aus dem Leder dieser Tiere bestand, zur Seite und warf einen Blick hinein. Es war niemand zu sehen. Im Innern war es recht dunkel. Lyviani band ihren Packguar noch an einen kleinen Strauch beim Zelt, dass sie dann nach einander betraten. Es dauerte einen Moment, bis sich die Augen an das Zwielicht im Innern gewöhnt hatten.

Im Zeltdach war ein kleines Loch durch das schimmerndes Dämmerlicht in die archaische Behausung direkt auf eine mittige Feuerstelle viel, die nicht entzündet war, über der aber ein Topf hing. Der Heiler ließ seinen Blick schweifen. Er sah zwei Bettzeuge aus dicken Decken und Matten aus Guarleder, die etwas abseits der Feuerstelle lagen. Um die Feuerstelle herum lagen einige sehr große Kissen in verschiedenen Formen, die man zum Sitzen benutzen konnte. So etwas wie ein Tisch fehlte völlig. Das Geschirr, zumindest hielt Tirian die Ansammlung an tönernen Bechern und Schüssel dafür standen sorgfältig aufgestapelt bei einer Ansammlung von Körben, die scheinbar Vorräte enthielten und Kisten, in denen der Hausrat der Familie untergebracht war. Der Boden selbst war mit grob gewobenen Teppichen oder aus Pflanzenfasern geflochtenen Matten bedeckt und schirmte das Zelt gegen die Kälte und den Schmutz der Erde ab. Mit einem Seufzen ließ sich der Heiler auf eines der großen Sitzkissen sinken. „Sieht hier doch wirklich besser aus, als ein Nachtlager in der Wildnis. Es muss zumindest niemand von uns Nachtwache halten. Und gekocht bekommen wir nachher auch etwas“: dachte er laut und ließ seinen Blick noch einmal schweifen. Es war nicht das Tiber Septim Hotel, aber besser als Vieles andere. Während sie warteten, dass ihre Gastgeber wieder auftauchten, trat wieder Stille zwischen die beiden Reisenden, zumindest bis Tirian das Wort ergriff. „Lyviani, ihr scheint seit vorhin so nachdenklich. Beschäftigt euch etwas?“: fragte der Heiler ehrlich interessiert.

Andromeda
14.04.2013, 13:57
[Dreveni]
Endlich schien sich doch noch jemand für die beiden zu interessieren, und Dreveni reichte es bald, als die Kinder anfingen, an ihrer Kleidung zu zupfen, was sich auch deutlich auf ihrem Gesicht zeigte. Schließlich trat ein hochgewachsener Dunmer aus einem Zelt, der anscheinend so etwas wie ein Anführer zu sein schien, und auf die beiden einredete. Dreveni konnte kein Wort verstehen, was nicht dazu beitrug, dass ihr die Situation wesentlich geheurer wurde.

Schließlich ging sie mit Tirian auf ein Zelt zu, dass offenbar ihrer Bleibe für heute Nacht sein sollte, und setzte sich ihm gegenüber auf eines der Kissen. Ihr sollte es recht sein, auch wenn sie die Sache mit der Wache nicht ganz so sah wie Tirian. So ganz traute sie dem Frieden nicht, sich blind irgendwelchen Leuten anzuvertrauen konnte sie sich einfach nicht leisten, und so war es ihr inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Auf die Frage des Heilers sah sie ihn nachdenklich an. In seinen dunklen, roten Augen konnte sie ehrliches Interesse sehen, bei dem ihr ihre knappe Antwort, die sie sich schon überlegt hatte, nicht über die Lippen kam. Diese Augen.. Jetzt in dem Dämmerlicht dass in dem Zelt herrschte, sahen sie mehr denn je aus wie Feryns Augen, auch wenn die weichen Gesichtszüge des Heilers ganz anders waren.
Ich habe den Einzigen, den ich jemals wirklich geliebt habe, umgebracht. Und seit dem verfolgt es mich in jeder Sekunde, egal ob ich wach bin oder träume. Das wäre die einzig ehrliche Antwort auf seine Frage gewesen, und in diesem Moment wurde ihr das erste Mal wirklich bewusst, dass sie vielleicht niemals damit abschließen konnte, zu viel war noch unbeantwortet, und sie wünschte sich fast, dass sie lieber mit Feryn zusammen untergegangen wäre, als dass sie sich so daraus befreit hätte. Für einen kurzen Moment hatte sie Tirians Frage aus der Fassung gebracht, was vielleicht auch an ihrer Müdigkeit lag, und so zeigten sich ihre Gefühle für einen Augenblick mehr als deutlich in ihrem Gesicht, bevor sie sich wieder gefasst hatte.
Sie überlegte sich kurz, Tirian ins Gesicht zu sagen, was sie getan hatte, bis auf den Punkt dass sie damit nicht zurecht kam, nur um ihn zu schockieren und so die Kontrolle über das Gespräch zu gewinnen, aber sie wusste dass sie es nicht schaffen würde, den richtigen Tonfall zu treffen. Kurz kam ihr der Gedanke, dass sie vielleicht wirklich mit jemandem reden sollte, mit jemandem anderen als Mordan, aber sie verdrängte ihn gleich wieder. Was würde dass denn für einen Eindruck machen? Davon abgesehen würde Tirian wohl kaum verstehen, warum sie so handeln musste, wie sie es getan hatte.
Schließlich wandte sie den Blick ab und antwortete: "Es ist nichts..."
Das war zwar nach der langen Pause in der sie überlegt hatte ziemlich unwahrscheinlich, aber sie hoffte halb dass Tirian es dabei belassen würde, halb dass er doch nachfragen würde.
Reiß dich zusammen.
"Er war nicht wehrlos.", sagte sie, scheinbar ohne Zusammenhang. "Er hatte seine Wahl getroffen, lange bevor er gefesselt am Boden lag.", spielte sie auf den Gefangenen an. Sie betrachtete kurz die Narben auf ihrem Arm, bevor sie schließlich wieder Tirian in die Augen sah. "Er wusste, worauf er sich einließ, als er sich entschieden hat, andere um ihren Besitz zu bringen um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und ich bin mir auch sicher, er war sich ganz genau im klaren darüber, dass er dabei früher oder später den Kürzeren zieht, und eventuell auch nicht ehrenhaft im Kampf stirbt, sondern eben auf diese Art und Weise. Ich weiß dass ich selbst in so einer Situation alles nur keine Gnade erwarten darf." Sie hatte leise gesprochen, und in ihrer Stimme war keine Schärfe, sondern nur ein leichter Hauch von Resignation gelegen.

[Tirian]
Lyviani überlegte eine Weile. Für den Anflug eines Augenblickes konnte Tirian in dem sonst so kalten und verschlossenen Gesicht der Mörderin lesen. Es spiegelten sich Trauer, Schmerz... Bedauern (?) darin. Der Moment ging schnell vorüber und seine Begleiterin saß wie auch schon die meiste Zeit zuvor wieder vor ihm - ein fester Ausdruck in den Augen, kühle Neutralität. "Es ist nichts...": sagte sie nach einer Weile. Das wäre der Moment gewesen, wo der Heiler normalerweise beschloss, dass er die Frage ruhen lassen würde. Es gehörte zu seiner Überzeugung, dass er nicht das Recht hatte in das Innere einer anderen Person einzudringen, wenn sie das selbst nicht wollte. Allerdings konnte er spüren, dass es Lyviani in ihrem Innern nicht gut ging und das sie sich vielleicht nur nicht überwinden konnten. Gerade als er doch noch eine Nachfrage stellen wollte, fing sie von allein an zu erzählen: "Er war nicht wehrlos. Er hatte seine Wahl getroffen, lange bevor er gefesselt am Boden lag. Er wusste, worauf er sich einließ, als er sich entschieden hat, andere um ihren Besitz zu bringen um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Und ich bin mir auch sicher, er war sich ganz genau im klaren darüber, dass er dabei früher oder später den Kürzeren zieht, und eventuell auch nicht ehrenhaft im Kampf stirbt, sondern eben auf diese Art und Weise. Ich weiß dass ich selbst in so einer Situation alles nur keine Gnade erwarten darf." Sie sprach, mit mehreren kurzen Pausen, und sah ihm dann schließlich in die Augen.

"Ging es darum? Lässt sie das Töten doch nicht mehr so kalt, wie sie selbst es darstellt?": fragte sich Tirian, ob sie nun doch ein schlechtes Gewissen wegen des Mordes hatte. Andererseits bot ihre Erklärung auch ihm einen gewissen Halt, was sein Gewissen anging, die Tatsache, dass er nicht verhindern konnte, dass dieser Mann, der in seiner Gefangenschaft auch seiner Obhut unterlag, getötet worden war. Tirian schloss die Augen. "Er hätte uns gewiss getötet, wenn er gekonnt hätte...": sagte er nachdenklich und lehnte sich nach hinten. Er nickte schwach. Dann beugte er sich vor und schaute auf den Boden. "Es war falsch": sprach er zu dem Teppich, den er ansah. Es lag kein Vorwurf darin, keine Anklage. Es war einfach nur eine Feststellung, eine Selbstvergewisserung die ihn selbst davor bewahrte, auch in zukünftigen Situationen pauschal so zu denken. Er hatte Angst davor. Lyviani war in diesem Moment aus seinen Gedanken verschwunden.

[Dreveni]
Ihr Blick lag immer noch auf Tirian, als sie ihm Antwortete: "Mag sein dass es falsch war. Mag sein, dass es schon falsch war, sich überhaupt einzumischen, vielleicht wäre es gar nicht zu einem Kampf gekommen. Es war falsch von ihm, dass er überhaupt tat, was er tat, er hätte sicher sein Leben auch auf ehrlicherem Wege bestreiten können, als mit Waffengewalt." Dreveni wandte jetzt ebenfalls den Blick ab und studierte ein weiteres Mal das Muster auf ihren Armen. "Es mag leichter sein, nichts zu tun, und zu sagen, dass man mit den Konsequenzen lebt, auch wenn es heißt, dass er einem auflauert, wenn wir ihn hätten laufen lassen, und man vielleicht sein eigenes Leben verliert. Was ich persönlich nicht glaube, dazu habe ich schon zuviele so sprechen gehört, die dann - wenn es so weit war - um ihr Leben gebettelt haben, und bereut haben, nicht gleich gehandelt zu haben. Man kann nicht erwarten, dass man mit etwas anfängt, und sich dann der Rest schon von alleine regeln wird. So einfach ist das Leben nicht." Inzwischen sprach Dreveni weniger über den Gefangenen Dunmer als über Feryn, und auch wenn alles in ihren Ohren mehr als plausibel klang, fühlte es sich immer noch einfach nur falsch an.

[Tirian]
"Das Leben ist nicht einfach, da habt ihr Recht. Ich hätte vorhin nicht so leichtfertig in die Konfrontation hinein gehen sollen, aber ich hätte ihnen dennoch geholfen. Gleichwohl weil das Leben nicht so einfach ist, glaube ich auch nicht, dass man nach einem einfachen Prinzip leben kann, dass man einfach jeden tötet, der eine Gefahr darstellen könnte. Niemand verlangt blindes Vertrauen, aber man kann nicht nur durch die Welt gehen und hinter jeder Ecke einen Feind vermuten. Man muss auch vertrauen können, auch wenn man manchmal damit auf die Nase fällt. Viel schlimmer wäre es ewig, weil extrem vorsichtig und misstrauisch vor sich hin zu leben, aber somit ständig von seiner Angst und Furcht kontrolliert zu werden. Und vor allem wäre es ein Leben ohne Liebe und Zuneigung, denn jeder könnte ein Verräter sein": dachte Tirian laut und begann beim Nachdenken an den Maschen und Fäden des Teppichs zu seinen Füßen zu spielen. Noch immer plagten ihn Zweifel bezüglich Tarrior. Was war es, womit der Telvanni ihn erpresste?

[Dreveni]
"Ich gehe auch nicht durchs Leben und töte wahllos jeden, der eine Gefahr darstellen könnte. In dem Fall war die Gefahr allerdings meiner Meinung nach sehr real, dass er nicht nur allein hinter uns her wäre, sondern gleich mit ein paar seiner Kumpanen, die er sicher noch irgendwo hatte.", stellte Dreveni richtig. Und schon wieder war sie dabei, sich zu rechtfertigen, der Heiler würde sie noch in den Wahnsinn treiben. Dabei würde ihm selber ein bisschen mehr Vorsicht und Misstrauen sicher zu einem längeren Leben verhelfen. "Manchmal geht es beim 'auf die Nase fallen' um das eigene Leben, und man hat schlichtweg keine zweite Chance. Ich habe diesen Fehler genau ein einziges Mal gemacht obwohl ich eigentlich besser wusste, und fast wäre es auch definitiv das letzte Mal gewesen." Für einen Moment meinte sie wieder die Hitze der Flammen auf ihrer Haut zu spüren, als sie von Feryn einfach in dem alten Haus zurückgelassen worden war. Wäre sie keine Dunmer gewesen, vermutlich hätte sie sich nicht mehr retten können und wäre elendig verbrannt. "Hätte ich ein Leben voller Liebe und Zuneigung gewollt, hätte ich einen anderen Weg gehen müssen.", sagte sie schließlich, und sah auf Tirians Hände, die an dem Teppich zupften. "Für wenn nehmt ihr eigentlich das alles auf euch, um ihn aus den Fängen eines Hexenmeisters zu befreien? So ungefährlich ist es ja nicht, als dass man das für jeden auf sich nehmen würde, oder?" Tatsächlich fiel Dreveni auf Anhieb nur Mordan ein, der sie befreien würde, allerdings nur um sie nachher eigenhändig zu erwürgen ob der Dummheit, sich gefangen nehmen zu lassen.

[Tirian]
Lyviani hatte zu einem guten Teil Recht, gestand sich Tirian ein. Behram Meradanz würde auch keine Gnade kennen, wenn er ihm in eine Falle lief. Es brachte Tarrior keine Hilfe, wenn er starb. Aber nach waren sie nicht in Uvirith Mora oder dem Turm des Telvanni und noch bestand nur Anlass zur Vorsicht, aber nicht dazu, gerade in diesen Zeiten, andere Hilfsbedürftige einfach im Stich zu lassen. Es geboten ihm Ehre und Gewissen in so einem Fall wie bei den Aschländern zu helfen. Auf Lyvianis Kommentar hin, dass sie schon einmal nur knapp entkommen war, wollte er eigentlich eine Frage stellen, denn er konnte eine gewisse Verbitterung darin spüren. "Hätte ich ein Leben voller Liebe und Zuneigung gewollt, hätte ich einen anderen Weg gehen müssen": auch dieser Kommentar machte ihn nachdenklich, wie es um das Seelenleben der Assassine bestellt war. "Jedes Wesen ganz gleich ob Mensch oder Elf braucht Zuneigung, braucht jemanden der es liebt auch ganz unabhängig von dessen Taten": waren Tirians Gedanken und er war sich sicher, dass auch die Dunmer nicht wirklich so dachte, wie sie sich hier gab. Er konnte nicht genau sagen warum, aber er schätzte sie nicht so ein. Bevor etwas darauf erwidern konnte, kam eine Frage von ihr: "Für wenn nehmt ihr eigentlich das alles auf euch, um ihn aus den Fängen eines Hexenmeisters zu befreien? So ungefährlich ist es ja nicht, als dass man das für jeden auf sich nehmen würde, oder?" Tirian seufzte. "Er ist ein sehr wichtiger Freund": antwortete Tirian und versuchte damit ihrer Frage auszuweichen. Jetzt zupfte er noch etwas mehr an dem Teppich herum.

[Dreveni]
Sie schien es tatsächlich geschafft zu haben, Tirian aus der Fassung zu bringen mit ihrer Frage, wenigstens ein bisschen. Inzwischen rupfte er den armen Teppich so sehr, dass Dreveni fürchtete, er würde bald einen Faden ziehen und ihn kaputt machen. Kein guter Dank für die Gastfreundschaft der Aschländer.
"Na dann weiß er hoffentlich zu schätzen, was er an euch hat.", sagte sie schließlich nach einem nachdenklichen Blick auf den Heiler. Sie würde schon noch früh genug efahren, wen sie da letzten Endes befreien wollten, sollten sie den Turm des Magiers erreichen.
"Ach ja, eins noch: Meint ihr es wäre zuviel verlangt, wenn ihr in Zukunft das Wichtigste was die zu uns sagen kurz übersetzen könntet? Ich spreche leider kein Wort Dunmeri. Abgesehen von ein paar Flüchen.", wandte sie sich nach einer kurzen Pause noch an den Dunmer.

KingPaddy
16.04.2013, 15:54
„Na dann weiß er hoffentlich zu schätzen, was er an euch hat“: bei diesem Satz musste Tirian grinsen. „Vermutlich wird er fürchterlich ungehalten darüber sein, dass wir ihn retten kommen“: sagte der Heiler und lachte. Die Bitte von Lyviani ließ ihn das aber schnell wieder einstellen. „Das hier ist das Lager der Zainab. Soweit ich aus Erzählungen weiß, treiben die Aschländer hier auch Handel mit dem Kaiserreich und den Telvanni in ihrer Umgebung und dürften des Cyrodiilischen zumindest halbwegs mächtig sein“: berichtete Tirian aus seiner Erinnerung. Glücklicherweise konnte er sich noch an diese alten Geschichten von Tarrior erinnern. Ihm tat es um die arme Lyviani ein wenig leid. Ihre Gastgeber sprachen wahrscheinlich mit ihnen nur Dunmeri, weil er selbst auch immer darauf antwortete. Gewissermaßen war er nicht unschuldig daran, dass sie hier von den Gesprächen ausgeschlossen war. „Ich werde Ama darum bitten, dass sie Cyrodiilisch mit uns spricht, damit wir sie beide verstehen können“: bot der Heiler an. Wobei ihm bei diesem Stichwort auffiel, dass ihre Gastgeber sie schon recht lange warten ließen. In diesem Moment taten Lyvianis Worte bei ihm ihr Übriges und in ihm begann schon der Verdacht zu keimen, dass hier womöglich in eine Falle geraten waren. Einen Moment überfiel den Dunmer diese Angst und er überlegte, ob er es gegenüber der Assassine ansprechen sollte, als dann zu seiner allgemeinen Beruhigung Ama mit ihrem Mann, der sich noch auf ihre Schultern stützen musste, aber zumindest bei Bewusstsein war, ins Zelt trat.

„Verzeiht. Die Weise Frau hatte noch Fragen an uns“: sagte sie und bettete ihren Mann auf die Lagerstatt am Rande des Zeltes. Ihr stöhnte auf, als sie ihn niedersinken ließ. „Ama. Wäre es möglich, wenn ihr Cyrodiilisch mit uns sprechen könntet?“: fragte Tirian. Die Aschländerin zog die Augenbrauen hoch. „Wieso?“: fragte sie. „Mein Cyrodiilisch ist nicht so gut“: bekannte sie etwas errötet. „Und mein Mann spricht es kaum. Er ist aus einem anderen Stamm“: fügte sie noch an. Tirian hatte die Befürchtung, dass die Frau glaubte, dass er sie bloßstellen wolle. „Meine Begleiterin spricht kein Dunmeri und es wäre ihr gegenüber nicht schön, wenn sie uns nicht verstehen kann“: offenbarte der Heiler. Die Frau zog die Augenbrauen zusammen. „Sie ist eine Fremdländerin?“: fragte sie misstrauisch. „Ist das ein Problem?“: fragte Tirian mit fester Stimme. Amas Gesicht wurde milder. „Nein überhaupt nicht. Ihr habt uns gerettet. Es sind die Taten und nicht die Herkunft, die das wahre Wesen zeigen. Wir haben aber ein paar Jäger vom Stamm der Erabensium zu Gast hier im Lager. Eure Frau sollte sich von ihnen fernhalten, ihr Stamm ist nicht so gut auf Fremdländer zu sprechen“: warnte Ama. Als sie das Wort „Frau“ erwähnte, zuckte der Dunmer zusammen. „Ähm.. äh.. Lyviani ist nicht meine Frau“: sagte er stotternd. „So?“: fragend schaute sie ihn an und zuckte dann mit den Schultern. „Willkommen dennoch in unserem Heim“: sie sagte es diesmal auf Cyrodiilisch, auch wenn sie etwas länger bei manchen Worten überlegte.

Der Heiler nickte dankbar und wollte sich wieder an die Feuerstelle setzen, die Ama langsam entzündete. „Ich werde gleich kochen Essen beginnen, aber das dauert“: sagte sie und richtete ihren Blick dann auf Tirian. „Die Weise Frau mich gebeten hat euch sofort ihr zu schicken“: sprach sie und ihre Stimme ließ auch keinen Zweifel dran, dass das keine Einladung war, sondern eine klare Aufforderung. Tirian schluckte. In diesem Moment trat ein Mann in Chitin-Rüstung, den der Heiler bisher nicht gesehen hatte, in das Zelt. „Das ist Mossur. Der Leibwächter der Weisen Frau. Er wird euch ihr Zelt zeigen“: erklärte Ama nun doch wieder auf Dunmeri, scheinbar weil das schneller und einfacher für sie war. Der Heiler fügte sich in sein Schicksal. „Ich bin bald wieder zurück“: rief er Lyviani noch zu, die etwas erstaunt registrierte, wie er von dem Mann abgeführt wurde. Beim Rausgehen hörte er noch, wie sich Ama noch an die Dunmer wandte: „Ashkhan Kaushad wollt mit euch sprechen. Sein Zelt ist groß in Mitte von Lager. Es sei große Ehre, dass der Khan einlädt jemand.“ Wie seine Begleiterin darauf reagierte, bekam der Dunmer allerdings nicht mehr mit, denn er war dann schon hinaus.

Das glühende Abendrot legte sich wie Feuer über das Dorf der Aschländer. Es wirkte so als stünden die Zelte in Flammen. Es war tatsächlich nicht allzu groß und so fand sich das Zelt der Weisen Frau auch recht schnell etwas abseits der anderen Zelte. Es war umgeben von Pflanzen verschiedener wildblühender Kräuter, von den Tirian wusste, dass sie für die Alchemie interessant waren. Mossur ging stumm neben ihm her, während sie sich dem Zelt näherten. Ein Seitenblick auf den Leibwächter sagte ihm auch, dass der Versuch einer Kontaktaufnahme vermutlich zum Scheitern verurteilt wäre. So war er ehrlich froh, als sie vor dem Zelt standen und er sich von dem Wachhund verabschieden konnte. Gerade als er die Plane, die den Zelteingang bedeckte, zur Seite schieben wollte, legte der Gerüstete eine Hand auf die Schulter des Dunmers. „Leg Hand an sie und ich schneide sie dir ab!“: drohte er und ließ ihn dann gehen. Tirian schluckte wieder. Im nächsten Moment bildete sich latente Wut. Er war es schließlich, der hierher bestellt worden war. Entsprechend schlecht gelaunt gelangte er ins Zelt, wurde aber von dem intensiven Geruch verschiedenster Kräuter geradezu überwältigt. Die Luft war warm, trocken, abgestanden aber dank der Kräuter doch auch irgendwie erstaunlich frisch. Das Zelt quoll fast über vor Körben und Säckchen mit den Materialien der Natur. Geradezu stand ein Bett aus starken Ästen und Flechtwerk. Im Schneidersitz davor saß an der zentralen Feuerstelle eine alte Dunmerin auf einem großen Kissen. Neben sich standen allerlei alchemistische Gerätschaften. Sie sahen geradezu altertümlich aus.

Tirian zögerte. Die Frau schien ihn gar nicht wahrgenommen zu haben. Mit geschlossenen Augen saß sie vor dem Feuer. Es war als würde sie schlafen. Er war sich unschlüssig was er tun sollte. „Tretet ruhig näher, junger Mann. Setzt euch bitte“: sagte sie ohne die Augen zu öffnen und deutete mit der ausgestreckten Hand auf ein Sitzkissen ihr gegenüber. Tirian nahm Platz. Es dauerte noch einen Moment und dann öffnete die Weise Frau ihre Augen. Ein blassroter Blick musterte den Heiler. „Ihr seid also derjenige, der den Verwundeten geheilt hat. Was wünscht ihr?“: fragte sie. „Was ICH wünsche? Ihr wart es doch, die mich hierher gerufen hat. Das solltet ihr auch mal eurem Wachhund sagen“: beschwerte sich der Dunmer. „Verzeiht Mossur, aber er nimmt seine Pflicht sehr ernst und in letzter Zeit ist es nötiger denn je“: sagte sie und lehnte sich angestrengt seufzend zurück. Sie sah wirklich aus wie eine alte Frau. Aber instinktiv spürte Tirian, dass er sie nicht unterschätzen sollte. „Die Söhne des Zerstörers verheeren das Land. Seine Diener bedrohen auch uns“: erzählte sie weiter. „Ihr meint Mehrunes Dagon und die Mythische Morgenröte? Sie machen also nicht einmal vor den Aschländern halt?“: warf Tirian erstaunt ein. Sie nickte erschöpft. „Der Zerstörer sandte seine Diener uns zu überzeugen. Sie versprachen den Khanen Macht, um die anderen Stämme zu unterwerfen und die Herrschaft der Häuser zu brechen. Sie versprachen die Rückkehr zur alten Lebensweise für das ganze Land. Der Khan der Erabensium wurde schwach. Ein offenes Bündnis konnte nur die Weise Frau des Stammes verhindern. Seither versuchen ihr Schatten uns Weise Frauen zu töten. Nur knapp verhinderte Mossur einen Anschlag auf mein Leben, daher ist er so vorsichtig geworden“: berichtete sie. Tirian wurde etwas ruhiger. Sein Zorn legte sich. Unter solchen Umständen, war das Verhalten verständlich.

„Dennoch habt ihr mich hergebeten“: wandte der Heiler trotzdem noch ein. „Gewiss. Ich spürte eine Unruhe in euch, dass ich glaube, dass auch etwas euch hierher geführt hat“: meinte sie. „Mich hierher geführt?“: fragte Tirian. Sie nickte. „Was ist es das auch in diesen unruhigen Zeiten durch die Weidenländer treibt?“: erfragte sie. Der Heiler sah sich ihrem Blick gegenüber. „Ich muss jemanden retten, der in der Molag Amur gefangen gehalten wird. Ohne mich wird er womöglich sterben“: gab der Heiler freimütig zu und er wusste selbst nicht so recht, wieso er so offen darüber sprach. Die Weise Frau setzte eine nachdenkliche Miene auf. „Seine Erwähnung bedrückt euch, dass erkennt man. Ihr zweifelt. Warum zweifelt ihr?“: wollte sie weiter wissen. Die Fragen kamen ihm immer seltsamer vor, ebenso wie sich die ganze Situation außerordentlich seltsam gestaltete. Ihm lief der Schweiß und er spürte wie ihm etwas übel wurde, doch antwortete er einfach: „Er wurde erpresst. Ich weiß nicht womit man ihn erpressen könnte. Ich bin mir nicht sicher, was er getan haben muss, dass man ihn so erpressen kann. Ich frage mich welches dunkle Geheimnis er verbirgt.“ Wieder musterte ihn die Weise Frau ihre Augen schienen sich tief in seine eigenen zu brennen. „Ich sehe eure Furcht. Warum beunruhigt euch das so sehr?“: verhörte sie ihn weiter und Tirian war inzwischen richtig schlecht und unwohl zu Mute. Er wollte hinaus, doch etwas zwang ihn dazu zu bleiben. Ohne bewusstes Zutun redete er: „Er… er… er ist mein Vater. Ich habe Angst davor zu erfahren, was er Schreckliches getan haben muss.“ Ihm drehte sich inzwischen alles. „Da ist noch mehr!“: drängte sie. Sein Kopf schmerzte jetzt richtig. „Ich habe Angst davor, weil ich nicht weiß wie viel von ihm auch in mir steckt. Ich fürchte mich davor“: brachte unter Mühen hervor, verdrehte dann die Augen und kippte zur Seite weg. Er spürte wie ihn jemand auf den Rücken drehte, seine Lippen auseinander zwang und ihm eine bittere Flüssigkeit einflößte.

Sein Herz, das eben noch raste, beruhigte sich langsam wieder. Sein verschleierter Blick klarte sich auf und er schaute wieder in die trüben, blassroten Augen der alten Dunmerin. „Was, was ist passiert?“: fragte er mit zitternder Stimme. „Ihr habt den Test bestanden. Ihr seid kein Diener des Zerstörers“: sagte sie und wirkte ehrlich froh. „Was.. was für ein Test“: begehrte der Heiler nun zu wissen. „Der Rauch der Kräuter, die ich vor eurem Eintreffen verbrannt habe, hat die besondere Wirkung, die Personen, die ihn einatmen, gesprächig zu machen – sie offenbaren ihre Geheimnisse, wenn man sie gezielt darauf anspricht“: erklärte sie und bot Tirian einen Tee an. Vorsichtig schlürfte er die heiße Flüssigkeit. „Diese Schmerzen“: keuchte er jetzt noch. „Sind die Geheimnisse tief vergraben oder werden sie zu verbergen versucht, bricht der Rauch die Schranken im Geist auch gewaltsam auf. Das Elixier, das ich euch gegeben habe, schützt euch gegen die Wirkung der Kräuter“: erklärte sie weiter. Der Heiler befühlte sich seinen pochenden Schädel. „Was wolltet ihr damit beweisen?!“: pflaumte er die alte Frau an. „Es tut mir leid, aber ich musste sichergehen, dass ihr uns nicht hintergehen würdet. Die Diener des Zerstörers sind raffiniert“: entschuldigte sie sich, doch Tirian mochte dieses Verhalten überhaupt nicht. „Ich habe nicht darum gebeten, dass euer Stamm mich einlädt. Ama war es, die darauf bestanden hat, dass wir euch in euer Lager begleiten“: ereiferte sich Tirian. Die Weise Frau nickte. „Das ist richtig. Allerdings wüsste ein Dienser des Zerstörers auch, dass kein Aschländer, der jemanden sein Leben schuldig ist, diesem die Gastfreundschaft verweigern würde. Bei der Mühe, die ihr euch gemacht habt, einer Gruppe Wildfremder Dunmer einfach so im Kampf zu helfen und dann auch noch ihre Wunden zu versorgen, machtet ihr euch verdächtig. Es schien als hättet ihr Hintergedanken gehabt“: klärte die alte Dunmer ihn nun endlich auf. „Entschuldigt noch einmal, dass ich zu solchen Mittel griff, um herauszufinden, ob ihr uns hintergehen wollt. Da ich nun von euren guten Absichten überzeugt bin, wollte ich euch noch einmal dafür danken, dass ihre unsere Stammesgeschwister gerettet und geheilt habt“: entschuldigte sich die Weise Frau noch einmal und Tirian war dabei ihr zu verzeihen. Hinge am ihm das Wohl eines ganzen Stammes hätte er womöglich genauso gehandelt.

Andromeda
18.04.2013, 16:08
Als Tirian antwortete, dass sein Freund wohl eher ungehalten reagieren würde, hatte Dreveni kurz wieder das Bild von Arranges vor Augen. Bitte nicht wieder so ein cholerischer Sturkopf, betete sie im Stillen. Auf seine Ankündigung, die Dunmer zu bitten, cyrodiilisch zu sprechen nickte sie dankbar. Kurz darauf betrat auch die Frau schon das Zelt, den verletzten Dunmer schwer auf ihre Schulter gestützt. Dem kurzen Gespräch konnte sie wieder nicht folgen, auch wenn sie skeptisch Tirians Gesichtsausdrücke musterte. Sie hatte das dumme Gefühl, dass er ihr einiges an mehr oder weniger unterhaltsamen Dingen verschwieg.
Dann konnte sich die Dunmer aber wohl doch überwinden und begrüßte sie auf gebrochenem Cyrodiilisch. Dreveni nickte ihr freundlich zu, und wollte sich gerade bedanken, als diese schon weitersprach und den Heiler aufforderte, die weise Frau zu besuchen. Ihr gefiel gar nicht, hier allein zu bleiben, aber es schien kein Weg daran vorbeizuführen. Ihr gefiel die ganze Sache immer noch nicht, was auch nicht besser wurde, als sie selbst von der Dunmer aufgefordert wurde, sich bei Ashkhan Kaushad zu melden, wer auch immer das schon wieder sein mochte. Es war ihr auch egal wie groß die Ehre auch war, inzwischen wäre ihr ein Lagerplatz in der Wildnis entschieden lieber gewesen.
"Jetzt sofort?", fragte sie die Dunmer.
Diese sah sie mit einem leicht pikiertem Blick an, bevor sie antwortete: "Man nicht lässt Ashkhan Kaushad warten."
Seufzend erhob sich Dreveni und machte sich auf die Suche nach dem Zelt. Sie hatte es bald gefunden, es war auch schwerlich zu übersehen, wenn man sich der Mitte des Lagers näherte. Vor dem Eingang des wirklich deutlich größerem Zelt standen zwei Dunmer langen Schwertern die Wache hielten. Dreveni straffte ihre Haltung, wobei sie froh war, wenigstens noch den Dolch und das Schwert an ihrem Gürtel zu haben, auch wenn das ganze nur ein psychologischer Effekt war, sie wagte es nicht einmal, auch nur die Hand an den Knauf zu legen, und ging zielstrebig auf die Wachen zu. Dieser Kaushad sollte sich bloß kurz fassen, sie hatte wirklich genug für heute. Und wenn er nur Dunmeri sprach, hätte sich die Sache ohnehin sofort erledigt. Als sie den Eingang des Zeltes erreicht hatte, trat eine der Wachen vor sie, sprach sie auf Dunmeri in einem bestimmten Tonfall an und zeigte auf ihren Schwertgürtel. Auch ohne seine Worte zu verstehen wurde Dreveni klar, was er von ihr wollte, und das war ganz und gar nicht in ihrem Sinne.
"Ich lege meine Waffen nur zum Schlafen ab. Entweder ich gehe so in das Zelt oder gar nicht.", sagte sie leise, aber bestimmt und sah dem Dunmer vor ihr fest in die Augen, wobei sie den Kopf leicht in den Nacken legen musste.
Immerhin schien er sie zu verstehen, denn er wiederholte seine Worte auf cyrodiilisch: "Ihr werdet Waffen ablegen. Sofort.", dieses Mal mit der Hand am Griff seines Schwertes. Auch die andere Wache reagierte auf diese Weise, stellte Dreveni nach einem kurzen Blick zur Seite fest, und nach kurzem überlegen legte sie mit düsterem Blick und unterstrichen durch einen leisen Fluch den Waffengurt mit ihrem Schwert und dem Dolch hab. Es wäre unklug, jetzt einen Zwischenfall zu provozieren. Als sie ihre Waffen der Wache gereicht hatte, zeigte diese auf das Stilett an ihrem Arm: "Das auch."
"Nein!"
"Ihr nicht betreten Zelt mit Waffen!"
"Das hier werde ich nur ablegen wenn ich tot bin. Ich kann auch..." Bevor Dreveni ihre Drohung einfach wieder zu gehen beenden konnte, hörte sie aus dem Zelt eine befehlsgewohnte Stimme auf Dunmeri etwas sagen, woraufhin die Wache prompt zur Seite trat und ihr bedeutete, das Zelt zu betreten, nicht ohne ihr einen letzten missbilligenden Blick zuzuwerfen.
Tatsächlich fühlte sich Dreveni ohne das Stilett irgendwie nackt, sie legte es oft nicht einmal zum schlafen ab.

Als sie die Plane vor dem Eingang zur Seite geschoben und das Zelt betreten hatte, brauchten ihre Augen ein paar Sekunden um sich an das Zwielicht zu gewöhnen, dass nur von einem kleinen Feuer in einer Schale erhellt wurde. Der Boden des Zeltes war wie auch der in dem ihrer Gastgeber mit Teppichen ausgelegt, nur wirkten diese hier kostbarer. Zwischendurch waren immer wieder große Sitzkissen verteilt, und das Innere des Zeltes war durch Tücher abgeteilt, so dass sie nicht alles überblicken konnte.
Jedenfalls wusste sie jetzt, wer Ashkhan Kaushad war, der große Dunmer der vorhin auch mit ihnen gesprochen hatte, saß auf einem der Kissen und erhob sich jetzt. Er musste älter als Mordan sein, schätzte Dreveni, und man sah seinem scharf geschnittenem Gesicht an, dass er die meiste Zeit seines Lebens im Freien verbracht hatte. Alles in allem war er eine imposante Erscheinung, die eine Autorität ausstrahlte, wie man sie sich nur über lange Jahre erarbeiten konnte.
Unter anderen Umständen hätte Dreveni durchaus gefallen an ihm gefunden, aber gerade stand ihr wirklich nicht der Sinn nach solchen Dingen.
Auch hatte sie nicht vor, sich einschüchtern zu lassen, und so stand sie gerade mit hoch erhobenem Kopf und erwiderte seinen Blick ohne diesem auszuweichen.

"Ich wusste doch sofort, dass ihr eine würdige Kriegerin seid, als ihr in mein Lager tratet. Euer Temperament ehrt euch. Ein wahrer Krieger legt seine Waffen nur ab, wenn er dies wünscht. Setzt euch doch bitte", sprach er Dreveni schließlich mit seiner angenehm tiefen Stimme an. Er sprach gutes Cyrodiil mit einem leichten Akzent in der Aussprache.
Dreveni leistete seiner Aufforderung folge, und musterte ihn weiter schweigend. Das schien ihr im Moment die beste Taktik zu sein, er würde schon auf den Punkt kommen, warum er sie hatte rufen lassen, Leute seines Kalibers musste man einfach etwas reden lassen und ihnen vor allem Zeit geben.
Kaum hatte sie Platz genommen, betrat eine junge Dunmerin das Zelt und stellte ein Tablett mit Essen und Bechern mit dampfendem Tee auf den Boden.
"Bedient euch bitte."
Zwar sah das Essen nach nichts aus, das Dreveni kannte, aber sie war nach diesem langen Tag wirklich hungrig und so griff sie zu. Was auch immer es war - es hatte leichte Ähnlichkeit mit Käse und wirkte fettig, außerdem war es mit irgendwas gesüßt - schmeckte nicht schlecht.
Inzwischen hatte der Ashkhan angefangen von seinem Stamm zu erzählen, wie lange er schon dessen Oberhaupt war und ähnliches mehr. Dreveni ließ ihn reden, was allerdings nicht lange dauerte, und er seinerseits fragte:
"Ihr seid nicht von hier, das wollt ihr doch nicht bestreiten?"
Wunderbar, trau dich. Sags. Sag fremdländische Hure, du wärest nicht der erste...
"Was bringt euch nach Morrowind?"
Inzwischen fühlte sich Dreveni schon leicht seltsam, was sie sich nicht recht erklären konnte, schmeckte doch weder der Tee noch das Essen nach Alkohol. Sie fühlte sich auch nicht wie betrunken. Eher angenehm leicht, entspannt und gleichzeitig wacher als vorhin. Das konnte allerdings auch nur Einbildung sein. Sie berichtete von der Reise hier her, angeblich unter dem Vorwand, das Land ihrer Ahnen kennen zu lernen und Abenteuer zu suchen. Dass sie dabei bei dem Ashkhan in genau die richtige Kerbe schlug, hätte sie an dem Leuchten seiner Augen sehen können, wäre sie etwas aufmerksamer gewesen. Dann hätte sie ihm auch nicht von den zwei Obliviontoren berichtet, bei deren Schließung sie zumindest beteiligt gewesen war.
Inzwischen war das Tablett wieder abgeräumt worden, und der Ashkhan schenkte ihr etwas in einen mit Schnitzereien verzierten Kelch ein.

"Was ist das?", fragte sie, und klang dabei schon nicht mehr gar so skeptisch wie normalerweise.
"Shein.", antwortete er nur, und fing nun seinerseits an, von seinen Kämpfen und Schlachten zu erzählen. Erzählen konnte er, das musste Dreveni zugeben, und der harte und doch irgendwie samtige Akzent in seinem Cyrodiil zusammen mit der Wärme und dem schummrigen Licht in dem Zelt schlug sie so in seinen Bann, dass sie kaum merkte, wie er ihr immer wieder von dem Shein nach schenkte.
Irgendwo in ihrem Bewusstsein regte sich dann doch noch eine Stimme, die sie zur Vorsicht mahnte, und so stellte sie den Kelch neben sich, fest entschlossen, nicht mehr daraus zu trinken. In diesem Shein war - im Gegensatz zu dem Tee - definitiv Alkohol.
"Nun habt ihr gehört, was ich alles für mein Volk getan und wie ich es durch sämtliche Widrigkeiten geführt habe. Sogar der Nerevarine war zu Gast.", dabei sah er Dreveni aufmerksam an, und sie meinte etwas wie leichte Wut in seiner Stimme zu hören.
Und wer bei Oblivion ist der Nerevarine?
Sie nickte wissend, und hoffte, dass er nicht genauer nachfragen würde. Er ging auch nicht näher darauf ein und fuhr fort:
"Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie einsam einen Dunmer meine Position machen kann. Es ist nicht leicht, eine Gefährtin zu finden, die einem Ashkhan würdig ist. Und ich kann mein Volk auch unmöglich ohne Nachfolger verlassen, wenn meine Zeit gekommen ist."
"Da habt ihr sicher recht...", antwortete Dreveni, und blinzelte ihn von unten her an. Mehr um ihren Blick zu klären als ihm zu zuzwinkern, aber sie merkte gerade nicht mehr, wie missverständlich das gewesen war. Was war bloß in dem Wein gewesen? Soviel hatte sie doch auch nun wieder nicht getrunken, davon abgesehen vertrug sie einiges.
"Ich könnte natürlich eine Tochter aus einem der Fürstenhäuser zur Frau nehmen."
"Hm.", brachte Dreveni nur hervor.
"Aber ich glaube nicht dass ein so verweichlichtes Geschöpf richtig an meiner Seite wäre. Ich brauche eine Frau die Mut und Stolz hat, eine Frau die mir starke Söhne schenkt."
Inzwischen war er näher an sie herangerückt, jedenfalls kam es ihr so vor. Davon abgesehen nahm das Gespräch langsam eine ungute Richtung, die Dreveni gar nicht gefiel.
"Und natürlich Töchter, ebenso schön wie ihre Mutter." Dabei strich er Dreveni mit einer Hand durch das schwarze Haar.
Der Schreck klärte ihren Geist wieder, jedenfalls für den Moment, und sie zuckte zurück: "Ich.. ich glaube da liegt ein Missverständnis vor..."
Den Ashkhan schien das nicht zu interessieren: "Wir könnten über alle Stämme des Aschlandes herrschen. Es würde euch an meiner Seite an nichts fehlen. Für eine Frau wie euch ist es sicherlich schwer, einen Mann zu finden, zu dem sie noch aufschauen kann. Wir wären einander wahrlich würdig, ich könnte viele Frauen aus meinem Stamm haben, aber ich habe auf eine wahre Kriegerin gewartet."
Dreveni hatte sich inzwischen erhoben und hielt abwehrend die Hände vor den Oberkörper, Kaushad war ebenfalls aufgestanden und machte keine Anstalten, Abstand zu ihr zu halten.
"Wirklich, euer Angebot ehrt mich, aber..." Ihr war inzwischen ziemlich schwindlig, was ihr im sitzen gar nicht so aufgefallen war.
"Aber?", fragte Kaushad sanft, mit dem Gesicht schon wieder ziemlich nah an ihrem Ohr.
"Aber das geht nicht. Ich.. Tirian. Mein Begleiter. Er würde das nie gut heißen. Ich... Wir.. wir wollen heiraten."
Kurz stand dem Ashkhan die pure Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben, dann brachte er hervor: "Was wollt ihr denn mit diesem Kind? Ihr werdet ihn an meiner Seite noch vor dem Morgengrauen vergessen haben.." Dabei legte er ihr eine Hand auf die Hüfte, mit der anderen Strich er ihr zart über die Wange.
In Drevenis Kopf arbeitete es, wie sie am Besten aus dieser Situation raus kommen konnte. Wie würden die anderen reagieren wenn sie schreiend aus dem Zelt rannte? Aber eine diplomatischere Lösung fiel ihr bei allen Daedrafürsten gerade nicht ein. Wenn es ihr doch nur nicht so schwer gefallen wäre, sich zu konzentrieren. Die unglaubliche Präsenz, die der Dunmer vor ihr ausstrahlte, tat ihr übriges, zusammen mit dem seltsamen Wein.

KingPaddy
19.04.2013, 16:29
Nachdem Tirians Empörung abgeklungen war, unterhielt er sich mit der Weisen Frau recht angeregt über die Kunst des Heilens. Sie war eindeutig von seinen Fähigkeiten überzeugt. Sie erzählte ihm auch, dass genau das ihn auch verdächtig gemacht habe. Einen Heiler, der sowohl auf magische Art und auf alchemistische und vor allem kombinatorisch heilte, traf man selten einfach nur zufällig. Solche Leute reisten normalerweise nicht einfach durch das Land. Der Verdacht lag daher nahe, dass ein Mitglied der Mythischen Morgenröte seine Fähigkeiten nur eingesetzt hatte, um sich Zugang zum Stamm zu verschaffen. Inzwischen war die Dunmer aber offenbar von seinen guten Absichten überzeugt. „So ist das also und ihr reist also durch das Land, um eure Fähigkeiten weiter zu verbessern?“: erkundigte sie sich. „Ja diese Sache mit dem Schiff hat mich erst einmal aus der Bahn geworfen, aber hier auf Vvardenfell habe ich ja ohnehin ein anderes Ziel, wie ihr aus mir herausgebracht habt“: antwortete er und konnte sich diese Spitze einfach nicht verkneifen. Die Aschländerin setzte ein zerknirschtes Gesicht auf. Als Entschädigung bot sie an, etwas von ihrem Wissen mit ihm zu teilen. Sie erklärte ihm, dass viele Kräuter mehr als nur ein, zwei offensichtliche Wirkungen hätten. Das wusste Tirian auch, allerdings war die Weise Frau offenkundig wesentlich versierter. Nicht nur das sie ihm die verborgenen Eigenschaften einiger einheimischer Pflanzen vollständig nennen konnte, sondern sie setzte ihm auch ein Verfahren auseinander, wie er genau diese Eigenschaften herausfiltern konnte. Er hoffte, dass er alles im Kopf behalten würde, vor allem weil ihn noch etwas Anderes währenddessen beschäftigte.

Die Weise Frau hatte ihn zu Gedanken gezwungen, die er eigentlich hatte verdrängen wollen. „Was ist Tarrior eigentlich für ein Dunmer? Wir waren befreundet und kennen uns nun schon seit einigen Jahren, aber ich weis eigentlich so gut wie Nichts über ihn persönlich“: mit dieser innerlichen Feststellung brach der Damm in seinem Kopf. „Er ist mein Vater, aber was weis ich schon über ihn. Meradanz erpresst ihn und wenn Tarrior sogar bis nach Cyrodiil gereist, um es zu tun UND es nicht um eine Tochter ging, muss wirklich etwas Schlimmes sein“: kamen ihm weitere Überlegungen. Tarrior würde sich gewiss nicht so einspannen lassen, wenn der Telvanni nur bluffen würde und es musste wahrlich etwas wirklich Zerstörerisches sein. Tirian konnte sich kaum vorstellen, dass eine ordinäre, peinliche Geschichte aus der Vergangenheit seines Vaters – etwas wie Affäre oder ein Betrug – ausreichen würde, ihn dazu zu zwingen, sich in den Schlund Oblivions zu werfen. „Nein. Da muss mehr dahinter stecken“: befürchtete der Heiler und versuchte vorzustellen, was das sein könnte. Verrat, Mord, Nekromantie – es gab so Einiges und er musste an das Verhalten seines Vaters damals in Cyrodiil denken, als sie in Hrotanda Vale gewesen waren. Er hatte ohne zu zögern selbst bewusstlose Feinde einfach getötet. Er hatte nicht einmal gezögert. Und es hatte ihm womöglich sogar Spaß gemacht. Die Erinnerung daran war eindrücklich, aber auch seltsam verschmiert.

Die Ruine hatte Tirian ohnehin sehr mitgenommen. Doch etwas anderes kam ihm wieder zu Bewusstsein. Er hatte sich auch schon damals gefragt, wie viel er eigentlich wirklich über Tarrior wusste. Und genau bei diesem Gedanken zweifelte er an sich selbst. Tarrior war immerhin sein Vater. „Wie viel von ihm, steckt in mir?“: fragte sich der Heiler. Er wusste nicht, was er getan hatte und wie es um sein Inneres wirklich bestellt war, aber gerade diese Ungewissheit machte ihm noch mehr Angst, weil er dort seine schlimmsten Gedanken hinein projizieren konnte. Er zweifelte an Tarrior und er zweifelte damit an sich selbst. „Bin ich wie er“: fragte er sich und musste an den Redoraner denken, dem er in seiner Wut das Gesicht weg gebrannt hatte. „Ist er so, bin ich wie er?“: pochte die Frage weiterhin in seinem Kopf.

Die Weise Frau bemerkte seine schwindende Konzentration und schaute ihn fragend an. „Ich spüre das ihr euch quält, woran denkt ihr?“: fragte sie. Diesmal nicht misstrauisch, sondern ehrlich aufrichtig, mitfühlend. „Ich… das was… mein Vater und ich… ich weis nicht“: konnte der Dunmer nur herausbringen. Sie sah ihn durchdringend an. Ihre blassroten Augen schienen nirgendwo hinzuschauen, wie zwei milchige Teiche. Sie blickte einfach durch ihn hindurch. Sie wollte offenbar dazu ansetzen, etwas zu sagen, aber in diesem Moment kam eine junge Dunmer in ihr Zelt gerannt und zerstörte den Moment. „Weise Frau. Der Ashkhan!“: sagte sie aufgeregt. Die alte Frau wandte sich ihr umgehend zu.

„Marna. Was hast du auf dem Herzen?“: fragte sie. Die Dunmer warf einen Seitenblick auf Tirian, den sie erst jetzt bemerkte. Sie stoppte, zögerte und druckste dann herum: „Ihr habt… einen Gast… Ich komme besser später wieder.“ Sie wollte sich zum Gehen wenden, doch die Aschländerin hielt sie zurück: „Sprich, Marna. Mein Gast stört nicht.“ Sie druckste noch immer herum. „Nunja, es wäre vielleicht doch besser, wenn er hinausgehen würde“: meinte die junge Dunmer und ihr Blick verriet nur allzu deutlich, dass bei dem Gespräch womöglich um ihn gehen sollte. Eine Anspielung die die Weise Frau entweder nicht verstand, nicht bemerkte oder die ihr einfach egal war. Sie wiederholte ihre Aufforderung zum Sprechen nur noch einmal mit einer Geste. Marna seufzte und setzte sich neben Tirian. Sie schaute noch ein paar Mal zu ihm hinüber, bis ein Stirnrunzeln der Weisen Frau ausreichte, um sie endlich zum Sprechen zu bringen. „Ashkhan Kaushad hat sich für eine Braut entschieden“: sagte Marna und klang ehrlich enttäuscht, als sie die Worte aussprach. Die alte Dunmer zog die Augenbrauen hoch. „Er nimmt sich nun doch jemanden, aus dem Stamm? Hm. Eventuell müssen wir diese Heirat verhindern. In der jetzigen Situation wäre eine Heirat mit der Tochter eines anderen Stammes nützlicher. Ich hoffe Kaushad hat nicht schon wieder eine überstürzte Entscheidung getroffen und jemand vernünftigen auserwählt. Wer ist es?“: sinnierte die alte Frau längere Zeit nach. Tirian war es nun doch etwas peinlich an diesem Gespräch teilzunehmen, wo über die Ehe des Häuptlings wie über einen Staatsakt geredet wurde, was sie vermutlich auch war, aber Tirian in diesem Moment nicht ganz so bewusst, weil er Ehe vor allem mit Liebe in Verbindung brachte.

Wieder schaute Marna zu ihm hinüber und zögerte zu sprechen. „Wer ist es nun?“: wollte die Weise Frau wissen. „Nun ja. Ashkhan Kaushad hat sie zu sich eingeladen und ich habe den Beiden Essen und Getränke serviert. Ich weis nicht genau, ob er sie zur Braut nehmen will, aber die Signale waren doch sehr eindeutig…“: redete sie um den heißen Brei herum und die alte Dunmer war inzwischen auch nicht mehr gewillt, dass noch länger zu akzeptieren. „Wer Marna?“: wiederholte sie ihre Frage. Ihre Stimme hatte einen autoritären Klang. Die junge Dunmerin schluckte, sah noch einmal zu Tirian hinüber und antwortete: Die Fremde. Die Fremde, die heute mit eurem Gast hier eintraf. Kaushad will sie heiraten. Sie ist gerade bei ihm im Zelt und die Stimmung schien ausgelassen, als ich ging.“ In ihrer Stimme lag eine gehörige Portion Neid, die Tirian nicht wahrnahm, weil ihm erst einmal die Kinnlade regelrecht herunterfiel, sich seine Augen ungläubig aufrissen und er nur noch ein fassungsloses „Was?!“ hervorbringen konnte. Ein etwas stärkeres Zucken des Augenlides im ansonsten eher starren Gesicht der Weisen Frau verriet auch ihre Überraschung. „Das ist nicht gut. Sie ist eine Fremdländerin. Jemand aus einem anderen Stamm hätte schon genug Unfrieden im Stamm geschürt, aber eine Fremdländerin…“: überlegte die Alte laut, doch da erhob sich Tirian schon. „Was habt ihr vor?“: wollte sie wissen. Der Dunmer ließ sie ohne eine Antwort zurück und wandte sich zum Gehen. Mossur versperrte plötzlich den Durchgang. „Lass ihn“: gab die Alte klein bei und Mossur ließ Tirian durch, dessen Gedanken in seinem Kopf durcheinander gingen.

Erst als er einige Meter in die Mitte des Dorfes zurückgelegt hatte und das Zelt in Sicht kam, beruhigte er sich soweit, dass er sich ernsthaft fragte, warum er überhaupt so überstürzt aufgebrochen war. Lyviani ging ihn Nichts an. Sie konnte auf sich selbst aufpassen und außerdem war sie nur seine Begleiterin, also hatte er auch keinen Grund in irgendeiner Form eifersüchtig zu sein. Und dennoch beunruhigte ihn die Vorstellung, dass sich die Assassine einfach so einem wildfremden hingeben sollte. „Ausgelassene Stimmung“: rief er sich die Worte Marnas ins Gedächtnis. Das sah Lyviani eigentlich nicht ähnlich. Zwar kannte der Heiler sie kaum, aber zumindest war die Dunmer dem Eindruck nach, den er von ihr hatte, nicht der Typ, der einfach so mit jemandem anbändelte. „Ich muss das mal überprüfen, genau überprüfen…“: redete sich Tirian ein und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf das Zelt, das aufgrund seiner Größe und seiner zentralen Lage, die Behausung des Khans sein musste. Er ging dort hinüber. Die Wächter vor dem Eingang machten allerdings nicht den Eindruck, als würden sie ihn durchlassen wollen. „Solange ich nichts Genaueres weis, wird es besser sein, wenn ich keinen großen Aufruhr verursache“: überlegte der Heiler und schlich um das Zelt herum. Und legte sein Ohr auf das Leder. Gedämpft drangen Stimmen nach draußen. „… glaube nicht dass ein so verweichlichtes Geschöpf richtig an meiner Seite wäre. Ich brauche eine Frau die Mut und Stolz hat, eine Frau die mir starke Söhne schenkt": hörte er. Er zog sein Langschwert und begann etwas die Naht der Zeltes an dieser Stelle etwas aufzutrennen. „"Und natürlich Töchter, ebenso schön wie ihre Mutter“: war der nächste Satz und Tirian fühlte ihn ungut bestätigt, als er durch das kleine Loch spähte, das er sich geschaffen hatte und Lyviani und den Ashkhan von hinten sah. Sie, wie sie sich scheinbar willenlos, seiner doch sehr eindeutigen Annäherung hingab. Er schluckte. Er wollte sich abwenden, denn offenbar schien seine Begleiterin nicht abgeneigt, als er weitere Worte vernahm: "Ich.. ich glaube da liegt ein Missverständnis vor..." Er wurde hellhörig, lauschte direkt weiter.

Er hörte die Versprechungen des Khans und verdrehte die Augen, ob des dargebotenen Größenwahns. „Und nachher versprichst du ihr die Weltherrschaft, wenn sie dich nur heiraten möge“: dachte Tirian und wurde dann schwer überrascht. „Aber das geht nicht. Ich.. Tirian. Mein Begleiter. Er würde das nie gut heißen. Ich... Wir.. wir wollen heiraten“: bei diesen Worten schoss ihm das Blut in den Kopf. „Lyviania… mich heiraten?!“: keuchte er, bis ihm einen Augenblick später klar wurde, dass das nicht sein konnte. Es war eindeutig eine Ausrede. Die Assassine suchte offenbar nach einem Ausweg aus der Situation, in der sie sich befand. Der Ashkhan jedoch ließ sich überhaupt nicht davon beirren, berührte ihren Körper weiter. Er musste unbedingt etwas unternehmen, denn die Dunmer schien keinerlei Anstalten zu machen sich zu wehren, als wäre sie… benommen?. "Was wollt ihr denn mit diesem Kind? Ihr werdet ihn an meiner Seite noch vor dem Morgengrauen vergessen haben..": meinte der Khan dann noch. Tirian fühlte sich nun auch noch deutlich gekränkt. „Dir werde ich zeigen, wer ein Kind ist“: dachte er sich und marschierte los. Eine Wut überkam ihn und tatsächlich hatte er vor einfach an den Wachen vorbei in das Zelt des Häuptlings zu marschieren. Eine starke Hand packte ihn jedoch vorher an der Schulter und hielt ihn zurück. Er drehte sich um und sah in das kantige Gesicht Mossurs. „WAS!“: fuhr er ihn an. In diesem Moment beruhigte sich sein Geist wieder, als ihm bewusst wurde, in welchem Zustand er sich gerade noch befand. „Ihr solltet dies nicht tun“: sagte der Wächter und schüttelte den Kopf. „Aber…“: wollte Tirian widersprechen, da holte der Andere ein kleines Fläschchen hervor. „DAS solltet ihr tun. Die Weise Frau sagte, ihr wüsstet schon, was damit gemeint wäre“: sagte Mossur und gab dem Heiler die Phiole. Anschließend entfernte er sich wieder. Der Dunmer betrachtete das Gefäß einen Moment. Eine blass-grüne Flüssigkeit schwappte darin. Er runzelte die Stirn, bis ihm auffiel, dass Mossur ihm außer der Flasche noch ein Blatt in die Hand gedrückt hatte. Tirians Augen weiteten sich. Er hatte mit der alten Dunmer zuvor noch über diese Pflanze gesprochen und jetzt ahnte er auch, was das für eine Flüssigkeit in dem Fläschchen war.

KingPaddy
20.04.2013, 19:05
Es war inzwischen dunkel geworden und außer den beiden Wächtern vor dem Zelt des Ashkhans war auch niemand weiter zu sehen. Tirian nickte. Er holte aus und warf die Flasche zu den beiden Wachen hinüber. Beim Aufprall auf den Boden zerbarst das filigrane Gefäß. Ein leichter Dampf breitete sich aus, den der Heiler selbst kaum sehen konnte. Die Wächter die wegen des plötzlichen Klirrens in Unruhe geraten waren, bewegten sich auf einmal nur noch sehr fahrig und kippten dann einfach um. Einen kurzen Augenblick wartete der Heiler noch, um sicherzugehen, dass sich das Gas verflüchtigt hatte und ging hinüber. Ein prüfender Blick verriet ihm, dass die Leibwächter tatsächlich bewusstlos waren. Innerlich dankte der Weisen Frau für ihre Hilfe und betrat energisch das Zelt. „Von wegen Kind“: sagte er und versuchte sich der Wut wieder zu besinnen, die ihn zuvor so überkommen hatte, um den richtigen Ton zu treffen. Der Ashkhan wandte sich um und war über diese Störung sichtlich alles andere als erfreut. Er ließ von Lyviani ab, aber baute sich direkt vor ihr auf. „Sie ist zu schade für euch. Ihr seid ihrer nicht würdig. Ich bin es!“: verkündete er auf Dunmeri. Zur Provokation behielt Tirian diesmal das Cyrodiilische bei: „Allein schon, dass ihr das sagt, zeigt, dass ihr Unrecht habt. Ich bin der Überzeugung Lyviani kann selbst darüber befinden, wer ihrer würdig ist und wer nicht und braucht keinen Dahergelaufenen, der dies für sie entscheidet!“ Der Ashkhan schaute beleidigt drein und wurde immer wütender. „Dahergelaufen?! Ich bin Ashkhan Kaushad! Ich herrsche über den wohlhabendsten Stamm der Aschländer. Wie kann ein N’wah, wie ihr es wagen?!“: ereiferte sich. Er legte seine Hand auf die Streitaxt an seiner Seite. Die Assassinin wollte sich einmischen, doch brutal schnitt ihr der Häuptling das Wort ab. „Scheinbar auf die gleiche Art, wie ein S’wit wie ihr, dies wagen kann!“: erwiderte Tirian. Das ging offenbar zu weit. Er zog seine Chitin-Streitaxt, die vor Magie schimmerte und glühte und wohl mit mehr als einem einfachen 0815-Zauber geladen war. Er wollte offenbar angreifen, doch in diesem Moment erhob sich die Assassine und ihrer blitzte ihr Stilett. In diesem Moment war der Heiler doch dankbar dafür, dass Lyviani eine Meuchelmörderin war. Doch das verflog im nächsten Moment.

Der Ashkhan musste die Bedrohung in seinem Rücken wahrgenommen haben und die Dunmer schien im Gegenzug zu ihren sonstigen Kampffähigkeiten, die er schon bewundern durfte, geradezu langsam und tumb. Mit einer schnellen Bewegung schlug der Khan ihr nicht nur das Stilett aus der Hand, sondern schickte sie mit einer schallenden Ohrfeige zu Boden. Tirian musste sich schwer beherrschen, dem Ashkhan in diesem Moment nicht an die Gurgel zu gehen. „Misch dich nicht ein Weib. Dieser Hund hat mich beleidigt“: sagte er und wandte sich von Lyviani, die deutlich geschockt auf dem Boden saß, ab. „Wir machen das jetzt nach alter Sitte im Zweikampf aus. Ich werde ihr beweisen, dass nur ich es Wert bin ihr Mann zu werden. Ich werde dich zertreten wie einen Skrib!“: forderte ihn zum Kampf heraus und begab sich schon in Position. Tirian zog sein Schwert, um sich zumindest verteidigen zu können. Er hatte im Duell keine Chance gegen den Ashkhan. Er stand langjähriger Erfahrung in Nahkampf und enormer Stärke entgegen. Die verzauberte Waffe und die offenbar auch verzauberte Rüstung, die er unter seinem Gewand trug, man konnte sie erkennen, als er seine Waffe zog, machten die Überlegenheit seines Gegenübers nur allzu deutlich. Einen Zweikampf konnte er auf diese Art und Weise nicht gewinnen.

Das war dem Ashkhan seinerseits offenbar auch bewusst und er stürmte ohne Erbarmen los und ließ Schläge auf ihn niederprasseln. Als sich die Axt des Khans mehrmals funkensprühend in seiner Waffe verkeilte, wurde jedoch keine offensive Magie freigesetzt, was Tirian verwunderte. Er nahm diese glückliche Fügung jedoch an und versuchte mit aller Kraft gegen die Schläge zu halten, doch er spürte seine Kraft schnell erlahmen. Als die Schneide der Axt ihm bei einem Schlag nur kurz im Gesicht streifte und ihm eine blutige Strieme hinterließ, begann er Magicka zu pumpen. Seine Stärke erhöhte sich für einen Moment. Mit einem Stoß brach er die Schlagblockade des Gegners auf und warf nun seine Klinge nach Kaushad. Wie erwarten wehrte er sie jedoch mit der Axt ab. Als er sich Tirian nun wieder zuwenden wollte, musst er feststellen, dass der Dunmer auf ihn zugerannt kam und gefährlich nahe war. Er versuchte einen Axtstreich auf weniger als Armlänge. Mit einem satten Geräusch grub sich die Schneide in die Schulter des Heilers. Tirians Gesicht verzog sich vor Schmerz. Wie Butter drang die Waffe durch seine Robe und fraß sich ins Fleisch. Ein unglaubliches Brennen folgte. Jetzt erst zeigte sich die Wirkung der Verzauberung. Offenbar war ein Rüstung auflösen Zauber auf die Axt gewirkt worden. Die Robe begann sich von der Stelle aus, wo die Waffe hineingeschlagen hatte, zu verfallen. Doch Tirian nahm das kaum mehr, höchstens noch am Rande wahr. Sein gesamtes Denken wurde im Moment vom Schmerz und von der Wut auf den Khan bestimmt. Er war ihm nun direkt nahe. Es passte kaum mehr eine Handbreite zwischen sein Gesicht und das Kaushads. Ihre Blicke trafen sich. Der Heiler war entschlossen. Er ergriff den Waffenarm des Aschländers, der noch immer Druck auf die Wunde ausübte und versuchte die Schneide weiter hineinzudrücken. Tirian, in dessen Kopf der Schmerz förmlich explodierte, nutzte nun noch den Rest seines Magickas, das sich während der kurzen Schonzeit seit dem Kampf gegen die Redoraner nur leidlich erholt hatte, und ließ es in den Körper des Khans fließen.

Es dauerte einen kurzen Moment, bevor die Wirkung für Tirian spürbar wurde. Er fühlte… neue Energie, die zu ihm hinströmte. Er presste noch fester zu und versuchte mehr davon zu bekommen. In seinem Kopf verschwand langsam der Schmerz und machte dem süchtigmachenden Gefühl nach neuer Stärke Platz. Der Arm des Ashkhans verdorrte immer schneller unter dem gierigen Griffs des Heilers. Mit Schrecken in den Augen sah Kaushad zu, wie sich die Muskeln darin regelrecht auflösten und die Axt seinen Händen entglitt. Die Schneide löste sich aus der Wunde und viel zu Boden. Blut netzte den stellenweise freigelegten, weil die Robe sich inzwischen in diesem Bereich schon gut aufgelöst hatte, Oberkörper Tirians. Nun packte der Dunmer auch noch mit der anderen Hand zu. Sie griff nach der Kehle des Ashkhans. Inzwischen hatte er sich von dem Schock erholt und wollte sich wehren, doch versagten ihm eindeutig die Kräfte, denn die saugte der Heiler nun voller Genuss aus ihm heraus. Er konnte sich nicht mehr beherrschen. Sein Verstand war wie ausgeschaltet. Während sich der Schnitt auf seiner Wange und die tiefe, triefende Wunde in der Schulter ohne zurückbleibende Spuren schlossen, mergelte Kaushads Körper immer weiter aus. In diesem Moment fühlte er eine Hand, die sich zupackend auf seine Schulter legte. In seinem Kopf manifestierte sich das Bild eines neuen Feindes. Er ließ den Khan los und wollte umfassen, doch in diesem Moment fing er sich einen ordentlichen Schlag ein. Sein Blick klarte auf und er sah Lyviani, die ihn festhielt und versuchte vom Ashkhan wegzureißen.

Tirian kam wieder zu Sinnen. Etwas fassungslos betrachtete er seine Hände. „Wir sollten verschwinden“: sagte sie und er pflichtete ihr bei. Er packte sein Schwert ein und gemeinsam verließen sie das Zelt des Khans schleunigst. Die beiden Wächter waren noch immer bewusstlos, was ihnen gerade gut passte. Außerdem wurden sie schon von Mossur erwartet. Ohne Widerworte oder eine Frage Lyvianis abzuwarten, folgte Tirian dem Leibwächter der Weisen Freu einfach, der sie auch zurück zu seiner Herrin brachte. Sie wartete in der Nacht vor ihrem Zelt und schien besorgt zu sein, doch als sie den Heiler und seine Begleiterin entdeckte, wirkte sie deutlich erleichtert. „Sehr gut. Ihr habt euch den Werbungsversuchen unseres Khans widersetzt. Er kann da manchmal sehr unbedacht sein“: sprach sie und zwar auf Cyrodiilisch, sodass die Assassine es auch verstehen konnte. Dann bemerkte sie die zerstörte Robe des Dunmers. „Oh. Was ist geschehen?“: wollte sie wissen. Tirian fand erst keine Worte. Glücklicherweise nahm ihm seine Begleiterin diese Bürde ab und setzte der alten Frau kurz auseinander, was vorgefallen war. „Ihr braucht euch keine Sorgen machen. Ashkhan Kaushad wird sicherlich von sich aus Nichts unternehmen. Er würde sein Gesicht verlieren, würde er eine Niederlage gegen einen Fremdländer zugeben. Vor allem würde er sich vor dem ganzen Stamm blamieren, wenn er den Grund für dieses Duell offenbart“: beruhigte die Weise Frau sie. Tirian war sich da zwar nicht so sicher, denn er hatte den Ashkhan fast getötet. Er hoffte die alte Dunmerin würde Recht behalten und die Sache fiel nicht auf ihn und Lyviani zurück. „Ihr solltet jetzt zu Ama zurückkehren und das Dorf morgen bei Tagesanbruch verlassen“: empfahl die Weise Frau. Tirian und seine Begleiterin schauten sich kurz an und waren sich einig darin, dieser Empfehlung zu folgen.

Schweigend liefen sie zum Zelt von Ama zurück. In Tirians Geist tobten diese Selbstvorwürfe. Es quälte ihn. Er schaute zu Boden, während er sich einfach nicht erklären konnte, was mit ihm im Zelt des Ashkhans oder früher am Tag bei den Redoranern passiert war. Diese blinde Raserei… Er schloss die Augen. Vielleicht war einfach nur müde. Er fühlte sich tatsächlich sehr erschöpft. Der Tag war lang und seine Kräfte ausgereizt. Es wurde Zeit zu schlafen. Vielleicht würde er dann wieder zu etwas innerer Ruhe finden. Die war ihm schon innerhalb der letzten Wochen mehr als abhanden gekommen. Die letzten Ereignisse hinterließen weitere Spuren. „Ausruhen“: flüsterte er vor sich hin. Da betraten er auch schon Amas Zelt. Es roch nach leckerem Essen. Die Feuerstelle brannte und darüber hing ein Topf der mit einer hellbraunen Flüssigkeit gefüllt war, in der allerlei Zeug schwamm – verschiedene Stückchen an Getier und Gemüse. Tirian war im Moment nicht wählerisch. Etwas Warmes zu essen, war genau das, was er sich jetzt neben einem Bett geradezu sehnsüchtig wünschte. „Ah da ihr ja wieder seid. Essen schon fertig": wurde er von Ama wieder begrüßt. Tirian brachte bloß einen schwachen Gruß zustande und setzte sich teilnahmslos an den Rand der Feuerstelle, abseits von ihr und ihrem Mann, der sich inzwischen auch erhoben hatte. Für Lyviani hatte er im Moment keinen Blick mehr.

Andromeda
20.04.2013, 19:15
Dreveni brauchte ein paar Augenblicke um zu realisieren, wer da in das Zelt gestürmt kam. Als sie dann aber Tirian erkannte, war sie nur noch erleichtert, was nicht lange anhielt, denn nach einem kurzen Wortwechsel forderte der Ashkhan Tirian glatt zum Zweikampf auf, den er anscheinend an Ort und Stelle austragen wollte. Für Dreveni war klar gewesen, dass sie auf jeden Fall ohne Waffengewalt aus dieser Situation kommen wollte, aber dazu war es jetzt zu spät. Der Heiler hatte nicht die geringste Chance gegen Kaushad, und wenn er jetzt starb, sanken auch ihre Chancen das Lager so bald wieder zu verlassen rapide. Sie versuchte sich zu sammeln, zog ihr Stilett und ging auf Kaushad los, der fing ihren Stich allerdings mühelos ab und schlug ihr kräftig ins Gesicht. Dass sie nach hinten auf den Boden fiel war nicht allein der Wucht des Schlages zu verdanken, sondern auch ihrem Zustand, den man nur noch als Unkoordiniert bezeichnen konnte. Was danach kam, geschah fast zu schnell, als das sie es noch wirklich verarbeiten konnte, irgendwann sickerte nur in ihr Bewusstsein, dass der Heiler offenbar gerade dabei war, Kaushad zu erwürgen. Wie zum Henker er das fertig brachte, konnte sie sich nicht erklären, sie wusste nur, dass sie das irgendwie verhindern musste. Sie rappelte sich auf, fasste Tirian an der Schulter und wollte ihn wegziehen, was ihr nicht gelang. Sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen, als ihm kräftig ins Gesicht zu schlagen, woraufhin er schließlich von Kaushad abließ. Einen Moment fürchtete sie schon, er würde jetzt auf sie losgehen, aber dann ließ er sich von ihr aus dem Zelt führen. Dort lagen die Wachen bewusstlos auf dem Boden, und fast automatisch nahm Dreveni ihren Schwertgürtel, der dort ebenfalls auf dem Boden lag.

Inzwischen kam es ihr vor, als würde sie Schlafwandeln, auch die kühle Nachtluft trug nicht wesentlich dazu bei, ihren Kopf wieder klarer zu machen. Sie wurden von einem Dunmer durch das Lager bis zu einer alten Frau geführt, der Dreveni schließlich bruchstückhaft und unzusammenhängend erzählte, was gerade passiert war. Jedenfalls kam es Dreveni absolut wirr vor, die Dunmer schien allerdings zu verstehen.

Schließlich gingen sie wieder zurück zu dem Zelt ihrer Gastgeber, wobei sich Dreveni an Tirians Arm festhielt, um nicht zu wanken. Dieser schien das nicht einmal zu bemerken, und als sie das Zelt fast erreicht hatten und Dreveni das Licht des Feuers durch den Eingang sehen konnte, wusste sie, dass sie jetzt auf keinen Fall wieder in eines dieser Zelte wollte. Hunger hatte sie ohnehin keinen, noch einmal würde sie nichts essen was ihr hier angeboten wurde. Mit was hatte sie dieser Kerl nur vergiftet?
"Ich bleib noch ein bisschen hier draußen.", sagte sie leise zu Tirian, wobei sie sich nicht einmal sicher war ob er sie gehört hatte, ließ seinen Arm los und setzte sich ein paar Meter neben der Seitenwand des Zeltes in die Dunkelheit, den Schwertgürtel ließ sie achtlos neben sich fallen. Hier würde man sie nicht gleich sehen, und sie brauchte jetzt Ruhe, um wieder etwas klarer zu werden und zu verstehen, was gerade überhaupt alles passiert war. Wenn die Welt wieder aufhören würde, sich um sie herum zu drehen, hätte sie auch nichts dagegen. Seufzend ließ sie sich zur Seite kippen, zog die Knie an und legte ihren Kopf auf die Hände. Als sie so auf der Seite lag, ließ wenigstens der Schwindel etwas nach, trotzdem ging es ihr immer noch reichlich elend. Wieso meinten eigentlich alle in letzter Zeit, sie könnten ständig ihre schmierigen Hände an ihr haben? Wäre Tirian nicht dazwischen gegangen, wäre sie morgen früh vermutlich als neue Frau des Ashkhan aufgewacht.
Eigentlich war es nur ihre eigene Schuld, dachte sie. Sie hätte einfach gleich wieder gehen können. Natürlich hätte sie auch nicht unbedingt etwas dagegen gehabt, wenn der Abend vielleicht nicht nur bei Gesprächen geblieben wäre, unter der Voraussetzung dass sie weiterhin ihre Sinne beisammen gehabt hätte. Und er sie nicht mit irgendwas, das sie nicht einmal kannte, gefügig gemacht hätte. Während diesen Gedanken beobachtete sie den Streifen Licht, der aus dem Zelt auf den von dünnem Gras bedeckten Boden fiel und dachte, dass sie eigentlich schon längst hätte reingehen sollen. Aber sie konnte sich beim besten Willen nicht überwinden, inzwischen war ihr einfach nur zum Heulen, und in Tränen ausbrechen wollte sie wirklich nicht vor anderen. Nicht einmal allein hier im dunklen.

KingPaddy
21.04.2013, 15:09
[Tirian]
Ama füllte ihm eine Schale mit dem Fleischtopf und gab ihm dazu noch ein großes Stück Fladenbrot. „Ich hoffe es schmeckt euch“: sagte sie lächelnd. Ihm gegenüber bevorzugte sie eindeutig ihr Dunmeri. Tirian nahm das Essen mit entgegen, nahm mit dem Löffel etwas auf und pustete, bis es eine angenehme Temperatur hatte. Er kostete es. Es schmeckte gut. Er begann sich den Fleischtopf hinein zu schaufeln. Es tat so gut den Magen zu füllen. Dazu biss er ab und an vom knusprigen Fladenbrot ab. „Ich hoffe es schmeckt euch“: sagte Ama und inzwischen fühlte sich Tirian auch wieder mehr in der Lage etwas zu sagen. „Ja, danke. Das tut wirklich gut“: bedankte er sich. Sie lächelte und reichte auch ihrem Mann eine Schüssel. „Ja man sieht euch an, dass ihr das gebraucht habt. Ihr habt heute schwer gekämpft. Da habt ihr euch das auch verdient“: meinte die Aschländerin. „Mehr als du denkst“: dachte der Heiler, der durch den Kommentar wieder an den Ashkhan denken musste. Er hoffte wirklich, dass sich Kaushad von dem magischen Angriff erholte. „Möchte eure Begleiterin eigentlich Nichts essen?“: riss ihn seine Gastgeberin zurück aus seinen Gedanken. Er schaute sich um. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Lyviani gar nicht mit ins Zelt gekommen war.

Ama bemerkte seinen suchenden Blick: „Sie ist noch draußen vor dem Zelt. Ich nahm an, sie wollte noch etwas die frische Abendluft genießen.“ Sein Blick wanderte zum Zelteingang. Die Dunmer drückte ihm eine weitere, volle Schale mit Essen in die Hand. „Vielleicht möchte sie lieber draußen essen. Nehmt ihr das doch bitte mit“: bat sie. Tirian nickte. Die Assassine hatte sicherlich auch Hunger. Er fragte sich gerade, warum die Frau nicht mit hinein gekommen war. Er zuckte mit den Schultern und erhob sich. „Und wenn ihr wieder hereinkommt, könnt ihr uns ja erzählen, was mit eurer Robe geschehen ist“: wies sie ihn noch auf etwas Anderes hin, an das er selbst gar nicht mehr gedacht hatte. Er besah sich seinen halb freiliegenden Oberkörper. Der Zauber der Axt hatte nicht nur die Robe sondern auch das Hemd darunter zersetzt. Er hatte diese Robe gemocht. Er würde eine Menge mehr Stoff brauchen, um sie zu reparieren. Ein Schneider musste bei der nächsten Gelegenheit heran. „Vielleicht“: sagte er und erwiderte das verschmitzte Lächeln der Aschländerin etwas missglückt.

Er trat vor das Zelt und konnte die Dunmerin zunächst nicht sehen. Erst als seine Augen, die inzwischen an das Licht der Feuerstelle gewohnt waren, sich auf die Nacht umstellten, entdeckte er die Assassinin einige Schritte vor dem Eingang im Gras liegend. Er lief zu ihr hinüber und beugte sich schnell herunter. „Geht es euch gut?“: fragte er besorgt. Er suchte ihren Blick, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ging. Er beruhigte sich etwas, als sie ihn ansah.

[Dreveni]
Die Ruhe die Dreveni vor dem Zelt gesucht hatte, wurde jäh gestört, als Tirian ins Freie trat und sich über sie beugte. Das hatte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Sie fühlte sich so überhaupt nicht in der Lage, ihm auch nur vorzumachen, dass alles in Ordnung war. Wenigstens war es so dunkel, dass er ihr Gesicht nicht genau erkennen konnte, hoffte sie jedenfalls.
"Ja, es geht mir gut.", nuschelte sie, klang dabei allerdings wenig überzeugend. Sie setzte sich wieder aufrecht hin, was mit einem erneuten Schwindelanfall belohnt wurde, und legte ihren Kopf auf die angezogenen Knie.
Geh einfach wieder ins Zelt. Bitte. Geh einfach.

[Tirian]
Lyviani sagte, dass mit ihr alles in Ordnung wäre, als sie sich aufsetzte. Sie erweckte ihm gegenüber jedoch nicht diesen Eindruck. Auch die Art wie sie sich hinsetzte, tat nicht unbedingt ein Übriges, um ihn davon zu überzeugen, dass es ihr wirklich gut ging. "Ama hat Essen für uns zubereitet. Ich habe euch etwas mitgebracht". sagte er und stellte die Schale mit dem Fleischtopf neben sie und brach ihr etwas von dem Fladenbrot ab. "Es schmeckt wirklich gut": sagte er. Tirian setzte sich neben sie und betrachtete sie einen Moment nachdenklich. Er erinnerte sich an ihre merkwürdig benommenen Bewegungen im Zelt des Khans. "Geht es euch wirklich gut? Wollt ihr reden?": fragte er nach einem kurzen Moment vorsichtig und aß wieder aus seiner Schale, die er mit nach draußen genommen hatte.

[Dreveni]
Geh mir bloß mit dem Essen weg., dachte sie nur, als er die Schüssel neben sie stellte. Auch tat er ihr nicht den Gefallen, einfach wieder zu gehen. Statt dessen setzte er sich neben sie und fragte weiter. Nein, es ging ihr nicht gut. Nicht nur dass ihr immer noch elendig seltsam war, sie fühlte sich auch nach wie vor so, als würde sie nach spätestens drei Worten in Tränen ausbrechen, wenn sie jetzt mit jemandem reden würde. Was war nur los mit ihr? Es war sonst nicht ihre Art, in Selbstmitleid zu versinken, aber gerade konnte sie einfach weder mit dem Erlebnis mit Kaushad gerade umgehen, noch mit Tirians besorgten Fragen, und auch das was in der Dwemerruine passiert war, war wieder in ihrem Kopf, als wäre es eben erst geschehen.
"Es geht schon.", sagte sie schließlich, hob den Kopf und strich sich mit einer fahrigen Geste das Haar aus dem Gesicht, vermied es aber, Tirian anzusehen.
"Da war nur irgendwas in dem Essen. Oder dem Tee. Ich.. Ich bin ja selber Schuld. Wäret ihr nicht ins Zelt gekommen und..."
Scheiße.
Schnell wischte sie die Tränen aus den Augen, ohne daran zu denken, dass es so erst recht auffiel.

[Tirian]
"Etwas im Essen!?": die Alarmglocken schrillten bei Tirian. Hatte der Ashkhan so etwas nötig? Allerdings würde es die fahrigen Bewegungen der Assassinin erklären. Da sie noch ansprechbar war, konnte es aber keine allzu starke Droge gewesen sein. Sie hatte wohl noch einmal Glück gehabt. Die Dunmer wischte sich durch das Gesicht. "Weinte sie?": fragte er sich überrascht. Mit so etwas hatte er beim besten Willen nicht gerechnet. Lyviani wirkte bisher auf ihn so stark und kalt. Er nahm ihre Schüssel und hielt sie ihr mit etwas Abstand vor das Gesicht. "In diesem Fall ist es besser, wenn ihr etwas zu euch nehmt, dass nicht mit irgendetwas versetzt ist. Soweit ich das beurteilen kann, hat Ama nicht vor uns zu vergiften, zumindest nicht, wenn sie nicht auch noch ihren Mann und sich selbst umbringen will. Etwas in den Magen zu bekommen, hilft eurem Körper die Wirkung dessen, was auch immer euch verabreicht hat, zu bekämpfen. Außerdem hilft es gegen die Übelkeit und bringt euch wieder zu Kräften": sagte er und bot ihr die Schale weiterhin an. "Und macht euch keine Vorwürfe. Wer konnte das schon ahnen? Ich war ja noch rechtzeitig zur Stelle": wollte Tirian sie beruhigen.

[Dreveni]
"Nehmt das bloß weg." Es war ihr egal, ob in diesem Essen auch etwas war oder nicht, sie konnte es gerade nicht einmal sehen, geschweige denn riechen. Und was wußte er schon, was sie sich für Vorwürfe machte. "Ich hätte es ahnen müssen.", sagte sie mit zittriger Stimme. "Er hätte euch fast umgebracht, weil ich nicht vorsichtig genug war. Und wenn ihr nichts mitbekommen hättet, und nicht dazwischen gegangen wäret, dann hätte ich vermutlich dieses Mal nicht soviel Glück gehabt wie in der Dwemer Rui.." Erschrocken hielt sie inne und sah Tirian an. Was tat sie hier eigentlich?

[Tirian]
Er nahm die Schale wieder herunter. Offenbar wollte sie wirklich nicht, obwohl es ihr danach sicherlich besser gehen würde. Sie gab sich selbst die Schuld für alles. Tirian wollte ihr widersprechen, da brach sie plötzlich von selbst ab. Er sah einen Schreck in ihrem Gesicht. "Dieses Mal? Dwemer-Ruine?": ging es ihm durch den Kopf. Etwas belastete sie, dass konnte man ihr ansehen. Sie schaute schon am Nachmittag so traurig. "Hatte etwas damit zutun?": fragte sich der Heiler. "Was ist euch in dieser Ruine zugestoßen?": wollte Tirian wissen und widerstand dem Gefühl Lyviani den Arm um die Schulter legen zu wollen.

[Dreveni]
Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er ihr jetzt endlich recht geben würde. Sie hatte Mist gebaut, nicht nur dieses mal, und jetzt mußte sie auch mit den Folgen leben, wie sie es ihr ganzes Leben bisher gelernt hatte, und auch gut damit gefahren war. Aber von Tirian kam nichts dergleichen.
"Nichts.", sagte sie, seufzte und sah wieder geradeaus. "Ein paar Leute der Mor.. ähm. Naja, wir wurden belauscht und es war ein dummer Zufall, jedenfalls schien ihnen die Ruine ein geeigneter Ort, um in Erfahrung zu bringen, was sie wissen wollten, ich ihnen aber nicht sagen konnte. Selbst wenn ich gewollt hätte. Die zwei, mit denen ich unterwegs war, kamen gerade noch rechtzeitig, bevor sie ihren Fragen noch etwas mehr.. Nachdruck verleihen konnten.", stammelte Dreveni vor sich hin. Sie wußte selbst nicht, warum sie Tirian das jetzt alles erzählte, und ihr jetzt schon wieder Tränen über das Gesicht liefen. Wieso konnte sie das nicht endlich vergessen?

[Tirian]
Er hörte Lyviani zu. Sie versuchte möglichst unbeteiligt zu klingen, doch es misslang ihr sichtbar. Es nahm sie offenbar mit. Tirian konnte aber mochte sich kaum vorstellen, was sie damit meinte, als sie davon sprach, dass "sie ihren Fragen noch etwas mehr.. Nachdruck verleihen" wollten. Er schüttelte den Kopf. Was musste man für eine Vorstellung von der Welt haben, um sich dann auch noch dafür die Schuld zu geben. "Ihr wart weder damals noch heute an irgendetwas Schuld. Ihr sagtet selbst, dass es damals Zufall war und auch heute konntet ihr nicht ahnen, was Kaushad von euch wollte. Ihr brauchtet Hilfe, weil euch das Schicksal übel mitgespielt hat und nicht weil ihr an selbst an irgendetwas Schuld gewesen wäret. Und es ehrt euch, dass ihr euch Gedanken wegen mir gemacht habt, aber ich habe mich nicht in Gefahr begeben euch zu retten, weil ich es musste, sondern weil ich es wollte.": sagte Tirian, der in Anbetracht ihrer Tränen nicht mehr an sich halten konnte und sie nun doch in den Arm nahm. "Ihr meintet, dass ihr euch lieber auf euch selbst verlasst. Doch es gibt Dinge, die ihr nicht kontrollieren könnt. Es ist dann gut Freunde zu haben, die einem helfen können, auch ohne das man von ihnen abhängig ist. Es ist keine Schande Hilfe anzunehmen, wenn man ihrer wirklich bedarf": fügte er noch an und schaute nachdenklich in den Nachthimmel. "Was würde wohl Tarrior darüber denken": überlegte er.

[Dreveni]
Schicksal? Was war daran Schicksal, wenn man alle Vorsicht in den Wind schoss - oder so unvorsichtige Bekannte hatte, die einfach mitten in der Taverne von Dingen sprachen, die nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gehörten? Selbst wenn die Chance, von den Falschen belauscht zu werden, verschwindend gering war? Oder einfach völlig blauäugig der Einladung eines Mannes zu folgen, der sie mit Drogen und Wein abfüllte um sie zur Frau zu nehmen? Gerade wollte sie zu einer Erwiderung ansetzen, da wurde sie von Tirian auch noch in den Arm genommen. Erst war sie völlig verblüfft und wie versteinert, ihr nächster Reflex wäre gewesen, seinen Arm wegzustoßen, aber dafür fehlte ihr gerade die Kraft und der Wille. Wann war sie das letzte Mal von jemanden in den Arm genommen worden? Einfach so, nur weil es ihr gerade nicht gut ging? Es war nicht so, dass Mordan sie früher nicht getröstet hätte, aber er hatte dabei auch darauf geachtet, dass sie aus ihren Fehlern lernte und es ihr auch gesagt, und eben nicht alles vom Schicksal abhängig machte, wenn sie am Leben bleiben wollte.
Er hatte ihr inzwischen allen Wind aus den Segeln genommen, außerdem war sie inzwischen einfach zu erschöpft, um ihm noch groß zu widersprechen. Sie lehnte einfach nur ihren Kopf an seine Schulter und bemühte sich aufzuhören zu weinen. Als sie die Wärme spürte, die von ihm ausging, merkte sie erst, wie kühl es inzwischen hier draußen geworden war.

[Tirian]
Tirian behielt sie im Arm. Sie weinte. Er blieb einfach still sitzen und versuchte ihr etwas Halt zu geben. Mit der Zeit spürte er ein leichtes Zittern, das von Lyviani ausging. Jetzt fühlte er auch die kühle Nachtluft, die über seinen halbnackten Oberkörper strich. Es fröstelte ihn leicht, auch wenn die Wärme, die der Körper der Assassine verströmte, dem entgegen hielt. Es war eine seltsam gedankenleere Situation. Die Strapazen des Tages waren für ihn vergessen und das Entsetzen über seine Raserei sank an den Rand des greifbaren Bewusstseins, wo es ihn in Ruhe ließ, wenn er nicht direkt darüber nachdachte und das tat er im Moment nicht. In diesem Sinn gab ihm auch seine Begleiterin Halt. Er konnte an ihr festhalten und seinen Verstand mit einem Dauerblick in den Nachthimmel leeren. Doch inzwischen wurde auch ihm die Kälte zuviel. Er erhob sich und zog Lyviani mit sich nach oben. Schweigend ging er mit ihr zum Zelt hinüber und bettete sie auf ein Nachtlager, das Ama bereits für sie vorbereitet hatte. Die Aschländerin sagte kein Wort, auch nicht als Tirian noch einmal nach draußen ging, um das zersetzte Hemd und die Robe abzulegen und sich zumindest ein neues Hemd aus seinem Gepäck zu nehmen und die Schüssel mit dem nur noch lauwarmen Fleischtopf mit hereinzunehmen. Er aß pflichtschuldig noch den Rest auf und legte sich neben Lyviani auf das Bettzeug und zog sich die schwere Decke über den Kopf. Auch die geflüsterten Gespräche von Ama und ihrem Mann verstummten irgendwann, ebenso wie das Feuer mit der Zeit immer schwächer wurde. Noch lange bevor es wirklich erlosch, schlief der Heiler auch schon ein.

Andromeda
21.04.2013, 17:42
Dreveni merkte kaum noch, wie sie von Tirian ins Zelt geführt wurde, und kaum lag sie auf dem Lager, schlief sie auch schon ein. Ihr Schlaf war tief und traumlos, und es kam ihr nicht lange vor, als sie wieder aufwachte, aber durch die geschlossenen Lieder schon das Dämmerlicht des Morgens im Zelt wahrnahm. Sie schlug blinzelnd die Augen auf und ihr Blick fiel auf die jetzt erloschene Feuerstelle. Da dämmerte ihr auch langsam wieder, was gestern Abend alles passiert war. Verflucht.
Der Rest im Zelt schien noch zu schlafen, und so blieb sie ebenfalls liegen, während sie versuchte, sich möglichst viel des gestrigen Abends in Erinnerung zu rufen. Sie hatte nicht wirklich Tirian etwas vorgeheu...
Verdammter Mist!, durchfuhr es sie eiskalt. Hatte sie ihr Schwert gestern mit ins Zelt genommen? Nein. Verflucht sein die Neun.
Sie drehte sich auf den Rücken, um aufzustehen, da stieß sie an den schlafenden Tirian, der verdächtig nahe bei ihr lag. Zu nahe, was ihr den nächsten Schock versetzte. Was war gestern noch alles...? Nein. Nein? Bitte nicht.
Inzwischen war sie vollends wach und sprang hektisch auf, nicht ohne sich dabei in die Decke zu wickeln und fast das Gleichgewicht zu verlieren. Sie fing sich gerade noch, hoffte dabei niemanden aufgeweckt zu haben und stellte gleichzeitig fest, dass sie fiese Kopfschmerzen hatte. Immerhin war sie noch vollständig angezogen.
Schnell verließ sie das Zelt, bevor sie doch noch über etwas stolpern und alle aufwecken würde. Draußen blieb sie kurz stehen und blinzelte in den Sonnenaufgang. Als sie ihren Blick schweifen ließ, sah sie den Griff des Schwertes im Morgenlicht blitzen und atmete erleichtert auf.
Sie schlang sich den Gurt um die Hüften und ging dann zu ihrem Guar. Das Tier schnaubte als es Dreveni erblickte und sie tätschelte ihm den breiten Schädel. Dann suchte sie ihren Kamm, kämmte sich und schlang die Haare im Nacken zu einem tiefen Knoten. Danach schüttete sie sich etwas Wasser aus ihrem Trinkschlauch ins Gesicht, inzwischen hatten auch ihre Kopfschmerzen etwas nachgelassen. Sie waren immer noch fies, würden sie aber nicht weiter behindern.

Es war noch ziemlich früh und so saß sie mit geschlossenen Augen noch eine Weile bei dem Guar und versuchte noch einmal den gestrigen Abend zu rekapitulieren. An sich fehlte ihr nichts und sie schien sich noch an alles zu erinnern. Nun ja, sie würde das Gespräch nicht mehr darauf lenken und hoffte dass Tirian es ebenfalls nicht tat. Da fiel ihr wieder ein wie er Kaushad gewürgt hatte. Das hatte sie gestern schon erstaunt, wäre sie nicht dazwischen wäre der Ashkhan wohl ein toter Mann. Was er sowieso war, sollte er ihr jemals alleine begegnen.

Langsam ging sie wieder ins Zelt, in dem inzwischen die anderen erwacht waren. Ama wärmte das Essen von gestern noch einmal auf, bei dessen Anblick sich Dreveni fast wieder der Magen umdrehte. Nicht dass es schlecht gerochen hätte, und anscheinend war da wirklich nichts drinnen, das nicht hinein gehörte, aber ihr reichte es schlicht und ergreifend.
Sie entschuldigte sich bei Ama, dass es ihr nicht gut ging, was ihr einen missbilligenden Blick von Tirian einbrachte, der es wohl für ausgesprochen unhöflich hielt. Sollte er ruhig noch Frühstücken, sie würde draußen warten. Nachdem sie sich bei Ama bedankt und mit einem Seitenblick zu dem Heiler nochmals entschuldigt hatte, ging sie. Als Tirian nach einer Weile das Zelt verließ, kam noch der Dunmer vorbei, der sie gestern durch das Lager geführt hatte und verabschiedete sich im Namen der alten Frau.
Dreveni stand teilnahmslos dabei und wartete nur ungeduldig, dass sie endlich aufbrechen konnten. Sie wollte so schnell wie möglich soviel Strecke wie möglich zwischen sich und diesen Stamm bringen.

Schließlich schafften sie es tatsächlich unbehelligt aus dem Lager und liefen neben dem Guar weiter Richtung Süden. Dreveni warf Tirian immer wieder einen Blick von der Seite zu, aber er tat so als würde er es nicht merken oder es fiel ihm tatsächlich nicht auf. Jedenfalls sprach er den gestrigen Abend von sich aus nicht mehr an, was ihr mehr als Recht war.
Nach einer Weile siegte aber doch ihre Neugier und sie fragte ihn:
"Was bei den Höllen Oblivions habt ihr eigentlich gestern mit Kaushad gemacht? Ihr mögt ja vielleicht stärker sein als ihr ausseht, aber so stark um ihn mit bloßen Händen zu würgen und ihn in diesen.. Zustand zu versetzen, dann doch nicht. Was war das?"

KingPaddy
23.04.2013, 15:31
[Tirian]
Tirian verbrachte eine traumlose Nacht, die erst durch seltsame Geräusche und und plötzlich Bewegung im Bettzeug neben ihm gestört wurde. Er öffnete kurz ein Auge und sah, wie Lyviani aus dem Zelt entschwand und schloss es danach wieder. Er wollte noch etwas schlafen. Leider war ihm das nicht allzu lange vergönnt, denn Ama und ihr Mann erwachten ebenfalls bald und die Frau machte sich schon daran ein neues Feuer zu entfachen, um das Essen des gestrigen Abends wieder aufzuwärmen, dass ihn dann schließlich auch unter Decke hervorlockte. Er hatte weniger gegessen als er gewollt hatte und war schon wieder oder immer noch, er konnte es nicht genau sagen, hungrig. Auch wenn die Assassine bald wieder ins Zelt kam und auf einen raschen Aufbruch drängte, bestand er auf dem Frühstück. Der Heiler schenkte seiner Begleiterin auch noch einen missbilligenden Blick als sie das Essen ein weiteres Mal verschmähen wollte. Das war sogar ziemlich unhöflich bei der Mühe, die sich die Aschländerin offenbar gemacht hatte. Allerdings aß Tirian soviel wie für zwei, sodass zumindest kaum etwas übrig blieb. Auf Lyvianis Drängen hin beschlossen sie dann auch bald aufzubrechen. Sie verabschiedeten sich von ihren Gastgebern, sogar Mossur kam mit einem Abschiedsgruß der Weisen Frau vor ihrer Abreise noch vorbei, und machten sich dann schließlich auf den Weg.

Sie ließen das Lager schnell hinter sich. Die Meuchlerin gab einen schnellen Schritt vor, der sich erst etwas verlangsamte, als sie etwas Entfernung zwischen sich und das Dorf gebracht hatten. Ihr Gesichtsausdruck war wieder so kühl und geschäftig wie sonst auch, allerdings schaute sie öfter zu ihm hinüber. Er fragte sich, ob etwas passiert war, das er wissen müsste, aber sie sagte auch Nichts, weshalb er versuchte ihre Blicken, die er nicht zuordnen konnte, zu ignorieren. Gerade als Lyviani wieder zu ihm hinüber blickte und er sich doch entschied, zu fragen, was los sei, sprach sie ihn selbst an. Sie fragte nach dem Kampf mit Kaushad und wollte wissen, wie er ihn nieder gerungen hatte. Tirian fühlte sich unschön an die Raserei des vergangenen Abends erinnert. "Ach ich hab ihn einfach nur überrascht und richtig zu packen bekommen": wich er ihrer Frage aus.

[Dreveni]
Bei Tirians Antwort blieb Dreveni stehen und sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an, während sie die Arme vor der Brust verschränkte. Das glaubte er doch wohl selber nicht.
"Nehmt mich nicht auf den Arm. Einen Mann von Kaushads Größe und sicher auch Kraft bekommt man nicht einfach mal richtig zu packen. Vor allem nicht mit einer Axt in der Schulter."
Sie beobachtete ihn einen Augenblick prüfend - wirklich sicher dass ihr von dem Abend gestern nicht doch der letzte Teil fehlte war sie sich immer noch nicht - bevor sie weitersprach: "Nichts gegen euch, aber so kräftig seid ihr auch nicht. Ich kenne noch ganz andere Kaliber die hoffnungslos unterlegen gewesen wären gestern."

[Tirian]
Lyviani blieb stehen und schaute ihn an. Sie wollte es wissen, dass konnte man ihr ansehen und prompt widerlegte sie auch noch seine Version des Hergangs. Sie hatte ihn. Kaushad war wirklich ein ziemlicher Brocken. Tirian wusste, wie lächerlich es wäre, dem widersprechen zu wollen. Als sie dann auch noch die Axt erwähnte, erledigte sich auch der Rest seiner Ausflüchte. Schuldbewusst sah er zu Boden. "Ich habe Magie eingesetzt. Ich habe meine Muskelkraft verstärkt und habe ihn dann zu Boden gezwungen": verdrehte er die Wahrheit in der Hoffnung, dass es der Assassine reichen würde. "Können wir jetzt bitte weiter?": fügte er an und wollte an ihr vorbei treten.

[Dreveni]
"Können wir nicht.", sagte sie, während sie vor ihm stehen blieb.
Das könnte es tatsächlich gewesen sein, sie erinnerte sich daran, als er ihr den Arm festgehalten hatte, als sie den Gefangenen erstechen wollte und sie das prickeln von Magie gespürt hatte. Sie sah ebenfalls kurz zu Boden, als sie sich die Szene im Zelt noch einmal in Erinnerung rief. Sie glaubte ihm nicht, seine ganze Haltung zeigte ihr, dass er ihr noch etwas verschwieg, soviel Menschenkenntnis hatte sie inzwischen dann doch. Und wirklich, da war noch etwas.
"Und gleichzeitig habt ihr nebenbei noch eure Schulter geheilt, während ihr dabei wart, ihn umzubringen?", fragte sie schließlich skeptisch. "Nebenbei bemerkt war das einer der seltenen Fälle, in dem ein Mord mehr als ungünstig gewesen wäre.", fügte sie noch gedankenlos und mehr zu sich selbst hinzu.

[Tirian]
"Nebenbei bemerkt war das einer der seltenen Fälle, in dem ein Mord mehr als ungünstig gewesen wäre": sagte sie ihm. Tirian empfand es geradezu als unangemessen, dass sie jetzt noch Salz in diese Wunde streute, obwohl sie hier die Auftragsmörderin war. Aber er hatte sich das auch verdient, schließlich hatte sie Recht. Der Heiler wusste das und es quälte ihn. Zum zweiten Mal an einem Tag hatte er die Kontrolle über sich verloren. Was war nur mit ihm los gewesen? Er schämte sich dafür, denn beinahe wäre wieder jemand zu Tode gekommen. Und anhand ihrer Worte wusste er das Lyviani auf der Spur nach etwas noch Beschämenderen war. "Natürlich. Schließlich bin ich ein passabler Heiler": sagte er versuchte sich wieder an ihn vorbei zu drücken.

[Dreveni]
Dreveni konnte nicht genau sagen, was sich für Gefühle im Gesicht des Heilers spiegelten, aber mit irgendetwas, das sie gesagt hatte, schien sie voll getroffen zu haben. Nicht dass es ihre Absicht gewesen wäre, nur zu gut erinnerte sie sich an Tirians Bemühungen gestern Abend, auch wenn sie die ganze Sache am liebsten vergessen hätte. Plötzlich sah sie wieder das verschmorte Gesicht des Söldners vor sich.
Und was für ein Heiler du bist.
"Schwachsinn.", sagte sie und hielt ihn an den Schultern fest, bevor er sich an ihr vorbeischieben konnte.
"Ihr hättet gestern den Ashkhan dieses Stammes in seinem eigenen Zelt fast ermordet. Ihr hättet ihn umgebracht hätte ich euch nicht aufgehalten." Während sie sprach sah sie ihm fest ins Gesicht. Inzwischen sah sie die Szene in dem Zelt wieder ziemlich deutlich vor sich. Und auch Tirian, wie er am Hals Kaushads hing.
"Ich erkenne Mordlust wenn ich sie sehe.", sagte sie leise und und fast sanft, ohne jeden Vorwurf in der Stimme. Inzwischen war es fast zweitrangig geworden, wie er es getan hatte, auch wenn es Dreveni immer noch interessierte. Aber langsam bekam sie den Eindruck, dass dahinter mehr steckte, als man auf Anhieb sehen konnte.

[Tirian]
"Ich erkenne Mordlust, wenn ich sie sehe": das waren die Worte die Tirian völlig aus der Bahn warfen. Er wollte sich hinsetzen oder anlehnen, aber sah weder einen Stein noch einen Baum. Er sah nur Lyviani, die sich vor ihm aufgebaut hatte und keine Ruhe geben würde. Er schlug die Hände vor das Gesicht, nahm sie jedoch wieder runter. "Ihr habt Recht ich hätte ihn fast getötet. Ich... war nicht mehr Herr meiner Sinne. Dieser Schmerz... und dann diese Wut. Wie bei dem Anderen... Und doch... ich hätte es nicht nicht tun dürfen. Nicht auf diese Weise... Ein Heiler hätte das nicht tun dürfen...": stammelte er und ließ sich abseits des Weges, den sie beschritten ins Gras sinken. Sein Blick musste seine Zerknirschung deutlich widerspiegeln.

[Dreveni]
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Tirian so heftig reagieren würde. Und auch nicht damit, dass es ihr gerade fast schon leid tat. Bei jedem anderen hätte sie sich eine Notiz in Gedanken gemacht, wo dessen wunder Punkt war, in den sie bohren konnte, wenn es die Situation erforderte - sprich er nicht spurte wie es Dreveni vorschwebte.
Der Heiler ließ sich ins Gras am Wegrand sinken und sah zerknirscht vor sich hin. Wesentlich mehr als zerknirscht kam er ihr allerdings ehrlich erschüttert vor. Fast regte sich so etwas wie Reue in ihr, das hatte sie nicht gewollt. Auch wenn sie der Meinung war, dass man sich dem stellen mußte, was man getan hatte.
Seufzend setzte sie sich neben ihn und sah ihn von der Seite an. "Ich war vielleicht etwas.. direkt.", sagte sie leise. Das war weit mehr an Entschuldigung als ihr normalerweise über die Lippen kam. Was sollte sie jetzt zu ihm sagen? Sie hatte noch nie jemand gesehen, der über sich selbst so fassungslos war, weil er in Notwehr etwas über die Stränge geschlagen hatte. "Ihr wurdet angegriffen, beide Male. Ihr seid auch nur ein Mensch."
Wenn auch mit den Fähigkeiten andere die weit stärker sind ins Jenseits zu befördern., dachte sie, sprach es aber nicht aus.

[Tirian]
Er atmete tief durch und versuchte sich zu sammeln. Hatte sie nicht recht? Immerhin hatten die Beiden ihn mit der Absicht angegriffen, ihn zu töten. Musste ihm der Tod des Redoraners deshalb nicht mehr leid tun? Er forschte in seinem Innern. Er fand eine Stimme die ihn einen Heuchler geschimpft hätte, wenn er dieser Regung nachgab. Nein. Nur weil sie ihn töten wollte, musste er nicht ebenso handeln, wenn es nicht unbedingt nötig war. Weder Redoraner hätte sterben müssen und Kaushad schon gar nicht. Noch mehr nahm ihm aber nicht der Tote Redoraner mit, sondern viel mehr Kaushad, der ja sogar überlebt hatte. Es war nicht die Zerstörungsmagie gewesen, die den Ashkhan fast das Leben gekostet hatte, sondern die Schule der Wiederherstellung, die eigentlich lindern, helfen und heilen sollte und die er dazu missbraucht hatte, anderes Leben zu vernichten. Das einzige was er als Entschuldigung zuließ, war die Tatsache, dass der Zauber womöglich sein Eigenes gerettet hatte.

Er sah Lyviani an. "Ich traue mir nicht mehr": sagte Tirian und seufzte. "Ich bin mir schon seit Wochen nicht mehr sicher, ob nicht noch ein Anderer in mir steckt. Das ich eigentlich jemand anderes sein müsste": versuchte er die Gedanken zu beschreiben, die ihn überkommen hatten, nachdem er herausgefunden hatte, dass Tarrior sein Vater war. Lyviani unterbrach ihn nicht. "Ich habe Angst davor, wozu ich fähig sein könnte": brachte er schließlich hervor und sah schuldbewusst zu Boden. "Kaushad. Diese Magie. Es war kein einfacher Stärkungszauber": gab er schließlich zu. Die Scham war wieder da. Er fühlte sich schuldig daran, seine Ideale verraten zu haben.

[Dreveni]
Tirian schien zu überlegen, und Dreveni unterbrach ihn nicht. Als er Dreveni wieder ansah und weitersprach, hatte sie mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass er ihr einen derartigen Einblick in sein innerstes geben würde. Sie erinnerte sich an den Anfang ihrer Reise, wie er versucht hatte, sie von der Kostbarkeit des Lebens zu überzeugen. In diesem Zusammenhang gewannen die Worte, die er jetzt an sie gerichtet hatte, zusätzliches Gewicht. Als sie ihn so ansah, meinte sie fast seinen Konflikt selbst zu spüren, und so etwas wie Anteilnahme und Mitgefühl schlich sich in ihre Gedanken, die sich kurz in ihrem Blick zeigten. Nicht ohne eine leise, warnende Stimme im Schlepptau: Hör auf dich so für ihn zu interessieren, du weißt wo das hinführt.
Da kam ihr ein Spruch in den Sinn, den ihr Mordan einmal gesagt hatte, auch wenn sie schon lange den Zusammenhang vergessen hatte. "Der härteste Kampf ist der gegen sich selber. Und auch der einzige, den man nicht gewinnen kann.", sagte sie gedankenverloren.
"Ich denke ihr habt gesehen, wozu ihr fähig wärt. Es hat keinen Sinn, das zu verleugnen.", richtete sie ihre Worte wieder direkt an den Heiler. "Was war es denn für ein Zauber?" Dreveni glaubte die Antwort schon zu kennen, wollte es aber von Tirian hören.

[Tirian]
"Der Kampf gegen sich selbst": diese Worte hallten in ihm nach. Die Frage für ihn war, ob man ihn tatsächlich nicht gewinnen konnte, ob dies sein Leben auf ewig bestimmen würde. Er wusste es nicht. Aber das war kein Grund aufzugeben. Wenn er dem nachgeben würde, könnte er sich kaum mehr im Spiegel anschauen. Er hatte immer versucht ein guter Dunmer zu sein. Für ihn war es immer selbstverständlich gewesen anderen zu helfen, doch inzwischen zweifelte er daran. War etwas Anderes vielleicht seine wahre Natur?

"Ich denke ihr habt gesehen, wozu ihr fähig wärt. Es hat keinen Sinn, das zu verleugnen": meinte Lyviani. Sie hatte Recht und doch Unrecht. "Ich wusste das ich die Befähigung habe, aber... diese Wut": konnte er es selbst nicht einordnen. "Dieser Zauber": fuhr er fort: "nennt sich Leben entziehen. Es ist in meinen Augen die Perversion eines Heilzaubers. Er ermöglicht es die Lebensenergie, die Kraft, die Vitalität eines Gegners völlig auszusaugen, um sich selbst damit zu heilen oder zu stärken, wenn man nicht verletzt ist. Man kehrt damit den Fluss heilender Energien einfach um. Jeder befähigte, magische Heiler kann dies theoretisch, aber viele schrecken aus berechtigtem Grund davor zurück, weil es ein Verrat an allem ist, an das wir glauben - Magie, die eigentlich heilen soll, dazu zu benutzen, um Leben zu nehmen. Das Opfer wird ausgezehrt, wie Kaushad gestern. Im Zweifelsfall kann man sich von einem Gegner nähren, um sein eigenes Leben retten. Dafür wurde dieser Zauber ursprünglich entwickelt, aber ihr habt gesehen, dass auch ein Missbrauch möglich ist. Es ist ohnehin schwer die Kontrolle zu behalten, weil es dem Anwender über die reine Heilung hinaus ein wahnsinnig gutes Gefühl verschafft, aber wenn man... in diesem Zustand ist, wie ich..."

Tirian brach ab. "Der Kampf, den man nicht gewinnen kann": ging es ihm wieder durch den Kopf. "Manchmal frage ich mich, ob ich nicht jemand anders hätte werden sollen": überlegte der Heiler laut.

[Dreveni]
Während sie Tirian zuhörte, massierte Dreveni mit Daumen und Zeigefinger ihre Stirn über den Augenbrauen. Ihr tat immer noch der Kopf weh, und dieses Gespräch trug auch nicht gerade zur Besserung bei. Daher wehte also der Wind. Dreveni war in dieser Sache ganz anderer Ansichten. Ihrer Meinung nach waren Dinge weder gut noch schlecht, oder ausschließlich zu einem Zweck vorhanden. Man benutzte sie eben der Situation entsprechend, egal ob man damit schadete oder nützte. Und trotzdem konnte sie Tirians Punkt nachvollziehen, wenigstens im Ansatz. Bei seinem letzten Satz reichte es ihr aber. Sie stand auf, ging ein paar Schritte und drehte sich dann wieder zu Tirian um.
"Jemand anderes werden sollen? Ihr zweifelt jetzt nicht wirklich alles an, was ihr bisher getan habt, wofür ihr gelebt habt, nur weil ihr ein paar Mal die Kontrolle verloren habt? Weil ihr euch gewehrt habt und eben zu den Mitteln gegriffen habt, die ihr beherrscht?", fragte sie ihn energisch.
"Ihr wart wütend, verwundet, und nicht mehr ganz Herr eurer Sinne. Und selbst wenn, macht es euch nicht zu einer schlechteren Person. Wie viele habt ihr inzwischen schon geheilt? Wie vielen habt ihr das Leben gerettet? Meint ihr nicht, das wiegt weit schwerer?", fuhr sie fort, ihre Worte durch ausladende Gesten unterstreichend. "Könnt ihr euch auch nur vorstellen, wie viele Leben ich schon ausgelöscht habe? Und trotzdem wart ihr gestern Abend da und habt mich nicht pauschal verurteilt.", rutschte ihr noch heraus, obwohl sie den Abend eigentlich ruhen lassen wollte.
Inzwischen hatte sie sich aber so in Rage geredet, dass es ihr fast schon egal war. Sie wusste nicht warum, aber sie wollte nicht das Tirian jetzt alles anzweifelte, an was er glaubte. Sie erinnerte sich daran, wie er sie mit seinen Reden und Idealen fasziniert hatte. Schließlich legte sie mit einer schnellen Bewegung ihren Waffengürtel ab, und ließ ihn demonstrativ auf den Boden fallen, nachdem sie ihren Dolch gezogen hatte, welchen sie Tirian vor die Füße warf. "Nehmt ihn. Wäret ihr fähig, jetzt so auf mich loszugehen? Auf einen unbewaffneten?" Während sie sprach, hatte sie auch noch ihr Stilett neben das Schwert auf den Boden fallen lassen. Herausfordernd sah sie ihn nun an, die Arme leicht zur Seite gestreckt, die Handflächen ihm zugewandt.

Andromeda
24.04.2013, 19:41
[Tirian]
Tirian griff nach dem Dolch. Er nahm in die Hand und besah ihn sich ausdauernd. Er fuhr mit dem Finger die Klinge nach. Sie war kalt. Er hatte zumindest erwartet eine gewisse Faszination zu spüren, als er ihn in der Hand hatte, doch Nichts davon war der Fall. Er besah sich Lyviani. Nicht einmal, wenn sie bewaffnet gewesen wäre, hätte er auch nur im Traum daran gedacht, auf sie los zugehen. Er stand auf und ging auf die Assassine zu. Den Dolch hielt er fest in seiner Hand. Er stand direkt vor ihr. Sie schaute ihn herausfordernd an. So sehr der Heiler seinen Körper auch zwingen wollte, zumindest zur Probe einmal auszuholen, es gelang ihm nicht. Er hob den Dolch hoch und setzte die Spitze Lyviani an den Hals. Er zitterte. Sie sah ihn immer noch an. Er fühlte... Nichts - keine Aufregung, keine Spannung, keine Befriedigung. Das Einzige was nur in Spuren vorhanden war, war ein Gefühl der Hemmnis in seinem Kopf, das nur nicht stärker war, weil er ohnehin nicht vorhatte seiner Begleiterin etwas anzutun. Er nahm die Klinge herunter und gab sie der Dunmer zurück in die Hand und trat einen Schritt zurück. "Nein das bin ich nicht": sagte er kopfschüttelnd. Er sah in den Himmel, musste wieder an Tarrior denken. "Ihr habt Recht und doch... Sagt, erinnert ihr euch noch an eure Eltern?": fragte Tirian.

[Dreveni]
Dreveni beobachtete Tirian genau, als er nach dem Dolch griff und über die Klinge strich. Sie fragte sich ob ihm bewußt war, wieviele Menschen und Elfen sie mit dieser Klinge schon hinterrücks erstochen hatte. Vermutlich nicht.
Dreveni ihrerseits fiel es schwer einzuschätzen, was der Heiler jetzt wirklich tun würde. Sie glaubte nicht, dass er wie ein Berserker auf sie losgehen würde, hielt sich aber doch bereit auszuweichen und seine seltsamen umgedrehten Heilzauber durch einen Stillezauber zu unterbinden.
Nichts dergleichen geschah, er hielt ihr nur mit zittriger Hand die Spitze des Dolches an ihren Hals. Schließlich trat er zurück und gab die Waffe wieder Dreveni.
Sagte ich es nicht? Es braucht mehr als gelegentliche Aussetzer, um alles in Zweifel zu ziehen.
Seine nächste Frage kam allerdings völlig unerwartet. Was hatte er nur für seltsame Gedankensprünge?
"Nein?", antwortete Dreveni leicht perplex. "Das kommt darauf an. Ich weiß, wer mich aufgezogen hat. Meine leiblichen Eltern kenne ich nicht.", fügte sie noch an, nachdem sie Tirian kurz gemustert hatte.

[Tirian]
"Sie weiß also Nichts von ihnen?": ging es Tirian durch den Kopf, während er sich wieder hinsetzte. "Das tut mir leid": sagte er mitfühlend und zögerte. Ihm fehlten die Worte. Er dachte einen Moment nach, bevor er sprach: "Denkt ihr manchmal darüber nach, ob ihr etwas von ihnen geerbt habt? Ich meine nicht euer Aussehen, sondern ob ihr ihnen auch vom Charakter her ähnlich gewesen wärt - das ihr etwas an euch sucht, dass von einem der Beiden stammt?" Er kam sich selbst ziemlich idiotisch vor, als er das fragte. Er schaute sie an und wartete auf eine Antwort.

[Dreveni]
Was soll dass denn jetzt?, dachte sich Dreveni auf Tirians fragen. Sie sah noch immer nicht, wie der Heiler jetzt auf dieses Thema kam.
"Es braucht euch nicht leid tun. Wie gesagt, ich kannte sie nicht. Der Mann der mich aufgenommen hat ist für mich wie ein Vater." Sie überlegte kurz, während sie versuchte in Tirians Gesicht zu lesen. "Natürlich habe ich mich oft gefragt, wer meine Eltern sind und wie sie gelebt haben. Und vermutlich bin ich ihnen ähnlich, immerhin sind es meine leiblichen Eltern. Aber was spielt dass denn für eine Rolle? Ich bin wie ich bin, was macht es für einen Unterschied ob ich manche Eigenschaften von meiner Mutter oder meinem Vater habe?" Während sie sprach, hatte sie sich nach ihrem Schwertgürtel und dem Stilett gebückt und beides aufgehoben, ohne Tirian aus den Augen zu lassen. Tatsächlich hatte sich Dreveni widerholt gefragt, wer ihre Eltern waren und warum sie sie weggeben mußten. Ob sie überhaupt noch lebten. Aber nicht in dem Sinne, wie Tirian es zu meinen schien. Jedenfalls bis jetzt nicht.
"Ihr glaubt aber auch, dass euch diese Eigenschaften zu dem machen der ihr seid? Wenn es ein Teil eures Charakters ist, glaubt ihr nicht, dass es dann auch euer Leben bestimmt?": stellte der Heiler eine weitere Frage.
Dreveni schloß für einen Moment die Augen, bevor sie den Heiler wieder mit purer Skepsis in ihrem Gesicht ansah. "Was sind denn das für Fragen? Natürlich macht mich das zu dem was ich bin. Hätte ich nicht das geringste Talent zum kämpfen, wäre ich vermutlich keine Assassine geworden. Wäre ich nervös, ängstlich oder übervorsichtig vermutlich auch nicht. Worauf bei allen Höllen Oblivions wollt ihr eigentlich hinaus?"

[Tirian]
"Worauf ich hinaus will?": er verzog leicht das Gesicht. "Wisst ihr, ich bin ohne meinen leiblichen Vater aufgewachsen. Meine Mutter hatte mir erzählt, dass er sie verlassen hat, als sie schwanger wurde. Sie hat nie schlecht über ihn gesprochen, aber auch sonst nie etwas von ihm erzählt. Da sie kurz darauf einen anderen Mann heiratete, den ich dann als meinen Vater kennenlernte, wäre das wohl auch nicht gerecht ihm gegenüber gewesen, wenn gleich sie mir nicht verschweigen wollte, dass mein Vater eben nicht mein Vater ist. Ich habe mich seit damals oft gefragt, wie er wohl so sei, ob wir uns ähnlich wären und ob ich ihn erkennen würde, wenn wir uns zufällig begegneten. Und natürlich habe ich mich auch oft gefragt, was an mir von ihm ist": erzählte er.

Tirian musste tief Luft holen, bevor er weitersprechen konnte: "Vor wenigen Wochen erfuhr ich, wer mein Vater ist. Ironischerweise war ich ihm tatsächlich zuvor schon einmal begegnet. Wir haben uns nicht erkannt. Eigentlich ist er ganz umgänglich und freundlich, aber er hat auch etwas Anderes an sich - einen gewissen Jähzorn und auch Kaltblütigkeit. Außerdem steckt er wohl wegen eines schlimmen Ereignisses in seiner Vergangenheit im Moment in Schwierigkeiten und ich quäle mich auch mit der Frage danach, was er Schreckliches getan haben musste, um das auf sich zu ziehen. Ich frage mich wozu er fähig sein konnte und in meinen Gedanken sehe ich da die schrecklichsten Dinge." Während der ganzen Zeit blickte er zu Boden. Er konnte und wollte Lyviani dabei nicht anschauen, zu real waren die Bilder aus seinen Erinnerungen und seinen Gedanken, die sich vor einen Augen manifestierten. Er wusste nicht einmal, ob sie überhaupt noch zuhörte.

Noch einmal atmete er tief durch. "Noch immer frage ich mich, was von meinem Vater in mir steckt, doch fürchte ich die Antwort auf diese Frage. Diese 'Aussetzer', ich frage mich, ob das nicht der Teil von ihm ist, der in mir steckt. Das ich eigentlich mehr sein sollte, wie er, dass ich auch zu Gräueltaten fähig bin. Das es das ist, was ich eigentlich sein soll": erzählte er Lyviani von den Ängsten, die ihn im Moment plagten und die mit jedem Schritt, dem sie Tel Uvirith näher kamen, noch größer wurden. Er stützte den Kopf auf seine Arme und schaute einigen kleinen Käfern zu, wie sie durchs Gras krabbelten.

[Dreveni]
Dreveni seufzte und ließ sich ebenfalls neben Tirian ins Gras sinken, wo sie sich die Schläfen rieb. Inwzwischen brummte ihr wieder ziemlich der Kopf. "Diese Themen und mein tierischer Kater von gestern sind eigentlich keine gute Mischung", sagte sie beiläufig, ohne Tirian anzusehen.
"Ich kann nur noch einmal fragen, wieso glaubt ihr, dass sich auf einmal alles was ihr seid auf eure 'Aussetzer' reduziert? Ich hätte es in meinem Leben vermutlich auch leichter gehabt, wenn ich etwas weniger... impulsiv wäre.", sprach sie ihn jetzt wieder direkt an. "Und egal von wem ich das habe, es ist so und wird sich nicht ändern." Sie hob in einer fast hilflos wirkenden Geste die Hände. Was sollte sie dem Heiler noch sagen?
"Selbst wenn ihr zu solchen Gräueltaten fähig sein mögt - was auch immer ihr darunter versteht - jetzt wo ihr euch dessen bewusst seid, könnt ihr ja vielleicht lernen, damit umzugehen?" Sie sah ihn an und versuchte den Blick seiner glutroten Augen festzuhalten. "Und glaubt mir, jeder hat seine Leichen im Keller. Jeder. Dinge auf die er alles andere als Stolz ist, die er vielleicht am liebsten komplett verleugnen würde."

[Tirian]
"Ihr habt Schmerzen. Das tut mir leid. Vielleicht sollten wir einfach weitergehen. Ich belästige euch mit meinen Problemen": bot Tirian entschuldigend an. Lyviani brachte ihn ins Grübeln. Eigentlich hatte sie Recht. Bisher hatte er immer ein gutes Leben geführt und eigentlich wollte er das weiterhin tun, aber würde er nicht zwangsläufig so werden wie sein Vater, wenn es ihm schon in die Wiege gelegt war? Zumindest wollte die Dunmer nun auch weiter, auch wenn sich ihr Gesichtsausdruck nicht richtig deuten ließ, hinsichtlich des plötzlichen Abbruchs des Gesprächs durch ihn. "Damit umgehen lernen?": er fragte sich, ob das überhaupt möglich war. Zuvor hatte er nie an sich gezweifelt. Hatte es wirklich etwas geändert, dass er jetzt wusste das Tarrior sein Vater war? Er schüttelte den Kopf. Die gleiche Frage ging ihm schon seit Wochen durch den Kopf. Er drehte sich damit im Kreis. Und Leichen hatte auch er im Keller, fragte sich nur ob sein Vater nicht ganze Berge davon verbarg.

"Wenn wir uns weiter nach Süden halten, dürften wir bald auf die Molag Amur treffen. Ich hoffe wir bleiben vor weiteren Angriffen verschont": dachte er laut.

[Dreveni]
"Und auch das braucht euch nicht leid tun, das ist die gerechte Strafe für meinen Leichtsinn gestern.", meinte Dreveni nur. Ihr kam es komisch vor, dass Tirian das Gespräch einfach so abbrach, aber sie hatte jetzt auch keine Nerven mehr, weiter nachzubohren. Auch wenn sie hier gerade ganz gut saß und sicher auch noch eine Weile gut hätte sitzen bleiben können. Andererseits hatte sie jetzt schon ein viel zu langes Gespräch geführt, auf eine Art und Weise, die ihr normal so gar nicht entsprach. Wenn du mich schon so weit getrieben hast, kannst du gar kein schlechter Elf sein., dachte sie, wobei sie sich eingestehen mußte, dass das keiner ihrer schlechteren Züge war, der hier zu Tage trat, so sehr ihr das auch wiederstrebte. Kurz überlegte sie, ihn doch noch anzupflaumen ob Gestern noch etwas gewesen war, an das sie sich nicht mehr erinnern konnte, ließ es aber dann doch bleiben.
"Ich kann auch gut auf noch mehr Kampf verzichten. Wie stehen die Chancen, dass wir auf dem Weg noch durch Siedlungen oder ähnliches kommen?", fragte sie noch, dabei an ihre Vorräte denkend.

[Tirian]
"Wenn wir die Amur erst einmal erreicht haben, ist da nur noch Mora Uvirith, unser Ziel. Am südlichen Ende der Weidenländer gibt es eine Festung namens Falensarano. Das ist eine dieser alten Dunmer-Festungen, die seit Jahrhunderten eigentlich nicht mehr genutzt werden. In der Regel nistet sich dort Gesindel ein, wenn sie leer stehen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man die Festung aufgrund der Bedrohung durch die Daedra vielleicht wieder in Betrieb genommen hat. Wir müssen dort ohnehin vorbei, wenn ich meine Karte richtig im Kopf habe. Wir könnten also einen Abstecher dorthin machen, wenn ihr das wollt"
Für Dreveni war das zwar etwas viel 'vielleicht', aber sie stimmte dem Heiler zu, eine bessere Möglichkeit schien sich ihnen nicht zu bieten und so setzten sie beide ihren Weg fort.

KingPaddy
30.04.2013, 16:40
Tirian und Lyviani setzten ihre Reise fort, nachdem die Dunmer damit einverstanden war, dass sie der Festung einen Besuch abstatten würden. Der Heiler sah sich um. Zwar erweckten immer mal wieder ein paar Kräuter sein Interesse, aber er hatte seinen Vorrat schon am vergangenen Tag aufgestockt, also vermied es ihr Fortkommen zu verzögern, in dem er weitere Pflanzen sammelte. Ab und an schaute er zu seiner Begleiterin hinüber. Sie beobachtete aufmerksam ihre Umgebung und hielt scheinbar nach weiteren Gefahren Ausschau. Auch er ließ seinen Blick schweifen. Die Landschaft der Weidenländer hatte sich im Gegensatz zum vergangenen Tag nicht sonderlich geändert. Allerdings war die Luft viel frischer. Der allgegenwärtige Gestank von verbrannten Leichen und Rauch, der noch in der Gegend um Tel Vos allgegenwärtig gewesen war, war hier nicht mehr wahrzunehmen. Tirian wandte seinen Blick zum Himmel. Auch von hier konnte man noch die dunklen Rauchsäulen sehen, die über dem Zentrum der Insel standen, aber es blieb dabei. Auch die Folgen der daedrischen Verwüstung gingen deutlich zurück, umso weiter sie sich nach Süden vorarbeiteten. Mehrunes Streitkräfte waren hier offenbar nicht durchgekommen. Die südlichen Weidenländer waren hier noch immer das Paradies, von dem ihm Tarrior erzählt hatte - der wilde Dochtweizen, der überall wuchs und sich sanft im warmen Wind unter blauem Himmel wiegte. Mit der Zeit wurde er wieder ruhiger. Die ruhige Natur beruhigte auch seine Gedanken, die sich immer noch um Tarrior drehten und die Frage, was er wohl zu verheimlichen hatte. Diese Frage verschwand mit der Zeit ebenso, wie das, was Lyviani zu ihm gesagt hatte und über das er auch noch immer nachgrübelte. Sein Kopf leerte sich langsam und er fand etwas Ausgeglichenheit in der Natur. Auch wenn der Fußweg mit der Zeit wider recht anstrengend wurde, da die Straßen hier nicht befestigt waren, sondern eher den Charakter von Trampelpfaden hatten, fühlte sich Tirian dennoch irgendwie gut. Allerdings wurde es gegen Mittag doch Zeit für eine kleine Pause. Er blieb kurz stehen und sah sich um und entdeckte schließlich eine kleine Ansammlung von Bäumen, die etwas Schatten und Ruhe versprach. „Wir sollten eine Pause einlegen“: sagte er und deutete auf die Baumgruppe. Dann ging er auch schon dort hinüber. Er sah sich kurz um. Der Ort war wie geschaffen, um sich auszuruhen. Außerdem musste er wieder an die Kräuter denken, die er gesammelt hatte.

Der Heiler begann lose Äste für ein kleines Feuer zu sammeln und schichtete sie an einer freien Stelle auf. Dann sammelte er etwas Magie in seiner rechten Hand und ließ einen kleinen, magischen Blitz aus seiner Handfläche in das Holz einschlagen. Es fing sofort Feuer. Aus seinem Gepäck, das Lyvianis Guar noch immer tapfer trug, holte er einen kleinen Eisenkessel und stellte ihn in die Feuerstelle. Statt ihrer begrenzten Wasservorräte, die sie, wie Tirian etwas besorgt feststelle, im Lager der Aschländer aufzufüllen vergessen hatte, kippte er direkt seine verbleibenden drei Heiltränke als Grundlage für weitere Tränke in den Kessel und vermischte erst diese noch mit etwas Wasser. Ein süßlicher Duft breitete sich aus, während die Flüssigkeit im Kessel aufkochte. Währenddessen holte der Dunmer auch noch seinen Mörser und Stößel aus dem Gepäck und begann bereits damit einige der Kräuter, die er zuletzt gesammelt hatte, zu zerreiben. Er war mittlerweile so gefangen von seiner Tätigkeit, dass er schon gar keine Augen mehr für Lyviani hatte. Mit routinierten Bewegungen zerrieb er das pflanzliche Material, bis es eine breiige Konsistenz hatte, die nussig-aromatisch roch und gab sie in den Topf. Als er sie einrührte, änderte sich der plötzlich der Geruch. Anstatt süßlich roch es nun deutlich sauer und die rote Farbe wich nun einem dunklen Lila. Tirian nahm sich nun einige getrocknete Pilze heran, die er noch mit sich führte und zerbröselte sie direkt über dem Topf, um dann anschließend einige frische Kappenträger klein zu würfeln und ebenfalls dem Sud beizugeben. Das Gleiche tat er mit einer mittelgroßen Korkwurzel, die er ebenfalls aus seinem Gepäck holte. Beim Vorbeigehen bemerkte er noch eine Häckselblattpflanze, die an einen der Bäume gelehnt wuchs und schnitt auch ihr einige Blätter ab, die er dann aber wieder in seinem Mörser zerrieb, bevor er den Brei der Flüssigkeit beigab, die nun eine Mischung aus lila und rot war und fast wie junger Wein wirkte, allerdings roch sie recht bissig. Schließlich holte Tirian aus einem Beutel einige Zweige Hustengras hervor, die er sich von Tarriors Plantage mitgenommen hatte. Er zerrieb auch sie und warf sie ebenfalls mit in den Kessel. Noch einmal rührte er kräftig um und langsam wich der bissige Geruch und wurde neutral mit einer unscheinbaren, süßlichen Note. Tirian roch an dem Trank und prüfte die Konsistenz. „Das sieht in Ordnung aus“: flüsterte er und lehnte sich gegen den Baum. Nun musste der Sud noch etwas kochen und ziehen, damit möglichst viele Stoffe in das Endprodukt übergingen.

Der Heiler bedauerte es sehr, dass für die Reise keine bessere Ausrüstung zur Verfügung stand, allerdings wäre die reichlich schwer geworden und er hatte auch nicht damit gerechnet, dass er solange brauchen würde, um seinen Vater zu finden. Schon gar nicht hatte Tirian damit gerechnet, dass er sich Meradanz würde entgegenstellen müssen. Bei den Zutaten, die er mit sich führte, hätte er mit einer Retorte oder einem Destillierkolben aus diesem ohnehin schon stark geplanten Trank vermutlich etwas ganz Besonderes gemacht. In jedem Fall etwas, das den Begriff Lebensversicherung verdient hätte. Auch so war der Trank schon sehr stark, allerdings bei weitem nicht perfekt und er hatte eine Menge mehr Zutaten aufwenden müssen, als es für ein alchemistisches Produkt gut war, nur um die negativen Wirkungen einzelner Trankbestandteile abzuschwächen. Es war also auch vermutlich besser, wenn sie die Tränke nicht direkt hintereinander verbrauchten, sondern sie mit zeitlichem Abstand tranken. Es gab einige Fälle, in denen sich schon Arenakämpfer am übermäßigen Konsum von Heiltränken vergiftet hatten. Tirian überlegte, ob er nicht vielleicht irgendwo als Heiler und Alchemist sesshaft werden sollte, wenn das hier vorüber war. Seinen Dienst auf dem Handelsschiff hatte er ja quittiert und etwas Neues stand noch nicht in Aussicht. Während er so in Gedanken an die Zukunft schwelgte, Gedanken an die Gegenwart verdrängte und schließlich gedankenlos dahindämmerte, kochte der Sud weiter. Erst als die Lösung richtig brodelte, kam der Heiler wieder zu sich und nahm schnell den Kessel vom Feuer. Noch einmal prüfte er den Geruch und die Konsistenz und war vollends zufrieden mit dem Ergebnis.

Tirian holt einen Tönernen Krug aus dem Gepäck und spannte über die Öffnung ein Stock Leinenstoff, das darum gewickelt war. Das erste Mal, seit sie ihre Pause machten, rief er nun Lyviani zu sich und bat sie, ihm einmal kurz zu helfen. „Könntet ihr kurz den Krug festhalten. Ich werde vorsichtig sein“: sagte Tirian und die Dunmer griff zu, während sich der Heiler nun den Kessel nahm und langsam die Flüssigkeit durch das Leinen hindurch in den Topf hinein goss. Auf dem Leinenstoff blieben die festen Rückstände zurück. Tirian löste das Bändchen, mit der das Leinen festgebunden hatte und wickelte die Überreste darin ein. Er drückte das Ganze noch einmal zusammen und entleerte so noch einige Tropfen Flüssigkeit in den Krug. Das Leinen hielt er nun mit etwas Abstand über die Feuerstelle und trocknete es zusammen mit dem Inhalt. Schließlich ließ er den Beutel in einem Säckchen an seinem Gürtel verschwinden. Mit etwas besserer Ausrüstung konnte er den Rückstand noch einmal verwenden. Es wäre Verschwendung ihn einfach wegzuwerfen. Tirian holte nun einige kleine Phiolen hervor. Eigentlich waren es nur längliche Glasröhrchen mit Korken. Lyviani, die nun neben ihm saß, zog die Augenbrauen hoch. „Der Trank ist so stark, dass eine kleinere Menge davon ausreicht. Vorsichtig füllte er die Phiolen voll. Die Flüssigkeit darin sah nun aus wie junger Wein und war so klar, dass man hindurch sehen konnte. Insgesamt reichte es für acht solche Röhren. Er gab vier davon seiner Begleiterin. „Das sind starke Heiltränke, nur zur Sicherheit. Sie heilen nicht nur Wunden, sondern geben euch auch verlorene Kraft zurück und mindern damit die Erschöpfung“: erklärte Tirian und packte seine Sachen zusammen. Zum Schluss löschte er das Feuer. “Wir sollten wieder aufbrechen, damit wir es bis heute Abend noch nach Falensarano schaffen“: meinte der Heiler und sie machten sich wieder auf den Weg.

Auch auf dem weiteren Weg mochte er nicht mit Lyviani reden. Er vermied es nach aller Möglichkeit an das zu denken, was sie ihm erzählt hatte und ließ sich lieber noch ein wenig von der Landschaft einnehmen. Ab und an sah man in der Entfernung Anzeichen für Oblivion-Tore, aber der Heiler war sich sicher darin, dass er nicht vorhatte, eines dieser Dinger zu betreten oder auch nur in die Nähe zu kommen, wenn er es nicht unbedingt musste. Einen Hexenmeister als Gegner zu haben, reichte für seine Begriffe völlig aus, er musste sich nicht auch noch mit den Dämonen aus dem Reich des Vergessens anlegen. Der Skamp-Angriff des Vortages hatte ihm auch schon völlig gereicht. So kamen sie aber recht störungsfrei durch. Die Daedra hielten sich an ihre Tore – Tirian sah in der Entfernung einige Atronachen dort herumschleichen – und behelligten sie nicht. Derweil kam endlich die Hügelkette in Sichtweite, die die Weidenländer im Süden von der Molag Amur schied. Auf dieser Seite war das fruchtbare Weideland, während sich auf der anderen Seite das tödliche von Lavaflüssen und heißen Schlammgruben durchzogene, unfruchtbare Aschland befand. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sie ihrem Ziel immer näher kamen. Mora Uvirith befand sich auf der anderen Seite dieser Hügelkette. Nun kehrten die Gedanken an Tarrior doch wieder zurück. Tirian verdrehte die Augen. Doch langsam tauchte vor ihnen auch ein riesiges, steinernes Ungetüm auf, das seine Aufmerksamkeit auf sich zog. „Das muss wohl Falensarano sein“: sagte Tirian. Von der Anhöhe aus stieg Rauch auf. „Sie scheint bewohnt zu sein“: stellte der Heiler fest.

Langsam schlichen sie die Rampe nach oben. Auf Lyvianis Anraten hielten sie sich ruhig und bedeckt, denn man konnte wohl nie wissen, wer sich jetzt hier verschanzt hatte. Auf dem Festungssockel standen wild zusammengewürfelt einige Zelte und ansonsten stapelten sich wahllos Kisten und Körbe. Auf die Entfernung entdeckte der Heiler etwas, dass aussah, wie mehrere große Käfige. Plötzlich hörte er dumpfes Geräusch und einen Aufprall. Er drehte sich um und sah Lyviani am Boden liegen. „Was habt ihr?!“: fragte er besorgt und beugte sich zu ihr hinunter. Etwas Blut lief aus einer Platzwunde an der oberen Stirn. Plötzlich tauchte geradezu aus dem Nichts neben ihm eine Person auf. Reflexartig wandte er seinen Kopf zur Seite. Er konnte nur noch in die schwarzen, gläsernen Löcher einer Chitin-Maske schauen, bevor er einen Schlag in der Nähe seiner Schläfe fühlte und dann gar nichts mehr. Bewusstlos ging Tirian zu Boden.

Andromeda
30.04.2013, 18:42
Den weiteren Weg brachten sie schweigend hinter sich, und jeder hing seinen Gedanken nach. Dreveni fragte sich zum wiederholten Male, warum sie, wenn sie mit Tirian sprach, dermaßen ...weich... wurde. Das musste aufhören, und zwar am besten sofort. Sie konnte nicht zulassen, dass ihr der Heiler wirklich etwas bedeutete, auch wenn sie sich noch nicht einmal sicher war, auf welcher Ebene sich ihr Interesse an ihm bewegte. War es wirklich nur weil er so das genaue Gegenteil von ihr war? Und trotz seiner Gutmütigkeit seine Ansichten doch ihr gegenüber mit einer Stärke vertrat, die sie immer wieder erstaunte? Oder waren es nur seine glutroten Augen, die sie schon an Feryn beinahe um den Verstand gebracht hätten? Sie wusste es nicht, und es war auch definitiv besser, sie würde dem Ganzen erst gar nicht weiter auf den Grund gehen.
Es konnte und durfte nicht sein, nicht schon wieder. Weder als Freund noch sonst etwas.
Ab jetzt würde wieder Schluss mit dem Verständnis sein, schluss damit ihn zu schonen oder mit ihrer Meinung hinter dem Berg zu halten.
Würde er ihr wieder den Arm festhalten, wenn sie sich eines Gefangenen entledigen wollte, würde sie nicht mehr lange diskutieren sondern gleich den Dolch in die andere Hand nehmen und ausprobieren, wie schnell er reagieren würde. Und vor allem keine Tränen mehr nachts in seinem Arm.

Gerade als sie sich das geschworen hatte, erreichten sie einen Platz, der Tirian wohl für eine Rast geeignet schien. Sie selbst hatte nichts dagegen und setzte sich - immer noch schweigend - auf den Boden, nachdem sie dem Guar einen Teil des Gepäcks abgenommen hatte. Sie tat nichts weiter, als Tirian zu beobachten, bei was immer er da gerade zusammenbraute. Zeitweise stank es wirklich übel, und als er sie am Schluss bat, den Krug zu halten, dass er die siedend heiße Flüssigkeit filtern konnte, dachte sie nur: Ich würde dir auch ernsthaft raten, vorsichtig zu sein., und warf ihm einen entsprechenden Blick zu. Er schaffte es aber, ohne sie zu verbrühen, und nachdem er ihr die Phiolen gereicht hatte, setzten sie ihren Weg fort, bis sie Gegend Abend die Festung erreichten. Es war ein großer Bau aus Stein, ganz anders als die Festungen in Cyrodiil, die mehr an Burgen erinnerten. Diese hier lag wie ein Schiff in der Landschaft, und Dreveni bekam sofort ein ungutes Gefühl, als sie ebenfalls die Rauchfäden sah.

Sie ließen die Guar in einiger Entfernung stehen und näherten sich vorsichtig und Deckung suchend der Festung. Dabei stellte Dreveni erleichtert fest, dass sich Tirian durchaus leise bewegen konnte, auch wenn es natürlich noch ausbaufähig war. Das half ihnen allerdings alles nichts, und auch Dreveni hörte niemanden kommen, bis sie plötzlich einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekam, als wäre sie mit Anlauf an eine Mauer gelaufen, dem nur noch Schwärze folgte.

Der Schmerz durchfuhr sie erst, als sie wieder zu sich kam. Instinktiv langte sie mit der Hand an ihren Kopf und stöhnte leise auf, als sie mit den Fingern direkt auf der Platzwunde landete. Das brachte sie immerhin soweit wieder zur Besinnung, dass ihr langsam dämmerte, was passiert war. Niedergeschlagen. Schon wieder. Nur dieses Mal schien sie auf dem Boden zu liegen, der hart und klamm war. Vorsichtig öffnete sie die Augen, konnte im Dämmerlicht aber erst nichts erkennen. Vorsichtig lauschte sie in die Dunkelheit, es war ihr als könnte sie ein Schaben und Schnaufen hören, war sich aber nicht ganz sicher. Außerdem das Plätschern und Tropfen von Wasser. Es war also keine gute Idee, jetzt einen Lichtzauber zu wirken, inzwischen konnte sie aber auch so schon etwas mehr erkennen.
Als nächstes fuhr ihre Hand an ihre Hüfte, und sie stellte erleichtert fest, dass man ihr wenigstens ihre Waffen gelassen hatte. Zumindest das Schwert, den Dolch und auch das Stilett. Immerhin etwas. Vorsichtig rappelte sie sich auf, wenigstens bis auf die Knie, da sah sie neben sich noch jemanden liegen. Tirian. Sie beugte sich über ihn und konnte sehen, dass auch er eine hässliche Platzwunde auf der Schläfe hatte. Sie wagte nicht ihn anzusprechen, sie hatte keine Ahnung wer sie dort im Dunklen alles gehört hätte, und so schüttelte sie ihn nur vorsichtig an der Schulter.

KingPaddy
01.05.2013, 15:03
Ein Schütteln holte ihn langsam ins Bewusstsein zurück - erst langsam und dann immer fest, bis Tirian endlich die Augen aufschlug. Für den ersten Moment kam Panik in ihm auf, als er Nichts sehen konnte, doch als die erster Anflug abgeklungen war und ein stechender Schmerz in seinem Schädel einsetzte, nahm er auch mehr Konturen in der Dunkelheit war. Es war nicht völlig dunkel, sondern nur sehr, sehr zwielichtig an diesem… Tirian versuchte sich umzuschauen. Wo befand er sich eigentlich. Er drehte Anhaltspunkte suchend den Kopf und entdeckte Lyviani, die neben ihm saß. Erst jetzt bemerkte er ihre Hände, die ihn gepackt hielten. Sie hatte ihn wachgerüttelt. „Wo sind…“: wollte er ansetzen, doch da legte sie ihm schon eine Hand auf den Mund. Er konnte erkennen, dass sie mit ihrem Zeigefinger vor dem Mund andeutete, dass er leise sprechen sollte. Dann nahm sie langsam ihre Hand aus seinem Gesicht. „Wo sind wir“: flüsterte der Heiler eine Frage. Sie zuckte mit den Schultern. Es roch muffig, es stank sogar leicht und es war feucht, sehr feucht. Er stand langsam auf. Zwar verlor sich sein Blick in einigen Metern bereits in tieferer Dunkelheit, aber in der Nähe konnte er alte Kisten und Fässer ausmachen, halb oder ganz zerbrochen und an- bzw. verschimmelt. Ebenso sah und roch er Speisereste und kleineres Ungeziefer, das sich darüber hermachte. Er tastete etwas und fand eine Wand und etwas Metallenes. „Sprossen“: schoss durch seinen Kopf, als er es näher betastete. „Hier ist eine Leiter“: zischte er zu seiner Begleiterin hinüber und stieg dann hinauf. Tatsächlich befand sich oberhalb davon eine Luke. Er versuchte sich aufzustemmen, doch sie schien blockiert. Auch als er etwas Magie in seine Arme fließen ließ und seine Muskelkraft verstärkte, ließ sich die Klappe nicht aufstoßen. Sie musste verriegelt worden sein.

„Verflucht“: zischte der Dunmer das verdammte Ding an und stieg wieder hinab. „Und?“: hörte er Lyvianis Flüsterstimme hinter sich. „Der Weg ist versperrt. Da kommen wir nicht raus“: wisperte Tirian: „Die müssen uns hier hinuntergeworfen haben.“ Wieder fuhr ein stechender Schmerz durch seinen Kopf. Seine Hand glitt reflexhaft zu der schmerzenden Stelle. Er zuckte zurück, als sie unter Berührung noch mehr schmerzte. Er fühlte verkrustetes Blut. „Wir sollten…“: wieder unterbrach ihn die Hand der Assassine, die sich schnell auf seinen Mund legte. „Horcht“: zischte sie. Erst hörte Tirian Nichts, doch dann ein Schaben, ein Kratzen. Von der Lautstärke war es zu groß für irgendwelches Ungeziefer. Es bewegte sich. Tirian verengte die Augen, versuchte noch mehr zu erkennen, doch da war Nichts, das flüsterte er ihr auch zu. „Ich denke mal, dass das hier die Kanalisation der Festung ist. Womöglich gibt es noch einen anderen Zugang, durch den wir entkommen können. Wir sollten danach suchen“: schlug er vor. Entgegen Lyvianis Willen nahm er sich eine erloschene Fackel von der Wand und zündete sie mit einer kleinen Portion Magie an. Qualmend erfüllte sie die Kanalisation mit funzeligem Licht. Offenbar benutzten die Bewohner der Festung sie wirklich als Müllhalde. Überall lag Abfall herum und das Wasser, das noch im Kanal stand, war trüb und sah ekelhaft aus. In der Entfernung konnte der Heiler einige Abzweigungen ausmachen und kleinere Brücken, die über die Kanäle führten. Wenigstens würden sie vorankommen, ohne durch diese Brühe waten zu müssen. Da auch er nicht wusste, wohin sie gehen sollten, wählte er den Weg, der ihnen am nächsten lag. Möglichst leise schritten sie voran. Das Flackern der Fackel warf unruhige Schatten an die Wand. Rastlos irrten Tirians Augen umher. Bei jedem Mal, bei dem ein Windzug den Schattenriss verzerrte, war es für ihn als würden Monster an die Wand gezeichnet, die mit Klauen nach ihm zu greifen versuchten. Ein ums andere Mal zuckte er zusammen, blieb kurz stehen und schaute sich um.

Auch Lyviani erging es scheinbar nicht besser. Auch sie sah sich desöfteren um. Sie rückten enger in den Lichtschein der Fackel zusammen. Trotz des unnachgiebigen Gefühls, dass sie hier unten nicht alleine waren, setzten sie ihren Weg fort, kamen aber nur langsam voran. Das Echo ihrer eigenen Schritte hallte vielfach gebrochen, geradezu unnatürlich verzehrt im Gang wieder. Tirian hatte oft das unbestimmte Gefühl, als sei jemand hinter ihnen, doch wenn er sich umdrehte, war dort niemand. „Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein“: überlegte er und versuchte sich zu beruhigen. Er wusste auch nicht, was ihn so beunruhigte. Es war geradezu ein irrationales Gefühl von Bedrohung, das er hier unten verspürte. Wenn er zu ihren Schatten sah, glaubte er dort Monster zu erkennen, die nach ihm griffen, lauschte er auf ihre Schritte, war dort jemand hinter ihnen, schaute er ins trübe Brackwasser, dachte er eine Bewegung dort auszumachen. Und doch war da Nichts. Er blieb kurz stehen und stützte sich einen Moment an der feuchten Wand ab. Noch immer tat ihm sein Kopf weh. „Lyviani, ich…“: doch dann hörte er ganz eindeutig ein Schaben, ein Kratzen, etwas das klang als würde etwas über den Boden geschliffen. Das Geräusch war nicht nah, nein, es schien an den Wänden entlang durch den Kanal zu schallen. „Was ist das bloß?“: fragte sich der Heiler laut. Allerdings war er sich mit der Assassinin darin einig, dass sie es nicht unbedingt herausfinden wollten.

Sie irrten weiter. Inzwischen hatte Tirian auch schon völlig die Orientierung verloren. Da er sich an den letzten Abzweigungen mehr auf die vermeintliche Gefahr in seinem Nacken konzentriert hatte, hatte er gar nicht darauf geachtet, in welche Richtung sie schließlich gelaufen waren. Inzwischen kamen ihm die Gänge, die Brücken und der Abfall, der allgegenwärtig war, nur allzu sehr bekannt vor. Tirian glaubte langsam, dass sie im Kreis liefen. Die Orientierung hatte er längstens verloren. Als sie schließlich wieder an eine Kreuzung gelangten, die er wieder erkannte. Allerdings waren sie schon vor einer gefühlten Ewigkeit an genau dieser Stelle vorbeigekommen. Der Heiler wusste nicht weiter. „Verflucht“: stieß er hervor. Lyviani trat vor ihn und sah ihn auffordernd an. „Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Wir haben uns verirrt“: gab er schließlich zu. Wieder war das Kratzen zu hören.

Andromeda
01.05.2013, 16:12
Inzwischen war auch Dreveni klar geworden, wo sie sich befinden mussten, sah das Ganze doch verdächtig nach Kanalisation aus, wie sie auch in Cyrodiil unter der Kaiserstadt zu finden war. Ein ausgezeichneter Fluchtweg, wenn man sich dort auskannte. Wenn nicht...
Sie wagte es nicht, den Gedanken weiterzuführen, und kramte statt dessen in ihrem Gedächtnis nach der Formel für einen ganz bestimmten Zauber. So merkte sie zu spät, dass Tirian dabei war eine Fackel anzuzünden, und sich trotz ihres Protestes nicht davon abbringen ließ. Sie hatte vor einer Weile einen Zauber gelernt, um im Dunkeln zu sehen ohne Licht zu brauchen, aber er wollte ihr gerade nicht mehr einfallen, noch dazu schmerzte ihr Kopf eh so sehr, dass sie sich kaum konzentrieren konnte.
Nachdem sie hier nicht bleiben konnten, und jede Abzweigung so gut wie die andere zu sein schien, folgte sie Tirian, die Hand fest am Griff ihres Schwertes, was ihr zumindest im Ansatz die Illusion von Sicherheit gab. Sie wusste, dass sie hier nicht allein waren, und auch dass sie sich die seltsamen Geräusche nicht nur einbildete, auch wenn bis auf ihre verzerrten Schatten an den Wänden nichts zu sehen war.
Dreveni behauptete von sich immer, furchtlos zu sein, doch war ihr diese Umgebung auch alles andere als geheuer. Sie hasste es wenn sie ihre Feinde nicht sehen konnte, und dass es diese hier gab bezweifelte sie nicht eine Sekunde. Unbewusst hielt sie sich näher an Tirian, dessen Nervosität sich langsam aber sicher doch auf sie übertrug.
Dreveni selbst meinte ständig Blicke in ihrem Nacken zu fühlen, die ihr einen Schauer über den Rücken jagten und die jedes einzelne Haar in ihrem Nacken sich aufstellen ließen. Blicke, die nur darauf zu warten schienen dass sie abgelenkt war, um über sie herzufallen. Noch dazu verzerrte sich das Echo ihrer eigenen Schritte hier unten derart, dass sie dauernd meinte, etwas würde hinter ihr laufen.
Während sie so voran schlichen, achtete sie nicht auf den Weg, sie verließ sich ganz darauf, dass es Tirian tat, was sich bald als Fehler herausstellte. Die Kreuzung die sie erreicht hatten, kam ihr nur allzu bekannt vor. "Scheiße.", fluchte sie leise und fast unhörbar. Da drehte sich der Heiler auch schon zu ihr um: „Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Wir haben uns verirrt“.
"Wunderbar. Da verlässt man sich einmal..." Weiter kam sie nicht, da war wieder das eigenartige Schaben und Kratzen zu vernehmen, dieses mal jedoch näher und sie war sich wirklich sicher, dass es keine Einbildung war. Irgendetwas kam auf sie zu. Insgeheim musste sie zugeben, dass es ihr ganz Recht war, wenn es endlich zur Konfrontation kommen würde, diese Ungewissheit zerrte inzwischen ziemlich an ihren Nerven.
So zog sie ihr Schwert und rief laut in die Richtung, aus der das Geräusch scheinbar gekommen war: "Komm endlich raus, du feiger Hund!"
Sie war noch halb erstaunt darüber, dass ihre Stimme sicherer klang, als es ihr zumute war, da konnte sie einen Schatten von etwas das sich hinter der Biegung des Ganges befand, erkennen. Der Schatten bewegte sich taumelnd und fast unsicher, was nicht nur an dem flackerndem Licht der Fackel liegen konnte. Sie griff ihr Schwert fest mit beiden Händen und hielt die Spitze der Klinge weit vor sich gestreckt, die Formel eines Schildzaubers war ihr glücklicherweise nicht entfallen wie die des Nachtsichtzaubers vorhin.

KingPaddy
03.05.2013, 00:17
[Tirian]
"Wunderbar. Da verlässt man sich einmal...": wollte seine Begleiterin ansetzen, doch wurde sie durch das seltsame schabende Geräusch unterbrochen. Lyviani hatte scheinbar etwas entdeckt. "Komm endlich raus, du feiger Hund!": schrie sie und hatte ihr Schwert gezogen. Sie bewegte sich langsam in Richtung einer Ecke vorwärts. Tirian konnte Nichts erkennen. „Es tut mir leid, dass ich…“: doch mit einem energischen Wink verbot sie ihm das Wort. Der Heiler folgte ihr dicht auf, als sie sich weiter bewegte. Er zog sein Schwert. „Ich habe da vorne etwas gesehen“: flüsterte sie und langsam gingen sie weiter. Sie näherten sich einer Ecke. Ihm wurde langsam mulmig zu Mute. Schweißperlen liefen von seiner Stirn. Einen Moment standen sie noch vor der Abbiegung von der aus das Geräusch angeblich gekommen waren und sahen sich in die Auge. Tirian nickte und griff sein eigenes Schwert fester. Mit einem Satz sprangen Beide gleichzeitig hervor und dort war… Nichts. Seiner Begleiterin stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie ratlos war. Sie sah sich etwas hektisch um. Tirian tat es ihr gleich, doch auch er konnte Nichts erkennen. Das Geräusch war auch längst wieder verstummt. Womöglich hatte sie sich die Bedrohung nur eingebildet. Ihre Kopfwunde und die Umgebung zehrten vielleicht schon an ihren Nerven. Seiner Ansicht sollten sie hier verschwinden, statt Phantomen nachzujagen. „Vielleicht habt ihr euch getäuscht“: sagte er. Lyviani schenkte ihm einen grimmigen Blick. Er wollte etwas erwidern, als ein leichter Hauch sein Gesicht streifte. Die Fackel flackerte etwas. „Ein Luftzug!“: erkannte der Heiler. Er kam aus dem Tunnel zu ihrer Rechten. Womöglich gab es dort einen Ausgang. „Ich weis jetzt wo wir lang müssen“: sagte der Dunmer und deutete in die Richtung, aus der der Lufthauch gekommen war.

[Dreveni]
Getäuscht? Sicher nicht., dachte sich Dreveni und warf Tirian einen Blick zu, der genau das ausdrückte. Hier war etwas, auch wenn es sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht zeigen wollte. Sie hatte zwar einen ziemlichen Schlag auf den Kopf gekommen, was aber nicht hieß, dass sie vollkommen blöd, blind und taub war. Bevor sie doch noch etwas darauf erwidern konnte, kam schon von Tirian: „Ich weis jetzt wo wir lang müssen“
Der Blick, den sie dem Heiler zuwarf, verdüstere sich noch etwas, als sie antwortete: "Sicher. Ändern wir die Richtung wenn wir im Kreis laufen, schadet ja nicht. Mir ist eh schon ganz schwindlig." Nicht das Dreveni selber eine Ahnung gehabt hätte, wo es lang ging, aber um Tirians Orientierungssinn schien es auch nicht sonderlich gut bestellt zu sein. Ihr Schwert hatte sie noch nicht wieder weggesteckt und hielt es in der Rechten, die Spitze leicht auf den Boden gestützt. Ihre Linke hatte sie in die Hüfte gestemmt, da sie fürchtete, ihre Hände könnten zittern. Tirian machte sie noch ganz irre mit seiner Angst, nie hätte sie zugegeben, dass es ihr selbst auch langsam etwas unheimlich wurde, unabhängig von dem Nervenbündel von Dunmer vor ihr.

[Tirian]
Der Heiler starrte sie ob der Spitze einen Moment lang an. "Ich fand es besser, dass wir uns überhaupt erst einmal einen Weg suchen, bevor wir noch länger unter diesem verschlossenen Schacht sitzen. Entschuldigt bitte, dass ich uns im Kreis herum geführt habe, aber ihr hattet auch keine Einwände oder einen besseren Vorschlag": giftete der Heiler Lyviani an. Der Schmerz in seinen Schläfen meldete sich gerade wieder zurück. "Da sind solche Kommentare von euch nicht sonderlich hilfreich": fügte er noch dazu. Zumal sie hier auf irgendwelche Phantome losgehen wollte. Wieder fuhr ihm ein Schmerz durch den Schädel. Er fasste sich an den Kopf. "Ich will hier raus": dachte er sich.

[Dreveni]
"Nicht hilfreich?", zischte sie Tirian an, und stand einen Moment sprachlos vor ihm. "Ich dachte ihr wüsstet, wo ihr langlauft. Jedenfalls soweit, dass wir nicht im Kreis gehen. Das muß man doch merken!" Natürlich hätte sie selbst auch auf den Weg achten können, doch das würde sie jetzt sicher nicht zugeben. "Und einer von uns musste ja auf die Umgebung achten, während ihr euch verlauft. Falls es euch entgangen ist, wir sind sicher nicht die Einzigen hier unten." Sie sah ihn einen Moment abschätzend an, bevor sie fort fuhr: "Wenn ihr zuviel Angst habt um euch auf den Weg zu konzentrieren, sagt es lieber gleich."

[Tirian]
"Wie soll ich wissen, wo wir lang laufen müssen, wenn ich zum ersten Mal hier unten bin?": entgegnete er. "Außerdem wart ihr diejenige, die jetzt Phantomen nachjagen wollte. Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob wirklich etwas hinter uns her ist. Wir haben einen Schlag auf den Kopf bekommen, womöglich bilden wir uns das hier auch nur ein. Oder seht ihr hier irgendwo einen Gegner?": wandte Tirian ein. Lyviani schaute ihn ratlos an. "Ich sehe auch keinen. Ihr habt euch das nur eingebildet!": redete er mit Nachdruck auf sie ein. Er spürte wieder etwas Wut aufkommen, doch er wusste gar nicht wieso. Sein Kopf schmerzte. Sein Blick glitt über die Hand, mit der sie sich auf ihr Schwert stützte. Er zog die Augenbrauen hoch. "Zittert sie?": fragte er sich. In diesem Moment taten ihm seine Worte leid. "Ich bin froh, dass ihr auf uns aufpasst, doch diesmal bin ich mir sicher. Ich habe einen Luftzug gespürt. In dieser Richtung muss es zumindest einen Ort geben, der mit der Oberfläche verbunden ist": entschuldigte sich der Heiler und erklärte er seine Beobachtung. "Vertraut mir": bat er.

[Dreveni]
Dreveni dachte nicht daran, jetzt einzulenken. Dass Tirian schon wieder nachgab, bewirkte bei ihr das genaue Gegenteil.
"Ich sehe auch keine Gegner, und genau DAS ist das Problem.", sagte sie und funkelte ihn an. "Außerdem neige ich nicht dazu, mir Dinge einzubilden, dazu braucht es schon mehr als einen Schlag auf den Kopf." Sie hatte tatsächlich grausame Kopfschmerzen und die Wunde an ihrer Stirn brandte, aber so schlimm war es nun auch wieder nicht. Mit dem Luftzug hatte er aber einen guten Punkt, mußte sie wiederstrebend zugeben. "Und nein, ich vertraue euch nicht. Ihr mögt Recht haben mit dem Luftzug, aber das hat nichts mit Vertrauen zu tun.", giftete sie ihn an und wollte sich an ihm vorbei in die Richtung schieben, in die er gedeutet hatte.

[Tirian]
"Ich dachte über diesen Punkt wären wir schon hinaus": bedauerte der Dunmer und ließ Lyviani passieren. "Und was beim Tribunal meint ihr damit, dass das genau das Problem ist?": wollte der Heiler wissen, während er ihr folgte. "Mir persönlich ist es lieber, wenn wir nicht von Irgendetwas hier im Halbdunkel angegriffen werden": war er eigentlich ganz froh darüber, dass sie die Assassine nur ein Hirngespinst gesehen hatte. "Ich weis nicht. Dieser Ort hat eine seltsame Ausstrahlung. Ich fühle mich schon die ganze Zeit über beobachtet, da hier aber offenbar Nichts ist, muss ich mir das wohl nur einbilden": redete Tirian auf seine Begleiterin ein. In diesem Moment erklang ein unmenschliches Brüllen, das sich im Tunnel ausbreitete.

[Dreveni]
"Und was lässt euch solche abwegigen Dinge denken, dass wir darüber hinaus wären?", fragte sie Tirian scharf. "Wenn ihr das wirklich so meint, seid ihr noch naiver als ich angenommen habe. Ich vertraue euch genauso wie jedem anderen nur solange, bis ich ihm den Rücken zukehre. Und ihr tätet gut daran, das selbe zumindest bei mir zu tun." Jetzt konnte sie endlich ein paar Dinge der letzten Tage geraderücken, wenn auch weniger bei Tirian, als bei sich selber. "Und diese 'seltsame Ausstrahlung' ist irgendwer der im Dunkel sitzt und uns auflauert. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich für meinen Teil bin schon durch genug düstere Gänge gekrochen während..." Weiter kam sie nicht, denn da wurde sie von dem Brüllen unterbrochen. Es durchfuhr sie eiskalt, und für einen Moment sah man das Entsetzen und den Schreck auf ihrem Gesicht, als sie reflexhaft das Schwert hochriss. Das Brüllen war durch die gemauerten Gänge verzerrt, so dass sie es erst nicht identifizieren konnte, was sie auch ganz ehrlich nicht unbedingt wollte. Es war nach wie vor kein Gegner zu sehen, nur klangen jetzt auch schlurfende Schritte aus dem Gang, so weit man das neben dem Brüllen sagen konnte. Ein hektischer Blick zu ihrem Begleiter zeigte ihr, dass sich Tirian schon zur Flucht umgewandt hatte, und Dreveni war das mehr als recht. Es hörte sich so an, als wären sie beide hoffnungslos unterlegen, und in diesem Fall war eine Flucht nun wirklich nicht verwerflich, so folgte sie Tirian in der Hoffnung, dem was immer in dem Tunnel so abartig brüllte, zu entkommen.

[Tirian]
Lyvianis Worte trafen ihn wirklich. Auch wenn es ihn selbst überraschte, mochte er die Meuchlerin inzwischen. "Dann traut ihr mir eben nicht": nuschelte der Heiler in sich hinein, während sie flohen. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Dinger da hinter uns alles sind, denn ich habe immer noch das Gefühl, dass man uns beobachtet": sagte Tirian atemlos zu seiner Begleiterin, während sie nebeneinander in Richtung des Ausganges flohen. Hinter ihnen waren die Schritte, wenn man das so nennen konnte, ihrer Verfolger. Sie folgten dem Luftzug, bogen ab und erreichten schließlich einen ziemlich baufälligen Übergang. Ein Teil war bereits abgebröckelt, womit die Brücke so schmal geworden war, dass nur eine Person gleichzeitig darüber gehen konnte. Weiteres Brüllen erschall hinter ihnen. Tirian schaute Lyviani an, die bereits vorgegangen war und nun etwas unschlüssig vor dem Übergang stand. Mutig machte sie einige Schritte auf den Steg. Innerlich bereitete sich der Heiler bereits darauf vor, ihr nachzufolgen. Gerade als er einen Schritt nach vorne machen wollte, nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Er drehte sich um, doch konnte er wieder nur seinen Schatten sehen, der von der Fackel an die Wand geworfen wurde.

Ein weiterer Windhauch kam, brachte die Fackel zum Flackern, doch sein Schattenriss blieb davon ganz unbeirrt. Tirians Augen weiteten sich, als sich plötzlich das Schattenbild verzerrte und seinem eigenen Umriss tatsächlich Klauen wuchsen. Wieder spürte er einen stechenden Schmerz im Kopf und musste vor Qual schreien. "Was ist los?": fragte Lyviani, die sich umgedreht hatte, um nach ihm zu sehen. "Der Schatten, es ist der...": weiter kam er nicht, denn plötzlich löste sich der monströs veränderte Schattenriss etwas von der Wand. Die Klaue schoss hervor und packte den Heiler am Hals. Sie war schattenhaft und kalt, geradezu... "Geisterhaft!" wurde ihm bewusst, womit sie es zu tun hatten. Lyviani wollte mit ihrer Waffe ausholen, doch in diesem Moment brach etwas unterhalb der Brücke aus dem Wasser. Tirian konnte Nichts sehen, da er von der Klaue und dem Anblick seines eigenen diabolisch grinsenden Abbildes an der Kanalwand gefesselt war. Die Dunmer keuchte als sie wohl von unten gepackt wurde. Der Fäulnisgestank und das Stöhnen, das sich pötzlich ausbreitete wiesen auf einen Zombie hin.

[Dreveni]
Sie lief neben Tirian in die Richtung, in die der Dunmer den Ausgang vermutet hatte. Hoffentlich hatte er recht damit. Schließlich kamen sie an etwas, was einmal ein Steg gewesen war, jetzt war davon nur noch ein schmaler Streifen aus Stein übrig, der kaum stabil genug wirkte, um noch eine Person tragen zu können. Nachdem ihnen nichts anderes übrig blieb, tat Dreveni prüfend einen Schritt auf den schmalen Übergang, als sie Tirian plötzlich hinter sich schreien hörte. Sie sah gerade noch, wie etwas ...Ein Schatten!?... Tirian am Hals packte. Sie wollte schon mit dem Schwert danach schlagen, da fühlte sie sich unsanft am Bein gepackt und ein ekelerregender Gestank nach Fäulniss stieg ihr in die Nase. Etwas versuchte sie in das abgestandene Kanalwasser zu ziehen. Fast panisch hieb sie mit dem Schwert danach, und am Rande registrierte sie, dass es sich bei der verfaulten Gestalt um einen Zombie handelte. Als sie ihm den Arm abschlug fand sie zumindest ihr Gleichgewicht wieder, doch die Kreatur schien das nicht groß zu stören. Erst als sie ihm nach ein paar weiteren, hektischen Hieben den Kopf abgeschlagen hatte, gab das Viech frieden und sank blubbernd in das Wasser zurück.
Jetzt erst fand sie Zeit, sich um Tirian zu kümmern.
Sie konnte nicht genau erkennen, was ihn gepackt hielt, aber es mußte irgendein Schatten aus der Zwischenwelt sein. Als ob Zombies hier unten nicht gereicht hätten. Sie nahm das Schwert in die Linke und zog jetzt ihren Dolch, Untote schienen gegen daedrischen Stahl empfindlicher zu sein als gegen Vulkanglas. Und so dicht, wie das Wesen Tirian umklammert hielt, wagte sie es nicht, einen Zauber einzusetzen. Sie hieb blindlings mit dem Dolch auf den Schatten ein, in der Hoffnung dass er den Heiler wenigstens für einen Moment loslassen würde. Kaum traf sie ihn das erste Mal gab die Kreatur ein kreischen von sich, dass ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.

[Tirian]
Tirian schwanden schon die Sinne, so fest packte ihn die Kreatur an. Er fühlte außerdem wie langsam Kälte seinen Körper erfüllte. Im Augenblick als er bereits nur noch verschwommen sah, erklang ein markerschütterndes Kreischen. Er ging in die Knie und schnappte nach Luft. Selbst die faulig-abgestandene Luft im Kanal erschien ihm unsagbar süß. Er sah wie Lyviani mit ein daedrischen Waffe in der Hand über ihm stand, deren rote Musterung im Licht der Fackel, die ihm heruntergefallen war, dämonisch glühte. "Daedrisches Metall": überlegte er. Der Schatten hatte noch nicht aufgegeben. Wieder wurde er stofflicher, diesmal schossen beide Klauen hervor, jedoch ließ sich der Heiler diesmal nicht mehr erschrecken. Der einen Klaue verpasste er Blitzzauber und in einer hochfahrenden Bewegung griff er nach dem Schwert, das ebenso wie die Fackel zu Boden gegangen war, und hieb damit nach der anderen Klaue. Wieder kreischte das Schattenwesen vor Schmerz und offenbarte so, was es wirklich war. Er drehte sich herum und schob die Assassine, die scheinbar noch etwas unschlüssig war, wie man mit diesem Gegner umgehen sollte, über die Brücke. Die Fackel ließ er zurück. "Das ist ein Geist": sagte Tirian ihr und sie rannten wieder in die Richtung, in der doch endlich der Ausgang liegen musste. In seinem Rücken hörte er das laute Platschen von Wasser. Offenbar waren da noch mehr Untote und sie kamen näher. Das Gefühl tiefsitzender Angst und Bedrohung war wie von ihm abgefallen und ihm ging dabei etwas auf. "Lyviani": rief er der Assassinin, die vor ihm lief, zu: "Die Geräusche und die Bewegungen die wahrgenommen haben, die Angst, dieser verfluchte Geist muss unseren Verstand verwirrt haben. Wenn er das kann, muss er ziemlich stark sein." Er brauchte einen Moment um Luft zu holen. "Allerdings glaube ich, dass diese Dinger hinter uns, real sind": befürchtete er.

Andromeda
03.05.2013, 13:34
[Dreveni]
Sie hörte den Reden Tirians nur mit halben Ohr zu, zu sehr war sie darauf konzentriert nicht auszurutschen, und darauf zu achten, dass sie nicht von der Horde Untoter eingeholt wurde, die inzwischen auf ihren Fersen klebte. Es kam ihr allerdings langsam so vor, als würden sie einen - wenn auch nur kleinen - Vorsprung gewinnen.
Inzwischen hatten sie sich einem Bereich der Kanalisation betreten, der nicht ganz zu alt zu sein schien, die Steine waren weniger vermodert und rissig. Es sah allerdings immer noch nicht nach Ausgang aus hier, als sie vor einem Gang standen, der nur grob in das Erdreich geschlagen war, und nach ein paar Metern in einer Holztüre endete.
Dreveni trat vor Tirian in den Gang und rüttelte an der Tür, die sich aber nicht rührte, außerdem konnte sie das leichte kribbeln von Magie fühlen. "Verfluchter Dreck, Magie. Und was jetzt?", sprach sie und sah Tirian an, fast panisch, denn sie hörte wie die Horde aus Zombies und Skeletten immer näher kam. Sie saßen in der Falle, im wahrsten Sinne des Wortes, denn so wie es klang, waren dort nicht nur ein oder zwei der untoten Kreaturen hinter ihnen her. Einen Augenblick später hatte sie sich wieder etwas gefangen und akzeptiert, dass es keinen anderen Weg gab, als sich der Meute zu stellen. Sie sprach einen Schildzauber und nach kurzem überlegen berührte sie Tirian an der Schulter um ihn ebenfalls durch einen Zauber zu schützen, da er nicht mehr als seine Robe trug, die den Klauen der Zombies wenig entgegenzusetzen hatte.
Wenn es jemals einen passenden Zeitpunkt für einen seiner Wutanfälle gegeben hatte, dann jetzt, Dreveni hätte nichts dagegen wenn der die Untoten einfach auf einen Schlag grillte.
"Verschwendet eure Magie nicht auf irgendwelche Stärkungszauber, seht zu dass ihr diese Zombies erwischt, wenn sie uns erst einmal umringt haben, ist es zu spät.", raunte sie ihm noch zu, da waren die Ersten auch schon heran...

[Tirian]
Lyviani reagierte gar nicht auf das, was er sagte, aber auch er konzentrierte sich lieber darauf in diesem schmierigen Loch, in dem sie hier festsaßen nicht fehlzutreten, abzurutschen und in dieses Brackwasser zu fallen, in dem sich offenbar erweckte Kadaver tummelten. Schließlich erreichten sie einen nicht gar so alten Teil der Kanalisation. Der war zwar immer noch sehr alt, aber sichtbar neueren Datums als die Architektur der zurückliegenden Gänge. Offenbar war dieser Teil auch nicht komplett fertig. Der Kanal war noch nicht ganz fertig ausgehoben und die Wände waren auch noch nicht verputzt. An der Stelle auf die sie zu hielten, waren sogar noch Felswände zu erkennen. Anhand der herumliegenden Werkzeuge ließ sich ablesen, dass die Arbeiten wohl abrupt geendet haben mussten. Tirian verschwendete darauf aber weiter keine Gedanken, sondern folgte der Dunmer lieber, bis sie vor einer Holztür anlangten. Sie war eindeutig provisorisch aus losen Planken zusammen gezimmert worden. Durch die großen Ritzen darin drang der Luftzug, der sie bis hierher geführt hatte. Tatsächlich besaß die Tür nicht einmal ein Schloss, doch konnte seine Begleiterin sie nicht öffnen. "Verfluchter Dreck, Magie. Und was jetzt?": fluchte sie. Tirian legte seine eigenen Hände noch einmal prüfend auf das Holz. Tatsächlich blockierte ein Siegel den Durchgang. "Wir sollen nicht entkommen": ging es dem Heiler durch den Kopf. Und hier saßen sie eindeutig in einer Sackgasse, einer Falle.

Der Dunmer schaute sich hilfesuchend um und war schon am Überlegen, ob er seine Magie mit der des Siegels messen sollte, doch entschied er sich dagegen. Er wusste nicht, was passieren würde, wenn er diesen Abwehrzauber mit einem Blitz traktierte. Im schlimmsten Fall konnte er auf ihn zurückfallen. Sich selbst zu grillen, war keine angenehme Vorstellung. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. Er drehte sich um und schaute Lyviani in die Augen. Er spürte wie sich ein Schild um ihn herum aufbaute. Er wusste zwar aus dem Kampf gegen die Redoraner, dass die Dunmer auch über rudimentäre, magische Fähigkeiten verfügte, aber das sie auch etwas anderes konnte, als reine Kampfzauber, überraschte ihn dann doch etwas. "Verschwendet eure Magie nicht auf irgendwelche Stärkungszauber, seht zu dass ihr diese Zombies erwischt, wenn sie uns erst einmal umringt haben, ist es zu spät": rief sie ihn zur Ordnung. Er nickte. Das sie von der stärkenden Magie wenig hielt, war ihm noch gut in Erinnerung. Außerdem stimmte er mit ihr darin überein, dass seine Schockzauber ihre beste Möglichkeit waren, sich zu erwehren. Das Silberschwert würde auch nur bedingt gegen stoffliche Untote helfen und ein Skelett bedrängte man am Besten mit etwas wie einem Streitkolben oder einer Axt nur gegen einen Zombie würde er damit einen Stich sehen. Und für einen Geist würde er keine zusätzliche Kraft brauchen, mehr Schaden als durch das Silber, würde die Kreatur eh nicht erleiden.

Er lud seine Hände mit Schockenergie auf. Glücklicherweise hatten sie heute noch nicht weiter kämpfen müssen, sodass seine magische Reserven gefüllt waren. Er verengte die Augen und versuchte im Dunkel, das sie nun dichter umgab, seit er die Fackel zurückgelassen hatte, etwas zu erkennen. Doch hörte er die Gegner, bevor er sie sah. Stöhnend, klappernd, schleifend und kratzend bewegten sie sich auf sie zu. Aus einem nahen Gang kamen sie gewankt. Es waren Zombies, halb verfault, aufgedunsen, mit leeren Blicken, wenn die Gesichter nicht schon halb zerfallen waren, die Schimmel und offene Wunden zeigten. Neben ihnen marschierten fahle Skelette mit Resten von zerfetzter Kleidung oder Rüstungsteilen um den klapprigen Rumpf. Ihre Augenhöhlen waren schwarz und leer. Sie entdeckten sie und blieben einen Moment stehen. Einer der Zombies trat vor und riss seinen verfallenen Unterkiefer um und stieß das Brüllen aus, das sie schon zuvor gehört hatte. Der Tunnel wurde hell, als sich ein Kugelblitz von Tirians Hand löste, summend durch die Luft schoss und der Kreatur den Schädel unter dem zuckenden Licht einer Entladung den Kopf platzen ließ. Das Brüllen verstummte und die anderen Untoten stürmten auf sie zu. Die Zombies mit ihren entstellten Gliedmaßen, die Skelette bewaffnet mir rostigen Spitzhacken und anderen Werkzeugen, offenbar die ehemaligen Bauarbeiter. Tirian zog sein Schwert und feuerte noch einen Kugelblitz in die Menge, bevor sie sich auffächern konnte.

[Dreveni]
Es waren viele, zu viele, dachte Dreveni nur, als sie die Meute sehen konnte. Dass sie den Gang, der sich etwas verengte, im Rücken hatten, gab ihnen zwar den Vorteil dass sie schwerer einzukreisen waren, allerdings konnte er auch zur Falle werden, wenn sie in ihn zurückgedrängt wurden.
Eine der Kreaturen stieß ein Brüllen aus, das Dreveni nur allzu bekannt vorkam, bis er von Tirian unsanft zum Schweigen gebracht wurde. Machte einen weniger, aber immer noch nicht wenige genug. Nun gut, sie hatten keine Wahl, so oder so.
Sie trat ein Stück weg von dem Heiler, um ihn nicht ausversehen mit dem Schwert zu erwischen, und holte aus, als die ersten zwei Zombies nahe genug bei ihr waren. Sie zog das Schwert mit schwung in einem weiten Bogen von unten nach schräg oben, was den beiden Kreaturen die Reste ihrer Rümpfe aufschlitzte und sie zurücktaumeln ließ. Vergammelter Schleim spritzte aus den Wunden, schien die beiden aber nicht weiter zu stören, schon stürmten sie wieder nach vorne. Dieses mal schickte sie dem rechten Zombie einen Schockzauber entgegen, der nicht ganz so kräftig wirkte wie der von Tirian, aber reichte um ihn dieses mal endgültig ins Jenseits zu befördern. Dem linken hieb sie kurzerhand den Kopf ab, doch kaum war er gefallen, war schon ein Skelett mit einem Langschwert heran, dass ihr einen kräftigen Hieb versetzte, der die magische Barriere um sie herum aufleuchten ließ. Noch hielt sie und der Hieb ging nicht durch, aber sie merkte die Magie, die sie brauchte, um den Schild weiterhin stabil zu halten.
Ungezielt stach sie nach dem Skelett, wodurch sich ihr Schwert in seinen Rippen verfing, und sie brauchte ein paar Sekunden, um ihre Klinge wieder zu befreien.
Wieviele kommen denn noch?, dachte sie, leicht verzweifelt. Als das Skelett kurz damit beschäftig war, seine Knochen zu sortieren, nutzte sie die Chance um einen kurzen Blick zu ihrem Begleiter zu werfen...

[Tirian]
Lyviani tat es ihm schnell gleich und setzte den ersten zwei Zombies, die an sie herankamen, ihr Vulkanglasschwert entgegen und brachte die Kreaturen auf Abstand. Derweil deckte der Heiler weitere heranstürmende Gegner mit Blitzen ein. Einem anderen wanken Fleischhaufen zerfetzte er den Torso mit einer Lanze gebündelter Schockmagie und ließ zuerst dessen verfaultes Gekröse herausfallen, um mit der Lanze dann wie mit einem Skalpell nach oben zu fahren und ihm den Schädel von unten nach oben aufzureißen. Der Geruch von verbranntem Fleisch breitete sich aus. Es roch ekelerregend, was den Heiler kurz husten ließ, ihm aber nicht die Konzentration für einen weiteren Zauber stahl, der in Form eines Kugelblitzes eines der Skelette traf, die außer ihren zombiösen Kollegen hervorstürmten und die magische Verbindung zwischen Knochen zersprengte und den beinernen Körper gleich mit. Allerdings war in dieser Zeit ein anderer Zombie gefährlich nahe gekommen und Tirian hatte alle Hände voll damit zu tun ihn mit seinem Schwert auf Abstand zu halten. Das Silber machte der hinfälligen Kreatur nichts aus und auch die Klinge zerschnitt den Körper, richtete aber wenig aus.

Der Dunmer ließ nun doch etwas stärkende Energie in seine Arme fließen und schaffte es schließlich mit einem Streich schräg von unten nach oben, durch beide Arme zu schneiden und das Biest zu verkrüppeln. Als es sich nun ohne seine Klauen gegen ihn werfen und ihn beißen wollte, riss er die Klinge hoch und trieb sie dem Körper durch den Schädel. Vor ihm brach der Wiedergänger zusammen, doch steckte das Schwert so fest, dass Tirian seinen Fuß auf die Schulter des Zombies stellen und geradezu am Griff reißen musste, um es wieder zu befreien. Diese Augenblicke erschienen anderen Untoten wohl günstig genug, um anzugreifen. Der Heiler erkannte, dass er sie nicht mehr abwehren konnte. Er rief sich einen Zauber ins Gedächtnis, der ihm in seiner Lehre zum Heiler vermittelt worden war. Da es damals noch zu erwarten gestanden hatte, dass er Priester werden sollte, etwas das er schließlich aufgrund des Dogmas des Tribunals Tempels ablehnte, gab es auch entsprechenden Unterricht darin, sich den Kräften des Bösen zu erwehren. Er murmelte schnell die heiligen Worte und streckte die Hände vor. Ein weißes Licht materialisierte sich vor seinen Handflächen. Die Gegner, die ihn angreifen wollten, blieben stehen. Dann löste sich der Zauber von seiner Hand und breitete sich in einer Welle weißen Nebels aus, der die Toten umfasste. Die beiden Zombies, die er damit einfing begannen zu brüllen, als der Nebel sie berührte. Zusammen mit dem Skelett, das ebenfalls angreifen wollte, ließen sie von ihm ab und ergriffen die Flucht. Tirian nutzte die kurze Kampfpause, um zu schauen, ob Lyviani seine Hilfe brauchte.

[Dreveni]
Der Heiler neben ihr schlug sich tapfer, und mit irgendeinem Zauber den Dreveni nicht kannte, schaffte er es sogar, die Untoten zur Flucht zu verleiten. War nur die Frage offen, wie lange das anhalten und wann sie zurückkehren würden.
Sie hatte keine Zeit, näher darüber nachzudenken, da schon wieder das Skelett mit dem Langschwert ausholte. Sie war dem Schildzauber mehr als dankbar, auch wenn sie dieser, zusammen mit dem, den sie über Tirian gelegt hatte, einiges an Kraft kostete, die sie nun nicht mehr für Schockzauber übrig hatte. Ohne diesen hätte der Zombie, der gerade dazu noch nach ihr schnappte, sich wohl kräftig in ihrem Arm verbissen. Mit einem gezielten Tritt hielt sie ihn auf Abstand, als sie den nächsten Hieb des Skelettes blockte. Nachdem sie in diesem Skelett gerade die größere Gefahr sah, da es ihr mit dem Langschwert wirklich gefährlich werden konnte, legte sie alle ihre Kraft in ihren nächsten Hieb. Sie nahm das Schwert in einem fast elegant wirkendem Bogen nach oben - wobei sie dem Zombie neben sich streifte, der ihr schon wieder gefährlich nahe gekommen war - und schlug dem Skelett mit Wucht von oben auf den Schädel. Knochen splitterten, für einen Moment stand die Kreatur kopflos da, dann wurde sie schon von dem Schwung der Klinge zu Boden gerissen, wo sie als ein Haufen Knochen liegen blieb. Dreveni hoffte, dass sie nicht noch einmal aufstehen würde, da sprang sie auch schon wieder der Zombie neben ihr an, so dass sie gegen Tirian stolperte.

[Tirian]
Lyviani schlug sich gut gegen die Wiedergänger, die ihr auf den Pelz rückten. Beruhigt wandte sich Tirian den Gegnern zu, die wieder auf ihn zu hielten. Ein Skelett kam her, wurde jedoch durch einen magisch verstärkten Schlag gefällt. Die Klinge sauste in einem steilen Winkel von oben aus in die belebten Gebeine, traf zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt das Rückgrat und zerschmetterte das klappernde Konstrukt mit voller Wucht. Knochensplitter und Einzelteile zerstoben in alle Richtungen. Derweil näherte sich ein weiterer, diesmal kopfloser Zombie und packte den Heiler mit fuchtelnden Armen. Ihm wurde schlecht, als er den Fäulnisgestank so nah an sich hatte und das schleimige Miasma seiner Verwesung sich über seine Robe verteilte. Den Ekel nur schwer überwindend drückte der Dunmer seine Hand auf den nackten, ebenfalls aufgedunsen, weichen und schmierigen Körper des Monstrums und ließ der Magie freien Lauf. Vom Schockzauber getroffen, wurde der Zombie regelrecht gegrillt. Flüssigkeit, die durch die Hitze des Blitzes aus ihm herausgekocht wurde, sickerte ebenfalls über Tirians Kleidung. Er fühlte sich in diesem Moment so ekelerregend schmutzig, dass ihm selbst ein Bad in der Brühe, die in dem Kanal stand, zur Reinigung gedient hätte.

Gerade als er sich wieder weiteren Gegnern zuwenden wollte, sah er aus dem Augenwinkel etwas auf sich zustolpern. Er wandte sich um, gerade rechtzeitig, um das Silberschwert fallen zu lassen und etwas unbeholfen Lyviani aufzufangen sowie mit einer weiteren Blitzlanze reflexartig den Zombie aufzuschneiden, der ihr dicht gefolgt nachsetzte. In diesem Moment wich die Dunkelheits des Tunnels plötzlich einem grün-weißen Leuchten. Tirian sah, wie zwischen den restlichen Untoten ein Geist aus dem Boden wuchs. Der Heiler erkannte ihn an seinen Klauen. "Das ist der Geist, der uns vorhin an der Brücke erwischt hat": sagte er der Assassine. Der Dunmer schaffte es gerade noch sein Schwert aufzuheben, da sah er auch schon eine Kugel aus glitzernder Luft auf sie zufliegen. Er schubste Lyviani schnell aus dem Weg und lass sich nach hinten fallen. Er spürte die Kälte im Gesicht als der Zauber des Geistes auf dem Boden explodierte und die getroffene Stelle mit Frost überzog. Leider war Tirian zu langsam, um dem nächsten Zauber zu entgehen. Im Licht, das der Geist ausstrahlte, glänzten die winzigen, rasiermesserscharfen Eiskristalle noch einen Moment, bevor die Wolke ihn traf. Er schloss die Augen, während er ein fürchterliches Brennen im Gesicht spürte und die scharfkantigen Eisklingen ihm die Haut aufschlitzten. Er blutete aus dutzenden kleinen Schnitten.

[Dreveni]
Dreveni fühlte sich von Tirian aufgefangen, der auch gleich den Zombie erledigte, der sie hartnäckig immer wieder von der Seite angriff. Gerade als sie sich wieder aus den Armen des Heilers befreite, sah sie auch schon was da in der Mitte der Untoten erschien, und hätte Tirians Erklärung kaum noch bedurft.
Sie hatte kaum einen Blick auf den Geist geworfen, da wurde sie auch schon unsanft geschubst, gerade noch rechtzeitig um nicht von dem Eiszauber des Geistes getroffen zu werden. Viel Zeit um sich zu sammeln blieb ihnen nicht, da holte das Gespenst erneut aus. Dieses mal hatte Tirian bei weitem weniger Glück, ihn traf es voll. Dreveni sah wie ihm das Blut über das Gesicht lief, und für den Moment schien er auch nicht wirklich handlungsfähig. Nicht gut. Dreveni konzentrierte sich kurz, bevor sie dem Schattenwesen einen Feuerzauber entgegen schleuderte. Mit was sollte man Eis auch besser bekämpfen können? Davon abgesehen lag ihr das eher als Schockzauber.
Für einen Augenblick verschwand die Silhouette des Geistes hinter den Flammen, als er wieder sichtbar wurde, meinte Dreveni seinen wütenden Blick auf sich zu fühlen. Es schien ihm nicht viel ausgemacht zu haben, aber er war jetzt - wenigstens vorerst - von Tirian abgelenkt. Außerdem hatte es ein paar der Untoten um ihn herum so angekokelt, dass sie doch endlich ihr Heil in der Flucht suchten.
Für einen Moment schien es, als belauerten sich Dreveni und der Geist, bevor er einen weiteren Frostzauber in ihre Richtung warf. Auf das hatte sie allerdings nur gewartet, und sie hatte ganz ihren Reflexen vertraut, die sie auch nicht im Stich ließen, und so warf sie sich fast ohne nachzudenken aus der Flugbahn des Zaubers, der wirkungslos an der Wand zerplatzte, vor der sie gerade noch gestanden war.

KingPaddy
05.05.2013, 15:17
[Tirian]
Noch ganz benebelt von der Attacke des Geistes, bekam er mit wie eine Stichflamme den Tunnel erhellte. Es dauerte noch einige Augenblicke bis er soweit zur Besinnung gekommen war, dass er mitbekam, wie sich nun Lyviani diesem Untoten stellte. Offenbar waren die anderen Gegner in Deckung gegangen. Die Assassine wich geschickt einem weiteren Angriffszauber aus. Tirian nutzte seine Chance und half von der Seite mit einer weiteren Blitzlanze. Mit einer raschen Bewegung wand er sich ganz formungebunden aus dem Weg wie eine Schlange, doch der Heiler hatte Blut gelackt. Es war sein eigenes das aus den vielen Schnitten lief, die auch seine Lippen nicht verschont hatten. Er setzte der Lanze sofort noch kleine, schwächere Kugelblitze nach. Der Wiedergänger versuchte so gut es ging auszuweichen, doch einer der Zauber traf ihn. Er war nicht sehr stark, doch erstarrte ihr Gegner für einen Moment und schien geradezu völlig außer Form zu geraten. Diesen Moment nutzte Tirian und stieß mit einer weiteren Blitzlanze aus seiner Hand zu. Der Geist wurde direkt getroffen. "Das ist der Ausgleich, du Kreatur": rief der Dunmer. Das Gespenst kreischte. In diesem Moment fühlte er wieder einen bohrenden Schmerz in seiner Schläfe. Die Magie riss unvermittelt ab. Der Heiler hielt sich Kopf. Ein dunkles Lachen erklang und das grüne Leuchten verschwand, als der Untote verschwand.

Auf einmal tauchte aus dem Gang rotes Licht auf. Tirian, noch benebelt von dem plötzlichen Schmerz, konnte verschwommen erkennen, wie die geflohenen Zombies, drei Stück waren es, und die zwei übrigen Skelette zurückkamen. Eines von ihnen hilet die Fackel, die der Heiler zuvor liegen gelassen hatte, in der Hand. "Was beim Tribunal...": fragte er. Die Fackel ließ flackend sieben Schatten hinter ihm, Lyviani und den anderen Untoten entstehen. "Oh nein": dachte der Dunmer, weil er ahnte, was sie damit bezweckten. "Lyviani es sind die Schatten": rief er. Doch da wuchs aus ihrem Schatten schon eine Klaue heraus.

[Dreveni]
Fassungslos sah Dreveni, wie die restlichen Untoten zurück kehrten und die Fackel dabei hatten.
"Lyviani, es sind die Schatten.", hörte sie Tirian rufen, und da wurde es ihr auch endgültig klar.
"Ihr nehmt den Geist, ich kümmer mich um diese verfluchte Fackel.", antwortete sie. Mit den sieben Schatten konnten sie ewig in der Luft herum fuchteln und würden den richtigen doch nicht treffen.
Sie sammelte den Rest ihrer Magie und sprach einen Lichtzauber, der ihr sogar richtig gut gelang, wenn man die Gesamtsituation berücksichtigte. Das magische Licht war diffuser als das der Fackel, so wurden die Schatten ebenfalls schwächer, aber sie verschwanden nicht ganz. Der Nachteil war, dass sie langsam nicht mehr genug Magie für den Schildzauber hatte, aber Opfer musste man eben bringen. Sie hoffte, dass das den Geist in Schwierigkeiten bringen würde, und ging auf die Zombies los, die sich vor dem Skelett mit der Fackel aufgestellt hatten.
Inzwischen hatte sie wirklich mehr als genug von diesem untoten Abschaum und das konnte man ihr auch ansehen, als sie auf die verwesten Kreaturen zustürmte. Sie schienen für einen Moment zu zögern ob ihres Anblicks, dann stürzten sie sich wieder dumm und ohne Hirn in ihr Schwert.
Der Effekt war nicht groß, wie sie es auch schon fast erwartet hatte, aber sie landete einen Glückstreffer und trennte einem der Untoten seinen letzten Arm auch noch ab. Wenn sie die Viecher schon nicht mit einem Hieb erschlagen konnte, dann wenigstens kampfunfähig machen, die verfaulten Gliedmaßen saßen lockerer als bei lebendigen Wesen.
Sie hieb dem Armlosen Zombie noch einmal kräftig in die Seite, was ihn in das Brackwasser stürzen ließ. Komm da erstmal wieder raus ohne Arme.
Als sie das dachte, fühlte sie wie sich Klauen schmerzhaft über ihren Arm zogen, die anderen beiden waren ihr schon wieder viel zu nahe gekommen, was sich aber durch einen weit geführten Hieb mit dem Schwert vorerst wieder erledigte. Das Skelett mit der Fackel schien sie höhnisch anzugrinsen, und das zweite Knochengerüst hielt es erst gar nicht für nötig, überhaupt einzugreifen.

[Tirian]
Tirian sah mit Glück im Herzen, dass sich Lyviani schnell in den Kampf gegen die Untoten warf und der Geist sie knapp verfehlte, offenbar hatte sie gar nicht mitbekommen, dass er sie angreifen wollte, allerdings stand er jetzt vor dem Problem, dass er nicht mehr erkennen konnte, wo sich das Astralwesen verbarg. Während die Meuchlerin ihm die stofflichen Wiedergänger in Schach hielt, suchten seine Augen die Schatten ab, um zu erspähen, wo sich sein Gegner verbarg. Auch seinen eigenen Schemen ließ er nicht mehr aus Augen. Er hatte aus dem Vorfall am Übergang gelernt. Ein Skelett entwand sich dem Zweikampf mit der Dunmer und kam auf ihn zu. Tirian machte bereits Magie bereit, als er sah, wie das Umriss des Skeletts kurz schwankte. Eine schattenhafte Klaue schoss hervor, doch als der Heiler einen Blitzzauber abgab, um den Geist zu treffen, zerfiel der Schattenarm einfach. "Was zum...": überlegte er, da spürte er nur noch die Präsenz von etwas Mächtigerem in seinem Rücken. "Ein Ablenkungsmanöver": kam es ihm zu Bewusstsein, als sich der Geist direkt in seinem Schatten materialisierte. Seine Kralle fuhr nach vorne und riss ihm den Arm auf, bevor er die Kreatur mit einem Schockzauber auf Abstand zwingen konnte, leider dem Skelett den Rücken zuwandte und beinahe von einer alten Spitzhacke erschlagen wurde. Ihn rettete ein Feuerzauber von der Seite, der das Gerippe aus dem Takt brachte. So konnte der Heiler dem Hieb ausweichen, sah sich aber dem aus dem Schatten des Untoten auftauchenden Geist wieder ausgesetzt.

Es schoss erneut eine Wolke aus Eiskristallen heran, Sie erwischte seinen ohnehin geschundenen Arm und zerschlitzte ihn noch weiter. Er hieb mit der Silberklinge nach dem schattenhaften Wiedergänger und schien ihn zu treffen. Das reine Metall grub sich funkensprühend durch den astralen, schattenhaften Arm des Geistes und ließ ihn wieder aufkreischen. Allerdings schoss nun aus seinem eigenen Schatten die andere Klaue hervor und prellte ihm die Waffe aus der Hand. Um sich Luft zu verschaffen, sammelte Tirian Energie und setzte schnell noch einmal den weißen Nebel ein, der sowohl das Skelett in Panik flüchten ließ, als auch den Geist zu einem zornigen Brüllen veranlasste, als er aus seinem Schatten fliehen musste. Der Heiler keuchte er war geschwächt. Aus seinem aufgerissenen Arm sickerte das Blut. Er zog aus seiner Robe ein Fläschchen mit einem bläulich schimmernden Trank, riss den Korken mit den Zähnen heraus und stürzte den Inhalt, die kurze Pause nutzend, sofort hinunter.

[Dreveni]
Dreveni hatte alle Hände voll mit den Untoten zu tun, so konnte sie kaum auf Tirian achten, nur einmal hielt sie ihm das Skelett mit der Spitzhacke mit einem Feuerzauber vom Leib. Erst als die Skelette flohen - die anderen beiden Zombies hatte sie inzwischen mehr oder weniger zerstückelt und in den Kanal getrieben - blieb ihr Zeit, nach ihrem Begleiter zu sehen. Er sah alles andere als gut aus, aber bevor sie ihn näher betrachten konnte, sah sie aus dem Augenwinkel einen Schatten auf sich zufliegen. Gleich darauf fühlte sie sich von einer Kälte eingehüllt, wie sie sie noch nie zuvor gespürt hatte. Sie schien ihr bis ins Mark zu dringen und sie auf der Stelle zu Eis erstarren lassen zu wollen. Mit letzter Kraft zog sie ihren Dolch, da sie gerade noch ahnte, was da wieder auf sie losging, und stieß ihn ungezielt in die dunkle Wolke vor ihr. Dieses Mal meinte sie fast, das unmenschliche Kreischen direkt in ihrem Kopf zu hören und sie hielt sich stöhnend die Hände auf die Ohren, aber wenigstens schien das Wesen von ihr abzulassen, denn es wurde ihr nicht noch kälter. Hektisch und immer noch vor Kälte zitternd blickte sie sich um, konnte den Geist aber nicht mehr ausmachen.

[Tirian]
Als der Heiler die magieerfrischende Wirkung des Trankes mit Erleichterung spürte, sah er zu seinem Entsetzen, dass sich der Geist erneut in Lyvianis Rücken materialisierte. Er fasste sie aus einer Wolke eisig schimmernder Magie ein. Tirian wollte eingreifen, doch die Assassine wehrte den astralen Wiedergänger erneut mit ihrem Dolch ab. Wieder glühte das daedrische Metall als es durch den Astralleib der Kreatur schnitt und sie offenbar wieder verletzte. Kreischend zog sich das Gespenst zurück, doch in diesem Moment explodierte in Tirians Kopf der Schmerz, doch fühlte er sich plötzlich noch viel freier als zuvor. "Der Fluch des Geistes muss gewichen sein": stellte er fest. Ein Lachen erklang in seinen Gedanken. "Nicht für lange, Sterblicher": erklang es körperlos in seinem Verstand. Wieder wuchs sein eigener Schemen an, doch die KRaft des Heilers war inzwischen zurückgekehrt. Ein starker Schockzauber trieb den Geist dort hinaus, bevor er etwas tun konnte. "Verflucht. Das bringt uns nicht weiter": fluchte Tirian in Gedanken, da er seinen Gegner so nicht zu fassen bekam. Wieder wollte sich der Wiedergänger im Schatten eines der anderen Untoten materialisieren, doch diesmal schlug es fehl. Mit Freude sah der Dunmer, dass Lyviani gerade den dritten und damit letzten Zombie mit einem kräftigen Hieb gefällt und aus dem Spiel genommen hatte.

Es verblieben nur noch die zwei Skelette, das eine mit der Fackel und das andere noch immer mit der rostigen Spitzhacke. Von seinem Manatrank noch völlig aufgeputscht zögerte er nicht und fällte den Knochenmann mit der Spitzhacke mit einer weiteren Blitzlanze. Er verengte seine Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Plötzlich ging von ihm ein starkes, weißes Licht aus. Mit einem kurzen Aufschrei dehnte er es zu einer Lichtwelle und umfasste damit auch Lyviani. Nichts. Es gab keine Bewegung in ihren Schatten. Der Geist konnte sich also nur noch an einer Stelle verstecken. "Hab ich dich": rief Tirian und lenkte nun die Lichtwelle auf das verbliebene Skelett um. "Das glaube ich nicht": war wieder die körperlose Stimme zu hören. Blitzschnell erhob sich der Schemen des Skelettes zeigte mit seiner Klaue auf den Heiler und roter Blitz fuhr hervor und traf Tirian. DIe Lichtwelle riss ab und der Heiler schrie vor Schmerz auf. Es fühlte sich an als würde sein Innerstes verdorren. Er fühlte wie ihm die Energie abgesaugt wurde. "Nein, das kann nicht sein": dachte er, als er den selben nun am eigenen Leib fühlte, mit dem er tagszuvor den Ashkhan fast getötet hatte. "Das ist wohl meine gerechte Strafe": dachte der Heiler, als ihm der Geist das Leben aus dem Körper saugte, nein eher herausriss.

Der Heiler hatte schon abgeschlossen, als plötzlich ein lautes "Nein" durch den Tunnel dröhnte. Das Fackellicht verschwand und der Zauber, der Tirian in seinem Griff gehalten hatte, riss ab. Stattdessen war nun die grün-weißlich leuchtende Astralgestalt des Geistes wieder zu sehen. Aus irgendeinem Grund war die Fackel erloschen. Der Geist nun außerhalb des schützenden Schattens, schwebte hinter seinem Skelett-Diener. Tirian leckte erneut Blut von seinen Lippen und nutzte seine Chance. Er warf einen mächtigen Kugelblitz, der die Kreaturen traf, das Skelett zerstörte und den Geist einem weiteren Kreischen zerstoben ließ. Mit einem Krachen sprang hinter ihm die zuvor magisch verschlossene Tür auf. Ihm selbst wurde schwindlig. Schließlich kippte er einfach um.

[Dreveni]
Dreveni versuchte noch, sich wieder zu sammeln, als Tirian mit einem der beiden Skelette kurzen Prozess machte. Es war nur leider nicht das mit der Fackel, und in den nächsten Sekunden war sie vollauf damit beschäftigt sich umzusehen, wo sich der Geist nun verbarg. Schließlich wurde es wieder sichtbar und griff den Heiler an. Dreveni erkannte ihre Chance und ging nun ihrerseits auf das letzte Skelett zu, dem sie kurzerhand die Fackel mit ihrem Schwert aus der Hand hieb, sie austrat und mit einem kräftigen Tritt ins Wasser beförderte.
Sie wollte gerade ausholen, um dem Skelett noch den Rest zu geben, da wurde es auch schon von einem gewaltigen Blitz von Tirian getroffen und sie wankte geblendet ein paar Schritte zurück.
Auch von dem Geist war nichts mehr zu sehen, das hieß er war zumindest vorerst verschwunden, nachdem es keine Schatten mehr gab, in denen er sich verstecken konnte, jetzt wo die Fackel aus war.
Gerade als sie aus dem Augenwinkel sah, dass die Holztür nun aufgesprungen war, kippte Tirian einfach um.

"Oh scheiße.", flüsterte sie erschrocken, rannte zu ihm hin und kniete sich vor ihn auf den Boden. Er sah furchtbar aus, überall war Blut, an seinem Arm, in seinem Gesicht, überall. Aber nicht genug dass..., dachte sie, während sie ihm vorsichtig das Haar aus dem Gesicht strich - dass sie dabei sein Blut nun auch noch an ihre Hände schmierte, bekam sie gar nicht mit - und sich dann mit ihrem Ohr zu seinem Mund beugte. Wenigstens atmete er noch, und wenn hier nicht noch irgendwo eine größere Lache war, dürfte er auch nicht kurz vor dem Verbluten sein. Es war zwar viel, aber kein Vergleich zu den Mengen, die aus einem Elf laufen konnten, wenn man eine Schlagader erwischte, soviel wußte sie aus Erfahrung.
Sie schüttelte ihn vorsichtig an der Schulter, ihr Gesicht nahe an seinem: "Tirian, wacht auf. Ihr werdet mir hier jetzt nicht sterben, hört ihr?" Die Haut seines Gesichtes, die man zwischen dem Blut noch erkennen konnte, war aschfahl und sein Gesicht wirkte eingefallen. "Verflucht, seh ich aus wie ein götterverdammter Heiler?" Sie schüttelte ihn jetzt kräftiger.

[Tirian]
"Verflucht, seh ich aus wie ein götterverdammter Heiler?": hörte Tirian eine vertraute Stimme, als er durch ein energisches Schütteln endlich wieder zu Bewusstsein kam. Er schlug die Augen auf und sah Lyvianis ganz nah über sich. "Sie ist schön": drängte sich plötzlich in seine Gedanken, als er sie so nah vor sich sah. Er verdrängte den Gedanken. "Das tun wir im Moment wohl beide nicht": versuchte sich der Heiler mit schwacher Stimme an einem Scherz und versuchte sich hustend aufzusetzen, doch er fühlte sich ausgezehrt und schwach. Er schaffte es einfach nicht. Auch auf seine Magie konnte er sich im Moment nicht wirklich besinnen. Seine Konzentration brauchte er, um nicht wieder in Ohnmacht zu fallen. "Lyviani... ihr müsst mir helfen. Ich kann mich kaum bewegen. Dieses Ding hat... versucht... mich auszusaugen. An meinem Gürtel... eine Phiole. Der Trank... den ich gebraut hatte. Er wird helfen": bat er die Assassine. Er legte sich zurück und fühlte den kalten Stein des Kanals an seinem Hinterkopf. Sein Blick verschwamm langsam wieder.

Dann beugte sich die Dunmer wieder über ihn. Sie hob seinen Hinterkopf an und flößte ihm den Trank ein. Der Heiler schluckte die Flüssigkeit herunter und fühlte eine Wärme, die sich sofort von seinem Magen aus, in seinem gesamten Körper ausbreitete. Sein zerschlitzter Arm als auch sein Gesicht begannen zu kribbeln, zu jucken und heiß zu werden, während Leben und Kraft langsam in ihn zurückkehrten. Umso länger der Trank seine Wirkung tat, umso mehr fühlte er sich erholt. Schließlich setzte sich Tirian auf und erhob sich. Lyviani schaute ihn an. "Ich danke euch. Vielleicht wird aus euch auch noch eine götterverdammte Heilerin": sagte er. Er sah sich um. Offenbar waren ihre Gegner inzwischen erledigt. Er lenkte seine Aufmerksamkeit nun auf die aufgesprungene Tür. "Dort muss es irgendwo hinausgehen": überlegte der Heiler. "Lyviani. Braucht ihr etwas Heilung oder eine Pause? Ansonsten sollten wir unseren Weg fortsetzen": fragte er die Assassine.

Andromeda
06.05.2013, 15:41
[Dreveni]
Dreveni war erleichtert, als Tirian schon bald die Augen wieder aufschlug und sogar schon wieder in der Lage war, Scherze zu machen. Wenigstens versuchte er es. Sie half ihm sich aufzusetzen und flößte ihm den Heiltrank ein, woraufhin er sich sichtbar erholte und die Schnitte in seinem Gesicht und auf seinem Arm verschwanden. "Eher frieren die Ebenen Oblivions zu, als dass ich jemals eine Heilerin werde.", nuschelte sie auf Tirians Kommentar.
Sie sah sich ebenfalls kurz angewiedert um, bevor sie auf seine letzte Frage antwortete: "Weder noch. Einzig einen Zuber mit sauberem Wasser, aber ich fürchte das ist gerade zu viel verlangt." Zwar brannten die Kratzer der Zombies auf ihrem Arm inzwischen ziemlich, und auch die Platzwunde auf ihrer Stirn schmerzte, aber das konnte wirklich warten bis sie endlich aus diesem Dreck hier draußen waren. Außerdem hatte sie durch die Schmerzen zumindest latent schlechte Laune, was ihre Wachsamkeit und vor allem ihrem Schwertkampf durchaus zuträglich war. Auch auf eine Pause konnte sie hier gut und gern verzichten.

Sie sammelten ihr Waffen ein, und traten schließlich - Dreveni vorne weg, mit gezogenem Schwert - durch die Tür. Der Gang dahinter unterschied sich deutlich von der feuchten Kanalisation, die Wände - ebenso der Boden - schienen in den Fels gehauen und waren fugenlos und glatt, nicht gemauert wie die im älteren Teil der Kanäle. Auch war die Luft hier trockener und staubiger. Dreveni hielt kurz inne und lauschte angestrengt. Es war relativ duster, so konnte sie kaum etwas sehen, und als sie für ein paar Augenblicke nichts gehört hatte, wagte sie einen kleinen Lichtzauber. Er erhellte den Gang nur ein paar Meter um sie herum, zu mehr war sie noch nicht in der Lage, aber immerhin sahen sie jetzt wieder, wohin sie traten. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, die Fackel in den Kanal zu werfen, jetzt hätten sie sie wieder gebrauchen können.
Sie wandte sich zu Tirian und fragte leise: "Was ist das hier?"

[Tirian]
Der Heiler verzog unmerklich das Gesicht, als Lyviani sowohl eine Behandlung ihrer Wunden als auch eine Pause ablehnte, aber er würde nicht mit ihr darüber diskutieren. Tirian war allerdings der Meinung, dass ihr nach diesem Kampf eine Pause gewiss gut getan hätte. "Lasst mich die Wunde wenigstens reinigen und verbinden, wenn wir hier heraus sind, damit sie sich nicht entzündet, wer weiß was diese Untoten alles an sich hatten": sagte er zu ihr, jedoch hatte sie sich schon längst dem nun freigewordenen Gang zugewandt und beachtete ihn gar nicht mehr. Er folgte ihr nach. Der kurze Gangabschnitt, der von der Holztür verschlossen worden war, mündete in einem großen Loch in einen... Raum? Es sah so aus, als wären die Arbeiter der Vergangenheit bei ihren Grabungen auf irgend etwas gestoßen. Die Assassin vor ihm hielt einen Moment inne. "Wartet sie auf irgendetwas": fragte sich der Heiler, doch dann sah er, wie sich der Raum oder vielmehr der Gang, wie er jetzt erkannte, im Schein eines Lichtzaubers erhellte. Seine Begleiterin hatte offenbar mehr magische Talente, als man zunächst vermuten konnte.

"Was ist das hier?": fragte sie. Tirian sah sich noch einmal ausgiebig im Gang um. Normale Architektur Morrowinds, aber so tief unterirdische Räume mit im Nirgendwo der Weidenländer war das schon etwas ungewöhnlicher. "Wenn ich die Untoten bedenke, die diesen Durchgang bewacht haben, würde ich meinen, dass wir uns wohl in einer Ahnengruft befinden": antwortete der Heiler. "Scheinbar hat man wohl in der Vergangenheit hier hinein gegraben und die Geister dieses Ortes nahmen es den Eindringlingen offenbar übel, dass sie das Grab beschädigt haben": vermutete Tirian und sah sich noch etwas um. Der Gang war nicht gar so leer, wie er schien. Es gab in den Wänden kleine Nieschen, in denen Urnen aufgestellt waren. "Definitiv eine Ahnengruft": ging es ihm durch den Kopf. Gefolgt von Lyviani ging er ein wenig weiter vom Wanddurchbruch aus in den Gang hinein. Wie der Lichtzauber enthüllte, war es tatsächlich ein länglicher Raum. Am anderen Ende befand sich eine Tür.

"Das Gute ist, dass wir damit einen sicheren Weg an die Oberfläche haben. Die Ahnengruften haben in der Regel alle einen Zugang. Bei der Tiefe in der wir uns befinden müssen, würde ich meinen, dass wir in einem unteren Abschnitt der Gruft sind. Das wäre die schlechte Nachricht. Wir müssen uns dann durch die Gruft nach oben arbeiten. Ich denke, dass wir auch diesen Geist von vorhin nicht zum letzten Mal gesehen haben. Wäre er tot, hätte er sich in einer Pfütze Ektoplasma verflüchtigt": dachte er laut über ihre derzeitige Lage nach. Unschöne Erinnerungen an Hrotanda Vale kamen ihm da hoch. Wenigstens hatten sie es hier nur mit Untoten und nicht noch Nekromanten zu tun und das hier war keine Ayleiden-Ruine. Dennoch sollten sie auf Fallen achten. Aufwendige Pfeil- und Gasfallen würden sie hier nicht vorfinden, aber man konnte nie wissen, ob nicht vielleicht die Türen durch einen Mechanismus gesichert waren.

"Wie versteht ihr euch eigentlich auf das Knacken von Schlössern und Entschärfen von Fallen?": fragte er seine Begleiterin.

[Dreveni]
Nun sah auch Dreveni die Gefäße an den Wänden, die wie Urnen wirkten. Ganz toll, eine Gruft. Das hieß vermutlich noch mehr untotes Geschmeiß, und Dreveni hatte jetzt definitiv schon mehr als genug davon für den Rest ihres Lebens gehabt. Sie sah kurz auf ihre Kleidung hinab, an der die Reste der Zombies klebten, und schüttelte sich angeekelt. Wasser. Bitte. Und wenn es nur ein Eimer voll ist. Und ein großes Stück Seife.. Sogar ihr Haar war schmutzig, aus dem Knoten in ihrem Nacken hatten sich ein paar Strähnen gelöst die ihr jetzt locker über den Rücken fielen.

Da wurde sie von Tirians Frage aus ihren Betrachtungen gerissen. Der Heiler sah nicht wesentlich besser aus als sie selbst, auch er war völlig besudelt von den Resten der Zombies und seinem eigenen Blut. "Wie versteht ihr euch eigentlich auf das Knacken von Schlössern und Entschärfen von Fallen?"
"Fallen...", sagte sie gedehnt, "Nun ja, kommt darauf an. Bei denen die mir bisher in Cyrodiil so untergekommen sind, reicht es meistens darauf zu achten, wohin man tritt. Fragt mich am Besten noch einmal, wenn wir auf eine treffen.", fuhr sie mit einem leicht schiefen Grinsen fort. "Und was die Schlösser angeht, die sollten uns keine Probleme bereiten, wenn sie nicht gerade so magisch versiegelt wurden, dass sie nur mit einem Schlüssel zu öffnen sind."

Tatsächlich hatte sie sogar noch ein, zwei Dietriche irgendwo in ihren Taschen, wenn sie sich auch beim Schlösser knacken hauptsächlich auf ihre Magie verließ, weswegen sie sich mit der Schule der Veränderung überhaupt nur befasst hatte. Schildzauber und der gleichen waren da nur ein angenehmer Nebeneffekt. Für Dietriche fehlte ihr zwar nicht unbedingt die Fingerfertigkeit, dafür aber schlichtweg die Gedult, so dass sie relativ bald zu hektisch wurde und die Dietriche nur zerbrach. Das Gepfrimel würde sie noch mal in den Wahnsinn treiben.
Immerhin schienen sie sich tatsächlich dem Ausgang zu nähern, die Gruft mußte ja einen haben. Hoffentlich hatte ihn niemand zugemauert, um die Untoten am entkommen zu hindern.

[Tirian]
"Das Problem ist, dass wir gerade vor einer stehen könnten. Die Fallen in unseren Ahnengruften als auch in den Dwemer-Ruinen, von denen ich gehört und die ich selbst gesehen habe, sind wesentlich subtiler als das, was beispielsweise die Ayleiden in ihren Städten verbaut haben. Gerade in unseren Ahnengruften sind die Türschlösser nicht selten mit solchen Fallen gesichert, die einen Zauber auslösen oder vielleicht eine vergiftete Nadel hervorschießen lassen. Damit sollte man immer rechnen, wenn man hier versucht eine Tür zu öffnen. Wenn die Falle nicht zuvor entschärft wird, dann wird sie durch das Öffnen der Tür ausgelöst. Der Mechanismus befindet sich mit im Schloss": erklärte Tirian der Dunmer.

"Mit etwas Pech würden wir das Ding auslösen und uns vielleicht etwas Unschönes auf uns ziehen, daher meine Frage": fügte Tirian noch an. Während Lyviani fachmännisch das Schloss begutachtete Tirian noch einmal den Raum, in dem sie sich befanden. Außer den Urnen war tatsächlich nicht soviel zu finden. Er war vorsichtig mit den Behältnissen für die Überreste der Toten. Das verlangte der Anstand von ihm. Er wollte wieder zu seiner Begleiterin hinüber gehen, doch dann entdeckte er in einer Nische doch noch etwas, dass ihnen nützlich sein könnte - einen alten Triolithen.

Er ging wieder zu seiner Begleiterin hinüber. "Was meint ihr?": fragte er Lyviani.

[Dreveni]
Zauber? Vergiftete Nadel? Wunderbar, wird ja immer besser hier. Sie war nie der große Höhlenkriecher gewesen, und hatte schon in Cyrodiil über die Fallen geflucht, auch wenn diese einfach durch Vorsicht zu vermeiden waren. Aber das hier war eine ganze Ecke hinterhältiger, oder auch subtiler, in Tirians Wortwahl.
Dreveni seufzte und wandte sich dem Schloss zu. Sie legte kurz die Hand darauf, konnte aber keine Magie spüren, aber das mußte nichts heißen. Nur dass sie das Schloss durchaus hätte öffnen können, wenn da keine Falle wäre.
Vorsichtig besah sie sich die Türe und die Klinke näher, aber sie konnte beim besten Willen nichts erkennen. "Verfluchter Mist, elender.", fluchte sie halblaut vor sich hin, hätte sie sich doch mehr für die Mechanik von Schlössern interessiert. Sie nahm sich gerade vor, das bei nächster Gelegenheit nachzuholen, als der Heiler wieder zu ihr trat: "Was meint ihr?"

Sie richtete sich wieder aus ihrer gebückten Haltung auf und drehte sich um, wobei sie unbewußt ihren Arm um den Striemen herum kratzte, den der Untote ihr beigebracht hatte. "Ich würde es vermutlich aufbekommen.", antwortete sie. Sie wandte den Blick kurz ab, dann sah sie wieder Tirian direkt an: "Aber ich habe es nicht so mit Schlössern. Ich kann sie nur öffnen. Mit Magie. Aber ich kann nicht sagen, ob da", dabei deutete sie hinter sich auf die Tür, "eine Falle ist. Ich persönlich würde das nur ungern ausprobieren. Also wenn ihr keine Idee habt, wie man sie auslösen kann ohne davon getroffen zu werden - falls denn da eine ist - dann sieht es schlecht aus."

[Tirian]
Lyviani konnte nicht sagen, ob sich in der Tür eine Falle verbarg. Tirian leckte sich über die Lippen. Für den Fall hatte er zum Glück Abhilfe entdeckt, wenn gleich er sich selbst damit in Gefahr begeben musste. Allerdings blieb ihnen auch keine andere Wahl, wenn sie nicht ewig in dieser Gruft festsitzen wollten. "Gut. Dann öffnet bitte das Schloss mit eurem Zauber. Ich werde die Falle übernehmen. Am Besten tretet ihr dann etwas von der Tür zurück": bat der Heiler und ging zu dem Triolithen zurück. Er legte seine Hand auf das mit Schnitzereien verzierte Holz, richtete ein Gebet und das Tribunal und spürte nach der Kraft, der dem kleinen Schrein innewohnte. Ihn umfasste Magie und er merkte wie der Schutz, für den er gebeten hatte, sich um seinen Körper herum aufbaute. Ein schwacher Schild legte sich um ihn. Die Götter mochten verschwunden sein, ihre Macht wohnte den Schreinen des Tempels noch immer inne. So ausgestattet wandte er sich nun der Tür zu.

Inzwischen hatte die Dunmer ihre beiden Hände auf das Schloss gelegt. Anhand des leichten Glimmens an ihren Handflächen konnte er erkennen, dass sie offenbar ihre Magie nutze. Ein Klicken und ein darauffolgendes Nicken von ihr, zeigte an, dass die Tür nun geöffnet war. Tirian trat heran. "Gleich werden wir wissen, ob sich eine Falle im Schloss verbirgt und was für eine": sagte der Heiler. Bei einer Giftfalle würde ihm auch der Schild nicht helfen. Aber für diesen Fall hatte er einen Heilzauber gegen Vergiftungen parat. Er schaute noch einmal zu Lyviani zurück, schluckte und drückte die Klinke nach unten. Umgehend spürte er wie sich die Luft um ihn herum elektrisch auflud. Der Schildzauber verging in einem hellen Blitz. Außer einer leichten Verbrennung an der Hand blieb er jedoch unversehrt. Umgehend legte er seine andere Hand auf die Wunde und die heilende Magie ersetzte schnell das verbrannte Fleisch. "Der Weg ist frei": sagte er und bat die Assassinin, die dank ihres Zaubers als Lichtquelle fungieren konnte, wieder voranzugehen.Für den Fall der Fälle hielt er nun einen Blitzzauber bereit.

KingPaddy
07.05.2013, 14:37
[Dreveni]
Dreveni meinte fast, sich verhört zu haben, als Tirian sagte, er wolle die Falle übernehmen. Aber er schien sich seiner Sache absolut sicher zu sein, und trat auf eine dreiseitige, halbhohe Steinsäule zu, die mit geschnitzten Holztafeln verziert war. Dort hielt er kurz inne und Dreveni konnte nicht genau erkennen was er dort tat, sie nahm sich jedoch vor ihn nachher zu fragen, sollte die ganze Sache irgendwie gut ausgehen.
Als er zurückkehrte, machte sie sich daran, das Schloss zu öffnen. Es war kein sonderlich gutes Schloss, wofür sie Dankbar war, da sich ihre Magie noch immer nicht wirklich gut erholt hatte. Aber um eine Pause würde sie trotzdem nicht bitten, sie wollte endlich wieder hier raus. Sie konzentrierte sich und spürte gleich darauf das vertraute Klicken unter ihren Händen, als sich das Schloss öffnete, dann trat sie wie von Tirian geheißen zur Seite. Sie warf dem Heiler einen skeptischen Blick aus zusammengekniffenen Augen zu, sie konnte sich immer noch nicht vorstellen, dass die ganze Sache ein gutes Ende nehmen konnte.
"Seid ihr euch sicher?", fragte sie, da hatte er die Hände allerdings schon an der Klinke und im nächsten Moment wandte sich Dreveni geblendet ab und riss den Arm vor die Augen, als der Blitzzauber Tirian traf. Das konnte nicht gut gegangen sein, unmöglich. Als sie den Kopf wieder dem Heiler zudrehte, stand er allerdings weitestgehend unversehrt vor ihr und heilte eine kleinere Brandwunde an seiner Hand. Was zum Henker? Der Blick, dem sie ihm zuwarf, brachte auch genau ihre Gedanken zum Ausdruck.
"Der Weg ist frei", sagte er einfach, und eins musste Dreveni ihm lassen, Mut hatte er.

Mit gezogenem Schwert trat sie vor dem Heiler durch die Tür und stand in einem länglichen Gang. Sie konnte nicht bis zum Ende sehen, denn so weit reichte ihr Lichtzauber leider nicht, sie meinte aber kurz, etwas gehört zu haben. Eine Art Schaben...
Sie dachte kurz an das, was Tirian vorhin gemeint hatte, dass sie den Geist nicht das letzte Mal gesehen haben mochten, aber das durfte sie jetzt nicht aufhalten. Sie würden schon früh genug merken was dort vorn war, wenn ihr ihre Ohren nicht nur einen Streich gespielt hatten. Nach wenigen Metern endete der Gang auch schon in einem offenen Durchgang, vor dem Dreveni einen genauen Blick auf den Boden warf, um nicht doch noch in eine der weniger subtilen Fallen zu laufen.
Kaum hatten sie beiden den Raum betreten, wurden sie auch schon aus dem Dunkel heraus von etwas angesprungen. Dreveni konnte es kaum genau erkennen, da hieb sie schon aus Reflex mit ihrem Schwert danach, da es eindeutig keinen freundlich gesinnten Eindruck machte. Es sah nicht gerade aus wie ein Zombie, jedoch eindeutig Untot, soweit sie es in dem kurzen Moment erkennen konnte. Als sie es mit der Klinge traf, ließ es einen fast empörten Aufschrei hören, ließ sich dadurch aber nicht wesentlich in seinen Angriffsplänen stören...

[Tirian]
Er folgte Lyviani in den nächsten Raum hinein. Das war tatsächlich ein Gang, nicht sonderlich breit, aber breit genug, dass man bequem nebeneinander gehen konnte. Fackeln gab es auch hier nicht, weshalb der Lichtzauber der Assassine das Einzige war, das ihnen mehr von der Umgebung zeigte. Sie näherten sich dem Ende des Ganges, wo es, wie es sich herausstellte, einen offenen Durchgang in einen weiteren Raum gab. Die Dunmer trat vorsichtig, den Boden offenbar nach Druckplatten oder etwas Ähnlichem musternd, die Türfalle hatte sie scheinbar vorsichtig gemacht, in den Raum hinein. Tirian hörte noch das Knurren, dann sah er, wie etwas aus dem Dunkel der Kammer in den Lichtkegel des Zaubers sprang und Lyviani zu packen versuchte. Sie traf es mit ihrer Klinge und entlockte dem Gegner damit einen Aufschrei.

Umgehend war der Heiler heran, ließ einen Kugelblitz fliegen, verfehlte das Monstrum aber knapp. Tirian riss sofort sein Silberschwert heraus und warf sich gegen die Kreatur. Er rammte die Klinge bis zu ihrer Hälfte in den Rücken des... er konnte die Kreatur auf den ersten Blick nur als Zombie identifizieren. Als er jedoch spürte, wie sich nagelspitze Knochen unsanft in seine eigene Seite piksten, wusste er, womit sie es zu tun hatten. Die Kreatur war massig und wollte von ihrem Opfer überhaupt nicht ablassen und Tirian, der sich noch immer an seinem Schwert und damit auf dem Rücken des Wiedergängers festklammerte, glaubte ein Wildpferd zu reiten.

Offenbar kassierte es noch einen Schlag Lyvianis, sodass es zurückbockte und den Heiler wieder in eine vertikale Position brachte. Mit einer Hand ließ er den Griff der Klinge los und sammelte darin Magie. Er wuchte sich herum, warf sich mit voller Kraft auf den Rücken der Kreatur und nahm damit in Kauf, dass sich erneut die Knochen unsanft in seinen Körper bohrten. Der Heiler packte den Wiedergänger nun etwa an der Stelle, wo der Hals in den Kopf mündet und ließ die Magie fließen. Der Untote zuckte spastisch und im nächsten Moment, schlug ihm die Assassine den Kopf von den Schultern, wodurch die Kreatur mit Tirian auf seinem Rücken zusammensackte. Er befreite sein Silberschwert und steckte es zurück in die Schwertscheide. "Was war das für ein Ding?": fragte ihn seine Begleiterin. Er warf noch einen prüfenden Blick auf den Kadaver. "Das war ein Knochenläufer. Die Clans beschwören sie häufig als Wächter für ihre Ahnengruften. Es muss uns wohl für Eindringlinge gehalten haben": erklärte Tirian und sah sich im Schein von Lyvianis Zauber etwas in der Kammer um, in die sie gelangt waren.

[Dreveni]
Kaum hatte Dreveni der Kreatur einen Hieb versetzt, ging auch schon Tirian darauf los, nachdem sein Schockzauber daneben gegangen war. Langsam schien er übermütig zu werden, als er schließlich am Rücken der Kreatur hing, nachdem er sein Schwert nicht mehr aus deren Rücken befreien konnte. Sie dachte wie an das längst überfällige Gespräch über Taktik im Kampf, dass sie mit ihm hatte führen wollen, während sie versuchte den Gegner zu treffen, ohne dabei den Heiler zu erwischen. Gerade als sie zu einem - wie sie hoffte - finalen Schlag ausholte, erledigte Tirian das Ding auch schon durch Magie. Allerdings konnte sie den Hieb nicht mehr bremsen und so enthauptete sie das Wesen glatt. So oder so, es schien dieses mal richtig tot zu sein.

Nachdem sie Tirian kurz gemustert hatte, ob er halbwegs unverletzt war, fragte sie ihn was das nun schon wieder gewesen sein mochte. Natürlich hat er das, wir sind ja auch Eindringlinge, dachte sie sich auf seine Antwort hin. Nun sah sie sich ebenfalls in dem Raum um. Er war ungefähr so groß wie der vorherige, auf Podesten standen die inzwischen vertrauten Urnen, und im hinteren Teil meinte sie einen weiteren Durchgang zu erkennen. Dreveni konnte sich nicht erinnern, dass sie jemals zuvor in einer ähnlichen Gruft gewesen war, in Cyrodiil gab es in den größeren Städten nur die Krypten, und dort hatte sie nur selten etwas zu schaffen gehabt. Auf den Podesten konnte sie Bücher, vertrocknete Blumen und ähnliche Dinge sehen, die wohl als Grabbeigabe gedacht waren, außerdem stand an einer der Wände eine reich verzierte Holztruhe, die ebenfalls schon ziemlich alt zu sein schien. Dreveni ging darauf zu und strich mit der Hand vorsichtig über den Deckel, den eine dicke Staubschicht bedeckte. Sie schien nicht verschlossen zu sein, und trotzdem zögerte sie, nicht nur wegen eventuell vorhandener Fallen.
Es war ja das eine, einem gerade getöteten Gegner die Wertgegenstände zu entwenden, aber Grabkammern zu fleddern, in denen vor langen Jahren die Angehörige Dinge für die Toten hinterlegt hatten, war auch ihr dann nicht so ganz geheuer. So wandte sie sich wieder von der Truhe ab und beobachtete Tirian, während sie wieder gedankenverloren an ihrem Arm herumkratzte. Es juckte schon etwas seltsam, aber er würde ihr schon nicht in den nächsten Stunden bis sie hier heraus waren abfallen. Hoffte sie zumindest.

[Tirian]
Auch Lyviani schaute sich eine Weile in der Kammer um. Tirian beschäftigte sich derweil mit den Urnen. Eine dicke Staubschicht lag darauf. "Das wäre eine günstige Gelegenheit": überlegte er. Da er die Urnen nicht öffnen wollte, würde es wohl länger dauern, also machte er sich schnell daran vorsichtig den außen anhaftenden Staub in die Phiole zu füllen, die er vorhin erst ausgetrunken hatte. Während sich das Gefäß allmählich mit dem grauen Staub füllte, beobachtete die Assassine aus dem Augenwinkel heraus. Sie hatte offenbar eine Truhe entdeckt und kniete davor nieder. "Sie wird doch nicht": dachte der Heiler und musste daran denken, wie sie bereits zuvor die Leiche eines Gegners gefleddert hatte. Er wandte sich einer weiteren Urne zu, aber ließ seine Begleiterin nicht aus den Augen. Tatsächlich erhob sie sich unverrichteter Dinge. Als sie sich zum ihm umdrehen wollte, wandte er sich schnell ab, ein Lächeln auf den Lippen. "Sie ist nicht so kalt, wie sie gern wäre": überlegte er mit einer gewissen Zufriedenheit. Inzwischen war das Gefäß mit ausreichend Staub gefüllt.

Er drehte sich um und sah sich Lyvianis fragenden Blicken ausgesetzt. Er musste zugeben, dass es durchaus etwas seltsam anmutete, dass er sich in dieser Situation die Zeit nahm, irgendwelchen Staub zusammen zu kratzen. "Das ist Grabesstaub. Man findet ihn auf und in Gräbern. Eine wertvolle, alchemistische Substanz": erklärte er, aber verschwieg dabei, dass der Staub auch die Eigenschaft hatte Geister anzuziehen, weshalb die Substanz auch bei Nekromanten sehr begehrt war. Er bemerkte ein leichtes Verdrehen ihrer Augen, über das er hinweg ging. Viel mehr fiel ihm auf, dass sich die Dunmer den Arm kratzte. Er hatte sie zuvor schon dabei beobachtet. Er runzelte die Stirn aber sagte Nichts dazu. Vielmehr fragte er: "Hat euch der Knochenläufer verletzt? Braucht ihr Heilung?" Als sie das wieder verneinte, zuckte Tirian mit den Schultern. Inzwischen wusste er genug über sie, um zu wissen, dass er eine längere Diskussion riskierte, wenn er es weiterversuchte.

Prüfend streckte er stattdessen den Kopf durch einen weiteren offenen Durchgang in den nächsten Gang hinein. Er verlief senkrecht zu ihrem Raum und es ging nur nach Rechts weiter, links von ihm befand sich die Wand. Sie befanden sich also am Ende des Ganges. Was ihn insofern beruhigte, dass sie so nicht aus dem Rücken überfallen werden konnte. Rechts, schräg gegenüber entdeckte er eine Tür. Unter der Schwelle drang schwaches Licht, wie von Fackeln hindurch. Das Ende des Ganges in rechter Richtung verlor sich allerdings in der Dunkelheit. Er konnte ein Schaben und ab und an Schritte hören, wie es den Gang entlang hallte. Womöglich stand dort noch ein Knochenläufer. Der Luftzug kam aus dieser Richtung, dennoch war ihm selbst lieber, wenn sie sich zunächst den anderen Raum ansahen, um sicherzugehen, dass von dort aus keine Überraschung drohte. Er zog seinen Kopf wieder hinein und erzählte Lyviani, was er gesehen hatte. "Wie sollen wir vorgehen?": fragte er seine Begleiterin.

[Dreveni]
Irritiert beobachtete Dreveni, wie Tirian den Staub von den Urnen abkratzte. Sie fand das ganze reichlich makaber, und es trug auch nicht dazu bei, dass ihr Alchemie wesentlich sympathischer wurde. Staub der Toten, und was kam als nächstes, abgeschnittener Finger frischer Leiche? Das wäre immerhin ein netter Nebenverdienst, überlegte Dreveni, innerlich grinsend. Alchemie interessierte sie nur, wenn man wirksame Gifte auf Waffen schmieren konnte, Heiltränke waren auch durchaus nicht zu verachten.

Sie wußte selbst nicht, was sie so seltsam befangen an diesem Ort machte, hatte sie doch keinerlei Probleme damit, frische Leichen respektlos zu behandeln, aber die Ruhe dieses Ortes zu stören, der schon seit viele, vielen Jahren so unberührt da lag, war noch einmal etwas ganz anderes. Sie mochte zwar eine Mörderin sein, aber war sie weder unzivilisiert noch kulturlos, dank Mordans Erziehung.
Tirians Frage verneinte sie zwar wieder, aber als er sich dem Durchgang zuwandte, warf sie unauffällig einen prüfenden Blick auf die Kratzer der Zombies. Die Ränder der Wunden hatten sich leicht dunkelrot verfärbt, zusammen mit dem Jucken sah es alles in allem gar nicht so aus, wie es gehört hätte, würde es einfach vor sich hin heilen. Nun ja, groß konnte diese Ahnengruft ja nicht sein, hoffte sie. Das waren ein paar lächerliche Kratzer wie sie sie schon zuhauf gehabt hatte. Nichts dass sie unmittelbar umbringen würde.

Sie folgte dem Heiler zu dem Durchgang, und als er ihr erzählte hatte, was es dort zu sehen gab, steckte sie ihren Kopf selbst durch die Öffnung, wobei sie Tirian ziemlich nahe auf die Pelle rücken mußte, auch wenn es ihr nicht schwer fiel, ihm über die Schulter zu sehen, war er doch kaum eine Handbreit größer als sie.
"Ich denke wir sollten uns zuerst den näheren Raum vornehmen.", antwortete Dreveni.

[Tirian]
Lyviani lehnte sich über ihn, um die Situation auch noch einmal in Augenschein zu nehmen. Sie lag regelrecht über Tirian gebeugt auf seinem Rücken. Sie waren sich nahe. Sie befanden sich in einer Gruft und wurden vermutlich noch immer von einem wütenden Ahnengeist verfolgt und doch musste er daran denken, wie lange er schon keine Frau mehr so nah bei sich gehabt hatte, wenn er den Abend im Lager der Aschländer, wo er mehr als durcheinander war, nicht einbezog. Er schüttelte kurz den Kopf, um diese Gedanken abzustreifen. Die Assassinin stimmte zumindest seiner Vorgehensweise zu. Er bat sie den Lichtzauber zu löschen, damit sie den Knochenläufer im Gang nicht unnötig aufscheuchen würden. Als es wieder dunkel um sie wurde, war der erleuchtete Spalt unter der Tür gegenüber mehr als gut zu erkennen. Sie hielten darauf zu. Im Hintergrund waren wieder die Schritte zu hören, die die Anwesenheit des Untoten im Gang kundtaten. Tirian war nervös, aber versuchte, sich nicht davon beeinflussen zu lassen. Der schlechteste Fall war, wenn er jetzt in Panik geriet und das Monstrum tatsächlich auf sie aufmerksam machte.

Vorsichtig betätigte er die Klinke, um zu erproben, ob die Tür offen war und das war sie tatsächlich. Sie ging sofort leicht nach innen auf. Sie schlüpften schnell hindurch, doch der Heiler brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen. Er hatte schon mit einer weiteren Falle beim Öffnen der Tür gerechnet und sich schwitzend auf das Schlimmste eingestellt, das ihn gänzlich ohne Schild hätte treffen können. Glücklicherweise blieb es aus. So schlossen sie schnell den Durchgang hinter sich, damit sie der Knochenläufer nicht doch noch bemerkte. Nur langsam konnte sich Tirian auf den Raum konzentrieren, den sie betreten hatten. Der Raum verströmte eine fast schon beruhigende Atmosphäre. Die helle, sandfarbene Putz der Wände warf das Licht einiger Kerzen zurück und verlieh der Räumlichkeit etwas sehr Warmes. Der Ort hatte etwas von einer kleinen Kapelle. Es gab zwei normale Sitzbänke und zwei kleine Gebetsbänke, auf die man sich knien konnte. Sie waren kopfseitig zu einem Wandteppich ausgerichtet, auf dem ein großes Symbol - vielleicht das Familienwappen - abgebildet war. Davor stand ein Pult, auf dem sich ein aufgeschlagenes Buch befand.

Tirian trat an das Bücherpult heran. Die Schrift war daedrisch. "Beenden des Zorns": las er halblaut die Überschrift über der aufgeschlagenen Seite vor. Der Text kam ihm bekannt vor. Er versuchte sich zu erinnern, doch wollte es ihm nicht einfallen. Als er das Buch berührte, um sich den Umschlag anzusehen, erfüllte plötzlich ein lilanes Leuchten den Raum. Mit Schrecken sah er zu, wie sich direkt hinter Lyviani, die bei den Bänken geblieben war, ein Knochenläufer materialisierte. "Oh verflucht": dachte Tirian.

[Dreveni]
Dreveni löste auf Tirians Bitte den Lichtzauber und verließ mit ihm zusammen die Kammer. Sie selbst bewegte sich auf dem glatten Steinboden absolut lautlos, und befand sich seit langem wieder einmal richtig in ihrem Element. Abgesehen von dem Schaben weiter hinten im Gang konnte sie die Schritte des Heilers und sein leicht hektisches Atmen hören. Er stellte sich zwar wirklich gut an, aber wollte er sich wirklich lautlos bewegen, müsste er noch viel üben.
Als Tirian die Tür öffnete, wollte sie ihn schon zurückhalten, war aber zu langsam. Ihr war ebenfalls nicht entfallen, dass die Türen hier mit Fallen gesichert sein konnten, aber der Dunmer hatte glück.

Sie betrat hinter ihm den Raum, der einen angenehmen Kontrast zu den anderen beiden Grabkammern bildete. Er war durch weiches Kerzenlicht erhellt und schien eine Art Gebetsraum gewesen zu sein. Dreveni blieb bei den Bänken stehen und sah sich im Raum um, mit einem Ohr auf die Tür horchend, als Tirian sich an dem Buch zu schaffen machte. Auf einmal war der Raum um sie in ein lilanes Leuchten getaucht, und sie brauchte nicht einmal in das schockierte Gesicht des Heilers zu sehen, um zu merken, dass sich hinter ihre etwas ungutes tat. Sie sprang schnell über die Bank vor ihr, und drehte sich um, wo sie direkt in die wütende Fratze blickte, nur durch die schmale Bank von der Kreatur getrennt.
Sie schaffte es, die eine Klaue des wütenden Knochenläufers mit ihrem Schwert zu treffen, dieser holte aber blitzschnell mit der anderen aus und zog ihr die scharfen Krallen über die linke Seite, durch den zerissenen Stoff ihrer Tunika sickerte sofort Blut, aber sie gab sich aber alle Mühe, den Schmerz zu ignorieren, obwohl es höllisch brannte. Sie bemühte sich aus den Bankreihen zu kommen ohne noch einmal von der Klaue des Monsters getroffen zu werden, da sie als Abstandhalter nicht wirklich zu gebrauchen waren und eher die Gefahr bestand, dass sie rückwärts über eine stolperte.
Außerdem wollte sie dem Heiler nicht im Weg stehen, falls er noch zu einem Schockzauber in der Lage war.

Andromeda
08.05.2013, 15:42
[Tirian]
Der Heiler, noch ganz gefangen von seiner Überraschung, sah zu, wie sich Lyviani gegen den plötzlich erschienenen Knochenläufer zur Wehr setzte. Sie hielt ihn mit ihrem Schwert zurück, aber kassierte dennoch einen Schlag. Er sah Blut. Die Assassine hatte aufgrund der beengten Verhältnisse kaum eine Chance auszuweichen. Als sie einen Schritt zur Seite machte und ihm damit eine freie Schussbahn einräumte, wusste Tirian, was zu tun war. Er sammelte Magie und sandte einen Kugelblitz gegen die Kreatur. Sie hatte keine Möglichkeit auszuweichen, aber versuchte das auch gar nicht erst. Die Magie hinterließ dem Wiedergänger nicht nur eine große Brandwunde auf der Brust, sondern ließ sie auch spastisch zucken. Schließlich brüllte sie ihre Wut hinaus, doch Lyviani nutzte den kurzen Moment, um einen Streich gegen den Hals des Untoten zu führen. Ihr Vulkanglasschwert drang hindurch, trennte ihn nicht völlig ab, aber ließ den Kopf nach hinten wegklappen. Kurz darauf fiel auch der Grabwächter um und blieb nun endgültig tot liegen.

Tirian atmete tief ein. Langsam machte sich wieder Erschöpfung in ihm breit. Die Tränke konnten Symptome der Erschöpfung kurieren und dem Körper kurzzeitig wieder Kraft zurückgeben, aber nichts ging über ein gutes Essen und Schlaf. Das waren die einzigen Dinge, die einem gezeichneten Leib wirklich Regeneration verschaffen konnte. Die Alchemie konnte die Grenzen eines sterblichen Körpers ausdehnen, aber nicht überwinden. Er löste sich von diesen Gedanken, als er das Blut sah, dass an Lyvianis Arm durch die Tunika drang. Er nahm das Buch vom Altar, klemmte es sich unter den Arm und ging schnell zu ihr hinüber. "Ihr blutet. Lasst mich das bitte ansehen": bat er und sah sie eindringlich an.

[Dreveni]
Kaum war sie vor dem Knochenläufer weg, flog auch schon ein Blitz Tirians an ihr vorbei und traf die Kreatur voll. Es sah so aus, als würden sie sich doch noch einig werden, wie sie im Kampf vorgehen sollten, schoß ihr durch den Kopf, als sie gegen den Hals des Wesens hieb, das nun wütend brüllte. Als es tot umkippte, hielt sie sich aus Reflex die rechte Hand an ihre schmerzende linke Seite, der Knochenläufer hatte doch ziemlich hart zugeschlagen, und sie verzog das Gesicht vor Schmerz, als ihre Finger über die Kratzer fuhren. Scheiße.

Da stand Tirian auch schon vor ihr und sagte: "Ihr blutet. Lasst mich das bitte ansehen" Es hätte seinen eindringlichen Blick kaum noch gebraucht, auch wenn sie es hasste musste sie zugeben, dass es wohl besser wäre, was er vorschlug. Auch wenn dort am Gang ein weiterer Gegner herumschlich, sie hoffte sehr, dass er den Schrei des letzten Monsters nicht gehört hatte.
Verflucht, vermutlich hatte es ihn genau gehört.
Sie legte das Schwert auf die nächste Bank und besah sich selbst kurz die Wunden, das Monster hatte sich nicht durch den dünnen Stoff ihres Oberteils aufhalten lassen, und für einen Schildzauber war keine Zeit mehr gewesen. Drei tiefe, blutende Kratzer zogen sich von der Höhe ihrer unteren Rippen bis zur Hüfte, und inzwischen schmerzte es wirklich, so dass sie sich leicht nach links gebeugt hielt. Wie auch immer, das würde hoffentlich gleich vergehen, oder sie würde sich daran gewöhnen.
Sie sah dem Heiler noch einmal in die Augen, in denen sich der Schein der Kerzen spiegelten und sie so in einem noch intensiveren Rot leuchten ließen, schüttelte den Kopf und antwortete: "Da draußen schleicht immer noch was herum, was uns vermutlich genau gehört hat. Das muss warten bis wir hier draußen sind." Wenn sie nicht mehr hinterrücks überrascht wurde, würde es wirklich gehen, und so sah sie Tirian fest in die Augen, auch wenn sie es nicht ganz schaffte, den Schmerz aus ihrem Gesichtsausdruck zu verdrängen.

[Tirian]
Der Heiler sah Lyviani zu, wie sie ihre Seite entblößte und drei große Kratzer zum Vorschein kamen, aus denen das Blut sickerte. Er verengte die Augen und besah sich die Wunden, die wie Abgründe in der aschgrauen Haut der Assassine prangten. Sie wies ihn auf den Knochenläufer draußen auf dem Gang hin. Ihre Wunde musste warten, bis sie draußen waren, meinte sie. Fest erwiderte sie nun seinen Blick. Tirian hielt ihn. Auch wenn sie etwas anderes behauptete, sah er ihr den Schmerz deutlich ins Gesicht geschrieben, auch das sie sich gebeugt hielt, um die verletzte Körperseite zu entlasten, war mehr als deutlich. Er schüttelte den Kopf. "Ich muss diese Wunden umgehend behandeln. Da ihr vermutlich ohnehin nicht auf mich hören würdet, wenn ich euch sage, dass ich mir Sorgen um euch mache... Mit diesen Wunden könnt ihr nicht kämpfen. Sie werden euch behindern und der Schmerz wird eure Konzentration stören. Es hängt nicht nur euer eigenes Leben davon ab, dass ihr einsatzfähig seid, sondern auch meins. Ich weis nämlich nicht wie groß diese Gruft noch ist und sicherlich hat der Ahnengeist noch längst nicht aufgegeben. Also lasst euch nun bitte behandeln": redete er auf die Dunmer ein. "Aber der Knochenläufer": wollte sie widersprechen. Ihr Worte wurden durch ein herannahendes Knurren unterstützt. "Mist": dachte der Heiler, doch er ergriff eine Bank und wuchtete sie, von einer kurzen Stärkung unterstützt, zur Tür hinüber und verkeilte sie so unter der Klinke, dass sie nicht nur ein Herunterdrücken verhinderte, sondern auch die Tür an sich blockierte. Von außen wurde nun gegen die Tür gehämmert, doch die Erbauer der Ahnengruft hatten sich nicht lumpen lassen und ihren Vorfahren Qualitätsarbeit zuteil werden lassen. Die Tür stand fest und sicher. Sie würde sobald nicht nachgeben. "Das Problem ist vorerst verschoben. Also?": stellte sich Tirian fragend vor Lyviani auf.

[Dreveni]
Dreveni wusste selbst, dass er Recht hatte. Und tatsächlich zog noch mehr sein Argument, dass sie so wohl wirklich nicht mehr weit kommen würde, als dass er sich Sorgen machte. Auch wenn das etwas in ihr berührte, wenn auch nur kurz, als sie es ihn aussprechen hörte. Kaum hatte sie es bemerkt, hatte sie es über den Schmerz auch schon wieder vergessen.
Gerade als sie ihm widersprechen wollte, gab der Knochenläufer draußen auf dem Gang ein drohendes knurren von sich. Na ganz toll. Sie griff nach ihrem Schwert und wollte an Tirian vorbei, da blieb sie stehen als wäre sie vor eine Wand gelaufen, denn sie konnte nicht glauben, was sie gerade sah.
Der Dunmer wuchtete eine der Steinbänke kurzerhand zur Tür und verklemmte sie damit, so dass der Knochenläufer wohl bis in alle Ewigkeit von draußen dagegen rennen konnte.
Sie hatte sich noch immer nicht ganz gesammelt, als sich der Heiler wieder vor ihr aufbaute. Er hatte nicht gerade wirklich gewagt, die Tür zu verrammeln? Dass ihnen das eine Pause verschaffte, die beide dringend brauchen konnte, war ihr klar, aber es interessierte sie nicht.

Er hatte ihr nichts zu sagen, und schon gar nicht hatte er sie hier einzusperren um seinen Willen durchzusetzen. Es gab genau einen einzigen Dunmer, von dem sie sich etwas sagen ließ, und zwar Mordan. Für einen Moment starrten sie sich gegenseitig in die Augen, wobei der Schmerz in Drevenis Blick langsam in mühsam unterdrückte Wut überging. Wut über Tirian, der sie hier einfach einsperrte um seinen Willen zu bekommen, Wut darüber, dass er trotz allem Recht hatte, blanken Hass auf diese widerwärtigen Knochenläufer im besonderen und diese Gruft im allgemeinen und darüber hinaus auf ihr eigenes irrationales Verhalten, denn wieder einmal stand ihr ihr Stolz im Weg, der sich nun zu der Wut im Ausdruck ihrer Augen gesellte.
Schließlich hob sie ihren Kopf noch ein Stück und gab sich Mühe, sich etwas mehr aufzurichten um mit dem Heiler wenigstens ansatzweise auf Augenhöhe zu sein - was ihr nicht ganz gelang - und antwortete schließlich leise: "Nachdem ich die Bank nicht mehr unter der Tür wegbekomme, bleibt mir ja wohl nichts anderes übrig, oder?" und legte ihr Schwert mit mehr Wucht als es nötig gewesen wäre, wieder zurück auf die Bank. Warte bloß bis wir hier draußen sind...

[Tirian]
Lyviani wirkte wütend. Er wusste nicht womit genau er sie jetzt so verärgert hatte und schob es einfach auf den Trotz dagegen, diese Behandlung jetzt durchführen lassen zu müssen, aber das war jetzt mehr als notwendig. Ihr Arm, den sie ihm noch immer nicht zeigen wollte, war eine Sache, aber die Seite aufgerissen zu bekommen, war eine ganz andere. So war sie eindeutig nicht mehr voll bewegungsfähig und schon gar nicht in der Lage schnell zu reagieren, wie es für einen Geist vermutlich nötig wäre. "Nachdem ich die Bank nicht mehr unter der Tür wegbekomme, bleibt mir ja wohl nichts anderes übrig, oder?": sagte sie und knallte dann auch noch ihr Schwert auf die verbliebene Bank. Tirian runzelte die Stirn. "Sie tut ja gerade so, als hätte ich sie hier eingesperrt": dachte der Heiler schulterzuckend und bat sie, sich auf die Bank zu legen, was sie etwas widerstrebend tat. Es war besser, wenn sie die Bauchmuskeln entspannte. Tirian schob vorsichtig die eingerissene Tunika wieder hoch, damit die Wunde freilag. Er legte seine Hand auf ihre Seite. Ihre Haut fühlte sich angenehm weich an. Er fuhr etwas höher und hatte schon den ersten Kratzer unter seinen Fingern. Vorsichtig schob er einen Finger in den Wundkanal, was der Assassinin ein schmerzverzerrtes Gesicht und ein Keuchen entlockte. Er zog ihn wieder heraus. "Die Klaue ist recht tief eingedrungen": sagte er. Noch immer stand frisches Blut in den Wunden. Diesmal nahm er beide Hände, legte sie zunächst über die Krallenspuren und sah Lyviani noch einmal in die Augen. "Das wird jetzt weh tun. Seht mich an": warnte er sie vor und versuchte den Blickkontakt zu halten. Trotzig, scheints noch immer zornig erwiderte sie ihn. Dann drückte er fest in ihre Seite hinein, während er gleichzeitig heilende Magie fließen ließ. Ein blaues Leuchten ging von seinen Händen aus.

Seine Begleiterin tat ihm im Moment leid. Er schaute mitleidig zu ihr hinüber. "Verzeiht mir": ging es ihm durch den Kopf. Der Zauber tat jedoch spürbar seine Wirkung. Die ausgefransten Wundränder wurden weicher, geschmeidiger und wuchsen unter seinen Händen zusammen. Das herausgerissene Fleisch wuchs heran und schlussendlich befand sich unter seinen Handflächen wieder neue, weiche Haut. Er nahm sie von der schwer atmenden Lyviani herunter. "Eure Wunde ist versorgt. Ruht euch noch einen kurzen Moment aus": sprach der Heiler. Tatsächlich kostete das Heilen von Verletzungen durch Magie nicht nur den Heiler sondern auch den Patienten Kraft. Schließlich war es der Körper des Verletzten, der durch die Magie stimuliert dazu angeregt wurde die Wunden durch gesteigertes Zellwachstum zu verschließen. Auch wenn es ihn die meiste Energie kostete, mochte auch die Assassine durchaus noch etwas erschöpft sein. Tirian kannte das gut. Er ließ ihr einen Moment um sich auszuruhen. Das Klopfen an der Tür wurde lauter. Er ignorierte es und wandte sich nun noch einmal dem Buch zu. Seine Kenntnis der daedrischen Glyphen war etwas eingerostet, weshalb er die anderen Texte nicht so einfach überfliegen konnte und sie stattdessen auf der Suche nach dem Text, der mit Beenden des Zorns überschrieben war, einfach überblätterte. Soweit er das sagen konnte, handelte es sich bei dem Buch um ein religiöses Standardwerk der Ahnenverehrung mit allerlei Ritualen und Gebeten. Als er die Stelle gefunden hatte, schaute er zur Dunmerin hinüber.

[Dreveni]
Dreveni legte sich auf die Bank, nicht ohne Tirian einen letzten, giftigen Blick zuzuwerfen. Er war hier nicht der Einzige, der Wutanfälle hinlegen konnte. Dann schob er auch schon ihre Tunika nach oben und legte seine Hand auf ihre Seite. Wenn du jetzt auch nur einen Millimeter zu weit oben hinlang... Weiter kam sie nicht mehr, da durchfuhr sie auch schon der Schmerz als er seinen Finger in den Kratzer bohrte. "Das hätte ich euch auch so sagen können.", brachte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als er bemerkte, wie tief die Wunde war.

"Das wird jetzt weh tun. Seht mich an", hörte sie ihn sagen, und dachte sich noch, dass es schlimmer ja nicht mehr werden konnte, wenn er nur nicht mehr in der Wunde herumstocherte, aber sah ihn wie geheißen an. Dass sie immer noch wütend war, half ihr zwar etwas mit dem Schmerz umzugehen, aber es wurde trotzdem schlimmer als sie es erwartet hatte. Zwar nicht so sehr, wie damals als ihr Erynn und Arranges den gebrochenen Oberarmknochen gerichtet hatten, aber das hier hatte eine ganz andere Qualität an Schmerz. Das war keine Heilung, das war Folter. In diesem Moment war sie sich sicher, dass man als Heiler eine nicht zu verachtende sadistische Neigung brauchte. Das Gefühl als sich die Wunde unter Tirians Händen schloss, war einfach nur als widerlich zu beschreiben, und sie hätte seiner Aufforderung gar nicht erst bedurft, sich etwas auszuruhen, zum Aufstehen sah sie sich gerade eh nicht in der Lage. So lag sie auf der Bank, während der Knochenläufer an die Tür hämmerte und Tirian in diesem Buch blätterte, das er von dem Altar genommen hatte. Da fiel ihr wieder ein, wie das Monster einfach hier in dem Raum erschienen war. Wie hatte er das nur wieder geschafft? Langsam fühlte sie sich wieder etwas kräftiger und schwang vorsichtig und leise die Beine Richtung Boden, während sie sich aufrichtete. Dabei fiel ihr Blick auch auf ihre Seite, und sie musste widerstrebend zugeben, dass Tirian ganze Arbeit geleistet hatte. Schon bald würde man nichts mehr davon sehen, noch hatte die neue Haut einen leicht helleren Farbton. In diesem Moment sah der Heiler zu ihr hinüber. Sie war zwar noch etwas blass im Gesicht, aber sie fühlte sich durchaus wieder in der Lage aufzustehen, und so sie ging zu Tirian hinüber, um zu sehen, was das für ein Buch war. Sie schaffte es sogar über ihren Schatten zu springen und ihn halbwegs normal anzusprechen: "Seid ihr unter die Beschwörer gegangen oder was war das vorhin?"

Was aber nichts daran änderte, dass sie ihm die Sache mit der Tür immer noch übel nahm. Wer war er, dass er meinte einfach so entscheiden zu können? Zugetraut hätte sie ihm diese Aktion ohnehin niemals, und das ärgerte sie ebenfalls. Konnte sie ihn denn immer noch nicht einschätzen? Gerade hatte sie überhaupt nichts mehr von dem idealistischen Träumer in ihm gesehen, statt dessen eine Entschlossenheit, die sie ihm nicht zugetraut hatte.

[Tirian]
Die Dunmer sah zwar noch reichlich blass aus, aber offenbar hatte sie eine Menge Kraft, denn nach so kurzer Zeit stand sie schon wieder auf den Beinen. Tirian freute sich, dass es ihr wieder etwas besser ging. "Ich weis es ehrlich gesagt nicht. Womöglich war das Buch geschützt. Der Knochenläufer ist aufgetaucht, als ich es zugeschlagen habe. Scheinbar hielt das Ding mich für einen Dieb und ist dann aufgetaucht, um uns aufzuhalten": beantwortete er ihre Frage, soweit es möglich war. "Was soll das für ein Buch sein?": wollte Lyviani wissen. Tirian kratzte sich kurz am Kopf. "Soweit ich das entziffern konnte, handelt es sich um eine recht verbreitete Version eines Ritualbuches für die Ahnenverehrung - Gebete, Rituale, Opfergaben, Grabweihen, dergleichen. Es ist auf Dunmeri, geschrieben in daedrischen Glyphen. Ich versuche gerade einen Textabschnitt zu entziffern, der mit "Beenden des Zorns" überschrieben ist. Die Seite war schon aufgeschlagen": erzählte Tirian und übersetzte weiter. Das Rumpeln vor der Tür wurde derweil immer lauter und langsam war sich der Heiler nicht mehr so sicher, dass das Holz dem Knochenläufer noch lange standhalten würde.

"Sieht so aus, als würde der Untote bald durch die Barrikade dringen. Ich hatte gehofft, dass die Bank und die Tür ihn langer abhalten würden": stellte Tirian fest. Er überflog noch einmal schnell den Abschnitt. Da brach auch schon ein Stück aus der Tür heraus und der Knochenläufer streckte seine Klaue hinein. Lyviani war schnell zur Stelle, um den Gegner für den Fall der Fälle zurückzuhalten. Der Heiler wollte etwas probieren. Er stellte sich vor dem Durchgang auf und begann aus dem Buch zu rezitieren. Die Worte klangen selbst in seinen Ohren sehr fremdartig, als er sie wiedergab. "Bette dich zur Ruhe Ahn. Finde deinen Frieden": schloss er die Beschwörung ab. Der Knochenläufer stellte seine Versuche, die Tür aufzubrechen, ein und löste sich langsam in einem lilanen Licht auf. Schließlich war er verschwunden und es wurde wieder still. Der Heiler atmete erleichtert auf.

[Dreveni]
Sie hörte Tirian aufmerksam zu, und warf selbst einen Blick auf die Seiten. Allerdings konnte sie weder daedrische Glyphen lesen, noch verstand sie Dunmeri. Ein paar der Schriftzeichen konnte sie zwar zuordnen, aber bei weitem nicht genug. Sie blickte skeptisch zur Tür, die immer mehr wackelte, und schabte sich dabei wieder mit den Nägeln der anderen Hand über ihren Arm. Nachdem der Schmerz in ihrer Seite verschwunden war, merkte sie die Kratzer des Zombies wieder. Gerade als Tirian seine Befürchtung aussprach, splitterte die Tür auch schon. Sie griff ihr Schwert und schlug nach der Klaue, erwischte sie aber nur mit der flachen Seite der Klinge. Von der anderen Seite war ein empörtes Knurren zu hören, und kurz wurde die Klaue zurückgezogen, danach ging das geklopfe an die Türe umso heftiger weiter. Sie stand mit erhobenem Schwert seitlich der Türe, bereit sofort zuzuschlagen, wenn sie endgültig brechen würde.

Sie hörte wie Tirian anfing aus dem Buch zu rezitieren. Was sollte dass denn schon wieder werden? Die Worte die er sprach klangen seltsam, und nicht nur weil sie in Dunmeri waren, doch waren sie seltsam klangvoll. Unter anderen Umständen hätte sie ihm vermutlich eine ganze Weile zuhören können, auch wenn sie kein Wort verstand, rein aufgrund des Klanges der fremden Sprache. Plötzlich wurde es ruhig auf der anderen Seite der Türe, gerade als der Heiler aufgehört hatte zu sprechen. Statt dessen war das selbe lilane Leuchten durch das Loch zu sehen, das vorher das Erscheinen des anderen Knochenläufers angekündigt hatte, nur dieses Mal erschien keiner, sondern ihr Gegner löste sich in Luft auf. Sie sah ein paar mal erstaunt zwischen Tirian und der Tür hin und her, bevor sie ihn ansprach: "Seid ihr sicher dass ich kein Beschwörer hättet werden sollen? Könnt ihr das vielleicht auch mit dem Geist machen?"

KingPaddy
09.05.2013, 01:09
[Tirian]
"Seid ihr sicher dass ich kein Beschwörer hättet werden sollen? Könnt ihr das vielleicht auch mit dem Geist machen?": hörte er Lyvianis Stimme. Er drehte sich zu ihr um und lächelte etwas verlegen. "Ich denke eher nicht. Ich habe nur die Worte vorgelesen. Hier war soweit ich das beurteilen kann, keine Magie von mir im Spiel. Soweit ich das aus dem Text herauslesen konnte, dient dieses Ritual dazu wütende Ahnen zu besänftigen und ihnen den Frieden zurückzugeben. In diesem Fall wohl, um den Knochenläufer zu entlassen. Ich weis nicht, ob das Ritual auch gegen den Ahnengeist hilft. Eigentlich sind noch aufwendigere rituelle Handlungen erforderlich, um das Ganze durchzuführen. Man kann damit wohl die Geister einer ganzen Gruft befrieden, wenn man es durchführt, allerdings fehlen uns dafür die nötigen Mittel. Ich wollte zumindest ausprobieren, ob die Gebetsformel allein nicht schon ausreicht, um etwas im kleineren Rahmen zu bewirken": erklärte Tirian. Nachdenklich runzelte er die Stirn "Wir könnten es gegen den Geist zumindest einmal ausprobieren. Noch wütender kann er ja ohnehin nicht werden": meinte Tirian schulterzuckend und riss kurzer Hand die Seite mit dem Ritual aus dem Buch und legte es auf den Buchständer zurück. Der Foliant war zu unhandlich, als das er ihn mit sich herumschleppen wollte.

Schließlich pumpte er sich unter Zuhilfenahme von etwas Magicka auf und stemmte schließlich die Bank zur Seite. Die Tür schwang umgehend nach innen auf. "Da der Knochenläufer weg ist, brauchen wir die jetzt auch nicht mehr, außerdem dürfte jetzt der Gang frei sein": sagte Tirian und streckte seinen Kopf hinaus in den Gang und lauschte. Tatsächlich waren kein Schaben und keine Schritte mehr zu hören. Offenbar war der Weg offenbar sicher. Er bestätigte das noch einmal mit einem zu Lyviani und bat darum, dass sie mit ihrem Lichtzauber wieder vorgehen würde, um ihnen zu leuchten.

[Dreveni]
Tirian lächelte sie etwas verlegen an, als er antwortete, was nicht so ganz zu seinem sonstigen Aufzug passen wollte. Obwohl die Schnitte in seinem Gesicht inzwischen verheilt waren, war das getrocknete Blut davon immer noch in selbigem. Die Haare hingen ihm etwas wirr in die Stirn, und zusammen mit seiner inzwischen ziemlich mitgenommenen Kleidung und sonstigen Kampfspuren gab ihm das ein eher verwegenes Aussehen.
Als er schließlich eine Seite aus dem Buch riss, war es Dreveni, die ihm einen missbilligenden Blick zuwarf, sie war immer noch der Meinung, dass man hier nichts mitnehmen oder zerstören sollte. Vor allem letzteres nicht, und sie teilte auch nicht seine Ansicht, dass der Geist wohl nicht mehr wütender werden konnte, sagte aber nichts.
Seine Antwort nahm sie mit Bedauern zur Kenntnis, es wäre auch zu einfach gewesen, wenn sie den Geist mit einer einfachen Beschwörungsformel vertreiben könnten.

Etwas widerwillig sprach sie wieder den Lichtzauber, als sie in den Gang hinaustraten, erstens weil sie langsam genug davon hatte, die lebendige Fackel zu spielen, zweitens weil ihr selbst das Licht dass aus dem Raum fiel vorerst ausreichte und sie sich gerne möglichst lautlos durch den Gang geschlichen hätte, was aber an ihrem Begleiter scheiterte.
Sie folgtem den Gang noch ein paar Meter, bis sie an einer Treppe standen, dessen Ende Dreveni nicht sehen konnte, da es im dunklen lag. Sie betrat vor Tirian mit gezogenem Schwert die Treppe. Ihr war als würde sie dort oben im dunklen ein nur zu bekanntes Schnaufen hörte, und als ein Schatten auf sie zuschoss wußte sie, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Sie sprang schnell zur Seite, wobei sie Tirian, der dicht hinter ihr war, am Arm packte und mitzog, um nicht von dem Knochenläufer überrannt und die Treppe hinunter gestoßen zu werden. Der merkte schon bald dass er seine Gegner verfehlt hatte, bremste und drehte sich mit einem unheilvollen Knurren wieder zu ihnen um...

[Tirian]
Der Heiler folgte Lyviani bis an das Ende des Ganges, der in einer großen Treppe auslief, die steil nach oben führte. Sie kamen damit der Erdoberfläche und somit einem Ausgang immer näher. Allerdings verhieß ein Schnaufen, das vom Kopf der Treppe erklang nichts Gutes erahnen. Die Assassinin musste es noch einen Moment früher eingeordnet haben als er selbst. Die Dunmer packte ihn und riss ihn zur Seite. Nur einen kurzen Augenblick später, schoss an ihm ein Knochenläufer vorbei die Treppe hinunter. Er hätte sie mit sich gerissen. "Danke": murmelte Tirian, der sich inzwischen auf den Untoten konzentrierte. Der Wiedergänger bremste ab, drehte sich um und ließ ein wütendes Knurren vernehmen, bevor er zu einer weiteren Rammattacke ansetzte. "Ich den Kopf, ihr die Beine": wies er seine Partnerin an und zog dann seine Klinge. Der Knochenläufer stürmte noch einmal heran. Sie wichen diesmal zu beiden Seiten der Treppe aus, drückten sich an jeweils eine der Wände, während ihr Gegner noch einmal an ihnen vorbeistürmte. Lyviani duckte sich und führte bodennah einen Streich gegen die Beine des Untoten, als er vorbeizog. Kreischend brach das Ding in die Knie. Tirian stärkte sich noch einmal mit Magie und hieb der Kreatur schließlich mit einem Hieb den Kopf ab. Noch einmal zuckte das zombieähnliche Wesen und blieb schließlich liegen. Der Heiler musste sich schwer atmend an der Wand abstützen.

Langsam wurde ihm schwindlig. Lyviani äußerte schon ihre Sorge. Tirian schüttelte den Kopf. "Ich bin nur... erschöpft. Es geht gleich wieder": sagte er und zog noch einen Mana-Trank hervor. Er schluckte die blaue Flüssigkeit erneut und wieder fühlte er das Mana in seinen Körper zurückkehren. Allerdings war das Gefühl wesentlich schwächer als zuvor. Es war geradezu trügerisch. Der Schwindel wurde erst noch etwas schlimmer, bevor er sich legte. Lange machte das sein Körper nicht mehr mit. Er hoffte wirklich, dass sie es bald überstanden haben würden. Er wischte seine Klinge noch kurz an seiner Robe ab, die eh bereits stark aufgerieben und von oben bis unten mit Schleim und verdorbenen Körpersäften beschmutzt war, ehe er sie in die Scheide zurücksteckte. Ein Bad tat wirklich Not und wenn sie noch heute bis zum Meer laufen mussten, um sich dort zu waschen, würde er diesen Weg liebend gerne auf sich nehmen. Riechen und aussehen mussten sie vermutlich schon, als wären sie gerade selbst frisch dem Grab entsprungen. Ohne weitere Worte erklommen sie noch den Rest der Treppe, der in einem kurzen Absatz mündete. Schließlich gab es keinen weiteren Gang, sondern nur noch rechter Hand eine Tür. Tirian wollte die Assassine noch einmal darum bitten, sich das Schloss anzuschauen, da öffnete sie sich wie von Geisterhand, hindurch fiel helles Fackellicht.

Ein Blick in Lyvianis Gesicht sagte ihm, dass sie wohl in diesem Moment das Gleiche dachten und eine Falle erwarteten. Die Waffe, die er so eben weggesteckt hatte, zog er nun wieder hervor. Er spürte wie sich um ihn herum ein Schild aufbaute und sah Entschlossenheit im Blick der Assassinin. Noch ein abstimmendes Nicken dann betraten sie vorsichtig den angrenzenden Raum. Dieser entpuppte sich als eine große, kreisförmige Kammer. In der Mitte des Raumes befand sich ein großes Aschebecken, in dem sich Asche und Gebeine von Toten befanden, als familiäres Sammelgrab. An den Wänden waren wieder kleine Altäre mit Urnen. Tirian konnte auch wieder Wandteppiche mit diesem seltsamen Symbol, wie auch schon in dem kleinen Gebetsraum, an den Wänden hängen sehen und fand noch ein paar Truhen. Erhellt wurde das Ganze von etwas mehr als einem halben Dutzend Fackeln, die in eisernen Haltern an der Wand steckten. Gegner waren zunächst nicht zu erkennen. Als sie langsam etwas weiter in den Raum hinein gingen, konnte Tirian eine weitere Tür sehen. Diese war auch der einzige Weg aus dieser Kammer hinaus, wenn sie nicht zurückgehen wollten. Gerade als er seine Begleiterin daraufhin weisen wollte, spürte er einen eisig kalten Luftzug, der ihn frösteln ließ. Hinter ihnen fiel die Tür, durch die sie hereingekommen waren, in Schloss. Der magische Schleier eines Siegels, wie sie es aus der Kanalisation bereits kannten, legte sich darüber. Ebenso so eines verschloss nun auch den anderen Durchgang.

In der Mitte des Raumes wurde nun der Ahnengeist sichtbar. Seine Gestalt waberte noch immer in einem gespenstischen Grün, das hier allerdings bei dem Fackellicht nicht mehr so bedrohlich wirkte, wie noch in der dunklen Kanalisation. "Ihr Schänder werdet sterben. Spürt den Zorn des Clans Ienith": verkündete der Geist bedrohlich und sank langsam in das Aschebecken, über dem er schwebte, ein. Tirian verengte die Augen. Die Asche begann langsam zu zittern und Wellen zu schlagen, dann brach die Oberfläche und aus ihr heraus brach ein Wesen in sandfarbener, altertümlicher Robe, das über dem Boden schwebte. Es steckte ein Skelett darin, dessen Kopf über dem Körper schwebte und dessen Augen mit geisterhaften Glühen des Ahnengeistes erfüllt waren. Begleitet von einem spitzen Schrei reckte es zwei Paar Arme empor, in deren Händen jeweils ein scharf spitz zulaufender Dolch prangte. Waren drei davon aus einem angelaufenen Metall wie Eisen oder Stahl war der, der es in der linken, oberen Hand trug aus Bronze oder was ähnlichem gefertigt. Am Griff prangte darin ein eingelassener Smaragd. Tirian konnte glühende daedrische Runen darauf sehen. Der Heiler wusste, was für ein Gegner sich hier erhoben hatte. "Das ist ein Skelettfürst. Wir müssen vorsichtig sein. Diese Wesen sind magisch begabt, allerdings sind sie schwächer im Nahkampf": teilte er Lyviani mit. "Euer Weg endet hier": verkündete dieser Untote. Der Heiler konnte spüren, wie sich die Magie im Innern des Wesens verstärkte und dann sehr schnell ausdehnte. Der Aschegrube entstiegen sechs mit Äxten bewaffnete Skelette.

Tirian hatte die Zeit allerdings nicht ungenutzt verstreichen lassen und trat den Wiedergängern mit der Gebetsformel entgegen. Wieder rezitierte er das altklingende, beschwörende Dunmeri von der herausgerissenen Seite. Vier der sechs Skelette zerfielen wieder, als die Geister, die sie belebten, sich wieder zur Ruhe begaben. Auch der Ober-Untote schien einen Moment zu wanken, offenbar hatte das Gebet auch ihn geschwächt. Mehr war aber sicher nicht mehr damit zu wollen. Der Zorn des Ahnengeistes war zu groß, als dass er so leicht zu beruhigen war. Sie mussten ihn bezwingen, wenn sie hier herauswollten.

[Dreveni]
Inzwischen hatten sie Übung mit den Knochenläufern, und sie schienen auch beide auf einander eingespielt, und so erledigten sie diesen relativ schnell und ohne selbst etwas abzubekommen. Nur Tirian schwächelte etwas, und Dreveni nahm durchaus zur Kenntnis, dass er selbst auch nicht so ganz ehrlich war, was seinen Zustand anging. Lieber griff er zu seinen Tränken, was wiederum sie nicht so ganz gutheißen konnte. Das Zeug war trügerisch, das wußte sie, und so vermied sie es tunlichst, und verließ sich lieber auf sich selbst und kannte ihre Grenzen ganz genau.

Als sie am oberen Ender der Treppe die Tür erreichten, die plötzlich aufschwang und sie das Fackellicht sah, dämmerte ihr bereits unschön was sie dort wohl erwartete, und der Heiler schien das selbe zu befürchten. Mit wachsendem Entsetzen in ihren Zügen beobachtete sie, wie sich das Skelett aus dem Becken erhob, und als es sie als Schänder beschimpfte, rief sie ihm trotzdem noch halbwegs mutig entgegen: "Wir haben überhaupt nichts geschändet, wir wollen selber hier raus!", aber der Geist schien sie gar nicht zu hören.
Statt dessen beschwor er sechs weitere Skelette, und in diesem Moment hatte Dreveni schon halbwegs mit ihrem Leben abgeschlossen, als es Tirian schaffte, vier davon genaus wie den Knochenläufer vorhin wieder in ihre Gräber zu schicken. Blieben noch zwei und der Obergeist, was mehr als genug war. Laut Tirian war es ein Skelettfürst, was sie nicht groß interessierte, das einzig Wichtige für sie war in diesem Moment der Hinweis auf den Nahkampf. Nun gut, mit Magie war es bei ihr so oder so nicht mehr sonderlich weit her, sie mußte sich schon vollauf auf die Schildzauber konzentrieren.

Nun gut, ich bin soweit gekommen und werde nicht in dieser jämmerlichen Gruft sterben., dachte sie sich grimmig, bevor sie das Schwert hob und auf eines der verbleibenden zwei Skelette zustürmte. Die Chancen standen zwar gut, dass sie ebenfalls verschwanden, wenn endlich der Geist besiegt war, aber gerade schienen sie geschwächt und sie konnte nicht die ganze Zeit darauf Acht geben, dass sie ihnen nicht in den Rücken fielen. Außerdem hatte sie gerade noch halbwegs Kraft in den Armen, um das Schwert zu führen, gegen den Skelettfürsten würde sie vermutlich nur mit ihrem Dolch eine Chance haben, und da kam es eher auf Schnelligkeit als auf Kraft an. Sie hieb ein paar Mal schnell auf das Skelett ein, während sie versuchte mit einem Auge den Geist im Blick zu behalten und drängte es so in die Defensive. Wenn sie nur noch einen halbwegs ordentlichen Schockzauber anbringen konnte, wäre es erledigt, aber dazu mußte sie ihm erst einmal nahe genug kommen. Das würde weniger ihrer restlichen Magie brauchen, als wenn sie es auf die Entfernung versuchte.

[Tirian]
Lyviani ging umgehend in den Nahkampf gegen eines der Skelette über. Tirian selbst wollte dem nicht nachstehen und wollte sich um das zweite Skelett kümmern. Der Skelettfürst selbst rief vorsorglich, wie er mit einem Seitenblick feststellen konnte, einen Schild auf, um sich zu verteidigen. Dann verlor der Heiler ihn auch schon aus den Augen, weil er sich einem untoten Diener stellte. Das Silberschwert und die Streitaxt verkeilten sich in einander. Es kam zu einem Kräftemessen zwischen ihm und dem Knochenmann. Mit einer weiteren Verstärkung durch seine magischen Kräfte, konnte der Dunmer dieses Messen für sich entscheiden. Er befreite durch reinen Druck die Klinge und schlug dem Skelett den Waffenarm ab. Sofort schnellte seine Hand hervor und packte den Schädel. Seine Magie floss in Form eines starken Schockstoßes in den Schädel und den beinernen Leib seines Gegners. Der Schädel zersprang nach einigen Augenblicken unter der Wucht des Zaubers. Sein Feind zerfiel in seine Einzelstücke und verteilte sich über Boden der Kammer. Tirian riskierte einen Seitenblick auf Lyviani, die inzwischen auch über einem Haufen Knochen stand. Jetzt war nur noch der Skelettfürst übrig, der in Ermangelung seiner Diener nun selbst zum Angriff überging. Tirian sah mehrere blassrote Kugeln aus Magie auf sich zufliegen. Er versuchte auszuweichen, wurde jedoch von einer von ihnen am Bein erwischt. Er merkte sofort, wie seine Gliedmaßen geradezu schwer wie Blei wurden und er sich nur noch langsam mit Mühe bewegen konnte. "Verflucht": ärgerte sich der Heiler und musste mit ansehen, wie der Untote nun mit dem Zauber zum Aussaugen des Lebens, den sie schon in der Kanalisation bei ihm gesehen hatte, auf die Assassinin losging und versuchte sie zu erwischen.

[Dreveni]
Dreveni fluchte auf eine derart lästerliche Art und Weise, die ihr wohl für alle Ewigkeiten den Zorn der Götter einbringen würde, als sie sah, was mit Tirian geschah. Immerhin waren sie die beiden letzten Skelette nun auch losgeworden, viel Zeit blieb ihr aber nicht um sich darüber zu freuen, als der Skelettfürst nun auf sie losging.

Wieder retteten sie ihre Reflexe, auf die sie sich in solchen Situationen durch inzwischen doch jahrelange Erfahrung verlassen konnte, aber sie spürte auch wie zusehends nicht nur ihre Konzentration nachließ, sondern auch ihre Muskeln nicht mehr unbedingt so mitmachten, wie sie es gern hätte. Es blieb ihr keine Zeit, das Schwert wegzustecken, so ließ sie es einfach fallen, gab ihm einen kräftigen Tritt so dass es über den Boden schlitterte und nun außer Reichweite des Gegners war und warf gleichzeitig ihr Stilett auf den Geist.
Sie machte sich von vorn herein keine großen Hoffnungen dass ihn das lange aufhalten würde, es verschaffte ihr allerdings etwas Zeit. Zeit die der Gegner brauchte, das Silber kreischend und keuchend aus seinen Knochen zu ziehen, zwischen denen es sich verkeilt hatte. Währenddessen hatte sie ihren Dolch gezogen und hatte sich halb hinter das Skelett gebracht. Gerade noch rechtzeitig, denn schon hatte sich ihr Gegner der Waffe in seinen Knochen entledigt und wollte sich ihr wieder zuwenden. Statt auf ihn einzustechen, wie sie es normalerweise getan hätte, zog sie die Klinge ihres Dolches über seinen Rücken, wobei sie auf einen eigenartigen Widerstand stieß, der sie allerdings nicht völlig aufhielt. Der Ahnengeist gab daraufhin das gleiche schrille Kreischen wie in der Kanalisation, dieses mal schien ihm der Kontakt mit ihrem Dolch allerdings nicht soviel auszumachen.

Sie riskierte einen Seitenblick zu dem Heiler, als sie einem neuerlichen Zauber ausgewichen war und gerade wieder Anlauf auf den rachsüchtigen Geist nahm. Hoffentlich war Tirian bald wieder in der Lage aufzustehen, sein Schwert war immerhin auch aus Silber...

[Tirian]
Hilflos musste Tirian mit ansehen, wie Lyviani vom Skelettfürsten in die Mangel genommen wurde, allerdings bot sie ihm gut Paroli, wich nicht nur seinem Angriff aus, sondern konnte auch Treffer landen, die die Kreatur sogar zum Schreien brachten. Er verfluchte seine derzeitige Situation und konnte sich nur mit großer Mühe vorwärts bewegen. Geradezu im Tempo einer Schnecke näherte er sich dem Gegner. Der Fluch des Untoten hatte ihn seiner Schnelligkeit beraubt. Offenbar hielt er ihn nun für die leichtere Beute und geringere Bedrohung und konzentrierte sich daher lieber auf die Assassinin als auf ihn. Er beharkte sie weiter mit Zaubern und versuchte ebenfalls sie zu verfluchen, doch bisher war sie in der Lage ihm auszuweichen. Er wollte ihr helfen und inzwischen hatte er eine Idee. Da der Untote nur auf seine Begleiterin fixiert war, konnte er ihn vielleicht überraschen. Er legte die Hände auf seine Beine und ließ stärkende Magie hinein fließen. Er konnte den Fluch nicht beenden, dazu hätte er vermutlich doch länger die Adeptenausbildung des Tempels durchlaufen müssen, aber zumindest konnte er mit einem Stärkungszauber entgegen steuern.

Normalerweise hätte er sich jetzt ohne große Mühe sehr schnell bewegen können, doch zusammen mit dem Flucht, der auf ihm lag, reichte die Magie aus, dass er sich wieder in normaler Geschwindigkeit vorwärts bewegen konnte. Plötzlich war der Schwindel wieder da. Der Manatrank hatte kaum halb solange vorgehalten, wie der Vorherige. Er fühlte sich wieder magisch und seelisch erschöpft und ausgelaugt. Er war im Zweifel nur noch zu einem starken Zauber fähig, dann war er völlig ausgebrannt. Ein weiterer Trank würde ihm dann kaum mehr helfen können. Er wusste das. Er kämpfte den Schwindel nieder und stürmte für einen Angriff voran. Inzwischen hatte der Skelettfürst Lyviani in die Enge getrieben. Er holte von hinten zu einem Schlag aus und hieb los. Als die Silberklinge kurz davor war, den Körper des Wiedergängers zu treffen, war es so, als würde er durch Wasser schlagen. Die Klinge verlor deutlich an Schwung. Sie drang zwar noch immer mit Wucht in den knöchernen Leib unter dem Kapuzenmantel, aber es fehlte die tödliche Durchschlagskraft. Getroffen kreischte die untote Kreatur auf und wandte sich wütend um. Da er so nahe war, holte sie mit ihren vier Armen und vier Dolchen aus. Den oberen beiden bewaffneten Klauen konnte er entgehen, in dem er sich schnell nach hinten umfallen ließ, doch die zwei unteren Arme schafften es ihm zwei tiefe Schnitte in den Oberkörper hinein beizubringen. Er stöhnte vor Schmerz auf. Tirian robbte nach hinten zurück. Jetzt hatte er die Aufmerksamkeit des Geistes, dem das Silberschwert noch immer zwischen den Knochen steckte.

Andromeda
09.05.2013, 21:24
[Dreveni]
Es wurde langsam eng, und Dreveni war das mit schmerzhafter Klarheit bewusst. Wenn nicht bald irgendetwas geschah, war sie am Ende. Ihr kurzer Blick auf Tirian hatte ihr nur gezeigt, dass er immer noch reglos am Boden lag, und so versuchte sie weiter den vier Armen des Skelettes auszuweichen, was gar nicht so einfach war. Sämtliche verfluchten Gegner, mit denen sie bisher zu tun hatte, hatten nur zwei davon gehabt, und so war sie es einfach nicht gewohnt.

Schließlich hatte er sie so in die Enge getrieben, und sie konnte schon fast fühlen, wie er sie mit seinen Dolchen durchbohrte, da kreischte die Kreatur plötzlich erneut auf. Tirian hatte ihr sein Schwert in den Rücken gestochen, und da war es nun, so ziemlich unerreichbar für den Heiler. Den gleichen Fehler hatte sie bisher mit ihrem Dolch vermeiden können, und doch konnte er das Skelett nur so von ihr ablenken um ihr etwas Luft zu verschaffen. Das bezahlte er darüber hinaus noch mit zwei bösen Schnitten auf seinem Oberkörper.
Es war aus. Da konnte sie auch gleich alles auf eine Karte setzen, schoss es Dreveni durch den Kopf. Sie würden beide nicht mehr wesentlich länger durchhalten, sie waren tot, so oder so. Mit letzter Kraft verstärkte sie den Schildzauber um sich, nahm Anlauf und sprang den Untoten von hinten mit Schwung an. Er reichte aus dass sie beide in einem Haufen Knochen zu Boden gingen, und bis er sich wieder halbwegs gesammelt hatte, konnte ihm Dreveni noch zweimal die Klinge ihres Dolches über die Knochen ziehen, was ihn jedes mal so aufkreischen ließ, dass sie nur schwer dem Drang widerstand, sich einfach die Hände auf die Ohren zu schlagen. Statt dessen rollten sie nun ineinander verschlungen auf dem Boden umher, und ihr gelang es immerhin, zwei der vier Arme halbwegs unter Kontrolle zu bekommen. Ihre Kenntnisse im waffenlosen Nahkampf waren bestenfalls rudimentär, aber auf Technik kam es gerade auch wirklich nicht mehr an. Irgendwie schaffte sie es, Tirians Schwert aus dem Skelett zu befreien und sich von ihm zu lösen, nicht ohne während der Aktion ein paar üble Prellungen und leichte Schnitte zu kassieren, das gröbste hielt der Schildzauber dann doch noch ab.

Sie stand schneller als der Geist und ging einen Schritt zurück, während sie mit Tirians Schwert auf ihn einhieb, dass doch eine beträchtlich größere Reichweite als ihr Dolch hatte. Als sich der Geist wieder halbwegs gesammelt und erhoben hatte, machte er einen geschwächten Eindruck, aber dieses verdammte Ding lebte immer noch. Lauernd stand sie ein paar Schritte von dem Skelett entfernt, und versuchte selber wieder halbwegs zu Atem zu kommen, nachdem sie das Schwert wieder über den Boden zu Tirian geschleudert hatte. Sie hoffte es war eine gute Idee gewesen, das Schwert wieder aus dem Skelett zu ziehen, aber so sehr schien ihn das auch nicht zu stören, und sie konnten nicht ewig warten, bis es dadurch so geschwächt war, dass es tot umfiel. Und Tirian brauchte irgendetwas, um sich wenigstens noch halbwegs zu wehren.

[Tirian]
Der Heiler atmete erleichtert auf, als sich der Skelettfürst von ihm abwandte. Im nächsten Augenblick saß er allerdings mit offenem Mund da, als er beobachtete, wie sich Lyviani mit Inbrunst gegen den Untoten warf, ihn zu Boden zwang und dann auch noch mit seinem Schwert bearbeitete. Schließlich schaffte sie es sich aus dem verwickelten Knäuel, das sie zusammen mit dem Untoten am Boden gebildet hatte, zu befreien und ihm seine Waffe herüber zu schieben. Gerade rechtzeitig, bevor sich der Wiedergänger wieder erhob, seine Dolche drohend erhob. Tirian packte seine Silberklinge fest an und stürzte voran. Das Schwert hielt er seitlich wie eine Lanze und rammte sie mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, in den Leib des Skelettfürsten. Wild kreischte die Kreatur auf. Die Silberklinge war diesmal viel tiefer eingedrungen. Offenbar hatte sich Schild in Wohlgefallen aufgelöst, denn diesmal behinderte ihn Nichts mehr. Das Schwert steckte nun an genau der richtigen Stelle. Er wusste zwar, dass sein Gegner gegen Elementarmagie recht unempfindlich war, aber wenn er den Zauber durch die Klinge direkt in ihn hinein leitete, musste es einfach funktionieren.

Er packte noch einmal das Heft und nutzte sein restliches Mana dafür einen Schockzauber durch die Waffe hindurch in den Skelettfürsten hinein zu leiten. Der Untote kreischte und schrie und wurde geschüttelt. Tirian versuchte die Magie solange wie möglich aufrecht zu erhalten, doch erschöpfte sich seine Reserve zu schnell und er brach zusammen. Der Wiedergänger allerdings sank langsam in sich zusammen. Er war schwer angeschlagen und hatte auch keine Kraft mehr zu schweben, sondern stand nun mit knöchernen Füßen wieder auf dem Boden. Boshaft funkelte ihn das gespenstische, grüne Licht in den ansonsten leeren Augenhöhlen an. "Lyviani, den Kopf": rief der Heiler, als die Kreatur nun den bronzenen Dolch erhob, um zu einem finalen Stich gegen ihn auszuholen. Der Stärkungszauber war inzwischen auch dahin und es bestand für ihn keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Er schloss die Augen und erwartete das Schlimmste, doch es blieb aus, stattdessen ertönte ein wahrhaft schriller Schrei, der seinen Ohren geradezu betäubte.

Tirian schlug die Augen noch rechtzeitig wieder auf, um zu sehen wie die Assassine ihren daedrischen Dolch bis zum Heft in den Schädel des Monstrums gerammt hatte und es grün strahlend, offenbar sein Unleben aushauchte. Der Körper zerfiel in seine Einzelteile, der bronzene Dolch landete neben ihm auf dem Boden, und dazwischen sah er, wie sich der Ahnengeist, der sie besessen hatte, auflöste und schließlich zu einer grünlich schimmernden Pfütze am Boden zerlief. Im gleichen Momente fühlte er den Fluch von seinen Beinen weichen und beide versiegelten Türen sprangen umgehend auf. "Wir haben es geschafft": keuchte der Heiler. Er rappelte sich auf zittrige Beine hoch. Er konnte nicht mehr. Sobald sie hier heraus waren, würde er schlafen und wenn es direkt neben dem Eingang der Gruft wäre. Allerdings gebot ihm seine Profession sich noch einmal schnell der Pfütze zuzuwenden und mit der leeren Manatrank-Flasche ordentlich etwas abzuschöpfen. Ektoplasma war für seine Verhältnisse eine seltene Zutat und so eine Gelegenheit durfte er nicht verstreichen lassen. Als er es schnell abgefüllt und verkorkt hatte, fiel sein Blick auch noch auf den Dolch, den der Skelettfürst über gelassen hatte. Er sah besonders aus. Tirian steckte ihn sich ein. Es wurde nun Zeit zu gehen.

[Dreveni]
Dreveni hatte gehofft, mit ihrer gewagten Aktion mehr zu erreichen, aber immerhin hatte sie sich nicht völlig kampflos in ihr Schicksal ergeben. Auch wenn das niemand mehr mitbekommen würde, wenn keiner von ihnen hier lebend herauskam. Da packte Tirian auch schon sein Schwert und stieß es der Kreatur wieder in den Leib, und einen Augenblick später erkannte sie auch, was der Heiler damit bezweckte, was ihr Anlass zu vorsichtigem Optimismus gab. Als der Heiler zusammenbrach und der Untote ebenfalls kurz vor seinem endgültigen Ende zu stehen schien, hörte sie Tirian nur noch schreien: "Lyviani, den Kopf!"
Das brauchte er ihr nicht zweimal zu sagen, und schon versenkte sie mit einer geübten Bewegung ihren Dolch bis zum Heft im nun brüchigem Schädel des Skelettes. Mit einem schauerhaften Kreischen das langsam verhallte und einem letzten hellgrünen Leuchten hauchte ihr Gegner nun endlich sein untotes Leben aus und nichts als eine Pfütze von Ektoplasma blieb übrig. Dreveni stand leicht zittrig mit ihrem Dolch in der Hand da und konnte es kaum glauben. Sie hatten es tatsächlich geschafft? Da sprangen auch schon beide Türen mit einem Knall auf, und sie ein Schwall Frischluft kam durch die Ritzen der Tür herein, die nun nicht mehr durch die magische Barriere abgehalten wurde. Sie war herrlich kühl und roch nach Freiheit, so dass sie tief einatmete, bis ein gemeines Stechen in ihren Rippen sie an den unsanften Kontakt mit dem Untoten erinnerte. Er hatte ihr irgendeinen Teil seiner Knochen in die Seite gestoßen als sie über den Boden rollten, dieses mal allerdings in die rechte. Doch das war ihr egal. Sie stützte die Hand in die Seite, und suchte ihre Waffen zusammen. Das Stilett fand sie schließlich bei einem Haufen Knochen, gerade als Tirian mit der Pfütze Ektoplasma fertig war.

Sie ging zu ihm hinüber, und nachdem er genauso unsicher auf seinen Beinen stand, wie sie sich fühlte, legte sie ihm ohne eine Wort den Arm um die Taille um ihn so etwas zu stützen, während er das gleiche tat. "Nichts wie raus, bevor es sich die Pfütze anders überlegt.", sagte sie leise, während sie erst durch einen langen Gang, in dem ebenfalls Urnen in Nischen an den Wänden standen und dann eine kurze Treppe hinaufgingen, der Frischluft folgend. Schließlich standen sie vor der Tür, durch die bereits Dämmerlicht fiel. Morgendämmerung, Abenddämmerung? Dreveni wusste es nicht, sie hatte jedes Zeitgefühl verloren. Sie sah Tirian an, nachdem sie sich immer noch stützten, war nicht viel Abstand zwischen ihren Gesichtern. "Meint ihr jemand war so hinterhältig die Eingangstür auch noch mit einer Falle zu sichern?"

KingPaddy
09.05.2013, 22:31
Lyviani stützte ihn und er war ihr dankbar dafür. Er fühlte sich wirklich wie gekaut und ausgespuckt und wollte sich endlich ausruhen. Als sie anmerkte, dass sie schnell verschwinden sollte, hatte er Nichts dagegen. Sie gingen durch die Tür und ließen die Kammer hinter sich, passierten einen weiteren Gang und standen endlich vor der Tür nach draußen, die deutlich an der frischen Luft, die hier hereinkam und dem Dämmerlicht, das unterhalb hindurch drang, zu erkennen war. Tirian wollte sie gerade aufstoßen, als er bei der Frage der Assassinin zurückzuckte. Er überlegte einen Moment. "Ich glaube eigentlich nicht. Normalerweise werden die Grufteingänge nicht gesichert, damit die Angehörigen jederzeit und jeder für sich die Gruft betreten können, um ihre Ahnen zu besuchen. Eine Falle oder ein Schloss würden einen Schlüssel erfordern und ich denke nicht, dass jedes Familienmitglied unbedingt einen hat. Ich denke wir können sie passieren": meinte der Heiler und blickte in die roten Augen seiner Begleiterin, die so nah vor ihm waren. "Wir haben es wirklich überstanden. Wir Beide": dachte er und wandte sich mit einem Lächeln der Tür zu. Er drückte die Klinke nach unten und stieß sie auf. Der Luftzug, der sie umfasste, betäubte seine Sinne. Sie roch so gut und frisch. In diesem Moment fühlte sich die salzige Meerluft, die über die Weidenländer geblasen wurde, für ihn an, wie der erste Atemzug seines Lebens. Er saugte sie regelrecht ein. Gemeinsam taten sie nun den letzten Schritt in das dämmernde Tageslicht. War es Morgen- oder Abenddämmerung? Ihm war es egal.

Doch der Moment hielt nicht lange vor. Brutal fühlte Tirian sich gepackt. Er spürte wie ihm die Arme auf den Rücken gedreht wurden und man ihm einen Sack über den Kopf zog. Ein Tritt in die Kniekehlen zwang sie auf die Knie. Den Geräuschen und Flüchen nach zu urteilen, erging es Lyviani in diesem Moment nicht besser. "Was bei den Höllen Oblivions...": schrie er die Leute an, die sie hier überfielen. "Schweigt": vernahm er eine herrische Frauenstimme. "Wo ist der Dolch": fragte sie fordernd. "Welcher Dolch": war es schwach von seiner Begleiterin neben ihm zu vernehmen. "Wo ist der Dolch": wiederholte die Unbekannte ihre Frage energisch. "Antwortet!": vernahm er hinter sich eine weitere knurrige Stimme und er spürte einen leichten Schlag in die Seite. "In einer Innentasche meiner Robe. In meiner Innentasche": antwortete Tirian nun schnell. Man riss ihm seinen geschundenen Mantel auf. Er spürte eine tastende Hand. Und dann hörte er ein selbstzufriedenes "Ausgezeichnet". "Das habt ihr gut gemacht": meinte die Frau und gab Anweisungen ihnen die Säcke vom Kopf zu ziehen. Er sah in das Gesicht einer Altmerin in einer enggeschnittenen Lederrüstung mit eisernen Beschlägen. Die goldene Haut ihres Gesichtes schien im diesem Licht regelrecht zu glühen und ihre braunen, mandelförmigen Augen musterten sie Beide aufmerksam. Ihr braunes Haar war streng zu nibenischen Zöpfen geflochten.

„Sieh mal einer an. Ich hätte nicht gedacht, dass ihr überleben würdet. Ihr habt mich ehrlich überrascht. Für ein paar Spione der Mythischen Morgenröte seid ihr doch ganz schön hartnäckig“: sagte sie. Ihr Tonfall war lauernd. „Wir sind keine Spione der Morgenröte“: sagten Tirian und Lyviani fast gleichzeitig. „Und warum habt ihr euch dann wie welche an unser Lager herangeschlichen?“: wollte sie nun wissen. Jetzt wurde dem Heiler die Sache klarer. „Ihr seid aus der Festung“: stellte er fest. „Ah ein ganz schlauer“: meinte sie ironisch. Die Assassinin mischte sich nun ein. „Eine angeblich verlassene Festung, die jetzt offenbar wieder genutzt wird und wir sollen Zielscheibe spielen und offen darauf zugehen?“: sagte sie bissig. Die Altmerin überging das mit einem Lächeln. „Wir sind keine Agenten“: beteuerte Tirian. „Das wissen wir jetzt auch. Ihr hättet gegen diesen netten Dolch keine Chance gehabt, wenn ihr das gewesen wärt. Dieses Artefakt schneidet durch beschworene Kreaturen und Rüstungen wie ein heißes Messer durch Butter. Und diese kleinen Daedra-Anbeter verlassen sich doch nur auf ihre Rüstungen und Kreaturen. Außerdem haben wir auch bei euren Sachen keine Anzeichen für diesen Kult gefunden“: erklärte die Altmer. „Ihr wart an unseren Sachen?!“: fuhr Lyviani sie an. „Entspannt euch. Wir haben noch nichts genommen, sondern sie nur durchsucht und Nichts Verdächtiges gefunden. Wärt ihr dort unten nicht mehr herausgekommen, naja, dann hätten wir es ja auch nicht verkommen lassen müssen“: sagte die Altmer und strich sich eine lose Strähne aus dem Gesicht.

„Wenn ihr wisst, dass wir keine Spione sind, dann lasst uns gehen“: verlangte Tirian. „Da ihr entgegen meiner Erwartungen aber ganz nach meinen Hoffnungen dort unten herausgekommen seid, hatte ich das ohnehin vor. Schließlich habt ihr es mir erspart ein paar Männer zu opfern“: sagte sie. „Ihr habt uns da unten hinein geworfen, damit wir für euch den Dolch holen“: stellte Tirian fassungslos fest. Er wurde langsam wütend. Sie sah ihn gekünstelt betroffen an. „Wir hätten euch dort unten auch hinein werfen können, ohne das es dort einen Ausgang in Form einer angrenzenden Ahnengruft gegeben hätte. Ihr wäret dann dort unten vor Hunger und Durst verrückt geworden. Vielleicht hättet ihr noch eine Weile von dem Brackwasser leben können, aber schlussendlich hättet ihr euch gegenseitig gefressen“: sagte sie süffisant und lächelte als hätten sie einen Witz gemacht, den aber offenbar nur sie verstand. „Du Metze!“: warf Lyviani von der Seite ein. Einer der bulligen Typen, die hinter ihnen standen, versetzte der Assassinin daraufhin einen Stoß. „Ach haltet mich doch nicht für so ehrlos. Als Söldnerin finde ich es sogar ganz besonders schlimm, wenn die Leute für ihre harte Arbeit keinen Lohn bekommen. Zwar ist es schon ausreichend, wenn wir euch am Leben lassen und euch eure Sachen zurückgeben, andererseits sollt ihr ja nicht denken, dass ich kleinmütig wäre. Ich habe für den Fall eures Überlebens ein behagliches Quartier in der Festung frei räumen lassen. Ihr könnt bleiben, solange ihr dies wünscht. Betrachtet euch als meine Gäste“: sagte sie und streckte die Nase dann in die Luft, roch etwas mehr als auffällig und lächelte dann wieder. „Und ich lasse euch auch warmes Wasser zum Waschen zukommen. Ihr riecht, als gehörtet ihr längst in eine Gruft“: fügte sie noch an.

Die Altmerin schaute in den Himmel. „Ah der Morgen graut ja schon. Wir sollten zur Festung zurückkehren“: meinte sie dann. Tirian und Lyviani warfen sich einen vielsagenden Blick zu. Diese Frau… sie machte ihn wütend. Sie hatte sie in Todesgefahr gebracht, nur um an diesen verfluchten Dolch zu kommen. Er versuchte sich zu beruhigen, auch wenn er nach außen seine Gefühle unterdrücken konnte, brodelte es in seinem Innern. Kräftig wurden sie wieder auf die Beine gezogen. Auf ein Fingerschnippen hin, wurden sie losgelassen. Der Heiler rieb sich die Handgelenke. Er spürte das dringende Bedürfnis diesem arroganten Weib an den Hals zu gehen, aber er beherrschte sich, außerdem war er viel zu erschöpft, um jetzt noch etwas in dieser Richtung zu versuchen. Flankiert von Söldnern und angeführt von der Altmerin bewegten sie sich zur Festung zurück. Tatsächlich war die Ahnengruft nicht weit vom Sockel Falensaranos entfernt und das Monstrum aus Stein tauchte bald wieder vor ihnen auf. Sie stiegen die Rampe empor und wurden zu Lyvianis Guar geführt, den man in einem Stall aus Zeltplanen angebunden hatte. Das Gepäck hatte man ihm abgenommen. „Wie ihr seht, geht es ihm gut. Kommt“: sagte die Altmerin und führte sie schließlich in das Innere der Festungsanlage. Tirian folgte ihr wie in Trance. Jetzt wo die unmittelbare Bedrohung abgeklungen war, fühlte er sich unendlich müde. Sie suchten sich einen Weg durch das dunkle, nur von Fackeln tranig beleuchtete Gebäude und blieben schließlich vor einer Kammer stehen. „Euer Gepäck ist dort drin. Es werden gleich einige Sklaven kommen und euch Wasser bringen. Wagt es also nicht euch hinzulegen, bevor ihr euch nicht gereinigt habt. Das letzte was ich brauche ist, zwei Betten zu ruinieren, in dem wir den Leichengeruch da nicht mehr herausbekommen“: wies die Söldnerin sie an und öffnete die Tür. „Ich lasse euch nun allein, ach… Wie unhöflich von mir. Ich bin Ilucaria, Anführerin dieses Söldnerhaufens“: sagte sie noch, lächelte dann wieder auf ihre arrogante Art und ließ sie dann allein. Allerdings ließ sie zwei ziemlich breitschultrige Kerle, einen Rothwardonen und einen Kaiserlichen zurück.

Tirian ignorierte sie und betrat die Kammer. Es gab zwei Betten, in der Mitte lag ihr Gepäck wild verstreut auf einem großen Haufen, offenbar waren sie beim Durchsuchen gründlicher gewesen, als dabei es wieder zusammen zu packen. Eine weitere Kleinigkeit über die er sich geärgert hätte, wenn er noch die Kraft dazu besessen hätte. Ansonsten gab es noch ein paar Regale, einen schmutzigen Teppich und ein paar Truhen. Beleuchtet wurde das Ganze nur von einigen Kerzen und Öllampen. Insgesamt war die Atmosphäre wieder so drückend wie in der Gruft. Nur das Fehlen eines rachsüchtigen Ahnengeistes störte da, aber ihm war das ganz recht. Während Lyviani ihre Habseligkeiten prüfte, ob auch wirklich Nichts weggekommen war, sah er sich noch etwas weiter um. Im hinteren Teil des Raumes wurde etwas von einem einfachen Wandschirm verdeckt. Als Tirian dahinter lugte, fand er einen großen Bottich aus Holz. Er nahm sich eine Öllampe und zündete die Kerzen hier hinten an. Der Bottich stellte sich als Waschzuber heraus. Zwar nicht komfortabel genug, um darin zu liegen, aber er war hoch und tief genug, um sich bequem darin zu waschen. „Hier ist wohl der Waschplatz“: meinte der Heiler und ging zu Lyviani zurück. Er suchte eine frische Robe aus seinem Gepäck und stellte fest, dass es die Letzte war. Inzwischen hatte seine Kleidung ziemlich gelitten. Die Robe, die er jetzt trug, konnte er vermutlich noch flicken, aber vorher mussten unbedingt die verfaulten Sekrete der Zombies und das Blut herausgewaschen werden. Seufzend setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden. Die beiden Brustwunden schmerzten noch furchtbar, aber noch hatte er keine Kraft gefunden sie zu behandeln. Als er die Assassinin wieder an ihrem Arm kratzen sah, regelrecht scheuern sah, erinnerte sich daran, dass auch sie vielleicht noch einer Behandlung bedurfte. Zunächst wäre aber besser, wenn sie sich waschen würden. „Meint ihr, dass noch alles vollständig ist“: stellte er eine Frage. In dem Moment als seine Begleiterin mit einem langgezogenen „Hmm“ antwortete, klopfte es auch schon an der Tür. Unter regelrechten Schmerzen erhob sich der Dunmer und ging zur Tür.

Er öffnete. Es kamen einige Khajit und Argonier mit dampfenden Eimern hereingewuselt. Auf den ersten Blick bemerkte Tirian die schäbige Kleidung und die etwas mageren Leiber und beim Zweiten dann auch die Sklavenfesseln an den Handgelenken der armen Tiermenschen. Diese drängten sich an ihm vorbei und füllten das Holzbecken im hinteren Teil des Zimmers. Ohne weitere Worte verließen sie den Raum auch schon so schnell, wie sie gekommen waren. Nur ein Argonier in einer Lederrüstung, der sie begleitet hatte und zu überwachen schien, blieb etwas länger. Er drückte dem Heiler eine wächserne Masse in die Hand und bleckte die scharfen Zähne. „Das ist ein Geschenk der Herrin. Sie sagt, dass ihr regen Gebrauch davon machen solltet. Und das solltet ihr wirklich“: sagte er und wandte sich dann auch zum Gehen. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, betrachtete er die annähernd weiße Masse etwas ratlos, bis ihm aufging, was die Söldnerin ihnen geschickt hatte. „Unsere Gastgeberin war so gütig uns ein Stück Kreckenseife bringen zu lassen“: sagte er und verdrehte die Augen. Er setzte sich wieder in den Schneidersitz, legte das Stück Seife neben sich auf den Boden und schaute, ob die Söldner seine Vorräte angerührt oder seine Ausrüstung beschädigt hatten. Seine Wut auf die Obersöldnerin verflog in gleichem Maße in dem die Erschöpfung seine Augenlider immer weiter nach unten zog.

Andromeda
09.05.2013, 23:40
Dreveni kochte vor Wut, als sie schließlich in die Kammer geführt wurden. Inzwischen war sie so fertig, dass sie fast schon wieder aufgedreht wurde, und dieses Miststück von Hochelfe kam ihr jetzt gerade noch recht. Darüber hinaus merkte sie jetzt erst sämtliche Folgen ihres waghalsigen Sprungs auf den Ahnengeist. Ihre Rippen rechts waren mindestens übel geprellt, hoffentlich nicht gebrochen, daran erinnerte sie der Schlag den sie erhalten hatte, und sie hatte sich ein paar Splitter unter die Haut ihres rechten Armes gezogen, sie vermutete es waren Knochensplitter, als sie über den Boden gerollt waren. Sie sah sich schon die nächsten Stunde sitzen und das wieder rauspulen. Was sie sonst noch an blauen Flecken und leichten Kratzern davon getragen hatte, hakte sie innerlich schon ab, dann würde sie für die nächsten Tage eben aussehen wie verprügelt.

Reichlich schockiert stellte sie dann fest, dass es hier tatsächlich Sklaven gab, die nicht unbedingt den Eindruck machten, als würden sie auch nur halbwegs gut behandelt. Natürlich wußte sie davon, aber sie war noch nie selber damit in Berührung gekommen. Als sie die armen Kreaturen sah, hatte sich auch ihre Meinung zur Sklavenhaltung entschieden, früher war es ihr immer egal gewesen, weil es einfach zu weit weg war. Es war würdelos, und zwar umso mehr für denjenigen, der meinte sich Sklaven halten zu müssen als für die Sklaven selbst. Sie hatte gerade nichts mehr als pure Verachtung übrig für diese Hochelfe und ihr mieses Söldnerpack. Wie tief konnte man sinken dass man andere Lebewesen derart knechtete, damit sie einem den faulen Hintern nachtrugen? Oder laufen die Geschäfte so schlecht dass man keine Angestellten zahlen kann?, dachte sie sich bissig.

Immerhin schien ihre Ausrüstung noch vollständig. Nachdem die Echse, die die Seife gebracht hatte wieder weg war, baute sie sich vor Tirian auf und sagte leise, so dass man sie draußen nicht hören konnte: "Ich bring sie um, diese Hochelfenschlampe. Ich werde sie abstechen, vielleicht nicht heute, und auch nicht mehr dieses Jahr, aber sie ist fällig. Und dann werde ich ihre arroganten Hochelfenohren als Halskette tragen. Ich versprech es euch, bei allem was mir heilig ist." Viel war das nicht, aber das wußte Tirian ja nicht. Tatsächlich war die Söldnerin gerade auf ihrer eigenen, höchstpersönlichen Liste auf den obersten Platz, noch vor dem Ashkhan, gerutscht.

Dann wandte sie sich wieder dem Gepäck zu und fischte ihr weinrotes Leinenkleid heraus. Es war zwar zerknittert aber wenigstens so gut wie sauber. Danach legte sie ihren Schwertgürtel ab, entfernte auch die Halterung des Stiletts von ihrem linken Arm, die ohnehin nicht mehr als ein schmales Lederband war, das mit zwei Schlaufen an ihrem Arm befestigt war, und setzte sich ebenfalls auf den Boden, dort wo das Licht etwas besser war, und begann an den Splittern zu pulen, nicht bevor sie sich ausgiebig noch einmal ihren linken Unterarm mit dem Kratzer des Zombies geschabt hatte. Schnell merkte sie, dass das so nichts werden würde, und griff zu ihrem Stilett, das neben ihr lag und dessen feine Spitze ihr ganz brauchbar schien. Den Heiler, der auf seine Ausrüstung konzentriert war, ignorierte sie dabei völlig, und schneller als sie gedacht hätte, hatte sie den ersten Splitter schon in den Fingern. "Tatsächlich Knochen.", sagte sie angewidert nachdem sie ihn genauer betrachtet hatte, und schnipste ihn in Richtung der Tür, wobei sie inständig hoffte, die Hochelfe würde barfuß hinein treten. Da ging ihr auf, dass sie vermutlich eher selber hineinlaufen würde, so ganz wach war sie selbst wirklich nicht mehr, und nahm sich vor, ihn wieder aufzusammeln, wenn sie fertig war. Danach setzte sie an, beim nächsten weiterzumachen, es würde wohl doch keine Stunde dauern. Sie wollte die Dinger nur gerne vor dem Baden noch loswerden.

KingPaddy
21.05.2013, 17:49
Mit zusammen gezogenen Augenbrauen beobachtete Tirian seine Begleiterin dabei, wie sie mit ihrem Stilett in ihrem Arm herumstocherte und sich damit Knochensplitter entfernte. Beiläufig schnippte sie einen davon weg, was Tirian ebenso mit gerunzelter Stirn ansah. Er schüttelte innerlich den Kopf, wollte mit der Assassinin aber nun auch keinen Streit anfangen. Seine Musterung der Ausrüstung war abgeschlossen und tatsächlich hatten sich die Söldner nicht an seinen Vorräten vergangen. „Wenigstens etwas“: dachte er und erhob sich mit hörbarem Keuchen und nahm die frische Robe, dazu ein frisches Unterkleid und die Kreckenseife mit. Er würde einen Muskelkater bekommen, das stand ihm schon absolut sicher vor Augen. Doch seine Sinne richteten sich jetzt auf die Wanne, die sich langsam abkühlte und er wollte auf jeden Fall ein warmes Bad genießen. Da Lyviani ohnehin noch mit sich selbst und den Knochensplittern beschäftigt war, nahm er sich einfach das Recht das Wasser als Erster in Anspruch zu nehmen. „Ihr solltet mich das nachher machen lassen, sobald ich etwas ausgeruhter bin. Es könnte passieren, dass ihr euch damit ein paar formschöne Narben zufügt“: sagte er nur und ging dann zu dem Wandschirm hinüber. Worauf er gar nicht achtete, war, dass der Raumtrenner selbst nur ein mit straffen, weißen Leinenstoff bespannter Rahmen war. In der Ecke des Raumes wäre es ohne die Kerze ziemlich dunkel gewesen, aber so, konnte er gut sehen. Er streifte sich die Robe über den Kopf und legte Hemd und Hose ab. Das ekelhafte Sekret der Untoten war durch den Stoff gesickert und hatte auch seine Kleidung darunter beschmutzt. Erst jetzt wo er selbst nicht mehr in das stickende Leinen eingepackt war, bemerkte er erst, wie erbärmlich es wirklich stank. Und er selbst roch gewiss nicht besser. Tirian schüttelte sich, wenn er daran dachte.

Schließlich streifte er auch noch den Lendenschurz ab, streckte sich kurz und stieg dann, sich am Rand des Bottichs abstützend, ins Wasser. Die Kreckenseife legte er auf den Rand. Das Licht der Kerze warf dabei von ihm unbemerkt seinen Schatten gut sichtbar gegen das Leinen des Wandschirms. Zunächst versuchte er sich möglichst klein zu machen, um sich halbwegs liegend in den Bottich zu zwängen und genoss dann die Wärme des Wassers. Mit der Hand schob er das warme Nass auch über die Stellen, die nicht bedeckt waren. Er spürte nur allzu deutlich wie die Anspannung der letzten Stunden von ihm abfiel. Er hatte sich unglaublich schmutzig gefühlt, als sie der Gruft zum Tageslicht hin entstiegen waren, doch jetzt fühlte er geradezu körperlich, wie der Dreck von ihm abfiel. Er genoss das gute Gefühl eine ganze Weile, rief sich dann aber zur Ordnung, denn schließlich wollte Lyviani sicher auch noch warmes Wasser haben. Er setzte sich auf und krümmte sich, um den Kopf unter Wasser zu bekommen. Ausgiebig wusch er sich Blut und Sekrete aus seinem Gesicht und spülte und rubbelte kräftig durch seine Haare, die vor Schweiß, Dreck und Körpersäften regelrecht standen. Als er sich ausreichend eingeweicht hatte, nahm er die Kreckenseife zur Hand und erhob sich aus dem Bottich. Gründlich seifte er sich im Stehen seinen Körper von unten nach oben, sein Gesicht und auch seine Haare. Schlussendlich setzte er sich wieder ins Wasser und wusch die Seife runter. Schließlich erhob er sich aus dem Bottich, bückte sich nach dem frischen Leinenhemd und trocknete sich in Ermangelung eines Tuches damit ab.

Schließlich schlüpfte er wieder in seinen Lendenschurz und zog die frische Hose an, um dann das feuchte Hemd kurz aufzuschütteln und sich auch noch überzuziehen. Die Robe zog er sich nun doch nicht an. Das warme Wasser hatte seine Müdigkeit noch einmal verstärkt und er wollte sich hinlegen. Er hatte zwar Hunger und der Sinn stand ihm im Moment nach einem schönen Krug Mazte, aber viel mehr noch verlangte sein Körper endlich nach Ruhe. Er trat hinter dem Wandschirm hervor. Lyviani schaute ihn an. „Ich bin fertig“: sagte er kurzangebunden und wandte sich dem Bett zu, dass näher an der Tür war. Er setzte sich zunächst nieder, stellte fest, dass es nicht unbedingt die beste Qualität hatte, aber ihm in Anbetracht seines Zustandes dennoch himmlisch erschien und prüfte das Kopfkissen. Es war sehr dünn. Er schob seine Robe darunter, damit er etwas höher liegen konnte und ließ sich dann zurücksinken. Er schloss die Augen und hörte Lyviani zur Wanne hinüber gehen.

Andromeda
21.05.2013, 18:35
„Ihr solltet mich das nachher machen lassen, sobald ich etwas ausgeruhter bin. Es könnte passieren, dass ihr euch damit ein paar formschöne Narben zufügt“, hörte sie den Heiler sagen, als er auf dem Weg in den Waschzuber war. "Die werden in bester Gesellschaft sein", antwortete sie nur geistesabwesend, und spielte damit auf die zwei nahezu symmetrischen Narben an, die sich an der Außenseite ihrer Arme von den Schultern bis über die Ellenbogen den Unterarm entlang zogen. Ein Andenken aus der Dwemer-Ruine, dass man wohl noch eine ganze Weile sehen würde. Es wurde langsam wirklich Zeit für ein paar Armschienen, überlegte sie, während sie sich dem letzten Knochensplitter zuwandte, nicht ohne immer mal wieder mit einem Auge zu dem Wandschirm zu schielen, hinter dem sich Tirians Silhouette abzeichnete. Schließlich meinte sie, alle erwischt zu haben und widmete sich ihren Haaren, wozu sie einen fein gearbeiteten Kamm aus Horn zwischen ihrem Gepäck heraussuchte. Die Strähnen, die sich aus ihrem Haarknoten gelöst hatten, waren ziemlich verstrubbelt, aber nach einer Weile hatte sie es schließlich geschafft, sich zu kämmen. Sie zog die restlichen Haarnadeln aus ihrer Frisur und als Tirian wieder hinter dem Wandschirm hervorkam, legte sie gerade den Kamm wieder weg.

Sein kritischer Blick vorhin war ihr nicht entgangen, und nachdem sie keine Lust auf einen Knochensplitter im Fuß hatte, stand sie auf - nicht ganz so geschmeidig wie sonst, aber immer noch in einer fließenden Bewegung, bei der sie innerlich stöhnte ob ihrer schmerzenden Rippen - und hob den Splitter demonstrativ auf und legte ihn zu den anderen auf das Tischchen neben ihrem Bett. Danach sah sie wieder nach ihre Begleiter, der inzwischen schon in das Bett gekrochen war. Mit ihm schien man heute nicht mehr viel anfangen zu können, stellte sie mit leisem Bedauern und einem leichten Grinsen im Gesicht fest.

Ihr war an sich gerade auch nur noch nach Wasser, dachte sie, als sie kurz an sich und den dreckigen Resten ihrer Kleidung heruntersah. Ohne lange zu überlegen zog sie kurz entschlossen und wie selbstverständlich die Tunika über den Kopf, hier in dem Dämmerlicht sah man ohnehin nicht sonderlich viel und Tirian war vermutlich eh kurz vor dem Einschlafen. Davon abgesehen war es ihr auch reichlich egal, sie schämte sich nun wirklich nicht für ihr Aussehen.
Die Tunika warf sie zielsicher in die Ecke, die am weitesten von den Betten entfernt war, griff sich das Kleid und verschwand ebenfalls hinter dem Wandschirm.
Sie entledigte sich auch noch ihrer Hose und stieg in den Bottich, dessen Wasser sicher vor Tirian noch wärmer und sauberer gewesen war, aber es war immerhin Wasser. Sie seifte sich sich gründlich ab, bis ihre Haut brannte, wobei sie im Bottich stehenblieb, und ließ auch ihre Haare nicht aus.
Als sie fertig war und sich die Seife auch wieder vom Körper und aus den Haaren gewaschen hatte, fühlte sie sich endlich wieder wie eine Elfe und nicht wie ein gerade aus dem Grab gekrochener Untoter. Auch wenn sie tatsächlich aussah, wie verprügelt. Die Kratzer des Zombies an ihrem Arm waren inzwischen deutlich gerötet und juckten nach wie vor. An die Platzwunde an ihrer Stirn wurde sie schmerzhaft erinnert, als sie sich das Gesicht mit der Seife abgeschrubbt hatte, und der Bluterguss über ihren Rippen war fast schon schwarz.
Davon abgesehen fühlte sie sich alles in allem erstaunlich gut, auch wenn sie meinte, die Arme für die nächsten Tage nicht mehr höher als bis zu den Schultern heben zu können. Verflucht, sie kämpfte normal mit Dolchen und nicht derartig ausdauernd mit einem Schwert.
Aber immerhin hatten sie den Ahnengeist besiegt, auch wenn es tatsächlich kurz so ausgesehen hatte, als würden sie es nicht überleben.
Als sie sich das Kleid über den nassen Körper gezogen hatte und zu ihrem Bett ging, lag ein lächeln auf ihren Lippen, das so gar nichts mit ihrem sonstigen, immer leicht zynischen Grinsen gemein hatte, und ihrem Gesicht einen fast weichen, freundlichen Zug verlieh. Sie freute sich einfach, dass sie überlebt hatten. Sie löschte noch die Kerzen und Öllampen, und legte sich dann schließlich auch ins Bett, wo sie noch eine Weile in die Dunkelheit starrte bis sie ebenfalls eingeschlafen war.

KingPaddy
27.05.2013, 15:12
Tirian öffnete kurz die Augen als er das Plätschern von Wasser vernahm. Er sah kurz zum Wandschirm hinüber. Lyvianis Schattenriss zeichnete sich gegen das Licht hinter dem Sichtschutz ab. Sein Gesicht wurde dunkler, als er ausgiebig den Umriss der stehenden Dunmer betrachte, die sich einseifte und abschrubbte. Obwohl sein Herz schneller schlug, konnte er nicht verhindern, dass seine Augen dennoch Dunkelheit wollten und sich seine bleischweren Augenlider schlossen, noch bevor seine Begleiterin hervorkam. Sein Atem wurde schnell gleichmäßig und ruhig. Schließlich schlief er ein.

Ein Gang. Ein langer Gang. Rund. Er war rund. Die Wände schienen geradezu organisch zu sein. Seine Hand legte sich darauf. Holzig aber auch weich und warm. Er wusste nicht wo er war. Es war recht düster hier. Nur wenig Licht von wenigen Kerzen erfüllte den Korridor. Tirian ging auf eine große, runde Tür am Ende zu. Mit jedem Schritt entfernte sie sich aber immer weiter vor ihm, als würde sie vor ihm zurückweichen. Als würde er vor ihr zurückweichen? Er beschleunigte seine Schritte, wurde schneller, noch schneller und schließlich rannte er. Doch noch immer entzog sich die Rundtür jedem Versuch sie zu erreichen oder gar zu öffnen. Der Gang dehnte sich ins Unendliche und verlor sich schließlich im endlosen Dunkel. Atemlos blieb der Heiler stehen, schaute hinein in die Ferne. Aufgebend den Durchgang jemals zu passieren drehte er sich um. Schwer atmend und mit weiten Augen stand er nun direkt davor. Er schluckte. Hitze war hinter dem lebendigen Holz zu spüren. Tirian zögerte. Eine unerklärliche Furcht befiel ihn. Seine Hände begannen zu zittern. Keuchend versuchte der Heiler sich zu beruhigen. Er schloss die Augen und drückte nun die Pforte auf. Heiße, schweflige Luft schlug ihm entgegen. Der hölzerne Gang lief in geschwärzten Fels aus. Ein tiefrotes Licht, dass über allem lag und die stickige, geradezu brennende Luft wiesen auf Lava hin. Tirian tat weitere Schritte und bewegte sich in diese Höhle hinein. An einer Weggabelung wählte er instinktiv den linken Weg.

Durch ein offenstehendes Gittertor hindurch trat er in eine große Höhle ein, in deren Mitte sich eine Grube von einem großen Durchmesser befand. Die Hitze schien von dort zu kommen. Der Dunmer trat an den Rand und sah das es dort tief herab ging. Wie in einer Spirale sich ein Weg nach unten hin. Am Grund des Abstiegs brodelte ein Lavasee und aus den Wänden ergossen sich immer wieder Lavafälle oder Rinnsale in die Tiefe. Hier und dort gab es Felsen mit großen Löchern aus denen Wasserdampf und schweflige Gase zischend entströmten. Gequälte Schreie drangen aus der Grube zu ihm herauf. Er versuchte den Stimmen zu lauschen und trat noch näher an den Rand heran. Der Boden unter seinen Füßen g ab plötzlich knirschend nach. Er versuchte noch sich in Sicherheit zu bringen, doch er schaffte es nicht. Tirian verlor den Halt und stürzte in die Tiefe. Schreiend fiel er und fiel er. Er ruderte wild mit den Armen. Seine Hand streifte etwas holzig. Instinktiv griff er zu und packte es. Sein Blick klarte sich. Er hatte eine Wurzel zu fassen bekommen. Er hing in der Luft, gehalten nur von seinem Arm, dem langsam die Kraft ausging. Er fühlte seinen Körper geradezu hundertfach an seinen Muskelfasern zerren. Er rutschte, fühlte die Wurzel durch seine schwitzige Hand glitschen. Er holte mit dem anderen Arm aus, nahm alle Kraft zusammen und wuchtete seinen Körper in Richtung der rettenden Kante, über die die Wurzel nach unten lief. Vor Schmerz keuchend konnte er sie packen und den anderen Arm nun nachziehen. Er packte den Vorsprung und verkannte seine Stiefel im Fels der Wand. Er hing, kaum besser als vorher und fühlte deutlich seine Kräfte nachlassen.

In diesem Moment vernahm er Schritte über sich. Er zog sich und damit seinen Kopf etwas höher und versuchte zu sehen. „Hilfe“: rief er und sah dann eine Gestalt in einem einfachen roten Hemd. Seine Augen weiteten sich als er Tarrior erkannte. „Tarrior, hilf mir. Hilf mir schnell“: flehte Tirian, doch er nahm keine Notiz von ihm, sondern schritt einfach nur vor ihm auf und ab. Sein Gesicht lag im Dunkeln, seine Haare hingen ihm wirr um den Kopf. Abermals rief er nach Tarrior, doch immer noch keine Reaktion. „Vater, ich falle. Bitte“: brüllte der Heiler vor Todesangst, als seine Hände langsam nachgaben. Jetzt zuckte die Gestalt zusammen drehte sich in einer schnellen Bewegung um und beugte sich zu ihm herunter. Der Heiler erschrak fürchterlich, als er im Gesicht Tarriors nun ein blutverschmiertes Grinsen und tiefschwarze Augenhöhlen entdecken konnte. „Vater? Du bist nicht mein Sohn. Du bist ein schwächlicher Bastard“: sagte Tarrior grinsend und erhob sich. Im nächsten Moment konnte der geschockte Tirian auch nicht glauben, dass sein Vater nun seinen Stiefel auf eine seiner Hände stellte und sein Gewicht darauf verlagerte. Schreiend ließ der Heiler los. „Bitte tu das nicht, bitte nicht“: flehte er, als sich der Knochenstiefel Tarrior sich nun auch auf seine andere Hand stellte. Erneut drückte er zu. Der Dunmer fühlte den Schmerz, fühlte wie sich der Stiefel auch noch bewegte, seine Finger zu Brei rührten. Schließlich hielt Tirian es nicht mehr aus und ließ mit einem Schrei los. Sein Fall in die Tiefe ging weiter. Er sah noch immer das dämonische Grinsen Tarrior vor sich. Die Lava am Boden der Grube kam näher und schließlich umfasste sie ihn mit feuriger Umarmung.

Schweißgebadet schreckte Tirian aus dem Schlaf hoch. Panisch sah er sich um. Sah die karge Einrichtung des Zimmers, sah die fast heruntergebrannten Kerzen, den Wandschirm, ihr Gepäck. Sah Lyviani im anderen Bett neben sich. Keine Höhle, keine Lava, kein teuflischer Tarrior. Es war nur ein Traum. Schwer atmend sank der Heiler auf sein Kissen zurück. Er rieb sich durchs Gesicht um dieses dunkle Gespinst des Schlafes endgültig abzuschütteln. Er spürte etwas Feuchtes an den Fingern. Als er sich sachte noch einmal über die Augen fuhr, spürte er, dass er weinte. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Immer wieder versuchte er sie wegzuwischen. Erst nach einiger Zeit versiegten sie schließlich.

Als er sich schließlich ganz beruhigt hatte, erhob sich Tirian noch leicht zitternd aus dem Bett, zog die Robe unter dem Kissen hervor und zog sie sich über den Kopf. Dabei berührte er die Platzwunde, die ihm einen schnellen Schmerz durch den Kopf schickte. Er war dankbar dafür, denn das brachte ihn wieder richtig zu Bewusstsein. Das Gefühl kehrte in seinen betäubten Geist zurück. Er spürte den enormen Muskelkater, der sich sowohl in den Armen als auch den Beinen breit gemacht hatte. Fühlte beim Strecken die Schnitte in seinem Oberkörper. „Ich bin am Leben“: ging es ihm in diesem Moment durch den Kopf. Eine Erkenntnis zu der er vorher überhaupt nicht mehr fähig gewesen war, aber über die er sich jetzt unheimlich freute. Ihm tat alles weh, er fühlte sich noch immer tief verwundet und erschöpft, aber er fühlte sich gleichzeitig so lebendig wie lange nicht. Und seine Magie hatte sich inzwischen auch erholt. Er setzte sich auf sein Bett zurück, schloss die Augen und konzentrierte sich auf die heilende Magie, die er mit der Kraft aus seinem Innern speiste. Er spürte den unangenehmen Druck der sich in seinen Oberkörper und seinem Bauch ausbreitete als sich auch dort die Quetschungen und Verletzungen endlich regenerierten, schließlich klang auch mit einem deutlichen Ziehen die Schwellung an seinem Kopf ab. Dafür bildete sich ein leichter Kopfschmerz, den der Heiler aber getrost ignorierte. Damit konnte er leben.

Schließlich erhob er sich und trat an Lyvianis Bett. Sein Blick fiel auf die Dunmer. Sie hatte sich ein Kleid übergeworfen. Tirian war überrascht als er in ihr Gesicht schaute. Keine Spur von der ihr sonst üblichen Abweisung und Reserviertheit. Er strich ihr leicht eine Strähne zur Seite. Da offenbarte sich auch schon eine ebenso unschöne, dunkle Schwellung, wie er sie gerade bei sich geheilt hatte. Er erinnerte sich an den Arm und die Knochensplitter und wer wusste, was sie noch im Kampf abbekommen hatte. Er beugte sich über sie, um sie etwas wach zu rütteln, da rumpelte es unglaublich laut an der Tür. „Das Abendessen ist fertig. Kommt ihr faulen Ärsche. Essen fassen!“: dröhnte es von draußen herein. Lyviani schlug die Augen auf. Sie schauten sich gegenseitig einen Moment an. „Guten Abend“: sagte er in Ermangelung eines intelligenteren Kommentars.

Andromeda
29.05.2013, 13:06
[Dreveni]
Dreveni schlief fest und traumlos in dieser Nacht, das Einzige was sie gelegentlich halb aufweckte war der Schmerz in ihren Rippen, als sie sich auf die rechte Seite drehte. Sie hätte wohl noch eine ganze Weile länger geschlafen, hätte sie nicht ein Lärm gestört, den sie zuerst nicht einordnen konnte. Nachdem er sie mitten aus dem Tiefschlaf riss, reagierte sie auch nicht ganz so wie sonst, und zwar indem sie nach ihrer Waffe gegriffen hätte und aufgesprungen wäre. Sie selbst hatte genug ihrer Opfer im Schlaf überrascht, als dass sie hinter solchem Lärm nicht das Schlimmste vermutet hätte.
So brauchte sie allerdings ein paar Sekunden um sich zu sammeln, und sah in die glutroten Augen eines Dunmers. "Feryn??", flüsterte sie leise und undeutlich, noch immer nicht ganz wach, denn sonst hätte sie gemerkt, dass das nicht sein konnte. Träumte sie? Der Schreck, der sie durchfuhr brachte sie dazu, sich aufzusetzen, was sie gleich darauf bereute, als ihr nicht nur die Rippen, sondern auch noch ihr Kopf weh tat. Das weckte sie immerhin vollständig auf, und außerdem fanden ihre tastenden Finger das Stilett nicht an ihrem üblichen Platz neben ihrem Kissen.
Langsam dämmerte ihr auch wieder, wo sie war und vor allem wer ihr Gegenüber war. "Scheiße.", war ihr nächstes Wort, als sie ihren schmerzenden Kopf rieb. "Ich meine, guten Abend. Was zum Henker ist das hier für ein Lärm?"

[Tirian]
Als sich Lyviani scheinbar erschrocken aufsetzte, zog Tirian gerade noch seinen Kopf rechtzeitig zur Seite, bevor sie ihm unbeabsichtigt eine Kopfnuss verpassen konnte. Sie schien mit ihrer Hand hektisch nach etwas zu suchen. Tirian fühlte sich schlecht. Er hätte sie nicht so erschrecken dürfen, aber wer konnte schon ahnen, dass es genau in diesem Moment an die Tür hämmern würde. "Wer ist denn Feryn?": fragte sich der Heiler nur kurz, um dann auf die Frage der Dunmer zu antworten, die sich scheinbar wieder gefangen hatte: "Soweit ich das verstanden habe, wurden die Leute zum Abendessen gerufen. Offenbar haben wir den ganzen Tag verschlafen. Ich wollte euch aber ohnehin wecken. Ich habe mich soweit wieder erholt, dass ich mir mal eure Wunden anschauen kann, wenn ihr das möchtet." Er schaute sie auffordernd an.

[Dreveni]
Sie beobachtete Tirian argwöhnisch und versuchte herauszufinden, ob er mitbekommen hatte, dass sie ihn für jemanden anderen gehalten hatte, konnte in seinem Gesicht aber keine Anzeichen dafür lesen ob er es gehört hatte und wenn ja, was er darüber dachte.
Das ist keine Frage des Wollens., dachte sie sich, als er anbot, sich ihre Verletzungen anzusehen. Nur zu gut war ihr noch in Erinnerung, wie er in dem Kratzer von dem Knochenläufer herumgestochert hatte. Aber andererseits konnte man das an ihrem Arm nicht so lassen, und auf eine häßliche Narbe von der Platzwunde hatte sie ebenfalls keine Lust.
"Anschauen. Nicht rumstochern.", antwortete sie ihm schließlich, wobei ihr gleich darauf kam, wie wehleidig das klingen mußte. Sie sah ihm fest in die Augen und schickte hinterher: "Ich bin nämlich immer noch nicht ganz wach und kann nicht versprechen dass mir nicht aus Reflex die Hand ausrutscht."

[Tirian]
Tirian lächelte. "Keine Sorge ich bin ein Experte. Außerdem machtet ihr heute früh nicht den Anschein, als würde es euch etwas ausmachen selbst in eurem Arm herumzustochern": scherzte er und setzte sich neben Lyviani aufs Bett. "Ich werde vorsichtig sein": sagte er mit fester Stimme. Sie deutete noch einmal auf ihre Hand, um zu bestärken, dass er das auch bloß sein sollte, bevor sie ihren Arm freilegte, sodass er sich ihn noch einmal ansehen konnte. Tatsächlich hatte sie sich wohl noch am Morgen die Splitter alle selbst entfernt. Die Spuren dieser Tortur waren noch gut zu erkennen. Er konnte hier nicht mehr viel tun, als kurz mit der Hand darüber zu gehen und den Heilungsprozess mit etwas Magie zu stimulieren.

Dann wandte er sich ihrer Platzwunde zu. Er begutachtete sie einen Moment, um dann zu seinem Gepäck zu gehen und sich ein kleines, aber sehr scharfes Messer - eine Spezialanfertigung - aus der Tasche mit seinem Operationsbesteck zu holen. Schließlich ging er wieder zu ihr und schaute sich die Beule noch einmal an. "Ihr habt da vorhin diesen Namen gesagt, als ihr aufgewacht seid. Wer ist dieser Feryn? Ein Freund von euch?": fragte Tirian, um sie davon abzulenken, dass er das Messer zur Hand nahm und einen schnellen, kurzen Schnitt durch die Schwellung an ihrer Stirn tat, sodass dunkles Blut heraussickerte. Noch bevor sie antworten konnte, legte er seine Hand auf drückte noch den Rest heraus. Die Schwellung verkleinerte sich deutlich, während es ihm leid tat, wie Lyvianis Gesicht sich vor Schmerz verzog. Schließlich nutzte er seine Magie, um den Schnitt zu heilen und die Schwellung schlussendlich zu beseitigen.

"Tut mir leid": sagte er: "aber es geht am besten, wenn man es schnell macht. Habt ihr sonst noch Verletzungen, die ich mir anschauen soll?"

[Dreveni]
"Ich kann mir selber eine Menge aus dem Arm schneiden, was nicht heißt, das ich jemand anderen mit dem Messer auf mich losgehen lasse.", antwortete sie. "Und außerdem stocher ich nicht herum, ich kann zufällig mit Messern umgehen."
Darüber hinaus waren ihr die paar Narben, die das an ihrem Arm geben würde, tatsächlich egal. Wesentlich mehr störten sie die beiden Schnitte des Assassinen der Morag Tong aus der Dwemerruine, aber an denen konnte sie jetzt auch nichts mehr ändern.
Sie ließ Tirian arbeiten, nicht ohne ihn genau zu beobachten. Er schien allerdings nicht mehr vorzuhaben, in ihren Wunden herumzustochern.
So richtig aus der Fassung brachte sie erst wieder seine Frage, wer denn Feryn sei. Bevor sie allerdings noch überlegen kontte, ob sie ihm überhaupt antworten oder die Frage ignorieren sollte, schnitt er ihr schon die Platzwunde auf der Stirn wieder auf. Sadist, ich sags doch., dachte sie sich nur, als sie die Zähne zusammenbiss, als er auch noch darauf herumdrückte. Sie schätzte gerade ihre Chancen ab, ihm das Messer aus der Hand zu winden und kam zu dem Schluß, dass sie es wohl schaffen sollte, als er gerade fertig war.
"Ja.", antwortete sie auf seine Frage, und warf ihm einen leicht gequälten Blick zu. Zum einen, weil sie sich gerade tatsächlich leicht massakriert vorkam, zum anderen schadete es nie, wenn das Gegenüber wenigstens im Ansatz ein schlechtes Gewissen hatte, und alte Gewohnheiten, wenn es um die Manipulation anderer ging, waren nur schwer abzulegen.
Sie zog den Ärmel hoch und betrachtete erst einmal selbst die Kratzer des Zombies, wobei sie die andere Hand in Tirians Richtung hielt, um ihn auf Abstand zu halten. Es juckte nach wie vor, wenn es auch nicht sonderlich schlimm aussah. Etwas Rot vielleicht, aber sonst...
"Ich glaub das ist nicht so schlimm.", sagte sie schließlich, nachdem sie die Wunde ausgiebig studiert hatte. "Es ist mir egal ob es Narben gibt, da ist eh schon eine. Schneidet nur nicht dran rum wenn es nicht sein muß.", fügte sie noch an, und sah ihn dabei lauernd an.
Die Prellung über ihren Rippen erwähnte sie nicht, sie war inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass sie vermutlich nicht gebrochen waren.

[Tirian]
"Es ist mir egal ob es Narben gibt, da ist eh schon eine. Schneidet nur nicht dran rum wenn es nicht sein muß": sagte sie und hielt ihren anderen Arm hin. Er zuckte mit den Schultern. "Es ist keine Schande nicht zu wollen, dass der eigene Körper auf ewig verschandelt ist. Auch für Kriegernaturen": sagte Tirian und beugte sich vor, um die Wunde in Augenschein zu nehmen. Er verengte die Augen und betrachtete sie skeptisch. Er erinnerte sich daran, dass Lyviani schon zuvor öfters daran gekratzt hatte. "Jucken die Kratzer?": fragte er. Sie nickte. Tirian schloss seine Hand um ihren Arm. Die Wunde fühlte sich heiß an. "Eine Infektion": erkannte er in Gedanken. Er drückte ein wenig auf den Kratzern herum. Er konnte nichts weiter erkennen oder spüren. Erfreulich. "Nein, schneiden muss ich wohl nicht. Die Wunde hat sich entzündet, aber es hat sich noch kein Eiter gebildet. Das wir uns heute früh noch gewaschen haben, dürfte dazu beigetragen haben, dass der Zustand sich noch nicht wesentlich verschlimmert hat": sagte er. "Es dürfte reichen, wenn ihr die Wunde nochmals gründlich ausspült und ich euch einen Trank zubereite, der die Keime in eurem Körper abtötet": schätzte Tirian ein. Er hielt kurz inne. "Wenn ich es recht bedenke wäre es von Vorteil, wenn wir einen Trank gegen Krankheiten finden. Den müsste ich bloß mit Hustengras anreichern. Das wäre vermutlich effektiver. Ich wollte mich ohnehin hier etwas in der Festung umsehen und Hunger habe ich auch wie ein Wolf. Da können wir auch mal schauen, ob wir hier etwas kaufen können": schlug der Heiler vor.

[Dreveni]
Als es Tirian ansprach, merkte auch Dreveni, wie hungrig sie inzwischen war. Sie hatte schon im Lager der Ashländer nicht viel gegessen, und seit dem gar nichts mehr. "In Ordnung.", stimmte sie ihm zu, und stand auf. Ihr Kamm lag noch auf dem Tischchen neben ihrem Bett und sie kämmte sich die Haare, die vom schlafen noch ganz verwuschelt waren. Soviel Zeit hatten sie noch, entschied sie für sich. Danach suchte sie das Stilett und befestigte es wieder an ihrem Arm. Unter dem etwas weiter geschnittenen Ärmel des Kleides war es nun nicht mehr zu sehen. Danach hakte sie die Schwertscheide von ihrem Waffengürtel, so dass nur noch der Dolch daran hing, und schlang ihn sich um die Hüfte. Für das Schwert war hier vermutlich eh nicht genug Platz, allein die Decke war schon viel zu niedrig, und es würde sie nur behindern, würden sie in einen Kampf verwickelt werden.
Als sie beide fertig waren, verließen sie das Zimmer. In den Gängen war jetzt wesentlich mehr Betrieb als heute früh noch, wo vermutlich die meisten geschlafen hatten. Sie standen kurz auf dem Gang um sich zu Orientieren, da bedeutete ihnen auch schon einer der Wachen die vor ihrem Zimmer zurück geblieben waren, in welcher Richtung der Gastraum war.
Es war nicht weit von ihrem Zimmer, und so betrat sie bald zusammen mit dem Heiler eine große Halle, die eng mit Tischen und Stühlen voll gestellt war. In der Mitte befand sich eine große, gemauerte Schale in der ein Feuer brannte, der Rest des Saales wurde ebenfalls wieder von Kerzen und Öllampen erhellt.
Es herrschte schon reger Betrieb, und da war Dreveni für einen Moment, als würde sie Augen in ihrem Rücken spüren, die sie scharf beobachteten. Als sie sich umdrehte, war dort allerdings niemand, der in ihre Richtung starrte, so maß sie dem ganzen keine große Bedeutung bei.

[Tirian]
Der Heiler wartete noch bis Lyviani sich ausgerüstet hatte. Er selbst verzichtete auf seine Waffe, die auch dringend gereinigt werden müsste. Sicherlich gab es auch hier so etwas wie einen Waschplatz in dieser Festung und da konnte er die Klinge dann gleich zusammen mit seiner Kleidung reinigen. Und dann musste er sie noch flicken, wie ihm mit Bedauern einfiel. Aber immerhin war die Robe mit etwas Glück noch zu retten im Gegensatz zu der Anderen, die ihm der Ashkhan mit seiner Axt ruiniert hatte. Unbewaffnet, zur Not hatte er ja noch seine Magie, verließen sie ihr Quartier. Etwas ziellos gingen sie durch den engen Gang, in dem doch deutlicher Betrieb herrschte, bis ihnen eine Wache den Weg zur Kantine wies. Mit dem freundlichen Hinweis und dem deutlichen Geruch nach Essen war der Raum auch bald gefunden. Sie traten gemeinsam in eine etwas größere Halle ein, die von einem großen Feuerbecken in der Mitte erleuchtet wurde. Aus einer Reihe von Tischen hatte man eine Theke vor zwei Feuerstellen, auf denen zwei ziemlich große Kessel vor sich hin dampften, improvisiert. Teller und Becher türmten sich schmutzig und sauber fein getrennt, auf weiteren Tischen dahinter. Das Vorratslager der Küche bestand aus einem großen Haufen von Säcken, Körben und Transporturnen, der sich in einer Ecke hinter der Theke ausbreitete. Alles lag offenbar wahllos durcheinander. Ebenso unschön anzusehen war die Stelle, wo der Koch - ein dickleibiger Nord in einem schmierigen Leinenhemd und einer wirklich fleckigen und blutigen Schürze, gerade einen Guar mit einer Streitaxt zerlegte. "Söldner": dachte Tirian kopfschüttelnd.

Lyviani schaute sich neben ihm kurz um, als hätte sie etwas bemerkt, aber ihr Gesicht klarte sich schnell wieder auf. Vielleicht hatte sie auch nur wie er den Zustand dieser Spelunke genauer ins Auge gefasst. Schließlich steuerte sie einen etwas abseits stehenden Tisch an und Tirian folgte ihr. Er hatte auch keine wirkliche Lust sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu begeben. Allerdings stand das offenbar nicht zur Debatte. Der Heiler vernahm nämlich die Stimme der Altmer, als sie sich gerade setzen wollten. Die Augen verdrehend wandte er sich um und sah sie schließlich am Kopfende einer großen Tafel, die von den Einzeltischen deutlich abgesetzt stand, und mit gerüsteten Männern und Frauen besetzt war, sitzen. Anhand ihrer herrischen Gesten konnte man erkennen, dass sie wohl darauf bestehen würde, dass sie sich zu ihr setzten. Tirian seufzte. "Es scheint als würde unsere Anwesenheit da drüben verlangt": meinte er zur Assassinin, die wie er seufzte. Sie gingen zu ihrer "Gastgeberin" hinüber und setzten sich auf zwei freie Plätze zu ihrer Linken.

"Die Tische dort drüben sind für die zahlende Kundschaft. Diese ganzen Händler und Reisenden. Da sind die Weidenländer mal etwas unsicher wegen marodierenden daedrischen Horden und schon zahlen sie für eine Unterkunft und eine warme Mahlzeit hier mitten im Nirgendwo jeden Preis": sagte sie und lachte. "Feiglinge. Die Skampe, die wir hier auch nur in die Suppe tun, könnten sie wie wir auch schließlich selbst erlegen": sagte sie verächtlich. Dann schaute sie abwechselnd ihn und Lyviani an. "Aber ihr seid ja meine Gäste und da braucht ihr natürlich Nichts fürs Essen zu zahlen": sprach sie wieder gönnerhaft. Tirian kam langsam wieder die Wut hoch. Einige Minuten blieb es still, dann verfinsterte sich der Gesichtsausdruck der Altmer plötzlich. "Ein Danke wäre natürlich nicht zuviel verlangt": zischte sie nun grantig und lautwerdend. Tirian verbiss sich den Kommentar, den er auf den Lippen hatte. Ebenso stupste er die Assassine an, die offenbar genauso knapp davor stand, etwas Falsches zu sagen. "Natürlich. Habt vielen Dank": eilte er sich nun das Gewünschte auszusprechen. Das Gesicht der Altmer näherte sich nun dem seiner Begleiterin. "Meint ihr nicht auch?": fragte sie die Dunmer nun direkt ins Gesicht.

[Dreveni]
Dreveni folgte Tirian schließlich zu dem Tisch an dem auch die Altmer saß, und ihr kam wieder das Bild einer Kette in den Kopf, an der ihre Ohren hingen, fein säuberlich durch die Spitzen gebohrt. Sie mußte sich kräftig auf die Zunge beißen, um nichts falsches zu sagen, andererseits war sie hier fast wieder in ihrem Element, und ihr machte gerade nur ihr Begleiter etwas sorgen. Der hatte es eindeutig noch nicht so ganz raus, wann man verhasste Elfen getrost erschlagen konnte und wann man sich besser beherrschte. Allerdings sah sie es dann doch nicht so ganz ein, sich bei dem Weibsbild noch zu bedanken, aber nachdem sie von ihr direkt angesprochen wurde, schien ihr nichts mehr anderes übrig zu bleiben, denn alle Augen waren nun auf sie gerichtet.
"Vielen Dank.", sagte sie schließlich, ohne auch nur den Ansatz von Sarkasmus oder ähnlichem in Stimme und Gesicht. "Wir wissen eure Gastfreundschaft wirklich zu schätzen, hier mitten im Nirgendwo. Vor allem für das heiße Bad und das Essen haben wir zu danken."
Du bist wohl doch eher früher als später fällig, du kleines Miststück. Schlampe. Hure., fluchte sie in sich hinein, doch noch immer verriet sich davon nichts in ihrem Gesicht. Sie würde nicht die erste sein, der sie freundlich lächelnd in den Rücken stach, und sicher auch nicht die letzte. Als erstes würde sie herausbekommen, wo sie schlief oder ob sie sich sonst einmal irgendwo alleine aufhielt. Und was der schnellste Fluchtweg hier raus war. Sie sah die Altmer immer noch offen und freundlich an, da sah sie hinter ihr etwas weiter entfernt einen Dunmer vorbeilaufen. Normal wäre ihr das gar nicht aufgefallen, doch seine Bewegungen kamen ihr irgendwie bekannt vor. Bevor sie ihn allerdings näher betrachten konnte, war er schon wieder im Gedränge verschwunden.

KingPaddy
30.05.2013, 11:06
[Tirian]
Auch Lyviani hielt sich zurück und machte gute Miene zum bösen Spiel. Wenn sie diese Frau umbringen wollte, hätte er wohl kaum mehr etwas dagegen gehabt. Im nächsten Moment erschreckte ihn dieser Gedanke. Er schüttelte den Kopf. Die Altmer setzte nun wieder ein freundliches Gesicht auf. Tirian war überrascht, wie schnell sich die Stimmung ihrer "Gastgeberin" ändern konnte. "Wir sind hier eine große Familie. Fühlt euch also willkommen": sagte sie und dann drehte sie sich um und schaute in Richtung Küche. "Und das dort ist der nette Onkel, der auf den Familienfesten den Braten überm Feuer wendet": sagte sie und deutete auf den fetten Nord-Koch, der näher getapst kam. Sein Kopf war bis auf einen Haarkranz an den Seiten kahl und sein Bart hing ihm fettig und verfilzt vom Kinn. Um den Mund herum war er mehr oder minder gut rasiert. Aber selbst ein ausgedehnter Bartwuchs hätte wohl kaum die aufgequollenen Lippen, die dicke, rote Nase oder die Schweinsaugen verdecken können. Auf halbem Weg blieb der Beleibte stehen und brüllte einige Kommandos scheinbar wahllos in den Raum. Aus der Menge der Gäste sah der Heiler nun einige Khajiit heranwuseln. Sie füllten aus den zwei großen Kesseln nun einige kleinere Töpfe auf, die sie dann zu ihnen herüberschleppten. Schnell machten sich die Sklaven daran Holzschüsseln und Besteck zu verteilen und den Söldnern die Teller mit Eintopf zu füllen und dann von einer ebenfalls herangetragenen größeren Platte unförmige Fleischbrocken hinein zu legen. Dazu gab es Brot. Mit lautem Auftreten kündigte sich der Koche an und baute sich neben der Altmer auf. Knurrig blickte er auf ihn und Lyviani herab, um dann von seiner Anführerin entlassen zu werden.

Tirian schaute auf seinen Teller. Etwas zögernd betrachtete er die Plürre auf der sich bereits Fettaugen abzeichneten. Er schluckte. Zögernd tunkte er den Löffel hinein und rührte kräftig, bevor er es über sich brachte etwas von der Suppe aufzunehmen und an seine Lippen zu führen. Noch einen Moment hielt er inne, dann schob er sich den Löffel in den Mund und schluckte die Brühe herunter. Und... tatsächlich schmeckte der Eintopf überraschend gut. Zur Probe nahm er schnell noch einen Löffel voll und dann noch einen und noch einen. Tatsächlich bestätigte sich der Geschmackstest und es gab auch keinen verdächtigen Nachgeschmack. "Der Nord sieht zwar so ekelhaft aus wie seine Küche, aber er kann kochen": musste der Heiler schließlich eingestehen. Mit einem Nicken deutete er seine Begleiterin an, die bisher ihr Essen noch nicht angerührt hatte, dass es durchaus genießbar war. Das Fleisch, das er als nächstes probierte, war auch durch und sogar recht zart geraten. An den Kommentar der Altmer, das er womöglich eine Skamp-Keule aß, dachte er nicht mehr. Außerdem war er viel zu hungrig, als das ihn das noch interessiert hätte. Viel mehr schlang er nun den Eintopf, das Fleisch und das Brot herunter und war geradezu froh, als ihm eine Sklavin ungefragt nachgab, als der Teller leer war. Der gröbste Hunger war jedoch erstmal gestillt und er gewann die Kontrolle über seine Sinne zurück. Anstatt hastig zu schlingen, aß er nun wieder deutlich langsamer und mit mehr Genuss. "Euch scheint das Essen zu schmecken": bemerkte die Altmer von der Seite. Erst jetzt bemerkte der Heiler, dass sie Nichts aß. "Durchaus. Euer Koch... er versteht sein Handwerk": bemerkte Tirian zwischen zwei Löffeln. "Das hört er nicht gerne. Lieber würde Mischa wie früher Gegner ausweiden und nicht irgendwelche Beutetiere. Ach... er war so ein Virtuose mit der Kriegsaxt. Der gute Mischa hat sich für mich einen Zauber eingefangen. Hat ihm den ganzen Rücken geschmort und die Muskeln angesengt. Roch wie ein gut gewürzter Braten hat ihn leider die Kraft gekostet, die man für eine Kriegsaxt braucht. Aber hier ist er ja auch gut aufgehoben": erzählte die Altmer beiläufig und geradezu gedankenverloren. "Esst ruhig weiter. Ich muss noch jemandem die Kehle durchschneiden": sagte sie und erhob sich mit einem Lachen vom Tisch.

"Sie ist verrückt": meinte er zu seiner Begleiterin. Da fiel ihm etwas ein. "Ihr habt übrigens meine Frage von vorhin noch nicht beantwortet": erinnerte Tirian Lyviani.

[Dreveni]
Dreveni beobachtete die Altmer, und sie kam unabhängig zu dem gleichen Schluß wie ihr Begleiter, sie war eindeutig mit Vorsicht zu genießen, da unberechenbar. Als sie eine Weile zugesehen hatte, wie Tirian aß oder vielmehr, das Essen hinunter schlang, und auch der Rest am Tisch das gleiche aus den gleichen Töpfen aß, überwand sie sich schließlich.
Es war besser als es aussah, und darüber hinaus war sie kurz vorm Verhungern. Was es genau war, war ihr im Moment auch egal, sie wünschte sich nur, dass diese Altmer endlich den Mund halten würde. Davon abgesehen stellte sie fest, dass ihr die Gesellschaft von Assassinen wesentlich lieber war, als die von Söldnern. Ihr Handwerk verlangte doch noch eine gewisse... Feinfühligkeit, die den grobschlächtigen Gestalten hier völlig abzugehen schien. Sicher, es gab auch Assassinen, denen man niemals zugetraut hätte, dass sie sich auch nur an einem Tauben vorbeischleichen konnten, aber das war die Ausnahme.
Als sich schließlich die Söldnerin mit den Worten erhob, sie müsse noch jemandem die Kehle durchschneiden, wünschte ihr Dreveni mehr aus Reflex als aus Höflichkeit viel Erfolg dabei, und nickte Tirian auf seine Feststellung hin zu, da hätte sie sich fast an ihrem Essen verschluckt, als er wieder mit dem Thema von vorhin anfing.
Sie atmete tief durch, bevor sie ihr Gesicht dem Heiler zuwandte, ihn anlächelte und in einer scheinbar vertrauten Geste ihre Hand in seinen Nacken legte. Sie kam mit ihrem Gesicht nahe an seines heran, als hätte sie vor ihn zu küssen, flüsterte ihm aber statt dessen ins Ohr: "Wenn ihr diesen Namen nur einmal in der Öffentlichkeit erwähnt, seid ihr tot." Sie nahm den Kopf wieder etwas zurück, gerade so weit dass sich ihre Nasen fast berührten und sie ihm in die Augen sehen konnte. Hatte ihn ihr flüstern noch nicht überzeugt, dann würde es wohl der Blick tun, dem sie ihn jetzt noch zuwarf.
Schließlich löste sie sich wieder von ihm und wandte sich weiter dem Essen zu. Als sie merkte, dass sie von den Umsitzenden beobachtet wurde, sagte sie ihm noch mit einem lächeln: "Mehr antwort gibt es später wenn wir unter uns sind."
Natürlich hatte sie nicht vor, ihm irgendwas zu erzählen, aber die Söldner um sie schienen sich damit zufrieden zu geben, was man aus ihrem anzüglichen Grinsen schließen konnte.

[Tirian]
Der Heiler war erst verwundert, als die Assassine ihn im Nacken griff und sich ihre Gesichter annäherten. "Was soll das denn werden": fragte er sich und war wohl kurz davor rot zu werden, als er dann schließlich bei Lyvianis Worten und vor allem bei ihrem Blick sämtliche Farbe im Gesicht verlor. Ihr Blick zeigte ihm, dass sie es wirklich todernst meinte. Er schluckte. Als sie dann deutlich gespielt freundlicher hinzufügte, dass er später mehr Antworten bekommen würde, war ihm der Appetit restlos vergangen. Er stocherte noch etwas im Fleisch herum und fragte sich, was er von seiner Begleiterin halten sollte. "Sie ist eine Meuchelmörderin": rief er sich wieder ins Gedächtnis und seufzte. Wenn man gemeinsam einem rachsüchtigen Geist entkommen war, konnte man das schnell vergessen. Schließlich erhob er sich. Auf einen fragenden Blick der Assassine sagte er nur: "Ich schaue mal, ob ich hier einen gewünschten Trank bekomme. Ihr könnt ruhig weiter essen. Wir sehen uns später auf der Kammer" Sie nickte und drehte sich wieder zum Tisch. Ein dreckiges Lachen erklang von den Söldnern. Verwirrt darüber entfernte sich Tirian. Er verließ die Kantine und streifte etwas durch die Gänge. Aber nicht weit. Lauter werdende Verkaufsverhandlungen erweckten seine Aufmerksamkeit. Sie drangen aus einer Kammer. Langsam näherte sich der Heiler der Tür und sah hinein. Links und rechts eines Korridors, den man freigelassen hatte, waren Tische aufgestellt worden hinter denen nun vier Männer und zwei Frauen saßen und allerlei Waren feilboten. Die eine Frau in der hinteren rechten Ecke hatte auf ihrem Tisch Kräuter und Flaschen ausgebreitet. Dort, so hoffte er, würde er sicher bekommen, was er brauchte.

Tirian trat hinein. Ein Söldner, der direkt um die Ecke gewartet hatte, packte ihn. "Keinen Ärger, keine langen Finger, sonst sind sie ab": drohte er. Der Dunmer signalisierte, dass er keinen Ärger machen würde und wurde losgelassen. Schnell bewegte er sich zur gewünschten Händlerin. Die schaute ihn mit einem schiefen Lächeln an. "Verzeiht": begann sie das Gespräch. "Das scheint mir ja nicht sonderlich verkaufsfördernd zu sein": merkte der Heiler missmutig an. "Sicher nicht. Aber die Kunden hier haben auch keine andere Wahl. In dieser Gegend der Weidenländer und vor der Amur sind wir der einzige Handelsposten. Und leider müssen auch wir die Söldner akzeptieren, denn denen gehört die Festung jetzt. Wir zahlen auch nur unsere Standmiete dafür, dass wir hier handeln dürfen. Dafür verbieten sie das der Konkurrenz": erklärte die Frau. Tirian machte darauf nur ein "hmm". Die Altmer spielte sich hier scheinbar wirklich auf, als wäre sie die Fürstin dieses Gebietes - absolut, willkürlich, gierig. "Es ist immer noch besser als zu den Händlern zu gehören, die den Wegzoll der Söldner bezahlen müssen...": merkte sie deutlich leiser und mit einem Blick auf eine der Wachen an. Der Heiler zog die Augenbrauen hoch. Er verstand es. "Neulich allerdings kehrte eine Gruppe von Eintreibern, Dunmer aus dem Redoran-Gebiet, nicht zurück, seitdem sind die Leute noch unerbittlicher geworden": meinte sie. Der Heiler verlor wieder seine Farbe. Er musste gerade an die Gruppe Redoraner denken, die sie in der Nähe des Aschländerlagers ausgelöscht hatten. Wenn die zu diesen Söldnern hier gehörten, dann sollte die Altmer besser nicht erfahren, dass er und Lyviani direkt an ihrem Tod beteiligt waren. "Geht es euch nicht gut?": fragte die Händlerin. "Ach mir wurde gerade nur etwas schwindlig. Ich wollte ohnehin einen allgemeinen Heiltrank gegen Krankheiten kaufen. Er kann gern etwas stärker sein": wünschte Tirian und bekam gleich eine Flasche gereicht. "Das macht 50 Draken": sagte sein Gegenüber mit einem Lächeln. "Wegelagerei gibt es offenbar auch in den unterschiedlichsten Formen": dachte er und bezahlte widerstrebend den Preis.

[Dreveni]
Ihr war nicht entgangen, wie schockiert sie Tirian angesehen hatte. Andererseits konnte sie es auch nicht ändern, und besser so, als dass er sie noch beide um Kopf und Kragen redete. Und wer wußte schon, wo sich die Assassinen der Morag Tong überall herumtrieben. Immerhin hatte sie ihm von Anfang an nicht ihren richtigen Namen genannt, worüber sie jetzt auch mehr als froh war. Sie ärgerte sich nur, dass ihr Feryns Name so herausgerutscht war, aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern.
Es hielt sie ebenfalls nicht mehr lange am Tisch zwischen den Söldnern, und so machte sie sich wieder auf den Weg in ihre Kammer. Dort angekommen suchte sie den Ring aus ihren Sachen, den sie dem Dremora vom Finger geschnitten hatte. Sie würde vermutlich nicht das bekommen, was er wert war, aber wenn es hier schon Händler gab, war das vermutlich vorerst die letzte Gelegenheit, ein paar Dinge zu erledigen. Ein Schmied käme nicht ungelegen, die Spitze ihres Stiletts hatte tatsächlich schon bessere Zeiten gesehen.
Sie fragte eine der Wachen direkt nach dem Schmied, in der Hoffnung, den Ring dort auch direkt zu Gold machen zu können. Er deutete in Richtung Decke, und es gab wohl tatsächlich keinen besseren Ort als unter freien Himmel. Nachdem sie die Plattform oben betreten hatte, war das Zelt unter dem sich die Schmiede befand nicht schwer zu finden. Der Schmied selbst war ein Muskelbepackter Rothwardone, der anscheinend hier auch nur zu Gast war.
Sie feilschten eine Weile, und einigten sich schließlich darauf, dass er ihr das Stilett schleifen würde und ihr noch 100 Draken dazu geben würde. Ihr kam die unangenehme vermutung, dass er ganz genau wußte, welche Verzauberung auf dem Ring lag und sie kräftig übers Ohr haute, aber sie hatte auch wirklich keine Lust, weiter zu feilschen und außerdem sonst nur noch ein paar Septime aus Cyrodiil.
Auch die geringschätzigen Blicke, die er ihr zuwarf als er sah, welche Waffe er reparieren sollte, entgingen ihr nicht. Es war nicht unbedingt so, dass nur Assassinen solche Waffen führten, aber es war doch eine ausgesprochen hinterhältige Waffe. Wenn man es richtig machte, konnte man die Opfer fast ohne Spuren ums Eck bringen, da ein Stilett zwar spitz war, aber normalerweise keine geschliffene Klinge hatte. Dadurch konnte es massive innere Verletzungen verursachen, während man von außen gerade einen feinen Einstich sah, wenn man es richtig machte.
Schließlich gab er ihr das Stilett zurück, das jetzt wieder spitz wie eine Nadel war, und einen kleinen Stoffbeutel mit 100 Draken.
Als sie auf dem Weg in das Innere der Festung war, beschlich sie wieder kurz das Gefühl dass sie beobachtet wurde, hakte es aber gleich als Einbildung ab. Immerhin hatte sie dieses Mal nicht durch die halbe Taverne geschrien, wer sie war und von wem sie Briefe bekommen hatte.
Bevor sie noch richtig wußte, wo sie als nächstes hingehen sollte, stand sie schon wieder vor ihrer Kammer. Sie beschloss, hineinzugehen und ihre Kleidung zu sortieren was man noch waschen und nähen konnte und was hoffnungslos hinüber war.
Erleichtert sah sie, dass das Zimmer leer war, sie hatte gerade überhaupt keine Lust, sich mit dem Heiler auseinander zu setzen.

[Tirian]
Den Heiler zog es nur noch etwas länger durch die Gänge, nachdem er den Trank gekauft hatte. Über den Preis ärgerte er sich noch, aber er musste zumindest zugeben, dass sie ihm gute Qualität verkauft hatte. Er schlenderte nur noch kurz durch die Festung und kehrte bald zu ihrer Kammer zurück. Er hatte vor einem Moment Lyviani aus der Ferne hinein huschen sehen. Er drückte sich noch etwas auf dem Gang herum. Eigentlich wollte er im Moment nicht zu ihr, allerdings trieb ihn seine Berufsehre dazu. Umso schneller sie den Trank bekam, umso besser für den Heilungsprozess. Tirian würde es sich niemals verzeihen, wenn er ihr den Arm abschneiden müsste, nur weil er jetzt nicht zu ihr gehen wollte. Der Heiler ging zur Kammer hinüber. Seine Hand ruhte auf der Klinke. In seinem Kopf spielte sich die Szene in der Kantine noch einmal ab. Ein eiskaltes Schaudern lief seinen Rücken hinunter "Feryn...": flüsterte er. "Was hat es mit ihm auf sich, dass sie so wütend wird?": ging es ihm durch den Kopf. Er öffnete die Tür und trat ein. Er schloss leise die Tür. Die Assassine saß vor ihrem Gepäck und schien ihre Kleidung zu sortieren. Ohne ein Wort zu sagen ging er zum Waschzuber und hob die versiffte Robe und den Gürtel auf und entfernte die Beutel. Anschließend legte er sie zu seinem Gepäck und behielt nur den Beutel mit dem Hustengras in der Hand. Er nahm einen Stängel heraus, zerrieb ihn und streute ihn dann in den Heiltrank.

Er stellte ihn neben Lyviani auf den Boden. "Das ist der Heiltrank. Ich habe ihn gerade noch um ein wenig Hustengras angereichert. Könnte sein, dass ihr ein paar Stückchen bemerkt. Schluckt sie mit runter. Die sind gesund": sagte er und setzte sich dann auf sein Bett. Die Dunmer ignorierte ihn völlig. Mehrere Minuten lang herrschte Grabesstille im Raum. "Ich will nicht aufdringlich sein, aber könnt ihr mir verraten, was das vorhin zu bedeuten hatte?": wollte er schließlich wissen. Der Schreck saß ihm noch immer im Kopf. Und er wollte das lieber geklärt wissen.

[Dreveni]
Auch dieses Mal währte die Ruhe nicht lange, die sie in der Kammer gesucht hatte, denn schon kurz nach ihr trat Tirian durch die Tür. Sie sah nicht einmal von ihrer Arbeit auf, auch wenn sie genau hörte, was er gerade tat. Auch als er das Fläschchen neben sie stellte, sah sie nicht auf. Immerhin machte es bis jetzt den Anschein, dass er das Thema Feryn ruhen lassen würde. Was bildete er sich auch ein, dass er dermaßen nach bohrte nur weil sie sich im Halbschlaf versprochen hatte? War sie vorhin schon wieder fast in einer ausgeglichenen Stimmung gewesen, wuchs nun langsam wieder ihr Wut, wobei sie noch nicht einmal sagen könnte, auf wen oder was genau sie wütend war. Inzwischen hatte sie ihr Nähzeug, dass neben ihr lag, genommen und riss ein Stück Faden ab. Sie konnte die Sachen auch vor dem Waschen noch kurz nähen.
Gerade als sie Tirians Anwesenheit erfolgreich verdrängt hatte und sie einen Riss in einer dunkelgrauen Tunika nähte, hörte sie ihn fragen: "Ich will nicht aufdringlich sein, aber könnt ihr mir verraten, was das vorhin zu bedeuten hatte?"

Sie hielt kurz mit ihrer Tätigkeit inne, sah ihn aber immer noch nicht an. Für einen Moment schloss sie entnervt die Augen, bevor sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorbrachte: "Vielleicht solltet ihr dann einfach still sein, wenn ihr schon nicht aufdringlich sein wollt." Danach nähte sie weiter an einem Riss, wobei sie so fest am Faden zog, dass er fast gerissen wäre.

[Tirian]
Etwas sprachlos schaute er sie an. Sie hatte diesen Namen ausgesprochen. Er hatte nur eine beiläufige Frage gestellt, die ihn nicht wirklich brennend interessiert hatte und wurde von ihr dafür mit dem Tode bedroht. Und jetzt sollte er still sein? "Nein ich will wirklich nicht aufdringlich sein, aber schweigen werde ich nicht. Ihr schuldet mir ein paar Antworten. Mich interessiert nicht einmal wer dieser Feryn ist, aber verzeiht ihr habt diesen Namen genannt. Ich wollte mich bloß erkundigen, da ihr so verträumt drein geschaut habt, als er ihn ausspracht, was bei euch schon selten genug vorkommt und als Dank droht ihr mir an mich abzustechen": sagte er wurde nicht wirklich laut aber redete in seiner Erregung immer schneller. Schließlich sprang er beim letzten Satz vom Bett auf und machte einige hektische Schritte im Zimmer auf und ab.

[Dreveni]
Schulden? Antworten? Sie ihm? Dreveni glaubte ernsthaft, sich verhört zu haben, aber dem Dunmer war es offensichtlich ernst. Verträumt dreingeschaut? Es wurde ja immer besser. Konnte sie etwas dafür, dass er fast genau seine Augen hatte? Sie schüttelte nur stumm den Kopf während sie demonstrativ an Tirian vorbeisah, und ihm dabei zuhörte.
"Ich habe euch nur klar gemacht, dass das kein Thema ist, dass ihr in der Öffentlichkeit erwähnt. Und zwar unter keinen Umständen.", sagte sie nun, wobei sie etwas lauter und schärfer sprach als vorhin noch, den Blick jetzt wieder direkt auf ihn gerichtet. "Und wenn ihr derart sensibel seid, dass euch das so aus der Fassung bringt, ist dass nun wirklich euer Problem." Sie legte das Nähzeug mit Schwung zur Seite, da ihr vor Wut die Hände zitterten, und starrte den Heiler an, blieb dabei jedoch sitzen.

[Tirian]
Sie schaute ihn direkt an. "Wenn ihr nicht über ihn sprechen wolltet, hättet ihr mir das auch sagen können, dann hätte ich das respektiert und nicht weiter nachgehakt. Das ihr mir dann aber sogar mit dem Tode droht, obwohl ich den Namen nicht einmal ausgesprochen habe, ist ein starkes Stück": erregte sich der Heiler. Er hielt ihrem Blick stand. "Was ist an diesem Feryn dran, dass ihr den Namen in der Öffentlichkeit nicht gebrauchen wollt? Habt ihr etwa Angst? Ist das jemand den ihr töten wolltet und dessen Rache euch nun verfolgt? Nicht das es mich interessieren würde, aber ich wüsste gerne, was so besonders an einem Namen ist, dass ihr mich töten wollt, nach alldem...": sagte er und klang jetzt fast noch eher enttäuscht als alles andere. War Lyviani denn wirklich alles egal?

[Dreveni]
"Wie verflucht naiv kann man eigentlich sein?", fuhr sie Tirian an, und erhob sich nun ebenfalls, mit einer einzigen fließenden Bewegung, und mit zwei weiteren, schnellen Schritten stand sie direkt vor dem Dunmer. Die Enttäuschung in seinen letzten Worten war ihr nicht entgangen, und das war mehr, als sie im Moment ertragen konnte. Sie funkelte ihn wütend an, als sie nach Worten suchte. Er hatte sie bei ihrer Reise schon das eine oder andere Mal auf die Palme getrieben, aber noch nie war sie so kurz davor gewesen, ihm gegenüber komplett die Beherrschung zu verlieren.
"Und ja, ich hätte nicht das geringste Problem, euch zu töten, bevor ihr uns beide um Kopf und Kragen redet."
Jetzt gerade zweifelte sie selbst nicht daran, denn sie war ohnehin kurz davor, sich auf Tirian zu stürzen, würde er nicht bald aufhören, weiter nach Feryn zu fragen. Andererseits war ihr auch mit einem letzten Rest von klarem Denken bewußt, dass sie es vielleicht doch nicht mehr so kaltblütig konnte, wie vermutlich noch zu beginn ihrer Reise, als sie ihn nicht so gut gekannt hatte...

[Tirian]
Sein Gesicht verschloss sich. "Naiv?": überlegte er. Wahrscheinlich hatte sie Recht. Naiv war er vielleicht ein bisschen. Aber es war ihm lieber dieses Stück Naivität zu bewahren als einzig zynisch durch die Welt zu gehen und hinter jeder Ecke das Schlimmste zu vermuten. Er traute Lyviani unweigerlich zu, dass es sie tun konnte und würde. Dann fiel ihm der Abend im Lager der Aschländer wieder ein. Sie hatte geweint. Sie war verletzlich und letztlich glaubte er ihr zumindest nicht, dass sie es zumindest oder Bedauern tun würde. Er schaute sie an, versuchte ihn ihren vor Wut zusammengezogenen Augen zu lesen und schaute dabei tief hinein. Kurz zuckten seine Mundwinkel zu einem Lächeln, bevor er sich ausdruckslos abwandte. "Ich sagte euch, dass ich es respektieren würde. Ihr wollt nicht über Feryn reden. Ich werde es nicht tun. Doch ich glaube, dass ihr diejenige seid, die hier wirklich ein Problem hat": meinte er und ging zur Tür. Er öffnete sie schnell. "Ich lasse euch am besten allein. Ich werde mir die Festung noch etwas ansehen und etwas frische Luft schnappen": verabschiedete er sich schließlich. Er wollte keine Antwort von ihr haben. Sie hatte ihren Standpunkt ohnehin klar genug gemacht.

[Dreveni]
Er ließ sie einfach stehen. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Genauso wie damals, als sie die Ashländer vor den Söldnern gerettet hatten. Problem? DU bist mein Problem., dachte sie, und rief ihm hinterher: "Wir sind noch nicht fertig, ihr werdet jetzt nicht...!", doch da hatte er die Türe schon hinter sich geschlossen. Bevor sie noch richtig merkte, was sie tat, hatte sie den Dolch in der Hand und Richtung Tür geworfen, in der er jetzt zittern steckte. "SCHEISSE!", fluchte sie laut und sah sich um, aber es war nichts unmittelbar greifbar, was sie ebenfalls an die Tür schmeißen konnte. Sie stand immer noch mitten im Raum und atmete ein paar Mal tief durch, wurde aber nicht wirklich ruhiger dadurch. Schließlich ging sie zur Tür und zog den Dolch mit Schwung heraus und steckte ihn wieder in die Scheide an ihrem Gürtel. Wenn sie hier noch weiter in diesem Zimmer war, würde sie noch explodieren, anstatt sich zu beruhigen, und so verließ sie ebenfalls die Kammer, inzwischen sollte der Heiler wohl weit genug weg gegangen sein, dass sie ihn nicht mehr sehen mußte. Hier draußen unter Anderen war sie gezwungen, sich zumindest äußerlich zusammen zu nehmen, was sich meistens auch auf ihre Stimmung auswirkte.
Fast automatisch schlug sie den Weg auf das Dach der Festung ein, bis ihr einfiel, das Tirian etwas von frischer Luft gesagt hatte. Nun ja, sie würde ihm schon ausweichen, aber sie mußte jetzt ebenfalls hier raus.

KingPaddy
01.06.2013, 16:18
Tirian hörte nur noch kurz ein Geräusch an der Tür, ansonsten war er auch schon weg. „Eine Mörderin! Wie konnte ich nur auf diese Idee kommen“: fragte er sich immer wieder und wies sich selbst im nächsten Moment zurecht. Er wusste nur zu gut, dass das zu einfach wäre. Es wäre so einfach, wie Lyviani sich vielleicht wünschte, dass sie wäre. Das war sie aber nicht und er konnte das spüren. Er wünschte sich selbst, dass es einfach wäre. Jetzt noch mehr als zuvor. Das sie wieder nur die angeheuerte Söldnerin für ihn wäre. Davor hatte er sie nicht einfach benutzen können, das lag nicht in seiner Natur. Und jetzt? Noch weniger. Der Heiler schüttelte den Kopf. „Was soll das nur werden? Wir sind so verschieden“: überlegte er und sah die Chancen schwinden Tarrior tatsächlich aus Tel Uvirith zu befreien. Sie konnten wenn es drauf ankam zusammenarbeiten, aber in ihren Methoden und ihrem Handeln unterschieden sie sich grundlegend, weshalb Tirian große Zweifel hatte, ob dieser Zweckbund halten würde. Ihn beschäftigte dabei auch, wie sehr er ihr überhaupt vertrauen konnte. „Was weis ich schon über sie“: ging es ihm durch den Kopf. Er wusste genug, um zu sagen, dass sie wenige Skrupel kannte und bereit war für Geld zu töten ohne Fragen zu stellen. Wenn Meradanz ihr nun Geld für ihren Verrat anbot? Würde sie das ausschlagen? Oder würde sie ihn und Tarrior hintergehen? Er konnte es nicht wissen. Die Zweifel hatten sich jetzt innerhalb der letzten Stunden verstärkt. „Du konntest ihr schon zuvor nicht vertrauen“: erinnerte er sich selbst und doch war diese Drohung am Esstisch doch eine andere Qualität. Er schüttelte den Kopf. Er hatte Lyviani versprochen nicht weiter Feryn nachzusinnen, obwohl ihm das gerade als Schlüssel zu ihr erschien. Er würde sich an sein Wort halten. Wahrscheinlich war es auch besser für sie Beide, wenn er das Thema ruhen ließ. „Ich muss mit ihr noch einmal darüber sprechen“: entschied er. Feryn würde ihn nicht interessieren, aber er musste wissen, ob er sich auf die Assassinin verlassen konnte. Diese Gedanken und noch andere beschäftigten ihn, als er ein wenig durch die Festung streunte.

Irgendwie war er auf der untersten Ebene angelangt. Tirian war jetzt wohl in dem Teil der Festung, der direkt über der Kanalisation lag. Eine Tür stand offen. Er ging heran und lugte hinein. Ein paar nackte Menschen und Elfen, die sich in Zubern oder sitzend neben einem Eimer abschruppten, deuteten auf den Waschraum der Festung hin. Offenbar verfügten nur wenige Quartiere über einen eigenen Zuber. Einige Türen weiter waren Sklaven damit beschäftigt Wäsche zu waschen und offenbar waren die kleinen Katen hier, die kaum größer waren als Besenkammern, wohl auch deren Unterkünfte. In einer großen Zelle im hinteren Teil der unteren Ebene saßen sogar noch mehr von ihnen ein. Tirian war angewidert. Das Haus Dres, aus dem er stammte, war auch eines der größten Häuser von Sklavenhaltern. Er war damit aufgewachsen, doch mussten ihre Sklaven nie unter solchen Bedingungen hausen. Er wandte sich abgestoßen ab. Plötzlich überfielen ihn Kopfschmerzen für einen Moment tauchten Bilder in seinem Kopf auf – zu schnell um sie richtig zuordnen oder erkennen zu können. Er musste sich an einer Wand abstützen. Dieser Keller der Festung kam ihm auf einmal furchtbar eng und stickig vor. „Ich muss hier raus“: war das Einzige was er dachte, als er sich zu der Treppe zurückbewegte, die er herunter gekommen waren. Wieder Schmerz, wieder Bilder. Er krümmte sich im Stehen. Musste sich wieder abstützen. Es war als bohrte irgendetwas in seinem Verstand. Kalter Schweiß lief ihm seinen ganzen Körper herunter. Ein Blick auf seine Hände verriet ihm, dass er inzwischen alle Farbe verloren hatte. „Was ist los? Mir ist so schwindlig“: keuchte er und schaffte es schließlich doch zur Treppe. Sie erschien ihm unendlich lang zu sein und seine Beine fühlten sich an, als bewegte er sich unter Wasser. Schließlich schaffte er es hoch. Das Gefühl wich langsam und doch rannte er nun, sah noch eine letzte Tür und stieß sie auf. Der sternenklare Nachthimmel über ihm mit einem Meer aus weißen Punkten und die frische Luft der Weidenländer begrüßten ihn. Er hielt einen Moment im Türrahmen inne und atmete hektisch tief ein und aus. Langsam beruhigte er sich. Es war offenbar spät geworden. Bis auf die allgegenwärtigen Wachposten war niemand mehr zu sehen. Offenbar hatten sich die meisten der hier oben in Zelten ausharrenden Leute bereits zu Bett begeben. Ihm war das nur Recht er wollte allein sein und wollte Ruhe haben, um noch etwas nachzudenken. Auch wollte er Lyviani Zeit geben, auch sich noch zu beruhigen. Er schlenderte ein wenig über das Plateau und genoss die Nacht.

Tatsächlich beschäftigte ihn nicht nur die Frage nach der Zuverlässigkeit der Assassinin, sondern wenn er ehrlich war, fragte er sich, wie er persönlich zu ihr stand. Das Gefühl des Gemeinsamen war nach den letzten Kämpfen und Erlebnissen stark geworden. „Freundschaft mit einer Meuchelmörderin“: sagte er sich und lächelte dann schief in den Nachtwind hinein. „Kein Mensch, kein Mer ist nur gut und auch nicht nur schlecht“: sagte er sich wieder. Er wusste das Lyviani mehr war, als sie vorgab zu sein, als sie vielleicht sein wollte. Und er musste sich eingestehen, dass da mehr war, als nur ihre Geschäftsbeziehung. Gerade als er an die Enttäuschung denken musste, die ihn bei den Worten seiner Begleiterin überkommen hatte, wusste Tirian das es so war. Er konnte sich nicht selbst belügen. Er seufzte und setzte sich auf einen Haufen Säcke. Der körnige Inhalt mochte Weizen oder Salzreis sein. Sie waren weich. Er lehnte sich zurück und schaute in den Himmel. Seine Gedanken pendelten zwischen der Aussprache, die er unbedingt mit Lyviani führen musste, damit er wusste, woran er bei ihr war, und seinem Vater. Der Heiler hoffte inständig das Tarrior noch am Leben war. Er hatte das nie in Frage gestellt, hatte einen Tod nicht einmal in Betracht gezogen und doch war er sich nicht sicher, was das anging, denn schließlich gab es weder einen Anlass zu glauben, dass er noch am Leben war. Allerdings gab es auch keinen Grund dafür vom schlimmsten auszugehen. „Außer der besonderen Skrupellosigkeit des Telvanni“: wie sich der Heiler gedanklich selbst ergänzte. Er verdrängte dies schnell. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Er klammerte sich daran. Ein Moment der Leere trat in seinem Verstand ein, als er diese ganzen Probleme zur Seite schob. Über sich rückte der Nachthimmel mit seinen Myriaden von Sternen und den zwei Monden Masser und Secunda in den Fokus. Ganz von dem hypnotischen Anblick betäubt, wurden seine Augenlider schwerer und schwerer. Ruhe überkam ihn. Tirian schlief ein.

Ein Gang. Ein dunkler Gang. Die Luft war kühl und schal wie in einer Gruft. Vorsichtig machte er einen Schritt in die Dunkelheit. Der Ton unter seinen Stiefeln war metallisch. Er beugte sich herab. Seine Hände glitten über einen kalten, eisernen Boden. Einzelne, metallene Platten. Als kleine, runde Erhebungen fühlte er die Nieten unter seinen Fingern, die die Platten im Boden verankerten. Ein Lufthauch fegte durch den Korridor, wirbelte Staub ihm herum auf. Die Luft wurde stickig, ekelhaft am Boden. Er erhob sich wieder. Sich blind voran tastend ging er weiter. Hielt sich an der Wand und benutzte ein metallenes Rohr, das dort entlanglief, um sich Halt zu verschaffen. Zeitlos, sich zur Ewigkeit hin dehnend irrte er so voran. Er wusste schon nicht mehr wo genau er hin wollte. Warum ging er durch diesen Gang? Er hatte keine Ahnung. Erst nach Ewigkeiten angestrengten Nachdenkens wurde ihm wieder bewusst, dass er eigentlich nach einem Ausgang suchte. Er suchte nach einem draußen, das aber genauso gut drinnen liegen konnte. Die Röhre machte eine Biegung. Er wollte sich von dieser Eisenrinne, die ihm Halt und Sicherheit im Dunkel vermittelte, nicht trennen. Das seelenlose, kühle Metall, die raue Oberfläche, die eingravierten Runen, all dies war ihm ein Anker in der Finsternis. Ein Zeichen, dass er noch da war und einen Körper hatte. Das er nicht einfach durch das große Nichts jenseits Nirns wandelte. Das Rohr war sein Freund und er folgte ihm. Irgendwo hin mochte es ihn doch führen. Er hoffte es inständig.

Da war ein Geräusch! Ein Schaben und dann Schritte. Sie verklangen in der Entfernung. Umgehend blieb er stehen. Nein er hatte sich nicht verhört. Er kannte alle Geräusche seiner Umgebung. Er kannte das Geräusch seiner Schritte und das Schaben seiner Sohlen am Metall. Er kannte seinen Atem und die knarrenden Geräusche, die der Gang selbst ab und an von sich gab, als würde er sich strecken und seufzen. Das waren andere Schritte. Jemand hatte sich herumgedreht und war weggegangen. Er folgte dem Geräusch nun schneller und versuchte es einzuholen, wieder kam er an eine Biegung. Eine Kreuzung, wie er dann feststellte. Die Geräusche bewegten sich rechts von ihm. Er musste sein Rohr loslassen. Er tat es schweren Herzens, aber es war besser als noch eine halbe Ewigkeit durch die Dunkelheit zu irren. Zitternd verließ er seinen Halt und wandte sich nach Rechts. Hier war keine Röhre mehr sondern nur noch der kalte, leblose Gang. Nun lief er schneller. Immer den Geräuschen in der Entfernung nach, bis sie irgendwann verstummten und er in absoluter Finsternis verloren war. Hektisch sah er sich um. Suchte nach einem Anhaltspunkt und doch verlor sich alles, was nicht direkt in seiner Nähe war in völliger Schwärze. Dann hörte er wieder etwas. Nur ein kleiner Schritt. Er wandte sich nach links. Und dann plötzlich wurde es hell. Ein grünes, gedämpftes für ihn aber unverstellbar helles Licht illuminierte den Gang zu seiner linken. Er sah einen schemenhaften Umriss dort stehen. Langsam ging er auf ihn zu. Die Konturen wurden etwas schärfer. Die Person war in figurbetontes Leder gehüllt. Es handelte sich dabei um eine Frau, die mit dem Rücken zu ihm stand. Ihr Körper war gespannt. Der Kopf befand sich zwischen den vor Anspannung hochgezogenen Schultern. Sie atmete schwer und deutlich erkennbar. Langsam näherte er sich von hinten. Kurz bevor er sie erreicht hatte, drehte sie sich um. „Lyviani“: sagte er überrascht und da wurde es gleißend und er bedeckte seine Augen.

Als er sie wieder öffnete befand er woanders. Es war eine Kammer mit gemauerten Wänden. Völlig anders als der Korridor zuvor. Fackeln erhellten den Raum flackernd und mehr spärlich als wirklich ausreichend. Er wollte sich gerade umschauen, als ein Schrei ertönte. Er wandte sich der Richtung zu aus dem er gekommen war. Er trat hinter einer breiten Steinsäule hervor und sah wieder die Frau in der Lederrüstung. „Lyviani“: flüsterte er. Doch was tat sie da. Er ging noch etwas um die Säule herum, um besser sehen zu können. Was er dort sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Ein Dunmer mit schwarzen Haaren und völlig zerschnittenem Gesicht hing an zwei Ketten von der Decke. Die Assassine malträtierte ihn mit ihrem Stilett. Immer wieder schrie er auf, wenn die Frau zustach. Ein blutiges Messer, das sie wohl schon benutzt hatte, nahm sie zur Hand und rammte es ihrem Opfer mit einem kräftigen Hieb etwas unterhalb des Brustbeins in den Oberkörper. Als sie damit begann ihn von oben nach unten aufzuschlitzen, löste sich seine Starre und er griff er ein. „Nein!“: schrie er und stürzte nach vorne. Er packte ihrem Arm. Versuchte sie zurückzuhalten. Mit blutverschmierten Händen drehte sie sich langsam um. Als er ihr Gesicht sah, ließ er sie los und trat vor Schreck mehrere Schritte zurück. Ihrem Gebiss entsprangen etliche spitze Zähne, die sie mit einem kühlen Lächeln zur Schau stellte. Ihre Augen brannten regelrecht und aus ihrer Stirn wuchsen zwei spitze Hörner. Sie sah aus wie eine Dremore. „Was ist? Gefalle ich dir etwa nicht?“: fragte sie und trat näher auf ihn zu. „Du… du…“: stammelte er. Ihr Lächeln wurde breiter, eine Spur dämonischer. Sie leckte sich Blut von der Hand. Er war absolut sprachlos. „So überrascht? Du wusstest doch was ich bin“: sagte sie und stand nun direkt vor ihm. Sie streichelte seine Wange mit blutigen Fingern. „Du was bist?“: fragte er zweifelnd. „Armer Kerl. Er hat um sein Leben gebettelt. Es war mir eine Freude ihn auszunehmen“: ignorierte sie seine Frage. „Du bist grausam“: brachte er hervor. „Sag schon was du wirklich denkst“: verlangte sie und fixierte ihn nun unerbittlich. „Was soll ich sagen?“: wollte er wissen. „Du weist es nur zu gut“: sagte sie und nahm seine Hände. „Ich weis, was du denkst. Sag es!“: fordert sie. Er schüttelte den Kopf. „Nein, das stimmt nicht“: beharrte er. „Ich weis und du weist es“: sagte sie kalt und hob seine Hände mit den ihren an. „Ich bin ein Monster“: sagte sie und legte seine Hände an ihren Hals.

Wieder wurde es hell. Die Kammer verschwand und im nächsten Moment fand er sich in den Weiten der Weidenländer wieder. Er kannte diesen Ort. „Das kann unmöglich sein“: schoss es ihm durch den Kopf. Wieder stand er da und hatte seine Hände um Lyvianis Hals geschlossen. Doch diesmal hielt sie sie umfasst. „Los töte mich!“: befahl sie. Er schüttelte energisch den Kopf. „Ich bin ein Monster. Du musst mich töten“: verlangte sie. Er weigerte sich noch immer. Seine Hände zitterten. „Denk nur an all die Menschen und Mer, die ich getötet habe. An all diejenigen, die noch durch meine Hand sterben werden“: sagte sie. „Dieser köstliche Augenblick, wenn das Leben aus ihnen weicht – wenn sie betteln und ihr Schicksal absolut in meiner Hand liegt“: erzählte sie weiter. Zunehmend spürte er Ekel. Sie schrie ihn an. Befahl er die Bestie, die er so gepackt hatte, zu würgen bis sie tot war. Das Monstrum zur Strecke zu bringen. „TÖTE MICH!“: verlangte sie immer wieder. „NEIN!“: schrie er immer wieder. „Ich werde dich schlachten“: drohte Lyviani schließlich. Ihre Hände lösten sich von seinen und griffen an seinen Hals. Sie drückte zu. Er röchelte, bekam keine Luft mehr. „Los töte mich, bevor ich dich töte“: sagte sie. Er versuchte zuzudrücken. Schaute in ihr Gesicht. Sah plötzlich Bilder von ihr aufblitzen, wie sie kurz vor dem Aufwachen aussah. Erinnerte sich an die Nacht im Aschländerlager. Seine Hände versagten ihm den Dienst. „Ich kann es nicht tun“: brachte er schließlich unter Tränen hervor. Der Druck um seinen Hals verschwand schlagartig. Die Weidenländer verschwanden und wichen einer anderen vertrauten Umgebung – ihre Unterkunft in der Dunmer-Festung.

Er atmete durch. Lyviani war nicht mehr zu sehen. Er schloss für einen Moment die Augen, doch dann bemerkte er wie sich zwei Arme von hinten um ihn schlangen. Sofort versteifte sich sein ganzer Körper. Ein Kopf legte sich auf seine Schulter. „Wie verflucht naiv kann man eigentlich sein?“: hörte er Lyvianis Stimme. Sie war nicht wütend, sondern ganz sanft. Er verdrehte fast die Augen, um zu ihr hinüber zu schielen. In ihrem Dremorengesicht lächelte sie nun etwas verträumt und sanft. „Mein armer kleiner, naiver Tirian“: sagte sie und küsste ihn auf die Wange. Dann schnellten ihre Arme hoch. Die eine Hand packte seinen Kopf. Es ging zu schnell, als das er sich hätte wehren können. In der anderen blitzte der daedrische Dolch auf. Er spürte wie die Klinge durch seinen Hals schnitt. „Warum…“: keuchte er mit letztem Atem, bevor seine durchtrennte Kehle mit Blut voll lief. „Ich bin nun einmal ein Monster“: lachte sie.

Schreiend schoss der Heiler in die Höhe. Seine Augen vor Schreck geweitet starrte er einen Moment in das Firmament über sich. Ein Söldner kam heran. „Alles in Ordnung“: fragte der bullige Mann. „Ja, ja… es geht schon. Ich dachte… ich…“: versucht er sich zu erklären. „Wenn Nichts ist, schlagt gefälligst auch keinen Alarm“: beschwerte sich der Kerl und wandte sich wieder ab. „Wenn doch bloß Nichts gewesen wäre“: wünschte sich Tirian, wenn er an diesen verrückten Traum dachte. Er bekam Kopfschmerzen. Es ging ihm nicht gut. Er erhob sich von den Säcken und wankte zum Rand des Plateaus. Von dort schaute er in die Nacht der Weidenländer hinaus und versuchte sich abzulenken, in dem er in der Entfernung ein Oblivion-Tor beobachtete.

Andromeda
01.06.2013, 17:20
Als sie auf dem Weg zum Dach, aus der Festung heraus, war, kam sie an einer Art Halle vorbei, aus der sie das Klappern von Holzschwertern hörte, anscheinend übten hier die Söldner. Ihre Vermutung bestätigte sich, als sie in der Tür stehen blieb, und tatsächlich einen Übungsraum vorfand, in dem sich zwei Pärchen mit Holzschwertern duellierten, ein weiteres mit Dolchsimulatoren und einer auf eine Puppe aus Holz und Stroh einhieb. An der Wand stand ein Waffenständer mit weiteren Holz- und stumpfen Stahlschwertern.
Alles in allem eine optimale Gelegenheit, um sich etwas abzureagieren, dachte sich Dreveni und trat kurz entschlossen durch die Tür und auf die Schwerter zu. Die skeptischen Blicke, die ihr von den Kämpfern zugeworfen wurden, entgingen ihr nicht, sah sie doch nicht sonderlich kriegerisch aus mit den offenen, langen Haaren und dem knöchellangen Kleid. Sie kümmerte sich nicht darum und griff nach einem Langschwert aus Holz, dass ihr in etwa bis zur Brust ging vom Boden aus, und somit etwas länger als ihr Vulkanglasschwert war. Sie hatte zwar einen tierischen Muskelkater, aber etwas Bewegung würde auch dagegen helfen. Etwas anders sah es mit der Prellung über ihren Rippen aus, aber dann war das eben Training unter erschwerten Bedingungen.
Sie baute sich neben dem Mann auf, auf, der auf die Übungspuppe einschlug - ein Altmer wie die Söldnerin, der sie um fast zwei Köpfe überragte, und dessen sehnige Figur trotz seiner Schlankheit von Kraft zeugte - und sprach ihn an: "Ist es nicht langweilig nur auf das Ding da einzuschlagen?"
Er hielt nur kurz inne, sah sie abschätzend an und erwiderte: "Besser als auf Frauen mit zu großen Schwertern.", und widmete sich wieder der Puppe.
"Angst zu verlieren?", fragte Dreveni und warf ihm einen abschätzenden Blick zu.
"Gegen eine Dunmer? Niemals.", antwortete er, wobei er immer noch auf die Puppe einhieb.
"Das werden wir ja sehen.", sagte Dreveni, während sie seinen nächsten Hieb von der Seite her ablenkte, er und er sich endlich ihr zuwandte: "Wenn ihr darauf besteht...Sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt."
Lauernd, mit dem Schwert an der Schulter gingen sie ein Stück weg von den anderen um Platz zu haben, wobei in den Augen des Altmer immer noch zweifel standen, und die Hoffnung, sich seiner - seiner Meinung nach unfähigen - Übungspartnerin schnell zu entledigen.
Der Altmer hatte einen recht offensiven Kampfstil, denn schnell hieb er von oben nach Dreveni, die ihm mit ihrer Klinge ins Schwert fiel und sie dann eindrehte, um einen Stich zu seinem Hals an seiner Klinge vorbei zu führen. Dieser kam auf die selbe Idee, und so war er immerhin langsam überzeugt davon, dass Dreveni schon mal ein Schwert in der Hand gehabt hatte. Diese Geplänkel gingen noch eine Weile hin und her, während beide versuchten, abzuschätzen, wie gut der jeweils andere war. Ohne sich abgesprochen zu haben, legten beide eher Wert auf Technik als auf Geschwindigkeit, was so gänzlich ohne Schutz auch nicht unvernünftig war, keiner von ihnen hatte Lust auf gebrochene Finger oder ein Schwert im Auge.
Als sie sich beide schließlich schon mehrmals umgebracht hätten im echten Kampf, schlich sich langsam doch so etwas wie Achtung in den Blick des Altmers.
Sie hätten noch eine Weile weitermachen können, da wurde er leider von jemandem außerhalb des Saales gerufen.
"Vielen Dank für den guten Kampf.", sagte er bevor er sein Schwert in den Ständer stellte und sich zum gehen wandte.
"Ebenso.", antwortete Dreveni lächelnd. Inzwischen war sie schon wieder etwas ruhiger und hatte auch vorübergehend sowohl Tirian als auch Feryn aus ihren Gedanken verdrängt.
Sie sah noch eine Weile dem Pärchen mit den Dolchen zu, während sich doch wieder Tirian und Feryn in ihre Gedanken schlichen.

Sie konnte immer noch nicht nachvollziehen, warum Tirian jetzt sich wieder so aufregte. Besser sie sagte ihm jetzt klipp und klar was Sache war, als dass sie nachher beide von den Morag Tong gefoltert wurden, weil er seinen Mund nicht halten konnte. Dreveni selbst wusste schon nicht mehr, wie viele ihr schon gedroht hatten, sie würden sie umbringen, wenn sie dieses oder jenes tat oder sagte. Und? So war das Leben eben, ihrer Ansicht nach.
Wenn Tirian nicht verstand, dass nicht alle und jeder gute Absichten hatte, dann war das sein Problem.
Unabhängig davon bereute sie es gerade, dass sie Feryn nicht einfach vor zehn Jahren schon umgebracht hatte, wie sie es hatte tun sollen. Dann wäre ihr einiges erspart geblieben. Nun ja, das war jetzt leider nicht mehr zu ändern, auch wenn sie nach wie vor nicht verstehen konnte, wie er seinen Gildenbrüdern von ihr erzählen konnte. Was zum Henker hatte ihn da nur geritten? Sie würde sich jedenfalls so schnell auf niemanden mehr in dieser Art und Weise einlassen, das würde doch nicht gut gehen. Selbst wenn er ihre Berufung teilte, wie Feryn es getan hatte, gab es doch nichts als ärger, und mit jemandem, der das nicht tat, gab es auch mehr als genug Probleme.

Schließlich stellte sie das Holzschwert zurück und ging ebenfalls auf das Plateau oben auf der Festung. Die Türe fiel ihr leider etwas lauter ins Schloss, als beabsichtigt, da sie ihr aus der Hand rutschte, die noch müde von dem Übungskampf eben war. Oben angekommen schloss sie kurz die Augen und genoss die kühle Nachtluft,inzwischen war es ganz dunkel geworden und es hielten sich nicht mehr viele hier auf, bis auf die Wachposten, und eine Gestalt die am Rand des Plateaus stand und in die Tiefe sah. Im hellen Licht der beiden Monde konnte sie sehen, dass die Gestalt eine Robe trug, und auch von Statur, Haltung und Haaren sah sie verdächtig nach Tirian aus...

KingPaddy
02.06.2013, 16:05
[Tirian]
Immer mal wieder huschten Schatten vor dem Tor vorbei. Vermutlich streiften Deadra in deren Nähe herum. Theoretisch konnte Mehrunes Dagon jederzeit Verstärkung für seine Armeen durch diese Tore schicken. Eine Schlacht war geschlagen und die Daedra vorerst zerstreut und doch konnten sie sich jederzeit neu formieren und neu verstärken, wenn man diese Tore nicht schloss. Doch ständig wurden Neue geöffnet und die Zahl der Verteidiger Nirns war begrenzt. Er fragte sich, wann oder ob diese Krise jemals vorrüber gehen würde oder ob sie mit einer ständigen Verbindung zum Reich des Vergessens leben mussten. Er hing eine Weile diesen Überlegungen nach und ob er sich wohl in Zukunft als Heiler den kämpfenden Truppen anschließen sollte. Er wurde dabei durch ein lautes Knallen unterbrochen. Er wandte sich zu dem großen Festungsgebäude um. Jemand war herausgetreten. "Verfluchte Bastarde. Könnt ihr nicht ruhig sein?!": ertönte es aus einem der Zelte. Scheinbar war jemand aufgewacht. Tirian kicherte. Allerdings verflog die kurzerhand gute Stimmung als er sah, wer da ins Freie getreten war. An ihrem Kleid war Lyviani auch im Dunkeln gut zu erkennen. In dieser Umgebung war sie wohl eine der wenigen Personen, die so etwas trug.

Er sammelte sich noch kurz, stieß sich vom Geländer ab und ging langsam zu der Dunmer hinüber. Diese Gelegenheit war genauso gut, wie jede andere auch. Er schritt mit gesenkten Kopf auf sie zu. Als er vor ihr stand, schien sie etwas sagen zu wollen, doch er kam ihr zuvor: "Wir müssen reden."

[Dreveni]
Dreveni überlegte kurz, eine Erwiderung auf das Kommentar aus dem Zelt zu rufen, die sich gewaschen hatte, entschied sich aber dann dagegen. Sie hatte keine Lust darauf, sich mit den Söldnern anzulegen oder gar aus der Festung zu fliegen. Kaum war sie mit diesen Überlegungen fertig, trat auch schon Tirian auf sie zu, inzwischen war sie sich sicher, dass es der Heiler war. Nun war auch klar, dass er sie gesehen hatte, und die Chance wieder zu verschwinden war damit für Dreveni vorbei.
"Wir müssen reden.", hörte sie ihn sagen. Sie sah ihm direkt ins Gesicht, durch das fahle Mondlicht wirkten seine Züge schärfer und ließen ihn älter aussehen, als er war. Seine Augen lagen im Schatten, so dass sie diese nicht erkennen konnte, aber der Ernst in seiner Stimme war ihr nicht entgangen.
Ja, sie mußten reden, auch wenn es ihr überhaupt nicht danach war. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen, waren sie doch irgendwie aufeinander angewiesen. Dreveni erwiderte nichts, sondern ging auf eine Ecke des Plateaus zu, wo sie möglichst weit von den Wachen und den Zelten entfernt waren, da sie keine Zuhörer brauchen konnte. In dieser Ecke lehnte sie sich an das Geländer, verschränkte die Arme und sah Tirian auffordernd an. Sie hätte fast den Anfang gemacht, aber mit ihrer direkten Art würde es vermutlich nur wieder neuen Streit geben, kaum dass sie drei Sätze gewechselt hätten, da Tirian wieder irgendetwas in den falschen Hals bekommen würde, fürchtete sie.

[Tirian]
Lyviani führte sie etwas abseits der Zelte, damit sie ungestört reden konnten. Während er ihr folgte, betrachte der Heiler ihren Rücken. Er musste wieder an seinen Traum denken. Es schauderte ihn noch immer. Ihm war gerade nicht wirklich wohl dabei alleine mit der Assassine zu sein. "Es war nur ein Traum": versuchte er sich zu beruhigen. Aber es stecke vielleicht doch eine gewisse Wahrheit darin und das machte ihm Angst. Als sie weit genug entfernt waren, lehnte sich die Dunmer an das Geländer. Sie schaute ihn auffordernd an. Er holte tief Luft, trat selbst an das Geländer heran und schaute hinaus in die Ferne. "Ich denke es ist besser, wenn ich gleich zum Punkt komme": meinte er und versuchte möglichst kühl zu klingen, auch wenn ihm das selbst so unmenschlich erschien. "Ich denke, dass es besser wäre, wenn wir festlegten, wie wir hier zu einander stehen, damit wir für den Rest der Reise miteinander auskommen können. Ich denke es ist meine eigene Schuld, dass ich diesen Fehler gemacht habe. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn wir uns auf die geschäftliche Ebene reduzieren würden. Alles Andere scheint wohl nur naiv zu sein. Ihr seid eine gedungene Meuchlerin, ich bezahle euch und ihr helft mir dafür": sagte der Heiler und versuchte eher sich selbst klar zu machen, in welcher Situation er sich mit Lyviani überhaupt befand. "Ich hatte wohl die letzte Zeit wohl als persönlicher erachtet, als es gut gewesen ist und dabei das Eigentliche aus den Augen verloren. Verzeiht also auch, dass ich mich in eure Angelegenheiten eingemischt habe": sagte er weiter und starrte dann nur noch in die Nacht.

[Dreveni]
Tirian hatte sie kein einziges Mal angesehen, als er gesprochen hatte, das fiel Dreveni - abgesehen von seinem bemüht kühlem Ton - auf. Ihr Blick ruhte nach wie vor auf ihm, als sie antwortete: "Nichts anderes habe ich euch von Anfang an gesagt. Ihr solltet mir genau so weit trauen, wie der Auftrag geht, den ihr mir gegeben habt, und keinen Schritt darüber hinaus." War es das schon?, dachte sie sich. Dafür der ganze Streit vorhin?
"Was ließ euch denn denken, dass es irgendwie persönlich ist zwischen uns?", sagte sie noch, noch bevor ihr wirklich bewußt wurde, dass das vielleicht keine gute Frage für den Moment war. Hoffentlich würde er jetzt nicht wieder mit dem Lager der Aschländer anfangen. Sie war nicht ganz bei sich gewesen, das war alles.

[Tirian]
Er nahm ihre Antwort mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Das hatte er zunächst auch gedacht und doch... Vielleicht hätte er einfach gar nie mit ihr reden sollen, sondern einfach nur schweigend neben ihr hergehen. Und dennoch hätte er auch so den Aschländern geholfen und hätte sie davon abhalten wollen Wehrlose zu töten. Ihre Frage brachte ihn etwas aus dem Konzept. So genau wusste er das auch nicht. Er fühlte nur eine gewisse Verbundenheit. Er setzte mehrmals an etwas zu sagen, aber konnte dann nur hilflos die Arme über das Plateau hinweg baumeln lassen. "Ich denke das Alles, irgendwie. Wir sind jetzt noch nicht solange unterwegs, aber wir haben gemeinsam zumindest schon Einiges jetzt durchgestanden... Ich denke sowas geht nicht so spurlos an mir vorbei": sagte er dann doch. Er hätte ihr ohnehin geholfen, auch weil er das von sich selbst verlangte, aber für Lyviani hatte er es gerne getan. Schlussendlich hatten sie gerade auch in der Gruft gut zusammen gearbeitet, auch wenn sie sich sonst nicht so grün waren. "Ach, bei Almsivi, ich weis es wirklich nicht. Aber ich kann nicht behaupten, dass mir euer Schicksal egal wäre": brachte er hervor und suchte sich dann am Horizont den feurigen Anblick des Oblivion-Tores wieder, auf dem er mit seinen Augen verweilen konnte.

[Dreveni]
Dreveni selbst war sich alles andere als sicher, wie sie zu Tirian stand. Sie wußte nur, dass es im Prinzip auch egal war, denn so oder so, es durfte nicht sein und würde auch kein gutes Ende nehmen. Auch hatte sie schon mit genug anderen zusammen gekämpft, um zu wissen, wie schnell das ein Gefühl der Verbundenheit schaffen konnte.
Verflucht, sie hatte sogar mit genug Männern geschlafen, die ihr vorher nicht viel bedeutet hatten, und nachher, mit ein bisschen Abstand betrachtet, ebenfalls nicht. Es war nur eine kurzfristiges Gefühl aus dem Rausch des Augenblickes, diese Verbundenheit, das auch genauso schnell wieder verging. Nüchtern betrachtet waren all das nur kurze Momente, und nichts für die Ewigkeit, wenigstens aus ihrer Sicht.
Während sie überlegt hatte, war sie neben Tirian getreten, stützte die Arme auf die Brüstung und sah ebenfalls in die Nacht.
"Mein Schicksal?", sagte sie schließlich, "Ich habe euch doch schon einmal gesagt, dass ich meinen Weg frei gewählt habe. Es war meine Entscheidung, mit der ich jetzt leben muß, genauso wie mit jeder die ich danach getroffen habe und mit ihren Konsequenzen." Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die der Wind ihr vor die Augen geweht hatte, und sah den Heiler von der Seite her an.

[Tirian]
"Ach die Sache. Nein, ich glaube nach wie vor nicht, dass ihr wirklich so seid wie ihr euch gebt. Aber das meinte ich auch nicht. Ich wollte sagen, dass es mir nicht mehr in einer distanzierten Art egal sein kann, wenn euch etwas zustößt, wisst ihr? Nicht so wie zuvor": erklärte er und holte noch einmal tief Luft. "Aber ich weis nicht, ob ich euch trauen oder mich auf euch verlassen kann. Ich habe Zweifel": sprach er die Gedanken aus, die ihm schon seit dem Essen bewegten. Noch immer hallte ihre Drohung in ihm nach und vermischte sich mit den schrecklichen Bildern aus seinem Traum. "Wie kann ich jemandem trauen, der mich wegen solch einer Kleinigkeit umbringen würde und sagt nicht, dass ihr das nicht so gemeint hättet. Die Art und Weise. Das sagt man nicht einfach so. Das war eine klare Drohung": meinte Tirian etwas angesäuert und fixierte weiter das Oblivion-Tor.

[Dreveni]
Auf den ersten Satz seiner Antwort musste Dreveni grinsen. Mochte er ihr auch nicht glauben, es wurde Zeit dass sie zu dieser Einstellung zurückfand, und ihrer Meinung nach war sie auf dem besten Wege dahin. Als er weitersprach, verschloss sich allerdings ihr Gesicht, und sie sah wieder gerade aus, wo sich das Obliviontor am Horizont befand.
"Das war eine klare Drohung, und es war keine Kleinigkeit." Sie machte eine kurze Pause, während sie nach Worten suchte, und sich kurz umblickte, ob wirklich niemand in der Nähe war. "Ihr wisst doch, ich habe von der Dwemer-Ruine erzählt. Das Ganze nahm seinen Anfang in der Taverne in Molag Mar und es hat nicht mehr als diesen Namen, meinen Namen und die Erwähnung eines Briefes gebraucht. Wobei vermutlich sein Name alleine schon gereicht hätte. Es war pures Glück dass ich nur mit ein paar gebrochenen Fingern und zwei Schnitten da wieder raus gekommen bin.", erklärte sie Tirian, wobei die Verbitterung in ihrer Stimme deutlich zu hören war.
Sie mochte sich immer noch nicht ausmalen, was noch alles passiert wäre, wären Erynn und Arranges später oder gar nicht aufgetaucht.
"Vielleicht war ich etwas zu... direkt, aber man weiß nie, wer alles zuhört.", fügte sie noch leise an. Und glaub mir, wenn die uns erwischen sollten, wäre dir mein Dolch im Herz tausend mal lieber, als das was uns dann erwarten würde.

[Tirian]
Langsam begriff er, warum sie so sehr darauf bedacht war, dass der Name nicht erwähnt wurde. Allerdings verstand er immer noch nicht, was genau es damit auf sich hatte. Beim Aufwachen hatte sie sogar noch recht glücklich ausgesehen, als sie ihn aussprach. Er konnte das nicht zuordnen. Er beließ es aber auch dabei. "Das tut mir sehr leid": antwortete der Heiler dann. Und direkt war sie tatsächlich gewesen, geradezu furchteinflößend. "Allerdings droht mir nie wieder und schon gar nicht so": sagte er dann. Er fügte Nichts weiter hinzu. Er wollte diese Sache abschließen, auch wenn ihm der Traum immer noch nicht aus dem Kopf kam. "Ich denke wir haben die Sache soweit geklärt. Tel Uvirith - wir retten meinen Freund, ihr kriegt euer Geld und dann müssen wir uns nie wieder sehen": sagte er kühl. "Ihr könnt gehen. Ich bleibe noch hier oben. Ich muss über Einiges nachdenken": sagte er schließlich.

[Dreveni]
Dreveni rollte mit den Augen, als Tirian schon wieder meinte, es würde ihm leid tun. Dadurch änderte sich genau nichts an dem was geschehen war.
Seine weiteren Worte und vor allem sein kühler Tonfall versetzten ihr einen Stich, was sie komplett überraschte. War es schon so weit, dass er sie durch bloße Worte verletzen konnte? Sie hatte schon früh gelernt, darauf zu achten, wenn sie sich mit mehr als professionellem Interesse von etwas einfangen ließ, und so entging es ihr auch jetzt nicht. Was ihr auch bei Feryn schon früh genug aufgefallen war, ihr aber damals nichts geholfen hatte, da sie es nicht hatte sehen wollen.
"In Ordnung.", sagte sie schließlich ebenso kühl. "Hebt euch nur euer 'Es tut mir leid' in Zukunft für jemanden auf, der damit auch etwas anfangen kann. Ich brauche euer Mitleid nicht."
Dann drehte sie sich um und ging davon, ohne ihn noch einmal anzusehen.

[Tirian]
"Es ging nie um Mitleid": murmelte er. Es ging immer nur um Verständnis und Anteilnahme, die aus dem Verständnis erwuchs. Es ging also nicht darum, dass sie Mitleid brauchte, sondern das er, wenn wahrscheinlich auch nicht völlig, so zumindest in Ansätzen begriff, was sie bewog. Tirian schaute in die Ferne. Sie war hart zu sich selbst und erwartete diese Härte auch von anderen. Der Heiler hielt dies für einen Irrweg, aber er würde mit ihr nicht darüber reden. Es war besser, wenn er jetzt schwieg, wenn es um so etwas ging. Er musste sich jetzt wieder mehr auf Tarrior konzentrieren. Seines Vaters wegen war er hier! "Morgen werden wir die Vorräte aufstocken und die Ausrüstung in Ordnung bringen und uns dann wieder auf den Weg machen": entschied Tirian. Sie hatten sich ausgeruht und nach Tel Uvirith war es noch ein Stück. Sie konnten nicht noch mehr Zeit vergeuden. Schlussendlich löste er seinen Blick auch vom Oblivion-Tor und wandte sich wieder dem Festungsgebäude zu. Da er ohnehin nicht allzu erpicht darauf war, sich in nächster Zeit schlafen zu legen, konnte er genauso gut seine schmutzige Wäsche im Festungskeller reinigen und damit beginnen sie zu flicken. Auch sein Schwert konnte durchaus eine Reinigung und etwas Aufmerksamkeit gebrauchen, aber darum konnte sich dann noch ein Schmied kümmern. Er hatte sowieso die Vermutung, dass die Mitternacht längst weit überschritten war und der Sonnenaufgang ohnehin schon näher rückte. Langsam und ohne Hast schlenderte er zum Zugang zurück.

Andromeda
02.06.2013, 23:37
Dreveni ging auf direktem Weg zu ihrer Kammer, und sah kaum nach rechts oder links unterwegs. Sie ärgerte sich über Tirian, was er auf einmal für einen Ton anschlug, und darüber, warum sie sich daran so störte. Wer war er denn überhaupt? Irgendein weltfremder Heiler, der Angst hatte, Entscheidungen zu treffen und lieber wartete, bis das Schicksal alles für ihn entschied. Ihre Laune, als sie ihr Zimmer betrat, war wieder fast genauso schlecht wie vorhin, als sie an dem Übungsraum vorbeigekommen war.
Außerdem juckte ihr Arm tierisch, da fiel ihr Blick schon auf den Heiltrank, den Tirian vorhin neben sie gestellt hatte. Sie sah noch einmal auf die Kratzer, die noch genauso rot wie vorhin waren, öffnete das Fläschchen und roch vorsichtig daran, wobei sie gleich das Gesicht verzog. Nun ja, es half ja nichts, und mit Todesverachtung trank sie den Inhalt, wobei sie noch angewiderter schaute. Aber es schien zu wirken, jedenfalls merkte sie ein eigenartiges Kribbeln in ihrem Körper und das jucken schien nachzulassen. Sie stellte das leere Fläschchen auf einen Tisch und nahm dann ihre schmutzige Kleidung, Sie musste ja nicht nur gewaschen werden, sondern sollte auch wenigstens halbwegs trocknen, bevor sie weitergingen.
An sich hatte sie auf die weitere Reise so überhaupt keine Lust mehr im Moment, aber jetzt einfach zu gehen verbot ihr die Ehre ihres Standes. Nun ja, zumindest das, was ihr Mordan dazu beigebracht hatte, es hielten nicht alle Assassinen so, wie sie.
Als sie wieder aus der Kammer trat und die Tür hinter sich schloss, fiel ihr erst auf, wie leer es jetzt in der Festung war. Es musste jetzt schon nach Mitternacht sein, und selbst der Betrunkenste würde schon schlafen.
Schließlich kam sie doch noch an einer Wache vorbei, die ihr die Auskunft gab, dass die Waschräume auf der untersten Ebene lagen. Auf dem Weg dorthin hatte sie wieder das ekelhafte Gefühl, dass sie jemand von hinten beobachtete. Es war so stark, dass sie stehenblieb und sich vorsichtig umsah, sie konnte allerdings niemanden sehen, und der Gang bot auch keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Gehört hatte sie auch nichts. Nachdem sie für ein paar Augenblicke lauernd im Gang gestanden war, ging sie weiter, nachdem sie verwirrt den Kopf geschüttelt hatte.
Du wirst paranoid.
Und auch wenn sie nicht glaubte, dass wirklich jemand hinter ihr war, ging sie extra leise weiter, aber auch so konnte sie keine Schritte hinter sich hören, wie sie ein Unsichtbarer trotzdem noch verursachen konnte. Der beste Zauber half nichts, wenn man nicht gut im Schleichen war. Als sie nach der Beschreibung der Wache den Waschraum erreichte, war sie sich sicher, dass sie sich alles nur eingebildet hatte. Die nur spärlich erleuchtete Umgebung mochte ihr übriges tun, auch wenn sie normal wenig empfänglich für solche Dinge war.

Der Waschraum selbst war groß und um diese Zeit ebenfalls nur spärlich von Öllampen und Fackeln erleuchtet. Über einem Feuer, das in einem Kamin an der Wand brannte, hing ein Kessel, in dem sich noch heißes Wasser befand. Bei der Menge in dem Topf bestand auch so bald nicht die Gefahr, das alles komplett verdampfte.
Sie legte ihr Sachen auf einen kleinen Tisch und schritt die Waschzuber ab, bis sie einen fand, in dem noch relativ saubere Seifenlauge war, die allerdings relativ kalt war.
Seufzend ging sie zum Kamin und schleppte - Griff mit einem Lumpen umwickelt - den schweren Topf zu dem Zuber und goss vorsichtig etwas von dem heißen Wasser dazu, bis die Brühe ausreichend warm war. Als sie den Topf wieder über das Feuer gehängt hatte, warf sie ihre Sachen in den Zuber, und rührte mit Hilfe einer dicken Holzstange, die daneben stand, einmal kräftig um. Es würde nicht schaden, wenn das Ganze erst mal etwas einweichen würde, und so setzte sie sich auf den Tisch, auf dem ihre Sachen gerade noch gelegen hatten. Es war absolut still hier unten um diese Zeit, was sie gerade auch so überhaupt nicht störte. Sie saß da und versuchte, an nichts zu denken, vor allem nicht an Tirian. Es wollte ihr nicht so recht gelingen, da lenkte sie ihre Gedanken wieder einmal zu Erynn. Es hätte sie nicht überrascht, wenn die andere doch einmal vor ihrer Tür bei Cheydinhal stehen würde, gerade nach dem, was sie der Echse angetan hatte. Was war eigentlich aus Arranges geworden? Sie schüttelte unwillig den Kopf, auch der Magier stand auf er Liste der Leute, an die sie jetzt nicht unbedingt denken wollte. Sie hoffte nur, dass Erynn ihm nicht wieder in die Arme gelaufen waren, sonst sah es düster für ihre weitere Zukunft aus.
Dreveni hätte nicht sagen können, wie lange sie hier gesessen und ihren Gedanken nachgehangen war, als plötzlich eine Stimme hinter ihr erklang: "Dreveni. Feryns Hure."

Sie sprang erschrocken auf, noch ohne sich umzurehen, und dieses mal war es Dreveni, der alle Farbe aus dem Gesicht wich, und fast das Herz stehenblieb. Wie konnte das sein? Dieses mal hatte sie nicht ein verfängliches Wort gesprochen, und nur an ihrem Aussehen konnte es keiner festmachen. Einen Moment später hatte sie sich soweit gefangen, dass sie sich langsam umdrehen und dabei eine möglichst unbeteiligte Miene aufsetzen konnte: "Bedauere, ihr..." müsst mich verwechseln., wollte sie sagen, aber da erkannte sie den Dunmer auch schon. Ihr schwindelte fast, als sie wieder die Szene aus Molag Mar vor sich hatte, und die beiden Dunmer, die neben ihr an dem Tisch Karten gespielt hatten. Es gab keinerlei Zweifel daran, dass sie einen von den beiden vor sich hatte. Jenen, der auch in der Ruine vor ihr gestanden war. Wie hatte er entkommen können? Und warum hatte sie nicht wenigstens die Ruine nach den Leichen der Dunmer abgesucht, die ihr bekannt waren? Er musste vorher noch gegangen sein, schossen ihr die Gedanken wild durcheinander durch den Kopf.
Der Assassine vor ihr schien sich an ihrer Sprachlosigkeit und ihrem verwirrten Gesichtsausdruck zu laben, denn er stand nur ruhig da, einen verzierten und kostbar wirkenden silbernen Dolch mit gebogener Klinge in der Hand, und sah sie mit einem sadistischen Lächeln an. "Damit hättet ihr nicht gerechnet, nicht wahr?" unterbrach er schließlich das wirre kreisen ihrer Gedanken. Seine Stimme klang ruhig und fest, außerdem lag eine Genugtuung in ihr, als hätte er nur auf diesen Augenblick gewartet. "Damit, dass jemand entkommen ist. Ich habe gesehen, was ihr angerichtet habt. Und glaubt mir, es hat mir nicht gefallen." Dabei trat ein boshaftes und rachsüchtiges Funkeln in seine Augen. "Ich war nur kurz weg, und als ich wieder kam... ", fuhr er fort. Dreveni stand immer noch wie gelähmt vor ihm, während sie überlegte, was sie tun sollte. Nach Hilfe rufen? Wachen hatte sie hier unten nicht wirklich gesehen. Und außerdem hatte ihr Mordan doch wenigstens Grundlegendes über die Morag Tong erzählt. Es war hier wohl nicht wie in Cyrodiil, unter gewissen Umständen durften sie hier sogar offen morden. Der Weg zur Tür war ihr ebenfalls versperrt, da der Mörder genau zwischen ihr und selbiger stand. "Gerade Llevas hättet ihr besser nicht so zugerichtet." Auf ihren fragenden Blick fuhr er sich kurz mit seinem Dolch vor der Stirn entlang und da wusste sie, wenn er meinte. Der Dunmer, der seine schmierigen Finger an ihr gehabt hatte, und dem sie die Verzierung in das Gesicht geschnitten hatte.
Bei allen Daedra, nimmt dass denn gar kein Ende? Sie fragte sich gerade, wieso er ihr bisher in der Festung nicht aufgefallen war. Alles an dem Mann schrie Assassine, von dem kurzen, dunkelgrauen Umhang mit der weiten Kapuze, der dunklen, leichten Lederrüstung bis zu den leichten Schuhen und dem Dolch. Und sein Gesicht erst, dass sie ganz genau kannte. Das hieß, er war gut, wenn er sie die ganze Zeit dermaßen unaufällig beobachtet hatte.

Inzwischen hatte sie sich soweit gefangen, dass sie zu ihrem Dolch griff, doch noch bevor sie ihre Hand auf den Griff legen konnte, schüttelte er nur leicht den Kopf: "Nicht doch. Oder wollt ihr sehen wie gut ich werfe und treffe?" Danach schwieg er und ging vor Dreveni auf und ab, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Sie wußte worauf das alles abziehlte, und widerstrebend mußte sie zugeben, dass es sie schon nervös machen konnte. Jetzt war nur noch die Frage, ob er bloß auf Rache aus war, oder ihr wieder die gleichen Fragen stellen würe, auf die sie doch keine Antwort hatte. "Ich habe es Llevas schon gesagt.", sprach sie ihn schließlich leise an, als ihr sein Schweigen zuviel wurde. Sollte er doch denken, dass er mit seiner Taktik erfolg hatte und sie nervös wurde. "Er hat sie in Carmala versteckt. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Solltet ihr ihn aber sehen, richtet ihm bitte noch Grüße von mir aus, bevor ihr ihn abstecht." Sie gab sich alle Mühe, möglichst überzeugend zu klingen, und beobachtete den Meuchler dabei genau. Der war stehen geblieben und strich gedankenverloren mit seinem Zeigefinger über die Klinge seines Dolches, als er sie abschätzend musterte, ohne ein Wort zu erwidern.

KingPaddy
04.06.2013, 10:08
Tirian beeilte sich nicht zurück in die Festung zu kommen. Er hoffte darauf, dass sich Lyviani vielleicht schon wieder hingelegt hatte. Ihn drängte es nicht, ihr nach dem letzten Gespräch noch einmal zu begegnen. Daher wäre es gut, wenn sie wieder schlief, wenn er seine Kleidung zum Waschen aus der Kammer holte. Er ließ sich daher auch Zeit ihre Kammer in dem Gewirr enger Gänge zu suchen. Die Zeit verstrich allmählich, aber länger konnte und wollte er sich auch nicht mehr herumdrücken ohne das es lächerlich wurde und lenkte seine Schritte schließlich doch noch zur Unterkunft. Die Festung war über die Nacht wirklich wie leer gefegt. Bis auf vereinzelte Wachen, die zentrale Punkte der Anlage bewachten, war kein Mensch, kein Mer zu sehen. Die Anlage machte geradezu einen eher trostlosen Anblick in der Nacht und man fühlte, dass die Festung eigentlich lange schon aufgegeben und verlassen worden war. Man sah es an dem rissigen Mauerwerk, den ausgedehnten Rußpuren der Fackeln an den Wänden und dem allmählichen Zerfasern des Holzes der Türen. Auch die Tür ihrer Kammer hatte schon bessere Zeiten gesehen und zeugte von den Jahren, in denen sie nun schon treu ihren Dienst verrichtete. Tirian stand etwas unschlüssig vor dem Raum. Er fragte sich, ob er wohl richtig gehandelt hatte. Es kam ihm selbst mies und schäbig gegenüber der Assassine vor, sie jetzt direkt so von sich zu schieben, allerdings war er dennoch davon überzeugt, dass er sich und ihr damit wohl doch einen Gefallen getan hatte. Lyviani hatte ja ohnehin durchblicken lassen, dass dies für sie sowieso nur eine reine Zweckgemeinschaft darstellte. Etwas das ihn gewissermaßen traurig machte, aber zugleich davor bewahrte, doch mehr Nähe in die gemeinsamen Erlebnisse der letzten Zeit hinein zu interpretieren, als es gut war. Und doch wollte dieses unbestimmte Gefühl nicht weichen ihr Unrecht getan zu haben.

Er schüttelte den Kopf. Das brachte ihn im Moment auch nicht weiter. Er legte die Hand auf die Klinke und drückte sich vorsichtig nach unten, um möglichst wenig Lärm zu verursachen, für den Fall, dass sie doch schon schlief. Er öffnete die Tür und trat schließlich in die Kammer ein. Als erstes ging sein Blick zu den Betten, doch sie waren unberührt. Weitere Blicke in den Raum folgten, wobei der Heiler schnell feststellte, dass seine Begleiterin nicht da war. Er atmete hörbar erleichtert aus und machte sich daran seine Schmutzwäsche als auch die geschundene und wahrhaft abartig stinkende Robe aus der Ahnengruft zusammen zu suchen. Er packte alles zusammen, was irgendwie mit dem fauligen Miasma der Untoten in Kontakt gekommen sein konnte, ließ dabei seine Schwertscheide und das Schwert auch nicht aus und packte alles auf einen Haufen. Mit einigen Tritten brachte er den Stapel soweit zusammen, dass er ihn bequem hochnehmen konnte, ohne dass ihm alles auseinander fiel. Penibel achtete er auch darauf, dass die besudelten Kleidungsstücke sich im Inneren der Wäschekugel verbargen, die er nun mit sich herumtrug. Die Schwertscheide mit Inhalt balancierte er oben auf. Probeweise ging er einige Schritte auf und ab, um zu sehen, ob er genug Griff und Halt hatte und verließ dann, die angelehnte Tür jeweils mit dem rechten Fuß öffnend und schließend, die Unterkunft und begab sich auf den Weg in die unterste Ebene der Festung, auf der er schon zuvor am Abend gewesen war.

Mit leichtem Schrecken dachte er nun daran wie elend es ihm in der früheren Nacht dort ergangen war. Langsam überkamen ihn Zweifel, ob er wirklich dorthin zurückwollte. Aber nun war er schon einmal mit einem Haufen stinkender Kleidungsstücke unterwegs und eigentlich wollte er auch herausfinden, was dort unten plötzlich mit ihm los war. Kopfschmerzen und seltsame Visionen überkamen jemanden nicht einfach so. So etwas hatte er bisher noch nie erlebt. Aber in letzter Zeit schien sich das zu häufen, zumindest in dieser Festung. „Diese schrecklichen Alpträume haben auch erst angefangen, nachdem wir hier angekommen sind“: überlegte er, aber verdrängte den Gedanken daran. Es erschien ihm lächerlich die Festung dafür verantwortlich machen zu wollen. „Vielleicht hat mich die Ahnengruft mehr mitgenommen als erwartet oder vielleicht auch das Alles“: dachte Tirian. Seit Wochen fürchtete er nun schon um das Leben seines Vaters und war mit Zweifeln und Sorgen geplagt. „Gewiss hinterlässt das seine Spuren“: versuchte er sich zu beruhigen. Er musste unwillkürlich an Hrotanda Vale denken. Auch diese Untoten verseuchte Ruine war schrecklich gewesen, aber tatsächlich hatte er danach kaum mit Alpträumen zu kämpfen. Scheinbar kratzten die Nöte der letzten Zeit doch an seiner Seelenruhe. Der Heiler glaubte erst wieder glücklich werden zu können, wenn sein Vater gerettet war und sie sich in Sicherheit gebracht hatten. Fern ab des Telvanni-Hexers am Besten. „Ja außer Reichweite seines langen Arms. Zu meiner Mutter nach Tränenstadt oder zu unseren Verwandten nach Hochfels“: dachte Tirian an die Zukunft. In diesem Moment erreichte er auch die Treppe, die ins Untergeschoss der Festung und somit zu den Waschräumen führte. Er wischte die Gedanken beiseite. Er brauchte die Konzentration um mit dem Wäschestapel vor Augen die Treppe herunter zu kommen, ohne hinunter zu fallen. Vorsichtig mit den Füßen tastend, nahm er eine Stufe nach der Anderen und kam tatsächlich unbeschadet in den Gewölben an.

Der Raum in dem die Wäsche gewaschen wurde, befand sich in einigen Türen Entfernung dazwischen, so erinnerte sich der Heiler gab es noch zwei Räume, die er am frühen Abend geschlossen vorgefunden hatte und dann die Kammer, in dem sich die Söldner gewaschen hatte. Im spärlichen Fackellicht suchte er seinen Weg. Den Blick hielt er zur linken Seite gerichtet, um die Türen zu zählen. Als er an der zweiten Tür vorbeikam, schoss ihm wieder Schmerz durch den Kopf. Er musste sich beherrschen, um einen Aufschrei zu unterdrücken. Diesmal blieben die Visionen zwar aus, aber dafür verstärkte sich der Schmerz, umso weiter er voranschritt. „Was bei Almsivi ist das nur?“: fragte er sich. Inzwischen wankte er mehr, als das er ging. Der Heiler wollte dem Schmerz entkommen. „Nur noch die Wäsche ablegen und ich verschwinde“: entschied er. Hielt sich tapfer an der Wand bis er endlich die ersehnte Kammer mit einem Blick am Wäschestapel in seinen Händen vorbei erkennen konnte. Die Tür stand offen und es fiel Licht in den Korridor. Der Schmerzpegel nahm langsam wieder ab. Die Schmerzwellen, die zuvor durch seinen Kopf spülten, verschwanden auf einmal ebenso schnell wie sie gekommen waren. Vielmehr blieb ein andauernder, aber im Vergleich erträglicher Schmerz zurück, dem sich Tirian aber dennoch nicht länger als nötig aussetzen wollte. „Nur noch schnell die Wäsche ablegen“: ging es ihm durch den gepeinigten Kopf. Jedoch wurde er aus seinen Überlegungen gerissen, als er plötzlich Stimmen vernahm, die offenbar aus der Waschküche drangen.

"… jemand entkommen ist. Ich habe gesehen, was ihr angerichtet habt. Und glaubt mir, es hat mir nicht gefallen“: hörte der Heiler. Er verlangsamte seine Schritte und trat näher an die Tür heran. Er hielt sich im Schatten und versuchte hineinzulugen. "Gerade Llevas hättet ihr besser nicht so zugerichtet“: hörte er weiter. Eine Männerstimme aus der deutlich der Hass sprach. Er schob seinen Kopf etwas in die Türöffnung. Vor ihm stand ein Mann, ein Dunmer offenbar, zumindest konnte er das an den aschgrauen Händen ablesen, der Rest seines Körpers war von einem grauen Umhang mit weiter Kapuze und einer dunklen Lederrüstung, die darunter hervorlugte, verhüllt. Erst jetzt bemerkte Tirian, mit wem der Mann sprach. Der Dunmer stand zwischen ihm und Lyviani. "Nicht doch. Oder wollt ihr sehen wie gut ich werfe und treffe?": sagte er plötzlich. Der Heiler kniff etwas die Augen zusammen und sah, dass die Dunmer wohl versuchte hatte, nach ihrem Dolch zu greifen. „Ein Attentäter“: schoss es ihm durch den Kopf. „Sie meinte doch, dass sie verfolgt wird“: rief er sich ins Gedächtnis. „Worauf hast du dich bloß eingelassen, Tirian?“: fragte er sich selbst. Fieberhaft überlegte er, was er tun sollte und leider waren diese Kopfschmerzen dabei nicht sonderlich hilfreich. Eine kleine, boshafte Stimme tauchte mit dem Schmerz in seinen Gedanken auf. „Lass sie das doch alleine regeln. Sie ist eine Fremdländerin und hat sich mit den falschen Leuten angelegt. Sie meinte doch noch, dass sie kein Mitleid und keine Hilfe braucht. Sie meinte doch, dass sie alleine klar kommt. Wenn sie es überlebt gut für sie, wenn nicht, kann es dir doch egal sein“: wisperte es in seinen Gedanken, als spräche sein böser Zwilling zu ihm. Zusammen mit dem latenten Kopfschmerz, der jedwedes Nachdenken ohnehin anstrengend machte, hatten die Überlegungen etwas angenehm Einfaches und Eindeutiges an sich, dass er sogar einen Moment gewillt war, einfach umzudrehen und zu gehen.

Energisch entschied er sich dagegen und packte den Wäschehaufen auf den Boden. Er wusste das in Lyviani mehr steckte als die kalte Meuchelmörderin, die selbst gerne zum Besten gab und die sie wohl auch sein wollte, um sich nicht einzugestehen, dass sie in ihrem Innern doch noch Gefühle und Schwächen hatte. Und selbst wenn er sich doch täuschte, konnte er sie nicht einfach hier ihrem Schicksal überlassen. Das konnte und wollte er einfach nicht. Er wandte sich wieder zur Tür und versuchte sich trotz des Schmerzes auf die Situation zu konzentrieren: "Er hat sie in Carmala versteckt. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Solltet ihr ihn aber sehen, richtet ihm bitte noch Grüße von mir aus, bevor ihr ihn abstecht": waren die ersten Worte, die er von der Dunmer vernahm. Der Attentäter schien einen Moment lang nachzudenken. Das war vielleicht der Moment, um ihn zu überraschen. „Ihr könnt ihn in Oblivion selbst grüßen, sobald wir ihn euch nachschicken. Wisst ihr, ich habe hier in meiner Tasche einen Exekutionserlass, der von seiner Hoheit Herzog Dren unterschrieben wurde. Er lautet auf euren Namen, Dreveni. Der Mord an so vielen guten Assassinen der Tong in der derzeitigen Lage, die Daedra und so weiter, kamen bei den offiziellen Stellen nicht so gut an. Selbst wenn ich wollte, könnte ich euch nicht gehen lassen“: sagte der Attentäter siegesgewiss. Tirian seufzte innerlich: „Die Morag Tong!“ Jetzt verstand er auch, warum die Dunmer so überempfindlich war. Wenn die Tong hinter ihr her waren, dann war sie in Morrowind und gerade auf Vvardenfell nirgendwo wirklich sicher. Sein Schädel dröhnte noch immer. „Verflucht worauf habe ich mich nur eingelassen, als ich sie in Vos anheuerte“: fragte er sich in einem Anflug von Verzweiflung selbst. Als er jedoch sah, dass der Dunmer seinen Dolch hob, um Ernst zu machen, gab es keine Zweifel mehr. Er musste handeln. Lyviani brauchte hier und jetzt seine Hilfe. Der Heiler musste handeln. Er griff sich aus dem Wäscheberg die stinkende, faulige Robe. Er stieß die Tür auf. „Sie hat noch einen Vertrag zu erfüllen, Bastard“: schrie er und warf dem überraschten Assassinen, das jämmerlich stinkende Kleidungsstück mitten ins Gesicht, das er ihm reflexartig zugewandt hatte. Tirian wollte sein Schwert ziehen, um die Sache schnell zu beenden, aber zu spät fiel ihm auf, dass er es gar nicht um hatte, sondern das es ja zwei Schritte entfernt auf dem Wäschehaufen lag.

Andromeda
05.06.2013, 12:21
[Dreveni]
Mit wachsendem Entsetzen hörte sie zu, was der Assassine ihr sagte. Er war also nicht nur aus der Dwemerruine entkommen, er hatte auch noch Zeit gefunden, einen offiziellen Mordauftrag gegen sie unterzeichnen zu lassen. Sie saß weit tiefer in der Scheiße, als sie es bis jetzt gedacht hatte. Aber immerhin schien er vorzuhaben, sie gleich umzubringen, und den Teil mit der Folter dieses Mal zu überspringen.

Den Heiler bemerkte sie nicht, da sie sich ganz auf den Dolch in der Hand ihres Gegners konzentrierte, weshalb auch sein Aufruf, als er die Tür komplett aufstieß, für sie ebenso überraschend kam wie für den Assassinen, der aus Reflex auch noch den Kopf herumriss. Dass er die Robe des Heilers ins Gesicht bekam, irritierte ihn nur kurfristig, aber das genügte. Dreveni war eh schon auf dem Sprung, da sie nur darauf gewartet hatte, dass der Andere endlich auf sie losgehen, und sie nicht mehr nur beobachten würde. Blitzschnell hatte sie den Dolch gezogen und überbrückte die Distanz zu dem Mörder mit wenigen Schritten. Dieser hatte sich allerdings schon wieder gefangen, griff ihr an das rechte Handgelenk und wollte ihr den Arm verdrehen, erwischte sie allerdings nicht ganz so wie geplant. Bevor er selbst mit seinem Dolch zustoßen konnte, hatte sie ihm ebenfalls in den Arm gegriffen, und wollte ihm die Waffe entwinden, da drehte er sie durch ihren eigenen Schwung halb herum, so dass sie mit dem Rücken zu ihm stand, und versuchte ihren Arm mit dem Dolch so zu drehen, dass er ihr die eigene Waffe in den Bauch rammen konnte. Sein Griff um ihr Handgelenk fühlte sich an wie ein Schraubstock, trotz seiner drahtigen Statur war er ziemlich kräftig. Weit kräftiger als Dreveni, und er hatte mindestens genausoviel Ahnung vom Kampf mit Dolchen und Messern, wenn nicht sogar noch mehr. Nachdem ihr gerade nicht viel anderes übrig blieb, trat sie schwungvoll mit dem Fuß nach hinten aus. Sie erwischte den Angreifer von unten am Knie, was ihn schmerzerfüllt aufkeuchen und ihn seinen Griff - wenigstens kurzfristig - lockern ließ. Das reichte ihr, um ihren Arm mit der Waffe wieder freizubekommen.

Von außen wirkte das Ganze wie ein verschlungenes Kneuel von Armen und Dolchen, und es wäre sehr schwer gewesen, dazwischen zu gehen und dabei nur einen von beiden zu treffen.

[Tirian]
Die stinkende Wäsche behinderte den Attentäter leider nicht so sehr wie gehofft. Schnell war er wieder aktiv, aber Lyviani stürmte rasch heran. Mit ihrem Dolch in der Hand ging sie auf ihren Gegner los. Dieser hatte sich allerdings soweit gefangen, dass er die Attacke rasch parieren und kontern konnte. Tirian konnte dem Verlauf des Kampfes nicht mehr folgen, denn viel zu sehr verhedderten sich die beiden Auftragsmörder in einander und versuchten sich gegenseitig abzustechen. Erst nach einigen Augenblicken konnte er sich von diesem interessanten Anblick lösen. "Ich muss ihr helfen": dachte er nur, wandte sich zum Wäschestapel um, um nach seinem Schwert zu greifen. In dieser Balgerei einen Zauber zu versuchen war hochgefährlich. Wenn er die Dunmer traf, dann konnte alles vorbei sein. So ließ er sich gar nicht erst darauf ein und wollte lieber an seine Waffe kommen, um ihr so zu helfen. Er hatte gerade das Heft gepackt und wollte es zu sich hochziehen, als er sich jemand auf die Scheide stellte und ihn so am Herausziehen hinderte.

Der Blick das Heilers glitt nach oben und fand das Antlitz der Anführerin der Söldner. Mit schief gelegtem Kopf und einem leichten Lächeln schaute sie auf ihn herab. "Ihr wollt eurer Freundin doch hoffentlich nicht den Spaß verderben. Oder mir...": sagte sie und zog nun ihre eigene Klinge hervor und richtete sie auf seine Kehle. Er schluckte und erhob sich ganz langsam aus seiner gebückten Position. Sie schob in die zwei Schritte zurück zur Tür, damit sie auch sehen konnte. Noch immer rollten die Beiden Kontrahenten auf dem Boden, Mordlust im Blick und nur auf den Moment zum Zustechen wartend. "Verflucht was soll das. Sie braucht meine Hilfe": schrie Tirian sie an. Er hatte Angst um seine Begleiterin, denn ihr Gegner schien wirklich fähig zu sein. "Sie schafft das schon allein und wenn nicht dann nicht. In jedem Fall haben wir hier ein schönes Schauspiel": sagte sie genießerisch und leckte sich über ihre Schneidezähne.

[Dreveni]
Als Dreveni endlich wieder ihren Arm mit dem Dolch frei bekommen hatte, merkte sie auch schon, wie ihr ein Bein weggezogen wurde. Allerdings stand der Assassine selbst so unsicher, dass er sie nicht so kontrolliert zu Boden bringen konnte, wie es wohl seine Absicht war, und so landeten sie beide zwischen den Waschzubern. Es grenzte an ein Wunder, dass sich im Fallen keiner von beiden einen der Dolche in den Körper rannte, und Dreveni schaffte es sogar, ihm mit ihrem Ellenbogen an die Nase zu schlagen dass sie blutete, wenn auch eher unabsichtlich. Sie selbst rollte unsanft über ihre rechte Seite und wurde so wieder an die Prellung erinnert.
Dass inzwischen die Altmer Tirian daran gehindert hatte, einzugreifen, bemerkte sie nur am Rande, einzig sein Ruf, dass er ihr helfen musste, drang an ihr Ohr. Du hältst dich da raus. Das geht nur uns beide etwas an., dachte sie sich, als ihr Kontrahent ihr unsanft an den Haaren zog. Sie revanchierte sich mit einem Biss in seine Hand, die sich gerade so schön in Reichweite vor ihrem Gesicht befand. Als sie Blut in ihrem Mund schmeckte, und seinen empörten Aufschrei hörte, registrierte sie befriedigt, wie fest sie gebissen hatte. Da ergab sich auch schon die Chance, auf die sie die ganze Zeit gewartet hatte, und zwar, endlich wieder aufzustehen. Hier am Boden hatte sie wenig Chancen, wenn es ihm gelang, sie richtig festzuhalten, er war ja schon einmal viel schwerer als sie selbst. Keine Sekunden später war der Dunmer ebenfalls wieder auf den Beinen und sie umkreisten sich lauernd zwei, drei mal.
Sie boten beide einen reichlich ramponierten und zerzausten Anblick, aus seiner Nase lief immer noch Blut und Dreveni hatte einen feinen Schnitt auf ihrer linken Wange abbekommen.
Als er noch auf eine Reaktion von ihr wartete, griff sie wieder an, täuschte einen Stich von rechts oben an, und als er wie geplant wieder mit seiner Hand in ihren Stich fiel, und mit seiner zweiten ebenfalls ausholte, hob sie ihr Knie und trat ihm kräftig zwischen die Beine. Dieses mal schrie er nicht, sondern stöhnte nur und krümmte sich. Sie schob ihn an die linke Seitenwand des Raumes, die nicht mehr weit entfernt war, schlug seine Hand mit der Waffe dagegen, so dass er seinen Dolch fallen ließ, den er ohnehin nicht mehr sonderlich fest gehalten hatte. Sie hielt ihn ihre eigene Waffe mit der Linken an die Kehle, zog ihr Stilett unter ihrem Ärmel hervor und stach es durch die Rüstung, unterhalb seines Brustbeines, bis die Spitze in seine Haut bohrte. Sie würde den Teufel tun und ihm nun die Kehle durchschneiden, wenn sie genau vor ihm stand.
"So, du Hurensohn.", zischte sie ihm zu und sah ihm in die Augen. Dort konnte sie zur ihrer Enttäuschung keine Angst sehen, nur blanken Hass, gemischt mit Schmerz.

[Tirian]
Fasziniert verfolgten sie den Kampf. Auch wenn es stellenweise so aussah, als würde doch der Tong-Attentäter die Oberhand behalten, brachte Lyviani ihn mit einem Tritt in seine Weichteile zum Schwanken und nagelte ihn schließlich an die Wand zu ihrer linken. Die Altmer stieß ihn nun in den Raum hinein und steckte dann ihr Schwert weg. Die Assassine stand nun vor ihrem hilflosen Gegner und kostete den Moment scheinbar voll aus. Der Dunmer hob seinen Kopf und erkannte scheinbar die Altmer. "Was steht ihr da so herum. Helft mir gefälligst": rief er. Die Altmer lächelte nur süffisant. "Ich habe einen Exekutionserlass. Es ist höherer Wille das diese Hure": er unterbrach für einen Schmerzenslaut, denn scheinbar drehte die Dunmer ihr Stilett etwas "Die Tong hat beschlossen sie zu töten. Ihr würdet etwas von der Belohnung bekommen. Wenn ihr ihr helft, dann wird euch der Zorn meiner Brüder treffen. Die Gesetze von Vvardenfell...": faselte er weiter. Die Altmer lachte. "Hier in dieser Festung herrscht allein mein Gesetz und überall dort um mich, wo mein Schwert hinreicht, herrscht auch mein Gesetz. Vvardenfell ist mir ebenso egal wie eure kleine Gilde von kleinen, mordenden Ratten": sagte sie. Lyviani ließ das Gespräch offenbar gewähren, aber ihre angespannte Körperhaltung verriet, dass sie sich nur mühsam beherrschen konnte. "Ihr habt euch in meine Festung geschlichen, euch hier Unterkunft erschlichen und dann entdeckt ihr in einem meiner Gäste zufällig ein Opfer! Ihr seid Nichts weiter als ein Insekt, dass unter einem Stiefel zertreten gehört. Ich habe euch eine kleine Chance gegeben mir einen amüsanten Kampf zu bieten und euer Ziel zu erledigen. Ihr habt versagt und werdet jetzt zerquetscht, wie das Ungeziefer, dass ihr und eure Zunft seid": meinte sie bloß lapidar. "Nur zu. Tötet dieses Wiesel. Ihr habt es euch verdient": fügte die Altmerin selbstherrlich an.

Tirian sah ihre Mordlust. Ohne Zweifel würde sie es tun. Sie wollte es tun und sie wünschte es sich sogar. Und doch. Auch dies wollte er nicht zu lassen. Nicht noch einen Hilflosen. Nicht das er besonderes Mitleid mit dem Assassinen empfand. Ganz anders als noch mit dem geschlagenen Söldner damals. Aber es war auch nicht richtig ihn jetzt einfach zu töten. Blut musste nicht unbedingt mit Blut vergolten werden. "Lyviani tu es bitte nicht. Lass uns einfach weitergehen": bat der Heiler obwohl er schon ahnte, dass sein Bitten vergebens sein würde. Sie hatte ihn ausgeschaltet. Er war im Moment keine Bedrohung mehr. Sie musste es nicht tun und sich noch mit einem Toten belasten und ihn gleich mit. Seine Begleiterin wandte kurz ihren Kopf um und sah ihn mit eiskaltem Blick an. "Ja, tötet diesen Bastard. Zu einem Sieg gehört auch der Tod und der Geschmack von Blut. Was ist schon ein Leben im Vergleich zu dem Gefühl es jemandem zu nehmen? Das dort ist kein Mer. Das dort ist jetzt nur noch Abfall. Tut es!": stachelte die Altmer die Assassinin an. Ihr Blick war immer noch auf Tirian gerichtet. Ein grausames Lächeln erschien in ihrem Gesicht "Halt dich da raus": sagte sie nur und umfasste den Griff des Stiletts fester. Er wollte nach vorne stürzen, wieder ihren Arm packen, doch wurde er heftig gepackt und schließlich in den Schwitzkasten genommen. Die Söldnerin hatte ihn fest in ihrem Griff. Der Heiler schloss die Augen, um es nicht mit ansehen zu müssen.

[Dreveni]
Erst als der Assassine die Altmer und Tirian ansprach, nahm Dreveni deren Gegenwart so richtig wahr. Sie machte sich bereit, zuzustechen, sollte die Söldnerin dem Bastard tatsächlich zur Hilfe eilen, doch die machte glücklicherweise keine Anstalten. Nur Tirian versuchte doch tatsächlich, sie zu überreden ihn laufen zu lassen.
Trau dich Tirian. Ich nagel deine Hand mit meinem Dolch an die Wand und steche ihn dann ab., dachte sie sich, während sie ihn anfunkelte. Dieses Mal würde sie sich nicht auf lange Diskussionen einlassen, nicht jetzt, nachdem es gerade eben schon um Leben und Tod gegangen war.
"Dein Zorn wird jedenfalls niemanden mehr treffen. Auch wenn ich dir zu gerne - wie bei Llevas - dein hässliches Gesicht verzieren würde. Und ich würde dich auch wirklich gerne dann so laufen lassen. Nicht ohne noch etwas Salz hinein zu schmieren und dich so in der Wüste auszusetzen, dass du erst wieder auf einen Heiler triffst, wenn du Narben hast, die dich bis auf dein Lebensende jeden beschissenen Tag daran erinnern, wie verflucht dämlich du heute warst.", zischte sie dem Mörder zu, und drehte gleich danach den Kopf weg, denn er wollte ihr glatt ins Gesicht spucken.
"Leider, leider wird es dazu nicht mehr kommen." Mit diesen Worten stieß sie ihm das Stilett in einem leichten Winkel nach oben in die Brust, und kippte es dann nach unten. Hätte sie nicht das Herz getroffen, würde er jetzt mit Sicherheit innerlich verbluten, wenn sich der Heiler nicht einmischte, und danach sah es nicht aus. Sie sah ihm ins Gesicht, sah seine Augen sich verdrehen. Es machte den Eindruck, als wolle er noch etwas sagen, aber er würgte nur einen kleinen Schwall Blut nach oben, dass ihm über die Lippen lief. Sie zog das Stilett wieder aus seiner Brust und ließ ihn zu Boden sinken.
Sie schien gut getroffen zu haben, denn kaum lag er, wurden seine Augen auch schon starr und sahen stumpf an ihr vorbei, in Richtung Tür. Sie steckte den Dolch weg, wischte das Stilett an seinem Mantel ab und begann dann die Leiche abzusuchen, bis sie den Erlass fand. Er war tatsächlich auf ihren Namen ausgestellt. Sie hatte gehofft, dass er in diesem Punkt gelogen hatte, um ihr Angst zu machen, aber es war tatsächlich wahr. "Verflucht.", sagte sie leise. Ihr Blick fiel auf seinen Dolch, der noch an der Wand lag, wo er ihn fallen gelassen hatte, und nahm ihn. Auch wenn sie aus der Dwemerruine nichts von den getöteten Assassinen an sich genommen hatte, war das hier doch ihre ganz persönliche Trophäe. Schließlich richtete sie sich auf und sah Tirian an.

[Tirian]
Er öffnete erst wieder die Augen, als die Altmer ihn aus ihrem Griff entließ. Der Dunmer lag bereits leblos zu Füßen seiner Begleiterin. Sie fledderte seine Leiche, nahm sowohl ein Stück Papier, vermutlich den Erlass, als auch den Dolch des Attentäters an sich. Fest sah sie ihm ins Gesicht. Er wich ihrem Blick aus und kniete neben dem Toten nieder. Er befühlte dessen Hals. Tatsächlich kein Puls mehr. Der Mann war tot, wie es bei einer ausgebildeten Assassine wie seiner Begleiterin zu erwarten war. Die Altmerin schnippte mit den Fingern und sofort kamen zwei bullige Söldner, ein Rothwardone und ein Nord, in den Waschraum. "Werft das da in die Kanalisation. Sollen sich die Ratten an ihresgleichen gütlich tun": meinte sie und zeigte mit einer wegwerfenden Geste auf den Körper des Toten. Diese Verächtlichkeit widerte den Heiler geradewegs an. Wie konnte man einen Mer nur wie ein Stück Fleisch behandeln. Er schloss die Augen, um sich zu beruhigen, doch brachte die Söldnerin ihn mit ihrer nunmehr ausgelassenen Stimmung noch etwas mehr auf die Palme. Seine Kopfschmerzen, die nun, da die Anspannung abklang, wieder deutlicher zu Tage traten, waren seiner Beruhigung nicht gerade zuträglich. "Kommt. Lasst uns etwas trinken. Wein für das Blut, das ihr vergossen habt. Ich glaube euren Freund brauchen wir damit nicht zu belästigen. Er scheint mir nicht so guter Laune zu sein": meinte sie und lachte wieder. Lyviani verwies noch auf die Kleidung die gewaschen werden musste. Diesem Einwand begegnete das verrückte Frauenzimmer mit einem weiteren Fingerschnippen. Ein weiterer Wachmann brachte zwei sehr müde aussehende Khajiiten herein. "Die Beiden haben im Moment keine sinnvolle Beschäftigung, sodass sie vor Langeweile schon eingeschlafen waren. Die werden das erledigen und euch die Kleidung auf die Kammer bringen, aber nun kommt. Ich gebe euch einen auf diese erfolgreiche Rattenjagd aus." Etwas umständlich und widerwillig ließ sich die Assassine aus dem Raum geleiten. "Du bist wie sie": rief Tirian ihr bitter nach, denn für ihn blieben sich Lyviani und die Altmer im Moment gleich. Er blieb schließlich allein mit den beiden Sklaven im Raum zurück.

Andromeda
08.06.2013, 23:30
Dreveni merkte, wie Tirian ihrem Blick auswich, als er neben der Leiche kniete, und versuchte, noch den Puls des Dunmers zu fühlen. Lass es gut sein. Ihm kannst du nicht mehr helfen., dachte sie sich, da schnippte die verrückte Altmer auch schon ihre Söldner herbei, um die Leiche zu entsorgen. Wo bei Mephala war sie hier nur gelandet? Ausdruckslos beobachtete sie das treiben, auch wie die beiden Sklaven herbeigerufen wurden, auf ihren Einwand hin, dass sie hier noch etwas zu erledigen hatte. Die Altmer schien wild entschlossen, ihr unbedingt einen auszugeben, und ihr viel kein Grund ein, das auszuschlagen. Es wäre ohnehin mehr als schlecht, sie zu verärgern.
Schließlich wurde sie von der Söldnerin fast aus dem Raum gezogen, da hörte sie, wie ihr der Heiler hinterher rief: "Du bist wie sie!" Sie schloss kurz die Augen, aber es traf sie nicht wirklich. Nein, sie war nicht wie die Söldnerin. Sie war eine Assassine, genau wie der Dunmer, den sie gerade getötet hatte. Und auch wenn Tirian es nicht sehen wollte, wusste er doch seit Vos genau, wer - oder besser was - sie war. Und daran konnte weder er noch sonst jemand etwas ändern, egal, wie oft er noch bat, dass sie jemanden verschonen sollte. Es war einfach ihre Welt, in der galten andere Gesetze als es Tirian gewohnt war.
Sie hätte ihn gehen lassen sollen.
Bei diesem Gedanken verzog sich ihr Mund zu einem bitteren Lächeln. Wenn es doch nur so einfach hätte sein können. Glaubte Tirian wirklich, der Assassine wäre auf Knien rutschend von Dankbarkeit aus der Festung verschwunden?
Über diese Gedanken merkte sie gar nicht, dass sie schon die Gaststube erreicht hatten, und sie von der Söldnerin in einen Stuhl gedrückt wurde. Sie bemühte sich, gute Miene zu dem ganzen zu machen, um die Altmer auf keinen Fall zu reizen.
"WEIN!", brüllte die Söldnerin einem ihrer Männer in Ermangelung eines Sklaven zu. "Den Guten. Nicht den Dreck, den die Händler und ihr bekommt",rief sie noch hinterher.

Dreveni zuckte bei dem Gebrüll der Söldnerin kurz und fast unmerklich zusammen, und wurde dadurch endgültig aus ihren Gedanken gerissen. Hier unten brannten immer noch die Öllampen und Fackeln, und von irgendwoher waren auf einmal auch wieder einige der Söldner gekommen. Wurde es schon wieder morgen? Sie hätte es beim besten Willen nicht sagen können.
Inzwischen waren die Männer mit dem Wein und ein paar Kelchen wieder aufgetaucht, einer davon wurde vor Dreveni auf den Tisch geknallt, die beschlossen hatte, außer einem freundlichen: "Danke", in Richtung er Altmer erst einmal gar nichts zu sagen, und sich statt dessen das mittlerweile geronnene Blut von der Wange zu wischen.
Die Altmer goss den Wein für beide ein. "Rot wie Blut, schwer Blut, nur nicht so eisern", meinte sie kichernd. "Der hier ist aus Hochfels. Ein gutes Anbaugebiet. Schwere, gute Böden. Das Land dort hat viel Blut gesehen. Man schmeckt diese Note im Wein", sagte sie und nahm einen großen Schluck. "Ah hervorragend. Lasst uns nun auf diesen herrlichen Kampf anstoßen": sprach sie feierlich und erhob ihren Kelch. Sie sah Dreveni auffordernd an.
Bei den letzten Worten der Altmer waren alle Zweifel ausgeräumt, die Dreveni vielleicht noch zu dem Geisteszustand der Söldnerin gehegt hatte. Die Frau war komplett irre, und schien auch noch einen seltsamen Fetisch zu haben, was Blut anging. Nicht dass Dreveni mit Blut an sich ein Problem gehabt hätte, nur konnte sie auf dessen Geschmack gut verzichten, was sie gerade wieder gemerkt hatte, als sie den Assassinen in die Hand gebissen hatte. Es blieb ihr aber nichts anderes übrig, als das Spiel der anderen mitzuspielen, und so hob sie den Kelch ebenfalls um mit ihr anzustoßen: "Auf den Kampf. Auf den Sieg über diese elende Ratte, möge sie in der Kanalisation verrotten." Dabei schaffte sie es tatsächlich noch, einen leicht fiesen Ton in ihre Stimme zu legen, obwohl sie eigentlich am liebsten nur noch hier raus wollte. Auf das Plateau auf der Festung, ihretwegen auch noch in die Kammer - solange dort nicht Tirian war - nur weg von dieser Verrückten.
Und weg von diesem Lärm, sie musste nachdenken, und das konnte sie hier und jetzt wirklich nicht.
Die Altmer lächelte und nahm noch einen kräftigen Schluck. "Ihr seid vom richtigen Schrot und Korn, Dreveni. Das lässt sich über euren Freund nicht gerade sagen", meinte sie. "Warum zieht ihr überhaupt mit solch einem Hasenfuß über Land?": wollte sie wissen.
Dreveni nippte ebenfalls an dem Wein, der tatsächlich so gut war, wie die Söldnerin versprochen hatte. "Wir haben einen Vertrag, und er zahlt gut.", antwortete sie, ohne konkret zu werden und sah die Altmer dabei wachsam an.
"Er ist also gar kein Freund von euch? Das ist ja hervorragend, ich wollte auch schon an euch zweifeln. Ein Kunde also? Egal was er euch geboten hat. Ich zahle besser und bei mir müsst ihr euch nicht mit seinem Gewissen herumschlagen. Das wäre ja auch langweilig", sagte die Altmer. "Ich hätte ihm vermutlich schon längst die Zunge rausgeschnitten", überlegte sie laut und schwenkte den Rest wein in ihrem Kelch. "Manche Nord fertigen sich aus den Zungen und Ohren ihrer Gegner Halsketten an...", schweifte sie gedankenverloren ab.
Halsketten... Das war ein gutes Stichwort, dachte sich Dreveni. Auch wenn sie sich selber auf die Ohren dieser arroganten Ziege beschränken würde. "Es gibt da noch weitere Vereinbarungen...", antwortete Dreveni vorsichtig, während sie mit der Hand den Stiel des Kelches entlang strich. "An was für Aufträge hättet ihr denn gedacht?", fragte sie schließlich noch, während sie überlegte, wie sie sich da am besten rausreden konnte. Da fiel ihr Blick auf einen Dunmer, der sich schräg hinter die Altmer an einen der Tische gesetzt hatte. Er sah ebenfalls zu Dreveni herüber, so konnte sie sein Gesicht voll sehen. Über der rechten Gesichtshälfte zog sich eine Narbe von der Stirn übers Auge bis zum Mundwinkel, aber abgesehen davon sah er nicht schlecht aus. Auch das was sie von seinen Oberarmen unter der kurzärmligen Tunika sehen konnte, wirkte vielversprechend. Sie ließ sich nur kurz ablenken, dann glitt ihr Blick wieder zu der Söldnerin.
Die Altmer folgte unmerklich Drevenis Blick. "Wenn ihr euch gut macht, sehr viele. Ihr könntet uns begleiten. Im Moment allerdings habe ich eine Diamantenmine an der Grenze zur Molag Amur ins Auge gefasst. Sagen wir, dass wir noch Gelder aus unserem Vertrag von dort erwarten, aber bisher nicht bekommen haben. Natürlich wollen die dortigen Verwalter Nichts davon wissen, dass wir ein Abkommen getroffen haben, behaupten es gäbe keinen Vertrag und solche Sachen. Aber natürlich haben wir die Daedra auch für die ferngehalten und deshalb verlange ich eine entsprechende Entlohnung dafür - natürlich in Naturalien. Stellt euch Schatullen voller Diamanten vor. Da ich natürlich nicht riskieren will, dass wir noch einmal ausrücken müssen, wenn die Raten ausbleiben, wäre es doch gut, wenn ein paar von meinen Jungs dort blieben und sie freundlich an ihre Abgaben erinnerten. Zuvor müssen aber noch ein paar Wachen aus dem Weg geräumt werden, die unberechtigterweise Anspruch auf meine Edelsteine erheben", erzählte sie von dem Auftrag und ballte beim letzten Satz wütend die Fäuste. Dann entspannte sie sich ebenso schnell wieder. "Was auch immer das noch für vertragliche Verpflichtungen sein mochten, ich bin mir sicher, dass der Glanz ein paar schön funkelnder Steinchen, doch sicher eine gute Entschädigung sein dürfte", sagte sie und genoss noch etwas Wein.
Dreveni hörte dem Angebot der Altmer geduldig zu, und wechselte dabei noch den einen oder anderen Blick mit dem Dunmer hinter dieser.
Es klang wirklich verlockend, was die andere erzählte, wäre Dreveni eine Söldnerin gewesen. War sie aber nicht, und tatsächlich hatte sie spätestens jetzt den festen Vorsatz gefasst, dass dies der absolut letzte Auftrag dieser Art war, den sie annehmen würde. Von nun an würde sie wieder ausschließlich allein arbeiten, und sich auf das beschränken, was sie konnte und mit Leidenschaft tat, und nichts anderes.
"Das Angebot klingt in der Tat verlockend.", antwortete sie schließlich, wobei sie der Altmer fest in die Augen sah. "Und ich hoffe ihr habt Verständnis, dass ich euch nicht jetzt sofort eine Zusage erteilen kann.", versuchte sie sich unauffällig aus der Affäre zu ziehen und gleichzeitig die Söldnerin in dem glauben zu lassen, dass sie das Ganze ernsthaft in Erwägung zog, "aber da gibt es tatsächlich noch die eine oder andere Sache mit meinem Begleiter wenigstens zu klären. Ich muss zumindest noch einmal kurz mit ihm sprechen. Später. Wenn sich seine schwachen Nerven wieder etwas beruhigt haben.", fügte sie noch mit einem zynischen Lächeln hinzu, und hielt der Altmer wieder den Kelch zum Anstoßen hin. Vielleicht ergab sich ja Tagsüber die Gelegenheit, unauffällig zu verschwinden. Da fiel ihr Blick wieder auf den Dunmer, der ihr inzwischen mehr als eindeutige Blicke zuwarf. Warum eigentlich nicht?

"Darüber nachdenken!", rief die Altmer aus und lachte. Dann legte sie ihre Hand auf Drevenis und strich sacht darüber. "Das ist gut, dass ihr darüber nachdenken wollt", sagte sie und lächelte verständnisvoll. Im nächsten Augenblick straffte sich ihr Arm und zog Dreveni überraschend zu sich über den Tisch. Mit verengten Augen schaute sie ihr Gegenüber an. "Vielleicht denkt ihr dabei auch gleich darüber nach, wie ihr besser lügen solltet! Ihr meintet wohl ihr würdet euch mit eurem Begleiter heimlich davonstehlen. Das wolltet ihr doch sagen, oder?! ODER?!", fuhr sie die Assassinin an. Sie ließ ihrem Arm los und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. "Soll euch Zeit zum Nachdenken geben, während ich eurem Begleiter hier die Haut bei lebendigem Leibe abziehen lasse und ihm das kleine naive Herz durchbohre!? Dann gibt es keinen Vertrag mehr zu erfüllen!", fragte sie, nur um sich dann wieder vorzubeugen und ruhig von ihrem Wein zu trinken. "Ich kann euch natürlich nicht zwingen. Ich weiß das nur zu gut. Mein Vater wollte mich auch zwingen Hofmagierin in Summerset zu werden. Stellt euch das vor. Hofmagierin für einen König, der selbst der Magie mehr als mächtig ist!": sagte sie dann wieder mit ruhigerer Stimme. "Ihr seid wie eine Zwillingsschwester. Wir sind uns ähnlich, daher verstehe ich das. Also denkt noch einmal über mein Angebot nach": wechselte sie nun zu einem gönnerhaften Tonfall und lächelte wieder, um dann nochmals die Kelche zu füllen.
Dreveni hatte, während sie von der Altmer im wahrsten Sinne des Wortes über den Tisch gezogen wurde, die andere Hand fester um den Griff des Dolches des Assassinen geschlossen, welchen sie unter dem Tisch auf ihrem Schoß liegen hatte. Ihr kam langsam der Gedanke, ob ihr der Rest der Söldnerbande nicht dankbar wäre, wenn sie dieses kranke Weib einfach abstach. Hier, mitten in der Gaststube. Sie mochte vielleicht in den letzten Wochen etwas aus der Übung sein, aber sie traute sich noch absolut zu, ihr Stilett in einem Auge der Altmer zu versenken, noch bevor jemand auch nur auf zwei Schritte heran war. Andererseits hatte sie nie selbstmörderische Tendenzen verspürt, wenn es um die Erledigung eines Auftrags ging, und so war ihr das Risiko zu groß, dass ihre Gedanken falsch sein könnte.
"Es freut mich dass ihr es versteht. Es geht mir auch weniger um meinen kleinen, feigen Begleiter. Ich möchte mir - uns - nur gerne alle Optionen offen halten. An diesem Auftrag hängt nämlich mehr als nur dieser kleine Dunmer. Und falls es sich jemals ergibt, möchte ich uns den Weg in Cyrodiil nicht unnötig erschweren. Was leider der Fall wäre, würde dieses Jüngelchen zu Schaden kommen. Deswegen muss ich mich mit ihm im Guten einigen."
Sie hoffte ernsthaft, dass diese Irre die Finger von Tirian lassen würde. Andererseits konnte der Heiler sich seiner Haut schon gut erwehren, wenn es sein musste.
Da merkte sie wieder den Blick des Dunmers auf sich, und sie fragte, auch um das Thema zu wechseln: "Gehört der da zu euch?", und nickte dabei leicht in seine Richtung.
Die Altmerin zog einen Schmollmund. "Überlegt es euch. Das Angebot steht weiterhin. Cyrodiil ist doch so ein langweiliger Flecken", bedauerte sie. Erst dann folgte sie dem Nicken. "Ihr beobachtet ihn schon eine Weile. Er ist auch ein schönes Stück Fleisch, nicht wahr?", sagte sie und leckte sich über die Schneidezähne. "Ja er gehört zu meinen Männern. Ganz unter uns. Er hat sich regelrecht darum gerissen, euch beobachten zu dürfen. Ich wollte den großen Jungen nicht dadurch enttäuschen, dass ich ihn auf euren Begleiter ansetze", meinte sie und sprach dem Wein weiter zu. "Ich kann ihn nachher auf eure Kammer schicken und dafür sorgen, dass sich euer Kunde eine Weile nicht dort blicken lässt", bot sie gönnerhaft an. "Er dürfte auch schon etwas ausgehungert sein. Von den Sklavinnen sind leider nur noch die Katzen und Echsen da und die sind wohl unter seiner Würde", plauderte sie ganz offen.
Während Dreveni wieder den Stiel ihres Kelches mit den Fingern entlang fuhr, und der Söldnerin einen Augenaufschlag schenkte, der ihre Zustimmung zu dem "schönen Stück Fleisch" ausdrücken sollte, entstand in ihrem Kopf ein Bild, wie schön sich die Schneidezähne der Altmer zwischen ihren Ohren an der Kette machen würden. Und erst die Eckzähne...
"Lasst den Kleinen nur in der Kammer schlafen, sonst wird er wieder quengelig wenn er übermüdet ist. Ich denke ich finde schon eine ruhige Ecke mit ihm...", wobei sie wieder leicht zu dem Dunmer hinüber nickte. Um Drevenis Lippen spielte nun ein feines Lächeln und der Blick dem sie der Söldnerin zuwarf, war mehr als eindeutig.
Jetzt wo sie schon hier war und gezwungen war, das irre Spiel mitzuspielen, konnte sie auch gleich in die Vollen gehen. Warum auch nicht?
Mit dem Dunmer da hinten würde sie schon fertig werden, sollte es sich anders entwickeln als geplant, und außerdem wurde es verflucht noch mal wieder einmal höchste Zeit, während der ganzen Reise mit Erynn und Arranges, überhaupt schon während der ganzen Sache mit Feryns Auftauchen in Cyrodiil hatte sie nicht einmal auch nur nach einer Gelegenheit Ausschau gehalten. Und sie konnte sich so hoffentlich bald von der Altmer loseisen.
Wenn alle Stricke rissen, mussten sie es eben doch irgendwie schaffen, zu entkommen. Unsichtbarkeitszauber halfen schon viel, und die Stalljungen bei dem Guar konnte sie immer noch niederschlagen oder meucheln, da sie das Tier nur ungern zurück lassen würde. Und zur Not würde sie Tirian gefesselt und geknebelt hinter sich her schleifen, wenn er wieder Einwände gegen ihre Vorgehensweise hatte.
"Ich denke ihm wäre auch dieser Tisch hier recht. Zumindest die Bar fand er damals mit einer der Sklavinnen schon sehr einladend. Seid doch so gut und spielt noch etwas die Unnahbare. Er liebt es zu glauben, dass er eine Frau bezwungen hat. Er spielt das dann auch aus. Er mag es dann kräftig und ruppig. Das gibt ihm dabei wohl ein Gefühl von Macht oder was auch immer... Er ist halt ein großer Junge, der seine Bestätigung braucht. Leider hält er nicht gar so lange durch, wie er den Anschein erweckt. Gebt ihm doch bitte das Gefühl, ansonsten ist er wieder grummelig", bat die Altmer und trank den Rest deines Weines direkt aus der Flasche. "Hm danach muss ich für euch wohl einen anderen Wächter suchen", sagte sie dann und lachte. Sie wandte sich zum Gehen. "Ich hoffe euer kleiner Begleiter wird nicht eifersüchtig": lachend entfernte sie sich und legte dem Söldner eine Hand auf die Schulter, bevor sie ging.

Dreveni sah der Söldnerin mit gemischten Gefühlen nach. Wie hieß sie überhaupt noch mal? Ilucaria, oder etwas in der Art, erinnerte sie sich.
Sie ließ noch einen letzten Blick zu dem Dunmer schweifen, bevor sie sich wieder dem Kelch vor ihr widmete. Mit jemanden, der sich seine Hände an diesem Miststück beschmutzt hatte, wollte sie an sich nichts zu tun haben. Dumpf brütend starrte sie so eine Weile vor sich hin. Was mochte Tirian jetzt wohl gerade treiben? Sie hoffte wirklich, dass diese Schlampe von Altmer ihn in Ruhe lassen würde. Vermutlich hatte sich die weitere Reise gemeinsam ohnehin erledigt. Sie hatte sehr wohl gemerkt, wie Tirian sie angesehen hatte, und langsam kam ihr der Verdacht, dass das ganze Unternehmen von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Und irgendwie tat ihr das mehr leid, als sie gedacht hatte. Wenn sie sich recht erinnerte, hatte sie nie einen Mer wie Tirian getroffen, höchstens in einem ihrer Opfer, aber wenn, dann hatte sie es nicht erfahren da sie sich nie so lange mit ihnen befasst hatte. Auch wenn er sie einen nicht unwesentlichen Teil ihrer gemeinsamen Zeit genervt hatte mit seiner Einstellung, lag ihr doch mehr an ihm, als gut war.

Währen sie den Kelch in ihren Händen auf dem Tisch gedreht und die Bewegung des Weines darin beobachtete, hatte sich der Dunmer an ihren Tisch gesetzt. Dreveni war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie es erst merkte, als sie mit leiser Stimme, in der der leichte Akzent Vvardenfells lag, angesprochen wurde: "Nehmt euch in Acht."
Dreveni blickte auf und sah direkt in die Augen des Mannes, den sie vorhin noch beobachtet hatte. Aus der Nähe betrachtet waren sie noch schöner, zwar hatten sie nicht den dunkelroten Ton, der Dreveni sonst so faszinierte, statt dessen waren sie von einem fast stechendem, hellen Rot, mit dem sie einen aber genauso eindrucksvoll ansehen konnten.
Ihr Blick ruhte einen Moment auf dem scharf geschnittenem Gesicht mit der langen Narbe auf der rechten Seite - er hatte Glück gehabt, dass er nicht sein Auge verloren hatte, schoss ihr durch den Kopf - bevor sie ihm mit abweisender Stimme antwortete: "Wollt ihr nicht lieber der Altmer zeigen, wer der Herr im Hause ist? Vielleicht gleich hier?", dabei deutete sie auf den Tisch neben dem, an dem sie selbst saß.
Gleich darauf bereute sie ihre Worte, weniger dem Dunmer gegenüber, vielmehr wusste sie nicht, ob er nicht gleich zu seiner Chefin laufen würde. Aber immerhin hatte diese ja mehr oder weniger genau das gleiche gerade selbst von sich gegeben.
Der Söldner antwortete erst nicht, sondern verzog nur den Mund zu einem bitteren Lächeln. Er sah sich kurz um und sagte schließlich: "Habt ihr mir nicht zugehört? Ich dachte ihr hättet gesehen, wie schnell sie etwas in den falschen Hals bekommen kann."
Kaum hatte er ausgesprochen, reichte es Dreveni endgültig. Was zum Henker lief zur Zeit eigentlich falsch? Sie nahm den Dolch in die Hand, der immer noch auf ihrem Schoß gelegen hatte, und stach ihn mit Schwung vor sich in die Tischplatte.
"Ich lasse mir nicht gerne drohen. Und obwohl das schon mehr als einer bereut hat, versucht es zur Zeit irgendwie jeder dem ich begegne aufs Neue.", sagte sie, ohne ihre Augen von dem Dolch zu nehmen.
"Sie wird euch nicht gehen lassen, und das ist keine Drohung sondern eine Tatsache.", antwortete der Dunmer nur, scheinbar gleichgültig und zuckte dabei mit den Schultern.
Nun blickte Dreveni doch auf und sah dem Anderen lange ins Gesicht. Sie konnte dort beim besten Willen nichts von dem erkennen, was die Altmer vorhin behauptet hatte. Statt dessen sah sie hellrote Augen, die überraschend intelligent blickten für diesen Ort und seinen Stand, einen immer noch leicht bitteren Zug um den Mund, aber auch etwas wie Stolz in seiner Miene, und keine Spur von Resignation, auch wenn man diese in seine Worte hinein interpretieren konnte. Die feinen Linien um seine Augen und den Mund verrieten, dass er älter war als sie aus der Entfernung zuerst gedacht hatte. Hatte sie tatsächlich gerade den einzigen halbwegs normalen Mer hier in Falensarano gefunden? Natürlich konnte das alles auch Täuschung sein, oder er riss sich nur jetzt noch am Riemen und er war an sich genauso irre wie Ilucaria, aber das glaubte Dreveni irgendwie nicht.
"Ich habe noch nie eine Erlaubnis gebraucht, wenn ich gehen wollte.", sagte sie schließlich.
"Das glaube ich gerne, und auch ich war einmal genau derselben Meinung.", antwortete er. "Sie ist genauso verrückt wie sie grausam und schön ist. Und außerdem eine Sadistin. Sie meint ich würde ihr noch etwas schulden, dabei habe ich es ihr schon mit Zinseszins zurück gezahlt. Ihre einzige Antwort war das da.", wobei er auf die Narbe in seinem Gesicht deutete.
"Eine schöne Geschichte.", antwortete Dreveni schließlich mit leichtem Sarkasmus in der stimme, nachdem sie den Rest des Weines getrunken hatte. "Und sobald ich euch mein Leid und meine Pläne geklagt habe, rennt ihr schnurstracks zu ihr, wo ihr ihr alles erzählt, wenn sie euch dafür nur in ihr Bett lässt."
"Nur weiter so, man kann hier nicht misstrauisch genug sein.", antwortete er, und strich dabei sanft mit seinen langen Fingern über ihre Hand, die auf dem Tisch neben dem Dolch, der immer noch im Holz steckte, ruhte.
Zuerst wollte sie ihn wütend anfunkeln, doch er schien seine Bemerkung völlig ernst zu meinen. Und auch seine Hand auf der ihren störte sie jetzt nicht mehr im geringsten, ganz im Gegenteil. Als er so leicht über ihren Handrücken strich, fühlte sie einen angenehmen Schauer ihren Rücken hinunterlaufen. Sie war sich zwar immer noch nicht sicher, was sie von ihm zu halten hatte, aber in einem war sie sich sicher: Was ihr in den letzten Wochen gefehlt hatte. Die Reise durch Morrowind hatte durchaus ihre schönen Seiten gehabt, aber das war einfach nicht ihr Leben. Sie lebte nicht für Straßenkämpfe und auch nicht dafür, um sich durch Gräber und Ruinen zu kämpfen. Ihr Leben war, sich in fremde Gefilde einzuschleichen, sich das Vertrauen anderer zu erschleichen und dabei ständig die Gefahr im Nacken zu haben, das Risiko sich zu verschätzen oder entdeckt zu werden. Dauernd auf der Hut zu sein, sich zu verstellen, hinter jedem das Böse zu vermuten und sich auf niemanden sonst als sich selbst zu verlassen. Es war dumm gewesen, überhaupt mit etwas anderem anzufangen. Und es hätte ihr klar sein müssen, dass es nie und nimmer gut gehen konnte. Vor allem der dauernde Hauch subtiler Gefahr hatte ihr gefehlt. Es war etwas anderes als ob hinter jeder Ecke Banditen lauern konnten, oder ob man sich nicht sicher war, ob einen das Gegenüber nicht schon lange enttarnt hatte. Oder ob man nicht ebenfalls beobachtet wurde, während man sich an das Opfer heran machte.
Der Dunmer erwiderte ihren Blick fest, und in seinen Augen lag das gleiche Funkeln, dass sich bei diesen Gedanken in die ihren geschlichen hatte. Hatte sie sich nicht die ganze Zeit vorgenommen, zu ihrem alten Selbst zurück zu finden? Welches zwar durchaus vorsichtig und überlegt war, aber andererseits auch jeden Augenblick genoss, denn es konnte buchstäblich ihr letzter sein?

Gerade als sie etwas erwidern wollte, stand er auf und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Sie zögerte keine Sekunde mehr, zog dem Dolch aus der Tischplatte und verließ hinter dem Dunmer die Gaststube. Nun sah sie auch, dass er einen guten Kopf größer war als sie selbst, und zwar eine muskulöse Figur hatte, aber nicht übermäßig breit gebaut war. Alles in allem ganz anders, als der eher schlacksig wirkende Tirian. Bei diesem Gedanken schüttelte sie leicht den Kopf, um ihn so zu vertreiben. Sie konnte nicht die ganze Zeit an den Heiler denken, jedenfalls nicht genau jetzt.
Sie konzentrierte sich wieder mehr auf den Mann, der vor ihr lief. Als einzig sichtbare Waffe hatte er ebenfalls einen Dolch am Gürtel, sonst trug er nur die einfache Tunika und eine ebenso einfache Hose, außerdem leichte Schuhe. Anscheinend hielt er es nicht für nötig, hier in der Festung voll gerüstet und bewaffnet herumzulaufen. Vielleicht kämpfte er auch ohnehin lieber mit Magie, dachte sie sich, als ihr wieder einfiel, wie weich seine Finger auf ihrer Hand gewesen waren. Unauffällig fuhr sie mit den Fingern über die eigenen Handflächen, auf denen schon der Ansatz zu Schwielen zu fühlen war, die sie wohl den ganzen Schwertkämpfen in den letzten Tagen verdankte. Das ging ihr dann doch etwas gegen den Strich, sie hatte ihre Hände immer gemocht, und vor allem dass man ihnen kaum ansah, mit was sie ihr Auskommen bestritt.

Ohne ein Wort zu sprechen ging der Dunmer vor ihr her, und sie folgte ihm ebenso schweigend. Schließlich betrat er eine kleine Kammer, in der neben einigen offenbar alten Schwertern, Bögen, sowie kaputten Pfeilen ein Tisch, ein Stuhl und ein Bett stand, dessen Matratze aus nicht mehr als einem mit Stroh gefülltem Sack bestand. Der Dunmer ließ ihr den Vortritt und schob hinter ihr den Riegel von innen vor die Tür. Als er sich umdrehte, stand Dreveni schon vor ihm, schlang ihm die Arme um den Hals, vergrub eine ihrer Hände in dem dichten, dunkelroten Haar an seinem Hinterkopf und küsste ihn stürmisch, was er nach einem kurzen Moment der Überraschung ebenso stürmisch erwiderte. Sie unterbrachen sich nur kurz, um sich gegenseitig der Kleidung und Waffen zu entledigen. Dabei gab er nicht nur den Blick auf ein paar Narben frei, die seinen Oberkörper zierten, sondern auch auf eine Tätowierung, die seine linke Schulter, einen Teil seiner Brust und fast die Hälfte seines Rückens bedeckte und aus einem kompliziertem, ineinander verschlungenem Muster bestand. Sie hatte etwas in der Art noch nie zuvor gesehen, nahm aber an, dass es sich um eine rituelle und/oder magische Tätowierung handelte. So oder so, jetzt war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt danach zu fragen, und so begnügte sie sich damit, mit den Fingern darüber zu streichen und die Muskeln unter seiner Haut zu spüren.
Inzwischen war sie sich auch restlos sicher, dass er zumindest nicht regelmäßig mit einem Schwert kämpfte, so weich wie sich seine sehnigen, schlanken und doch kräftigen Hände anfühlten, als sie den Kurven ihres Körpers folgten.
Das Bett gab einen protestierenden Laut von sich, als sie sich schließlich darauf fallen ließen, aber es hielt, und auch als sie später in seinen Armen lag, den Kopf auf seiner Brust, war es immer noch nicht durchgebrochen.
Es war ein rundum friedlicher Moment, als sie so da lagen, Dreveni fuhr sanft mit ihrem Finger die Muster in der weichen Haut auf seiner Brust nach, während er über ihren Oberarm streichelte, und sie immer noch schwiegen. Sie wusste nicht einmal, wie er hieß, und es war ihr auch egal im Moment. Sie befand sich in dieser seltsam gelösten, entspannten Stimmung, die ihr gleichzeitig eine Nähe und Vertrautheit zu dem anderen vortäuschte, die doch nicht existierte.
Sie konnte sein Herz schlagen hören, ruhig und gleichmäßig, und das machte sie schläfrig. Als sie an die Worte der Söldnerin dachte, musste sie nur leicht lächeln. Dämliche Ziege, wenn du wüsstest... Sie konnte es auch keinem verübeln, wenn er schnell wieder von diesem Weib weg wollte.

Inzwischen bewegte sich seine Hand auf ihrem Oberarm nicht mehr und seine regelmäßigen Atemzüge verrieten ihr, dass er eingeschlafen war. Es war zu verlockend, mit ihm hier liegen zu bleiben und ebenfalls zu schlafen, aber sie konnte hier nicht die nächsten Stunden selig vor sich hinschlafen während in der Festung sonstwas passieren konnte. Sie genoss noch ein paar Minuten die Ruhe, dann befreite sie sich vorsichtig aus seiner Umarmung und stand leise auf. Sie beugte sich hinunter und küsste ihn noch einmal leicht auf die Stirn, schlüpfte in ihr Kleid, legte ihre Waffen wieder an und sah noch einmal auf ihn herab. Konnte sie ihn jetzt hier so einfach schlafen lassen?
Sie kam zu dem Schluss, dass es übel ausgehen konnte, würde man - oder vielmehr, die Altmer - ihn hier alleine ohne Dreveni entdecken, und so beschloss sie, ihn wenigstens aufzuwecken. Sie wollte nicht, dass er ihretwegen Ärger bekam, vor allem nicht als ihr Blick auf die Narbe in seinem Gesicht fiel.
Sie setzte sich auf den Rand des Bettes und strich ihm über die Wange, bis er die Augen aufschlug und anstalten machte, sich aufzusetzen. "Danke.", sagte sie nur leise, und das war das erste Wort seit der Gaststube, das zwischen ihnen gesprochen wurde. Als sie merkte, dass er wach genug war, stand sie auf, nahm den Dolch des Assassinen, der noch auf dem Tisch gelegen hatte, schob den Riegel zurück und verließ schnell die Kammer.

KingPaddy
12.06.2013, 22:39
Tirian schaute noch eine Weile durch die offene Tür hinaus auf den leeren Gang. Lyviani hatte ihn zurückgelassen. „Besser Dreveni“: wie er sich an die Worte des Attentäters erinnerte. Sie hatte ihm nicht einmal ihren richtigen Namen genannt. In ihrem Geschäft war das vermutlich besser und gerade, wenn die Tong hinter ihr her war. Er schüttelte den Kopf. Dieser Attentäter besaß einen Exekutionserlass. Er lief im Raum auf und ab, fasste sich des Öfteren an die Stirn und massierte sich die Augen, um dann schließlich noch mehr umherzuwandeln. Die Sklaven wurden langsam nervös: „Lasst uns unsere Arbeit erledigen. Ihr stört. Wir wollen keinen Ärger.“ Erst jetzt fiel ihm auf, dass er sich noch immer in der Waschküche aufhielt. Der Heiler wollte den beiden armen Häftlingen nicht noch mehr Ärger machen, als sie hier ohnehin schon hatten. So sehr er es sich auch im Moment wünschte sie aus dieser Lage hier zu befreien, so sah er ein, dass dies wohl völlig utopisch war. Er verließ die Waschkammer und wandte sich im Gang nach links. Der Kopfschmerz pochte noch immer in seinen Schläfen, befand sich aber unter seiner Kontrolle. Diese Festung wollte er so schnell wie möglich hinter sich lassen. Sie hatten hier Nichts erreicht außer sich in die Hände einer Irren zu begeben, für die das Leben nur ein Begriff war, um einen Zustand zu beschreiben, über den sie in gottgleicher Weise entscheiden konnte. Sie hingen hier in ihrem Netz. Noch war sie auf ihrer Seite, aber wer konnte schon sagen, wie lange das so sein würde, wann sie ihr langweilig oder lästig wurden. Sie hatte zur reinen Belustigung einen Attentäter auf sie losgelassen. Und das sie auch nicht viel von Attentätern hielt, hatte sie mehr als deutlich gemacht. Was würde also passieren, wenn sie herausfand, dass es sich bei Lyviani, um eine Assassinin handelte. Es wurde Zeit, dass sie von hier verschwanden. Von der Altmer hatten sie Nichts zu erwarten, außer einem Messer im Rücken.

Von diesen Gedanken beschäftigt lenkte Tirian seine Schritte zurück zu der Kammer, die man ihm zugewiesen hatte. Etwas unschlüssig stand er davor, zögerte. Er konnte nicht einschätzen, wie lange er seinen Gedanken nachgehangen hatte und fragte sich, ob Lyviani inzwischen wieder zurückgekommen war. Schließlich fasste er Mut und drückte die Klinke herunter. Er stieß die Tür auf und stellte fest, dass der Raum leer war. Erleichtert atmete er aus und schloss sie hinter sich wieder. Es wurde Zeit, dass sie die Festung verließen. Darauf konzentrierte er sich jetzt und machte sich daran seine Sachen wieder zusammen zu schnüren. Sein Kräutervorrat war in Ordnung. Wenn seine Begleiterin noch Wert auf Nahrung oder Wasser legen würde, würden sie gewiss auch unterwegs etwas finden. Bei diesen Gedanken machte er sich auch daran, Lyvianis Gepäck zumindest erst einmal zusammen zu schieben, damit es nachher schnell gehen konnte. Er wollte im Laufe des Tages aufbrechen. Noch eine Nacht an diesem Ort schien ihm nicht gerade attraktiv. Eigentlich hätte er es vorgezogen in der relativen Sicherheit von Falensarano etwas auszuharren, gerade nach der Tortur in der Ahnengruft, doch jetzt erschienen ihm das Gras der Weidenländer umgeben von Oblivion-Toren doch sicherer als mit einer Verrückten Söldnerin unter demselben Dach zu schlafen. Zudem war dort draußen die Gefahr geringer auf weitere Agenten der Morag Tong zu treffen, die ihnen ans Leder wollten. Er hielt inne und blickte einen Augenblick zur Tür. Das eigentliche Problem war die Assassine. Vielleicht auch er selbst, wenn man es aus ihrer Sicht betrachtete. Es war wirklich besser, wenn er an seinem Entschluss festhielt. Sie waren mehr als unterschiedlich. Das hatte der Mord in der Waschküche nochmals bewiesen. „Es ist verrückt. Vermutlich würden wir ohnehin nur noch bis Uvirith Mora mit einander auskommen“: überlegte Tirian. Für ihn war die Schlussfolgerung klar. Es wäre gewiss für alle Beteiligten das Beste, wenn sie sich dann nie wieder sahen und er bis dahin den Kontakt mit ihr auf das Notwendige beschränkte.

Er konnte nicht zulassen, dass sie sich vorher verkrachten. Tarrior war noch immer in Gefahr und er brauchte die Fähigkeiten der Dunmer, um ihn zu retten. Zu zweit war es schon purer Wahnsinn sich in den Turm eines gefährlichen Hexenmeisters zu schleichen, aber er allein… das war praktischer Selbstmord. Und gerade eine Assassinin konnte ihm vielleicht außer einem Dieb am Meisten helfen. Sie wusste sich gewiss leise zu bewegen und würde wenn nötig auch Gegner, die im Weg waren, lautlos außer Gefecht setzen können. Lyviani war die beste und einzige Chance, die er hatte. Außerdem, und das konnte er einfach nicht leugnen, würde er es sehr bedauern, wenn sie sich im Schlechten trennten. Inzwischen hatte er das Gepäck soweit gepackt, dass er sich nun seinem Schwert widmete. Er ging zum Waschzuber. Inzwischen hatte jemand das gebrauchte Wasser entfernt, aber freundlicherweise einen Krug für eine Katzenwäsche bereitgestellt. Als er die Flüssigkeit über die Klinge goss und mit einem Leinentuch den Schmutz und das Blut herunterzuscheuern begann, verbreitete sich ein übler Leichengeruch im Raum. Noch immer klebten die Körpersäfte der Untoten, die er in der Kanalisation erschlagen hatte, an der Waffe. Er wollte diesen ekelerregenden Umstand noch ändern, bevor es unterwegs nicht noch einmal die Ruhe dafür gab. Außerdem war das Silberschwert inzwischen doch reichlich schartig geworden. So oft in kurzer Zeit war es lange nicht benutzt worden. Einen aufmerksamen Schmied und einen Schleifstein konnte das Metall gewiss vertragen. Und Tirian wollte seine Waffe in diesem Zustand sicherlich niemandem anvertrauen, auch wenn er glaubte, dass der bei dieser Söldnertruppe sicher auch Schlimmeres gewohnt war. So hörte der Heiler auch erst auf, als der gröbste Schmutz herunter war. Noch einmal glitt sein Blick prüfend über das Silber, bevor er die Klinge wieder in der Scheide verschwinden ließ.

In diesem Moment klopfte es an der Tür. Noch bevor er antworten konnte, wurde sie geöffnet und die beiden Sklaven traten in den Raum. Sie hatten die Wäsche geschultert und legten sie dann schließlich getrennt auf den Boden und verabschiedeten sich so schnell wieder, wie sie gekommen waren. Tirian schob den Wäschestapel der Dunmer ungesehen zu ihren übrigen Sachen. Seine eigene Kleidung schnürte er mit dem Anderen Gepäck zusammen. Lyvianis Ausrüstung rührte er lieber nicht an. Er wollte keinen Streit mit der Dunmer provozieren und er wollte auch gar nicht so genau wissen, was die Frau in ihrem Arsenal wohl noch so mit sich führte, mit dem man morden und verstümmeln konnte. Er schaute sich noch einmal im Raum um. Soweit er das sehen und sich erinnern konnte, sollte damit alles soweit für die Abreise fertig sein. Wenn Lyviani zwischenzeitlich nicht noch einmal auftauchen sollte, würde er das Gepäck später auf den Guar laden, damit sie ohne Verzögerungen weiterreisen konnten. Aber inzwischen plagte ihn der Hunger. Seit dem Abendessen war bereits eine ganze Nacht vergangen und wurde langsam Zeit für ein Frühstück. Da Lyviani noch immer nicht aufgetaucht war, wandte er sich allein zur Festungskantine. Er verließ die Kammer und ging nun zum Essen.

Die Söldnertaverne war auch schon reichlich besetzt. Die meisten von ihnen hatten wieder an dem Tisch Platz genommen, an dem sie schon am vergangenen Abend saßen. Das Kopfende war demonstrativ frei, obwohl sich einige der Gerüsteten bereits auf kleinere Tische im Umkreis verteilten. Auch andere Gäste und Besucher der Festung besetzten einige Bänke. Er schaute sich um. Auch hier war Lyviani nicht zu sehen und der freigehaltene Platz sprach dafür, dass er auch Ruhe vor dieser Verrückten haben würde. Aber er hatte ohnehin nicht vor, sich zu diesen Schlächtern zu setzen. Stattdessen guckte er sich einen Platz am Rand an einem Tisch aus, an dem ein Bretone in normaler Kleidung saß. „Ein Reisender“: hoffte er. Tirian schritt zum Thresen hinüber. Der Nord-Koch unterhielt sich gerade mit einem anderen Söldner, den er allerdings in dem Moment verabschiedete, als der Dunmer heran kam. „Was gibt es zum Frühstück“: fragte der Heiler. Der Koch schaute ihn abschätzig au seinen Schweinsaugen an, schnaufte und stellte eine Holzschale vor ihn hin. „Gebratener Salzreis mit gerührtem Kwama-Ei. Friss es oder lass‘ es bleiben“: meinte er und füllte ihm die Schale aus einem großen Topf, der neben ihm stand, auf. Eine braune, breiige Masse schaute ihn an. Ein Blick in das Gesicht des Nords sagte ihm, dass er sich lieber nicht beklagen sollte und so ließ er es dann auch und setzte sich zu dem Bretonen. Der schaute nur kurz von seinem eigenen Essen auf. Tirian nahm den Löffeln zur Hand, den er sich am Thresen genommen hatte und schob sich etwas zögerlich den Reis in den Mund. Nach dem ersten Kauen lösten sich seine Bedenken. Das Essen sah nicht gut aus und der Koch machte auch nicht gerade einen professionellen Eindruck, aber er musste eingestehen, dass es dennoch gut schmeckte und auch gut den Magen füllte. Kaum war die Schale leer, war er auch schon satt und brauchte nicht mehr. Er erhob sich, ließ die Schale stehen und ging zur Kammer zurück.

Er verweilte nicht lange dort. Er schulterte nur sein Gepäck und war dann auch schon wieder auf dem Weg nach draußen. Lyvianis Sachen wollte er nach wie vor nicht anrühren, aber zumindest sein eigenes Zeug konnte ja schon einmal für die Abreise auf den Guar geladen werden. So schlug er sich durch die Festung, die inzwischen wieder deutlich belebt war und trat hinaus auf das Plateau. Die Sonne stand bereits am Himmel, doch noch hing die Frische des Morgens in der Luft. Eine leichte Brise ging. Und dicke Rauchwolken, die nahe eines der Zelte aufstiegen und ein verräterisches Hämmern ließen Tirian erkennen, wo er denjenigen fand, der ihm das Schwert erneuern konnte und dorthin lenkte er nun auch seine Schritte. Der Schmied war auch ein Nord. Er trug die braunen Haare militärisch kurz und sein Bart war akkurat bis einen Flecken an seinem Kinn gestutzt. Er bearbeitete gerade ein Hufeisen und schlug es richtig in Form. Der Heiler zweifelte, ob er hier richtig war. Ein Hufschmied war schließlich etwas Anderes als ein Waffenschmied. Er wollte sich gerade abwenden, als er hinter sich ein lautes Zischen und ein mit tiefer Stimme gesprochenes, „Was wünscht ihr?“, hörte. Er wandte sich dem Mann wieder zu, der die hochgeschobenen Ärmel seiner Tunika wieder über die breiten Oberarmmuskeln schob und sich den Schweiß seiner Hände an der ledernden Schürze abwischte, die er anhatte. „Ich brauche einen Waffenschmied, der sich mal mein Schwert anschauen kann“: sagte der Heiler dann. Die Nord lächelte leicht und schloss die Augen. „Keine Sorge, Junge, ich schmiede zwar auch Hufeisen, aber ich bin der beste Waffenschmied, den du in dieser Gegend finden wirst. Aber das ist bei all diesen Magiern, die hier im Umkreis wohnen auch nicht schwer. Die Leute dort interessieren sich mehr für Pergament und schicke Roben“: er schaute etwas pikiert die Kleidung des Heilers an: „als für Schwerter und Äxte. Die Eisen und Nägel mache ich nur, weil es hier keinen Anderen dafür gibt. Also eure Waffe ist gut bei mir aufgehoben“: sagte er. Tirian zog das Schwert aus der Scheide und legte es dem Mann vor. Der Nord griff zu, hob es hoch, wendete und betrachtete es dabei ausgiebig. „Standardkram. Aber eine solide Arbeit. Euer Glück. Wie ich an der Abnutzung der Klinge sehe, schlagt ihr regelmäßig mit nur einer Seite zu. Ein Langschwert ist eine doppelt geschliffene Schlagwaffe. Die Klinge ist dazu gemacht zu beiden Seiten zu funktionieren. Wäre das hier keine gute Arbeit hätte sich die Klinge unter der einseitigen Abnutzung verbiegen oder schlimmstenfalls zerbrechen können. Sie sollten öfters die Schlagseite wechseln. Das täte der Klinge ganz gut. Allerdings werde ich ihr vorher wieder mehr Schärfe und neue Festigkeit verleihen. Gebt mir eine Stunde. Ich kümmer mich darum“: meinte er und legte das Schwert umgehend ins Feuer. Tirian stand noch etwas unschlüssig daneben. „Na los. Ich mach das schon. Ich brauche keine Gaffer“: blaffte der Mann und scheuchte ihn mit einer Handbewegung weg. Der Heiler wollte den Meister bei der Arbeit nicht stören und entfernte sich.

Stattdessen schlenderte er nun zu den improvisierten Stallungen. Den Guar fand er recht schnell und er war auch froh, als er sein Gepäck abnehmen und dem Tier zur Seite stellen konnte. Er streichelte die ledrige Schnauze. Aufladen wollte er es noch nicht. Das Tier jetzt schon zu belasten, war unsinnig und er brachte es auch nicht übers Herz, vor allem nicht bei dem dümmlich, treuherzigen Blick, den es ihm zuwarf. Er strich noch einmal mit der Hand über die Flanke und ging dann wieder nach draußen. Es war noch Zeit bis der Schmied die Waffe fertig haben würde, also wollte er noch etwas die Morgenluft genießen, stellte sich an die Brüstung und ließ den Blick in die Ferne schweifen.

KingPaddy
09.07.2013, 20:46
Tirian schaute lange in die Ferne. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet. Seine Gedanken hielten ihn gefangen. „Nur noch Tarrior befreien“: sagte er sich immer wieder. Erst ein Donnergrollen in der Ferne ließ ihn zusammenzucken und weckte ihn aus seiner Starre. Er wandte sich um und heftete seine Augen auf den Roten Berg. Noch immer stiegen fette, schwarze Schwaden aus dem Krater auf, wie schon die ganze Zeit, seit er wieder hier auf Vvardenfell war. Es hatte einige Tage gedauert, bevor er es überhaupt bemerkt hatte, dass der alte Vulkan wieder zu rauchen angefangen hatte, doch inzwischen erschien dem Dunmer dieses Verhalten mehr als merkwürdig, geradezu besorgniserregend. Er zuckte mit den Schultern. Dass der Berg wieder aktiv war, mochte etwas bedeuten, aber er war kein Geologe und konnte sich auch selbst nicht sonderlich gut mit dieser Insel und ihren Eigenheiten aus, so fand er es müßig darüber nachzudenken. Doch ihm bleib auch nicht die Zeit sich um darum großartig zu kümmern. Unbemerkt war jemand von hinten an ihn heran getreten und legte eine Hand auf seine Schulter. Er zuckte zusammen und drehte sich ruckartig um. Er hatte schon mit Lyviani gerechnet. Doch das Gesicht, das stattdessen vor ihm auftauchte, war noch wesentlich schlimmer. Es war die Altmer. Ihre Lippen zeigten das von ihr altbekannte herablassende Lächeln. Ihre Augen taxierten seine. Sie nahm die Hand wieder herunter. „Ich habe nie verstanden, was jemand an diesen roten Augen finden kann“: sagte und zuckte mit den Schultern. Es dauerte einen Moment, bis der Heiler seine Stimme zurückgewonnen hatte. „Was wollt ihr?“: fragte er. Sie schmunzelte und zog plötzlich ein Schwert hervor, das sie hinter ihrem Rücken versteckt hatte. Tirian taumelte gegen die Brüstung. Die Spitze des Schwertes zeigte auf seinen Hals.

Er schluckte und starrte die Frau fassungslos an. Ihr Blick war todernst, doch dann zogen sich ihre Augenbrauen und Mundwinkel nach oben. Die Söldnerin begann wild zu lachen. „Ihr solltet euer Gesicht sehen“: meinte sie dann, als sie sich etwas beruhigt hatte und nahm dann das Schwert herunter. Erst jetzt erkannte er die silberne Waffe als seine eigene. Sie reichte es ihm herüber. Er packte zu und war einen Moment versucht sie gegen sein Gegenüber zu richten. Die Klinge zitterte in seiner Hand. Nur mühsam beherrschte er seinen Arm. Er fixierte sie nun wieder. „Seid ihr völlig verrückt geworden?! Ihr seid ja völlig wahnsinnig!“: schrie er sie an. Sie nahm davon gar keine Notiz. Sie schlenderte zu ihm hinüber. Tirian war noch völlig außer sich. Sie strich mit der Hand über seine Wange und lehnte sich dann über die Brüstung. „So seid ihr jetzt etwas zufriedener?“: fragte sie. Der Heiler stand noch immer unter Strom. Er sah auf ihren Rücken. Ein Stoß und Nirn wäre um eine Last leichter. Er hielt sich zurück. „Und genau aus diesem Grund passt ihr einfach nicht zu Dreveni“: sagte sie auf einmal.

Tirian wandte sich zu ihr um. „Was wollt ihr damit sagen?“: wollte er wissen. Sie drehte gelangweilt ihren Kopf. „Ich? Nur das ich verstehen kann, dass sie euch nicht mehr ertragen kann. Ihr verhaltet euch wie ein Prinzesschen“: meinte sie beiläufig. „Was meint ihr mit ‚Dreveni kann mich nicht mehr ertragen‘?“: wurde er nun noch direkter. „Nun ja. Ich habe euer Schwert gebracht um euch zu sagen, dass sie euch nicht mehr begleiten will. Sagen wir, dass ihr die Aussicht, mit uns Beute zu machen, viel verlockender erscheint, als von euch ständig ins Gewissen geredet zu bekommen, von euren kläglichen Versuchen sie im Kampf zu behindern ganz zu schweigen“: sagte sie. „Um es kurz machen. Sie kündigt den Vertrag und bleibt hier“: fasste sie noch einmal zusammen. Tirian war wie vom Donner gerührt. „Ach jetzt schaut doch nicht so. Ihr habt doch sicher selbst gewusst, dass sie nicht eure Kragenweite ist. Hier habt ihr euer Schwert. Und euer Gepäck hat den Guar ja schon erreicht. Ihr solltet gleich die Festung verlassen“: legte sie ihm nahe und ihre Hand auf seine Schulter. Sie drückte fest zu und schaute ihn mit einem stechenden Blick an. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass er besser verschwinden sollte. „Aber wir hatten eine Abmachung“: wollte der Heiler widersprechen, doch auch das hebelte die Altmer aus: „Ihr tut euch einen Gefallen damit, wenn ihr diese ‚Abmachung‘ vergesst. Ansonsten müsste sie vielleicht durch den Tod eines der Vertragspartner aufgelöst werden und ich denke nicht, dass ihr das möchtet, oder?“ Tirian wandte sich mit hängenden Schultern ab.

Lyviani ließ ihn im Stich. Aber was hatte er sich auch vorgestellt? Nachdem, was er ihr an den Kopf geworfen hatte, zumal er wusste, worauf er sich einließ, als er sie angeheuert hatte, war es eigentlich nur verständlich, dass sie nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten konnte oder wollte. Er war verwirrt. Eigentlich müsste er sich jetzt nach einem neuen Helfer umsehen und das konnte in Uvirith Mora selbst recht schwierig werden. Doch nahm die Assassinin gerade seine Gedanken ein. Er konnte sich einfach nicht auf kommende Probleme konzentrieren. Seine Gedanken hingen noch an seiner Begleiterin und dem plötzlichen Abschied. „Nehmt es nicht so schwer. Ihr findet schon Ersatz. Dreveni lässt euch auch ausrichten, dass es ihr wegen der Sondervereinbarung leid tut, aber wenn es nun einmal nicht zusammen passt, sollte man sich lieber einen Auftraggeber suchen“: rief die Altmer ihm noch nach. Das war ihm nur ein schwacher Trost. Im Augenwinkel konnte er sehen, wie die Söldnerin wieder zurück in die Festung ging. Er hatte den Stall gerade erreicht, als ihm wirklich zu Bewusstsein kam, was die Verrückte eigentlich zu ihm gesagt hatte. „Was meinte sie eigentlich mit Sondervereinbarung?“: fragte sich Tirian und ging zum Guar hinüber. Er schaute das Tier an. „Lyviani würde mir ihr Reittier überlassen“: überlegte er einen Moment. Der Guar gehörte schließlich auch nicht ihm. Gerade als er das Gepäck auf dem Rücken des Tieres festgezurrt und er sich vom Schock des zurückliegenden Gespräches erholt hatte, kam ihm die ganze Angelegenheit äußerst merkwürdig vor. Von Sondervereinbarungen war zwischen ihm und Lyviani nie die Rede. Er überlegte, was sie sonst gemeint haben könnte, aber kaum auf keine Antwort.

Anschließend daran stellte sich für ihn dann die Frage, warum die Altmer so etwas sagen sollte. Wenn er an ihr manipulierendes Wesen dachte, traf ihn die Erkenntnis wie ein Hammerschlag. Eventuell wollte die Altmer ihn loswerden und Lyviani wusste gar nichts davon. Oder irgendetwas war mit der Assassinin passiert. Er wusste es nicht, aber er ahnte, dass hier irgendetwas nicht ganz richtig war. Er schaute noch einmal den Guar an. Sein Gepäck war verladen. Das von Lyviani konnten sie noch schnell mit hinaufwerfen, wenn es eng wurde. Und das würde es gewiss. Wenn die Altmer ihn schon loswerden wollte, hatte sie wohl wenig Interesse daran die Assassinin gehen zu lassen. Eine Flucht war im Zweifel wohl die einzige Möglichkeit. Tirian seufzte. Er verließ den Stall wieder und sah sich um. Er konnte keinen Söldner entdecken, der ihn direkt hinauswerfen wollte. Seine Augen verengten sich. Die Altmer machte es nicht allzu offensichtlich. Das gereichte ihm jetzt vielleicht zum Vorteil, denn um Lyviani zu suchen, musste er zurück in das Gebäude. Vom Stall wandte er sich nun ab und der Festung wieder zu. Sein Blick streifte kurz den Rand des Festungsplateaus. Er strich sich über das Kinn, ging in Gedanken kurz seine Zauber durch und entschied dies im Hinterkopf zu behalten. So unaufgeregt wie möglich ging er nun zum Gebäude zurück und trat durch den Eingang. Seine Hand glitt ganz unmerklich zu seinem Schwert, doch die Wache stehenden Söldner zeigten keine Reaktion auf sein Eintreten. Dennoch beruhigte ihn das Gefühl des kalten Silbers an seiner Hand. Seine Finger strichen über den blanken Schwertgriff. Die Wahnsinnige hatte ihn mit seiner eigenen Waffe bedroht. Mit wachsendem Ärger dachte er daran zurück. Umso mehr aber beruhigte ihn das Gefühl die Klinge nun selbst, das Wissen das er sie selbst in der Hand hatte – die Möglichkeit sich zu verteidigen und die Altmerin wenn nötig zu bestrafen.

Er schlug den Weg zu der Kammer ein, in der sie untergebracht waren und hoffte dort seine Begleiterin anzutreffen. Er begegnete unterwegs einigen Gerüsteten, lief der Elfe dabei zum Glück nicht über den Weg, aber er wurde auch nicht aufgehalten. So erreichte er das Quartier so schnell wie ihm lieb war und das ohne Störung. Als er die Tür öffnete, fand er jedoch weder Lyviani noch ihre Sachen vor. Das Gepäck war weg. „Hat sie mich doch verlassen?“: überlegte eine ganze Weile in der er im Türrahmen stand. Doch dann überlegte er, welchen Grund sie haben sollte, ihr Gepäck hier fortzuschaffen. Eigentlich gab es auch dafür keinen Anlass. Er schüttelte den Kopf. Er traute seiner Begleiterin inzwischen Einiges zu, aber auch wenn sie ein Leben nicht so wichtig nahm, sprach er ihr zumindest so viel Ehre zu, dass sie nicht einfach einen Auftrag aufgeben würde, wenn der Kunde etwas schwieriger wurde. Nein, die Altmer hatte ihn bestimmt belogen. Lyviani war hier irgendwo und er musste sie finden. Er schloss die Tür und lehnte sich kurz zum Nachdenken an die Wand. Er fragte sich, wo sie sein könnte. Eventuell war sie gefangen genommen worden und wurde gegen ihren Willen irgendwo festgehalten. Nach einigem Hin- und Herüberlegen fiel ihm nur ein Ort ein, an dem die Altmerin eine Gefangene in der Festung unterbringen und verstecken konnte. Tirian erinnerte sich nämlich an die beiden verschlossenen Kammern im Keller der Anlage. Dort waren auch die Zellen der Sklaven und eventuell war Lyviani ja dort. Der Heiler setzte einen entschlossenen Gesichtsausdruck auf und richtete seine Schritte schnell in Richtung der Treppe nach unten, wo er seine Begleiterin zu finden hoffte.

Andromeda
24.07.2013, 14:33
Als Dreveni die Kammer verlassen hatte, führten sie ihre Schritte wieder in die Richtung der Gaststube. Als sie nach einem vorsichtigen Blick durch die Tür feststellte, dass sich die irre Altmer nicht hier aufhielt, und es auch sonst eher leer war, setzte sie sich an einen der Tische, nachdem sie einen Krug Mazte beim Wirt organisiert hatte. Ihr ging durch den Kopf, dass sie eigentlich nach Tirian sehen sollte, und nahm sich vor, bald in der Kammer vorbeizusehen. Gleich darauf verwarf sie den Gedanken, wenn er sich dort aufhielt, wäre er vermutlich sicher vor den schmierigen Fingern Ilucarias, und wenn sie sich wirklich schon an ihm vergriffen hatte, würde sie dort auch keine Spuren mehr vorfinden. Die Söldnerin mochte zwar irre sein, aber dumm mit Sicherheit nicht. Das machte sie nur umso gefährlicher.
Sie saß noch eine Weile brütend in der Gaststube, rührte allerdings den Krug kaum an. Er diente ihr mehr dazu, die Hände an etwas anderem als dem Dolch des toten Assassinen festzuhalten. Es war ja irgendwie klar gewesen, dass sie das Ganze noch einmal einholen würde. Und das natürlich Tirian Zeuge des Ganzen wurde. Tirian... Sie horchte in sich hinein, aber sie hatte nicht das geringste schlechte Gewissen, dass sie gerade mit dem anderen Dunmer das Bett geteilt hatte. Wieso auch? Zwischen ihr und Tirian war nichts, davon abgesehen dass der Heiler sie mit seiner Art regelmäßig in den Wahnsinn trieb. Er war zu jung, er war zu weich, er war zu gutmütig. Ganz anders als der Dunmer, dem sie in die Kammer gefolgt war, auch wenn sie noch immer nicht wusste, wie er überhaupt hieß. Als ob das auch eine große Rolle gespielt hätte. Sie waren sich beide einig gewesen und sie war sich sicher, dass er es ebenso wenig bereute wie sie. Im Gegenteil, es hatte ihr gefehlt, in der ganzen Einfachheit und Unkompliziertheit, die es haben konnte. Kein Gesülze von Vertrauen und ähnlichen hohlen Worten.
Schließlich stand sie auf, um nach ihrem Begleiter zu sehen, und die Lage zu sondieren, wann sie sich unbemerkt davon stehlen konnte. Sie lief für eine knappe Stunde ziellos durch die Festung, bis ihr einfiel, dass sie auf dem Plateau nachsehen könnte.
Dort angekommen, war von Tirian immer noch weit und breit keine Spur, was sie langsam aber sicher doch leicht nervös machte. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit von dem grollenden Vulkan eingefangen, und sie ging zur Brüstung, stützte die Hände darauf und sah zu dem Berg hinüber.

Langsam, fast unmerklich näherte sich Illucaria der Brüstung. Sie lehnte sich neben Dreveni darüber. "Na war es angenehm für euch? Ich stelle ihn euch gerne weiter zur Verfügung, wenn ihr ihn noch häufiger benutzen wollt. Der Bogenschütze der Wachmannschaft oben auf den Zinnen ist auch nicht zu verachten. Er ist zwar klein wie alle Bosmer, aber seine Finger sind nicht nur geschickt darin einen Bogen zu spannen": bot sie an.
Dreveni zuckte fast unmerklich zusammen, als sie von der Altmer aus dem Anblick des Berges gerissen wurde, in den sie versunken gewesen war. Sie warf ihr einen Blick zu, in dem sich nichts davon zeigte, wie sehr sie die Andere inzwischen anwiderte. Inzwischen sah sie den Umgang mit dieser Schlampe nur noch auf einer rein professionellen Ebene, und zwar im Verhältnis Mörder zu Opfer. Hatte man es einmal eingekreist, durfte man sich durch nichts verraten, durch keine noch so kleine Geste, einen Blick oder gar ein unbedachtes Wort.
"Bosmer... Ich glaube ich stehe dann doch eher auf etwas größeres.", antwortete sie mit einem anzüglichen Grinsen. "Über den Dunmer mit der Narbe könnten wir allerdings verhandeln. Ich werde ihn auch nicht überstrapazieren."
"Oh keine Sorge. Er kann seine Kraft ganz euch widmen. Ich bin schließlich keine Hure. Ich habe immer nur einen Favoriten": sagte sie und schaute einen Moment versonnen in den Himmel. "Und ihr müsst ja jetzt auch keine lästigen Störungen mehr fürchten, wo sich euer schwächlicher Freund davon gestohlen hat. Aber hier bei uns wird es euch ohnehin viel besser gehen": meinte sie. "Der Rote Berg... Er hat etwas von den Totenländern": wisperte die Söldnerin dann Gedanken verloren.
Langsam hatte die Altmer Dreveni so weit, dass diese ihre Einstellung zur Folter zum reinen Selbstzweck noch einmal überdenken würde.
Davon gestohlen? Tirian? Du mieses Stück Dreck, sollte ich herausfinden dass du ihn aus dem Weg geräumt hast, dann wirst du dir wünschen dass deine Mutter dich abgetrieben hätte.
Dass Tirian wirklich verschwunden war, glaubte sie der Anderen keine Sekunde. So weit glaubte sie ihn dann doch noch einschätzen zu können. Oder? Hatte ihn nicht vielleicht doch mehr schockiert was er gesehen hatte, als sie jetzt dachte?
"Er ist weggelaufen? Das sieht ihm ähnlich. Vermutlich hatte er die Hosen dabei gestrichen voll, oder?" antwortete sie wie beiläufig, während sie ebenfalls den Berg betrachtete.
"Gestrichen voll?": sie zuckte mit den Schultern. "Ihr kennt ihn besser als ich. Ich dachte er hätte sich bei euch verabschiedet. Ich habe mich auch gewundert, dass er einfach so sang- und klanglos verschwinden wollte. Ich habe bei dem Schmied noch sein Schwert abgeholt und es ihm gegeben und da hat er gesagt, dass er aufbrechen wolle. Ohne euch. Er meinte diese Angelegenheit mit dem Attentäter hätte er nicht ertragen können. Er meinte, das er euch nicht mehr ertragen kann, weil ihr so skrupellos seid und all dieses moralisch, überheblich tuende Geseiere. Auch Priester-Scheiße stinkt!": bei den letzten Sätzen redete sie sich wieder in Rage. "Er hat seine Sachen auf den Guar geladen und ist dann davon. Ich wollte ihn nicht aufhalten. Mir erschien er für euch ohnehin nur eine Behinderung zu sein, die man schnell ablegen sollte": berichtete die Altmer. "In einem Punkt hatte er aber nicht ganz so unrecht. Wir sind uns ähnlich. Und mit mir an eurer Seite braucht euch die Tong auch nicht mehr zu schrecken": sagte sie weiter.
Dreveni versuchte - während sie der Söldnerin mit einem Ohr zuhörte - immer noch herauszufinden, ob Tirian wirklich ohne ein Wort verschwunden war. Auch wenn sie sich nicht restlos sicher war, sie glaubte es nicht. Und schon gar nicht dass er dabei noch den Guar mitgenommen hatte. Ja, sie kannte ihn besser als die Altmer, und das sah Tirian nun nicht unbedingt ähnlich.
"Dann haben sich ja meine Probleme in Luft aufgelöst, wenn er verschwunden ist.", antwortete sie schulterzuckend. "Nur dass er meinen Guar geklaut hat, werde ich ihm so schnell nicht vergessen. Das Vieh war teuer. Und was die Tong angeht, ich finde es eigentlich ganz entspannend, meine Klinge ab und an in einem von denen zu versenken". Dabei sah sie die Altmer wieder von der Seite her an und schaffte es tatsächlich, einen mordlustigen Ausdruck in ihre Augen zu legen, der zwar nicht an die Blutgier in den Augen der Altmer reichte, aber ein guter Anfang war. In Gedanken bereitete sich Dreveni schon darauf vor, die Festung auf den Kopf zu stellen, um Spuren von Tirian zu finden. Irgendwann musste das Weibsbild ja auch mal schlafen, und so ein paar Tricks und Zauber die Hilfreich waren, beherrschte Dreveni auch noch.
"Schön das ihr so denkt. Wo jetzt dieses Problem aus dem Weg ist: Habt ihr über mein Angebot nachgedacht? Noch immer schuldet uns diese Diamanten-Mine unseren Sold und ich fände es schön, wenn wir uns in Naturalien den geschuldeten Betrag holen. Ihr bekommt auch was davon ab. Wäre doch eine gute Feuertaufe für euch": meinte Illucaria. "Wenn ihr bald aufbrechen, könntet ihr vielleicht sogar euren abgelegten Begleiter noch einholen. Ich habe ja das Gefühl ihr hängt noch etwa an ihm. Ein Gespräch oder eine Klinge könnten das zu gegebener Zeit klären": schlug sie vor und lachte dann wieder.
"Er wird alleine dort draußen ohnehin nicht weit kommen, kein Grund mein Schwert zu besudeln.", meinte Dreveni nur lakonisch und deutete mit einer ausladenden Geste zu der Landschaft die sich vor ihr erstreckte. "Wie viele Leute wolltet ihr denn zu der Mine schicken?" Sie brauchte jetzt vor allem eins, und das war Zeit. Zeit sich zu vergewissern, ob Tirian wirklich aufgebrochen war, oder ihn die Söldnerin irgendwie aus dem Weg geräumt hatte.
"Da sich meine Redoraner, die sich sonst um die Außeneinsätze bemüht haben, nicht mehr gemeldet haben - vermutlich wurden diese Narren von irgendwelchen Daedra erwischt - werde ich eine Gruppe von sieben Leuten schicken euch inbegriffen, wenn ihr mitkommen möchtet. Die paar Wächter töten und die Minenarbeiter überwachen, damit sie ja auch fleißig weiter Schutzgeld fördern, dürfte wohl kaum so schwierig werden": antworte die Altmer. "Am liebsten würde ich euch noch heute Nachmittag losschicken. Ich möchte nämlich zur selben Zeit noch eines der Tore ausheben. Ein paar Dremora-Sklaven wären für die nächste Zeit ganz gut": fügte sie versonnen an. Dann verhärteten sich ihre Züge ganz plötzlich. "Diese faulen Katzen fressen und schlafen und trotzdem meckern sie die ganze Zeit! Für die harte Arbeit völlig ungeeignet. Wenn wir die nicht bald verkauft bekommen, werde ich mir ein paar schöne Mäntel aus ihnen machen lassen. Dann könnte Himmelsrand das nächste Ziel werden!": ereiferte sie sich und schlug mit der Faust auf die Brüstung. Dann räusperte sie sich. "Kommt nachher doch noch einmal in meine Kammer. Dann können wir noch ein paar Einzelheiten des Auftrages besprechen und über euren Sold verhandeln": bat sie noch und entfernte sich ohne weitere Worte.


Redoraner? Waren das nicht die Typen, die die Aschländer angegriffen haben? Dreveni war sich fast sicher, dass Tirian sie als Redoraner bezeichnet hatte. Würde sie den Heiler jemals wieder sehen, würde sie ihm mit Sicherheit vorhalten, was passiert wäre, hätte er den Gefangenen gehen gelassen. Dann wären sie vermutlich wirklich als Zombiefutter in der Kanalisation gelandet.
Dreveni sah der Söldnerin nach, als sich diese entfernte. Deren ganze Haltung brachte ihre unsägliche Arroganz zum Ausdruck, genauso wie ihr Blick Bände sprach über ihren Wahn. Es juckte sie wirklich in den Fingern, vor allem jetzt wo die andere ihr Angeboten hatte, später in ihre Kammer zu kommen. Wie viel Zeit würde ihr wohl für eine Flucht bleiben, bis jemand die Leiche fand? Gleich darauf schüttelte sie still den Kopf. So sehr sie es auch wollte, solange sie sich nicht sicher war über Tirians Verbleib konnte sie diesem arroganten Miststück kein Härchen krümmen.
Sie sah noch eine Weile in die Ebene hinab und bedauerte es ernsthaft, dass sie kein Gift hatte, mit dem sie der Altmer einen netten Abschiedsgruß hinterlassen konnte.
Dann stieß sie sich von der Brüstung ab und schlug den Weg in ihre Kammer ein, vielleicht konnte sie ja doch einen Hinweis auf Tirian finden.
Dort angekommen fiel ihr als erstes auf, dass die Wache verschwunden war, was sie mit einem irritiertem Stirnrunzeln zur Kenntnis nahm. Als sie die Tür öffnete, wäre sie bei dem Anblick der sich ihr bot, fast vom Glauben abgefallen. Die Kammer war... leer. Nicht nur Tirians Gepäck fehlte, auch ihr eigenes, inklusive ihres Schwertes, dem Bogen und der Pfeile. "Hure.", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als sie die Tür schwungvoll ins Schloss warf. Jetzt hast du gerade definitiv dein Todesurteil unterschrieben, du kleines dreckiges Miststück, Altmer-Abschaum, pissgelbe Schlampe..., fluchte sie in Gedanken vor sich hin, als sie die Kammer näher in Augenschein nahm. Sie war tatsächlich komplett leer bis auf die Einrichtungsgegenstände und wirkte sogar noch gereinigt.
Schließlich blieb sie mitten im Zimmer stehen und versuchte, sich wieder zu beruhigen, da sie vor Wut gerade schon mit den Zähnen knirschte. Sie atmete ein paar Mal tief durch, bis sie sich wenigstens wieder halbwegs im Griff hatte. Sie konnte sich jetzt einfach keine Affekthandlung leisten, und ihr einziger Affekt im Moment wäre, der Altmer bei Sicht ihren Dolch ins Auge zu rammen.
Schließlich verließ sie die Kammer und fragte sich bei den Söldnern die ihren Weg kreuzten zu der Kammer der Altmer durch. Als sie vor der Tür stand nickte sie den Wachen kurz zu, welche keine Anstalten machten, sie aufzuhalten, rief sie sich noch einmal innerlich zur Ordnung, setzte ein möglichst neutrales Gesicht auf und Klopfte fest und entschlossen an die Tür.

KingPaddy
11.08.2013, 15:31
Tirians Weg führte ihn von der Kammer weg direkt wieder in die tieferen Bereiche der Festung. Es schien den Wachen egal zu sein, dass er sich hier aufhielt. Womöglich waren sie von Illucaria noch gar nicht instruiert worden. Egal aus welchem Grund, er war froh darum, dass sie ihn nicht behelligten und er in aller Ruhe nach seiner verschwundenen Begleiterin suchen konnte. Er glaubte wirklich nicht, dass sie ihn für die verrückte Söldnerin sitzen lassen würde. Er glaubte es einfach nicht. Er wusste, dass sie ihren Auftrag nicht so einfach hinwerfen würde. Nicht nur, dass sich ihre ‚Gastgeberin’ sich zuvor verplaudert hatte, Lyviani - Dreveni, verbesserte sich Tirian in Gedanken – hatte zuvor auch mehr als deutlich gemacht dass sie nicht viel von der Söldnerhauptfrau hielt. „Doch wo ist sie jetzt?“: fragte sich der Heiler, als er sich weiter durch die Festung bewegte. In ihrer Kammer war sie nicht mehr anzutreffen, ebenso wenig wie ihre Kleidungsstücke. Bei Tirian machte sich der schreckliche Verdacht breit, dass die Altmer sie womöglich gefangen gesetzt hat und zwingen will, sich ihr anzuschließen. Dies war auch der Grund, warum seine Schritte sich doch allmählich dem Kellergewölbe der Festungsanlage näherten. Dort waren die Zellen der Sklaven. Wenn er an Illucarias Stelle jemanden einzusperren hätte, würde er es auch dort tun. Außerdem befanden sich dort auch nicht nur die Zellen, in denen die Söldnerin ihre Unfreien einkerkerte, sondern auch zwei verschlossene Räume, die dem Dunmer wie gemacht erschienen um dort jemanden gefangen zu setzen. Er hoffe die Assassinin genau an diesem Ort anzutreffen. Aber noch etwas Anderes zog ihn geradezu magisch nach dort unten. Die zwei Gelegenheiten zu denen er an den verschlossenen Räumen vorbei gekommen war, als der Attentäter der Morag Tong seinen Anschlag auf Dreveni verüben wollte, hatten ihm unsägliche Kopfschmerzen bereitet, aber eben nur wenn er sich dort in der Nähe dieser Räume aufhielt, sodass sie auch stärker wurden, wenn er sich ihnen näherte. Ein Gefühl, wie es ihn auch jetzt wieder überkam – ein dumpfes Pochen, das mit jedem Schritt in Richtung Kellertreppe immer mehr im Innern seines Schädels zu klopfen und zu drücken begann. *poch* *Poch* *POCH* *POCH!* Immer kräftiger, bis der Druck nicht mehr nur dumpf war, sonderlich deutlich dröhnender.

Tirian schüttelte den Kopf und versuchte das Gefühl zu ignorieren, seine Gedanken wieder auf die eigentliche Sache zu fokussieren. Den Kopfschmerz verbannte er für den Moment in einen hinteren Winkel seiner Wahrnehmung. Wieder dachte er an die Kammern im Keller und die seltsame Ausstrahlung die sie hatten und sie scheinbar auch nur auf ihn zu haben schienen. Das Illucaria selbst bei brennendem Kopfschmerz nicht einmal mit der Wimper zucken würde, konnte er noch glauben und sich vorstellen, aber er war sich sicher, dass Dreveni oder zumindest die Khajiit-Sklaven ein Anzeichen gezeigt hätten, wenn ihnen ebenso wie ihm Etwas Pein bereitet hätte. Irgendetwas musste die Altmer dort unten verstecken, an dem er interessiert war. Irgendetwas schien er, Tirian wusste selbst nicht wieso, zu spüren. War es vielleicht etwas Magisches? Auch dies wollte der Dunmer heraus finden und natürlich Dreveni zu befreien, wenn Illucaria sie wirklich am unteren Ende der Treppe festhielt, auf die er nun zusteuerte. Söldner sah er nun nicht mehr. Im funzeligen Fackellicht, das ohnehin bestimmend für das Innere des mächtigen Trutzbaus war, bewegte er sich schnell nach unten. Er mochte sich nicht ausmalen, was passierte, wenn die Altmer feststellte, dass der Guar noch im Stall stand und daran bemerkte, dass er die Festung noch nicht verlassen hatte. Sie wollte Dreveni unbedingt und da konnte er ihr nur im Weg stehen.

Beim Abstieg merkte er schnell, wie die Schmerzen in seinem Kopf zunahmen, je näher er seinem Ziel kam. Das Pochen ging nun deutlich im Gefühl von Nadelstichen unter. Seinem Willen die Türen aufzustoßen, Dreveni zu finden und auch dem Geheimnis hinter diesem Kopfschmerz auf die Spur zu kommen, tat das keinen Abbruch. Zwar nagte die Pein an seiner Konzentration, aber beirren ließ er sich nicht. Schließlich langte er auch schon unten an und hatte die geheimnisvollen, wie üblich verschlossenen Durchgänge im Blick. Erst als Tirian sie direkt ansteuerte, ging ihm auf, dass er eigentlich keinerlei Ahnung hatte, wie er sie aufbekommen sollte. Schlösserknacken zählte leider nicht zu seinen Talenten und ein entsprechender, praktischer Zauber entzog sich leider auch seinem Wissen. Tarrior hatte ihn seinerzeit darauf hingewiesen, dass derlei Magie auch in allerlei legalen Situationen von Nutzen sein konnte, sei es um in einer Ruine voranzukommen oder einen uralten Schatz zu heben, nicht zuletzt aber um sich Zugang zum eigenen Haus zu verschaffen, wenn man sich dummerweise ausgeschlossen oder den Schlüssel verloren hatte. Der Heiler allerdings hatte auf seinen Freund nicht hören wollen. Natürlich hatte er geglaubt auch nie in eine solche Situation zu kommen. Jetzt ging es allerdings nicht um einen verlorenen Schlüssel oder irgendeinen Schatz, den er zu seiner persönlichen Befriedigung heben wollte. Nein. Hier ging es womöglich um das Leben von Dreveni und das mochte unter anderem davon abhängen, dass er nun diese Türen aufbekam.

Guter Rat war nun teuer, als der Dunmer seine Hand auf die Klinke legte und sie eher in einem Anflug von Hilflosigkeit als einem bewussten Versuch hinunter drückte. Umso überraschter war er, als sie plötzlich nach innen aufschwang und er ihr stolpernd in einen dunklen Raum folgte. Nur das Fackellicht aus dem Kellergang erhellte in einem breiter werdenden Kegel das Innere der Kammer und enthüllte Berge von Kisten, Tüchern und Körben. Ein betäubender Geruch fasste Tirian ein. Es roch… nach allem möglichen. Der intensive Geruch verschiedener Kräuter, der von frisch würzig bis bestenfalls übel riechend reichte, überdeckt vom schweren Duft exotischer und einheimischer Gewürze, angereichert durch das Aroma mitunter nasser Felle und Tücher, dem Odeur eingelegter Nahrungsmittel deckte sich mit dem Odeur feiner Düfte, die Tirian einem Haufen Kreckenseife und mit farbigen Flüssigkeiten gefüllten Fläschchen zuschrieb. Er war direkt in ein Beutelager dieser Söldner gestolpert. In Anbetracht der Art der hier gelagert waren, waren es aber aus Sicht der Heilers viel eher Banditen. Es war mehr als offensichtlich, dass Illucarias Bande hier allerlei Handelsgüter hortete und die waren gewiss nicht ihr Eigentum. Offenbar war die Altmer sich nicht zu schade auch vorbeiziehende Händler um ihr Hab und Gut zu erleichtern. Er schüttelte den Kopf. „Diese Frau hat kein Gewissen“: stellte er beim Anblick des aufgeschichteten Diebesgutes fest und wandte sich, die Tür hinter sich schließend, ab. Hier war Dreveni nicht und der Dunmer hatte auch Nichts entdecken können, dass irgendwie für seine Kopfschmerzen verantwortlich sein konnte. So wandte er sich der zweiten Tür zu.

Es passte. Das Stechen wurde nun noch intensiver, als er direkt vor dem massiven Holz dieses Durchganges stand. Diesmal probierte Tirian die Klinke gleich, bevor er sich wieder in Hilflosigkeit verlor, doch diesmal wäre dies angebracht gewesen. Die Klinke ließ sich zwar drücken, aber dem Heiler blieb Nichts als das hilflose Rütteln an der verschlossenen Tür, denn aufdrücken ließ sie sich nicht. Die gleiche Situation wie eben zuvor. Was sollte er nun tun? Noch als er überlegte, wie er sein Ziel am besten erreichen konnte, hörte er schwere Schritte und angestrengtes Keuchen die Treppe hinunter dringen. Der Heiler löste sich rasch von der Tür und eilte den Gang hinunter, um sich in den Eingang zu den Baderäumen zu drücken, in denen sich im Moment glücklicherweise niemand aufhielt. „Packt das Zeug in die vordere Kammer“: hörte er aus seinem Versteck eine raue Männerstimme. Mit einem Poltern wurde deutlich hörbar die Tür aufgestoßen. Ächzen war zu vernehmen. Das ging eine Weile so. Tirian vermutete, dass die Söldner gerade dabei waren irgendwelche Waren zu verstauen. „Was ist in der Truhe?“: hörte er die Stimme wieder. Eine zischende Frauenstimme antwortete: „Schmuck, Perlen und so ein Kram.“ Eine kurze Pause. „Das sind keine Handelswaren. Die kommen in das ‚Schatzdepot’ rein“: meinte der Befehlsgeber daraufhin. Schatzdepot betonte er so, dass es dem Wort einen lächerlichen Klang gab. „Ich schließe auf“: fügte er noch an und das Klimpern eines Schlüsselbundes ließ den Heiler aufhorchen. Er lehnte sich nach vorne und konnte sehen, wie ein Nord in einer abgewetzten Lederrüstung tatsächlich die Kammer aufschloss, in die er hinein wollte. Ein Bretone in seinen Vierzigern und eine adlergesichtige Dunmer mit einem Irokesen drängten sich mit einer schwer aussehenden, beschlagenden Truhe vorbei.

Der Nord drehte seinen Kopf. Umgehend zog Tirian seinen zurück. Mit klopfendem Herzen hoffte er, dass der Söldner ihn nicht bemerkt hatte. Anscheinend war das auch der Fall. Zumindest näherten sich ihm keine Schritte. „Gut das war es“: zischelte die Frau wieder. Das Klimpern der Schlüssel war wieder zu hören. „Verdammt“: schoss es Tirian durch den Kopf: „nicht abschließen.“ In diesem Moment ertönte die Stimme der Bretonin wieder: „Lass die Tür geöffnet. Ich hab keine Lust nachher noch einmal solange mit ner schweren Truhe zu warten, bis du den richtigen Schlüssel ins Schloss gefriemelt hast. Du kannst ja immer noch abschließen, sobald wir keinen Trupp mehr zurückerwarten.“ Der Nord machte nur einige dumpfe Hmmpf-Geräusche. Erst nach einigen Augenblicken gab er nach: „Du weist ja nicht, was die Chefin mit mir macht, wenn etwas aus dem Lager gestohlen wurde. Aber na schön.“ Bei den ersten Worten klang er reichlich kleinlaut. Illucaria mochte eine noch so fiese Schlange sein, aber eines musste Tirian leider zugeben – ihre Söldnerbande hatte sie wirklich vollends im Griff. Dem Heiler schauderte allerdings bei dem Gedanken daran, wie sie sich solche Kerle gefügig machen konnte. Er schüttelte diese Überlegungen ab und widmete sich seinem eigentlichen Ziel, als diese Banditen endlich abzogen, nachdem ihr Diebesgut verstaut war. Gewiss hatten sie das Zeug, das gerade eingelagert worden war, einem unschuldigen Händler abgenommen.

Er schlich an die Tür heran, horchte noch einmal die Treppe hoch, ob auch niemand kam und drückte dann die Klinke nach unten. Tirian war kaum über die Schwelle getreten als ihn die Kopfschmerzen abermals mit voller Wucht überkamen und er sich ein leichtes Aufkeuchen nicht verkneifen konnte. Wieder erhellte nur traniges Fackellicht aus dem Gang draußen die Kammer, doch diesmal wollte der Heiler mehr sehen und ergründen, was Illucaria in ihrem „Schatzdepot“ aufbewahrte. Außerdem war es gefährlich die Tür offen zu lassen. Wer wusste schon, wann genau die nächsten Ladungen verstaut werden mussten und ob nicht jemand anders zwischenzeitlich hier entlang kam, die offene Tür bemerkte und noch nachgiebiger seiner Herrin gegenüber wäre und sie direkt über die ungesicherte Schatzkammer informieren würde. So ging er noch einmal kurz nach draußen, nahm sich eine der vielen Fackeln von den Wänden, um damit einen silbernen Kerzenleuchter mit halb herunter gebrannten Leuchtstummeln zu entzünden, den er im Lichtkreis der Tür in der Kammer seitlich des Zugangs auf einem Tisch hatte entdecken können. Die Stummel fingen schnell Feuer. Die Flammen bauten sich schnell zu voller Größe auf und entrissen den Raum der Dunkelheit, auf den Tirian aber kaum einen Blick warf, weil seine Aufmerksamkeit dem Zurückbringen der Fackel und dem nochmaligen Lauschen in Richtung Treppe galt. Erst als er die Kammer hinter sich schloss, war er soweit beruhigt, dass er sich nun – den Leuchter in der Hand haltend – dem Inhalt des Raumes zuwandte. Von Dreveni war keine Spur zu sehen, aber das hatte er auch nicht mehr erwartet, nachdem klar geworden war, dass die Altmer hier ihre Schätze bunkerte. Zwar fragte er sich, wo die Dunmer womöglich sonst festgehalten werden könnte, ohne dabei jedoch auf eine Antwort zu kommen, widmete sich aber unter verstärkten Messerstichen im Kopf deren Quelle ausfindig zu machen.

Sein Blick folgte dem Licht des Kerzenhalters, das fortwährend neue Kisten und Schalen mit Schmuck, aufwendigen Gefäßen, silbernen oder goldenen Schalen, Körbe gefüllt mit wertvollen Juwelen oder billigeren Halbedelsteinen. Daneben hingen feinsäuberlich auf Rüstungspuppen oder in Ständern Bewappnungen und Waffen feinster Machart oder teures Material wie Ebenerz oder Vulkanglas. Gerade auch hübsche Glasarbeiten als letzterem Material neben der eigentümlichen Bronze einiger mehr oder weniger unförmiger Dwemer-Artefakte, die Tirian nicht beschreiben oder gar einem Verwendungszweck oder einem bestimmten Namen zuordnen konnte. Wiederum etwas prunkvoller ausgestellt, fanden sich offenbar auch einige rituelle Waffen als auch, der magische Hauch war unverkennbar spür- als auch schimmernd sichtbar, ein paar Artefakte. In einer liebloseren Ecke türmten sich offene Kisten mit gemischtem Tand und vor allem Stapeln an Büchern. Die Altmer schien wirklich wie eine Elster alles zusammen zu räubern, dessen sie hier in der Gegend habhaft werden konnte.

Von den Artefakten aber, die er nun genauer im Verdacht hatten, schienen die seltsamen, peinigenden Schmerzen nicht zu stammen. Vielmehr führte ihn das unangenehme Gefühl in eine dunklere Ecke des Raumes. Das Licht des Kerzenhalters schob sich flackernd über ein voll gestelltes Regal, in dem wertvoll aussehende Keramik untergebracht war. Tirians Blick blieb allerdings bei einer, zwischen zwei hohen Schalen regelrecht eingeklemmten, Steinfigur hängen, die aus einem dunklen, roten Gestein gefertigt war. Der Heiler trat näher heran, um im Kerzenlicht noch mehr Einzelheiten ausmachen zu können. Die Augen der Statue schienen zwei kleine Rubine zu sein. Ein noch größerer, blutroter Stein prangte in der Stirn der Figur, die etwas Gruseliges und Widernatürliches an sich hatte und doch war er so fasziniert von dem Anblick, er wusste gar nicht wieso, dass er sogar seine Kopfschmerzen einen Moment vergaß. Er starrte die Skulptur an, glaubte plötzlich ein leises Rauschen wie das fast unmerkliche wispern von Stimmen im Wand zu hören und verlor sich schließlich gänzlich im roten, stoischen Blick der kleinen Steinfigur.

Plötzlich fuhr ihm roter Schmerz durch den Kopf. Es war ihm, als würden glühende Eisen direkt in sein Gehirn geschoben und als würden ihm die Augen ausgebrannt und zerrissen. Er konnte nicht einmal vor Schmerz schreien. Der gepeinigte Laut blieb ihm im Halse stecken, während aus seiner trockenen Kehle nur noch ein Krächzen entwich. Schließlich verdrehte er, die Steinfigur immer noch fixierend, seine Augen, bis statt des üblichen tiefen Rots nur noch weiß zu sehen war und fiel schließlich bewusstlos zu Boden. Das Scheppern des Kerzenhalters, als auch dieser auftraf, nahm er schon nicht mehr wahr.

Andromeda
11.08.2013, 15:59
Nach ein paar Augenblicken erklang in der Kammer unerwarteterweise eine Männerstimme, die Dreveni hereinbat. Damit hatte sie nicht gerechnet, und es hätte sie fast für einen Moment aus der Fassung gebracht. Schließlich siegte aber ihre hart erarbeitete Professionalität, sie rief sich noch einmal kurz die wichtigsten Zaubersprüche ins Gedächtnis und langte nach dem Türgriff. Als sie die Türe langsam öffnete, hatte sie sich innerlich schon zur Hälfte damit abgefunden, dass eventuell gerade ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Was hatte diese Altmer jetzt schon wieder vor?

Der Raum der vor ihr lag, war länglich und nicht gerade klein, auch wenn er so wirkte, da er bis unter die Decke vollgestopft schien. Vollgestopft von Dingen, denen Dreveni gerne nicht mehr als einen kurzen Blick gewidmet hätte, und doch konnte sie nicht verhindern, dass sie die Gegenstände mit der Faszination des Ekels weiter betrachtete. Die blutige Trainingsmatte mit den Trainingspuppen waren da noch das Harmloseste. Während sie weiter in den Raum ging und die Tür vorsichtig hinter sich schloss, fielen ihr der abgeschlagene Daedrothkopf auf, der über einem Schreibtisch zu ihrer linken hing. Der Schreibtisch selbst wurde von einem Totenschädel geschmückt, welcher vermutlich von einem Dremora stammte, davon abgesehen füllten die Kammer noch zahlreiche Waffen, an denen teils noch Blut klebte. Aufgrund dieser Tatsache war die Kammer auch von dem leicht metallisch-süßlichen Geruch erfüllt, den Blut so mit sich brachte, vor allem wenn es nicht mehr ganz frisch war. Wenn man sich länger hier aufhalten würde, würde es einem vermutlich gar nicht mehr auffallen, dafür aber umso stärker, wenn man ihn gerade betreten hatte, so wie Dreveni. Schließlich blieb ihr Blick an mehreren Säcken hängen, wovon einer offen und bis zum Rand voll mit Draken war. Alles in allem wirkte die Kammer mehr als beeindruckend, und die Dunmer fragte sich zum wiederholten Male, wo sie da bloß hinein geraten waren. Die Karten von verschiedenen Regionen Tamriels zeugten jedenfalls davon, dass sich die Bande tatsächlich nicht alleine mit Morrowind zufrieden gab.
Schließlich blieb ihr Blick an dem kleinen, runzligen Bosmer hängen, der auf einem der beiden Stühle vor dem Schreibtisch saß und eine Messer polierte, das verdächtig nach Ebenerz aussah.
"Ich nehme an, dass ihr Dreveni seid. Setzt euch bitte", sagte die ungepflegt wirkende Gestalt zu ihr und deutete auf den zweiten Stuhl. Dreveni ließ noch einen kurzen Blick durch den Raum schweifen, der mehr einer Schatzkammer als den Gemächern der Irren glich, und folgte schließlich seiner Aufforderung. Als sie ihm gegenüber saß, begnügte sie sich damit, ihm als Antwort kurz zuzunicken und ansonsten zu schweigen.

Der Alte lächelte freundlich und fuhr mit seiner Tätigkeit fort. Schweigend saßen sie einige Minuten nebeneinander. Dann hielt er das Messer gegen das Licht und betrachtete zufrieden das Funkeln auf der spiegelglatten, schwarzen Oberfläche. Dann erhob er sich und steckte die Klinge in die Scharte im Dremora-Schädel zurück. Dann ließ er sich mit einem hörbaren angestrengten keuchen wieder neben Dreveni nieder. "Verzeiht, dass ihr warten müsst, aber die junge Herrin wird sicherlich bald hier sein. Möchtet ihr etwas zu trinken? Einen Tee oder einen Wein?": fragte der Bosmer mit sanfter Stimme.

Dreveni hatte den Bosmer die ganze Zeit ebenso schweigend beobachtet, und als er sie endlich ansprach, wurde auch ihre Hoffnung zerschlagen, sich so bald nicht mehr mit der Altmer abgeben zu müssen. Als er ihr etwas zu trinken anbieten wollte, war sie schon kurz davor abzulenken, das Erlebnis mit dem Ashkhan war noch zu frisch, aber dann wollte sie der anderen wiederum keine Gelegenheit zu noch größerem Unmut geben. "Wein, wenn ihr so freundlich wärt.", sagte sie schließlich, wobei ihr neutraler Tonfall und Ausdruck in ihrem Gesicht in Kontrast zu den freundlichen Worten standen. Nur weil sie etwas Wein nahm, mußte sie ja noch lange nicht davon trinken.
"Wie ihr wünscht. Das wird euch die Wartezeit hoffentlich etwas verkürzen": sagte der alte Bosmer und erhob sich abermals keuchend und wanderte zum abgetrennten Bereich der Kammer hinüber. Er tat dies langsam und gemächlich. Es war mehr als deutlich, dass ihm das Gehen schwer fiel. Es dauerte eine ganze Weile bis er mit einer verkorkten Flasche und einem Tonbecher zurückkehrte, den er Dreveni dann vor die Nase stellte. Dann entkorkte er mithilfe des Obsidian-Messers den Flaschenhals und schenkte hellen Wein ein. Er roch kurz verträumt an der Flasche und atmete dann zufrieden aus. "Aus der alten Heimat. Ach wenn das Mädchen doch nur wieder nach Hause zurückkehren würde": meinte er und wirkte plötzlich betrübt und setzte sich wieder auf seinen Platz.
Dreveni tat der alte Mann fast ein bisschen leid, als er so keuchend hinter der Abtrennung verschwand, aber sie sagte nichts. Schließlich erschien er wieder und als er fertig mit Einschenken war, nahm sie den Becher und roch ebenfalls an dem Wein, schwenkte in leicht hin und her, aber trank noch nicht, sondern hielt ihn wie beläufig in der Hand, während sie weiter den Alten betrachtete und sein plötzlich betrübtes Gesicht studierte. Was hatte dieses Weibsbild nur mit ihm gemacht, dass er von ihr fast wie von einer Tochter sprach? "Ihr kommt nicht aus Valenwald?", fragte sie den Bosmer schließlich, um die Stille zu unterbrechen. Interessieren tat es sie nicht wirklich.

"Nein. Meine Familienzweig stammt ursprünglich von dort, aber ich bin geboren und aufgewachsenen in Summerset. Das ist schon sehr lange her. Aber es kommt mir inzwischen auch so vor, als wäre ich eine Ewigkeit nicht mehr dort gewesen. Ich wünschte, ich könnte bald dorthin zurück. Die dichten Wälder, die Sonne und das Meer. Die kristallnen Türme und die stolzen Ritter und Paladine in ihren schimmernden Rüstungen...": erzählte er und der betrübte Blick verschwand allmählich. "Schmeckt euch der Wein? Er stammt von einem Weingut in der Nähe von Erstburg. Ein Hügel mit perfekter Sonnenlage - fruchtige, schwere Trauben": fragte er.
Die Dunmer hörte den Ausführungen des Alten geduldig zu, war sie doch selbst nie in Summerset gewesen. Nicht dass es sie dorthin gezogen hätte, aber es gab auch sonst nicht unbedingt viele Möglichkeiten, etwas über die anderen Länder zu erfahren. Auf seine Frage hin überlegte Dreveni kurz, ob ihm überhaupt aufgefallen war, ob sie schon getrunken hatte oder nicht, hob aber dann doch den Becher zum Mund und tat zumindest so, als ob sie trinken würde. Tatsächlich merkte sie den Geschmack des Weines, und ja, er war wirklich gut, aber noch war ihr Mißtrauen nicht vergessen. "Er ist ausgezeichnet.", sagte sie schließlich. "Ihr wart die ganze Zeit mit Ilucaria unterwegs? Ihr müsst sie schon sehr lange kennen...", fragte sie ihn, immer noch mehr im Plauderton als ehrlich interessiert.
"Natürlich. Meine Familie dient seit Generationen den Camorern. Die Herrin kenne ich seit ihrer Geburt. Sie war schon damals ein richtiger Wirbelwind - das völlige Gegenteil zu ihren Schwestern. Es war abzusehen, dass sie den Wünschen seiner Lordschaft nicht folgen würde. Sie raufte lieber mit den Söhnen der anderen Adligen, als sich um das Lernen der Hofetikette und ihr magisches Studium zu kümmern": breitete er seine Erinnerungen aus. Dann seufzte er. "Als sie sich mit seiner Lordschaft überwarf und der alten Heimat den Rücken kehrte. Begleitete ich sie natürlich. Es ist schließlich meine Pflicht auf die junge Herrin Acht zu geben und ihr zu Diensten zu sein. Ich darf meiner Familie keine Schande machen, auch wenn ich mit dem Tempo der jungen Herrin nicht mehr so gut mithalten kann, wie früher": erklärte der Alte selbstvergewissernd.

Ein Höfling, sie hätte es ahnen können. Jetzt war ihr auch klar, warum er so fast schon devot zu seiner Herrin stand. Dreveni kannte die Sitten zumindest an den Fürstenhöfen in Cyrodiil, war sie doch gelegentlich rein beruflich dort. Wenn er meinte, die Altmer hatte ihre magischen Studien vernachlässigt, hieß dass dann, dass es um ihre Zauberkünste nach wie vor schlecht bestellt war? Im Umgang mit der Klinge stand sie Dreveni sicherlich nicht im geringsten nach, aber Dreveni war wiederum in Teilbereichen eine ganz passable Magierin, auch wenn sie sich selbst überhaupt nicht so sah und niemals als Magierin bezeichnet hätte. Tatsächlich war es ihr auch nie darum gegangen, eine Schule der Magie komplett zu meistern, sondern nur ausgewählte Teilbereiche, die ihr nützlich erschienen. Dazu kam, dass ihr der Zugang zur Magie relativ leicht fiel. Sie hatte sich nie so abmühen müssen, wie sie es an Erynn gesehen hatte, als sie ihre erste und vorerst letzte Übungsstunde abgehalten hatten.
"Ich bin sicher, dass ihr eurer Familie keine Schande bereitet habt.", sagte Dreveni zu ihm und prostete ihm mit dem Becher zu, und nippte wieder ohne wirklich daraus zu trinken.

"Habt Dank für euren Zuspruch. Aber ich kann sie auch verstehen. Wer würde sich schon von einem alten Greis noch etwas sagen lassen, wenn man einem Daedroth mit einem Axthieb den Kopf abtrennen und jeden Mann und jede Frau dieser Unternehmung hier im Zweikampf besiegen kann": sagte er und seufzte. "Wäre seine Lordschaft damals nur nicht so streng gewesen und hätte ihr gestattet...": er wurde unterbrochen: "Getso, das reicht. Nerve Dreveni nicht mit deinem Geschwafel. Ich habe mit der Familie gebrochen. Ich brauche sie nicht. Und nun entferne dich." Illucaria war inzwischen in die Kammer getreten. So schnell es dem altem Bosmer möglich war, entfernte er sich. Die Altmer wartete, bis er hinaus war und trat dann an das vergitterte Fenster. "Schenkt den Worten dieses rührigen, alten Narrs kein Gehör. Er ist nicht mehr klar bei Verstand. Ich hätte ihn längst erlösen sollen": meinte sie streng. "Die Familie und die Heimat, pah. Der Name Camoran ist Nichts weiter als eine Last": sprach sie und ging dann zu ihrem Thronstuhl hinüber, doch anstatt sich zu setzen, stützte sie sich nur auf die Lehne. Ihr Gesicht schaltete umgehend von ernst auf freundlich lächelnd um. "Verzeiht die Verspätung, aber ein Spähtrupp war zurückgekehrt": entschuldigte sie sich für die Verspätung.

Erlöst wird hier früher oder später sicher jemand, ich glaub nur dass es nicht derjenige ist, an den du gerade denkst...
Bei dem Namen Camoran klingelte bei Dreveni etwas, oder sie hatte zumindest das Gefühl, dass es das sollte. Nur leider wußte sie weder wo, noch ob überhaupt sie diesen Namen schon gehört hatte. Was interessierten sie auch die Altmer? Sumerset war weit. Und doch überlegte sie, während sie der Hochelfe zuhörte und ihr Blick auf den Sigelsteinen ruhte. Hatte sie ihn beiläufig in einer Taverne gehört? Oder hatte jemand von einem Namen gesprochen, der diesem nur im Klang ähnelte? Hatte sie ihn gelesen?
"Manche Dinge haben einfach Priorität.", nahm Dreveni lächelnd die Entschuldigung an. "Für mich zum Beispiel der Verbleib meines Schwertes. Ihr wisst nicht zufällig etwas davon? Ich bezweifle dass der kleine Heiler es gewagt hat, sich an meiner Waffe zu vergreifen. Sowie an meinen anderen Sachen. Da wären noch mein Bogen, und etwas Gepäck" Ihre Stimme war nach wie vor freundlich und sie schaffte es den selben Plauterton wie vorher dem Waldelf gegenüber beizubehalten.
"Priorität hätte eigentlich das Oblivion-Tor, dass sich in der Nähe der Festung geöffnet hat": überlegte die Altmerin laut, während sie an Dreveni vorbei zum Fenster hinüber sah. Doch dann, als hätten sie die Worte der Assassine erst einen Moment später wirklich erreicht, antwortete sie: "Ich habe das Gepäck in eine kleinere Kammer mit einem besseren Bett verlegen lassen. Da euer Begleiter abgereist ist, müsst ihr nicht einen Raum mit zwei Betten in Anspruch nehmen. Ehrlich gesagt, hat uns eure Unterbringung das Geld von Händlern gekostet, die wir an eurer Stelle dort hätten einquartieren können. Es geht ja auch ums Geschäft." Dann wandte sie ihren Blick zur Seite. "Ihr habt die Sigil-Steine betrachtet, nicht? Jeder steht für ein Tor, das ich und meine Männer geschlossen haben. Stein Nummer drei war sehr blutig erkämpft, danach musste ich meine Reihen mit neuen Freiwilligen füllen. Stein Nummer 2 bescherte mir die Trophäe, die ihr an der Wand sehen könnt. Es ist ein unglaubliches Gefühl nach diesem Stein zu greifen und ihn aus dem dämonischen Feuer zu ziehen. Es ist als würde das All um einen herum einem leicht werden": schweifte sie schließlich ab.

Dreveni reichte es jetzt definitiv. Es interessierte nicht wie leicht es der Altmer bei was auch immer wurde, und auch nicht, wieviele Obliviontore sie geschlossen hatte. Seit sie mit Erynn und Arranges nur zu dritt duch das Tor war, hatten diese viel von ihrem Schrecken für die Dunmer verloren.
"Ich wäre gerne dabei, wenn ihr euch um das Tor hier kümmert. Dremoras abzuschlachten hat etwas befriedigendes.", sagte Dreveni. "Wie auch immer, wir wollten über meinen Sold und über die Diamantmine sprechen." Sie würde dieses hinterhältige Weib in Sicherheit wiegen, und sobald sie ihr etwas von der Pelle gerückt war, hatte sie hoffentlich genug Gelegenheit, nach Spuren von Tirian zu suchen.
"Ah ja die Mine. Eigentlich ist es nichts Aufregendes. Wir gehen in der Gruppe rein, überwältigen die Wachen, nehmen die Minenarbeitet gefangen. Dann nehmen wir uns das, was sie dort gelagert haben und stellen sicher, dass die Arbeiter auch weiterhin ihren Dienst für uns tun und brav und fleißig weitere Edelsteine schürfen. Die gehen dann an die Festung solange wir uns noch hier aufhalten. Allzu lange wird das wohl nicht mehr sein. Wir werden wohl noch vier Tore schließen und die Gegend von versprengten Daedra säubern. Danach dürfte die Region auch gut ausgeblutet sein. Um den Rest darf sich dann gerne Meister Aryon selbst kümmern": erklärte Illucaria. "Aber ich schweife ab. Zu eurem Sold: Täglich erhaltet ihr 20 Draken. Für Missionen gibt es pauschal 300 Draken. Für Missionen ins Reich des Vergessens 500": bot die Altmer an und setzte sich nun doch auf den Thronstuhl.

Die Dunmer hatte nicht die geringste Lust zu verhandeln, als ihr die Söldnerin das Angebot vorlegte. Dabei hätte sie fast laut gelacht, 20 Draken? Dafür dass sie sich mit diesem Abschaum hier den Hintern platt saß? Niemals. Andererseits wäre es vermutlich auch aufgefallen, wenn sie nicht gefeilscht hätte.
"In Ordnung. Fürs Erste jedenfalls.", sagte sie gedehnt. "Mit der Option auf neue Verhandlungen, nachdem wir die Leute in der Mine wieder auf Kurs gebracht haben." sagte sie und sah die Altmer herausfordernd an.
Illucaria lachte. "Verhandlungen? Ihr gefallt mir": meinte die Altmer. "Ich weise euch aber nur darauf hin, dass andere Söldner fürs Nichtstun gar nichts bekommen. Ich bin schon wie eine verdammte Mutter zu diesen Nichtsnutzen hier": wobei sie beim letzten Satz wieder etwas lauter wurde. "Ihr bekommt hier kostenlose Unterkunft und kostenloses Essen und dürfte die Dienste unseres Schmieds ebenfalls kostenlos in Anspruch nehmen und Aufträge für mehr Geld haben wir auch genug. Da dürfte ein kleiner täglicher Sold angemessen sein. Aber wir können gerne noch einmal über eine kleine Erhöhung sprechen, wenn ihr mir die Diamanten hierher bringt": meinte sie und überging den herausfordernden Blick einfach. "Ihr könnt euch jetzt entfernen. Euer Zimmer wird noch hergerichtet. Ich lasse euch dann informieren, sobald die Sklaven damit fertig sind": sagte sie noch und wandte sich dann dem Buch vor ihr zu.
Dreveni war egal, was die Andere von ihrer Forderung hielt, besser sie hielt die Dunmer für unverschämt als dass es ihr suspekt vorkam, wenn Dreveni überhaupt nicht versuchte zu verhandeln. Mehr störte sie im Moment ohnehin, dass ihr die Altmer das Zimmer noch nicht zeigen wollte, in welches ihre Sachen angeblich gebracht worden waren. Sollte sie überhastet aufbrechen müssen, wollte sie auf keinen Fall ihr Schwert und ihren Bogen zurücklassen müssen. Vor allem ohne das Schwert wäre es Wahnsinn gewesen, sich weiter - und eventuell noch alleine - durch Vvardenfell zu bewegen.
Sie nickte der söldnerin noch einmal kurz zu, sagte: "Es wäre nur schön wenn die Sklaven fertig sind, bevor wir aufbrechen, ich brauche mein Schwert.", und verließ dann das Zimmer.
Ilucaria ließ sich nicht mehr zu einer Antwort herab, sie schien schon wieder anderweitig beschäftigt zu sein, und so stand Dreveni wieder vor der Tür im Gang und überlegte, wie sie möglichst planvoll nicht nur nach Tirian, sondern auch nach ihren Sachen suchen sollte.

KingPaddy
12.08.2013, 00:01
Er schlug seine Augen auf. Wo war er? Sein Blick taxierte die Umgebung. Er sah die Steinwände von Falensarano. Er befand sich nicht mehr in der Kammer, in der er… er versuchte sich zu erinnern. Rote Augen. Die Erinnerung versagte ihm den Dienst. Langsam richtete er sich auf und wusste nicht so ganz, wo in Ilucarias Festung er sich befand. Der Raum hatte schmale, nur oberhalb in die Wand eingelassene, vergitterte Fenster, durch die fahles Zwielicht nach innen drang, als wäre der Himmel draußen eine Mischung aus Grautönen, die Sonne selbst nur eine seelenlose, weiße Scheibe. Die Kammer selbst war auch nicht sonderlich lebendiger. An den Wänden zeugten Rußflecken, von lange schon verloschenen Fackeln, ansonsten war sie leer. Langsam trat er an die Tür heran, die mehr windschief als wirklich massiv in den Angeln hing. Er versuchte sie aufzustoßen und zu seiner Überraschung schwang sie knarrend und knarzend aber ohne Fisimatenten zu veranstalten nach draußen auf. Verwunderte schaute er sich vorsichtig in dem Gang davor um. Es war niemand zu sehen. Auch hier sorgten schmale Gitterfenster in dem schier endlosen Gang dafür, dass er zumindest zwielichtig beleuchtet war. Von Fackeln waren auch hier nur noch die Rußreste auf dem Stein zu erahnen. Tirian versicherte sich noch einmal, ob auch wirklich niemand kam und verließ den Raum wieder und ging den Gang nach rechts entlang. Offenbar mussten sich Kammer und Gang an der Außenwand der Festung befinden, ansonsten könnte ja auch kein Licht herein scheinen. Er musste noch immer Dreveni finden, sodass sie gemeinsam von diesem verfluchten Ort entkommen konnten.

Mit der Zeit wurde ihm aber langsam seltsam zu Mute. Der Gang schien kein Ende zu nehmen. Wenn er auf Türen traf, so waren diese verschlossen und langsam wurde ihm auch unheimlich, dass er keinen anderen Menschen oder Mer antraf. Es war zudem gespenstisch still in der Festung. Keine Stimmen von fern her, keine Schritte, nicht einmal das Tönen von Türen, die geöffnet oder geschlossen werden. Eine unsägliche Ruhe lag über der ganzen Festung. Auch durch die Fenster drang kein Laut – nicht das Rauschen des Windes, nicht ein noch so leises Vogelzwitschern. Wären da nicht wenigstens seine eigenen Schritte, die hin und wieder widerhallten, hätte er sich schon für taub gehalten. Der ganze Ort wirkte geradezu bedrückend still und unlebendig. Der Dunmer wollte schnellstmöglich heraus und begann nun zu rennen da es offenbar keine Wachen hier gab, die ihn hätten aufhalten wollen, auch wenn er das Gefühl hatte, dass er einfach nicht vorwärts kam, weil der Gang sich schlicht und ergreifend nicht veränderte. Die gleiche endlose Flucht. Eine Tür und eine Rußstelle nach der Anderen- Auch wenn er rannte, meinte er sogar inzwischen nur noch auf der Stelle zu treten. Seine Muskeln brannten, sein Atem ging stoßweise, als er schließlich stehen blieb und sich gegen die Wand der Festung lehnte und die Hände vor die Augen schlug. Ein Zeichen seiner Verzweiflung. Wie verflucht lang mochte dieser Gang noch sein. Er wollte hier endlich raus.

Bei diesen Gedanken ertönte ein lauter Knall weiter vorn im Korridor. Er sprang schleunigst auf und sah, doch in einigen Metern eine offen stehende Tür. Sie musste aufgeschlagen sein. Tirian stürmte zu ihr hinüber. Vielleicht war das der Ausweg, nach dem er gesucht hatte. Schließlich stand er vor dem offenen Durchgang. Der Raum dahinter war jedoch nur ein einziges Schwarz. Nur ein winziger Lichtkegel verriet, dass es überhaupt einen Boden in der Düsternis gab. Da es keine andere Möglichkeit gab, nahm der Heiler allen Mut zusammen und trat in die Kammer ein. Mit einem lauten Knall schloss sie sich plötzlich hinter ihm. Der Dunmer zuckte zusammen und saß nun in absoluter Dunkelheit fest. Er versuchte umgehend die Pforte wieder zu öffnen, aber sie blieb verschlossen. Schweiß trat auf seine Stirn und sein Herz klopfte wie wild, während er sich tastend nach vorne bewegte. Als er die Augen zusammenkniff, um vielleicht doch wenigstens ein paar Konturen erkennen zu können, wurde er in grelles rotes Licht getaucht. In der Finsternis vor ihm schwebten, Leuchtfeuern gleich, zwei rubinrote Augen. Sein Blick wurde sofort von dem Anblick gefesselt. Er spürte, wie sich der Raum um ihn herum zu drehen begann und dann gab der Boden nach. Er fiel noch tiefer in die Dunkelheit hinein, während sein Blick noch immer von den starrenden, roten Augen gefangen war. Langsam wurde ihm schwindlig. Vor den Augen verschwamm es ihm zunehmend. Schließlich fühlte sich Tirian am Rand der Bewusstlosigkeit. Langsam löste sich der dämonisch-rote Blick auf und er schloss seine Lider, um sich zu sammeln. Im nächsten Moment spürte er wieder Boden unter den Füßen.

Als er die Augen vorsichtig wieder öffnete, war die Szenerie eine gänzlich andere. Der dunkle Raum war verschwunden. Er befand sich zwar immer noch in der Festung, doch kam ihm dieser Teil bekannt vor. Er stand direkt vor dem Speisesaal, wie er erkannte. Tirian zog es dort hinein. Mittlerweile war ihm egal, wenn er einem Söldner begegnen sollte, inzwischen wollte er einfach nur einen anderen Menschen oder Mer sehen, damit er sich sicher sein konnte, nicht das einzig verbliebene Wesen auf dieser Welt zu sein. Er fühlte sich im Moment unsäglich verlassen und einsam. Zitternden Schrittes betrat er die Kantine der Festung… und wünschte sich im nächsten Moment, dass er lieber draußen geblieben wäre. Es wirkte als wäre er in Dagons Reich gelandet. Der Raum war erleuchtet von umherstehenden Kohlebecken aus denen die Flammen gierig und breit nach oben und zu den Seiten züngelten. Von der Decke hingen Ketten und Haken an denen man einen ausgewachsenen Guar hätte aufhängen können. Die Küche war neben grobschlächtigen Beilen und Hackmessern auch mit allerlei Folterinstrumenten ausgestattet. Tirians Augen weiteten sich, als er sah, wer an Stelle des dicken Nords nun von oben bis unten mit Blut besudelt ein rostiges Fleischerbeil schwang. Ihre goldene Haut verriet die Altmer sofort. Ilucaria drehte sich zunächst um, sondern ließ das Metzgerwerkzeug weitere Male schwingen und Blut in die Höhe spritzen. Erst dann drehte sie sich um. Lächelte gewohnt süffisant aus einem mit feinen aber auch breiten Blutspritzern gesprenkelten Gesicht. Sie leckte Blut von der rostigen Klinge und tat einen Schritt zur Seite. „Ihr kommt gerade rechtzeitig. Der Braten ist bereits fertig zerlegt“: sagte sie und deutete mit ausgestrecktem Arm auf einen zerstückelten Mann, den Tirian erst nach etlichen Schreckensmomenten als den Attentäter der Morag Tong identifizierte. Mit offenem Mund stand er da. „Den hat unsere Kleine doch fachgerecht erlegt“: meinte sie und deutete auf einen tiefen Schnitt an der Kehle des Mannes etwas oberhalb der Stelle, wo sie den Kopf vom Torso abgetrennt hatte.

Noch bevor Tirian auch nur in der Lage war die Sache zu begreifen und soweit entfernt war von der Frage, wen die Söldnerin mit ‚unsere Kleine’ gemeint hatte, wie Elsweyr von Himmelsrand, erklang nun seitwärts von ihm: „Tirian, du hast nach mir gesucht?“ Er kannte die Stimme. „Dreveni!“ Zunächst überglücklich fuhr er zu ihr herum, doch schreckte er sofort vor ihr zurück, als er ihres Anblicks gewahr wurde. Er blickte nicht in das kühle Gesicht der Assassinin sondern in die schreckliche Fratze einer Dremore. Spitze, gefährliche Reißzähne, ein böser Ausdruck in den Augen aber ein Lächeln das nicht dazu passte und das ganze geziert von brennenden Augen und zwei mächtigen Hörnern, die ihr aus der Stirn wuchsen. Dies kam ihm auf ungeheure Art bekannt vor, doch als er diesem Gedanken weiter folgen wollte, blitze kurz wieder der stechende, rote Blick in seinem Kopf auf. Schnell ließ er die Überlegungen fallen. Vielmehr drängte sich nun die Assassinin, besser ihr dämonisches Zerrbild, an ihn heran. „Warum so geschockt? Gefalle ich dir denn immer noch nicht?“: säuselte sie. Ilucaria leckte sich derweil mit bluttropfender Zunge über ihre verstörend weißen Zähne. Tirian schluckte, während sich die daedrische Dreveni auf seinen Rücken lehnte und den Kopf auf seine Schulter legte. „Du kannst es einfach nicht leugnen. Ich weis doch, was du willst, mein kleiner, naiver Tirian“: meinte sie. Der Atem des Heilers setzte aus. Er fühlte sich wie von einem Raubtier gepackt und hatte Angst, dass ein falscher Atemzug zu einem Angriff führen würde. Mühsam kämpfte er gegen die Panik, die in seinem Innern zu toben begann. Ihre Finger glitten an seinem Hals entlang. Sein Blick war stur geradeaus gerichtet, doch seine Lider zuckten nervös und eine Ader an seinem Hals pochte immer stärker. Ihre Hand glitt hinunter, streifte seine Hüfte und mit einem schnellen Zug zog sie ein Messer von ihrem Gürtel. Als er das bemerkte, setzte sein Fluchtreflex unaufhaltsam ein. Er riss sich aus Drevenis Umarmung los, stieß sie zur Seite und begann zu rennen. Vor ihm dehnte sich die Kantine in die Länge. Von einem begrenzten Raum verwandelte sie sich in eine lange, schier endlose Säulenhalle, dessen Ende nicht mehr abzusehen war. Umso mehr er rannte, umso länger dehnte sich die Räumlichkeit in die Ferne, wie in die Länge gezerrt. Er lief Slalom um die Säulen und Kohlebecken, verlor langsam sowohl den Eingang als auch Dreveni und Ilucaria aus den Augen, büßte allerdings auch jedwede Orientierung ein.

Tirian irrte eine Weile im unendlichen Raum umher, verloren irgendwo zwischen der von ihm geschätzt hundertsten und zweihundertsten Säule. Dann tat sich etwas. Er rieb sich die Augen, als die Säulen langsam näher rückten und sich die ausgedehnte Kammer plötzlich in erbarmungsloser Geschwindigkeit verkleinerte und sich schließlich ein gänzlich anderer Raum um ihn herum bildete. Der Blick nun nur noch von wenigen Pfeilern verstellt, kam ihm diese Örtlichkeit seltsam bekannt vor. Er hörte ein leises Röcheln. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend trat er hinter einem der Pfosten hervor. Entsetzen befiel ihn nun erneut, als er einen schwarzhaarigen, ausgeweideten, schwach röchelnden Dunmer an Ketten von der Decke hängen sah. Von der Faszination des Schreckens gefangen, stolperte er wie ein Zombie an die bemitleidenswerte Gestalt heran. Ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Kopf. Die rubin-roten Augen tauchten wieder in seinen Gedanken auf, doch diesmal erschienen ihm auch Erinnerungsfetzen vor seinem geistigen Auge. Die Szene war ihm vertraut – der Raum, die Ketten, der Mann und … Dreveni ... das Monster! „Dieser arme Kerl. Dreveni hat ihm das angetan“: wie er sich nun erinnerte. „Das Monster“: ergänzte er fassungslos, leise flüsternd. „Das Monster“: ertönte seine Stimme plötzlich erneut. Er blickte überrascht auf. „Was war das?“: fragte er laut und sah sich um. Er war sich sicher, Nichts gesagt zu haben. „Magst du wirklich so erhaben urteilen?“: vernahm er erneut sich selbst. Wieder sah er sich um. Von wo kam das bloß? „Was soll das heißen?“: fragte er zurück. Vielleicht konnte er den Sprecher ja in einen Dialog verwickeln und ihn so enttarnen, doch die Stimme schien von überall aus dem Nichts heraus zu kommen. „Wo du doch selbst genau weißt, was du wirklich bist“: redete dieses körperlose Ding weiter. „Was weis ich?“: frage Tirian seinerseits wieder zurück. „Du kannst es nicht verleugnen. Die Wahrheit ist dir so bewusst wie mir“: sprach es weiter ohne eine direkte Antwort zu geben. Tirian war sichtlich verunsichert und wich in die Mitte des Raumes zu der aufgehängten Gestalt zurück. „Was soll mir bewusst sein. Sag’s mir“: warf er herausfordernd in den Raum. „Das was du in deinem Innern hinter deiner moralischen Fassade verbirgst. Das, was du qua Geburt immer schon warst und auch immer sein wirst“: kam prompt die Antwort direkt hinter ihm. Tirian erstarrte und drehte sich geradezu in Zeitlupe um. Voller Schrecken schaute er zu, wie die Ketten langsam länger wurden und den gedärmlosen Körper langsam zu Boden ließen. Er blickte hinauf und sah den zerschnittenen Mund unter den filzigen, schwarzen Haaren des Mannes zu einem triumphierenden Grinsen verzogen. „Derjenige der wütet, der hasst, der tötet bist du“: sprach der Tote weiter, während und nachdem er herabgelassen war. „Du bist ein Mörder“: warf er ihm vor. „Du weist es“: wiederholte er. Tirian traten Erinnerungen vor Augen an seiner Ausbrüche und an seinen Handabdruck, der sich seinem Opfer in das Gesicht hinein gebrannt hatte.

Die Bilder fingen an ihn zu quälen. Er schloss die Augen und hielt sich den Kopf, wollte nichts mehr sehen und nichts hören. „Mörder, Mörder“: drang die Stimme weiter in seinen Kopf vor. „Nein!“: rief er und versuchte dem ausgeweideten Körper entgegen zu treten, ihn zu fixieren. Da fiel ihm auf, dass der Raum um ihn herum verschwunden war. Nur er und der Gefolterte waren da und schwebten geradezu im Nichts. Über den Ausruf konnte sein Gegenüber nur weiter hämisch lächeln. „Ich bin kein Mörder“: widersprach Tirian noch entschiedener. „Ach mein kleiner, naiver Tirian. Natürlich bist du das und noch viel mehr“: hörte er nun die vertraute aber zugleich boshaft verzerrte Stimme Drevenis. Sie trat in ihrer dämonischen Form neben dem Ausgeweideten einfach aus dem Nichts. „Nein, Nein, Nein“: schüttelte der Heiler den Kopf: „Das Alles ist nur ein Alptraum. Das ist nicht real“: versuchte er sich zu beruhigen und selbst zu vergewissern. „Dann ist unsere Verwandtschaft also nicht real, kleiner schwacher Abkömmling?“: hörte er eine weitere, bekannte Stimme. „Tarrior!?“: keuchte der Dunmer auf und tatsächlich schälte sich nun auch noch sein Vater in schrecklich entstellter Art und Weise aus dem leeren Raum. „Wir sind vom selben Blut. Du bist wie ich. Das was in mir ist, steckt auch in dir“: redete nun auch er auf ihn ein. „Nein, Nein, das ist nicht echt… das ist nicht echt“: widersprach Tirian immer wieder. „Dasselbe Blut und dieselbe Mordlust. In dir steckt das gleiche Monster wie in mir“: beharrte Tarrior. Inzwischen waren die Widerstandsversuche des Heilers nur noch kläglich. „Du konntest weder Hand an deine Begleiterin legen, obwohl du wusstest, dass sie ein Monster ist, weil du genau weist, dass du von derselben Art bist und spürst du nicht die Furcht so deutlich, so zu sein, wie dein Vater ist? Warum diese Angst, wenn an ihr nichts Wahres ist?“: sprach der Ausgeweidete nun wieder mit seiner Stimme zu ihm. „Verleugne nicht, was du tief in deinem Innern bist“: sagte er. Tirian schüttelte den Kopf. „Sieh mich an!“: forderte der Gedärmlose. Zögerlich richtete der Dunmer seinen Blick wieder nach oben. Sie waren wieder allein. Die Hand seines Gegenübers fuhr nach oben und schob dann quälend langsam die Haare zur Seite.

Am Rande des Wahnsinns blickte Tirian nun in sein eigenes, zerstörtes und schrecklich verzerrtes Gesicht mit dem dämonischen Lächeln. Mit aufgerissenen Augen und offenem Mund starrte er sich selbst an. „Wir sind uns gleich. Du und ich. Wir sind eins. Ich bin ein Teil von dir. Du kannst mich nicht verleugnen. Ich bin du und du bist ich. Ich bin das, was wahrhaft unter deiner Oberfläche lauert“: verkündete der zweite Tirian. Auf den Schultern des diabolischen Spiegelbildes bildeten sich plötzlich Geschwüre und im nächsten Moment brachen die dämonischen Fratzen Tarriors und Drevenis aus dem Fleisch und wanden sich zuckend neben dem entstellten Gesicht. „Auch wir sind du“: sagten sie. Er spürte das Winden und das Zucken selbst körperlich sah an sich herab. Tiefstes Entsetzen befiel ihn, als er sah, dass die Fratzen tatsächlich aus seinem eigenen Körper kamen. Er versuchte die zuckenden Tumore mit den Händen herauszureißen, erntete aber nur das höhnische Gelächter der aufgerissenen Münder. Sein Spiegelbild riss die Arme nach oben, packte den Heiler am Kopf und zog ihn zu sich heran. „Ich bin du. Du bist ich. Wir sind uns gleich. Ich bin ein Monstrum und DU. BIST. ES. AUCH!“: sagte es und um Tirian wurde es endgültig schwarz.

Schreiend schoss der Dunmer in der Schatzkammer von Falensarano in die Höhe. Sein Schrei war ohrenbetäubend und markerschütternd. Es war kein einfacher Hilfeschrei sondern ein Laut der aus der reinen, nackten Panik geboren war.

Andromeda
19.08.2013, 19:26
Dreveni war gerade auf dem Weg in die untere Etage der Festung, da sie - genau wie Tirian - zu dem Schluss gekommen war, dass man dort am besten Leute gefangen setzen konnte, die man verbergen wollte, gerade wenn immer wieder Händler und andere Reisende hier einkehrten, als ihr der Dunmer über den Weg lief, mit dem sie vorhin das Bett geteilt hatte.
Eigentlich wollte sie gerade weitergehen, nachdem sie sich beide einen kurzen Blick zugeworfen hatten, aber nachdem der Gang gerade bis auf sie beide ziemlich leer zu sein schien, überlegte sie es sich doch anders.
"Wisst ihr, wo Ilucaria meine Sachen hingebracht hat?"
Anstatt ihr zu antworten, wandte er sich jedoch ab und wollte schon weitergehen.
"Typisch.", murmelte Dreveni, der es inzwischen wirklich reichte mit diesem Pack hier. "Es wundert mich überhaupt nicht, dass sich Ilucaria hier so aufführen kann, wenn ihr sogar buckelt wenn sie weit und breit nicht zu sehen ist."
Das schien zu wirken, denn er hielt inne und drehte sich um. Allerdings bedachte er sie mit einem Blick, bei dem wohl nicht wenige auf der Stelle tot umgefallen währen. Doch Dreveni wäre nicht Dreveni, würde sie sich durch so etwas aus der Ruhe bringen oder auch nur Beeindrucken lassen. So starrten sie sich ein paar Augenblicke gegenseitig an, bis er ihr schließlich antwortete: "Ihr wart auf dem richtigen Weg, den Gang runter und noch drei Türen, wenn sie dort nicht sind, weiß ich es nicht." Danach wandte er sich zum gehen ohne noch einmal zurück zu schauen, auch nicht als sie ihm noch leise sagte: "Kommt mit. Wenn ihr jemals flüchten wolltet, dann wäre jetzt die Gelegenheit."
Es war nicht so, dass sie unbedingt wollte, dass genau er mitkam, denn nur weil sie mit ihm geschlafen hatte, hieß es nicht dass sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen wollte, aber momentan wäre jede Hilfe willkommen.
Schließlich setzte sie ebenfalls ihren Weg fort, bis sie vor der dritten Tür stand. Natürlich war sie verschlossen, was ihr ein Griff zur Klinke verriet. Sie sah sich kurz um, konnte aber immer noch niemanden sehen, dann konzentrierte sie sich und legte ihre Hand auf das Schloss. Es leuchtete kurz auf unter ihrer Handfläche, dann hörte sie das leise Klicken, mit dem sich das Schloss entriegelte. Kurz kam ihr in den Sinn, was ihr Tirian über Fallen hier erzählt hatte, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen, auch wenn Ilucaria tatsächlich verrückt genug war, die Türen hier derart abzusichern. Von Vertrauen schien diese noch wesentlich weniger zu halten als Dreveni selbst, und das wollte etwas heißen.
Jedoch geschah nichts, als sie die Tür öffnete, und dahinter in einer kleinen Abstellkammer fand sie tatsächlich ihre Sachen. Sie überlegte kurz, ob sie sie noch hier lassen sollte, entschied sich dann aber dagegen. würde sie den Heiler finden - was voraussetzte dass er tatsächlich gefangen gehalten wurde und nicht verschwunden war - und sie ihn befreien, würden sie wohl eher schneller als langsamer fliehen müssen, und dann noch einmal hier her zurückkehren zu müssen wollte sie nicht riskieren.
Sie packte die Sachen so gut es ging zusammen, schlang sich den Schwertgürtel um die Hüfte und hängte den Köcher auf den Rücken. Es würde schon gehen das alles zu tragen, den Rest nahm sie so, dass sie es im Falle eines Kampfes schnell fallen lassen konnte.

Als sie alles hatte, ging sie wieder den Gang zurück, bis sie an der Treppe nach unten stand. Kaum hatte sie den Fuß auf der ersten Stufe, erstarrte sie. von unten erschall ein Schrei, der kaum noch etwas menschliches an sich hatte. Er ging ihr durch Mark und Knochen und konnte einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Sie brauchte ein paar Augenblicke um sich wieder zu fassen, allerdings gelang ihr das noch bevor der Schrei verklungen war. Was tat dieses Weib hier unten? Betrieb sie dort ihre private Folterkammer? Aber auch die Söldnerin war nicht so dämlich, Leute derart hier zu foltern dass man die Schreie durch halb Falensarano hörten konnte. sie rannte die Treppe nach unten, vorsichtig musste sie jetzt wirklich nicht mehr sein, andere mussten ebenfalls diesen infernalischen Lärm gehört haben, und so würde es hier vermutlich bald vor Söldnern wimmeln.
Unten angekommen, sah sie nur eine Reihe geschlossener Türen rechts und links des Ganges. Sie hielt sich immer noch nicht mit übermäßiger Vorsicht auf, und so drückte sie einfach nacheinander die Klinken herunter, bis sie eine Tür fand, die sich öffnen ließ. Das innere der Kammer dahinter war von Kerzenlicht erhellt, und es schien eine Art Schatzkammer zu sein. Für die ganzen Schätze hier hatte die Dunmer aber keinen Blick, denn da sah sie schon Tirian mitten im Raum stehen, im Gesicht das nackte Entsetzen und vor Panik geweiteten Augen, die doch nichts zu sehen schienen.
Sie hielt sich auch nicht lange mit der Frage auf, warum zum Henker in die Altmer hier eingesperrt hatte - auch über die Tatsache dass die Tür gar nicht verschlossen war, dachte sie gerade nicht nach - genauso wenig versuchte sie zu ergründen, was sie mit ihm gemacht hatte. Statt dessen ließ sie ihre Tasche fallen als sie den Heiler erreicht hatte, legte beide Hände auf seine Schultern und schüttelte ihn kräftig. "Tirian, reißt euch zusammen, wir müssen hier raus!"

Der Heiler reagierte allerdings nicht, sondern starrte an ihr vorbei ins Leere, immerhin schrie er inzwischen nicht mehr so grausam. Sie unternahm noch einen letzten Versuch ihn wieder zur Besinnung zu bringen, und gab ihm eine kräftige Ohrfeige, was ebenfalls leider nicht den gewünschten Effekt brachte.
"Scheiße.", fluchte sie halblaut, raffte ihre Sachen zusammen, packte Tirian am Handgelenk und zog ihn hinter sich her aus der Kammer heraus. Immerhin ging er widerstandslos mit, ihre Freude darüber währte aber nur so lange, bis sie Schritte oben an der Treppe hören konnte, zweifellos hatten die Söldner und vermutlich sogar Ilucaria den Lärm ebenfalls gehört und kamen nun nachsehen.
Hektisch sah sich Dreveni um, aber es gab keine Möglichkeit zur Flucht. Sich in einer der Kammern zu verbarrikadieren würde ihr unweigerliches Ende nur herauszögern, sie war hoffnungslos unterlegen, selbst wenn Tirian nicht dermaßen kampfunfähig gewesen wäre. Ein kurzer Blick zu dem Heiler überzeugte sie davon, dass sich sein Zustand immer noch nicht geändert hatte.
Kurz schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, ihn einfach stehen zu lassen, aber auch alleine und mit einem Unsichtbarkeitszauber stiegen ihre Chancen kaum. Zwar würde sie aus Falensarano entkommen zu können, aber dann? Ohne Guar, ohne Orientierung?
Die Schritte auf der Treppe kamen unweigerlich näher, und sie wandte sich um, da ihr die Idee sich zu verbarrikadieren gerade doch nicht so schlecht erschien - vielleicht würde ihr ja so noch etwas einfallen - da erscholl von oben ein infernalisches Gebrüll. Allerdings nicht so panikerfüllt wie Tirian eben noch geschrien hatte, es hatte mehr von Kriegsgeschrei.
Was bei den Höllen Oblivions...?
Die Schritte verstummten kurz, dann wurden oben ein paar herrische Befehle gebrüllt, wobei Dreveni meinte, Ilucarias Stimme zu erkennen, dann entfernten sich die Schritte wieder. Lediglich zwei der Söldner erschienen unten an der Treppe, da hatte die Dunmer aber schon Tirian wieder in die Schatzkammer geschubst, ihre Sachen fallen gelassen und schleuderte dem ersten einen Schockzauber entgegen, noch bevor dieser wusste, wen er vor sich hatte. Als dieser sich noch am Boden wälzte holte sie mit dem Schwert aus und stach ihm damit durch die Kehle. Mit Schwung zog sie es zurück und holte gerade nach dem anderen aus, als dieser seinen Schreck überwunden hatte und ihren Hieb parierte. Er legte etwas zu viel Schwung in die Abwehr, so dass Dreveni mit dem Knauf des Schwertes nachsetzen konnte und ihm das Nasenbein zertrümmerte. Als er vor Schmerz aufheulte und sich hektisch die Tränen aus den Augen blinzelte, hatte sie schon zu einem weiteren Hieb gegen seinen Hals ausgeholt. Blut spritze und auch der zweite Gegner ging zu Boden. Schwer atmend hielt sie einen Moment inne und versuchte, die inzwischen komplett geänderte Situation zu überblicken. Von oben ertönte eindeutig Kampfeslärm - Schwertklirren, Schmerzensschreie und dazwischen immer wieder die jetzt schrille und laute Stimme Ilucarias. Wurde die Festung angegriffen? Nun ja, ihr sollte es recht sein, wenn sie es geschickt anstellte und der Heiler keine Zicken machte, konnten sie es in dem Tumult eventuell aus der Festung schaffen. Erfahrungsgemäß hatten alle Kämpfenden einen leichten Tunnelblick, und solange man sich selbst nicht einmischte, hatte man gute Chancen, durchzukommen. Man musste sich nur in Acht nehmen, um nicht versehentlich einen Klinge in die Seite zu bekommen.
Dreveni ging noch einmal zurück in die Schatzkammer, in der Tirian immer noch stand, mit der Hand eine kleine Statue umklammert. Gut, sollte er sie mitnehmen, ihr war es momentan reichlich egal, das Ding wirkte nun wirklich nicht schwer und sollte sie nicht behindern. Hatte er die kleine Figur vorhin schon in den Händen gehalten? Sie hätte es nicht sagen können, hatte sie doch auf andere Dinge geachtet.
"Kommt.", sprach sie ihn noch einmal an, woraufhin er wieder nicht reagierte, und zog ihn wieder am Handgelenk hinter sich her, sammelte im Gang wieder ihre Sachen auf, und stieg vorsichtig über die Leichen. Der Heiler wäre fast darüber gestolpert, aber ansonsten schien sein Gang halbwegs sicher zu sein.
Vorsichtig bewegte sie sich die Treppe nach oben, und es war wie sie gedacht hatte, niemand interessierte sich wirklich für sie. Es standen noch ein paar verlorene Gestalten an die Wände gedrückt herum, offenbar Reisende, die genauso wenig Lust hatten, zwischen die Fronten zu geraten, wie Dreveni. Auch Ilucaria war nicht zu sehen, dafür aber immer noch gelegentlich zu hören. Schließlich erreichten sie das Plateau, von dem aus man die Festung wieder verlassen konnte, und trat ins Freie. Hier oben war es noch lauter, auch wenn man jetzt sehen konnte, dass hier nur vereinzelte Kämpfe statt fanden. Dafür zischte haarscharf über ihrem Kopf ein Pfeil hinweg, der offenbar von der Ebene unten abgeschossen worden war. Dreveni duckte sich an die Wand der oberen zwei Stockwerke, wobei sie Tirian mit sich unsanft auf die Knie zog. Dort verharrte sie kurz, um sich zu orientieren. Außerdem warf sie dem Heiler einen Blick zu, auch wenn sie wenig Hoffnung hatte, dass er wieder zur Besinnung gekommen war.

KingPaddy
31.08.2013, 00:26
Ihm war als würde er durch schwarzen Nebel waten, der sich gallertartig um seinen ganzen Körper und vor allem um seine Beine und Füße spannte, seine Bewegungen fahrig machte, sie blockierte. Tirian war so als würde er gar nicht mehr vorankommen. Glücklicherweise war dort dieser Zug an seinem Arm, der ihn nach vorne trug. Die Bewegung erleichterte sein Gemüt etwas, auch wenn sein Kopf seltsam leer und gedankenlos war, er nur noch die roten Augen vor sich wusste, gefangen war von ihrem durchdringenden Blick. Der Weg führte aufwärts, geradeaus um Kurven und dann wieder geradeaus und dann wieder nach oben. Ein lautes Geräusch und auch ein leises Rauschen wie weit entferntes Klirren drang durch den Nebel. Um sein Gesicht wurde es kalt und plötzlich schoss frische Luft heran und durchbrach die schweren Schwaden. Während er spürte wie ihn eine Kraft zu Boden zog, konnte er wieder richtig atmen. Das bleierne Gefühl wich von seiner Lunge, sie blähte sich auf und er saugte noch mehr davon ein. Die Dunkelheit verschwand langsam zusammen mit dem ergreifenden, karminroten Blick und verblasste, wurde durchscheinend. Verdutzt blickte er in das Gesicht von Dreveni, das plötzlich vor ihm aus dem Dunst auftauchte. Schreckliche Bilder durchfuhren in diesem Moment seinen Schädel. Verzerrte, monströse Gesichter, sein eigenes. Er kniff die Augen zusammen, Schweiß brach ihm aus und sofort bedeckte er den Kopf mit seinen Händen. Der Heiler presste seine Nägel in die Kopfhaut und nach einigen Augenblicken verschwanden die Bilder.

Knacken, Knirschen und Brechen drang nun langsam an seine Ohren. Die Geräusche entstanden direkt über ihm und er füllte Splitter auf sich herabregnen. Nur zögerlich traute er sich die Augen zu öffnen. Wieder Dreveni, doch die Bilder in seinem Kopf blieben aus. Noch etwas verwirrt wo er war blickte er nach oben und sah wieder Bolzen und Pfeile gegen die Wand klatschen und zerbersten, vor der sie offenbar kauerten. Seine Augen tasteten weiter, doch es dauerte noch einen Moment, bevor Tirian den Himmel, das Gebäude vor sich und das große Plateau in einen sinnvollen Zusammenhang stellen und als Falensarano identifizieren konnte. Sein Geist war ausgelaugt, offenbar gestresst. Ein leichter Kopfschmerz quälte seine Nerven und doch versuchte sein Verstand knirschend zu erfassen, was passiert war und warum er und Dreveni sich an diesem Ort befanden. Sein Blick glitt zurück zu seiner Begleiterin. Die Assassine schaute ihn nun seinerseits ungläubig an. „Wir müssen hier weg“: zischte sie. „Weg. Ähm ja der Guar ist im Stall. Öhh aber wir müssen noch Dreveni und ihre Sachen finden“: sagte er. Erst im nächsten Moment kam ihm noch einmal direkt zu Bewusstsein, dass Dreveni ja direkt neben ihm lag. Die Dunmer zog ihn kräftig auf die Beine. Er vermisste etwas. Panisch sah er sich um und erblickte seine roten Augen auf dem Boden liegend. Die Assassine wollte ihn weiterzerren. Mit einem rüden Griff schüttelte er ihre Hand jedoch ab. Während weitere Geschosse über ihre Köpfe hinweg pfiffen, bückte er sich und hob seine Augen wieder auf, nahm sie in den Arm und umklammerte sie fest. Dann schaute er seine Begleiterin wieder an. „Ich dachte wir wollten hier weg“: sagte er und schwankte leicht in Richtung der improvisierten Stallungen. Dreveni packte ihn erneut, drückte ihn in eine gebeugte Stellung hinunter und gemeinsam schlichen sie nun weiter.

„Ilucaria! Zeig dich! Oder sollen wir die gesamte Festung mit Bolzen spicken?!“: rief eine männliche Stimme über die Mauer. Tirian riskierte einen Seitenblick sah die Söldnerin unter zwei Turmschilden auftauchten, die zwei Söldner schützen vor sie gehalten hatten. Sie trat an die Brüstung der Festung heran. „Eure mickrigen Zahnstocher haben offenbar nicht gereicht uns zu stürmen. Deine Leute sind Säuglinge im Vergleich zu meinen kleinen Mädchen hier“: rief sie lachend herunter. „Dafür seid ihr aber schnell in Deckung gegangen wie kleine Wiesel“: dröhnte es herauf. Die Altmer schnippte plötzlich mit dem Finger. Ein Bolzen flog plötzlich von der Seite heran, zischte knapp an ihrem Kopf vorbei und flog weiter nach unten. Ein lautes „Uff“ war zu vernehmen. „Du dreckige Hure“: brüllte die Stimme. „Sei froh, dass ich meinen Scharfschützen nicht auf dich losgelassen habe“: meinte sie bloß. „Das hättest du mal versuchen sollen“: entgegnete ihr Gesprächspartner. „Damit deine stinkenden Hundesöhne ohne Herrchen dastehen? Wen sollte ich denn dann noch zu eurem Herrn zurückschicken. Man kann ja schon froh sein, wenn dieser Pulk, den ihr angeheuert habt überhaupt weis, wie sein Name ist“: spottete die Elfe weiter. „Die Festung ist umstellt, Hexe, wir lassen euch ziehen, wenn ihr freiwillig geht und uns eure Beute überlasst“: forderte der Mann. „Soll das heißen ihr wollt uns hier vertreiben?“: fragte die Altmer nun in einem freundlicheren Ton. „Wir übernehmen jetzt eure Geschäfte hier. Dieses Land gehört nun uns“: stellte der Angreifer klar. „Euch? Natürlich“: sagte sie und begann zu lachen.

Tirian und Dreveni schlüpften derweil in das Zelt, das die provisorischen Stallungen darstellte und gingen zu ihrem Guar hinüber. Der durchlöcherte Stoff zeugte davon, dass auch hier der Pfeilhagel der Angreifer Spuren hinterlassen hatte. Das Tier lag, soweit es mit dem Gepäck möglich war, zusammengekauert im Stroh. Offenbar aber war die Fracht, seine Rettung gewesen. Einige Schäfte ragten aus dem Bündel, das der Heiler aufgeladen hatte, heraus. „So hier ist der Guar. Jetzt müssen wir nur noch springen“: sagte er und schwankte noch etwas. Sein Kopf fühlte sich an als wäre er mit Watte gefüllt. Derweil draußen inzwischen das Lachen endete. „Wie dumm von mir“: meinte die Altmer: „ich vergaß das, dass euer Land hier ist.“ Eine kurze Pause folgte. „Ach Moment. Nein. DAS HIER IST JA MEIN LAND. DU ANMASSENDER HUND. ICH WERDE DICH UND DEINE BASTARDE AUFSCHLITZEN UND DEINEN HÄSSLICHEN SCHÄDEL DEM ZAUBERER ZURÜCKSCHICKEN!“: brüllte sie. Im nächsten Moment erklang wieder Kampflärm. Offenbar ließ Ilucaria ihre Gegner angreifen. Tirian versuchte ihren Worten zu folgen und war einen Moment lang abgelenkt. Dreveni packte ihn an der Robe. „Was verflucht nochmal meint ihr mit springen. Wir müssen hier weg“: rief sie ihm ins Bewusstsein. Er guckte sie erst verdutzt an und streichelte versonnen die Augen in seinen Armen. „Ich sage doch springen. Hast du den Plan etwa schon vergessen?“: sagte er und half dabei ihr Gepäck mit auf den Guar zu laden und zu verschnüren, während draußen bekanntgegeben wurde, dass die Angreifer offenbar Skampe an ihre Seite riefen. Erst als er ihren verwirrten Gesichtsausdruck sah, wandte sich Tirian ab. „Nein“: flüsterte er fast nur noch: „So war es nicht.“ Er hielt sich wieder den Schädel. Wieder packte ihn Dunmer am Kragen. „Was meint ihr?“: fragte sie nachdrücklich und rüttelte ihn ordentlich durch. Die Augäpfel des Heilers zuckten hin und her und konzentrierten sich langsam auf ihren Blick. „Ich.. ich hatte mir einen Plan ausgedacht. Wir springen über die Brüstung und entkommen so. Ich nehme nicht an, dass ihr den Aufweg hinunter wollt, wo jetzt der Kampf tobt“: erzählte er, doch nur wenige Augenblicke später verfiel er wieder den roten Augen in seinen Armen.

Draußen wurde der Ton langsam rauer. „Ja schneidet diesen Kötern die Klöten ab. Treibt sie zurück. Ich will Skampenblut!“: ertönte Ilucarias sonore Stimme von draußen. Kurz darauf erklang eindeutig unirdisches Kreischen, gefolgt von irrem Lachen. Tirian klammerte sich derweil weiter an den roten Augen fest. Dreveni packte ihn wieder fest am Arm und zog nun ihn wie auch den Guar hinter sich her nach draußen. „Niemand nimmt mir mein Land ihr Bastarde. ES GEHÖRT MIR!“: erklangen Ilucarias Schreie. Tirians Blick glitt zur Seite. Er sah sie mit einem Dolch, der ihm sehr bekannt vorkam, Skampe und einen Mann in Robe aufschlitzen. Sie war von oben bis unten voll mit Blut. Der Kampf tobte zwar auch auf dem Plateau aber gemessen am Lärm noch mehr vor der Festung. In diesem Getümmel war es ihnen glücklicherweise möglich sich unerkannt zwischen den Zelten hindurch zum Rand der Festung zu schleichen. Der Pfeil- und Bolzenhagel war überstanden so drohte auch keine Gefahr mehr von oben, der Tirian im Moment ohnehin keine Aufmerksamkeit schenkte, da er sich intensiv um die Skulptur in seinen Armen bemühte. Er wusste nicht wieso, aber er konnte sich davon einfach nicht trennen. Der rot-schwarze Vulkanstein, die roten Augen, die seltsame Aura. Es zog ihn regelrecht magisch an. Sein Blick löste sich erst wieder davon, als sie plötzlich anhielten.

Dreveni stand an der Brüstung der Festung und beugte sich hinüber. Sie runzelte ihre Stirn. „Springen?“: schlug der Heiler vor. Die Assassine drehte sich kopfschüttelnd zu ihm um. „Springen? Seid ihr verrückt?! Das Plateau ist zwar geneigt, aber viel zu hoch. Der Heiler schaute die Skulptur an, legte den Kopf schief und lächelte dann. „Der Plan. Vergesst den Plan nicht“: sagte er und trat selbst an die Brüstung heran. „Schaut dort“: sagte er und zeigte mit dem Finger in die Ferne. Die Assassine folgte seinem Zeigefinger und lehnte sich etwas vor. In diesem Moment bildete sich eine leicht blaue Aura um Tirians Hand. Er legte sie der Dunmer auf die Schulter. Sie drehte noch ihren Kopf zu ihm herum, als die Magie übersprang. Mit einem Lächeln, gab er ihr einen Stoß. Um nicht über die Brüstung zu fallen, sprang sie stattdessen von der Kante mit einem überraschten Aufschrei ab. Tirian wirkte den Akrobatikzauber sowohl auf sich als auch den Guar, den er mit leichten Blitzen in der Handfläche ebenfalls zu einem Sprung brachte. Im Moment in dem auch er sich mit einem Sprung von der Brüstung aus der Festung flüchtete, ertönte hinter ihm Ilucarias Stimme. Schon in der Luft drehte er den Kopf und sah die Altmer, mit Blut besudelt wie ein tollwütiger Metzger, zu ihm herüber schauen. „Dreveni! Ihr Bastarde! Niemand verrät mich. Niemand!“: schrie sie. Tirian hielt schon die linke Hand vor sich und legte den Kopf auf die Brust, um sich abzurollen. Der rechte Arm hielt weiterhin die roten Augen umklammert. Wie in Zeitlupe nahm er wahr, wie die Altmer Armbrustschützen heranholte. Sie legten an und schossen. Sie selbst stürmte bereits auf die Brüstung zu. Tirian setzte auf. Er fühlte sein eigenes Gewicht deutlich auf seinem Handgelenk lasten und spürte gleichzeitig die stabilisierende Wirkung seines Zaubers. Andernfalls hätte er sich womöglich etwas gebrochen. Sie konnte er sich einige Meter tiefer auf der Schräge abrollen und noch einmal abstoßen und fiel schließlich wie eine Katze auf die Füße als er unten ankam. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder zurechtfand und er sich versichert hatte, dass der Statuette Nichts geschehen war.

Seine Aufmerksamkeit wurde schnell von einer wütenden Dreveni wieder auf sich gezogen. Doch bevor sie etwas sagen oder tun konnte, flogen auch schon die ersten Bolzen nach unten. Dreveni griff so nur nach seinem Arm und schleifte ihn hinter sich her, auf direktem Weg weg von der Festung. Hinter ihnen tobte Ilucaria auf den Wällen, wilde Drohungen und wüste Beschimpfungen ausstoßend. Sie ließ ihre Schützen feuern, aber offenbar waren ihre besten Männer noch mit den Angreifern beschäftigt. Die wenigen Bolzen verfehlten sie, wenn auch nur knapp. Irgendwann waren sie außer Reichweite der Armbrüste. „DREVENI!“: brüllte sie immer wieder. Doch, sie befanden sich beinahe außer Sichtweite, erklang eine andere Stimme. Auch sie rief den Namen der Dunmer, doch es handelte sich dabei um eine Männerstimme. Dreveni blieb wie vom Donner gerührt stehen und wandte sich um. Von dem plötzlichen Halt wieder aufgeschreckt, riss sie Tirian von der Betrachtung seiner Augen los und er wandte sich ebenfalls wieder nach Falensarano um. Klein sah er die Altmer mit ihrem Dolch auf dem Plateau stehen. Sie hielt die Klinge einem hochgewachsenen Dunmer an die Kehle. „Dreveni! Hast du nur einen Moment gedacht, dass dein Liebhaber damit durchkommen würde? Niemand hintergeht mich. NIEMAND! Fühl dich nirgendwo auf Vvardenfell sicher. Die Morag Tong wird dein geringstes Problem sein. HÖRST DU!“: brüllte sie schäumend für Wut in die Ebene. Einen Moment später zuckte ihr Arm schnell zur Seite und der Dunmer ging zu Boden. Dreveni schaute dem ungerührt zu. Tirian kümmerte sich lieber weiter um die Statue, als die Attentäterin ihn weiter mit sich zog. Noch eine Weile klang das irre Lachen der Söldnerin im Wind nach. Sie selbst liefen und liefen, hielten sich von den Wegen fern und machten auch keine Pause als es zu dämmern begann, sondern erst als die Dunkelheit schon hereingebrochen war.

Der Heiler lehnte sich, völlig erschöpft an einen Baum, an dem sie vorbeikamen, ließ sich zu Boden sinken und blieb sitzen. Selbst Dreveni forderte ihn nicht mehr dazu, wieder aufzustehen, sondern setzte sich ebenfalls zu ihm. „Wir sollten kein Feuer entzünden“: entschied die Assassine. Tirian war es egal. Er hatte die roten Augen. Er hatte alles, was er brauchte.

Andromeda
02.09.2013, 22:34
[Dreveni]
Ihre Flucht war absolut irre, und selbst wenn sie nicht getroffen werden sollten, war immer noch das Problem, wie sie samt Guar vom Dach kommen sollten. Als Tirian sie einfach schubste, wäre sie fast durchgedreht, aber schließlich kam sie doch unverletzt unten an, nachdem sie ein paar unelegante Saltos gedreht hatte auf dem letzten Stück Schräge des untersten Geschosses. Sogar der Guar schaffte es unverletzt. Auch die Drohungen der Söldnerin ließen sie kalt, hatte sie doch selber oft genug ähnliches von sich gegeben und es drohte ihr nun wirklich nicht das erste Mal jemand. Das war doch meistens mehr heiße Luft als ein Grund, wirklich Angst zu bekommen. Darüber hinaus hatte sie eh langsam aber sicher die Schnauze voll von Vvardenfell, lange würde sie hier ohnehin nicht mehr bleiben. Und sollte sich diese Schlampe nur nach Cyrodiil trauen...
Einzig als Ilucaria dem Dunmer die Kehle durchschnitt, musste sie kurz schlucken, zeigte aber nichts von ihren Gedanken auf ihrem Gesicht. Er hätte einfach mitkommen sollen, so aber hatte er sein Schicksal selbst gewählt und es lag wirklich nicht in ihrer Verantwortung. Außerdem regte sie der Heiler mit seiner dämlichen Statue langsam aber sicher auf, an die er sich klammerte, als würde sein Leben daran hängen. Darüber hinaus gab sie ihm überhaupt die Schuld an allem, hätte er nicht geschrien wie abgestochen wären sie sicher einfacher entkommen. So hatte ihnen nur das pure Glück in die Hände gespielt, wäre die Festung nicht angegriffen worden, wären sie verloren gewesen.

Schließlich waren sie weit genug von allem entfernt, dass sie Tirian nicht weiterzog, als er sich erschöpft an einen Baum setzte. Sie setzte sich neben ihn und sagte: "Wir sollten kein Feuer entzünden." Der schien sie jedoch gar nicht zu hören, und sie betrachtete ihn skeptisch. Sein Blick machte immer noch einen leicht abwesenden Eindruck, und er hielt nach wie vor die Statue in den Händen.
Langsam kam ihr der Gedanke, dass Tirian ganz andere Probleme hatte, dagegen war die Morag Tong Kleinkram.
Sie rutschte ein Stück, so dass sie Tirian fast gegenüber saß und sagte mit scharfer Stimme und mühsam unterdrückter Wut: "Was zum Henker ist das", und deutete auf die kleine Statue, "und was war das vorhin?"
Sie hatte gerade noch soviel Beherrschung, ihm nicht erstmal die längst überfällige Ohrfeige zu geben oder ihrer Frage gleich mit ihrem Dolch an seinem Hals Nachdruck zu verleihen.

[Tirian]
Tirian strich noch immer über die Statuette und konnte seinen Blick nur mühsam auf die Dunmer, die ihm jetzt plötzlich gegenüber saß richten. Er schaute sie an, als hätte sie etwas Dummer gefragt. "Das sind meine Augen": sagte er. "Und was meint ihr? Ich dachte wir wären aus der Festung gesprungen? Sind wir das nicht?": stellte er Gegenfragen und rieb sich das Kinn. "Oder waren wir gerade bei den Aschländern?": überlegte er laut. "Ahja ich habe euch vor dem Ashkhan gerettet. Genau!": sagte er. "Also vorhin habe ich mich mit dem Ashkhan geprügelt. Komisch. Ich dachte aber ich hätte mich dabei verletzt": beantwortete er ihre Frage und wandte sich dann wieder seinen Augen zu und schaute direkt in die Rubine.

[Dreveni]
Tirian hatte Dreveni schon des öfteren während ihrer gemeinsamen Reise Sprach- und Fassungslos gemacht, aber dieses Mal übertraf er alles. Was immer die Altmer mit ihm gemacht hatte, nun war er völlig und komplett übergeschnappt. Noch immer brachte sie seinen Zustand nicht mit der Statue in Verbindung, auch wenn sie das dämliche Teil am liebsten in hohem Bogen in die Pampa geschleudert hätte.
Nachdem ihr die Statue nicht als das primäre Problem erschien, konzentrierte sie sich wieder auf den Heiler, dem sie nun doch kräftig mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, um ihn gleich darauf unsanft am Kragen zu packen und ihn so zu ihr her zu ziehen. Inzwischen war sie halb in die Hocke gegangen und hielt ihm mit der anderen Hand die Spitze ihres Dolches an die Kehle. Noch nicht so fest, dass man die ersten Blutstropfen sehen konnte, aber viel fehlte dazu nicht mehr.
"Ihr habt jetzt genau eine Chance, mir eine vernünftige Antwort zu geben, sonst wird wirklich jemand verletzt.", zischte sie ihm zu, und ihre Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass sie mit ihrer Geduld bis jetzt noch nie so am Ende gewesen war seit sie unterwegs waren, wie jetzt in diesem Moment.

[Tirian]
Der Schlag saß und riss den Heiler unsanft aus der Betrachtung. Seine Augen zuckten kurz zwischen Dreveni und dem Dolch in ihrer Hand her. Ein sengender Schmerz fuhr durch seinen Kopf und plötzlich schmolz das Gesicht der Dunmer und gerann erneut einer monsterhaften, den Daedra nicht unähnlichen, Fratze. Erinnerungen kamen hoch. "Nein, ich bin kein Monster. Ihr seid es": schrie er voller Verzweiflung und riss ganz reflexhaft die Skulptur nach oben. Dreveni fiel zur Seite. Tirian wusste nicht, ob er sie getroffen hatte, war aber froh dem Griff und dem Messer entkommen zu sein, wusste er doch, was als nächstes passiert wäre. Die Augen hatten es ihm gezeigt. Er sprang auf lief einige Meter, bevor er dann plötzlich stehen blieb und weinend ins Gras sank. "Nein. Ich bin ein Ungeheuer. Es steckt in mir": stammelte er und krallte seine Finger so fest in den Stein der Statue, dass unter einigen Nägeln bereits Blut hervorquoll. "Ich bin ein Monster": wiederholte er immer wieder, während er mit leeren Augen ins Nichts stierte und vor und zurück wippte.

[Dreveni]
"Nein, ich bin kein Monster. Ihr seid es", hörte sie Tirian plötzlich, scheinbar ohne Zusammenhang, sagen. Sie sah noch, wie er die Statue hochriss, und dann für einen kurzen Moment nichts als Sterne. Sie verlor das Gleichgewicht und als sie sich wieder aufgerappelt hatte, war Tirian schon aufgesprungen und machte Anstalten, wegzulaufen. Sie ignorierte das Blut dass ihr aus einer Schramme an der Schläfe lief, wo Tirian sie mit der Statue getroffen hatte, und setzte ihm nach. Lange dauerte die Verfolgungsjagd nicht, da er sich nach wenigen Metern schon ins Gras sinken ließ, die Figur umklammerte und wie ein Irrer wackelnd sitzen blieb. Sie betrachtete ihn ein paar Augenblicke und wusste beim besten Willen nicht, wie sie ihn wieder zurück in die Spur bringen sollte.
Sie hatte jedenfalls nicht vor, sich noch einmal die Steinfigur über den Kopf ziehen zu lassen, so zog sie ihr Schwert und hielt die Spitze auf Augenhöhe so vor Tirians Gesicht, dass auch jemand der von Schwertkampf nicht den Hauch einer Ahnung hatte sehen konnte, dass es die ideale Position war, um blitzschnell zuzustechen.
"Du bist höchstens völlig übergeschnappt.", blaffte sie ihn an. "Und jetzt leg endlich diese beschissene Statue weg." Dass sie die Ansprache jetzt zum vertrauteren Du gewechselt hatte, entsprang mehr ihrem Zorn als freundschaftlichen Gefühlen für Tirian. Zorn gemischt mit Hilflosigkeit, wie sie sich widerstrebend eingestehen musste. Sie hatte wirklich keine Ahnung, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte, geschweige denn dass sie überhaupt wusste, was zum Henker mit dem Heiler los war.

[Tirian]
Die Klinge hing direkt vor seinem Gesicht in der Luft. Er sah die Waffe fast ebenso hypnotisiert an, wie seine Augen, die Tränen versiegten. Das Wippen stellte er ein. Durch Dreveni selbst schaute er einfach hindurch. Er nahm eine Hand von der Statue und packte die Spitze der Waffe plötzlich fest mit der blanken Hand. Aufkommenden Schmerz, als die Assassine am Griff zu rucken begann, drang gar nicht zu seinem Bewusstsein vor. Vielmehr führt er die Waffe nun an seine Kehle. "Die Augen haben mir alles gezeigt. Töte mich du Monster": sagte er zornig, dann wieder weinerlich: "Ich will kein Monster sein." "Die Augen sie sehen mit brennender Klarheit alles": faselte er und die Tränen liefen ihm erneut über die Wangen.

[Dreveni]
Dreveni nahm gerade dazu Anlauf, ihm die Spitze ihres Schwertes aus der Hand zu ziehen, da setzte er sie von allein an seine Kehle. Aus dem Gefasel, was dann folgte, wurde sie nicht eben schlauer, sie verstand nur was er von ihr wollte, nicht warum. Diesen Gefallen würde sie ihm allerdings nicht tun.
"Monster? Du sitzt da und heulst wie ein Kind und hast Angst ein Monster zu sein?", sagte sie mit Abscheu in der Stimme. Dann zog sie mit einer schnellen Bewegung an ihrem Schwert und befreite es aus Tirians Griff. Dass sie ihm dabei wohl in die Hand schnitt, war ihr egal. Vielleicht würde ihn der Schmerz ja wieder zur Besinnung bringen, auch wenn sie daran nicht wirklich glaubte. "Du solltest dieses Ding da wirklich weg legen.", sagte sie schließlich und klopfte mit der Schwertspitze gegen die Statue. "Es scheint dir nicht zu bekommen." Sie sah ihn lauernd an, und überlegte, wie sie ihm diese elende Figur am besten aus der Hand schlagen konnte.
Warum gab sie sich überhaupt noch mit ihm ab? Es war nicht allein die Tatsache, dass sie hier mitten im Nirgendwo war, und Tirian sich wenigstens auskannte. Hatte sie sich doch schon so sehr an ihn gewöhnt? Wieso ließ sie ihn nicht einfach sitzen, wo er doch offensichtlich endgültig übergeschnappt war?

[Tirian]
Nur widerwillig ließ er zu, dass sie das Schwert zurückzog. Doch als sie mit dem Schwert auf seine Augen schlug, verengte er selbige. Aufmerksam beobachtete er Dreveni. Sie wollte ihm offenbar die Augen nehmen. Das durfte sie nicht. Sie waren das Einzige was ihm Halt und Wärme gab. Ohne sie fühlte er sich leer. Ohne ihre Wahrheit wollte sein Kopf nicht mehr funktionieren. Er brauchte die Bilder und Stimmen, die ihm seine Augen zeigten. Sie sollte es nicht wagen sie ihm zu rauben. Es mochte ihr Ende sein, wenn sie, sie antastete. Er drehte sich von ihr weg. "Wagt es nicht sie anzufassen, Monster": sprach er und hielt für den Fall der Fälle Magie bereit, um zu reagieren.

[Dreveni]
Also doch, es schien irgendwie mit dieser komischen Figur zusammenzuhängen. Jedenfalls sah ihr Tirians Reaktion ganz danach aus.
"Dann eben nicht.", murmelte sie und ließ das Schwert fallen - nur um gleich ihr Stilett zu ziehen um es dem Heiler nötigenfalls in die Hand zu stechen, sollte er dieses Ding nicht freiwillig loslassen. Ihr Dolch lag leider noch an der Stelle, an der er ihr die Statue über den Kopf gezogen hatte. Dieses Mal würde sie jedenfalls vorsichtiger sein. Mit einem Satz warf sie sich mit ihrem ganzen Gewicht auf Tirian und wollte versuchen an seine Hand zu kommen, die immer noch die Figur umklammert hielt

[Tirian]
Er hatte sich vorbereitet, war dennoch überrascht, als sich das Monster auf ihn stürzte. Ihr ganzes Gewicht versuchte ihn zu bändigen. Ihre Klauen griffen nach seinen Augen. "Nein sie darf sie nicht bekommen": befand er in Gedanken. Er stemmte sich mit aller Kraft gegen ihren Körper. Sie hatte seine unverletzte Hand gepackt und wollte ihr die Statue entwinden. Tirian griff mit der Verletzten herüber und versuchte die Klaue abzuwehren. Gerade hatte er die Hand erhoben und wollte die gegen die dämonifizierte Assassine damit vorgehen, da spürte er auch schon einen schweren Stich darin. Er schrie auf, sah die schmale, runde Klinge von Drevenis Stilett darin stecken. "Monster": zischte er, ließ die Statuette los und holte mit der anderen Hand aus. Die Energie des Schockzaubers knisterte dabei schon gefährlich in der Luft. Er erwischte sie an der Schulter und wischte Dreveni wie ein Insekt von seinem Rücken. Mit einem Aufschrei rollte sie sich von ihm herunter.

Die Statue blieb im Gras liegen, während er sich erhob und sich nun gänzlich Dreveni zuwandte. Blut troff von seiner Hand, doch er machte keine Anstalten die Waffe herauszuziehen. Stattdessen bildete sich eine Aura aus Blitzen um die Andere herum. Die Zähne gefletscht ging er nun seinerseits auf Dreveni los.

[Dreveni]
Es war nicht so, dass sie es darauf angelegt hatte, Tirian das Stilett durch die Hand zu stechen, aber es hatte sich eben so ergeben. Gleich darauf fühlte sie einen stechenden Schmerz an ihrer Schulter, der ihren Arm sofort taub werden ließ. Mit einem Aufschrei ließ sie von dem Heiler ab und landete unsanft im Gras. Sie war immer noch leicht benommen und auch ihre Muskeln in ihrem linken Arm gehorchten ihr noch nicht. Dazu gesellte sich ein brennender, fast schon lähmender Schmerz, durch den direkten Kontakt mit dem Schockzauber hatte sie außerdem noch eine böse Brandwunde davon getragen.
Kaum hatte sie ihr Gesicht wieder dem Heiler zugedreht, sah sie ihn auch schon auf sich zukommen, und der Anblick war nun wirklich kein angenehmer. Neben dem Stilett dass noch aus seiner Hand ragte, und dem blauen Leuchten des Zaubers um seine andere Hand war es vor allem der Ausdruck blanken Hasses und Mordlust den sie in seinem Gesicht sah, der sie erschauern ließ.
Wenigstens war somit auch die Frage beantwortet, wo sich ihre Waffe befand. Das Schwert war ebenfalls gerade außerhalb ihrer Reichweite. Und trotzdem würde sie nicht so einfach aufgeben.

Sie biss die Zähne zusammen und versuchte sich auf einen Zauber zu konzentrieren. Sie musste ihn nur für kurze Zeit ablenken, bis sie wenigstens wieder an ihr Schwert gekommen war. Sie wählte einen Stillezauber, nicht weil sie den Heiler nicht verletzen wollte, sondern weil sie sich nicht sicher war, ob er in seiner Rage überhaupt merken würde, wenn sie mit etwas anderem auf ihn zielte. Im Moment ging es um Leben und Tod, das war ihr klar.
Schließlich bildete sich ein grünliches Leuchten um ihre rechte Hand, und mit einer schnellen Bewegung schleuderte sie es Tirian entgegen, um sich gleich darauf über den Boden zu ihrem Schwert zu rollen. Sie hielt sich nicht damit auf zu beobachten, ob sie überhaupt getroffen hatte oder ob der Zauber auch wirklich wirkte.
Es ging um Sekunden, da blieb für so etwas keine Zeit. Auch war ihr bewusst, dass es wesentlich einfacher war, einen ungerüsteten mit dem Schwert zu töten als ihn bloß handlungsunfähig zu machen. Andererseits würde sich dieses Problem auch erübrigen, wenn Tirian nur endlich wieder zur Besinnung kommen würde.

[Tirian]
Mit Befremden stellte er fest, dass sich der Zauber in seiner Hand plötzlich auflöste und seine Magie überhaupt nicht mehr zusammenfand. Kein Zauber war mehr möglich. Wie konnte diese Kreatur es nur wagen. "Ich werde dieses Monster erschlagen": entschied er und das notfalls mit bloßen Händen. Er stürzte weiter in ihre Richtung. Sie versuchte nach ihrem Schwert zu greifen, doch er hatte die Augen, die ihm die Wahrheit zeigten. Er musste dieses Monster töten. Das Schwert konnte ihn nicht aufhalten. Es würde ihn nicht aufhalten. Sie brachte die Waffe zwischen sich und ihn, doch er ließ sich nicht beirren, wollte in die Waffe fassen und sie zur Seite rücken, doch stattdessen zog sie das Glasschwert einfach zur Seite. Er stolperte an ihr vorbei und kassierte einen Schlag in den Rücken, der ihn zu Boden schickte. Doch anstatt sich zu fügen, sprang er umgehend wieder auf, um den Angriff wieder aufzunehmen.

[Dreveni]
Sie schaffte es gerade noch das Schwert zur Seite zu nehmen, als der Irre schon wieder mit der blanken Hand in die Klinge greifen wollte. Noch dazu hatte sie kaum Kraft in ihrem linken Arm, es wäre also durchaus möglich gewesen, dass sie ihre Klinge nicht mehr so schnell hätte befreien können.
Auch der Schlag in seinen Rücken, bei dem sie das Schwert noch so gedreht hatte, dass sie mit der flachen Seite zuschlug, war nicht mit voller Kraft geführt, reichte aber, um den Heiler von den Füßen zu holen, jedoch rappelte er sich sofort wieder auf und ging erneut auf sie los.
Dreveni ging ein paar Schritte rückwärts, weg von der Statue, die immer noch im Gras lag, das Schwert vor sich haltend und mit der Spitze auf den Dunmer zeigend. Sie hoffte dass Tirian nicht zu einem neuen Zauber ausholen würde, sonderlich lange konnte der Stillezauber nicht anhalten. Für einen kurzen Augenblick fragte sie sich, warum sie die Klinge überhaupt im letzten Moment noch gedreht hatte, und dem Heiler so noch eine Chance gegeben hatte, wieder anzugreifen. Er schien es jedenfalls überhaupt nicht zu honorieren, dass sie ihn verschont hatte.
"Tirian, hör auf.", unternahm sie einen letzten Versuch, wobei man die Erschöpfung und den Schmerz in ihrer Stimme hören konnte. "Du bist sonst kein Stück besser als ich."

[Tirian]
Drevenis Worte drangen an seine Ohren. Er blieb stehen und schaute die Elfe an. Es war als würde ihre Monsterfratze zerfließen. Er rieb sich die Augen. Das Gesicht der Dunmer waberte wie Nebel. "Was ist das?": fragte er sich. Für einen Moment sah er wieder ihr altes Gesicht. Sah einen sanfteren Ausdruck in ihren Augen, bevor sich der Nebel wieder schloss und die abscheulichen Hauer das Bild wieder dominierten. Sein Schädel tat weh. Er fasste sich an den Kopf. Ihm war schwindlig. "Die Augen... die Wahrheit. Du, Monster. Ich, Monster": brüllte er. Mühsam unterdrückte er den Reflex wieder auf Dreveni loszugehen. "Wo... sind... meine... Augen": sagte er. Inzwischen war ihm der kalte Schweiß ausgebrochen. Seine Augen tasteten das Gras ab und suchten nach der verlorenen Statuette.

[Dreveni]
Diese verfluchte Statue, dachte sich die Dunmer nur, als sie Tirian ansah. Es war ihr absolut schleierhaft, warum er sie die ganze Zeit als 'seine Augen' bezeichnete, aber das war ihr jetzt auch egal.
Wäre hier ein See oder das Meer hätte sie das Drecksteil schon längst versenkt, so war sie sich nicht einmal sicher, wie weit sie es hätte werfen können, noch dazu mit ihrer verletzten Schulter. Sie wusste nicht einmal, wie schwer das Ding war. So ging sie kurzerhand auf Tirian zu, seine Verwirrung ausnützend, legte ihm die Schneide des Schwertes von hinten an die Kehle, und packte ihn mit dem anderen Arm, während sie ihn mit sich zog, weg von der Steinfigur die immer noch im Gras lag.
Beiläufig registrierte sie, dass er immer noch ihr Stilett in der Hand hatte, und wunderte sich abermals in was für einem Zustand er sich befand. Ihre eigene Verletzung schmerzte inzwischen tierisch, aber Brandwunden fand sie selbst bei weitem schlimmer als Stiche oder Schnitte.
Als Dreveni schließlich meinte, dass sie sich weit genug von der Statue entfernt hatten, drehte sie den Heiler mit dem Gesicht zu ihr und schüttelte ihn kräftig und anhaltend. "Werd endlich wieder normal, verflucht noch mal.", sagte sie dabei, allerdings mehr zu sich selber.

[Tirian]
Er befand sich wenig später wieder in ihrem Würgegriff. Wäre da nicht sein schmerzender Kopf und das Verschwinden seiner Augen gewesen, hätte er sie spüren lassen, dass er sich keinem Monster ergab. Doch er fand die Statue nicht. Sie war seinem Blick entglitten und er fand sie auch nicht, als Dreveni ihn weiter wegzerrte. Dann plötzlich schaute er sie wieder an. Sie schob ihr Gesicht vor seines, verstellte ihn den Blick und schüttelte ihn. "Werd endlich wieder normal, verflucht noch mal": sagte sie zu ihm. "Ich bin normal, du Monstrum. Durch die Augen der Wahrheit sehe ich die Wirklichkeit. Wo sind meine Augen. Wo sind Sie?!": wollte er wissen.

[Dreveni]
"Wo deine Augen sind? WEG! Du hast sie verloren! Und zwar da hinten!", wobei sie in eine ganz andere Richtung zeigte, als dort, wo die Figur tatsächlich lag. Dreveni platzte der Kragen, und es fehlte nicht viel, da hätte sie es an dem Heiler ausgelassen. Mit dem letzten Rest Beherrschung wandte sie sich ab und ging mit schnellen Schritten zu der Stelle, an der die Statue im Gras lag und kniete sich vor die Figur. Sie nahm ihr Schwert mit dem Knauf nach vorn an der Parierstange und der Fehlschärfe und begann mit damit auf die rotleuchtenden Augen der Statue einzuschlagen. Diese lag so in einer Kuhle, dass sie sich kaum bewegte, und es dauerte nicht lange, da splitterte der erste der Steine, und schließlich der zweite. Sie wunderte sich noch dass es so leicht ging, da sie gedacht hatte, dem Stein ohnehin nichts anhaben zu können, andererseits legte sie auch alle Kraft der Wut und des Schmerzes in ihre Hiebe. Außerdem war das Vulkanglas wirklich erstaunlich hart, auch wenn sie meinte, ein paar Splitter abplatzen zu spüren. Es geschah nicht oft, aber sie war gerade wirklich kurz davor, komplett die Beherrschung zu verlieren und auf alles einzuschlagen, was sie in diesen Zustand versetzt hatte, namentlich diese Statue und Tirian. Tirian. Kaum dachte sie an ihn, hörte sie auch schon seine panischen Schreie, als er auf sie zugestürzt kam...

[Tirian]
Sie ließ ihn los und wies in eine Richtung. Er lief sofort los, um seine verlorenen Augen zu suchen. Doch konnte er an der gewiesenen Stelle Nichts im Gras liegen sehen. Er schaute sich auch noch genauer um, aber entdeckte auch so Nichts. Stattdessen hämmerte plötzlich rhythmisch Schmerz durch seinen Schädel. Begleitet wurde er von Schlaggeräuschen im selben Takt. Er wandte sich der Assassine wieder zu. Sie schlug auf etwas ein. "Meine Augen!": entfuhr es ihm, als er die Statue erkannte. Das erste der Augen gab unter den brutalen Schlägen der Dunmer nach. "NEIN!!!!": brüllte Tirian in Panik seine Augen zu verlieren und blind zu sein. Doch noch bevor er sie erreichen konnte, zersprang auch das zweite Auge. Mit einer Pein, als hätte jemand ihm einen glühenden Speer in den Schädel getrieben, brach der Heiler schreiend und sich den Kopf mit beiden Händen haltend in die Knie. Die Qualen hielten einige Momente an um dann plötzlich zu verschwinden und nur noch sein gequältes Selbst zurückzulassen. Blinzelnd öffnete er die Augen und sah die monsterhafte Dreveni über sich knien, doch im nächsten Moment löste sich das Antlitz der daedrischen Bestie auf und er blickte wieder in das vertrauten Augen. Der Schleier des Traums lichtete sich vor seinen Augen. Der Träumer erwachte. "Dre... Dreveni?": sagte er und ein unendlich glückliches Lächeln zeigte sich in seinem Gesicht: "Ich habe... euch... endlich gefunden." Dann konnten allerdings nicht einmal mehr die brennenden Schmerzen in seiner Hand verhindern, dass er in Ohnmacht fiel.

[Dreveni]
Noch bevor Tirian sie erreichte, brach er schreiend in die Knie, die Hände vorm Gesicht. Zuerst wollte sie nicht zu ihm gehen, weniger aus Angst dass er wieder auf sie losgehen würde, sondern mehr deshalb, weil ihr immer noch danach war, irgendetwas oder irgendwen zu erschlagen. Als er aber dann still wurde, stand sie doch auf und beugte sich über ihn.
Seine Worte klangen ganz danach, dass er endlich wieder bei Verstand war, aber gänzlich sicher war sie sich noch nicht, es klang immer noch irgendwie verwirrt. Bevor sie ihn aber fragen konnte, was das Ganze gewesen war, wurde er bewusstlos.
"Wunderbar."
Dreveni sah sich um, aber bis auf den Guar, der scheinbar verwundert in ihre Richtung blickte, konnte sie niemanden sehen. Das Geschrei, dass sie beide veranstaltet hatten, hatte offenbar niemanden angelockt. Sie sah wieder auf Tirian, der arg mitgenommen wirkte, und das nicht nur wegen der Klinge in seiner Hand. Sie überlegte kurz, das Stilett herauszuziehen, andererseits war ER hier der Heiler und sie wollte nicht dass er jetzt noch verblutete.
Jetzt wo alles vorbei war, merkte sie den Schmerz in ihrer verbrannten Schulter um so mehr, und so blieb sie einfach neben Tirian sitzen und wartete, dass er wieder wach werden würde. Viel mehr blieb ihr ohnehin nicht übrig, außer nebenbei ihre Wunde mit dem kalten Glas ihres Schwertes zu kühlen, und davon abgesehen war sie selbst inzwischen auch ziemlich fertig.

KingPaddy
09.09.2013, 15:13
[Tirian]
Übergangslos schlug Tirian die Augen auf. Er blickte in den sternenklaren Nachthimmel und sah das endlose Leuchten am Firmament über sich. Sein Kopf fühlte sich viel leichter an, als noch zuvor. Das seltsame Gefühl wie von Watte und der seltsame Schleier in seinen Gedanken waren verschwunden, dennoch blieb seine Erinnerung bruchstückhaft. Er versuchte sich daran zu erinnern, wie er hierher gelangt war, doch das letzte, dem er sich entsinnen konnte, war der Einbruch in das Schatzlager in der Festung, danach war alles... merkwürdig. Während er regungslos lag und weiter in den Himmel starrte, versuchte er die Bilder zu ordnen. Dort waren Aufnahmen eines Sprunges von der Mauer als auch einer mordenden Ilucaria und doch erschien ihm dies wie aus einem Traum zu stammen. Viel mehr noch verstörten ihn die Gedanken an eine ambivalente Dreveni mit dem normalen herb-schönen Dunmergesicht einerseits und andererseits der schrecklichen Fratze einer Dremore. Auch kehrte langsam die Memoria an die Träume der letzten Zeit wieder. Er zuckte dabei zusammen und schüttelte sich. Ein Monster sollte er sein. Er schloss für einen Moment die Augen. Eine Träne lief ihm bei den Gedanken an das Monster, das sein Vater vielleicht war, über die Wange. "Es steckt in mir": wiederholte er etwas aus dieser alptraumhaften Begegnung. Er fürchtete sich davor. "Mag das die Wahrheit sein?": er zweifelte und der Zweifel wurde ihm zur Qual. Was wenn er so wirklich sein sollte. Sein Talent galt der Zerstörungsmagie. Er war wie sein Vater dazu geschaffen zu töten und zu zerstören. Er dachte an den Dunmer zurück, dessen Gesicht er regelrecht weggebrannt hatte und erkannte die Parallele zu Tarrior, kaum weniger zimperlich mit Gegnern umsprang. Tirian ekelte sich vor sich selbst.

Er ballte die Faust zusammen. Ein anderer Gedanke befiel ihn, als Schmerz seine Hand und seinen Arm durchzuckte. Er riskierte einen Blick zur Seite und sah das Stilett von Dreveni aus seiner Hand ragen. Sie war damit durchstochen. "Zerstörungsmagie": kam es ihm in den Sinn. "Oh nein. Dreveni!": dachte er panisch und setzte sich auf. Noch immer knirschte sein Verstand bei der Aufgabe Traum und Wirklichkeit der letzten Stunden zu rekonstruieren, in Verbindung zu setzen und zu ordnen, doch beim Anblick des Stiletts kamen ihm immer eindrücklichere Bilder hoch, wie er die Dunmer verletzt hatte. Er sah sich schnell nach ihr um. Seine Augen tasteten wild umher. Er hoffte inständig, dass er ihr Nichts angetan hatte. Das hätte er sich niemals verzeihen können. Sein Herz beruhigte sich jedoch, als er die Assassine im Dunkeln an den Baum gelehnt sitzen sah. Schnell ging er zu ihr hinüber. Es schien als wäre sie eingenickt. Er wollte sich vergewissern, dass es ihr gut ging, kniete neben ihr nieder und schaute sie an. "Dreveni, geht es euch gut?": fragte er zögernd.

[Dreveni]
Dreveni hatte sich in den letzten Stunden immer wieder vergewissert, dass Tirian noch lebte, ansonsten hatte sie nicht viel getan. An Schlaf war kaum zu denken, aber immerhin tat die Kühle der Nacht gut. Schließlich hörte sie, wie sich aus der Ecke in der der Heiler lag, etwas rührte. Sie hatte nicht wirklich geschlafen, aber immerhin war sie etwas zur Ruhe gekommen.
"Dreveni, geht es euch gut?"
Der Heiler klang zwar wieder normal, was aber nichts heißen mußte. Noch zu gut war ihr sein Gehabe von vorhin im Gedächtnis. Sie hob den Dolch, den sie inzwischen wieder eingesammelt hatte und der auf ihrem Schoß gelegen war, und hielt ihn Tirian entgegen.
"Zwei Schritte zurück. Und dann habt ihr genau eine Chance mir klarzumachen, dass ihr wieder normal seid."
Sie hatte sich in den letzten Stunden genau überlegt, wie es weitergehen sollte. Würde Tirian nicht mehr zu sich selbst zurückfinden, würde er ihr keine Wahl lassen. Ihn hier zurücklassen in diesem Zustand wäre grausam, und ihn weiterhin mitzunehmen, wäre zu gefährlich. Was sollte sie auch mit ihm tun? Zu einem Heiler bringen? Würde Dreveni selbst einmal dem Irrsinn so anheimfallen, würde sie sich jedenfalls wünschen, dass sie jemand erlösen würde.

[Tirian]
Überrascht von der Klinge, die sich plötzlich vor ihm befand, stolperte er zurück und fiel mit einem plumpen Ton auf den Boden. "Wieder normal?": sagte er und schluckte. Er überlegte fieberhaft was wirklich vorgefallen war und schüttelte dann den Kopf. Noch mochte sein Verstand den Schleier des Traums nicht ganz zerreißen. "Ich hatte gehofft, dass ihr mir erklären könntet, was passiert ist und wie wir hierher kommen. Ich kann mich nur noch an die Festung erinnern. Der Rest erscheint mir geradezu wie ein... Alptraum. Alles ist so seltsam unklar und vernebelt": gab er sich ahnungslos. Er hob seine Hand, in der immer noch brennend das Stilett steckte. "Ich hatte hiervon geträumt und ich dachte": er schluckte wieder und wich ihrem Blick aus: "ich hätte euch verletzt." Was war nur passiert. Tirian wollte es wissen. "Aber bitte nehmt den Dolch herunter": wer wusste schon, ob Dreveni nicht einfach auf ihn losgehen würde.

[Dreveni]
Die Dunmer war sich inzwischen fast sicher, dass Tirian - wenigstens im Moment - relativ normal war. Aber wer wußte schon wie lange das anhalten würde.
"Ihr habt mich verletzt, aber ich denke wir sind quitt.", sagte sie und deutete auf Tirians Hand. Den Dolch senkte sie, hielt ihn aber immer noch in der Hand. "Und ich hoffe ihr wollt mir nicht ernsthaft weismachen, dass ihr nichts mehr wisst? Nichts von dieser dämlichen Statue? Euren... 'Augen'?" Sie beobachtete ihn lauernd, allerdings war es zu dunkel, um wirklich etwas in seinem Gesicht lesen zu können. "Ihr habt euch aufgeführt wie ein Irrer, und erst recht als ich sie euch wegnehmen wollte, und rumgeheult dass ihr kein Monster sein wollt.", fügte sie noch an. Dreveni war immer noch leicht angefressen ob der vergangenen Ereignisse, und es war ihr dabei egal ob Tirian etwas für sein Verhalten konnte oder nicht.

[Tirian]
Jede Aussage von Dreveni kam einem Hammerschlag gleich, der durch seinen Schädel dröhnte und das Getriebe, das sein Verstand war, wieder in Schwung brachte. Er hielt sich wieder den Kopf. "Nein... ich will euch garnichts weismachen": sagte er, während es in seinem Schädel dröhnte. "Augen!": das war das richtige Stichwort. "Meine letzte klare Erinnerung ist an dieses Schatzlager und eine seltsame Skulptur, besetzt mit roten Rubinen und dann wurde... allles... so merkwürdig. Ich sah euch, doch ihr wart nicht ihr und ich sah meinen Vater. Ihr beiden wart schrecklich entstellt, als wäret ihr zu Daedra mutiert. Es glich Träumen, die ich zuvor hatte, aber es schien so, so, so schrecklich real": versuchte er zu beschreiben, woran er sich noch erinnern konnte. Er konnte das Gesicht der Assassine im Dunkel nicht sehen und konnte nicht erkennen, wie sie seine Worte aufnahm. Sein Verstand arbeitete ruckend weiter. "Doch das Schlimmste, auch ich verwandelte mich in so eine Kreatur. Es war als würde ein Teil tief in mir, zu mir sprechen. Er meinte, dass mein wahres Ich ein Monstrum wäre": sprach er und wurde dabei immer leiser. Er packte im nächsten Moment das Stilett, das noch immer in seiner Hand steckte und zog es mit einem kräftigen Ruck heraus und steckte es dann in den Boden.

Ein schwacher Heilzauber stillte nur die Blutung und beschleunigte das Nachwachsen des Fleisches, doch ganz heilen, wollte er sie nicht. "Und ich bin mir nicht sicher, ob die Stimme nicht Recht gehabt hat. Wenn es stimmt was ihr sagt, dann ist auch der Angriff auf euch wahr und war kein Traum. Ich hätte euch sonst etwas antun können. Es tut mir schrecklich leid": sagte er und schlug die Hände vor das Gesicht. Ihm war nach weinen zumute, doch es kamen keine Tränen.

[Dreveni]
Dreveni sah Tirian skeptisch und leicht abweisend an, während sie ihm zuhörte. Als er ihr frisch geschliffenes Stilett einfach in den Boden rammte ohne Rücksicht auf eventuelle Steine, kam außerdem noch ein missbilligender Ausdruck in ihren Augen dazu.
"Bei den Neun.", murmelte sie genervt, als er fertig war und wieder den Eindruck machte, als würde er gleich anfangen zu weinen. "Ja, ihr hättet mich mit Sicherheit getötet, hätte ich euch die Gelegenheit gegeben, und das nur weil ich euch diese dämliche Statue wegnehmen wollte. Ich euch übrigens auch fast.", sagte sie schließlich kühl. "Und man kann sich sicherlich streiten, ob der Begriff 'Monstrum' so passend ist, aber ja, ihr habt definitiv das Potential zu töten. Wie übrigens fast jeder, es ist nur eine Frage der richtigen... Motivation." Langsam reichte es ihr. Sie griff nach ihrem Stilett und schob es wieder in die Halterung an ihrem linken Arm, nachdem sie es an ihrem Kleid, dass sie immer noch trug, abgewischt hatte. Dabei keuchte sie kurz vor Schmerz als die Reste des Stoffes an der Brandwunde rieben. "Und im Austeilen von Schockzaubern seid ihr ohnehin nicht schlecht. Hört endlich auf herumzuheulen und akzeptiert was ihr seid, und zwar alle Teile davon." Inzwischen war sie aufgestanden und streckte sich vorsichtig, den Dolch immer noch in der Hand haltend.. "Was ist das überhaupt für eine Statue? Hattet ihr solche Aussetzer schon mal?" Ihre Stimme klang nach wie vor abweisend, was auch damit zu tun hatte, dass sie noch immer nicht sicher war, dass Tirian nicht im nächsten Moment wieder auf sie losgehen würde.

[Tirian]
"Natürlich hat man das Potenzial zu töten. Doch es ist schändlich wenn sich Leidenschaft in Blutrausch verwandelt. Man tötet nicht mehr der Notwendigkeiten wegen, sondern für das Töten an sich. In einem Zustand, in einer Situation in der man in der Lage sein könnte, über das Lebens eines anderen zu verfügen, die Kontrolle über sich zu verlieren ist Verachtung. Man verachtet das Leben des Anderen und gibt sich damit völlig ignorant dem Rausch hin zum Schaden des Anderen": widersprach er der Assassine. Eine Erinnerung kam ihm hoch. Wieder schüttelte er sich angewidert vor sich selbst. In diesem Moment hörte er das Keuchen seiner Begleiterin. Ihre Hand wollte kurz zu ihrer Schulter hochfahren, doch unterließ sie es. Sie redete, doch er fixierte sich auf ihre offenkundige Verletzung. "Lasst mich das bitte anschauen und behandeln": sagte er. Er wollte seinen Aussetzer zumindest an ihr wieder gut machen, auch wenn das nur eine schwache Entschuldigung war. "Schockzauber, ja. Wäre es nach meiner Mutter gegangen, wäre ich ein Kampfmagier geworden und hätte mich vielleicht den Ordinatoren angeschlossen": sagte er. Sein Blick zeigte, dass er nicht gerne daran zurückdachte. Allerdings war er womöglich doch nur ein Werkzeug, das zum Töten geschaffen war.

[Dreveni]
Was kümmern mich schon die Anderen?, wollte Dreveni dem Heiler erst Reflexhaft antworten. Sie selbst hatte nie bestritten, dass man gewisse Charakterzüge brauchte, um zum bezahlten Meuchelmörder zu werden. Natürlich ging es um Macht, sicher auch um Rausch, wenn auch nicht gerade um Kontrollverlust. Es war eher das Gegenteil für sie, sie hatte in diesen Momenten nicht nur ihr eigenes Leben unter Kontrolle, sondern auch noch das ihres Opfers.
Mein eigenes Leben? Sicher?, hörte sie eine Stimme in ihren Gedanken. Sie schüttelte unmerklich den Kopf und sah den Heiler mit kalten Augen an. Inzwischen waren die beiden Monde durch die Wolken gebrochen und tauchten die Landschaft in geisterhaftes Licht, in dem sie nun immerhin wieder Tirians Gesicht erkennen konnte. Da wurde ihr auch bewußt, dass er wohl immer noch auf eine - wie auch immer geartete - Antwort von ihr wartete. Wieso schockierte es ihn nur so, dass er nicht nur gute Seiten hatte? Für Dreveni war das nun wirklich nichts neues, seit ihrer Kindheit hatte sie unter Elfen und Menschen gelebt, für die das Morden tägliches Geschäft war. Natürlich hatte sie einen gewissen Respekt und einen Berufsethos von Mordan vermittelt bekommen, und sie hatte sich im Griff, im Gegensatz zu dem Dunmer vor ihr, der dauernd zwischen Selbstvorwürfen und Blutrausch schwankte. Würde er nur akzeptieren, wie er nun einmal war, dann...
Was wäre aus ihr selbst geworden, wäre sie nicht von Mordan aufgezogen worden? Wäre sie dann ebenfalls so innerlich zerissen wie Tirian? Sie wischte diese Gedanken mit einer ärgerlichen Geste ihrer rechten Hand beiseite und sagte schließlich gedehnt:
"Kampfmagier.", während sie immer noch nach Worten suchte. "Vielleicht wäre das nicht einmal so verkehrt gewesen. Dann hättet ihr vielleicht eure 'dunkle' Seite akzeptiert und gelernt, sie zu beherrschen. Ich sagte doch schon, ihr könnt nicht gewinnen. Ihr seid wie ihr seid." Sie versuchte den Blick seiner Augen einzufangen, während sie sprach, und meinte dass sie sogar im fahlen Mondlicht deren glutrote Farbe sehen konnte. Widerstrebend mußte sie sich eingestehen dass es mit ihrem Plan, sämtliche Gefühle die sie vielleicht für ihn hegte zu verdrängen, nichts wurde, je mehr sie sah, wie gefährlich er werden konnte. Etwas dass sie auch schon bei Feryn so angezogen hatte...
Nein.
"Meinetwegen schaut es euch an, so kann ich ohnehin nicht kämpfen, und hier rennen Daedra durch die Gegend.", antwortete sie auf seine Bitte, ihre Verletzung behandeln zu dürfen. "Aber vorsichtig. Mit der Rechten bin ich vermutlich immer noch schneller als ihr. Und ihr habt meine Frage nach der Statue noch nicht beantwortet."

[Tirian]
"Meinetwegen schaut es euch an, so kann ich ohnehin nicht kämpfen, und hier rennen Daedra durch die Gegend": gestattete Dreveni die Behandlung. Er bat sie den Arm frei zu machen und setzte dann ein ernstes Gesicht auf, als er im aufkommenden Mondlicht einen Blick auf die Wunde warf. Die Haut war von seinem Blitz ziemlich verschmort worden. Es brachte Nichts die Wunde vorzubehandeln. Hier half nur pure Magie, alles andere war vergeudete Zeit. Er hob seine Hände an, sodass sich die beiden Handflächen leicht gekrümmt gegenüber lagen. "Ich hatte sie lange Zeit akzeptiert. Etwas zu kontrollieren heißt, sich auch im Klaren darüber zu sein, was man kontrolliert. Niemand es nur gut, ich sagte es schon. Das Gute in uns ist daher zu einem Großteil die Fähigkeit unsere dunkle Seite zu kontrollieren. Wir mögen ihr manchmal erliegen, aber sie darf uns nicht bestimmen. Und wenn ich ehrlich bin, ist wohl das... Wenn ich an diese Träume denke... Mich schreckt die Vorstellung das es nicht Ein Teil von mir, sondern Der Teil ist. Das ich nicht gut sein kann, weil ich die dunkle Seite gar nicht kontrolliere, sondern dass alles was ich vermeintlich Gutes tue nur eine Fassade ist, hinter der ich mich verstecke": erklärte er und versuchte eigentlich seine Träume und Gefühle mehr selbst zu verstehen, als dass er sie der Assassine begreiflich machen wollte. Sein Blick glitt einen Moment hinauf zu den Sternen, wurde jedoch schnell wieder von seinem Zauber gefangen.

Langsam bildeten sich Energiefäden zwischen den Fingern, die sich immer schnellen zu drehen begannen. Die einzelnen Fäden flossen in die Breite und langsam bildete sich eine leicht blau-leuchtende Sphäre in seinen Händen, eine Kugel rotierender Heilmagie. "Wisst ihr. Als Kind zeigte sich die Zerstörungsmagie bei mir besonders stark ausgeprägt. Ich war wie dazu geschaffen mit einer kombinierten Ausbildung aus Kampfzauber und Klinge in den Kampfmagier-Verbänden Morrowinds zu dienen. Zumindest dachte meine Mutter das. Sie schickte mich zur Ausbildung an die Akademie und ich war gut darin und ich mochte sehr was ich tat. Ich liebte es im Trainingskampf einen Gegner nach dem anderen zu besiegen. Ich war einer der besten Novizen meiner Gruppe. Schaffte ich es nicht mit dem Schwert, dann schaffte ich es mit der Magie. Es war ein erhebendes Gefühl über den eigenen Trainingspartner zu triumphieren. Und doch...": er brach ab und schloss für einen Moment die Augen. Vor seinem Geist blitzten Bilder eines Dunmer-Jungen mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Ein hoher Schrei gellte in seinen Ohren nach. Er schüttelte den Kopf. Der Zauber brach kurz ab. Er schaffte es geradeso die Sphäre intakt zu halten und weiter aufzuladen.

[Dreveni]
Dreveni hörte Tirian schweigend zu, wobei sie immer wieder einen skeptischen Blick auf seine Hände warf. Solange sie nicht genau wußte, was ihn vorhin in diesen Zustand versetzt hatte, traute sie ihm in dieser Richtung einfach nicht. Vermutlich war es die Statue gewesen, aber ganz sicher konnte sie sich noch nicht sein.
Nach Tirians Logik müsste sie das personifizierte Gute sein, schaffte sie es doch so gut wie immer, ihre dunkle Seite zu beherrschen, jedenfalls das, was sie selbst dafür hielt. Immerhin zog sie nicht durchs Land und tötete wahllos, auch nicht im Affekt. Tatsächlich hatte sie sich was das anging, ziemlich gut im Griff.
Sie wollte ihm gerade ihre Überlegungen mitteilen, da fing er an über seine Ausbildung zum Kampfmagier zu erzählen. Es steckte also doch mehr in dem jungen Heiler als man auf Anhieb sehen konnte.
"Und doch?", fragte Dreveni leise und fast sanft nach, als er nicht weitersprach. Sie hatte sein Gesicht, dass dem ihren gerade ziemlich nahe war, genau beobachtet, und für einen kurzen Moment hatte sich die Weichheit seiner Züge verloren, als er die Augen geschlossen hatte.
"Ihr habt die Ausbildung nicht beendet, oder?"
Sie musterte den Heiler weiterhin mit einem jener Blicke, von denen der Kaiserliche in Skingrad einmal gemeint hatte, man wüßte nie ob sie einem im nächsten Moment um den Hals fallen oder den Dolch ins Herz rammen würde.

[Tirian]
"Ja, ich habe sie nicht beendet. Ich... habe sie hingeworfen": sagte er knapp und konzentrierte sich wieder auf die Heilsphäre. Inzwischen war das Rotieren nicht mehr zu sehen. Die Energie bewegte sich so schnell, dass nur noch eine glatte Oberfläche für das Auge zu sehen war. "Perfekt": überlegte er. "Achtung. Das wird jetzt etwas ziehen, aber sonst nicht weh tun": warnte Tirian die Assassine vor. Er rückte die Handflächen nun oberhalb der Kugel zusammen und drückte sie langsam nach vorne. Sie drang mühelos durch Drevenis Schulter hindurch. Die Magie durchfloss Haut und Gewebe. Tirian konnte im blauen Licht seines Zaubers sehen, wie das versehrte Fleisch sich selbst von der schweren Brandwunde in Windeseile erholte. Er wurde nachdenklich. Erinnerungen kamen ihm wieder hoch bei diesem Anblick.

"Wisst ihr. In den Gruppen waren wir damals mehrere Leute. Man kannte sich, stammte vielleicht sogar aus befreundeten Familien und war nicht selten auch selbst befreundet, aber man war sich natürlich auch in Rivalität zugetan. Mein bester Freund, Sero, war auch in unseren Novizengruppe. Er war nicht so gut wie ich mit der Zerstörungsmagie aber konnte es mit der Klinge mit mir aufnehmen. Heute mögen meine Schwertkünste nicht viel hermachen, aber unter den Novizen war ich auf unserem Trainingsniveau einer der Begabtesten. An jenem Tag trainierten wir Novizen in Zweikämpfen gegeneinander unsere Fähigkeiten mit dem Schwert. Mein letzter Gegner sollte Sero sein. Zuvor hatte ich bereits drei andere Gegner nieder gerungen. Von ihren Fähigkeiten her, sehr begabte Novizen, eine Herausforderung aber kein Problem. Ich fühlte mich geradezu als Tagessieger und so ging ich auch ins Gefecht mit meinem besten Freund. Wir umkreisten uns, arbeiteten die Grundtechniken an einander ab, prüften unser Kampfverhalten auf Lücken und Fehler, die wir nutzen konnten und gingen dann schnell aufeinander los": begann Tirian noch zu erzählen, während sich die Blitzwunde regenerierte.

Nach einer kurzen Atempause fuhrt er fort: "Unsere Waffen klirrten, wir drückten und warfen uns gegeneinander, versuchten die Klinge des Anderen beiseite zu schlagen, um eine Lücke für den finalen angesetzten Streich oder Stich zu öffnen und unseren Gegner zur Kapitulation zu zwingen. Ich geriet immer mehr in die Defensive. Meine Kräfte ließen nach. Ich konnte nur noch abwehren nicht mehr angreifen. Dann machte ich einen Fehler, war zu langsam. Er konnte mein Schwert mit seinem eigenen zur Seite schieben und verpasste mir einen Schlag in den Magen. Eigentlich war ich in dem Moment erledigt, doch ich wollte gewinnen und das um jeden Preis. Ich hatte mit meinen Gegnern zuvor den Boden gewischt und wollte schon gar nicht meinem besten Freund unterliegen. Ich musste einfach gewinnen. Ich weis nicht mehr genau, wie es geschah. Ich kann mich nur noch an diese Wut und diesen Rausch erinnern. Der Sieg sollte mein sein. Ich merkte nur noch, wie sich die Magie in meiner Hand zusammenballte. Und gerade als sich die Spitze des Schwertes vor mir positionierte, brach die Hölle über Sero herein." Inzwischen beendete Tirian den Heilzauber. Im Mondlicht hob sich die regenerierte Haut hell gegen die dunklere Umgebene ab. Von der Wunde war nichts mehr zu sehen. "Als ich schwer atmend wieder zur Vernunft kam, stand ich über ihm. Ich... ich sehe noch heute dieses schmerzverzerrte Gesicht vor mir und die Augen...": Tirian schluckte: "voller Entsetzen. Und dieser unmenschliche, schrille Schrei... Ich hatte ihm mit einem Blitz die rechte Seite seines Oberkörpers völlig verbrannt. Von der Schulter quer über die Brust bis zum Hals und habe schließlich noch das Kinn gestreift. Der Blitz musste quer darüber gegangen sein. Ein Stück steiler und er wäre womöglich...": Tirian brach ab und schlug mit der Faust auf den Erdboden.

[Dreveni]
Sie hatte ihm schweigend zugehört, während er ihre Schulter behandelt und erzählt hatte. Sie hatte schon halb befürchtet, er hätte seinen Trainingspartner ins Jenseits befördert, aber er hatte ihn anscheinend nur verletzt.
"Ihr seid also weggelaufen. Vor dem was ihr getan habt und vor dem zu was ihr fähig seid. Ihr seid Heiler geworden in der Hoffnung, nicht mehr mit Situationen konfrontiert zu werden, in denen ihr die Kontrolle verlieren könntet. Ihr kontrolliert nichts, ihr lauft davon. Ist es nicht so?", fragte sie schließlich, mit leichter Kälte in der Stimme und doch ohne jeden Vorwurf. Während sie das sagte, formte sich in ihrem Kopf der Ansatz einer Erkenntnis. Tat sie nicht gerade das selbe? Warum lief sie hier durch Morrowind, auf einer Mission die eindeutig Söldnerarbeit war, wenn nicht um vor dem zu fliehen was sie zuhause in Cyrodiil getan hatte? Tatsächlich entkam sie hier den Gedanken daran, und somit auch dem Zwang zu akzeptieren was nicht mehr zu ändern war, aber nur weil sie hier fast ständig abgelenkt war.
Kurz kam ihr in den Sinn, ob sie nicht einfach Angst davor hatte, wie alles über sie hereinbrechen würde, wenn sie nicht mehr abgelenkt war. Und diese Tatsache machte ihr ebenfalls Angst. Und wenn sie bisher etwas kaum gekannt hatte, dann Furcht oder Angst. Vorsicht, ja, aber sie hatte schon viel zu früh gelernt, dass Angst einen verletzlich machte und einem das Genick brechen konnte. Sie wollte aber diese Verletzlichkeit, die sich auch kurz in ihrem Gesicht zeigte, nicht fühlen, und so konzentrierte sie sich wieder auf Tirian: "Sero hat überlebt? Habt ihr noch einmal mit ihm gesprochen?"

[Tirian]
Tirian holte Luft. Es fiel schwer sich zu erinnern und es tat weh. "Ich stand daneben als sie ihn wegtrugen. Ich konnte in dem Moment kaum begreifen, was ich und vielmehr warum ich es getan hatte. Ich hatte meinen besten Freund schwer verletzt, nur weil ich unbedingt gewinnen wollte. Geradezu wie in Trance folgte ich unserem Ausbilder und den Männern, die Sero wegtrugen. Meine erste Sorge galt, und das macht mich auch heute noch fassungslos, nicht Sero selbst sondern vielmehr der Frage, ob sie mich von der Akademie werfen würden": erzählte er und schüttelte dabei über sich selbst den Kopf. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort und scharrte dabei mit seinem Finger etwas im Erdboden: "Fremdländer witzeln ja häufig darüber, dass es in Morrowind alle 200 Meter einen Tempel geben würde. In diesem Moment war ich froh, dass einer der Akademie benachbart war. Der Priester war schnell zur Stelle. Sie hatten Sero inzwischen auf einem Steintisch aufgebahrt, als dieser alte Mann in der blauen Robe mit den gold-gelben Spruchbändern hinzutrat. Er richtete zwar zuvor ein schnelles Gebet an die Almsivi aber tatsächlich war es wohl die Magie die Sero rettete. Er legte seine Hand auf und ein intensives, blaues Leuchten hüllte den ganzen Raum ein. Ich trat interessiert näher und sah geradezu mit Erstaunen, wie sich die Wunden einfach wie von Geisterhand schlossen. Allerdings kostete es den alten Mann sehr viel Kraft. Er konnte die Wunden schließen aber nicht völlig verheilen lassen. Es bliebe noch einige fiese Brandnarben zurück. Sero hatte inzwischen aufgehört zu brüllen und schlief. Die anderen verließen den Raum. Ich blieb noch einen Moment an seiner Seite und dann..." Tirian stoppte. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Dreveni sah ihn fragend an. "Ich rannte dem Priester nach": erinnerte sich der Dunmer.

"Er sollte mir erklären, was er darin gerade gemacht hatte. Er erzählte mir von den Künsten der Heilmagie und der Berufung eines Heilers. Ich dachte an das, was er mit Sero gemacht hatte. Er erzählte mir von der Verantwortung als letzte Barrikade zwischen Leben und Tod zu stehen. Wenn dem Körper seine eigenen Kräfte nicht mehr halfen, waren die Heiler das letzte Hindernis für den herannahenden Tod im Ernstfall. Ansonsten linderten sie das Ungemach ihrer Mitmenschen oder -elfen. 'Dein Freund', sagte er, 'hat wie du den Weg des Kriegers gewählt. Auch wenn es wie ein Kampf gegen Windmühlen erscheint, ist es auch unsere Aufgabe, den Leuten, die selbst den Tod bringen, zu helfen, denn auch sie sind Kinder des Lebens. Wir beenden keine Kriege und bezwingen nicht Tod und Verfall, wir sind hier um im Namen des Lebens die Auswirkungen zu lindern.' Ich glaube es war jener Moment in dem ich begriff, wie sinnlos der Kampf und das Töten eigentlich sind. Sicher ist es nötig sich verteidigen zu können, wenn man angegriffen wird und auch zu töten, wenn es so nötig ist. Aber wie viele Tode werden aus niederen Gründen vollstreckt, wie viele Kriege wegen Nichtigkeiten vom Zaun gebrochen?": berichtete Tirian.

Der Heiler richtete seinen Blick wieder zum Himmel. "Ihr habt gefragt, ob ich noch einmal mit Sero gesprochen habe. Ja, das habe ich. Er kam zwei Tage später wieder zu sich, solange hatte er gebraucht, um sich zu erholen. Ich hatte jede freie Minute an seinem Bett in der Akademie verbracht, war allerdings nicht zugegen, als er aufwachte. Ich hatte Kehrdienst in den Schlafsälen. Ich wurde aber bald hinzugerufen. Sero hatte, nachdem man ihn noch einmal untersucht und ihm etwas zu Essen gebracht hatte, nach mir gefragt. Schließlich waren wir dann auch allein im Schlafsaal. Wir saßen eine ganze Weile schweigend nebeneinander. Ich war wohl der Erste der sprach, "Es tut mir leid, Sero, ich wollte das nicht, ich...' Er allerdings winkte ab. 'Ist schon gut, Tiri, du wolltest mich bestimmt nicht so schwer treffen', meinte er. Ich war beruhigt. Schließlich war Sero immer noch mein Freund. Allerdings waren es seine nächsten Worte, die mich mitten ins Herz trafen. 'Wir sind nun einmal Kämpfer, Tiri, und du wolltest gewinnen. Ich hätte in einer ähnlichen Situation wohl das Gleiche getan. Wäre es ein richtiger Kampf gewesen, hättest du auch nicht zögern dürfen', sagte er mit einem verständnisvollen Lächeln. Er meinte es aufmunternd, aber ich musste an die Worte des Priesters denken. Kämpfen, Verletzten, Töten und das nur für einen Sieg. Und den Gegner betrifft dies ebenso. Und die Heiler versuchten ihr möglichstes, um den Leuten zu helfen, Verletzungen zu kurieren und sie vor dem Tode zu retten, nur dass sie wieder in den Kampf ziehen konnten. Ein Kreislauf, nur das der Kampf an sich noch unsinniger war, denn die Heiler versuchten in ihrer Funktion zumindest das Leben zu schützen. 'Danke, Sero. Ruh dich bitte aus. Ich muss weg', sagte ich ihm und ließ ihn dann allein": erzählte Tirian von dem Gespräch mit seinem Freund.

Er wurde nachdenklich. "Es war, denke ich, dieser Moment, in dem ich beschloss Heiler zu werden. Nicht um wegzurennen, sondern weil das Kämpfen als Selbstzweck für mich seinen Sinn verloren hatte. Ich dachte daran, wie der Priester Sero gerettet hatte. Wie sich die Wunden, die ich geschlagen hatte, unter der heilenden Hand des altes Mannes einfach schlossen und das es ihm zu verdanken war, dass ein Leben, das Leben meines besten Freundes gerettet war. Ich beschloss den Leuten ebenso helfen zu wollen. Nicht, um etwas gut zu machen oder meine Tat zu verleugnen. Nein, ich wollte es tun. Ich wollte meinem Leben einen Sinn geben, einen Sinn den ich bei den Kampfmagiern nicht mehr finden würde. Ich verließ die Akademie nur wenige Tage später und trat dem Tempel als Adept bei. Und mit der Zeit wusste ich, dass es genau das ist, was ich immer werden wollte, auch als ich den Tempel verließ und meine Ausbildung auf eigene Faust fortsetzte, war mir klar, dass ich ein Heiler sein sollte": sagte Tirian und wirkte plötzlich seltsam glücklich. "Was ich sein sollte": er wiederholte seine Worte noch einmal andächtig.

[Dreveni]
"Sero hatte Recht.", antwortete die Dunmer. "Vielleicht ist die ganze Übung ...etwas... aus dem Ruder gelaufen, aber prinzipiell hatte er Recht. Man darf keine Gnade walten lassen, und auch ich bin euch nicht böse, immerhin war das ein fairer Kampf vorhin.", wobei sie leicht schief lächelte. "Für euch wäre es übrigens auch um ein Haar weniger glimpflich ausgegangen, meine Klinge war mehr als ein Mal an eurem Hals."
Sie sah kurz überlegend an Tirian vorbei, bevor sie weitersprach: "Man kann sich viele Dinge überlegen, die man sein sollte. Beeinflussen kann man es letzten Endes doch nicht. Irgendetwas holt einen ein, oder man tut etwas, mit dem man nicht so zurecht kommt, wie man sollte."
Sie sah den Heiler noch einmal kurz an und schüttelte ärgerlich den Kopf, als hätte sie viel zu viel gesagt. "Wir sollten weiter gehen."

[Tirian]
Tirian nickte. Das war es vielleicht. Er hatte sich entschieden Heiler zu sein. Und er spürte jetzt wieder instinktiv, wie vor Jahren zuletzt, dass er das auch sein sollte. Die Erinnerungen waren schmerzlich, doch sie zeigten ihm zugleich auch wieder, warum er Heiler geworden war. Er mochte von Tarrior die Zerstörungsmagie geerbt haben und er mochte sein Sohn sein, auch mochte er hier mit einer Assassinin durch Vvardenfell ziehen, die er tatsächlich auf gewisse Weise mochte und doch hatte er sich zum Guten entschieden. Er hatte wie jeder Mer oder Mensch seine dunklen Seiten, doch wusste er jetzt wieder, dass sie ihn nicht kontrollieren würden, wenn er sich daran erinnerte, was er für sein Leben eigentlich entschieden hatte. Er wollte ein Heiler sein und er war sich sicher, dass es auch das war, was er sein sollte. Es fühlte sich einfach nur richtig an. "Danke, Dreveni": sagte der Heiler und lächelte erst ihr und dann dem Mond entgegen. "Ich bin Tirian Morvayn, ein wandernder Heiler. Das ist das was ich bin. Alles andere ist nur ein Teil von mir": rief in er in Gedanken aus. "Ich bin Tirian Morvayn": vertraute er leise der Nacht an.

Andromeda
22.09.2013, 13:47
[Dreveni]
Dreveni wandte sich ab um aus ihrem Gepäck, dass sich immer noch auf dem Rücken ihres armen Guars befand, neue Kleidung zu holen, und sagte während dessen: "Bevor wir weitergehen, sollten wir vielleicht noch eine Runde...", weiter kam sie nicht, denn sie stieß sich die Zehen schmerzhaft an etwas, das im hohen Gras lag. Sie dachte erst, es wäre ein Stein, und setzte schon zu einem deftigen Fluch an, da sah sie, dass es die verdammte Statue war. Sie wandte sich kurz zu Tirian um, während sie überlegte, ob sie den Heiler noch einmal auf das Ding ansprechen sollte. Er würde schon nicht gleich wieder durchdrehen, oder?
Nachdem sie kurz mit sich gerungen hatte, hob sie die Figur schließlich doch auf, ging wieder zu Tirian, sah ihn lauernd an und hielt sie ihm vor das Gesicht: "Könntet ihr mir vielleicht jetzt endlich verraten, was bei den Ebenen Oblivions das hier ist?"

[Tirian]
Tirian war noch ein wenig im Anblick des Sternenhimmels versunken und bemerkte eher am Rande, dass sich Dreveni von ihm entfernte. "Bevor wir weitergehen, sollten wir vielleicht noch eine Runde...": setze sie an, brach dann aber plötzlich ab. Der Heiler drehte sich zu ihr um und sah, wie sie sich bückte, um etwas aufzuheben. Sie schaute kurz zu ihm hinüber, drehte sich dann aber wieder um. Er wartete noch einen Moment neugierig, wandte sich dann aber wieder dem Sternenhimmel zu, da die Assassine keine Anstalten machte, noch etwas zu sagen. Er merkte nicht wie sie wieder an ihn herantrat. Er zuckte zurück als sie ihm plötzlich irgendetwas Großes vor die Nase hielt und kippte nach hinten um. Er hatte leichte Panik, dass sie ihm mit irgendeinem Stein erschlagen würde. "Könntet ihr mir vielleicht jetzt endlich verraten, was bei den Ebenen Oblivions das hier ist?": wollte sie nachdrücklich wissen. "Ähm, öh, ein Stein?": war sich Tirian nicht sicher, was die Assassine von ihm wollte.

"Moment, war das?": fragte er sich und nahm sie in die Hand und drehte sie etwas in dem zwielichtigen Mondlicht. Der Stein war bearbeitet und hatte die Konturen einer Statue. Die Farbe konnte man jetzt im Mondlicht, dass nur noch helle oder dunkle Kontraste zuließ, nicht erkennen. "Ist das die Statue, von der ihr gesprochen habt?": fragte er. Er fuhr die Oberfläche mit der Hand entlang und stieß im oberen Bereich, der mit etwas Fantasie der Kopf sein mochte, auf Kerben im Stein. "Hier sind Kerben": teilte er ihr das Ergebnis seiner Betastungen mit.

[Dreveni]
"Ähm, öh, ein Stein?"
Bei dieser Antwort verengten sich Drevenis Augen. Wollte er sie auf den Arm nehmen? Das wäre in diesem Moment die schlechteste aller möglichen Ideen. Doch gerade als sie ihn anfahren wollte, schien es ihm wohl zu dämmern.
"Ja, das ist die Statue.", antwortete sie mit einem distanziertem Klang in der Stimme. "Und in den Kerben waren zwei rote Steinen, an denen ich mir vermutlich den Knauf meines Schwertes ruiniert habe." Der distanzierte Klang war inzwischen einem Vorwurfsvollem gewichen, welcher sich ebenfalls in ihrem Blick zeigte. Noch immer machte sie den Heiler für das ganze Elend mit verantwortlich, wenigstens zu einem Teil. "Jedenfalls schien es euch etwas auszumachen, dass ich die Steine herausgeschlagen habe, und dann seid ihr bewusstlos geworden."

[Tirian]
"Zwei rote Steine?": wiederholte er laut. Jetzt ging ihm auch ein Licht auf, woher er dieses Ding kannte. "Ich war in der Festung auf der Suche nach euch. Die Söldnerin hatte mir gesagt, dass ihr mich nicht mehr sehen wolltet und ich alleine weiterziehen sollte. Ihr hättet bei ihr bleiben wollen. Das kam mir reichlich merkwürdig vor, deshalb wollte ich heimlich die Festung nach euch durchsuchen. Es gab da diese zwei Räume im Schlosskeller, in denen Ilucaria etwas zu verstecken schien. Außerdem überkamen mich so seltsame Kopfschmerzen, wenn ich mich ihnen näherte. Ich schaffte es in eine der Kammern zu gelangen und dann...": er stoppte. Die Erinnerung wurde wieder schwammig und ein leichter Schmerz glomm in seinem Kopf auf. Er dachte nach. "In einer der Kammern entdeckte ich etwas. Die... Erinnerung... ist verschwommen. Ich erinnere mich aber an glühende roten Augen. Es war als würden sie tief in meinen Verstand schauen. Und danach... Dieser Alptraum! Ja ich hatte diese alptraumhafte Vision von euch... und...": er brach ab. Ihm war es unangenehm darüber zu sprechen. "Ihr habt dem Ding die Augen zerschlagen?": er rieb sich das Kinn. "Vielleicht enthielt die Skulptur einen Fluch und ihr habt ihn zerstört, in dem ihr sie beschädigt habt": versuchte er sich das zu erklären. Allerdings hatte er das Ding nur angesehen und nicht berührt. Von so etwas hatte er noch nie gehört und offenbar waren Andere nicht davon betroffen gewesen. Er zuckte mit den Schultern. "Ich habe keine Ahnung, was es mit diesem Ding auf sich hat, aber ich danke euch, dass ihr sie zerschlagen habt. Wer weiß, was ich sonst womöglich noch getan hätte": meinte er und warf das Ding angewidert von sich.

[Dreveni]
Ein Fluch? Und warum hatte es sie selbst dann nicht beeinflusst sondern nur Tirian? Dreveni hatte den Verdacht, dass an dieser komischen Statue noch weit mehr war, aber sie konnte beim besten Willen nicht sagen, was.
"Alptraumhafte Vision?", hakte sie statt dessen nach und sah den Heiler interessiert an. Sein Unbehagen war ihr nicht entgangen.

[Tirian]
Tirian seufzte. "Ich hatte seit wir der Festung näher kamen seltsame Träume von euch und meinem Vater. Ihr verwandeltet euch in Monster und versuchtet mich davon zu überzeugen, dass ich auch eines sei, weil ich euch gegenüber nicht die Abscheu empfinde, die ich empfinden müsste und von meinem Vater nun einmal abstamme. Der letzte Traum war der Schrecklichste...": Tirian brach wieder ab. "Ich verschone euch mit den Details. Es war schrecklich": sagte er bloß und schwieg eine Weile. "Allerdings sehe ich jetzt wieder klarer vor mir, wer ich eigentlich bin. Vielleicht auch dank euch": sagte er und meinte das Gespräch, das er mit ihr geführt hatte.

[Dreveni]
"Nicht die Abscheu empfinden, die ihr müsstet...", sagte Dreveni langsam und betrachtete Tirian lauernd, jetzt allerdings mit einem leichten Grinsen. "Haltet euch nur in Zukunft vielleicht von kleinen Steinstatuen mit roten Augen fern. Auch wenn mich euer letzter Alptraum brennend interessieren würde, sollten wir uns doch noch etwas ausruhen, bevor wir weitergehen. Einer von uns sollte Wache halten." Bei ihrem letzten Satz sah sie den Heiler herausfordernd an.

[Tirian]
"Legt ihr euch hin. Es war ein langer Tag und ich habe vorhin schon etwas geruht, nachdem ihr, dieses... Ding zerschlagen habt. Ich denke es ist nicht mehr weit bis zur Amur und dort wird es dann anstrengend werden. Wir sollten beide ausgeruht sein. Vor allem jetzt, wo wir diese Verrückte hinter uns haben": bot Tirian an. Ein Schauer lief ihm über den Rücken als er die Altmer zurückdachte. Für einen Moment kam ihm der schreckliche Gedanke, dass sie sie vielleicht verfolgen ließ. Aber womöglich fehlten ihr durch den überraschenden Angriff, der sie gerettet hatte, auch die Männer. Tirian legte den Kopf schief und wartete ab, was Dreveni zu sagen hatte.

[Dreveni]
Die Dunmer war tatsächlich ziemlich müde, war doch der Kampf vorher nicht einfach gewesen. Wer hätte auch ahnen können, dass der Heiler dermaßen außer sich geraten konnte? Inzwischen sah sie ihn wirklich mit anderen Augen, und sie hatte das Gefühl, dass sie immer noch nicht alle Facetten von ihm kannte.
"Es könnte tatsächlich sein, dass sie uns verfolgt, zumindest bis sie das Interesse verliert. Ich denke sie ist wirklich irre genug dazu, ihre Ressourcen auf uns zu verschwenden.", überlegte sie laut. Sie wurde mehr oder weniger regelmäßig von irgendwelchen Leuten bedroht, und bis jetzt war es auch meistens dabei geblieben. Auch sie selbst setzte bei weitem nicht alles in die Tat um, und doch war die Altmer ein anderes Kaliber als ihr sonstiger Umgang.
Dreveni sah Tirian noch einmal tief in die Augen und in das von den Schatten des Mondlichts geschärfte Gesicht und kam zu dem Schluss, dass von ihm wohl vorerst wirklich keine Gefahr mehr ausging.
"Weckt mich, wenn ihr aufbrechen wollt oder ebenfalls etwas schlafen.", sagte sie schließlich. "Und natürlich wenn die Verrückte doch auftaucht."
Damit drehte sie sich um, ging zu dem Baum und setzte sich mit dem Rücken an selbigen gelehnt. Innerhalb kürzester Zeit fiel sie in einen leichten Schlaf.

[Tirian]
Der Heiler wurde nachdenklich bei dem Seitenhieb auf die Rachegelüste der Altmer. Konnte sie wirklich so wahnsinnig sein? Ihn schauderte. Er hoffte, dass sie ihre Mission in Tel Uvirith nicht gefährden würde. Allerdings hielt er diesen Ort gerade wegen der Gefahr, die von Meradanz ausging, für absolut sicher was Ilucaria und ihre Bande anbelangte. Der Hexer würde wohl kaum eine andere bewaffnete Gruppierung in seiner Stadt dulden. Die Frage war nur, wie es von dort aus weitergehen sollte. Im Moment hatten sie vielleicht einen Vorsprung und mochten noch vor der Elfe die Amur durchqueren, aber wenn sie aus Tel Uvirith fliehen mussten, blieb kaum mehr als diese tote Aschewüste übrig, um aus dem Telvanni-Gebiet herauszukommen, in dem sie nirgendwo sicher waren. Und dort waren sie im Zweifel leichte Beute für die Schergen der Söldnerin. Es war vertrackt. Erst jetzt wurde ihm auch so bewusst, dass sie sich hier wirklich mit jedem anlegten. Als hätte der Hexer, den sie bald gegen sich aufbringen würden, nicht gereicht, war nun auch noch eine eindeutig verrückte, blutrünstige Söldneranführerin hinter ihnen her. "Und die Morag Tong": wie sich Tirian erinnerte. Die Aussichten waren von Anfang an nicht gerade auf ihrer Seite gewesen, aber so langsam war fast jeder hinter ihnen her, den man in diesem Teil Vvardenfells verärgern konnte.

Tirian wischte die Gedanken beiseite. Sie mussten Tarrior retten, koste es, was wolle. Er konzentrierte sich auf die Nachtwache und versank nun endgültig im Anblick der Sterne.

KingPaddy
07.12.2013, 11:45
Die Kälte hielt ihn umklammert. Er schwebte im leeren Raum. Kein Gedanke, kein Gefühl erfasste ihn. So musste der Tod wohl sein. Ein weites Feld der Schwärze, ein Nichts weder Schmerz noch Leben. Kein Geist, kein Körper. Und doch eine Erwartung, dass es etwas sei, dass die Seele ganz unbewusst noch da war. Treibend. Harrend, vielleicht noch einmal mit der Welt des Lebens in Kontakt zugeraten und Bewusstsein, wie es nur in einer existenziellen Welt sein kann, zurückzugewinnen. So musste der Tod wohl tatsächlich sein. Die Abwesenheit von allem, was eine Welt des Lebens ausmacht. Wenn man von der Kälte oder kalten Hand des Todes sprach, meinte man doch hauptsächlich die Abwesenheit von Wärme, das schwindende Licht und Gefühl im Augenblick dahin scheidender vitaler Kraft und dem Ende eines irdischen Bewusstseins. So wurde der plötzliche Kontrast für ihn nur zu überdeutlich. Das Nichts auf das sich seine Welt reduziert hatte, füllte sich plötzlich mit Feuer. Ein wahnsinniges Brennen breitete sich tief in ihm aus. Ein tiefes, starkes, rhythmisches Vibrieren ging von ihm aus. Er spannte. Es schien ihn zu zerreißen, geradezu zu zersprengen und pumpte das Feuer vom Kern der Vibration nach außen, bis der Brand ihn schließlich ganz und gar verzehrte.

Nach Luft gierend röchelnd schoss Tarrior in die Höhe. Schwindel überkam ihn jedoch im gleichen Moment und er fiel zurück auf ein strohiges Lager. Sein Verstand war unfähig sich zu konzentrieren und die Gedanken zu fokussieren. Ihm wäre wohl unkontrolliert der Speichel aus dem Mund gelaufen, wäre dieser nicht ausgetrocknet gewesen, wie das Aschland von Vvardenfell, seine Zunge ein geschwollener Fremdkörper, wie von Corprus befallen und seine Lippen rissig wie die vulkanischen Schluchten des Roten Berges. Seine Augen zuckten umher, waren ebenso trocken, brannten, aber entdeckten nur wenige Handbreit entfernt einen Krug. Noch einmal strafften sich die mageren Muskeln, stemmten den widerspenstigen Leib in die Höhe. Der Kopf erhob sich in die Höhe, der Rumpf streckte sich hin, doch vermochten die Sehnen, die Spannung kaum zu halten. Der Dunmer brach wieder zusammen. Doch in seiner Hand spürte er die tönerne Oberfläche des Kruges, öffnete geschwächt noch einmal die Augen und erspähte die lebensspendende Flüssigkeit, wie sie über den Rand des Kruges schwappte. Die Finger krampften sich reflexartig um das Gefäß. Tarrior zog seinen Kopf heran, setzte die spröden Lippen an und hob mit letzter Kraft das Behältnis. In einem strömenden Bach ergoss sich das Wasser in sein Inneres. Der Dunmer trank und trank, bis der Krug leer war und er ihn achtlos fallen ließ, nur um sich auf eine ebenso bereitstehende Schüssel mit einem schleimartigen Brei zu stürzen, die er während des Trinkens entdeckt hatte. Mit beiden Händen schaufelte er den Haferschleim, um den es sich offenbar handelte, gierig in seinen Mund und vergaß sämtliche Manieren. Er fraß wie das hungrige Tier, dass er im Moment war. Schließlich viel auch die Schüssel zu Boden und Tarriors Körper dessen Ur-Bedürfnisse nun befriedigt waren, brachte nicht mehr die Kraft für eine aufrechte oder sitzende Position auf und brach wieder zusammen. Apathisch richtete sich der Blick des Dunmers gegen die Wand während er zitternd und von Krämpfen geschüttelt wieder im Stroh lag, auf dem er schließlich erwacht war. Kalter Schweiß brach ihm aus und sein Verstand kapitulierte schließlich davor, die Situation zu erfassen, zu verstehen oder gar sich dem eigenen Körper entgegenzustemmen. Stumpfsinnig stierte er vor sich hin und glitt mit der Zeit hinüber in seligen Schlaf.

Tarrior erwachte eine unbestimmte Zeit später. Das Erwachen selbst zog sich zu einem quälend langen Prozess. Die Augen hatten sich lange geöffnet, doch in ihnen war offenkundig kein Leben. Der Blick richtete sich in die Leere. Der Kopf des Dunmers war leer. Erst langsam begannen sich wieder Gedanken zu regen, in gleichem Maße wie Eindrücke der Umgebung die Nervenbahnen – von Ohren, Haut, Augen, Nase – wieder anregten und in Funktion setzten und aus den Resten des Schattenschleiers der vorangegangenen tiefen Bewusstlosigkeit rissen. Eine neue Zielstrebigkeit trat in Tarrior Gesicht. Langsam begann der Verstand wieder zu arbeiten und wollte die essentielle Frage klären, wo er sich befand. Ohne sich zu bewegen tastete er seine Umgebung optisch ab. Er lag nach wie vor auf einem Bett aus Stroh. Die Schüssel und der Krug, von denen er sich genährt hatte, lagen direkt neben ihm. Der Raum war recht dunkel. Das Licht rötlich, diffus. Es fiel durch Balken zerfasert von links herein. Die Luft war schwer, stickig, heiß und roch nach Schwefel. Der Raum selbst war offenbar aus dem nackten Fels geschlagen. Sowohl der Boden als auch die Wände zeugten davon. Offenbar war der Raum eine kleine Höhle im Gestein. Gestützt wurde es durch ein kompliziertes Wurzelgeflecht, das sowohl die Wände als auch die Decke in einem unregelmäßigen Muster überzog, aber zentral auf einen orange-roten Kristall zulief, der jedoch nur äußert schwach leuchtete, vielmehr nur leicht glimmte und gegen das rötliche Licht von links nicht antreten konnte. Eine große, auffällige Wurzel führte von dem Edelstein ausgehend nach links und entschwand dann aus seinem Blickfeld. Er verändert es nun, in dem er seinen Kopf drehte und die Ausrichtung seines Körpers etwas anpasste, um bequemer liegen zu können. Die offensichtliche Schwäche seines Leibes zeigte sich ihm darin, dass selbst die geringe Anstrengung unglaublich viel Kraft und Willenskraft erforderte. An Aufstehen war für ihn so gar nicht zu denken. So aber rückte nun die linke Seite seines Aufenthaltsortes in den Bereich seiner Aufmerksamkeit. Ein Blick nach rechts erübrigte sich mit dem Anblick. Die „Balken“ stellten sich als ein Gitter heraus, das ebenfalls aus einem grobmaschigen Wurzelgeflecht bestand. Der große Strunk lief zwischen den Gitterstäben hindurch und wand sich dann nach oben und verschwand schließlich. Tarrior befand sich offenbar in einer Zelle, weshalb ihm die Rückwand wohl auch nicht soviel zutragen würde. Er versuchte etwas aus der Zelle hinaus zu spähen. So weit er sehen konnte, war er wohl nicht der einzige Gefangene an diesem Ort.

Die Zelle selbst war wohl nur eine Nische von vielen und das in einer viel größeren Höhle. Soweit der Hlaalu von seiner Position aus sehen konnte, reihten sich mehrere dieser Nischen an der Höhlenwand entlang. Seine eigene war wohl eine hintere in dieser Reihe. Vorstellen konnte man sich die Höhle annähernd kreisförmig. Die Zellen waren um eine große Lavagrube in der Mitte herum gruppiert. Tarrior konnte auch eine Art Treppe oder Laufbahn erkennen. Sie bestand teils aus einem Wurzelgeflecht, dass sich um Felsen und Felsnadeln wickelte, die aus dem Boden, dem Lavabecken und den Wänden ragten und sich nach oben reckten, teils aus in die Seiten der Höhle geschlagenen Treppenstufen. Der Dunmer brachte noch einmal Kraft auf, um näher an das Gitter seines Gefängnisses heranzurobben, drehte den Kopf und schaute weiter nach oben. Tatsächlich musste er sich wohl an der Sohle eines großen Höhlentrichters befinden. Mit dem Blick nach oben sah er durch die dunstgeschwängerte Luft weitere Ebenen, wie die, auf der er sich befand und das obere Ende des Trichters entzog sich ganz der Reichweite seines Blickes. Auffallend waren jedoch auch hier weitere Wurzelstrukturen, die zum Gehen dienten, als auch dicke Wurzeln, wie die, die auch aus seiner Zelle ragte, offenbar auch aus alle anderen Zellen kamen, sich nach oben wanden und weiter verflochten, um sich dann immer höher schraubten und sich dann auch seinen Augen entzogen. Erst der Anblick der Lavagrube ließ ihn überhaupt bemerken, wie stickig, heiß und erschlagend die nach Schwefel stinkende Umgebung überhaupt war. Er befand sich offenbar an einem Ort tief unter der Erde Viel zu sehr waren seine Gedanken noch darauf gerichtet, seine Position festzustellen und überhaupt zu verstehen, warum er sich an diesem Ort befand. Doch noch bevor er sich auf seine Erinnerungen und seine Gedanken dazu konzentrieren konnte, spürte er wieder die Schwere seiner körperlichen Erschöpfung und er gab ihr, unfähig sich länger zu wehren, nach.

Mehrfach pendelte er in der kommenden Zeit zwischen den Zuständen – Wachsein und Bewusstlosigkeit, Übelkeit und Wohlsein, Erschöpfung und Ausgeruhtheit. Jedes Mal wenn er für längere Zeit in Schlaf fiel, fand er bei seinem nächsten Erwachen neues Wasser und frischen Brei vor und schlang beides schnellst gehend herunter und bemerkte bald, dass es ihm langsam wieder besser ging. Die Wachphasen wurden länger und sein Verstand kehrte in einem Normalzustand zurück, natürlich nur an Tarriors Norm gemessen. Ihm kehrten auch die Erinnerungen an die Höhle im Aschland zurück und er dachte mit Schrecken und Schaudern an das abscheuliche Gefühl zu „sterben“. Er hatte wirklich geglaubt, dass ihn dieser kleine bretonische Wicht Aytor dem Tod überantwortet hätte, hatte sich noch in den Qualen des Herzstillstandes bei dem Gedanken an den Triumph Meradanz' gewunden und nun war er doch noch am Leben. Er hatte zwar keine wirkliche Vorstellung vom Leben nach dem Tod. Man konnte ohnehin nie wissen, was danach kam, aber eine Gefängniszelle im Fels, gesperrt durch Wurzelgeflecht, mochte wohl in keiner der Jenseitsvorstellungen irgendeiner Religion, die denkbar war, vorkommen. Er konnte sich nicht erklären, wie diese nahe Todeserfahrung und sein Erwachen an diesem Ort zusammenhingen, aber er war sich doch recht sicher, dass er sich den Händen des Telvanni befand. Ob er nun durch eine falsche Dosierung oder reinen Zufall oder den bewussten Willen des Hexers noch am Leben war, brauchte ihn nicht zu interessieren. Die viel interessantere Frage war, wie er hier wieder hinaus kam. Zu diesem Zweck machte er sich, als er sich wieder kräftig genug fühlte, daran mehr über sein Gefängnis in Erfahrung zu bringen. Tarrior trat an das Wurzelgitter heran und versuchte diesmal gezielt in die Zellen hinein zu spähen und zu erkennen, ob noch jemand und wer außer ihm hier gefangen gehalten wurde. Allerdings musste er feststellen, dass er durch die Position seiner Zelle nur einen guten Blick auf die Felsnische ihm direkt gegenüber hatte. Da die Aussparungen im Gestein, wie sein eigener Haftort bewies, durchaus etwas nach innen ragten, konnte er bei den anderen Zellen nicht sehen, ob sich jemand im hinteren Teil aufhielt. Einen Gefangenen hätte er nur gesehen, wenn er sich direkt am Gitter aufgehalten hätte. Ihm gegenüber saß aber offenbar kein Insasse ein. Er versuchte es mit Lauschen. Auch wenn eine gewisse Grabesstille in dem Komplex vorherrschte, machten die natürlichen Geräusche der Umgebung – das allgegenwärtige Knirschen des Fels', das Brodeln der Lava und das Ächzen heißen Wasserdampfes, der aus Rissen im Gestein austrat – es für den Dunmer unmöglich zu erhören, ob sich außer ihm noch jemand hier unten befand.

Nach einiger Zeit gab er die Versuche auf allein durch Hören oder Sehen zu ermessen, ob er allein war oder nicht. Etwas entmutigt ließ er die Hand lustlos auf die Wurzelstreben sinken und sank selbst direkt vor dem Gitter zu Boden. Eine Idee kam ihm. Das Wurzelwerk musste magisch durchdrungen sein, wenn es die Temperaturen hier unten aushielt ohne auch nur die geringsten Spuren von Verbrennungen zu zeigen. Allerdings mochten die Strukturen nachgeben, wenn er sie direkt Feuermagie aussetzte. Bisher war er zu schwach gewesen, generell fühlte er sich hinsichtlich seiner magischen Fähigkeiten geradezu ausgesaugt gefühlt, aber der Schlaf und das Essen hatten ihn wieder Kraft schöpfen lassen. Vielleicht würde sie ausreichen die Stäbe seines Gefängnisses herauszubrennen. Er erhob sich mit neuem Elan und legte seine Hände auf das Gitter. Er konzentrierte sich. Er spürte schon wie seine Handflächen warm wurden. In dem Moment, in dem er den Feuerzauber auf die Wurzeln loslassen wollte, fuhr ihm stattdessen ein brennender Schmerz durch den Kopf. Er schrie, von der Qual völlig überrumpelt, auf. Ebenfalls machte sich ein Brennen an seinen Handgelenken bemerkbar und der Kristall an der Decke seine Zelle leuchtete für einen Moment stark auf, um dann aber wieder schnell zu einem schwächeren Leuchten zurückzukehren. Er schlug die Ärmel seines langen Leinenhemdes, in das man ihn gekleidet hatte, hoch und entdeckte, dass er Fesseln trug. Sie waren aus einem, ihm unbekannten, stoffartigen Material gefertigt. Auch jetzt, wo er sie vor sich sah, spürte er sie kaum an den Gelenken. Das Gewebe hatte einen eigenen Glanz, was auf Magie schließen ließ. Auffällig war auch der kleine Edelstein, der in die Schelle eingelassen war. Er sah aus wie eine verkleinerte Version des Deckenkristalls. Die Handschelle verfügte über keinerlei Schloss und saß offenbar auch nicht unverrückbar fest. Er versuchte das Band abzustreifen, doch musste er feststellen, dass es sich in Richtung Hand immer mehr verengte und sich schließlich gar nicht mehr bewegen ließ. Eine magische Fessel offenbar, die ihm auch seine magische Fähigkeiten verwehrte. Tarrior richtete seine Aufmerksamkeit zum Kristall an der Decke und erinnerte sich an die Propylon-Kammer in Andasreth. Langsam begann er zu begreifen, warum er sich magisch so ausgelaugt fühlte. Offenbar blockierte das Armband nicht nur seine Zauber sondern absorbierte auch seine ganze magische Kraft. Behram hatte ihn damit ruhig gestellt. Seine Möglichkeiten zu handeln, waren damit begrenzt. Die Wurzeln würde er mit reiner Muskelkraft nicht aufbiegen können. An Flucht war also nicht zu denken.

Er ließ sich mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden plumpsen. „Erstaunlich. Andere brauchten länger für diese Einsicht“: vernahm er plötzlich eine rauchige Stimme. Reflexhaft drehte er den Kopf aber konnte natürlich niemanden entdecken. „Wer spricht da?“: fragte der Dunmer scharf. Ein kehliges Lachen erklang. „In der Zelle neben euch, Mer“: kam eine eher unbefriedigende Antwort. „Ich hatte schon erwartet, dass ihr nicht tot wart, als sie euch hier herunter brachten. Was sollte man sich auch die Mühe machen, einen toten Fleischsack die Windungen hinunterzutragen. Aber wichtig müsst ihr wohl schon sein, wenn er euch hier am tiefsten Punkt des Kerkers eine Zelle reserviert“: sprach die körperlose Stimme einfach ungefragt weiter. „Wenn ihr meint“: gab sich Tarrior redefaul. Ein Knurren war darauf die Reaktion. „Es kann sehr einsam hier unten werden. Die Wächter verirren sich nicht oft hier hernieder. Nur die Bemantelten kommen ab und an und bringen uns Essen und beseitigen dass, was unsere Körper davon übrig lassen. Wenn ihr nicht mit mir sprechen wollt, dann stellt euch darauf ein, sehr lange mit euren Gedanken allein zu sein“: gab ihm der Sprecher aus der Nachbarzelle zu bedenken. Tarrior seufzte. Er konnte im Zweifel hier Nichts und Niemandem trauen, aber möglicherweise konnte er so doch ein paar Informationen erhalten.

„Offenbar ist das Bedürfnis zu reden bei euch größer als bei mir. Aber wenn ihr unbedingt wollt, könnt ihr mir erzählen, wo wir uns hier überhaupt befinden“: schlug der Dunmer vor. Wieder erscholl das Lachen. Tarrior fiel auf, dass es eine gewisse unmenschliche, gar boshafte Note hatte. „Ich denke wir haben beide etwas davon, wenn wir uns unterhalten, ohne allgemein etwas von der Unterhaltung zu haben. Ihr müsst schon sehr verwirrt sein, wenn ihr nicht zumindest erahnen könnt, wo ihr euch befindet“: meinte der unbekannte Sprecher. „Ich wüsste nicht woher“: gab er sich unwissend. „Wenn ihr hier gelandet seid, habt ihr euch mit dem Hexenmeister angelegt und es gibt doch wohl nur einen sinnvollen Ort, wo ein Hexenmeister seine Gegner einkerkern würde. Oder wollt ihr mir ernsthaft weismachen, dass ihr keine Ahnung habt, wem ihr hier eure Haft zu verdanken habt“: klärte ihn sein Nachbar auf. „Wir befinden uns also in Tel Uvirith?“: fragte Tarrior, auch wenn er die Antwort schon erahnen konnte. Eigentlich hatte er ohnehin vermutet, dass Behram ihn in seiner Nähe behalten würde, um ihn besser kontrollieren zu können, aber man wusste ja auch nie, wo der Kerl nicht noch irgendwelche Verstecke haben mochte. „UNTER Tel Uvirith. Die Wurzeln dieses Pilzturmes reichen tief hinein in die Erde und auch in solche Kavernen wie diese. Perfekt um jemanden für alle Zeiten verschwinden zu lassen und natürlich auch, um ungestört Experimenten nachzugehen und die 'Ergebnisse' zu entsorgen“: klärte ihn der andere Häftling auf.

Tarrior stellte weitere Fragen über den Kerker, um sich ein Bild machen zu können. Offenbar saß sein Mitgefangener schon sehr lange hier unten fest und kannte sich daher recht gut aus. So brachte der Dunmer in Erfahrung das die Kristalle in den Zellen nicht nur dazu dienten die Gefangenen ihrer Magie zu berauben und so einen Ausbruch zu verhindern, sondern sie waren mit dem Wurzelsystem des Turms verbunden. Sozusagen nährte sich der Pilzturm auch von ihrer Magie und konnte deswegen weiter wachsen. Allerdings beschränkte Meradanz' Zauber das Wachstum hauptsächlich auf den Untergrund. Das Wurzelnetz reichte weit genug, um weitere Höhlen und Kammern entweder anzubinden oder selbst auszuheben. Außerdem war der Pilzturm wohl auch mit den anderen Pilzstrukturen in der Stadt vernetzt. Behram konnte also praktisch einen Großteil der umliegenden Stadt einfach von seinem Turm aus kontrollieren. Außerdem erfuhr der Hlaalu, dass auf den oberen Ebenen des Kerkers wohl nur niedere Gefangene untergebracht waren Verbrecher oder Leute, die entführt worden waren, um mit ihnen zu experimentieren, was der Hexer wohl auch gerne tat. Die unteren Ebenen und gerade die, auf der er sich befand, waren für gefährliche und wichtige Häftlinge reserviert. Hauptsächlich wohl mutierte oder magische Kreaturen wie Daedra. Diesem System nach musste er selbst wohl besonders wichtig sein und saß hier vermutlich mit reichlich gefährlichen Kreaturen ein, was wiederum sein Misstrauen gegenüber seinem Gesprächspartner wachsen ließ. Dieser berichtete zwar von den anderen Häftlingen hier unten, soweit er darüber etwas wusste, sparte sich selbst aber völlig aus. Die meisten Kammern waren wohl nicht belegt, aber in einer Zelle fristete wohl ein Ogrim sein Dasein in anderen zwei argonische Schamanen, die kaum mehr am Leben waren und in einem weiteren Käfig fand sich ein gebundener Lich, der wohl dereinst Herrscher eines Ayleid-Königreiches gewesen war. Die Stimme wusste auch noch von zwei Gestalten zu berichten, die man in die Zelle direkt neben der Wurzeltreppe gesperrt hatte, aber hatte sie nicht richtig sehen können und wusste eigentlich Nichts über sie.

Der Zellennachbar gab ihm auch noch ein paar Informationen über die seltsamen, schweigsamen Bemantelten, die sich um die Häftlinge kümmerte und die Wachen, die nur kamen, wenn jemand von Behram zum Verhör oder für die Experimente geholt wurde. Es gab Gerüchte darüber, dass der Kerkermeister bald ausgewechselt werden sollte gegen einen Spezialisten für Magie, der hinsichtlich der übernatürlichen Häftlingsklientel wohl auch besser geeignet war. Tarrior speicherte soviel ab, wie er konnte. Die Informationen selbst aber waren dann doch nicht so nützlich, wie er sich erhofft hatte. Die Zellen wurden praktisch nie wirklich geöffnet und wenn dann nur, um die Leute mit einer schwerbewaffneten Eskorte ihrem Schicksal entgegen zu führen. Und unter den Insassen gab es zwar einige starke Kreaturen, die man für einen Fluchtversuch hätte nutzen können, doch aufgrund der Deckenkristalle und der Sklavenbänder, die sie nicht abnehmen konnten, waren sie auch dafür nicht zu gebrauchen. Ihre Essenz floss unweigerlich dem Turm zu, dessen Wurzeln sie gefangen hielten. Schließlich jedoch stellte Tarrior dann noch eine Frage, die ihn schon länger beschäftigte: „Ihr meintet, dass wir beide von dem Gespräch profitieren würden. Ihr habt meine Neugier befriedigt, aber was habt ihr eigentlich von der ganzen Sache?“ Die Stimme schwieg. Tarrior gab es auf und legte sich ins Stroh. Auch wenn er nicht wollte, war sein Körper doch noch recht kraftlos, auch wenn es sich langsam besserte. Er einige Zeit später, als der Hlaalu schon nicht mehr damit gerechnet hatte, kam dann doch noch eine Antwort von Nebenan: „Beantwortet mir zunächst eine Frage, dann will ich euch auf eure antworten.“ Der Ton war fordernd. Sein Nachbar wollte offenbar unbedingt eine Antwort haben, ansonsten würde er wohl das Gespräch beenden. „Und die da wäre?“: fragte Tarrior lustlos. „Ihr habt mich viel gefragt und ich habe euch viel erzählt, doch möchte ich nicht wissen wer ihr seid, sondern nur, weshalb ihr hier seid“: verlangte die Stimme und der Dunmer kratzte sich nachdenklich am Kinn.

Andromeda
01.02.2014, 14:02
[Dreveni]
Während Dreveni schlief, vermischten sich in ihren Träumen das Gesicht des Dunmers aus der Festung mit dem des Assassinen der Morag Tong und mit dem Feryns. Schließlich schälte sich aus dieser Mischung das Gesicht des Heilers, das im Gegensatz zu der sonstigen Gutmütigkeit etwas verschlagenes hatte, was ihm gleichzeitig einen gewissen fiesen Charme verlieh. Sie hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sie ihm etwas sagen mußte, wußte aber weder was, noch wem von diesen dreien. Schließlich ließ sie ein entferntes Geräusch aus dem ohnehin nur leichten Schlaf aufschrecken. Noch unfähig, das Geräusch richtig einordnen zu können, setzte sie sich mit einem Ruck auf und sah sich nach Tirian um.

[Tirian]
Der Heiler bemerkte die Bewegung am Rande seines Sichtfeldes. Er wandte sich halb zur erwachten Dreveni um und hielt den Finger vor die Lippen, um ihr zu bedeuten, ruhig zu sein. Dann deutete er in die Ferne. Lichtblitze zuckten dort. Knalle von feurigen Explosionen hallten über die Ebene. Es gab dort einen Kampf. Tirian hatte das Entstehen des Gefechts bereits beobachtet. Da es sich nur in einiger Entfernung abspielte und sie nicht in konkreternGefahr und auch nicht in der Gefahr entdeckt zu werden waren, wollte er die Dunmer nickt wecken. Sie hatte den Tag viel mitgemacht, auch seinetwegen uns sollte sich ausruhen. "Ich glaube es sind Ilucarias Leute. Sie suchen uns wohl. Allem Anschein aber nach sind sie auf Daedra gestoßen. Es ist noch etwas Zeit bis zum Morgengrauen. Tirian musste in diesem Moment gähnen. Er wollte es nicht aussprechen, aber er wäre froh, wenn Dreveni für die restliche Nacht die Wache übernehmen würde, damit er sich auch noch etwas ausruhen konnte. So aber schaute er sie nur noch einen Moment länger an und richtete seine Augen wieder auf das Gefecht in der Ferne.

[Dreveni]
Als sie endlich Tirian erblickte, war ihr auch aufgefallen, dass es immer noch dunkel war. Sie folgte seinem Fingerzeig mit den Augen, und sah nun ebenfalls was dort in der Ebene los war. "Verdammtes kleines Miststück. Begegne du mir nur alleine...", murmelte sie noch leicht schlaftrunken. Dann sah sie in das müde Gesicht des Heilers, das Gähnen hätte es zur verdeutlichung gar nicht mehr bedurft.
"Jetzt wo ich wach bin, könnt ihr den Rest der Nacht schlafen, wenn ihr wollt.", sagte sie nun schon etwas deutlicher, wenn auch immer noch leise, während sie sein Gesicht studierte. In dem aufblitzenden Lichtschein des Gefechts war eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Ähnlichkeit mit wem? Andererseits konnte das auch einfach der Tatsache geschuldet sein, dass sie noch nicht richtig wach war, und so wandte sie den Blick schnell wieder ab, bevor Tirian merkte, wie sie ihn anstarrte.

[Tirian]
Der Heiler war der Dunmer sehr dankbar. Er fühlte sich ausgesprochen müde. Angestrengt in die Dunkelheit zu starren und sonst nichts zu tun, zehrten doch mehr an Konzentration und Kräften als man gemeinhin vermuten würden. "Nach dieser Schlacht bei Tel Vos vor ein oder zwei Wochen treiben sich viele Daedra in den Ebenen umher. In der Nacht sind lautstarke Suchmannschaften ein gefundenes Fressen für diese Dämonen. Wenn Illucaria nicht aufpasst, schickt sie all ihre Männer in den Tod": meinte Tirian. "Wir brauchen uns so aber erstmal keine Sorgen zu machen". war er sich sicher. Die Daedra wären abgelenkt und die Söldner hätten genug damit zu tun sich ihnen erwehren. Allerdings glaubte er auch, dass die Altmer ihre Drohung wahrmachen und sie selbst unter enormen persönlichen Kosten hetzen würde, wenn es sein musste. Die Zeit die Weidenländer zu verlassen war lang gekommen, wenn nicht wegen Tarrior, dann hatten sie jetzt endgültig allen Grund dazu. Die Molag Amur selbst mochte ein gefährlicher Ort sein und Mora Uvirith geradezu die Höhle des Löwen, aber das war ein Ort, an den die Altmer ihnen nicht folgen würde.

Er fühlte sich jetzt schon schuldig, dass er Dreveni da mit hineingezogen hatte. Als würde es nicht reichen, dass sie den Hexenmeister der Telvanni gegen sich aufbringen würde, wenn sie seinen Vater aus dessen Kerker entführten, sondern jetzt war hinter ihnen auch noch eine blutrünstige Söldnerin her. Tirian hoffte darauf, dass der Einfluss Tarriors, wenn er denn erst einmal wieder ein Freiheit wäre, dafür sorgen würde, dass die Assassine in Sicherheit zum Festland zurückkehren konnte. "Weckt mich am morgen. Wir sollten früh aufbrechen. Beim Wachbleiben hilft es übrigens den wilden Dochtweizen hier zu kauen. Das steigert auch etwas die Konzentration": gab er ihr noch einen Rat und legte sich dann ein paar Schritte entfernt ins Gras und schlief schon sehr bald ein.

[Dreveni]
Dreveni hörte dem Heiler mit ausdruckslosem Gesicht zu. Illucaria machte ihr nicht soviele Sorgen, wie diese offenslichtlich Tirian machte. Immerhin waren sie jetzt aus der Festung heraus, und hier im offenen Land oder auch in eine der Städte würde sie schon eine gute Chance gegen die Söldnerin haben.
Dochtweizen., dachte sich Dreveni. So weit würde es noch kommen, dass sie auf irgendwelchem Grünzeug herumkaute, nur um wach zu bleiben. Mit einem Schaudern erinnerte sie sich an das Zeug, was ihr Tirian gegeben hatte, als sie die Gruppe Aschländer verteidigt hatten. Weit mehr Sorgen als einzuschlafen oder das Illucaria auftachte machte ihr momentan mehr die Rückkehr nach Cyrodiil, oder vielmehr dem, was danach kam. Was sollte sie Mordan bloß erzählen? Was wußte er überhaupt über das, was sie hier trieb? Mordan hatte seine Augen und Ohren überall, dachte sie schuldbewußt. Sie hatte sich schon wieder weit über den professionellen Einsatz hinaus engagiert, wurde ihr bewußt als sie das friedliche Gesicht des schlafenden Heilers betrachtete.
Dumpf brütend starrte sie weiter in die Dunkelheit und wartete, dass es dämmern würde.

Nach einer Weile zeigte sich am Horizont der erste silberen Streifen Licht des neuen Tages, und während sie überlegte, ob sie Tirian schon wecken sollte, hörte sie das ein leises Gackern. Sie blieb ganz still sitzen, auch wenn es ilusorisch war zu glauben, dass ihr das helfen würde. Was immer dort herumlief, mußte sie schon bemerkt haben. Tatsächlich kam das Geräusch näher, und jetzt konnte sie es auch identifizieren.
Skampe.
Mit einem Satz war sie bei Tirian und schüttelte ihn heftig, während sie ihr Schwert zog. "Aufwachen, wir haben Gesellschaft!"

[Tirian]
Es gab deutlich angenehmere Wege um geweckt zu werden. Ein heftiges Schütteln gefolgt von einem nicht sehr freundlichen "Aufwachen, wir haben Gesellschaft" war nach dem viel zu kurzen Schlaf nicht gerade eine feine morgendliche Begrüßung. Der Heiler war dennoch hellwach. Er rechnete mit Illucarias Schergen, doch wurde er durch den Geruch und die tierischen Laute schnell eines besseren belehrt. "Daedra!": schoss es ihm durch den Kopf. Er schlug die Augen auf, sah noch wie Dreveni vor ihm kniete und ihn schüttelte, da erreichten sie auch schon ein paar Skampe von hinten. Er hob die Hand direkt an Dreveni vorbei und ließ einen Zauber los, der dem ersten Angreifer ins Gesicht schlug. Er hatte die Energie noch genau dosieren können und war nun überrascht, dass sich die Energie des Blitzes in sichtbaren Entladungen am Hinterkopf des widerwüchsigen Dämons wieder manifestiere, in dem sie sich in den Boden ableitete. Das Biest war tot, die Augen aufgeplatzt wie Mais bei zu großer Hitze. Die kurze Zeit nutzten er und die Assassine um wieder auf die Beine zu kommen und nun ihre Waffen gegen die Feinde in Stellung zu bringen.

Ein schneller Blick und der Heiler konnte die Zahl ihrer Gegner auf drei Weitere einschätzen. Zum Glück war es nur eine kleine Gruppe. In stillem Einverständnis teilten sich die beiden nach links und nach rechts auf und nahmen sich jeder eine der stinkenden Kreaturen vor. Der Schlaf war zwar kurz, da aber ohne Träume, ausreichend erholsam gewesen. In den Augen seines Gegenübers flackerte zwar eine gewisse boshafte Intelligenz, aber die vermochte ihm nicht mehr zu helfen, als das Geschöpf Oblivions auf einen Ausfallschritt und einen angetäuschten Hieb von schräg links unten reagierte. Der Schlag war kaum mit Ernst zu nehmendem Schwung geführt, sodass er die Waffe kaum mit Mühe in der Luft abbremsen und stattdessen von schräg rechts oben herabsausen lassen konnte, um sie dem Vieh direkt in den Schädel zu treiben. Tödlich getroffen sank es zu Boden. Tirian wandte sich im gleichen Moment seiner Gefährtin zu, die ihrerseits ihren Skamp erledigt hatte, aber nun von dem Dritten bedrängt wurde. Er zögerte nicht lange. Es wurde Zeit das Biest selbst von zwei Seiten anzugehen.

[Dreveni]
Die Skampe waren heran, kaum hatte Tirian die Augen aufgeschlagen. Dreveni schloss gleich darauf die ihren geblendet, als ein greller Blitz an ihr vorbeifuhr und direkt einen der stinkenden Kreaturen außer Gefecht setzte. Tirian, du hast wirklich deinen Beruf verfehlt., dachte sich die Assassine anerkennend, als sie mit Schwung wieder auf die Beine kam und mit einem schnellen Hieb nach dem nächsten Skamp schlug. Die Klinge streifte das Monster nur, das mit einem empörten Quieken zur Seite sprang, nur um gleich darauf erneut anzugreifen. Tirian war derweil ebenfalls beschäftigt, wo sich er dritte und letzte Skamp aufhielt, konnte sie bedauerlicherweise gerade nicht sehen. Nun gut, wenn er von hinten kommt, werde ich es schon merken., dachte sie grimmig.

Als der Skamp auf sie zuwankte, hielt sie das Schwert mit dem Griff seitlich neben ihrem Körper, und stieß nun die Klinge blitzschnell nach vorn, den Schwung des Monsters ausnutzend und durchbohrte es so. Röchelnd fiel er zu Boden, als sie das Schwert wieder aus seinem Leib gezogen hatte, und einer bösen Ahnung folgend, drehte sie sich um. Keine Sekunde zu spät, denn gerade streifte sie die Klaue des letzten verbleibenden Skamps an der Schulter, die vor nicht allzu langer Zeit Bekanntschaft mit den Schockzaubern des Heilers gemacht hatte. Reichlich ungezielt hieb sie mit dem Schwert nach ihm, und anstatt auszuweichen, griff das dumme Vieh mitten in die scharfe Klinge und hielt sie fest. Dass dabei Blut aus seinen Klauen lief als Dreveni an der Waffe ruckte, schien ihn nicht zu kümmern. "Lass los du dummes Mistvieh.", keuchte sie und trat der Kreatur mit Schwung in den Bauch. Als auch das nichts half, löste sie die linke Hand von dem Schwertgriff und schleuderte einen Schockzauber auf den Skamp, was ihn immerhin dazu überredete, endlich die Klinge loszulassen, ihn aber nicht getötet hatte.

[Tirian]
Der Heiler erkannte, dass der Skamp nur Augen für die Assassine hatte. Eine perfekte Gelegenheit, um das Biest möglichst ohne Anstrengung zu erledigen. Er packte das Schwert fest an, ging leicht geduckt zu den Kämpfenden hinüber und holte aus, als er nah genug war. Er zielte auf die Kniekehlen des Dämons und mit einem kräftigen Hieb ließ er die Klinge direkt durch Fleisch und Muskeln fahren. Der Daedra klappte mit einem Kreischen zusammen. Der Schrei erstarb als Dreveni schließlich ausholte und mit ihrer Schneide durch die Gurgel ihres Gegners fuhr. Tirian atmete durch und steckte das Schwert weg. Sein Blick glitt Richtung Himmel. Die Dämmerung hatte eingesetzt. Es wurde Zeit aufzubrechen und die Weidenländer endgültig hinter sich zu lassen. "Seid ihr verletzt?": fragte er. Später würden sie keine Zeit haben, die Wunden zu versorgen. Er wollte am besten ohne weitere Pausen bis zwischen die Felsklippen kommen. "Wir sollten machen, dass wir von hier verschwinden. Vielleicht sind noch mehr Daedra in der Nähe und Illucarias Männer könnten noch in der Gegend sein. Wir müssen nach Süden zum Pass und halten uns dann Richtung Osten hin zum Meer. Wir sollten von der Amur kaum mehr weit entfernt sein": meinte Tirian und suchte ihre Sachen beisammen. Er entdeckte im Gras liegend die Reste der Statuette. Sie war aus rotem und schwarzem Gestein gemacht. Etwas das er so am vergangenen Abend ohne Licht nicht hatte feststellen können. Dennoch kam ihm weder die Form noch die Verarbeitung irgendwie bekannt vor. Er hob sie hoch, dachte noch einmal darüber nach, ob er so etwas schon einmal zuvor gesehen hatte und zuckte dann mit den Schultern. Er holte weit aus und warf das Ding weg. Was auch immer es war, es kümmerte ihn nicht länger.

[Dreveni]
Dreveni befühlte die Schulter, die der Skamp gestreift hatte. Es tat nicht sonderlich weh, und an ihren Fingern war darüber hinaus kein Blut. "Nein, nicht verletzt, nur eine Schramme.", antwortete sie und suchte ebenfalls ihre Sachen zusammen, während sie Tirian weiter zuhörte. Gleichgültig beobachtete sie, wie der Heiler die augenlose Steinfigur in hohem Bogen weg warf, dann lud sie ihre Sachen auf den Skamp und sagte: "Lasst uns aufbrechen."
Ohne noch einen Blick zurück zur Festung zu werfen, setzten die beiden ihren Weg fort.

KingPaddy
16.02.2014, 00:45
Tarrior hatte kurz nachgedacht. Er hätte sagen können, dass ihn das Schicksal von Vvardenfell besonders am Herzen lag und das Behram so etwas einfach nicht machen durfte. Das der Hexer ein Verbrecher war, den man zur Strecke bringen musste, aber Tarrior war das völlig alles egal. Der Grund warum er hinter dem Telvanni inzwischen her war, war nichts weiter als die nackte, kalte und vor allem süße Rache. Vieles hatte er dem Hlaalu mit der Erpressung aufgebürdet. Nicht nur, dass er ihn praktisch weiterhin mit einer Absicherung erpressen konnte, sondern auch das, was davor gewesen war, konnte und wollte er nicht vergessen und schon gar nicht vergeben. Tarrior war nie sonderlich nachsichtig gewesen und Meradanz hatte nun wirklich alles getan, um zu sterben. Zunächst hatte er vorgehabt Beweise gegen ihn sicherzustellen, aber die Möglichkeit war ihm mit dem Tod von Jonicus abhanden gekommen. Trotz der ungleichen Macht – als Magierfürst verfügte Meradanz über deutlich mehr Einfluss und Ressourcen als er – würde er ihn umbringen. Er würde ihn zerstören!

„Er hat mir Übles angetan. Ich will Rache und das um jeden Preis. Der Tod wäre zunächst noch zu gnädig. Er muss völlig zerstört werden“: geiferte Tarrior, dessen eigene Gedanken ihn in Rage versetzt hatten. Aus der Nachbarzelle dröhnte ein Lachen. „Ungewöhnlich. Ist ein Tod denn nicht ausreichend“: schloss sich daran eine Frage an. „Offenbar hattet ihr noch nie Gelegenheit mit Ordinatoren Bekanntschaft zu machen. Gibt es Hinweise für schlimme Ketzerei können sie unglaublich kreativ sein, was das Brechen einer Person angeht. Ich denke sie stehen da den Daedra in nichts nach“: kommentierte der Dunmer dies. Der Zellennachbar ließ sich wieder zu einem Lachen in unmenschlichem Ton hinreißen. „Das bezweifle ich“: meinte er, ließ aber offen, worauf er sich genau bezog. „Einen Hinweis sagt ihr…“: fuhr er deutlich ernster fort: „Für euch ist aber wohl hier ohnehin das Ende erreicht. Ihr seid seiner Ungnade ausgeliefert.“ Tarrior, der sich gerade etwas beruhigt hatte, wurde erneut wütend. Dass man ihn auf das offensichtliche hinwies, war nicht sonderlich hilfreich, vor allem wenn der Hinweis darin bestand, ihm noch einmal vor Augen zu führen, dass ihn dieser verfluchte Hexer in der Hand hatte. „ich werde hier herauskommen. Verlasst euch darauf. Diese Wände werden mich nicht halten!“: versicherte er trotzig und tat es auch, um sich selbst zu beruhigen, denn im Moment sah alles danach aus, als wäre die Sache wirklich verloren für ihn. Sein Zellennachbar brummte. „Hm. Ihr scheint…“: sprach er, doch da tönten Schritte auf dem Holz der Wurzeln. Der Schall wurde mehrfach im Schacht gebrochen, zurückgeworfen und drangen nach unten. Leute waren offenbar auf dem Weg. Da sich die Schritte immer näher kamen, schien er Ziel der Grund des Schachtes zu sein. Tarrior trat ans Gitter um besser sehen zu können. Die Wesen, die er von seiner Zelle aus sehen konnte, drängten sich in ihrem eigenen Gefängnis so weit vom Gitter weg wie möglich an die hintere Wand heran. Offenbar sollte jemand zum Verhör geholt werden.

Zuerst sah Tarrior drei Paar Stiefel auf der Treppe. Da er das bronzen-goldene Metall bereits kannte, war er auch nicht überrascht, als sich schließlich noch die Beinschienen und die massiven Plattenpanzer in sein Gesichtsfeld schoben. Überrascht war er eher, dass die Drei, die den Wandelgang heruntertraten nicht auch noch die eckigen Dwemer-Helme sondern stattdessen die für Telvanni-Wachen üblichen Kopffüßerhelme trugen, die im Endeffekt das Gesicht aber genauso verbargen. Tarrior fand den Effekt, den die Rüstung auslöste sehr erstaunlich. Die Massivität des Rüstzeuges löschte absolut jede Kontur des Körpers darin aus und auch die Vollhelme nahmen sämtliche Individualität. Man konnte den Eindruck gewinnen, es wären keine Lebewesen, die dort von der Treppe stiegen und auf ihn zukamen, sondern tatsächlich nur Maschinen, Animunculi, wie sie der Telvanni schätze und auch einsetzte, wie er wusste. Einzig und allein gewisse Eigenheiten und Abweichungen im Gang zeigten, dass es doch Individuen waren, die sich dort unter den Schichten von Metall verbargen. Schließlich blieben die Drei vor seiner Zelle stehen. „Zurück!“: bellte eine Stimme, die Dumpf unter dem Helm hervordrang. Er ließ es nicht drauf ankommen und trat einen Schritt zurück. Der Wächter, der links stand, zog einen seltsam gekrümmten metallenen Gegenstand von seinem Gürtel. Er hatte eine Form, die etwas an einen Tentakel erinnerte, der sich krümmte und an dessen Spitze ein oranger Edelstein angebracht war. Das rötliche Licht der Magma-Grube schimmerte auf daedrischen Schriftzeichen, die in die Oberfläche geritzt waren. Er hielt den Gegenstand gegen das Gitter. Der Edelstein begann zu leuchten und Tarrior staunte nicht schlecht, als sich die organischen Stangen des Gitters plötzlich zur Seite wölbten und einen Durchgang freimachten. Bevor er noch etwas tun konnte, traten die beiden anderen Wachen hervor und packten ihn mit ihren behandschuhten Händen grob an und zogen ihn unsanft aus der Zelle.

„Der Meister will euch sehen“: war die einzige dumpfe Erklärung, die er bekam und halb ziehend, halb stoßend, obwohl das gar nicht nötig war – offenbar waren die Wärter von den Daedra mehr Widerstand gewohnt – zogen sie ihn Richtung Treppe. Sie stoppten, als noch eine Person heruntergekommen war. Tarrior erkannte den jungen Betronen sofort. Das Gesicht dieses Wiesels hatte sich bei ihm eingebrannt. Das war wohl auch kein Wunder, wenn man dachte, dass man stirbt. „Aytor“: knirschte er. Er unterdrückte den Impuls sich nach vorne zu werfen und sich losreißen zu wollen, um dem Schüler Meradanz‘ an die Kehle zu gehen. Es war sinnlos und diese Blöße wollte er sich nicht geben, auch wenn ihn das leichte Lächeln doch geradezu dazu herausforderte. „Zurück von den Toten?“: fragte der junge Bretone. „Meister Meradanz erwartet euch. Wir bringen euch jetzt zu ihm“: erklärte der Novize noch einmal das Offensichtliche. Tarrior wandte den Blick gezielt ab. Augenkontakt erfordert Respekt, dem er dem Bretonen absolut nicht entgegenbrachte. Da sah er etwas in der Zelle, neben der er jetzt stand. Es dauerte einen langen Moment, bis er die langen, nunmehr zerschlissenen und dreckigen grauen Mäntel erkannte und wusste wer dort in der kleinen Nische zu zweit aneinander in einer Ecke kauerte. Aytor folgte seinem überraschten Blick. Sein Lächeln verschwand. „Sie haben ihre Schuldigkeit getan. Sie sind nutzlos geworden. Der Meister hat vielleicht noch Bedarf für einige Experimente an ihnen und dann werden wir sie entsorgen“: sagte er ernst nur um denn wieder zu lächeln: „Ihr müsst also keine Angst haben, dass wir sie noch einmal auf euch ansetzen.“

Sie begannen den Aufstieg. Unterwegs überlegte Tarrior, wie groß seine Chancen stünden allein aus den Verliesen und dem Turm entkommen zu können, würde er seine Bewacher mit ein paar gezielten Feuerstößen von der, ohne mit Brüstung versehenen, Wurzel herunter in die Lava zu stoßen. Sollte seine Flucht nicht bemerkt werden, standen seine Chancen, so das Kalkül seiner Überlegungen, nicht einmal so schlecht. Allerdings waren diese Gedanken müßig. Er spürte nach wie vor eine Schwäche, was seine magischen Kraftreserven anging und die Verantwortlichen saßen immer noch an seinen Handgelenken. So ließ er sich in einer nach oben hin breiter werdenden Spirale entlang der Schachtwand hinaufführen und passierte dabei einige der höheren Haftebenen in denen immer weniger Daedra dafür immer mehr normale Gefangene wie Menschen, Elfen oder Kajhiit saßen. Es gab praktisch keine Wachen. Als sie dem oberen Rand endlich so nahegekommen waren, dass er ihn und die aus Wurzelauswüchsen bestehende Brüstung darum gut erkennen konnte, wurde der Weg vor ihnen von einem Konstrukt aus mehreren, beulenartig aus der Wand wachsenden Pilzen blockiert, die so hintereinanderlagen, dass man eine Raume denken konnte. Es gab eine große Runde Tür, die nach außen aufschwang und Zutritt gewährte. War man unachtsam und stand zu dicht daran, hätte es durchaus passieren können, dass man von ihr von dem Wurzelweg gewischt wurde. Was zu Tarriors Ungemach mit seinen Wärtern leider nicht passierte. Die Räumlichkeiten im Innern der Pilze zeichneten sie als Wachstube aus. Ein Ein Stuhl hinter einem langen Thresen. Ein Regal mit Papieren und ein Waffenständer bildeten den Teil des Raumes in dem wohl der diensthabende Wächter arbeitete. In einem durch Holzstangen abgegrenzten Bereich hingen säuberlich aufgereiht Fesseln verschiedener Machart, auch welche in der Art von denen, die Tarrior trug, an der Wand. Einer der Gerüsteten, die ihn hier hinaufgetragen hatten, nämlich jener mit dem seltsamen Metallgegenstand verließ hier auch die Gruppe und nahm den Platz hinter dem Thresen ein. „Serjo Brasselin, wann kann ich endlich mit dem neuen Kerkermeister rechnen? Er muss noch eingewiesen werden, bevor ich den Dienst quittiere“: fragte der Mann, der jetzt seinen Helm abnahm und ein altes und zerfurchtes dunmerisches Gesicht ebenso enthüllte wie einen ergrauten Spitzbart.

„Meister Meradanz wird es euch wissen lassen, sobald es soweit ist“: antwortete Aytor ihm knapp aber nicht unfreundlich und die beiden Wächter zogen ihn, in dem sie dem Bretonen folgten, weiter. Er drehte sich um sah, wie der Kerkermeister mit dem Gegenstand dafür sorgte, dass ein dichtes Geflecht von Wurzeln sich vor der Rundtür schloss. Tarrior hörte ein leises Summen und schaute an die Decke. Auch hier waren Kristalle eingelassen, die deutlich heller leuchteten und auch Licht spendeten, aber er machte sich keine Illusion, dass auch dies eine magische Fesselungsanlage war. Bei den ganzen Kreaturen, die Behram dort unten einschloss, konnte er sogar die Vorsicht des Hexers verstehen. So auch die Wachen, die sie erwarteten, als sie das Konstrukt durch eine weitere Rundtür am anderen Ende verlassen hatten und die letzte Stiege zum Rand der Grube hinauf schafften. Mehrere schwer gerüstete Wächter und zwei Zenturio-Sphären flankierten den Durchgang zur Brüstung. Tarrior schaute zurück der Kerker war wirklich eine große, fast kreisrunde, sehr tiefe Grube. Selbst von hier oben waren die Lava und die spitzen Felszacken noch sehr gut zu erkennen. Nur von den Zellen war von hier aus kaum mehr etwas zu sehen. Hier oberhalb befand er sich in einer großen Höhle. Die Decke wölbte sich weit über ihm und mehrere auf dünne Felsnadeln gestützte Steinbahnen durchzogen den Raum. Daran schlängelten sich auch die dicken Wurzelstrünke des Pilzes entlang, bevor sie sich dann im Fels darüber verloren. An manchen waren Laternen angebracht. Im hinteren Teil sah er weitere kleine Durchgänge. Dem Geruch nach zu urteilen wurden dort wohl die Exkremente entsorgt und zugleich wohl auch in einer anderen Höhle auch das Essen für die Gefangenen zubereitet. Er konnte auch die gebückt laufenden, bemantelten Gestalten erkennen, die ihm sein Zellennachbar beschrieben hatte. Seine Aufmerksamkeit wurde jedoch zwangsweise auf einen großen Durchgang gegenüber der Brüstung gelenkt. Offenbar hielt Meradanz nicht soviel von Innenausbau oder Dekoration in diesen Höhlen. Der Durchgang wurde nämlich von einem Stollenwerk, ähnlich dem in einer Mine, gebildet. Hierauf hielten seine Wächter zusammen mit ihm zu.

Sie durchquerten auf ihrem Weg weitere Höhlen, Stollen und kamen auch an gemauerten Räumen vorbei, in die er beim Vorgehen kurz hineinsehen und alchemistische Ausrüstung und andere nicht identifizierbare Anlagen entdecken konnte. Schließlich standen sie in einem niedrigen Stollen vor einer riesigen den Durchgang völlig ausfüllenden, mit Intarsien geschmückten Rundtür. Aytor öffnete sie und sie traten in einen nunmehr hölzernen Gang. Tarrior kannte die Architektur aus den Beschreibungen anderer Hlaalu. Sie befanden sich nun im Inneren des Pilzturms. Sämtliche Wände waren Teil des großen Pilzes. Sah man von den Türen ab, befanden sie sich nun im Inneren eines geschlossenen Organismus‘. Entsprechend war die hölzerne Optik zu erklären, die einen hier wohl ständig umgab. Sie durchquerten einen mittelgroßen Raum auf der gleichen Ebene in dem jedoch eine große Zahl großer Kristalle in Einbuchtungen aufgestellt war. Umgeben war jeder Kristall von eigen Säulen, die wohl den oberen Teil des Turmes stützten. Die Wurzeln des Turmes, die direkt auf die Kristalle hinliefen, waren zahlreich und dick und schienen regelrecht zu pulsieren. Eine weitere Formation von Kristallen an einer hinteren Wand erregte sein Aufsehen. Offenbar war dieser Bereich der Kammer wesentlich jünger. Im Gegensatz zu den anderen Kristallen liefen hier auch die Wurzeln nicht direkt darauf zu, sondern schienen von dort aus hinweg zu laufen. Besonders auffällig waren in der Formation aus unterschiedlich großen Kristallen drei Säulen aus ineinander geflochtenen Wurzeln an deren Spitzen Schalen eingelassen waren. Ein Leuchten drang daraus hervor. Tarrior konnte auf die Entfernung natürlich nicht erkennen, was sich daran befand und das Licht ausstrahlte. Er hatte auch keine Zeit sich eingehender damit zu befassen, denn Aytor und die Wächter zogen ihn weiter, mehrere Rampen hinauf. Sie schienen sich weiter an die Oberfläche zu bewegen und kamen schließlich aus einem Seitengang heraus, der in eine große Eingangshalle mündete. Wie zuvor im Kristallraum gab es auch hier Wächter und Animunculi. Etliche Kristalle und Öllampen spendeten warmes Licht und enthüllten Wandteppicche und direkt aus den Wänden gewachsene Regale auf denen Schalen, Statuetten und andere feingearbeitete Güter ausgestellt waren. Gehalten von einigen Wurzeln prangte an der Hauptwand gegenüber der Eingangstür, die so nah aber für Tarrior so unglaublich fern war, ein großes braun-gelbes Banner mit einem Skarabäusemblem. Darunter stand eine kleinere Nachbildung einer Dwemerstatue, die in heroischer Pose einen Speer erhob.

Er spürte im nächsten Moment Aytors Hand auf seiner Schulter und plötzlich spürte er den Boden unter den Füßen nicht mehr. Er schaute nach unten und musste mit leichten Entsetzen feststellen, dass er in der Luft schwebte. Er schaute in das Gesicht des Bretonen, wo er wieder ein hämisches Grinsen fand. Er wagte es trotz der Nähe nicht, ihm eine mit der blanken Faust zu verpassen. Da sie schnell höher schwebten und bereits recht weit über dem Boden waren, wollte er lieber nicht riskieren, dass Meradanz‘ Schüler seine Konzentration verlor, die sie in der Luft hielt. Er richtete seinen Blick nach oben und sah über sich ein Geflecht aus mehreren sich verzweigenden Tunneln und erkannte auch mehrere verschiedene Räume, die von dem Hauptschacht offen abzweigten. Sie flogen so schnell in die Höhe, dass er sich kaum darauf konzentrieren konnte. Schließlich wurde der Bretone langsamer und sie setzen an einem organischen Bogen auf. Tarrior stolperte schnell einige Schritte in den Raum, um sich von der Kanten schnellstmöglich zu entfernen. Aytor war jedoch schnell bei ihm und pfeifend rollte eine Zenturio-Sphäre von der Seite heran. Es schien so, als hätte Behram etliche Dwemer-Ruinen geplündert, um sich seine Dienerschaft zusammenzustellen. Als er sich seiner Umgebung deutlicher bewusst wurde, ahnte er erst, wie richtig er wohl lag.

Offenbar durchquerten sie hier eine Art Sammlung. In Vitrinen und Regalen standen optisch schön aufgereiht Dwemer-Antiquitäten. Viele erkannte er nur der Machart nach. Denn neben den üblichen Schüsseln oder Kelchen, die er kannte, fanden sich hier auch Gerätschaften, die er überhaupt nicht zuordnen konnte. Der Mann war offenbar besessen von der alten Rasse. „Krankhaft besessen“: wie Tarrior seinen Gedanken noch einmal ergänzte. Schließlich stiegen sie einen kurze Wendeltreppe nach oben und kamen in eine kreisrunde Kammer. Auch hier standen Vitrinen aber viel mehr Regale mit Büchern, ein geräumiger Sekretär. Sein Blick wurde von einem größeren Ausstellungspodest gefesselt. Dort lagen neben zwei dicken, alten Büchern und einem kleineren im roten Einband ein Artefakt das er nur zu gut kannte. Da Aytor ihn inzwischen losgelassen hatte, trat er wie in Trance näher. Er trat nah heran und betrachtete ausgiebig den in roten Samt eingebetteten, silbernen Kriegshammer. „Vholendrung. Dank euch ist er endlich da, wo er hingehört“: erklang von rechts eine Stimme, die in seinem Gedächtnis brannte, seit er sie in Balmora zuletzt gehört hatte. Er richtete sich langsam auf und wandte seinen Blick in die Richtung, aus der man zu ihm gesprochen hatte. In einem hölzernen Sessel im kaiserlichen Stil, der mit einem roten Tuch ausgelegt war, sah er ihn sitzen. Das erste Mal seit ihrem Treffen in Balmora vor, wie Tarrior es vorkam, einer halben Ewigkeit. „Willkommen, Serjo Gildres“: begrüßte ihn der dort sitzende Dunmer in einer roten Robe mit goldenen Stickereien. „Setzt euch doch“: bat Behram Meradanz.

Andromeda
27.03.2014, 12:48
[Tirian]
Seit sie von ihrem Nachtlager schließlich aufgebrochen waren, waren inzwischen auch schon wieder ein paar Stunden vergangen. Der Heiler konnte nicht sagen, wie lange sie schon wieder unterwegs waren, aber die Sonne hatte ihren Höhepunkt noch längst nicht erreicht. Doch trotzdessen türmten sich langsam vor ihnen die Berge auf, die im Süden der Weidenländer die Grenzen zum unfruchtbaren Ödland der Molag Amur im Südwesten Vvardenfells bildeten. Hier endete der fruchtbare Boden mit seinen endlosen Dochtweizen-Weiden und ging über ansteigenden Fels dann in die Asche- und Lavawüste der Amur über. Tirian kannte diese Gegend nur aus Beschreibungen von Tarrior. In dieser Region sollte mit Ausnahme des Roten Berges die Erde wohl noch am aktivsten sein. Lavabecken und -seen direkt an der Oberfläche, kochende, schlammige Tümpel, Geysire und löchrige Felsen aus denen langsam oder stoßweise heißer Dampf entwich. Da die Berge immer näher und immer höher vor ihnen und mit ihren Schatten auch langsam über sie hinwegragten, wurde Tirian um so klarer, dass hier nun der nächste Abschnitt ihres Weges beginnen würde. Sie würden den felsigen, verbrannten Schluchten folgen, die das Erdfeuer des Roten Berges vor Jahrhunderten in das Land gefressen hatte, hinein in das Herz der Ödnis, in dem der Telvanni seinen Sitz, den Pilzturm Tel Uvirith und seine Stadt Mora Uvirith hatte. Wenn er noch am Leben war, und Tirian verbot sich etwas anderes überhaupt in Betracht zu ziehen, so musste Tarrior dort sein.

Spitze Felsen, wie in die Luft greifende Krallen, türmten sich neben ihm und Dreveni auf, als sie endlich an die Berge herangekommen waren und die immer größer werdende Steigung überwunden hatten, die sie direkt zum Pass hinaufführte, der nun wie eine Rinne die Hügelkette durchschneidend vor ihnen lag. Die Krallenfelsen säumten den Durchgang und waren wie stumme Wächter, die Reisende mit ihrer gratigen, monolithischen Gegenwart vor dem Überqueren des kurzen Passes abhalten wollten. Tirian wusste aus den Berichten seines Vaters, dass das lebensfeindliche Klima der Molag Amur allerlei grausame Kreaturen hervorgebracht hatte, die nur dank ihrer Stärke dort überleben konnten und praktisch keine natürlichen Feinde hatten. Guars konnten ihnen ebenso zur Beute fallen wie einfache Händler oder ein unachtsamer Heiler und eine Assassinin. Umso glücklicher war er über den Umstand, dass sie ihr Weg auf der anderen Seite des Passes dann doch wieder in Richtung Meer führen würde, wo, so hoffte Tirian, die Zahl der Kreaturen nicht mehr so groß sein würde. Bevor sie die mächtigen Felsen passieren würden, hielt der Dunmer inne.

[Dreveni]
Dreveni war schweigend neben dem Heiler hergelaufen, der Guar ein paar Schritte hinter ihnen. Sie hatten wirklich Glück gehabt mit dem Tier, überlegte die Assassine, denn es folgte ihnen nun schon seit geraumer Zeit, und hatte dabei entweder Talent oder schier Glück, sich immer im rechten Moment zu entfernen. Jedenfalls hatte er bis jetzt keinen Pfeil abbekommen oder war das Opfer anderer wilder Kreaturen geworden.
Die Landschaft um sie herum hatte sich fast schlagartig verändert. Nichts war mehr zu sehen von der grünen, lebendigen und fruchtbaren Umgebung der Weideländer, und war verbranntem Grund gewichen. Selbst die wenigen, verkrüppelten Bäume die hier noch wuchsen, waren tot und verdorrt. Einmal mehr wunderte sich die Dunmer, warum sie hier überhaupt wachsen konnten, und wie es wohl hier ausgesehen hatte, als sie noch nicht tot gewesen waren.
Sie konnte nicht sagen, was sie hier erwartete, denn diese Gegend war ihr genauso fremd, wie der Rest von Morrowind. Was sie allerdings wusste, war, dass was immer hier lebte ein Meister des Überlebens sein musste, und das bedeutete selten etwas gutes für eventuelle Eindringlinge, wie es die beiden Dunmer waren.

Vor einer Art Pass blieb Tirian schließlich stehen, und Dreveni blieb nichts anderes übrig, als es ihm gleich zu tun. Sie ließ den Blick noch einmal über die von krallenartigen Felsen gesäumte Passage schweifen, und wandte sich dann an den Heiler: "Was ist?"
Das waren die ersten Worte, die seit ihrem Aufbruch gesprochen wurden, und in Drevenis Ohren klangen sie seltsam laut und unangebracht im Geräusch des trockenen Windes, der leise heulend über das Land und um die Felsen strich und mit sich den Geruch nach Feuer und Asche brachte.

[Tirian]
"Von hier an wird es besonders gefährlich werden": meinte Tirian. "Seid ihr schon einmal durch die Amur gereist?": fragte er. Er selbst kannte die Gegend nur aus den Beschreibungen seines Vaters und das hatte ihm schon gehörigen Respekt eingeflößt. "Wir haben einen Vorteil der in der weichen Asche besteht. Im Fall des Falles können wir so Tierspuren recht früh ausmachen": sagte er ohne die Antwort abzuwarten. Er drehte sich zu ihr um. "Es wäre gut, wenn ihr vorgehen könntet. Meine Fähigkeiten im Spurenlesen sind leider praktisch nicht vorhanden": bat er. Er schaute dann etwas gedankenverloren in das Aschland jenseits des Passes. Behram rechnete wahrscheinlich nicht mit einer Befreiungsaktion für Tarrior, aber dennoch mochten seine Leute durch die Amur patrouillieren und es wäre nicht gut, wenn er vorgewarnt würde. Er sprach seine Befürchtungen aber nicht aus

[Dreveni]
Oder wir haben Pech und der Wind verweht die Spuren, und wir laufen blind in die Falle., dachte sich die Assassine, sagte aber nichts. Es hatte keinen Sinn den Heiler zu beunruhigen, und es würde auch nichts daran ändern, dass sie diesen Weg nehmen mussten.
Die Gegend war wirklich mehr als unwirtlich, und das wurde umso deutlicher, je weiter sie ihr Weg in die Aschewüste führte. Nicht nur wehte ein Konstanter Wind, der ihnen Staub in die Augen blies, ihr Blick wurde außerdem immer wieder durch größere und kleinere Sanddünen behindert.
Trotz allem kamen sie relativ gut voran, bis Dreveni meinte, leise Stimmen ein Stück vor ihnen zu hören. Sie konnte die Quelle der Stimmen nicht sehen, da der Weg eine Kurve um eine besonders groß geratene Düne machte.
Sie blieb stehen, drehte sich zu Tirian um und sagte leise: "Ihr bleibt mit dem Guar hier. Ich werde nachsehen, was da vorn los ist."
Bevor er noch die Chance hatte, einen Einspruch anzubringen, war sie schon mit leichten Schritten davon. In diesem Fall war der weiche Untergrund überhaupt nicht hilfreich, denn auch mit einem Unsichtbarkeitszauber würde man immer noch ihre Schritte sehen können. Es sei denn, wer immer dort hinter der Düne war, war abgelenkt genug. Inzwischen konnte sie auch einzelne Stimmen unterscheiden, auch wenn sie die Worte nicht verstand, da Dunmeri gesprochen wurde. Doch es hörte sich an, als würden Befehle gerufen, und dazwischen konnte sie Schnauben hören. Es klang fast wie das Schnauben, dass die Guare von sich gegeben hatten, als sie von Erynn, Arranges und ihr durch den Fluss getrieben wurden...

Vorsichtig drückte sie sich um die Düne, um einen Blick auf das werfen zu können, was sich dahinter abspielte. Als ihr das gelang, wusste sie, dass ihre ganze Vorsicht übertrieben war. Die Quelle des Lärms hatte gerade ganz andere Probleme, als einen Späher der sich anschlich.
Hinter der Düne hatte sich eine ganze Karawane im weichen Sand festgefahren. Dreveni hatte schon in Cyrodiil Handelskolonnen gesehen, aber keine wie diese hier. Wagen mit breiten Holzrädern wurden von Guaren gezogen - wenn sie nicht gerade im Sand festhingen. Sie zähle mindestens vier dieser Wagen, deren Ladung mit großen Planen abgedeckt war, und vor den vordersten waren drei der Tiere gespannt. Dunmer, die offenbar die Begleiter der Karawane waren, trieben die Tiere an, und zwei davon schoben sogar den Wagen von hinten. All das führte aber nur dazu, dass der Wagen noch tiefer im Sand stecken blieb.
Die Dunmer sah sich weiter das Treiben an, und wunderte sich, dass sie nur vier Dunmer ausmachen konnte, außerdem einen Khajiit. Zu viert würden sie das wohl kaum schaffen, vermutlich mussten die Wagen einfach nur entladen werden.
Wie auch immer, das war nicht ihr Problem. Ebenso leise huschte sie zu Tirian zurück, und berichtete ihm von der Szene hinter der Kurve. Sie schloss mit den Worten: "Wir sollten außenrum gehen. Kostet uns weniger Zeit, als zu helfen, und wer weiß was das wirklich für eine Karawane ist."
Die Dunmer hatten auf sie zwar tatsächlich mehr wie Händler denn Wachen gewirkt, aber wenn man Ärger aus dem Weg gehen konnte, umso besser.

[Tirian]
Der Heiler wollte sie noch aufhalten, doch da war sie auch schon hinter der Düne verschwunden. Es war nicht gut sich in der Molag Amur von einander zu trennen. Allein war man eine noch leichtere Beute für die gefährlichen Raubtiere. Man reiste am sichersten, wenn man sich an die Gewohnheiten der Guars anpasste und in einer kleinen Herde reiste. Dies schreckte für gewöhnlich Kagouti und Alit ab, wie Tarrior meinte. Deshalb sah man einzelne Personen eher selten in diesem Teil von Vvardenfell. Selbst die Aschländer, wenn sein Vater die Wahrheit gesagt hatte, gingen niemals allein auf die Jagd. Nervös schaute sich Tirian um, aber konnte nichts entdecken. Das musste aber nichts heißen. Durch die Dünen und die vielen Felsen war das Gelände reichlich uneinsichtig, was auch die Gefahr barg, wenn man unachtsam war, in einer der vielen Lavagruben zu fallen, die sich hier und dort in der Landschaft auftaten. Es beruhigte ihn also nicht im geringsten, denn er rechnete in jedem Moment plötzlich über einer der Dünenkuppen ein riesiges, laufendes Mal auftauchen zu sehen.

Doch stattdessen war es zu seiner großen Freude Dreveni, die zuerst zu ihm zurückkam. Sie berichtete davon, was sie gesehen hatte. Tirian rieb sich das Kinn. "Wir sollten außenrum gehen. Kostet uns weniger Zeit, als zu helfen, und wer weiß was das wirklich für eine Karawane ist.": sagte sie schließlich. Der Dunmer schüttelte den Kopf. "Was soll das schon für eine Karawane sein? Wenn sie nicht gerade Sklaven dabei haben, würde ich nicht unbedingt davon ausgehen, dass wir es mit Räubern oder Banditen zu tun haben. Wir sollten den Leuten helfen hier weiter zu kommen. Besser verbringt man so wenig Zeit wie möglich hier in der freien Wildnis und am besten nicht unbedingt die Nacht. Je nachdem wo sie hinwollen, könnten wir uns ihnen auch anschließen. Zusammen ist es auch deutlich sicherer hier im Feuerland": teilte er der Assassine seine Gedanken mit und war entschlossen der Karawane zu helfen.

[Dreveni]
Dreveni sah Tirian zweifelnd an. Nicht nur, dass sie keine große Motivation hatte, beim Ent- und Beladen von Wagen zu helfen, darüber hinaus fand sie es auch wenig verlockend, den Rest des Weges mit Einheimischen zu verbringen, deren Sprache sie nicht verstand.
"Wie lange sind wir noch unterwegs, wenn wir nicht helfen und nur einen kurzen Bogen schlagen? Die sind so laut, die hören uns nie.", erwiderte sie, alles andere als von Tirians Argumenten überzeugt. "Wenn wir denen helfen, brauchen wir alleine bis heute Abend, bis die Wagen wieder frei sind."

[Tirian]
Der Heiler überlegte. "Wir sind vielleicht noch ein paar Stunden unterwegs, bis wir die Küste erreichen. Ich denke bis es gänzlich dunkel geworden ist, könnten wir es schaffen, wenn wir uns beeilen": schätzte er. Er konnte auch nur von der Karte ausgehen, die er im Kopf hatte, aber so in etwa musste es hinkommen. Allerdings gefiel ihm Drevenis Vorschlag gar nicht. "Lassen wir sie hier, fällt in der Nacht womöglich sonst etwas über sie her, vor allem wenn sie bis dahin noch nicht wieder mobil sind. Wir können sie nicht einfach hier draußen lassen. Wir werden ihnen helfen und den Weg nach Osten gemeinsam fortsetzen. Außerdem umso schneller wir beim Ent- und Beladen der Wagen helfen, umso schneller kommen wir hier auch weiter": lehnte Tirian entschlossen ab. Er wandte sich bereits in Richtung der Kurve hinter denen die Karawane laut Dreveni feststeckte.

[Dreveni]
Dreveni stand mit verschränkten Armen vor Tirian und musterte ihn mit einem undurchdringlichem Blick. Die Karawane kümmerte sie nicht im Geringsten, und wenn der Heiler wirklich glaubte, dass sie auch nur einen Finger krumm machen würde, um sie zu verteidigen, hatte er sich geschnitten. Söldnertätigkeiten waren nichts für sie, das hatte sie in Falensarano gemerkt.
"Wer zahlt schafft an.", sagte sie schließlich übertrieben freundlich und bedeutete ihm genauso übertrieben mit einer leichten Verbeugung, vorzugehen, wozu er ohnehin schon angesetzt hatte. Hatte der Heiler nicht in der Festung noch vorgeschlagen, ihre ganze Beziehung wieder mehr auf eine geschäftliche Ebene zu heben? Nun gut, das konnte er haben.

[Tirian]
Tirian verzog das Gesicht ob der übertriebenen Gesten. Er ahnte schon worauf seine Begleiterin hinaus wollte, auch wenn eine irre Flucht mittlerweile dazwischen lag, war aber weniger missgestimmt. Er verspürte eher eine gewisse Trauer. Aber so war es besser für sie beide. Er bedachte sie mit einem Seitenblick, drehte sich dann endgültig um und ging auf die Kurve zu. "Wir langen auch so noch früher an dem Turm an, als uns lieb sein kann und da werden verrückte Söldner womöglich unser kleinstes Problem sein": sagte er nach einem Moment quälenden Schweigens. Tatsächlich zerriss es ihn innerlich. Einerseits wollte er so schnell wie möglich seinen Vater befreien, auf der anderen Seite schreckte ihn alles davon ab, sich mit dem Telvanni anzulegen, sich gar in dessen Turm hineinzuschleichen. Er war den Göttern dankbar dafür, dass er Dreveni an seiner Seite hatte. Bei diesem Gedanken waren sie um die Kurve herum und nun konnte Tirian auch selbst die steckengebliebene Karawane sehen. Er verlangsamte seine Schritte und blieb in Entfernung stehen, um die Szenerie selbst noch einmal zu mustern. "Das sind auf keinen Fall Banditen": stellte er nach einer kurzen Weile des Beobachtens fest. Die Leute hatten wirklich ein Problem und noch ein größeres, wenn es dunkel würde. Tirian straffte sich, ging vor und machte den ersten Schritt. "Seid gegrüßt, Sera. Braucht ihr Hilfe?": rief er, um die Leute nicht zu überraschen oder viel mehr zu erschrecken.

[Dreveni]
Die Begleiter der Karawane unternahmen gerade einen neuen Versuch, den vordersten der vier Wagen zu befreien. Inzwischen schoben drei der Dunmer und der Khajiit den Wagen, während der vierte Dunmer versuchte, die Guare mehr oder weniger erfolgreich zu motivieren, sich noch stärker in ihr Geschirr zu legen. Dreveni konnte jetzt auch den Guar sehen, der wohl zu dem vierten Wagen gehörte, aber er hatte anscheinend keinen Platz mehr bei den anderen dreien gehabt, und stand etwas abseits.
Gerade als Tirian die Leute ansprach, machte der Wagen einen Satz, dann blockierten die Räder und drei Dunmer und ein Khajiit fielen unsanft in den Sand. Der Vordere stieß nur einen Fluch aus, dann drehte er sich zu Tirian und Dreveni. Letztere stand seitlich hinter Tirian, die Arme verschränkt und demonstrativ desinteressiert zur Seite schauend.
"Hilfe?", sprach der Dunmer, der die Guare angetrieben hatte und kam näher. Sein Tonfall klang nicht gerade erfreut, aber immerhin schien er nicht nur Dunmeri zu sprechen. "Nicht doch, wir haben alles im Griff.", fügter er noch an, und fuhr sich mit der Hand über die dunkelroten Haare, die ihm wirr ins Gesicht hingen. Seine Kleidung wirkte teuer, stellte Dreveni fest, als sie ihn unauffällig aus dem Augenwinkel musterte, und dachte sogleich an ihre eigene, abgerissene Erscheinung.
Der Dunmer unterdess seufzte, als würde er seine harschen Worte schon bedauern, und blieb vor Tirian stehen.
"Entschuldigt.", setzte er wieder an, wobei er die Beiden abschätzend musterte. Schließlich kam er wohl zu dem Schluß, dass sie keine Banditen waren und fuhr fort: "Die Wagen haben sich festgefahren. Wie ihr seht, sind wir nur noch zu fünft... ", wobei er den Kopf drehte und den Blick kurz über die Wagen schweifen ließ, bevor er seinen Blick wieder auf den Heiler richtete. Er wirkte noch recht jung, stellte Dreveni fest, nicht viel älter als sie oder Tirian.

[Tirian]
"Die Wagen haben sich festgefahren. Wir ihr seht, sind wir nur noch zu fünft...": sprach der Dunmer, der ihn begrüßen kam. "Was meint ihr mit nur noch?": wollte Tirian wissen und versuchte sich derweil einen Überblick über die Wagen zu verschaffen. Dreveni hatte recht. Die Wagen waren einfach zu schwer, sie waren viel zu tief in den Schlamm eingesunken, um sie einfach so herauszubekommen. Tirian fragte sich zwar, wie hier mitten in dieses tote Gebiet Wasser kam, kam aber Sekunden später drauf, dass es vermutlich aufgeheiztes Grundwasser war, dass hier an die Oberfläche stieg und den Boden verschlammen ließ. "Ich bin übrigens Tirian und meine Begleiterin hier heißt... Lyviani": stellte er sie beide vor.

KingPaddy
31.03.2014, 19:12
Ein Seitenblick auf die Zenturionen und Aytor verrieten ihm, dass Behrams Bitte wohl keine zwanglose Aufforderung war. Außerdem was brächte es schon, sich unnötig die Beine in den Bauch zu stehen. Er zuckte mit den Schultern und setzte sich auf einen freien Stuhl, der ebenfalls an dem kleinen Tisch stand, an dem auch Behram saß. Sie waren kaum zwei Meter auseinander. Die Gelegenheit war so günstig wie nie und doch musste er sie verstreichen lassen. Tarrior sagte kein Wort aber fixierte den Telvanni mit einem überaus eindeutigen Blick. Behram setzte zu seinem Ärger nur ein Lächeln auf. „Ihr seid so leicht zu durchschauen, Serjo Gildres. Schlag euch solche Gedanken lieber aus dem Kopf. Solche Überlegungen haben euch schließlich überhaupt erst in diese Lage gebracht“: meinte der Hexer. Jetzt war es an Tarrior zu lächeln. „Wenn ich mich recht erinnere, wolltet ihr mich töten, wenn ich mich gegen euch wenden sollte. Und doch sitze ich hier vor euch“: entgegnete der Dunmer selbstbewusst, obwohl er innerlich nur zu gut wusste, dass er dem Tod wohl sehr nahe gekommen war. In eben diese Kerbe schlug nun auch Behram: „Das Gift, das euch Aytor verabreicht hat, war quasi tödlich. Es ist eine teure und komplizierte Mischung, die mich viel Geld gekostet hat. Ich denke aber, der Preis hat sich gelohnt, um euch einen Eindruck davon zu vermitteln, wie erbärmlich sich der Griff des Todes anfühlt.“ Tarrior erbleichte unmerklich. „Dieses Gefühl…“: ging es ihm durch den Kopf und es war ihm als könnte er diesen kalten Griff an seinem Herzen in diesem Moment wieder spüren. Er versuchte sein Gegenüber weiterhin ungerührt anzuschauen, aber das Zucken seiner Augen musste ihn wohl verraten haben. Mehr als zufrieden lehnte sich der Tevlanni zurück, was Tarrior jedoch seine Fassung zurückgewinnen ließ, da ihm der Ärger sauer im Magen aufstieg. „Dann war ich euch offenbar wichtig genug, um mich nicht zu töten“: meinte der Hlaalu.

„Wer sagt, dass ihr schon gerettet seid?“: meinte der Bretone dann von der Seite: „Ihr werdet schneller wieder in dem Sarg landen, in dem wir euch hergebracht haben, aber diesmal würdet ihr darin verrotten.“ Behram wandte sich von ihm ab und fixierte nun seinen Schüler. „Genug Aytor. Es sind noch Vorbereitungen zu treffen. Wir haben einen straffen Zeitplan. Lass uns also allein und kümmere dich um deine Aufgaben“: schickte Behram den Novizen davon. Der junge Bretone erhob nicht den geringsten Widerspruch und zog ab. „Beeindruckend“: meinte Tarrior und ließ mehr als deutlich durchblicken, dass er Aytor einzig für einen besseren Schoßhund hielt. „Schweigt“: fuhr ihm Behram mit erhobener Stimme über den Mund. „Aytor hat euch schon darauf hingewiesen, was euer derzeitiger Status tatsächlich ist. Ihr seid nur noch am Leben, weil ich eure Courage bewundert habe oder vielmehr eure unvernünftige Hartnäckigkeit. Ihr seid das Risiko eingegangen, dass ich euch an die Ordinatoren verrate oder euch einfach töten lasse und habt euch dennoch unter Widrigkeiten bis ins Aschland durchgeschlagen. Ich bin beeindruckt und ich muss auch sagen dankbar, dass ihr mich direkt zu diesem verfluchten Nord geführt habt. Seinen Schüler aufzuspüren und in die Fänge der Nekromanten zu schicken war nicht schwer, aber sein Meister hatte sich gut verborgen gehalten. Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt aber natürlich hatte niemand seinen Verwandten in Mar Gaan auf dem Plan. Welch Ironie, dass gerade ihr mir geholfen habt diese letzte Verfänglichkeit zu beseitigen“: erklärte der Hexer. Tarrior beugte sich vor. „Ich frage mich immer noch wie ihr mich überhaupt verfolgen konntet. Eure Späher sitzen ja offenbar als Zeichen eures großen Dankes für ihre Dienste in eurem Kerker“: fragte sich der Dunmer laut.

Behram begann zu lachen. „Ich hatte euch nicht für derart naiv gehalten. Ich habe ein Netz von Informanten über ganz Vvardenfell verteilt. Ich hätte gedacht, gerade ihr Hlaalu wüsstet den Wert eines Spionagenetzes sehr zu schätzen. Außerdem selbst mit nur einer Handvoll Informanten war es ein Leichtes euch zu verfolgen und natürlich sich zusammenzureimen, was ihr vorhattet. Jemand, der den Anführer einer magischen Liga zum Zweikampf herausfordert, um eine Reise per Teleportation zu erzwingen… Glaubt ihr so jemand würde nicht sofort auffallen? Es war nicht nötig euch zu überwachen. Ihr selbst habt mehr als deutlich dafür gesorgt, dass man euch findet“: betonte Behram und Tarrior musste zugeben, dass er seinen Gegner wirklich unterschätzt hatte. Doch er begann sich immer mehr zu fragen, worum es hier eigentlich ging. Wenn der Telvanni ein großes Spionagenetz vorhielt, musste es etwas Großes sein.

„Wenn ihr so gut Bescheid wisst, warum habt ihr mich nicht gleich getötet, anstatt mich jetzt verhören zu wollen“: wandte er trotzig ein. Behram antwortete, diesmal aber mit deutlich ernsteres und geschäftiger Stimme: „Ich brauche euch nicht verhören. Ihr werdet wohl kaum jemandem von unseren Geschäften erzählt haben. Da stände zu viel für euch selbst auf dem Spiel. Die Magiergilde habt ihr auch nicht informiert. Ihr wolltet diese Angelegenheit allein lösen, doch sind der Magier und der Beweis nun vernichtet. Es wäre sinnlos euch zu verhören und im Gegensatz zu euch neige ich nicht dazu, meine Gefangenen aus der reinen Freude an der Sache selbst zu foltern, auch wenn ihr mir noch so lästig wart“: korrigierte ihn der Hexer. Tarrior änderte seine Frage: „Was wollt ihr dann von mir. Oder bin ich euch so ein seltenes Tier mit meiner Courage, dass ihr mich in eurem Zoo halten wollt?“ Der Telvanni stand nun auf und ging etwas im Raum auf und ab. „Wisst ihr, ich strebe nach Großem. Und…“: doch weiter kam er nicht, da fiel ihm diesmal Tarrior ins Wort: „Das Einzige wonach ihr strebt ist es eure eigene Macht zu mehren. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr intrigiert gegen euer eigenes Haus und unterstützt sogar die Daedra, wenn es euch opportun erscheint eure Konkurrenten auszuschalten. Eure Machtgelüste sind es, die euch antreiben.“

„Als würdet ihr euch für irgendeine Moral interessieren. Ihr habt, um eure Ziele zu erreichen seinerzeit doch auch die Mittel benutzt, die euch am ehesten verfügbar erschienen. Ihr habt keinen Moment gezögert um Fremdländer zu töten und ich weiß, dass ihr es auch genossen habt. Eure Aufzeichnungen, die ich studieren durfte, sprachen da eine mehr als deutliche Sprache. Wir sind uns nicht unähnlich. Alles was ich tat, tat ich…“: warf er dem Hlaalu Heuchelei vor. Tarrior widersprach heftig: „Alles was ich tat, tat ich um meinem Haus, meinem Blut zu dienen. Haus Dagoth sollte wiederauferstehen. Gewiss profitierte ich auch davon, aber stets stand das Sechste Haus an erster Stelle. Wagt es also nicht, mich mit euch gleichzusetzen.“ Inzwischen war er selbst aufgesprungen und konnte sich nur mühsam beherrschen. „Dieser verfluchte telvannische Leichenschänder weiß rein gar nichts“: schoss es ihm durch den Kopf und in seinem Hinterkopf vernahm er eine Stimme, die ihn dazu aufforderte, dem „anmaßenden Hund“ an die Gurgel zu gehen, doch die Zenturio-Sphären, die Aytor zurückgelassen hatte, waren inzwischen in Bereitschaft übergegangen. Die Vernunft obsiegte und hielt ihn zurück. Behram selbst schaute selbst reichlich verärgert zu ihm hinüber. „Ihr habt überhaupt keine Ahnung, wovon ihr redet“: zischte der Telvanni.

„Aber das ist typisch für euch Dagoths. Euer hochverehrter Dagoth Ur selbst hat den Krieg des Ersten Rates maßgeblich mitentfacht, weil er die angeblichen Gefahren der hochentwickelten dwemerischen Technologie, die er nicht einmal in Ansätzen verstand, als Begründung vorschob. Und dann waren er es und das Tribunal, die sich als Erste dieser angeblich so schändlichen Technologie bedienten, um ihre eigene Macht zu mehren. Euer Haus war es doch wohl, das wirklich machtgierig war. Also schweigt“: fuhr ihn der Telvanni heftig an. Behrams aschfarbenes Gesicht war dunkel angelaufen und seine Züge und die zusammengekniffenen Augen spiegelten blanke Wut. Tarrior war vor lauter Überraschung sprachlos. „Verwirrt? Scheinbar kenne ich die alten Schriften besser, als ihr. Und ihr seid genauso, wie es euer Fürst Voryn Dagoth vor Jahrhunderten war. Ohne auch nur ansatzweise zu begreifen, worüber ihr redet, maßt ihr euch einen Kommentar an. Nein ich suche nur nach Macht, um auch meinem Haus zu Größe zu verhelfen und es wieder auferstehen zu lassen!“: enthüllte der Telvanni seine vermeintlich eigentlichen Absichten. Tarrior ließ sich zu einem zynischen Lächeln herab. „Wo das Haus Telvanni doch auch so danieder liegt. Wobei ihr selbst habt es ja mit euren Aktionen gegen den Rat erst in diese Position gebracht“: giftete er. Die Gesichtszüge des Telvanni glätteten sich etwas, er wandte sich ab und blickte nun aus einem kleinen Fenster des Turms nach draußen. „Ihr müsstet es eigentlich am besten wissen. Haus Telvanni ist so wenig mein wahres Haus, wie eures das Haus Hlaalu ist, Dagoth Gildres“: sprach Behram in einem deutlich ruhigeren Tonfall.

Tarrior wurde nachdenklich. Er rieb sich über die Stirn. „Was soll denn das für ein ominöses Haus sein? Ihr werdet doch wohl kaum Indoriil meinen“: war Tarrior reichlich ahnungslos. Das belustigte seinen Gesprächspartner offenbar, denn er lachte, doch klang es kalt, freudlos. „Indoriil. Indoriil! Weder dieses noch ein anderes heruntergekommenes Dunmer-Haus. Seht euch die Aschländer doch an. Wie bessere Tiere leben sie in der Wüste und das Einzige, was uns von ihnen unterscheidet ist nur ein Hauch von mehr Kultur. Keine Zelte dafür ebenso rückständige Architektur. Wir sind immer noch Jäger und Bauern und glauben an einen Tempel, in dem, wie ihr wisst, drei Betrüger, Diebe und Mörder als Götter verehrt werden. Wir sind abergläubisch, barbarisch und rückständig. Doch was sage ich wir? Ihr. Dieser Körper ist nur eine Hülle für Blut und Seele einer höheren Rasse. Die Dunmer sind nichts wert, genauso diese aufrecht gehenden Affen von Menschen oder diese dreckigen Tiere aus den Sümpfen und Wüsten“: ließ sich Behram zu einem längeren Monolog hinreißen. Zusammen mit der verzerrten Spiegelung seines Gesichtes im Fenster und dem dennoch mehr als deutlich erkennbaren unheimlichen Ausdruck in seinen Augen jagten die Worte des Hexers Tarrior einen Schauer über den Rücken. Er schluckte. Behram drehte sich nun zu ihm um.

„Es ist der Wiederaufstieg des Hauses Dwemer, das mich antreibt. Ich werde die Dwemer wiederauferstehen lassen!“: rief er aus und fixierte dann Tarrior mit einem völlig fanatischen Blick. Er hielt den Augen stand. „Ihr seid völlig verrückt. Die Dwemer sind vernichtet. Sie haben sich mit ihrer eigenen Technologie ein Ende gesetzt. Es gibt keine Dwemer mehr. Und selbst wenn, was ist dann mit so einem dreckigen Dunmer wie euch?“: meinte er dem Telvanni gegenüber. Inzwischen hielt ihr den Hexer für völlig verrückt. Umso erstaunter war er, als sich Behram scheinbar wieder völlig beruhigte. „Zur Zeit kurz vor dem Krieg des Ersten Rates lebte eine Vorfahrin von mir in einer gemischten Beziehung zusammen mit einem Dwemer namens Meradanz. Sie war schwanger. Die Dwemer verschwanden am Ende des Krieges, doch sie brachte das Kind dann zur Welt. Auf dieses Kind führt meine Abstammung zurück. Auch wenn ich wohl deutlich mehr Dunmer bin, so ist es doch mein Blut, das von dwemerischer Herkunft ist. Haus Dwemer ist mein Haus. Und mein Ziel ist es, es wiederauferstehen zu lassen. Wir reden von einer Zivilisation, die jeder auch heutigen Zivilisation auf Tamriel technologisch weit überlegen war“: erklärte sich der Telvanni.

Anstatt eines naheliegenden Kommentars, warum die Dwemer den Krieg des Ersten Rates trotz ihrer Überlegenheit verloren hatten, verlegte sich der Dunmer lieber auf eine weitere grundsätzliche Frage: „Und dennoch sind die Dwemer tot. Wie wollt ihr ein totes Volk wieder auferstehen lassen? Ihr sagt ja selbst, dass euer Blut wohl nur noch wenig eines Dwemers hat und es wäre sicher auch nicht so gut, wenn das ganze Volk von einer einzigen Person abstammt.“ „Das müsstet ihr doch am besten wissen. Euer Fürst Dagoth selbst hat das Mittel dazu geschaffen. Und was ist das Herz von Lorkhan mehr gewesen als eine besonders starke magische Energiequelle. So wird es auch ohne das Herz möglich sein mit genug Magie den Prozess wieder in Gang zu setzen. Es gibt jemanden der das Geheimnis der Erschaffung neuen Lebens dank seiner unermüdlichen Forschung an der Geißel, die euer Kult über Vvardenfell brachte, entdeckt hat. Jetzt da die Daedra unser Gebiet bedrohen und das Haus auch so intern gelähmt ist und im Chaos versinkt, bereitet Aytor alles vor, dass wir uns in den Besitz der nötigen Werkzeuge bringen. Schlussendlich wird es nicht mehr brauchen als ein wenig Materie des Wesens. Und auch wenn die letzte Generation der Dwemer verschwunden ist, so gibt es doch noch etliche Gräber angefüllt mit Dwemer-Gebeinen, die genug Material für eine Wiederauferstehung hergeben.“: weihte er Tarrior in seine Pläne ein.

„Geheimnis neues Lebens? Werkzeuge? Dwemer-Gebeine? Wiederauferstehung?“: langsam begann ihm das Hirn zu brennen. „Ihr seid völlig verrückt“: konnte Tarrior nur noch einmal wiederholen. Das was Meradanz vorhatte, klang wirklich nach absolutem Wahnsinn. Der Mann war offenkundig von den Dwemern besessen und das so schwer, dass er sich selbst für einen Nachfahren dieser Tiefelfen hielt und noch schlimmer bereit war ganz Vvardenfell zu opfern, nur um seinem wahnwitzigen Plan nachzugehen. „Nicht wahnsinniger als ihr, würde ich meinen. Euer Akulakhan-Kult scheint mir nicht weniger verrückt zu sein, zumal es sich dabei um genau die gleiche Idee handelte, die Kagrenac seinerzeit bereits hatte, die euer Fürst Dagoth auch wieder nur erstohlen hat“: entgegnete Behram und trat nun ganz nah an ihn heran. Anstatt sich über die unverhoffte Gelegenheit zu freuen den Hexer in den Würgegriff zu nehmen und als Geisel zu benutzen, wich Tarrior regelrecht abgestoßen vor dem Telvanni einen Schritt zurück. „Tarrior der Grund warum ich euch verschont habe, war eure Hartnäckigkeit. Ich weiß aus euren Aufzeichnungen, dass ihr, so wie ich, damals bereit wart alles für euer Haus Dagoth zu opfern. Und ihr habt mir euer Durchhaltevermögen schließlich dann auch bewiesen. Ich will euch das Angebot machen, mir bei meinem Plan zu helfen und für euch könnte die Reanimierung des Hauses Dagoth unter dem Schutz meiner neuen dwemerischen Armee dabei herausspringen“: bot ihm Meradanz an.

Etwas in seiner Seele rührte sich… etwas, dass ihm – er erschreckte sich, in dem Moment als ihm das klar wurde, vor sich selbst – zuriet das Angebot Behrams anzunehmen. „Niemals“: antwortete er, aber es klang bei weitem nicht so entschieden, wie er es sich gewünscht hätte. „Tarrior. Wir sind uns gleich. Wir streben doch beide nach dem gleichen Ziel. Unsere beiden Häuser wurden durch das Tribunal verraten und in Kriegen zerschlagen. Eurem Fürst Dagoth haben sie die Werkzeuge gestohlen, die er für Nerevar verwahren sollte, gegen uns haben sie Krieg geführt und sich dann selbst die Macht genommen, die sie zuvor verdammt hatten. Unsere Häuser wurden zerschlagen, deines fast und meines ganz und gar vernichtet. Wir teilen ein Schicksal und teilen ein Ziel unserem Blut die Wiederauferstehung zu ermöglichen und ihnen wieder einen Platz in dieser Welt zu erobern. Und wir sind beide bereit dafür auch alles zu tun, was nötig ist. Ihr seid unter Dagoth Ur an diesem Land gescheitert. Jetzt unterstütze mich und wir werden, da die Daedra dieses Land des Tempels in Brand stecken, Haus Dwemer und Haus Dagoth wieder aus der Asche heben. Tarrior. Wir sind uns gleich. Wir sind die letzten kämpfenden Nachkommen. Tarrior, du und ich, wir sind die Erben der Häuser“: flüsterte ihm Behram Meradanz, Erbe des Hauses Dwemer, ein. Und Tarrior Gildres, Erbe des Hauses Dagoth, war geneigt ihm zu helfen.

Andromeda
22.06.2014, 18:10
[Dreveni]
Der rothaarige Dunmer ließ seinen Blick ein paar Mal zwischen den Wagen - seine Begleiter hatten sich derweil wieder aufgerappelt - und Tirian und Dreveni hin und her schweifen. Dann, als hätte er im Geiste einen Entschluß gefasst, straffte sich seine Haltung und er antwortete: "Was ich damit sagen möchte, ist: Wir waren noch deutlich mehr Leute, als wir aufgebrochen sind. Uns haben noch fünf Söldner als Schutz begleitet. Leider sind drei von ihnen einem Angriff von Kagouti zum Opfer gefallen. Ebenso unser fünfter Guar, auf dem wir abwechselnd geritten sind. Dann haben zwei Banditen wohl ihre Chance gewittert, wenn man so will, kann man sagen, der Kampf ist unentschieden ausgegangen, weder die Banditen noch die zwei Söldner haben überlegt. Einen haben wir nicht weit von hier beerdigt, seine Wunden waren zu schwer...". Er sah betreten zu Boden, nur um dann seinen Kopf fast ruckartig wieder zu haben: "Mein Name ist übrigens Garan. Das da drüben sind Lloras, Ravin und Odres, meine Brüder, und J'Zarha, unser Knecht."
Als der Dunmer das Wort Knecht erwähnte, sah Dreveni misstrauisch zu dem Khajiit, aber sie konnte weder ausmachen, dass er in einem schlechten Zustand war, noch sah sie irgendwelche Fesseln oder Handschellen an ihm.
Die anderen drei Dunmer konnten tatsächlich seine Brüder sein, zwei von ihnen hatten exakt die gleiche Haarfarbe, während das Haar des dritten eher einen dunklen, fast schwarzen Braunton hatte. Langsam näherten sie sich nun auch der kleinen Gruppe um den Heiler.

[Tirian]
Tirian verzog betrübt das Gesicht. "Tut mir leid, das zu hören": sagte er. Ein kurzer Moment Schweigen trat ein. "Nunja wir können versuchen euch bei den Wagen zu helfen, aber meine Begleiterin meinte schon, dass es wohl besser wäre, wenn wir sie vorher etwas entladen würden, damit wir sie aus dem Schlamm gewuchtet kriegen": bot Tirian dann schließlich an und blickte einen Moment zum Himmel. "Wenn wir uns beeilen schaffen wir es vielleicht bis zum Sonnenuntergang": meinte er.

[Dreveni]
Dreveni, die immer noch in Tirians Rücken stand, warf diesem bitterböse Blick zu, als er auf das Thema "Entladen" zu sprechen kam, was wiederum der Dunmer vor Tirian mit einem reichlich irritiertem Gesichtsausdruck quittierte, der dem Heiler unmöglich entgehen konnte. Garan beließ es allerdings bei dem Gesichtsausdruck und kommentierte die Szene nicht weiter. Statt dessen sah er kurz zu den Wagen, und dann wieder zu Tirian: "Ihr habt recht. Wir hätten es gleich von Anfang an mit Entladen versuchen sollen, aber wir haben befürchtet, dass die Zeit zu knapp wird. Außerdem haben wir gehofft, dass es doch noch irgendwie geht... Wie dem auch sei. Wir wäre für Eure Hilfe mehr als dankbar."
Inzwischen hatten die anderen Dunmer die Gruppe erreicht, der Khajiit hielt sich im Hintergrund und schien sich noch Staub aus dem Fell zu schütteln, was dezent komisch wirkte.
"Natürlich werden wir euch auch angemessen entlohnen.", ergriff nun der Dunmer mit den dunkelbraunen Haaren Wort, Worauf sich Dreveni eine Augenbraue hob. Der giftige Ausdruck in ihren Augen war inzwischen wieder einem neutral-gelangweiltem gewichen. "Wir haben noch mehr als genug Proviant, ebenso können wir euch natürlich in Draken bezahlen, oder in...", er zögerte unmerklich, als fürchtete er, in ein Fettnäpfchen zu treten, ".. Gebrauchsgegenständen."
Danke., dachte sich die Assassine nur. Ich weiß wie abgerissen ich aussehe. Ihre Augen verengten sich, und es trat ein dumpf-brütender Ausdruck in ihr Gesicht, aber noch hielt sie sich zurück und ließ, wie vereinbart, den Heiler reden. Auch wenn es ihr einiges an Beherrschung abverlangte.

[Tirian]
"Das ist sehr freundlich, aber wir benötigen nichts davon": schlug Tirian eine Belohnung aus. "Uns wäre lieb, wenn wir gemeinsam zur Küste weiterreisen könnten. In einer größeren Gruppe ist man ja deutlich sicherer unterwegs": bat der Heiler im Gegenzug. "Wir wollen nämlich am Meer entlang nach Molag Mar weiter. Das erschien uns besser als durch die Amur direkt hindurch zu gehen": log er dann. "Wir müssen die Karren auch nicht ganz entladen. Ich denke ich kriege das hin, wenn die Wagen genug Last los sind, dass sie sich wieder einigermaßen bewegen können. Zusammen packen wir das. Ich bin etwas stärker als man vermuten würde": meinte der Heiler dann und zeigte den Anflug eines Lächelns und streckte dem Dunmer dann seine Hand hin.

[Dreveni]
"Das ist sehr freundlich, aber wir benötigen nichts davon."
Dreveni glaubte, sich verhört zu haben. Nichts brauchen? Er vielleicht nicht. Sie schon. Und wer wusste schon, ob er sie wirklich so entlohnen konnte, wie er behauptet hatte. So sprach sie den Dunmer an, als Tirian fertig gesprochen hatte, noch bevor dieser die Chance zu einer Antwort hatte: "Der Größte Fehler meines Begleiters ist leider seine Bescheidenheit. Wir würden euch wirklich gerne ohne Gegenleistung helfen, aber wie ihr vermutlich schon gesehen hat, zu uns war die lange Reise nicht gerade gnädig."
Während sie gesprochen hatte, war sie ein paar Schritte nach vorn getreten und stand nun neben Tirian, der gerade die Hand des anderen wieder losließ. Dreveni hielt sich nicht damit auf, ihm ebenfalls ihre Hand anzubieten, sondern starrte den Heiler nur bestimmend von der Seite an.

[Tirian]
"Der Größte Fehler meines Begleiters ist leider seine Bescheidenheit. Wir würden euch wirklich gerne ohne Gegenleistung helfen, aber wie ihr vermutlich schon gesehen hat, zu uns war die lange Reise nicht gerade gnädig." Tirian zuckte zusammen als er Drevenis Worte hörte. Er schaute zur ihr hinüber und sah das auch sie ihn taxierte. Er fühlte sich plötzlich sehr unwohl. Tatsächlich waren sie ziemlich heruntergekommen. Die Ereignisse in der Gruft und dazu kam noch ihre überstürzte Flucht aus der Festung. Auch seine Kleidung hatte nicht unwesentlich darunter gelitten. Dennoch wollte er jetzt nicht hinter seine Zusicherung zurück. Er fand es unredlich in so einer Notlage Geld für seine Hilfe zu nehmen. Außerdem war er sich nicht sicher, ob Dreveni hier nicht einfach eine schnelle Drake machen wollte. Er nahm sie kurz zur Seite und flüsterte ihr zu: "Wenn es nur um das Geld geht: Nach Mora Uvirith ist es nicht mehr weit und sobald mein Freund frei ist werden wir euch gebührend für eure Hilfe entlohnen. Wir brauchen das nicht."

[Dreveni]
Dreveni warf einen schnellen Blick zu Garan, der sie inzwischen doch schon mehr als nur leicht irritiert ansah, bevor sie Tirian ebenso leise antwortete: "Was heißt hier brauchen? Er hat es von sich aus angeboten. Und ich bin sicher, er stürzt sich damit nicht in den Ruin. Habt ihr ihn mal näher angesehen? ER läuft nicht in Fetzen durch die Gegend.", während sie leicht in Richtung des rothaarigen Dunmers nickte, der inzwischen immerhin mit seinen Brüdern und dem Khajiit begonnen hatte, einen Teil der Güter von den Wagen zu laden. Mit verschränkten Armen stand sie vor Tirian und sah ihm fest und leicht bockig in die Augen. Wenn er darauf bestand, würden sie eben helfen, diese verfluchten Wagen zu entladen. Aber sicher nicht ohne Gegenleistung.

[Tirian]
Der Heiler musste zugeben, dass sie an der Stelle einen guten Punkt erwischt hatte. Sie sahen nach der bisherigen Reise wirklich nicht mehr allzu frisch aus und das konnte sogar bei den Wachen von Mora Uvirith zu Problemen führen, denn schließlich hatte er sich ja vor in die Stadt einzuschleichen. Tirian rieb sich die Stirn. Er war hin- und her gerissen, ob er entgegen seinem eigentlichen Willen eine Belohnung für die Hilfe in solch einer tendenziellen Notlage nehmen sollte oder nicht. Sie befanden sich schließlich auch nicht in einer sonderlich exponierten Lage. Schließlich seufzte er. "Wie ihr wünscht": meinte der Dunmer und sprach dann wieder Garan an: "Meine Begleiterin hat leider Recht. Wir haben ja noch einen gewissen Weg vor uns und es wäre wohl nicht gerade die feine Art, wenn wir nackend, weil uns die Kleidung am Körper zerfallen ist, in Molag Mar ankommen. Wenn ihr also ein wenig frische Kleidung unter euren Handelswaren führt, wären wir dafür doch sehr dankbar."

[Dreveni]
Dreveni sah Tirian überrascht an, als dieser so schnell einlenkte, während Garan auf die Worte des Heilers nur freundlich nickte und sagte: "Da wird sich sicher etwas finden."
Schließlich gesellten sie sich zu den anderen und halfen, die Wagen zu entladen. Mit inzwischen sechs Leuten ging die Arbeit überraschend schnell voran, und bald lagen nur noch leichte Dinge auf den Wagen. Dreveni hatte die ganze Zeit lautlos vor sich hingeflucht, auch wenn sie jetzt die berechtigte Hoffnung hatte, bald wieder halbwegs gesellschaftsfähig auszusehen, ging es ihr doch immer noch gehörig gegen den Strich. Was war sie, ein dahergelaufener Tagelöhner? Schließlich stand sie mit verschränkten Armen neben dem vordersten Wagen und sah Tirian herausfordernd an. Wer hatte vorher noch so groß getönt, dass er stärker war, als er aussehen würde? Natürlich hatte sie schon gesehen, wie er in der Gruft einfach mit der Steinbank eine Tür blockiert hatte, aber den ganzen Wagen anzuschieben, war doch noch etwas anderes.

[Tirian]
Der Heiler warf während der Arbeit immer wieder Blicke zu Dreveni hinüber. Die Assassine machte, obwohl er bei der Frage der Belohnung nachgegeben hatte, noch immer einer sauertöpfisches Gesicht. Er ließ sich davon nicht irritieren. Sie hatte ja schon klar gemacht, dass sie hiervon nicht soviel hielt. Für ihn war das hier aber eine gute Gelegenheit in der Gruppe sicher bis ans Meer zu kommen. Als sie schließlich die Wagen zum Teil entladen hatten, prüfte er per Augenschein das Gewicht. Die Wagen drückten sich jetzt weniger tief in den Grund und mochten sich jetzt auch wieder bewegen lassen. "Das müsste reichen": entschied er und trat heran. Noch bevor er sich auf die Befreiung des Gefährtes konzentrieren konnte, streifte sein Blick das Gesicht der Dunmer ein weiteres Mal. Eine Herausforderung lag in ihren Augen. Er seufzte und konzentrierte sich stattdessen auf seine Aufgabe.

Tirian wurde reglos, schloss die Augen und konzentrierte sich auf seine Magie. Das Ausladen hatte ihn zwar angestrengt und auch so steckte die Wanderung in seinen Knochen, aber sein Geist war ausgeruht. Seit sie die Festung hinter sich gelassen hatten, ging es ihm auch wieder erstaunlich gut in dieser Hinsicht. So war es ein leichtes für ihn auf die Kraft in seinem Innern zurückzugreifen. Er ließ die Kraft fließen und lenkte sie in seine Arme, einen Teil aber auch in die Beine, denn diese sollten ihm den nötigen Halt geben. Die feinen Härchen auf seiner Haut stellten sich auf und einem Kundigen musste auffallen, wie schwer und geladen die Luft um ihn herum plötzlich war. Dann als der Zauber seine Wirkung tat traten die Adern an seinen Gliedmaßen deutlich hervor und die Muskeln zuckten leicht als stünden sie unter Spannung.

Er öffnete die Augen wieder und packte nun den Karren. Mit seiner magisch verstärkten Kraft legte er sich nun dagegen, rammte die Füße in den Boden um sich damit abzustützen und drückte nun nach vorne. Als er merkte, dass sich der Wagen zu bewegen begann. Ließ er zwischendurch immer wieder etwas mit dem Druck nach, sodass die Räder in der Kuhle vor und zurück pendelten. Als es sich flüssig zurückbewegte legte er noch einmal alle Kraft hinein und schob das Gefährt in einer einzigen Bewegung aus dem Dreck heraus.

Das wiederholte er mehrfach bis schließlich alle festgefahrenen Karren befreit waren. Danach sank er verschwitzt und schwer atmend neben dem Rad eines Wagens zu Boden. Er war erschöpft.

[Dreveni]
Dreveni kam nicht umhin, leichte Bewunderung für Tirian und seine magischen Fähigkeiten zu empfinden, die sich sogar - im Ansatz - in ihrem Gesicht zeigte. Immerhin waren die Wagen, obwohl inzwischen entladen, immer noch schwer und steckten tief im weichen Sand. Die vier Brüder und der Khajiit waren nicht weniger sichtlich beeindruckt. Garan flüsterte dem Khajiit etwas zu, der daraufhin dem sichtlich erschöpften Heiler einen Krug mit Wasser brachte. Während Tirian sich erholte, half Dreveni dabei, die Wagen wieder zu beladen, und nebenbei ihre Vorräte zu ergänzen. Sie musste Garan fast etwas dämpfen, denn sie waren zwar mit einem Guar unterwegs, aber soviel konnten sie auch nicht mit sich führen. So blieb es bei Lebensmitteln, Wasser und Kleidung. Was Dreveni von der Ware beim entladen der Wagen gesehen hatte, mussten es tatsächlich Tuchhändler sein. Es waren überwiegend Stoffballen, sowie Bündel mit fertig genähter Kleidung gewesen. Hatte sie bis eben noch gedacht, Stoffballen konnten ja nicht so schwer sein, war sie nun eines besseren belehrt. Schließlich war sie mit zwei zweckmäßigen Tuniken und einer neuen Hose ausgestattet, als ihr Garan noch ein Bündel aus smaragdgrüner, feiner Wolle in die Hand drückte. Als sie es vorsichtig entfaltete, entpuppte es sich als langes Kleid, dessen Säume mit Stickerei verziert waren. Man brauchte kein Schneider oder Tuchhändler sein um zu sehen, dass es ziemlich teuer war.
"Aber..."
"Nichts aber. Nehmt es, bitte. Ich denke ihr werdet sicher Gelegenheiten haben, das zu tragen, nach eurer Reise.", sagte Garan mit einem feinen Lächeln.
"Danke."
Die Assassine lächelte zurück, und beschloss, nicht weiter zu protestieren. Der Höflichkeit war genüge getan, und sie hätte lügen müssen, würde sie behaupten, es gefiele ihr nicht.
In der Zwischenzeit hatte Ravin Tirian ebenfalls einige der Bündel mit Kleidung gezeigt, und auch der Heiler musste nun nicht mehr in Fetzen herumlaufen, stellte Dreveni mit einem kurzen Blick in dessen Richtung fest.

KingPaddy
23.06.2014, 16:45
Wenig später brachten die Wachen ihn in den Kerker zurück. Tarrior war versunken in seinen Gedanken, sodass er an seine Umgebung kaum mehr einen Blick verschwendete, sondern seinen Augen sich stur auf den gepanzerten Rücken des Wächters richteten, der vor ihm ging. Die Welt außen nahm er nicht mehr wahr, sein Sein war nach innen gerichtet. Er dachte über die Worte des Telvannis nach und darüber wie viel Recht er wohl damit gehabt haben mochte. Behram war nach wie vor ein anmaßender Hund, den er am liebsten sofort töten würde, schließlich hatten sie noch eine Rechnung miteinander offen, aber was sein Angebot anging, war sich der Dunmer unschlüssig. „Hat er nicht Recht?“: überlegte der Hlaalu: „Ich wäre für das Sechste Haus ebenso über Leichen gegangen. Der Meister hat die Cammona Tong zur Verbreitung der Aschestatuen genutzt, hat Corprus und die Pest geschaffen und verbreitet, hat Träumer wie mich geschaffen. Und ich selbst hatte das alles für nötig und gut befunden und meinen Teil dazu beigetragen, in dem ich Fremdländer tötete. Ich habe die Kolonisten von Herzen verabscheut. Ihr Tod war nicht nur ein kleines Übel, sondern geradezu Befriedigung. Ist Behram da wirklich anders?“ Diese Überlegungen kreisten in seinem Schädel. Nach wie vor hielt er den Plan des Telvannis, oder besser des Dwemers, für absoluten Wahnsinn. Er konnte auch nicht sagen, ob Meradanz einer Wahnvorstellung anhing, wenn er davon sprach, selbst ein Nachfahre der alten Tiefelfen zu sein und doch stand die Frage im Raum, ob das überhaupt eine Rolle spielte. Behram war von der Richtigkeit seines Tuns ebenso überzeugt, wie Tarrior seinerzeit von seinen Handlungen. Was wäre, wenn er sich darauf einließ. Er würde diesem Kerker entfliehen können und hätte womöglich eine Chance sein Haus Dagoth doch noch aufzubauen.

So gefährlich die Pläne des Hexers für Nirn auch waren, so hatten sie doch einen vernünftigen Kern. Die Umsetzung solcher Pläne war nur möglich, wenn die Gegner dieser Pläne anderweitig bedrängt wurden, zum Beispiel durch eine daedrische Invasion. So konnten sie sich nicht gegen die Mühen wenden. Nach dem Tod des Meisters hatte der Dunmer zwar den Plan aufgegeben eine erneute Reaktivierung des Hauses Dagoth zu versuchen, aber er fühlte sich ihm weiterhin sehr verbunden und wollte seine Identität auch nicht unbedingt vor der Welt verstecken. Während er so dahin schritt und weiter sinnierte, kamen ihm jedoch Erinnerungen an seine Zeit in Cyrodiil in den Kopf, an die vielen Fremdländer mit denen er… Freundschaft geschlossen hatte oder mit denen er viel erlebt hatte. Fremdländer waren sie nur hier. Er hatte sie nie grundsätzlich verabscheut, nur wo sie die Kultur der Dunmer und die Häuser untergruben, wo sie sich das Land, das eigentlich seinem Volk und seinem Haus zustand, untertan machen wollten. So wurde es nötig den Krieg gegen die Besatzer aufzunehmen und durch Morde und Anschläge Terror zu säen um die Besatzer und ihre Unterstützer zu schwächen. Er war da nach wie vor mit sich im Reinen. Es waren notwendige Opfer, er hatte sie dargebracht und hatte ihre Tode für ihre gerechte Sache auch genossen. Doch, so war er sich inzwischen sicher, die Fremdländer wurden auch von den anderen Häusern nur angenommen, wo sie sich den Regeln Morrowinds beugten und im äußerten toleriert aber abgelehnt, wo sie der Selbstbestimmung der Dunmer schadeten. Hier bei dieser Invasion aus dem Reich des Vergessens kämpften auch Truppen aus anderen Teilen des Kaiserreiches um Vvardenfell zu halten und zu schützen. So wollte es die Ironie, dass der Nerevarine, der die Häuser erstmals seit langem vereint hatte, sie mehr noch als die Pläne seines Hauses als Dunmer wieder zusammenschweißte. Auch wenn Vvardenfell seit seinem Verschwinden wieder im Bürgerkrieg versank bis die Daedra einen Burgfrieden erzwangen, so konnte man sich wohl darauf verlassen, dass man zusammenstehen würde, sollte sich ein anmaßender Eindringling das Recht nehmen wollen ohne Rücksicht über Dunmereth zu gebieten. Die Fremdländer waren nicht mehr das große Problem und Haus Dagoth hatte in zwei aggressiven Wiederaufstiegsversuchen bezeugt, dass sie so niemals in den Kreis der Häuser zurückkehren konnten. Tarrior hielt Gewalt inzwischen auch für den falschen Weg und die Pläne dafür waren mit Dagoth Ur ohnehin gestorben. Gleichwohl Meradanz‘ Verheißung unglaublich süß klang sein Haus Dagoth so bald wieder zu seiner alten Stärke zu verhelfen.

Inzwischen war der Tross bei den untersten Zellen des Kerkers von Tel Uvirith wieder angekommen und jäh wurde der Hlaalu aus seinen Gedanken gerissen, als man ihn unsanft in die Zelle stieß. Gerade als er noch nach vorne auf die Zelle zu stolperte, aus der man ihn zuvor geholt hatte, sah er mit einem Seitenblick endlich auch seinen Zellennachbar, der sich nun neugierig bis vor an das Gitter gewagt hatte und sich nun als Dremora herausstellte. Tarrior war einen Moment lang erschrocken, bis ihn die Tatsache, dass er beinahe gestürzt wäre im nächsten Augenblick davon freimachte und er mit rudernden Armen das Gleichgewicht zurückfand und dann vor der Kollision mit der hinteren Zellenwand noch rechtzeitig abbremste. Hinter ihm verschloss sich sein Gefängnis mit dem bekannten Wurzelgeflecht. Er wollte sich seinen Gedanken, gerade unter dem Eindruck des erneuten Eingesperrtseins, wieder hingeben und seinem Traum von einem wiederhergestellten Haus Dagoth, da ließ ihm die bekannte Stimme aus der Nachbarzelle keine Gelegenheit dazu. „Wir wurden unterbrochen“: erklang die Stimme, die er schon zuvor einem Daedra hätte zuordnen können, wie ihm jetzt auffiel. Er versuchte ihn zu ignorieren. Die Dremoa waren in der Regel Diener Mehrunes Dagons und Tarrior war sich recht sicher, dass sich Meradanz nicht einfach irgendeinen Dremora hier hielt, sondern jemanden der durchaus dem Tross des Daedra-Prinzen entstammte. Auch nach mehreren Versuchen seines Zellennachbars wollte sich der Dunmer zu keinem Gespräch überreden lassen. Mit Geschöpfen aus Oblivion musste er sich nun wirklich nicht auch noch einlassen. Ein wahnsinniger Hexer war schon genug der Probleme. Tarrior legte sich auf das Strohlager und versuchte den Kopf freizubekommen. Doch offenbar wollte der Daedroth nicht aufgeben. „Wir hatten eine Abmachung“: sagte er. Es klang weder wütend noch empört. Es war nur eine Feststellung. Sicher hätte sich der Hlaalu darauf zurückziehen können, dass es keinen Vertrag, keinen Handschlag sondern nur die nebulöse Feststellung gegenseitiger Behilflichkeit gab, Tarrior erwog es sogar, aber er ließ sich doch auf die Diskussion ein. Fühlte sich quasi an seiner Ehre gepackt, aber vor allem sah er sich eher seinerseits selbst getäuscht.

„Wir haben Nichts vereinbart. Außerdem habt ihr mich getäuscht“: entgegnete er und drehte sich im Stroh auf die Seite, wandte sich genau der entgegengesetzten Zellenwand zu. Das ihr nicht erkennt, mit welchen Wesen ihr hier unten eingesperrt seid, ist nicht meine Schuld. Ich habe nichts gesagt, aber auch nichts geleugnet, Mer“: traf der Dremora einen entscheidenden Punkt. Der Dunmer schnaufte missbilligend ins Stroh und schwieg. „Lasst euch nicht von euren Befindlichkeiten blenden, Mer. Hört mir zu. Ich biete euch noch eine Vereinbarung an, eine fruchtbringende Vereinbarung und diesmal wisst ihr, mit wem ihr sprecht“: bot der Daedra. Tarrior traute ihm kein Stück weit. Entsprechend lustlos fiel auch seine Reaktion aus: „Was habt ihr mir schon anzubieten.“ Er war nicht sonderlich erpicht darauf auf die Seite der Dagon-Verehrer zu wechseln und ohne Intervention des Daedra-Prinzen würden sie hier auch weiterhin festsitzen. Der Dremora konnte nichts für ihn tun. Die Informationen waren zwar zunächst nützlich gewesen, aber jetzt hatte er sich selbst ein Bild vom Turm machen können. Was also konnte ihm diese Kreatur schon noch anbieten. Und was für eine Gegenleistung wollte sie hier außer seiner Seele von ihm verlangen können.

„Ihr sucht Belastendes, um den Hexer zugrundezurichten. Ich kann euch das liefern, was ihr sucht“: meinte der Daedroth und augenblicklich wurde Tarrior hellhörig. Er war interessiert, sogar sehr interessiert, war aber vorsichtig. Der Diener Dagons konnte ihm alles Mögliche versprechen, ob er es hielt, stand auf einem anderen Blatt. „Und was soll ich für euch im Gegensatz tun? Das Blut eines Unschuldigen vergießen? Eurem Fürst Dagon die Treue schwören? Ihm gar meine Seele verkaufen?“: wollte er nun wissen. Der Dremora lachte laut und schallend. Als er sich beruhigt hatte, antwortete er: „Was euer Verstand für feine Ideen ausbrütet! Aber ich verlange nicht mehr und nicht weniger von euch als nur meinen eigenen Tod durch eure Hand.“ Tarrior war mehr als überrascht und hatte sich im Stroh aufgerichtet. „Ich soll euch töten?!“: fragte er erstaunt noch einmal nach. „Ihr zerstört nur meinen Körper. Mein Geist kehrt dadurch endlich in das Reich des Vergessens zurück und ich bin frei von diesen Fesseln“: erklärte sich der Dremora. Tarrior rieb sich das Kinn. „Bringt euch doch um“: schlug er vor, ihm schien das noch nicht wirklich einleuchtend. „Die Zerstörung des eigenen Körpers ist unehrenhaft. Wir vom Clan der Dremora folgen den Gesetzen des Kriegers. Nicht wir richten uns sondern ausschließlich die Gewalt einer fremden Waffe“: berief sich der Daedroth auf eine Art Ehrenkodex. Tarrior glaubte nicht richtig zu hören, dass diese Kreatur sich auf ein Modell von Ehre berief, wo doch seinesgleichen in Cyrodiil eine ganze Stadt niedergemacht hatte. Er zuckte mit den Schultern. Er musste das nicht verstehen. „Ihr wollt also, dass ich euch töte? Habt ihr die Hoffnung darauf aufgegeben, dass die Truppen eures Meisters es mit den Streitkräften der Telvanni-Magier aufnehmen und dieses Land erobern könnten?“: stellte er eine spitze Frage. Der Dremora ließ nur wieder sein unmenschliches Gelächter vernehmen. „Ihr erkennt offenbar die großen Zusammenhänge noch nicht. Ich hätte geglaubt, dass ihr besser über die Pläne eures ‚Erzfeindes‘ Bescheid wisst. Aber umso mehr, werdet ihr sicher von dem angetan sein, was ich euch verschaffen kann“: sprach sein Zellennachbar in Rätseln.

„Spuckt es aus Daedroth!“: forderte der Dunmer. Tarrior war nach wie vor misstrauisch und ihm behagte nicht, dass diese Kreatur nebenan womöglich sogar mehr über Behram wissen konnte, als er selbst. Nur wieder Gelächter. Es ebbte nur langsam ab: „Niemand wird mich hier herausholen, weil unsere Armee diese Stadt und diesen Turm nicht angreifen wird, ganz gleich wen wir hier sonst vernichten.“ Im Hinterkopf des Hlaalu begann sich ein Verdacht zu formen, aber noch war er zu unwirklich, womöglich auch zu schrecklich, um ihn direkt zu fassen. „Ihr meint, weil sich Meradanz euch nicht in den Weg stellt, wäre es kontraproduktiv ihn anzugreifen?“: fragte er, aber kannte innerlich die wahre Antwort schon. „Nein. Fürst Dagon wird ihn nicht angreifen, weil es die Abmachung gewiss vorsieht, wird ihn nicht angreifen, weil er sich offenbar als nützliches Werkzeug erweist. Dieser Turm würde gewiss schon lange brennen, denn das Feuerland ist bereits unser“: offenbarte der Dremora. Tarrior wurde für einen Augenblick schwindlig. „Ihr wollt also sagen, dass Behram Meradanz und euer Fürst Mehrunes Dagon zusammenarbeiten? Woher wollt ihr das denn wissen? Und vor allem, warum sollte Behram einen Diener Dagons dann gefangen halten“: fasste sich der Dunmer wieder. Noch immer hatte er den Verdacht, dass sein Gesprächspartner versuchte, ihn zu manipulieren. Zwar hatte Jonicus ihm mit dem Brief bereits einen Beleg für die Zusammenarbeit des Telvanni mit der Mythischen Morgenröte präsentiert, doch war er bisher davon ausgegangen, dass er damit nur seinen eigenen Zielen diente, die Kontrolle in seinem Fürstenhaus zu übernehmen und wie er zuletzt erfahren hatte, um den Widerstand gegen seinen Plan zu verringern. Das hatte sein Sechstes Haus auch mit der Cammona Tong seinerzeit praktiziert. Ein Pakt mit Dagon passte nicht so ganz ins Bild. Er machte nicht den Eindruck als hätte er viel für die Daedra übrig. Was sollte sich Behram davon versprechen?

„Bei meiner Ehre. Ich sage die Wahrheit, doch wenn ihr sie nicht glauben wollt, so glaubt sie eben nicht. Ihr seid schließlich derjenige, der hier unten verrottet und nach einem Mittel sucht euren Gegner zugrunde zu richten. Aber falls ihr mir doch Glauben schenken wollt: Ich bin sein Gefangener. Das ist korrekt. Dieser ehrlose Hund schickte seine Krieger ins Aschland. Sie sollten uns jagen, wenigstens einen von uns gefangen nehmen. Doch er schickte sie nicht alleine. Im Zweikampf war sein Pack mir und meinen ehrbaren Brüdern unterlegen. Doch sie kamen mit Maschinen. Seelenlose Wesen aus bronzenem Metall, widerstandsfähig und resistent gegen Magie. Kalt. Nur mit ihrer Hilfe gelang es ihnen uns niederzuwerfen. Doch während meinen Brüdern ein ehrenhafter Tod beschert war und sie als Krieger an die Seite von Fürst Dagon zurückkehren konnten, legte man mich und zwei Andere einer niedrigeren Kaste in Fesseln und brachte uns hierher“: erklärte sich der Daedroth und wurde beim Erzählen schließlich immer wütender, dann pausierte er und schien durchzuatmen. Etwas beruhigter fuhr er fort: „Wir sollten verhört werden und der Meister, der zuvor einzig seine stumpfen Schergen geschickt hatte, kam persönlich. Er versuchte durch Folter unsere Zungen zu lösen“: Dremora stoppte und begann wieder zu lachen: „Er hatte keine Ahnung vom Reich des Vergessens. Schmerzen sind bedeutungslos. Unsere Körper sind bedeutungslos. Einer von uns Dreien erhielt durch diese Dummheit seine Freiheit zurück und konnte in das Reich des Meisters zurückkehren. Leider lernte der Telvanni schnell. Unsere Körper sind wohl nicht verwundbar, doch unser Animus ist es. Ihr kennt diesen Menschen, der stets um ihn herum ist? Er mag jung sein, aber hinter der Fassade eines Kindes verbirgt sich eine gefährliche Stärke. Er hat eine besondere Fähigkeit mit Seelen umzugehen. Er konnte unseren Animus foltern, ihn verstümmeln, ihn gar zerstören. So geschah es mit meinem niederen Bruder. Er wusste gar nicht, wie ihm geschah als sie ihn zerstörten und nur eine Hülle zurückließen.“ Wieder hielt er, doch diesmal schwieg er einige Zeit. Tarrior wünschte sich da nicht nur, dass er endlich fortfahren sondern auch endlich zum Punkt kommen sollte. Was interessierten ihn die Beschwernisse dieser Kreatur. „Ich verriet meine Ehre. Der Mensch brauchte nur in meinen Animus zu greifen und ich war bereit dem Hexer alles zu sagen, was er wissen wollte. Die mir bekannten Pläne für die Invasion, die Kultisten, die uns hierher die Tore öffnen. Ich fürchtete ich würde dadurch die Ungnade des Meisters erlangen, in dem ich seinen glorreichen Sieg durch meine Schwäche behindern würde, doch dann wurden die Fragen ungewöhnlicher. Der Hexer wollte wissen, wie er meinen Meister anrufen müsste, wie es möglich wäre ein Abkommen zu treffen, einen Pakt zu schließen. Und ich verriet ihm auch dies. Ich war überzeugt er würde mir jetzt, da er mich nicht mehr brauchte, die Freiheit schenken, doch er kerkerte mich in diese Zelle ein. Er wollte die Wahrheit meiner Worte prüfen und ich sah ihn erst Wochen später wieder“: brach er wiederum in seinen Ausführungen ab.

„Und was geschah dann? Kommt endlich zum Punkt!“: verlangte Tarrior. Er wollte endlich wissen, woran er war. „Ich sehe, ich habe nun doch eure Aufmerksamkeit“: freute sich der Deadroth: „Er kam zu mir hier herunter. Ich befürchtete schon, dass er mich noch einmal foltern würde, aber das blieb aus. Er sagte, dass er von mir bekommen habe, was er brauchte und ich in der Form nicht mehr nützlich aber ‚verwertbar‘ sei. Ich sagte ihm, dass er mich töten solle, da er nun hätte, weswegen er mich gefangen gesetzt hatte, doch er lachte nun und ließ mich über diese verfluchten Fesseln, fast völlig aussaugen. Und das geschieht jetzt immer wieder. Wir sind die Kraftquelle für dieses jämmerliche Gewächs, das er seinen Turm nennt.“ Zum Ende hin wurde er wieder wütend. Doch Tarrior wurde nachdenklich. Wenn der Dremora die Wahrheit sprach, dann hatte Behram den Pakt mit Dagon offenbar geschlossen und die Lage war sehr viel ernster, als er geglaubt hatte. Das er die Telvanni ins Chaos stürzte, um den Widerstand gegen die Daedra zu schwächen, um so seine Konkurrenten ausschalten und seine Pläne ungestört vorantreiben zu können, war schon nicht ganz ungefährlich, aber wenn er als Ratsherr eines Fürstenhauses aktiv mit den Daedra zusammenarbeitete, war ganz Vvardenfell womöglich sogar ganz Morrowind in Gefahr. Übernahmen das Reich des Vergessens in Nirn das Ruder dann gab es keine Zukunft mehr für niemanden, vor allem aber für ihn selbst… und Tirian, seinen Sohn. Er musste das nachprüfen. Eventuell hatte nämlich Behram ihn belogen und der verrückte Plan für den Aufstieg des Hauses Dwemer war nur eine Erfindung um ihn an seinen Gefühlen für sein eigenes Haus zu packen und ihn auf seine Seite zu ziehen. Das war allerdings etwas, dass Tarrior auch nicht so ganz verstand, was ihm aber jetzt auch erst so wirklich bewusst wurde. „Wozu braucht er eigentlich meine Hilfe“: überlegte er. Es machte wenig Sinn. Leute mit einem festen Willen konnte er sicher auch leichter finden, als sich einen Todfeind mit ins Boot zu holen. Für irgendetwas Bestimmtes musste ihn der Telvanni wohl auch noch brauchen. Es gab noch viele offene Fragen und es hatten sich auch etliche neue aufgetan und sie verlangten alle nach einer Antwort.

„Seid ihr nun also an meinen Angebot interes..“: wollte der Dremora wohl auf die Beweise zurückkommen, die er beschaffen könnte, da wurden sie jedoch vom Geräusch schneller, trippelnder Schritte unterbrochen. Tarrior richtete seinen Blick zwischen den Gitterstäben nach draußen. Die sogenannten Bemantelten näherten sich. Die Gefangenen wichen offenbar wieder weit in ihre Zellen zurück. Die Wesen waren klein und gedrungen. Von ihren Körpern war unter den einfachen, dreckigen, dicken, braunen Kutten nichts zu erkennen. Offenbar gingen sie stark zusammengekrümmt, als wären sie verkrüppelt und sonst wie beschädigt. Der Duft von Essen geriet in seine Nase. Er sah zwei von ihnen einen großen Kessel an zwei Holzstangen hängend tragen aus der ein anderer eine breiige Suppe schöpfte, die er dann in die Schalen tat, die ein oder ihm hinhielt und gefüllt an jemanden weitergab, der sie zusammen mit einem Stück kargem Brot durch das Gitter reichte, während noch ein anderer dazu einen Becher Wasser hineinschob. Zuvor aber verlangten sie von den Gefangenen die Eimer mit den Exkrementen und gegebenenfalls gebrauchtes Geschirr durch die Gitter, die sich automatisch etwas ausdehnten, zu reichen. So gingen sie die Zellen ab und wichen nur beim Ogrim von der Prozedur ab, an dem sie ihm anstelle einer Schale einen Metalleimer mit dem Eintopf füllten. So kamen sie zuletzt auch an seine Zelle. Die seltsamen Wesen, Tarrior bezweifelte eigentlich, dass es sich um Menschen oder Mer handeln konnte, schienen zu Boden zu schauen und auch keinen wirklichen Blick auf die Gefangenen zu verschwenden. So waren sie überrascht, nachdem sie ihr Werk bei ihm verrichtet hatten, von ihm angesprochen wurden. Sie zuckten wie bei einem Donnerschlag zusammen. „Euer Meister Meradanz erwartet noch eine Antwort von mir. Ich möchte, dass ich zu ihm gebracht werde, damit er sie erfährt. Ich möchte mit ihm sprechen“: verlangte der Dunmer. Die Wesen zunächst überrascht, kamen nun ganz schnell näher und drängten sich um seine Zelle zusammen. Sie streckten ihre Hände, die völlig bandagiert waren aus. Er wich sofort an die Rückwand seines Kerkers zurück. Ein unverständliches Gemurmel und Gebrabbel setzte ein und Tarrior spürte, auch wenn er es wegen der weitgeschnittenen und tiefgezogenen Kutten nicht sehen konnte, dass sämtliche Augen darunter auf ihn gerichtet waren und das ganze Interesse ihm galt. Dieser für den Hlaalu doch reichlich surreale Augenblick währte aber nicht allzu lang. Die herrische Stimme des Mannes, den Tarrior zuletzt als Kerkerwächter identifiziert hatte, schnitt durch die Luft: „Weg da und zurück an die Arbeit, Pack!“ Mehr als dieses Befehls bedurfte es nicht und die Bemantelten kuschten sich und flohen die Wendeltreppe am Kerkermeister vorbei hinauf. „Ich werde Meister Meradanz euer Begehr mitteilen“: rief der Mann in seine Richtung und ging dann auch.

„So haben sie noch bei keinem reagiert“: kommentierte der Dremora lachend. „Schweigt! Ich muss nachdenken“: reagierte er wütend darauf, was mit weiterem Lachen quittiert wurde. Tarrior ignorierte es, denn es hörte auch recht bald wieder auf und widmete sich dann der Suppe. Er hatte wirklich Hunger und hoffte, dass Behram ihn nicht zu sich holen würde, bevor er fertig mit Essen war.

KingPaddy
05.07.2014, 17:56
„Wacht auf, Gildres!“: erreichte ihn eine Stimme in seinen Träumen und sofort schreckte Tarrior aus der Seligkeit heraus auf. Er schlug blinzelnd die Augen auf. Offenbar war er nach dem Genuss des Eintopfes eingeschlafen, nachdem er noch einige Zeit auf die Rückkehr des Kerkermeisters gewartet hatte. Doch es war nicht der Wächter der ihn wachgerufen hatte. Als er sich aus dem Stroh erhob und seinen Blick auf die Höhle jenseits des Wurzelgitters richtete sah er nur Aytor und wieder zwei vollständig gerüstete Wachen in ihren golden glänzenden Dwemer-Rüstungen. „Na endlich. Und ihr wolltet gestern Abend noch mit Meister Meradanz sprechen! Da wäret ihr doch mittendrin weggenickt“: kommentierte Aytor seine verschlafene Gestalt. Tarrior kümmerte es wenig. „Wo ist denn eure Höflichkeit hin verschwunden, Bretone?“: wollte er stattdessen wissen und trat aus der Zelle, die diesmal Aytor selbst mit dem seltsamen Schlüssel, den am Tag zuvor noch der Kerkerherr benutzt hatte, geöffnet hatte. „Meister Meradanz täte gut daran, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Der Ärger den ihr mir beschert habt, sollte endlich vergolten werden“: schnaufte Aytor und war offenbar genervt davon, ihn schon wieder nach oben zu begleiten. Tarrior lächelte in sich hinein. „Offenbar trägt er mir nach, dass ich ihm damals in der Höhle noch gefährlich nahe kam“: freute er sich. Wären die Wachen nicht, die ihn jetzt wieder zwischen sich nahmen, hätte er mit Sicherheit versucht Meradanz‘ Novizen mit bloßen Händen in die Lavagrube zu stoßen, oder ihn zu erwürgen, oder ihm den Schädel an den Felsen zu zerschlagen, oder … Er schweifte gedanklich ab, während sie den gewundenen Pfad am Grubenrand entlang nach oben liefen, wie schon am Tag zuvor.

Erst als sie wieder die knollenartigen Räumlichkeiten unterhalb des Grubenrandes erreichten, kehrte er von seinen Wunschträumen, wie er dem jungen Bretonen einen möglichst schmerzhaften Tod bereiten konnte, zur Wirklichkeit zurück. Der Kerkermeister war auch hier nicht zu sehen. Aytor hinterlegte den magischen Schlüssel einfach auf der Theke. „Ihr bringt ihn nachher alleine herunter und legt den Schlüssel dort wieder hin. Ich habe nicht die Muße diesen Weg noch einmal für diesen verrückten Dunmer auf mich zu nehmen. Der neue Kerkermeister dürfte noch heute Abend seinen Dienst aufnehmen, sobald ihm der Kerker in Gänze gezeigt wurde. Sollte er bis nachher noch nicht zurück sein, will ich sicher sein, dass er den Schlüsse hier vorfindet“: schärfte Aytor den Wachen ein. Unter den Vollhelmen waren nur dumpfe Schnauflaute zu vernehmen, die auf eine Art von Verständnis hindeuteten. Behrams Schüler gab sich damit aber offenbar zufrieden und sie ließen dann sowohl diese Wachstube als auch die Grube schließlich hinter sich und traten den Tarrior bereits bekannten Weg durch die Wurzelgänge unter dem Turm in Richtung Oberfläche an. Sie kamen auch dieses Mal wieder an den großen Kristallen und dem seltsamen Konstrukt aus Wurzeln, dessen Bedeutung der Dunmer noch immer nicht entschlüsselt hatte, vorbei und erreichten bald darauf die große Eingangshalle des Pilzturms. Die Wachen, die ihn bisher fest zwischen sich eingeschlossen hatten, lockerten ihren Kokon und traten zurück. Dafür kam der Bretone, der bisher Abstand zu ihm gehalten hatte, näher und berührte ihn an der Schulter. Der Dagoth wusste schon, was auf ihn zukommen würde und war diesmal besser gefasst darauf, vom Boden abzuheben, als beim Mal zuvor. Er hielt sich bei Aytor, der ihn erneut an einigen Kammern vorbei nach oben lenkte und auf dem bekannten Absatz halt machte. Tarrior setzte seine Füße auf und war froh um den Boden. „Meister Meradanz möchte allein mit euch sprechen. Ihr kennt den Weg. Ich muss noch eine Expedition vorbereiten. Versucht gar nicht erst an Flucht zu denken. Das einzige, was ihr bei diesem Versuch finden könnt, ist euer sicherer Tod“: sagte Aytor grimmig und schwebte wieder nachten unten.

Tarrior riskierte einen letzten Blick über die Kante, der ihn schwindeln machte und zog sich dann in den Raum zurück. Auch wenn er sich bemühte, konnte er auch diesmal, obwohl er den Anblick schon einmal genossen hatte, nicht umhin beeindruckt zu sein und den manischen Sammeltrieb des Telvanni, was die Dwemer anging, anzuerkennen. Jetzt wo er weder von Aytor noch von Mechanoiden mit gefährlichen Klingen bedroht wurde, nahm er sich Zeit für einen ausführlicheren Blick über die große Sammlung an Artefakten, die Behram hier in seinem Turm angehäuft hatte. Für einen Forscher wäre das hier das reinste Paradies gewesen, wie er feststellte. Neben Alltagsgegenständen wie Bechern, Tabletts, Karaffen und ähnlichem, die Tarrior selbst kannte und die zu guten Preisen quer durch Tamriel in die Häuser reicher Händler oder die Schlösser von Adligen geschmuggelt wurden, fanden sich auch jede Menge Stücke, die eindeutig Teile von Maschinen seien mussten. Einige kannte er noch aus seiner Zeit in den Zitadellen am Roten Berg, die ja ehemals von den Dwemern bewohnt gewesen waren. Die Zahnräder und auch die verschiedenen metallenen Federn oder gläserne Zylinder waren ihm nicht fremd, doch türmten sich hier noch etliche Bauteile, die zu viel kleineren oder auch viel größeren Maschinen gehörten, wie Tarrior sie selbst in Dagoth Ur nicht gesehen hatte. Werkezugspuren an einigen der Stücke verriet ihm außerdem, dass Behram wohl offenbar damit experimentiert hatte, etwas dadurch bestätigt wurde, dass es ein Bücherregal gab, in dem ausschließlich dicke, unhandliche Folianten standen, die mit Skizzen und Texten in Dwemerschrift überzogen waren und die sich anhand der Bilder wohl um technische Themen drehten. Etliche Anmerkungen auf eingelegten Zetteln zeugten von Behrams Arbeit an der Dwemer-Technologie. So langsam wunderte er sich nicht mehr, wie es der Telvanni geschafft hatte, dieses Luftschiff zu bauen, das ihn seinerzeit nach Cyrodiil gebracht hatte. Auch wenn Tarrior immer noch nicht glaubte, dass Behram wirklich ein Nachkomme der Tiefelfen war, so war aber offensichtlich, dass er mehr von Kultur und Technik der Dwemer verstehen musste, als wohl fast jeder andere Dwemer-Experte, den es auf Nirn geben mochte. Tarior war nun sicher, dass Behram wirklich ernsthaft daran glaubte, das Volk der Dwemer wiederauferstehen lassen zu können. „Das macht ihn umso gefährlicher“: überlegte der Dunmer: „Dann wird er kein Risiko scheuen, um seine Pläne zu verwirklichen… auch einen Pakt mit den Daedra nicht.“ Der Dremora mochte Recht haben, was Behram anbelangte. Er hoffte, dass er dem Hexer weitere Informationen entlocken konnte.

Er dachte noch einmal darüber nach, was er sagen würde, wenn sie sich gleich in dem Salon am oberen Ende der Wendeltreppe gegenüberstanden. Nach einigen Momenten schüttelte er den Kopf. „Unter Umständen ist es vielleicht besser, ihn direkt zu konfrontieren und seine Reakion abzuschätzen“: überlegte er und betrat dann die Stufen. Er ging die Stiege hinauf und kam wieder in den Raum mit der Vitrine, in der Vholendrung lag, heraus. Ihm fiel sofort auf, dass einer der großen Folianten herausgenommen worden war. Er runzelte die Stirn und hörte plötzlich das Umblättern von steifem Papier. Sein Blick viel auf Behram, der über den Wälzer gebeugt an dem Tisch saß. „Du hast dir unten die Sammlung angesehen, nicht wahr?“: fragte der Telvanni. Tarrior antworte nicht. „Weist du, diese Bücher sind fast die wertvollsten Stücke meiner Sammlung. Dieses Buch hier wird ‚Die Göttliche Metapyhsik‘ genannt und stammt aus der Feder von Kagrenac persönlich. Es beschreibt seine Theorien zum Herzen von Lorkhan“: erzählte der Hexer. Tarrior schluckte. „Ihr könnt das Lesen?!“: fragte er. Er kannte Kagrenacs Notizbücher aus den Zitadellen am Roten Berg. Weder Fürst Dagoth noch die gelehrten Aschevampire konnten viel mit der Dwemer-Schrift anfangen. Er hatte die Versuche diese fremden Runen und die Sprache zu verstehen, auch schnell aufgegeben. Ihr Verständnis des Herzens rührte von ihrer intuitiven Verbindung mit ihm her. Behram machte eine seltsame Kopfbewegung, die scheinbar sowohl Nicken als auch Kopfschütteln gleichzeitig abbilden sollte. „Ich kann es lesen, doch kann ich es nur in Ansätzen verstehen. Es ist nicht nur, weil Kagrenac ein brillanter Techniker war und daher der Text vor Idiomen, Neuschöpfungen und exotischen Begriffen strotzt, sondern auch weil ein derart komplexer Text von einem intuitiven Verständnis der Dwemer-Sprache lebt, die ich zu meinem großen Bedauern nicht besitze, um ihn gänzlich begreifen und erfassen zu können. Nur ein lebender Dwemer könnte dies tun… nur ein lebender…“: Behram versank für einen Moment in Gedanken aber zog sich unglaublich schnell, was die plötzliche Re-Fokussierung seines Blickes andeutete, daraus zurück.

„Kagrenac beschreibt in diesem Buch aber nicht nur platt seine Erkenntnisse im Bezug auf die Macht der Herzens und seine Theorien zur Kontrolle dieser Macht sondern versucht sich an einer Philosophie der göttlichen Metapyhsik, dem Zusammenspiel unserer Welt und den Kräften der Götter und wie die Wechselwirkungen und Phänomene im Innern sind und in welcher besonderen Verbindungen die Sterblichen mit den Göttlichen stehen. Man mag es kaum glauben, aber er zitiert aus Werken der Altmer und Ayleiden. Man kann nicht sagen die Dwemer wären der Welt gegenüber abgekehrt gewesen. Viel mehr suchten sie in ihrer Abgeschiedenheit eigene Blickwinkel. Ihr kennt vielleicht die Geschichte von Azura und der Kiste? Kagrenac greift sie in diesem Werk auf, um das Sein göttlicher Wesen zu skizzieren. Was ihm vorschwebte war nicht etwa eine reine Herausforderung der Götter, eine Anmaßung durch die Dwemer. Keine Ketzerei, wie der Tempel wohl sagen würde. Vielmehr stellten die göttlichen Wesen aus Sicht Kagrenacs eine höhere Existenzform dar, die die Dwemer auf ihrem Weg zur Perfektion selbst irgendwann erreichen sollten. Transzendenz. Der Weg dahin wäre es den Dwemern, die keine eigenen Götter kannten, einen eigenen, einen technischen, maschinellen Gott nach ihrem eigenen Wesen und Ebenbild zu schaffen, der ihnen diese Transzendenz und Aufstieg ermöglichen sollte und dessen Erschaffung selbst nicht nur metaphysisch-notwendiger Natur wäre sondern auch eine Art wissenschaftlicher Prototyp für den Aufstieg des ganzen Volkes“: erklärte er und schlug das Buch zu, um es vorsichtig, geradezu ehrerbietig anzuheben und zu ihm hinüber zu tragen und wieder in die Vitrine zu legen. „Du willst nicht wissen, was ich alles getan habe, um an diese Bücher zu kommen“: sagte er dann und bat Tarrior sich zu setzen. Diesmal kam der Hlaalu dieser Bitte nach und setze sich gemeinsam mit Behram an den Tisch. „Es ist wohl besser, wenn ich ihn erst einmal reden lasse“: entschied Tarrior.

„Ich lese in letzter Zeit wieder häufiger darin, um zu begreifen, wie diese Kultur ihr Ende finden konnte. Ich suche nach Spuren, nach Hinweisen, auch danach wer ich bin. Die Dwemer waren nicht anders als die vielen anderen Völker hier auf Tamriel, die auch nach ihrem Platz, ihrer Bestimmung, nach Wissen und nach Wahrheit suchen – nach Erkenntnis, was das Leben ist und was es noch für sie bereithalten kann. Aus dieser Triebfeder schmiedeten die Menschen ihr Kaiserreich, die Ayleiden ihre Stadtstaaten, die Altmer in der zweiten Ära ihren Bund und die Dwemer erschufen technische Meisterwerke fast gänzlich ohne Magie vor denen selbst die weisesten Gelehrten unserer Zeit mit Erstaunen und Unverständnis stehen, wie auch ich. Und gewiss unterschieden sie sich auch nicht so sehr von dem, was dein Fürst Dagoth noch für Pläne für euer Haus hatte. So finster seine Machenschaften auch waren, strebten deine Leute ja auch nach einem neuen Ideal, einer Wiedergeburt von Morrowind und einer Transzendenz der Dunmer. Zumindest hast du das in deinen Notizen geglaubt“: fabulierte Meradanz weiter. Tarrior interessierte sich nicht wirklich dafür, was der Hexer dachte. Der Vereinnahmungsversuch blieb ihm jedoch nicht verborgen. „Jugendsünden“: antwortete er knapp. Und tatsächlich war es keine ausweichende Antwort. Die Jahre ohne das Haus und ohne das Herz waren Zeit des Nachdenkens für ihn gewesen. So edel Fürst Dagoths Motive auch gewesen sein mochten und wie nötig die Opfer, stand für ihn inzwischen in Frage ob diese Utopie tatsächlich auf einem Berg aus Leichen hätte aufgerichtet werden können. Es ging nicht um die paar Fremdländer, die er selbst gemeuchelt hatte. Der gesamte Tempel hätte in einem Krieg umgeworfen werden müssen. Im Endeffekt war die Vision zu groß für diese Welt. Sowohl Fürst Dagoth, das Haus als auch er hatten sich davon, wie er jetzt in der Nachschau hellsichtig zugeben konnte, blenden lassen. Inzwischen wusste er auch genauer, das es nicht die Vision sondern das Haus hätte sein müssen, um das gekämpft hätte werden müssen. Haus Dagoth hätte seinen Platz unter den anderen Fürstenhäusern zurückerhalten sollen, denn nur hier konnten die entwurzelten Kinder des Hauses, wie auch er eines war, wirklich sie selbst sein und zu sich selbst finden. Doch das war nun mit dem Sieg des Nerevarinen endgültig vergiftet. Sie waren die Dämonen, die Pestbringer, Monster die in der Geschichte zu verschwinden hatten. Er bewahrte sich das Haus im Herzen, doch mit dem anderen Herzen starben ihm auch Ziel und Glaube. Er war müde und wollte nicht mehr. Auf einer gewissen Ebene verstand er Behram aber verstand dann doch soviel mehr als er, doch es kam ihm nicht so recht zu Bewusstsein.

„Und die Gründe?“: schloss er selbst eine Frage an, als eine kurze Pause eingetreten war. Der Telvanni schaute überrascht, bevor er begriff, dass Tarrior nach dem Untergang dieser ach so hohen Zivilisation gefragt hatte. Der Telvnanni war sich des leicht spöttischen Untertons offenbar bewusst, denn er verzog etwas missgestimmt den Mund. „Der andere Foliant da vorne trägt den poetischen Titel ‚Das Ei der Zeit‘. Die Dwemer waren kein blindes Kollektiv. Kagrenac war unter seinesgleichen nicht unumstritten, ganz im Gegenteil. Diese Schrift führt die Gefahren einer Benutzung des Herzens von Lorkhans aus und beschreibt die möglichen Konsequenzen. Zwar ist der wahre Grund für das Verschwinden meines Volkes nach wie vor nicht absolut geklärt, aber ich fürchte das die Erklärungen des Eis der plausibelste Grund sind, was die völlige Vernichtung der lebenden Dwemer bedeuten würde, weil die Energie nicht richtig kontrolliert werden konnte“: er machte eine Kunstpause und winkte ab. „Technische Details. Hybris oder nicht? Eine schwierige Frage, weil das Herz womöglich im allerletzten Augenblick benutzt wurde als Fürst Nerevar zusammen mit deinem geliebten Fürst Dagoth bereits in der Heimstatt am Roten Berg standen und ihre einstigen Freunde aufgrund ihres Aberglaubens hinschlachteten. Es wäre eine überstürzte Handlung gewesen. Da kann man keinen Erfolg werten. Schließlich ist es egal. Der Titel den das Buch gibt, gibt uns bei der Frage viel mehr. Es ist die Zeit und mit ihr ist es das Schicksal“: eröffnete Behram ihm.

Andromeda
21.07.2014, 23:35
[Tirian]
Sein Herz raste noch immer und der Schwindel machte sich stetig mehr in seinem Schädel bemerkbar. Umso froher war er darüber, dass ihm jemand einen Krug mit Wasser anbot. Er nahm es danken an. Kaum konzentrierte sich sein erschöpfter Geist auf das Schlucken der wohltuenden Flüssigkeit, klärte sich auch sein Kopf. "Ich muss mit der Magie vorsichtiger sein": stellte er fest. Eine derartige Überbeanspruchung des Stärke-Zaubers konnte auch enorm nach hinten losgehen. Die Magie verstärkte nicht nur die Kraft der Muskeln sondern lähmte auch den Schmerz, der unweigerlich die Folge einer solchen Überbeanspruchung sein musste. Man verlor das Gefühl dafür, was der eigene Körper überhaupt noch aushielt und was nicht, weshalb er nach Möglichkeit auf diesen Teil seiner Wiederherstellungsmagie verzichtete oder ihn nur restriktiv einsetzte. Manchmal erforderte es die Situation aber diesmal hatte er es doch überspannt. Er wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und suchte mit seinen Blicken Dreveni. Seine Begleiterin war offenbar schon dabei sich die vereinbarte Belohnung einzusacken - ein paar Vorräte praktische Kleidung und vor allem ein grünes Kleid. Das es gut gearbeitet und wahrscheinlich sehr wertvoll war, konnte man leicht erkennen. Noch bevor der Heiler aber Gelegenheit hatte sich vorzustellen, wie die Assassine wohl darin aussehen mochte, bot man ihm selbst Kleidungsstücke als Belohnung an.

Er wählte einfache braune Leinensachen um die verschmutzten Unterkleider zu ersetzen und interessierte sich ansonsten für die Roben, die die Händler dabei hatten. Ein Stück in einer Mischung aus grau und dunkelgrün erschien ihm gut genug. Der Stoff war rau und offenbar auch strapazierfähig. Als man auch ihm zusätzlich noch ein fein gearbeitetes Modell aus teureren Stoffen antrug, lehnte er es ab und bat stattdessen um eine weitere Robe aus dem gleichen Stoff. Er fand dann Gefallen an einem hellblauen Stück das dezent mit einigen eingestickten Sternen verziert wurde. "Ein guter Ersatz": befand er mit Blick auf seine zerschlissene, geflickte und erneut zerschlissene Reiserobe. Eine weitere Prachtrobe brauchte er auch nicht unbedingt. Er hatte für offizielle Anlässe eine solche zwar im Gepäck, aber für das, was sie in Tel Uvirith vorhatten, war die nicht zu gebrauchen.

Erwartungsgemäß verlief das Wiederbeladen der Karren deutlich schneller als das Entladen und die Karawane konnte sich, mit ihnen als Begleitung, wieder in Bewegung setzen. Tirian prüfte mit einem ausgedehnten Blick den Stand der Sonne. Wenn sie das Tempo hielten und nichts dazwischen kam, konnten sie das sichere Gebiet am Meer, noch bevor es gänzlich dunkel werden würde, erreichen. Dann erst begann, trotz der Ereignisse in der Gruft und der Festung in den Weidenländer, der komplizierte Teil der Reise. Sie mussten zusammen mit Meister Aryons Ring in die abgeriegelte Stadt und dann auch noch in den Turm und die Kerker gelangen. Der Heiler war sich mehr als unsicher, ob er sich auf die Zusage, die er in Vivec abgemacht hatte, tatsächlich zählen konnte. Er murmelte ein stummes Gebet, ohne spezifisch eine Gottheit und damit direkt alle anzusprechen, dass alles nach Plan lief.

[Dreveni]
Die weitere Reise verlief ereignislos. Dreveni hatte die Gelegenheit genutzt, als sich Tirian kurz ausgeruht hatte, und hatte sich die neue Kleidung angezogen, ihr Haar gekämmt und geflochten und nun fühlte sie sich fast wieder wie eine Dunmer und nicht wie eine unzivilisierte Wilde. Nur ein Zuber mit Wasser hätte jetzt noch gefehlt. Aber auch das hielt sie nicht davon ab, unterwegs mit den vier Brüdern zu flirten. Sie entstammten einer reichen Kaufmannsfamilie, und wenn Dreveni jemals vorgehabt hätte zu heiraten, wäre das wohl die Gelegenheit gewesen. Immerhin hätte sie dann für alle Zeiten ausgesorgt, und wenigstens Garan war noch Junggeselle.

Es dämmerte bereits, als sie schließlich die Küste erreichten. Die Assassine hatte das Meer schon riechen können, lange bevor sie es sehen konnte. Der sachte Ostwind brachte Salzgeruch mit sich, und hatte außerdem die allgegenwärtige Asche und den Sand aus der Luft verdrängt. Der Strand an sich war relativ flach, trostlos und schlammig. Auch der Blick aufs Meer hinaus war nicht ganz das, was Dreveni erwartet hatte. Der Weg zum Horizont führte nicht über eine spiegelnde Wasserfläche, die irgendwann mit dem Himmel verschmolz, sondern war unterbrochen von lauter kleinen und kleinsten Inseln.
Die Verabschiedung war kurz, aber herzlich, und nachdem man sich gegenseitig alles Gute für die weitere Reise gewünscht hatten, verschwand die Karawane schon bald aus Tirians und Drevenis Blickfeld.

Sie ließ den Blick über die Landschaft streifen, die von der untergehenden Sonne in hellrotes Licht getaucht war. Masser zeigte sich schon als leichte Silhouette am Himmel, und auch Sekunda würde bald zu sehen sein. Schließlich blieb ihr Blick an Tirian hängen, genauer gesagt an dessen Augen, deren tiefrote Farbe durch das Licht fast zu leuchten schien.
"Und nun?", fragte sie, während sie die linke Hand auf den Griff ihres Schwertes stützte und sich mit der anderen eine kurze Haarsträhne aus dem Gesicht strich, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte.

[Tirian]
Die Händler verließen sie schließlich, als sie endlich am Geistermeer angekommen waren. Die Zafirbel-Bucht mit den vielen kleinen Scherbeninsel lag vor ihnen. Der Dunmer wusste, dass sich hier einst noch ein weiterer Teil von Vvardenfell erstreckt hatte, der aber schon vor ewigen Zeiten durch Eruptionen des Roten Berges untergegangen war. Nur noch die höheren, felsigen Hügelkuppen ragten aus dem dem trüben schwarz-blau des Wassers. Einige der Telvanni-Fürsten hatten Türme in der Bucht errichtet. Sadrith Mora, die Ratsstadt der Magier, lag auf größeren dieser Inseln. Tatsächlich schienen die Telvanni Inseln für ihre Türme und Städte zu bevorzugen. Wie er durch Tarrior wusste, waren Meister Aryon und Behram Meradanz die einzigen Fürsten, deren Sitze auf dem Festland Vvardenfells lagen. Und soweit er von Aryon erfahren hatte, hatte Meradanz seinerzeit Tel Uvirith auch nur übernommen, nachdem der früher dort ansässige Magier, ein gewisser Draven, einem Vampir zum Opfer gefallen und der Turm damit freigeworden war. Danach hatte aber wohl schnell der Aufstieg des kleinen Mora Uvirith zu einer größeren Siedlung mit Ausdehnung bis ans Meer und eigenem Hafen begonnen und der Ausbau der Ansiedlung zu einer Festung, in die seit der Krise ohne peinliche Kontrollen nicht mehr hinein zu kommen war.

Aryon hatte ihm zwar Hilfe und Unterstützung gegen seinen Ratskollegen zugesichert, da er ihm misstraute und die beiden sich auf mehreren Ebenen verabscheuten, aber einen Weg in die Stadt hatte er ihm nicht beschaffen können, ohne das er allzu sehr aufgefallen wäre. Mit dem Vorhaben sich in den Turm einzuschleichen, war das genau das letzte, was er wollte. Aus diesem Grund waren sie nun hier, während die Monde hinter dem Horizont aufgingen und sich immer weiter in die Höhe schoben. Er und Dreveni, die... ihn so seltsam anschaute. Er runzelte die Stirn und wollte schon fragen, ob etwas nicht stimme, als die Dunmer von sich aus sprach: "Und nun?" Der Heiler überlegte. "Mora Uvirith ist nicht weit weg, nachdem, was ich gehört habe. Wir müssen eigentlich nur der Küste in Richtung Süden folgen und sollten dann zwangsläufig auf die Stadt treffen. Anders als in früheren Zeiten soll sie jedoch stark befestigt worden sein, sodass man, wenn man nicht hinein schwimmt, was auffallen würde, nur durch eines der wenigen Tore hinein kann. Die werden scharf kontrolliert und es kommen nur Leute mit entsprechender Berechtigung in die Stadt. Die Reisenden und Fahrenden Händler, sofern sie sich nicht angekündigt haben, müssen wohl außerhalb der Mauern ihre Geschäfte abwickeln": antwortete er. Das war ein Problem, denn sie besaßen einen solchen Wisch nicht. Und genau aus diesem Grund standen sie auch an diesem Strand, während die Monde noch höher stiegen.

[Dreveni]
Sie hörte Tirian schweigend zu, während ihr Blick weiterhin auf seinen Augen ruhte. Das klang alles nicht gut, aber nun waren sie schon so weit gekommen, da würde sie sich nicht von einer Stadtmauer aufhalten lassen.
"Schwimmen ist vermutlich tatsächlich keine gute Idee.", sagte sie leise und nachdenklich, als der Heiler nicht mehr weitersprach. "Aber vielleicht findet sich irgendwo ein kleineres Tor. Eines das nur durch ein oder zwei Mann bewacht wird? Die wir... Die ich dann im Dunklen einfach aus dem Weg räumen könnte. Das würde uns natürlich etwas Zeit kosten, die Wachen und ihre Wachablösungen zu beobachten, zu welchen Zeiten mehr und weniger Betrieb herrscht und ähnliches... Oder wir nehmen uns jemanden vor, der so eine Berechtigung hat. Eine Zweiergruppe, deren Identität wir annehmen können, nachdem..." Sie ließ den letzten Teil des Satzes offen, und ihr war auch bewußt, dass der Heiler davon nicht viel halten würde, so schickte sie noch hinterher: "Es sei denn, ihr habt einen besseren Plan. Die Berechtigungen lassen sich sicher auch fälschen, oder? Wenn man die richtigen Leute kennt."

[Tirian]
Der Heiler schüttelte innerlich den Kopf. Er hatte auch solche Methoden erwogen, wie Dreveni sie vorschlug. Nicht nur aus moralischen Gründen hatte er sie verworfen, sondern auch weil sie ihnen höchstens im Turm nutzen konnten. Verschwänden die Wachen von den Toren wäre die ganze Stadt in Alarmbereitschaft und Schwimmen kam nicht in Frage. Kaum etwas mochte mehr auffallen, als zwei klatschnasse Dunmer, die aus dem Hafenbecken stiegen. Er versuchte den Blicken seiner Begleiterin auszuweichen, auch wenn es ihm nicht so recht ohne Verrenkungen gelang. "Wenn man die richtigen Leute kennt, kommt man unter Umständen auch an ein Original heran": sagte er und schaute sich aufmerksam aber auch misstrauisch um, als könnten sie belauscht werden. "Mein... Freund kennt jemanden, der ihm noch etwas schuldet. Der wird uns voraussichtlich in die Stadt bringen können. Ich sollte ihn am Strand hier treffen. Und der Magierfürst des Gebietes aus dem wir gerade gekommen sind, also diesen Weidenländern, der sollte uns dann schließlich aus der Stadt herausholen, wenn alles geschafft ist.

Das das um den Preis geschah, dass sie Beweise gegen Meradanz fanden, war ein Detail, dass er dabei ganz vergaß. Vielmehr waren seine Gedanken immer noch auf den Passierschein gerichtet. Die Sonne versank immer mehr hinterm Horizont und es würde bald Nacht werden. "Hier an der Küste soll es ein Aschländerzelt geben, dort sollen wir uns hinbegeben, ein Feuer entzünden und warten": erklärte er den Plan. Vielmehr wusste er allerdings auch nicht und Vieles hing davon ab, dass der Kerl aus Vivec sein Wort hielt.

[Dreveni]
Dreveni entging nicht, wie sich Tirian wand, um ihrem Blick auszuweichen. Innerlich grinsend vertiefte sie ihren Blick noch, doch leider verlor sie den Augenkontakt zu ihm gleich darauf endgültig, als er sich suchend umblickte.
Alles in allem klang es nach einem Plan was der Heiler erzählte, auch wenn die große Unbekannte die Zeit war, die sie zu warten hatten.
"Dann sollten wir wohl zu den Neun beten, dass der Bekannte Eures Freundes hier tatsächlich auftaucht." Und zu den Daedra.
Etwa zweihundert Meter weiter den Strand hinauf konnte man tatsächlich im Dämmerlicht die Umrisse von etwas ausmachen, das ein Zelt sein konnte. Auf dem Weg dorthin sammelten sie totes Holz, und als sie vorsichtig die letzten Meter zu dem Zelt überwanden, bestätigte sich glücklicherweise ihre Hoffnung, dass es von niemandem anderen okkupiert war.
Kurz darauf hatten sie das Gepäck von ihrem Guar geladen und ein Feuer entfacht, neben dem sie jetzt saßen, und sich über einen Teil der vorräte hermachten.

[Tirian]
Der Heiler kam nicht umhin die Wegfindungsfähigkeiten seiner Gefährtin zu bewundern. Sie hatten das Aschländerzelt ohne große Umschweife etwas weiter die Küste entlang gefunden. Es lag am Strand aber mit einer Felswand im Rücken, sodass es gut geschützt war. Die einzige Gefahr hätten unter Umständen Klippenläufer dargestellt, aber wie jeder wusste, waren diese durch den Heiligen Jiub längst aus Morrowind vertrieben worden. Auch in seiner Heimat waren diese Flugechsen eine wahre Plage gewesen, doch laut Tarrior war Vvardenfell in der Vergangenheit wohl eine wahre Brutstätte dieser Biester, "Den Göttern sei Dank, dass wir uns mit diesem Problem nicht auch noch befassen müssen": befand Tirian gedanklich.

Während Dreveni das Holz, das sie unterwegs gesammelt hatten, langsam für ein Feuer aufschichte, warf der Heiler einen Blick in das Zelt. Die Feuerstelle darin war erloschen und schon lange verwaist, wenn gleich sie so aussah, als würde sie von Zeit zu Zeit noch benutzt. Doch das restliche Inventar - zerbrochene Tonkrüge und löcherige, angegammelte Körbe und nach Feuchtigkeit und Muff riechende Teppiche - ließ keinen Zweifel daran, dass hier lange niemand mehr regelmäßig wohnte. Vermutlich hatte man ihm deshalb genau diesen Ort als Treffpunkt genannt. Er wandte sich wieder ab. Es glommen bereits kleine Flammen in der Feuerstelle, die die Assassine hergerichtet hatte. Noch während er hinüber ging und sich ebenso wie die Dunmer hinsetzte, begannen die Flammen das alte Holz richtig in Besitz zu nehmen und schlugen immer höher, bis das Feuer mit einer beachtlichen Größe in die Luft züngelte. Tirian unternahm keinen Versuch es zu zügeln. Wenn das das Signal sein sollte, war es das beste, wenn es gut sichtbar brannte.

Er hing seinen Gedanken nach und ließ ab und an Entladungen von einem Finger zum anderen springen, während er ins Feuer starrte. Der schwere Rauch des alten kohleartigen Holzes, das sie verbrannten, stieg ihm in die Nase. Es war als atmete er die erstickende Schwere von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. Die Flammen in ihrem chaotischen Rauschen schienen plötzlich Formen anzunehmen. Er presste die Augen zusammen. Er sah zwei Elfen gemacht aus Feuer umhüllt von Rauch. Rauchige Körper, Augen und Haare aus Flammen. Ein Fiepen schwoll in seinen Ohren an und wurde immer lauter. Sie umarmten sich, küssten sich, berührten sich. Die Gewänder aus Rauch schwanden und gaben den Blick auf brennende Körper frei. Tirians Augen wurden glasig und leer. Das Geräusch löste sich langsam in harmonischere Töne auf, blieb fordernd, nahm aber langsam die Gestalt einer nicht zu beschreibenen Melodie an, die ihm wie das Rauschen eines Baches und zugleich wie das Knistern einer Feuerstelle durch den Kopf drang. Der Rauch war inzwischen gänzlich geschwunden. Die beiden Flammen-Mer, bisher nur durch den grauen Mantel in zwei Subjekte getrennt, vereinigten sich nun zu einem Wesen. Die Melodie in Tirians Kopf wurde zu einem leichten Gesang der sowohl fremdartig, alt aber zugleich unheimlich vertraut klang. Ein tiefes Flüstern lag darin. Eine Geschichte. Ohne sein Zutun bewegten sich seine Lippen, formten ein fast tonloses Flüstern, während sich die Feuerbilder weiter lustvoll vereinigten, die Konturen ekstatisch zuckten und langsam zu einer einzigen Flamme verschwammen: "ald card de mer. Bruder und Schwester eine Liebe, ein Schicksal. molag molagae." Die vereinte Flamme, nun mehr gänzlich zu einem Wesen geworden, explodierte vor seinen Augen, in seinem Schädel dröhnte der Gesang. Er war vertraut, doch spürte er eine Bosheit darin. Er begann sich zu wehren. Er versuchte zu erwachen. Verdrehte die Augen. Die Flammenleiber gingen nun in Szenen blutiger Massaker, in denen feuriges Blut aus erschlagenen rauchenden Leibern quoll, auf. "molag molagae. tython ae acra. Eine Liebe ein Schicksal. Der süße Tod. Tod. tod. tod. tot. to-th.": kamen die Worte unter hörbaren Zwang aus seinem Mund.

Ein scharfes Brennen durchzog sein Gesicht. Er riss die Augen auf. Die Flammen waren verschwunden ebenso die Melodie in seinem Verstand. Er schaute gegen den Widerschein des Feuers in die Augen der Assassine. Dreveni stand mit besorgtem Gesicht über ihm. Er schaute sie an, verlor sich einen Moment im Spiel der Flammen auf ihrer Haut und dachte an die Vision zurück und errötete. "Ihr seid eingeschlafen und habt geträumt. Jedenfalls sah es so aus, und ich hoffe es für euch. Oder seid ihr wieder kurz vorm Freidrehen wie bei der Festung?": fragte sie. Er hielt sich den Kopf. Sein Schädel schmerzte schlimmer als seine Wange. "Ich... eingeschlafen?": er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern eingenickt zu sein. Er stand auf und wandte sich zum Wasser. Er spürte den noch immer besorgten Blick der Dunmerin in seinem Rücken. "Ich dachte ich...": wollte er ansetzen doch da sah er in der äußersten Reflexion des Lichtscheins draußen auf dem Wasser, wie sich es sich an kräuselnden Wellen brach. Kaum einen Augenblick später schob sich der Ansatz eines Bootes in sein Sichtfeld.

[Dreveni]
Die Assassine beobachtete Tirian skeptisch. Sie hatte noch immer nicht die geringste Idee, was mit ihm los sein konnte, und was das Gefasel von Liebe und Tod nun wieder sollte. Sie hoffte nur, dass er in entscheidenden Momenten seine fünf Sinne bei sich behalten würde. Ihre Grübeleien wurden jedoch von dem Auftauchen des Bootes unterbrochen, und mit zwei schnellen Schritten stand sie so hinter dem Zelt, dass sie zwar den Strand im Blick hatte, selbst aber vom Wasser aus nur schwer zu sehen war. Als sie sah, dass das Boot noch nicht angelegt hatte, huschte sie schnell in das Zelt wo ihr Gepäck lag, bekam ihren Bogen und die Pfeile zu fassen und spannte ihn, als sie sich wieder auf ihre vorherige Position zurück gezogen hatte. Wer konnte schon sagen, wer da über das Wasser kam.

KingPaddy
26.07.2014, 04:33
Tarrior runzelte überrascht die Stirn. Der Telvanni bemerkte seine Überraschung und kicherte etwas. Tarrior konnte sich nur schwer vorstellen, dass jemand, der die technisch-rationale Welt der Dwemer für sich selbst erklärte, an so etwas wie Schicksal glauben konnte. Behram setzte, nach dem er sich beruhigt hatte, zu einer Erklärung an: „Ihr habt den Begriff sicher auch schon gebraucht ohne das ihr damit sagen wolltet, dass ihr euch wie ein Puppe an Fäden auf ein Ziel zubewegt, dass ein anderer euch bereits gesteckt hat.“ Tarrior nickte. Er verstand worauf der Hexer hinaus wollte. Er glaubte nicht an Vorbestimmung, aber er glaubte schon, dass jedes Wesen seinen eigenen Pfad des Lebens hatte, dass es schicksalshafte Verbindungen gab, die man aber stets selbst schmiedete und umschmiedete. „Kagrenac sah es als Schicksal der Dwemer nach immer größerer Perfektion zu streben, weil es in ihrer Art und ihrer Persönlichkeit lag. Es war etwas das ihnen eigen ist. Alles was der Zeit unterliegt ist einem Pfad des Lebens unterworfen. Wir können uns nicht entscheiden den Weg nicht zu gehen, wie wir uns entscheiden können, wie wir ihn gehen wollen. Das was das Schicksal der Zeit ausmacht ist der Umbruch und der Zusammenbruch irgendwann und mit ihm stets die Entstehung von etwas Neuem. Die Reiche der Ayleiden gingen unter, das Kaiserreich zerfällt nun unter den Hammerschlägen der Daedra - Ordnungen von denen man dachte, sie währten ewig. Es ist nur eine Zeitfrage. Wir Nachgeborenen oder Überlebenden dieser Zusammenbrüche können aber am Wegesrand die Trümmer der alten Zeit finden. Es liegt an unserer Entscheidung die Brocken aufzuheben und der alten Zeit eine neue Chance zu geben. Das Schicksal der Dwemer kann zwar nicht umgeschrieben aber neu geschaffen werden und das ist mein Schicksal. Es ist das was ich bin“: philosophierte Behram und Tarrior fühlte den Stich. Er wusste nur allzugut was geschah, wenn man sein Schicksal verlor – die Leere, die Müdigkeit. Er hatte den Blick gesenkt nun hob er ihn wieder und fixierte den Telvanni.

„Kagrenacs Artefakte sind verschollen. Vielleicht hat sie der Nerevarine noch, vielleicht auch nicht. Aber das wird alles bald keine Rolle mehr spielen“: wechselte Behram das Thema, stand auf und ging zu einem der schmalen Fenster hinüber: „Tarrior du wolltest mir deine Entscheidung mitteilen.“ Der Hlaalu lehnte sich auf dem Stuhl etwas zurück, um die verkrampfte Haltung loszuwerden, in der sich befand. Nach Meradanz‘ Einlassungen fiel es ihm ausgesprochen schwer, ihm allzu sehr zu widersprechen, doch drängte sich der Verdacht, den der Dremora aufgemacht hatte, mit neuer Macht in seinen Geist. „Der Dwemer und die Daedra – ein Treppenwitz der Geschichte mochte man nach dem langen Gefasel über die göttliche Metaphysik meinen. Wie passt das in eure Weltordnung mit den Dwemern? Seit wann verehrt ein Dwemer die Herren des Reichs des Vergessens“: machte er ihn auf diesen Widerspruch aufmerksam, um mehr über die Beziehungen zwischen ihm, der mythischen Morgenröte und ihrem Meister herauszufinden. Meradanz lachte wieder, aber es klang kalt. „Niemand verehrt die Daedra. Mit der Mythischen Morgenröte habe ich paktiert um den Rat ruhig zu stellen und Chaos zu säen, wie du weißt. Sie sind mir nicht mehr als Mittel zum Zweck“: widersprach der Telvanni. „Und eure Liaison mit Dagon?“: hakte Tarrior weiter nach. Behram schwieg einen Moment. „Das könnt ihr unmöglich von Jonicus wissen“: sagte er nach einer gemessenen Pause, doch dann als hätte ihn ein Geistesblitz im wahrsten Sinne getroffen, stellte er fest: „Dieser Wurm unten in den Kerkern hat geplaudert, nicht wahr?“

Tarrior verschränkte die Arme vor der Brust. „Es ist also wahr?“: fragte er. „Und wenn es so wäre?“: forderte ihn Behram heraus. Tarrior ging nur zu gerne darauf ein: „Dann sehe ich einen jämmerlichen Heuchler vor mir. Ein Möchtegern-Erbe der Dwemer, der Abkommen mit Daedra-Prinzen schließt und sich an sie verhurt. Wenn ihr wirklich vom Geblüt der Tiefelfen seid, würden sich eure Vorfahren gewiss für euch schämen.“ Behram stürzte, noch bevor Tarrior seinen Satz ganz beendet hatte, vom Fenster zu ihm herüber und krallte die Hand in seine Schulter. Augenblicklich fühlte er ein unmenschliches Brennen an seinen Handgelenken. Die Sklavenfesseln schienen aus flüssigem Eisen zu bestehen. Er spürte wie das Fleisch unter den Bändern aufplatzte. Er war vom Schmerz so betäubt, dass er nicht einmal schreien konnte. „Haltet den Mund bei Dingen, von den ihr nicht die leiseste Ahnung habt“: brüllte Behram ihn an, dann ließ er seine Schulter wieder los und der Schmerz ebbte von der einen Sekunde auf die andere völlig ab. Ruhiger sprach Meradanz weiter, während sich Tarrior noch erholte: „Es ist notwendig. Es muss leider sein. Mehrunes Dagon ist die einzige Macht, die in dieser Situation helfen kann.“ Er klang selbst sehr bitter darüber. „Und der Preis? Was ist mit dem Preis, Meradanz? Dagon wird euch ja wohl kaum einfach so helfen“: wollte Tarrior wissen. „Das Kaiserreich verliert diesen Krieg ohnehin. Warum das Unausweichliche nicht beschleunigen und seinen Vorteil daraus ziehen?“: gab der Hexer ganz offen zu. „Das Kaiserreich mag einerlei sein, aber ihr weiht damit das Volk von Morrowind der Sklaverei und dem Tod!“: warf ihm Tarrior vor. Der Telvanni zuckte nur mit den Schultern.

„Es ist nicht mein Volk da draußen. Ein kleines Opfer für die Rettung eines größeren Volkes, einer größeren Kultur aus dem Dunkel der Geschichte. Ein Volk gegen ein anderes Volk, wer mag das ermessen? Ich tue was getan werden muss. Die Anderen können sich in den Dienst der Sache und damit unter meinen Schutz stellen“: trug sich Meradanz ganz offensichtlich nicht mit dem mindesten moralischen Problem. Eine Haltung die Tarrior, das erschreckte ihn ein wenig, nicht selten selbst an den Tag legte. Aber selbst zu Zeiten des Sechsten Hauses stand es nie zur Debatte die ganze Welt dem Daedra-Prinzen der Zerstörung auszuliefern! „Außerdem endet meine Rolle in dieser Geschichte hier auf Vvardenfell. Wenn das Kaiserreich zerfällt dann nicht wegen des Verlustes einer Insel in einer östlichen Provinz, sondern durch die Niederlage, die ihm die Mythische Morgenröte im Herz zugefügt hat mit der Ermordung der Septime“: fügte er dann noch ebenso kühl an. „Dennoch tut ihr euren Teil für den Fall das Reiches und vor allem für den Untergang unseres - wenn ihr euch auch einbilden mögt es sei nicht eures – Volkes. Sind es diese Kreaturen, die ihr – nur die Götter wissen wie - heranzüchten wollt, wert die Dunmer dieser Insel zu opfern? Ihr erschafft vielleicht Dinger, die aussehen wie Dwemer, aber ihr selbst versteht nicht einmal die Sprache der Dwemer in Gänze, wie sollen diese Wesen echte Dwemer werden, wenn die Kultur, die sie irgendwie annehmen sollen, seit Jahrhunderten verloren ist und nur noch relikthaft existiert? Sind diese Kunstwesen ein ganzes Volk, vielleicht eine ganze Welt wert?“: hielt Tarrior dagegen und war von sich selbst überrascht, dass er sich so für Vvardenfell einsetzte und schob es darauf, dass er ja genauso unter der Knechtschaft der Daedra enden würde und sich deshalb so wehrte. Ja das musste es sein.

„Ihr erkennt den Kern meines Problems und habt euch damit die Antwort zur Hälfte schon selbst gegeben. Verlasst euch darauf. Ich werde schon sehr bald, Aytor bereitet im Moment alles vor, im Besitz der Mittel sein, die ich brauche um die Rasse physisch auferstehen zu lassen. Doch ihr Geist bleibt vage. Aus diesem Grund brauche ich die Hilfe der Daedra“: erklärte sich Behram. „Wollt ihr sagen, dass sie dieses Wesen etwa beseelen sollen?“: spottete Tarrior. „Nein. Was sie brauchen werden, ist der dwemerische Geist. Die Kultur, die Kunst, die Wissenschaften. Der Ertrag der Generationen des Volkes – das Wissen, die Geschichte, quasi die Essenz des Volkes. Sie sollen nahtlos anknüpfen können. So sind sie vollständig physisch wie psychisch, körperlich wie identitär“: widersprach Behram, doch Tarrior schüttelte deutlich sichtbar den Kopf. „Es ist aber auch nicht so, dass so etwas wie der ‚dwemerische Geist‘ einfach so auf der Straße herumliegt“: kam sein nächster Einwand. Meradanz schaute ihn mit einem wissenden Lächeln an. „Auf der Straße wohl nicht, aber was sind uns Bibliotheken anderes als Speicher von Wissen und Kultur. Woher lernt ein Kaiserlicher was Kaiserliche Kultur ausmacht? Zuvorderst von seinen Eltern? Aber bringen die ihm die jahrhundertealte Geschichte seines Reiches näher? Unwahrscheinlich. Er wird, wenn er dafür geeignet ist, auf eine Schule geschickt und erlernt dort dieses Wissen von einem Lehrer, der es sich wiederum aus dem erlesen hat, was die vorderen Generationen tradierten. Ebenso tun es die Eltern, wenn sie das Wissen, dass sie von ihren Vorfahren erworben hatten, an ihre Kinder weitergeben“: erklärte er auch dies.

„Ich kann auch die Schriften der Altmer studieren, werde aber wohl nie Altmer werden“: erhob Tarrior die nächste Gegenrede, doch Behram antwortete schnell: „Freilich nicht, weil ihr eure Identität als Dunmer bereits anerzogen bekommen habt. Ihr wäret bereits ein Dunmer. Die neuen Tiefelfen wären wie Rohlinge, die frei geformt und geschmiedet werden können. Sie sind unbeeinflusst und entwickeln ihre Identität nicht anders als neugeborene Kinder und werden somit zu Dwemern werden.“ Doch noch immer war der Dunmer nicht überzeugt: „Ihr werdet es ihnen einpauken wie ein Lehrer seinen Schülern. Ihr schafft damit nicht mehr als Pseudo-Dwemer.“ Der Hexer jedoch winkte ab.

„Wisst ihr, auch schon bevor ich erfuhr, dass es eine Möglichkeit gibt die Dwemer physisch neu zu schaffen, habe ich überlegt, wie es wohl zu bewerkstelligen wäre dieses Volk zumindest geistig auferstehen zu lassen. Ich hatte gar die Idee mit ein paar Gleichgesinnten eine alte Dwemer-Stadt zu beziehen und quasi nach Art der Dwemer dort zu leben, sodass unsere Kinder dann womöglich zu Dwemern mit dunmerischen Aussehen würden. Ich bin lange, bevor ich hier in Tel Uvirith Stellung bezog, für meine Forschungen über die Dwemer durch ganz Tamriel gereist und habe gleichwohl auf meinen Reisen die Menschen und Mer ausgiebig beobachtet und studiert, wie sie sich entwickeln, wie sie ihre Geschichte und altes Wissen, wie sie Normen und Umgangsformen tradieren. Kinder sind wie ungeprägte Münzen. Erst der Druck der Zeit und der Umgebung prägen die Muster in sie ein. Kleine Kinder kennen zum Beispiel keine bestimmten Grußformeln. Sie schauen sie sich von ihren Eltern ab und lernen sie, doch sie vergessen, dass sie es dereinst aktiv gelernt haben. Irgendwann ist es so in Fleisch und Blut übergegangen, dass es ihnen so ist, als wäre es etwas, dass ihnen von Natur aus bereits eigen ist. So verhält es sich mit allem, was zur Ausprägung der eigenen kulturellen Identität dient. Es kommt also maßgeblich darauf an, dass das Wissen der Dwemer so umfangreich wie möglich vermittelt wird, damit sich das Wesen so nah wie möglich ausprägen kann. Natürlich lässt sich das Wesen und Wissen der Dwemer, vor allem all das viele informelle, nicht bis ins Detail kopieren. So einiges wird unter dem Schleier des Nichtwissens auch auf Dauer verborgen bleiben. Die Lücken werden sich improvisatorisch lösen und ja es wird nicht völlig korrekt sein, aber darauf kommt es schlussendlich nicht an, denn wie wir wissen, können sich auch Sitten und Gebräuche im Laufe der Zeit ändern. Selbst das Haus Dres soll seine sehr traditionell verankerte Einstellung zur Sklaverei inzwischen überdenken. Das dies Dinge sind, die sich ohnehin im steten Umbruch befinden, ist es also unschädlich für uns, wenn die neuen Dwemer sich darin unterscheiden. Es ist der Geist auf den es hier ankommt. Ah ich sehe in euren Augen, wie sich erneut Widerspruch regt. Es ist selbstverständlich, dass sich diese Natürlichkeit, die sich im Lauf der Geschichte erst über Generationen hinweg einschleift, bei der ersten Generation von Dwemern, die ich schaffen werde, nicht einstellen wird. Mit eurem Schülervergleich habt ihr da nicht so ganz unrecht. Sie werden sich unter Umständen noch etwas fremd darin vorkommen, weil selbst ich diese Natürlichkeit eben nicht vermitteln kann, weil ich auch nur ein Dunmer bin. Aber sie selbst werden diesen Geist an ihre Kinder und diese wiederum an ihre Kinder weitergeben und dies schließlich mit wachsender Selbstverständlichkeit“: gab er dazu eine lange Erklärung.

Tarrior schüttelte ein weiteres Mal den Kopf – innerlich wie äußerlich. Offenbar war der Hexer schon lange wahnhaft vom alten Volk der Tiefelfen besessen. Es hatte wohl keinen Sinn noch großartig mit ihm darüber zu diskutieren. Der Plan war gereift und er würde ihn umsetzen… und dafür alles opfern, wenn es nötig war, wenn man ihn nicht aufhielt. Er fühlte plötzlich so etwas Verantwortung. „Er muss gestoppt werden“: ging es ihm durch den Kopf und dachte dabei nicht zuerst an sich sondern zuvorderst an Morrowind und Tamriel. „Ein seltsames Gefühl“: befand er und verzog dabei das Gesicht. Das wiederum nahm der Hexer offenbar falsch auf. „Ihr glaubt mir nicht, aber das macht rein gar nichts. Euer Verständnis der gesamten Zusammenhänge ist ohnehin nur reichlich begrenzt“: reagierte der Hexer darauf, forderte damit aber doch noch einen Kommentar von Tarrior heraus: „Nur sind von eurem dwemerischen Geist kaum mehr als ein paar verschimmelte Bücher oder kryptische Skizzen und ein Haufen rostiger Artefakte in verfallenen Städten übrig. Genauso gut könntet ihr etwas guten Weingeist hernehmen.“ Behram schlug in diesem Moment voller Elan auf den Tisch. „Und genau das ist der Grund, wofür und warum die Daedra ins Spiel kommen. Ich sagte ja schon vorhin, dass ihr das Problem erkennt, doch ich habe auch die Lösung dafür gefunden! Es gibt einen Ort an dem alles Wissen der Dwemer gespeichert ist – ihre Kultur, ihre technischen Fortschritte, die Geschichte ihrer Staaten. Es war das letzte und das wohl grandioseste ihrer gemeinsamen Großprojekte über die Zwistigkeiten ihrer einzelnen Stadtstaaten hinweg“: schwärmte Meradanz und präsentierte auf einen fragenden Blick Tarriors hin auch die Lösung: „Ich spreche natürlich vom legendären Omnicon.“

Der Hlaalu stutzte. Legendär traf wirklich zu, wenn man bedachte, dass es diesen Ort nicht gab. Er war ein wildes Gerücht unter Dwemer-Forschern. Es war so wildwuchernd, dass sich selbst einige Aschevampire seinerzeit in ihrem Bestreben Kagrenacs Artefakte noch besser zu verstehen, damit beschäftigt hatten, ob es dieses Omnicon gab und wo man es finden könnte. Und Tarrior wusste noch sehr gut, dass die Meister diesen Wahnwitz irgendwann aufgegeben hatten. Es gab kein Omnicon und das sprach er auch aus. Behram schüttelte mitleidsvoll den Kopf als wäre sein Gegenüber ein Narr, der die Wahrheit nicht erkennen konnte. „Es stimmt schon, dass das Omnicon in all den Jahren nicht gefunden wurde, aber diese Idioten wussten auch nicht, wonach sie suchten. Das tat ich zugegebenermaßen auch nicht, aber ich war dann zumindest in der Lage die Hinweise zu erkennen und richtig zu deuten, die verstreuten, überlieferten Berichte und den Austausch über das Projekt. Es gab Listen an Beiträgen einzelner Kolonien, den Beitrag von Schmieden und Ingenieuren aus dem gesamten Bereich des Rates von Bamz-Amschend verteilt über unzählige Fundstellen und immer wieder tauchte der Name einer Dwemer-Stadt namens Alezxardanz auf. Alle Hinweisen deuten daraufhin, dass sich dort das Omnicon befindet, der große Wissensspeicher der Dwemer“: erklärte Meradanz und bezeichnete in einem kurzen Atemzug sämtliche anderen Koryphäen auf dem Gebiet der Dwemer-Forschung als Idioten. Tarrior interessierte sich zwar nur am Rande für die Tiefelfen aber unter den Forschern, die er kannte, gab es nicht einen, der das Omnicon für mehr hielt als eine Spinnerei. Von dieser Dwemer-Stadt hatte er zudem noch nie gehört, aber das musste nichts heißen. Er kannte kaum alle Ruinen auf Vvardenfell denn geschweige von ganz Tamriel.

„Wenn es das Omnicon wirklich gäbe, warum wurde es dann noch nicht gefunden? Und wenn es in Alezxardanz liegen soll, warum ist dann bisher keine Expedition dahin aufgebrochen? Wenn es diesen Ort gibt, heißt das natürlich“: fragte der Dunmer kritisch nach. Behram ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, sondern lächelte nur allzu überlegen. „Meine geschätzten Kollegen glauben nicht an das Omnicon oder Alezxardanz, weil sie auch meinen, dass es keine Stadt dieses Namens geben würde. Sie irren. Es gab diese Stadt dereinst. Morrowind war zur Zeit der Dwemer-Staaten noch größer. Heute fehlt ein nicht unwesentlicher Teil des Landes“: gab der Telvanni zu bedenken und deutete mit seiner Hand aus dem Fenster… auf das Meer. Tarrior fiel es wie Schuppen von den Augen: „Das innere Meer! Morrowind wurde seinerzeit durch das Tribunal geflutet, wodurch das innere Meer entstand!“ Der Hexer nickte nun. „Ob durch das Tribunal oder durch eine Erdverschiebung aber gesichert ist, dass einige Teile Morrowinds damals versanken und dazu eben auch viele Dwemer-Ruinen, die sich auf dem heutigen Gebiet der Inneren See befunden hatten. Ihr seht endlich das Problem?“: wollte der Telvanni wissen. „Dann liegt eure Bibliothek tief unter Wasser, aber warum benutzt ihr nicht…“: antwortete er, doch Behram vollendete seine Frage: „Wasseratmung? Ich habe alte Dwemer-Berichte studiert und musste mich schließlich quer durch uralte Privatarchive auf den Summerset-Inseln wühlen um an alte altmerische Reiseberichte zu kommen, um den Standort Alezxardanz‘ zu ermitteln. Ich war dort mit einer kleinen Expedition und doch reichte die Wasseratmung nicht aus. Die Leute, die ich angeheuert hatte, starben beim Tauchversuch an inneren Blutungen. Die Stadt ist weit abgerutscht. Sie liegt tief im Meer, zu tief“: stellte Behram das Problem dar. Tarrior zog die Augenbrauen zusammen. So langsam begriff er endlich, worum es hier eigentlich ging: „Mehrunes Dagon soll die Stadt für euch anheben, damit ihr in den Besitz der Bibliothek gelangen könnt.“ Es war offensichtlich, dass nur ein Gott in der Lage wäre eine solche Verschiebung in die Wege zu leiten.

Der Telvanni ging zu seinem Schreibtisch hinüber und wühlte etwas in seinen Unterlagen. „Was glaubt ihr, was ihr nach all den Jahrhunderten dort unten noch für Wissen bergen könnt? Das wird alles zerfallen sein! Dafür wollt ihr das Schicksal Morrowinds und Tamriels aufs Spiel setzen?! Dafür wollt ihr den Daedra den Weg ebnen? Um als Belohnung Matsch zwischen zwei Buchdeckeln in Besitz zu nehmen?“: ereiferte sich Tarrior. Behram kam nun wieder zu ihm hinüber und legte ein schmutziges, eingerissenes und offensichtlich sehr altes Pergament auf den Tisch vor ihn. Zu sehen war die technische Skizze eines in einem verzierten Würfel befindlichen Dodekaeders in dessen Inneren sich wiederum ein überaus großer Diamant, wenn Tarrior die Skizze in Originalgröße deutete, befand. Es gab mehrere Löcher in dem Konstrukt und Einplanungen für speziell geschliffene Linsen. Komplexe Formeln und einige Notizen an den Rändern bedeckten die Skizze. „Ein weiterer großer Fehler, den meine nicht sonderlich geschätzten Kollegen machen, ist in ihrer beschränkten Kleingeistigkeit von der Technik auszugehen, die sie kennen. Das Omnicon ist keine Bibliothek, wie wir sie kennen. Das, Tarrior, hier vor euch ist das Omnicon. Das ist eine der wenigen Zeichnungen davon, die ich auf den vielen, vielen Reisen entdecken konnte, die ich unternahm. Es ist auch die beste, die ich habe, weil sie zeigt, wie diese ‚Bibliothek‘ funktioniert. Kennt ihr die alten Observatorien der Dwemer?“: fragte der Hexer. Tarrior konnte nur nicken. Er war von der Wucht der Enthüllungen in diesem Moment erschlagen.

„Die Dwemer experimentierten lange vor ihrem Sturz mit Licht, Linsen und Projektionen. Das Omnicon sollte die Krönung dieser Technik werden. Es war, soviel konnte ich aus den wenigen erhaltenen Dokumenten rekonstruieren, die Krone dieser Technologie. Man hatte bereits Erfolge damit erzielt Informationen – Bilder und Texte – in Kristalle zu gravieren und sie über bestimmten Lichteinfall an Wände projizieren zu können. Je kleiner und ausgefallener die Gravuren, umso mehr Informationen konnte man somit quasi speichern. Stellt euch nun einen Diamanten vor: Ein Material, das unglaublich widerstandsfähig ist. Was wäre besser geeignet, um das Wissen eines ganzen Volkes aufzunehmen? Dieser etwas mehr als faustgroße Diamant hier auf der Skizze war wohl eine Gabe der Kolonien am Roten Berg, Die besten Dwemer-Schmiede fertigten aus den hochwertigsten der stabilen, bronzenen Legierungen das Gehäuse, die besten Linsenschleifer, die auch die Teleskope für die Observatorien bestückt hatten, sollten die Linsen auch für das Omnicon erstellen und die besten Feinarbeiter waren Tag und Nacht damit beschäftigt Muster und Schriftzeichen dicht an dicht in den Diamanten zu gravieren – den gesamten Geist der Dwemer. In Alezxardanz dann entstand wohl das Observatorium, mit dem man das Omnicon mittels Licht lesen konnte. Das ist nicht irgendein Haufen schimmliger Bücher sondern das Wissen einer ganzen Zivilisation, seine Kultur, seine Geschichte konzentriert auf die Größe einer Schatulle“: erläuterte der Hexer.

Zum ersten Mal empfand Tarrior tatsächlich so etwas wie Anerkennung, in gewisser Weise auch Ehrfurcht vor der Arbeit seines Feindes. Der Telvanni mochte diese Informationen jetzt sehr strukturiert zum Besten gegeben haben, aber er konnte sich kaum vorstellen, wie lange und mit welcher fanatischen Besessenheit Behram nach jedem noch so kleinen Fitzel an Informationen gesucht haben musste, um sie zu diesem Gesamtbild zusammenfügen zu können. Er hatte es wahrlich nicht einfach mit einem Verrückten zu tun, sondern mit jemanden der wusste was er tat und in seinem Fanatismus bereit war, alles für seine Ziele zu opfern. Inzwischen hatte der Hexer die Skizze fein säuberlich wieder weggelegt und goss sich und ihm ein Glas Wein ein, bevor er sich nun wieder mit der zuvor fallengelassenen falschen Freundlichkeit zurück zu ihm an den Tisch setzte. „Du siehst, dass es hier nicht um Kleinigkeiten geht, sonder tatsächlich um die Rettung und Wiederauferstehung eines untergegangenen Volkes. Das es mehr als nur möglich ist, die Dwemer, mein angestammtes Haus zurückzubringen. Ich bin ihr Erbe und es ist daher nicht nur mein Wille sondern auch meine Pflicht es zu tun. Wer könnte das besser verstehen als du? Welcher Preis wäre zu hoch, um das zurückzubringen, dem wir uns zugehörig fühlen? Die Daedra etwa? Verflucht seien die Daedra. Hätten euer Kult und der Nerevarine nicht dazwischen gefunkt, hätte ich die Macht des Herzen von Lorkhan nutzen können, doch das ist mir nun nicht mehr vergönnt. So müssen es leider die Daedra sein. Doch es ist ein Opfer für einen höheren Zweck. Haus Dwemer und Haus Dagoth, Tarrior. Wir sind die Erben der Häuser. Mein Angebot steht noch. Du hilfst mir und ich werde auch dir helfen. Du musst dich nur entscheiden meine Hand zu nehmen, statt sie zurückweisen und deine eigene verdorren zu lassen“: erneuerte Behram noch einmal sein Angebot.

KingPaddy
23.11.2014, 12:47
Tarrior rutschte auf dem Stuhl in eine bequemere Position, griff nach dem Wein aber nippte nur leicht daran. Er brauchte einen klaren Verstand und der Wein, den Behram auf den Tisch gestellt hatte, war eine schwere, reife Sorte, die ihm schnell zu Kopf steigen würde, wenn er mehr davon trank. Er überlegte kurz, bevor er auf Behrams großzügiges Angebot reagierte: „Selbst wenn ich den Plan nicht für völlig wahnsinnig halten würde, bleiben immer noch die Daedra. Euch mögen sie vielleicht egal sein, aber Mehrunes Dagon wird wohl kaum in einer Welt, die er dann beherrscht, ein Volk akzeptieren, dass ihm nicht Untertan ist. Ihr mögt ihm jetzt helfen, aber wer sagt, dass er sich an die Abmachung halten und für euch Alezxardanz tatsächlich aus der Tiefe heben wird?“ Behram war der ständigen Widersprüche offenbar müde und ließ einen tiefen Seufzer vernehmen. „Wir haben eine magisch verbindliche Übereinkunft getroffen. Auch ein Daedra-Prinz kann dies nicht so einfach ignorieren. Aber natürlich habe ich die Angelegenheit derart gestaltet, dass mir mein Lohn geradezu zwangsläufig zufällt, wenn ich meinen Teil der Vereinbarung schließlich erfülle. Die ganze Sache ist also völlig sicher“: versicherte Behram. Dies entlockte Tarrior nur ein kaltes Lachen. „Und was hält den Prinzen der Zerstörung davon ab, euch nach Erfüllung des Kontraktes zu zerquetschen wie einen Kwama-Kundschafter?“: warf er ein. Behram nahm sein eigenes Weinglas zur Hand, schwenkte den dunkelroten Inhalt kurz und trank es in einem Zug aus. „Halte mich nicht für naiv, Tarrior. Das wäre ein Fehler. Wir befinden uns hier in der Molag Amur. Du weist es ja selbst. Hier wimmelte es auch schon vor der Invasion aus dem Reich des Vergessens vor dessen Kreaturen. Die Fähigkeiten meiner Wachen und vor allem meiner Animunculi sind mehr als ausreichend, um den Horden Oblivions Paroli zu bieten. Sowohl mit ihrer Kraft und Härte als auch ihrer Resistenz gegen die chaotischen, magischen Kräfte sind meine Apparate bestens gewappnet. Vvardenfell und tendenziell Morrowind sind mir als eigener Herrschaftsbereich zugesichert und wenn Dagon es wagen sollte, sich nicht mehr an die Absprache halten zu wollen, werden seine Armeen erleben wie es ist gegen die bronzenen Horden anzutreten“: gab sich Behram kampffertig.

„Ihr wart nicht in Kvatch, Meradanz, wie ich. Ich traue euren Maschinen durchaus zu ernsthafte Gegner für die Dämonen Oblivions zu sein, doch glaube ich nicht, dass ihr bereits eine Armee von ihnen habt. Dagon könnte euch direkt überrennen, sobald ihr eure Schuldigkeit getan habt. Kvatch wurde von etwas… stärkerem angegriffen, als Dremoren, Skampen und Daedroths allein. Die Stadtmauer und die Innenstadt sahen so aus, als wäre eine Walze aus Feuer darüber hinweg gerollt. Irgendetwas Monströses muss die Stadt seinerzeit attackiert haben. Ich glaube nicht das Uvirith Mora dem standhalten kann. Euer Plan ist wahnsinnig. Sich mit einem Daedra-Prinzen anzulegen mag zwar in Geschichten wie der von Azura und der Kiste funktionieren, aber nicht wenn es darum geht sich auf einen Krieg mit dem Daedra-Fürsten einzulassen dessen Sphäre die Zerstörung an sich ist“: äußerte Tarrior weitere Zweifel.

Behram wandte sich zur Treppe, die in den Artefakt-Salon hinunterführte. Er blieb dort stehen und sah ihn erwartungsvoll an. „Komm mit und überzeuge dich selbst davon, dass alles in bester Ordnung ist“: bot der Telvanni an. Der Hlaalu war sich nicht sicher, was der Hexer ihm zeigen konnte, was ihn umstimmen könnte, aber er beschloss mitzuspielen. Wenn er mehr über Meradanz‘ Pläne erfuhr, konnte er sich darauf auch besser vorbereiten, vorausgesetzt es würde sich ein Weg offenbaren, wie er fliehen konnte. Möglicherweise würde sich die Gelegenheit dann jetzt gleich offenbaren. Er erhob sich dann schließlich. Sein Gesicht zierten ein genervt verzogener Mund und desinteressierte dreinblickende Augen. Einerseits zeigte es, dass er wirklich der stetigen Diskussion müde war – und er verstand immer noch nicht, warum sich der Hexer derart um ihn bemühte – andererseits verbarg es sein tatsächliches Interesse an allem, was er womöglich gegen ihn verwenden konnte. Betont langsam, folgte er dem Hexer, der jedoch einen raschen Schritt zulegte, ebenso rasch die Treppen hinunter war und den Raum gequert hatte, sodass sie sich bald wieder am großen Hauptschacht des Turms wiederfanden, in den etliche weitere Kammern ober- und unterhalb mündete und die allesamt nur per Levitation zu erreichen waren. Ohne einen Schwebezauber war man hier wirklich aufgeschmissen und Tarrior realisierte erst jetzt, dass es womöglich schwierig werden würde den Turm nach Beweisen zu durchsuchen, wenn er nicht über den Keller und die Bodenebene hinauskam. „Ich denke du kennst das Prozedere zur Genüge von Aytor“: meinte Meradanz und Tarrior schlang mit einem seufzen seine Arme um den Körper des Telvanni. Sie standen jetzt so nahe am Rand, doch Tarrior widerstand dem unheimlich starken Wunsch sich mit dem Hexer einfach über die Kante zu stürzen. Einerseits hing er an seinem Leben, zudem hatte er nichts für solch heroische Abgänge übrig, andererseits hätte der Magier den Sturz womöglich ohnehin mit einem Levitationszauber abgefangen. Er sah es mit Humor: „Man soll sich ja seine Freunde nahe halten und seine Feinde noch näher.“ Er verdrehte die Augen und schloss sie dann, als sie kurz darauf vom Boden abhoben.

„Manchmal muss man nur einen Schritt ins Ungewisse wagen“: meinte Behram als sie zu Boden schwebten. Wieder ließ Tarrior die Augen rollen. „Ein Schritt ins Unbekannte ist ja auch etwas anderes als einer dämonischen Armee die eigene Heimatwelt auf einem Silbertablett zu präsentieren“: dachte er bei sich, sagte aber nichts. Dieser kurze Gedanke und die zweifelhafte Genugtuung, die die Vorstellung brachte, Behram von seinen eigenen Daedra-Verbündeten an den verbrannten Stumpf seines Zaubererturms genagelt zu sehen, überbrückten die letzten Meter, sodass seine Füße in genau dem Moment aufsetzten, als ein Dremora-Folterknecht begann dem Telvanni die Haut abzuziehen. Statt imaginärer Schmerzensschreie war es nun die gönnerhafte Bitte, ihn doch zu begleiten, die Meradanz‘ Mund verließ. Er deutete auf die Treppe, die wieder in Richtung Kerker führte. „Wollt ihr mir die Überzeugungskraft eurer Folterkommen angedeihen lassen?“: fragte Tarrior direkt ironisch. Der Hexer verzog den Mund. „Wenn du weiter so ein dummes Geschwätz von dir gibst, vielleicht. Wir müssen nicht gar so tief und weit gehen“: erklärte er. Tarrior schloss sich ihm notgedrungen auf dem Weg zurück nach unten an. Ganz automatisch wollte er den Kristallraum am Kopf des Gangs am Fuß der Treppe direkt durchqueren, doch der Telvanni hielt ihn zurück und wies mit der rechten Hand auf die eine Längsseite, die durch Bögen von dem restlichen Raum abgegrenzt waren und die er schon zuvor als deutlich jünger als den Rest dieser Wurzelhalle eingeschätzt hatte. Die merkwürdige Kristall- und Wurzelformation mit den drei Säulen und den Schalen fesselte sofort wieder seine Aufmerksamkeit als sein Blick darauf fiel. Die vielen Animunculi die den Ort umstanden, machten ihn etwas nervös, doch als sie auseinander rollten, als sich ihr Meister näherte, wagte auch der Hlaalu näher zu treten. Die Kraft, die von der Formation ausströmte, war atemberaubend. In seinem Rücken fühlte er immer noch das anregende, warme, geradezu sanfte Pulsieren der Energien der großen Kristalle von denen, so vermutete er inzwischen, der Turm seine Lebenskraft bezog, ebenso wie von den unglückseligen Gefangenen tief unter sich. Diese Energie jedoch war nichts im Vergleich zu dem, was ihm von vorne entgegenschlug. War dies hinter ihm die erregende Wärme eines milden Sommers, glich die andere Kraft der sengenden Wüstensonne.

Er brauchte einen Moment um sich daran zu gewöhnen, dann jedoch zog sie ihn noch mehr in seinen Bann. Diese Nähe konzentrierter Macht war geradezu berauschend. Ein kleines Podest aus steinernen Stufen am Fuße der Kristallformation erlaubte es an die drei die Schalen tragenden Säulen heranzutreten, sodass man die Gefäße in bequemer Höhe vor sich hätte. Erst jetzt, wo er direkt davor stand, erkannte das die wahre Kraft nicht von den Kristallen ausging, sondern von den Schalen selbst, die noch immer ein Leuchten einer schmierenden Emulsion aus geisterhaft-blassem grünem, weißem und blauem Licht abstrahlten. Er kannte die Farben von irgendwoher und bei diesem Fetzen einer Erinnerung lief ihm auch ein eiskalter Schauer den Rücken herunter. „War da ein Lachen gewesen?“: fragte sich Tarrior, als er in seinen Geist horchte. Er schüttelte den Kopf. Sein Blick fokussierte sich wieder auf das Leuchten und langsam trat er die Stufen hinauf. Behram hielt ihn mit der Hand zurück. „Tarrior du wirst erkennen, dass du bereits mehr zu meinem Plan beigetragen hast, als dir im Moment bewusst ist“: sagte der Telvanni und gab seine Schulter frei. Der Hlaalu schluckte. Behram ließ seine Hand durch die Luft gleiten und ein Wust aus dornenbewehrten Ranken, der den Weg fest versperrt gehalten hatte, schob sich geradezu einladend zur Seite, sodass der Dunmer auch die weiteren Stufen erklimmen konnte und nicht schlecht staunte, was er erblickte, als er in die Schale vor ihm blickte. Dort lag tatsächlich Geistkerker in einer unnatürlich klaren Flüssigkeit, wie zu Wasser gewordenem Kristallglas.

„Geistkerker!“: keuchte er inner- und äußerlich. Diesem besonderen Seelenstein wohnte die mächtige und böse Seele eines Großlichs inne. Tarrior wusste das nur zu gut. Er, sein Sohn Tirian und ein Kaiserlicher namens Joran waren damals in Cyrodiil dabei, als diese Kreatur ausbrach und er war es, der den Zauber gewoben hatte, um den Lich in diesen besonders gearbeiteten Seelenstein zu sperren. „Die Früchte deiner Arbeit in Cyrodiil“: bestätigte Behram. Der Hlaalu ließ seine Augen zu den anderen Schalen wandern. Erstaunlicherweise lagen dort ähnliche Seelnsteine. Er runzelte verwirrt die Stirn. Der Hexer schien seine unausgesprochene Frage zu erahnen: „Ihr solltet mir nicht umsonst alle Artefakte schicken, die ihr damals in der Ayleid-Ruine den Nekromanten abnehmen konntet. Der Seelenstein, den ihr mir gebracht habt, war eine gute Starthilfe, aber viel wichtiger noch waren die Texte. Sie waren sehr aufschlussreich.“ „Ihr habt doch nicht etwa noch mehr von diesen Kreaturen erschaffen?!“: wollte er wissen. „Unter streng kontrollierten Bedingungen. Es ist erstaunlich welche Macht nicht alleine Seelen sondern auch schon die Gebeine und Körper der Verstorbenen freisetzen. Aber das mag dich sicher kaum überraschen. Schließlich benutze der Tempel selbiges jahrhundertelang um dein Haus auf dem Roten Berg einzusperren. Umso leichter gestaltete sich auch die Anwendung der Anleitung der Ayleiden. Das Vorwissen des Tribunal-Tempels über die Nutzbarmachung der Energie von Gebeinen hat mir nämlich einen direkten Zugang ermöglicht. Schließlich war es ein leichtes aus den ganzen Energien eine besonders mächtige Seele zu formen und sie dann in einen weiteren Seelenstein zu bannen“: erklärte der Telvanni.

Tarrior gefiel gar nicht, dass sich der Hexer nun auch in dieser Form der Nekromantie befleißigte. Offenbar war er mit dem Risiko allerdings vertrauter und vorsichtiger als die Ayleiden, die alle Warnungen seinerzeit in den Wind geschlagen hatten und von ihrer Schöpfung vernichtet wurden. Er spürte die enorme Macht. Die Seelensteine waren Quellen magischer Energie. Er konnte sich aber kaum vorstellen, wofür Behram die ganze Energie in seinem Turm brauchen sollte, schließlich wurde der schon durch die Kristalle und die außerweltlichen Gefangenen genährt. „Inwiefern soll es euch gegen die Daedra helfen, wenn ihr noch mehr Kraft in euren Turm leitet“: stellte er eine entsprechende Frage. „Das würde es tatsächlich nicht, aber es hilft gegen die Daedra, wenn ich die Energie in die Stadt leite“: antwortete er. Tarrior zog die Augenbrauen hoch und Behram lächelte, bevor er weitersprach: „Dieses Kristallpodest ist eine Steuereinheit für das Pilzwachstum in der Stadt – zumindest für alle Pilze und Wurzeln, die daran angeschlossen sind. Dies betrifft hier in Mora Uvirith vor allem unsere Stadtmauer und andere Gebäude, die meinen Zwecken dienen. Die Mauer selbst ist noch einmal mit großen Kristallen durchsetzt. Die Macht mit denen diese Seelensteine hier ausgestattet sind, ermöglicht eine Aktivierung dieser Kristalle. Sie verstärken die Energie noch einmal und können einen andauernden magischen Impuls abstrahlen, der sich zu einer Schildkuppel über die Stadt hinweg wölben kann. Die Mauer selbst besteht nicht nur aus Felsen sondern auch als Wurzeln. Mithilfe dieser Steuerung können die Wurzeln angesteuert werden, die Mauern verändert werden. Im Süden habe ich einen Landeplatz für das Luftschiff errichten lassen. Dort kann ich die Wurzeln sogar dazu benutzen, um den Landeplatz zu überwölben und somit eine Halle zu bilden.“ Tarriors Augen weiteten sich. Es war unglaublich was sich der Telvanni hier im Stillen aufgebaut hatte in den Jahren seit er hier das Sagen hatte. Tarrior kannte Mora Uvirith noch als kleines verschlafenes Städtchen mit Turm am Rande des Aschlands. Ein Außenposten des Fürstenhauses Telvanni, den seine Hausgenossen sehr bald zu überfallen und auszulöschen gedachten. Etwas das dann nicht mehr passierte, weil der Nerevarine ihnen in die Quere kam. Danach hatte Tarrior sich sehr zurückgezogen und die ganze Entwicklung hier, war offenbar an ihm vorrüber gegangen. Behram hatte die Stadt mit den Jahren tatsächlich zu einer Festung ausgebaut.

„Dank der Dokumente und einem regelmäßigen Nachschub an Gebeinen vom Festland und wildlebenden Daedra aus dem Aschland können wir quasi unbegrenzt weitere Seelensteine herstellen und den Schutz noch ausweiten, auch auf andere Orte. Du siehst, Tarrior, wenn Mehrunes Dagon mich hinter gehen will, dann bin ich darauf vorbereitet. Meine Maschinen und meine magischen Abwehranlagen können von diesen Dämonen nicht überwunden werden. Ich fürchte die Daedra nicht“: versuchte er ihn zu überzeugen, fügte dann noch hinzu: „Die Sache ist für uns völlig unschädlich. Diese Stadt, deine Plantage, ein Dagoth-Balmora unter deiner Herrschaft – mit Hilfe der Seelensteine und den magischen Pilzen der Telvanni mögen die Daedra diese Welt verwüsten, doch wir werden ein Paradies für unsere Häuser erschaffen!“ Tarrior schwieg. „Es ist der Größenwahn, der ihn geküsst hat“: befand er. Behram missdeutete sein Schweigen offenbar: „Du glaubst mir immer noch nicht? Du spürst doch auch die Energie. Natürlich lässt sich hiermit nicht nur die Stadt selbst unter einen Schirm legen sondern auch der Turm und die Steuereinheit selbst.“ Er demonstrierte es, in dem er ihn etwas zurücktreten ließ, sich konzentrierte und dabei seine Hand auf den Kristall legte. Umgehend baute sich ein Schild um ihn herum auf, der das Podest vollständig einhüllte. Tarrior konnte seine Hände auf den Schild legen. Da drang tatsächlich so leicht nichts durch. Und es war gut, dass er das nun wusste. Wenn er den Turm und sogar die Stadt damit schützen konnte, dann mussten die Steine weg, wenn man ihn angreifen wollte. Wenn er hier herauskam, musste er das bedenken. Behram durfte keinesfalls über so eine Macht gebieten.

Ein herrischer Wink und der Schirm brach zusammen. Behram kam in ausgreifenden Schritten die Stufen zu ihm hinunter. „Es wird Zeit für den Schwur, Tarrior. Wirst du mir helfen, sodass wir unsere Häuser gemeinsam aus der Asche und den Fluten heben können? Oder willst du das Schicksal des Kaiserreichs teilen und untergehen?“: forderte ihn der Hexer nun zu einem Bekenntnis auf. Man hörte inzwischen, dass er ungeduldig wurde. Tarrior kratzte sich am Kinn. Etwas das ihm schon zuvor merkwürdig vorgekommen war, drängte sich jetzt wieder in sein Bewusstsein. Wenn der Telvanni sich so gut vorbereitet hatte, wie er sagte, war es verwunderlich, dass er ihn überhaupt brauchte und sich jetzt so um ihn bemühte. Im Zentrum von Meradanz‘ Vision standen eindeutig seine Dwemer. Wie sollte Haus Dagoth darin überhaupt Platz finden? „Irgendetwas steckt dahinter“: überlegte Tarrior und stellte nun eine direkte Frage dazu: „Wenn ihr so gut aufgestellt seid, mit euren Plänen, Animunculi und nun auch euren Schutzschilden, wozu braucht ihr mich dann eigentlich noch?“ Behram verdrehte die Augen und seufzte. Sein Gesicht zeigte zwar weiter ein leichtes Lächeln, doch das Zucken seiner Mundwinkel sprach Bände.

Andromeda
30.11.2014, 01:02
[Tirian]
Dreveni reagierte mit größerer Geistesgegenwart als er selbst und sprang hinter das Zelt, um sich auf alles, was da kommen möge, vorzubereiten. Tirian verspürte den Reflex ihr dabei zu folgen und sich selbst ebenfalls auf das schlimmste einzurichten, doch sein Verstand beruhigte ihn. Auf dieses Boot mussten sie gewartet haben. Ein Boot ohne Licht tauchte schließlich nicht einfach so mitten in der Nacht in der Zafirbel-Bucht auf. Sie mussten auf das Feuer reagiert haben, dass hinter seinem Rücken loderte. Der Heiler glättete seine Gewänder so weit es ging, sie waren durch den "Traum", den er hatte, etwas in Ordnung geraten und trat dann ans Wasser heran. Mit kräftigen Ruderschlägen schob sich das Boot immer mehr in den Feuerschein und auf den Strand zu. Er ruderte mit beiden Armen, um die Neuankömmlinge heranzuwinken.

Tirian kniff die Augen zusammen und konnte dann in der Dunkelheit vier Personen in dem Boot ausmachen. Offenbar lag vor der Küste irgendwo ein größeres Schiff, von dem aus die Leute ins Wasser gegangen waren. Zwei Dunmer, die hochgekrempelte Hemden trugen ruderten. Im Bug saß ein Schwergerüsteter und hielt eine Lanze mit breitem Stichblatt in der Hand. Sein Kopf und auch die Lanzenspitze waren jedoch nicht auf den Strand oder ihn gerichtet, sondern bereit ins Wasser zu stechen, sollte sich dort eine Kreatur zeigen, um die Nussschale anzugreifen. Noch hinter den Ruderern im Heck, auf einer schmalen Sitzback offensichtlich, entdeckte er die vierte Person an Bord. Sie lag noch halb im Dunkel und wurde von den Männern vor ihr auch verdeckt, doch Tirian meinte ein Kleid und weibliche Rundungen erkennen zu können. Das überraschte ihn. Eine Frau erwartete er nicht.

[Dreveni]
Dreveni hatte den Bogen gespannt und einen Pfeil auf der Sehne, als Tirian plötzlich aus der Deckung sprang und anfing, wie ein Geisteskranker zu winken.
"Tirian, seid ihr endgültig übergeschnappt?", zischte ihm Dreveni zu. Da kam ein Boot mitten in der Nacht, dessen Besatzung man im Dunkeln nicht wirklich erkennen konnte, und der Heiler spielte lebende Zielscheibe. Bewegte, lebende Zielscheibe.

[Tirian]
Der Heiler wartete noch bis das Boot sich unter einem letzten kräftigen Ruderschlag in den Sand des Strandes gesetzt hatte und ging dann hinunter zum Wasser. Der Wächter mit der Lanze stieg aus und baute sich vor ihm auf. Zunächst wehrte er ihn ab, dann half er der Frau, die von hinten nach vorne in den Bug geklettert war, elegant aufs Trockene, sodass die ganz offensichtlich teuren Schuhe und das blaue Samtkleid, die sie trug, nicht nass wurden. "Ich hatte jemand anderen erwartet": richtete Tirian direkt das Wort an die Eingetroffene. Offenbar war sie hier diejenige, die hier etwa zu sagen hatte. Sie schaute ihn durchdringend an und lächelte dann etwas nachsichtig. "Ich bin Raylasa Rethan. Ich bin seine Frau”: stellte sie sich vor. Tirian erinnerte sich.

Damals als er mit den Jungs auf dem Weg zu Tarriors Plantage war, war er durch Balmora gekommen und hatte von den Verdiensten um die Shulk-Eiermine gehört. Er hatte es direkt seltsam gefunden, dass dieser Rethan ihm entkommen war. Noch seltsamer fand er damals allerdings die Überlegung, dass er ihn womöglich entkommen lassen hatte. Mehrfach hatte sein Vater bekannt, dass er der Familie alles Schlechte wünschte, weil sie ihm damals seinen Besitz auf dem Odai-Plateau gestohlen hatten. Als er selbst aber, nachdem er festgestellt hatte, dass Tarrior dem Hexer Behram Meradanz in die Hände gefallen sein musste, nach einer Möglichkeit suchte, wie er ihn befreien konnte, kam ihm der ganz Vorfall wieder ins Gedächtnis. Eventuell hatte sich sein Vater von der Aktion eine spätere Gefälligkeit versprochen. Da Tirian sonst niemanden wusste, den er hätte um Hilfe bitten können, führte ich sein erster Weg von Khuul im Norden von Vvardenfell wieder zurück nach Vivec, wo die Rethans einen weiteren Wohnsitz unterhielten. Inzwischen war Fürst Rethan untergetaucht, nachdem man ihn in Abwesenheit vom Fürstenhaus suspendiert, seine Titel aberkannt und ihn zur Fahndung ausgeschrieben hatte. Ein strafrechtliches Urteil sollte nicht in seiner Abwesenheit gefällt werden, da als vermutliches Urteil wo nur der Strang blieb. Da sollte sich ein ehemaliger Ratsherr wenigstens noch selbst verteidigen können. Man ging davon aus, dass seine Frau ihn versteckte, aber das konnte nicht nachgewiesen werden. Auch das Odai-Plateau wollte man der Familie ingesamt nicht aberkennen. Ein Zeichen über welchen Einfluss zumindest seine Frau, die ohnehin als Familienoberhaupt galt, im Haus hatte, zumindest hatte ihm das Gilluk zugetragen, als er noch auf Plantage weilte.

Der Besuch in Vivec führte ihn zu einer Villa auf der Hlaalu-Wohninsel, wo ihn ein Türwächter mit dem Hinweis abweisen wollte, dass der Hausherr sich schon längst nicht mehr auf Vvardenfell aufhalte und er sich lieber verziehen sollte, bevor er ihm den Schädel einschlagen würde. „Ich komme um die Schuld an Hlaalu Tarrior Gildres einzufordern“: hatte der Heiler damals gesagt und war innerlich zusammengezuckt, da er schon den angekündigten Schlag erwartete. Der Türwächter beriet sich mit seinem Kollegen und verschwand dann nach drinnen. Der Hinweis schien gefruchtet zu haben, sodass er hereingebeten wurde. Der angeblich flüchtige Ratsherr lümmelte in der Villa auf einer Liege. „Ihr kommt von Tarrior?“: war seine erste Frage. Tirian nahm damals allen Mut zusammen, bevor er antwortete: „Er hat euch damals auf dem Odai-Plateau entkommen lassen und nun erwartet er eine Gegenleistung.“ Das Gesicht des suspendierten Ratsherren blieb ausdrucklos. „So tut er das? Und was sollte mich dazu veranlassen diese ‚Schuld‘ zu begleichen?“: fragte er und ließ keinen Zweifel daran, dass er sie als nicht gegeben ansah. „Der Anstand und die Ehre“: sagte Tirian und eignete sich den gleichen unaufgeregten Ton seines Gesprächspartners an. Im nächsten Augenblick hätte er sich am liebsten gegen die Stirn geschlagen, wegen dieses naiven Arguments. Um die Unsicherheit zu überspielen, wartete er gar nicht ab, sondern stellte einfach seine Forderung in den Raum. Tarrior hatte ihm einmal erzählt, dass man auf diese Art und Weise Verhandlungen führte. Man forderte, man bat nicht. Auch wenn er diese Einstellung nicht teilte, musste er zugeben, dass es in diesem Moment Wirkung zeigte: „Ich brauche Zugang nach Mora Uvirith und ich bin mir sicher, dass ihr und eure Familie mir helfen können.“ Anstatt weiter zu diskutieren erhob sich der Ratsherr mit einem gedehnten und genervtem Seufzen und verschwand in einen Korridor. Zwar fühlte sich Tirian vor den Kopf gestoßen, aber er widerstand der Versuchung sich hinzusetzen oder sich auch nur irgendetwas anmerken zu lassen. Nach etlichen Minuten kam Rethan wieder. „Mora Uvirith gehört Behram Meradanz. Tarrior spielt ein gefährliches Spiel, wenn er sich mit ihm anlegt, daher frage ich besser nicht, was er dort vor hat. Dieser Hexer hat seit Monaten seine Finger überall drin – Handel, Politik, Militär. Das fällt schon auf, wenn man sich unter der Oberfläche bewegt. Aber soll mir egal sein. Wenn Tarrior draufgeht, ist das seine Sache. Und ich will weder ihn noch einen Diener wie euch hier jemals wieder sehen. Die Schuld ist hiermit beglichen“: machte er sein Zugeständnis und teilte ihm den Treffpunkt mit und was er dort zu tun hatte. Danach wurde er freundlich aber bestimmt hinaus geworfen und Tirian suchte nach einer Möglichkeit, sich nach Tel Vos einzuschiffen.

Nun stand er vor Raylasa Rethan, der Frau des in Ungnade gefallenen Ratsherren, die ebenfalls eine Ratsherrin war, die Familie Rethan beherrschte und damit noch mächtiger als ihr Mann war. Ihm kam die Episode in Vivec zu Bewusstsein. Offenbar hatte ihr Mann mit ihr gesprochen, als er aufgestanden war. Tirian setzte wie die geschäftige Miene auf, die er auch bei dem Treffen damals gehabt hatte. Der Wächter der noch immer mit der Lanze neben seiner Herrin stand, sah sich aufmerksam um und flüsterte der Hlaalu dann etwas ins Ohr. Sie zog die Augenbrauen zusammen. Der Heiler wusste, was los war. Er rief Dreveni zu, dass sie herauskommen sollte.

[Dreveni]
Tirian ließ sich durch ihrer Warnung nicht aufhalten, nein, er ging nun auch noch direkt auf die Frau zu, der von dem Wächter aus dem Boot geholfen wurde. Dreveni traute dem Frieden nicht, auch dann noch nicht, als der Heiler das Wort an die Ankömmlinge richtete, und so hielt sie sich nach wie vor im Hintergrund, den Bogen mehr oder weniger Schußbereit in der Hand.
Schließlich mußte sie aber doch bemerkt worden ein, denn der Wächter flüsterte der Frau etwas ins Ohr, und Tirian rief ihr schließlich zu, dass sie aus ihrem Versteck kommen sollte.
Mit einem seufzen lehnte sie den Bogen an die Wand der Hütte, den Pfeil daneben, straffte ihre Haltung - immerhin war sie nun auch wieder ordentlich gekleidet und lief nicht mehr in Lumpen herum - und trat auf die kleine Gruppe zu. An ihrem Gürtel trug sie den daedrischen Dolch, somit war sie, obwohl ihr Schwert bei dem Bogen lag, alles andere als unbewaffnet. Auch an ihrem Gesicht konnte man ablesen, dass ihr die ganze Situation noch nicht so ganz geheuer war.

[Tirian]
"Ah ihr habt euch eine Kriegerin zugelegt, wie ich sehe. Da tatet ihr gut dran. Ich denke ihr könnt sie gebrauchen, wenn ihr euch mit dem Magierfürsten anlegen wollt. Aber ich denke das wollt ihr, ansonsten wären wir ja nicht hier": sagte sie.
"Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass ihr das Ganze unterstützen würdet und wirklich kommt": sagte Tirian dann.
Die Dunmer lachte: "Ihr seid also auf gut Glück hierher gekommen?" Sie machte eine kurze Pause. "Wenn Tarrior sich mit dem Haus Telvanni anlegen will, ist das seine Sache. Ich werde ihn nicht zurückhalten": meinte sie.
"Ich meinte eher, dass euer Gatte nicht gerade bereit schien uns zu helfen": führte Tirian dies aus.
Die Ratsherrin setzte ein ernstes Gesicht auf. "Gebt euch keinen falschen Vorstellungen hin. Am liebsten würde ich Tarrior dafür tot sehen, dass er uns die Sache mit der Mine ruiniert hat. Verständlicherweise ist mein Mann wütend. Ihn hat die ganze Angelegenheit seine Reputation gekostet. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäret ihr als Leiche in einem der Kanäle von Vivec geendet... als Botschaft an Gildres. Haus Rethan aber bezahlt seine Schulden immer! Wir sind schließlich nicht irgendwer, dass muss auch mein Mann einsehen": mit den letzten Worten ließ sie sich von ihrem Wächter ein gesiegeltes Stück Papier reichen und hielt es Tirian dann schließlich hin. "Hiermit sind wir quitt. Magierfürst Meradanz hat den Handel auf dem Gebiet seiner Stadt eingeschränkt, was es möglich machte sehr lukrative Handelskonzessionen auszuhandeln. Wir wurden mit einer solchen bedacht. Dieses Stück Papier weist euch und eure als Händler in unserem Auftrag aus. Damit kommt ihr in die Stadt. Nicht mehr und nicht weniger": erklärte sie. Der Heiler griff danach und wollte es zu sich ziehen, doch sie hielt es fest. Er hob seinen Blick und wurde von ihren rotglühenden Augen fixiert. "Solltet ihr erwischt werden, werden wir behaupten der Schein wäre einem unserer Händler gestohlen worden. Rechnet also nicht mit unserer Hilfe, um dort wieder rauszukommen. Tarrior weis hoffentlich mit wem er sich anlegt": warnte sie ihn. Tirian nickt und erst dann gab Rethan das Schreiben frei. Tirian wollte sich bereits abwenden, doch sie hielt ihn kurz zurück. "Ihr seid ein netter Junge. Was auch immer Tarrior euch bezahlt, solltet ihr euch im Klaren darüber sein, dass es das sicher nicht wert ist. Dieser Telvanni hat seine Finger in Geschäften von denen selbst wir die Finger lassen würden. Also passt auf euch auf": warnte sie ihn noch einmal. Die zuvor eher harte Stimme wurde dabei etwas weicher. Dann wandte sie sich herrisch wieder an ihre Männer: "Zurück zum Schiff. Ich will noch vor dem Morgengrauen aus der Bucht und der Sichtweite der Magierstädte raus sein." Sie wandten sich ab und bestiegen wieder das kleine Ruderboot. Tirian drehte sich zu Dreveni um, schaute ihr in die Augen und wandte sich dann ab. "Was konnte mehr Wert sein als das Leben des eigenen Vaters": fragte er sich selbst.

[Dreveni]
Dreveni hatte dem Gespräch zwischen Tirian und der Frau schweigend zugehört. Viel hatte sie nicht verstanden, nur ihr Gesicht hatte sich zusehends verdüstert. Wenn ihr doch etwas klar geworden war, dann das: Die ganze Sache schien weit mehr Tragweite zu haben, als sie Anfangs gedacht hatte. Das, zusammen mit dem seltsamen Verhalten welches der Heiler seit der Festung immer wieder an den Tag legte, löste ihre Freude über die Papiere, die sie in die Stadt bringen würden, geradewegs in Luft auf. Dazu trug auch bei, dass Tirian ihr nur kurz in die Augen sah, und dann seinen Blick abwandte. Schuldbewußt?
"Tirian.", setzte sie an, wartete aber nicht auf eine Erwiederung, sondern sprach einfach weiter. "Wenn da noch etwas ist, was ich wissen sollte, wäre wohl jetzt der geeignete Zeitpunkt. Wir können uns keine weiteren Überaschungen leisten. Und auch nicht, unvorbereitet zu sein."

[Tirian]
"Wenn da noch etwas ist, was ich wissen sollte, wäre wohl jetzt der geeignete Zeitpunkt. Wir können uns keine weiteren Überaschungen leisten. Und auch nicht, unvorbereitet zu sein": sprach Dreveni ihn von der Seite an. Tirian drehte sich verwirrt zu ihr um und überlegte einen Moment. "Ihr wisst doch, worum es gehen soll. Wir legen uns mit einem Hexenmeister an, in dem wir uns in seine Stadt und seinen Turm schleichen, um einen Freund zu befreien": wiederholte der Heiler das, was er ihr aber bereits in Vos erzählt hatte. Vielmehr konnte er dem auch nicht hinzufügen. Er hatte schon die Warnung vorhin unnötig gefunden. Das sie sich nicht mit einem trunkenen Goblin anlegten, war ihm schon klar, ebenso wie die Tatsache, dass jemand, der vor Erpressung und Mord nicht zurückschreckte, sicher auch noch anderen zwielichtigen Geschäften nachging.

[Dreveni]
Dreveni bedachte Tirian noch mit einem langen, nachdenklichen Blick. Irgendetwas verschwieg ihr der Heiler, das glaubte sie zu wissen. Und normalerweise konnte sie sich auf ihre Instinkte bei solchen Sachen voll verlassen, und diese hatten ihr mehr als einmal das Leben gerettet. Nun ja, sie würde es schon noch herausfinden, so oder so.
Sie einigten sich darauf, den Rest der Nacht zu nutzen um sich auszuruhen, und übernahmen abwechselnd die Nachtwache.

Am nächsten Morgen aßen sie etwas der Vorräte, die ihnen von der Karawane als Ausgleich für ihre Hilfe überlassen worden waren, räumten ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Weg nach Mora Uvirith. Sie sprachen nur das nötigste, die Atmosphäre wurde immer noch von Tirians seltsamen Verhalten am gestrigen Abend sowie dem Treffen geprägt. Dreveni glaubte dem Heiler nicht, dass sonst nichts mehr dahinter war, als nur einen Freund zu befreien. Er steckte tiefer in der Sache, als er zugeben wollte. Wobei Dreveni nicht einmal wußte, um was genau es bei dieser "Sache" überhaupt ging.
Gleichzeitig fragte sie sich, wie weit ihre eigene Loyalität Tirian gegenüber ging. Was würde sie tun, wenn sie in Schwierigkeiten gerieten, wegen etwas, das er ihr verschwiegen hatte? Sie kannte die Antwort, denn es konnte darauf nur eine geben. Und doch war sie sich nicht so sicher, wie sie es normalerweise hätte sein müssen. Und das lag sicher nicht nur an Tirians glutroten Augen, die sie immer wieder an Feryn erinnerten.
Während sie durch die karge Landschaft gingen, versuchte sie sich das Gespräch in der Festung in Erinnerung zu rufen. Ihre Beziehung zu dem Heiler war rein geschäftlich, sonst nichts. Und das bedeutete, dass im Zweifelsfalle ihr eigenes Leben absolute Priorität hatte, immerhin war sie keine Leibwächterin.

Als sie schließlich eine weitere Biegung um graue Felsen nahmen, tauchten in der Entfernung Umrisse auf, die in scharfem Kontrast zum Rest der Umgebung standen, wirkten sie doch organisch und seltsam lebendig in der toten, schroffen Landschaft. Fast sah es aus wie Wurzeln, und sie meinte darin auch künstliche Gebilde wie Tore zu sehen.
Dreveni blieb stehen und wandte sich an Tirian: "Ist es das?"

KingPaddy
06.12.2014, 14:39
„Ich habe doch schon gesagt, dass ich beeindruckt war von…“: wollte er das wiederholen, was Tarrior ohnehin schon wusste. „Das erklärt überhaupt nichts, es sei denn eure Technik ist doch nicht so genial, wie ihr immer behauptet und ihr braucht doch ein paar fähige Dunmer, wie mich“: stichelte Tarrior. Behram zog die Augenbrauen zusammen. Es schien als hätten sich Gewitterwolken über den Augen gebildet. „Wäret ihr nicht so nützlich, dann würdet ihr dort unten in den Kerkern verfaulen! Niemand braucht eure Kampfkraft oder hinterhältige Verschlagenheit, Dagoth. Ohnehin sind eure besonderen Fähigkeiten nur erstohlen!“: fuhr Behram ihn an. Tarrior trat instinktiv einen Schritt zurück und entging damit einem rüden Schubser. „Besondere Fähigkeiten? Erstohlen?“: überlegte der Hlaalu. Als er es in Verbindung mit „Dagoth“ setze, begriff er langsam. Er lächelte, denn endlich hatte er verstanden. „Euch fehlt etwas wichtiges, nicht wahr? Dafür braucht ihr mich“: fragte er. Behram sah ihn missbilligend an. „Was sollte mir schon fehlen?! Ihr überschätzt eure Rolle. Es war ein gut gemeintes Angebot von meiner Seite aus, ein Gefallen…“: doch weiter kam er nicht, denn Gildres fiel ihm ins Wort: „Ihr braucht einen Dagoth, ihr braucht jemanden der sich mit den Träumen und Visionen auskennt. Ist es nicht so?“ Behram wurde totenstill. Seine Lippen verengten sich zu einem Strich. „Die Dwemer besaßen eine Art übergeistige Kräfte der Legende nach. Ich habe davon von meinen Meistern am Roten Berg erfahren, die sich mit den Nebenwirkungen des Herzens von Lorkhan befassten. Dir fehlt das Wissen darum, ist es nicht so?“ Tarrior sah mit einer gewissen Befriedigung wie Behram pikiert zur Seite schaute und seine Augen hin- und her zuckten. In seinem Kopf arbeitete es ganz offensichtlich gerade heftig. Doch der Moment hielt nicht lange an. Als er sich wieder zum hindrehte, war ein neuer, harter Ausdruck in seine roten Augen getreten.

„Sehr scharfsinnig, kleiner Dagoth. Ich hatte seinerzeit gehofft in euren Basen das nötige Wissen darum zu finden, wie Dagoth Ur es geschafft hatte noch über riesige Entfernungen mit euch Träumern zu kommunizieren und wie ihr das anwenden konntet. Visionen, Träume, Dinge allein mit der Kraft des Geistes beeinflussen und auch aus dem Körper heraustreten. Nicht nur das einige Dwemer seinerzeit diese Fähigkeiten ganz offenbar beherrschten, sondern sie wären mehr als nur geeignet für eine neues Herrenvolk dieser Welt. Diese Fähigkeit würde es auch erlauben es den Daedra gleich zu tun: der Animus unsterblich, der Körper unwichtig. Es wäre vielleicht auch eine Möglichkeit mit den Geistern der Verstorbenen in Kontakt zu treten. Ihr werdet sicherlich verstehen, dass ich diese Fähigkeit unbedingt haben muss. Doch leider fand ich in den Überresten eurer Lager nichts. Keine Aufzeichnungen, keine Überleben, gar nichts. Die Aschevampire waren zu Staub zerfallen oder erschlagen und alle Träumer, die ich fand, waren wahnsinnig geworden oder konnten sich an nichts erinnern. Was glaubst du wie überrascht ich war, als ich eine kleine unscheinbare Höhle entdeckte, als ich mich wieder in das verheerte Gebiet um den Roten Berg wagte und dort tatsächlich Aufzeichnungen und Reliquien des Hauses fand? Eure Aufzeichnungen. Ein sehr gutes Versteck. Kaum jemand hätte so ein großes Interesse gehabt, dass er sich in diese enge Kluft gewagt hätte. Doch ich fand das Versteck und mir war klar, dass ich euch finden musste und das ich euch benutzen konnte, um unauffällig die Sache in Cyrodiil für mich zu regeln“: erzählte Behram.

„Ihr selbst interessiert mich nicht. Nichts weiter als eure Fähigkeiten möchte ich mir aneignen“: setzte der Hexer noch hinzu. „Und ich gebe euch, was ihr wollt und bin dann nutzlos für euch? Das habt ihr euch schlau ausgedacht. Von wegen Erben der Häuser. Ihr wolltet, dass ich mich euch anschließe, mein Wissen mit euch teile und ihr hättet mich fallen lassen, sobald ich meine Schuldigkeit getan hätte“: warf Tarrior ihm vor. Meradanz zuckte mit den Schultern. „Ich meinte es durchaus ernst. Wir sind die Erben unserer Häuser. Ihre einzige Zukunft“: meinte der Telvanni. „Eine Zukunft unter euch und der Knechtschaft der Daedra!“: warf der Hlaalu ein. „Die einzige, die ihr habt. Oder die Vernichtung“: drohte Behram und zog einen spitzen Dolch hervor, den er Tarrior an die Kehle hielt. „Das letzte Mal war es Gift. Diesmal wäre es allein der nackte Stahl, der dein Fleisch aufreißen und dich ausbluten lassen wird wie ein Schaf“: machte er ihm die Alternative klar. „Ihr könnt mich nicht töten. Ihr braucht mich, sonst bleiben eure ‚Dwemer‘ unvollständig“: wies ihn Tarrior auf ein Problem hin. Das hätte er besser nicht getan, denn im nächsten Moment packte ihn der Hexer an der Schulter und er spürte wieder das unmenschliche Brennen an seinen Handgelenken. Tarrior Gesicht verzerrte sich zu einer gequälten zusammengezurrten Grimasse, bevor er anfing zu schreien. Erst in diesem Moment ließ der Hexer los. Tarrior fiel auf die Knie und musste sich einen Moment erholen.

„Ihr könnt entscheiden, ob ihr euer Wissen freiwillig mit mir teilen und euch einen Platz unter dem Schutz der Dwemer sichern wollt oder ob ihr es mir schwer machen wollt. Ihr habt Recht. Ich brauche euch noch. Aber euer Wissen werde ich bekommen, ob ihr mir helfen wollt oder nicht. Ihr seid nicht der Einzige, der sich mit Folter auskennt“: zeigte ihm Behram seine Möglichkeiten auf. „Also?“: war die abschließende Frage des Telvanni. Tarrior versuchte sich aufzurichten und schaute von unten in das Gesicht des Hexers. Es musste sein gekränkter Stolz gewesen sein, der ihm das nächste eingab, denn statt einer Antwort, spuckte er Meradanz ins Gesicht. „Versucht es. Ihr seid größenwahnsinnig, völlig verrückt. Dagon wird euch und all eure Pläne zerstören. Ihr werdet diese Welt zugrunde richten und dann hoffentlich selbst in ihren Ruinen verbrennen. Niemals werde ich euch helfen!“: war Tarriors begleitender Ausruf. Behrams Gesicht war unbewegt, als er sich den Speichel mit dem Ärmel seiner Robe wegwischte. „Es tut mir leid, dass ihr das so seht. Ich werde euch im Kerker verrotten lassen. Leider werdet ihr keinen Logen-Platz haben, wenn wir dies Land in den Hochofen werfen mit dessen Hilfe ich ein neues Dwemer-Reich schmieden werde. Doch ihr werdet noch einen Blick auf die neue Ordnung werfen können, bevor ich eure Geheimnisse und euer Leben aus euch herausfoltern lassen werde“: beurteilte der Telvanni diese Entscheidung kopfschüttelnd. Ein Fingerschnippen von ihm ließ dann zwei gepanzerte Wächter auf den Plan treten, die ihn sofort in ihre Mitte nahmen. „Bringt ihn weg!“: befahl Meradanz.

Wenig später fand sich Tarrior in seiner Zelle wieder. Er setzte sich im Schneidersitz ins Stroh und wartete eine Weile bis die Wächter ganz sicher weg waren. „Na habt ihr erfahren, wonach es euch gelüstet hat?“: hörte er die sonore Stimme des Dremoren von nebenan. „Ich habe genug erfahren um zu wissen, dass ich hier unbedingt heraus muss“: gab Tarrior nur eine knappe Antwort, bevor er zu seinem eigentlichen Interesse überging: „Die Beweise, von denen ihr gesprochen habt, was sind dies für welche? Und wo sind sie? Wenn ich hier herauskomme, müssen Herzog Dren und die Häuser davon erfahren und etwas unternehmen. Ich brauche sie, damit sie mir glauben. Ich fürchte die Ordinatoren werden nicht genug sein, um diesen Saustall hier aufzuräumen.“ Der Dremora lachte: „Ihr habt euch also selbst davon überzeugt. Es ist schade, dass eure Welt so oder so brennen wird, auch wenn ihr euch noch so anstrengt, aber ihr Sterblichen braucht eure Hoffnung.“ „Spart euch den Spott. Noch ist das letzte Kapitel dieser Geschichte nicht geschrieben. Noch gehört eurem Meister Nirn nicht. Doch jetzt sagt schon, was habt ihr, was mir weiterhelfen kann“: drängte der Dunmer den Daedroth. „Die Kinder des Drachens sind tot. Es ist bald vorbei, aber wie gesagt, klammert euch ruhig an eure Hoffnung. Mir ist es gleich. Mir ist nur wichtig, dass ihr an den Preis denkt, den ihr zu zahlen habt. Leistet den Schwur, dass ihr meinen Körper im Austausch für die Informationen, die ich euch geben kann, zerstören werdet!“: verlangte sein dämonischer Gesprächspartner. Zwar behagte es Tarrior nicht dieser Kreatur dadurch die Freiheit zu schenken, aber er konnte den Telvanni damit ein doppeltes Schnippchen schlagen. Einerseits nahm er ihm einen wichtigen Gefangenen, den er als magische Energiequelle missbrauchen konnte, andererseits konnte er sich so in den Besitz der notwendigen Beweise bringen, um dessen Machenschaften offen zu legen. „Ich schwöre auf mein hochgeschätztes Haus und alle Aedra und Daedra, die diesen Schwur bezeugen wollen, dass ich eure Seele freisetzen werden, wenn ihr mir im Gegenzug die Beweise gegen Behram Meradanz verschafft“: schwor Tarrior.

„Also gut, Mer. Ich verlasse mich auf euer Wort.“
„ Das, was ihr sucht ist ein Kontrakt. Wenn der Dunmer schlau gewesen ist, das gestehe ich ihm zu, wird er sich die Übereinkunft mit Fürst Dagon absichern lassen haben, was beide bindet. Ihr müsst also nach einem Vertrag suchen. Euer Gegner wird ihn gewiss bei sich hier im Turm verwahren. Er ist viel zu kostbar, um ihn einfach so herumliegen zu lassen“: offenbarte der Dremora. „War das die magische Übereinkunft gewesen, von der Behram gesprochen hatte?“: fragte sich Tarrior. Zumindest deckte es sich und das befand er als das Entscheidende. „Ein…. Kontrakt erscheint mir ein wenig profan zu sein. Woran soll ich ihn erkennen? Der Hexer hat sicher mehr als nur dieses eine Stück Papier hier im Turm?“: wollte der Dunmer wissen. „Ihr werdet es schon erkennen, wenn ihr es seht, denn es ist für einen Sterblichen schwerlich, es nicht zu erkennen. Ein solcher Vertrag ist eine Übereinkunft mit dem Reich des Vergessens. Aufgesetzt auf einem Stück Pergament gefertigt aus der Haut eines Skampen, wird der Kontrakt einerseits mit der Seele des betreffenden Skamps durchtränkt und mit dem feurigen Fingerzeig meines Meisters signiert, andererseits mit dessen Blut in den Zeichen und Sprache unserer Welt formuliert. So sollte ein unkundiger daedrischer Sprache auch Vorsicht walten lassen einen Pakt zu schließen, wer weiß, wem und wofür er seine Seele tatsächlich hergibt. Der Dunmer selbst wird dem Kontrakt dann mit eigenem Blut – und somit einem Teil seiner Seele – sein Signum gegeben haben“: erklärte der Daedroth das Aussehen und die Wirkweise des Kontrakts. Der Hlaalu verzog daraufhin das Gesicht und schwieg für einen Moment. „Ein mit Blut unterschriebener Vertrag? Es scheint, als bezöget ihr euer Wissen aus eher zweifelhaften Geschichten, die man vielleicht erzählt um sich zu unterhalten oder Kinder Angst zu machen, aber mit der Beschwörung soviel zu tun haben, wie Himmelsrand und Elsweyr“: zweifelte Tarrior. Ihm erschien ein Kontrakt unterschrieben mit Blut doch recht lächerlich.

„Auch eure beiden Provinzen haben gemeinsam, dass sie zu diesem Kontinent und eurem Kaiserreich gehören. Man sollte selbst noch so profan gewordenen Erzählungen nie den Kern verbliebener Wahrheit absprechen. Blut ist ein ganz besondrer Saft. Es pulst durch eure, wie auch durch unsere physischen Körper beherbergt zugleich aber die Kraft unseres Lebens. Immer wenn wir Blut geben, geben wir auch einen Teil unseres eigenen Lebens. Dem Blut hängen wir alle an, unser Wesen und unsere Seele finden wir dort gelöst, konzentriert. Ob wir es nun in Menge bei einem Ritual vergießen, damit beschwören, wir es mischen oder eben damit einen Kontrakt unterzeichnen, geben wir immer etwas von uns selbst her, dass wiederum in seiner Bedeutung weit über das hinausreicht, was damit greifbar getan ist. Zweifelt also nicht die bindende Macht dieses Kontraktes an, das würde dem nicht gerecht“: philosophierte der Dämon in einer Tonlage, die ihn fröstelnd machte.

„Wenn es also wirklich eine Übereinkunft von Geben und Nehmen ist, würde ich eurem Meister mit eurer Hilfe nicht schaden, in dem ich seinen Diener aus dem Spiel nehme?“: fragte Tarrior. „Das Ende eurer Welt, Fleischsack, ist bereits beschlossen und nur eine Frage des Wann. Euer Kaiserreich steht in Flammen. Ob nun dieser Magier, der meinte er könne sich die größten Kräfte zunutze machen, an einem weiteren Pfeiler rüttelt, ist völlig unerheblich. Seine Schuldigkeit wäre danach ohnehin getan gewesen. Er mag mich hier gefangen gesetzt haben, doch im Vergleich zur flammenden Macht von Fürst Dagon ist er nicht einmal ein Insekt. Was wäre der Meister auch für ein jämmerlicher Fürst des Vergessens, wenn er auf die Hilfe eines solchen Sterblichen angewiesen wäre?“: wischte der Dremora die Frage einfach beiseite. „Ihr wisst nun, was ihr wissen müsst und auch was euch als Preis dafür auferlegt ist. Danach zu handeln, liegt nun an euch“: bekräftigte der Dremora noch einmal und schwieg nun, denn auch Tarrior schwieg.

Er hatte jetzt wieder etwas in der Hand, zumindest in greifbarer Nähe, um sich ein für alle Mal des Telvanni zu entledigen, um seiner selbst willen und tatsächlich auch zum Wohle seines Volkes, des Reiches und vielleicht sogar der ganzen Welt. Nun musste er – und das mochte sich vielleicht noch als das größte Problem erweisen – hier irgendwie herauskommen. Für den Moment blieb ihm aber zunächst nichts anderes übrig, als zu warten, dass sich eine günstige Gelegenheit zur Flucht auftun würde.

Andromeda
10.02.2015, 18:16
[Tirian]
"Ist es das": vernahm er Drevenis Frage. Er kniff die Augen zusammen und musterte das Bild, das sich vor ihm auftat. So weit sein Blick reichte waren sämtliche Freiräume, die es zwischen den Felsklippen und schroffen Felsen gab gestopft worden mit etwas, dass ganz offensichtlich eine Mauer zu sein schien, auch wenn sie auf den zweiten, dritten und weiteren Blicke einen wirklich sonderbaren Eindruck machte. Die Verbindungsstücke der ganzen Konstruktion bildeten große, scheinbar natürliche Monolithen, um das sich das eigentliche Netzwerk der Mauer herumwickelte, denn die Abwehranlage war offensichtlich völlig organisch. Gewaltige holzige Wurzeln umschlangen die Felsen und verknoteten und verflochten sich und bildeten damit einen kunstvoll geflochtenen, lebendigen Wall. Wenn er von der Dicke der einzelnen Strünke ausging, die er erkennen konnte, mochte ein ausgewachsener Ork mit seiner Kriegsaxt wohl einen halben Tag brauchen, um auch nur eine der Wurzeln durchzuhacken, von dem ganzen Geflecht ganz zu schweigen. Zunächst glaubte der Heiler auch seinen Augen nicht ganz trauen zu können, wenn er leichte Zuckungen oder Verschiebungen wahrnahm, dann war er sich aber sicher, dass sich die Wurzeln sogar leicht bewegten. Ihm fielen in diesem Moment Geschichten aus seiner Matrosenzeit ein. Da sie mit dem Schiff vor allem die Handelsrouten entlang von Tamriels Südküste befuhren, kamen sie nicht sehr selten in Berührung mit Argoniern und den wilden Geschichte, die diese über ihre sumpfige Heimat Schwarzmarsch zu erzählen hatten. Die dortigen Sümpfe mochten alles mögliche ausbrüten, doch ihm standen in diesem Moment die Erzählungen von gefräßigen Riesenpflanzen vor Augen, die ihre Beute mit wildpeitschenden, kräftigen Ranken zu packen und dann in ihre zersetzenden Blütenkelche zu zerren wussten. Er schluckte. Oberhalb dieser organischen Wand wanden sich weitere Wurzeln und bildeten eine Art überdachten Wehrgang, wobei die Überdachung von großzügig gewachsenen Schirmpilzen gebildet wurde und große in halbwegs regelmäßigen Abständen hervortretende Geschwulste, die ebenfalls eine Art Pilz waren, sollten wohl eine Art Wachtürme imitieren. Aus diesem Gemisch aus Erd- und Grüntönen, in dem die Wurzeln und Pilze gehalten waren und dem Grau der vulkanischen Felsen stachen die großen lila-bläulich leuchtenden Kristalle auffallend heraus.

Auch sie waren wie die Türme in halbwegs regelmäßigen Abständen in die Mauer eingelassen. Wenn er sich konzentrierte, konnte er einen Hauch ihrer Aura spüren. Die Kristalle waren magisch und vermutlich aus Seelensteinen gezogen. Er hatte davon gehört. Angeblich bekamen die Telvanni damit ihre Pilze so groß, um sie zu bewohnen. Es schien aber auch so, als würden die Wurzeln sich um die Kristalle herum sogar etwas heftiger bewegen, als wären sie an Fäden aufgehängt. Patrouillierende Wachen auf dem Wehrgang in den typischen Knochenrüstungen und den typischen Kopffüßerhelmen der Telvanni verriet zusätzlich, in wessen Herrschaftsbereich sie sich aufhielten. Die Tatsache, dass es einige offenbar höhergestellte Wächter gab, die statt der Knochenrüstung Rüstzeug aus seltsamen bronzenen Metall trugen, gab ihm die letzte Gewissheit. "Die Wächter tragen Dwemer-Rüstungen. Wir sind hier richtig. Das muss Uvirith Mora sein. Die Stadt zu der wir wollten. Der Magierturm - Tel Uvirith - müsste sich in der Mitte der Siedlung auf einer Anhöhe befinden, wenn ich richtig informiert bin": gab Tirian Dreveni nun nach einer ganzen Weile endlich eine Antwort. Dann wandte er seinen Blick dem Tor zu.

Es war ein gewaltiges kreisrundes Portal, in das das Strudel-Wappen der Telvanni eingraviert war, welches selbst allerdings von einem riesigen Skarabäus dominiert wurde, war passgenau in die Mauer eingelassen. Zwei mächtige sich nach oben hin verjüngende Monolithen mit Inschriften in daedrischen Runen flankierten es. Kleinere Kristalle wuchsen zudem aus dem Fels hinaus. Ähnlich einem aufgerollten Teppich kauerten sich dicke Wurzelstrünke an die Steinsäulen. Tirian brachte das Bild mit dem der Mauer in Einklang. "Vermutlich können die Wurzeln im Falle eines Angriffs vor dem Tor verflochten werden": überlegte er. Für das übliche Gesindel würden sie die Sicherung allerdings nicht brauchen ein großes, bronzenes, metallenes Ungetüm, das unregelmäßige Dampf ausstieß und seine mit Stacheln bewehrte Faust bereit hielt, flankierte mit kleineren metallenen Geschöpfen, die zur Hälfte aus einer Kugel bestanden und sich rollend fortbewegten, das Tor und gemahnten jeden potenziellen Unruhestifter zur Ruhe. Tirian schluckte erneut. Die Sicherheit ging hier eindeutig vor und es war vermutlich davon auszugehen, dass die Straßen der Stadt und der Turm ebenso gut bewacht sein würden, wie das Tor hier. Zwei Dunmer die nur knöcherne Brustpanzer dafür geschwärztes Lederzeug trugen und zusammen mit einem Altmer in feinen Kleidern die Karren, Wagen und Packtiere der einströmenden eben wie diese selbst kontrollierten, waren wohl das Empfangskomitee. Offenbar wurde das großen Rundttor, das sich in die Mauer selbst hinein verschieben ließ, wie sie inzwischen schon mehrfach beobachten konnten, für jeden Besucher einzeln geöffnet und direkt wieder verschlossen.

"Offenbar möchte man keinen ungebetenen Besuch": meinte Tirian zu Dreveni. "Mit dem Passierschein sollten wir vorbeikommen. Es sieht aber so aus, als würden den Leuten noch einige Fragen gestellt werden, bevor man sie hinein lässt. Vielleicht sollten wir vorher abstimmen, was wir in der Stadt erledigen wollen": schlug Tirian vor.

[Dreveni]
Dreveni verschränkte die Arme und bedachte Tirian mit einem kritischen Blick. Wie Händler sahen sie nicht gerade aus, trotz des Packguars und dem ganzen Krempel, den dieser transportierte. "Hm... Da drinnen wird es sicher einen Alchemisten geben? Ich denke den Magier nimmt man uns noch am ehesten ab." Immerhin entsprach das ja auch so ziemlich der Wahrheit. "Ihr braucht irgendwelches Zubehör und Zutaten, und ich bin euer Begleitschutz. Und natürlich schadet es auch nicht, wenn wir bei einem Schmied vorbeisehen, und was man nach einer längeren Reise sonst noch so erledigt. Was unseren Hintergrund angeht, wo wir herkommen und ähnliches, da seit ihr sicher hier auf Vvardenfell besser bewandert als ich."

[Tirian]
"Ein wenig. Zwangsweise. Ich stamme aus Tränenstadt weit im Süden. Aber der Vorschlag ist gut. Wir kaufen für die Rethans Tränke und Zutaten beim örtlichen Alchemisten. Am besten sagen wir, dass wir aus Vivec kommen. Da kenne ich mich wenigstens etwas aus, falls er uns ausfragen sollte. Wir sprechen beide nicht gerade den Dialekt von Vvardenfell. Das dürfte sicher auffallen"; meinte er und ließ seinen Blick noch einmal schweifen. Vor dem Tor gab es noch eine recht große Schlange an Reisenden, die abgefertigt werden wollten. Es waren, wenn er das recht überblickte, wohl an die vier Reisegruppen und -grüppchen, drei Fuhrwerke und vier Einzelreisende. Allerdings war die Mulde hier vor dem Tor auch mit einigen Zelten und Lagerfeuern gefüllt. Zusätzlich dazu noch einige Stände. Offenbar besaß nicht jeder, der sich hier aufhielt auch den Zugang zur Stadt. Einige Händler nahmen wohl damit Vorlieb ihre Waren vor der Stadt feilzubieten. Eine Rechnung, die wohl aufzugehen schien, denn nach der feinen Kleidung mancher der umstehenden Leute zu urteilen, mochten diese nicht erst eine lange Reise hinter sich haben, sondern nur einen Einkaufsbummel außerhalb der schützenden Mauern ihrer Siedlung unternommen haben. Ob die Karawane, die sie begleitet hatten, hier schon durchgekommen war, vermochte er nicht zu sagen. Zumindest lagerte sie nicht hier draußen. "Dafür das im Zentrum der Insel Krieg herrscht, läuft der Handelsverkehr erstaunlich gut": dachte Tirian laut, bevor er sich an Dreveni wandte: "Wir sollten uns einreihen. Ich habe das Gefühl, dass es noch etwas dauert, bis wir an die Reihe kommen. Und noch ein Händler mit Gespann vor uns, würde diese Zeit sicherlich noch wesentlich verlängern."

[Dreveni]
Dreveni hörte Tirian aufmerksam zu. Fehler konnten sie sich jetzt keinen erlauben, das war ihr klar. Das mit dem Dialekt war nicht zu ändern, also war oberste Priorität nun nicht weiter aufzufallen - im positiven wie im negativen.
Sie taten, wie es Tirian vorgeschlagen hatten und reiten sich mit ihrem Guar zügig in die Schlange ein, und kaum hatten sie das getan, kam hinter ihnen auch schon das nächste Fuhrwerk in Sicht.
Die Zeit schien kaum zu vergehen, und die Wachen am Tor waren extrem gründlich bei der Überprüfung der Händler. Dreveni gab sich Mühe eine wachsamen Eindruck zu machen, wobei sie ein paar Mal ein Gähnen unterdrücken mußte.
Schließlich war nur noch die Gruppe der vier Reisenden vor ihnen.

[Tirian]
Der Heiler versuchte möglichst unbeteiligt und gelangweilt dreinzuschauen, wie die meisten anderen Händler auch. Sein Blick fiel auf Dreveni. Sie schaffte das schon sehr gut. Er zollte ihr still seinen Respekt. Er konnte sich kaum beherrschen und davon abbringen die Wachen ständig anzustarren. Sein Herz klopfte wie wild als die Schlange immer weiter vorrückte. Die Tatsache, dass sie sich beim Durchsuchen der Last Zeit ließen und gründlich vorgingen, ließ ihn nur noch unruhiger werden und leichter von einem Fuß auf den anderen wippen. Sie dehnten damit den Moment, in dem sie selbst dran wären zu einer Ewigkeit. Er hatte während seiner Heiler-Laufbahn auch das "Vergnügen" gehabt in einem Lazarett zu arbeiten. Die Krieger, die er dort versorgt hatte, waren entweder sehr verschlossen oder konnten nicht umhin den lindernden Händen alles mögliche zu erzählen. Sie hatten von den zu Ewigkeiten gezerrten Augenblicken vor einer Schlacht gesprochen, in denen die Anspannung derart anwuchs, dass sie ihre Muskelfasern wie eine Bogensehne zum zerreißen gespannt fühlten und fürchteten mit jedem Schritt und jedem Atemzug einen Knochen brechen zu lassen. Er schluckte. Ihm ging es gerade mehr als ähnlich. Gerade das die Männer in den Knochenharnischen so gründlich waren, verstärkte seine Nervosität noch etwas mehr. Er biss sich unbewusst auf die Lippe. Was war das. Sein Arm bewegte sich. Sein Blick fiel nach unten. Tatsächlich zitterten seine Hände. Er zog die Brauen zusammen und krallte die Finger ein. Er sah noch einmal zu Dreveni. Sie gähnte ganz ungeniert. "Wie einfach das Verstellen bei ihr aussieht. Es scheint als wäre sie wirklich gelangweilt": überlegte er und traf eine Entscheidung. Wie um sie zu bekräftigen trat er kurz etwas energisch auf und wandte sich dann dem Gepäck zu. Wer er seine Hände beschäftigte, musste es gehen. Und tatsächlich als er noch einmal prüfte das alles an Ort und Stelle war und auch noch einmal die Riemen festzurrte, merkte er wie die Anspannung ein Stück abfiel, die Tatsache, dass sie gleich dran sein würden aus seinem Geist verschwand. Seine Hand glitt gerade noch einmal in den Stapel mit Kleidern, um einen Knick, der ihm sonst egal gewesen wäre, ihm aber jetzt eine willkommene Beschäftigung für die unruhigen Glieder bot, glatt zu streichen. Er verhakte sich dabei und fühlte plötzlich eine Ausbuchtung mit etwas hartem darin. Er überlegte und tastete weiter. Das war sein etwas besseres Gewand und das harte Etwas steckte offenbar in einer der Taschen. In dem Moment ging ihm ein Licht auf. Das Objekt, dass seine Finger gerade befühlten, würden sie innerhalb der Mauern auch noch einmal brauchen. Er schob die Hand schließlich in die Tasche und da spürte er das kalte Metall des Trumms an seiner Hand. Er schloss die darum und zog die langsam wieder hervor. Dann strich er die Kleidung glatt, so als hätte er nichts anderes getan als nur jeden Zipfel zu richten. Er trat kurz zurück, nickte zufrieden und zurrte den ganzen Wäschestapel wieder fest.

Als er sich umwandte, warf er einen Blick in Drevenis Gesicht, die eine Augenbraue hochgezogen hatte. Er setzte ein Lächeln auf und drehte sich dann nach vorne. Die Gruppe vor ihnen war fertig mit ihrer Durchsuchung und sie wurden endlich herangewunken. Den kantigen Goldring mit dem Wappen von Meister Aryon von Tel Vos hatte er sich inzwischen auf den Finger geschoben und wie beiläufig hob er die Hand, wie um zu prüfen ob der Ring noch saß und rückte ihn ganz ungeniert zurecht. Ohen zu fragen traten zwei der drei Kerle an ihnen vorbei und machten sich ohne weitere Aufforderung an dem Guar und ihrem Gepäck zu schaffen. Nur de dritte wandte sich mit ein paar Worten an sie. "Die Papiere": verlangte er. Tirian zog aus seiner Robe das Schreiben, das er von Serja Rethan erhalten hatte. Der Mann überflog es nur kurz und reichte es dann zurück. "Ihr seht nicht aus wie Händler. Außerdem kenne ich einige Händler der Rethans, doch eure Gesichter kenne ich nicht. Außerdem sind die für gewöhnlich mit etwas mehr unterwegs als einem Guar": ließ sich der Mann vernehmen. Hinter ihm rief einer der anderen Gerüsteten: "Magier sind das. Zumindest der Eine. Hast du nicht gesehen, wie er vorhin seine Seidenhemden zurechtgerückt hat? Könnte ja passieren, dass eine Falte in den wertvollen Stoff kommt. Oder dieser dicke Klunker am Finger und dann immer schön zeigen. Der hält sich für was besseres. Ist garantiert einer dieser Gildenmagier." Begleitet wurde diese Einschätzung von einem abwertenden Lachen. Tirian verzog das Gesicht nicht. "Wir kommen aus Vivec und sollen hier einkaufen. Wir haben unterwegs bei den Aschländern halt machen müssen, deswegen fiel eine Schiffreise aus und im Aschland ist man besser ohne schwere Karren unterwegs, wenn man nicht gerade in einer Karawane reist": erklärte Tirian. Er spürte wie sein Gesicht langsam warm wurde.

"Und das können nicht die üblichen Laufburschen machen, sodass man einen Magier schicken muss?": fragte der Dritte und notierte sich etwas auf einem Stückpapier das er mit einem Nagel an einem Stück Holz befestigt hatte, das ihm als Schreibunterlage dienen musste. Tirian wollte gerade etwas sagen, da rief er den beiden anderen auf Dunmeri zu, dass sie ihm gefälligst durchgeben sollten ob etwas zu versteuern oder etwas verdächtiges in den Satteltaschen sei. Dann blickte er ihn wieder ungeduldig an, als ob er längst hätte antworten sollen. "Ich bin Alchemist, kein Magier. Wir sind hier um bei einem örtlichen Kollegen regionale Zutaten zu erwerben. Ich werde gut dafür bezahlt die Qualität zu prüfen und ob das, was man uns da andrehen will auch das ist, was wir haben wollen, dass man uns getrocknete Rosenblätter also nicht etwa als Feuerblüten teuer verkauft": antwortete er, wie sie es zuvor ausgemacht hatten. Er spürte eine Schweißperle seinen nacken hinunter laufen und in seinem Kragen verschwinden. Wieder notierte sich der Wächter etwas auf seinem Klemmbrett. Währenddessen gaben die beiden anderen durch, dass sie bisher nichts außer einem verdächtigen Kasten mit merkwürdigen Gerätschaften, Fläschchen und Kräutern nichts gefunden hatten. "Ich hoffe ihr wollt kein Gift in die Stadt einführen?": wollte der Befrager wissen. Tirian schüttelte den Kopf. Glücklicherweise ließ er sich die 'Gerätschaften' nicht zeigen, denn es handelte sich dabei nicht allein um alchemistisches Gerät sondern auch um seine Heilerwerkzeuge. "Ich stelle natürlich auch unterwegs Toniken her. Aber nichts gefährliches. Heiltränke, ein Serum für Regeneration und Mittel, die die Wahrnehmung etwas erweitern. Natürlich kann auch all das in den entsprechenden Mengen toxisch sein": meinte er dann. Der Mann nickte. "Darauf wird dennoch eine Gebühr fällig werden und ich muss euch untersagen eure Kunst innerhalb der Stadtmauern auszuüben und weitere Produkte zu verfertigen. Es ist euch aber freigestellt, dass zu verkaufen, was ihr mit euch führt": erklärte der Wachmann. "Können wir jetzt hinein?": wollte der Heiler nun wissen.

"Ihr habt mir immer noch nicht verraten wer ihr seid": blieb sein Gegenüber streng. "Ich heiße... Joran... Athram": dachte sich Tirian einen Namen aus. Er bemerkte den Blick des Dunmers. "Mit den Kragenmoor-Athrams weder verwandt noch verschwägert": fügte er dann noch schnell hinzu. Der Wächter wirkte wieder desinteressiert. "Und eure stille Begleiterin?" Er deutete auf Dreveni. "Das ist...": wollte Tirian antworten, doch er schnitt ihm das Wort ab: "Sie kann sicher für sich selbst sprechen." "Wächterin": zischte sie. Der Mann rieb sich das Kinn. "Ihr sagt ihr arbeitet für Rethan, aber ihr beide klingt nicht so als kämt ihr von der Insel": deutete er sein Misstrauen direkt an Dreveni gewandt an und wartete offenbar auf eine Erklärung. Tirian fiel erst jetzt auf, dass der Mann selbst fast akzentfreie Gemeinsprache verwendete.

[Dreveni]
Dreveni war Tirians Nervosität nicht entgangen. Immerhin befand sie sich fast in ihrem Element, und wenn sie in Situationen wie diesen etwas konnte, dann war es beobachten. Es hatte ihr mehr als einmal das Leben gerettet.
Alles in allem schlug sich Tirian noch erstaunlich gut, und wenn Dreveni jetzt keinen Fehler machte, waren sie so gut wie in der Stadt.
"Offenbar hat Rethan ein Auge für gute Arbeit.", antwortete sie schließlich. "Egal, woher diese kommt." Sie hatte die Arme verschränkt und den Kopf leicht in den Nacken gelegt, so dass sie die Wache von oben herab ansehen konnte, auch wenn er größer war als sie selbst. "Und wenn die Bezahlung stimmt, ist es mir ebenfalls egal, wo in Tamriel ich diese Arbeit finde. Wenn ihr es aber genau wissen müsst: Ich wurde hier gebohren, habe aber lange Zeit in der Kämpfergilde in Cyrodiil gedient. Eine der besten Ausbildungen die man bekommen kann, wenn man nicht zu einer der Stadtwachen geht."
Was ihren Akzent anging, konnte und sollte sie wohl auch besser nicht für Tirian sprechen. Sollten die Wachen weiter nachbohren, würde ihm hoffentlich noch etwas einfallen. Es wäre jedenfalls mehr als ungewöhnlich gewesen, wenn sie in ihrer Position als Leibwache seine Herkunft erklärt hätte. Immerhin hatte sie ihm jetzt eine Vorlage geliefert.
"Mein Name ist übrigens Lyviani Uvara.", fügte sie noch an.

KingPaddy
10.03.2015, 22:41
[Tirian]
Der Wächter notierte sich beide Namen. Tirian wollte sich gerade wieder entspannen, doch da richtete der Dunmer erneut das Wort an ihn: "So wir ihr sprecht, kommt ihr aus Morrowind, dafür beherrs