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weuze
10.02.2011, 11:37
Tach ^^

Ja, wirklich, kaum ist die letzte Geschichte zu ende erzählt, folgt auch schon die nächste :D
Glann hat mich dazu genötigt, direkt nochmal eine Geschichte mit ihr zu schreiben...

Wie dem auch sei...

Schreiben werden Glann und ich mit altbewehrten Charakteren (Erynn Releth und Arranges Moryn). Auch der Milchstraßenabklatsch aka Andromeda mit Dreveni wird wieder teilweise mit von der Partie sein :D

Aber genug jetzt! Viel Spaß beim Lesen :)

Anschluss an die Handlung von "Die Jagd (http://www.multimediaxis.de/threads/129186-Die-Jagd)".

Glannaragh
10.02.2011, 21:29
Es war weit nach Mitternacht, als Erynn Skingrad erreichte. Sie hatte Falchion gnadenlos vorangetrieben, und der Wallach war klatschnaß geschwitzt, als sie an den Stallungen ankamen. Sie führte ihn noch eine Weile im Paddock herum und rieb ihn dann mit Stroh ab. Erst danach ging sie zum Gildenhaus, obwohl sie so müde war, daß sie im Stehen hätte einschlafen können.
Sie betrat das stille und dunkle Haus und ging direkt in ihre Kammer, legte die Rüstung ab und ließ sich auf das Lager fallen. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als sie wieder erwachte. Sie zog sich ihr braunes Kleid über und ging nach unten in den Aufenthaltsraum, wo sie Fadus und Parwen traf. Beide freuten sich sie wiederzusehen, und ihr selbst ging es nicht anders.
„Wie wars in Cheydinhal?“ fragte die Waldelfin. „Ich war gar nicht dort“, antwortete Erynn. „Ich hab mich entschieden, einfach nur durch die Gegend zu reiten. Irgendwie... brauchte ich einfach ein bißchen Ruhe.“ Sie hatte ein verdammt schlechtes Gewissen, ihrer Freundin so offen ins Gesicht zu lügen, aber was hätte sie schon sagen sollen? Nein, ich bin lieber mit einem Totenbeschwörer durch eine verfluchte Ruine gekrochen, dann haben wir gemeinsam ein verbotenes Buch gesucht und dabei alles umgebracht, was uns vor die Klinge kam... Wohl kaum.
„Ist noch was vom Frühstück übrig? Ich hab Hunger wie ein Bär.“ Tatsächlich ließ sich noch etwas Brot und Schinken auftreiben. „Sag mal“, fragte die Dunmer zwischen zwei Bissen „haben wir hier noch irgendwo einen brauchbaren Bogen herumliegen? Meiner ist kaputtgegangen, und ich bin viel zu pleite, um mir einen neuen zu kaufen.“
„Hm.“ Parwen spielte mit einer braunen Haarsträhne. „Nichts, was deinen Ansprüchen genügen würde. Ich habe noch ein paar von denen im Keller, die ich meinen Schülern zur Verfügung stelle. Schau sie dir ruhig an, aber erwarte nicht zu viel.“
Erynn bedankte sich bei ihr. Nachdem sie satt war, sah sie sich das Material an. Den ersten zerbrach sie fast, als sie probehalber einen Pfeil damit abfeuerte. Die übrigen waren auch nicht viel besser. Viel zu schwach, das ganze Zeug. Damit kann man nichtmal eine Ratte erlegen.
Mißmutig begab sie sich wieder auf ihr Zimmer, um die Rüstung in Ordnung zu bringen. Damit war sie den Rest des Tages gut beschäftigt. Fast alle Nähte mußten ausgebessert werden, die Kratzer behandelte sie mit Sattelseife und Lederfett. Irgendwann in näherer Zukunft muß ich das Ding ersetzen. Mist.
Ihre Gedanken schweiften ab, zurück zu den knapp drei Wochen, die hinter ihr lagen. Noch immer verstand sie längst nicht alles, was geschehen war, und es machte sie verrückt, mit niemandem darüber sprechen zu können. Sie hatte hinter die Schleier der normalen Welt geschaut, die schaurigsten Formen der Magie gesehen, eine Illusion durchgestanden, in der sie lebendig ausgeweidet worden war. Das alles überstieg ihr Begreifen. Sie wußte, daß sie einigermaßen intelligent war, daß sie aus den Dingen, die ihr begegneten, normalerweise die richtigen Schlüsse zog. Aber mit der fröhlichen Ignoranz, mit der sie die Magie abtat, hatte sie einen Fehler begangen. Sie hatte einen kurzen Blick auf die Wahrheit hinter der Wahrheit geworfen, als sie plötzlich gewußt hatte, wo sie das Amulett im Kloster hatte finden können. Doch sie konnte dieses Gefühl, dieses... was auch immer es war nicht reproduzieren. So sehr sie sich auch bemühte, es war, als sei eine Mauer in ihrem Verstand, die sie nicht durchbrechen konnte. Bisher hatte das nie eine Rolle gespielt – aber bisher hatte sie auch nicht gewußt, daß es Leute gab, die in ihren Kopf greifen konnten und die Gedanken darin formen konnten wie feuchten Ton.

Schließlich gab sie es auf, schnorrte von Fadus ein paar Septime und kaufte davon zwei Flaschen billigen Fusel. Als Ah-Malz sie später am Abend in ihrem Zimmer aufsuchte um zu fragen, wie es ihr in letzter Zeit ergangen war, war sie bereits so beschwipst, daß kein sinnvolles Gespräch mehr möglich war. Am nächsten Morgen erwachte sie mit der Mutter aller Kopfschmerzen und beschloß, einfach liegenzubleiben.
Den darauffolgenden Tag verbrachte sie damit, Parwen bei ihrem Unterricht zu helfen. Am Abend stand für sie fest, daß aus ihr niemals eine Lehrerin werden würde. Zwar hatte sie es vermeiden können unfreundlich zu werden, aber ihre Geduld war bis aufs Äußerste strapaziert worden.
Morgen gehe ich zu der Goblinhöhle und schaue nach, ob ich nicht noch ein paar minderwertige Waffen finden kann, für die ich bei der Schmiedin wenigstens eine Handvoll Septime bekomme. Oder übermorgen...

weuze
10.02.2011, 23:16
Arranges erwachte am späten Vormittag mit argen Rückenschmerzen. Ja eindeutig, ich bin in Skingrad... Die Matratzen hier haben etwas mit einem Würfelspiel gemein... entweder, man schläft darauf wie ein Säugling oder aber man bricht sich schier das Genick... Schwerfällig kam Arranges auf die Beine. Als er vor seiner Rüstung, welche über einem Stuhl hing, stand, fiel sein Blick unwillkürlich auf die Naht auf seinem Oberschenkel. Oh verfluchter Dreck... Die Wunde im Brustkorb war bis auf eine längliche Narbe verschwunden, nur der doch recht tiefe Schnitt im Bein, den Erynn genäht hatte, war sehr langsam verheilt. Als Arranges das Bein jedoch auf den Stuhl stellte um besser sehen zu können, stellte er erleichtert fest, dass die Wunde sich mittlerweile doch geschlossen hatte. So... und wie bekomme ich diese Fäden da jetzt wieder heraus? Arranges nahm ganz vorsichtig einen Faden zwischen Daumen und Zeigefinger und biss sich dabei so arg auf die Unterlippe, dass ihm Tränen in die Augen traten. Und... jetzt? Ziehen oder was?! Der Kaiserliche warf sich herum, schmiß sich auf das Bett und erstickte seinen Schmerzschrei im Kopfkissen. Jeder andere hätte sich die Fäden einfach gezogen oder ziehen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Zum Glück hat das keiner gesehen... Dachte sich der Kaiserliche, als er wieder aufstand und feindselig auf die Naht starrte. Wie werde ich diese Naht los?! ... Erynn... ja genau... garantiert wünscht sie sich, dass ich nicht mehr in ihrem Leben auftauche, aber das hat sie sich selbst zuzuschreiben... ja genau! Dass sie die einzige Person war, zu der Arranges Vertrauen genug hatte, um sie freiwillig an diese Naht zu lassen, gestand er sich in diesem Moment nicht ein. Der Kaiserliche zog sich an und ging nach unten in den Schankraum. Schon oben am Treppenansatz fiel ihm direkt auf, dass es unten totenstill war. Für diese Zeit doch eher ungewöhnlich... Nein, bitte nicht schon wieder... einmal im Monat würde das doch reichen... Arranges sah seine Befürchtung bestätigt, als er unten an der Treppe angekommen war und nichteinmal die Wirtin hinter der Theke sehen konnte. Schnell weg hier... Doch Arranges konnte gerade einen Schritt auf die Tür zumachen, als selbige aufgeschoben wurde und ihm ein Botschafter entgegenkam. Der Hüne trat in den Schankraum und setzte sich an einen der Tische. 'Bitte, setzt euch doch Arranges.' Freundlich wies er mit einer Hand, geformt wie eine Bärenpranke und wohl auch genauso stark, auf einen Stuhl gegenüber. Genau das hier wird der Grund sein, warum es viele sehr eilig haben, vom Mentor zum Meister aufzusteigen... Arranges setzte sich. 'Nun, ich sehe die Vorahnung des Meisters bestätigt, ihr habt noch keinen Schüler?'
'Wie darf ich das denn verstehen? Es sind kaum Tage vergangen, seit man mich das letzte Mal nahe Chorrol darauf hingewiesen hat...'
'Das tut nichts zur Sache! Der Meister wünscht, dass ihr einen Schüler nehmt, die Gathering befielt es... jetzt.' Arranges war sprachlos. 'Es wird eindeutige Konsequenzen tragen, solltet ihr bei der bevorstehenden Zusammenkunft ohne Schüler oder wenigstens den Antrag auf einen solchen, auftauchen... Der Meister entbietet euch seine Grüße.' Ohne ein weiteres Wort erhob sich der Botschafter und verließ das Gebäude. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, wurde sie sogleich wieder aufgezogen und drei Arbeiter kamen herein - als ob nichts passiert wäre und sie niemanden aus der Herberge kommen sahen - um ihre Pause am Tisch zu verbringen. Auch die Wirtin kam wie zufällig gerade aus dem Keller.

Alles klar, die Gathering ist nicht das, was man unter fair versteht... und gnädig schonmal gar nicht... dennoch will ich keinen Schüler! Ich werde wohl ersteinmal sehen, dass ich diese Naht hier loswerde... Ohne Frühstück verließ er die Herberge und machte sich auf den Weg zur Kriegergilde. Noch wärend er so durch die Gassen der Stadt ging, reifte in ihm ein Plan heran, der ihm zur weiteren Freiheit verhelfen würde, der Gathering aber dennoch zeigen würde, dass er einen Schüler hätte. Vor der Tür zur Gilde, kam ihm dann ein genialer Einfall. Natürlich, dass mir das nicht früher eingefallen ist... Er machte auf dem Absatz kehrt und lenkte seine Schritte zur Schmiedin Skingrads.

Er schob die Tür behutsam hinter sich ins Schloss, als er auch schon den Blick der Nord im Nacken spürte. 'Ach ihr seids Arranges... warum schleicht ihr hier so herum?'
'Wäre ich laut hereingekommen wie jeder andere, hättet ihr noch weniger Freude daran mich zu sehen...'
'Da habt ihr allerdings recht...' Murmelte die Nord. 'Nun, was braucht ihr? Euer Kettenhemd hat keine offensichtlichen Schrammen und euer Schwert ist eines der seltenen Male, da ihr hier seid, nicht brutal verbogen oder schartig bis zum Gehtnichtmehr...'
'Sehr wohl, ich bin auch nicht wegen meiner Rüstung hier, ich will etwas von euch... kaufen.'
Die Nord starrte ihn nur fragend an. 'Ja ich weiss, dass das praktisch so gut wie nie der Fall ist, aber ich brauche trotzdem etwas. Und zwar einen... äh...' Verflucht, was für einen Bogen hatte sie noch gleich?! 'aja richtig, einen Stahlbogen. Schön handlich, nicht zu schwer... eben einfach einen ordentlichen Stahlbogen, ihr kennt euch da besser aus als ich.'
'In der Tat...' Die Nord war immernoch völlig überrascht. Sie verschwand einen Moment in einem Nebenraum. Als sie zurückkam, hielt sie einen elegant aber schlicht geschmiedeten Stahlbogen in der Hand. Sie spannte ihn vor den Augen des Kaiserlichen und testete ihn auf Zugkraft. Die Schmiedin versicherte dem Kaiserlichen, dass der Bogen hielt was er verspricht. Als sie ihm jedoch den Preis nannte, sutzte Arranges seinerseits. Nach einer längeren Diskussion konnte der Magier den Preis ein wenig herunterhandeln. 'Ich hätte noch eine kleine Bitte.' Sagte er nachdenklich, als er den Bogen in den Händen drehte. 'Die da wäre?'
'Könntet ihr irgendwo dezent die Inizialen E und R eingravieren?'
'Sagt mal, was habt ihr damit vor?'
'Der Bogen ist eine... Art Geschenk...'
'Ahh ich verstehe... Arranges, ihr habt euch verliebt?' Fragte sie mit einem vielsagenden Grinsen.
'Schwachsinn...!' Meinte er leicht verärgert. Die Nord erwiederte nichts mehr, das Grinsen jedoch blieb. Sie Gravierte die beiden Buchstaben klein, aber gut lesbar in den Griff ein. Für diesen kleinen Nebendienst musste der Kaiserliche ein paar Septime oben drauflegen. Ich hoffe, dieser teure Spaß erfüllt seinen Zweck dann auch... Dachte er zähneknirschend, als er die Schmiede verließ und zur Kiregergilde lief.

Den Bogen hatte er seitlich am Rücken unter dem Umhang verstaut. Er betrat das Gildenhaus und sofort wusste er wieder, warum er sich so ungern hier aufhielt. In der Empfangshalle drängten sich zwei breite Gestalten, die man nur mit Mühe als Orks von Kleiderschränken unterscheiden konnte. Hoffentlich ist sie hier... Arranges hatte kein Bedürfnis die beiden Schwergepanzerten anzusprechen. Der Zufall kam ihm zur Hilfe. Ein Bretone in Stahlrüstung kam aus einem der seitlich angrenzenden Räumen auf ihn zu. 'Seid gegrüßt Fremder, was kann ich für euch tun?'
'Ich suche Erynn Releth. Sie ist Mitglied bei euch...'
'Aja... dürfte ich denn fragen, um was es geht?'
'Nichts Besonderes, eine private Angelegenheit.'
'Nun gut, ich werde sehen, ob sie im Gildenhaus zugegen ist, habt einem Moment Geduld.'
Arranges nickte, der Bretone verschwand nach oben.

Glannaragh
11.02.2011, 00:32
Erynn war im oberen Stock und reagierte sich mit dem neuen Schwert an einem imaginären Gegner ab, als der Bretone sie ansprach. Er war so etwas wie die gute Seele des Gildenhauses, kümmerte sich um Vorräte, Papierkram und die Instandhaltung der Ausrüstung.
„Ihr habt Besuch, Muthsera Releth“, sagte er. Muthsera... so typisch für ihn. Nicht, daß ich die Sprache der Alten Heimat sprechen könnte, aber er besteht darauf, mich so anzureden. Sie lächelte. „Wen denn, Armand?“
Der Angesprochene deutete ein Achselzucken an. „Ich kenne ihn nicht. Ein Kaiserlicher. Er wollte mir nicht sagen, um was es geht.“
Erynn stutzte. Ein Kaiserlicher? Vielleicht ein Bote aus dem Schloß. Mit etwas Glück springt dabei Arbeit für mich raus. „Ich gehe sofort hin. Danke, daß Ihr mir bescheid gegeben habt. Ist er in der Empfangshalle?“ „Ja, Muthsera.“

Die Elfin stieg die Stufen hinab. Unten angekommen, war sie ehrlich verwundert. „Arranges? Ich hätte nicht erwartet, Euch so bald wiederzusehen. Worum geht es?“ Hoffentlich nicht wieder darum, eine von Untoten heimgesuchte Ruine auszuheben, setzte sie still hinzu. Grimbak und Bok Gro-Khuran, die beiden gutgelaunten Orks, die in der Gildenhalle gerade Station machten, verdrückten sich dezent, was sie ein weiteres Mal erstaunte.
Der Beschwörer sah sich verstohlen um. Als er sicher war, daß sich niemand in Hörweite aufhielt, antwortete er: „Um mein Bein. Ich wollte Euch fragen, ob Ihr vielleicht die Fäden ziehen könntet.“
Erynn schenkte ihm ein offenes Lächeln. Sie wußte den Vertrauensbeweis zu schätzen. „Natürlich kann ich das tun. Bitte, folgt mir.“ Sie führte Arranges auf ihr Zimmer und schloß die Tür hinter sich. „Setzt Euch. Äh... wenn ich den Stoff nicht aufschneiden soll, müßtet Ihr Eure Hosen herunterlassen“, sagte sie peinlich berührt. Der Kaiserliche sah sie an, als hätte sie ihn aufgefordert in ein Faß voller wütender Giftschlangen zu steigen, fügte sich dann aber in das Unvermeidliche. Als sie ihr kleines Gebrauchsmesser hervorholte, drehte er den Kopf weg.
„Ich werde Euch nicht schneiden, versprochen. Schaut zu, was ich mache, dann könnt Ihr es beim nächsten Mal selbst.“ Ein zweifelnder Blick traf sie, doch schließlich überwand Arranges sich. Erynn ließ das Messer unter die Naht gleiten und trennte sie auf. Dann zupfte sie die einzelnen Fäden heraus. „Seht Ihr? Es zwickt nur ein wenig. Nichts Wildes.“
Sie wandte sich um, damit Arranges sich ungestört wieder ankleiden konnte, und packte das Messer weg. „Wie ich sehe, habt Ihr Euch einen Bogen zugelegt. Gute Wahl. Soll ich Euch zeigen, wie man damit umgeht?“

weuze
11.02.2011, 19:13
Von wegen... zwickt nur ein bisschen... Mit tellergroßen Augen starrte er auf die Arbeit der Dunmer. Es tat tatsächlich nicht weh. Nachdem er sich wieder angekleidet hatte, sprach ihn die Dunmer auf den Bogen an, der zum Teil unter seinem Umhang hervorragte. Haha... ich und Bogenschießen... wo denkt ihr nur hin? Der Kaiserliche versuchte eine freundliche Miene aufzusetzen, während er Erynn einen Moment ansah. 'Nein, ihr müsst mir nicht zeigen, wie man mit dieser Waffe umgeht... ich würde es ja doch nicht richtig hinbekommen... Eigentlich,' Arranges tat sich bei dieser Situation ein wenig schwer. Er hegte zwar Symphatie für viele Bekanntschaften und Menschen, die ihm nahestanden, aber mehr als eine heitere Unterhaltung oder ein paar nette Worte oder Gesten hatte er meist nie für sie übrig, 'ich dachte mir, da ich euren Bogen einfach in der Höhle im Sumpf zurückgelassen habe... also... nun dieser Bogen hier,' behände zog er den elegant schlanken Bogen hervor, '... er ist für euch.' Zaghaft und irgendwie verspannt streckte er ihr die Waffe in der Hand haltend, ein wenig entgegen, während er fast schüchtern den Blick senkte.

Erynn war so baff, daß es einen Moment dauerte, bis sie reagierte. "Für... mich?" Zuerst wollte sie ablehnen, doch da Arranges mit der Waffe ohnehin nichts würde anfangen können, wäre das eine riesige Verschwendung gewesen. Sie griff so vorsichtig nach dem Bogen, als könnte er jeden Augenblick zu Staub zerfallen. Er war augenscheinlich von hoher Qualität, besser als jener, der n der Höhle zurückgeblieben war. Als sie ihn probehalber spannte, fiel ihr die Gravur am Griffstück auf. "Ich danke Euch", sagte sie warm. "Wie komme ich zu dieser Ehre?"

'Zunächst schien es mir nur selbstverständlich, dass ich euch den Bogen ersetze... Aber hauptsächlich wollte ich euch damit danken, dass ihr mir geholfen habt, den Folianten zu finden.' Arranges sah Erynn wieder in die Augen. 'Natürlich kann ich damit leider nicht vergessen machen, was ihr... erleben musstet...'

War Erynn schon vorher überwältigt gewesen, so blieb sie jetzt regelrecht sprachlos. "Nein", sagte sie schließlich leise, "das könnt Ihr nicht. Aber ich möchte auch nichts davon vergessen, so schmerzhaft manches auch gewesen sein mag. Ich habe in den letzten Wochen mehr über mich gelernt, als in meinem ganzen Leben zuvor, auch wenn es immer noch vieles gibt, was ich nicht begreife." Sie wandte den Blick ab, spielte mit der Sehne des Bogens. Als sie schließlich fortfuhr, flüsterte sie nur noch. "Ich habe geträumt... als Torrah in meinem Kopf war... Sie ließ mich Bilder sehen. Wie Ihr mich aufschlitzt und ausweidet. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich wirklich Schmerz gespürt habe. Aber das Grauen war so allumfassend, daß ich glaubte, alles sei real." Sie schluckte hart und holte tief Luft. "Als ich dann wieder zu mir kam, fühlte ich mich so unendlich schwach. Allein zu wissen, daß ein Mensch in der Lage ist, mich dermaßen zu manipulieren und ich nichts dagegen tun kann, macht mich fertig."
Sie sah auf. "Verzeiht, es ist gewiß nicht gerecht, Euch diese Dinge zu erzählen. Aber ich mußte einfach darüber sprechen. Sonst finde ich niemals ganz in die Realität zurück. Trotz allem, ich will einfach verstehen, was in dieser Höhle passiert ist. Schon für den Fall, daß ich noch einmal in eine solche Situation komme, so unwahrscheinlich das auch sein mag."
Erynn warf Arranges einen fragenden Blick zu. "Könnt Ihr es mir erklären?"

Noch ein Grund, der für Torrahs Tot spricht... sie war Zeit ihres Lebens eine absolut grässliche Person... 'Es ist in Ordnung, dass ihr mir das sagtet... Ich kann versuchen euch zu erklären, was in der Höhle vor sich ging... Torrah war eine Meisterin der Illusionsmagie, dank dem Buch hatte sie Einblick in ganz neue Künste... sie hat die Illusion gesprochen, als wir den Fuß in die Grotte setzten, danach war es ein Leichtes für sie, in unsere Gedanken einzudringen und unsere Ängste herauszuholen, sie uns vorzuzeigen und uns damit zu quälen...' Arranges zuckte leicht mit den Schultern. 'Ich glaube, ich kann es euch nicht begreiflich machen, was dort genau passiert ist, ich weiss nur, dass wir Torrah wie ihr sagtet, in die Falle gelaufen sind...' Einen kurzen Moment blickte er Erynn fest an. 'Aber von Schwäche zu reden ist Unsinn. Ihr habt euch tapfer gegen die Illusion gewehrt. Ich habe Mer und Menschen gesehen, die den Trugbildern einfach nachgaben und der Illusion nur mit dem Tot entkommen sind...'

Erynn nickte. "Es ist wahrscheinlich so, als wollte ich jemandem beibringen ein Ziel auf zweihundert Schritt Entfernung zu treffen, der nicht einmal die Kraft hat, seinen Bogen richtig zu spannen. Trotzdem danke, daß Ihr es versucht habt." Sie legte den Kopf schief und sah Arranges an. "Aber wie ich Euch kenne, seid Ihr nicht nur gekommen, um mir zu danken, oder?"

In der Tat, ich bin nicht gekommen um euch nur zu danken... jetzt kommt der schwierige Teil... Arranges wandte den Blick von Erynn ab und schaute zur Wand. Dann sah er ihr wieder in die Augen. 'Nein, es ist tatsächlich so, dass ich nochmals eure Hilfe benötige... Dieses Mal mehr denn je... Ihr wolltet doch wissen, was es mit Torrahs Meisterin Marie auf sich hat nicht wahr? Jetzt muss ich es euch erklären, damit ihr den Sinn meiner Bitte versteht.' Arranges holte hörbar Luft. 'Ihr habt sicher schon von den Totenbeschwörern gehört, die sich um Manni Marco versammeln und derzeit der Magiergilde das Leben schwer machen? Nun, ich bin, wie ihr ja wisst, ebenfalls Nekromant... aber bevor ihr erschreckt, ich gehöre nicht zu diesen... unfähigen Trotteln... Ich gehöre einer anderen, sehr viel älteren und wenn ich das behaupten darf, mächtigeren Zusammenkunft von Nekromanten an. Die Gathering... dieser Name wird euch vermutlich wenig sagen, wir streben nicht nach Macht, wir streben nur danach, unsere Künste auszuüben, mit den Belangen der großen weiten Welt haben wir in der Regel wenig zu tun... Die Spitze bilden 13 Großmeister, nach ihnen folgen unzählige Meister, deren Anzahl nicht zwangsläufig beständig ist. Meisterin Marie ist einer davon und zuständig für das Land Cyrodiil. Danach folgen die Mentoren. Torrah bildete mit mir zusammen die beiden Mentoren in Cyrodiil... Dass ich sie getötet habe, spielt dabei keine Rolle, nur die Großmeister und die Meister selbst halten geschlossen zusammen und lassen den Macht- und Intrigenspielchen der Mentoren ihren Lauf... Aber das tut jetzt nichts zur Sache. Wichtig ist, dass den Mentoren die Hauptaufgabe zufällt, Anwärter in den jeweiligen Ländern erst in den Stand eines Novizen innerhalb der Gathering zu erheben und diese dann als Schüler unter sich auf die Lehren des jeweiligen Meisters vorzubereiten... Da Torrah nun tod ist und ein neuer Mentor für sie erst noch bestimmt wird, fällt es nun mir zu, die Novizen zu schulen... Allerdings sehe ich nicht ein, mich von einem dieser untalentierten Speichelleker behindern zu lassen... ich habe daher beschlossen, direkt einen ganz neuen Schüler zu nehmen... Die Wahl dabei... fiel auf euch... Erynn...' Er sah, wie eine seltsame Art von Entsetzen in ihr aufstieg und hob abwehrend und beruhigend die Hände. 'Aber bitte, hört erst weiter zu. Ihr werdet den Schüler für mich nur spielen, damit sie sehen, dass ich mich nicht gänzlich gegen die Gathering stelle... Ihr müsst nur so tun als ob, bitte... tut mir den Gefallen...' Er sah sie nicht flehend, aber bittend an.

"WAS!?" Erynn war so schockiert, daß sie zunächst nicht einmal bemerkte, daß sie geschrien hatte. Dann dämpfte sie ihre Stimme. "Arranges, seid Ihr wahnsinnig geworden? Nekromantie, von allen Dingen... Seht mich an. Seht in mein Gesicht. Ich bin eine Dunmer. Ich akzeptiere, daß Ihr Euch damit beschäftigt, aber für mich ist es ein Tabu. Selbst, wenn ich bei Eurer kleinen List mitspielen sollte, irgendwann wird jemand Resultate sehen wollen. Soll ich mich dann hinstellen und irgendeinen Toten aus seiner Ruhestatt zerren? Unmöglich." Sie schüttelte den Kopf. "Außerdem: Ihr wißt doch, daß ich mit Magie im Allgemeinen schon nichts anfangen kann. Bei den Göttern, meine Mutter hat mir irgendwann das Lesen beigebracht, und das wars dann. Wie soll ich mit dem ganzen komplizierten Kram klarkommen, den ihr Magier in eure Köpfe stopft? Das kann nicht funktionieren!"
Sie zitterte jetzt so heftig, daß es dem Kaiserlichen kaum entgehen dürfte. Trotzdem fragte sie, von einer Art morbider Neugier getrieben: "Aber darüber habt Ihr Euch sicherlich schon Gedanken gemacht, nicht wahr?" Verflucht, hätte ich doch bloß nicht gefragt... Aber ich muß ihm wenigstens bis zum Ende zuhören - immerhin schulde ich ihm mein Leben.

Arranges erschrak nichteinmal, er hatte sich so eine Reaktion schon ausgemalt. Nachdem sie geendet hatte und ihn nur völlig verstört und zitternd anstarrte, legte er ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. 'Hört zu, natürlich will jemand irgendwann Resultate sehen, aber dieser jemand bin ich... und ich verlange von euch überhaupt nichts, außer, dass ihr für eine gewisse Zeit mit mir zusammen unterwegs seid... Ich werde euch nicht ewig bei mir behalten, nur für ein paar Wochen... ich werde euch als... unbegabt erklären... damit ist die Sache erledigt, ich kann vorweisen, dass ich einen Schüler hatte und ihr seid mich danach entgültig los...' Oder ich muss dich wieder zwingen...

Erynn ließ den Kopf hängen und atmete ein paarmal tief durch. "Verdammt. Das werde ich irgendwann noch bitter bereuen", murmelte sie. Sie schaute wieder zu Arranges auf, und in ihrem Blick lag eine gewisse Härte. "Seit ich Euch getroffen habe, komme ich mit meinem Leben ohnehin nicht mehr klar. Also, was solls. Unter einer Bedingung: Ihr bringt mir zumindest die Grundlagen der Magie bei. Ich will nie wieder einem Zauberweber vollkommen schutzlos ausgeliefert sein. Das ist mein Angebot, und es ist nicht verhandelbar."

Arranges war für einen Moment so erleichtert, dass er den heftigen Wunsch verspürte, Erynn in die Arme zu schließen, besann sich aber dann wieder auf das Wesentliche. 'Gut... ich verspreche euch, mein Möglichstes zu tun, euch ein paar Grundlagend beizubringen.' Dann kann ich nur noch hoffen, dass sie schnell lernt, sonst hab ich diese Frau ewig an mir kleben... Der Kaiserliche wandte sich bereits zum Gehen und langte schon nach der Türklinke, als er sich nochmal zu Erynn umdrehte und sie leicht angrinste: 'Achja... bevor ichs vergesse, die Schüler müssen sich mehr oder weniger selbst vorstellen... vor der Gathering... wir reiten morgen los...' Noch bevor sie etwas antworten konnte, verschwand der Kaiserliche und beeilte sich das Gildenhaus zu verlassen, damit Erynn sich ihrer Abmachung wegen dieser Bemerkung des Nekromanten nicht doch noch im Nachhinein entziehen konnte.

Glannaragh
11.02.2011, 22:39
Erynns Kinnlade klappte herunter. Was zum Donner?! Ich soll mich deinem Bücherwurmverein auch noch selbst vorstellen? „Arranges!“ Keine Chance. Der Kaiserliche war längst weg. Wütend trat sie vor die geschlossene Tür, dann raufte sie sich die Haare. „Verflucht sollst du sein...“ knurrte sie. Dann ließ sie sich aufs Bett fallen. Was soll ich diesem Haufen bloß erzählen? Daß ich... ja, was eigentlich will? Sie rekapitulierte, was sie bisher wußte. Eine Art Bruderschaft von Nekromanten also. Aber mit dem König der Würmer haben sie angeblich nichts zu tun. Das ist schonmal gut, ich nämlich auch nicht. Arranges hat sich schon öfter abfällig über die üblichen Totenbeschwörer geäußert.
Der Name Mannimarco war selbst Erynn bekannt, war er doch der Inbegriff all dessen, was die Dunmer am meisten verabscheuten.
Aber selbst wenn sie nichts mit diesem Monster zu schaffen haben, bleibt es dennoch Nekromantie. Sie versuchte, die Perspektive zu verschieben, irgendeinen Grund zu finden, weshalb man Interesse daran haben könnte, in der Totenwelt herumzupfuschen. Es gelang ihr nicht. Es sei denn... Wissen. Aber über was? Die Zukunft? Die Vergangenheit? Die Fäden des Schicksals? Verdammt, Arranges, was treibt dich an, daß du diesen Weg gewählt hast?
Sie grübelte darüber nach und kam am Ende doch nur auf ein Ergebnis. Macht. Kontrolle. Darum dreht es sich im Endeffekt immer bei dir, egal was du gesagt hast. Vielleicht wollen du und dein Laden keinen politischen Einfluß, aber individuell willst du jedes Detail in deinem Umfeld im Griff haben.
Langsam reifte ein Plan in ihr. Ja, so könnte es funktionieren...

Die Elfin raffte sich auf und begann zu packen. Pfeile hatte sie noch, das Problem mit dem Bogen war gelöst. Aus dem Fundus nahm sie sich eine Decke und etwas Pökelfleisch aus der Vorratskammer. Ich habe es bisher zwar immer vermieden, mich auf Kosten der Gilde durchzufressen, aber ich kann es jetzt nicht ändern.
Als Letztes blieb nur noch, Ah-Malz mitzuteilen, daß sie wieder für längere Zeit unterwegs sein würde. Aber im Lügen hatte sie ja langsam Übung. Sie verdrehte entnervt sie Augen.

Der große Argonier reagierte ganz anders, als sie erwartet hatte. Er schien gar nicht so abgeneigt zu sein, als sie ihm erzählte, daß ein Freund sie um Begleitschutz bei einer längeren Reise gebeten hätte. Im Gegenteil. Er war, so kam es bei Erynn an, eher erleichtert darüber, daß er einen gelangweilten Krieger weniger bei Laune halten mußte. In der Tat. Die Blackwood Company ist nicht gerade gesund für unsere Moral, ganz abgesehen von unserem Ruf. Da hilft es auch nichts, daß das Goblinproblem jetzt gelöst ist. Das Gedächtnis der Leute ist kurz. Wenn ich zurück bin, werde ich mit Ah-Malz ein ernsthaftes Gespräch darüber führen. Irgendwas an diesem neuen Söldnerhaufen stinkt. So, wie sie unsere Preise unterbieten, können die gar nicht mit sauberen Mitteln arbeiten...

Sie verbrachte den Rest des Tages damit, sich an den neuen Bogen zu gewöhnen. Es war wirklich eine großartige Waffe, wie sie feststellte. Das Ding hat sicher einiges gekostet. Wenn es als Bestechung gedacht war, daß ich bei Arranges wahnwitzigem Plan mitmache, hat es funktioniert,
Sie ging zeitig zu Bett. Wo hast du dich nur wieder reingeritten, Erynn? dachte sie noch, bevor sie einschlief.

weuze
11.02.2011, 23:46
Arranges verließ das Gildenhaus mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht. Besser könnte es kaum laufen, nicht nur, dass ich jemanden gefunden habe, der für mich den Schüler spielt, nein, es ist auch noch jemanden, den ich im Notfall einfach... verschwinden lassen kann... Natürlich nur für den Fall, dass Erynn oder die Gathering die ganze Sache irgendwie auffliegen lassen könnte... Die hohe Bewunderung, die der Kaiserliche nach dem Tode Torrahs für die Dunmer kurzzeitig empfunden hatte, war beinahe restlos verflogen.

Er trat in das Alchemiegeschäft Falanus ein. Die Dunkelelfe begrüßte ihn freudig und schwebte fast im Siebten Himmel, als der Kaiserliche eines der seltenen Male, ihren Gruß genauso freundlich erwiederte. Das kam Arranges kurz darauf recht gelegen, obwohl er es nicht genau darauf angelegt hatte. Die Dunmer versorgte ihn, nachdem er ihr sagte, wohin er gehe, mit einigen verschiedenen Tränken, darunter starke Heiltränke und mächtige Tränke, mit denen er einen argen Defizit seiner Kräfte ausgleichen konnte, was eher selten vorkam. Arranges hatte Unmengen an Energien zur Verfügung. Jedoch hatte er als Kaiserliche den Nachteil gegenüber Bretonen oder Altmer, dass er bei einer zu argen Ausreizung seiner Magie eine wahnsinnige Regenerationszeit hinnehmen musste. Die Reise war lang und würde jenseits der Grenzen Cyrodiils in den wilden Süden Morrowinds führen. Ein Trank gegen Krankheiten und einer gegen die Pest gehörten mehr oder weniger zum Sandard, wenn er nach Morrowind ging. Schriftrollen brauchte er nicht, er hatte ohnehin die wichtigsten Zauber im Kopf, nur zwei Schriftrollen mit praktischen Zaubern, die er aber nie wirklich brauchte, hatte er stets dabei. Er korrigierte seine Ausrüstung und packte noch einiges zusammen, was er am Sattel transportieren würde. Sie waren sowieso hauptsächlich mit dem Pferd unterwegs.

Es war später Nachmittag, als Arranges wieder in die Herberge eintrat und auf sein Zimmer ging. Aber statt sich etwa Gedanken über die Route zu machen oder gar, wie er Erynn etwas über das Zaubern beigringen konnte, zog es Arranges vor, bis zum Abend zu dösen. Als das Zimmer von der rot untergehenden Sonne geflutet wurde, stand der Nekromant auf, nahm die größere Satteltasche und die Zeltplane, sowie die Wolldecke und ging zu den Stallungen. Er steckte dem Stallburschen ein paar Septime zu, dafür, dass er auf die ganzen Sachen bis zum Morgen aufpassen würde und ging dann zurück in die Stadt. Am Tor vollzogen die Soldaten gerade den Schichtwechsel. Der Wachsoldat, welcher sich nach einem kurzen Gespräch ohne große Lust an dem noch geöffneten Tor postierte, war Arranges bekannt, ein kräftiger Kaiserliche etwas jünger als der Nekromant. Arranges trat näher und begrüßte ihn feundlich. 'Nachtschicht?'
'Was? ... Ach ihr seids... Ja, ich bin seit drei Wochen für die Nachtwache hier am Westtor eingeteilt. Und das nur, weil ich momentan der Ranghöchste... nach dem Hauptmann versteht sich und einer der erfahreneren Soldaten in Skingrad bin.'
'Warum? Hat man endlich eingesehen, dass die Milchbärte doch noch zu jung für den Wachdienst sind?'
'Nein, diese Halbstarken hat man nach Nordosten abkommandiert. Irgendwo in den östlichen Ausläufern der Jerallberge hat sich vor einigen Tagen ein Obliviontor aufgetan. Weitab jeglicher Zivilisation und eigentlich sind diese... kleinen Tore laut den Legionskundschaftern und den Spähern eher ungefärhlich und schließen sich nach einiger Zeit selbst wieder. Der Grund dafür, warum uns hier die Soldaten genommen werden, ist der, dass der Graf von Cheydinhal und die Gräfin von Bruma ihre Ländereien in Gefahr sehen und deswegen die übrigen Grafschaften um Hilfe gebeten haben... es scheint so, als käme diese Oblivionkrise jetzt erst richtig ins Rollen...'
'So... und warum nimmt man für so eine Aufgabe nicht eher Veteranen wie euch?'
'Das ist ja sowieso das Beste an der Sache. Die Begründung dafür lautet offiziell: Die jüngeren Rekruten sollten Erfahrung direkt im Gefecht sammeln... In Wirklichkeit ist es eher so, dass der Graf und der Hauptmann hier in Skingrad die erfahrenen Soldaten nicht rausrücken wollen, da sie selbst befürchten, bald von einem Tor bedroht zu werden... und sie wissen genau, dass sie sich dann mit diesen Jünglingen nicht helfen können...'
'Verstehe... Gibt es sonst noch irgendwelche interessanten Gerüche?'
'Hmm... nein... achja doch wartet, da war noch etwas. Ihr habt sicher von dem Portal in der Nibenbucht gehört nehme ich an... Die Bravilwache hat jetzt offiziell bestätigt, dass das Tor ungefährlich sei... allerdings würde man diejenigen, die dort hineingehen und wieder herauskommen, entweder an Ort und Stelle töten oder aber in Zwangshaft nehmen... keine Ahnung warum, aber die, die dort wieder herauskommen seien anscheinend so verrückt und greifen alles und jeden an oder sie benehmen sich anderweitig seltsam...'
Arranges nickte nur. 'Nun... ich wünsche eine ruhige Wache.' Die Wache nickte ihm stumm zum Abschied zu.

Der Kaiserliche machte sich keine weiteren Gedanken darüber. Er ging wieder zurück in die Taverne und beschloss, den Tag auslaufen zu lassen, schließlich hatten sie ab morgen einen Ritt von mindestens 6 Tagen vor sich, vorausgesetzt, sie würden nicht aufgehalten...

Am nächsten Morgen erwachte der Kaiserliche schon recht früh. Sofort machte sich angesichts seiner Situation wieder ein Lächeln auf seinem Gesicht breit. Gut gelaunt kleidete er sich an, frühstückte etwas, stockte die Vorräte mit dem Wichtigsten nochmals auf und ging zu den Stallungen. Erynn war noch nicht zu gegen, aber das störte ihn nicht weiter, er wusste, dass sie kommen würde. Er holte derweil seinen Rotfuchs aus dem Unterstand und machte sich daran, das Gepäck am Sattel so zu befestigen, dass das Gewicht gleichmäßig verteilt war und sein Reittier auch bei unebenem und rutschigem Untergrund nicht aus dem Tritt bringen konnte. Ich hoffe bloß, dass wir nicht auf den Pässen über die Valusberge in einen Sturm geraten... Bei diesem Gedanken lief ihm ein leichter Schauer über den Rücken. Aber jetzt gab es noch nichts zu bemängeln. Der Tag konnte schöner kaum sein. Die Sonne, welche gerade die ersten Strahlen über den Horizont schickte und die Welt in blasse Farben tauchte, würde schon in wenigen Stunden kräftig vom blauen Himmel scheinen und zumindest diesen ersten Reisetag sehr angenehm gestalten.

Glannaragh
12.02.2011, 16:34
Erynn erwachte relativ früh, gönnte sich ein reichhaltiges Frühstück und trabte dann los in Richtung der Stallungen. Zwar hatte der Kaiserliche nicht gesagt, wann und wo genau sie sich treffen wollten, doch sie war sicher, daß er früher oder später dort auftauchen würde.
Sie war noch immer etwas mies gelaunt über die Tatsache, daß Arranges sie am gestrigen Tag einfach rat- und hilflos hatte stehen lassen, aber sie beschloß, die ganze Sache einfach wieder zu seinem Problem zu machen. Sollte er sich doch etwas dazu ausdenken.

Als sie durch das westliche Stadttor trat, sah sie, daß der Beschwörer bereits auf sie wartete. Erynn begrüßte ihn knapp, dann holte sie ihr Pferd. „Also gut“, sagte sie. „Wohin solls denn gehen?“

'Nun, ich hoffe, ihr habt euch mittlerweile an den Blick von kargen Steppen und Felslandschaften gewöhnt... wir reisen zunächst auf der Ringstraße nach Cheydinhal und von dort aus erst über einen flachen Pass nordöstlicher Richtung nach Morrowind, dann über einen hohen und relativ unsicheren Pass über die Velothiberge hinunter in die Steppenlandschaften Westmorrowinds. Dort folgen wir der Bergkette nach Süden... die ganze Reise sollte in etwa 6 Tage dauren... vorausgesetzt, wir werden nicht aufgehalten...' Er grinste ihr entgegen. 'Aber noch sind wir ja eine Weile in Cyrodiil unterwegs, bis wir in diese unwirtliche Gegend gelangen.'

"Nach Morrowind?" sie stutzte. "Dort bin ich vor knapp fünfzig Jahren zum letztenmal gewesen." ...und ich kenne mich da kein bißchen aus. Wenn irgendwas schiefgeht, wüßte ich nicht, wohin ich flüchten sollte. Großartig.
Sie waren schon eine Weile auf der Goldstraße unterwegs, als Erynn wieder das Wort an Arranges richtete. "Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht", sagte sie ohne Einleitung, "aber die Ideen, wie ich mich der... Gathering erklären könnte, sind bestenfalls unausgegoren. Was hat Euch dazu bewogen, Euch diesem, äh, Kult anzuschließen?"

Arranges stutzte, als er eigentlich zum ersten Mal etwas über das Alter Erynns erfuhr. Es ist jedes Mal wieder ein komisches Gefühl... Sie sieht aus, wie ein Mädchen Anfang der 20 und ist doch so viel älter als ich...
'Nun, was eure Vorstellung angeht, so ist das nicht besonders schwer, ich war schon öfter dabei, als Anwärter in den Novizenstand erhoben wurden... ich werde euch dabei unter die Arme greifen und das meiste für euch erledigen...' Arranges seufzte leise. 'Ja, was hat mich dazu bewegt, mich der Nekromantie zuzwenden? Das hat bei mir eigentlich mehr eine praktische Seite, als irgendwie etwas, das man Leidenschaft nennen könnte, so wie etwa Daedranhänger ihre Kulte ausleben. Ich bin zwar geübt im Umgang mit der Klinge, aber bestimmt ist euch ein ums andere Mal aufgefallen, dass ich mich nur auf die Taktik mit dem Schwert an sich vestehe... Ein untoter Diener oder auch ein Daedra vor sich zu wissen, der alles hinnimmt, was ich befehle und sich ohne Wenn und Aber meinen Feinden entgegenstellt, ist dabei eine sehr gute Sache. Ein sehr viel geringerer Teil macht dabei das Ringen mit der gerufenen Seele an sich aus. Ich habe eine gewisse Freude daran, mich mit meinen Dienern zu messen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht nur einer Witzfigur dinen müssen, sondern, dass ich sehr wohl würdig bin, sie zu kontrollieren... mein Interesse an Nekromantie hat also auch etwas mit Machtausübung zu tun... ich weiss gerne, was um mich herum geschieht und will mir sicher sein, etwas zu meinen Gunsten beeinflussen zu können... wenngleich ich es dann nicht auch ausnutze... ihr versteht?' Er überlegte einen kurzen Moment, bevor er weitersprach: 'Warum ich mich der Gathering angeschlossen habe ist einfach zu erklären, ich habe erst zwei Jahre frei studiert, wenn ihr so wollt. Habe viele andere Nekromanten und Druiden kennengelernt... aber ich wollte die Nekromantie in ihrer reinen Form gelehrt bekommen... die erste Überlegung führte mich zu den Totenbeschwörern um den Blutwurmkönig, aber mal im Ernst, das sind bestenfalls schlechte Aushilfsmagier... unglaublich, was diese Dilettanten als Nekromantie bezeichnen... Als ich das gegenüber einer meiner Bekanntschaften einmal geäußert habe, es war eine junge Kaiserliche, hübsch und auf ihre Weise einfühlsam, riet sie mir, mit ihr zu kommen... es war Torrah, die mich zur Gathering brachte...'

Torrah... immer wieder Torrah. Kann dieses schreckliche Weib nicht einfach tot und vergessen bleiben? Sie beschloß, nicht darauf einzugehen, war aber gleichzeitig zufrieden darüber, mit ihrer Einschätzung des Kaiserlichen recht gehabt zu haben. Ja, Macht. Du willst nicht nur alles kontrollieren, sondern auch, daß jeder weiß, daß du es kannst. Selbst deinen Beschwörungen mußt du diese Tatsache noch einmal reinwürgen... aber warum? Sie fragte Arranges danach. "Wieso tut Ihr das? Eure Macht gegen die der Dienerkreaturen zu setzen, meine ich. Reicht nicht die Tatsache, daß Ihr sie überhaupt rufen könnt um zu beweisen, daß Ihr sie kontrollieren könnt?" Verwundert über sich selbst stellte sie fest, daß die Antwort sie wirklich interessierte. "Oder ist es tatsächlich möglich, daß eine beschworene Kreatur Amok läuft, wenn der Wille des Magiers zu schwach ist?"

'Hmm... Ich habe während meiner Anfänge tatsächlich mal einen jungen Nekromanten kennengelernt, der seine Beschwörungen mit Hass steuerte... fragt mich nicht, wie er das tat, jedenfalls stellte er ihnen nicht seine Willensstärke gegenüber, sondern seinen Hass auf sich selbst und alles andere. Das Skelett, welches er vor meinen Augen rief, um mir zu zeigen, dass dieses Prinzip funktionierte, attackierte nach wenigen Minuten seinen Meister... Ich unterdrücke meine Beschwörungen nicht im eigentlichen Sinne, ich zeige ihnen nur, dass ich im Moment ihrer Existenz auf Nirn über ihnen stehe und somit die Befehlsgewalt habe... Würde ich dies nicht, würden sehr mächtige Kreaturen, wie etwa ein Lich, ein Daedroth oder ein Markynaz sich irgendwann von der Bindung zu mir losreissen und selbstständig handeln... niederere Beschwörungen sind dazu nicht in der Lage, da ihr Individuum schon im Reich des Vergessens dem anderer Seelen unterliegt...'

"Ja... das Reich des Vergessens und der Kampf der Seelen untereinander war ebenfalls eines der Dinge, die Torrah mir zeigte. Kein schönes Gefühl. Es scheint, als wußte sie Wahrheit und Lüge so geschickt miteinander zu verweben, daß die Illusion noch mächtiger wurde..." Erynn machte eine wegwerfende Handbewegung, als wollte sie die Erinnerung damit abschütteln. "Mit der Beschwörung verhält es sich also eher so, als wollte man ein Pferd ausbilden, hab ich das richtig verstanden? Rohe Gewalt führt zu einem störrischen Angstbeißer, aber wenn nicht klar wird, daß der Reiter ranghöher steht, hat man am Ende ebenfalls ein gefährliches Tier."
Mittlerweile hatten sie die ersten Ausläufer des Großen Forstes erreicht. Etwas störte die Elfin. Sie zügelte ihren Wallach und hob die Hand. "Still. Ich habe irgendwas gehört." Sie glitt aus dem Sattel und griff nach dem Bogen, spähte in das Gebüsch am Wegesrand. Und tatsächlich: etwas bewegte sich dort.
"Trolle." flüsterte sie Arranges zu. Zwei, die ich sehen kann. Sie beobachten uns ebenfalls."

weuze
12.02.2011, 17:17
Genau von solchen unnötigen Reiseunterbrechungen habe ich geredet... und dann sind es keine Wegelagerer, die man ein wenig erschrecken könnte, nein, es sind Trolle... Genervt atmete Arranges aus, als er sich ebenfalls langsam aus dem Sattel gleiten ließ. Er legte eine Hand an das Schwert, während er leise an Erynn herantrat und ebenfalls ins Gebüsch starrte. Seltsam, warum greifen sie nicht an? Arranges war nicht ganz wohl bei dem Gedanken. Er konzentrierte sich einen Moment, ehe ein magischer Impuls von ihm ausging. Er hatte es ja fast geahnt, noch ehe er die Informationsflut sortieren konnte, brach hinter ihnen auf der anderen Seite der Straße ein dritter Troll aus dem Gebüsch hervor und raste auf sie zu. Er hatte wohl Erynn im Visier, die ja bereits ihre Waffe gezogen hatte. Arranges fuhr von dem lauten, von Trollen bekannten Glucksen herum. Bevor der Troll sie erreicht hatte, rempelte Arranges die Dunmer zur Seite und zog blitzschnell sein Schwert. Im nächsten Moment traf ihn die Wucht des Trollkörpers. Die Bestie hatte ihn umgerannt und war nun über ihm. Der Nekromant hatte instinktiv reagiert und das Schwert wie einen Kampfstab quer vor sich gelegt, bevor die Klauen des Trolls ihn erreichen konnten. Doch jetzt hatte er damit ein anderes Problem, welches nicht minder bedrohlich war.

Auf dem Rücken liegend, sah er sich der Fratze der Kreatur gegenüber, welche beharrlich mit ihren Branken das Schwert des Kaiserlichen niederdrückten. Arranges versuchte die Klinge oben zu halten und hielt mit zitternden Armen dagegen. Verfluchte Kreaturen... intelligenter als Oger und beinahe so stark... Eine Hand des Kaiserlichen hüllte sich für einen kurzen Moment in stechendes Rot, dann trat im Rücken des Trolls ein Daedroth aus dem Nichts. ein drohendes Gurgeln war zu hören, dann grunzte der Troll auf, als die dolchartigen Klauen des Daedras ihm links und rechts in die Seiten fuhren und ihn von dem Beschwörer herunterriss...

Glannaragh
12.02.2011, 18:15
Erynn legte auf eine der Kreaturen im Gebüsch an, als Arranges sie zur Seite stieß. Sie kam aus dem Gleichgewicht und stolperte, fing sich aber rasch wieder. Nicht zu fassen! Schon wieder... er tut es schon wieder!
Sie fuhr herum, als sie hinter sich Radau hörte. Der Kaiserliche rang mit einem weiteren Troll, den sie nicht bemerkt hatte. Nun, in diesem Fall... Sie zog die Sehne zurück. Es würde ein riskanter Schuß werden, aber Arranges sah nicht so aus, als würde er das Kräftemessen mit der muskelbepackten Kreatur noch lange durchhalten. Die Elfin nahm sich einen Moment, um genau zu zielen, als sie das Leuchten eines Beschwörungszaubers und die mittlerweile vertraute Verschiebung in der Luft warnahm. Aus dem Riß in der wachen Welt schälte sich ein echsenartiger Dämon, dem Viech sehr ähnlich, das der Beschwörer in der Goblinhöhle von der Kette gelassen hatte. Als sie das Reißen von Fleisch und die erstickten Quieklaute des Trolls hörte, hatte sie sich schon wieder ihren ursprünglichen Zielen zugewandt.

Die beiden Trolle brachen aus dem Unterholz und kamen in erstaunlicher Geschwindigkeit auf sie zu. Den ersten erwischte sie mit einem sauberen Kopfschuß, der ihn herumwirbelte und sich mehrfach überschlagen ließ. Der zweite war bereits zu nahe, um den Bogen noch einmal sicher einsetzen zu können. Erynn ließ ihn fallen, zog ihr Schwert und brachte es seitlich von ihrer Hüfte in Angriffshaltung. Ihr Plan war, den Troll einfach in die Klinge hineinrennen zu lassen und sich dann so schnell wie möglich wegzudrehen; für elegantere Manöver blieb keine Zeit.
Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Wieder wurde sie weggestoßen, diesesmal ungleich härter. Der Daedroth fegte an ihr vorbei wie ein heißer Wind und warf sich mit einem Fauchen, das ziemlich verdächtig nach freudiger Bösartigkeit klang, auf die angreifende Kreatur.
Knochen splitterten, als der Echsendämon den Troll zerriß und sich dann an seinem Fleisch gütlich tat. Erynn war plötzlich so fasziniert von dem Wesen, daß sie für ein paar Augenblicke einfach nur dastand und es stumm betrachtete – das Spiel der Muskeln unter der schuppigen Haut, die fließenden, fast anmutigen Bewegungen mit denen es den Kopf neigte, als es die Fänge in seine Beute senkte.
Der Kaiserliche fiel ihr wieder ein. Sie ging zu ihm herüber, packte seinen Arm und zog ihn auf die Füße. Erst jetzt bemerkte sie, wie schnell ihr Herz schlug. Während des kurzen Kampfes war sie ruhig gewesen, wie sie zufrieden feststellte, aber jetzt fühlte sie sich irgendwie aufgekratzt.
„Nichts gebrochen?“ fragte sie Arranges. „Und... äh. Darf ich die Echse anfassen, oder frißt sie mich dann auch?“

weuze
12.02.2011, 18:43
Als endlich das Gewicht des Trolls von ihm herunter war, ließ der Kaiserliche nur gequält die Klinge sinken und rang keuchend nach Atem. Das Einzige, was er seiner Beschwörung übermittelte, war, dass sie sich gegen alles wenden sollte, was ihn oder Erynn irgendwie bedrohte. Der Daedra schien wohl verstanden zu haben, denn nur einige Augenblicke später hörte Arranges, wie es einen weiteren Troll außeinandernahm. Nochmals einige Herzsschläge später fand Erynn sogar Zeit, ihn wieder aufzustellen. Doch die Frage, die sie ihm stellte verschlug dem Kaiserlichen die Sprache. Sie will... was?! Mit zunehmender Verblüffung klappte er den Mund auf um etwas zu sagen, aber er hätte nicht gewusst, was er ihr antworten sollte. Aber schließlich fing er sich wieder, straffte seine Haltung und steckte das Schwert weg. 'Nun... warum sollte euch das Daedroth fressen... an euch ist ja kaum etwas dran...' Er sah zu seiner Beschwörung, welche immer noch über dem Troll hing, der nur noch mit viel Phantasie als solcher zu erkennen war. Nach einem kurzen Moment blickte das Reptil über die Schulter zu seinem Meister, ehe es sich ganz umdrehte. Der Torso der Kreatur war blutüberströmt, auf einer Seite der breiten, flachen Schnauze hing ein hautfetzen herunter. Arranges legte den Kopf ein wenig schief und zog eine Augenbraue hoch, als wolle er den Daedra fragen, was dieser wieder angestellt hatte. Auf diese Geste hin schüttelte sich die Bestie einmal wie ein nasser Hund. Zufrieden nickte Arranges. Dann kam das Daedroth näher und baute sich vor ihm und Erynn auf.

Der Kaiserliche nickte in Richtung der Dunkelelfe, woraufhin das Monstrum sich ein wenig zu ihr drehte und sie ansah. Die Kreatur senkte den mächtigen Kopf ein wenig, war das Biest doch um einiges größer als Erynn. 'Nur zu, er wird euch nichts tun...'

Glannaragh
12.02.2011, 19:36
Erynn schoß einen giftigen Blick auf den Rücken des Beschwörers ab. Ich weiß selbst, daß ich nicht gerade wie eine Dibellapriesterin aussehe. Idiot. Sie würde sich hüten, darauf herumzureiten, der Kaiserliche hatte, ohne es zu wissen, einen wunden Punkt getroffen. Das stumme Zwiegespräch zwischen Arranges und der Kreatur, bei dem es sich augenscheinlich um die Tischmanieren des Deadroth drehte, erheiterte sie jedoch so sehr, daß sie sich nicht länger ärgerte.

Sie hielt die Luft an, als die große Echse näher kam und seinen Kopf langsam zu ihr herabsenkte. In den Augen mit den geschlitzten Pupillen lag fast so etwas wie Intelligenz, und noch etwas anderes. Neugier...?
Auf Arranges Ermutigung hin zog sie einen Handschuh aus, hob langsam die Hand und legte sie auf die Nase des Wesens. Was ihr als erstes auffiel, war die Wärme. Die Haut war so warm, als hätte es Feuer statt Blut in den Adern. Mit den Fingerspitzen fuhr sie den Nasenrücken entlang, kraulte die Stirn. Die Schuppen am Kopf waren klein und glatt, im Gegensatz zum Rumpf, wo sie eher borkig aussahen.
Erynn fuhr fort, den Daedroth über den Augen zu kraulen, und dann, ganz langsam, streckte es den Hals und senkte den Kopf noch tiefer. Ein leises, zufriedenes Grollen erklang. Erstaunt sah sie Arranges an. „Ist das... normal?“ Sie erwartete gar keine Erwiderung. Der Gesichtsausdruck des Kaiserlichen war Antwort genug. Sie strich noch einmal am Nasenbein der Echse entlang, bis über seine Nüstern, dann trat sie zwei Schritte zurück.
„Danke“, sagte sie mit einem Lächeln an den Beschwörer gewandt, der den Daedroth derweil zurückschickte.

Erynn zog den Handschuh wieder an. „Seltsam“, sagte sie mit einem versonnenen Blick auf den Trollmatsch vor ihr. „Ich wußte gar nicht, daß Trolle zu strategischem Denken fähig sind... Nun, es scheint ein ganzer Tag voller Seltsamkeiten zu sein.“ Sie sammelte den Bogen auf und schwang sich wieder in den Sattel. „Machen wir, daß wir weiterkommen. Je eher ich dieses Vorstellungsgespräch hinter mich bringe, desto besser.“

weuze
12.02.2011, 22:07
'Kein Problem...' Murmelte Arranges, nachdem sich Erynn für diese eher ungewöhnliche Geste Bedankte. Er hatte für einen Moment den jungen Arranges vor Augen, der staunend vor einem Lich stand, als Meister Jurano ihm zeigte, was mit der Nekromantie alles möglich wäre... Aber das war viele Jahre her.

Er zog sich in den Sattel, der harte Aufschlag mit dem Rücken auf dem Boden, hatte wohl doch seine Spuren hinterlassen. Das wird blaue Flecken geben... warum musste ich mich auch wieder vor sie werfen... Trotz diesen Gedanken, teilte Arranges die Meinung der Dunmer. Er wollte diese Zusammenkunft mit der Gathering ebenfalls so schnell wie irgend möglich hinter sich bringen...

Die nächsten zwei Tage kamen sie ohne weitere Zwischenfälle voran. Am Mittag des dritten Tages hatten sie Cyrodiil auf dem Joch des ersten Passes zwischen den Nordausläufern der Valusberge und der querverlaufenden Kette des Jeralmassivs entgültig hinter sich gelassen. Der erste der zwei Pässe war zwar noch relativ flach gewesen, aber sie konnten von oben zwischen den Bergflanken hindurch, weit ins Herzland hineinschauen. Der Himmel war noch immer klar und die Sonne schien, aber der zugige Wind ließ keine richtige Wärme aufkommen. Sie kamen gut voran, der Pass war recht gut befestigt, trotz der Tatsache, dass er nur wenig benutzt wurde. Auf der anderen Seite kamen sie in eine Schlucht hinab. Eine enge, lebensfeindlich karge Felsschlucht, die zwischen den gedrängten Velothibergen im Osten und den Ausläufern der Valusberge im Westen verlief. In der Schlucht machten die beiden Reisenden Rast, obwohl es noch hell war, aber keiner der beiden wollte es wagen, in der Nacht auf dem Pass, der noch kam, fest zu sitzen.

Der nächste Morgen sorgte nicht für die übliche gute Laune, die bei Arranges, wie Erynn die letzten Tage vorherrschte. Über Nacht hatten dicke Wolken den Himmel verdunkelt, Dunstschleier waberten durch das Tal und verhüllten die Gipfel der Berge. Verdammt... wir sollten zusehen, dass wir diesen Pass schnell hinter uns bringen... Arranges hatte nicht weniger Bedenken als Erynn. Er versuchte dem Wetter die stumme Drohung zu nehmen, indem er Erynn versicherte, dass der Pass gut begehbar war und auch bei Regen nicht sehr viel schlimmer werden würde. Sie brachen ihr Lager ab und folgten dem schwach gekennzeichneten Weg quer durch die Talsohle. Dort, wo der Einstieg des Passe gekennzeichnet war, gabelte sich ihr Weg. Einer führte gerade aus in die fast senkrecht erscheinende Felswand, der andere knickte nach Norden ab. Sie ritten weiter auf den Pass zu. Schon nach kurzer Zeit ging der Weg in Serpentinen über und schlängelte sich schmahl an der arg steilen Felswand nach oben. Hin und wieder waren am äußeren Rand des Weges Holzgeländer oder Strickzäune angebracht, die aber schon deutliche Spuren der Abnutzung durch die Witterung zeigten. Es musste in etwa Mittag sein, als sie vollständig von den Wolken eingehüllt wurden und kaum mehr weiter als 10 Armlängen sehen konnten. Es war totenstill, sie hörten nichts anderes als das leise Rauschen des Winde und das verhallende Echo der klappernden Hufe. Ich weiss schon, warum ich diesen Weg hier hasse... normalerweise habe ich immer den sehr viel bequemeren Weg durch die Schlucht nach Norden auf die Steppen hinaus zum Haus des Meisters... Das war einer der Gründe, warum Arranges eine direkte Einberufung zu einer Versammlung nur verärgert hinnahm oder gar nicht wahrnahm. Nach Arranges Orientierung mussten sie kurz vor der Überquerung des Sattels sein und es bald geschafft haben.

Der Kaiserliche rief sich den weiteren Wegverlauf nach den Bergen ins Gedächtnis, als direkt vor seinen Augen plötzlich etwas kleines Weißes heruntersegelte... da, nochmal eines dieser Dinger. Schneeflocken! 'Verdammt! Erynn...' Er hielt seinen Rotfuchs an und wandte sich im Sattel zu der Dunmer um. 'Ich hoffe ihr habt viele Decken eingepackt, es kann sein, dass wir auf dem Joch oben arges Wetter zu erwarten haben...' Es ist zum Davonrennen... Doch Arranges konnte es nicht ändern, sie mussten zusehen, dass sie von dieser Wand wegkamen, bevor das Unwetter auf diese Seite des Bergkamms trieb und sie überraschte. Missmutig starrte er jede der vereinzelt vom Himmel gleitenden Schneeflocken an, während er Versuchte auf dem recht schmahlen Pfad etwas schneller zur reiten. Aber sein Orientierungssinn hatte ihn nicht geteuscht, nach einer weiteren halben Stunde waren sie oben auf dem Joch angekommen.

Doch als Arranges die letzte Serpentine nahm und bereits oben über den Sattel des Kamms blicken konnte, wurden seine Befürchtungen bestätigt. Auf der anderen Seite schoben dunkle Wolken das ihm jetzt sehr freundlich erscheinende Weiß überall um sie herum, aus den Niederungen herauf. Die Straße führte einige Meter eben über den Kamm, bevor sie auf der anderen Seite genau so steil wieder hinabführte, wie sie eben heraufgekommen waren. Das Joch beschrieb eine tiefe Einkerbung zwischen zwei Bergen, deren Hänge unten am Weg zwar flach ansetzten, aber schon nach wenigen Metern in steile Felswände übergingen und über ihren Köpfen in den Wolken verschwanden. Sie waren gerade oben angekommen, als schneidende Windböen vom Tal heraufzogen und sich einige mehr Schneeflocken zu den bisherigen gesellten. 'Wir können bei diesem Wetter den Abstieg auf keinen Fall wagen Erynn, das wäre blanker Selbstmord... Wir müssen das Wetter hier aussitzen... legt eurem Pferd eine Decke um und schnürt sie gut fest, dann lasst es einfach stehen, die Tiere sind intelligent genug und suchen sich ihren Schutz selbst...' Der Kaiserliche sattelte hastig seinen Rotfuchs ab. Er machte die Wolldecke vom Sattel los und legte sie seinem Reittier schützend über den Rücken und den Nacken. Am Bauch befestigte er den provisorischen Windschutz mit einem Strick. Dann sah er sich etwas gehetzt um. Aber es gab keinen richtigen Schutz, hier oben wuchsen keine Bäume, nichteinmal Sträucher. Größere Felsbrocken konnte er auch nicht erspähen. Leise fluchte er vor sich hin, als er damit begann, sich die zwei Decken, die er noch dabei hatte, umzulegen.

Ein schwacher, aber dafür beißend kalter Wind setzte ein und die Schneeflocken wurden rasch dichter, während er mit Erynn zusammen den Steilwandansatz die wenigen Meter hinauflief. Arranges legte seinen Sattel und die Tasche an die annähernd senkrechte Felswand und setzte sich nieder. 'Ein Feuer wird wohl kaum möglich sein, tut mir leid...' Noch während er sich setzte und mit der Zeltplane hantierte, nahm der Wind zwar an Stärke nur leicht, dafür aber an Kälte um so mehr zu. Die Schneeflocken wurden stark verweht und es war, als würde die Nacht hereinbrechen. Schnell wurde es dunkel wie während der Dämmerung...

Glannaragh
12.02.2011, 23:29
„Wenn ich vorher gewußt hätte, wohin wir gehen, hätte ich mehr Decken eingepackt“, sagte sie mit klappernden Zähnen. Sie litt schon unter der Kälte, seit sie den Fuß des Valusmassivs erreicht hatten, wollte sich jedoch nicht die Blöße geben, sich zu beklagen. Bis hierher hatte sie immer noch gehofft, daß es so schlimm schon nicht werden würde, aber für diese Temperaturen war sie einfach nicht geschaffen. Der schneidende Wind tat sein Übriges, und Erynn hatte das Gefühl, daß ihr nie wieder warm werden würde.
Sie rechnete es Arranges hoch an, daß er in den letzten Tagen versucht hatte sie bei Laune zu halten, doch hier auf der ungeschützten Anhöhe halfen weder Gold noch gute Worte.
Mit steifen und vor Kälte kraftlosen Fingern löste sie den Sattelgurt, schüttelte den Woilach aus, den sie als Polster unter dem Sattel verwendete und band ihn auf Falchions Rücken fest. Die zusätzliche Decke, die sie dabei hatte, schlang sie um ihre Schultern. Normalerweise hielt der fest gewalkte Stoff Kälte und auch Nässe wirksam ab, aber im Moment hätte sie sich ebensogut ein Seidentuch überwerfen können.

Erynn folgte Arranges stolpernd zu der Felswand hinauf, den Sattel dabei hinter sich herschleifend. Sie hatte nicht einmal mehr die Kraft, ihn hochzuheben. Zwar verstand sie die Notwendigkeit, das schlechte Wetter hier abzuwarten, doch war die Bewegung das Einzige gewesen, was sie zumindest ein bißchen gewärmt hatte.
Die Elfin ließ sich einfach an der Felswand herabsinken und lehnte sich an den Sattel, der noch die letzte Wärme von Falchions Körper enthielt. Ihre Zehen schmerzten so furchtbar, daß sie sie am liebsten abgehackt hätte. Sie zitterte unkontrolliert, während der Kaiserliche noch mit der Zeltplane kämpfte und es schließlich schaffte, das Segeltuch über sie beide zu breiten. Das hielt wenigstens den Wind ab, wirkte gegen den grausamen Frost aber kein bißchen.
Erynns Gedanken schweiften ab, zurück nach Morrowind. Dort war es immer irgendwie warm gewesen, selbst wenn der Nordwind wehte. Man mußte sich nur auf den Boden legen, dann fror man nicht. Als sie, gerade sechsjährig, nach Cheydinhal gekommen war, war sie verstört gewesen, daß dieser Trick da nicht funktioniert hatte. Noch einmal drei jahre später hatte sie die Erklärung endlich verstanden, die ihr Vater ihr damals gegeben hatte. „Auf Vvardenfell fließt an vielen Stellen Magma sehr dicht unter der Oberfläche. Es wärmt die Erde, darum wird es dort niemals wirklich kalt...“ brabbelte sie leise vor sich hin, merkte nicht einmal, daß sie ihre Gedanken aussprach. „Obwohl es weiter nördlich als Cyrodiil liegt...“
Diese halbverschütteten Erinnerungen trösteten sie, und auf einmal war ihr auch nicht mehr kalt. Dafür war sie müde, so wunderbar, angenehm müde. Sie würde die Zeit, die sie hier bleiben mußten, einfach verschlafen. Nur für ein paar Stunden, bis wir weiterziehen können. Heraus aus diesem gräßlichen Gebirge. Nur für eine kleine Weile...

weuze
13.02.2011, 00:32
Arranges war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, hier oben warten zu müssen, bis das Schneetreiben endlich nachlassen würde, aber sie hatten keine Wahl. Wäre er allein und ohne Pferd unterwegs gewesen, hätte er den Abstieg wahrscheinlich gewagt, aber mit Pferd und Erynn, die sich schon bei ein bisschen kälterem Wetter und Regen schwer tat, war das absolut unmöglich.

Er lehnte mit dem Rücken an der Felswand, mit einer Hand stützte er die Plane ein wenig hoch, die andere Hand hatte er zur Faust geballt aus der eine kleine Kerzenflamme flackerte. Sein Atem bildete blasse Wölkchen vor dem Gesicht des Nekromanten. Er spürte die Kälte deutlich, aber er zitterte noch nicht, dafür hatte er Gänsehaut an den weniger geschützten Armen und im Nacken. Da können wir nur hoffen, dass dieses Wetter nicht zu lange anhält... Erynn begann plötzlich etwas vor sich hin zunuscheln. Die Augen waren halb geschlossen und die Lider flatterten leicht, als ob sie eigentlich schlafen wollte, sich ihr Körper aber noch dagegen wehrte. Verfluchter Scheissdreck... sie wird mir doch wohl nicht erfrieren?! Arranges ließ das Flämmchen verpuffen und griff Erynn instinktiv an den Hals um nach dem Puls zu tasten. Erschrocken zuckte er zusammen, ihre Haut war eiskalt und der Puls nur sehr langsam. Oh nein... so haben wir nicht gewettet! Er musste jetzt schnell handeln, wollte er sie am Leben halten. Mehr als einmal hatte er erlebt, wie schnell jemand erfrieren konnte. Wärme! Und zwar so schnell und so viel wie möglich konnten allein gegen den Kältetod helfen. Arranges Bewegungen waren trotz dessen, dass er versuchte ruhig zu handeln, von einer gewissen Hektik.

Er zog die Dunkelelfe zu sich heran. Auf seine Berührungen reagierte sie schon nicht mehr richtig. 'Hee! Erynn! Verdammt nochmal, ihr müsst wachbleiben!' Ein leises Stöhnen war zu vernehmen, mehr aber auch nicht. Arranges, der die Beine zuvor leicht angezogen hatte, streckte sie jetzt aus und spreizte sie. Er wuchtete Erynn vor sich und lehnte sie behutsam mit dem Rücken an seine Brust. Sie fühlte sich schon mehr wie ein Eisklotz als ein Lebewesen an. Dreck! Ich bin nicht schnell genug... Arranges ließ verzweifelt seine Feuermagie wirken, aber die Lederrüstung der Elfe war wie eine unerwünschte Isolierschicht. Stumm fluchte Arranges vor sich hin, während er nach den Schnallen suchte, die die Rüstung am Körper der Dunmer hielten. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der Arranges ehrlich am Verzweifeln war, da Erynn immer noch kälter wurde, hatte er endlich die Verschlüsse gefunden. Nach einiger Flucherei, hatte er die Schnallen endlich offen... Doch er zögerte einen Moment... Na los du Trottel, mach schon! Mit seinen gut warmen Händen tastete er sich unter das Hemd der Elfe und schlang einen Arm um den Bauch, den anderen oberhalb der Brust um ihren eiskalten Körper. Er drückte sie an sich. Langsam erhöte er den Feuerzauber, bis sein ganzer Körper nicht heiß, aber doch sehr warm war. Er hatte auch die Beine der Elfe angewinkelt aufgestellt und seine eigenen wie im Schneidersitz darum gelegt. Sie war so stark ausgekühlt, dass es recht lange dauerte, bis er die Elfe wieder auf einer dem Tode fernen Temperatur hatte. Schließlich konnte er den Feuerzauber nicht ausschöpfen, sonst wäre sie trotz ihrer natürlichen Feuerresistenz schlicht an dem Temperaturschock gestorben. Während dieser Zeitspanne betete Arranges, dass es nicht zu spät war, da ihre Körpertemperatur nur unmerklich langsam anstieg. Er versuchte einige Male sie durch Worte wach zu bekommen, aber sie war mental der Kälte unterlegen und mehr oder weniger bewusstlos.

Erst, als der Sturm merklich nachließ, machte sich in Arranges Erleichterung breit, musste er jetzt nicht mehr gegen eine Naturgewalt ankämpfen. Die Kälte jedoch blieb.

Arranges war leicht eingenickt und wachte erst auf, als ihn eine leichte Berührung im Gesicht kitzelte. Er öffnete die Augen und sah sogleich, dass es einerseits hell war und die Sonne durch die Zeltplane drang und sich anderseits die weißen Haare Erynns leicht bewegten. Ein leises Seufzen ging von der Dunmer aus und sofort war Arranges hellwach. Erschrocken und etwas peinlich berührt, zog er hastig seine Arme zurück...

Glannaragh
13.02.2011, 15:02
Erynn träumte von Ald Velothi. Als sie dort lebte, hatte es dort insgesamt drei Kinder gegeben, die ungefäht in ihrem Alter waren. Gemeinsam waren sie oft über die Stege am Wasser getobt. Einer von ihnen war beim Rumhampeln einmal heruntergefallen, und als er pitschnaß wieder an Land krabbelte, hatte sich ein Schlachterfisch in seine Wade verbissen. Das sorgte für einige Aufregung in dem kleinen Kaff; es war Erynns erstes, kleines Abenteuer. Später grillten sie den Fisch über dem Feuer, Balen zeigte allen stolz seinen Verband und war der Held des Tages.
Ihr Vater hatte die Gelegenheit genutzt und ihr den Kopf des Fisches gezeigt, wie das Gebiß funktionierte und versucht ihr zu erklären, warum das Tier mehrere Zahnreihen hatte. Sie hatte es noch nicht begreifen können, aber das machte nichts. Papa wußte schließlich alles, und das war gut genug für sie. Sie kuschelte sich zufrieden seufzend in seinen Schoß und fuhr mit den Fingern vorsichtig an den spitzen Zähnen entlang.

Erynn erwachte und hatte nicht die geringste Ahnung wo sie sich befand, aber plötzlich war ihr kalt. „Papa?“ Sie drehte sich ein Stück herum und verstand die Welt nicht mehr, als sie in tiefblaue Augen schaute statt der erwarteten roten. Angestrengt runzelte sie die Stirn, während sie versuchte, der Situation einen gewissen Sinn abzuringen.
Ein weiteres Zittern schüttelte sie durch und ließ das Segeltuch über ihr rascheln. Auf einen Schlag kehrte die Erinnerung zurück. „Arranges? Warum...? Was ist passiert?“

weuze
13.02.2011, 15:40
Als Erynn den Kopf zu ihm drehte und ihn fragte, was los war, dankte Arranges stumm den Göttern. Er sah ihr für einige Sekunden nur stumm in die Augen, seine Arme, die ihr das Leben gerettet hatten, einfach hängen lassend. Der Feuerzauber wirkte noch immer und angenehme Wärme ging vom Körper und den Armen des Kaiserlichen aus. 'Ich sollte bald doch nochmal eine Pilgerreise zu den Schreinen der Vier machen und ihnen für ihre Gnade danken...' Murmelte er unbewusst vor sich hin. 'Ich habe euch gewärmt... ihr ward eiskalt und hattet schon das Bewusstsein verloren.' Er errötete leicht. 'Verzeiht, wenn ich euch unangenehm berührt haben sollte... aber anders hätte ich keine Chance gehabt, euch warm zu halten...' Er überlegte, ob er nicht wenigstens ihr Hemd, welches sich nach oben geschoben hatte, wieder herunterziehen sollte und ihr die Rüstung wieder zurechtrücken sollte, verwarf den Gedanken daran aber direkt wieder.

Glannaragh
13.02.2011, 17:24
Ach du liebe Güte! Erynn wandte dem Kaiserlichen schnell den Rücken zu, stemmte sich auf die Knie hoch und brachte ihre Kleidung in Ordnung. Die Vorstellung, was Arranges gesehen oder berührt haben könnte, erschreckte und verunsicherte sie. Sie schloß die Schnallen an ihrer Rüstung, dann krabbelte sie unter der Plane hervor.
„Das Unwetter hat sich verzogen“, sagte sie überflüssigerweise, „aber es ist jede Menge Schnee gefallen.“ Sie sah sich um. Der Paß war von reinem, unberührten Weiß bedeckt, und es war immer noch klirrend kalt. Wenigstens schwieg der Wind jetzt.

Die Pferde standen ein Stück entfernt an der Felswand, dicht zusammengedrängt und mit hängenden Köpfen. Erynn packte sie kurzerhand bei der Mähne und führte sie zurück zu dem improvisierten Lager. Steif und schwerfällig folgten sie ihr, in den Augen einen eindeutig anklagenden Blick. „Tut mir leid, ihr beiden“, murmelte sie. „Mir wäre es auch lieber gewesen, von dem Sturm verschont zu bleiben.“
Arranges hatte derweil die Zeltplane wieder zusammengepackt, und gemeinsam machten sie sich daran, die Pferde zu satteln und zu beladen. Erynn hauchte ein paarmal auf das metallene Gebißstück der Trense um es anzuwärmen, bevor sie es ihrem Braunen ins Maul schob.
Sie wandte sich dem Kaiserlichen zu: „Arranges. Danke... dafür, daß Ihr mich warmgehalten habt, meine ich. Ich weiß noch nicht, wie ich mich dafür revanchieren kann, aber Ihr habt was gut bei mir.“

Der Abstieg war zu steil, als daß sie hätten reiten können, und so führten sie die Pferde langsam den verschneiten Pfad herunter. Immer wieder stolperten die Tiere und mußten durch gutes Zureden zum Weitergehen bewegt werden. Sie legten etwa auf halber Strecke eine kurze Pause ein, nachdem dem Fuchs die Hinterbeine weggerutscht waren. Es schien ihm nichts Schlimmes geschehen zu sein, er stand bald wieder auf und schüttelte sich heftig, weigerte sich aber, auch nur einen weiteren Schritt zu tun. Arranges flüsterte ihm einige Worte zu und strich dem Tier über die Nüstern, bis es sich beruhigte. Immer wieder mußten sie anhalten um den Schnee abzuschlagen, der sich unter den Hufen der Reittiere stollte.
Zwei- wie Vierbeiner atmeten auf, als sie die Serpentinen endlich hinter sich ließen und der Pfad für eine Weile wieder nahezu eben wurde.
„Wie sieht der weitere Weg aus?“ fragte die Elfin. „Ich will den Tieren heute nicht unbedingt noch so eine Kletterpartie zumuten.“

weuze
13.02.2011, 20:11
Arranges war erleichtert, als sie endlich den Fuß des Passes erreicht hatten. Schon von den Serpentinen aus konnten sie weit ins Land hineinsehen. Eine karge Steppe mit rauem Klima breitete sich zu Füßen der Velothiberge aus. Weiter südlich verschwamm das Graubraun der Steppe langsam aber sicher mit dem satten Grün der Wälder, die sich aus Argonia herandrängten. 'Das brauchen wir auch nicht mehr, ab hier dürfte es noch ein Ritt von vielleicht einem Tag sein... ich würde vorschlagen, dass wir durchreiten. Das Wetter in der Steppe ist sehr wechselhaft und ich habe wirklich nicht das Bedürfnis nochmal in einen Sturm zu geraten, auch wenn die Stürme im Flachland wesentlich erträglicher sind als jene, die um die Gipfel der Berge pfeifen... Wir folgen von hier aus dem Gebirge nach Süden, bis in die Wälder hinein, dann haben wir es geschafft...' Der Kaiserliche versuchte aufmunternd zu klingen.

Sie machten nochmals eine kurze Rast, als sie schlussendlich unten in den Steppen angekommen waren, dann ritten sie mit flottem Tempo weiter. Eine Nacht und einen halben Tag waren sie ohne größere Rast unterwegs, als die Vegetation immer mehr zunahm und sie sich bald in einem lichten, aber durchgängigen Wald, ähnlich dem Großen Forst, wiederfanden. Gegen Abend dann zeichnete sich vor ihnen zwischen den Bäumen ein großer, aber flacher Holzbau ab. Eine ungewöhnlich große Jagdhütte, mit flachem Dach aus dunklen Schindeln. Ein paar wenige Fenster und eine massive Holztür waren in der Hausfront zu sehen. Etwas abseits befand sich ein etwas kleinerer Schuppen. Vor dem Haus standen zwei kräftige Pferde. Sie waren weder aufgezäumt, noch gesattelt, friedlich grasten die Tiere vor dem Gebäude und störten sich nicht an Arranges oder Erynn. Der Kaiserliche stieg vor dem Haus ab. Sie luden das Gepäck ab und nahmen den Pferden Zaumzeug und Sattel ab. Arranges gab Erynn zu verstehen, dass sie die Tiere hier ruhig frei stehen lassen konnten. Sattel und Zaumzeug brachten sie in den Schuppen, dann traten beide, das Gepäck über den Schultern und unter die Arme geklemmt, in die Jagdhütte ein. Innen eröffnete sich ihnen ein großer Raum, der sich durch die gesamte Hütte zog. An der gegenüberliegenden Wand zog sich eine Art Garderobe über die ganze Mauerlänge, unregelmäßig wurde die kniehohe Bank von breiteren, offenen Holzschränken unterbrochen. Der Boden war mit Naturstein ausgelegt. auf der linken Seite führte eine breite Steintreppe zu einer ebenso breiten Tür nach unten in einen Keller. An der Wand rechts stand ein Schreibtisch. Mit dem Rücken zu ihnen gewandt saß dort eine Gestalt, gekleidet in dunkelblau. Das goldene, seidige, schulterlange Haar verriet, dass es sich um eine Frau handeln musste. Der ganze Raum wurde von einem ausladenden, aber schlichten Leuchter an der Decke erhellt. Arranges hatte Erynn noch vor dem Haus zu verstehen gegeben, dass sie ersteinmal nichts sagen sollte, bis sie in seiner Kammer wären.

Die Frau an dem Tisch machte keine Anstalten sich zu erheben. Arranges verschwendete auch keine Zeit darauf, zu warten, bis sie auf die Idee kommen könnte. Er blickte zu Erynn und deutete mit dem Kopf zu der Garderobe. Sie legten ihre Satteltaschen ab. Arranges wäre es eigentlich am liebsten gewesen, wenn er direkt in sein Zimmer verschwinden hätte können, aber sie mussten ihre Ankunft eintragen lassen. Der Nekromant wollte gerade auf sich aufmerksam machen, als die Frau den Federkiel weglegte und mit dem Stuhl vom Tisch wegrutschte. Sie stand auf und kam zu ihnen. Die Kaiserliche war nur wenig kleiner als Arranges. Sie war mindestens so gottgleich schön wie Torrah, nur hatte sie nicht diese beinahe ekelerregende und falsche Unschuld im Blick. Mit ihren tiefbraunen Augen musterte sie Arranges und Erynn freundlich. 'Seid gegrüßt Mentor Arranges Moryn.' Sie beugte leicht das Haupt. Als sie wieder aufsah, warf sie dem Kaiserlichen einen undeutbaren Blick zu, bevor sie sich zu Erynn wandte. 'Seid gegrüßt...'
'Lady Erynn Releth, meine Schülerin.' Fiel ihr Arranges ins Wort. Die Kaiserliche stutzte einen Moment, bewahrte aber ihre Haltung. 'Seid gegrüßt und willkommen Schülerin.'
'Seid mir ebenfalls gegrüßt Vaiolenna... sagt, wer ist denn schon anwesend?'
'Die Gathering hat aufgrund von Ausfällen Verzögerungen hinnehmen müssen. Zwei der Großmeister sind bereits anwesend, wir erwarten die restlichen innerhalb der nächsten zwei Tage. Meisterin Marie und Meister Jacoll sind bereits hier. Meister Jurano wird noch für heute Abend erwartet. Meister A'Ntiala ist kurz vor euch hier angekommen, von den restlichen Meistern wissen wir nicht, wann sie eintreffen werden, die Zusammenkunft findet allerdings wie immer dann statt, wenn die Gathering vollzählig ist.'
'Ah... wenn ihr so nett wärd und mir bescheid geben könntet, sobald Meister Jurano angekommen ist?'
'Selbstverständlich.' Die Kaiserliche beugte vor Arranges wiederholt das Haupt und kehrte dann zu ihrem Schreibtisch zurück. Bevor sie sich setzen konnte, sprach Arranges sie nochmals an: 'Vaiolenna, könntet ihr es einrichten, dass Lady Erynn ein Zimmer bekommt?'
'Nun, ich werde sehen, was ich tun kann Mentor.'
'Seid bedankt...'

Sie nahmen ihr Gepäck wieder auf und Arranges winkte der Dunmer, ihm zu folgen. Er ging die Treppe hinunter und schob die Tür auf. Dahinter befand sich ein Raum, der an eine Vorratskammer erinnerte, viele Regale und die ein oder andere Trophäe. Der Kaiserliche ging auf ein auffällig breites Regal zu und tastete an der Seite kurz entlang, dann zog er das Regal auf wie eine normale Tür. Dahinter erstreckte sich ein weites Höhlensystem. Allerdings erinnerten nur die Wände der Gänge daran, dass es wirklich unterirdische Höhlen waren. Der Boden und die Treppen waren absolut eben und gleichmäßig aus dem Fels gehauen worden. Die Decke und die Wände wirkten wie gemauert. In regelmäßigen Abständen tauchten Fackeln die Gänge in ein warmes Licht. Hin und wieder verdeckten Wandteppiche den Naturstein. Nach wenigen Minuten, die sie durch die Gänge gelaufen waren - hin und wieder waren Holzschilder an den Wänden angebracht, auf denen ein Pfeil und eine Aufschrift wie Küche oder Ratshalle zu erkennen waren - bog Arranges in einen kurzen Gang nach rechts ein. Er schob die unverschlossene Tür auf und trat ein. Der Raum war recht großzügig, an einer Wand stand ein Dppelbett, daneben ein übergroßer Kleiderschrank. Der Tür gegenüber, stand ein großer Schreibtisch an der Wand. Ein ebenfalls sehr großer Teppich verdeckte den Großteil des Steinbodens, von der Decke hing ein vierarmiger Kerzenleuchter und tauchte das Zimmer in ein warmes Licht. 'Ich hoffe, dass Vaiolenna ein Zimmer für euch organisieren kann...' Meinte Arranges, während er sein Gepäck im Schrank verstaute und seine Rüstung ablegte.

Sie hielten sich kaum eine viertel Stunde in dem Zimmer auf, Arranges hatte gerade die Rüstung abgelegt, als es an die Tür klopfte. 'Ja?' Die Tür wurde aufgeschoben und ein milchgesichtiger Bretone streckte den Kopf herein. 'Schreiberin Vaiolenna bedauert es sehr, aber leider konnte sie so kurzfristig kein Zimmer für Lady Erynn bereitstellen.' Der Junge war gerade mitten im Stimmbruch und konnte kaum älter als 16 Jahre sein. Nach einem Augenblick, den Arranges wartete, ob noch etwas kommt, da der Jüngling nichts mehr sagte, sich aber auch nicht verzog, fragte der Kaiserliche etwas genervt, da er schon wieder mit einer sehr komplizierten Nacht rechnete: 'Ja? Sonst noch etwas?!'
'Ja, Schreiberin Vaiolenna hat uns gebeten Lady Erynn vorläufig bei euch einzuquartieren...' Ohne auf eine Antwort zu warten, schob der Junge die Tür ganz auf und Arranges verstand ohne fragen zu müssen, wie das gemeint war. Im Gang hinter dem Bretonen stauten sich einige andere mehr oder weniger gleich alte Schüler der unterschiedlichsten Rassen. Nach wenigen Augenblicken, hatten sie den Raum durch Pergamentstellwände quer zur Tür, nicht ganz in der Mitte getrennt und ein recht bequem wirkendes Feldbett auf der anderen Seite aufgestellt. Als letztes wuchteten zwei Schüler eine kleinere Komode in das Zimmer und stellten sie neben das Feldbett. Im Geiste schlug sich Arranges entnervt mit der flachen Hand an die Stirn. 'Ich hoffe, dass euch das nicht behindern wird. Verzeiht nochmals für diesen unzureichenden Umstand...' Dann verließ der Bretone als Letzter das Zimmer.

'Nun, ich hoffe ihr könnt in einem Feldbett schlafen...' Kurz ließ er den Blick über Erynn wandern. 'Die Stellwände hätten sie sich sparen können... man würde sowieso nicht sehr viel sehen können...' Murmelte er halblaut vor sich hin und rügte sich direkt in Gedanken für diesen Kommentar... Vielleicht hat sie es ja nicht gehört... Arranges blickte zu Boden und war im Begriff sich umzudrehen, er tat, als hätte er nichts gesagt.

Glannaragh
13.02.2011, 22:33
Bei Arranges Kommentar zuckte die Elfin heftig zusammen. Er hatte ihr den Rücken zugewandt, und sie huschte lautlos zu ihm herüber. „Ich weiß nicht“, sagte sie gefährlich sanft dicht an seinem Nacken „Vielleicht liege ich mir die Haut wund auf einem harten Feldbett, bei meinen spitzen Knochen...“ Der Kaiserliche fuhr herum. Erynn nutzte die Gelegenheit, um ihm eine zu scheuern.
Mit bösartigem Zischen fuhr sie fort: „Es tut mir leid, wenn ich Euren... Ansprüchen... nicht genüge. Mir war nicht klar, daß Ihr das von einer Schülerin verlangt.“ Geschmeidig wie ein Berglöwe begann sie, den Beschwörer zu umkreisen. „Ich bin Euch hierher gefolgt, nur, um Euch einen Gefallen zu tun. Ich begebe mich für Euch in Lebensgefahr – schon wieder. Und Ihr habt nichts Besseres zu tun, als mich zu beleidigen? Vielleicht“, fuhr sie mit blitzenden Augen fort, „hättet Ihr Torrah doch nicht einfach erschlagen sollen. Sie faszinierte Euch, nicht wahr? Aber Ihr tötet, was Ihr liebt. Hinter Eurer rauhen, kalten Fassade seid Ihr nichts anderes als ein verängstigtes kleines Kind. Was Ihr nicht versteht, erniedrigt Ihr, tretet Ihr in den Dreck, nur um Euch Eure Unzulänglichkeiten nicht eingestehen zu müssen.“
Erynn hielt in ihrer Wanderung inne und fixierte Arranges. Trotz all seiner Macht fürchtete sie ihn jetzt nicht mehr. Sie war sich sicher, den Hebel gefunden zu haben, mit dem sie seine Welt aus den Angeln heben konnte. „Warum habt Ihr mich auf der Sattelhöhe nicht sterben lassen? Ihr hättet der Gathering einfach sagen können, Eure Schülerin sei unterwegs verreckt. Warum habt Ihr das nicht getan? Arranges... Ihr seid nicht so hart, wie Ihr selber glauben wollt.“
Sie atmete tief durch. „Ich bin nicht Euer Feind – im Gegenteil. Ich bin der vielleicht der einzige Freund, den Ihr habt. Ihr habt meine Loyalität und meine Anteilnahme. Eure Arroganz beeindruckt mich nicht. Bei der Schicksalsweberin, begreift das doch endlich!“

weuze
13.02.2011, 23:46
Der Kaiserliche nahm die Ohrfeige der Dunmer einfach hin. Dann wurde er von ihr bombardiert mit Tatsachen, die für sich genommen der Wahrheit entsprachen. Erynn entriss sich einfach seiner Kontrolle, die er noch über sie hatte, als er sie zum ersten Mal traf. Ihre Worte schnitten wie ein heißes Schwert durch seine Gedanken... Ihr habt ja keine Ahnung! Doch er konnte nicht auf seinen Zorn zurückgreifen, der hatte sich längst davongemacht, als Erynn begann ihn mit der Wahrheit, die er längst kannte, zu konfrontieren. Er musste sie wieder in seine Gewalt bringen, mit ihren Worten brachte sie nur Aufruhr in seine Gedanken, die er nicht brauchen konnte.

'SCHWEIG!' Er brüllte beinahe, seine Stimme bebte, aber die stille Drohung, die er ihr eigentlich zugedacht hatte, blieb aus. 'Ihr seid mir nicht hier her gefolgt um mir einen Gefallen zu erweisen, ihr habt es getan, weil ihr wusstet, dass ich euch sonst dazu gezwungen hätte... genau wie auf dem Friedhof vor Skingrad, als ich euch erst schier den Rücken brechen musste... Genau wie in der Goblinhöhle, wo ihr es nicht über euer weiches Herz brachtet, die Brutmütter des Clans zu töten. Dafür aber hinterher mit dem nagenden Gedanken leben musstete, den Ruhm, den ihr mir zu verdanken hattet, anderen als den eurigen zu verkaufen... Macht euch nicht lächerlich Erynn... ihr könnt nicht etwas wie Freundschaft für mich empfinden, ihr hasst was ich tue, ihr folgt nur meinem Willen, weil euch euer Leben momentan zumindest noch lieber ist, als die Pein, die ich euch zufügen würde, würdet ihr euch einmal verweigern... gebt zu, dass ihr euch mehr als einmal wünschtet, mich in der Taverne der Orks nie gefragt zu haben, ob ich euch helfen könnte... Ihr könnt nicht mein Freund sein... dazu müsstet ihr ersteinmal verstehen, aber das tut ihr nicht, ihr könnt es nicht...!' Der Kaiserliche fand nicht zu seiner normalen Art zu reden zurück, stattdessen bemerkte er, wie er selbst drauf und dran war, das Gefängnis, welches er um die Erinnerungen seiner Kindheit gebaut hatte, einzureissen... Aber das durfte er nicht zulassen! Er stockte und blickte die Dunmer nur fassungslos an. 'Ihr habt einen Sachwert für mich, darum konnte ich nicht zulassen, dass ihr oben auf dem Joch jämmerlich erfrieren würdet... Was wollt ihr hören? Dass es mir Spaß gemacht hat, an euch herumzufummeln...? Sehe ich wie jemand aus, der es darauf anlegt, Dunmerweiber zu begrabschen, die flach wie ein Brett sind?' Jetzt fand er wieder zu seiner verbalen Stärke zurück, er hatte die grobe Erschütterung seines Geistes überwunden, für die sie verantwortlich war. Seine Stimme gewann wieder an Kraft und die dumpfe Drohung kehrte wieder. 'Ihr seid nicht mehr als ein Septim, der einen festen Wert hat und herumgereicht wird und mir im Moment zur Stabilisation eines an sonsten wackeligen Tisches dient... aber sobald ich mir eine Säge geholt habe um die Tischbeine auf eine Länge zu sägen, geht ihr weiter und werdet wieder nur herumgereicht, für den immer gleichen Wert... ihr gehört nicht zu den Dingen, die ich auf dem Kaminsims stehen habe und einmal in der Woche mühsam poliere und vom Staub befreie...'

Ein Klopfen unterbrach den Nekromanten. 'Was!' Fragte er harsch in Richtung Tür. Langsam wurde sie aufgeschoben und eine Khajiit mitte 20 schaute herein. 'Agima soll dem Mentor Arranges ausrichten, dass Meister Jurano so eben eingetroffen ist.'
'Sagt ihm ich komme gleich...' Mit einer herrischen Geste bedeutete er der Khajiit, dass sie sich entfernen solle. Er wandte sich wieder Erynn zu. 'Solltet ihr es wagen, einen Fuß vor diese Tür zu setzen, werde ich dafür sorgen, dass ihr eine Illusion durchschreitet, schrecklicher, als ihr sie euch vorstellen könnt... ihr werdet um den Tod betteln, ihn aber nicht bekommen, die Hölle wird euch danach freundlicher als alles andere erscheinen! Und solltet ihr euch aus Verzweiflung die Klinge an den Hals setzen, denkt daran, welche Lehre der Magie ich ausübe, bevor ihr den Schnitt vollführt, die gewünschte Erlösung werdet ihr dadurch nicht bekommen!' Dann wandte Arranges sich ab, verließ den Raum und ließ die Tür ins Schloss fliegen. Er sperrte allerdings nicht ab, das wäre auch gar nicht möglich gewesen, besaßen die Unterkünfte der Mentoren und der Schüler gar keine Schloss.

Glannaragh
14.02.2011, 07:24
Nachdem Arranges gegangen war, fiel Erynn auf die Knie und weinte bitterlich. Sie konnte einfach nicht verstehen, wie er so grausam sein konnte. Was ihm in den Wochen, während er sie mit auf die Suche nach dem Folianten gezwungen hatte nicht gelungen war, hatte er mit diesen letzten fast Worten geschafft: Sie war beinahe gebrochen, hilflos, schutzlos seinem Spiel ausgeliefert. Die Elfin verkroch sich in eine Ecke und kauerte sich zusammen wie ein waidwundes Tier. Ja, in der Tat, jetzt zu sterben wäre eine Erlösung. Oder auch nicht. Sie zweifelte nicht daran, daß der Kaiserliche seine Drohung wahrmachen würde, ihre Seele zu versklaven.

Es ist wieder alles außer Kontrolle geraten. Man könnte fast meinen, er brächte mich absichtlich in Rage, nur um dann noch einmal richtig zuzuschlagen.
Aber noch war sie nicht am Ende. Sie würde ihn zur Rede stellen... hier war es niemals nur um einen lapidaren Spruch gegangen, das hier ging tiefer. Arranges hatte sie verletzen wollen, dessen war sie sich sicher. Und wenn das mit einfachen Mitteln nicht funktioniert, dann greifst du zu Drohungen und Gewalt. Sie lächelte finster. Ich muß dich ja wirklich sehr in die Enge getrieben haben...

Nein, sie würde wirklich nicht einen Schritt vor diese Tür setzen. Sie würde dieses Spiel mitspielen und es bis zum Ende durchziehen. Und während dieser Zeit würde sie ihm jeden einzelnen Tag zur Hölle machen.

weuze
14.02.2011, 16:54
Arranges hatte den Keller der Jagdhütte fast erreicht, als die Geheimtür geöffnet wurde und er sich seinem Meister gegenüber sah. Der Dunmer hatte die dreckigen Vulkanglasstiefel in einer Hand, in der anderen trug er einen größeren Lederbeutel. Bis auf den Kopf und die Füße steckte er in einer für ihn typischen Vulkanglasrüstung im Stil Morrowinds. Der gepflegte und ausladende Irokese auf dem ansonsten kahlen Kopf des Dunmer machten ihn unverkennbar. 'Meister Jurano!' Begrüßte ihn Arranges erfreut. 'Ihr sollt mich nicht so nennen...' Erwiderte der Dunmer müde lächelnd.

Jurano gab Arranges zu verstehen, dass er einige Neuigkeiten hatte, außerdem hatte er schon von Vaiolenna angedeutet bekommen, dass Arranges nicht allein hier war. Der Dunmer zog sich zunächst um und steckte bald in bequemer Kleidung mit dezenten Farben. Sie begaben sich in den Speisesaal und setzten sich an einen Tisch in einer Ecke. Zunächst berichtete Jurano einiges über die Oblivionkrise, die besonders auf Vvardenfell langsam katastrophale Ausmaße annahm. Dann gab es noch die eine oder andere Neuigkeit über die Gathering selbst. Eine ganze Weile diskutierten sie darüber, dass Arranges Torrah de Llevria getötet hatte. Es war eine lockere Diskussion, Jurano stimmte allerdings nickend zu, als Arranges letztendlich erwähnte, dass die Gathering seine Meinung anhören wolle, bevor sie über Torrahs Nachfolge entscheiden würde. Dann kamen sie endlich auf Arranges Begleitung zu sprechen. Der Kaiserliche konnte es kaum verhindern, dass Jurano ihn mit allerlei Fragen regelrecht löcherte. Aber er umschrieb vieles und behielt das meiste doch für sich. Er empfand es als nicht gerecht, nichteinmal vor seinem Meister, dem er sher vertraute, alles, was er von Erynn wusste, auszupacken. Er verriet Jurano lediglich, dass sie eigentlich eine Schützin war, eine Dunmer und dass sie Erynn Releth hieß. Dass sie Mitglied der Kriegergilde war und viele andere Dinge beschrieb er nur fahrig und weniger als ungenau. Doch Jurano schien das alles mehr oder weniger egal zu sein, er war nur sehr erleichtert, dass Arranges endlich einen Schüler angenommen hatte. Er gab dem Kaiserlichen letzendlich sogar seinen Zuspruch dafür, dass Arranges sich selbst jemanden erwählt hatte. Während sie noch miteinander sprachen, nahm die Geschäftigkeit im Saal zu. Einige Schüler und ein paar Meister fanden unregelmäßig zum Abendmal zusammen und verließen dann den Saal wieder... Das Treiben hielt vielleicht über eine Stunde an, dann trat wieder nur die gewohnte Betriebsamkeit ein. Zwei bis drei Schüler saßen im Saal verstreut, meist einzeln, brütend über einigen Büchern, murmelten Dinge vor sich hin oder schrieben eifrig unzählige Seiten voll. Arranges und Jurano verabschiedeten sich erst spät voneinander. Jurano schob dem Nekromanten noch eine Liste mit den Schülern zu, die derzeit als Mentoren in Frage kamen, er kannte Arranges und wusste, dass dieser sich nicht damit beschäftigt hatte...

Der Kaiserliche kehrte zu seinem Zimmer zurück. Er hatte ein wirklich schlechtes Gewissen, Jurano was Erynn anging, so dreist zu belügen. Er schob die Tür auf und trat ein. Er wusste, dass Erynn da war, schenkte ihr aber keine Aufmerksamkeit. Er ging auf seine Seite des Raumes, setzte sich an den Schreibtisch und begann angestrengt die Liste und die Notizen zu den Namen zu studieren.

Nach einer Weile, in der Erynn nicht wirklich auf sich aufmerksam gemacht hatte, was der Kaiserliche indirekt begrüßte, fragte er ohne aufzublicken: 'Wollt ihr etwas essen?' Die Stimme war ein Gemisch aus versuchter Versöhnung und krampfender Neutralität.

Glannaragh
14.02.2011, 20:53
„Nein“, gab sie zur Antwort. „Unser Gespräch ist noch nicht beendet.“ Sie erhob sich aus ihrer Ecke und setzte sich auf das Feldbett. „Ihr hättet mich zu gar nichts zwingen können. Hättet Ihr es versucht, wärt Ihr niemals lebend aus dem Gildenhaus herausgekommen. Ich bin Euch hierher gefolgt, weil Ihr mich darum gebeten habt. Lebt damit“, sagte sie ruhig.
„Und eines noch: Der Wert, den Ihr mir beimeßt, ist kein allgemeingültiger Maßstab. Behandelt mich nie wieder so, wie Ihr es vorhin getan habt.“

Schon bei ihren ersten Worten atmete Arranges deutlich genervt aus und stützte erschöpft seinen Kopf auf einen aufgestellten Arm. 'Ihr wisst selbst, dass ich sehr wohl im Stande gewesen wäre, das Gildenhaus lebendig zu verlassen...' Seine Stimme hatte weder etwas Zorniges, noch etwas Drohendes an sich, sie wirkte eher erschöpft. 'Seid ehrlich zu euch selbst Erynn, ihr seid nie wirklich freiwillig mit mir gekommen, weder auf die Suche nach dem Buch, noch hierher... Und sagt, wie soll ich euch denn behandeln?'

"Ein Mindestmaß an Respekt wäre angebracht." Sie seufzte. "Und die große Mehrzahl der Söldner hätte Euch sehr wohl zuerst den Kopf abgeschlagen und erst dann Fragen gestellt. Ihr hättet es nicht aus der Gilde geschafft." Verständnislos und ein wenig traurig schüttlete sie den Kopf. "Warum könnt Ihr nicht akzeptieren, daß ich Euch aus freiem Willen begleitet habe? Warum wollt Ihr unbedingt, daß ich Euch hasse?"
Verdammt, das wüßte ich wirklich gerne. Wie kaputt muß man sein, um vor jeder freundlichen Geste gleich zurückzuschrecken?

Arranges hatte nur wenig Lust auf dieses Gespräch, deswegen ging er trotz all seiner Arroganz schlichtweg nicht auf ihre Worte ein, ihre letzte Frage jedoch konnte er nicht so stehen lassen. Ich will doch gar nicht, dass ihr mich hasst, ich will nichteinmal euer Verständnis... 'Ihr habt lediglich das gesehen, was ich euch von mir sehen lassen wollte... für euch bin ich doch nichts weiter als ein Nekromant, jemand, der in euren Augen ungerechtfertigterweise im Totenreich herumfingert... warum sollte jemand wie ihr, die ihr ein geregeltes Leben mit den ganz normalen Turbulenzen führt, mich zum Einen verstehen und zum Anderen auch noch in einer mir völlig unverständlichen Art mögen? Warum wollt ihr ein Freund von mir sein, wie kommt ihr dazu, nachdem ich euch doch einiges an Leid zugefügt habe?'

"Das sind alles gute Fragen, Arranges. Ich habe sie mir selbst schon öfter als einmal gestellt. Ich weiß nicht, wer oder was Ihr wirklich seid. Ich weiß nur, daß wir uns gegenseitig öfter als einmal das Leben gerettet haben, und das genügt mir, um Euch gegenüber so etwas wie Loyalität zu empfinden. Macht es mir bitte also nicht noch schwerer, als es ohnehin schon ist", antwortete sie müde. Dann wechselte Erynn das Thema: "Sagt mir lieber, was mich in den nächsten Tagen erwartet. Was wird die Versammlung von mir hören wollen, wenn ich vor sie treten muß?"

Arranges war ihr dankbar, dass sie endlich das Thema wechselte, er konnte sie immernoch nicht richtig verstehen und verdrängte die Gedanken über ihre Worte schnell wieder. Seine Stimme wurde deutlich freundlicher, wenngleich sie sehr müde klang, als er ihr antwortete: 'Nun, ich war schon öfter bei solcherlei Vorstellungen dabei... man wird euch ein paar persönliche Dinge fragen, zum Beispiel wie ihr genau heisst, wie alt ihr seid, woher ihr stammt, ob ihr Familie habt und wenn ja, ob ihr Geschwister habt... Was ihr bis jetzt mit der Magie zu schaffen hattet... Und wie ihr zur Gathering gekommen seid... Es sind alles recht simple Fragen, es ist nur meistens so, dass jeder Großmeister sie auf seine eigene Art und Weise stellen kann. Ihr könnt auf alles, was sie fragen nach eigenem Ermessen antworten, nur rate ich euch, euch keine wilden Märchen auszudenken oder die Gathering irgendwie teuschen zu wollen. Wenn ihr zu einer Frage keine Antwort geben wollt, macht dies den Großmeistern klar und begründet es knapp, aber lügt nicht. Das ist wichtig, denn nachdem ihr hier als Novize gehandelt werdet und somit als Schüler ein vollwertiges Mitglied seid, steht ihr unter Beobachtung... Auch ich als Mentor stehe noch unter einer zufälligen Beobachtung. Und sollte die Gathering herausfinden, dass ihr sie in irgendeinem Punkt belogen habt, wird sie misstrauisch, sollten weitere Ungereimtheiten aufkommen, werdet ihr schlichtweg und einfach verschwinden, spurlos und ohne jedes Aufsehen... Ich kann und werde euch ein wenig gegen den Fokus schirmen, aber das ist auch schon alles, was ich an dieser Stelle für euch tun kann, also bitte... Belasst eure Antworten bei der Wahrheit oder schweigt.' Arranges erhob sich von seinem Schreibtisch. Er ging um die Stellwände herum und kam zu Erynn. Er setzte sich neben ihr auf das Feldbett und fuhr fort: 'Ich kann euch nicht darauf vorbereiten, was ihr dort in der Ratshalle erleben werdet, aber ihr werdet nicht allein vor der Gathering sprechen müssen, ich bin an eurer Seite und übernehme die Fragen die eure Zukunft als Schüler unter mir betreffen werden.'

Die Elfin nickte. "Gut. Auch wenn es mir nicht gefällt, diesen Leuten von meiner Familie erzählen zu müssen. Ich hoffe, daß man sie in Ruhe lassen wird..." Sie schaute zu dem Beschwörer auf. "Ihr seht müde aus, Arranges, und ich bin es auch. Wir sollten versuchen, ein bißchen Schlaf zu bekommen."

'Die Gathering befasst sich tatsächlich nur mit ihren direkten Mitgliedern, ich versichere euch, dass sie nichteinmal wenn sie zufällig in die Nähe eurer Familie kommt, keine Zeit damit verschwenden wird, da irgendetwas herauszufinden...' Arranges winkte ab, als sie ihn aufs Schlafen ansprach. Er stand wieder auf und ging zurück auf die andere Seite. Er warf sich seinen Umhang um und ging zur Tür, doch bevor er sie aufzog, blickte er nochmal über die Schulter zu Erynn. 'Ich werde keinen Schlaf finden können... ich werde die Nacht anderweitig nutzen... wenn ihr wollt, könnt ihr in meinem Bett schlafen... ich möchte keine wunden Stellen an der Haut meiner Schülerin verantworten müssen...' Die letzten Worte flüsterte Arranges fast nur noch, aber ihre Bedeutung war unmissverständlich, dabei zeigte sein Gesicht aber keine Regung. Und schon zog der Kaiserliche die Tür hinter sich zu und war verschwunden.

Erynn schüttelte bei seiner letzten Bemerkung nur unmerklich mit dem Kopf; es war wahrscheinlich das einer Entschuldigung am nächsten Kommende, was sie erwarten konnte - verpackt in einem weiteren Seitenhieb. Sie entschied sich trotzdem für die Pritsche, die den nicht unerheblichen Vorteil bot, daß sie sich zum Schlafen einfach nur noch nach hinten fallen lassen mußte.

weuze
14.02.2011, 23:32
Den Kaiserlichen drängte es nach draussen. Oben in der Jagdhütte saß noch immer Vaiolenna über ihren Schreibtisch gebeugt. Die Schreiber... das Höchste, was ein Schüler in frühen Jahren erreichen kann und doch ist es der undankbarste Posten... Arranges wurde nach recht kurzer Zeit als er Novize war, zum Schreiber mehr gedrängt statt gefragt. Tag und Nacht, durchgehend mussten sie hier oder in anderen größeren Stützpunkten verweilen, alles, was die Botschafter an Neuigkeiten brachten festhalten, Inventare führen, die Wechsel von Meistern, Novizen, Mentoren und Großmeistern aufzeichnen, eben alles, was an Schriftarbeit anfiel wurde ihnen zugeschoben. Das Schlimmste an dieser Arbeit war aber, dass man nur selten dafür Anerkennung erntete, man war als Schreiber zwar ein wichtiges Organ innerhalb der Gathering, wurde aber meistens einfach übersehen. Das Mädchen war sichtlich erschöpft und konnte sich im Schein der kleinen Kerze neben sich, die zu dieser Zeit gleichzeitig die einzige Lichtquelle im Haus war, nur schwer wachhalten. Doch einzuschlafen konnte sie sich nicht erlauben. Würde sie ein Botschafter schlafend auffinden, der gerade wichtige Informationen zur Aufschrift brachte, wäre sie ihren Posten praktisch direkt wieder los, noch dazu würde sie als Novizin wieder ganz an den Anfang zurückfallen und müsste einiges an Achtung einbüßen.

Der Kaiserliche wandte sich ab und ging nach draussen. Der Himmel war wolkenlos und der Schein von Sekunda und Masser fiel die Nacht erhellend, durch die Baumkronen. Arranges trat einige Schritte auf den Hof hinaus und erblickte sogleich, wen er suchte. Meisterin Marie stand ein wenig abseits und sah gedankenverloren in den Himmel. Sie war eine Kaiserliche. Leicht gewelltes, goldbraunes Haar fiel ihr bis über die Schultern. Ihre Augen strahlten die pure Jugend aus, obwohl sie eindeutig älter war als Arranges und trotzdem wirkte sie jung, hübsch und zerbrechlich. Sie hatte das, nachdem Torrah Zeit ihres Lebens strebte. Meisterin Marie hatte auf eine Weise die ewige Jugend erreicht, die sie nicht unnatürlich jung wirken ließ, sondern viel mehr auf eine individuelle, nicht erklärbare Weise, jugendlich machte, trotz dessen, dass man ihr Alter anhand der Fältchen um die Augen und den nicht mehr ganz so straffen Wangen, recht genau schätzen konnte. Zweimal hatte Arranges sie wegen eines richtigen und ernsthaften Gesprächs in ihrem Haus nahe Leyawiin, aufgesucht, das lag schon ewig zurück. Sonst hatte er sie nur hin und wieder auf einer Zusammenkunft gesehen und ein paar wenige Worte mit ihr gewechselt. Sie war im Grunde nicht böse und ihr fehlte ebenfalls diese hinterlistige Aura, die er immer zu spüren glaubte, wenn er Torrah getroffen hatte. Aber der Kaiserliche hatte sie in ihrem Haus richtig kennengelernt. Sie war für sich genommen eine vergleichsweise freundliche Person, doch hatte sie ein ähnliches Problem wie Arranges. Ein Unfall in den frühen Tagen ihrer Schülerzeit machte sie zu dem, was sie seit dem immer war...

'Meisterin Marie?' Die Kaiserliche zuckte leicht erschrocken zusammen und sah dann zu Arranges. 'Ah ihr seid es... seid mir gegrüßt Arranges.' Ihre Stimme war so, wie ihr Aussehen wirkte, passend zu ihrem Alter, aber doch irgendwie von einem jugendlichen, hellen Klang. Sie trug ein mehr oder weniger enges Mieder, welches ihre weiblichen Vorzüge ihrem alter entsprechend dezent hervorhob, aber nicht zu aufdringlich wirkte (ganz im Gegensatz zu dem, was ihre Schülerin Torrah getragen hatte). Ein leichter Umhang ruhte auf ihren Schulter und schirmte den etwas schlankeren Körper gegen die Kälte der Nacht. Ihre Füße steckten in bequemen Läuferschuhen aus Wildleder, während ihre Beine von einer dunklen Reiterhose bedeckt wurden. 'Dürfte ich euch wohl Gesellschaft leisten, Meisterin?'
'Sicher, es würde mich freuen Arranges...' Er trat noch etwas näher und folgte ihrem Blick, den sie mittlerweile wieder in den Himmel gerichtet hatte. Sie war so. Immer musste sie das Schöne in der Welt suchen, waren es nun Orchideen in ihrem Haus, die sie liebevoll umsorgte oder der alltägliche Sonnenuntergang, den sie immer beobachtete. Oder, sofern es die Wolken zuließen, eben die Sterne, die sie stundenlang nur betrachtete, sich aber in keinster Weise irgendwelche wissenschaftlichen Gedanken dazu machte, sie betrachtete sie einfach nur. Als er ihrem Blick folgte, stellte er leicht erschrocken fest, dass ein Sternzeichen ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Es war die Schlange, das Sternzeichen Torrahs. Dem Kaiserlichen war etwas mulmig zumute. Er senkte den Blick und trat etwas nervös von einem auf das andere Bein. Doch Marie schwieg, sie schien sich völlig in dem Sternzeichen zu verlieren. 'Meisterin Marie,' begann er, 'Ich weiss, dass es ein herber Verlust war, als Mentorin Torrah starb... Aber warum habt ihr die Regeln verletzt und euch eingemischt?' Mit keiner Geste außer jener, da sie zu dem Sternzeichen aufblickte, verriet sie, wie es um ihre Gefühle stehen mochte, als ob sie das sonst getan hätte, aber in solchen Situationen war es dann immer besonders schwer, mit ihr zu rden. 'Aber ich habe die Regeln doch gar nicht gebrochen?' Sie klang ehrlich überrascht. 'Nun, eine Assasinin hat mich angegriffen, einige Tage bevor ich Torrah erreicht hatte... Ich habe sie gefragt, wer sie schickte und sie Antwortete mir, dass Marie ihr Auftraggeber war...'
'Sie verstand es bis zuletzt, ihre Umwelt sogar ohne ihr Beisein zu beeinflussen... Ich versichere euch, dass ich mich nie eingemischt habe Arranges. Torrah hatte wohl meine Handschrift gefälscht um euch zu verwirren... und ihr habt es geglaubt...'
'Aber...' Arranges schalt sich in Gedanken einen Dummkopf, natürlich, warum war er nicht schon damals darauf gekommen, diese Tatsache lag doch auf der Hand.
'Die Gathering hält im Kern geschlossen zusammen und das seit hunderten von Jahren, das wisst ihr... warum sollte ausgerechnet ich das nun irgendwie ändern? Natürlich war mir Torrah immer wichtig und ich mag euch dafür, dass ihr sie wegen eurer Macht- und Wissensgier getötet habt, noch weniger als zuvor... aber ihr seid falsch gewickelt, wenn ihr glaubt, dass ich mich deswegen gegen die Regeln und die Tradition der Gathering stelle...'
'Ich verstehe...'

Arranges blieb noch eine Weile bei der Meisterin stehen. Es musste schon bald wieder dämmern, als er sich von ihr verabschiedete und sich wieder auf den Weg in sein Zimmer machte. Er fand Erynn auf dem Feldbett schlafend vor. Leise trat er an sie heran und betrachtete die schlafende Dunmer im Schein einer Kerze. Sie hatte sich wohl im Schlaf ein paarmal heftig herumgewälzt. Sie war nur noch halb zugedeckt und das Kopfkissen lag neben ihr auf dem Boden. Der Kaiserliche deckte sie behutsam wieder zu, Hob das Kissen auf und schob es ihr sachte wieder unter den Kopf. Dann ging er auf die andere Seite, entzündete eine zweite Kerze auf dem Schreibtisch und begann in dem leicht flackernden Schein wieder die Schülerliste zu studieren.

Glannaragh
15.02.2011, 16:06
Je mehr Zeit verging, umso unruhiger wurde Erynn. Ich wünschte, wir könnten das endlich hinter uns bringen. Ich werde noch wahnsinnig in diesem Erdloch! Genervt tigerte sie in dem Raum auf und ab. Arranges war gerade wer weiß wo; er verließ das Zimmer immer mal wieder. Wenn er zurückkehrte, brachte er keine Neuigkeiten mit.
Ein Novize hatte ihr vor einiger Zeit einen Teller mit Brot und Fleisch gebracht, doch sie hatte nichts davon angerührt. Im Augenblick wurde ihr allein vom Gedanken ans Essen schlecht. Sie hatte versucht in einem Buch zu lesen, das sie in einer Ecke gefunden hatte, doch die daedrischen Zeichen darin sagten ihr nichts. Vielleicht war das auch besser so.

Als der Kaiserliche zurückkehrte, stellte sie ihre Wanderung ein. Er sah ziemlich genervt aus. Erynn fragte nicht. Sie hochte sich auf ihre Pritsche und zählte die Steinfliesen des Fußbodens.
Ein zögerliches Klopfen riß sie aus ihren Gedanken. Arranges erhob sich vom Schreibtisch und wechselte einige leise Worte mit einer Person, die Erynn nicht sehen konnte. Dann wandte der Beschwörer sich ihr zu: „Folgt mir“, sagte er schlicht.
Die Dunmer sprang auf. Sie wußte nicht genau ob sie froh darüber sein sollte, daß endlich etwas geschah, oder lieber nicht. Wenigstens hat diese verdammte Warterei jetzt ein Ende. Ich hoffe nur, daß du wirklich weißt was du tust, Arranges... Sie ging hinter ihm her durch mehrere Gänge, die alle gut von Fackeln ausgeleuchtet waren. Hin und wieder kreuzten Angehörige verschiedener Völker ihren Weg, doch niemand sprach mit ihnen. Alles in allem wirkte die Atmosphäre in dem ganzen Komplex weit unaufgeregter, als die Kriegerin sich fühlte.
Sie erreichten eine große Flügeltür, als der Kaiserliche ihr bedeutete, daß sie stehenbleiben sollte. Erynn atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe. Jetzt ist es ohnehin zu spät, mich anders zu entscheiden. Da kann ich besser gleich versuchen, einen guten Eindruck zu hinerlassen. Präzise zu antworten und ansonsten die Klappe zu halten sollte ich ja wohl hinkriegen...

weuze
15.02.2011, 21:21
Arranges blickte Erynn einen Moment fest an. 'Ihr braucht weder Angst zu haben, noch müsst ihr aufgeregt sein...' Ein aufmunterndes Lächeln umspielte seine Lippen für einen kurzen Moment, dann zog er einen der beiden Flügel auf und wartete, bis Erynn eingetreten war. Sie standen in einem kurzen Gang, an dessen Ende vor ihnen freundliches, helles Licht hereinstrahlte. Arranges ging voran. Sie traten in eine hohe und breite Halle, welche gut ausgeleuchtet war. Auch hier erkannte man nur am dunkelgrauen Fels der Wände, Decke und des Bodens, dass es sich um eine unterirdische Anlage handelte. Sie standen jetzt an der Front einer Tribüne, deren erste Reihe hinter ihnen über dem Bogen des Ganges lag. Die Tribüne bot Platz für viele Personen. Arranges wandte kurz den Blick über die Schulter und stellte fest, dass beinahe alle Plätze belegt waren. Fast alle Meister bis auf drei waren gekommen, einige Mentoren und gut zwei Duzent Schüler. Auch zwei Botschafter saßen etwas gedrängt in einem Winkel. Auf den Plätzen herrschte lautes Gemurmel. Die Anwesenden ließen sich nicht von der Ankunft des Kaiserlichen und der Dunmer stören. Einige schauten kurz zu ihnen hinunter und widmeten sich dann wieder ihren Gesprächen. Erst als wenige Minuten später eine Tür im hinteren Bereich der Ratshalle geöffnet wurde, verstummte das Murmeln. Dreizehn Großmeister aus allen Rassen, komplett in dunkelblau gekleidet, traten heraus und nahmen ihre Plätze ein. Sie saßen auf einem hufeisenförmigen, wenig hohen Podest, mit der Öffnung zur Tribüne gerichtet. Die Stühle, auf die sie sich setzten, waren schlichte Holzstühle, mit hoher Lehne, aber sonst ohne jegliche Zierung. Arranges wurde merklich nervös, er versuchte dies vor Erynn zu verstecken. Die Gathering strahlte eine erschlagend große Macht aus, obwohl die einzelnen Großmeister für sich genommen gar nicht bedrohlich wirkten. Direkt dem Eingang gegenüber saß ein etwas älterer Kaiserlicher. Trotz dessen, dass sie alle Roben wie Magier trugen, waren ihre Köpfe unverhüllt. Der Kaiserliche ließ den Blick über die Anwesenden schweifen, nickte zufrieden und erhob sich. 'Es freut mich, dass alle Meister gekommen sind, die wir informiert haben. Ebenfalls sind alle dazugehörigen Mentoren da...' Seine Stimme war angenehm und freundlich, nicht zu laut und nicht zu leise. Sein Blick fiel auf Arranges und Erynn. 'Ahh... Mentor Arranges... wie ich sehe, dürfen wir euch doch noch unter erfreulichen Umständen begrüßen... trotz der schlechten Nachrichten wegen wir uns hier heute zusammenfinden, erfreut es mich zu sehen, dass es auch etwas Positives gibt... Wir wurden schon teilweise darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihr euren Pflichten sogar höchstpersönlich nachgekommen seid...' Er setzte sich wieder und winkte den beiden, näher zu treten. Arranges ging bestimmten Schrittes voran, auf dass Erynn ihm hoffentlich nicht anmerkte, wie arg er sich um seinen gelassenen Gesichtsausdruck bemühen musste. Sie blieben in der Mitte des Halbkreises stehen. Arranges beugte schweigend das Haupt vor dem Kaiserlichen, Erynn tat es ihm nach. 'Seid mir ebenfalls gegrüßt Großmeister.' Sagte Arranges erfürchtig. 'In der Tat, ich habe eine Schülerin erwählt und gedachte die Möglichkeit zu nutzen und sie hier und heute allen vorzustellen...'
'Sehr gut, sehr gut... Erlaubt, dass ich und vielleicht auch die anderen ihr ein paar Fragen stellen...'
'Natürlich Großmeister.' Arranges deutete nochmals eine Verbeugung an und trat dann einen Schritt zurück, damit sich Erynn ohne Probleme allen Fragenden zuwenden konnte.

'Ihr seid eine Dunmer, wie ich sehe... Sagt, wie ist euer Name?'

Erynn war erstaunt über den freundlichen Klang der Worte, doch sie hatte den Eindruck, daß dahinter etwas gefährliches, lauerndes lag.
"Erynn Releth, Großmeister", antwortete sie mit fester Stimme.

'Erynn...' Murmelte der Kaiserliche leise und etwas nachdenklich. 'Seid ihr als Dunkelelfe denn in Morrowind geboren? Oder seid ihr ein Kind dunmerischer Vertreter in Cyrodiil?'

"Ich wurde in Ald Velothi geboren, Herr, aber ich habe fast mein ganzes Leben in Cyrodiil verbracht."

'Ihr fühlt euch also wohl auch dem Land Cyrodiil verbunden? Oder denkt ihr öfter daran, wieder nach Vvardenfell zurück zu kehren, sollte sich die Gelegenheit dazu bieten?'

Erynn stutze kurz. Was für eine seltsame Frage. "Nein, Großmeister. Mit Vvardenfell verbindet mich nichts mehr."

Ein Raunen ging durch die Tribüne.
'Ihr wirkt nicht gerade wie jemand, der sich zu sehr mit Magie beschäftigt hat bis jetzt... der Eindruck mag teuschen, aber sagt, wie habt ihr bis jetzt euer Leben bestritten?' Fragte jetzt eine Bosmer.

Das war die Frage, die Erynn am meisten gefürchtet hatte. Sie hatte sich eine Antwort überlegt, die Arranges eindringlichem Ratschlag nach der Wahrheit entsprach, doch war sie unsicher, ob dies der Versammlung genügen würde. Sie wandte sich der Waldelfe zu. "Ich gehöre der Kriegergilde an, Mylady, und nein, ich weiß in der Tat nicht viel von Magie. Aber ich habe in den vergangenen Wochen Dinge erlebt, die ich gern verstehen würde. Dinge, die mir die Magiergilde nicht erklären könnte oder würde."

Wieder schwappte das einheitliche Raunen von der Tribüne durch die Halle, aber auf einen scharfen Blick der Bosmer hin, verstummten die Stimmen.
'So? Ihr scheint eine gewisse Art von Ergeiz zu haben... Euren Worten nach zu urteilen habt ihr in den letzten Tagen vieles erlebt, das ihr euch nicht erklären konntet, aber wusstet, dass es Magie war. Ihr ward die letzten Wochen mit Mentor Arranges unterwegs, das wissen wir mehr oder weniger... wir sind uns auch darüber im Klaren, dass ihr streng genommen dabei ward, als er Mentorin Torrah tötete... Wusstet ihr denn den genauen Grund für diese Tat?'

Die Augen der Dunmer zuckten kurz zu Arranges, bevor sie die Bosmer wieder mit festem Blick ansah und ihre Worte sorgfältig wählte: "Mentor Arranges suchte nach etwas, das die Mentorin Torrah gestohlen hatte. Als wir sie schließlich stellten, versuchte sie, uns in den Wahnsinn zu treiben. Vielleicht wollte sie uns auch töten, ich weiß es nicht genau. Zu dem Zeitpunkt war ich in einer Illusion gefangen und kann daher nicht sagen, was genau geschehen ist."

'Sie hat Arranges ein Buch geklaut, welches er schon lange zuvor begehrte und seinerseits hatte stehlen lassen... aber gut, ihr konntet euch nur schwer gegen eine Illusion der Mentorin wehren... Ihr ward lange mit Arranges unterwegs, wie ist euer Verhältnis zu ihm, was hat euch bewegt, mit ihm zu kommen?' Fragte jetzt ein breiter Ork direkt neben der Bosmer.

Jetzt, Arranges, wäre ein verdammt guter Zeitpunkt, um in die Bresche zu springen, flehte sie stumm. "Wir waren Kampfgefährten", gab sie zur Antwort. "Mentor Arranges bot mir an, mich mehr über die Magie zu lehren, derer ich mich bisher nicht erwehren konnte."

'Arranges hat euch von sich aus angeboten euch mehr über die Magie zu lehren?' Fragte jetzt ein Bretone in ihrem Rücken. 'Also entschuldigt, aber sogar, wenn wir nicht einiges über Mentor Arranges wüssten, könnte ich euch das kaum glauben... Ihr scheint euren zukünftigen Mentoren nur unzureichend zu kennen... Sagt, was wisst ihr über Mentor Arranges, dass ihr seinem Angebot scheinbar ohne jeglichen Zweifel nachgekommen seid?'
'Es war tatsächlich ein Angebot meinerseits. Zudem fand ich darin auch die Möglichkeit dem Drängen und den Wünschen der Gathering nachzkommen.' Antwortete Arranges.
'Nun gut... aber dennoch würde ich gerne wissen, was ihr, Erynn, über Mentor Arranges wisst.' Bohrte der Großmeister weiter.

Ja, das ist wirklich eine verflixt gute Frage..."Ich hatte den Eindruck, daß Mentor Arranges sich mit seinem Fach auskennt - soweit ich das beurteilen kann, versteht sich. Sein Handeln ist effizient und zielstrebig. Alles Dinge, die ich von einem Ausbilder erwarten würde, Herr." Außerdem ist er gewalttätig, brutal, neigt zu Wutausbrüchen und ich schulde dem verdammten Mistbock mein Leben...

'Nun, das sind alles recht positive Dinge,' begann der kaiserliche Sprecher wieder, 'es scheint, als hättet ihr Mentor Arranges noch gar nicht von seiner temperamentvollen Seite kennengelernt... Was ich jedoch stark zu bezweifeln wage, aber gut, das sei mal dahingestellt. Mentor Arranges, was haltete ihr von eure Schülerin?'
'Nun, sie ist intelligent und weiss mit Bogen und Klinge hervorragend umzugehen...' Der Sprecher unterbrach den Blickkontakt zu Arranges um Erynn einen Moment zu mustern. 'Na wenigstens müssen wir nicht befürchten, dass ihr sie aus einem anderen Grund als eure Schülerin gewählt habt...' Er sah wieder Erynn in die Augen. 'Habt ihr Familie?'

"Ja."

'Nun, dürften wir erfahren, wo euer Elternhaus steht?'

"In Cheydinhal, Großmeister. Meine Eltern leben beide dort."

Leises Geflüster war von der Tribüne zu hören.
'Cheydinhal also... wusstet ihr, dass Arranges ebenfalls aus diese Stadt stammt?' An Erynns Blick las er ab, dass sie es wohl nicht wusste und fuhr direkt fort: 'Er hat euch rein gar nichts von sich erzählt, richtig? ... Nun, Arranges ist schon öfter über seine Verschwiegenheit gestolpert... aber das ist sein Problem... ich bin gespannt zu sehen, wie er euch lehren wird, wenn ihr ihn gar nicht kennt und demzufolge auch nicht wirklich begreift, was er euch vermitteln will.' Ihre Augen waren ein offenes Buch für den Sprecher. 'Aber das muss Mentor Arranges mit sich selbst ausmachen...' Der Sprecher schaute einmal kurz durch die Runde. 'Hiermit seid ihr Erynn Releth, offiziell Novizin und damit Schülerin von Arranges Moryn, Mentor unter Meisterin Marie im Land Cyrodiil. Ihr dürft auf der Tribüne Platz nehmen.' Der Sprecher wies auf eine kleine Treppe, die am Rand der Tribüne hinauf zu den Sitzplätzen führte. Dann wandte er sich Arranges zu.

'Arranges, habt ihr euch Gedanken darüber gemacht, worum wir euch baten?'
'Ja Großmeister.'
'Nun? Wen würdet ihr uns als Mentor empfehlen?'
'Das ist nicht ganz einfach Großmeister, schließlich kenne ich die Mehrzahl der Schüler gar nicht... wenn ich euch meine ehrlichen Gedanken mitteilen darf?'
'Nur zu.'
'Ich empfehle euch keinen der in Frage kommenden Schüler.' Ein lautes Raunen war zu hören.
'Ihr wollt also allein Mentor in Cyrodiil bleiben?'
'Das habe ich nicht gesagt.'
'Aber gedacht?'
'Möglicherweise...' Gemurmel setzte hinter Arranges ein.
'Ihr verkennt langsam aber sicher eure Grenzen Arranges! Ihr seid Mentor und nicht in der Position, einen solchen Machtanspruch zu hegen...'
'Dessen bin ich mir bewusst, aber lasst euch gesagt sein Großmeister, dass ich keinen weiteren Mentor wie Torrah an meiner Seite dulden werde!'
'Ihr begebt euch auf dünnes Eis Mentor Arranges... aber da ihr keinen ernsthaften Gedanken daran verschwendet habt, werden wir eure Meinung nur wenig berücksichtigen können... und jetzt entfernt euch!' Der freundliche Klang war verschwunden, der Großmeister hatte durch seine recht eindringlichen Worte sehr schnell klar gemacht, wo Arranges stand. Der Kaiserliche ging zur Tribüne und nahm neben Erynn Platz. Er sah wenig zufrieden aus, für ihn hatte diese Vorstellung eine wenig befriedigende Wende zum Schluss hin genommen. Er verschränkte die Arme vor der Brust und kehrte den Blick nach innen.

Der Sprecher war derweil aufgestanden und wandte sich nun allen Anwesenden zu: 'Nun, nachdem wir das geklärt hätten, bitte ich alle die hier Anwesenden um dringende Aufmerksamkeit! Drei unserer Meister haben sich gegen uns gewandt.'
'Was!...'
'Verräter...'
'Wer sind diese drei Schweine?' Waren die Wortfetzen, die deutlich aus dem allgemeinen Raunen herauszuhören waren.
'Bitte beruhigt euch... Wir, die Gathering, haben schon Maßnahmen dagegen ergriffen und einige Botschafter zusammengezogen... leider ist es uns nicht gelungen, die Botschafter, die diesen Meistern zugeteilt waren, die Mentoren unter ihnen, sowie unzählige Schüler, davon abzubringen, diesen Verrätern zu folgen... ebenfalls sind Gespräche direkt unterbunden worden... Wir wissen nicht, was diese Verräter antreibt, aber eines ist sicher, wir müssen sie vernichten!'
'Wie sollte man einen Meister töten können? ...'
'Ein Meister kann nicht einfach getötet werden...'
'Wir brauchen Hilfe...' Waren wieder einige Worte derer, die am lautesten riefen.
'Das stimmt, ein Meister kann nicht einfach getötet werden, jedenfalls von keiner Kraft, die wir hier aufbringen können... es braucht dazu eine Macht, derer die Meister sich nicht erwehren können und vor allem jemand, der sie einsetzen kann...'
'Woher bekommen wir so eine Macht, wenn nichteinmal ihr, die Großmeister, in der Lage seid, einen Meister einfach zu zerstören...?'
'Auch darüber wurde schon gesprochen... wir brauchen die Sigelsteine aus den Obliviontoren...'
Schlagartig wurde es leise.
'Und wir haben auch schon darüber verfügt, wer die drei Siegelsteine, für jeden Meister einen, holen soll... Unsere Wahl fiel auf Mentor Arranges Moryn... und das ist absolut indiskutabel, ihr werdet diese Sache für die Gathering erledigen!'
Seine Worte ließen keinen Wiederspruch zu.

Der Sprecher verabschiedete die Versammlung, dann zog sich die Gathering zurück. Arranges war absolut verärgert und stapfte ohne Rücksicht auf Erynn oder sonst wen zurück in seine Kammer. Mit finsterer Mine starrte er an seinem Schreibtisch sitzend an die Wand.

Glannaragh
15.02.2011, 22:47
Erynn hastete hinter Arranges her aus dem Saal. Der eine oder andere mitleidige Blick eines Schülers folgte ihr.
Temperamentvoll, ja? Interessante Ausdrucksweise, Großmeister. An seinem Zimmer angekommen, schlug der Beschwörer ihr die Tür vor der Nase zu.
Die Elfin schloß kurz die Augen, atmete tief durch und stählte sich innerlich. Dann schob sie leise die Tür auf. Mit dem wohl grimmigsten Blick, den sie je bei ihm gesehen hatte, schüchterte Arranges die Wand vor sich ein. Erynn zog den Kopf ein und ging hinter dem Wandschirm in Deckung. Dank sei Vaiolenna, daß sie dieses Ding hier hat reinschleppen lassen... Sie setzte sich auf den Boden und lehnte den Rücken gegen die Wand. Und wartete.

Gut gemacht, Erynn. Hast dich tapfer geschlagen da drinnen. Laß mich dir erklären, was eigentlich los ist. Du fragst dich jetzt bestimmt, ob wir tatsächlich durch ein paar Obliviontore toben müssen. Oder warum selbst die geballte Schlagkraft der Gathering einen Meister nicht ohne weiteres töten kann. Oder weshalb ich es nicht lassen konnte, den versammelten Haufen noch einmal so richtg schön zu reizen. Oder möchtest du etwas Persönliches wissen? Wann ich in Cheydinhal gelebt habe, zum Beispiel? Vielleicht auch, warum ich dir nie davon erzählt habe? – Halt bloß deine Schnauze, Erynn. Oder du kannst froh sein, wenn dich nur ein weiterer Lähmzauber trifft...
Resigniert ließ die Kriegerin den Kopf auf die Knie sinken und wünschte sich im Augenblick nichts sehnlicher, als daß sie sich in dem großen Komplex gut genug auskennen würde, um sich irgendwo anders hin verziehen zu können.

Sie überlegte, wie schnell sie abreisebereit sein könnte. Fünf Minuten. Davon drei, um die Rüstung anzulegen. Irgendwie hatte sie das unbestimmte Gefühl, daß es ziemlich hektisch werden würde, sobald Arranges die Nase voll davon hatte, die Wand anzustarren.
...ich verlange von Euch überhaupt nichts, außer, daß Ihr für eine gewisse Zeit mit mir zusammen unterwegs seid... äffte sie die Worte des Kaiserlichen in Gedanken nach. Na, da hat dir dein Chef aber einen schönen Strich durch die Rechnung gemacht. Und ich hänge voll mit drin, schönen Dank auch...

weuze
15.02.2011, 23:42
Arranges hatte das dringende Bedürfnis, die Wand einzuschlagen, das Einzige, was ihn davon abhielt, war die Tatsache, dass ihm sein Verstand eindringlich sagte, dass es nur ungesund sein würde, auf massiven Fels einzuprügeln. Plötzlich sprang der Kaiserliche auf. Er tat ein paar hektische Schritte auf und ab, schnaufte dabei wie ein Ork kurz vor der Raserei und knurrte immer wieder unzusammenhängende Wortfetzen vor sich hin: 'Absolut indiskutabel... Ihr werdet das machen... Ihr seid nur Mentor Arranges... ABER DIE GROßMEISTER BEKOMMEN NICHT AUF DIE REIHE, WAS SIE UNS IMMER WIEDER ALS DIE STÄRKE DER GATHERING VERKAUFEN!?'

Das Bersten von Holz erfüllte plötzlich den Raum. Arranges hatte eine der beiden Türen des Kleiderschranks eingetreten. Wütend zoge er den Fuß zurück und starrte hasserfüll auf das Loch. Ruckartig drehte er sich um und stand jetzt vor dem Schreibtisch. Mit einem Wutlaut räumte er die Tischfläche ab, dass Pergament, Tintenfässchen und Federkiel quer durch den Raum segelten. Er packte den Stuhl an der Lehne und eine Sekunde später explodierten die Stuhlbeine in unzählige Holzsplitter. Die Sitzfläche fiel dem gleichen Schicksal zum Opfer, die Lehne zerfetzte den Bruchteil eines Augenaufschlags später, eine der Stellwände und landete einige Meter neben Erynn. Ein hektisches Klopfen war an der Tür zu hören. 'Einen Moment bitte...' Rief Arranges, sichtlich um seine Fassung bemüht. Er war mit ein paar großen Schritten bei der Tür, als diese schon aufgeschoben wurde. Vaiolenna stand vor ihm. 'Was ist passiert? Ich war gerade auf dem Weg hierher, als ich plötzlich lauten Krach hörte...' Während sie sprach, stellte sie sich auf die Zehenspitzen um über Arranges Schulter blicken zu können. 'Ich habe ein wenig umdekoriert...' sagte Arranges monoton ernst, aber nicht wütend. 'Was gibts?' Hängt er an. 'Ich habe hier noch einige Dinge, Informationen der Großmeister an euch.' Sie reichte ihm einen Briefumschlag. Der Kaiserliche riss ihr das Schreiben aus der Hand und ehe sie noch etwas sagen konnte, fand sie sich vor der geschlossenen Tür wieder. Arranges warf den Umfschlag achtlos aufs Bett, als er sich wieder herumdrehte. Er lehnte sich um die Stellwände herum und sah zu Erynn. 'Packt eure Sachen, wir brechen auf!' Sagte er tonlos, aber bestimmt. Er selbst hatte seine Ausrüstung recht schnell angelegt. Er musste nicht auf Erynn warten, sie war mindestens so schnell. In dem gesamten Komplex herrscht ein reges Treiben. Viele waren ebenfalls dabei, aufzubrechen. Aber jeder ging Arranges aus dem Weg. Ob es nun daran lag, dass er eine bösartigere Miene als Mehrunes Dagon aufgesetzt hatte, oder dass die Gathering ihm die wichtige Aufgabe der Siegelsteinbeschaffung zugedacht hatte.

Bald schon waren sie wieder durch die Steppen Westmorrowinds unterwegs. Der Kaiserliche wechselte kaum Worte mit Erynn. Versuchte aber bei den wenigen Gesprächen ihr gegenüber nicht ausfallend zu werden oder sie irgendwie anderweitig seinen Missmut spüren zu lassen. Nach knapp vier Tagen kamen sie von dem niedrigeren Pass zwischen den Valusbergen und dem Jerallmassiv langsam aber sicher wieder in die Niederungen des Herzlandes. Das Wetter machte ihnen dieses Mal nicht so sehr zu schaffen wie bei ihrer Anreise. Am Abend des vierten Tages schlugen sie am Fuße der Valusberge ihr Nachtlager auf, sie waren etwa einen Tagesritt östlich von Cheydinhal.

Arranges saß am Feuer und las jetzt zum ersten Mal, seit sie von der Ratshalle aufgebrochen waren, den Brief der Gathering. Er enthielt Informationen über die Siegelsteine und über die Ebenen Oblivions. Diese Informationen stammten von einigen Telvanniangehörigen. Die Telvanni hatten es als die Ersten seit dem Beginn der Krise geschafft, einige der Tore selbst zu schließen und wussten daher recht genau über die Welt dahinter und die Siegelsteine bescheid... Arranges musste jetzt also nur noch drei dieser Tore finden... er würde wohl am besten in der Kaiserstadt nachfragen, die Legionskundschafter sollten diesbezüglich eigentlich über recht gute Informationen verfügen dachte sich Arranges.

Glannaragh
16.02.2011, 20:14
Erynn war froh, als sie endlich wieder unterwegs waren. Sie schlugen ein scharfes Tempo an, getrieben von dem Wunsch, so schnell wie möglich einigen Abstand zwischen sich und den Stützpunkt zu bringen.
Der Weg über die Pässe war auch diesesmal eine Kraftprobe für die Elfin, doch ohne Unwetter ließ es sich irgendwie ertragen. Vier Tage, nachdem sie das Haus der Gathering verlassen hatten, waren sie wieder in Cyrodiil. Sie schichtete gerade Holz für ein Lagerfeuer auf, als Arranges sich endlich dazu durchrang die Nachricht zu lesen, die Vaiolenna überbracht hatte. Erynn verzog sich eine für eine Weile, nachdem sie das Feuer entzündet hatte. Erstens mußte sie zur Abwechslung etwas anderes sehen als ihren muffeligen Begleiter und zweitens war sie die Reiserationen leid. Nach etwa einer halben Stunde kam sie mit zwei frisch erlegten Kaninchen zurück, die sie an einem nahen Baum aufhängte. Was steht in dem Brief?“ fragte sie, während sie die Beute aufbrach.

'Hmm?' Arranges sah auf, er hatte nur am Rande registriert, dass Erynn fortgegangen war. 'Achso... Naja, sehr viel Aussagekraft haben die Informationen nicht... es wird beschrieben, wie die Siegelsteine aussehen und wie wir an sie herankommen, wenn wir durch ein Tor treten. Ein wenig über die Ebenen Mehrunes Dagons steht auch noch dabei, aber sonst nichts weiter...' Arranges blickte vor sich auf den Boden und ließ die Hand mit dem Brief sinken.

Erynn antwortete nicht sofort, legte stattdessen die Innereien auf einem flachen Stein ab. "Es ist den Großmeistern also tatsächlich ernst damit... Vor ungefähr zwei Monden habe ich noch mit einer Freundin darüber gesprochen, daß ich niemals einen Fuß in so ein verdammtes Tor setzen würde. Sieht nicht so aus, als würde ich mich jetzt noch darum drücken können, oder?" fragte sie ohne Hoffnung.

Arranges legte den Brief auf die Satteltasche neben sich und stand auf. 'Ich habe auch wenig Lust dazu, Erynn... Aber ich kann mich dieser Sache nicht entziehen. Es war so auch nicht geplant, ginge es nach mir, wärd ihr mich spätestens zwei Wochen, so dachte ich, wieder los...' Er tat einen zögerlichen Schritt auf sie zu. 'Ich kann eure Sorge verstehen... ich frage euch auch nicht, ob ihr mit mir zusammen die Tore betretet. Mir fällt sicherlich etwas ein, das euer Ausbleiben rechtfertigen würde...'

Sie schüttelte müde den Kopf. "Nein, schon gut. Ich habe Angst, sicher, aber ich bin kein Feigling... davon abgesehen: Ihr habt die Versammlung ohnehin schon verärgert, und wirklich von mir überzeugt schienen sie auch nicht zu sein. Sähe nicht gut für Euch aus, wenn ich mich direkt ihrem ersten Auftrag verweigerte." Erynn sah von ihrer Arbeit auf und drehte sich zu dem Beschwörer herum. "Was sollten eigentlich all diese seltsamen Fragen, die man mir gestellt hat? Was ist so komisch daran, daß ich mit Vvardenfell nichts mehr zu tun habe? Und überhaupt..." sie verstummte.

'Also ersteinmal wurde mir diese Sache aufgetragen, aber wenn ihr mitkommen wollt, gut. Ich verbiete es euch nicht...' Er machte eine wegwerfende Geste. 'Diese Fragen sind im Großen und Ganzen völlig belanglos... Seid froh, dass es nur die normal unzusammenhängenden Fragen waren... Wenn ein paar der Gathering einen schlechten Tag erwischen, nehmen sie die neuen Schüler regelrecht außeinander. Dort unten haben sich schon Mentoren vor ihre neuen Schüler gestellt, weil diese zusammenbrachen und vor lauter schluchzen, nicht mehr im Stande waren zu antworten. Ich habe glücklicherweise nicht um sonst gehofft, dass ihr keinen dieser Kreuzverhöre erleben musstet... Und darüber, ob ihr gut genug seid oder nicht, macht sich die Gathering keinen Kopf. Es ist allein an mir zu entscheiden, ob ein Schüler etwas taugt... entsprechend werde auch hauptsächlich ich davon erfahren, wenn den Großmeistern etwas an euch nicht zusagt. Ich bin dafür verantwortlich, dass mein Schüler lernt und vorwärts kommt, damit er bald von einem Meister gelehrt werden kann... Daran, dass ihr offensichtlich nichts mehr mit dem Land eurer Geburt zu tun habt, ist nichts komisch, zumindest nicht für die Gathering... aber es gibt einige Meister, die sehr patriotisch geprägt sind und es zum Teil verwerflich finden, was ihr auf diese Frage geantwortet habt, daher die unterschwellige Empörung...' Er blickte sie einen Moment fragend an. 'Und? Was meintet ihr noch mit und überhaupt?'

Erynn wandte sich wieder dem Kaninchen zu und begann damit, den Balg abzuziehen. "Wo fange ich am besten an?" Und ab welchem Punkt sollte ich besser aufhören? "Zunächst einmal: Was ist bei diesem Haufen... bei der Gathering eigentlich los? Drei Meister sind samt ihren Untergebenen desertiert - nicht schön, zugegeben. Aber warum verwandelt sich daraufhin die komplette Versammlung in einen Stall voller kopfloser Hühner? Ich meine, es gibt noch weitere Meister und Großmeister, die ebenfalls jeweils einen eigenen Stab an Leuten haben dürften. Warum gehen sie nicht hin und schaffen das Problem aus der Welt, anstatt Euch auf diese Himmelfahrtsmission zu schicken? Was wollen die mit den Siegelsteinen?" Mit einem letzten Ruck zog sie das Fell ab und sah Arranges wieder an.
"Ich weiß, daß Ihr Euch ebenfalls darüber geärgert habt - war nicht zu überhören. Wollten Euch die Großmeister damit nur eins reinwürgen, weil Ihr sie brüskiert habt?"

'Das Problem kann nicht einfach mit einem Schwerthieb gelöst werden. Natürlich könnte man einige der verbliebenen Meister abkommandieren um die Schüler, Mentoren und das ganze Gefolge zu töten. Aber die Meister können nicht getötet werden. Sie verfügen in ihrer Funktion eben als Lehrmeister bereits über zu viel Wissen und Macht, dass sie einem Schwertstoß in ihre Richtung selbst dann nur ein müdes Lächeln schenken könnten, wenn die Klinge sie tödlich treffen würde... Sie sind den Großmeistern nur wenig unterlegen, aber trotzdem mächtig genug um der Gathering einfach zu trotzen. Es gibt unter all den Mitgliedern vergleichsweise nur wenige, die es wie ich verstehen, Daedra zu rufen... Der Schluss daraus wird dann ersichtlich, wenn man als Beschwörer weiss, dass Untote sich gegen Daedra nur schwer behaupten können und oft den Kürzeren ziehen. Das gilt natürlich im gleichen Zug auch für die Magie, die sich dahinter versteckt. Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob man jetzt einen untoten Diener ruft oder ein Monster Oblivions beschwört... Ich denke die Großmeister hoffen, dass sie die Meister mit der andersartigen Magie eines Siegelsteins irgendwie vernichten können, fragt mich aber nicht, was genau dahintersteckt.' Er setzte sich wieder ans Feuer. 'Warum gerade ich dazu erwählt wurde, die Siegelsteine zu beschaffen, kann ich mir ebenfalls nur so erklären, dass mein Wissen über die vielfältigen Seelen der Daedra wohl ausreicht um mich gegen diese Dämonen, die in den Oblivionebenen lauern, behaupten zu können... Achja und als Nebeneffekt dieser Aufgabe begrüßt es die Gathering natürlich, dass ich nicht gleich die Gelegenheit haben werde, mir den neuen Mentor, der zweifelsohne in den nächsten Tagen seinen neuen Rangplatz einnehmen wird, anzusehen und sehr wahrscheinlich wieder seines Amtes entledigen werde...'

Die Elfin seufzte. Und damit wären wir wieder an dem Punkt angekommen, der ich beim besten Willen nicht verstehen kann. Sie nahm die Kaninchen aus dem Baum und warf dem Kaiserlichen eins davon zu. "Abendessen. Braten müßt Ihr es selber." Daraufhin hockte sie sich an das Feuer.
"Ihr seid ein sturer Bock, Arranges. Meint Ihr nicht, daß sich ein neuer Mentor nach der Sache mit Torrah sehr genau überlegen würde, Euch in die Quere zu kommen? Warum fällt es Euch eigentlich so schwer, jemanden neben Euch zu dulden?" Sie legte den Kopf schief. "Ich wüßte es wirklich gerne. Sobald Euch jemand zu nahe kommt, beißt Ihr zu. Das ist einfach keine gesunde Einstellung."

'Danke...' Meinte Arranges und begann damit sein Schwert umständlich aber brauchbar zum Bratenspieß umzufunktionieren. Auf ihre Frage antwortete er nicht gleich, sondern starrte einige Augenblicke nur schweigend in die Flammen. 'Ihr denkt also, dass es besser wäre, das Risiko einzugehen, sich belügen und hintergehen zu lassen?'

Sie dachte über die Frage nach. "Ich würde sagen, ja. Tatsächlich hat mich aber auch noch niemand wirklich bösartig hintergangen. Ich rede auch nicht davon, jedem Dahergelaufenen gleich die Freundschaft anzubieten, das wäre in der Tat närrisch. Ich weiß aber gerne, daß es im Notfall ein paar Leute gibt, auf die ich mich verlassen kann. Nur, um solche Leute zu finden, ist ein gewisser Vertrauensvorschuß von Nöten. Ein Risiko also, um Eure Worte zu benutzen. Andererseits: Ihr geht andauernd Risiken ein, oder nicht? Zum Beispiel, um dieses Buch zu finden. Und dann wieder, um es zu lesen, bevor wir verstanden hatten, wie man dieses Böse... wasauchimmer daraus entfernen konnte. Da hätte jede Menge schiefgehen können, und Ihr habt Euch trotzdem daran gewagt. Wo ist der Unterschied?"

'Ihr habt in mancher Hinsicht sicherlich recht, aber das, was ich meine, mit dem Risiko des Buches zu vergleichen, ist dumm. Das Risiko, das ich eingegangen bin, als ich mich daran machte, den Folianten wieder zuerlangen und ihn anschließend zu lesen, bevor wir den Schatte davon entfernt hatten, war absolut kontrollierbar, ich wusste, worauf ich mich im Endeffekt einlasse und konnte so überlegen, wie ich mich den Problemen stellen und sie beseitigen könnte... Etwas anderes ist es, nicht zu wissen, wie jemand reagiert und denkt, eben weil ich mein Gegenüber nicht kenne... Ich vertraue höchstens meinem Rotfuchs, aber das haben wir ja auch schon zu genüge diskutiert... Und, ihr habt Torrah doch selbst erlebt. Mit ähnlichen Methoden hat sie mich teilweise aufs Übelste für ihre Zwecke missbraucht, aber das habe ich euch ebenfalls schon einmal erzählt... Also, warum verlangt ihr von mir so etwas wie Vertrauen? Und wenn ihr es nicht verlangt, warum zwingt ihr mich mit solchen Fragen dazu, mir Gedanken darüber zu machen?'

"Weil ich denke, daß es höchste Zeit ist, daß Ihr darüber nachdenkt. Wer sagt, daß nur Ihr mich etwas lehren könnt und nicht auch umgekehrt? Aber für heute soll es genug sein. Ihr könnt Euch schlafen legen, wenn Ihr gegessen habt. Diesesmal werde ich die Nachtwache übernehmen."

'Ich will aber nicht darüber nachdenken... und ich bin auch nicht wirklich geneigt, von euch irgendetwas zu lernen...' Der Nekromant beließ es dabei. Es dauerte nicht lange, da hatte er das gesamte Kaninchen fast schon barbarisch in sich hineingeschlungen. Es war ganz offensichtlich, dass auch er sich ordentlich der Abwechslung zu der eher faden Wegzehrung erfreute. Dann lehnte er sich an einen Baum, der nur einige Meter weiter stand und blickte zu Erynn. 'Hatten wir das nicht auch schonmal?' Resignierend verschränkte er die Arme vor der Brust und starrte wieder ins Feuer. Aber schon nach kurzer Zeit konnte er sich nicht mehr gegen den Schlaf wehren, wusste er doch im Unterbewusstsein, dass es nicht nötig war, weiter wach zubleiben. Er nickte ein, kippte zur Seite und blieb schlafend liegen.

"Ja, das hatten wir schonmal", antwortete Erynn unbeeindruckt und nagte die letzten Knochen ab. Dann sammelte sie die Innereien auf und warf sie ins Feuer. Sie mochte das Zeug ohnehin nicht. Sie schaute gedankenverloren in die Glut, als ihr ein beunruhigender Einfall kam.

weuze
16.02.2011, 21:24
Der Kaiserliche erwachte mit den ersten Sonnenstrahlen. Mit knackenden Gelenken stemmte er sich hoch. Erynn saß an den glimmenden Überresten des Feuers. Sie nahmen ein kurzes Frühstück ein und brachen auf. Sie ritten nacht Westen. Ein paar Stunden waren sie unterwegs, es würde noch eine Weile dauern, bis die Sonne den höchsten Stand erreicht hatte. Arranges erspähte in der Ferne vor ihnen die Türme der Stadt Cheydinhal. Erst zügelte er ihr Reisetempo ein wenig, dann bog er entschieden nach Süd-Südwesten ab. Er ritt einen weiten Bogen um die Stadt. Arranges gedachte südwestlich von ihr auf die Blaue Straße zu gelangen und von dort aus über die Ringstraße zur Kaiserstadt zu reiten.

Am Nachmittag hatten sie die Blaue Straße erreicht. Am Straßenrad legten sie ein kurze Rast ein. Während sie ein wenig aßen, kmaen zwei Reisende vorbei, von Osten nach Westen, weg von der Stadt. Es waren zwei Nord, sie sahen ein wenig gehetzt aus und hatten teilweise unnötig schweres Gepäck dabei, dafür, dass sie zu Fuß unterwegs waren. Arranges dachte sich nichts weiter dabei. Als aber nur wenige Minuten später, als er und Erynn bereits wieder dabei waren, aufzusitzen, nochmal einige Reisende in der selbe Richtung vorüberkamen, merkte Arranges auf. Eine größere Gruppe Dunmer hetzten die Straße entlang, ebenfalls unsinnig schwer beladen, als ob sie irgendwie flüchteten. Der Kaiserliche lenkte der Gruppe aus einer Eingebung heraus, das Pferd in den Weg.

'Ist in Cheydinhal die Pest ausgebrochen oder warum seid ihr schon die zweite Gruppe, die mehr an Flüchtlinge, denn an Reisende erinnert?' Sprach er die Dunkelelfen wahllos an. 'Habt ihr es noch nicht gehört? Direkt südlich der Stradtmauern hat sich eines dieser verfluchten Obliviontore geöffnet...' Rief einer aus der Menge, während die Flüchtenden an Arranges vorbeistolperten.

Verdammt... wir haben das erste Tor, aber ich will nicht wirklich nach Cheydinhal... Arranges war unentschlossen und blickte zu Erynn. 'Ich glaube eher, dass die da ein wenig zu viel gebechert haben... wir sollten lieber bei den Legionskundschaftern nachfragen, statt hier einen unnötigen zusätzlichen Weg zu riskieren und Zeit zu vergeuden...'

Glannaragh
17.02.2011, 14:42
„Zu viel gebechert, na klar. Ist heute ein hoher Feiertag des Sheogorath, daß massenhaft Leute besoffen und Blödsinn redend durch die Gegend tingeln? Das glaubt Ihr doch selbst nicht. Verdammt, Arranges, meine Eltern leben dort!“ Fassungslos starrte sie ihn an. „Ihr wollt einfach nur nicht dorthin“, zischte sie. „Was habt Ihr angestellt, daß Ihr Euch dort nicht blicken lassen wollt?“

Die Augen des Kaiserlichen waren unnachgiebig und eiskalt. In seiner Wange zuckte ein Muskel. Erynn hielt dem Blick stand; der stumme Machtkampf dauerte einige Herzschläge.
„Warum, zum Donner?“
Sie würde darauf keine Antwort erhalten, so viel war klar. Doch hinter der frostigen Miene glaubte sie, noch etwas anderes zu erkennen. Schmerz? Meinetwegen? Seinetwegen? Die Elfin senkte den Kopf.
„Das geht Euch nichts an“, blaffte Arranges zurück. „Merkt Euch das endlich!“ Seine Stimme wurde nicht unbedingt weicher, nahm aber einen irgendwie resignierten Klang an, als er fortfuhr: „Also schön. Wir sehen nach, ob an diesem hysterischen Gebrabbel etwas dran ist. Sollte das aber nicht der Fall sein, dann gnaden Euch die Götter...“
Eryn antwortete nicht darauf, riß den Braunen herum und preschte nach Osten auf die Stadt zu.

weuze
17.02.2011, 17:26
Der Kaiserliche reagierte mehr oder weniger aus Reflex. Auch er zog seinen Rotfuchs in die Richtung, in die Erynn davonraste. Er gab dem Tier die Sporen und war nur wenige Augenblicke später wieder an der Dunmer dran, die wie wahnsinnig auf die Stadt zuhielt. Es war nicht sehr weit und bei ihrem Tempo sahen sie schon nach wenigen Minute langsam die Türme der Stadt vor sich auftauchen. Schlagartig wurde der Himmel immer dunkler.

Arranges bemerkte ein Stück rechts der Türme zwei dicke Rauchsäulen aufsteigen, als plötzlich Blitze durch den Himmel zuckten. Keine gewöhnlichen Blitze. Grellrot wurde der jetzt nachtschwarze Himmel im Sekundentakt von den Blitzschlägen erleuchtet. Das ist aber kein gewöhnliches Unwetter... Arranges wurde es ein wenig mulmig. Als die Stallungen vor den Toren der Stadt und die dicken Festungsmauern selbst hinter einer letzten Kuppel auftauchten, wusste Arranges auch woher das Gefühl kam. Während Erynn weiter auf das Tor zupreschte, zügelte er sein Pferd und schaute sich suchend um. Der Nekromant wurde nach einem Rundumblick fündig, gut zweihundert Meter südlich der Mauern der Stadt, funkelte und blitzte etwas großes zwischen den Bäumen hindurch. Von dort stieg auch der Rauch auf. Verflucht, es scheint tatsächlich eines dieser Tore zu sein... Arranges hatte einmal eines aus sehr großer Entfernung gesehen. Daher wusste er auch nicht direkt, dass das seltsame Wetter wohl mit dem Tor irgendwie zusammenhing. Für ihn war es damals nur ein glühender Fleck am Horizont gewesen...

Erynn hatte derweil das Stadttor erreicht und war regelrecht aus dem Sattel geflogen. Sie hämmerte mit den Fäusten gegen das Holz. Als auch der Kaiserliche nur wenige Sekunden später bei ihr war, wurde oben der Verschlag vor einer Schießscharte geöffnet. Ein gepanzerter Kopf kam zum Vorschein. 'Wer da? Was wollt ihr?' Rief der Soldat.
'Wir sind Reisende und suchen Schutz hinter den Mauern Cheydinhals...' Brüllte Arranges dem Soldaten entgegen. 'Schutz? Den gibt es hier nicht... die Stadt ist nicht sicher und das Schloss ist komplett überfüllt... flüchtet, so lange ihr noch könnt!'
'Verdammt nochmal, Daedra streifen wahrscheinlich schon durch die Lande, wir können nicht mehr flüchten...' Der Soldat schien Einsicht zu zeigen. Jedenfalls schloss er zögernd und den Kopf schütteln den Verschlag. Einen Moment später wurde eine hohe Bogentür neben dem Tor geöffnet. Ein stämmiger Ork in schwerer Rüstung winkte sie herein. 'Bringt die Pferde mit!' Rief er. Gehetzt führten Arranges und Erynn ihre Pferde durch den Nebeneingang. Hinter ihnen wurde die Tür wieder ins Schloss geworfen und sofort machten sich einige Soldaten daran, die Tür mit mächtigen Holzbalken zuzustemmen. Auf der Innenseite des Stadttors sahen Arranges und Erynn, dass es mit allem Möglichen verbarrikadiert war. Eine Stadtwache trat ihnen in den Weg, es war der Soldat, der sie zuvor versucht hatte abzuweisen. 'Folgt mir!' Befahl er, drehte sich um und ging los. Den beiden blieb nichts anderes, als ihm zu folgen. Auf dem Weg zum Schloss hinauf fiel auf, dass außer ein paar Cheydinhalwachen und einzelnen Legionären niemand unterwegs war. Man kann es den Bewohnern kaum verübeln... Fenster und Türen der Häuser waren mit Brettern vernagelt und mit Kisten und Fässern zugestellt worden, alles wirkte, als würde sich die Stadt seit mehreren Jahren im Krieg befinden.

Der für gewöhnlich offene Torbogen zum Innenhof des Schlosses war ebenfalls mit einer massiven Barrikade versperrt. Die Wache winkte einem Schützen, der aufmerksam umherblickend auf der Sperre saß zu. Er verschwand daraufhin. Sie mussten einige Minuten warten, bis man die Straßensperre an einer Seite so weit geöffnet hatte, dass Erynn und Arranges mit den Pferden passieren konnten. 'Zwei Reisende, die gerade eben noch angekommen sind... verstaut sie irgendwo...' Sagte die Wache trocken und machte sich dann auf den Rückweg zum Stadttor. Der Schütze, ein schlaksiger Soldat, wies ihnen stumm den Weg in den Hof. 'Sucht euch irgendwo Platz, aber belästigt niemanden, wir haben auch so schon genug damit zu tun, die Leute zu beruhigen... Ihr müsst euch mit dem Innenhof begnügen, das Schloss ist schon mit der Bevölkerung der Stadt überfüllt und außer den Legionären lassen sie dort niemanden aus oder ein...' Dann kletterte er zurück auf seinen Posten auf der Barrikade. Als Arranges und Erynn aus dem Torgang in den Innenhof traten, sahen sie, was der Soldat mit überfüllt gemeint hatte. Unzählige Zelte drängten sich dicht aneinander. Immer wieder unterbrochen von ein paar Lagerfeuern, an denen kleinere Grüppchen von Flüchtlingen saßen. An den Mauern entlang hatte man Esel und Pferde gereiht. Der Eingang zum Schloss wurde von gleich drei Legionären bewacht, die allein durch ihren äußeren Eindruck klarmachten, dass hier außer ihnen selbst und vielleicht der Stadtwache niemand durchkommen würde.

Sie schlängelten sich durch die Zeltreihen. Schnell wurde aus den Wortfetzen, die Arranges aufschnappte klar, dess es sich bei den Leuten hier draussen wohl fast nur um Reisende und andere Besucher der Stadt handelte, die Einwohner selbst waren wohl im Schloss untergebracht.

Ganz hinten in einer Ecke fanden sie noch Platz für sich und die Pferde, wenngleich es trotzdem noch recht eng war. 'Ganz toll... jetzt sind wir hier und können nicht wirklich weg... ich hätte euch am Stadttor einfach stehen lassen sollen und mich durch den Wald zu diesem Portal schlagen...' Knurrte er in Richtung der Dunkelelfe neben ihm.

Glannaragh
18.02.2011, 14:34
„Ja, vielleicht hättet Ihr das tun sollen. Ich bin Euer ständiges Gemotze nämlich leid.“ Erynn verdrehte die Augen. „Gebt mir mal diesen Brief. Ich will wissen, was da drin steht.“ Arranges reichte ihn ihr. Sie brauchte eine ganze Weile, die eng beschriebenen Seiten zu lesen. Es half auch nicht gerade, dabei Arranges’ abschätzigen Blick auf sich zu spüren. Vermutlich amüsierte er sich königlich, während er dabei zusah, wie sie sich mit den einzelnen Wörtern abmühte.

Sie konnte aus dem Schreiben entnehmen, daß das Reich von Mehrunes Dagon wohl ein lebensfeindlicher Ort war, durchzogen von Lavaseen und mit geringer Vegetation, der Großteil der dort wachsenden Pflanzen war ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Es ging weiter mit einer Auflistung der verschiedenen Arten von Daedra, welche die Telvanni dort angetroffen hatten. Einige Namen kannte sie, andere waren ihr völlig fremd. Was zum Henker ist ein... Xi-vi-lai?
Der Verfasser berichtete über große Hitze, die wohl ‘jemandem, der nicht dem Volk der Dunmer angehört, schwer zu schaffen machen dürfte’. Nun ja, das ist definitiv besser als Eiswüsten... Die Siegelsteine, so weiter, waren die Gegenstände, welche die Dimenst... Dimensionstasche stabil hielten. Hä? Entfernte man sie, fiel das Tor in sich zusammen. Ach so.
Der letzte Absatz blieb ihr zum größten Teil unverständlich. Irgendeine wilde These über nicht kollidierende... nein, korellierende... wasauchimmer – Dings, die bewirkten, daß 'alles, was nicht [seltsames Gelehrtenwort] in die Oblivionebene gehört, beim Zusammenbruch des Tores nach Nirn zurückgeschleudert wird’.

Erynn gab Arranges den Wisch zurück. „Wenn ich Euch etwas über Magie beibringen soll, muß das in Zukunft schneller gehen“, meinte er trocken. Na großartig.
Sie stand auf und bahnte sich einen Weg durch den überfüllten Innenhof. Es stank nach zu vielen Leibern, nach Exkrementen und nach Furcht. Einige der Leute glotzten stumpf vor sich hin, andere weinten leise. Kaum jemand sprach. Trotzdem war es laut auf dem Platz. Die Geräusche, die von den Burgmauern zurückgeworfen wurden, erzeugten in ihrer Gesamtheit einen Krach, der an den Nerven zerrte.
Die Elfin erreichte den Soldaten, der auf der Barrikade Wache hielt. Er bemerkte sie und sah sie an. Sein Gesicht wirkte müde. „Was wollt Ihr?“ fragte er gereizt. „Herr, könnt Ihr mir sagen, was man bisher über das Tor weiß? Sollte es zum Kampf kommen, werde ich gerne an Eurer Seite stehen, aber ich möchte vorher so viele Informationen wie möglich haben“, sagte sie mit gedämpfter Stimme.
Der Wächter warf einen prüfenden Blick auf ihre Rüstung und Bewaffnung und schien zufrieden mit dem, was er sah. „Kriegergilde, wie? Nun gut. Allerdings haben wir selbst nicht viele Erkenntnisse. Das Tor tauchte praktisch aus dem Nichts auf, und gleichzeitig ging es mit diesem seltsamen Wetter los. Seither ist nichts mehr geschehen. Wir haben uns hier eingegraben und warten. Das Tor von Kvatch soll Berichten zufolge größer gewesen sein, und im Gegensatz zu unserem Fall hier gab es auch keine längere Ruhephase zwischen der Öffnung und dem Angriff auf die Stadt. Jetzt, wo wir gewarnt sind, scheinen sie eine Zermürbungstaktik einzusetzen. Wie es in dem Ding aussieht, weiß keiner. Wir haben Späher ausgeschickt, aber bisher ist niemand zurückgekommen – und ich bezweifle, daß das noch der Fall sein wird“, antwortete er ebenso leise. „Behaltet das für Euch. Das Letzte, was wir hier brauchen, ist eine Panik.“

Erynn nickte, dankte dem Soldaten und kehrte zu Arranges zurück. „Die Stadtwache hat scheinbar nichts Brauchbares zu erzählen“, berichtete sie. Wenn wir Informationen wollen, müssen wir uns selber bei dem Tor umsehen. Ich denke nicht, daß man uns aufhalten wird. So müßten keine weiteren eigenen Leute schicken und hätten hier zwei Mäuler weniger zu stopfen. Der Wächter sagte mir, daß sie schon Kundschafter losgeschickt haben, aber die sind bisher nicht wieder hier aufgetaucht. Wenn wir also in dieses Tor wollen, sollten wir schnell gehen, bevor sich die Lage weiter zuspitzt.“

weuze
18.02.2011, 16:48
Während Erynn am Tor mit der Wache sprach, musste sich Arranges irgendwie ablenken. Seit 12 Jahren war er nicht mehr direkt in Cheydinhal gewesen. Ob Airena wohl noch lebt? Steht das Haus noch? ... Hat sie meine Nachricht damals gelesen... war sie im Keller? Der Kaiserliche wurde die Gedanken los, indem er sich um die Pferde sorgte und sie beruhigte. Außerdem beschloss er für sich im Stillen, Erynn einfach mit irgendwelchem Gerede und ein paar billigen Tricks abzuspeisen. Er lag mit seiner Erstmeinung eines hirnlosen Prügelknaben wohl doch nicht so falsch, wie sie ihm erst weismachen wollte. Nachdem er sich das Elend, wie sie versuchte den Brief zu lesen, antun musste, war er drauf und dran sich selbst zu ohrfeigen und sich in diese absolut ärgerliche und vor allem überflüssige Lage gebracht zu haben... er hätte zwar mit den Konsequenzen leben müssen, aber was hätte die Gathering schon machen können? Ihn wieder zum Novizen machen? Wohl kaum, ich bin viel zu mächtig, sie können nicht weiterhin einfach so über mich verfügen... Ärger wallte in ihm über diese Gedanken auf... Er könnte jetzt lernend bei dem Mönch sitzen und das schier unendliche Wissen des Folianten ausschöpfen. Aber nein Arranges, du bist so dämlich und lässt dich wieder einschüchtern... Hmm... wie es wohl wäre, wenn Erynn einen kleinen Unfall hätte in der Ebene des Daedraprinzen... Im Moment war ihm alles recht, Hauptsache er konnte seine jetzt für ihn selbst ungerechtfertigte Unterwürfigkeit der Gathering gegenüber mittels irgendeiner heimtückischen Aktion übermalen und sich so selbst seine Unabhängigkeit beweisen...

Als Erynn endlich wiederkehrte und ihm berichtete, was die Wachen wussten, sah er sie nur von oben herab an. Schwachköpfe... 'Und die Pferde?' Fragte er. Einem seltsamen Blick der Dunmer setzte er seinerseits blitzende Augen entgegen. Erst nach einem kurzen Gespärch, das fast schon die Bezeichnung Streit verdient hätte, hatte Erynn ihn dazu bewegen können, sie einfach mitzunehmen. Grollend führte er gefolgt von der Dunmer sein Pferd wieder zum Eingang in den Burghof. Er überließ Erynn das Diskutieren mit den Wachen und nur wenig später fanden sie sich vor dem Westtor der Stadt wieder. Nach ihrem Zeitgefühl musste es lange nach Mitternacht sein. Sie gingen in einigem Abstand zu den Mauern der Stadt in die Richtung, aus welcher das helle Glühen durch die Bäume zu ihnen drang. Sie hatten die Pferde in einiger Entfernung stehen lassen, Arranges hatte seinen Fuchs nochmals beruhigt, mehr brauchte es aber nicht. Bevor sie losliefen hielt er Erynn nochmals zurück. 'Wartet einen Moment, ich will hier nicht überrascht werden...' Er sprach einen Zauber und spürte nun in einem relativ großen Umkreis alles was lebte und größer war als eine Ratte. So leise und unauffällig wie möglich, pirschten sie sich an das Tor heran. Nach einigen Minuten hatten sie freie Sicht. Der Anblick war überwältigend. Ein riesiges Steingebilde, durchzogen von feinen, rotglühenden Äderchen war augenscheinlich direkt aus dem Boden gewachsen. Spätestens beim zweiten Blick stellte Arranges ein wenig erstaunt fest, dass das Tor eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem daedrischen Buchtsaben O hatte. Große, teils schwarz, teils rot gefärbte Dornen aus Stein waren durch die Erde gebrochen und bogen sich mit der Spitze zum Tor hin. Sie verharrten hinter einigen Büschen und beobachteten das Gebiet um das Tor herum. Es rührte sich nichts und Arranges konnte auch nichts verdächtiges spüren. Geräusche vermeidend gingen sie langsam weiter auf das Tor zu. Als sie villeicht noch knapp 50 Meter entfernt waren, trat etwas Auffälliges als lose Information in Arranges Gedanken. Etwas oder jemand stand direkt vor dem Tor. Humane Umrisse... Der Nekromant verharrte mitten in der Bewegung und hielt Erynn am Arm zurück. 'Da ist jemand vor dem Tor...' Flüsterte er ihr zu, legte die Hand an den Schwertgriff und machte sich dazu bereit, im Zweifelsfall auch auf magischer Ebene kontern zu können, während er weiter auf die Stelle vor dem Tor schaute, wo eigentlich jemand oder etwas stehen sollte...

Andromeda
18.02.2011, 20:34
Anschluss an diesen Post (http://www.multimediaxis.de/threads/104961-Rollenspielthread-3-%28Signatur-aus%29?p=2742405&viewfull=1#post2742405) im Rollenspielthread.


Dreveni wusste nicht genau, wie lange sie schon vor dem Tor stand, als sie sich endlich wieder von seinem Anblick losreißen konnte. Daran, durch das Tor die Ebenen Oblivions zu betreten, dachte sie erst gar nicht, wieso auch. Als sie sich vom Tor wegdrehte, nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Man hätte es für eine normale Bewegung der Büsche im Wind halten können, aber irgendetwas machte sie misstrauisch. Sie sah in die Richtung in der sie die Bewegung wahrgenommen hatte, da raschelte es wieder in den Büschen.
Dort, in etwa 50 Metern Entfernung, schien sich jemand zu verstecken. Oder versuchte es zumindest. Sie rechnete noch nicht damit, dass derjenige sie trotz Unsichtbarkeit gesehen hatte, und näherte sie leise und vorsichtig den Büschen. Während sie näher kam, konnte sie zwei Gestalten erkennen, die eine mit auffällig weißen Haaren. Sie war einen leichten Bogen gegangen, so dass sie sich den Gestalten von der Seite näherte.
Als sie nahe genug war, sah sie endlich, dass eine der Gestalten den Kopf in ihre Richtung gedreht hatte. Was?? Laut war sie beim besten Willen nicht gewesen, und damit, dass es ein Magier war, hatte sie nicht gerechnet. Obwohl sie ab jetzt davon ausgehen musste, dass den beiden ihre Anwesenheit bewusst war, näherte sie sich noch so weit, bis sie den Mann erkannte. Was bei diesem verfluchten Tor hinter mir macht denn ausgerechnet DER hier?? Nein, das konnte nicht Arranges sein. Allerdings war ihr fehlgeschlagener Auftrag noch nicht so lange her, und sein Gesicht würde sie auch nicht so schnell vergessen. Die Weißhaarige musste die Dunmer sein, mit der er damals schon unterwegs war. Ihr erster Reflex war, mit dem Schwert auf ihn zu stürzen, dann fiel ihr gerade noch ein, dass er vielleicht einen guten Grund hatte, hier zu sein. Wusste er sogar, was man gegen diese Tore unternehmen konnte? Dass er einfach so hier war, glaubte sie nicht.
Inzwischen war sie sich sicher, dass Arranges sie irgendwie sehen konnte. Auch wenn er vermutlich nicht wusste, wer dort stand, er wusste dass dort jemand stand. Toll. Und jetzt? Würde sie jetzt den Zauber lösen, musste er annehmen, sie wäre gekommen um ihren Auftrag zu vollenden und würde sie ohne zu zögern töten. So jedenfalls würde sie an seiner Stelle handeln, und selbst wenn er sie nicht tötete, war er ihr allein durch seine Magie mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Noch dazu waren sie zu zweit. Verschwinden konnte sie auch schlecht, sie wusste nicht, wie weit entfernt der Kaiserliche sie noch wahrnehmen konnte.
So oder so sollte sie bald zu einer Entscheidung kommen, langsam strengte sie der Zauber doch an. Suchend sah sie sich um, ging zu einem dickeren Baumstamm etwa zehn Meter von den beiden entfernt, stellte sich hinter diesen und löste den Zauber. Eigentlich sollte sie von den beiden aus nicht zu erkennen sein, und genau hier würde sie warten, was diese als nächstes tun würden.

Glannaragh
18.02.2011, 21:57
Der Anblick des Tores war furchteinflößend und faszinierend zugleich. Es wirkte fast organisch, gänzlich anders als alles, was Erynn bisher gesehen hatte. Das seltsame Flackern an der Stelle, wo sich Nirn und die Totenlande berührten, schlug sie schier in seinen Bann. Unfaßbar. So schön und so tödlich... ganz gleich, wie gefährlich es sein mag, jetzt will ich wirklich wissen, wie die Welt dahinter aussieht.
Forscherdrang? Die Elfin war tatsächlich von sich selbst überrascht. Sollte es nicht eigentlich eher Arranges’ Metier sein, sich auf zweifelhaften überweltlichen Blödsinn einzulassen?

Eine Berührung am Arm holte sie in die Realität zurück. Der Beschwörer stieß eine leise Warnung aus. Erynn folgte seinem Blick, konnte aber nichts sehen. So, wie er den Kopf drehte, schien das Ziel sich zu bewegen. Einige Herzschläge vergingen, ohne daß die Kriegerin hätte sagen können, was eigentlich vor sich ging. Wer auch immer noch hier rumschlich, mußte einen Zauber an sich haben, der ihn unsichtbar werden ließ. Vielleicht einer der Kundschafter aus Cheydinhal. Oder ein Dremora. Wie in Zeitlupe legte sie die Hand an ihr Schwert und spannte sich, bereit, beim ersten Anzeichen von Ärger loszuspringen.
Arranges starrt noch immer auf einen bestimmten Punkt mitten in der Luft; im Gegensatz zu ihr schien er genau zu wissen, wo sich der Unbekannte befand. Oder veräppelt er mich nur? Das wäre jetzt der denkbar schlechteste Zeitpunkt für schrägen Magierhumor.
Bevor sie den Gedanken weiterspinnen konnte, zeigte der Beschwörer -sie vermied das Wort ‚Nekromant’ noch immer, wo sie nur konnte- auf den Stamm einer alten Eiche. „Hinter dem Baum“, flüsterte er ihr zu. Erynn nickte und zog leise die Klinge. Dann deutete sie stumm nach rechts. Ihr Begleiter verstand und setzte sich in Bewegung. Sie selbst schlug einen Bogen nach links, um so den Unbekannten in die Zange zu nehmen. Das brachte sie näher an das Tor heran, doch dort regte sich weiter nichts. Mit einer raschen Bewegung glitt sie um den Stamm herum, das Schwert vorgestreckt. Es kam kurz unter dem Brustbein einer anderen Dunkelelfe zu liegen. Einer Dunkelelfe, die ihr nur zu bekannt vorkam.
„Dreveni?“ entfuhr es ihr. „Was bei den Göttern tut Ihr hier? Habt Ihr immer noch nicht genug?“

Andromeda
19.02.2011, 00:48
Der Nachteil an ihrem Sichtschutz war, dass sie die beiden jetzt ebenfalls nicht mehr sehen konnte, so dass sie sich auf ihr Gehör verlassen musste. Tatsächlich hörte sie leise Schritte links von dem Baum. Sie hatte ebenfalls ihr Schwert gezogen, rechnete aber überhaupt nicht damit, dass die andere Dunkelelfe sich ihr von Rechts nähern würde. So war sie reichlich überrascht, als sie plötzlich deren Schwertspitze auf ihrem Bauch spürte, fing sich aber gleich wieder.
Sie ließ das Schwert fallen und sah der Dunmer ins Gesicht: "Nehmt ihr euch da nicht etwas zu wichtig, wenn ihr annehmt, ich wäre euch bis zu diesem Tor gefolgt?" Jetzt fand sie auch zum ersten mal Gelegenheit, die Andere genauer zu mustern. Sie war etwas kleiner als Dreveni und schien ein paar Jahre jünger zu sein. Was man unter der Lederrüstung von ihrer Figur erkennen konnte, machte einen eher drahtigen Eindruck. "Ich hätte ebenfalls nicht damit gerechnet, ausgerechnet euch - und ihn da - hier zu sehen." Dabei hatte sie mit dem Kinn Richtung Arranges genickt, der etwas hinter ihr stehen musste. "Ich habe auch nicht vor euch zu töten, sonst hätte ich mich nicht hier versteckt und gewartet." Nachdem sie der Dunmer noch kurz in die roten Augen geblickt hatte, fügte sie noch an: "Ich bin hier, weil ich mit eigenen Augen sehen wollte, was Cheydinhal demnächst in Schutt und Asche legt, da anscheinend die Stadtwache oder die Legion nichts gegen diese Tore ausrichten können."
Dreveni konnte zwar genauso arrogant wie überheblich sein, aber sie war nicht dumm und wusste, wann man mit anderen zusammenarbeiten sollte. Sie hoffte immer noch, dass die beiden aus einem bestimmten Grund hier waren, und sie eventuell sogar wussten, wie man diesem Tor beikam. Bei ihrem letzten Satz hatte sich auch der leicht spöttische Ton aus ihrer Stimme verloren, wenn auch ihr Gesichtsausdruck noch genauso kalt war.

weuze
19.02.2011, 01:15
Arranges war sich dessen bewusst, dass er einfach nicht schleichen konnte oder sich sonst irgendwie wirklich leise fortbewegen. Für was auch... ich bin weder feige, noch ein Dieb... Trotz des Zaubers versucht er dennoch so leise wie möglich an den Baum heranzukommen. Er hatte mittlerweile ebenfalls das Schwert gezogen, aber bevor er tatäschlich etwas tun konnte, war Erynn schon um den Baum herum. Eine Sekunde später wusste er auch schon, wer da vor dem Tor herumgeschlichen war. Dreveni... die will es ja anscheinend ganz genau wissen... Arranges trat um den Baum herum, als er hörte, wie ihr Schwert zu Boden fiel, blieb aber am Rande ihres Blickfelds stehen und hörte ihr zunächst zu.

'Lächerlich, natürlich seid ihr uns gefolgt, um jetzt aber nicht länger dem Auftrag nachzugehen, der im Übrigen gefälscht war, sondern um persönliche Rache daran zu nehmen, dass ich euch da einfach an einen Baum gefesselt habe wie einen ausgesetzten Hund... zugegeben, beeindruckend, dass ihr im Sumpf nicht verfault seid...' Der Spott und die Verachtung waren kaum zu überhören. 'Außerdem, was soll das heißen, was Cheydinhal hier bald in Schutt und Asche legen wird? Das hier ist nicht Kvatch, das Tor ist um einiges kleiner und mal davon abgesehen, habt ihr auch nur einen Skamp hier irgendwo herumwuseln sehen? Also was wollt ihr hier wirklich?' Er schaute einen Moment auf das Schwert am Boden. 'Was wird das?' Er tat mit einer Hand eine fordernde Geste. 'Macht ersteinmal alle eure Waffen sichtbar, bevor ihr mir antwortet... das Stilett, ist noch ganz?' Bei der Frage grinste er sie nur an, er kannte genug Menschen, die für ihre Waffen ihre eigene Mutter verkaufen würden... Dreveni schätzte er ähnlich ein, waren dolchartige Mordwerkzeuge doch ihre ständigen Begleiter.

Glannaragh
19.02.2011, 02:51
Die Arroganz dieses Weibsbildes kotzte Erynn einfach nur an. Ja, richtig. Alle Welt haut ab vor diesem Tor, und du wolltest nur mal schauen, was hier so los ist. Ich glaube dir aufs Wort... Sie verstärkte den Druck der Schwertspitze ein wenig. Glaub ja nicht, daß ich dich noch einmal davonkommen lasse. Das letzte Mal war schon ein gewaltiger Fehler, aber das passiert mir nicht nochmal, du alte Ziege.
Sie war froh, als Arranges sich einschaltete und ihre Gedanken aussprach. So konnte sie sich darauf beschränken, die Andere in Schach zu halten. Ist auch besser so. Der Kerl kann zwar kein bißchen schleichen, aber dafür umso besser poltern... Die Kriegerin war dennoch überrascht, als der Kaiserliche erwähnte, daß der Mordauftrag gefälscht war, sie machte jedoch nicht den Fehler, Dreveni auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen.
Als der Kaiserliche verlangte, daß die Mörderin ihre anderen Waffen ablegen sollte, hob Erynn ihre Klinge in einer fließenden Bewegung und setzte sie ihrer Artgenossin an die Kehle. Jetzt bin ich ja mal gespannt, wie stark deine Nerven wirklich sind.

Andromeda
19.02.2011, 13:13
Zuhören ist nicht so deine Stärke, oder?, dachte sie sich bei Arranges Worten, was sie hier wirklich wolle. Außerdem hast du dir die Antwort ja gerade selber gegeben, natürlich bin ich nur hinter dir her, wie sich ja alles nur um dich dreht. Ob der Mordauftrag nun echt oder gefälscht war, interessierte sie, wenn überhaupt, auch nur am Rande. Als der Kaiserliche fertig war, und noch nach ihren Waffen gefragt hatte, hatte Dreveni sich gerade eine passende Erwiderung überlegt, als plötzlich das Schwert der Dunmer an ihrer Kehle war.
Das einzig wirklich unangenehme an dieser Situation für Dreveni war, dass sie sich langsam daran zu gewöhnen schien, es kam in letzter Zeit wirklich gehäuft vor. Mit einem schwer zu deutendem Blick sah sie die Dunkelelfe an, während sie versuchte, abzuschätzen, wie viel wirklich hinter dieser stummen Drohung stand. War sie wirklich in der Lage jemanden zu töten, der gerade relativ wehrlos war und - wenigstens dieses Mal - nicht angegriffen hatte? Dreveni konnte es in diesem Moment wirklich nicht sagen, und so streckte sie nur die Arme leicht zur Seite, als sie zu Arranges sagte: "Keine von denen ihr nicht schon wisst." Den Bogen und den Dolch trug sie immerhin sichtbar, und das Stilett war an ihrem linken Arm unter dem Ärmel der Tunika. "Ich würde es euch ja gerne selbst geben, aber ich fürchte eure Freundin durchbohrt mich bei der ersten Bewegung. Und falls es euer Ego beruhigt: Ja, ich nehme es euch persönlich. Und trotzdem bin ich euch nicht gefolgt, wie ihr seht ist das auch nicht unbedingt nötig gewesen, Mephalas Wege sind manchmal seltsam. Und ob das Tor Cheydinhal in Schutt und Asche legt oder nicht, hier bei der Stadt kann es nicht bleiben. Ich bin hier, weil ich vermutlich auf eine Eingebung gehofft habe, wie man dieses Ding schließen kann. Und jetzt frage ich mich, was macht ein Magier, ein Beschwörer in der Nähe eines Obliviontores? " Während diesen, an Arranges gerichteten Worten hatte sie weiterhin die Dunkelelfe angesehen und sich tatsächlich so gut wie nicht bewegt. Auch wenn ihre Worte etwas flapsig waren, klang ihrer Stimme ernster, als sie es wollte.

weuze
19.02.2011, 14:34
Erynn und jemanden umbringen... Arranges musste sich arg zurückhalten um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen, als Dreveni ihre Bedenken über die Klinge an ihrem Hals äußerte. Der Kaiserliche schaute sie einen Moment prüfend an. Sie schien wohl doch irgendwie die Wahrheit zu sagen. Arranges griff nach ihrem linken Handgelenk und zog den Ärmel zurück. Das Stilett war dort, wo er es nach ihrem ersten Zusammentreffen in Erinnerung hatte. Er ließ den Arm wieder los. 'Ihr seid also tatsächlich nicht wegen mir hier, auch wenn ich euch das noch nicht ganz glaube... Die Antwort auf eure Frage, was ich hier mache, werdet ihr euch wohl irgendwie selbst zusammenreimen müssen, von mir werdet ihr sie nicht bekommen... Viel interessanter wäre, was euch dazu bewegt, dass ihr euch Gedanken darüber macht, wie man dieses Tor vor Cheydinhal loswird... Als ob es euch tatsächlich interessieren würde, ob den Daedra jetzt noch eine Stadt zum Opfer fällt oder nicht...' Er blickte kurz zu Erynn. Dreveni ist schnell und gut, wenn sie auch nur eine Chance bekommt, wird sie diese nutzen... Und nur wegen der Schwäche dieser Kriegerin werd ich der Meuchlerin sicher nicht in die Klinge laufen... 'Erynn... wollt ihr nicht irgendiwe nochmals euer Flötenspiel üben oder euch schluchzend hinter einem Baum verstecken, bis ich hier fertig bin?' Er Griff vor sich in die Luft und hielt plötzlich aus dem Nichts einen daedrischen Dolch in der Hand. 'Ich rate euch mich mit eurer Antwort nicht anzulügen... leider habe ich kein Seil dabei, das lang genug wäre um euch wieder an einen Baum zu binden, aber ich bin mir sicher, dass das Stilett euch genau so gut am Stamm hält, wenn man es nur tief genug hineintreibt...'

Glannaragh
19.02.2011, 14:55
Irgendwie gelang es Erynn, keine Miene zu verziehen, als Arranges sie fortschickte. Sie trat ein paar Schritte zurück, hielt das Schwert aber in Angriffsposition, nur für den Fall, daß die andere Dunkelelfin jetzt durchdrehte. Sie stellte sich so hin, daß sie Dreveni weiterhin fixieren konnte, allerdings auch das Tor im Auge hatte. Wenn ich mich jetzt verkrieche, kann ich mir das noch wochenlang anhören... keine Ahnung, was schlimmer ist.
Sie blieb, wo sie war und bemühte sich um einen beiläufigen Gesichtsausdruck. Tu uns beiden einen Gefallen, Dreveni, und hör endlich damit auf, Unsinn zu erzählen.

Andromeda
19.02.2011, 15:13
Du tust es schon wieder..., mehr fiel ihr nicht zu Arranges Worten ein. Als er dann allerdings auch Erynn, so hieß die Dunkelelfe, die ihn begleitete, mit wenig freundlichen Worten bedachte, musste sie ein Grinsen unterdrücken. Absolut unprofessionell.
Immerhin nahm Erynn die Klinge von ihrem Hals, so konnte sie sich zu Arranges drehen: "Ihr wollt die Wahrheit? Ihr erkennt sie ja nicht einmal, wenn sie vor euch steht. Nachdem ihr offensichtlich nur das als Wahrheit zählt, was in euer anscheinend beschränktes Weltbild passt, fürchte ich, kann ich euch nicht mit eurer Wahrheit dienen. Aber vielleicht solltet ihr nur einmal kurz überlegen, warum jemanden daran gelegen sein könnte, dass in einer bestimmten Stadt wieder Ruhe einkehrt. Ein paar wenige gute Gründe gibt es durchaus" Eigentlich wollte sie das ja nicht verraten, aber etwas anderes blieb ihr wohl im Moment nicht übrig. Sie sah den Kaiserlichen lauernd an: "Außerdem solltet ihr damit aufhören, so schnell zu denken ihr würdet die Motive anderer durchschauen, das wird früher oder später euer Verderben sein. Und was das betrifft, warum ihr hier seid, da gibt es auch nicht viele Optionen. Entweder ihr wohnt hier, ihr wollt irgendetwas aus dem Tor, euch mit den Daedra verbünden", wobei sie einen Blick auf den beschworenen Dolch in seiner Hand warf, "Oder das Tor schließen. Reine Neugier unterstelle ich euch jetzt einfach mal nicht." Dabei hatte sie den Kaiserlichen genau beobachtet, in der Hoffnung an seinem Gesicht zu erkennen, ob eine ihrer Vermutungen zutraf.

weuze
19.02.2011, 15:45
Arranges zeigte sich erst unbeeindruckt, aber als die Elfin mutmaßte, dass er hier wohnte und das der Grund dafür sein könnte, dass er zum Tor gekommen war, ging ein Ruck durch seine Gesicht. Seine Augen blickten für eine Skeunde nicht mehr so hart und abweisend. Für den Bruchteil einer Lidschlags taten sie sich zu Abgründen ohne Boden auf. Aber er hatte sich auch fast im selben Moment wieder gefangen. Jetzt verstand er auch, was Dreveni wohl meinte. 'So, ihr habt hier also euer Zuhause und gar noch ein paar Personen, die euch nahestehen? So ein Assassine ist mir auch noch nicht untergekommen...' Er sah sich kurz nach Erynn um. 'Nun, ich will das Tor weder schließen, noch habe ich hier...' Er stockte einen Moment. 'Ich wohne auch nicht hier... es ist also auch für mich eher Zufall, dass ich hier auftauche. In der Tat habe ich vor, durch das Tor zu gehen... und nein, ich will mich nicht mit den Daedra verbrüdern... wozu sich mit ihnen verbünden, wenn man sie kontrollieren kann...' Und wie zur Demonstration ließ er den Dolch verpuffen. 'Ich habe nicht vor herauszufinden, wie sich das Tor schließen lässt.' Ich weiss es längst... 'Aber ich will etwas haben, was sich da drin befindet...' Er deutete auf das Obliviontor.

Glannaragh
19.02.2011, 16:06
Erynn war so knapp davor, sich mit der Hand an die Stirn zu schlagen. Ihr Begleiter, der sich für so unglaublich abgebrüht hielt, ließ sich tatsächlich von der Auftragsmörderin aus dem Konzept bringen. Zuerst brach er kurz den Blickkontakt, um sich zu ihr umzudrehen, ließ sich dann dazu hinreißen, auf Drevenis Fragen einzugehen und ließ zu guter Letzt auch noch die Waffe verschwinden, mit der er sie in Schach hielt.
Die Kriegerin machte rasch drei Schritte zur Seite, um freie Sicht auf die Assassinin zu haben, packte dabei das Schwert mit beiden Händen und hob es auf Schulterhöhe, um im es im Zweifelsfall zu einem schnellen Stich vorstoßen zu können.
Meine Fresse, und ich dachte, ich sei unerfahren. Dreveni hat ganz recht: Eines Tages wird seine Arroganz ihn umbringen...

Andromeda
19.02.2011, 16:31
Dir scheinen überhaupt noch nicht viele Assassinen untergekommen zu sein, sonst würdest du hier aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr stehen. Allerdings schien es ihn aus der Fassung gebracht zu haben, als sie erwähnte, er könnte auch in Cheydinhal wohnen. Natürlich wäre ihr das nicht entgangen, aber vielleicht war es auch schon etwas länger her.
Er sah kurz zu Erynn, und ließ dann den Dolch verschwinden. Diese stand mit erhobenem Schwert ein paar Schritte von ihr entfernt, und hatte bis jetzt kein Wort mehr gesprochen. Etwa weil ihr der Kaiserliche so über den Mund gefahren war? Im Moment sah sie keine Möglichkeit das zu nutzen, allerdings hätte sie Arranges in diesem Moment gehabt, wenn es auch das letzte gewesen wäre, was sie jemals tun würde. Sie traute es sich durchaus zu, den Dolch zu ziehen und ihn Arranges in Herz zu rammen noch bevor die Dunmer mit dem Schwert bei ihr war. Ihr erster Stich würde einfach ins Leere gehen.

Sie verdrängte den Gedanken und antwortete: "Personen die mir nahestehen? So etwas gibt es nicht, dazu ist deren Leben viel zu vergänglich. Aber ich bin hier aufgewachsen." Natürlich gab es Mordan, Und Feryn... Nein!, aber er hielt sich nicht mehr in der Gegend auf. Sie hoffte auch, dass es dem Kaiserlichen zu denken geben würde, dass sie hier aufgewachsen war. Konnte sie es schon nicht verschweigen, konnte es ihr immerhin von Vorteil sein. "Ihr scheint euch mit diesen Toren auszukennen. Sicher wisst ihr auch, ob es eine Möglichkeit gibt, diese zu schließen." Jedenfalls wusste sie jetzt, dass es möglich war, die Tore zu betreten und anscheinend auch wieder zu verlassen.

weuze
19.02.2011, 16:44
Durchaus... In Arranges kam ein Gedanke auf, der ihm mit jeder verstreichenden Sekunde mehr erfreute. Die Ebenen Oblivions sind praktisch unbekannt und bis auf die der Zitternden Insel wohl absolut tödlich... was wenn ich dort drin nicht nur die Kriegerin loswerden könnte, sondern auch Dreveni? Nicht nur, dass ich eine plausible Erklärung hätte, warum mein Schüler plötzlich verschwunden ist. Nein, es ist sogar noch viel besser, ich muss nicht mehr ständig im Hinterkopf daran denken, dass dieses Dunmerweib mir irgendwann wieder auf die Pelle rückt und mich abstechen will... unabhängig davon, ob sie es überhaupt schaffen würde... 'Tatsächlich weiss ich, dass es die Möglichkeit gibt das Tor wieder zu schließen... aber es würde euch nur wenig helfen, wenn ich es euch sagen würde, denn ihr könntet euch allein gar nicht so weit in den Welten Mehrunes Dagons bewegen, ohne nach zwei Schritten vom nächsten Dremora zerfetzt zu werden...'

Glannaragh
19.02.2011, 17:01
Da wäre ich mir nicht so sicher, Arranges, dachte Erynn. Sie hatte eine ungefähre Ahnung, wohin dieses Gespräch führen würde. Im Gegensatz zu dir hat diese Frau nämlich noch keinen Fehler begangen, obwohl sie gerade in der schwächeren Position ist.
Noch ließ sie die Klinge nicht sinken, entspannte sich aber ein wenig.
Der Beschwörer denkt tatsächlich darüber nach, sie mitzunehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob das so eine gute Idee ist. Kann man ihr trauen? Ihre Worte klingen aufrichtig, aber Lügen und Vertuschen gehören zu ihrem Beruf.
Sie gab sich einen Ruck: „Ihr würdet tatsächlich durch dieses Tor gehen, um zu versuchen, es zu schließen?“ fragte sie Dreveni mit ruhiger Stimme.

Andromeda
19.02.2011, 17:22
Es gab also tatsächlich eine Möglichkeit, die Tore zu schließen. Das es dort gefährlich war, glaubte sie dem Beschwörer, aber weiter als zwei Schritte würde sie es schon schaffen. Wenn er sie in seiner Arroganz unterschätzte, konnte es Dreveni nur recht sein. Sie selbst neigte eher dazu, andere aufgrund ihrer Persönlichkeit oder ihres Charakters herablassend zu behandeln, beging aber selten den Fehler, deren Fähigkeiten zu unterschätzen. Auf Erynns Frage wandte sich Dreveni wieder ihr zu. Sie schien vernünftiger als Arranges zu sein.
"Ja, solange es nicht völlig aussichtslos ist, auch wenn es mir lieber wäre, ich könnte die Legion dazu motivieren.", antwortete sie ihr ebenso ruhig. "Auch wenn es vielleicht seltsam klingt, sogar Leute wie ich haben einen Platz, den sie als ihr Zuhause ansehen." Das ihr Haus nicht weit von hier stand, mussten die beiden ja nicht wissen. Vorerst genügte Cheydinhal als Wohnort. Und im Moment wollte sie nichts mehr, als dass dort alles wieder in geregelten Bahnen lief. Dieses Chaos war definitiv schlecht fürs Geschäft. Dass sie das ganze noch auf einer anderen als der rein geschäftlichen Ebene störte, verdrängte sie. Sentimentalität konnte sie sich in dieser Situation wirklich nicht leisten.

weuze
19.02.2011, 18:20
Die Legion... dass ich nicht lache... Arranges verschränkte die Arme vor der Brust. 'Ihr würdet es also tatsächlich wagen? Nun, ich verstehe zwar eure Motivation nicht ganz, aber das soll mir auch egal sein...' Sie wird sowieso nicht lange genug am Leben bleiben, sollte sie irgendwelche Schwierigkeiten machen... 'Das, was ich aus der Welt der Daedra haben will, schließt auch gleichzeitig das Tor, sobald ich es in Händen halte...' Er musterte Dreveni für einen Moment. 'Ich denke, ihr versteht.... mehr werde ich euch dazu nicht sagen...' Selbstsicher wandte er sich um. Während er an Erynn vorbeilief, zog er den Brief hervor und ließ ihn für Dreveni unsichtbar, für Erynn jedoch gut erkennbar, in Flammen aufgehen.

Er hielt den Zauber noch immer, damit er die Bewegungen Drevenis hinter sich trotzdem spüren konnte. Um Erynn kümmerte er sich in dem Moment nicht, er trat vor das Tor und blickte hindurch. Hinter dem roten Schimmer war nicht etwa die Hölle zu sehen, welche man erwartete, sondern nur die normale Landschaft Cyrodiils. Nach einem weiteren Augenblick, traten auch Erynn und Dreveni neben Arranges. 'War von euch beiden schonmal jemand in einer Oblivionebene?' Weder Erynn noch Dreveni konnten diese Frage mit ja beantworten. Fast ein wenig abwesend starrte Arranges in das Tor. 'Nun, ich schon...' Dann trat er ohne nochmals zu zögern durch das Obliviontor. Es war ganz anders als er damals durch das Portal in der Nibenay getreten war. Nicht nur, dass er ersteinmal in einen fast dunklen Raum trat und nicht recht wusste, was er damit anfangen sollte. Es brannte in dem Moment, als er das Portal berührte. Auf der anderen Seite wusste er erst nicht, wie ihm geschah. Arranges fühlte sich für einige Momente, als wäre er gegen eine brennende Wand gerannt. Die Hitze, die ihm entgegenkam, erschlug ihn beinahe und er musste ersteinmal keuchend und blinzelnd zu sich finden. Die Luft, die er gierig einsog, brannte in seinen Lungen und brachte ihn zum Husten. Verdammt... die Inseln waren dagegen ja das reinste Paradies... Alles was er sehen konnte war irgendwie rot. Das kam aber nicht etwa von dem schlechten Geschmack Mehrunes Dagons, sondern vielmehr davon, weil die ganze Landschaft einzig von der glühenden Lava erhellt wurde, die in riesigen Seen die ganze Welt hier durchzog. In der Ferne konnte der Nekromant einige höhere Hügel erkennen, überall stachen spitze Felsen durch den Boden, der hauptsächlich aus festgetretener Asche zu bestehen schien. Vor sich, aber gut einige hundert Meter entfernt, ragten konturlos zwei Türme aus der Landschaft heraus, wobei der linke wesentlich kleiner und schmahler war als der andere. Die Landschaft zwischen ihm und diesen Türmen konnte der Kaiserliche unmöglich einsehen, schon nach wenigen Metern vor dem Tor fiel der Boden steil ab und tauchte in einen der großen Lavaseen ein. Außerdem wurde die weitere Sicht von Hügeln, seltsam unregelmäßigen Mauern und Rauchsäulen behindert. Das Tor befand sich auf einer kleinen Insel. Rechts davon setzte einen breite und recht stabil wirkende Brücke an und führte vom Tor aus gesehen in einem leichten Linksdrall in die Ferne davon. Von Daedra war weit und breit nichts zu sehen oder zu spüren. Arranges löste seinen Zauber.

Glannaragh
19.02.2011, 19:35
Damit war es also beschlossene Sache. Dreveni würde sie begleiten. Erynn ließ das Schwert endgültig sinken und folgte dem Beschwörer auf das Tor zu. Was soll das heißen, du warst schon einmal dort? Sobald wir hier wieder raus sind, sorge ich dafür, daß diese Geheimniskrämerei ein Ende hat, ob es dir paßt oder nicht. Nicht zum Aushalten. Magier!

Sie fühlte ein leichtes Kribbeln, als sie direkt vor dem Portal stand. Wärme schlug ihr entgegen, aber es war nicht unangenehm, sondern fühlte sich fast... richtig an. Arranges war schon in dem Tor verschwunden. Die Elfin nickte Dreveni kurz zu, dann streckte sie vorsichtig einen Arm aus und griff in das flackernde Leuchten. Sie fühlte sich vorwärts gezogen, so wie von einer leichten Strömung. Das Gefühl verging, und sie fand sich auf einem Stück schwarzverbrannter Erde wieder. Die ganze Umgebung war noch bizarrer als das Tor selber. Alles hier wirkte martialisch und gnadenlos, aber gleichzeitig gab es keine Falschheit in dem, was sie sah. Hier wußte sie, woran sie war – keine Spielchen, keine Illusionen, nur rohe, ungezähmte Kraft lag in diesem Ort.
So fasziniert sie auch war, sie vergaß nicht für einen Moment, in welche Gefahr sie sich begeben hatten, und verschaffte sich einen schnellen Überblick. Nichts und niemand stürzte mit gezogenem Schwert oder gebleckten Zähnen auf sie zu. Ihre Ankunft schien unbemerkt geblieben zu sein.

Erynn lächelte tatsächlich ein wenig, als die Hitze ihren Körper durchflutete. Es war, als triebe sie eine Kälte und Steifheit aus ihren Muskeln und Nerven, die sie zuvor nicht einmal bemerkt hatte.
Sie steckte das Schwert weg und nahm den Bogen zur Hand. Eine steinerne Brücke, an der sich das allgegenwärtige Dornenmotiv fortsetzte, schien der einzige Weg fort von dem Tor und weiter in das unbekannte Land hinein zu sein. Sie wollte gerade darauf zu gehen, als ihr Blick auf den Kaiserlichen fiel. Arranges schwitzte wie ein Stier und stand nicht ganz sicher auf den Beinen.
„Hey! Reißt Euch zusammen, Mann.“ Kurz überlegte sie, nach seinem Arm zu greifen um ihn zu stützen, ließ es dann aber bleiben. Nicht vor Dreveni. Sie ging zu der Brücke herüber. Das Ding schien stabil zu sein, trotz der dünnflüssigen Lava, die daran leckte. Versonnen betrachtete sie das Naturschauspiel für eine Weile, während sie darauf wartete, daß ihr Begleiter ihr folgten.
Es ist schon seltsam. Alle Welt zittert so sehr vor diesen Toren, daß niemandem die Schönheit darin auffällt. Bin ich verrückt?

Andromeda
19.02.2011, 19:59
Ganz ehrlich, ich erwarte auch nicht großartig, dass du irgendwas verstehst. Als sich der Kaiserliche dem Tor zu wandte, hob Dreveni ihr Schwert vom Boden auf und folgte ihm. Nachdem er schon wieder eine überflüssige Frage gestellt hatte, nur um damit anzugeben, dass er schon einmal in einem Obliviontor gewesen war, verschwand er in selbigem. Erynn nickte ihr kurz zu, dann folgte sie Arranges. Dreveni folgte den beiden ohne zu zögern, wenn sie einmal einen Entschluss gefasst hatte, verlor sie keine Zeit mehr mit Zweifeln. Sie erwartete halb, einfach hinter dem Tor wieder aus der flirrenden Wand zu treten, doch es schien tatsächlich zu funktionieren. Sie spürte kurz die Hitze des Tores, durchaus nicht unangenehm, auf ihrer Haut, verlor einen Moment die Orientierung und dann stand sie schon hinter Arranges und Erynn in der Ebene von Oblivion.

Auch hier war es heiß, und auch wenn Dreveni die meiste Zeit ihres Lebens im eher kühlen Cyrodiil verbracht hatte, störte sie die Hitze keinen Augenblick. Das Tor führte auf eine Felsinsel, die von einem See aus Lava umgeben war, das Land wurde von Rottönen dominiert, und es wirkte auf seine eigene Art und weise fast schön auf Dreveni. Trotz der Rohheit und Brutalität, die die Umgebung ausstrahlte, wirkte es hier keinesfalls chaotisch. Es war einfach nur fremdartig und faszinierend.
Einen fast noch bemerkenswerteren Anblick bot allerdings Arranges, dem das Wasser in strömen vom Gesicht lief und dem die Hitze auch sonst sichtlich zu schaffen machte. Na hoffentlich weiß Erynn auch, wie man dieses Tor schließt, der machts nicht lange hier... Sie müsste lügen, wenn sie behaupten würde sie würde es nicht genießen, Arranges hier dahinsiechen zu sehen. Allerdings erst, wenn er seinen Zweck erfüllt hatte. In diesem Zustand würde er sie allerdings eher aufhalten, fluchte Dreveni lautlos. Sie unterließ es, ihn durch einen dummen Spruch zu provozieren, er sollte seine Kräfte lieber sparen, und zeigte mit dem Schwert, dass sie noch in der Hand hielt, auf die Brücke. Das Vulkanglas leuchtete in diesem Licht fast Orange, nicht strahlend grün wie sonst unter einem normalen Himmel. "Da lang, nehme ich an?"

weuze
19.02.2011, 21:38
Reiss dich zusammen... Äffte Arranges die Kriegerin in Gedanken nach. Haha, sehr witzig... das nächste Mal, wenn wir irgendwo in einen Schneesturm kommen, lass ich dich erfrieren, das ist sicher! Arranges wischte sich einmal über die klatschnasse Stirn und blinzelte die Schleier aus den Augen. Er konnte sich nicht wirklich für das Reich des Daedraprinzen faszinieren, für ihn war es eine durchweg brennende Wüste. Die Inseln waren vermutlich genauso feindselig, aber da war es wenigstens nicht so gnadenlos heiß... Verdammter Mist, warum beherrsche ich die Eismagie nicht so perfekt wie Feuer... das bringt mir hier gar nichts... 'Ja, wir haben ja kaum eine andere Möglichkeit...' Ächzte der Nekromant als Antwort auf Drevenis Frage. Der Magier war nicht wirklich guten Schrittes, aber er bemühte sich, nicht zu sehr zu stolpern. Die Brücke führte in einem leichten Bogen um das Gebiet zwischen den Türmen und dem Tor herum, bis sie immer flacher wurde und schließlich auf der Lava aufsetzte. Das, was vorher eine Brücke war, schien jetzt ein auf der Lava schwimmender Weg zu sein. Folgten sie jetzt mit den Augen dem Weg, führte er hinauf zu einer breiten, teils arg zerklüfteten Erhebung, auf der auch die Türme standen.

Die Nähe der kochenden Lava machte dem Kaiserlichen noch mehr zu schaffen. Sein Gesicht war ein Wasserfall, die Haut war überall leicht gerötet, aber er stapfte stur weiter. Er konnte sich vor Dreveni keine Blöße geben und vor Erynn schon gar nicht. Die Brücke oder vielmehr der schwimmende Weg traf nur wenig später wieder auf Land. Er führte zunächst leicht ansteigend ein wenig abseits des eigentlichen Hügels hinaus in die schartigen Hänge auf der Rückseite. Nicht nur die Landschaft war alles andere als lebensfreundlich, sogar die Pflanzen sahen so aus, als würden sie die Gruppe jeden Moment anspringen. Ein Gewächs war dabei besonders auffällig. Diese aus dem Boden oder Felswänden wuchernde Wurzel war besonders detailreich in dem Buch beschrieben. Die Harradawurzel war nicht nur auffällig blutrot, sondern auch unvergleichsmäßig lang und knotig. Außerdem und das war wahrscheinlich das Einprägsamste an ihr, hat man ihr Dornen aus Eisen angelegt, wie bei einem scharfen Wachhund ein Nietenhalsband. Alle drei waren sie sich wohl unabgesprochen darüber einig, diesem seltsamen Gewächs besser nicht zu nahe zu kommen.

Sie hatten den Hügel fast zur Hälfte dem Weg folgend erklommen, als sie um die nächste Biegung kamen und auf eine breitere Fläche traten, die an einigen Stellen mit grosflächigen Steinen gepflastert war. Sie befanden sich nun direkt zwischen den zwei Türmen, zu ihrer Linken ragte der kleinere Turm direkt aus dem Hang am Rande des Platzes auf, er hatte keinen ersichtlichen Eingang. Zu ihrer Rechten, oben auf der Spitze des Hügels thronte der zweite, sehr viel mächtigere Turm.

Sie hatten gerade ein paar Schritte auf den Platz getan, als sie hoch über sich plötzlich ein lautes Fauchen hörten. Arranges erkannte es sofort und sah erschrocken nach oben. Die Krone eines schweren Daedrahelms konnte er gerade noch erkennen, als selbige über dem Rand einer sehr dünnen Brücke verschwand, die sich zwischen den beiden Türmen spannte. Kurz darauf krachte eine schwere Tür ins Schloss. Verdammt, sie haben uns entdeckt... Na das wird ein Spaß... Zuerst diese Hitze und jetzt waren sie auch noch entdeckt worden... Arrange sehnte sich auf die Inseln oder noch besser nach Cyrodiil zurück. Er blickte sich nach seinen Begleiterinnen um. Sie hatten es ebenfalls bemerkt... 'Versucht einfach nicht zu sterben...' Arranges straffte sich und rief sich ins Gedächtnis, was er über die Daedra wusste. Eigentlich sind es keine wirklich starken Gegner... Aber verdammt nochmal, sie sind Untoten überlegen und dazu beinahe feuerimmun... Arranges zog resignierend das Schwert. Die Klinge lag schwammig vom Schweiß in seiner Hand. Das wird immer besser! Er war doch verärgert.

Ein langgezogenes Quieken war von dort zu hören, wo der Weg um die nächste Kurve weiter zum Turm hinaufführte. Auch das wusste der Beschwörer einzuordnen. Na wenn es nur die sind, haben wir wenigstens vorerst kein Problem... Der Kaiserliche sollte mit seiner Einschätzung richtig liegen. Drei Clannbanns kamen um die Ecke mit halsbrecherischem Tempo über den Platz auf sie zugerast. Für jeden von ihnen einer. Das ist schwach... Mehrunes Dagons Schergen haben wohl nicht mehr zu bieten? Das Clannbann, das auf Arranges zukam, beschleunigte auf den letzten Metern nochmals, Es würde kurz vor ihm zum Sprung ansetzen und ihn umreissen. In deinen nichtvorhandenen Träumen vielleicht... Der Kaiserliche hob nur unmerklich die Hand und nuschelte etwas vor sich hin. Der Daedra wollte gerade springen, als vor ihm ein Skelettwächter mit Streitkolben und breitem Stahlschild aus einer blauen Kaskade trat. Das Clannbann befand sich schon im Flug und verbiss sich nun zwangsläufig in das Gerippe, riss es um und fiel mit dem Untoten zu Boden. Die Klauen und der Schnabel hatten sich in den Rippen verkantet und das Monster konnte sich nicht wirklich befreien. So und jetzt verreck! Der Kaiserliche machte zwei Schritte vorwärts, stand jetzt leicht seitlich der Kreatur, welche zappeln in dem Skelett hing, welches sich ebenfalls nicht wirklich wehren konnte. Arranges versenkte sein Silberschwert im ungeschützten Körper hinter dem Nackenschild der Kreatur. Er entließ das Skelett, zog sein Schwert zurück und stand nun vor dem Kadaver des Daedras. Ein wenig gehetzt sah er in die Richtung, aus der die drei Kreaturen gekommen waren. Er dachte noch etwas gehört zu haben. Und sogleich wurde sein Verdacht bestätigt. Ein Markynaz stürmte das Cleymore mit beiden Händen haltend auf sie zu. Ja... genau das brauchen wir jetzt...

Glannaragh
19.02.2011, 22:45
Auf ihrem Weg hielt sich Erynn hinter dem Kaiserlichen, um ihn auffangen zu können, falls er zusammenklappen sollte. Er sah in der Tat mindestens so beschissen aus, wie er sich fühlen mußte. Sie näherten sich jetzt zusehend den beiden Türmen. Der größere davon schien der Siegelturm zu sein, ihr erklärtes Ziel. Sie waren schon recht nahe heran, als sie auf ersten Widerstand trafen.
Ein Dremora auf einer offenen Brücke zwischen den zwei Türmen hatte sie entdeckt, kurz darauf hetzten drei echsenartige Wesen auf sie zu. Clannbanns, erinnerte sie sich – und die Viecher waren schnell! Die drahtigen Körper langgestreckt und die raubvogelartigen Schnäbel aufgerissen, warfen sie sich ihnen entgegen wie Wachhunde. Erynn konzentrierte sich. Die Biester boten ein ziemlich kleines Ziel, während sie frontal auf die Gruppe zupreschten: Der Nackenschild schützte so ziemlich alles außer dem Gesicht selbst und den Läufen. Sie zielte auf die Stirn der rechten Kreatur und erwischte sie genau zwischen den Augen. Es lief noch einige Schritte weiter, bis es schließlich strauchelte und zusammenbrach. Dann waren die verbleibenden Echsen heran. Arranges kümmerte sich auf seine Weise um eine davon, aus dem Augenwinkel sah sie, wie sich Dreveni des anderen Clannbanns annahm.
Hektisch blickte sie sich um. Wo bleibt der Rest? Zwischen dem Verschwinden des Dremoras und dem Auftachen der Echsen sind nur wenige Augenblicke vergangen, wir haben offenbar den ganzen Turm in Alarmbereitschaft versetzt. Das kann noch nicht alles gewesen sein.

Ihre Ahnung wurde bestätigt, als einer von Dagons Kriegern in Sicht kam. Er stürmte ohne Rücksicht auf seine eigene Verteidigung auf sie zu, ein bösartig aussehendes Claymore in den Pranken. Erynn legte einen weiteren Pfeil auf die Sehne. „Zurückbleiben“, blaffte sie ihren Begleitern zu. Der Pfeil schlug ein, blieb in der Rüstung des Angreifers stecken. Die Kreatur geriet kurz ins Taumeln, kam dann aber weiter auf sie zu, ohne merklich langsamer geworden zu sein. Die Elfin legte nach, und diesesmal stürzte ihr Widersacher.
„Dreveni: Bogen. Arranges, haltet Eure Beschwörungen bereit. Laßt sie kommen. Und behaltet diese Brücke im Auge – ich will keine Überraschungen von oben erleben!“ Und bitte keine Diskussionen...

Andromeda
19.02.2011, 23:34
Als sie sich über die Brücke bewegten und sich dabei den Türmen näherten, schien es Arranges immer schlechter zu gehen. Schließlich trafen sie doch noch auf Widerstand, als Dreveni schon die leise Vermutung hatte, sie würden noch ein Stück weiter unbehelligt kommen. Drei Clannbanns kamen auf sie zu, und auch der Dremora war ihr nicht entgangen. Hektisch sah sie nach Arranges, wenn er starb, wäre das ganz schlecht, sie hatte immer noch keine Ahnung, wie man dieses Tor genau schließen konnte. Dieser schien sich aber gerade wieder etwas gefangen zu haben und erledigte eine der Kreaturen. Nicht nur ein Beschwörer, sondern auch noch ein widerlicher Nekromant., dachte sie sich, als sie sich in einen Schildzauber hüllte.

Dafür, um nach Erynn zu sehen, hatte sie keine Zeit mehr, da sich gerade eines der Viecher auf sie stürzen wollte.
Es war es nur noch ein paar Meter entfernt, als es von einem Schockzauber getroffen wurde, Dreveni hoffte dass der etwas ausrichten würde, mit Feuer brauchte sie es vermutlich gar nicht erst zu versuchen. Der Clannbann blieb tatsächlich kurz betäubt liegen, die Zeit nutzte sie um das Schwert hinter dem Nackenschild in den Hals der Kreatur zu bohren. Es kreischte noch einmal auf, dann war es tot. Erynn schien inzwischen das dritte erledigt zu haben, sie legte schon auf den Dremora an, der jetzt zum Angriff überging.

Dreveni wollte gerade auf ihn auch einen Schockzauber werfen, da hatte Erynn ihn schon mit dem zweiten Pfeil zu Fall gebracht. „Dreveni: Bogen. Arranges, haltet Eure Beschwörungen bereit. Lasst sie kommen. Und behaltet diese Brücke im Auge – ich will keine Überraschungen von oben erleben!“ hörte sie Erynn gleich darauf sagen. Bitte?? So weit kam es gerade noch, dass sie sich von einer kleinen, knochigen Dunmer Befehle geben lassen würde. Trotzdem steckte sie das Schwert weg und griff nach dem Bogen, auch ihr war es recht, wenn die Gegner auf Abstand blieben. Sie warf Erynn einen giftigen Blick zu, und an Arranges gewandt, der schwitzend neben ihr stand, sagte sie: "Vielleicht solltet ihr euch etwas im Hintergrund halten, oder weiß Erynn auch, wie man dieses Tor schließt? Es wäre schade wenn ihr so kurz vor dem Ziel im Kampf sterbt weil ihr die Hitze nicht vertragt."

weuze
20.02.2011, 00:25
Befehle... von Erynn!? Die Hitze scheint nicht nur mir zu zusetzen... Arranges war gerade wieder ein wenig zu Atem gekommen und wollte Erynn klarmachen, wer hier derjenige war, dem sie die Möglichkeit zur Schließung des Tors zu verdanken hatte... Aber Dreveni richtete das Wort an ihn und... tatsächlich, sie war wie Erynn und versuchte ihm vorzuschreiben, was er besser tun und lassen sollte. 'Jetzt hört mal gut zu!' Begann er zu bellen, 'Es reicht, wenn hier eine von euch Dunkelelfen Befehle umherbrüllt, obwohl nichteinmal ansatzweise in der Position dazu... wenn ihr jetzt noch anfangt hier herumzuheucheln, könnt ihr selber zusehen, wie ihr das Tor geschlossen bekommt...' Er japste nach Luft. 'Ich...' Ein Brüllen unterbrach den Kaiserlichen. Entgeistert schauten alle in die Richtung, aus der der Laut gekommen war. Nur wenige Augenblicke später trampelte plötzlich ein gewaltiges Daedroth auf den Platz. Verfluchte Scheiße! Jetzt hatte Arranges ein ernsthaftes Problem. Einerseits nutzte ihm hier praktisch keine der untoten Beschwörungen, da dieses Monstrum schlicht alles mit einem Hieb weggefegt hätte. Der stärkste Daedra den er rufen konnte, war zwar der Markynaz, dieser aber hatte auch wieder das Problem der geringeren Körpergröße... Arranges konzentrierte sich, er spürte, wie das Daedroth einen Moment inne hielt, dann weiterstapfte, kleine Beben erschütterten den Boden. Der Kaiserliche verließ sich für wenige Sekunden auf den Schutz von Erynn und Dreveni, etwas anderes blieb ihm nicht übrig. Das Daedroth war jetzt vielleicht noch 30 Meter entfernt. Arranges begann damit stilistischen Wind und Blitze in die Luft vor sich zu zeichnen, während er schnell und unverständlich nuschelte.

Eine starke Windböe vertrieb für einen kurzen Moment die Hitze, ein paar Meter vor Arranges wurden kleinere Steine aus dem Boden von unsichtbaren Kräften herausgerissen um sich dann in einem Wirbel zu mehreren massiven Körpern zu vereinigen. Der Sturmatronach manifestierte sich keine Sekunde zu spät. Das Daedroth reagierte sofort auf den neuen, mindestens gleichstarken aber dennoch kleineren Gegner und ging in die Offensive. Jetzt griff Arranges Überlegung. Dadurch, dass die Massen des Atronachs in ständiger Bewegung waren, konnte das Daedroth nur wenige Treffer landen. 'Wo bleiben die Pfeile...?' Schnaufte Arranges, währen er im Halbkreis um die zwei keilenden Monster halb humpelte, halb rannte und dabei bereits beide Hände vorgestreckt hatte und mit einer wabernden Kugel auf das Daedroth zielte. Ein kaum zu erfassendes, rotes Flimmern verließ die Hände des Kaiserlichen, während er noch seitwärts stolpernd versuchte, in den Rücken des gewaltigen Monsters zu kommen. Sein Zauber traf und das Daedroth brüllte auf, ließ sich aber nicht weiter behindern und massakrierte weiter den Atronachen...

Glannaragh
20.02.2011, 01:28
„Verdammter Idiot“, knurrte Erynn an Dreveni gewandt. „Soviel zur Taktik – die Hitze scheint seiner Egozentrik keinen Abbruch zu tun. Übrigens: Ich weiß, wie das Tor geschlossen werden kann.“ Sie machte ein paar schnelle Schritte zur Seite, um freies Schußfeld zu haben. Wenn du mich nicht mit deinem Gezeter abgelenkt hättest, wäre die Situation längst unter Kontrolle.
Der Daedroth stand jetzt mit der Flanke zu ihr, vor ihm der Atronarch und dahinter tat Arranges sein Möglichstes, um sich von dem wild peitschenden Schwanz der Echse gebrochene Beine zu holen. Die Elfin machte ihrer Wut mit drei rasch aufeinanderfolgenden Schüssen in die Seite des Monsters Luft. Es biß wie rasend nach den Schäften und bot dem Atronarchen dadurch seinen ungeschützten Hals dar. Das besiegelte sein Schicksal. Der Boden schien zu beben, als es stürzte.
Dreveni war ebenfalls nicht untätig geblieben. Ein Pfeil zischte über ihren Kopf hinweg; die Assassine war die erste gewesen, die die nächste Welle bemerkt hatte. Erynn sprang zurück, bis sie sich etwa auf Höhe des Atronarchen befand und sah sich drei Skamps und zwei weiteren Clannbanns gegenüber. Pech für Arranges, der sich jetzt genau zwischen den Linien befand. Eines der koboldartigen Biester wälzte sich kreischend im Dreck: Das Geschoß anderen Dunmer steckte in seinen Eingeweiden. Erynn nahm sich zunächst einen der echsenartigen Daedra vor, die sich schnell näherten, während die Skamps in einiger Entfernung verharrten. Ihr Pfeil traf nicht genau, sondern schlug in den Knochenfortsatz am Kopf des Viehs ein, ohne größeren Schaden anzurichten. Es schüttelte sich kurz und stürmte weiter, bis Drevenis Pfeil es fällte.
Erynn legte gerade auf den zweiten Clannbann an, als ein Feuerball sie traf und eine schwarze Spur auf ihrer rechten Beinschiene hinterließ. Das lenkte sie einen Herzschlag zu lange ab. Sie ließ den Bogen fallen und schaffte es gerade noch ihr Schwert zu ziehen, bevor das flinke Echsenwesen sie ansprang. Die Kriegerin taumelte zurück, und die Krallen des Clannbanns hinterließen zwei tiefe, heftig blutende Kratzer in ihrer linken Wange.
Ihr Gegner hatte sich einige Schritte zurückgezogen, nahm jetzt Anlauf und raste mit gesenktem Kopf auf sie zu. Erynn sprang zur Seite, wirbelte um die eigene Achse und versenkte die Klinge zwischen seinen Schulterblättern. Mit einem markerschütternden Schrei hauchte der Clannbann sein Leben aus. Sie riß die Klinge zurück und blickte sich suchend nach den beiden Skamps um.

Andromeda
20.02.2011, 13:06
Dreveni hatte Arranges während seines Ausbruchs nur von oben herab angesehen, was ihr aufgrund der Tatsache, dass sie ein paar Zentimeter größer war als er, auch nicht weiter schwer fiel. Ihr Gesicht hatte einen leicht gelangweilten Ausdruck angenommen. Mordan hatte mal gesagt, mit solchen Menschen war es wie mit kleinen Kindern: Schreien lassen bis sie sich beruhigt haben - und solange am besten ignorieren.
Als der Daedroth auftauchte, wusste sie immerhin von Erynn, das sie Arranges nicht brauchten um das Tor zu schließen. Mann, du machst echt einen Fehler nach dem anderen, wenn du deine Begleiterin nicht im Griff hast. Auf den Kaiserlichen würde sie ab jetzt keine Rücksicht mehr nehmen, für Erynn hegte sie zwar auch noch keine größeren Sympathien, aber sie war ihr weit lieber als dieser cholerische Magier.
Die nächsten Minuten lag ihre Aufmerksamkeit bei dem Daedroth, der mit einem von Arranges beschworenem Sturmatronach kämpfte. Als das Monstrum so gut wie erledigt war, tauchte schon die nächste Welle aus Feinden auf. Erynn schien sich gut alleine helfen zu können, auch wenn es mit dem zweiten Clannbann etwas knapp wurde. Den Skamp, der einen Feuerball auf Erynn geworfen hatte, erledigte Dreveni mit einem Schockzauber, sie wollte nicht Pfeile an diese kleinen, schwer zu treffenden Viecher verschwenden. Kurz darauf brach auch der zweite Skamp zuckend zusammen.

Dreveni sah sich kurz um, konnte aber keine Anzeichen für einen weiteren Angriff erkennen.
Als sie Arranges erblickte, wandte sie sich ihm zu: "Wenn ihr euch eure kindischen Wutanfälle nicht für einen Moment aufhebt, an dem euch langweilig ist und ihr alleine seid, könnte es durchaus sein dass ihr mir aus versehen vor den Bogen lauft hier." Diese Worte hatte sie fast schon gefährlich ruhig gesprochen, und auch von einer Drohung war nicht viel zu hören. Das war es auch nicht, es war eine Tatsache. Zwar waren seine Beschwörungen durchaus nützlich, aber mit Erynn allein hätte sie bestimmt gute Chancen, unerkannt an einigen Gegnern vorbeizuschleichen oder diese gleich aus der Deckung heraus zu erledigen. Zu Erynn sagte sie: "Vielleicht sollten wir weitergehen, hier stehen wir wie auf dem Präsentierteller.", wobei sie zur Brücke deutete.

Glannaragh
20.02.2011, 14:09
„Ja, Ihr habt recht“, antwortete Erynn. „Wir sollten die Ruhe nutzen, so lange wir können.“ Mit diesen Worten huschte sich auf das ferne Ende des Platzes zu, wo er sich wieder zum schmalen, aufwärts führenden Pfad verjüngte. Von dort waren die Daedra gekommen, daher nahm sie an, daß er direkt zum Burgfried führen mußte. Hinter dem scharfen Rechtsknick war der Weg nicht einsehbar, und so hielt sie den Bogen längst bereit, als sie das Ende des Platzes erreichte. Ein rascher Blick zur Bücke: Nichts regte sich dort.
Es wird besser sein, wenn Dreveni und ich die ganze Sache einfach in die Hand nehmen. Arranges wird zwar toben, aber er ist hier einfach nicht zu gebrauchen. Der nächste Fehler kostet uns vielleicht den Kopf.
Sie hatte jetzt die Biegung erreicht, drückte sich mit dem Rücken an einen großen Felsen links von sich und spähte um die Ecke. Dreveni war längst neben ihr, sie bewegte sich mindestens ebenso sicher und leise wie Erynn selbst. Sie konnten von ihrer Position aus etwa dreißig Schritte weit sehen. Der Pfad führte in einer weiten Linkskurve weiter ziemlich steil nach oben. Sie würden sich recht weit in der Mitte halten müssen, um es nicht in ein Spießrutenlaufen zwischen diesen seltsamen Luftwurzeln... Harrada heißen die Dinger ...ausarten zu lassen.

Bisher waren noch keine weiteren Gegner aufgetaucht. Die Kriegerin war etwas verwundert darüber, denn sie waren dem Turm schon recht nahe. Schwarz und drohend ragte er über der kleinen Gruppe auf, ein wortloses Versprechen von Schmerz und Tod. Wie man sich selbst inszeniert, weiß Mehrunes Dagon immerhin...
Nachdem der Kaiserliche zu ihnen aufgeschlossen hatte, drangen sie weiter vor. Erynn waren die gifttriefenden Blicke nicht entgangen, die Dreveni und Arranges einander zuwarfen. Fabelhaft. Zwei dickschädelige Einzelkämpfer, und ich mittendrin. Was meine Ausbildung dabei wert ist, hat sich ja eben eindrücklich gezeigt. Sie verdrehte die Augen. Bei den Ahnen, was für ein undisziplinierter Haufen...

weuze
20.02.2011, 16:20
Die dritte Welle wurde kurzum von den beiden Dunmer ausgeschaltet. Die Worte Drevenis erreichten den Kaiserlichen nur am Rande. Er kämpfte im Moment mehr mit der Hitze, als mit ihren eigentlichen Gegnern. Mit einem schwachen Wink schickte er den Atronach ins Reich des Vergessens zurück. Sollte ein Pfeil von euch auch nur knapp an mir vorbeifliegen, war das das Letzte, was ihr getan habt... und wenn es nur unbeabsichtigt war... Um auszusprechen, was er dachte, fehlte ihm einfach der Atem. Wessen Idee war es noch gleich, hier auf die Angreifer zu warten? Achja, das hatte ja die hirnlose Kriegerin ersponnen... Der Nekromant schloß zu den beiden Dunkelelfinnen auf, kümmmerte sich aber nicht weiter um sie, sondern stapfte an ihnen vorbei den Pfad hinauf. Sollen sie doch selbst sehen, wo sie bleiben... ich will diesen Siegelstein, je eher ich ihn bekommen kann, desto schneller bin ich hier von diesem grässlichen Ort wieder weg... Hinter der Kurve war es schließlich nicht mehr weit. Der Weg beschrieb einen Knick nach rechts und führte dann recht steil hinauf zu einem großen Tor. Auch hier fiel dem Kaiserlichen wieder die einem Oht sehr ähnliche, glühende Strucktur auf den Torflügeln auf.

Ohne Rücksicht kämpfte sich Arranges hetzend den Weg hinauf. Vor dem Tor stehend, sah er sich einen Moment um. Der Eingang besaß nirgends etwas, das man hätte als Schloss oder Klinke bezeichnen können. Missmutig und deutlich sauer, legte er beide Hände an einen der Flügel und stemmte sich dagegen. Erstaunlich leicht und ohne Quietschen oder Knarren, schwang das Tor nach innen auf. Die scheinen sich ja sehr sicher zu sein, dass sich niemand hier hertraut... Der Kaiserliche betrat vorsichtig die unterste Ebene des Turms. Sofort erschien ihm die Hitze nicht mehr so quälend. Der brennende Wind fehlte im Innern des Turms, aber dennoch fühlte sich die Luft an wie flüssiges, allgegenwärtiges Feuer. Arranges tat ein paar zögerliche Schritte. Er sah sich um und fand ersteinmal keine Worte für das, was er sah. Die Wände und alles andere sah aus, als wär er aus erkalteter Lava geformt worden. Der Turm war innen bis zur obersten Ebene hohl. In der Mitte der runden Fläche war eine von den bekannten Dornen eingegrenzte Grube. Eine mächtige Fontäne aus Feuer schoss ohne wirkliche Unterbrechung daraus empor bis ganz nach oben zur Spitze des Turms. In der gegenüberliegenden Wand vom Tor aus, konnte Arranges zwei kleinere Türen erkennen.

Alles war still, Arranges jedoch traute der ganzen Situation nicht ganz, führten doch zwei Gänge links und rechts des Tors in den Zwischenraum der inneren und äußeren Wand. Der Magier konzentrierte sich für einen Moment, kniff die Augen zusammen und verharrte so für einige Sekunden. Aber nichts, was er auf der untersten Ebene erfassen konnte, deutete irgendwie auf Feinde hin... Sehr gut, wir scheinen den größten Teil draussen erledigt zu haben... Er löste den Zauber und blickte kurz über die Schulter. 'Hier ist niemand...' Sagte er nur trocken an die beiden Dunkelelfen gewandt. Er schaute wieder nach vorn und ging auf eine der beiden Türen zu. Auch hier war wieder kein Schloss oder ähnliches zu sehen. Hm... Arranges wollte die Tür aufschieben wie das Tor, aber sie bewegte sich kein bisschen. Stattdessen dachte er ein kurzes Zittern zu spüren. Er zog die Hand zurück und wollte sich gerade überlegen, wie er sich Zugang verschaffen konnte, da senkte sich die Tür plötzlich und verschwand im Boden. Ahh... auch gut... Der Gang hinter der Tür führte direkt nach links. Vorsichtig lehnte sich Arranges um die Ecke und spähte in den Gang. Nach wenigen Metern führte dieser in leichtem Bogen an die Rundform des Turm angelehnt, steil nach oben. Wie war das noch gleich? Achja... man muss in den größten der Türme, die man vom Tor aus meist sehen kann, den sogenannten Siegeltürmen... zumindest war das die Beschreibung der Telvanni... Die Siegelsteine befinden sich immer in der Spitze der Türme... ich muss also nach oben... da sieht dieser Gang hier doch recht vielversprechend aus... Die Bauweise, falls man das hier überhaupt so bezeichnen konnte, war skurril, aber auf ihre Weise bestaunenswert. Die Wände und der Boden wirkten irgendwie stahlartig, waren aber wohl doch aus Stein. Dornen hingen in gleichmäßiger Form und Abstand von der Decke. Arranges schaute die ersten paar Metter immer wieder auf, hätte es sich ja ebenfalls um irgendwelche Fallen handeln können. Der Gang führte immer weiter nach oben, immer in gleichbleibender Steigung, ohne, dass sich etwas veränderte. Sie mussten mittlerweile einmal um den ganzen Turm herum sein, da sah Arranges, der seinen Schritt immer mehr beschleunigt hatte, über sich die Decke abbrechen. Ein warmes, rotes Licht strahlte in den relativ dunklen Gang. Arranges wurde langsamer und mit jedem Schritt, den er näherkam, erkannte er einen recht kleinen Raum, die Decke gestützt von vier schlanken Säulen. Im Zentrum des Raums erhob sich ein seltsam geformter Kessel. Ein kleiner Springbrunnen war darin zu erkennen. Doch war es kein Wasser oder vielleicht Lava, wie man hätte vermuten können. Die Flüssigkeit erinnerte eher an Blut, war aber von einem helleren Rot als der Lebenssaft. Arranges betrat den Raum nicht gleich. Er versuchte zuerst vom Gang aus mehr zu erkennen, aber es rührte sich nichts. Langsam tat er ein paar Schritte hinein. Vermutlich wird der Rest oben den Siegelstein bewachen... Arranges wollte gerade weitergehen, als er ein mahlendes Geräusch neben sich hörte. Eine Tür auf der rechten Seite des Raums, die Arranges zuvor nicht gesehen hatte, öffnete sich. Dahinter war das wüste Wetter der Oblivionebene zu erkennen. Ein schmahler grauer Streifen führte von der Tür weg durch luftige Höhe zum anderen Turm hinüber. Das war wohl die Brücke unter der sie sich zuvor befanden. Erschrocken fiel der Blick des Kaiserlichen auf eine große Gestalt mitten auf der Brücke. Der Valkynaz hatte ihn schon im Visier und plötzlich hörte Arranges das Pfeifen, das die Luft durchschnitt, wenn ein Pfeil abgefeuert wurde.

Ein Ruck ging durch die rechte Schulter des Magiers und ließ ihn einen Schritt zurücktaumeln. Ein unterdrückter Schmerzlaut entrang sich seiner Kehle. Er hatte allerdings keine Zeit um richtig zu brüllen, denn der Dremora hatte bereits den nächsten Pfeil gezogen und legte wieder auf ihn an. Erneut zerriss das scharfe Pfeifen die Luft. Arranges reagierte eher reflexartig, als bewusst. Ein breiter und hoher daedrischer Schild erschien an seinem linken Arm. Er geriet trotzdem ins Taumeln, als der Pfeil, der auf seinen Hals zielte, mit großer Wucht in den Schild einschlug. Ein wütendes Fauchen ertönte von draussen. Arranges konnte sich nicht anders helfen. Er trat auf den Ausgang zu und kniete sich nieder, den Schild vor sich haltend. Der Schild nahm gut und gerne die Hälfte der Öffnung ein und Arranges konnte sich bequem dahinter verstecken. Keine Sekunde zu spät, schon schlug der zweite Pfeil in dem Schild ein. So, das war der letzte Pfeil, den du auf mich gerichtete hast! Der Kampfmagier kümmerte sich nicht um den Pfeil, der seinen rechten Oberarm knapp unter der Schulter durchbohrt hatte, seine Sinne waren von der Hitze sowieso schon teilweise behindert, da kümmerte er sich jetzt auch nichtmehr um die Schmerzen. Er wagte es nicht über den Schild zu spähen, stattdessen wurde seine freie Hand von einer grell glühenden Kugel mit einem leichten Orangestich eingenommen. Feuer bringt nichts, Schock beherrsche ich nicht und Frost tut euch auch nicht weh... mal sehen, was du dazu sagst... dein Haustier unten auf dem Platz hatte dem nicht wirklich viel entgegen zu setzen...

Andromeda
20.02.2011, 16:59
Dreveni staunte nicht schlecht, als sie schließlich den Turm betraten. Er war bis zur Spitze, die sich weit über ihnen befand, komplett hohl. Natürlich hatte sie schon solch große Gebäude gesehen, der Weißgoldturm in der Kaiserstadt war ebenfalls gigantisch. Allerdings konnte man in ihm nicht von unten bis nach oben unters Dach sehen, angeblich jedenfalls. Sie hatte ihn nie von innen gesehen.
Arranges stürmte wieder voraus, was ihr nicht ganz unrecht war, immerhin konnte es hier Fallen geben. Mit Erynn zusammen folgte sie ihm durch den Turm. Sie wusste immer noch nicht so recht, wie genau das Verhältnis zwischen Arranges und Erynn war. Und Erynns Bogen war das einzige, was sie noch davon abhielt, Arranges einfach zu töten.
Sie kamen unbehelligt voran, bis sie einen kleineren Raum erreichten. An der Außenwand befand sich eine Tür, die sich natürlich genau in diesem Moment öffnete. Auf der Brücke, die sie vorhin von draußen schon gesehen hatten, stand ein Dremora. Noch ehe Dreveni reagieren konnte, hatte dieser schon einen Pfeil auf Arranges abgeschossen. Schade, dachte sie sich nur, als der Pfeil sein Herz verfehlte und dafür in seinem Oberarm einschlug. Der Magier verschanzte sich sofort hinter einem beschworenem Schild, da schlug schon der zweite Pfeil ein. Dreveni hatte ihren Bogen inzwischen ebenfalls gespannt, und zielte auf den Dremora. Dieser trug zwar schwere Rüstung, aber vielleicht konnte sie ihn so ins taumeln bringen, dass er von der Brücke fiel.
Bevor sich Arranges noch entscheiden konnte, was er als nächstes tun sollte, schoss sie auch schon.
Der Pfeil traf ihn seitlich am Arm und hielt ihn sogar davon ab, weiter auf Arranges zu schießen. Dreveni hatte mit dem Schuss kurz gezögert, was käme ihr gelegener, als so ein kleiner Unfall, dachte aber dann daran, dass Erynn es mit Sicherheit merken würde. Der Dremora schwankte, schien sich aber wieder zu fangen, bis er den Zauber von Arranges abbekam. Ein paar Sekunden später hörte man von unten einen scheppernden Aufschlag.
Weitere Gegner waren nicht zu sehen oder zu hören, also sah sie abwartend zu Erynn. Jetzt wurde es interessant, würde sie ihm trotz der Demütigungen, die Dreveni schon mitbekommen hatte, helfen? Ihr selbst war wenig danach, sollte Erynn allerdings darauf bestehen würde sie kaum eine Wahl haben. Blöderweise hatte sie nicht einmal Tränke aus dem Haus mitgenommen, da sie nie vorgehabt hatte, einfach in das Tor zu gehen.

Glannaragh
20.02.2011, 17:31
„Scheiße“, fluchte Erynn, kniete neben Arranges nieder und besah sich die Bescherung. „Wie oft noch, Beschwörer? Überlegt Euch vorher, was Ihr tut, dann passiert so ein Mist auch nicht.“ Der Pfeil hatte das Kettenhemd glatt durchschlagen und war auf der Rückseite halb wieder ausgetreten. Sie warf einen Blick in das Gesicht des Kaiserlichen. Ihr Ausbruch tat ihr daraufhin direkt schon wieder leid. Er sah aus, als würde er sich gleich für eine Weile aus der Wirklichkeit verabschieden. „Macht mir jetzt bitte nicht schlapp.“ Sie faßte sein Kinn und zwang ihn dazu, sie anzusehen. „Hey! Ich rede mit Euch, Mann. Wir haben es fast geschafft. Ich wage es nicht, Euch den Pfeil sofort zu entfernen. Die Hitze macht Eurem Körper so sehr zu schaffen, daß Ihr mir dabei vielleicht unter den Händen wegsterbt.“ Sie schüttelte ihn leicht. „Versteht Ihr, was ich sage?“
Erynn sah sich um. Der Tod des Dremora schien keine weiteren Gegner auf den Plan gerufen zu haben. Kurz dachte sie darüber nach, einen Heiltrank zu verwenden, verwarf den Gedanken daran aber schnell wieder. Das würde nur bewirken, daß sich das Gewebe um den Pfeil schließt. Dann kann ich den ganzen Scheiß erst wieder aufschneiden, bevor ich das Geschoß herausziehen kann. Auf das Theater kann ich gut und gerne verzichten.
Sie wandte sich wieder an Arranges, bemüht, ihn bei Bewußtsein zu halten. „Wißt Ihr, was sich in dem Nebenturm befinden könnte?“

weuze
20.02.2011, 18:36
Arranges hatte eine gewaltige Menge Konzentration und Energie in den Zauber gesteckt. Nachdem Dreveni den Valkynaz davon abhielt, direkt noch einen vierten Schuss abzugeben, nutzte er die Feuerpause, löste den Schild auf und schickte den Zauber auf die Reise. Er traf das Dremora und hauchte ihm direkt das Leben aus. Zufrieden sah der Kaiserliche noch, wie der schwer gepanzerte Leib von der Brücke kippte. Da! Das können deine Diener Mehrunes... nämlich nichts außer sterben... Ein kribbelndes Gefühl breitete sich von dort aus, wo der Pfeil durch seine Haut gerunden war. Ja, ich habe es geschafft... ich habe es allen gezeigt, ich bin an Macht kaum zu übertreffen! Schleier bedeckten seine Sicht und er gab sich dem prickelnden Gefühl hin, das nicht unangenehm war, im Gegenteil...

Eine Stimme drang in seine Gedanken. Äh was? ... Was ist los, wir haben doch gesiegt... lasst mich meinen Triumph auskosten! Arranges öffnete die Augen und sah die Erynns vor sich, die ihn festhielt und ihm irgendwelche Worte entgegenschleuderte, als halte sie einen langjährigen Kameraden in Händen, für den es keine Rettung mehr gab. Was zur Hölle?! Er riss die Augen ganz auf, von den Worten der Dunmer wurde sein Bewusstsein wieder ins Hier und Jetzt gezwungen. Sofort spürte er den unbändigen Schmerz, der durch seinen Arm pochte. VERFLUCHTE DREMORA! Die Blässe hielt sich zwar hartnäckig, aber der glasige Ausdruck in seinen Augen verschwand und die unterschwellige Bösartigkeit, die für gewöhnlich aus seinen Augen funkelte, kehrte wieder.

'Was? Was wollt ihr... ich sterbe doch nicht! Hände weg...!' Er griff nach ihrem Handgelenk und tat ihre Hand mit sanfter Gewalt von seinem Kinn weg. 'Ihr habt das noch nicht begriffen oder? Schützen sind in etwa so tödlich wie eine blinde und lahme Ratte!' Mühsam und stark schnaufend, wuchtete er sich auf die Beine. Der Schmerz war in dieser Situation nichteinmal so übel, er vedrängte die quälende Hitze wenigstens ein bisschen. Arranges versuchte trotzdem beides irgendwie zu ignorieren. Sein rechter Arm fühlte sich pelzig an, aber er konnte ihn noch bewegen. Für einen ordentlichen Kampf mit der Klinge würde es allerdings nicht mehr reichen. 'Verdammt... feiges Pack!' Er sah hasserfüllt auf den Schaft, der noch ein gutes Stück vorn aus dem Arm ragte. Dem nächsten Schützen steche ich mit seinen eigenen Pfeilen die Augen aus! Erynns letzte Frage erst jetzt registrierend, sah er erst sie fragend an, dann blickte er durch die Tür hinüber zu dem Turm. 'Weiss ich doch nicht, was es dort zu sehen gibt, aber ihr könnt gern rübergehen und nachsehen, ich werde derweil beenden, was wir hier begonnen haben...!' Damit drehte er sich auf dem Absatz um und ging einfach weiter. Sein Verstand war nur noch damit beschäftigt, die Schmerzen und die Hitze zu ignorieren. Arranges konnte sich des Pfeils nicht einfach entledigen wie er es bei Bolzen konnte. Pfeile konnten, wenn man sie zu sehr bewegte oder schräg zog, ungünstig brechen, deswegen war es für ihn keine Option, den Pfeil selbst zu ziehen.

Er folgte weiter dem Gang hinauf. Es dauerte nicht lange, bis sie vor einer weiteren Tür standen. Der Kaiserliche öffnete sie gleich wie die Tür unten. Allerdings hatte sich die Struktur der Wände grundlegend geändert. Es sah hier mehr noch als ganz unten im Turm, danach aus, als hätte man flüssiges Gestein geformt und dann abkühlen lassen. Sehr viel flacher führte dieser Weg in einer leichten Biegung wieder zum Zentrum des Turms hin. Einige Schritte später standen sie wohl in dem, was von den Telvanni als die Siegelkammer bezeichnet wurde. Eine große, runde Halle eröffnete sich vor ihnen. Am Rand war beidseitig ein breiter Balkon an die Turminnenmauer angebracht worden, der wiederum gegenüber ihres Standpunkts in eine Treppe aus dicken, langen, horizontal aus der Mauer ragenden Dornen überging, welche nochmal auf eine höhere Ebene führten. In der Mitte war wieder die Feuersäule zu sehen, welche durch eine nur kleine Öffnung in der Mitte der Halle kam. Ein Schirm aus eindeutig organischem Gewebe spannte sich um die Fontäne. Beim Haus des Chaos!

Der Nekromant war zuvor schon nicht in guter Verfassung gewesen, es war ihm deutlich anzusehen, dass der Treffer ihm arg zu schaffen machte. Sie wollten gerade die Halle betreten, als ihm am oberen Ende der zwei Dornentreppen, die links und rechts oben zusammenliefen, ein Flimmern auffiel... Ein ganz schlechter Chamälionzauber... 'Vorsicht!' Brüllte er mit dünner Stimme und hechtete zur Seite, aber der Schockzauber war schon unterwegs...

Andromeda
20.02.2011, 19:06
Mit leichtem Kopfschütteln hatte sie zur Kenntnis genommen, wie sich Erynn um Arranges sorgte. Hatte Erynn denn überhaupt keinen Stolz? Nicht mal ein bisschen? Als Arranges dann auch noch aufstand und weiter stürmte, fiel ihr endgültig nichts mehr dazu ein. Wie wollte er sich denn in diesem Zustand noch mit Gegnern messen? Mit etwas Glück erledigte sich das Problem ja doch noch.
Sie folgte den beiden weiter nach oben, bis sie anscheinend in der Spitze des Turms angekommen waren. Von hier führten im offenen Inneren nur noch Wege über zwei Ebenen nach oben, dort schien auch der Strahl aus Feuer zu enden, den man am Boden des Turmes schon sehen konnte. Arranges wollte gerade die Halle durch einen Durchbruch in der Mauer betreten, da rief er etwas und hechtete zur Seite. Dreveni konnte es nicht verstehen, sprang aber ebenfalls zur Seite und riss Erynn einfach mit, die neben ihr stand. Keine Sekunde zu spät, schon schlug dort, wo sie eben noch gestanden hatten, ein Schockzauber ein. Dreveni rappelte sich wieder auf und lief den kurzen Gang aus fester Lava ein Stück weiter. Wenn der Turm wirklich symmetrisch war, dann musste es noch einen Durchgang geben. Ein paar Schritte weiter fand sie ihn tatsächlich und späte vorsichtig ums Eck. Viel sah sie nicht, da sie die oberen Ebenen nicht überblicken konnte, hier unten war nur ein Dremora in schwarzer Robe und ein seltsames, brennendes Wesen, das auf den Durchgang zuhielt, hinter dem immer noch Erynn und Arranges stehen mussten. Dreveni zielte mit ihrem Bogen auf den Dremora, und hoffte, dass er lange genug stehen bleiben würde, um zu treffen. Dazu musste seine Aufmerksamkeit auf den anderen Durchgang gerichtet bleiben, um zielen zu können musste sie ihre Deckung verlassen.
Da hörte sie von oben Stimmen und laute Geräusche, der Dremora und die flammende Gestalt schienen nicht ihre einzigen Gegner zu sein.

Glannaragh
20.02.2011, 20:30
Erynn sagte nichts mehr, nachdem Arranges sie so dermaßen abgekanzelt hatte. Meine Güte, dann verreck doch, du selbstherrliches Arschloch! Auf ihrem weiteren Weg zur Turmspitze hielt sie sich im Hintergrund. Wenn du schon jeden Vorteil verspielen mußt, den wir hier überhaupt haben, kannst du die Folgen davon auch gleich als erster ausbaden.

In der Siegelkammer angekommen, wurden sie mit einem Schockzauber begrüßt, der die Kriegerin nur dank Drevenis schneller Reaktion verfehlte. Sie nickte der anderen dankbar zu und kam wieder auf die Füße. Die Assassine stand bereits wieder und versuchte, ein Ziel zu finden, ohne sich zu weit aus ihrer Deckung wagen zu müssen. Erynn preßte sich mit dem Rücken an die Wand neben dem zweiten Durchgang und spähte um die Ecke. Sie konnte zwei Gestalten ausmachen: Einen Dremoramagier (zumindest vermutete sie, daß es ein Dremora war. Der Gegner war nur in Umrissen auszumachen, so als versuche er, mit seiner Umgebung zu verschmelzen) und ein seltsames Wesen, das ganz aus Feuer zu bestehen schien. Das muß einer dieser Flammenatronarche sein, von denen in dem Brief berichtet wurde.
Der Magier blieb in der Halle, schlug aber immer wieder nicht vorhersehbare Haken, was ihn zusätzlich zu seiner Tarnung zu einem fast unmöglichen Ziel machte. Sie mußte ihn irgendwie ablenken, damit Dreveni die Möglichkeit zu einem sauberen Schuß hatte. Zunächst aber war das Feuerwesen ihr vordringliches Problem. Es stürmte genau auf sie und Arranges zu. Die Elfin beachtete den Beschwörer nicht weiter. Nach seinem Hechtsprung war er noch nicht wieder auf die Beine gekommen, und sie erwartete keine Hilfe von seiner Seite. Genaugenommen wollte sie auch gar keine.

Sie hängte den Bogen über ihre Schulter, zog das Schwert und wartete mit erhobener Klinge auf den Atronarchen. Als die Kreatur durch den Torbogen kam, schlug sie zu und war erleichtert, als die Klinge tatsächlich auf festen Widerstand traf und nicht nur nutzlos durch die Flammen schnitt. Mit einer Folge von schnellen Hieben drängte sie den Atronarchen nach hinten, geriet dabei aber selbst aus ihrer Deckung heraus in den Durchgang. Rasch sprang sie zurück in die relative Sicherheit hinter der Wand. Das Flammenbiest schloß den Abstand schnell wieder und rammte der Elfin die Faust ins Gesicht. Sie spürte ihre Nase brechen und taumelte zwei, drei Schritte nach hinten. Ihre Sicht trübte sich, als ihr die Tränen in die Augen schossen. Der Daedra setzte ihr weiter mit zwei rasch aufeinanderfolgenden Feuerzaubern zu, stark genug, um wirklich schmerzhaft zu sein und sie bis an die hintere Wand zurückzutreiben. Erynn stieß sich ab und zielte mit der Schwertspitze auf das Gesicht des Wesens. Der Stoß saß und brachte sie wieder ins Vor, woraufhin sie den Torso der Kreatur mit weiteren, beidhändig geführten Schlägen bearbeitete.
Unvermittelt brach der Atronarch zusammen. Sie glaubte, so etwas wie einen Schrei zu hören, war sich aber nicht sicher. Der ganze Raum drehte sich um sie, und ihr Gesicht tat höllisch weh. Kurz lehnte sie sich an die Wand neben der Toröffnung, bis der Schwindel verging.
„Dreveni“, fragte sie keuchend, „habt Ihr den Magier schon erwischt?“

Andromeda
20.02.2011, 21:21
Gerade als Dreveni schießen wollte, verschwand der Dremora wieder und war nur noch als Silhouette zu erkennen. Verflucht. Sie wollte sich gerade dem Flammenwesen zuwenden, dass ich aber so im Kampf mit Erynn befand, dass sie keinen Schuss riskieren konnte.
Sie versuchte weiter den Dremora irgendwie im Auge zu behalten, und hoffte, dass der Rest nicht auch noch zu ihnen nach unten kommen würde. Als Erynn das Wesen erledigte, schien der Dremora für einen Moment geschockt und blieb stehen, diese Gelegenheit nutzte Dreveni. "Ja.", antwortete sie deshalb auf Erynns frage, der Dremora war zumindest nicht mehr in der Lage, aufzustehen, und jetzt auch wieder sichtbar geworden. Die Dunmer sah übel aus, sie musste einen Schlag auf die Nase bekommen haben.

Arranges hatte sich inzwischen auch schon wieder aufgerappelt, da hörten sie auf einmal Schritte auf der Treppe in die nächste Ebene. Dreveni sah vorsichtig durch den Durchbruch. "Scheiße." Gerade kamen ein Dremora in voller Rüstung mit einer großen Claymore sowie eine große, blaue Gestalt unten an. "Ein Xivilai. Und ein Dremora." Sie kannte die blauen, humanoiden Wesen aus den Geschichten von Mordan. Dieser hier war mindestens zwei Meter groß, kräftig und hatte hornartige Auswüchse oben auf dem Kopf. Sie schaffte es gerade noch, den Kopf einzuziehen, da flog schon der erste Feuerball durch den Durchgang und verkohlte ihr den Ärmel. Als ob der Xivilai nicht alleine schon beeindruckend genug war, schwang er noch einen monströsen Kriegshammer in einer Hand.
Gleich darauf drehte sich Dreveni zum anderen Durchgang um und hechtete hindurch. Wenn ihre Gegner sie in dem engen Gang erwischten, mussten sie nur einmal mit ihren Waffen ausholen und das war es dann. Sie brauchte Platz um ausweichen zu können. Währenddessen steckte sie den Bogen weg und zog ihr Schwert.
Der Xivilai wandte sich auch sofort ihr zu, der Dremora hielt weiter auf Erynn und Arranges zu. Außerdem meinte sie, von oben noch die widerlichen Laute von einem oder zwei Skamps zu hören.
Die nächsten Minuten war sie fast nur damit beschäftigt, den Hieben des Kriegshammers auszuweichen, blocken konnte sie diese mit viel Kraft geführten Schwünge kaum - höchstens ablenken und dann ausweichen. Es gelang ihr auch, den Xivilai gelegentlich zu treffen, wenn er wieder ausholte, aber er hatte sich in einen Schildzauber gehüllt, und auch die tieferen Schnitte ihres Schwertes schienen ihn nicht sonderlich zu stören. Er wurde eher immer wütender.
Einmal schaffte sie es, ihn mit einem Schockzauber zu berühren, durch den er ein paar Meter zurückgeworfen wurde, und sie wieder etwas Luft hatte.

Der nächste Hieb streifte sie allerdings an der linken Schulter - sie spürte ein ekelhaftes Knirschen und auf einmal wurde ihr linker Arm ab der Schulter taub. Dagegen konnte auch ihr Schildzauber nicht mehr helfen. Durch die Wucht des Schlages taumelte sie ein paar Schritte zurück, da schoss auch schon glühender Schmerz durch ihren Arm. Beim rückwärts gehen stolperte sie über den Rand des Baldachins, auf dem sie stand, aber sie hätte dem Xivilai auch im stehen im Moment nichts mehr entgegensetzen können. Etwas verschwommen, da ihr vor Schmerz die Tränen in die Augen geschossen waren, sah sie, wie der Xivilai den Kriegshammer hob und langsam auf sie zuging...

weuze
20.02.2011, 23:23
Arranges war ungünstig gefallen und sah für einen Moment nur Sterne. Kampflärm ertönte um ihne herum, aber die Versuche sich hochzustützen, blieben vorerst erfolglos. Erst, als sich sein Sichtfeld wieder klärte und er wieder scharf sehen konnte, gelang es ihm sich hochzustemmen. Er sah noch, wie Dreveni das Dremora zu Fall brachte. Im Augenwinkel konnte er ebenfalls Erynn sehen, die mit blutüberströmten Gesicht an der Wand im Gang lehnte. Seine Orientierungsversuche während dieser kurzen Feuerpause wurden allerdings jäh unterbrochen. Auf den Treppen nach oben erschienen unerwartete ein Xivilai und ein Markynaz. Na das wird ein Spaß... Doch Arranges entschied sich für die Defensive. Und wandte sich zu Erynn. Während der Markynaz auf sie zustürmte, rannte der Xivilai dort hin, wo gerade noch Dreveni stand. Der rechte Arm von Arranges war mittlerweile komplett taub, aber in der Bewegung praktisch nicht eingeschränkt, da er ebenfalls keine richtigen Schmerzen mehr spürte, bis auf ein dumpfes Pochen. Mehr oder weniger schützend stellte er sich vor Erynn. Eine dadrische Rüstung hüllte ihn von einem Moment auf den anderen ein. Er griff vor sich in die Luft und hielt plötzlich ein daedrisches Cleymore in Händen.

Kreischend und funkensprühend krachten die Waffen der beiden aufeinander. Arranges musste sich jetzt auf Taktik und Finten verlassen, mit seinem Arm konnte er unmöglich harte Schläge führen. Der Markynaz hingegen stürmte mit brutaler Wute gegen den Kaiserlichen an und gab ihm kaum eine Chance zum Angriff. So wird das nichts... Arranges schlug die Klinge zur Seite, die gerade wieder auf ihn heruntersauste. Mit einem Satz nach hinten verschaffte er sich ein wenig Spielraum. Ein kurzer Rundumblick gab ihm die Information, die er haben wollte. Erynn hielt sich im Hintergrund, während Dreveni versuchte, sich gegen den Xivilai zu behaupten. Den nächsten Schlag des Dremorafürsten musste er voll blocken, so schnell war dieser wieder heran. Plötzlich jedoch sah sich der Schwergepanzerte in die Zange genommen. Hinter ihm trat ebenfalls ein Markynaz aus einer roten Kaskade. Arranges spürte, wie er schwer getroffen wurde. Ein Moment der Unaufmerksamkeit gewährte dem Dremora vor ihm einen direkten Treffer. Die Rüstung hielt das Schlimmste ab, trotzdem entwich dem Nekromanten pfeifen die Luft aus den Lungen. Das wird es aber wohl nicht gewesen sein... oh nein Mehrunes, du bekommst mich hier nicht! Trotzig sah er auf... um erstaunt festzustellen, dass das Dremora vor ihm zusammensackte. Seine eigene Beschwörung hatte mit einem gewaltigen Schlag die Rüstung samt Rückrad gespalten. Das war knapp... Gehetzt sah sich der Magier um. 'Verdammt...!' Dreveni war dem Xivilai unterlegen und lag jetzt am Rand des riesigen Schirms. Der gewaltige Daedra kam auf sie zu, seine Waffe erhoben, bereit zum Schlag, sobald er sie erreicht hätte. Der Beschwörer haderte einen Moment arg mit sich. Scheissdreck Dreveni, ihr könnt hier nicht einfach abschmieren... Schließlich will ich euch persönlich töten! Er löste den Markynaz und den Zweihänder auf, hob seine Arme und tat mit den Händen Bewegungen, als wolle er einen Schneeball formen. Ein gleißendes Licht ballte sich zwischen seinen Handflächen. Sekunden später, als der Xivilai nur noch ein paar Schritte von Derveni entfernt war, raste eine blauweiße Kugel eine Dampfspur nach sich ziehend, auf den Gegner zu. Die Eiskugel zerplatzte mit einem hohlen Krachen am Körper des Daedras und ließ ihn aufbrüllen. Damit du mal ein wenig abkühlst... Arranges holte sich seinen Bidenhänder zurück, beschwor wiederholt einen Markynaz und stürmte mit dem Dremora an seiner Seite auf den Xivilai zu, der sich nun ihnen zuwandte. Gegen zwei Klingen hatte er nur wenig Chancen, obwohl er sich nach Kräften verbissen wehrte, aber schon nach wenigen Augenblicken landete das Dremora einen direkten Treffer und versenkte die Spitze seines Cleymors tief im Torso des Xivilai. Brüllend brach der Gigant zusammen und blieb nach ein paar Zuckungen am Boden liegen. Arranges entließ mit einem Nicken seine Beschwörung und sah zu Dreveni, die nur wenige Meter weiter am Boden lag und sich kaum rühren konnte. Er kam zu ihr herüber und ging neben ihr in die Hocke. 'Lasst euch bloß nicht einfallen hier zu sterben! Ich trage nur den Siegelstein hier heraus und nicht noch zusätzlich eure Leiche...' Dann stand er wieder auf und trat schwerfällig an das untere Ende der Treppe. Von oben waren Laute zu hören. Geräusche, die eindeutig von Skamps stammten. Er brauchte die Treppe nicht nach oben zu gehen, denn schon als er einen Fuß auf die erste Stufe stellte, erschienen oben zwei dieser Biester.

Ein Daedroth tauchte vor dem Kaiserlichen auf und fing die zwei Feuerbälle ab, die für ihn bestimmt waren. Vernichte sie! Das Monstrum hechtete den zwei Kreaturen entgegen, der eine Skamp wurde von einem Prankenhieb einfach weggewischt und flog einmal quer durch die Kuppel, während der andere flüchten wollte. Das Daedroth erwischte ihn noch gerade so mit einem Schlag und riss dem sehr viel kleineren Daedra den halben Torso weg. Kommt noch was?! Alles blieb ruhig... Wir haben es geschafft... hoffe ich jedenfalls... Arranges war an der Grenze seiner Möglichkeiten angekommen. Der Eiszauber hatte zu viel Kraft verschlungen, dazu noch die ständigen Beschwörungen seit dem Platz unten zwischen den Türmen, bis hier her. Mit einem Wink entließ er das Daedroth, löste seine Rüstung auf und kam die zwei Stufen wieder herunter um nach seinen Begleiterinnen zu sehen. Jetzt stand ihm nicht nur der Schweiß auf der Stirn und die Blässe von der Verletzung im Gesicht. Er sah völlig erschöpft aus und kam mit schweren Schritten und hängenden Schultern auf Dreveni zu.

Glannaragh
21.02.2011, 00:23
Diesesmal war es Erynn, die ungünstig stand. Sie konnte eben wieder geradeaus schauen, als Dreveni vor dem nächsten Angriff warnte. Arranges war derweil auf die Füße gekommen. In dem kurzen Moment, in dem sich ihre Blicke trafen, schien er zu dem Schluß gekommen zu sein, daß sie für einen Kampf im Augenblick nicht bereit war.
Sie wurde wieder an die Wand gedrängt, während Dremora und Kaiserlicher aufeinander eindroschen. Als Arranges dann noch einen weiteren Daedra an seine Seite rief, konnte sie nichts anderes tun als weiter zurückweichen, um nicht in dem Mahlstrom aus wirbelnden Klingen zerfetzt zu werden.
In dem Augenblick, als Arranges Kreatur dem Markynaz den Todesstoß versetzte, hörte sie Dreveni schreien. Sie stürzte hinter dem Beschwörer her auf den Tumult zu. Als sie den Ort des Kampfes erreichte, war es bereits vorüber.
Zwei Skampe erschienen am oberen Rand der widerlichen organischen Empore, und Arranges schickte ihnen einen Daedroth entgegen. Wie viele solcher Kreaturen kann er rufen, bevor seine Kräfte erschöpft sind? fragte sie sich, während sie der beschworenen Kreatur mit ihren Blicken folgte.

Erynn kniete sich neben die andere Elfin. Ihr Gesicht war von Schmerz verzerrt, der Arm stand in einem Winkel vom Körper ab, der definitiv nicht normal war. „Dreveni“, murmelte sie, „es ist vorbei. Wir müssen nur noch den Abschlußstein auf dieser Feuersäule entfernen, um das Tor zu schließen.“ Die Augen der Assassine waren klar, sie schien sich des Geschehens und der Umgebung um sie herum bewußt zu sein. Erynn legte die Arme um ihren Torso und zog sie ungeachtet des unterdrückten Fluchens, das Dreveni ausstieß, in eine annähernd sitzende Position. „Legt Euren rechten Arm um meine Schulter und stützt Euch darauf ab. Dann stehen wir gemeinsam auf.“

Andromeda
21.02.2011, 18:52
Als der Xivilai sie fast erreicht hatte, sah sie wie er von einem Zauber getroffen wurde. Das lenkte ihn zumindest von ihr ab, und gleich darauf stürzten sich Arranges und ein Dremora auf ihn. Sie hatte ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Arranges eingreifen würde. Sicher, den Xivilai mussten sie irgendwie loswerden, aber hätte dieser Dreveni erschlagen, hätte Arranges ein Problem weniger gehabt.
Sie versuchte, wieder auf die Beine zu kommen, was aber nur den Effekt hatte, dass ihr vor Schmerz kurz schwarz vor Augen wurde, als sie den gebrochenen Arm aus versehen bewegte. Als sie wieder halbwegs klar sehen konnte, hockte Arranges neben ihr und sagte etwas zu ihr, was sie aber nicht verstehen konnte.
Als ob das ihr Weltbild nicht schon genug ins Wanken gebracht hätte, kniete sich auf einmal Erynn neben sie und begann, sie aufzusetzen. Dreveni biss sich auf die Lippen vor Schmerz, schaffte es aber schließlich mit Hilfe der anderen Dunmer auf die Beine zu kommen.
Als sie ein paar Schritte auf Erynn gestützt gegangen war, nahm sie den Arm von ihr und ging alleine weiter, auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel. Sie hasste es sowieso, auf Hilfe angewiesen zu sein, und dann auch noch von jemanden, den sie eigentlich immer noch umbringen wollte.... Sie schaffte es sogar noch, ihr Schwert aufzuheben und folgte den beiden nach oben. Arranges sah mindestens so schlimm aus wie sich sich fühlte, umso erstaunlicher dass er noch einmal so auf den Xivilai eingeschlagen hatte. Sie hoffte, dass Erynn recht hatte, und das Tor würde bald geschlossen sein. Noch einen Kampf würden sie vermutlich nicht überleben.

Dreveni hatte so oder so genug. Vor allem wollte sie die beiden nicht mehr sehen, sie wollte gerade überhaupt niemanden sehen. Sie hätte halbwegs ehrenvoll im Kampf gegen den Xivilai sterben können, stattdessen war sie jetzt auf die Hilfe ihrer Opfer angewiesen. Nicht dass sie nicht gerne überlebt hatte, aber ihr Stolz war inzwischen fast noch mehr angeknackst, als ihr Arm.

weuze
21.02.2011, 19:42
Arranges wartete nicht weiter auf Dreveni und Erynn, er stolperte die Treppen hinauf. Der Beschreibung des Briefes nach zu urteilen, musste der Siegelstein hier oben in der Spitze des Turms irgendwo sein. Außerdem wurden sie alle nach Nirn zurückbefördert, sobald er ihn entfernte und das Tor in sich zusammenfiel. Oben waren riesige Rampen zu einem kleinen Balkon zu sehen. Die Rampen waren allerdings mehr wie aufgespannte Planen, ebenfalls aus dem seltsam fleischigen Gewebe. Arranges setzte vorsichtig einen Fuß darauf. Es fühlte sich tatsächlich an, als würde er auf irgendeine halbverweste Leiche treten. Das nenne ich mal eine ordentliche Verschwendung... ich will gar nicht wissen, von was für einer Kreatur diese... Haut stammt... Arranges schenkte der komischen Struktur keine weitere Aufmerksamkeit mehr, stattdessen hastete er hinauf zu dem Balkon. Oben angekommen sah er endlich, was er hier in dieser verdammten Oblivionebene suchte. Oben auf der Feuersäule saß als krönende Spitze der Sigelstein. Eine von Flammen eingehüllte schwarze Kugel. Arranges war von der Selbstverständlichkeit dieses Siegelsteins, wie er dort leicht auf und ab schwebte und sich auch sonst in ständiger Drehung zu befinden schien, für einen Moment so fasziniert, dass er alles um sich herum vergas. Eine derartige Machtquelle ist mir noch nicht untergekommen... daneben würde sogar Sheogorath persönlich wie ein kleines Irrlicht wirken... Wie ferngesteuert trat der Nekromant die wenigen Schritte auf den Siegelstein zu und streckte die Hand danach aus. Es war nichteinmal heiß, die Flammen schienen nicht wie gewöhnliches Feuer. Mit beiden Händen griff er in die Sphäre und umfasste den faustgroßen Siegelstein. Gleich werden wir sehen, ob die Berichte der Telvanni der Wahrheit entsprachen... Mit einem Ruck riss er den Sigelstein an sich. Fast ein wenig enttäuscht blickte er auf die makellose Kugel in seinen Händen, als plötzlich ein starkes Beben durch den Turm ging und ihn beinahe von den Füßen riss. Die Flammensäule schlug wild peitschend um sich, alles begann in sich zusammen zu fallen. Verdammt, ich hoffe das gehört alles noch so zum regulären Ablauf... Und plötzlich war alles still. Ein ohrenbetäubendes Bersten raubte ihm für einen Moment die Sinne...

Was zur Hölle?! Der Kaiserliche schaute sich verdutzt um. Ein sternenklarer Himmel sah er über sich. Irgendwo im Gebüsch zwitscherten leise ein paar nachtaktive Vögel. Nur noch die Dornen waren stumme Zeugen des Tors, aber sonst war nichts mehr davon zu sehen. Das wars? ... Lächerlich...! Aber Arranges wusste selbst, dass er am Ende seiner Kräfte stand. Neben sich konnte er noch Erynn und Dreveni am Boden liegend erkennen. Sie waren bei Bewusstsein. Dank den Vieren! Dann sank Arranges kraftlos auf die Knie, den Siegelstein immernoch mit beiden Händen an seiner Brust umklammernd, kippte er zur Seite und blieb einfach liegen. Er war so dermaßen erschöpft, dass er sich kaum mehr rühren konnte. Die erwartete Ohnmacht blieb jedoch aus... Geradeausblickend sog er gierig die kühle Nachtluft ein, die sich wie Balsam in seinen Lungen anfühlte...

Glannaragh
21.02.2011, 21:08
Erynn sah, wie Arranges nach der nachtschwarzen Kugel griff. Es geschah... nichts. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen, dann erschütterte ein schnell stärker werdendes Beben den Turm. Die Welt um sie herum schien sich zu verdichten, zusammenzuziehen, um gleich darauf in einem gewaltigen Feuersturm zu vergehen. Sie fühlte sich nach allen Seiten gleichzeitig gerissen, und das Brüllen der Flammen um sie herum steigerte sich ins Unerträgliche.
Die Elfin schlug die Augen auf. Über ihr spannte sich der vertraute blauschwarze Nachthimmel. Nach der Hitze in den Totenlanden war es jetzt regelrecht kühl, und sie fröstelte. Für einen Moment lag sie nur still da und erforschte vorsichtig die widersprüchlichen Gefühle, die sich in ihrem Herzen regten. Die Erkenntnis, daß sie die Ebene von Oblivion nicht nur überlebt, sondern auch erfolgreich wieder verlassen hatten, ließ sie vor Freude fast trunken werden. Gleichzeitig bedauerte sie, daß sie nicht mehr Zeit gehabt hatte, diesen bizarren Ort genauer zu erforschen. Er war gefährlich, tödlich gar, und doch hatte er etwas in ihr zum Klingen gebracht, das sie verändert hatte. Vielleicht für immer.

Erynn setzte sich auf und sah sich nach ihren Begleitern um – ein arg verhauener Haufen. Arranges war unübersehbar am Ende seiner Kräfte, Dreveni trotz ihrer dunklen Haut bleich vor Schmerz, in den Augen ein gefährliches, abweisendes Funkeln. Wie ihr eigenes Gesicht aussehen möchte, konnte die Söldnerin nur erahnen. Die Schnitte, welche die Krallen des Clannbanns hinterlassen hatten, brannten höllisch und waren fast noch schwerer zu ertragen als das gebrochene Nasenbein.
Sie ließ sich wieder zurücksinken und schwieg weiterhin, während sie die vergangenen Stunden Revue passieren ließ. Ich will unbedingt mehr erfahren über Oblivion. Über die Totenländer und die Reiche all der anderen Daedrafürsten...
Es war ein Ziel. Nach den quälenden Tagen, die auf die Suche nach dem Folianten folgten und während derer sie erkennen mußte, daß sie nicht mehr einfach zurückkonnte in ihr altes Leben, hatte sie endlich wieder ein Ziel.

Andromeda
21.02.2011, 21:36
Dreveni bekam gerade noch mit, wie Arranges nach dem schwarzen Stein griff, dann brach die Welt auch schon um sie herum zusammen. Sie taumelte und kam schließlich auf kühler Erde wieder zu sich. Die kühle Nachtluft von Cyrodiil lies sie zittern, aber es vertrieb auch die Benommenheit. Vorsichtig richtete sie sich auf, wobei sie tunlichst vermied, den gebrochenen Arm zu bewegen. Die Schmerzen setzten ihr langsam doch ziemlich zu, und sie brauchte unbedingt einen Heiler, bevor das ganze schief zusammenwuchs. Allerdings würde in Cheydinhal noch immer Chaos herrschen, mit viel Glück würde es sich morgen im laufe des Tages langsam beruhigen. Jetzt einen Heiler aufzutreiben, könnte schwer werden. Bis Morgen würde sie es schon noch aushalten, und sich in Mordans Haus verkriechen. Außerdem wollte sie vermeiden, dass ihnen unbequeme Fragen gestellt wurden.

Sie schaffte es schließlich aufzustehen, wobei sie sich auf ihr Schwert stützen musste. Dann fiel ihr Blick auf Arranges und Erynn. Der Magier war am Ende, und sie selbst sah vermutlich genauso bescheiden aus wie er. Erynns Gesicht war mit Blut verschmiert, sie sollte ebenfalls bei einem Heiler vorbei sehen, wenn sie nicht mit einer schiefen Nase leben wollte.
"Scheiße.", sagte sie leise. Die beiden hatten sie aus diesem Obliviontor gezogen, dass sie noch lebte verdankte sie nur Arranges. Wie würden sie reagieren, wenn Dreveni jetzt einfach ging? "Ich denke nicht, dass es gut ist, jetzt direkt nach Cheydinhal zu gehen. Wir sollten bis Morgen mindestens warten." Sie rang kurz mit sich, wobei sie die Schmerzen langsam zermürbten: "Hier in der Nähe steht ein Haus. Kommt mit wenn ihr wollt." Gleich darauf bereute sie ihre Worte schon fast wieder. Dreveni, so geht das nicht weiter, du wirst wirklich weich... Wobei es ja nicht so ganz uneigennützig war, in ihrem Zustand wollte sie dann auch nicht unbedingt alleine bleiben, beruhigte sie sich etwas. Abwartend sah sie zu den beiden, wobei ihr Blick schließlich auf Arranges liegen blieb. "Keine Angst, in diesem Zustand kann ich euch sicher nichts tun.", sagte sie noch in die Stille. Eigentlich wäre es ja angemessen, ihnen zu danken, aber das brachte sie dann doch nicht über sich.

weuze
21.02.2011, 22:11
'Das will ich auch hoffen...' Knurrte Arranges. Während Erynn schon wieder auf die Beine kam, blieb er noch einige Herzschläge lang liegen, ehe er sich mühsam und mit zitternden Armen hochstemmte. 'Ihr wisst ja anscheinend wo es langgeht...' Keuchte er und bedeutet Dreveni voranzugehen. Ihm war gar nicht wohl bei dem Gedanken daran, sich auf die Assassinin verlassen zu müssen. Während die beiden Dunmer wohl arg verletzt waren, aber an und für sich nicht so sehr erschöpft wie der Magier, konnten sie relativ sicher gehen. Die Tatsache dass Arranges aber nur mehr durch die Nacht stolpern konnte, zwang sie, das Tempo etwas zu zügeln. Es dauerte zum Glück nicht sehr lange, da tauchte vor ihnen ein etwas kleineres Gebäude im typischen Fachwerkstil von Cheydinhal auf. In einem recht steilen Winkel war auf der einen Seite ein kleiner Stall angebaut und bildete so mit dem Wohngebäude zusammen einen kleinen Hof, in dessen Mitte sich ein Brunnen erhob. Ich wusste gar nicht, dass Auftragsmeuchler so gut wohnen...

Die Dunmer öffnete die Eingangstür und ließ sie ein. Der Raum dahinter war eher schlicht, aber nicht schäbig eingerichtet. Dreveni sorgte für etwas Licht und nachdem der Raum gut erhellt wurde, ließ sich Arranges unaufgefordert auf einen Stuhl fallen. Erst jetzt widmete er seine Aufmerksamkeit wieder dem Pfeil, der in seinem Oberarm steckte. Verfluchtes Dremora... Zerknirscht beäugte der Nekromant den gefiederten Schaft und machte Anstalten, daran herumzufingern...

Glannaragh
22.02.2011, 01:24
Erynn nahm Drevenis Angebot gerne an, auch wenn nicht zu überhören war, wie sehr sich die andere Dunkelelfe dazu überwinden mußte. Arranges konnte sich natürlich eine pampige Antwort nicht verkneifen, und sie verdrehte entnervt die Augen. Schon bald erreichten sie das freistehende Haus, traten ein und ließen sich auf die nächstbeste Sitzgelegenheit fallen.
Der Kaiserliche zupfte an dem Dremorapfeil, der noch immer in seinem Arm steckte. Ach ja, da war ja noch was. Eigentlich sollte ich ihn einfach machen lassen, bis er das Teil kaputtgekriegt hat. Als sie sich das Schlachtfest vorstellte, das folgen würde um die einzelnen Splitter aus der Wunde zu pulen, besann sie sich eines besseren.
„Laßt die Finger davon, Arranges. Ihr macht es nur noch schlimmer.“ Sie stand auf und besah sich den Pfeil genauer. Die Spitze besaß eine Doppelreihe häßlicher Widerhaken, der Schaft war komplett aus Metall geschmiedet und wirkte irgendwie porös, als sei er zu stark gehärtet worden. Auch die Befiederung bestand aus messerscharfem, dünnem Metall. Man hat die Flugeigenschaften also zugunsten der Absicht möglichst bösartige Wunden zu reißen zurückgestellt. Warum überrascht mich das nicht?
„Habt Ihr eine starke Zange im Haus, Dreveni? Ich muß den Schaft abkneifen. Und außerdem eine, mit der ich Kettenringe aufbiegen kann.“ Die Assassine schaute sie abschätzend an, nickte dann aber und verschwand für eine Weile.

Der Kaiserliche sah etwas erstaunt auf, als Erynn ihn aufforderte seine Finger von dem Geschoss zu lassen. Er wollte sich gerade darüber ausschütten, als sie schon bei ihm stand und sich den Pfeil genauer besah. Jetzt erdreistete sie sich auch noch Dreveni nach einer Zange zu fragen. 'Das könnt ihr aber gleich vergessen Erynn!'

Sie legte den Kopf schief und schaute Arranges betont unschuldig an - soweit das mit ihrer Matschfresse möglich war. "Warum? Wollt Ihr selber daran herumreißen? Der Pfeil ist so gearbeitet, daß er splittern soll. Das Ergebnis könnt Ihr Euch selbst ausmalen. Es grenzt schon an ein Wunder, daß er überhaupt noch an einem Stück ist." Sie genoß diese kleine Rache für die Demütigungen in der Oblivionebene außerordentlich. "Wißt Ihr, was ich tue, wenn Ihr das Ding kaputtbrecht?"

'Schaut nicht so dämlich... Sogar ein Troll kann netter dreinblicken als ihr... und nein, ich weiss nicht was ihr tut wenn ich den Pfeil zerbrösle... und es ist mir auch egal, weil es kaum schlimmer sein kann als die Stickereien auf meinem Oberschenkel vor nicht all zu langer Zeit...' Und ich drehe euch den Hals um, wenn ihr irgendetwas daran herumfummelt... Und rein aus dem Bestreben heraus, sie ein wenig zu provozieren, fasste er den Schaft in seine Faust und blickte sie herausfordernd an.

Erynn lächelte leicht. Für ein Grinsen reichte es nicht, dafür tat ihre Nase einfach zu weh. "Dreveni! Bringt noch ein Messer mit", rief sie der anderen Dunmerin hinterher.

Die Miene des Kaiserlichen wandelte sich von selbstsicher provozierend zu deutlich erschrocken, während seine Augen plötzlich die Größe von Tellern annahmen. 'Das wagt ihr nicht?!'

"Und ob. Ihr habt mir versprochen, mir die Grundlagen der Magie beizubringen. Glaubt Ihr, ich will, daß Ihr vorher an Wundbrand verreckt?" Sie hob die Hände zu einer beschwichtigenden Geste, und ihre Stimme wurde weicher. "Schon gut. Ich werde vorsichtig sein, wie immer. Jetzt laßt den Pfeil los... Bitte."

Wieder wandelte sich Arranges Gesichtsausdruck. Diesesmal herrschte Verblüffung vor. Verflucht, ich hatte gehofft, sie hätte das inzwischen irgendwie vergessen... 'Als ob ihr euch da ernsthafte Sorgen machen würdet... ihr habt von Magie doch sowieso keine Ahnung und mal davon abgesehen wäre es euch doch gar nicht so unrecht würde ich einfach abkratzen... immerhin wärd ihr dann praktisch wieder frei... vorsichtig, dass ich nicht lache... in Ohnmacht bin ich gefallen, als ihr den Schnitt damals genäht habt... wenn ich hier wegtrete, kommt Dreveni nur noch auf den Gedanken mir entgültig das Leben auszuhauchen, solange ich mich nicht wehren kann...' Er sprang so ruckartig vom Stuhl auf, dass dieser umkippte. Er ließ auch den Pfeil nicht los, im Gegenteil er packte ihn so fest, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten und drehte sich mit der verwundeten Schulter von Erynn weg, ohne die Augen von ihr zu lassen. 'Kümmert euch doch ersteinmal um eure eigenen Verletzungen...' Er versuchte seiner Stimme einen festen Klang zu geben, es gelang ihm nicht.

Erynn seufzte schwer. "Ihr seid noch garstiger als sonst, wenn Ihr Angst habt, Arranges", antwortete sie, doch es lag keine Schärfe in ihrer Stimme. Jedesmal dasselbe Theater... "Das hier geht schneller, als eine Wunde zu nähen. Wenn der Pfeil draußen ist, spülen wir die Wunde mit einem Heiltrank aus und verbinden sie. Ich kann Euch gern jeden Arbeitsschritt erklären, wenn Euch das hilft. Was wollt Ihr denn machen. Das Teil kann schließlich nicht da bleiben, wo es ist... und wie soll ich mich um meine eigenen Verletzungen kümmern, wenn ich sie noch nicht einmal sehen kann, könnt Ihr mir das verraten?"

Arranges atmete hörbar aus und ließ die Schultern hängen. Zögernd ließ er den Pfeil los und drehte sich wieder ganz zu Erynn. Er stellte den Stuhl wieder auf und setzte sich. 'Aber bitte seid vorsichtig... und macht schnell...' Ein unterschwelliges Flehen konnte er in seinen Worten nicht gänzlich unterdrücken, aber irgendwo im Hinterkopf wusste Arranges, dass Erynn es verstand, Wunden so gut sie es vermochte zu versorgen.

Sie nickte und zog ihre Handschuhe aus. "Versprochen. Es geht schnell."
Dreveni kehrte zurück. Sie bewegte sich vorsichtig, als sie die Zangen und das Messer neben Erynn auf dem Tisch aufreihte. Die Kriegerin begann damit, einige Kettenglieder um den Einschuß herum zu entfernen, um besser sehen zu können. Zuerst an der Oberseite von Arranges' Arm, dann kniete sie sich hinter den Stuhl und machte auf der Rückseite weiter. Dabei achtete sie peinlich genau darauf, den Pfeil nicht zu berühren. An der Eintrittswunde waren einige Ringe gesplittert und hatten sich in das umliegende Fleisch gebohrt, aber nur oberflächlich, soweit sie erkennen konnte. Mit spitzen Fingern zupfte sie die Bruchstücke heraus.
"Gut", sagte sie, während sie nach der schwereren Zange griff, "Jetzt haltet den Pfeilschaft so fest Ihr könnt dicht an Eurem Arm fest, aber achtet darauf, ihn nicht zu bewegen."

Arranges verspannte sich wie damals, als sie den Schnitt nähte wieder komplett und biss sich auf die Unterlippe um nicht zu schreien. Jedoch hatte er dazu noch keinen Grund. Erynn schaffte zunächst nur Platz um besser an den Pfeil kommen zu können. Als sie jedoch damit begann an der Austrittstelle die gesplitterten Ketten aus der Haut zu zupfen, trat dem Magier vereinzelt Schweiß auf die Stirn. Erleichtert ließ er den unbewusst angehaltenen Atem entweichen, als sie endlich fertig war, nur um dann sogleich wieder scharf die Luft einzusaugen, als sie ihm die Anweisung gab, den Schaft festzuhalten. Ich breche euch das Genick, wenn ich gleich schreien muss... Er packte den Pfeilschaft und hielt ihn so fest und bewegungslos, wie es seine angespannten Muskeln zuließen...

Erynn setzte die Zange knapp über der Hand des Kaiserlichen an und kappte den Schaft. Es knackte vernehmlich, doch die Schnittstelle war glatt und ohne Splitter. Sie verbiß sich ein erleichtertes Aufatmen; Arranges war auch so schon nervös genug.
"Ihr könnt jetzt loslassen." Ein Moment verstrich. "Loslassen. Gut so." Sie umrundete den Stuhl und kniete sich wieder hinter den Beschwörer. Mit der rechten Hand faßte sie seinen Arm, die andere legte sie an den Pfeil. "Das ist der häßliche Part. Bemüht Euch trotzdem, den Arm ruhig zu halten." Gut, das 'schnell' war geflunkert. Ich wage nicht, das Ding mit einem Ruck rauszureißen. Sie schloß die Hand um den Pfeilschaft und packte Arranges Oberarm fester. Nach ein paar Sekunden hielt sie das Geschoß in der Hand. In einem Stück.

Das Kappen des Schafts war nichteinmal schlimm, Arranges hatte zu seiner Verwunderung nichts gemerkt, aber er wusste, was da noch kam, schließlich wurden Bolzen ganz ähnlich entfernt und das tat er meistens selbst. Erynn kniete sich wieder hinter ihn und hielt seinen Arm fest. Ich werde Amok laufen müssen, ich weiss es jetzt schon... Die andere Hand des Kaiserlichen krallte sich in die Tischkante. Alle Muskeln waren bis kurz vor dem Zerreissen gespannt, aber dennoch bekam er es irgendwie hin, den betroffenen Arm halbwegs und mit Erynns Hilfe, stillzuhalten. Er kniff die Augen zusammen und presste die Kiefer aufeinander. Ich werde sie an die Wand klatschen... das wäre Ausgleich genug... zumindest vorerst... Er spürte, wie der Pfeil durch seinen Arm gezogen wurde. Verdammt, was verstehst du unter schnell, Erynn?! Erst, als sie den Pfeil heraus hatte und seinen Arm losließ, stieß Arranges einen lauten, jaulenden Schmerzlaut aus. Aber das war es auch schon, der Schmerz war weg und das ekelhafte Gefühl eines Fremdkörpers im Leib verflüchtigte sich. Noch etwas ungläubig schaute Arranges auf die jetzt nur noch unauffällige Wunde. 'Danke...' Nuschelte er kaum hörbar vor sich hin.

Die Elfin ließ langsam den angehaltenen Atem entweichen. "Keine Ursache." Sie legte die Reste des Pfeils auf den Tisch. "Jetzt spült die Wunde mit einem Heiltrank aus und seht zu, daß Ihr das Kettenhemd loswerdet, damit ich die Wunde verbinden kann." Sie ließ sich auf einen freien Stuhl sinken, unendlich erleichtert darüber, daß sie im Verlauf der Aktion keinen weiteren Schlag ins Gesicht kassiert hatte.

Andromeda
22.02.2011, 20:57
Dreveni konnte es nicht haben, dass sie von der Dunmer schon wieder herumkommandiert wurde. Als sie dann allerdings noch um ein Messer gebeten wurde, und ihr Arranges Gehabe auch nicht verborgen blieb, brachte sie voll Schadenfreude das größte und am gemeinsten Aussehende, dass sie in der Küche finden konnte.
Außerdem holte sie noch eine Flasche hochprozentigen Alkohol sowie drei Gläser. Irgendwo fand sie auch noch einen Heiltrank, der zumindest die Schmerzen in ihrem Arm etwas linderte. Dagegen, dass der Oberarmknochen immer noch einen fiesen Knick hatte, konnte er allerdings nichts ausrichten.
Sie beobachtete die Szene und hätte fast lachen müssen, als sie sah wie sich Arranges aufführte. Sie hatte schon gelegentlich gesehen wenn jemandem ein Pfeil irgendwo raus gezogen wurde, und es gab sicherlich schöneres, aber von dem ach so hartem Magier war in diesem Moment nichts mehr übrig. Was sie fast noch mehr wunderte war die Besorgnis und Geduld von Erynn. Dreveni hatten die Szenen in und vor dem Tor gereicht, wo Arranges Erynn mehr als schwach angeredet hatte. Was trieb die Dunmer dazu, immer noch bei ihm zu bleiben und ihn auch noch so fürsorglich zu behandeln? Dreveni hätte da nicht so einen Aufriss veranstaltet. Hätte er nicht still gehalten, hätte sie ihn eben erst abgefüllt oder K.O. geschlagen. Bei Arranges vermutlich pauschal letzteres.
Als der Pfeil endlich aus Arranges Arm war, stellte Dreveni eine kleine Flasche mit einem Heiltrank auf den Tisch vor ihn, fasste Erynn mit dem gesunden Arm um die Schultern und dirigierte sie die Treppe nach oben ins Bad. Der Zuber war zwar leer, aber auf einem Waschtisch stand eine Schüssel mit Wasser, daneben lagen saubere Leinentücher. Außerdem hing ein großer Spiegel an einer Wand. Die Dunmer sah ebenfalls mitgenommen aus, außerdem hatte sie zu der gebrochenen Nase noch Kratzer von den Clannbanns, die dringend gesäubert werden sollten. Im Bad zündete sie die Kerzen an, setzte sie sich auf einen Hocker, sah die Dunmer an und fragte: "Warum tut ihr das? Habt ihr eigentlich gar keinen Stolz? Allein wie dieser Kaiserliche mit euch spricht..."
Normal ging sie das ja nichts an, aber nachdem sie alle zusammen durch die Ebenen von Oblivion gegangen waren, und diese beiden jetzt immerhin schon in ihrem Haus waren, konnte sie auch noch mehr von ihren Prinzipien über den Haufen werfen.

Erynn ließ sich von Dreveni widerstandslos in das Badezimmer führen. Bei einem Blick in den Spiegel erschrak sie vor sich selber. Als die andere sie ansprach, drehte sie sich herum. "Doch, ich habe so etwas wie Stolz. Deshalb wende ich mich nicht einfach ab, wenn jemand meine Hilfe braucht", antwortete sie. "Und Arranges spricht mit jedem so. Scheint eine Art Macke zu sein."
Sie begann, vorsichtig den Schorf aus ihrem Gesicht zu waschen und zuckte jedesmal zusammen, wenn sie dabei ihre Nase berührte. "Verfluchtes Flammenbiest!" Die Kratzer hatten sich bereits entzündet und begannen gleich wieder zu brennen, als sie mit den Fingern darüberfuhr. Für einen Moment überlegte die Söldnerin, ob sie es wohl über sich brächte das Nasenbein selbst zu richten, verwarf den Gedanken aber gleich wieder. So hart war sie nicht.
Schließlich wandte sie sich wieder zu Dreveni um. "Danke."

Bei Erynns Antwort konnte sie nur den Kopf schütteln. "Jemandem zu helfen ist ja das eine. Aber jemanden regelrecht zu umsorgen, dem es scheinbar Spaß macht, euch zu demütigen, etwas ganz anderes. Das scheint mir auch etwas mehr als nur eine Macke zu sein. Vorher in den Ebenen Oblivions meinte er, ihr wäret nicht Ansatzweise in der Position, ihm Befehle zu geben. Seid ihr etwa seine Gefangene?" Die letzte Frage hatte Dreveni nicht wirklich ernst gemeint, aber es wunderte sie noch immer, in welchem Verhältnis die beiden zueinander standen. Als sich Erynn das Blut aus dem Gesicht gewaschen hatte, sah Dreveni auch ihre schiefe Nase. Es wäre vermutlich nicht schwer zu richten, aber Dreveni war sich nicht sicher, ob es nachher nicht schlimmer aussehen würde, da sie auch nur eine Hand benutzen konnte. Für ihren Arm wäre es wohl auch das beste, wenn man ihn zumindest provisorisch richten und schienen würde, aber das wollte sie Erynn jetzt nicht auch noch fragen.

Sie dachte über die Frage nach. Wie erklärte man diese seltsame Verbindung, die zwischen ihr und dem Kaiserlichen bestand? Arranges selbst schien nur zu gern davon auszugehen, daß sie in seiner Gewalt war - sein krankhafter Kontrollfanatismus. Wenn sie allerdings ehrlich zu sich selbst war, begann sie selbst langsam ebenfalls daran zu glauben. Manchmal. Dann wieder auch nicht. Es war verwirrend.
"Ich bin keine Gefangene. Aber ich bin ihm verpflichtet, auf... eine gewisse Weise." Sie durfte auf keinen Fall die Gathering erwähnen, schärfte sie sich selbst ein. Niemals. Erynn wechselte das Thema. "Ihr solltet schnellstmöglich einen Heiler aufsuchen. Vielleicht jetzt gleich. Wir werden gehen, wenn Ihr es wünscht."

"Verpflichtet? Dann muss er ja wahrlich etwas großes für euch getan haben...", sagte sie nur, nachdem sie Erynn ein paar Sekunden stumm gemustert hatte. Sie konnte selbst gerade nicht begreifen, warum sie das Schicksal der anderen derartig interessierte. Dass sie sich in ihr vielleicht ein bisschen selbst sah vor etwa zehn Jahren, wurde ihr nicht bewusst. Um sich wirklich mit Erynn zu vergleichen, wusste sie ohnehin zu wenig von ihr und Arranges. Damals war sie auch blind jemandem gefolgt, was sie fast mit dem Leben bezahlt hätte. Auch wenn Feryn ganz anders war als Arranges... Sie riss sich mit einiger Mühe aus ihren Gedanken, und erinnerte sich, was Erynn zu Letzt gesagt hatte. "Ich fürchte dass in Cheydinhal gerade Chaos herrscht, ich werde morgen in die Stadt gehen. Ausserdem ist der Weg nachts zu gefährlich mit nur einem Arm. Ihr könnt über Nacht bleiben, wenn ihr wollt, hier oben ist ein Gästezimmer." Mordan würde nicht so bald zurückkommen, und selbst wenn. Sie wollte zwar vermeiden ihm erklären zu müssen, was ausgerechnet Arranges hier tat, er würde ihn vermutlich von dem Steckbrief erkennen, aber das erschien ihr nach den letzten Stunden auch nur noch halb so schlimm. Müde erhob sie sich von dem Hocker und ging zur Tür.

weuze
22.02.2011, 21:32
Der Kaiserliche besah sich etwas misstrauisch das kleine Fläschchen, das ihm Dreveni auf den Tisch gestellt hatte. Wenn das ein Heiltrank ist fress ich einen Besen... Sicher nicht Dreveni, jetzt nachdem ich Erynns Folter über mich habe ergehen lassen, werde ich mir sicher nicht euer Gift in die Wunde schütten... Arranges erhob sich und tastete an seinem Gürtel nach einer etwas kleineren Phiole als die der Dunmer. Nach einem vergleichenden Blick auf das Gefäß in seiner Hand und jenes, das auf dem Tisch stand, nickte er zufrieden. Er stellte das Fläschchen ab und begann damit seine Ausrüstung abzulegen. Nunmehr am Oberkörper nur noch mit dem dünnen Leinenhemd und den Armschienen bekleidet, versuchte er umständlich die Wunde irgendwie zu spülen. Verfluchtes Hemd... Der Ärmel rutschte immer wieder vor die Wunde. Nachdem er sich schon arg verrenkt hatte um die Eintrittswunde zu säubern, zog er jetzt das Hemd ganz aus um den Austritt ebenfalls noch zu säubern.

Nachdem er endlich fertig war, wollte er sich wieder ankleiden, bevor die beiden Dunmer wieder zurückkamen. Sein Blick fiel auf die frische Narbe in seiner Brust. Verdammte Mönche, als ob ich nicht schon genug Narben hätte... Eine Handbreit darunter folgten die drei Punkte, dort, wo ihn der Skalon erwischt hatte. Hm... mal sehen... Arranges öffnete die Schnallen seiner rechten Armschiene und nahm selbige ab. Den Unterarm ein wenig drehend, schielte er auf die Unterseite. Zwei hauchdünne, leicht dunklere Linien als seine übliche Hautfarbe zeichneten sich fast parallel ab. Dreveni... Zusammenzuckend blickte er auf, als eben genau sie, Dreveni, die Treppe vom Bad wieder herunterkam...

Glannaragh
22.02.2011, 22:41
Nachdem Dreveni zur Tür gegangen war, stellte sich Erynn noch einmal vor den Spiegel und schaute in ihre eigenen, blutunterlaufenen Augen. Ja, warum lasse ich mir das eigentlich alles gefallen? fragte sie sich selbst zum wiederholten Male. Sie überlegte, was wohl geschehen würde, wenn sie jetzt einfach abhaute. Daß Arranges sie früher oder später finden würde, wenn er es darauf anlegte, darüber machte sie sich keine Illusionen. Aber will er das überhaupt? Wahrscheinlich wäre er eher froh, mich endlich los zu sein. Eine passende Erklärung für seinen Nekromantenverein wird ihm gewiß einfallen. Andererseits... nein. Wenn sie sich seiner Kontrolle durch Flucht entzog, würde er das nicht ertragen, so gut kannte sie ihn mittlerweile. Also bin ich doch eine Gefangene? Auf eine seltsame, verdrehte Art und Weise? Wenn es so war, dann war die ganze Situation wirklich verdreht. War es doch mitunter so, daß er ihr, wenngleich unwillig, die Führung überließ, wie gerade eben auch.
Sie schnaubte ärgerlich und bereute es gleich darauf. Autsch!
Was wollte sie überhaupt? Als sie einwilligte, den Kaiserlichen auf diese Reise zu begleiten, hatte sie doch gewußt, worauf sie sich einließ. Ihre eigenen Grübeleien wurden ihr jetzt wirklich zu dumm. Außerdem führten sie nur im Kreis.
Ich werde diesen Kerl schon noch auf Spur bringen. Und das hat er sich ganz allein selbst zuzuschreiben. Gefangene. Ich. Was für ein Blödsinn. Du kennst mich noch nicht, Arranges. Du glaubst, so überlegen und unbesiegbar zu sein – du bist nur maßlos, Sklave deiner eigenen Leidenschaften. Sie beherrschen dich, nicht umgekehrt. Demütige mich nur weiter, und ich sorge dafür, daß du dich ihnen stellen mußt, einer nach der anderen. Wir werden sehen, wer von uns beiden sich am Ende als stärker erweist.

Erynn legte beide Hände an ihre Nasenflügel und drückte leicht. Scheiße! So wird das nichts... Sie tupfte das neuerliche Rinnsal aus Blut mit einem schon arg durchgesifften Leinentuch ab und warf ihrem Spiegelbild einen letzten, wütenden Blick zu, dann folgte sie Dreveni. Sie entsann sich dunkel daran, daß diese unten eine Flasche Weinbrand auf den Tisch gestellt hatte. Im Moment genau das Richtige.
Die Elfin betrat die Treppe und sah auf Arranges und Dreveni, die sich wortlos anstarrten wie zwei mißtrauische Katzen. Sie nahm sich einen Augenblick Zeit, Arranges genauer zu mustern. Es war tatsächlich das erste Mal, daß sie ihn ohne Tunika sah. Eine seltsame Belustigung breitete sich in ihr aus. Aber ich bin knochig, ja? Du bist doch selbst nur ein halbes Hemd...

Andromeda
22.02.2011, 23:20
Von Erynn kam keine Antwort mehr, Dreveni würde vermutlich nie die ganze Wahrheit erfahren. Also ging sie die Treppe hinunter zum Wohnzimmer.

"Oh, bei...", aber so sehr Dreveni auch nachdachte, ihr fiel kein passender Daedrafürst für den Anblick ein, der sich ihr bot. So starrte sie Arranges nur entgeistert an, und bereute gerade das Angebot mit dem Gästezimmer. "Anziehen, sofort.", sagte sie schließlich nur kühl und ging zum Tisch. Ihr Plan war gewesen, sich auf den nächsten Stuhl zu setzen und sich dem Weinbrand zu widmen, leider stieß sie dabei mit ihrem Arm an den Tisch. Sie spürte die Enden des gebrochenen Knochen kurz knirschend übereinander reiben, widerstand gerade noch, mit der anderen Hand an ihren Arm zu langen, da blieb ihr auch schon vor Schmerz die Luft weg. Sie saß kurz schwer atmend mit geschlossenen Augen am Tisch, während sie hoffte, gnädigerweise einfach vom Stuhl zu kippen, und als der Schmerz doch langsam nachließ, fluchte sie leise auf Dunmeri. Daran, dass Erynn sie eventuell verstehen konnte, dachte sie gerade nicht. Wäre Mordan jetzt hier, wäre alles kein Problem. Er war zwar kein Heiler, aber Knochen richten bekam er schon hin. Ihr Blick blieb auf Erynn hängen. So ging es nicht weiter, sie würde noch öfter irgendwo anstoßen, bis sie bei einem Heiler war. Und geschient sollte das wesentlich weniger schmerzhaft werden. Vor dem Weg dahin graute ihr zwar, und fast noch mehr davor, die Dunmer um Hilfe zu bitten, aber sie tat es trotzdem: "Erynn... könntet ihr.. bitte?" Arranges ignorierte sie dabei so gut sie konnte.

Glannaragh
24.02.2011, 21:52
Erynn blickte überrascht auf. Dreveni traute ihr wirklich so sehr, um sie an ihre Verletzung zu lassen? Verdammt, Leute, ich bin doch kein Heiler... warum immer ich? „Ich... weiß nicht. Theoretisch weiß ich, wie das geht, aber ich habe so etwas noch nie selbst gemacht. Seid Ihr sicher?“

Ob sie sich sicher war? Nein. Aber viel schlimmer konnte es nicht mehr werden, oder? Arranges würde es vermutlich tierisch freuen, sie vor Schmerzen schreien zu hören, aber so rumjammern wollte sie nicht wie er, dachte sie mit einem kurzen Blick zu dem Magier. Beherrschte er eigentlich keine Heilmagie? Nachdem er seine Wunden nicht damit geschlossen hatte, vermutlich nicht.
"Ja, bin ich.", antwortete sie Erynn schließlich.

Sie nickte. "Also gut. Ich brauche ein paar Tücher und Stoffbinden von Euch." Ein bißchen mulmig war ihr schon zumute. "Arranges, bitte seid so gut, geht nach draußen und schneidet mir sechs fingerstarke Äste." Ich würde ja selber gehen, aber wenn ich die beiden jetzt alleine in einem Raum lasse, haben sie sich gegenseitig umgebracht, wenn ich zurückkomme...

Ja das glaub ich euch sofort, dass ihr noch keinen halbwegs kräftigen Magier ohne Robe gesehen habt... vermutlich habt ihr alle, die ihr je angetroffen habt, im Schlaf abgestochen, bevor ihr ihnen überhaupt einmal in die geöffneten Augen blicktet... Arranges starrte Dreveni noch einen Moment finster an, dann begann er damit, sich seine Kleidung und die Rüstung wieder anzulegen.
'Ich habe diese feige Meuchlerin nicht aus dem Obliviontor gezogen um sie jetzt auch noch aufzupäppeln...' Meinte er nur kühl auf die Bitte Erynns hin. Er war genau genommen schon wieder genesen, der Heiltrank würde die jetzt nur noch unbedeutende Wunde über Nacht schließen und bis in spätestens 2 Tagen würde man nur noch zwei kleine Punkte sehen können.

"Ach, jetzt kann der Herr wieder große Töne spucken. Aber weder Mann genug, sich einen Pfeil ohne dieses ganze gejammere aus dem Arm ziehen zu lassen, noch ehrlich genug, mich einfach von dem Xivilai erschlagen zu lassen oder jetzt wenigstens dazu zu stehen und konsequent zu bleiben.", sagte sie gefährlich leise zu Arranges. Langsam war sie mit ihren Nerven am Ende, und noch einen blöden Spruch von diesem selbstgerechten Kaiserlichen konnte sie jetzt wirklich nicht ertragen. "Tücher sind oben, Äste werde ich gerade noch selber finden.", sagte sie zu Erynn, wobei sie anstalten machte, aufzustehen.

Erynn schloß kurz die Augen und atmete tief durch. Es half nicht, um sie zu beruhigen. Das ist doch alles nicht wahr! Ein einziger Alptraum, diese zwei... "Schluß mit dem Theater, alle Beide!" fauchte sie. "Es reicht, Arranges. Endgültig. Raus mit Euch, oder ich trete Euren Arsch persönlich durch diese Tür!" Damit hast du den Bogen überspannt. Los, tu mir den Gefallen und zick noch ein bißchen weiter rum, du undankbares Stück. "Dreveni, holt mir einfach nur diese Tücher."

Arranges verschränkte provozierend die Arme vor der Brust und starrte abwechselnd Dreveni und Erynn an. Er zeigte sich deutlich unbeeindruckt von den Worten beider. Nach schier endlosen Sekunden schnaufte er verächtlich. 'Vielleicht habe ich die Gedanken des Xivilai missverstanden und er wollte mich von euch befreien...' Knurrte er, während er zur Tür stapfte und nach draussen verschwand.
Nach ein paar Minuten erschien Arranges wieder. In einer Hand 6 Äste, armlang, sauber geschnitten und so dick wie sein Daumen.

Gerade als Dreveni abgeschätzt hatte, wie schnell sie das Messer, dass noch auf dem Tisch lag, nehmen und auf Arranges werfen konnte, und zu dem Schluß kam, das sie wohl treffen würde bevor er reagiert hätte, stand er doch noch auf und ging nach draussen. Nicht ohne einem weiteren Spruch, für den ihm Dreveni nur noch Verachtung entgegenbringen konnte. Wenn du schon Gelegenheiten verstreichen lässt, lass es nachher nicht an anderen aus. Sie stand jetzt entgültig auf, ging nach oben und holte ein paar Leinentücher aus dem Schrank im Gästezimmer. Eines davon würde Erynn in Streifen reißen können, ihr fiel es schwer mit nur einer Hand. Als sie wieder nach unten kam, hatte Arranges schon die Äste von draußen gebracht. Etwas seltsam war ihr schon zumute, aber jetzt konnte sie wirklich keinen Rückzieher mehr machen.

Na bitte, es geht doch... Erynn rief sich kurz das Verfahren ins Gedächtnis zurück. Hoffentlich funktioniert das alles. Sie zog ihr Gebrauchsmesser und begann, eines der Tücher in schmale Streifen zu schneiden, dann drehte sie sich zu Dreveni und Arranges um.
"Es läuft folgendermaßen", sagte sie sicherer, als sie sich fühlte. "Dreveni, Ihr legt Euch auf den Rücken. Arranges, Ihr faßt ihren Arm am Ellenbogen und am Handgelenk und zieht ihn gerade nach oben. Ich selbst schiebe den Knochen wieder an seinen Platz. Wenn das geschehen ist, dürft Ihr nicht loslassen, bis die Verletzung geschient ist."

Wie?! Ich darf ihr tatsächlich ganz legitim Schmerzen zufügen, ohne, dass sie sich wehren kann... das gleicht die Stunden im Reich des Vergessens ja um Längen aus! Ein breites, aber fieses Grinsen huschte über Arranges Gesicht. Er blickte zu Dreveni und machte eine auffordernde Geste.

Übertreibe es ja nicht, Arranges, sonst wird meine erste Tat nachher sein, dir dahin zu treten, wo es richtig weh tut... Der Ärger über Arranges half ihr zumindest ein bisschen über die Panik hinweg, die sie langsam doch bekam. Sie hoffte, dass man ihr die Angst nicht ansehen konnte, und ging ein stück weg vom Tisch, wo sie sich auf den Boden setzte. Als sich Arranges neben sie kniete, legte sie sich auf den Rücken, was nicht ging, ohne wieder ihren Arm zu bewegen. Das kann ja lustig werden..., dachte sie sich nur noch verzweifelt.

Dreveni war bei der Erklärung ein wenig bleich um die Nase geworden, doch Erynn bewunderte sie ehrlich dafür, daß sie so ruhig blieb. Also, dann los. In zwei Minuten haben wir das Schlimmste schon hinter uns...
Sie hockte sich ebenfalls hin und fixierte mit einem Knie den Oberkörper der anderen Elfin, indem sie es auf deren Brust drückte. "Los jetzt, Beschwörer."

Wie einfach es doch mit einem Zauber wäre, sie ruhig zu stellen... Der Kaiserliche hatte nochmal nach der Magie gegriffen, aber sie war nur noch so dünn vorhanden, dass sie fast konsistenzlos, wie Rauch, durch seine Finger glitt und sich nicht formen ließ. Er kniete sich neben die Dunmer. Der leicht hinterhältige Ausdruck verschwand aus dem Gesicht des Nekromanten und machte Platz für eine jetzt hochkonzentrierte Miene. Er umfasste behutsam ihr Handgelenk und die Armbeuge, dann erst festigte er seinen Griff. Seine Hände waren wie Schraubstöcke, jedoch ohne dabei Blutgefäße oder Sehnen zu quetschen. Starr blickte er auf ihren Arm, während er ihn ein klein wenig aus der Schulter zog und ebenso gleichmäßig und vorsichtig anhob. Gerade, ohne zu zittern oder eine andere Bewegung, hielt er ihren Arm still, während sich Erynn daran machte, die Schiene anzulegen.

Dreveni hatte sich wirklich vorgenommen, sich zusammen zureißen, und sich zumindest nicht noch zu bewegen, aber das gelang ihr nicht mehr, sobald Arranges an ihrem Arm zog. Sofort schoss ein glühender Schmerz durch ihrem Arm, und sie wollte seiner Bewegung unbewusst folgen und sich aufsetzen, wurde aber von Erynns Knie daran gehindert. Sie hatte gedacht, schlimmer als da, wo der Arm gebrochen wurde, könnte es nicht kommen, aber sie hatte sich gründlich getäuscht. Als sie den gebrochenen Knochen wieder gerade schoben, schrie sie kurz auf, dann blieb ihr aber - zum Glück für Erynns Ohren - die Luft weg. In diesem Moment wünschte sie sich wirklich, einfach zu sterben. Dass Arranges dabei noch relativ behutsam zu Werke ging, bekam sie nicht einmal mit. Sie hoffte nur, dass Erynn sich beeilen würde.

Erynn kümmerte sich nicht um Drevenis Schreie, auch wenn sie im Stillen mit ihr litt. Es gab ein saftiges Knirschen, als sie entschlossen zugriff und den Knochen wieder an seinen Platz rückte. Ich hoffe, das wars jetzt. Sieht zumindest wieder gerade aus... Die Andere war mittlerweile ruhig geworden, schien genug damit zu tun zu haben, Luft zu holen.
Die Kriegerin tränkte eines der Tücher mit einem Heiltrank, wickelte es um Drevenis Arm und band es fest. Es folgte ein zweites Tuch, dann wies sie den Kaiserlichen an, den Ellenbogen loszulassen und befestigte mit seiner Hilfe die Äste als Stütze um den Arm herum. Es schien ihr ewig zu dauern, bis sie die letzte Bandage endlich verknotet hatte.
"Das sollte es gewesen sein. Legt jetzt langsam ihren Arm ab, Arranges."

Der Kaiserliche war völlig ausgefüllt von seiner Aufgabe. Als studiere er einen Zauber, konzentrierte er sich darauf, den Arm so wenig wie möglich zu bewegen, trotzdem aber schnell und effektiv mit Erynn die Schiene anzulegen.
Als würde Arranges die Meisterarbeit eines Schmiedegesellen in Form eines Schwerts vor sich auf den flachen Händen tragen, legte er Drevenis Arm auf dem Boden ab. Unverständlich nuschelte er irgendetwas in seine Bartstoppeln, dann half er der liegenden Dunmer erst in eine sitzende Position und stellte sie schließlich ganz auf. Sich in einen der Stühle am Tisch fallen lassend, griff Arranges nach der Weinbrandflasche, rückte sich ein Glas zurecht und funkelte feindselig den Korken im Flaschenhals an. Mit einem Auge schielte er nach den zwei Dunmer, dabei fiel sein Blick auf Erynns immernoch gebrochene Nase. Nochmals sah er den Korken mit einem vernichtenden Blick an, stellte die Flasche dann genervt ausatmend, etwas unsanft ab. 'Wenn wir schon dabei sind... dürfte ich mich bei euch revangieren, Erynn und euch die Nase wieder geradebiegen? ... So kann ich mich mit euch nicht sehen lassen.' Staubtrocken und ohne irgendeine Geste kamen die Worte über seine Lippen, während er die Flasche nochmals von der anfunkelte.

Als die beiden endlich fertig waren, hatte Dreveni auch entgültig genug. Jedes Vieh hätte man schon längst von seinem Leid erlöst. Dann meinte Arranges auch noch, ihr aufhelfen zu müssen. NIMM DEINE WIDERWÄRTIGEN GRIFFEL VON MIR!!, dachte sie sich, zum sprechen war sie zu fertig. Als er sie ganz aufgestellt hatte, wurde ihr auch noch schwarz vor Augen, zum Glück stand ein Stuhl in der Nähe, auf den sie sich fallen lies. Dort blieb sie sitzen, den Kopf in die rechte Hand gestützt, und ohne dass sie etwas tun konnte, liefen ihr Tränen über das Gesicht. Langsam lichtete sich die Schwärze wenigstens wieder, und so bekam sie noch mit, dass Arranges offenbar vorhatte, Erynns Nase noch zu richten. Bei seinem Kommentar wurde sie noch etwas klarer im Kopf. Du kannst es echt nicht lassen. Erynn, ein Wort und ich schaffe dir das Problem vom Hals. Die Schmerzen ließen langsam wegen des Heiltrankes auch nach. Sie schielte noch nach der Flasche in Arranges Hand, allerdings zitterte ihre Hand noch so sehr, dass sie nicht danach greifen wollte. Sie hatte sich schon genug erniedrigt für heute, dass mussten die beiden nicht auch noch sehen. Stattdessen wischte sie sich unauffällig die Tränen aus dem Gesicht.

Mit unendlicher Erleichterung beobachtete Erynn, wie Dreveni wieder auf die Füße kam. Sie fühlte sich so fertig, als sei sie gerade von der Kaiserstadt nach Chorrol gerannt, und zwar mit vollem Marschgepäck. Auf Arranges furztrockenen Kommentar hin konnte sie allerdings nicht anders, als laut aufzulachen - und gleich darauf zusammenzuzucken. "Au, verdammt! ...Charmant wie immer, Beschwörer, aber meinetwegen. Dann habe ich es wenigstens hinter mir."
Sie ließ sich ebenfalls auf einen Stuhl plumpsen. "Wenn das hinterher schlimmer aussieht als vorher, verpasse ich Euch eine!"

'Es wird garantiert besser aussehen als jetzt...' Der Kaiserliche erhob sich und ging zu Erynn hinüber. 'Hmm...' In der Tat hatte Arranges nie wirklich großartig jemand anderes außer sich selbst verarztet, er wusste, wie man das Nasenbein zurechtrücken musste, hatte es auch schon ein paarmal gemacht, aber das war wiederum schon eine ganze Weile her. Arranges hob ihren Kopf an, damit er senkrecht auf die Nase blicken konnte. Vorsichtig legte er seine Hände auf ihre Wangen und umfasste den Kopf so, dass er ihn fixieren konnte, während er die Daumen frei behielt und jetzt leicht links und rechts an die Nase anlegte. Erynn zuckte und zitterte unter seinen Bewegungen, die er so vorsichtig wie irgend möglich ausführte. 'Nicht erschrecken...!' Ein leises Knirschen war zu hören, als Arranges das gebrochene Nasenbein mit den Daumen wieder in eine gerade Position drückte. Er nahm seine Hände zurück und betrachtete die Dunmer, wie ein Künstler sein eben vollendetes Werk... 'Euer Antlitz gleicht nun mehr noch als zuvor, der aufgehenden Sonne...' Meinte er ungerührt und setzte sich wieder auf seinen Stuhl. Ohne zu warten griff er nach der Flasche. Korken sollten verboten werden... Schnell hatte Arranges sein Messer gezogen, keilte es zwischen dem Verschluss und dem Flaschenhals ein. Einen Augenblick später zog er zufrieden den gelockerten Korken und schenkte sich ein. 'Äh...' Mit der offenen Flasche in der Hand blickte er fragend zu Dreveni und Erynn...

Leicht schockiert hatte Dreveni Erynns reaktion beobachtet. Sie hatte ja schon eine Menge seltsamer Leute gesehen, aber die beiden übertrafen alles. Als Arranges Erynns Nase richtete, wäre es Dreveni fast schlecht geworden, weniger weil sie den Anblick nicht vertragen hätte, sondern weil sie sich immer noch reichlich schwach fühlte und dieses Geräusch nur zu gut kannte. Als sie fertig waren, setzte sich Arranges an den Tisch, öffnete die Flasche und schenkte sich selbst ganz ungeniert zuerst ein. Mach nur so weiter, du fliegst noch hochkannt raus. Auf seinen Blick hin schob sie ihm ein Glas zu. Sie wusste zwar nicht, was passierte, wenn sie jetzt noch Alkohol trank, aber es war ihr auch ziemlich egal. An Erynn gewandt brachte sie sogar ein leises "Danke" heraus. Auch wenn sie langsam zu der Überzeugung gelangte, dass diese ebenfalls einen leichten Schlag haben musste, wenn sie freiwillig bei diesem irren Magier blieb. Wie zum Henker konnte sie diesem Menschen verpflichtet sein?

Ich werde nicht schreien. Ich werde auf keinen Fall... Als der Knochen in seine angestammte Position rutschte, wehrte sie sich heftig gegen den Griff um ihren Kopf und fauchte wie ein Flederschatten.
"Ihr seid und bleibt ein Ekel, Arranges. Trotzdem danke. Und ja, ich nehme einen Schluck", sagte sie auf seinen dummen Spruch hin. Erynn blinzelte ein paar Tränen aus den Augen und wartete darauf, daß das scheußliche Pochen in ihrem Gesicht nachließ. Wenigstens ist das ganze Gehampel mit der Wundversorgung jetzt durch. Man könnte meinen, ich hätte meinen Beruf verfehlt...

weuze
24.02.2011, 22:28
Zu dritt war die eher kleinere Flasche recht schnell leer. Im Grunde hing jeder seinen eigenen Gedanken nach, sie redeten nicht wirklich, was aber nicht etwa daran lag, dass ihnen erst nicht zum Reden war oder sie nicht wussten über was sie miteinander sprechen sollten, sondern vielmehr daran, dass Erynn sichtlich erschöpft war, Dreveni versuchte den immernoch unangenehm pochenden Schmerz im Arm zu verdrängen und Arranges die Stille einfach genoß. Dreveni erhob sich, als sie den letzten Schluck aus ihrem Glas genommen hatte und ließ die Kriegerin und den Magier wissen, dass sie sich hinlegen und versuchen würde, Schlaf zu finden. Kurz darauf Ging auch Erynn, Arranges hatte ihr das Gästezimmer überlassen, er selbst würde im Wohnzimmer bleiben und dort schlafen.

Was zur Hölle?! Arranges schreckte aus seinem Schlaf hoch und das so heftig, dass er fast mit dem Stuhl, in dem er geschlafen hatte, nach hinten gekippt wäre. Sich in die Tischkante krallend hielt er sich fest und zog sich wieder nach vorn. Aufmerksam horchte er, irgendetwas hatte ihn geweckt. Ein lautes Geräusch, da? Da war es wieder. Das panische Wiehren eines Pferds. Was ist denn da los?! Der Kaiserliche rieb sich den Schlaf vertreibend einmal mit dem Arm über die Augen und versuchte sich ein wenig zu orientieren. Er blickte durch das Fenster, welches Einsicht auf den Hof vor dem Haus gewährte. Der Himmel war noch dunkel, aber die Demmerung hatte bereits begonnen. Der Nekromant erkannte eine Gestalt im Hof. Seltsam... Bei näherer Betrachtung konnte er die teilweise sehr bund durcheinander gewürfelte Rüstung erkennen, die aus Leder oder leichter Kette bestand. Ein breit gebauter, Hüne, wahrscheinlich Ork oder Nord, das konnte Arranges bei dem spärlichen Licht kaum sagen. Eine Axt konnte er noch erkennen. Drevenis Freund? Der Mann stand vor der offenen Stalltür und hantierte mit den Händen im Verborgenen. Was tut er da... Der Dieb ging jetzt rückwärts, aber nicht, wie man normal rückwärts läuft. Es sah eher aus, als würde er etwas ziehen, das sehr schwer war. Arranges schlaftrunkenes Gehirn wollte ihm hierfür zunächst keine ordentliche Erkenntnis liefern. Erst, als wieder das Wiehren ertönte, das ihn zuvor geweckt hatte, verstand er. Diebe! Sie nutzen das Chaos aus, das heute Nacht unweigerlich ausgebrochen sein musste, als die Wachen erkannten, dass das Tor weg war und die Flüchtlinge plündernd die Gassen der Stadt fluteten... Der Recke riss noch zweimal kräftig an dem Strick, den er in den Fäusten hielt und lehnte sich noch dagegen. Ein ersticktes Wiehern war wieder zu hören. Arranges sah das dunkle, rotbraune Fell eines Fuchses und erstarrte. Wie gebannt blickte er auf die Szene, in der der Räuber sein Pferd grob aus der Schäune zerrte. Wie vom Schlag getroffen, war der Kaiserliche plötzlich hellwach. Er fletschte die Zähne wie ein Raubtier. Hektisch wühlte er in seinen Sachen, zog seinen Gürtel unter dem Umhang hervor und riss ein kleines, verkorktes Reagensgläschen aus einem der Beutelchen. Eine silber schimmernde Flüssigkeit befand sich darin. Meinen Rotfuchs überhaupt mit dem Gedanken daran, ihn klauen zu wollen, auch nur anzusehen, wirst du bitter bereuhen! Mit dem Gläschen in der Faust, bekleidet nur mit Arm- und Beinschienen, Kniehose und Hemd, trat er wütend aber entschlossen vor das Haus. Während er noch nach draussen ging, hörte er es im oberen Stockwerk rumoren, Erynn und Dreveni mussten ebenfalls von dem Lärm erwacht sein.

'Loslassen, SOFORT!' Der Wegelagerer zuckte zusammen, als Arranges, kaum, dass er den Hof betreten hatte, wütend seine Stimme erhob. Doch der Räuber war wohl schon einiges von seinen Opfern gewohnt und so schwie er ihn für einen Moment nur an. Dann grinste der Gesetzlose nur und fragte eher gelassen: 'Sonst was?'
'Sonst zertrete ich dich wie eine fette Made unter meinem Stiefel!' Erwiderte Arranges jetzt ebenfalls ruhig, aber drohend. Daraufhin brache der fremde in lautes Gelächter aus. Mal sehen wie lange du noch lachst... Blitzschnell hatte Arranges das Fläschchen geöffnet und kippte sich die zwei Schlücke in den Rachen. Reine Magie schien statt Blut durch seine Adern zu schießen, die Härchen im Nacken des Kaiserlichen richteten sich auf und seine Hände zitterten leicht. Der Trank war von Falanu hergestellt worden und erhöte für kurze Dauer die magischen Kapazitäten des Anwenders - einziger Nachteil war, dass man hinterher komplett erschöpft war.

'Du hattest die Wahl...' Sagte Arranges laut. Das Gelächter verstummte. Waffen wurden gezogen, aber ehe der Pferdedieb seine tatsächlich benutzen konnte, begann Rauch aus Mund und Nase zu quellen. Glühende Maserungen zeichneten sie plötzlich auf seinem Gesicht ab. Der Gauner riss den Mund auf zu einem stummen Schrei, dann ließ er seine Axt fallen und griff sich an die Kehle. Er verglühte bei lebendigem Leib und nur wenige Sekunden später war nur mehr ein Haufen verbrannten Fleisches und Knochen übrig. Arranges trat langsam auf den total verstörten Fuchs zu und streckte ihm langsam die Hand hin. Zögernd kam das Tier näher, sog den Geruch des Magiers in seine Nüstern ein. Freudig stellte es die Ohren auf und legte seinen Kopf an die Schulter des Magiers, während dieser ihn ebenfalls erleichteret und behutsam umfasst oder vielmehr irgendwie zu umarmen schien. 'Alles ist gut... nichts passiert...' Flüsterte er, während er einen Schritt zurücktrat und sein Pferd musterte.

Arranges wandte sich um und wollte wieder ins Haus gehen, da standen auch schon die beiden Dunmer im Türrahmen und blickten ihn fragend an. Abwinkend schob sich Arranges an ihnen vorbei. Wenig später saßen er und Erynn auf. Eine kurze Verabschiedung und die beiden machten sich wieder auf den Weg... Aber wohin? Zum nächsten Obliviontor... das heißt, wir müssen uns durchfragen... aber zuerst...

'Wir müssen ersteinmal zu einem Schmied... trotz der Unruhe versuchen wir es wohl am besten gleich hier in der Stadt...'

Glannaragh
25.02.2011, 15:00
Sie konnte zunächst nicht genau sagen, was sie geweckt hatte. Erynn schlug die Augen auf und horchte in die Dunkelheit. Dann wurde es ihr klar: Die Pferde! Sie wieherten und stampften unruhig draußen vor dem Haus. Die Elfin erhob sich leise und griff nach dem Schwertgurt. Ihre Rüstung hatte sie gestern nacht nicht mehr abgelegt, war, erschöpft wie sie war, einfach auf das Lager gefallen und sofort eingeschlafen. Leise schob sie die Tür auf, orientierte sich kurz und ging dann die Treppe herunter. Als sie vor dem Haus wütende Stimmen hörte, begann sie zu laufen. Dreveni war ebenfalls wach geworden und in voller Alarmbereitschaft. Fast gleichzeitig erreichten sie die Haustür.
Der Anblick, der sich ihnen darbot, war eindeutig. Arranges und ein grobschlächtiger Kerl standen sich mit gezogenen Waffen gegenüber, unweit davon, nervös tänzelnd und die Augen so sehr verdreht, daß man das Weiße darin sehen konnte, der Fuchs.
Eine schlechtere Wahl, als das Pferd des Beschwörers zu stehlen, hättest du kaum treffen können, Idiot. Sie langte nach ihrem Schwert, als der Kaiserliche mit der linken Hand eine seltsame Bewegung vollführte, als griffe er nach etwas und ließe es dann plötzlich wieder los.

Gebannt und gleichzeitig entsetzt beobachtete Erynn, wie der Bandit auf die Knie fiel, als er von innen heraus verbrannte. Es war unzweifelhaft eine grausige Szene, doch die Kriegerin konnte den Blick nicht abwenden. Auf eine ungesunde Art und Weise war sie fasziniert.
Als der verkohlte Leichnam zur Seite kippte, überwand sie ihre Starre.

Kurze Zeit später brachen sie auf. Erynn reichte Dreveni zum Abschied die Hand. „Ihr solltet auf jeden Fall noch einen Magier aufsuchen, sonst beschert Euch die Verletzung eine Zwangspause von mindestens sieben Wochen. Gebt auf Euch acht, Dreveni“, sagte sie noch, bevor sie aufsaß.
Sie erreichten Cheydinhal, als sich die Sonne gerade zur Gänze über den Horizont geschoben hatte. Die Stadttore waren nach wie vor verschlossen, aber nach einigem Hin und Her ließ man sie ein. Es herrschte hektische Betriebsamkeit. Leute entfernten Bretter und Kisten, mit denen sie ihre Häuser verrammelt hatten, andere schoben Barrikaden in den Straßen zur Seite. In der Nähe stritten sich zwei Stadtbewohner darum, wem ein bestimmtes Möbelstück gehörte, das als Hindernis für die befürchteten Eindringlinge auf den Gehweg geworfen worden war. Die Angehörigen der Stadtwache schienen überall gleichzeitig zu sein, um Plünderungen und Schlägereien zu verhindern, in denen sich die Anspannung der letzten Stunden zu entladen drohte.
Erynn schüttelte verständnislos den Kopf. War das wirklich Cheydinhal, ihre Heimat, in der sich die Leute jetzt fast gegenseitig an die Gurgel gingen, anstatt sich gemeinsam darüber zu freuen, daß die Bedrohung abgewendet worden war? Es heißt, die Gefahr bringt das Beste in Mensch und Mer zum Vorschein, und das Schlechteste. Ich wünschte nur, die Gewichtung wäre anders... Sie bemerkte, wie sich Verachtung für die Streithähne in ihr ausbreitete und wandte den Blick zu Arranges. „Das Ganze ist ja zum Kotzen! Laßt uns zusehen, daß wir schnell einen Schmied auftreiben, bevor wir noch in eine Keilerei oder ähnliches hineingezogen werden, und dann nichts wie weg hier.“

Drevenis Geschichte wird mit diesem Post (http://www.multimediaxis.de/threads/104961-Rollenspielthread-3-%28Signatur-aus%29?p=2748098&viewfull=1#post2748098) im Rollenspielthread fortgesetzt.

weuze
25.02.2011, 16:03
Die Bevölkerung der Stadt war in heller Aufruhr. Überall herrschte Tumult, die Stadtwache war bemüht, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Die werden sich auch die Situation vor der Schließung des Tors zurückwünschen, als ihre Autorität noch geachtet wurde und keiner sie anpöbelte und sich einen Dreck darum scherte, was die Wache darauf zu mahnen hatte... Auf Erynns Frage hin nickte er nur.

Mit den Ellenbogen bahnten sie sich ihren Weg vorwärts, bis sie vor sich endlich das Aushängeschild des Schmieds sehen konnten. Doch das Haus war noch komplett abgeschottet und weit und breit war keiner zu sehen, der sich irgendwie damit beschäftigte, die Bretter von Fenstern und Tür zu nehmen. Da sie beide nicht wussten, wer der Schmied war und sie ihn in der rangelnden Menge sehr wahrscheinlich sowieso nicht finden hätten können, fragten Erynn kurzerhand eine sehr alte Dunmer, die weniger feindselig dreinblickend vorüberging. Als die alte Frau aufblickte, erstarrte Arranges. Das... nein, das kann nicht sein...
'Entschuldigt, aber könnt ihr uns vielleicht sagen, wo wir den Schmied finden können?' Fragte Erynn.
'Der? Hmm... ich habe ihn zuvor am Osttor mit der Wache heftig streiten sehen... ich komme selbst gerade von da, es ist noch nicht lange her, er dürfte also noch dort sein...' Antwortete die Dunkelelfe. 'Vielen Dank.' Meinte Erynn. Arranges konnte nichts sagen, stattdessen fing er sich einen kurzen, aber seltsamen Blick der anderen Dunkelelfe ein. Ob sie mich wohl erkannt hat? Die Frage erübrigte sich, denn schon hatte sich die Dunmer abgewandt und ging weiter. Im Kopf des Kaiserlichen schwirrten unzählige Gedanken durcheinander... Sie hat mich nicht wiedererkannt... sie hat mich vergessen, einfach so... oder verdrängt... ja, ich denke eher Letzteres... unzweifelhaft war sie im Keller... Der Kaiserliche war total verstört und plötzlich auch verunsichert, alles geriet stark ins wanken...

Ein leichter Rempler von Erynns Ellenbogen erinnerte ihn wieder daran, was er hier eigentlich wollte. Sie gingen weiter, aber Arranges wirkte irgendwie abwesend, mit leeren Augen vor sich hinstarrend, tappte er neben seiner Begleiterin her. Ich muss mich zusammenreissen, ich habe nichts getan, wofür ich Selbstkritik üben müsste, alles war richtig! Sie waren auf halber Strecke zum zweiten Tor, als der Kaiserliche plötzlich einfach stehen blieb und den Blick zur Seite wandte. Die Fachwerkfassade eines Hauses im typischen Stil der Stadt, mit hohem Dach und ausladendem Erker auf einer Seite, ragte neben ihnen am Rand der Straße auf. Es steht noch... Das Haus war insgesamt in einem tadellosen Zustand und nicht etwas verfallen, wie Arranges fast erwartet hatte. Den nächsten Bürger, der an ihnen vorbeihetzte, packte er am Arm und riss ihn zu sich herum. 'He! Was soll das?!'
'Das Haus da, wer wohnt dort?' Fragte Arranges nur arg ungehalten. 'Weiss ich doch nicht... seid ihr verrückt Kaiserlicher, ihr brecht mir fast den Arm...'
'WER wohnt dort?' Wiederholte der Nekromant seine Frage harsch und laut.
'Ich sagte, ich weiss es nicht! Vor 10 Jahren wurde das Haus einer Nordfamilie zugeschrieben, nachdem es einige Zeit leergestanden hatte... verdammt, lasst endlich los oder ich rufe die Wachen!' Arranges ließ den Fremden los und drehte sich wieder zu dem Haus um. Es stand niemals leer...! Zorn stieg in ihm auf.

'Arranges, seid ihr völlig wahnsinnig?! Ihr könnt...'
'Haltet den Rand!' Herrschte er Erynn an. Dann drehte er sich auf dem Absatz um und hielt im Laufschritt auf die Kapelle der Stadt zu ohne weitere Rücksicht auf die Dunmer. Am Friedhof neben dem Gotteshaus angekommen, stoppte er. Hektisch sah er sich um, aber die einzelnen Grabsteine unterschieden sich kaum. Arranges lief durch die Reihen, ließ seinen Blick über jedes Grab gleiten. Sie wurden nicht hier bestattet... sie wurden nicht hier bestattet... sie wurden... Ruckartig blieb er vor einem Grabstein stehen, ohne den Blick davon abzuwenden, drehte er sich zu dem Grabmal und verharrte regungslos davor, wie zur Salzsäule erstarrt. 'Hier liegen Orondier und Andalra Moryn...' Nuschelte er leise vor sich hin.

Er konnte nicht mehr an sich halten, Erinnerungen an seine Eltern und seine Kindheit übermannten ihn und zerquetschten den Teil ihn ihm förmlich, welcher sie am liebsten über die Jahre hinweg vergessen hätte. Allein stand er auf dem von der allgemeinen Aufregung und der Bürgerflut verschonten Friedhof und blickte ausdruckslos auf das Grab zu seinen Füßen. Eine einzelne Träne lief ihm langsam über die Wange und ließ das sonst so harte und ernste Gesicht plötzlich hilflos und unendlich traurig wirken...

Glannaragh
25.02.2011, 19:44
Sie machten sich gerade zu dem Osttor der Stadt auf, als Erynn bemerkte, daß mit dem Beschwörer etwas nicht stimmte. Sie erkannte die feinen Anzeichen mittlerweile sehr genau und beschleunigte ihre Schritte, bis sie schon fast die Hälfte der Strecke zum Tor zurückgelegt hatten. Als wäre er gegen eine Wand gerannt, blieb Arranges plötzlich stehen. Erynn wandte sich um und sah, wie er einen Bürger gepackt hielt und mit harter Stimme auf ihn einredete. Nachdem er erfahren hatte, was er wissen wollte, machte der Kaiserliche auf dem Absatz kehrt und stürmte davon. Verdammt, verdammt, verdammt! fluchte sie still vor sich hin. Es mußte sein Elternhaus gewesen sein, kam es ihr in den Sinn. Sie erinnerte sich dunkel an einen Vorfall, den es in der Straße gegeben hatte, irgendein Unfall... Ein Feuer war es. Das Ehepaar kam damals um, allein ihr Sohn überlebte – oh, scheiße! Sie begann zu laufen, schlängelte sich durch die Menschenmassen und schloß letztendlich zu Arranges auf. Ihre Schritte führten sie zum Friedhof, wo er schließlich vor einem noch nicht sehr alt aussehenden Grab stehen blieb. Er zitterte am ganzen Leib.

Erynn hielt sich im Hintergrund, beschränkte sich zunächst darauf, das Geschehen zu beobachten. Der Name ‚Moryn’ war auf dem Grabstein zu lesen. Mitglieder der Gathering hatten diesen Namen schon erwähnt, aber erst jetzt brachte sie ihn mit den Geschehnissen vor vielen Jahren zusammen. Sie hätte Arranges wohl auch nicht erkannt, wenn sie zuvor schon gewußt hätte, wer er war. Die harten Züge, welche bei ihm jetzt um Augen und Mundwinkel lagen, ließen das nicht zu. Vielleicht hatte es Ansätze davon schon früher gegeben, aber das wußte sie nicht mehr, denn sie hatte ihn zu der Zeit nicht gekannt. Nur, daß es ihn gab, diesen Waisenjungen, dem jeder mitleidige Blicke hinterherwarf...
Zögernd trat sie einen Schritt näher, hin und hergerissen zwischen dem Wunsch ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter zu legen und dem Gefühl, daß sie diesen traurigen Moment besser nicht stören sollte.

Die Moryns waren in aller Stille bestattet worden, noch vor dem Morgengrauen und ohne großes Gewese. Wenige Tage nach dem Unglück war das Grab einfach da, und angesichts der Umstände erschien es niemandem seltsam, daß auf eine große Trauerfeier verzichtet wurde. Einige Jahre später aber hatte es hinter vorgehaltener Hand Gerede gegeben. Es hieß, das Grab sei geöffnet worden, mitten in der Nacht. Gerüchte von götterlästerlichen Dieben und Nekromanten schossen wild ins Kraut. Sie hatte nicht viel darauf gegeben, die Leute tratschten sowieso immer und ständig, und Erynn war zu der Zeit gerade in einer rebellischen Phase gewesen, in der sie den Klatsch der Waschweiber und alten Männer mit einer Herablassung quittierte, wie nur Halbstarke es vermochten. Außerdem sah es am folgenden Tag nicht zerwühlt aus, sondern war so gepflegt wie immer. Auch die ältere Dunmerin, die sich darum kümmerte, wies das Gerede weit von sich und behauptete steif und fest, daß bloß einige Dinge aufgetaucht wären, die als Beigabe ebenfalls hätten verscharrt werden müssen.

Aber was, wenn das überhaupt nicht stimmt? Warum hätte man das zu nachtschlafender Zeit tun sollen? Das ist doch Unfug. Ein heißer Stich fuhr ihr und die Brust und machte ihr das Herz schwer, als ihr Blick auf Arranges’ Gesicht fiel. So wie jetzt hatte sie ihn noch niemals gesehen, und es erschreckte sie mehr als seine gelegentlichen Tobsuchtsanfälle. Der Beschwörer wirkte, als würden jeden Augenblick die Knie unter ihm nachgeben oder er, was hier mitten in der Stadt weit schlimmer wäre, einfach ausrasten - so, wie er es immer tat, wenn jemand oder etwas diese unsichtbare Wunde berührte, die in seiner Seele schwärte. Erynn war sich sicher, sich gerade gefährlich dicht am Zentrum dieses Geheimnisses zu befinden. Sie mußte handeln, bevor die Situation unkontrollierbar wurde.

Stumm trat sie von hinten an den Kaiserlichen heran und legte ihre Arme fest um seinen Leib. Mit einem Mal war sie sehr dankbar für ihren sehnigen Körper, würde sie ihn mit dessen Kraft doch unter Kontrolle halten können, welche Reaktion von ihm auch immer als Nächstes folgen würde...

weuze
26.02.2011, 01:31
Arranges hatte nicht bemerkt, wie Erynn von hinten an ihn herantrat, er war völlig ausgefüllt von seinen Gedanken. Das helle Lachen seiner Mutter, die ruhige Erzählstimme seines Vaters... 13 Jahre voller Freude, voller Leben, ohne Sorgen, ohne Ängste... Und innerhalb einer Sekunde wurde alles zerstört. Missbildend wucherte daraus ein neues Leben für den Jungen. Die Wichtigkeit, perfekt zu sein, erstickte alles, was Freude, was Schönheit und was Lebenslust betraf, wurde im Keim erstickt und zurück blieb ein nach außen hin kalter Klotz, mit makellosen Kanten und ebenen Flächen...

Hände legten sich von hinten um ihn und behinderten ihn in seiner Bewegung. Sofort erstarben seine Gedanken. Das Machtgefühl kehrte zurück und beschied ihm, ihr nicht diesen Triumph, diesen Blick in seine Vergangenheit zu gewähren. Seine Muskeln spannten sich, aber Erynn hatte auch seine Arme in ihrem Klammergriff miteingeschlossen und so konnte er kaum etwas tun. Er wersuchte sich irgendwie frei zu winden, mit Wutlauten warf er sich von einer Seite auf die andere und versuchte sie abzuschütteln, doch es gelang ihm nicht und schon nach wenigen Augenblicken seines Ausbruchs zerbröselte die Fassade seines göttlichen Denkens, nachdem er auch nicht auf seine Magie zurückgreifen konnte...

Seine Muskeln erschlafften und die Knie wurden ihm weich, aber noch stand er, immernoch von der Dunmer umklammert. Wieder blickte er auf das Grab. Jetzt war der Halt entgültig weg. Tränen begannen ihm über die Wangen zu laufen. Sein Schluchzen noch immer krampfhaft unterdrückend, stand er einfach nur da, wehrte sich nicht mehr gegen Erynn und schaute auf den Grabstein...

Glannaragh
26.02.2011, 02:21
Es geschah, was sie erwartet hatte. Erynn spannte die Muskeln an und hielt den Beschwörer unerbittlich fest. Körperlich mochten sie etwa gleich stark sein, doch sie war im Vorteil. Die Kriegerin verlagerte ihr Gewicht um einen Fuß in Arranges’ Kniekehle zu treiben und ihn damit niederzuringen, als er seinen Widerstand aufgab. Er wurde still, sehr still, doch sie spürte das krampfende Zucken in seiner Brust, während er um Fassung rang. Für einen Moment glaubte sie, er würde stürzen, und festigte ihren Griff noch einmal. Eine ganze Weile standen sie schweigend vor dem Grabstein, bis Erynn einigermaßen sicher war, daß er seinem Schmerz jetzt nicht mehr durch einen Wutausbruch Luft verschaffen würde.
„Ich lasse Euch jetzt los“, murmelte sie. „Nehmt Euch alle Zeit, die Ihr braucht.“ Langsam löste sie ihren Klammergriff und trat ein paar Schritte zurück, dann lehnte sie sich an einen Grabstein, der vielleicht drei Meter entfernt von Arranges stand. Sie wandte ihm dabei den Rücken zu, lauschte jedoch weiterhin aufmerksam auf jede seiner Bewegungen.
Was bei Vaerminas ungezählten Schrecken passiert hier? Du hast nichts von dem verarbeitet, was an jenem Tag geschah, nicht wahr? Hast deine verwundete Seele in den tiefsten Kerker geworfen den du finden konntest und eine Mauer aus Wut und Verachtung darum hochgezogen und dir vorgemacht, der kleine Junge von damals wäre mit seinen Eltern verbrannt. Ist er nicht, Arranges... und auch deine Seele ist noch da. Geschunden und vergraben vielleicht, aber nicht tot. Und du fürchtest dich vor dem, was du sehen wirst, wenn sie sich eines Tages wieder ans Licht kämpft...

weuze
26.02.2011, 02:51
Der Kaiserliche nahm nicht zur Kenntnis, was Erynn sagte. Er spürte lediglich, dass sie ihn losließ und war ihr stumm dafür dankbar. Lautlos ließ er die Tränen zu, bis sie nach einer ganzen Weile versiegt waren. Reiss dich zusammen! Du hast damals nichts Falsches getan...! Mit dem Handrücken wischte er sich über die geröteten Augen. Er straffte sich wieder und seine Miene wurde wieder kalt, hart und abweisend. Er verbarg seine noch immer zitternden Hände unter seinem Umhang, den er jetzt vor der Brust zusammenzog. Dann wandte sich der Nekromant ab. 'Wir brechen auf... der Schmied hier wird uns bei diesem Chaos sowieso nicht helfen können...' Sagte er monoton, während er an Erynn vorbeiging, ohne sie eines Blickes zu würdigen.

Bei den Stallungen angekommen, saßen sie auf und schlugen die Richtung zur Kaiserstadt ein. Die Sonne stand im Zenit am blauen Himmel, als sie die Ringstraße erreichten und ein wenig abseits der Straße rasteten. Wenn alles nach Plan verläuft, sind wir morgen schon in der Kaiserstadt und haben mit etwas Glück bald schon den nächsten Anlaufpunkt für das zweite Tor...

Glannaragh
26.02.2011, 04:28
Gut, dann brechen wir also auf, antwortete sie im Stillen und tappte hinter Arranges her auf das Westtor zu. War offensichtlich ohnehin eine Scheißidee, hierher zu kommen.
Der Beschwörer würde erstmal eine ganze Weile nichts mehr sagen, und sie würde nicht fragen. Noch nicht. Später irgendwann, wenn sie Cheydinhal weit hinter sich gelassen hätten. Die Kälte war in seine Augen zurückgekehrt, aber allein die Tatsache, daß er sie weder beleidigt noch bedroht hatte war ein hinreichender Beweis dafür, wie dreckig es ihm ging.
Einen Herzschlag lang wunderte sie sich über sich selbst, daß sie seine Macken mittlerweile mit einer solchen Seelenruhe ertrug. Tja, wir wachsen scheinbar alle an unseren Aufgaben...
Der Torwächter erkannte sie und reagierte etwas ungehalten, als Erynn ihn bat, die Pforte zu öffnen. Dies sei schließlich eine Stadt, in der gerade der Belagerungszustand aufgehoben worden war und man brauche keine Schaulustigen, die sich nicht nützlich machten. Wenn du wüßtest, du kleiner Platzanweiser, grollte Erynn in Gedanken. „Seid unbesorgt. Wir kommen nicht wieder“, antwortete sie stattdessen.
Bei den Ställen nahm sie sich ein wenig Zeit, Falchions Schopf zu kraulen, bevor sie den Sattel auf seinen Rücken wuchtete. Arranges finsterer Blick gab einen Hinweis auf seine Ungeduld, doch sie hatte das treue Tier in letzter Zeit viel zu sehr vernachlässigt, befand sie. Bald waren sie wieder unterwegs und ritten im flotten Trab auf der Blauen Straße in Richtung Westen. Erynn war froh, in Cheydinhal nicht ihren Eltern begegnet zu sein, denn sie hatte wirklich keine Lust gehabt, ihnen irgendeine wilde Geschichte vorflunkern zu müssen, weshalb es sie in die Stadt verschlagen hatte. In letzter Zeit hatte sie viele Prinzipien über den Haufen geworfen, unter anderem das, sich von Nekromanten fernzuhalten, aber es gab Grenzen.

Auf ihrem Weg kamen ihnen vereinzelt Leute entgegen, die in die Stadt zurückkehrten. Scheinbar hatte sich bereits in einigem Umkreis herumgesprochen, daß das Obliviontor verschwunden sei. Erynn hoffte, daß Dreveni den Mund halten und ihre Beteiligung daran verschweigen würde. Sie hatte kein Verlangen danach, sich irgendwann auch eine Erklärung für ihre Beweggründe zu dieser Tat ausdenken zu müssen. Irgendwann wird es schwierig, all die Lügen stimmig zu halten. Andererseits machte sie sich deswegen keine großen Sorgen. Sie schätzte die Meuchlerin schon ihres Berufs wegen nicht als jemanden ein, der tratschte.
Gegen Mittag erreichten sie die Ringstraße und rasteten bei der alten Feste Urasek. Noch immer schweigend teilten sie etwas von den Reiserationen, dann folgten sie der Ringstraße weiter nach Norden. Die Elfin hoffte darauf, daß sie für die Nacht nicht in einer der Tavernen am Wegesrand absteigen würden, erstens könnte sie Arranges dann fragen, ob er ihr nicht einen einfachen Zauber beibringen könnte und zweitens war sie noch immer viel zu pleite, um sich auch nur ein schäbiges Zimmer leisten zu können. Beim Gedanken daran, daß der Kaiserliche ihr die Septime dafür auslegen müßte, packte sie das kalte Grausen. Und ich muß dem Kerl endlich beibiegen, wie man richtig schleicht. Beim nächsten Tor werden wir wohl kaum in den Luxus eines dritten Schwertarmes gelangen, und bei seinem Getrampel könnte er auch gleich eine Fanfare blasen, sobald wir die Totenlande betreten haben... Ohne Dreveni wären wir längst Teil der Turmdekoration. Wir werden es uns kaum leisten können, den Vorteil der Heimlichkeit ein weiteres Mal einfach so zu verspielen.

weuze
26.02.2011, 12:31
Die Straße führte zunehmend in einem Bogen nach Westen. Der Weißgoldturm wandte sich zu ihrer Linken. Die Sonne senkte sich zum Horizont und als die beiden Reisenden die Weggabelung bei Sercen erreicht hatten, wo die Straße nach Norden abzweigte, wurde es bereits dunkel. Hmm... nein, wir machen hier Rast, ich habe wenig Lust, unter die Leute zu gehen... und schon gar nicht in einer Schenke wie in Bockbierquell... Sie ritten noch ein wenig weiter, so dass sie die Ruinen von Sercen noch zwischen den Bäumen hinter sich sehen konnten, dann beschied Arranges Erynn mit ein paar knappen Worten, dass sie heute wohl unterm Sternenzelt rasten würden. Er versuchte gar nicht daraus irgendwie eine unschuldige Aussage zu machen, es hörte sich ganz so an, wie das, was er dachte: Er hatte schlicht keine Lust auf andere Menschen um sich.

Sie gingen von der Straße runter und schlugen zwischen den Bäumen nördlich ihr Lager auf. Der Himmel war klar und Arranges entschied sich, keinen Wetterschutz zu errichten. Kurze Zeit später saßen sie im schnell abnehmenden Tageslicht am Feuer. Arranges verzichtete darauf etwas zu essen. Er starrte abwesend, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, in den Himmel und beobachtete, wie langsam und scheu die ersten Sterne an Firmament erschienen...

Glannaragh
26.02.2011, 18:49
Nachdem sie abgesattelt und ein kleines Feuer in Gang hatten, entschied Erynn, daß der Beschwörer so langsam genug vor sich hingebrütet hatte. Sie würde ihn zunächst mit Fragen über Cheydinhal in Ruhe lassen, er würde vermutlch ohnehin nichts preisgeben. Aber es war Zeit, daß er auf andere Gedanken kam.
„Arranges?“ fragte sie. „Wie wäre es, wenn Ihr mir jetzt etwas über Magie erklärt?“ Sie überlegte kurz, dachte an die Stunden im Obliviontor und daran, wie lebendig sie sich dort gefühlt hatte. „Ich wüßte gern mehr über Feuerzauer.“

So lasst mich doch einfach in Ruhe... ist das wirklich zu viel verlangt...? Arranges sah sie einen Moment abweisend an. 'Ich soll euch also einfach etwas beibringen, von dem ihr ungefähr so viel Ahnung habt wie ich vom Bogenschießen?' Genervt und resignierend atmete er aus. Seine Miene wurde etwas weicher und auch seine Stimme nahm einen Tacken mehr Freundlichkeit an: 'Ihr fragt nach Feuermagie wegen dem, was ihr im Reich des Vergessens erlebt oder vielmehr gefühlt habt, nicht wahr?' Arranges war nicht dumm, er wusste, dass Dunmer eine natürliche Affinität zu Feuer hatten, daher ja auch ihre Resistenzen gegen dieses Element. Oblivion war im Grunde nichts anderes als ein riesieger Feuerpool. 'Ihr erinnert euch vielleicht noch daran, was ich euch über die Magie erzählt habe, wie man nach ihr greift und sie nach seinem Willen formt?' Er hob eine Hand, mit der Handfläche nach oben. Funken stoben und eine Flamme quoll hervor und wiegte sich in der sanften Briese der Nachtluft. 'Feuer... es ist eine Sache, eine Seele zu unterwerfen, aber eine ganz andere, die Elemente für die eigenen Dienste zu rufen. Feuer, Eis und Blitz sind nicht wie die Wesen, mit denen man ringen kann. Die Elemente existieren einfach und agieren ihrer Umwelt entsprechend... greift jemand ohne das nötige Wissen nach ihnen, wird er sich unweigerlich verletzen... Ihr erinnert euch noch daran, wie ich euch die Magie erklärt habe?' Arranges schloss die Hand zur Faust und erstickte damit die Flamme wieder. 'Wird ein Feuerzauber gewirkt, tut der Zaubernde nichts anderes, als nach der Flamme der Kerze zu greifen... er verschiebt sie so, dass sie die Leinwand zu seinen Gunsten betsrahlt oder vielmehr das verbrennt, was der Zauberer mit seiner Zerstörungsmagie anzugreifen gedenkt... Ihr seid Dunmer. Selbst wenn ihr euch nicht erinnern oder nutzen könnt, was in euch schlummert, so ist es dennoch da, ein jeder Dunkelelf hat einen ganz natürlichen Bezug zum Feuer...'

Erynn nickte nachdenklich. Ja, sie erinnerte sich an dieses Bild mit der Leinwand, allerdings war es ihr sehr schwer gefallen, einen Bezug dazu herzustellen. Wenn also das, was ich sehe nur ein Bild ist, und die Flamme dahinter bestimmt, welche Teile besonders hervorgehoben werden... Die Szene, was Arranges mit dem Pferdedieb angestellt hatte, kam ihr in den Sinn. Sie hatte das Gefühl, beinahe zu begreifen, worauf es ankam, aber das Bindeglied fehlte noch. Auf der einen Seite die sichtbare Welt, auf der anderen Seite die Macht dahinter. Allein, wie bringe ich beides zusammen?
Sie starrte auf einen trockenen Ast in der Nähe, sah ihn sich sehr genau an. Seine Struktur, die Risse, die der Wuchsrichtung des Holzes folgten, die gelbbraunen Flechten, die darauf wuchsen. Bis hierher war es einfach nur ein Ast. Sie stellte sich vor, das Stück Holz zum Brennen zu bringen, wie es dann wohl aussah, roch und wie es sich anhörte. Die Elfin hielt dieses Bild fest und schleuderte es dann gedanklich auf ihr Studienobjekt. Es geschah - gar nichts.
"Ich verstehe das nicht", sagte sie. "Wie bringt man die sichtbare Welt und die Kräfte dahinter zusammen?"

Arranges folgte ihrem Blick und erahnte, was sie gerade für sich selbst versuchte. Das wird wohl schwerer als ich dachte... Der Kaiserliche konnte sich nicht wirklich vorstellen, wie es wäre, nicht nach der magischen Kraft greifen zu können, schließlich wurde ihm dieses Talent mehr oder weniger durch seinen Vater in die Wiege gelegt und er hatte Umgang damit, seit er denken konnte. Aber wie zur Hölle mache ich ihr begreiflich, was es bedeutet, Magie anzuwenden?! Cheydinhal und das Grab seiner Eltern, ja sogar Dreveni waren mit einem Mal vergessen. Arranges Ergeiz wurde geweckt, ein Ergeiz, den er viel zu lange, seit er eben nicht mehr aktiv als Novize studierte, sondern nur noch neue Zauber lernte, vernachlässigt hatte. Aus einem ihm unerfindlichen Grund wollte er Erynn plötzlich etwas beibringen, obwohl er sich erst noch vor Kurzem überlegt hatte, wie er diesen Teil ihrer Vereinbarung umgehen konnte... 'Ihr dürft euch nicht vorstellen, wie ihr den Ast zum Brennen bringt...' Der Kaiserliche kratzte sich nachdenklich am Kopf. 'Gebietet dem Ast zu brennen. Nehmt die magische Kraft, die euch innewohnt und formt sie zu Feuer... formt sie nach eurer Vorstellung des Elements...' Der Kaiserliche blickte auf den Ast, schnippte ihm leicht entgegen und sofort schoss eine kleine Stichflamme daraus hervor und flackerte für einige Augenblicke, bis nur noch glühende Überreste blieben. 'Ich weiss es ist nicht ganz einfach...' Er erhob sich und ging neben Erynn in die Hocke. Ohne Vorwarnung griff er einfach nach ihrer Hand und hielt sie locker in der seinen. Langsam wurde seine Hand warm. 'Ihr müsst euch davon ausfüllen lassen und es dann weitergeben, das Element... Übrigens ist es auch das, was den eigenen Körper so erschöpft, wenn man die Grenzen seiner Magie erreicht hat...'

Die Elfin schloß die Augen und überließ sich ganz der Empfindung, welche die Berührung von Arranges' Hand ihr vermittelte. Dann suchte sie in sich nach eben dieser Art von Wärme, in ihrem Kopf, ihrem Herzen und ihrem Pulsschlag. Die Erinnerung an die Totenlande und die unbändige Kraft, die sie dort durchströmt hatte, halfen ihr dabei. Irgendwann glaubte sie, einen weiteren Rhythmus hinter ihrem Herzschlag gefunden zu haben, ganz schwach nur, aber vorhanden. Zaghaft griff sie danach, bis sie es an ihren Fingerspitzen fühlen konnte und richtete es auf den Ast. Sie glaubte, eine dünne Rauchfahne gesehen zu haben, aber vielleicht war das nur Wunschdenken.
Seufzend löste sie ihre Hand aus der des Kaiserlichen und konzentrierte sich erneut. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie die Empfindung wiedergefunden hatte. Diesesmal riß sie heftig daran und schleuderte es mit all ihrem Willen dem Holz entgegen. Verdammt, das kann doch so schwer nicht sein! Du sollst brennen, Scheißding, dachte sie wütend.
Beide duckten sich instinktiv, als ihnen ein Regen aus Dreck, versengten Grasbüscheln und glimmenden Splittern entgegenflog. Erynn warf Arranges einen vorsichtigen Blick zu. "'tschuldigung", meinte sie zerknirscht. Dann hellte sich ihre Miene auf. "Hey! Ich habe einen Krater erschaffen", sagte sie mit einem verschmitzten Grinsen.

Arranges konnte seinen Stolz auf sie nicht verbergen und lächelte sie an. 'Da, ihr könnt es doch... und es ist gar nicht so schwer... aber euer Temperament als Prügelknaben solltet ihr hier nicht einfließen lassen... ein bisschen mehr Gefühl wenn ich bitten darf, das ist kein grober Zweihänder...' Neckte er sie und grinste breit.

Erynn schenkte ihm einen treudoofen Hundeblick und grinste zurück. In diesem Moment war sie sehr mit sich zufrieden. "Ich bekomme das schon noch hin, jetzt, wo ich weiß wie es geht..." Sie verbrachte den Rest des Abends damit, diese neue, unbekannte Kraft zu erforschen. Als sie das erste Mal versuchte, es Arranges gleichzutun und eine kleine Flamme auf ihrer Hand tanzen zu lassen, verbrannte sie sich fürchterlich die Pfoten, was bei dem Beschwörer erneut eine Welle der Belustigung auslöste. "Schönen Dank für das Mitgefühl", nuschelte sie, während sie die Fingerspitzen in den Mund steckte. Etwas später traute sie sich noch einmal, bemerkte aber, daß es ihr zusehends schwerer fiel, auf die Magie zuzugreifen. Die Elfin beschloß, es für heute gut sein zu lassen und rollte sich neben dem Lagerfeuer zusammen. Ihr Körper war hellwach, doch der Verstand arbeitete nur noch langsam nach den Experimenten mit der Elementarkraft. Bald schon schlief sie tief und traumlos.

weuze
26.02.2011, 19:44
Arranges erfüllte es mit viel Stolz, Erynn mehr oder weniger etwas beigebracht zu haben. Es war seltsam für ihn, bisher hatte er nur Stolz für sich selbst empfunden, als er mit der Nekromantie vor vielen jahren begonnen hatte... Ist das wohl der Lohn für die Mentoren und Meister? Erynn legte sich bald schlafen, doch Arranges war zu sehr damit beschäftigt darüber zu sinnieren, warum er in Erynn plötzlich etwas anderes zu sehen schien als nur eine Ausrede dafür, dass er keine Schüler haben wollte... für einen Moment fühlte er sich sogar schuldig, dass er sie seit sie sich das erste Mal getroffen hatten, einzig als ein Werkzeug angesehen hatte... Aber was sollte sie anderes für mich sein? Jetzt ist sie in gewisser Weise eine Schülerin für mich, aber warum denke ich über dieses distanzierte Verhältnis hinaus?! Er betrachtete die schlafende Dunmer, ihre feinen Gesichtszüge, den zwar drahtigen, aber doch irgendwie anmutigen und vollkommenen Körper... Das muss die Urzeit sein... Er blickte zum Himmel. Die beiden Monde waren schon weit gekommen. Die Stunden bis zur Dämmerung hätte man an einer Hand abzählen können. Zufrieden über seine Ausrede für sich selbst, nickte der Kaiserliche. Für den Rest der Nacht wachte er am Feuer.
Am frühen Morgen weckte Arranges die Dunmer, indem er sich neben sie kniete und sie behutsam aus dem Schlaf rüttelte. 'Guten Morgen... ich hoffe ihr seid ausgeruht, wir haben heute eventuell viel Weg vor uns...' Er lächelte.

Sie brachen das Lager ab und machten sich auf den weiteren Weg zur Kaiserstadt. Gegen Mittag ritten sie auf die gewaltige Brücke zu, die der einzige Zugang zur Stadt war. Bei den Stallungn angekommen, stellten sie ihre Pferde nur auf Durchreise unter. Die Wachen kontrollierten weder gepäck, noch sonstiges. Die Legion scheint sich ihrer Sache ja sehr sicher zu sein... Während die beiden in der Stadt unterwegs waren, bekamen sie auch mit warum die Legionäre so selbtsicher waren, obwohl sich die Oblivionkrise mehr und mehr bemerkbar machte. 'Mehrunes hat Angst...'
'Er ist sich seiner Sache wohl doch nicht sicher...'
'Feige Daedra...'
Waren einige Wortfetzen, die sie beim Durchqueren der Stadt aus den allgemeinen Gesprächen heraushören konnten. Dämliche Soldaten... dämliches Fußvolk... Doch trotz dieser Gedanken war Arranges schon seit Beginn des Tages irgendwie bester Dinge, ohne, dass man ihm ansah, warum überhaupt.

Sie gingen erst zum Hafen der Stadt, Arranges hatte Erynn nicht wirklich erzählt, was sie hier eigentlich wollten, sie wusste von ihm lediglich, dass sie eben auf der Suche - sofern man die jetzige Situation so nennen konnte - nach dem nächsten Tor waren. Der Nekromant schien jemanden bestimmtes zu suchen, sie gingen einige Male auf den Docks im Haven auf und ab. Aber Arranges konnte die gesuchte Person nicht ausfindig machen. Verflucht, wo ist dieser Kundschafter... der lungert hier doch sonst immer herum... Sie waren gerade im Begriff, den Hafen wieder zu verlassen, als ihnen ein auffällig gut ausgerüsteter Argonier von der Stadt entgegenkam. Die Blicke des Sumpfbewohners und die des Kaiserlichen trafen sich.

'Arranges... was... seid gegrüßt!'
'Seid mir ebenfalls gegrüßt Guroma!'
'Was äh... führt euch denn hier her?' Der Blick des gehörnten Argoniers fiel auf Erynn. 'Und vor allem nicht allein?'
'Das ist Lady Erynn... für kurze Zeit meine Begleitung in privater Angelegenheit...'
'Ahh... ich verstehe...' Fiel ihm der Argonier ins Wort und verzog seine Schnauze zu einem Grinsen.
'Nein, so verzweifelt bin ich dann noch nicht...' Grinste Arranges.
'Hmm... dabei hat sie doch mehr Form als so manch andere...' Bemerkte der Argonier, während er sie für einen Moment musterte.
'Genug jetzt, ich bin nicht hier um mit euch über meine weibliche Begleitung zu reden... wenngleich wir da unzweifelhaft schneller fertig wären, was das Kommentieren ihrer... egal... jedenfalls wollte ich euch lediglich um eine Auskunft bitten...'
'Ihr wisst, Informationen gibt es nicht umsonst...'
'Ja, aber glücklicherweise sind sie mir genug wert, um sie euch entlocken zu können.' Arranges zog einen relativ großen Beute hervor und ließ ihn einmal in seiner Hand hüpfen. Es klimperte auffällig in seinem Innern.
'Ah... Arranges, ihr seid wahrlich einer der wenigen, die mich gut genug kennen... also, was wollt ihr wissen?'
'Nun, sicherlich habt ihr schon von den Obliviontoren gehört und vermutlich auch schon eines gesehen... könnt ihr mir Auskunft über den Standort von zweien geben?' Der Argonier schaute ihn einen Moment forschend an. 'Ihr seid lebensmüde? Nun, ich gebe euch nur ungern den Standort eines Tores preis, solltet ihr dort sterben, fehlt mir eine zwar unregelmäßige, aber wichtige Einnahmequelle...'
'Ich habe schon eines gesehen und stehe trotzdem lebendig hier vor euch, also los, sagt schon...'
'Hmm... könnte ich wohl auf eure Begleitung aufpassen?'
'Guroma! ... Ihr könnt eure Vorlieben für strohhalmdünne Frauen woanders bedienen...!'
'Ja, ist ja schon gut... ich komme gerade von Anvil... als ich vor zweieinhalb Tagen dort losgeritten bin, traf gerade die Nachricht ein, dass sich irgendwo an der Goldküste eines dieser Portale geöffnet haben soll... ich weiss nicht ob es stimmt, aber das ist die einzige Information, die ich euch diesbezüglich geben kann...' Auffordernd streckte der Argonier seine klauenbesetzte Hand vor. Arranges kramte einige Septime aus dem Beutelchen hervor, ließ selbigen wieder verschwinden und gab der Echse die anderen Münzen. 'Ich danke euch Guroma...'
'Nichts zu danken mein Freund!'

Arranges und Erynn wandten sich wieder der Stadt zu und ergenzten dort ihre Vorräte. Der Kaiserliche ließ seine Rüstung ausbessern und am späten Nachmittag saßen sie wieder auf und ritten mit Anvil als Ziel weiter.

Glannaragh
26.02.2011, 21:40
Der Kaiserliche überraschte sie, als er sie am nächsten Morgen mit einem Lächeln weckte. Hab ich was verpaßt? Oder habe ich dir einfach nur bewiesen, daß ich doch nicht bloß Stroh im Kopf habe? Erynn erwiderte die freundliche Geste. „So ausgeruht, wie man am frühen Morgen nur sein kann“, entgegnete sie und rieb sich die Augen. Sie haßte es, aufstehen zu müssen, riß sich aber zusammen und erhob sich seufzend.

Bald darauf waren sie wieder unterwegs und passierten Weye etwa zur Mittagszeit. Sie lenkten ihre Pferde auf die große Brücke zur Hauptstadt. Während sie dem Klappern der Hufe auf dem Pflaster lauschte, fragte Erynn sich, wen Arranges hier wohl kannte, der mit Informationen über das Tor herausrücken würde. Die Legion gab sich im Allgemeinen verschwiegen, was konkrete Informationen anging, vielleicht, weil es eine entsprechende Order gab um Panik zu vermeiden, vielleicht auch, um verrückte Draufgänger davon abzuhalten, ihre Nase in die Tore zu stecken. Wenn letzteres der Fall war, funktionierte es nicht, dachte sie mit einem kleinen Grinsen.
Der Beschwörer war schon den ganzen Tag bei geradezu verstörend guter Laune, daher ging sie davon aus, daß er hier wohl eine einigermaßen verläßliche Quelle haben mußte. Sie betraten die Stadt und wandten ihre Schritte Richtung Hafen. Es ist tatsächlich schon eine Weile her, seit ich zum letzten Mal hier war... jetzt weiß ich auch wieder, warum: Zu viele Steine, zu viele Leute, viel zu wenig Bäume. Ich würde wohl schwermütig werden, wenn ich hier leben müßte.
Die Gesprächsfetzen, die sie unterwegs aufschnappte, gaben ihr zu denken. Zwischen dem belanglosen Geplapper drangen immer wieder Äußerungen über die Krise zu ihr durch. Manches von dem, was sie hörte, klang selbstsicher, anderes besorgt. Die Tore hatten ganz Tamriel fest im Griff, obwohl man so wenig darüber wußte. Oder eben genau deswegen.

Am Hafen angekommen verbrachten sie eine ganze Weile damit zu warten. Sie lief einfach hinter Arranges her, machte sich nicht die Mühe zu fragen, wen er hier eigentlich treffen wollte. Sie würde es schon früh genug erfahren.
„Ich glaube, wir verschwenden hier unsere Zeit“, sagte er schließlich und wandte sich dem Tor zu, das sie zurück in den Tempelbezirk führen würde. „Moment... das ist er.“ Er deutete auf einen Argonier, der sie wohl ebenfalls bemerkt hatte und jetzt auf sie zuging.
Erynn hörte dem folgenden Gespräch schweigend zu, doch in dessen Verlauf wurde ihr Gesicht immer finsterer. Als das Echsenwesen sich endlich verdrückte, nicht, ohne ihr noch einen anzüglichen Blick zuzuwerfen, war sie richtig mies gelaunt.
„Was war das denn?“ fragte sie stinkwütend, als sie den großen Tempel auf dem Weg zum Marktbezirk umrundeten. „Informant hin oder her, wenn der Kerl mir das nächste Mal über den Weg läuft, prügel ich ihm sein dämliches Grinsen aus der Visage!“
Arranges hob nur in gespielter Ahnungslosigkeit die Augenbrauen, und sie schnaubte entnervt.

Es wurde später Nachmittag, bis sie wieder unterwegs waren, nach Westen diesesmal, auf Anvil zu. Als sie Weye hinter sich gelassen hatten und sich ungefähr auf Höhe der Ayleidenruine Fanacasecul befanden, lenkte die Elfin ihr Pferd dichter an das des Beschwörers heran, um endlich zur Sprache zu bringen was sie umtrieb, seit sie das Valusmassiv hinter sich gelassen hatten. „Ich habe darüber nachgedacht, warum wir überhaupt auf dieser Mission unterwegs sind. Ihr sagtet, die Gathering interessiert sich nicht für die politischen Belange in Cyrodiil. Aber was ist mit den abtrünnigen Meistern? Glaubt Ihr, sie könnten ein Interesse daran haben, so etwas wie eine weltliche Machtposition aufzubauen? Wenn diese Leute wirklich so mächtig sind, wie alle sagen, dann könnte Mehrunes Dagon schon bald nicht mehr das einzige Problem sein...“

weuze
26.02.2011, 22:21
Arranges beobachtete in Gedanken versunken die Landschaft um sie herum, als Erynn ihn ansprach. 'Hm?' Er sah sie einen Moment fragend an, bevor er ihre Worte richtig registrierte. 'Um euch die Wahrheit zu sagen, ich weiss es nicht... Nichteinmal die Gathering selbst scheint sich darüber einig zu sein, was da vorgeht... Ihr müsst wissen, dieser Bund besteht seit einigen tausend Jahren, ohne, dass jemals jemand außer den eigenen Mitgliedern von seiner Existenz erfuhr. Und nirgends in den Aufzeichnungen, derer es genug gibt, ist jemals davon die Rede, dass sich ein Meister oder Großmeister abgewandt hatte und abtrünnig wurde... Mentoren und Schüler gab es genug, die sich abwandten und versuchten sich der Gathering zu entreissen, aber bei diesen für die innere Geschlossenheit eher unwichtigen Mitglieder, wird nicht lange gefackelt. Innerhalb weniger Tage wurden Abtrünnige aufgespürt und bei Gegenwehr an Ort und Stelle vernichtet oder gefangen genommen und gefoltert...' Und die Folter ist wahrlich grausam... Ein Schauer lief ihm über den Rücken und ließ ihn kurz erzittern... Drimofinya... du dummes Weibsbild... alles hätte damals ein ganz anderes Ende nehmen können...

'Jedenfalls ist nun das Hauptproblem der Gathering, dass wir nicht unbedingt offen gegen diese Verräter vorgehen können und dies auch vermeiden, solange kein zwingender Grund dazu besteht... Gut möglich, dass sie durch ihre Macht irgendwie korrumpiert wurden und jetzt versuchen eine einflussreiche Position auf Nirn oder vielmehr Tamriel, zu ergreifen... zunächst brauchen wir das allerdings nicht befürchten... glücklicherweise ist die Nekromantie in praktisch allen Provinzen mehr oder weniger verpöhnt und eine öffentliche Ausübung würde sofort die Legion auf den Plan rufen... und würden sich die Meister dann wehren, mit ihrer Handvoll Schüler, Mentoren und den wenigen Botschaftern, könnten sie wohl kaum eine richtige Herrschaft erringen... der Pöbel würde von ganz allein dafür sorgen, dass es überall zu Unruhen kommen würde und über einen Bürgerkrieg zu herrschen wird kaum ihr Ziel sein... Aber davon mal abgesehen. Die Großmeister bilden eine Einheit. Die Meister sind nur dazu da, ihren Willen auszuführen und sie bei ihrer lenkenden Funktion als Herz der Gemeinschaft zu unterstützen. Die Regel besagt, dass sich sowohl Großmeister als auch Meister aus den Ränkespielchen und den Machtdemonstrationen der Mentoren und Schüler untereinander heraushalten sollten... Aber jetzt haben wir eine völlig andere Situation, die es so noch nie gab... Drei Meister haben sich komplett von der Gathering losgelöst, mit Novizen, Mentoren und Botschaftern, das ist etwas anderes, als die Jagd nach zwei oder drei Schülern, die sich ihre eigene Ideologie aufbauen wollen...'

Glannaragh
26.02.2011, 23:16
Erynn schwieg auf seine Antwort hin für eine ganze Weile. Die gelöste Stimmung, die zu Beginn des Tages geherrscht hatte, war zumindest bei ihr komplett verflogen. Mittlerweile hatten sie den großen Forst erreicht. Sie konnten Ceyatatar sehen, das sich durch die Bäume hindurch knochenbleich gegen die rasch dunkler werdende Umgebung abzeichnete. Es war noch immer warm, irgendwo schrie ein Käuzchen.
Ein Jahrtausende alter Geheimbund, nicht einfach eine Versammlung irgendwelcher Nekromantenspinner... wo hab ich mich da bloß reingeritten? Auf der einen Seite beruhigte Arranges’ Erklärung sie einigermaßen, was er sagte, klang plausibel. Andererseits... Eine Kälte kroch in ihre Glieder, die nichts mit der heraufziehenden Nacht zu tun hatte.
„...ohne, daß jemals jemand außer den eigenen Mitgliedern von seiner Existenz erfuhr“, sagte sie, und ihre Stimme klang sehr laut in ihren Ohren. „Arranges? Ihr habt mir nicht die ganze Wahrheit gesagt, oder? Aus dieser Nummer komme ich nie wieder raus, jedenfalls nicht lebend.“

weuze
26.02.2011, 23:35
Ja, das ist das Problem, das ich euch einfach verschwiegen habe... es tut mir leid... Dachte er bei sich, als Erynn von ganz allein darauf kam, warum Arranges alles so ein wenig sehr einfach für seinen Nutzen darstellte, als er sie fragte, ob sie den Schüler für ihn spielen könnte.

Unbehaglich rutschte er im Sattel herum, bis er sich nach ein paar endlosen Momenten dazu druchrang, ihr zu antworten: 'Nun... äh... ich habe euch schon die Wahrheit gesagt... allerdings... nur... einen Teil davon... Erynn ihr hättet es nicht verstanden und ich wusste mir nicht anders... zu helfen, aber ich wusste auch, dass ihr nie ja gesagt hättet...' Er sah sie einen Moment schweigend an, ehe er weitersprach: 'Die Vorstellung ist noch nicht alles gewesen, was die Gathering dafür verlangt, dass ihr Mitglied seid... in der Regel fehlt dazu noch eine Art Vertrag, ein Papier, das erklärt, dass ihr zur Gathering gehört... unterschrieben wird es mit eurem eigenen Blut an einer Feder, die ihr euch selbst in den Handballen drückt... jetzt werdet ihr vielleicht auch erraten haben, dass die Gathering von euch diese Sache fordert, ohne, dass ihr euch dem entziehen könnt, da ihr mich kennt, da ihr die Ratshallen gesehen habt, da ihr allgemein zu viel wisst... Irgendwann in nächster Zeit wird man uns zutragen lassen, dass ihr euch entscheiden müsst um kurze Zeit später eure Signatur zu geben... allerdings ist es eher eine Entscheidung zwischen dem fast freien und praktisch sorglosen Leben und einem Leben mit endlosen Qualen in irgendeinem Kerkerloch...' Die letzten Worte flüsterte Arranges nur noch. Er hatte den Blick von Erynn abgewandt.

Glannaragh
27.02.2011, 01:33
Erynns Gedanken setzten aus, als sie die furchtbare Bestätigung für ihren Verdacht geliefert bekam. So sehr hatte sie sich gewünscht, daß sie sich irrte. Gefangen! schoß es ihr durch den Kopf. Er hat es tatsächlich geschafft, mich unter seine Kontrolle zu bekommen!
Sie riß ihren Braunen herum und stieß ihm die Fersen in die Flanken, ließ ihn steigen und in die Schulter des Rotfuchses hineinprallen. Schrilles Wiehern erklang, vermischte sich mit dem Brüllen des Zorns und der Furcht in ihrem Kopf zu einer ohrenbetäubenden Kakophonie.
Mit der Linken bekam sie den Kragen von Arranges’ Kettenhemd zu fassen und riß ihn aus dem Sattel. Sie selbst sprang hinterher, landete auf seinem Bauch und prügelte blindwütig auf ihn ein. Wie oft, vermochte sie selbst nicht zu sagen. Die Elfin kümmerte sich nicht um die wirbelnden Hufe, die ihren Kopf mehrmals nur knapp verfehlten, wünschte sich nur, sie hätte die Mithrilkette zerfetzen können, die ihre Schläge dämpfte. Mit der einen Hand packte sie schließlich seine Kehle, mit der anderen zog sie den Stahldolch aus ihrem Stiefel und ließ ihn dicht über einem Auge des Kaiserlichen schweben.
„Ich sollte dich gleich hier abstechen, du verdammtes Schwein“, knurrte sie mit einer Stimme, die dermaßen von Wut verzerrt war, daß sie sie nicht als ihre eigene erkannte. „Aber den Gefallen werde ich dir nicht tun! Ich werde mich nicht von deinen Nekromantenfreunden jagen lassen, bloß weil du deine Spielchen mit ihnen treiben wolltest. Was hattest du für mich geplant, hm? Mich einfach irgendwann verschwinden lassen, um sauber aus der Sache rauszukommen? Ja, das sähe dir ähnlich...“ Sie lächelte kalt. „Vergiß es, Beschwörer. Von jetzt an hast du mich am Arsch. Du hast mich in diese Scheiße reingeritten, du wirst mir zeigen, wie ich darin schwimmen kann.“ Erynn drehte ihr Handgelenk und zog den Dolch langsam quer über seine Wange, wo er einen tiefen Schnitt hinterließ. „Und das ist dafür, daß du es niemals vergißt.“ Langsam lockerte sie den Griff um seinen Hals, machte jedoch keine Anstalten aufzustehen.

weuze
27.02.2011, 02:47
Arranges bemerkte, wie ihm langsam warmes Blut über die Wange lief. Aber außer dem Schnitt würde er nicht wirklich viele Wunden davontragen, hatte Erynn doch nur planlos auf ihn eingeprügelt und eigentlich nicht wirklich ernsthaft getroffen... Aber dafür, dass du mein Pferd gerammt hast, wirst du bluten... und zwar bis zum Schwächeanfall! Der Kaiserliche konnte nicht nach seiner Magie greifen, immernoch total erschöpfte Magiereserven wegen der Komplettauslastung in Mehrunes Reich, erlaubten ihm keinen ordentlichen Zauber, aber wozu auch? Er war wütend genug, es mit zwei marodierenden Orks aufzunehmen... die Wut entfesselte eine magische Quelle in ihm, die in der Regel unangetastet blieb und nur dem Volk der Kaiserlichen innewohnte... Diese Kraft war für sich genommen selbstständig, Arranges brauchte sie auch normalerweise nicht, aber jetzt entlud sie sich mit seinem Zorn und der sonstigen Hilflosigkeit. Er bemerkte, wie Erynns Hand, die den Dolch hielt, zu zittern begann, ihr Atem wurde schneller, sie japste regelrecht nach Luft, so, als wäre sie gerade von einem Ende Tamriels bis zum anderen gerannt. Und jetzt stell dich schonmal auf eine lange Auszeit ein... ich wünsche erholsamen Schlaf! Mit einem Ruck beförderte er Erynn unsanft von sich herunter, mit einer Hand den Dolch haltend, mit der anderen langte er nach und packte ihren Hals. Erynn zappelte und versuchte sich zu wehren, aber ihre völlige Erschöpfung, die sie von einem auf den anderen Moment befallen hatte, gewährte ihr kaum eine ordentliche Abwehr gegen den Griff des Kaiserlichen. Der hingegen begann nun die Dunmer zu würgen. Blut tropfte ihr aus seiner Wunde ins Gesicht, mit gefletschten Zähnen über sie gebeugt, einen Ausdruck im Gesicht, als wäre er vom Teufel persönlich besessen, hatte er ihr die Hände an den Hals gelegt und drückte mit aller Kraft zu... bis Erynn aufhörte zu zappeln. Ihre Muskeln erschlafften und mit halb geschlossenen Augen und weit aufgerissenem Mund, rollte ihr Kopf zur Seite. Die langen Stunden an der Seite des Kerkermeisters scheinen sich doch noch bezahlt zu machen... Arranges nahm die Hände zurück und legte ein Ohr auf ihre Brust. Ein leises Rasseln war zu hören und ein schwacher Puls zu fühlen, als er ihr einen Finger an die Halsschlagader legte. Nach fast 6 Jahren kann ich es immernoch... Er ließ sie dort einfach liegen wie sie gefallen war, stand auf und fing die verstörten Pferde ein. Sein Rotfuchs lamte ein wenig auf der Seite, wo ihm der Braune in die Seite geknallt war. Die lehrstunden für Magie kannst du vergessen... sei froh, wenn du nicht komplett in den Abgrund stürzt, an dessen Rand ich dich so eben gestellt habe... ich sollte dich eigentlich hineinwerfen... Vorsichtig und behutsam strich er über die Flanke des Fuchses. Es würde eine leichte Schwellung geben, aber sonst nichts weiter Schlimmes passieren, er hatte nochmal Glück gehabt.

Arranges ging zurück zu Erynn, die völlig bewusstlos war und es wohl auch noch eine Weile sein würde. Er nahm ihr bis auf die Unterkleider alles ab, was sie am Körper trug. Das war das erste und letzte Mal, dass ihr meinem Rotfuchs in irgendeiner Weise Schaden zugefügt habt, das schwöre ich... ich werde euch zeigen, was es bedeutet, Schmerzen zu leiden! Er wuchtete sie mit dem Bauch nach unten quer über den Sattel ihres Braunen. Mit einem Strick band er ihre Hände und Füße um den Rumpf des Tier so fest, dass das Pferd dadurch nicht behindert wurde, aber Erynn auch nicht die Möglichkeit hatte, sich zu befreien. Anschließend knebelte er die Dunmer, legte locker eine Decke über sie und hängte ihre Asurüstung bis auf die Waffen an ihren Sattel. Die Waffen behielt er bei sich. So... ich hoffe ihr nutzt die Verschnaufpause und denkt ein wenig darüber nach, was ihr euch da eingebrockt habt... und ich wünsche euch in eurem Interesse, dass ihr so schnell nicht erwacht! Arranges saß auf und ritt den Braunen der Dunmer an einem Strick neben sich führend weiter durch die Nacht.

Die Sonne war bereits über den Horizont gestiegen, als Arranges bemerkte, wie sich Erynn unter der Decke regte. 'Ihr seid wach? ... Tja, Pech für euch!' Rief er. Er lenkte die Pferde von der Straße herunter zu einer nahen Baumgruppe. Dort angekommen, saß er ab, ging um den Braunen herum auf die Seite, auf der Erynns Kopf hing. Er klappte die Decke hoch, griff in den Haarschopf der Elfe und riss ihn ruckartig nach oben. Gezwungen ihn anzusehen, schaute sie teils verwirrt, teils wütend und wohl auch erschöpft dem Nekromanten in die Augen. Arranges hatte den Schnitt nicht versorgt, Schlieren getrockneten Blutes zierten seine rechte Wange. Er riss ihr rücksichtslos den Knebel aus dem Mund. 'Ich hoffe ihr habt gut geschlafen... verzeiht, wenn ich etwas grob geworden bin, aber die Tatsache, dass ihr sogar zu dämlich dazu seid, euren Zorn nur gegen die zu richten, die er eigentlich treffen sollte, veranlasste mich dazu, durchzugreifen, wenn ihr versteht?' Sagte er mit gespielter Führsorge, aber der Sarkasmus und die Feindseligkeit waren kaum zu überhören. Dabei bog er ihren Kopf ohne Rücksicht herum und zwang sie so seinen Rotfuchs anzusehen, der einige Meter weiter friedlich graste. Wieder riss er den Kopf zu sich und blickte ihr in die Augen. Pure Bösartigkeit funkelte ihr entgegen. 'Solltet ihr es noch einmal wagen, meinem Pferd in irgendeiner Art und Weise zu nahe zu kommen, werde ich euch in hobelspangroße Stückchen zerhacken und euch an die Straßenköter verfüttern!' Sagte er gefährlich leise und drohend. Ihre Antwort darauf war, den Kaiserlichen anzuspucken. 'Ja ich weiss, dass man euch zum bescheuerten Schläger ausgebildet hat, aber ich hoffte, dass inzwischen ein wenig meiner zivilisierten Verhaltensweisen auf euch abgefärbt hätten... wohl eher nicht wie es scheint.' Sagte er wieder herablassend tragisch und ließ ihre Haare einfach los, so dass sie bevor sie reagieren konnte, mit dem Gesicht in die Flanke ihres Pferds flog. Arranges ging um das Reittier herum und begann die Fesseln so zu lösen, dass er sie vom Rücken des Pferds holen konnte, aber ihre Handgelenke und die Knöchel aneinandergebunden blieben. Er schob sie einfach herunter, sodass sie auf der anderen Seite einen unsanften Köpfer auf den groben Tonboden unter den Bäumen machte. 'Oh... ich bitte vielmals um Verzeihung... entschuldigt, wenn es weh tat, aber ich dachte mir, dass es nicht so schlimm sein könne, würde euer Kopf beschädigt... ihr braucht ihn ja doch nicht, außer zum Hinhalten...' Am Kragen schleifte er sie hinter sich her, lehnte sie an einen Baum und machte sich dann daran, ein Feuer zu entfachen. 'Wir werden hier rasten... und wisst ihr was das Beste daran ist? Ihr könnt nicht wiedersprechen, was ihr ja sonst so gerne tut... und wisst ihr was noch viel besser ist? Ihr könnt auch nicht weglaufen oder sonst einen Unfug machen...' Breit grinsend ging Arranges zurück zu seinem Pferd, holte ein Buch, Pergament, ein Tintenfässchen mit Federkiel und einen größeren Beutel, in dem er einen Teil der Vorräte aufbewahrte, dann setzte er sich wieder der Dunmer gegenüber und begann in dem Buch zu blättern...

Glannaragh
27.02.2011, 15:24
Mit einem Mal schien alle Kraft aus dem Körper der Elfin zu weichen, und einem Lidschlag später war sie es, deren Kehle gepackt wurde. Er bringt mich um, war ihr letzter Gedanke, bevor ihre Sinne schwanden.
Irgendwann erwachte sie und wußte zunächst nicht zu sagen, wo sie sich befand und was geschehen war. Die harte Stimme des Kaiserlichen brachte die Erinnerung auf einen Schlag zurück. Sie versuchte sich zu orientieren und stellte fest, daß sie gefesselt und geknebelt quer über Falchions Rücken hing. Erynn blinzelte nach unten und sah, daß sie die Staße verließen und in die Wildnis abbogen, dann hielten sie an.

Die Decke über ihr wurde zurückgeschlagen und Arranges packte sie beim Schopf, zwang sie dazu, ihn anzusehen, während er rücksichtslos den Knebel entfernte. Sie wollte schreien, doch die seltsamen Mattigkeit hatte sie nach wie vor im Griff, so daß sich ihrer Kehle nur ein gepeinigtes Stöhnen entrang. Seine Drohungen registrierte sie sehr wohl und hätte ihn dafür am liebsten in der Luft zerrissen, jedoch war die einzige Möglichkeit zur Gegenwehr momentan, ihm ins Gesicht zu spucken. Sie haßte ihn dafür aus ganzem Herzen. Der Beschwörer ließ ihren Kopf los und er knallte gegen die Flanke ihres Pferdes, was ihr einen neuerlichen Schmerzlaut entlockte, kurz darauf wurde sie von Falchions Rücken gestoßen. Regungslos blieb Erynn liegen und schnappte nach Luft. Arranges schleifte sie zu ein paar Bäumen herüber, ließ sie dort liegen und begann mit provozierender Lässigkeit, das Lager aufzuschlagen.
Zumindest schien er für den Moment fertig mit ihr zu sein. Mit dröhnendem Kopf und schlaffen Muskeln kauerte die Elfin auf der bloßen Erde und konzentrierte sich darauf, sich nicht zu erbrechen. Mühsam hob sie die Lider, als der Beschwörer sich ihr wieder gegenübersetzte. Jetzt und hier hatte sie wirklich Angst vor ihm, mußte sie sich schließlich doch eingestehen, daß sie seiner abgebrühten Kaltherzigkeit, Macht und Skrupellosigkeit nichts entgegenzusetzen hatte. Erynn wußte nicht einmal, welchen Fluch der Nekromant auf sie geworfen hatte, der alle Stärke aus ihrem Körper zog, sie nahezu bewegungsunfähig hielt und flehte stumm zu Akatosh und Mehrunes Dagon gleichermaßen, daß sie von weiterer Brutalität verschont bleiben möge. Ihre Hände und Füße waren längst taub. Eine Welle aus Verzweiflung und hilfloser Wut brach über ihr zusammen.

Nach einer Weile verebbte das gräßliche Pochen in ihrem Schädel und Erynn begann, schwach an ihren Fesseln zu zerren. Arranges sah auf; schiere Grausamkeit lag in seinem Blick. Sie hielt dem stand, weigerte sich, das letzte bißchen Widerstand aufzugeben, das ihr noch möglich war. „Ihr seid ein hinterhältiges feiges Schwein, Nekromant“, flüsterte sie. „Gefällt es Euch, mich so zu sehen, ja?“ Trotz ihrer Erschöpfung gelang es ihr, ein gewisses Maß an Verachtung in ihre Stimme zu legen. „Ihr seid krank, Arranges. Krank und pervers. Warum habt Ihr mich belogen? Warum tut Ihr mir das an?“

weuze
27.02.2011, 16:20
Was Erynn nicht sehen oder ahnen konnte, war die Sache, dass Arranges nicht etwa ein beliebiges der drei Bücher geholt hatte, welche er grundsätzlich in den Satteltaschen mitführte. Sondern vielmehr ein Buch, welches er praktisch selbst verfasst hatte, während er als Schüler bei der Gathering und von Zeit zu Zeit auch in dem Kloster gelernt hatte. Es waren Aufzeichnungen zu verschiedensten Dingen. Während Erynn noch mit ihren Gedanken beschäftigt war, hatte er nach kurzem Suchen die Seite gefunden, die er haben wollte. Es war eine arg vereinfachte, stilistische Darstellung eines humanoiden Körpers. Eigentlich war es nur ein etwas ovaler Kreis in der Mitte, mit einem sehr viel kleineren Kreis, der oben aufsaß, dazu noch vier längliche Gebilde, welche jeweils links und rechts für Arme und Beine standen. Um diese Zeichnung herum waren unzählige, teils unübersichtliche Krizeleien und Randnotizen geschrieben worden.

Als Erynn begann zu reden, sah er fast ein wenig überrascht auf. Der Ausdruck wandelte sich jedoch schon in der nächsten Sekunde zu einer genervten Miene. Verdammt, ich habe den Knebel vergessen...

'Nun, ja! Wenn ihr mich so fragt, ja, ich habe momentan recht viel Spaß daran euch da so zu sehen.' Sagte er selbstverständlich. 'Warum ich euch belogen habe? Liegt das nicht auf der Hand? ... Ach nein stimmt ja, ich hatte vergessen, wen... oder besser was, ich hier vor mir habe... Ihr hättet wohl kaum ja gesagt, wenn ich euch alles erzählt hätte oder? ... Darüber hinaus ward ihr noch dumm genug mir zu glauben, also warum gebt ihr jetzt mir die ganze Schuld daran, dass ihr jetzt in dieser für euch mehr als unschönen Situation hängt?'

Glannaragh
27.02.2011, 17:17
Auf Arranges’ kalte Antwort weiteten sich ihre Augen in blankem Entsetzen. Sie preßte sich fester an den Baumstamm und biß nach den Fesseln, in dem sinnlosen Versuch, die Stricke irgendwie loszuwerden, warf sich hin und her, um sich zu befreien. Bald jedoch verließ sie das Wenige an Kraft, das ihr noch geblieben war, und mittlerweile schlotterte sie vor Furcht.
Was habe ich dir getan, daß du mich zerstören willst? Womit habe ich verdient, daß du ausgerechnet mich ausgewählt hast? Gibt es nicht genug Anwärter bei der Gathering, die dir mit Freuden gefolgt wären, ohne Fragen zu stellen?
„Wie könnt Ihr nur so grausam sein?“ fragte sie tonlos zwischen zwei abgehackten Schluchzern. „Hört auf damit, sofort! Hört auf, mich mit Euren Worten zu quälen. Ihr habt Euer Ziel doch erreicht.“ Flehend sah Erynn den Beschwörer an. All ihr Stolz war verflogen, der Widerstand endgültig gebrochen, als sie sich der Wahrheit stellte. „Ihr wolltet die Kontrolle über mich, ihr habt sie bekommen... ich kann nicht weg von Euch, das wißt Ihr so gut wie ich. Was wollt Ihr denn noch?“

In ihrem ganzen Leben hatte sie sich noch nie so hilflos gefühlt. Ihr Gespräch am Fuße der Valusberge fiel ihr wieder ein, die Dikussion darüber, ob es leichtsinnig war oder nicht, sich auf andere einzulassen. Angesichts der letzten Ereignisse bekam es einen neuen, schrecklichen Tenor. Ich hätte es sehen müssen, dachte sie, spätestens an diesem Punkt hätte es mir klar sein müssen... Er hatte sie nicht belogen, jedenfalls nicht direkt. Die Wahrheit gebogen, ja, mit verschwommenen Andeutungen und kleinen Informationsfetzen, doch sie war zu dumm und unerfahren gewesen, es zu bemerken. Jetzt hatte er die Schlinge zugezogen.
„Was wollt Ihr noch“, fragte sie noch einmal mit gebrochener Stimme.

weuze
27.02.2011, 19:00
Ruhig sah er sie an und hörte ihr zu, ohne eine Regung zu zeigen. Sie hat noch immer nicht begriffen... 'Zunächst seid ihr als erstes zu mir gekommen, wenn ihr euch vielleicht daran erinnert... ich wollte nie etwas von euch, hätte euch in Frieden gelassen, wäre euch vermutlich nie begegnet... Zugegeben, das Schicksal war nicht ganz fair, als Falanu euch sagte, dass ihr mich um Hilfe für eure Sache bitten sollt, aber auch das ist nicht meine Schuld... Ich will auch jetzt nichts von euch... lediglich und das war ja ursprünglich unsere Abmachung, dass ihr mich für eine Weile begleitet... ich habe euch auch zugesagt, dass ihr mich nach dieser Sache hier entgültig los seid und dieses Versprechen werde ich auch einhalten...' Einen Moment strich er sich übers Kinn und musterte Erynn forschend. 'Es war nie Gegenstand unserer Abmachung, wie ihr danach freikommt... es macht auch keinen Unterschied, ob ich euch direkt töten würde, sobald ich die drei Steine abgeliefert hätte, oder ob ihr gejagt werden würdet...' Arranges klappte das Buch zu, stand auf und ging direkt vor Erynn in die Hocke, eine Hand auf ihren Füßen ruhend, damit sie nicht noch nach ihm treten konnte.

'Ich will auch jetzt nicht mehr als ich zuvor verlangt habe...' Sagte er jetzt sehr viel weicher. Der harte Blick war aus seinen Augen gewichen. 'Euch als Begleitung... nicht mehr und nicht weniger... Also, benehmt euch und macht keinen weiteren Ärger...' Er erhob sich wieder, räumte seine Sachen weg und begann eine kleine Ration des Proviants auszupacken. 'Hunger?' Fragte Arranges mit einem Blick zu Erynn. Ihr teilweise feindseliges Starren war Antwort genug. Gleichgültig zuckte der Kaiserliche mit den Schultern und aß eine Kleinigkeit. 'Wir werden hier für einige Stunden rasten...' Sagte er anschließend und setzte sich einige Meter weiter ebenfalls mit dem Rücken an einen Baum.

Während die Sonne zum höchsten Punkt ihrer Reise aufstieg, döste Arranges ein. Der Mittag war bereits fortgeschritten, als Arranges erwachte. Er drehte den Kopf suchend nach links und rechts. Seltsam, wo sind denn die Pferde hin? Schwerfällig erhob sich Arranges. Hoffentlich sind sie jetzt nicht zu weit umhergewandert... auf die Suche hätte ich jetzt nur wenig Lust... Arranges griff nach seiner Magie und stellte zufrieden fest, dass sich zwar erst ein recht kleiner Teil davon regeneriert hatte, aber immerhin etwas. Ab jetzt wird es wieder einfacher gehen, sie ruhig zu stellen... Mit diesem Gedanken Fiel sein Blick auf Erynn. Er hätte nicht sagen können ob sie schlief oder nur döste. Ein Pfeifen zerriss die Stille. Arranges hatte noch registriert, wie gute 20 Meter von ihnen entfernt plötzlich jemand wie aus dem Nichts, aus dem Gras auftauchte.

Greller Schmerz raste duch Arranges Oberschenkel. Instinktiv wollte er zur Seite hechten um dem unweigerlich folgenden Schuss des Schützen zu entgehen, aber es ging nicht. Sein linker Oberschenkel kam einfach nicht weg. Was zur Hölle?! Arranges schaute an sich herunter. Ein Stahlpfeil hatte sein Bein an den Baum hinter ihm genagelt. 'Verfluchte Schützen!' Stieß Arranges hervor und versuchte wegzukommen. Aber seine Bemühungen wurden jäh unterbunden, als der zweite Pfeil ihn traf. Unterhalb der rechten Lunge durchschlug der Pfeil den Torso und nagelte ihn auch hier an den Baum. Scheissdreck... Arranges sah, wie die Gestalt aus ihrer geduckten Haltung aufstand und langsam näher kam. Ein Khajiit in abgerissener Rüstung, den Bogen vorsorglich in Händen haltend, im Gürtel eine einhändige Streitaxt. 'ERYYYNN!' Arranges brüllte aus Leibeskräften, während er sein Schwert zog. Ein Geräusch neben ihm, ein Rascheln. Der Nekromant nahm den Kopf keine Sekunde zu spät runter, als auch schon eine riesige, zweiblättrige Axt von der Seite heran kam und ihn fast geköpft hätte. Ein Ork kam um den Baum heurm, während er die Waffe aus dem Stamm zog. Die Grünhaut war ebenso bunt gerüstet, wie der Khajiit. Wegelagerer... Arranges riss das Schwert hoch und lenkte dabei nur mit knapper Not den nächsten Axtstreich zur Seite. Das Schwert mit beiden Händen gepackt, stieß er nach dem Ork und durchdrang die Lederrüstung über dem Brustkorb. Ein lautes Brüllen bestätigte den schweren Treffer. Arranges holte gerade mit einem Arm aus um der Grünhaut den Rest zu geben, aber gerade, als er das Schwert hoch erhoben niedersausen lassen wollte, raste wieder Schwerz von seinem Arm ausgehend, durch seinen Körper. Der dritte Pfeil hatte den Schwertarm ebenfalls an den Baum genagelt. Verfluchter Dreck, was bist du für ein Schütze?! Die noch freie Hand des Nekromanten glühte kurz auf... mit einem schwarzen Brandfleck in der Brust sank der Ork neben ihm zusammen. Der Khajiit legte gerade zum entscheidenden Schuss auf Arranges an, als vor ihm ein Skelett aus dem Boden wuchs. Jetzt stirb... Damit waren die Reserven des Magiers auch schon wieder aufgebraucht... Mit einem lauten kreischen und dem blanken Entsetzen in den Augen, warf sich der Katzenmann herum und ergriff die Flucht. Dank den Vieren! Dachte Arranges aufatment und löste die Beschwörung.

Schmerz trommelte durch seinen Körper, er versuchte nochmal sich irgendwie zu befreien, aber die Pfeile waren so scharf geschossen, dass der Kaiserliche keine Chance hatte allein wegzukommen. Das darf jetzt nicht wahr sein... 'ERYNN! HEE?! ... NA LOS! WACHT AUF!'

Glannaragh
27.02.2011, 20:04
Erynn reagierte längst nicht mehr. Du wirst mich einfach verrecken lassen... nach allem, was ich für dich getan habe... Sie ließ sich auf die Seite fallen und verkroch sich in irgendeinen dunklen Winkel ihres Verstandes.
Es mochten einige Stunden vergangen sein, als sie Geräusche wahrnahm. Leicht hob sie den Kopf und sah, daß Arranges sich im Kampf mit mehereren Wegelagerern befand. Desinteressiert sank die Elfin wieder zurück. Sollen sie kommen. Wenn sie es sind, die mich töten, wird am Ende wenigstens meine Seele frei bleiben... Auch auf die zunehmend drängenden Rufe des Kaiserlichen hin bewegte sie sich nicht.
Erst, nachdem es für eine Weile still geblieben war, erhob sie sich mühsam auf die Knie und schaute sich um. Arranges stand aufrecht einige Schritte naben ihr, von mehreren Pfeilen an einen Baum genagelt, aber lebendig und bei Bewußtsein. Sein Schwert lag neben ihm. Erynn robbte darauf zu und benutzte es, ihre Fesseln damit zu durchtrennen, zuerst an den Füßen, danach mit einigen Schwierigkeiten auch jene um ihre Handgelenke. Es schmerzte, als das Blut in die tauben Glieder zurückfloß. Noch immer auf dem Boden hockend sah sie wortlos zu dem Beschwörer auf.

weuze
27.02.2011, 20:25
Arranges schwanden langsam aber sicher die Sinne, angesichts des Pfeils der ihm seitlich im Unterleib steckte und durch den er vergleichsweise recht viel Blut verlor.

Endlich reagierte die Dunkelelfe. Aber statt sich in irgendeiner Form irgendwie hilfsbereit zu zeigen, hockte sie, nachdem sie ihre Fesseln losgeworden war, vor ihm auf dem Boden und schwieg ihn an. Verfluchtes Blutauge! Na los, hilf mir endlich! Arranges Atem ging nur noch pfeifend, aber von einer Ohnmacht war er im Moment genau so weit weg, wie vom Vollbesitz seiner Sinne und Kräfte. 'Wärd ihr wohl so nett und würdet mir ein wenig zur Hand gehen... vielleicht ist es euch nicht aufgefallen, aber ich hänge hier etwas ungünstig und kann so nur schwerlich reiten...' Zwar war seine Stimme dünn, aber trotzdem hatte sie einen recht ungeduldigen und etwas herrischen Unterton.

Glannaragh
27.02.2011, 23:15
Erynn erhob sich schwankend, stand aber bald darauf wieder sicher auf den Füßen. Da hängst du, und glaubst noch immer, mich herumkommandieren zu können. Interessant. Mein lieber Arranges, ich habe noch ganz andere Dinge von dir gelernt als nur, wie man auf Magie zugreift... Ihr Gesicht war bar jeder Regung, als sie den Nekromanten ansah.
"Wie schnell sich die Dinge doch manchmal ändern, Beschwörer. Warum sollte ich Euch helfen?"

Ich bring sie um! ... Ja... sobald ich hier nicht mehr an diesem Baum klebe, bring ich sie einfach um! Erst blickte er sie finster an, doch nur einen Herzschlag später versteinerte sich sein Gesicht ähnlich dem ihren, obwohl er das Leid seiner Lage nicht ganz verbergen konnte. 'Ja... und sie ändern sich gleich nochmal so schnell, wenn ihr mir nicht helft... nun macht schon!' Den harten Ton, den er gern gehabt hätte, gelang dem Kaiserlichen nichtmal im Ansatz.

Du solltest dir schnell eine bessere Argumentation überlegen, sonst verblutest du hier doch noch. Die Augen der Dunkelelfin wurden kalt, als schließlich eine Hemmschwelle nicht nur brach, sondern regelrecht pulverisiert wurde. Wollen wir doch mal sehen, wie hart du wirklich bist. Mit der einen Hand griff sie nach dem Pfeil in seinem Bein und bog ihn langsam nach oben. "Falsche Antwort."

Arranges jaulte auf, als Erynn sich an dem Pfeil, welcher sein Bein durchschlagen hatte, zu schaffen machte. 'Verdammt! Hört schon auf!' Presste er hervor. Sie hielt inne. 'Ihr könntet mich hier nicht hängen lassen... ein warmer Fleischklumpen pocht in eurer Brust, wie also wollt ihr mich einfach hier zurücklassen können?!'

"Vielleicht ja ebenso, wie Ihr mich meinem Schicksal überlassen wollt", sagte sie mit einem süffisanten Lächeln. Die Elfin ließ den Pfeil zurückschnellen. "Was habt Ihr denn, Arranges? Nachdem Ihr Euch so viel Mühe gegeben habt, mir die harte Realität klarzumachen..." Sie griff wieder nach dem Geschoß, bewegte es jedoch noch nicht. "Neuer Versuch. Warum sollte ich Euch von diesem Baum befreien?"

Er keuchte, als der Pfeil zurückschwang und sein Fleisch herumzerrte. Schwer atmend blickte er sie erst einige Herzsschläge lang an, ehe er antwortete: 'Ich...' Er brach ab und forschte einen Moment in ihrem Gesicht. 'Ihr... sollt mir helfen, weil... ich euch darum bitte...' Sagte er keuchend, aber in gewisser Weise ehrlich.

Sie schüttelte den Kopf. So leicht ziehst du dich nicht aus der Affäre... Erynn kam sich irgendwie erbärmlich und feige vor, so wie sie die Situation ausnutzte, aber sie spielte um ihr Leben. Außerdem zahle ich nur zurück, was ich zuvor erhalten habe. "Das reicht mir nicht", antwortete sie emotionslos und packte den Pfeilschaft fester.

Das kann sie nicht machen...?! Dachte Arranges nur erstaunt und leicht wütend. 'Ja was wollt ihr denn?!' Fragte er leicht gereizt.

"Ist das so schwer zu verstehen, Beschwörer? Ihr seid doch sonst nicht so blöd. Ihr habt mich da in eine Sache hineingezogen, erinnert ihr Euch?" Die Stimme der Elfin troff jetzt vor Gift. "Dummerweise habt ihr dabei 'vergessen' ein paar Informationen weiterzugeben..." sie ruckte an dem Pfeil "...von denen ich gerne gewußt hätte, denn so, wie sich die Geschehnisse jetzt darstellen, bin ich in einer äußerst unangenehmen Lage. Wie bequem für Euch."
Sie warf einen abschätzenden Blick auf seine Wunden. "Was könnte ich wohl wollen? Denkt schneller, Arranges. Eure Zeit wird knapp."

Er biss sich auf die Unterlippe, als sie den Pfeil wieder bewegte. 'Verflucht nochmal... ich kann euch da nicht einfach wieder rausboxen... und ja, es tut mir leid, dass ich euch ein paar Kleinigkeiten nicht gesagt habe... Jetzt... bitte, holt mich endlich hier runter!' Ein verzweifelter Unterton hatte sich in seine Stimme geschlichen und Arranges merkte, wie ihm langsam aber sicher die Knie weich wurden, der Blutverlust machte sich bemerkbar.

"Es tut Euch leid, tatsächlich? Nun, das ist ein guter Anfang..." sagte sie sinnend. Dann sprach sie mit fester Stimme weiter: "Die Abmachung hat sich geändert. Ihr werdet mir beibringen, was ich wissen muß, um in der Gathering zu überleben. Ihr werdet mein Lehrer sein. Oder Ihr werdet hier sterben."

Mal sehen wie lange es mir leid tut... Aber Arranges hatte in diesem Moment keine Wahl, er musste zusagen. Ich kann nicht einfach sterben! 'Nun... es scheint, als habe ich kaum eine andere Wahl... gut, ich werde mein Möglichstes tun, euch zu lehren...' Oder zu Gehacktem verarbeiten, sobald sich die Gelegenheit bietet... Keuchend blickte er sie an. Für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen. Er blinzelte und sein Blick klärte sich wieder. 'Also... helft mir bitte.' Dann umfing ihn gnädige Bewusstlosigkeit. Mit einem Ruck gaben seine Beine nach. Die Pfeile knarzten und knirschten, als plötzlich das gesamte Gewicht des Kaiserlichen auf den drei dicken Stahlstiften lastete...

Erynn fing den Nekromanten auf, als er stürzte. Mit Hilfe des Silberschwertes hebelte sie die Pfeilspitzen aus dem Baumstamm, dann schleifte sie den schlaffen Körper ein Stück davon weg zum Feuer und pfiff nach den Pferden. Falchion trabte heran, den Fuchs im Schlepptau. Wenigstens ihr beide versteht euch gut, dachte sie und legte Arranges auf die Seite. Aus der Satteltasche ihres Pferdes holte sie eine Zange, in denen des Kaiserlichen fand sie einen Heiltrank und Verbandszeug.
So langsam bekomme ich wirklich Übung darin, überlegte sie säuerlich, während sie die Pfeilspitzen abkniff. Zuerst zog sie die Geschosse aus Arm und Körper, dann wuchtete sie das Kettenhemd über seinen Kopf und zog das Leibhemd aus. Die Wunde in seinen Eingeweiden sah böse aus, und sie verlor keine Zeit, als sie rasch einen Großteil des Heiltranks in den Schußkanal rinnen ließ. "Es ist wirklich um einiges einfacher, wenn du nicht bei Bewußtsein bist", murmelte sie, während sie einen Verband anlegte. "Das werd ich mir für die Zukunft merken."
Die Einschüsse an Arm und Bein waren weniger dramatisch, wie sie feststellte. Nachdem sie beides versorgt hatte, legte sie ihm seinen Umhang und eine weitere Decke über, warf mehr Holz auf das Lagerfeuer und setzte sich im Schneidersitz neben den Beschwörer. Seine Züge wirkten friedlich, entspannt, und wenn man ihn so sah, war kaum zu glauben wie entsetzlich er sein konnte. Nach einer Weile regte er sich, und sie streckte die Hand aus, strich ihm vorsichtig durch das wirre Haar. Er schien einigermaßen klar im Kopf zu sein. "Ich wünschte, das alles wäre nicht nötig gewesen", sagte sie leise. "Aber Ihr habt mir keine Wahl gelassen."

weuze
28.02.2011, 00:10
Arranges bekam nichts mehr mit, andernfalls hätte er das reinste Theater veranstaltet. Die Ohnmacht hielt ihn fest im Griff und entließ ihn erst nach einer ganzen Weile wieder. Als er wieder zu sich fand, lag er mehr oder weniger bequem auf dem Rücken. Ein dumpfes, aber nicht arg schmerzendes Pochen erinnerte ihn direkt wieder an die Wunden, die die Pfeile geschlagen hatten. Er bewegte den Kopf leicht, ließ die Augen aber noch geschlossen. Eine vorsichtige Berührung am Kopf ließ ihn erschaudern. Komischerweise fühlte er sich seltsam wohl, was er sich im Moment allerdings nicht erklären konnte, er genoss ganz selbstverständlich die Berührung am Kopf, woher sie kam, war ihm ersteinmal völlig egal... bis ihn Erynns Stimme erreichte...

Was zum Teufel?!

Er riss die Augen auf und schaute der Dunmer ins Gesicht. Verwirrd blickte er an sich herunter. Wie? Ich hänge nicht mehr am Baum?! Aber... Arranges drehte den Kopf weg, als hätte Erynn ihn mit ihrer Berührung plötzlich verbrannt. Grundlos gehetzt bewegte er die Arme zu beiden Seiten seines Körpers und wollte sich hochstemmen. Pfeifend entwich die Luft aus seinen Lungen und er sank japsend zurück. Diese von den Göttern verdammten Schützen! Mit der gesunden Hand fuhr er unter der Decke an die Stelle, wo es just in diesem Moment wieder höllisch zu brennen begann. Er ertastete einen dicken Verband. Zögernd wandte er den Kopf und blickte wieder fragend zu Erynn auf.

Glannaragh
28.02.2011, 12:54
Die Elfin ließ ihre Hand langsam sinken. „Es ist alles in Ordnung, Arranges“, antwortete sie beruhigend auf seine unausgesprochene Frage. „Ich habe Eure Wunden versorgt, Ihr werdet schon bald nichts mehr davon spüren... Verdammter Sturkopf, laßt die Finger davon!“ schalt sie ihn, als er erneut nach den Binden tastete. „Ruht Euch aus. Vor Morgen früh werdet Ihr ohnehin nicht reiten können.“
Es würde ein langer Tag werden. Erynn griff nach den Resten der Pfeile und prüfte, welche Teile sie davon noch würde verwenden können. Danach legte sie ihre Rüstung und Waffen wieder an und sattelte die Pferde ab. Sie haßte es, untätig rumzusitzen, aber es gab sonst nichts mehr zu tun. Das Kinn auf die Knie gestützt hockte sie sich wieder ans Feuer und hoffte darauf, daß der Tag bald vorbeigehen möge.
Sie war noch immer verstört von ihrer eigenen Kaltblütigkeit, bezweifelte jedoch auch ernsthaft, daß es einen anderen Weg gegeben hätte, ihren Willen durchzudrücken. Ich werde mich schon daran gewöhnen, früher oder später. In dieser Gesellschaft wohl eher früher...

weuze
28.02.2011, 14:31
Nachdem Arranges wohl verstanden hatte, dass Erynn ihn sowieso nicht aufstehen lassen würde, er nicht auf seine Magie zurückgreifen konnte um diesen Umstand zu ändern und die Macht, die er in der Nacht zuvor auf die Elfe gewirkt hatte sich ebenfalls dünn gemacht hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu ruhen. Er döste für eine Weile ein...

Als er erwachte war die Sonne gerade im Begriff hinter dem Horizont zu verschwinden und tauchte den Himmel zum Abschied in sattes Purpur. Der Kaiserliche fühlte sich schon um einiges besser, lediglich das dumpfe Pochen im Unterleib erinnerte ihn daran, warum er hier liegen musste. Er legte die Arme wieder seitlich an den Körper und testete, ob er sich ein wenig aufrichten konnte. Mit ein wenig Vorsicht und vor allem langsam schaffte es Arranges, sich in eine sitzende Position zu bringen. Suchend blickte er sich nach Erynn um, die nur einen Schritt weiter am Lagerfeuer saß. Ihre Blicke trafen sich, aber für den Moment schwiegen sie sich nur an. Der Kaiserliche forschte in ihren roten Augen. 'Erynn? Es... es tut mir leid,' begann er, 'bitte verzeiht, was ich euch angetan habe... und... danke für die Versorgung meiner Wunden.' Ehrlich, aber abgehackt, so, als würde er sich schwer tun dies zu sagen, kamen die Worte aus seinem Mund.

Glannaragh
28.02.2011, 17:51
Es wurde Abend, bis Arranges sich wieder regte. Seine versöhnlichen Worte überraschten sie, so schwer sie ihm offensichtlich fielen. Schön und gut. Aber kann ich dem trauen? Ich wünschte es ehrlich, aber den Beweis dafür wirst du erst noch antreten müssen.
Für eine Weile ließ Erynn stumm den Blick auf seinem Gesicht ruhen. In seinen Augen lag keine Falschheit.
„Ist schon gut“, antwortete sie schließlich. „Mir auch. Aber versucht nie wieder, mich zu hintergehen.“ Eine Zeitlang starrte sie schweigend in die Flammen. „Wenn es möglich ist, würde ich lieber nicht in Skingrad Station machen. Im Moment will ich dort niemanden sehen.“ Sprach sie schließlich weiter. „Es ist auf einmal alles so seltsam geworden... laßt uns lieber direkt bis Anvil durchreiten. Seit dem Angriff auf Kvatch hat die Kavallerie ihre Präsenz auf dem Weg verstärkt, daher glaube ich nicht, daß wir unterwegs größere Probleme zu befürchten haben, jedenfalls nicht, so lange wir auf der Straße bleiben.“

weuze
28.02.2011, 18:44
Versuchen werd ichs... Eigentlich war es Arranges Plan gewesen, dass sie durch Skingrad kommen würden, damit er sein Tränkesortiment aufstocken konnte. Ach was solls... Arranges warf Erynn noch einmal einen undeutbaren Blick zu, dann legte er sich wieder hin und schaute in den Himmel. Ich werde es wohl halten wie bei Nienna... die Unterzeichnung schlichtweg blockieren... Mit einem weiteren Blick auf Erynn schlief der Kaiserliche schließlich ein.

Am nächsten Tag erwachte Arranges erst, als die Sonne sich längst ganz über den Rand der Welt geschoben hatte und die goldene Flut vom Sonnenaufgang sich bereits wieder im Rückzug befand. Entspannt und ausgeruht stemmte er sich hoch. Erynn hatte die ganze Nacht durch gewacht wie es schien. Der Magier fühlt sich gut erholt, der Schmerz im Unterleib hatte fast komplett nachgelassen. Mit einem zufriedenen Seufzer erhob sich Arranges. 'Wollt ihr euch vielleicht noch ein wenig hinlegen bevor wir aufbrechen?' Fragte er die Dunmer freundlich. Sie verneinte und obwohl Arranges nicht ganz überzeugt war, ging er nicht weiter darauf ein.

Wenig später hatten sie das Lager abgebrochen und waren durch die weiten Felder Colovias unterwegs. Erst, als die verbrannten Hänge und die dunklen Ruinen von Kvatch steil vor ihnen aus der Landschaft aufragten, lenkten sie ihre Pferde nach Süden auf die Straße zurück. Die Reise verlief ohne weitere Zwischenfälle. Das Wetter war sogar so gut, dass sie beschlossen die Nacht durchzureiten. Am nächsten Morgen tauchten die ersten Sonnenstrahlen die Welt in ein blasses Licht, als Anvil endlich unter ihnen an der Küste auftauchte, zu der das Land jetzt rasch abfiel.

'Ich kenne jemanden in Anvil... wenn es euch nichts ausmacht, würde ich dort gern Quartier beziehen und mir die Septime für ein Gasthaus sparen, ihr könnt euch meinetwegen gern ein Bett in der Kämpfergilde nehmen wenn ihr wollt...' Wie auch sonst hätten die Worte jetzt vielleicht den Eindruck vermittelt, dass Arranges sich insgeheim wünschen würde, dass er Erynn für einige Stunden nicht sehen würde müssen, aber er sprach seine Worte dieses Mal eher seinen ehrlichen Gedanken entsprechend: Er dachte dabei an Erynn, die sich, so seine Überlegung, in den Gildenhallen vielleicht wohler fühlen würde.

Glannaragh
28.02.2011, 21:25
Erynn war mehr als einverstanden, und so vereinbarten sie, sich am fogenden Tag an den Stallungen wiederzutreffen. Sie lenkte ihre Schritte in Richtung der Krigergilde, während Arranges irgendetwas von ‚Hafen’ murmelte und verschwand.

Todmüde betrat die Elfin das Gildenhaus. Daß sie seit zwei Nächten nicht mehr richtig geschlafen hatte, machte sich bemerkbar. Doch zunächst mußte sie sich noch um einige Dinge kümmern. Sie ging in das Büro des Gildenleiters im oberen Stock und informierte ihn über ihre Ankunft. Der Rothwardon musterte sie kurz. „Ihr kommt aus Skingrad?“ „Ja.“ „Könntet Ihr ein wenig Zeit erübrigen? Als Ausbildungszentrum sind wir hier ziemlich ausgelastet, und manche Dinge bleiben einfach liegen.“ Erynn überlegte fieberhaft. Nein, nicht wirklich. Ich will einfach nur pennen, was Anständiges zu essen wäre schön und wenn ihr zufällig noch ein paar Lederbeinschienen im Fundus hättet... seit ich mich mit zwei anderen Verrückten durch ein Obliviontor geschnetzelt habe, sind meine etwas angesengt – übrigens beabsichtige ich, genau dasselbe noch einmal zu tun, und das möglichst bald, denn ich hatte nicht den Eindruck, daß der Nekromantenhaufen, der mich indirekt dazu verdonnert hat, besonders geduldig ist...
„Worum geht es?“ fragte sie, wobei es ihr nicht gelang, die Erschöpfung aus ihrer Stimme zu verbannen. Ihr Gegenüber warf ihr einen prüfenden Blick zu. „Der Schmied und Rüstungsbauer hier in Anvil hat Probleme mit seinem Nachschub. Seit Beginn der Krise wagen sich die Jäger nicht mehr allzu weit raus, und so langsam gehen dem Mann die Felle und Häute aus. Er hat uns gebeten, ihm unter die Arme zu greifen. Könnt Ihr jagen?“
Erynn war drauf und dran, die Frage zu verneinen, fürchtete jedoch, daß Ah-Malz sie in die Mangel nehmen würde, sollte er jemals durch einen dummen Zufall von ihrer Flunkerei erfahren. „Ja, kann ich. Was genau braucht der Schmied?“ „Bärenfelle hauptsächlich.“ Na großartig. „Ihr müßt nicht sofort losgehen“, fuhr der Rothwardon fort. „Ihr seht müde aus, und außerdem halb verhungert. Rastet für heute hier, und macht Euch dann Morgen an die Arbeit.“
Die Elfin nickte dankbar. „Gut, einverstanden. Ich brauche noch den offiziellen Auftrag. Hab keine Lust, irgendeinem paragraphenreitenden kaiserlichen Waldhüter erklären zu müssen, warum er mich nicht wegen Wilderei in den Kerker werfen sollte.“ Der Gildenleiter kramte in seinem Schreibtisch nach dem Papier mit dem offiziellen Siegel und reichte es ihr. Sie verabschiedete sich und ging die Treppe wieder herunter. Im Gemeinschaftsraum fragte sie eine Söldnerin nach dem Weg zum Schlafsaal und nahm sich trotz ihrer Müdigkeit die Zeit, ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Die Andere war ebenfalls eine Dunmer – aus Khuul, wie sich herausstellte. Nicht weit entfernt von ihrem eigenen Geburtsort.

Nachdem sie ein freies Bett gefunden hatte, schälte sie sich aus ihrer Rüstung und ließ sich auf das Lager sinken. Bären jagen. Genau das hat mir zu meinem Glück noch gefehlt. Ich freu mich jetzt schon darauf, das dem Beschwörer erklären zu dürfen...
Am Abend stand sie noch einmal auf, um die Ausrüstung auf Vordermann zu bringen, zu baden und etwas zu essen. Für eine Weile hörte sie den Gesprächen der anderen Krieger zu, sagte selbst aber nicht viel. Hier in Anvil schienen die Geschäfte hervorragend zu laufen, das Problem lag eher bei mangelndem Nachwuchs als bei fehlender Arbeit. Fragt sich bloß, wie lange noch. Vielleicht schlage ich Ah-Malz bei passender Gelegenheit vor, einige unserer Leute hierher auszuleihen, solange es an der Goldküste noch genug zu tun gibt.

Im Gemeinschaftsraum ging es noch hoch her, als Erynn beschloß, wieder schlafen zu gehen. Der nächste Tag würde früh genug beginnen, und wenn es Arranges gelungen war, an brauchbare Informationen betreffend des Standortes eines Tores zu kommen, würde er wohl auch sehr lang werden. Zuerst das Tor, entschied sie schließlich. Danach alles weitere...

weuze
28.02.2011, 22:53
Arranges machte sich auf zum Hafen, zu dem etwas kleineren Haus, das sich im Gegensatz zu den anderen Bauten nicht an die Kais drängte. Er klopfte und schon nach wenigen Augenblicken öffnete sich die Tür. 'Arranges...!' Mit wie immer, wenn sie ihn sah, leuchtenden Augen, stand Nienna vor ihm und kaum dass Arranges sich versah, hing sie auch schon an ihm. 'Seit dem letzten Besuch ist doch noch gar nicht so viel Zeit vergangen? Was machst du schon wieder hier?' Fragte sie mit gespieltem Ernst. 'Nun...'
'Achwas, komm doch erstmal rein...' Ohne ihn ausreden zu lassen, ergriff sie seine Hand und zog ihn ins Haus. Nach ein wenig hin und her saßen sie bald an dem kleinen Tischchen. 'Also, was treibt dich schon wieder zu mir? ... Suchst du etwa ein wenig Zuneigung?' Mit einem schelmischen Grinsen blickte sie auf den Schnitt in seiner Wange. 'Als ob ich das nötig hätte... obwohl tatsächlich eine andere an diesem Kratzer schuld ist...'
'Du lässt dich neuerdings von Frauen so zurichten?'
'Ja... und nein...'
'Arranges...' sie grinste ihn verschmitzt an, 'bist du etwa schon wieder in weiblicher Begleitung unterwegs?'
'Ja, aber jetzt sogar ganz offiziell...'
'Du hast eine Schülerin?'
'Nein, sie spielt nur die Schülerin für mich...'
'Du fängst also schon wieder an, die Gathering an der Nase herumzuführen? Aus dem letzten Mal hast du wohl gar nichts gelernt oder?' Fragte die Nord deutlich besorgt.
'Nein, ich werde das Ganze ein wenig geschickter anstellen, nicht wie damals, als alles ein wenig aus den Fugen geriet und ich plötzlich für alles verantwortlich war...'
'Hoffentlich hast du das auch reiflich überlegt...'

Kurze Zeit später lag Arranges schnarchend auf einem einfachen Lager. Der Nekromant erwachte recht früh, aber trotzdem war Nienna schon längst wach und hockte unten in dem kleinen Wohnraum. Der Kaiserliche kam zu ihr herunter und während er begann sich seine Rüstung anzulegen, überlegte er, wie er am besten an Informationen kommen könnte, was das Obliviontor anging. Er schnallte sich gerade die Armschienen an, als Nienna aufblickte und ihn fragte: 'Arranges, was hat es mit dem Siegelstein auf sich?' Der Kaiserliche erstarrte mitten in der Bewegung und blickte zu der Nord. 'Äh was?!' Nienna griff in ihre Tunika und zog eine faustgroße, nachtschwarze Kugel hervor. 'Was es mit diesem Siegelstein auf sich hat, den du bei dir getragen hast?'
'Warum wühlst du in meinen Sachen?'
'Weil etwas nicht stimmt mit dir...' Arranges ging auf sie zu und nahm ihr den Sigelstein ab. Kurz darauf war die Kugel auch schon wieder unter seinem Umhang in irgendeinem Beutel an seinem Gürtel verschwunden.
'Es stimmt also, was ich erfahren habe?'
'Was?' Fragte Arranges.
'Na dass die Gathering intern zerfällt... und jetzt hat man dich dazu abgestellt, Siegelsteine zu beschaffen, weil man damit versuchen will, die Abtrünnigen zu vernichten...'
Arranges nickte nur stumm. Nienna seufzte. 'An der Küste nördlich von Beldaburo hat sich vor einigen Tagen ein Tor aufgetan...'
'Aber...'
'Ich weiss, dass ich dich sowieso nicht davon abhalten könnte, aber bitte tu mir den Gefallen und pass auf dich auf.'
Arranges nickte nur wieder stumm, dann verließ er das Haus und machte sich auf den Weg zu den Stallungen.

Als er aus dem gerade eben geöffneten Stadttor kam, sah Arranges, dass Erynn bereits zugegen war. 'Guten Morgen Erynn...' Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. 'Ich weiss den Standort des Tors... irgendwo an der Küste nördlich der Ruine Beldaburo...'

Der Tag war nicht mehr ganz so freundlich wie der vorangegangene. Dichte Wolkenbänder drängten vom Meer her auf das Land zu, als sie aufsaßen und den Weg nach Norden an der Küste entlang antraten.

Glannaragh
02.03.2011, 17:18
Erynn hatte bereits aufgesattelt, als Arranges erschien. Er wirkte gelöst und guter Dinge; es schien ihnen beiden gutgetan zu haben, für ein paar Stunden den jeweils anderen nicht sehen zu müssen. Sie kraulte Falchions Kopf, während sie darauf wartete, daß der Kaiserliche seinen Fuchs abmarschbereit machte. Als sie ihre Pferde schließlich aus dem Gatter des Paddocks lenkten, lehnte sich die Elfin im Sattel zurück und kramte eine Karte aus ihrem Gepäck. „Beldaburo... klingt ayleidisch.“ Sie brauchte einen Moment, um den gesuchten Ort zu finden. „’In der Nähe von Anvil’ war wirklich eine recht großzügige Umschreibung Eures Informanten. Das ist ein ganzes Stück nach Norden, noch dazu bei schwierigem Gelände.“
Sie ließ die Karte wieder verschwinden und zog ihre Kapuze über den Kopf, als sie die Stadtmauern hinter sich ließen. Der Wind wehte unangenehm kühl vom Meer her, roch nach Salz und Regen. Sie hielten sich so dicht an der Küste wie möglich. Das Land war hügelig und fiel zum Wasser hin zum Teil steil ab, so daß sie die Pferde nicht zu einem schnellen Tempo treiben konnten. Erynn kannte sich hier nicht aus. Sie wußte, daß weiter im Landesinneren eine leichte Bewaldung vorherrschte, mit einigem an Geröll dazwischen, aber der Goldküste selbst war sie noch nie so weit gefolgt, wie sie es jetzt vorhatten. Sie gab Falchion mehr Zügel und und überließ es ihm größtenteils selbst, sich seinen Weg zu suchen. Wenigstens besteht bei dem Gelände abseits der Küste die Möglichkeit, daß sich dort Bären aufhalten. Mit ein wenig Glück brauche ich gar nicht so viel Zeit, die Felle zu beschaffen, sinnierte sie. Aber konzentrieren wir uns zuerst auf das Tor. Wenn wir da nicht wieder rauskommen, ist alles andere ohnehin Makulatur.

Die Elfin nahm sich Zeit, ihre Umgebung genauer zu betrachten. Es hätte schön sein können hier, auch wenn sie das Grasland der Westebene und die schattigen Wälder um den Rumaresee herum bevorzugte. Jetzt allerdings hatte das Wolkenband, das sich über dem Meer zusammengeballt hatte, die Küste erreicht und verdunkelte den Himmel. Es würde bald anfangen zu regnen. Mit ihrem Blick folgte sie einem Schwarm Möwen, die sich gegen den Wind stemmten und hin und wieder herabstießen, wenn sie etwas Interessantes entdeckt hatten. Sie drehte sich im Sattel um. Noch immer konnte man die Mauern der Hafenstadt sehen; es würde mal wieder ein langer, nasser Tag werden, bis sie ihr Ziel endlich erreicht hatten.
Ich hoffe nur, daß diesesmal alles gut geht. Erynn hatte längst entschieden, dem Kaiserlichen diesesmal die Führung zu überlassen wenn sie das Tor betraten und sich auf ihre schnelle Reaktionsgabe zu verlassen, sobald es brenzlig wurde. Spätestens auf halber Strecke zum Siegelturm, so schätzte sie, würde ihm die Hitze ohnehin so sehr zu schaffen machen, daß die Hauptlast der Kämpfe auf ihren Schultern lasten würde.

weuze
02.03.2011, 20:22
Arranges hatte die Wolken beobachtet, wie sie näher kamen und jetzt, da der Tag schon gut zur Hälfte vorüber war, über ihnen hingen und die Welt in ein einheitliches Grau tauchten. Ich bin ja gespannt, ob wir das Tor noch erreichen, bevor hier der Sturm losbricht... Arranges war sich nicht ganz sicher, was ihm weniger gefallen würde. Hier im kalten Nass zu sitzen, während einem der scharfe Meereswind um die Ohren pfiff, oder in Dagons Hölle herumzustolpern, wo einem die Hitze fast die Haut von den Knochen brannte. Ich folge wohl am besten dem Ruf meines Herzens... also, auf zum Jerallgebirge... Arranges grinste bei diesem Gedanken und warf einen Seitenblick auf Erynn. Schließlich war sie es mit vielen anderen zusammen, die ihn als meistens herzlos und eher kaltblütig bezeichneten...

Während langsam aber sicher die Mauern Anvils hinter ihnen verschwanden, begann ein recht zugiger Wind von der See her über die Küste zu fegen. Klasse, jetzt noch Regen... Und wie zur Bestätigung spürte der Kaiserliche einen kalten, nassen Klecks auf der Wange. Verfluchte Götter! Der Regen nahm rasch zu und schon wenige Minuten später stapften die Pferde mit hängenden Köpfen durch einen dichten Nieselregen, der vor keiner Kleidung Halt zu machen schien. Arranges hatte seinen Umhang eng um den Körper geschlungen und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, aber nichteinmal das dichte Filz konnte den Regen wirklich fernhalten. Er spürte, wie an ein paar Stellen das Wasser durch den Stoff drang und dann durch das Kettenhemd sickerte. Ich werde mich zwingen müssen dieses Wetter zu genießen... bald sind wir wieder in dieser ewigen Lavagrube... Sie waren so noch ein paar Stunden unterwegs, bis es allmählich dunkel wurde. Von dem Tor war weit und breit keine Spur.

'Erynn... wir sollten rasten... weiter durch den Regen zu gehen, hat keinen Sinn, wir sterben vorher an einer Erkältung, ehe wir das Tor gefunden haben...' Er störte sich zwar nicht an der nassen Kälte, obgleich es unangenehm war. Aber bei diesen grauen Schleiern würden sie jetzt, da es Nacht wurde, noch viel weniger zum Tor finden. Es war ohnehin schon schwer genug irgendetwas in der Ferne zu erkennen.

Sie ritten noch eine Weile weiter, bis das spärliche Tageslicht fast ganz erloschen war, dann hielten sie nach einem halbwegs trockenen Lagerplatz Ausschau. Eng an einen der großen Findlinge gekauert, wurden sie fündig. Die Pferde standen unter zwei nahen, kleinen Bäumen, während Arranges und Erynn sich einen kleinen Wetterschutz an dem Felsen errichteten. Die Plane war zwar alles andere als wasserdicht, aber wenigstens würde sie den gröbsten Regen abhalten. Arranges hatte ein paar dicke Treibholzprügel und einen halbvermoderten, zerbröckelnden Baumstamm gefunden. Das Holz war zwar nass, aber nicht so von Feuchtigkeit durchtränkt, wie im schwarzen Forst vor einiger Zeit. Mit ein wenig Mühe und Flucherei bekam der Nekromant ein kleines Feuerchen in Gang. 'Versucht zu schlafen, ich werde Wache halten...'

Glannaragh
03.03.2011, 00:19
Sie waren längst völlig durchnäßt, als sie schließlich das Lager aufschlugen, und Erynn fror bereits wieder elendig. Mit teilnahmslosem Blick schaute sie in die mickrigen Flammen, die um das feuchte Holz leckten und versuchte schließlich, eine davon auf die Hand zu nehmen. Sie holte sich zweimal viel zu warme Finger, bis es ihr schließlich gelang, sie auf ihrer Handfläche tanzen zu lassen. Zur Vorsicht streckte sie den Arm unter der Plane hervor, bevor sie ausprobierte, das Flämmchen mit ihrer eigenen Magie zu nähren, was, wie sich herausstellte, keine dumme Idee war. Erschrocken zuckte sie zusammen, als aus dem zahmen Flackern eine Stichflamme wurde, die gut und gerne eine Elle in die Höhe schoß und verpuffte, als ihr die Verbindung zur Magie entglitt. „Verdammter Mist...“
Auf Arranges’ Worte hin drehte sie sich zu ihm um, legte den Kopf schief und sah ihn an. „Warum müßt Ihr immer den ganz harten Kerl raushängen lassen, Beschwörer? Mir ist ohnehin viel zu kalt zum Schlafen, und im Gegensatz zu Euch habe ich nicht vor ein paar Tagen so getan, als sei ich eine Zielscheibe. Ruht Ihr Euch ein wenig aus, und ich wecke Euch dann zur halben Nacht.“
Während sie sprach, nahm sie ein weiteres kleines Flämmchen aus dem Feuer und legte die Hände wir eine Schale darum, so daß es ihr die Finger wärmte. Irgendwie war die Sache mit der Magie doch... praktisch. Wer hätte das gedacht? Vielleicht lohnt es sich ja doch, mehr darüber zu wissen. Allein die Vorstellung, Zauberei und Stahl miteinander zu verbinden... Erynn schüttelte den Kopf. Der Aufwand dafür wäre wohl enorm, und ihr graute es, als sie sich vorstellte, stundenlang in einer staubigen Bibliothek über ebenso staubigen Büchern zu hocken, die zur Hälfte Wörter enthielten, die sie erst nachschlagen müßte. Nene. Davor werde ich mich drücken, so lange ich noch kann. Allein beim Gedanken daran bekomme ich Rückenschmerzen...
„Arranges? Wenn die Magie ohnehin die ganze Natur durchdringt, warum muß man sie dann mühsam aus Büchern lernen? Warum ist eine durchschnittliche Person normalerweise davon abgeschnitten? Warum kann man sie nicht selbstverständlich nutzen, wie die Luft zu Atmen? Warum... schon gut. Beantwortet mir einfach die erste Frage.“

weuze
03.03.2011, 14:30
Wie kann man nur so naiv sein? 'Zunächst, wie kommt es, dass ihr fast doppelt so alt seid wie ich, aber so wenig vom Leben gelernt habt? ... Natürlich altern alle Mer sehr viel langsamer, als die übrigen Rassen, aber ihr habt ja wohl nichts anderes getan, als noch bis vor 10 Jahren mit einem rostigen Übungsschwert im Keller der Gilde auf eine Übungspuppe einzudreschen... das jedenfalls würde so manches erklären...' Arranges war nicht direkt zornig, aber dennoch merkte man ihm seine Verärgerung an. 'Warum ist euch kalt?' Er nickte fragend mit dem Kopf in Richtung der Flamme in ihren Händen. 'Ich habe euch doch gezeigt, wie man über Feuer gebietet, also los, nutzt euer Wissen und Können... Und was die Tatsache angeht, dass eine normalsterbliche Person nicht auf die Magie zugreifen kann, schön, dass ihr das Talent des Bogenschießens anscheinend mit der Muttermilch bekommen habt...' Der Kaiserliche starrte mit etwas, das man eine Wutfalte hätte nennen können auf der Stirn, in die Flammen, während er mehr oder weniger auf ihre Antwort wartete. Er wagte es nicht, so viel Vertrauen in sie zu setzen, dass er sich schlafen gelegt hätte. Dazu fehlte ihm auf der einen Seite die Verzweiflung und Erschöpfung, die ihn dazu zwingen würde und auf der anderen eben das Vertrauen, das Erynn von ihm trotz dessen, dass er sie mittlerweile schon recht lange und recht gut kannte, noch immer nicht genoß.

Glannaragh
03.03.2011, 16:14
Erynn nahm die Erwiderung des Kaiserlichen zerknirscht hin. Tatsächlich hatten ihre Fragen darauf gezielt, irgendwie einen Weg zu finden, mit dem sie sich um mühevolle, zeitraubende Studien hätte drücken können und war scheinbar direkt aufgeflogen. Sie ließ das Flämmchen verpuffen und hob in beschwichtigender Geste die Hände. „Erwischt“, gestand sie, und brachte tatsächlich den Anstand auf, einigermaßen reumütig auszusehen.

„Was den Altersunterschied betrifft“, fuhr sie fort, „wir altern nicht nur langsamer, sondern entwickeln uns auch nicht so schnell wie Menschen. Ich habe meine menschlichen Freunde in Cheydinhal erwachsen werden und Familien gründen sehen, lange bevor ich mir das für mich überhaupt vorstellen konnte. Eine von ihnen ist sogar bereits tot. Es ist seltsam und befremdlich, aber man gewöhnt sich daran. Und nein, ich habe das Bogenschießen nicht an einem Tag gelernt. Es hat lange gedauert, jedenfalls nach menschlichen Maßstäben, und bestand aus einer Folge von Wiederholungen der ewig gleichen Handgriffe und Bewegungen, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen waren...“ sie verstummte. Offensichtlich hatte sie sich die Antwort auf ihre Frage soeben selbst gegeben.

weuze
03.03.2011, 16:48
Arranges drehte den Kopf zu Erynn und blickte sie an. Seine Miene war nun ein ganzes Stück weicher und auch die Schärfe war aus seiner Stimme gewichen, die jetzt eher Zuspruch enthielt, als er ihr antwortete: 'Ich selbst kann als einer aus dem Kaiservolk normalerweise nicht mit Magie hantieren, das ist allgemein bekannt... schließlich haben die kaiserlichen Armeen unter Tiber Septim zu Beginn der dritten Ära die anderen Provinzen nicht mit der Magiebegabung ihrer Kampfmagier unterworfen als vielmehr mit Taktik und Breitschwert...' Er machte eine kurze Pause, als er weitersprach wirkte es eher so, als rede er zu sich selbst: 'Seit 19 Jahren beschäftige ich mich mit Nekromantie... Zerstörung erlernte ich noch um einige Jahre früher... und trotzdem beherrsche ich es nicht wie andere...obwohl...' Er verstummte und winkte ab. 'Es ist einfach so,' furh er wieder mit normallauter Stimme fort,' dass es sich mit Magie ähnlich verhält wie mit allem anderen auch. Natürlich haben einige einen sehr viel besseren Bezug dazu und verstehen eher, Magie für sich zu nutzen... Bretonen zum Beispiel oder auch Altmer... Obwohl ich diese Affinität nicht habe, wurde sie mir von meinem...' Wieder verstummte Arranges, sprach aber sogleich weiter: 'Wurde mir das Nutzen dieser Macht von einigen beigebracht... ein sehr guter Lehrer war immer Meister Jurano gewesen... zwar war ich in den Grundzügen der Beschwörung längst bewandert, aber er verstand es, mich anzuspornen, mehr zu lernen und nicht mit mir zufrieden zu sein, bis ich wirklich an der Spitze dieser Kunst angelangt war... Es war ein langer und äußerst mühsamer Weg und dabei kann und weiss ich noch immer nicht alles, was es zu wissen und zu können gibt... ihr seht also, dass es sich mit der Nutzung der Magie recht ähnlich verhält, wie mit dem Erlernen des Fechtens oder des Bogenschießens... Aber genug für heute mit dem lehrreichen Gerede... ich werde die erste Wache übernehmen und euch dann wecken...' Arranges rang sich ein Lächeln ab, ehe er den Blick wieder abwandte und in die Flammen blickte.

Glannaragh
03.03.2011, 22:09
Sie nickte stumm und erklärte ihr Einverständnis, indem sie näher ans Feuer rückte und sich zum Schlafen zusammenrollte. Mit ein bißchen Mühe gelang es ihr tatsächlich, ihren Körper mit Hilfe von Magie zu wärmen. Der Umgang mit der noch immer unbekannten Kraft erschöpfte sie so sehr, daß sie bald darauf tief und fest schlief.
Arranges weckte sie erst zur Morgendämmerung – nicht, daß es sie überraschte, aber sie wünschte sich dennoch, er würde ein bißchen mehr auf sich achtgeben. Der Regen hatte sich über Nacht gelegt, aber es war noch immer kalt, windig und diesig. Sie brachen das Lager ab und fingen die Pferde ein, die dicht zusammengedrängt unter einem nahen Baum standen. Die Beiden gönnten sich ein kurzes Frühstück und waren schon bald darauf wieder unterwegs.

Bis zum Mittag kamen sie ohne Unterbrechungen voran, bis sich vor ihnen schließlich Beldaburo aus dem Nebel schälte. Erynn faßte die Zügel kürzer und beobachtete die verwinkelte Ruine genauer. Sie glaubte, eine Bewegung gesehen zu haben, konnte aber unmöglich sagen, ob es sich um ein harmloses Tier oder etwas anderes handelte. Dennoch wurde sie überrascht, als eine blaßleuchtende Kugel an ihr vorbeiflog und Falchion an der Hinterhand erwischte. Der Wallach keilte instinktiv danach stieß ein erschrecktes Schnauben aus. „Magier!“, rief sie Arranges eine Warnung zu, ließ sich aus dem Sattel fallen und rollte hinter einem Felsen in Deckung. Ein weiterer Zauber flog heran, überzog den Stein vor ihr mit einer glitzernden Eisschicht. Verdammt, wo bist du, Drecksack? Sie riskierte einen Blick, konnte durch die Nebelschwaden jedoch nichts erkennen. „Arranges, seht Ihr irgendwas?“ rief sie halblaut in Richtung des Beschwörers.
Ihren Bogen hatte sie nicht zur Hand. Er hing an Falchions Sattel, und das Pferd hatte sich in Richtung des Meeres in Sicherheit gebracht. Scheiße! Ich muß irgendwie an den Angreifer herankommen... Ich hasse Magier. Ich hasse sie einfach!

weuze
04.03.2011, 14:41
Arranges war nicht ganz überrascht. Er hatte die zwei Schatten einen Lidschlag vor Erynn entdeckt, konnte sich aber ebenso wenig wie sie auf den plötzlich heranjagenden Zauber vorbereiten. Anfänger... Der Rotfuchs des Kaiserlichen machte Anstalten zu steigen und auszubrechen, aber Arranges konnte ihn unter Kontrolle halten. Erynn hechtete währenddessen von ihrem Pferd und ging hinter einem Findling in Deckung. Der Kaiserliche verrenkte und drehte sich im Sattel, um die Blickrichtung beizubehalten, obwohl sein Pferd stark umhertänzelte und kurz davor stand, panisch davon zu preschen. Ruhig... ganz ruhig! Nachdem der zweite Zauber die Elfe wieder nicht getroffen hatte, blieb es ruhig. Keine Schatten oder Gestalten zwischen den Ruinen Beldaburos und den dichten Nebelschwaden verrieten die Position der Angreifer.

Er lachte künstlich und höhnte der Elfe entgegen: 'Klar, ich habe die Augen eines Khajiits, ich durchdringe Nacht und Nebel mit meinem Blick...' Verärgert schwang er sich aus dem Sattel. Sein Rotfuchs suchte instinktiv die Entfernung zum sich ankündigenden Kampf. Angestrengt blickte Arranges in die Richtung, aus welcher die Zauber gekommen waren.

Ein lautes Bellen riss ihn aus seiner Konzentration. Das wütende Kleffen hallte von allen Seiten aus dem Nebel wieder. Was zur Hölle wird das... feiges Banditengesindel... Ein massiger Hund in vollem Sprint schälte sich leicht links von Arranges aus dem sie umgebenden Weiß. Das ist ein schlechter Witz oder? Der Kaiserliche fuhr zu dem heranstürmenden Hund herum, streckte ihm beide Arme entgegen und kurz darauf jagte dem Tier ein mächtiger, kurzlebiger Feuerstrahl entgegen. Der Hund wurde hart zurückgeschleudert und blieb mit bis auf die Knochen verbranntem Fleisch am Rumpf, reglos liegen. 'Und, war das alles?' Fragte er in die Stille hinein... Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Von den Ruinen her strümten jetzt zwei bunt, aber schwer gerüstete Krieger mit massigen Zweihändern im Anschlag. Dahinter konnte Arranges eine Gestalt in Robe erkennen. Ah, der Magier...

Einer der Krieger kam deutlich in die Richtung des Kaiserlichen, während der andere auf den Findling zuhielt, hinter welchem Erynn hockte. So, schluss mit lustig! Ich will so schnell wie möglich den zweiten Siegelstein haben... und dabei werde ich mich nicht behindern lassen...! Vor dem Kaiserlichen trat ein mannshohes Skelett mit einem zwergischen Cleymore aus einer blassblauen Kaskade. Der Skelettmeister verlor keine Zeit damit, sich einen Lakaien zu rufen und gleichzeitig den feindseligen Krieger abzufangen. Arranges versuchte währenddessen sich irgendwie seitlich im Bogen um die Keilerei herum zubewegen, um freie Angriffsfläche auf den Magier zu bekommen.

Glannaragh
04.03.2011, 18:18
Erynn erhob sich aus der Deckung, um dem Schwergerüsteten zu begegnen, der auf sie zustürzte. Funken stoben, als Stahl krachend auf Stahl traf. Für einige Herzschläge standen sie in wortlosem Kräftemessen ineinander verkeilt, bis es Erynns Gegner gelang, sein Gleichgewicht zu verlagern und nach ihrem Schienbein zu treten. Keuchend sprang sie zurück und mußte sich sogleich eines weiteren Schwerthiebes erwehren, der mit ähnlicher Wucht geführt war wie der vorangegangene.
So wird das nichts, überlegte sie, während sie die Klinge ihres Widersachers nach unten ablenkte und ihn mit der Schulter voran anrempelte, in der Hoffnung, der Stoß und die schwere Rüstung würden ihn zu Fall bringen. Der Bandit stolperte zurück und fluchte, hielt sich aber auf den Füßen. Die Elfin setzte ihm nach und deckte ihn mit einer schnellen Folge von Schlägen ein, die jedoch aufgrund des stählernen Panzers bestenfalls schmerzhaft, keinesfalls jedoch gefährlich waren.
Ein zornerfülltes Brüllen drang unter dem Helm hervor, als ihr Gegner sich wieder fing und den sperrigen Zweihänder herumwuchtete. Der Streich kam über Schulterhöhe heran und hätte sie um ein Haar sauber enthauptet; im letzten Augenblick drehte sie sich in den Angriff und brachte ihr eigenes Schwert zwischen ihren Körper und die heransausende Klinge. Sie wurde zurückgestoßen, stolperte und duckte sich unter einem weiteren Schwinger hinweg, stach dann aufwärts nach den Sehschlitzen des Helms.
Erynns Feind reagierte schnell. Es gab ein metallisches Kreischen, als er ihre Waffe mit seinem geschützten Arm zur Seite schlug, sofort seine Klinge wieder mit beiden Händen packte und diese Knauf voran in ihre linke Schulter krachen ließ. Sie schrie auf und brach in die Knie. Ihr Gegner machte einen Ausfallschritt und setzte zu einem abwärts geführten Stoß an, als sie sich zur Seite abrollte und wieder auf die Füße kam. Ihre Aktion hatte sie halb hinter den Banditen gebracht, wo sie endlich die Schwachstelle in seiner Panzerung entdeckte, die sie brauchte. Sie wirbelte herum, um gänzlich hinter den Angreifer zu kommen, vollendete die Drehung und versenkte die Schwertspitze in seiner Kniekehle, genau zwischen gepanzertem Stiefel und Beinplatte. Sein vormals zorniges Knurren steigerte sich zu einem erstaunlich hohen, gepeinigten Kreischen.
Erynn trat den Zweihänder aus seiner Reichtweite und blickte sich wild um. Die Taubheit in ihrer Schulter wandelte sich zusehends zu einem schmerzhaften, nervtötenden Pochen. Wo ist der Magier?

weuze
04.03.2011, 19:48
Arranges bewegte sich geschickt um die zwei keilenden Skelette und den Krieger herum. Er nahm den Magier ins Visier. Ein Spruch auf den Lippen, mit der rechten Hand zum Schwert greifend, während die linke in eine rote Flamme gehüllt wurde, fixierte der Nekromant den anderen Magier und trat langsam auf ihn zu. Der Gegner schien ihn noch nicht ganz bemerkt zu haben, er war auf die beiden Skelette fixiert und versuchte durch zwei Zauber den Krieger irgendwie zu schirmen.

Erst als Arranges bis auf fünf Schritte heran war, bemerkte der andere, dass er sich schleunigst um seine eigenen Verteidigung kümmern sollte und wandte sich dem Kaiserlichen zu. Die Augen des Magiers waren mindestens so starr und kalt wie die von Arranges. Der Nekromant machte den letzten Schritt auf seinen Gegner zu und holte zu einem Dachschlag aus. Sein Gegenüber reagierte erstaunlich schnell und beschwor ein daedrisches Schild aus dem Nichts zwischen sich und die Klinge. Laut klirrend prallte das Silberschwert auf den Schild und spickte zurück, sodass Arranges Mühe hatte, es zu kontrollieren. Du wehrst dich? ... Falsche Option! Der andere Zauberer nahm prüfend den Schild ein wenig herunter und hielt jetzt in der anderen Hand einen Dolch, mit dem er weit ausholend den Bauch des Kaiserlichen aufzuschlitzen gedachte. Kreischend strich die Klinge über das Kettenhemd. Arranges nutzte die offene Deckungslücke und setzte mit dem vorbereiteten Zauber nach. Brüllend riss der andere seinen verkohlten Arm zurück und achtete für eine Sekunden nicht auf seine Deckung. Arranges ging direkt hinterher, griff das Schwert mit beiden Händen und hieb brutal auf den gegnerischen Magier ein. Diesem blieb jetzt kaum mehr etwas übrig, als sich hinter dem Schild zu ducken. Arranges ließ ihm nicht nochmal die Chance zur Gegenwehr. Schritt um Schritt drängte der Beschwörer den anderen zurück, bis dieser nicht mehr weichen konnte. Mit dem Rücken an einer Wand der Ruine, sah sich der Gegner in der Falle. Er sank immer mehr unter den Hieben des Kaiserlichen zusammen und hatte Mühe, den Schild so zu halten, dass Arranges Hiebe nicht daran vorbeigingen. Der Kaiserliche versuchte seinerseits mit allerlei Finten den Gegner zu verletzen, jedoch sah er kaum eine Chance an dem breiten Schutzwall vorbeizukommen. Bei den vier Säulen... schluss jetzt mit den Kinderspielchen! Deutlich zeichnete sich der Zorn auf dem Gesicht des Kaiserlichen ab. Er ließ mit einer Hand das Schwert los und setzte einen Hieb aus, so dass sein Gegenüber wieder hochkam und gerade im Begriff war, wieder in die Offensive zu wechseln... Arranges streckte seine offene Linke vor, aus der eine orangene Schlange flog, den Schild umschlang und sich zusammenzog, als Arranges seine Hand zur Faust ballte. Ein lautes Knacken, welches ein hässliches Pfeifen in den Ohren zurückließ, bestätigte Arranges, dass der Zauber geglückt war.

Schnell tat er einen Ausfallschritt auf den total verwirrten Magier zu, ließ sein Schwert fallen und griff mit der rechten Hand nach der Kehle des Gegners. Er packte ihn derb und riss ihn zu sich her. Ein eher junger Rothwardon blickte ihm jetzt gar nicht mehr so kalt und abweisend in die Augen. Die pure Angst sprach ihm aus dem Gesicht. 'Verreck!' Knurrte ihm Arranges entgegen. Seine Rechte glühte eisblau auf. Ein erstickter Laut und das folgende Verdrehen der Augen kündeten vom Ableben des Magiers. Mit einem Ruck stieß Arranges den Toten von sich. Als dieser gegen die Mauer hinter sich flog, splitterte das vereiste Fleisch am Hals, woraufhin der Kopf davonrollte und der Körper zusammensackte. Kleine Dampfsäulen stiegen auf, als sich das warme Blut durch das vereiste Gewebe arbeitete...

Der Kaiserliche nahm sein Schwert auf. Der Krieger hatte sich tatsächlich gegen die beiden Skelette behaupten können. Aber jetzt, da der Schutz weg war, den der Magier gewoben hatte, nahm auch dieser einen Treffer nach dem anderen hin und war nach wenigen Augenblicken ebenso tot wir der Magier.

Glannaragh
04.03.2011, 23:29
Nach wenigen Augenblicken hatte sie sich orientiert. Die beiden Skelette beschäftigten den zweiten Wegelagerer, Arranges hatte den Zauberweber offenbar unter Kontrolle. In keinen der Kämpfe mußte sie eingreifen, vermutlich hätte sie mehr im Weg gestanden, als daß sie nützlich gewesen wäre. Ihr Blick wanderte wieder zu dem Kämpfer, der sich noch immer stöhnend am Boden wälzte. Es ersparte ihr mit ansehen zu müssen, auf welch grauenvolle Weise der Magier starb.
Was jetzt? Er ist besiegt, soll ich ihn jetzt etwa einfach abstechen? Sie zögerte, erinnerte sich wieder an die Szene im Goblinbau. Sterben wird er so oder so. Aber wenn ich das dem Kaiserlichen überlasse, gibt es das reinste Schlachtfest... verdammt!
Erynn sah wieder zu den Untoten auf, die den anderen Banditen jetzt heftiger bedrängten, ihn Schritt um Schritt zurückdrängten und schließlich in die Zange nahmen. Es dauerte nicht mehr lange. Nach vielleicht zwanzig Herzschlägen brach der Krieger leblos zusammen. Die Skelette wurden daraufhin praktisch reglos, standen schweigend über der Leiche, die leeren Augenhöhlen starrten ins Nichts. Sie erschauerte, zwang sich aber, den Blick nicht abzuwenden. Es war nicht so sehr das Fehlen von Haut und Fleisch, das sie erschreckte, sondern vielmehr die augenscheinliche Ergebenheit, mit der sich die Toten in ihr Schicksal als Dienerkreaturen fügten. Sklaven ihres Meisters über den Tod hinaus. Hofften sie auf Erlösung? Auf ewige, ungestörte Ruhe? Hofften sie darauf, endlich frei zu sein, oder waren sie längst jenseits all dessen? Hatten sie überhaupt Empfindungen, oder waren die Knochen einfach nur unbeseeltes Gebein, nur durch die Magie des Beschwörers dazu befähigt, sich wieder zu regen? Wie sie es auch betrachtete, es fühlte sich... falsch an. Doch einmal auf diesen Pfad gesetzt, wanderten ihre Gedanken weiter, gegen ihren Willen, zupften Fäden aus dem Gewebe der Weltanschauung, die ihr seit einem halben Jahrhundert eingetrichtert worden war. Was, wenn sie wirklich keine Seele haben? Wenn sie einfach nur Werkzeuge sind, so wie ich die Knochen eines Tieres zu einem Messergriff oder einem Angelhaken schnitze... Sie schüttelte sich. Nein. Es ist und bleibt falsch! Letzte Zweifel aber blieben.

Um sich abzulenken, bewegte sie vorsichtig prüfend ihre linke Schulter. Es tat weh, war aber nicht unmöglich. Mehr als eine Prellung schien sie nicht davongetragen zu haben.
Arranges kam von der Ruine aus auf sie zu. Es war also so weit. Sie mußte ihre Entscheidung treffen, und zwar unverzüglich. Steif ging sie die paar Schritte zu dem letzten noch lebenden Gegner herüber, der mittlerweile damit begonnen hatte, sich kriechend in Sicherheit zu bringen. Mit einem Tritt beförderte sie ihn auf den Rücken, legte die Schwertspitze an sein Kinn und zwang ihn dazu, sie anzusehen. Wenn sie das schon tun mußte, würde sie es richtig machen. Sie würde ihm dabei in die Augen sehen.
Das, was unter dem Stahlhelm von seinem Gesicht zu erkennen war, war eine verzerrte Fratze aus Schmerz, Wut und Furcht. Erynn verschloß die Ohren vor seinem leisen Flehen um Gnade und stützte sich mit ihrem ganzen Gewicht auf den Griff ihres Schwertes.
Sie spürte kaum einen Widerstand. Es ging ganz leicht.


Langsam zog sie die Klinge zurück, wischte sie an ihrem Stiefel leidlich sauber und steckte sie weg. Dann wandte sie sich ab und ging zum Ufer herunter, um die Pferde einzufangen. Falchion tänzelte nervös schnaubend an der Wasserlinie entlang. Er lahmte auf dem Fuß, wo ihn der Frostzauber getroffen hatte. Der Rotfuchs hingegen stand reglos und schaute sie mit hoch erhobenem Kopf und aufgestellten Ohren wachsam an. „Ich bin mir sicher, für dich ist das alles nichts Neues“, murmelte sie, als sie dem Roten den Hals tätschelte und dann nach seinen Zügeln griff. Sie führte ihn zu ihrem Wallach hinüber, der sich durch die Nähe des anderen Pferdes langsam aber sicher beruhigte, dann kehrte sie mit beiden Tieren am Zügel zu Arranges zurück.
„Weiter nach Norden also“, sagte sie, als sie ihm den Fuchs übergab. „Ich werde Falchion führen müssen. Er lahmt.“

weuze
05.03.2011, 01:08
Eine reichlich zeitraubende Art, einen Gegner zu töten, der sich nicht mehr wehren kann... Dachte Arranges, als er sah, wie Erynn dem letzten Gegner ihr Schwert zwischen Halsberge und Visier stieß. Auf einen Wink hin lösten sich die Skelette in einem zarten Windhauch auf.

'Gut, dann werde auch ich mein Reittier führen...' Zu Fuß waren sie nochmals langsamer unterwegs, als in dem steinigen und unebenen Gelände ohnehin schon. Die Nebelschwaden wurden mit den Stunden, die vergingen, immer dichter, bis sie schließlich nur noch das unmittelbare, braune Gras um sie herum am Boden sehen konnten. Hervorragend... nichtmal Dagons roter Gewittersturm könnte uns noch erreichen und uns sagen, ob wir schon in der Nähe des Tors sind... Arranges Laune sank, je weiter sie vorankamen. Lediglich an dem intensiven Salzgeruch und den vereinzelten Rufen der Möwen, das ihnen beides deutlich immer aus ein und der selben Richtung entgegenkam, konnten sie ihre Richtung beibehalten und würden sich eher unwahrscheinlich verlaufen. Als es deutlich zu dunkeln begann, wurden die Schleier innerhalb kürzester Zeit zerrissen und außeinandergeweht. Ah... die Welt kehrt zu uns zurück... Arranges reckte den Kopf gen Himmel in der unterschwelligen Hoffnung, dort ein rot leuchtendes Firmament sehen zu können, das die Nähe des Tors angezeigt hätte. Aber alles was er sah, waren dicke, bauchige Quellwolken, die wie schwarze, nasse Säcke am Himmelszelt hingen. Wind kam auf und noch bevor Arranges seinem Unmut Luft machen konnte, spürte er bereits die ersten Regentropfen im Gesicht. 'Ganz toll... warum musste es auch ausgerechnet die Goldküste sein... das Hochland oder die Jerallberge wären nicht so widerlich grausam gewesen...' Knurrte er vor sich hin.

Sie beeilten sich eine geschützte Stelle zu suchen, solange der regen noch einigermaßen leicht war. Der Wind zerrte an ihren Kleidern und schnitt scharf in die Haut im Gesicht. Keine Minute zu spät hatten sie wie in der Nacht zuvor unter einem leicht steil und schräg aufragenden Findling Schutz gefunden. Der große Felsen war ein wenig gewinkelt und bot so einen minimalen, aber vorhandenen Schutz vor dem Wind. Arranges suchte nachdem sie die Zeltplane mehr oder minder stabil als Schutz vor dem Regen aufgespannt hatten, wieder nach Holz, konnte aber nur vermoderte Baumstümpfe oder gänzlich verrottetes Holz finden. Verdammt, so wird das nichts... Während die vereinzelten Regentropfen immer dichter wurden, ließ Arranges sein Blick über die Landschaft schweifen. Entschlossen entschied er sich dafür, sich Holz zu machen, wenn er so keines finden konnte. Entschlossen ging er auf einen etwas dürr wirkenden, aber noch gut im Saft stehenden Busch zu und trat ihn um. Ganz ohne Widerstand gab das dichte, aber ausladende Gewächs nicht auf und Arranges musste mit seinem Schwert ein wenig nachhelfen.

Den Busch hinter sich herschleifend, kam er wieder zu Erynn zurück Ihrem Blick und der unausgesprochenen Frage begegnete er nur mit einer Geste, die ausdrückte, dass sie darauf besser nichts sagen sollte. Der Kaiserliche stutzte den Busch zurecht und häufte ein Lagerfeuer auf. Es würde nicht so lange brennen wie ein Lagerfreuer aus richtigem, massivem Holz, aber wenigstens würde es für einige Stunde Wärme und Licht spenden. Der Kaiserliche schnippte dem Haufen entgegen, nichts geschah. 'Verdammt nochmal, warum muss es immer mit Gewalt sein?' Wieder schnippte er dem Haufen entgegen, so dass sogar zwischen seinem Daumen und dem Mittelfinger eine Funkenflut hervorsprang. Das Holz ging plötzlich zischend in einer Stichflamme auf und einen Moment später flackerte zischend wegen der Feuchtigkeit, ein hübsches Feuerchen vor sich hin. Ein Blitz zerriss plötzlich die Luft. Einen Herzschlag später folgte der Donnerschlag, der so heftig war, dass er wohl die Welt in ihren Grundfesten erzittern ließ. Der Regen wurde stärker, aber nicht stark genug, um das Feuer zu löschen. Wieder ein Blitz, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donner, dessen Gewalt nur zu ahnen gewesen war. Der Kaiserliche setzte sich deutlich genervt ausatmend ans Feuer, zog den Umhang enger um den Leib, lehnte sich an den Felsen in seinem Rücken und starrte in die Flammen.

'Ich hoffe ihr habt keine Angst vor Gewittern...' Im Schein der Flammen war ein höhnendes Grinsen zu erkennen.

Glannaragh
05.03.2011, 02:09
„Ich hoffe, Ihr habt keine Angst vor Gewittern“, sagte Arranges mit einem fiesen Grinsen, nachdem sie bei dem Donnerschlag unwillkürlich zusammengezuckt war. „Nein, nur vor Untoten“, gab sie lakonisch zurück und sah ihn dabei völlig ernst an. Als sich sein Gesichtsausdruck zu leichter Verwunderung veränderte, lächelte sie schief. „Arranges. Ich habe garantiert mehr Zeit in der Wildnis verbracht als Ihr. Glaubt Ihr ernsthaft, ich würde mich vor einem Gewitter fürchten?“ Sie lehnte sich zurück an den Felsen, nur um sofort wieder aufzufahren. „Au! Verdammt!“
Das Pochen in ihrer Schulter war unterwegs zu einem konstanten, wenig angenehmen aber erträglichen Druck verblaßt, kam aber mit Macht zurück, als sie sich gegen den Felsen sinken ließ. Schicksalsergeben seufzend stand sie auf, schnallte den Lederkürass ab und zog den Kragen ihres Hemdes zur Seite. Zum Vorschein kam ein Bluterguß ungefähr von der Größe ihrer Hand, der unter ihrer Haut schwärzlich schillerte. Als das amüsierte Schnauben des Kaiserlichen zu ihr herüberdrang, wandte sie den Kopf.
Du kleiner, mieser... Na warte, großer Held. Dir wird ichs zeigen! Es war nicht wirklich nötig und würde ihr einiges an Selbstkontrolle abverlangen, aber das war es definitv wert, entschied sie. Noch einmal lächelte sie, diesesmal so milde wie ein Mottenpriester, ging zu ihrem Pferd herüber und kramte die Ahle aus ihrer Satteltasche. Daran wirst du dich gewiß erinnern...
Erynn hockte sich wieder an das Feuer und ignorierte den Beschwörer komplett, während sie die Nadel bedächtig ausglühte. Dann biß sie die Zähne zusammen und punktierte die Schwellung damit. Daß sie sich dabei das komplette Hemd einsaute, störte sie nicht weiter. Na? Wer ist jetzt der Jammerlappen? „Nein, Eure Sorge ist völlig unbegründet“, wandte sie sich mehr an die Umgebung im Allgemeinen. „Es ist keine schwere Verletzung.“

Die Elfin wickelte sich in ihre Decke und schaute hinter schweren Lidern in die Flammen. Sie überlegte, ob sie richtig gehandelt hatte damit, daß sie den Räuber nicht einfach am Leben gelassen hatte. Es kam ihr noch immer entsetzlich falsch vor, einen besiegten Feind nicht verschont zu haben, doch in dem Moment war es ihr wie Gnade vorgekommen. Sie wußte, wozu Arranges fähig war... nun, genaugenommen wußte sie es nicht. Und sie hatte keine Lust, es herauszufinden. Dennoch, hier saß sie, keine Armlänge von ihm entfernt, und hatte es wieder einmal nicht lassen können ihn zu reizen. Schon seltsam. Es beunruhigt mich kein bißchen. Warum eigentlich nicht?

weuze
05.03.2011, 15:54
Arranges wurde leicht nervös, als er sah, wie Erynn sich eine Nadel beschaffte und begann, damit herumzuhantieren. Die Nervosität ließ allerdings merklich nach, als er begriff, dass die Elfe wohl nur an sich mit diesem Werkzeug des Schmerzes herumfingerte. Ich muss sie loswerden... schlimmer ist es jemandem zuzusehen, der sich selbst Schmerzen zufügt, als sie selbst erleiden zu müssen... Der Kaiserliche hätte sich nichteinmal im Traum vorstellen können, sich selbst eine Eiterblase oder eine Schwellung mit einer Nadel zu öffnen. Einen Bolzen aus dem eigenen Körper zu ziehen war eine Sache, sich aber gezielt zu verletzen, nur um der Heilung Willen, war für ihn absolut unvorstellbar... 'Erynn, warum habt ihr heute gezögert, den Räuber einfach direkt im Kampf zu töten?' Fragte er mit monotoner Stimme.

Sie antwortete nicht gleich, dachte darüber nach, wie sie ihre Worte am Besten wählen sollte. Manchmal war es unheimlich, wie der Beschwörer ihre Gedanken erriet. "Weil... er bereits geschlagen und wehrlos war. Wäre ich allein unterwegs gewesen, wäre der Mann am Leben geblieben." Sie sah ihm fest in die dunklen Augen, doch ihre Stimme zitterte ein wenig, als sie fortfuhr: "Ich wollte nicht, daß Ihr ihn tötet. Ich habe Euch doch gesagt, daß ich die Lektion aus der Goblinhöhle gelernt habe..."
Sie verstummt und senkte den Kopf. Gut gemacht, Erynn. Du hast schon wieder deine Deckung vernachlässigt...

'Deswegen fragte ich auch, warum ihr ihn nicht direkt im Kampf getötet habt... Oder... warum hättet ihr ihn am Leben gelassen, wärt ihr allein gewesen?' Es wäre schlicht närrisch... ich bin mir auch sehr sicher, dass ich Dreveni in Cheydinhal nicht zum letzten Mal gesehen habe...

Erynn fragte sich ernsthaft, was daran so schwer zu verstehen war. "Was hätte der Bandit mir schon noch tun können? Vielleicht wäre er einfach gestorben. Vielleicht hätte er sich irgendwie retten können. Ich hätte ihn wahrscheinlich nie wiedergesehen. Er kannte mich nicht, und ich ihn nicht. Es war schierer Zufall, daß wir bei der Ruine auf diese Wegelagerer getroffen sind. Glaubt Ihr, er hätte sich irgendwann aufgemacht, um mich zu suchen und Rache zu nehmen? Welchen Grund hätte er dafür gehabt?"

'Zunächst haben diese Narren allein für ihr Wagnis uns anzugreifen, den Tod verdient... Aber davon mal abgesehen, was habt ihr davon, mit dem Wissen leben zu müssen, dass ihr jemanden im Kampf geschlagen habt, ihn aber leben lasst... selbst, wenn er euch nicht wirklich kannte, hätte er doch Grund zur Rache gehabt oder nicht?' Wie kann man nur derart nachlässig sein... ich töte auch nicht aus Spaß oder dem Zweck, meinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, aber ich kann jemanden, dem ich deutlich gezeigt habe, dass es ein Fehler war, mich anzugreifen, nicht einfach laufen lassen...

Sie seufzte. "Ich fürchte, hier prallen einfach zwei Welten aufeinander, Arranges. Was ich davon habe? Nun, ich muß dann nicht auf mein Gewissen laden, jemanden getötet zu haben, obwohl kein zwingender Grund dafür bestand. Ich will einfach nicht. Ein Leben ist viel zu wertvoll, denn jeder hat nur eines davon. Ich weiß, dieser Wegelagerer hätte mich umgebracht, wenn er gekonnt hätte. Aber muß ich mich deshalb mit ihm auf eine Stufe stellen?"

'Was hab ich mir da nur angehängt...?' Murmelte Arranges leise... 'Nun gut... ich sehe keinen Grund, euch zum Töten zu zwingen... schließlich ist es weder meine, noch eure direkte Aufgabe...' Er wandte den Blick von ihr ab. 'Versucht ein wenig zu schlafen... bevor wir morgen aufbrechen, werden wir sehen, ob wir etwas für euer Pferd tun können...'

Glannaragh
06.03.2011, 00:49
Erynn war Arranges im Stillen dankbar, als er das Thema endlich fallen ließ. Das Gespräch hatte sie fast noch mehr erschöpft als der lange Fußmarsch die Küste entlang. Der Kaiserliche sprach so selbstsicher und voller Überzeugung, daß es sie verunsicherte. War sie wirklich so weltfremd? Sie, die bodenständige, praktisch veranlagte Erynn... ein verträumtes Kind, das die Welt in zu weichen Linien zeichnete und die Augen vor den bitteren Realitäten verschloß? Das wäre ihr zuvor nie in den Sinn gekommen. Muß ich mir jetzt die Welt von einem durchgeistigten Bücherwurm erklären lassen, der lieber irgendwelche Gerippe in den Kampf vorschickt, anstatt ehrlich Mann gegen Mann zu kämpfen, fragte sie sich mit einem Anflug von Rebellion. Zugegeben, ein verflucht zäher Bücherwurm, aber trotzdem...

Dennoch: Die Art des Beschwörers, der nun schon wieder für so lange Zeit ihr einziger Begleiter war, zermürbte langsam aber sicher ihr freundliches, fröhliches Wesen. Wäre es doch so viel leichter, all die Ideale, an die sie sich klammerte, einfach fahren zu lassen und sich seinen Ansichten zu beugen. Vielleicht würden dann auch die ständigen Demütigungen ein Ende haben, diese Blicke von oben herab, die gemeinen Kommentare, wenn sie wieder etwas sagte oder tat, das in der Lebenswelt des Kaiserlichen keinen Platz hatte. Warum einen Krieg führen, den sie nicht gewinnen konnte, jetzt, da ihr Weg auf eine Weise vorgezeichnet schien, die alles woran sie glaubte zerschmettern würde. Allein durch ihre Gutgläubigkeit hatte sie sich in die Fänge einer Organisation begeben, deren ganze Macht und Ausmaße sie nicht einmal erahnen konnte. In dieser Hinsicht hatte Arranges mit seiner Einstellung sogar Recht behalten. Vielleicht konnte er sie auch tatsächlich einige Zeit vor dem Rest der Gathering abschirmen, aber für wie lange? Dreißig Jahre? Vierzig vielleicht? Sie würde noch immer eine junge Frau sein, wenn Alter, Krankheit oder der Dolch eines Rivalen sein Leben fordern würde.
Vielleicht sollte ich wirklich all das nehmen, von dem ich glaube, daß es mich ausmacht, und irgendwo wegsperren. Es tief vergraben... Sie hielt in ihren Gedanken inne. Und damit den gleichen Fehler begehen wie der Nekromant? Langsam davon zerrissen werden und jedesmal die Kontrolle verlieren, wenn jemand daran kratzt? Das konnte nicht die Lösung sein. Sie würde einen anderen Weg finden müssen. Irgendwie.

Erynn schaute zu ihrem Pferd herüber. Der Wallach schonte noch immer das rechte Hinterbein. Dort, wo ihn der Zauber kurz über dem Sprunggelenk getroffen hatte, war die Haut aufgeplatzt und hatte unterwegs immer wieder angefangen zu bluten. Das Gewebe in dem Bereich sah irgendwie ungesund aus, als wäre es erfroren. Vielleicht würde sie es morgen wegschneiden müssen, und sie hatte keine Ahnung, wie tief die Wirkung des frostigen Geschosses gehen mochte. Morgen... möglicherweise hat der Beschwörer auch noch eine Idee dazu. Sie stand noch einmal auf und legte Falchion eine Decke über, dann verzog sie sich wieder unter den Findling. Schlafen konnte sie lange Zeit nicht. Zu viele unwillkommene Gedanken tobten durch ihren Kopf.

weuze
06.03.2011, 02:16
Das Feuer hielt ein wenig länger, als Arranges gedacht hatte, aber irgendwann erlosch es dennoch. Die halbe Nacht war vielleicht gerade vorrüber, als sie nur noch einen zischenden und leicht glühenden Haufen vor sich hatten. Der Gewittersturm hatte mittlerweile nachgelassen und nur noch aus der Ferne waren die gewaltigen Donnerschläge zu hören und das Zucken der Blitze zu sehen. Der Regen jedoch blieb und so saßen sie jetzt ohne Wärmequelle im Nassen. Naja, alles ist besser als eine Nacht im Schneegestöber in den Bergen verbringen zu müssen... Der Kaiserliche zog den Umhang enger, legte sich seine Decke um, störte sich aber sonst nicht weiter an der Kälte. Hoffentlich finden wir morgen dieses von den Göttern verdammte Tor... andernfalls werfe ich den Argonier Erynn zum Fraß vor... Ein Grinsen huschte bei diesem Gedanken über das Gesicht des Nekromanten. Unweigerlich musste er zu Erynn schauen, die neben ihm an den Stein gepresst versuchte zu schlafen. Im kaum wahrnehmbaren Schein der glühenden Überreste des Feuers, konnte Arranges erkennen, wie Erynn leicht zitterte. Konzentrier dich Mädchen... nutze die Feuermagie... Arranges ließ seinen Blick noch einige Momente auf ihr ruhen. Er seufzte, stand auf, wickelte sich aus seiner Decke und nahm sich den zwar feuchten, aber von seinem Körper warmen Umhang ab. Er zweifelte daran, dass es groß helfen würde, aber jetzt hielt er den Umhang schon in Händen und kniete bereits unbewusst neben Erynn nieder. In der Dunkelheit konnte er nicht sagen, ob sie mitbekam, was er tat oder ihn sogar anschaute, er war Kaiserlicher, kein Khajiit und sah auch sonst verhältnismäßig eher normalschlecht. Behutsam breitete er seinen Umhang über die Dunmer und sah zu, dass der Stoff wenigstens größtenteils so lag, dass der Wind nicht zu sehr daruntergreifen konnte. Dann setzte sich Arranges wieder neben sie und legte sich selbst die Decke um.

'Ahh... wie es scheint, gewöhnt ihr euch langsam daran, nicht mehr länger nur um euch selbst besorgt zu sein...' Die gegensätzliche Stimme des Botschafters rollte dem Nekromanten beinahe die Fußnägel auf, während ihm ein eisiger Schauer den Rücken hinablief, die Worte aber gleichzeitig in den Ohren schmerzten, als würde ein Feuer in seinem Kopf lodern. Eine schwarze Silhouette ragte vor dem Kaiserlichen auf und schien die Färbung des Himmels verblassen zu lassen. Der Botschafter war einfach dagewesen, als ob er schon die ganze Zeit dort gestanden hatte und sie ihn nur ignoriert hätten, so lange er nicht sprach. 'Nun ja... ich will schließlich nicht um sonst meine Zeit mit ihr verschwenden...'
'Wie wahr wie wahr... der Meister schickt mich, euch die Dunmer unterzeichnen zu lassen...'
Arranges stutzte einen Moment. 'Warum der Meister?'
'Da sich Meisterin Marie als neutral der ganzen Sache gegenüber den Abtrünnigen erklärt hat, untersteht ihr nun vorerst der Leitung von Meister Jurano, ebenfalls wie der gestern neu ernannte Mentor nicht Meisterin Marie, sondern der Bevormundung durch Meister Nabdjuia untersteht... Die Gathering hat beschlossen abzuwarten, gleichzeitig aber die treugebliebenen Mitglieder auf mögliche Kämpfe vorzubereiten. Einige Meister haben sich dagegen ausgesprochen, wurden jedoch durch die Gathering dazu gezwungen. Natürlich ist es verständlich, dass die übrigen Meister keine Verluste unter ihren Schülern und Mentoren verantworten wollen, dennoch unterstrich die Gathering nachhaltig, wie wichtig es sei, die Verräter restlos zu vernichten um einerseits zu verhindern, dass dieses Verhalten um sich greift und andererseits ein Exempel zu statuieren... Daraufhin erklärten sich alle übrigen bis auf Meisterin Marie dazu, wie befohlen gegen die Verräterschaft vorzugehen... Allerdings ist man sich noch nicht einige darüber, wie die Vernichtung aussehen soll... Aber nun genug der Auskunft...' Der breite Umriss bewegte sich und nach einem Augenblick hielt der Botschafter in einer Hand einer überdimensionierten Bärenpranke gleich, Arranges ein Stück Pergament vor die Nase. 'Der Meister wünscht eine rasche Unterzeichnung...' Arranges griff nach dem Papier und schaute sporadisch darauf. Ja, es ist ein Vertrag... ich spüre die bindende Magie darin... 'Bis zu unserem nächsten Treffen Arranges... achja und lasst den Meister besser nicht warten... er will nicht so bloßgestellt werden, wie Meisterin Marie damals, als ihr Nienna der Unterzeichnung entzogen habt...' Plötzlich war der Botschafter weg, ohne auch nur die Spur eines Geräusches oder sonstetwas, er war einfach weg.

Arranges starrte feindselig das Papier in seinen Händen an. Nur wenige Sekunden später flammte der Vertrag kurz auf. Hoppla... welch ein Missgeschick... Dann vergrub er seine Arme ebenfalls unter der Decke und starrte Ruhe suchend in den pechschwarzen Himmel.

Glannaragh
06.03.2011, 18:03
Erynn beobachtete, wie das Feuer langsam verlosch, während sie versuchte, die Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen. In dieser Nacht hieß die die nasse Kälte willkommen, sorgte sie doch zumindest für ein wenig Ablenkung. Sie spürte, wie Arranges seinen Mantel über sie breitete, ließ ihn jedoch mit keiner Regung erkennen, daß sie etwas davon mitbekam. Es wäre ihm doch nur wieder peinlich gewesen, bei einer fürsorglichen Geste ertappt zu werden, und sie konnte jetzt keinen dummen Spruch ertragen.
Nur wenige Augenblicke vergingen, bis ganz in ihrer Nähe eine Stimme erklang, die ihr durch Mark und Bein fuhr. Der unbekannte Besucher begann ein Gespräch mit ihrem Begleiter, während sie sich ganz still verhielt und so tat, als schliefe sie. Schon wieder erfuhr sie mehr Details über die Gathering, wurde noch einmal tiefer in das ganze System verstrickt ohne es zu wollen. Dann ist es jetzt also so weit. Sie fordern meine Treue ein, endgültig... bei den Göttern, wie konnte es nur so weit kommen?

Erynn richtete sich halb auf, nachdem es für ein paar Sekunden still geblieben war. Gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie der Beschwörer einen Bogen Pergament in Flammen aufgehen ließ. „Warum habt Ihr das getan?“ fragte sie leise.

weuze
06.03.2011, 18:51
So, damit wäre das auch erledigt... Arranges wollte gerade zufrieden in sich hineingrinsend eindösen, als er Erynns Stimme neben sich hörte. Erschrocken zuckte er zusammen und fuhr mit dem Kopf herum. Er hatte längst fest damit gerechnet, dass sie schlief und nichts mitbekommen hätte. Verdammte Dunmer... warum kannst du nicht einfach schlafen?! Arranges starrte sie nur an. Wehe, wenn sie daraus jetzt einen großen Aufriss macht... Der Nekromant hob nur gespielt unwissend die Schultern...

'Das... war nichts weiter... nur ein paar Informationen über die aktuellen Geschehnisse... legt euch wieder hin, der morgige Tag wird sicherlich wieder anstrengend...' Und als ob für ihn damit das Gespräch beendet gewesen wäre, drehte er den Kopf wieder herum und blickte in die Ferne. Klasse Arranges, als ob sie dir das glauben würde... und wenn nicht, gibts wieder eine Portion Ohnmacht für umsonst... ganz einfach...

Glannaragh
06.03.2011, 20:40
„Das ist nicht wahr, Arranges. Ich habe genau gehört, was gesagt wurde“, entgegnete sie mit ruhiger Stimme und schüttelte hilflos den Kopf. „Trotzdem... danke. Aber das wird nicht ewig funktionieren, das wißt Ihr auch.“

Erynn ließ sich wieder zurücksinken. Eigentlich war sie froh darüber, daß der Kaiserliche sich bemühte, ihre Unterschrift herauszuzögern. Auf der anderen Seite konnte sie das beide nur allzu schnell in Teufels Küche bringen. Gerade jetzt, wo sich die Gathering in einer Situation befand, für die es keinen Präzedenzfall gab und alle ohnehin schon reichlich nervös waren. Aus den Worten des Botschafters war zu entnehmen gewesen, daß die Großmeister die Zügel anzogen und die ganze Versammlung ziemlich nachdrücklich auf Linie brachten. Oder zumindest den größten Teil davon. Warum bleibt die Meisterin Marie trotz der Konsequenzen neutral? Sie traute dieser Frau nicht, selbst wenn sie, wie Erynn nur zufällig erfahren hatte, Dreveni gar nicht zu ihnen geschickt hatte. Immer wieder tauchte dieser Name auf, und meistens war er verbunden mit Ärger. Mal als Lehrerin Torrahs, dann wieder in vereinzelten, hingeworfenen Bemerkungen von Arranges, der sie als selbst für seine Maßstäbe abartig beschrieb. ... und jetzt diese Sache. Woher nimmt sie die Kaltblütigkeit, sich gegen die Räson zu stellen? Wenn ein Herrschender solche Verhaltensregeln ausgibt, ist das ein ziemlich sicheres Indiz dafür, daß er Angst hat... und sie stellt sich erhobenen Hauptes hin und verkündet ihre Neutralität? Irgendwas stimmt da doch ganz und gar nicht.
Tatsächlich wunderte sich Erynn ein wenig über die Heftigkeit, mit der dieser ganze Verein reagierte. Es stimmte wohl, daß man die drei Meister nicht ohne weiteres aus dem Weg räumen konnte, sonst hätte garantiert niemand so ein Theater veranstaltet, wie es jetzt gerade der Fall war. Allerdings konnten dann auch die Abtrünnigen nicht einfach die Führungsriege der Gathering beseitigen. Alles in allem sah es eher nach einem Patt aus. Es ist ein Kampf um die Deutungshoheit, vermutete sie. Wer weiß schon, was diese drei Meister vorhaben. Vielleicht vertreten sie nur Thesen, die man bei den Linientreuen nicht akzeptieren will – weil nicht sein kann, was nicht sein darf: Sie fürchten sich weniger vor den Meistern selber, als vor dem Verlust ihrer Autorität... es gibt einen verwundbaren Punkt in diesem Geflecht. Und das führt mich wieder zu Meisterin Marie. Vielleicht kennt sie diese Thesen. Was ist, wenn sie gar mit den Abtrünnigen sympathisiert? Sie zog die Augenbrauen zusammen. Aber wäre sie wirklich so dumm, sich dann öffentlich gegen die Vorgaben zu stellen?

Die Elfin richtete sich wieder auf. An Schlaf war nicht mehr zu denken. „Wißt Ihr, warum sich diese drei Meister gegen die Gathering gewandt haben? Ich meine, wenn das zuvor noch nie in dem Ausmaß geschehen und zudem bekannt ist, wie man dort mit Abweichlern verfährt... dann muß es einen verdammt guten Grund dafür geben.“ Sie teilte Arranges ihre Überlegungen mit, einschließlich derer, die Marie betrafen.
„Angesichts der Macht, die alle Beteiligten besitzen, konnte sich die ganze Sache schnell zu einem Krieg ausweiten, der ganz Tamriel erschüttern mag, wenn es nicht gelingt, die Abtrünnigen zu vernichten. Der unheimlich Kerl vorhin sagte, daß man sich auch noch gar nicht einig sei, wie diese drei überhaupt aus dem Weg geschafft werden können...“ Sie stützte das Kinn in ihre Hände. „Wenn die Sache aus dem Ruder läuft, sind die Folgen unabsehbar“, schloß sie und sah zu dem Beschwörer auf. „Und jetzt bitte: Sagt mir, daß ich mir gerade nur einen gewaltigen Haufen Mist zusammenspinne.“

weuze
06.03.2011, 22:01
Arranges war zunächst erstaunt darüber, warum Erynn sich so sehr um diese Sache, die sie eigentlich nichts anging, sorgte. Nein, Marie hat damit nichts zu schaffen... vielmehr will sie sich der ganzen Sache einfach entziehen. Der neue Mentor muss wohl irgendein junger Bursche ohne Erfahrung sein. Wieder nichts, was die Meisterin gutheißen würde. Marie mochte mich seit unserer ersten Begegnung, seit Torrah mich aus dem Wunsch heraus, mir einen Gefallen zu erweisen, zu ihr und damit zur Gathering gebracht hatte, nicht... jetzt sieht sie einfach nicht ein mich, den Mörder ihres Schützlings, in den Kampf gegen die Abtrünnigen zu führen... durchaus verständlich... aber andererseits müssen die Meister und die Großmeister geschlossen handeln... daher kann ich nicht sagen, was ich weiss... zu dumm, dass ich damals noch nicht genug wusste... oder war es Glück? Hätte ich etwas gesagt, wäre nun Torrah meine Meisterin... Arranges musste sich unweigerlich schütteln bei diesem Gedanken. Naiv und voller Idealismus war ich damals... Arranges seufzte.

'Ich will euch erklären, warum es niemals zu einem offenen Krieg kommen wird. Und zwar lautet ein ungeschriebener, aber absolut unantastbarer Grundsatz der Gathering: Keine Gnade, kein Mitleid, kein Gefühl! Mit diesem Grundsatz geht einher, dass sich alle, die jemals etwas mehr mit der Gathering zu schaffen hatten, sich bemühen werden, sie irgend möglich allen Unwissenden gegenüber geheim zu halten... Sollte es tatsächlich zu irgendwelchen Außeinandersetzungen kommen, was ich stark bezweifle, wird dies irgendwie im Untergrund geschehen. Nicht in der Öffentlichkeit... Als Beispiel, jeder weiss, dass es die Dunkle Bruderschaft gibt, aber irgendwie weiss keiner wo sie existieren... auch die vermeintlichen Auftraggeber haben plötzlich keine Ahnung, wovon man spricht, frägt man sie danach... Von der Gathering wissen nur jene, die mit Schülern oder Mentoren in Verbindung stehen... ihr habt vor einiger Zeit mit so einer Person gesprochen. Falanu Hlaalu weiss ganz gut bescheid, sie steht auch sporadisch unter Beobachtung, wovon sie ebenfalls weiss... es gibt noch ein paar andere Menschen, die mehr über mich wissen, als ein gewöhnlicher Wachsoldat, der mich alle paar Tage durch die Stadttore Skingrads winkt und hin und wieder einen netten Plausch mit mir hält... Nun zu dem etwas schwieriger zu erklärenden Teil eurer Frage. Ich muss gestehen, ich weiss nicht, was diese Abtrünnigen antreibt, sich gegen die Gathering zu stellen. Es gibt Regeln und die müssen eingehalten werden. Die oberste Regel lautet, dass Meister und Großmeister eine geschlossene Einheit bilden! Keiner kann sagen, warum diese Meister sich abgewandt haben, es ist auch für sich genommen völlig und absolut unerklärlich... Das Einzige, was ich mir denken könnte, es aber nicht wage, weiter darüber zu sinnieren, ist die Sache, dass sie sich einfach wie es relativ viele Schüler in ihrer Anfangszeit machen, aus der Idee heraus stark genug zu sein, einfach gegen die Gemeinschaft wenden... aber wie gesagt, das geht nicht, die Regel verbietet es...'

Arranges bemerkte, dass Erynn sehrwohl und durchaus gerechtfertigt verunsichert war. 'Und was den Vertrag angeht... so lasst das meine Sache sein... ich will euch nicht in der Gathering sehen... und bitte glaubt mir, wenn ich sage, dass es dafür sehr gute Gründe gibt...' er seufzte, 'die ich euch aber nicht nennen werde...' Er wandte den Blick ab und schaute über den Strand und das darauffolgende Meer. weit im Westen begann sich der Himmel zu lichten und wenige Sterne tauchten auf.

Glannaragh
06.03.2011, 23:30
Erynn hörte aufmerksam bis zum Ende zu. „Gut. Ich denke, ich habe verstanden. Es beruhigt mich nicht unbedingt, aber ich werde Euch weder nach dem einen noch nach dem anderen weiter fragen.“ Sie kauerte sich wieder an dem Findling zusammen. Noch immer war sie nicht davon überzeugt, daß Arranges einen Weg finden würde, sie aus der ganzen Sache herauszuhalten, aber was brachte es schon, ihn wieder und wieder danach zu fragen? Des Wortemachens wäre kein Ende, ohne daß sie eine Antwort hätte bekommen können, die sie wirklich beruhigen würde. Sie würde abwarten und sehen, was käme. Die Elfin war es müde, sich Sorgen zu machen, müde sich zu fürchten. Vielleicht starb sie bei ihrem nächsten Besuch in den Totenlanden, vielleicht beim nächten Banditenangriff.
Eine friedvolle Ruhe breitete sich in ihr aus, als sie schließlich akzeptierte, daß sie ihren Willen ohnehin nicht gegen den der Schicksalsweberin setzen konnte. Es entkrampfte die Dinge und ließ sie schließlich die Ruhe finden, die sich ihr bisher entzogen hatte. Mit dieser Grundlage, so schien es ihr, könnte ihr auch die Gathering das Mitgefühl nicht nehmen, das den Grund ihres Wesens ausmachte.
Sie dachte an das Obliviontor und hoffte, daß sie es morgen finden würden. Irgendwie freute sie sich, dorthin zurückzukehren. Mehrunes Dagon mochte Tamriel feindselig gesinnt und im Ganzen eine Abscheulichkeit sein, aber irgendwo tief in ihrer Dunmerseele berührte sein Reich etwas... als sei es ein Puzzlestück eines größeren Bildes, das schon immer zu ihr gehört hatte. Erynn prüfte diesen Gedanken auf Widersprüche zu dem vorangegangenen und kam zu dem Schluß, daß sie Dagons offen zur Schau gestellte Grausamkeit nicht lieben mußte – es tat der Empfindung keinen Abbruch, daß der Daedrafürst aus einem Grund existierte, der irgendwie bedeutsam und richtig war. Sie ließ die Überlegung vorbeitreiben. Theologie war wirklich nicht ihre Stärke, dachte sie mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Zu viele Widersprüche, die keine sind... Trotzdem nahm sie sich vor, den Beschwörer bei der nächsten Gelegenheit nach den Daedra zu fragen. Vielleicht hatte er sogar ein Buch über das Thema dabei, das sie lesen konnte. Er trug einige bei sich, so viel wußte sie. Es würde ihr wohl schwerfallen, aber vielleicht bekam sie so ein bißchen Übung darin und könnte sich zusätzlich die langen Stunden etwas erleichtern, die sie ohnehin damit verbrachten sich gegenseitig anzuschweigen.
Die Elfin griff nach der Feuermagie und benutzte sie, ihren Körper so weit zu wärmen, bis sie nicht mehr fror. Es fiel ihr zusehends leichter, die Kraft zu kontrollieren, wie sie erfreut feststellte. Bis zum Morgengrauen schlief sie friedlich.

Als das Licht heller wurde und die Sterne langsam verblaßten, stand sie auf und ging zu ihrem Pferd herüber. Der Zauber hatte keine große Tiefenwirkung entfaltet und die Wunde begann bereits zu verheilen. Einige Hautfetzen hingen davon herunter und als sie diese berührte, zerbröselten sie wie uraltes Papier. Wo gestern noch rohes Fleisch gewesen war, hatte sich jetzt eine Schicht aus Schorf gebildet. Erynn beschloß, zunächst nichts weiter zu unternehmen, streichelte den Kopf des Tieres und ging dann zurück um Arranges dabei zu helfen, das Lager abzubrechen. Wie weit mag es wohl noch bis zu dem Tor sein? ‚In der Nähe von Anvil’, alles klar. Jemand sollte diesem argonischen Molch die Schuppen ausreißen und sie ihm einzeln zu fressen geben...

weuze
07.03.2011, 00:35
Arranges hielt die Nacht hindurch Wache. Wenn ich daran zurückdenke, wie ich das damals bei Nienna gemacht habe, so erscheint mir diese Sache hier mit Erynn doch um einiges schwerer... Nienna hatte nie vor der Gathering gesprochen, lediglich ihre... Talente... und meine zufällige Bekanntschaft zu ihr haben die Großmeister aufmerksam werden lassen... zum Glück wird von der Gathering niemand wirklich gezwungen, beizutreten... auch hier ist die freie Einwilligung der potentiellen Anwärter gefordert... auch da war ich Erynn nicht ganz ehrlich gegenüber... ich habe ihr ihre Zustimmung schlicht aus dem Kreuz geleiert... Ich werde mir einen sehr guten Grund dafür einfallen lassen müssen, sie als Schülerin von mir zu stoßen und gleichzeitig die indirekte Beobachtung durch die Gathering verhindern...

Ein klarer Tag zog herauf, als es endlich hell wurde. Die Sonne vertrieb früh die restlichen Wolken der Nacht. Recht schnell wurde es warm und Arranges stellte erleichtert fest, dass weit und breit kein Wölkchen mehr am Himmel war. Der Kaiserliche erkundigte sich nach der Verletzung des Pferds, reiten würde noch nicht möglich sein, also führten sie die Pferde wieder.

Sie waren einige Stunden unterwegs, es musste bald Mittag sein, als der Himmel plötzlich damit begann, sich sehr schnell, tiefrot zu färben. Na endlich... schnell rein, schnell wieder raus, damit wir das hoffentlich bald wieder hinter uns haben... Nach wenigen Augenblicken, die sie ihre Richtung beibehaltend, weitergelaufen waren, tauchte zwischen den Hügeln das Tor auf. Es sah genau gleich aus, wie jenes bei Cheydinhal, nur, dass die Dornen darum ein wenig anders geordnet waren und außerdem Verfluchter Dreck... Daedra...... Arranges blieb wie angewurzelt stehen, als er den Skamp vor dem Tor erblickte. Die kleine, goblinähnliche Kreatur kniete seitlich zu ihnen vor dem Tor und pulte mit einer Klaue im Sand. Arranges blickte sich hektisch um, aber außer dem Skamp war kein anderer Feind zu sehen... Plötzlich drehte das kleine Scheußal den Kopf in ihre Richtung. Ein grässlicher Laut, eine Mischung aus Kreischen und Knurren war zu hören. Mit einem Satz war der Skamp auf den Beinen und verschwand im Tor. Verflucht, das wird doch wohl keine Wache gewesen sein?!

'Ich wäre auch geflüchtet, hätte ich so etwas wie euch zum ersten Mal erblick...' Sagte Arranges zu Erynn gewandt, während er mit einem breiten Grinsen seinen Wasserschlauch vom Sattel nahm. Er goß sich einiges vom Inhalt des Schlauchs über, bis die gesamte Kleidung am Oberkörper nass war. 'Also los...'

Sie ließen die ohnehin schon recht unruhigen Pferde stehen und gingen auf das Tor zu. Vor dem riesigen Oht, dessen Mitte auffordernd flimmerte, blieben sie einen Moment stehen, dann tat Arranges den ersten Schritt. Wie beim ersten Mal schlug ihm auf der anderen Seite erbarmungslose Hitze entgegen, aber die Idee, sich etwas Abhilfe zu verschaffen, indem er einfach seine Kleidung mit kühlendem Nass tränkte, erwies sich als gar nicht schlecht. Er spürte die Hitze zwar immernoch, aber im Gegensatz zum ersten Mal, als er Dagons Reich betrat, fühlte er sich nicht, als währe er gegen eine verschlossene Tür gerannt... was sich im nächsten Augenblick direkt änderte, als er die Augen aufschlug. Sein Reflex verhinderte, dass sein Gesicht direkt verkohlt wurde. Die Unterarme hochreissend und vor dem Gesicht kreuzend, fing er einen Feuerball ab. Die Elementarmagie jedoch versengte ihm die Haut unter den Armschienen und verkohlte selbige so sehr, dass die leichten Metallstreben unter dem Leder sichtbar wurden. Arranges überwandt den Schock, obwohl sein Sichtfeld von zahlreichen bunten Punkten überlagert wurde und hämmernder Schmerz durch seine Arme raste. Der Nekromant sah sich einigen Skamps gegenüber, im Hintergrund bewegte sich ein Caitiff. Nur wenige Meter hinter der Armee aus Daedra erhob sich auf einem hohen Sockel aus gestampfter Asche bereits der Siegelturm. Doch der Turm schien sehr viel größer, als der bei Cheidinhal.

Arranges hatte keine Zeit darüber nachzudenken, denn kaum hatte er einen kurzen Rundumblick riskiert und den ersten Feuerball überlebt, stürmten auch schon die Skamps vor, während sich der Caitiff im Hintergrund hielt. Das alles wäre noch kein größeres Problem gewesen, würde Arranges nicht noch einer Bewegung im Augenwinkel folgen. Über die hoch aufragenden Felsen links und rechts der Erhebung, auf welcher der Turm stand, kam recht schnell ein Spinnendaedra gekrabbelt. Arranges handelte für den ersten Moment nur instinktiv. Ein Daedroth erhob sich vor ihm aus einer purpur schillernden Kaskade, während er selbst ungeachtet der Schmerzen sein Schwert zog und sich nach Erynn umblickte.

Glannaragh
07.03.2011, 02:31
Erynn folgte dem Kaiserlichen mit gezogenem Schwert durch das Tor – und sprang mitten in eine Schlacht hinein. Sie hatte keine Zeit, sich großartig danach umzusehen, wie Arranges klar kam, stürmte an ihm vorbei auf die Skamps zu und schlitzte einem davon mit einem aufwärts geführten Hieb den Bauch auf. Als das Wesen außer Sicht taumelte, sah sie sich bereits von den übrigen kleinen Biestern umringt. Klauen schlugen nach ihr, krallten in das Leder der Rüstung und rissen es auf. Sie drehte das Schwert in ihrer Hand und stach gerade von oben nach einem besonders anhänglichen Exemplar. Die Klinge trat an der Halsbeuge ein, doch jetzt hatte sie das Problem, daß sie das kleine Mistvieh nicht mehr los wurde. Die Schneide hatte sich irgendwo verkeilt. Ein Feuerball traf sie im Rücken, nicht wirklich schmerzhaft, aber ärgerlich. Die Kriegerin stieß mit einem Ellbogen nach hinten und verschuf sich so für einen Augenblick Luft vor dem koboldartigen Wesen, das den Ring in ihrem Rücken geschlossen hatte. Sie nutzte die Lücke und sprang rasch einige Schritte in Richtung Tor zurück, den aufgespießten Skamp hinter sich herschleifend. Jetzt wieder auf einer Höhe mit Arranges, stellte sie einen Fuß auf das Bein ihres Anhängsels und riß die Klinge mit einem wilden Knurren zurück, bis sie sich endlich aus dem Kadaver löste.

Die übrigen Skamps formierten sich neu und schienen sich darauf vorzubereiten, weitere Zauber zu werfen. Jetzt, mit etwas mehr Überblick, fiel ihr auch der Dremora auf, der im Hintergrund auf einer kleinen Erhebung stand und in seiner fremdartigen, fauchenden Sprache Kommandos brüllte. Offenbar koordinierte er die niederen Daedra.
Erynn glaubte, im Augenwinkel eine Bewegung wahrgenommen zu haben und fuhr mit dem Kopf herum. Über ein paar Felsbrocken krabbelte ein... Ding... auf die Kämpfenden zu. Es war nicht ganz so hoch, aber etwa so lang wie ein Pferd und schien eine Kreuzung aus Frau und Spinne zu sein, und es war schnell. Unwillkürlich drehte sich ihr bei dem Anblick der Magen um und sie spürte, wie ihr Gesicht mit einem Schlage blutleer wurde. Was auch immer es war, sie wollte auf keinen Fall, daß ihr das Biest näher kam, als es jetzt gerade war. Rasch schob sie das Schwert ein, überließ es Arranges, sich um Skamps und Dremora zu kümmern und legte mit dem Bogen darauf an. Ihr erster Schuß ging fehl, als das Monster einen unvorhersehbaren Haken schlug. Die Bewegungen, die es dabei mit seinen viel zu vielen Beinen vollführte, ließen eine neue Welle der Übelkeit über Erynn hinwegschwappen. Ihr nächster Pfeil saß, schlug mit einem ekelerregenden Klatschen in den augedunsenen Hinterleib ein. Es hörte sich an, als sei eine faulige Frucht zerplatzt. Der Spinnendaedra stieß einen Schrei aus und bäumte sich auf, stürmte dann aber weiter auf sie zu. Jetzt hatte es sie vollkommen im Visier und schien seinen Lauf noch zu beschleunigen. Die Hand der Elfin zitterte leicht, als sie den nächsten Pfeil auf die Sehne legte...

weuze
07.03.2011, 03:26
Seine Begleiterin war gut beschäftigt, wie Arranges feststellte. Feuerimmun... das heißt ich muss hier erstmal für Abkühlung sorgen... Arranges packte sein Schwert fester, als er sah, wie zwei der Skamps auf ihn zukamen. Das Daedroth war umringt von den kleinen Biestern und wirbelte einen nach dem anderen durch die Luft, aber es waren viel zu viele, um ihnen wirklich Herr zu werden. Die freie Hand des Kaiserlichen wurde von einem grellen Blau eingehüllt. Der erste der beiden Skamps ging zum Angriff über und schlug wild mit seinen Klauen nach dem Kaiserlichen. Arranges wich zunächst aus, aber bei der dritten Folge von schnellen, aber ungezielten Hieben, wurde es dem Nekromanten ehrlich zu dumm. Er führte einen Rückhandstreich gegen die heranfliegenden Arme des Skamps... Blut kam ihm entgegen, als die Schneide mit einem hässlichen Knacken und Reissen die Arme abschlug. Der Skamp wusste nicht, wie ihm geschah und fuchtelte nur wild mit den Armstümpfen herum, aus denen im Interwall Blutfontänen schossen. 'Verdammt, jetzt gib schon Ruhe du hässliches Ding!' Arranges wollte einen Ausfallschritt machen und dem Skamp den Kopf abschlagen, als er plötzlich stolperte und die Klinge mit der Spitze voran im Rachen des Verstümmelten verschwand. Der zweite Skamp hatte sich in seine Flanke geschlichen und war ihm in die Hacken gesprungen. Arranges war im Begriff zu fallen, als er noch während er kippte, sein Schwert aus dem Körper des Daedras riss. Hart schlug er auf dem staubigen Boden auf und beeilte sich, auf den Rücken zu kommen. Der andere Skamp war bereits über ihm und formte in seinen Händchen einen Feuerball. Das kannst du aber sauber vergessen... Arranges streckte seine blau strahlende Hand vor. Eine dumpfe, leichte Druckwelle ging über den Platz und verursachte ein schmerzhaftes Knacken in den Ohren, als sich die beiden Zauber trafen. Der Skamp wurde zurückgeschleudert und erlag dem Frostzauber des Kaiserlichen.

Der Nekromant war mit einem Satz wieder auf den Beinen. Die übrigen Skampe hatten sich teilweise zurückgezogen und auch der Fokus des Caitiff ruhte im Moment auf dem Daedroth, der sich mittlerweile ein wenig überfordert sah, aber sich noch gut hielt. Erynn hatte derweil die Spinnendaedra ins Visier genommen, aber ihre ruhige Ader schien sie verlassen zu haben, der Bogen zitterte deutlich, als sie gerade erneut auf den wandelnden Alptraum anlegte. So wird das nichts... wenn das Untier einmal heran ist, gibt es kein Entrinnen mehr... Arrange eilte Erynn zur Seite. 'Befasst euch lieber mal mit dem Dremora...' Sagte er nur, als er sie schon grob an der Schulter zur Seite stieß. Magie flutete für einen Moment ihren Körper. Sie sah ein wenig aus, als wäre Erynn eine lebensgroße Zierfigur aus Glas. Ich hoffe das reicht notfalls gegen die Lähmzauber... Die Spinnendaedra war bis auf wenige Meter heran und stoppte dann plötzlich. Ein würgender Laut war zu hören und die Kreatur vollzog eine Bewegung, die aussah, als wolle sie sich setzen. Der Hinterleib senkte sich herab und gebar mit schmatzenden und sabbernden Geräuschen ein kleines Abbild der großen Spinnendaedra. Na ganz toll... zum Glück wollte ich das jetzt nicht sehen... aber schon seltsam, die beschworenen Daedraspinnen, die ich sonst rufe, holen sich ihre Kinder ebenfalls aus dem Reich des Vergessens... wie gut, dass ich jetzt weiss, dass das normalerweise so aussieht... Arranges und die Kreatur standen sich nur gegenüber, während sich das kleine Biest aus der Lache schleimigen Sekrets arbeitete und dann langsam neben seine Mutter trat. Das wird lustig... Arranges hob sein Schwert, fasste es mit beiden Händen und lehnte es im Anschlag an seine Schwertarmschulter...

Glannaragh
07.03.2011, 15:26
Erynn stolperte kurz, als Arranges sie mit einem Ruck zur Seite stieß und ihr gebot, den Caitiff in Schach zu halten. Du lernst es nicht, dachte sie grollend, enthielt sich aber eines Kommentars. Momentan hatten sie ganz andere Probleme. Wenn Arranges sich unbedingt mit dem Spinnendämon anlegen wollte, sollte es ihr recht sein. Das Vieh machte sie nervös. Sie spürte, wie Magie ihren Körper durchfloß und konzentrierte sich auf den Kampf, der auf dem Pfad zum Siegelturm tobte. In der Mitte des Mahlstroms aus wirbelnden Krallen und gelegentlichen Feuerbällen befand sich der Daedroth, den Arranges an seine Seite gerufen hatte. Der riesige Kopf des Echsenwesens stieß immer wieder vor, riß ganze Stücke aus den Skampen, die ihn piesackten und verschlang einen von ihnen gleich am Stück. Trotzdem war abzusehen, daß das beschworene Wesen sich nicht ewig gegen die kleinen Daedra würde behaupten können. Es waren einfach zu viele. Hinzu kam, daß sich jetzt auch der Dremora in den Kampf einmischte. Die Bewegungen des humanoiden Dämons waren flüssig, sicher und strotzten vor Kraft und mühsam im Zaum gehaltener Raserei, während er den Fängen und Klauen des Daedroth auswich und bei jeder sich bietenden Gelegenheit sein Schwert voschnellen ließ und klaffende Wunden in dessen Flanke riß. In Erynns Augen war er wunderschön, und sie spürte tatsächlich einen Stich des Bedauerns, als sie den Bogen hob und auf Dagons Krieger anlegte.

Sie nahm sich einen Moment, um genau zu zielen. Es wäre durchaus blöd, würde sie aus Versehen Arranges’ Kreatur treffen. Im passenden Augenblick löste sie den Pfeil, der die Rüstung des Dremora durchschlug und im Schulterblatt stecken blieb. Er fauchte, fuhr herum und fixierte sie mit brennendem Blick. Dann riß er das Schwert hoch und stürmte in gerader Linie auf sie zu. Die Kriegerin blickte dem Dämon gerade in die Augen, zog die Sehne zurück, ankerte und schickte ihren Pfeil auf die Reise. Der Kopf des Caitiff wurde zurückgerissen, als das Geschoß einschlug. Dann brach er in die Knie, fiel vornüber und lag reglos.
„Was für eine Verschwendung“, murmelte sie und warf einen kurzen Blick über die Schulter. Der Kaiserliche hielt die Spinnenfrau gut beschäftigt, und so wandte sie sich wieder den Skamps zu. Die kleinen Wesen schwirrten um den Daedroth herum wie die Schmeißfliegen und erlangten zusehends die Oberhand. Sie feuerte in den wimmelnden Haufen, schoß eines der kobolhaften Biester vom Rücken des Echsendaedra, doch es sollte nicht mehr viel helfen. Die Bewegungen der Dienerkreatur waren längst schwerfällig und fahrig. Ein Zittern durchlief den massigen Körper, dann stürzte er, zerquetschte dabei zwei Skamps unter sich und verging in einem Windhauch. Nachdem der Dremora nicht mehr da war, um den Biestern zu sagen, was sie zu tun hatten, brauchten sie eine Weile um sich neu zu formieren. Es mochte noch ein knappes Dutzend von ihnen übrig sein; der Daedroth hatte ihre Reihen merklich ausgedünnt.
„Arranges! Beeilt Euch ein bißchen“, brüllte sie ihrem Begleiter über die Schulter zu, dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Skamps. Vier von ihnen stürzten ihr entgegen, während der Rest damit beschäftigt war, weitere Zauber zu weben.

weuze
07.03.2011, 17:27
Die beiden Daedra starrten Arranges auffordernd an. Die pupillenlosen Augen schienen ihn anzuziehen, ihm zu befehlen, anzugreifen. Na dann mal los... Arranges hielt das Schwert noch immer mit beiden Händen erhoben im Anschlag, aber gerade, als er sich auf seine Gegner zubewegen wollte, zersplitterte die Waffe in seinen Händen. Feine Silberspäne bohrten sich wie Nadeln in seine rechte Wangen, Splitter rissen die Haut in seinen Handflächen auf. Der Kaiserliche war gleichermaßen erschrocken, wie gelähmt vom explodierenden Schmerz, der sich in ihm ausbreitete. Stöhnend öffnete er die Augen. Etwas, das man als triumphierendes Grinsen hätte bezeichnen können, war auf dem Gesicht des Dämons vor ihm zu erkennen. Aber Moment... wo ist das kleine Ding hin?! Arranges senkte aus einer Eingebung heraus den Blick und machte direkt einen gewaltigen Satz zurück, als er das kleinen Spinnendaedra an seinen Füßen sah. Er entging nur knapp der Lähmattacke. Scheiß Ungeziefer... Der Kaiserliche griff vor sich in die Luft und beschwör sich ein daedrisches Cleymore. Gerade noch rechtzeitig duckte er sich unter einem heranfliegenden Schockzauber hindurch. Wütend stürmte er jetzt auf den Spinnendaedra zu. Mit einem gewagten Sprung setzte er über das kleine Abbild hinweg und stand jetzt direkt vor dem Daedra. Mit einem gewaltigen Hieb zielte Arranges auf den Torso. Aber sein Angriff wurde von einem Arm des Daedras geschickt zur Seite gelenkt. Aus der freuen Hand des Daedras schossen jetzt zwischen den Fingern schlanke, dolchartige Klauen hervor. Mit einem gewaltigen Stoß griff der Daedra an, während Arranges noch seine Klinge ordnete. Doch die Waffen des Dämons vermochten sein Panzerhemd nicht zu durchdringen und rutschten funkenschlagend ab. Zu dumm... Arranges nahm den Schwung des vorangegangenen Schlags wieder auf und führte nun einen Dachschlag gegen seinen Feind. Die Spinnenfrau konnte nicht mehr ganz ausweichen und brüllte auf, als der Bidenhänder ihr durch die linke Schulter fuhr und den Arm sauber mit einem Knacken abtrennte. Arranges hatte keine Zeit, nachzusetzen, schon wieder spürte er ein Genestel am Fuß. Während die große Spinnenfrau sich kreischend an die Schulter griff und nicht angreifen konnte blickte Arranges rasch an sich herab und sah schon wieder die Brut des Daedras an sich hängen. Verfluchtes, hässliches Ding... Mit einem Tritt beförderte er den lästigen Angreifer von sich weg. Quietschend flog die kleine Spinnenfrau ein paar Meter. Arranges hechtete ihr nach und versuchte das Ungeziefer zu zertreten, aber die kleine Spinne war zu schnell für ihn. Er stampfte nochmals nach und traf dieses Mal. Der kleine, weiche Körper zerplatzte unter seinem Stiefelabsatz wie eine überreife Tomate. Ein großer Fleck in Grün- und Brauntönen hatte sich um einen nassen Klumpen gebildet, der jetzt, da Arranges seinen Fuß hob um sich zu vergewissern, dass das Ding tatsächlich tot war, Fäden zog. Die Beinchen zuckte noch einmal kurz, dann war die Brut endgültig tot.

Ein schrilles Fauchen riss ihn aus seinem Siegesmoment. Die Daedramutter hatte wohl mitbekommen, dass Arranges aus ihrem Zögling eine neue Schicht Bodenbelags begonnen hatte. Während aus der einen Schulter dunkelrot der Lebenssaft quoll, hob sie die andere Hand und warf ihm erneut einen Schockzauber entgegen, dem Arranges dieses Mal jedoch nicht ausweichen konnte. Für einen Moment fühlte es sich an, als würde sein Blut in den Adern augenblicklich verdampfen. Seine Muskeln schmerzten und krampften. Er konnte dem Hieb nicht ausweichen oder ihn blocken wie ein heißes Messer durch Butter, schnitten die feinen Klingen durch seine linke Armschiene. Arranges stöhnte auf, aber im selben Moment ließen auch schon die Krämpfe nach und er hieb mit aller Gewalt nach dem Daedra. Seine Klinge fuhr zwischen Schulter des noch heilen Arms und Hals. erst nach einer halben Armlänge verkeilte sich das Schwert, aber dieser Angriff hatte mehr als genug ausgereicht. Der Dämon sackte in sich zusammen, während grüne und rote Fontänen aus dem gespaltenen Frauentorso hervorschossen. Na endlich! ... Was zum Henker?! Arranges wollte sich gerade nach Erynn umdrehen, da das Band zu seinem Daedroth gerissen war und er so wusste, dass seine Beschwörung überwältigt worden war. Aber sein linkes Bein, mit dem er den kleinen Spinnendaedra zertreten hatte, wollte sich nur zögerlich nach seinem Willen richten. Die magische Essenz des kleinen Biests und dessen Fähigkeit Lähmzauber zu sprechen waren durch die Körpersäfte teilweise auf den Nekromanten übergegangen und hatten einen Großteil des Gefühls aus dem Bein getrieben. Rein aus Prinzip sollte ich Erynn genau mit diesem Bein in den Hintern treten... und zwar ohne die Sohle vorher abzuwischen... Deutlich wütend humpelte Arranges an Erynns Seite.

'Seht zu, dass ihr die zaubernden Skamps dort hinten unschädlich macht!' Knurrte er ihr entgegen. Die heranstürmenden Skampe sahen sich plötzlich einem Skelettwächter gegenüber. Mit einem breiten Stahlschild verstellte er den Kreaturen den Weg zu Erynn. Arranges hatte sich derweil in eine daedrische Rüstung gehüllt und trat mit beschworenem Langschwert in der einen und einem breiten Schild in der andere Hand an die Seite seiner Beschwörung...

Glannaragh
07.03.2011, 18:57
„Ihr habt Euch ja schon wieder kaputtgemacht“, gab sie mit einem Seitenblick auf den Beschwörer zurück, korrigierte die Haltung ihres Bogens und nahm die weiter entfernt stehenden Skamps ins Visier. „Man könnte fast meinen, Ihr genießt es von mir zusammengeflickt zu werden!“
Arranges blieb keine Zeit zur Antwort; die Angreifer waren heran. Erynn löste den ersten Pfeil und erwischte den ersten, ihr zweiter Pfeil verkohlte in einem heranfliegenden Feuerball. Sie duckte sich unter dem magischen Geschoß hinweg und legte ein weiteres Mal an. Diesesmal erwischte sie das Biest, mußte dafür aber einen weiteren Zauber hinnehmen, der ein größeres Loch in ihre Beinschiene riß und die Haut darunter versengte. Sie stöhnte gepeinigt auf, als ihre Haut Blasen schlug, und für einen Moment trübte sich ihr Blick. Kleine, verdammte Mistviecher! Jetzt reichts mir aber! Sie feuerte weiter, bis sich die Zahl der zauberwebenden Kobolde auf drei reduziert hatte. Die Skamps überdachten ihre Taktik und und gingen zum Nahkampf über. Schnatternd und Haken schlagend kamen sie auf die Elfin zu. Sie ließ den Bogen fallen und erwartete sie mit gezogener Klinge. Als der erste heran war, holte sie aus, während der kleine Daedra sich flink duckte und sie aus vollem Lauf rammte. Erynn taumelte zurück. Ehe sie sich versah, hingen die Biester an ihr wie zuvor an dem Daedroth und zerfetzten die schon arg mitgenommene Rüstung.
Vor Wut schrie sie auf und griff mit der Linken hinter sich nach einem Skamp, der es geschafft hatte auf ihren Rücken zu klettern. Sie spürte warmes Blut über ihr Gesicht rinnen, als das Mistvieh seine Krallen in ihre Kopfhaut schlug.
Sie bekam ein Ohr des Skamps zu fassen, beugte sich vor, wuchtete ihn über ihren Kopf und stach zu, als der Daedra auf dem Rücken landete. Die beiden anderen ergriffen die Gelegenheit und rangen die Kriegerin nieder, bis sie sich auf den Knien befand. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihr Gesicht mit den Armen zu schützen, fand keine Möglichkeit, das sperrige Schwert noch einmal einzusetzen. Der Dolch in ihrem Stiefel war bei der schnellen Schlagfolge, mit der die Skamps auf sie einprügelten, ebenso unerreichbar.
Endlich gelang es ihr, die Handgekenke eines der Angreifer zu packen. Sie zögerte nicht lange und stieß dem lästigen Vieh ihre Stirn in die Visage. Es kreischte, riß sich los und stolperte nach hinten, sah sie etwas desorientiert an, während ihm Sabber aus der Schnauze lief. Erynn riß das Schwert herum und schlitzte den dritten Skamp mit einem aufwärtsgeführten Streich auf, während sie aus der Drehung wieder auf die Beine kam. Sie machte einen raschen Ausfallschritt und ließ ihre Klinge vorzucken, stieß sie dem letzten Gegner tief in den Rachen. Keuchend stand sie für einige wenige Herzschläge über dem toten Körper, dann blickte sie auf und sah sich nach Arranges um.

weuze
07.03.2011, 19:33
Während Erynn von einigen der Skamps beschäftigt wurde, hackten Arranges und das Skelett den größeren Teil der Angreifer nieder. Das Skelett zeigte sich von den zwar zahlreichen, aber eher schwachen Angriffen wenig beeindruckt. Die meisten Hiebe, die auf das Gerippe ziehlten, wurden einfach von dessen Schild geblockt. Arranges hingegen schenkte seiner Deckung nicht so viel Aufmerksamkeit, er hieb und stach mit seinem Schwert nach allem, was helle Haut hatte und kleiner war als er selbst. Schon nach kurzer Zeit standen er und das Skelett vor einem Haufen aus blutüberströmten Kadavern. Suchend drehte sich Arranges um. Erynn hatte ihre Angreifer einige Sekunden früher erledigt als er. Er löste die Beschwörung auf, ließ seine Rüstung und das Schwert schwinden und trat leicht hinkend auf Erynn zu. 'Hmm... das Rot in eurem Gesicht passt gut zu euren Augen...' Arranges spürte selbst, dass im in dünnen Streifen Blut über die rechte Gesichtshälfte rann, dort, wo die unzähligen kleinen Splitter seiner Klinge steckten. Ohne eine Antwort abzuwarten, wandt er sich um und sah an dem mächtigen Turm empor. Mit einem Wink bedeutete er Erynn ihm zu folgen, dann ging er sein linkes Bein etwas hinterherziehend, auf den Weg, der direkt zum Tor am Fuße des Turms führte, zu.

Während des kurzen Fußmarsches bemerkte Arranges wieder die heftige Hitze. Durch den Kampf musste er arg schwitzen und das Wasser war größtenteils verdampft. Sein behinderter Gang machte ihm noch zusätzlich zu schaffen. Neben dem Blut stand ihm jetzt auch wieder der Schweiß im Gesicht. Seine Kleidung klebte unter der Rüstung am Körper und dort, wo die Lederrüstteile direkt auf dem Stoff entlangglitten, scheurten sie die nässende Haut auf. Hoffentlich war das schon alles... Dachte Arranges zähneknirschend, als sie den Turm erreicht hatten.

Als sie in den Turm eintraten, stellten sie wenig überrascht fest, dass er ziemlich genau gleich aufgebaut war wie der erste. Innen hohl mit der Feuersäule, auf deren Spitze der Sigelstein saß. In den Zwischenräumen der inneren und äußeren Mauer, führten wieder die Gänge kreisförmig, der Grundform des Turms angepasst, nach oben. Es war völlig egal, welche der beiden Türen sie im Erdgeschoss nahmen, sie entschieden sich für die linke und spähten vorsichtig in den Gang dahinter...

Glannaragh
07.03.2011, 20:49
Danke, du Arsch, kommentierte sie in Gedanken, verdrehte die Augen und folgte ihrem Begleiter das kurze Stück zum Turm hinauf. Das mit den Umgangsformen üben wir noch... Arranges hinkte und sah schon wieder überhitzt aus, dabei waren sie gerade erst angekommen.

Die Eingangshalle des Siegelturms war leer. Erynn war verwundert, das hatte sie nicht erwartet. Vielleicht haben wir Glück und treffen auf weniger Widerstand als in dem Tor vor Cheydinhal. Böse wäre ich darum jedenfalls nicht. Während sie vorsichtig auf die linke der Türen zugingen, die weiter in das Gebäude hinaufführten, konnte die Elfin nicht umhin, wieder einmal die fremdartige, so elegant und doch aggressiv wirkende Architektur des Turms zu bewundern. Angespannt starrten sie in den Gang hinter dem Portal, der sich steil nach oben wand. Das Licht war schummrig, die Schatten tief. Auf den ersten Blick war auch hier nichts und niemand zu sehen, doch sicher konnte sich dessen keiner von beiden sein. Sie folgten der Rampe ein Stück, bis Erynn die Hand hob und dem Beschwörer bedeutete, still zu sein.
„Wartet hier, und haltet Euch bereit“ flüsterte sie, nahm den Bogen zur Hand und bewegte sich langsam weiter, bedächtig einen Fuß vor den anderen setzend. Sie glaubte, Geräusche von schweren Stiefeln gehört zu haben. Der Gang verbreiterte sich zu einem Raum mit hoher Decke. Die Elfin preßte sich an die Wand und schob sich vorsichtig weiter. Das Licht hier war besser, in der Mitte des Saals stand eine Art Springbrunnen, in dem eine blaue Flüssigkeit vor sich hinplätscherte. Sie sah einen kleinen Clannbann und zwei Dremora, einer davon wurde fast vollständig von einer Säule verdeckt, der andere trug eine schwere, knöchellange Robe. Roben bedeuteten Ärger. Immer. Sie zog die Bogensehne zum Mundwinkel zurück und schickte ihren Pfeil auf die Reise. Mit einem widerwärtigen Gurgeln fiel der Magier wie ein Baum, als das Geschoß seinen Hals durchschlug. Der Clannbann zuckte zusammen, hob den Kopf und sah sich suchend um. Der übriggebliebene Dremora war schneller. Innerhalb eines Lidschlags hatte er sie entdeckt und auch schon seinen Bogen zur Hand Verdammt! Daß es ein Schütze ist, habe ich natürlich nicht sehen können. Hastig zog sie sich zurück, versuchte dem Daedra kein klares Ziel zu bieten. „Arranges! Bogenschütze!“ rief sie ihrem Begleiter eine Warnung zu, feuerte dabei einen ungezielten Schuß auf ihren Gegner ab.

weuze
07.03.2011, 21:43
Arranges ärgerte sich, als Erynn ihm zu verstehen gab, dass er wohl besser wartete. Aber er war zu sehr außer Puste, um ihr wirklich zu wiedersprechen. Eine Hand auf einen Oberschenkel gestützt, mit der anderen hielt er sich an der Wand, wartete er keuchend darauf, was Erynn zu berichten hatte, wenn sie zurückkommen würde. Aber statt normal zurück zuschleichen, hechtete sie plötzlich den steilen Gang zu ihm herunter. Ihre Warnung hallte ihm entgegen und sofort riss er sich aus seiner Erschöpfung. Er blickte zu ihr hinauf und sofort sah er auch schon hinter der weiten Biegung ein Clannbann heransprinten. Ganz toll... aber ich sorge immer für Aufrur... das werd ich ihr bei Gelegenheit aber direkt unter die Nase reiben! Arranges warf ihr eine schillernde Kugel entgegen. Eine Sekunde, nachdem sie der Zauber erreicht hatte, fand sich Erynn von einem daedrischen Panzer eingehüllt, auf dem Bauch liegend wieder. Das Clannbann hatte sie von hinten angesprungen, umgerissen und versuchte jetzt mit dem kantigen Schnabel und den rasiermesserscharfen Klauen, durch die Rüstung zu dringen. So, und jetzt folgt das Aufräumkommando...

Arranges Arme waren verbrannt, der rechte Unterarm aufgeschlitzt, eine Gesichtshälfte von Edelmetallsplittern gespickt und seine Hände aufgerissen, noch dazu war er nicht in der Lage, sich ordentlich forzubewegen... außerdem und das war wohl schlimmer als die Verletzungen, hatte er kein Schwert mehr. Arranges war trotz oder gerade wegen dieser sämtlichen unnötigen Umstände und Behinderungen deutlich zornig. Als jetzt auch noch ein Dremora hinter Erynn und dem Clannbann auftauchte, verließ Arranges die Geduld. 'Wird Zeit, dass hier mal durchgelüftet wird, ist ja kaum auszuhalten bei der stickigen Hitze...!' Der Kaiserliche zog eine gewaltige Energiemenge zusammen. Mit einer Hand zeichnete er vor sich ein Bild in die Luft. Das Dremora war erst noch mit dem Beäugen von Erynn beschäftigt, auf der noch immer das Clannbann saß und wild auf sie eindrosch, als er den Kopf hob und etwas weiter unten im Gang Arranges sah. Eine starke Windböe heulte durch den normalerweise windstillen Turm. Die wirbelnde Luft führte kleinere und größere Gesteinsbrocken mit sich, die sich jetzt in einem fauchenden Wirbel vor Arranges zu einem Sturmatronach zusammensetzten. Los... MACH MIR DEN WEG FREI! Auf den wütenden Befehl des Kaiserlichen hin, flog der Steinriese wieder außeinader und raste in Form eines kleinen Wirbelsturms auf die Feinde zu. Das Clannbann wurde von dem Wirbel erfasst und für einige Umdrehungen mitgerissen, bevor es hart gegen die Wand klatschte, daran herabsank und reglos liegen blieb. Das Dremora sah sich einem Gegner gegenüber, dem es nicht sehr viel entgegen zu setzen hatten. Nachdem sich die eigentliche Gestalt des Atronachs wieder vor dem Daedra manifestiert hatte, versuchte das Monster noch ein paar Schläge mit dem Bogen zu blocken, aber dann wurde es einfach von dem Ungetüm zermalmt. Der Daedrastahl kreischte, Knochen splitterten und Blut spritze. Nach einigen Herzschlägen war es vorbei.

Arranges kam jetzt, nachdem die Beschwörung wohl keine weiteren Gegner ausmachen konnte und auf weitere Anweisungen ihres Meisters wartete, den Gang herauf. Bei Erynn blieb er kurz stehen. Mit dem Fuß stieß er sie etwas grober an, als gewollt, wobei er zeitgleich die Rüstung auflöste. 'Ihr macht doch nicht etwa schon schlapp? ... Na los, steht schon auf... so schwer musstet ihr bis jetzt noch nicht kämpfen...' Ohne eine weitere Geste ging er weiter. Die Elfe stemmte sich hinter ihm keuchend in die Höhe. 'Das mit dem Vorangehen könnt ihr zukünftig vergessen... und ja, ich werde euch daran hindern, wenn ihr wieder dabei seid, so einen Blödsinn zu veranstalten...' Dass es normalerweise Arranges selbst war, der mit der Tür ins Haus fiel, wurde von seinem Ärger begraben. Schweiß strömte ihm in Sturzbächen übers Gesicht. Er hatte Mühe, nicht zu schnaufen wie ein Staffelläufer. Er entließ den Atronach und wob gleich den nächsten Zauber. Im Umkreis von mindestens 20 Metern würde ihm nun keine Bewegung oder Anwesenheit von Feinden mehr entgehen...

'Habt ihr es dann bald?!' Fragte er ungehalten über die Schulter blickend.

Glannaragh
07.03.2011, 22:34
Das Gehacke des Clannbanns hatte keinen großen Effekt erzielt. Sein Gewicht hielt die Elfin am Boden, doch der vogelartige Schnabel war nicht dazu geeignet, die magische Rüstung zu durchdringen. Der Sturmatronarch ihres Begleiters löste das Problem schnell.
Erynn erhob sich mühsam und funkelte den Beschwörer an. Der Tritt, den er ihr verpaßt hatte, war zu viel gewesen. „Es reicht, Nekromant. Ihr habt keine Ahnung, was vorhin geschehen ist. Ich habe einen Magier erledigt, was leider dazu führte, daß die beiden anderen Daedra aufmerksam geworden sind. Ich hatte sie längst gehört, während Ihr zu beschäftigt damit wart, Euch einen Hitzschlag zu holen. Ihr wärt direkt in diesen Saal hereingetrampelt, ohne zu wissen, was Euch überhaupt erwartet... Ich kenne Euch mittlerweile zu gut. Ich weiß, daß Ihr umso selbstherrlicher werdet, je mehr Euch eine Situation entgleitet. Glaubt Ihr, damit könnt Ihr mich noch einschüchtern? Also steckt Euch Eure Arroganz dahin, wo die Sonne nicht scheint.“
Sie schob sich an Arranges vorbei und ging auf die Überreste des Schützen zu. Gesicht und Brust waren verwüstet, nicht mehr als eine blutige, formlose Masse. Erynn ignorierte den scheußlichen Anblick und suchte nach Pfeilen, die das Massaker überstanden haben mochten. Die meisten waren gesplittert, wie sie erwartet hatte. Dennoch fand sie dreizehn Stück, die noch brauchbar waren. Nachdenklich wog sie einen davon in der Hand. Schwer und klobig, wenig flexibel – genau so, wie sie sie in Erinnerung hatte. Für den Moment jedoch würden sie genügen. Sie erhob sich und lenkte ihre Schritte in die Halle, wo der Springbrunnen stand, der ihr zuvor schon aufgefallen war.

weuze
08.03.2011, 00:01
'Ihr kennt mich kein bisschen, also hört auf so einen Schwachsinn zu reden...!' Allein, weil Arranges den Zauber hielt (von dem sie nichts wusste), der ihn Lebewesen sehen ließ, wo für andere eine absolut undurchdringliche Barriere, etwa eine Mauer, die Sicht versperrte, wusste er, dass Erynn mit ihrer Behauptung sehr sehr weit danebengriff. Nachdem sie ein paar Pfeile zusammen gesammelt hatte, erhob sich Erynn wieder und blickte zu dem Brunnen. Auch Arranges wurde jetzt auf die seltsam vertraut wirkende Flüssigkeit aufmerksam. Merkwürdig... die Flüssigkeit scheint nach mir zu rufen... irgendwie... was ist das bloß... Als ob die kleine, plätschernde Fontäne etwas war, was Arranges jeden Tag sah, schien sie ihm direkt wichtig, ja sogar unentbehrlich vorzukommen. Was ist das?! Der Magier ging langsam auf den Brunnen zu, wie gebannt konnte er den Blick nicht davon abwenden. An dem kleinen, von nach innen gebogenen, feuerroten Dornen eingegrenzten Becken angekommen, starrte er in die blaue Flüssigkeit. Er konnte sich nicht erklären, warum dieses Zeug, entsprang es doch der Welt eines Daedrafürsten, ihn überhaupt nicht misstrauisch machte. Intuitiv langte er nach der Fontäne. Die Flüssigkeit brannte auf den blutig geschundenen Händen, aber gleichzeitig spürte er, wie ihn Kraft und reine Magie zu durchströmen schen. Es war wie bei einem von Falanus Tränken, nur sehr viel intensiver... es erinnerte beinahe ein wenig an Skooma. Arranges fühlte sich direkt beflügelt, zu Übernatürlichem befähigt zu sein. Reine Magie strömt hier aus diesem Becken... Der Kaiserliche zog die Hand zurück. Obwohl er einerseits erschöpft war, ihm die Hitze zusehens zu schaffen machte und der Schmerz seiner Verletzungen ihn bis zum Anschlag peinigte, fühlte er sich auf der anderen Seite ausgeruht, gestärkt und fern jeder Erlahmung.

'Erynn... kommt her und seht euch das an!' Er wirkte für den Moment gar nicht mehr verärgert. Wahre Begeisterung lag in seiner Stimme und die überzeugte Art, eines Lehrers, der seinem Schüler etwas spektakuläres zeigen will, um den Lernfortschritt fernab der trockenen und langweiligen Bücher voranzutreiben. Die Dunkelelfe kam näher heran und blickte in den Brunnen, aber im Gegensatz zu ihm schien sie nicht die selbe Begeisterung aufbringen zu können, wie er. 'Das ist die reine magische Essenz wenn ihr so wollt... quasi ein Loch in der Leinwand, durch welches ihr die Lampe hinter der Fassade Nirns sehen könnt...' Erynn schien eher nicht zu verstehen. Arranges ließ die Hand sinken, holte eine kleine Phiole hervor und zog den Korken ab. 'Hmm... mal sehen...' Er tauchte das Gefäß in die Flüssigkeit ein... aber es war leer, als er es wieder hochnahm. Ein erstaunter und fragender Ausdruck formte sich auf dem Gesicht des Beschwörers. Etwas verwirrd hob er das Fläschchen über seinen Kopf und besah sich den Boden. Kein Loch... Wieder tauchte er es in das Becken mit dem wieder gleichen Ergebnis. 'Was zum...!?' Etwas ungeduldig und schnell versuchte er nochmal etwas von den Wassern Oblivions abzufüllen. Das Gefäß blieb leer. 'Beim Haus des Chaos...!' Nochmal versuchte er etwas aufzunehmen und als es wiederholt nicht funktionierte, zerdrückte er wütend das kleine Glasgefäß in der Faust. Im nächsten Moment stieß er seine Hand schüttelnd, ein paar üble Flüche aus. Im Hinterkopf hatte er sich gedacht, dass es unmöglich wäre, von dieser... Magie etwas abzufüllen, aber die Hoffnung und die Gier allein im Besitz reiner magischer Essenz zu sein, waren stärker, als dieser vernunftgeprägte Gedanke. Die Begeisterung eines Kindes für den plätschernden Brunnen, hatte sich in pure Feindseligkeit gewandtelt, als er den Blick hob und Erynn ansah. 'Auf was wartet ihr noch?! Wir gehen weiter... und wagt es nicht vorauszulaufen...!'

Ohne auf eine Antwort zu warten drehte sich Arranges um und ging auf den weiterführenden Gang zu, der ebenso steil weiter nach oben führte, wie jener, den sie heraufgekommen waren. Da er nicht so schnell laufen konnte, wie er es eigentlich wollte, hatte er ein paar Augenblicke, sich den Raum näher zu beschauen. Seltsam, hier scheint es überhaupt keine Fallen zu geben... Hat man Grummit- und Goblinbauten bereits gesehen und auch die ein oder andere Ayleidenruien überlebt, so fühlt man sich hier fast sicher... Arranges passierte gerade den Torbogen, der den Raum vom Gang abgrenzte, als ihm seltsame Löcher links und rechts in der Wand auffielen. Kerzengerade, vertikal und in gleichmäßigen Abständen geordnet. Verflucht sollst du sein Mehrunes! Schalt sich der Kaiserliche gerade noch, als er dank seinem Reflex, ausgelöst durch ein schabendes Geräusch, nach vorn hechtete... Die schlanken Speere, die links und rechts aus der Wand schossen, erwischten ihn dennoch. Zwei durchstießen seinen Umhang, während einer der unteren seinen rechten Fuß zwischen Schienbein und Wadenmuskel durchschlug. Ein harter Ruck beendete den Flug. Und sah man jetzt von den Schmerzen ab, hatte Arranges dennoch das Problem, dass er sich durch seine absolut ungünstig hängende Position, beinahe durch seinen Umhang erwürgt fand. Der Umhang etwa ab einem Drittel vom Saum aus, durchstoßen, spannte jetzt zwischen seinem Hals - wo er auf der Forderseite von einer bronzenen Brosche zusammengehalten wurde - und den Speeren. Der Fall wurde durch den Halt verhindert, den der Kaiserliche in der Luft hängend, gegen seinen eigenen Fuß gestemmt, erfuhr. Nach einem würgenden Laut schnellten die Hände an seinen Hals. Er hatte schon mit seinem Leben abgeschlossen, als sich die Speere nur einen Lidschlag später wieder in die Wand zurückzogen. Mit einem schmierenden Geräusch wurde der aufgespießte Unterschenkel des Kaiserlichen gegen die Wand abgestreift, als der Speer sich wieder unsichtbar in seine Versenkung zurückzog. Arranges zuckte kurz auf dem Bauch liegend und nachdem er zweimal tief Luft geholt hatte, wirbelte er herum, griff nach seinem Bein und brüllte für einige Sekunden wie ein Bär, der gerade abgestochen wurde. 'Verfluchtes Oblivion, verfluchte Fallen, VERFLUCHTE DAEDRA!!! ... Wenn ich je dahinterkomme, wer die Idee hatte, mich zu schicken, die Sigelsteine zu holen, werde ich ihn sehr... seeehr langsam und noch viel qualvoller umbringen...' Mit hektischen und zitternden Bewegungen zog er einen Heiltrank Verflucht, das ist der letzte! hervor und verschüttete zunächst die Hälfte so, bevor er den Rest des Gebräus auf die Wunde bekommen konnte. Wütend schleuderte er das Fläschchen gegen die Wand, zerrte ein wenig unüberlegt an seinem Umhang herum und blickte dann zu Erynn... 'Könntet ihr mir vielleicht helfen, einen groben Verband anzulegen?!' Er bemühte sich um einen umgänglichen Ton, aber man konnte spüren, wie schwer das gerade für ihn war, und sehen konnte man es auch, anhand einer sehr dicken Schlagader, welche an einer Schläfe hervortrat...

Glannaragh
09.03.2011, 16:35
Erynn verdrehte die Augen, entschied dann aber, Arranges’ Gezeter einfach zu ertragen. Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort wäre es um ihre Selbstbeherrschung wohl geschehen gewesen, doch die feindliche Umgebung des Obliviontores hielt sie davon ab, ihren Begleiter in die Bewußtlosigkeit zu prügeln. Noch.
Sie betraten einen weiteren Raum. Auch hier hielten sich keine Daedra auf, was sie recht seltsam fand. Sie sah sich wachsam um. Gerade wollte sie den Kaiserlichen auf die seltsamen Löcher in den Wänden aufmerksam machen, doch es war zu spät. Er hatte die Falle ausgelöst und war auch gleich davon erwischt worden. Ihr lästerlicher Fluch ging in seinem Gebrüll unter. Nachdem der Beschwörer sich so weit gefangen hatte, daß es ihm gelang die schlimmsten Auswirkungen der Verletzung mit einem Heiltrank zu behandeln und um ihre Hilfe zu bitten, umging sie die Falle, packte ihn kurzerhand und schleifte ihn in die Mitte des Raumes, fort aus der Reichweite der tückischen Speere.
„Seht Ihr,“ schimpte sie, während sie seinen Stiefel auszog, „das ist der Grund, weshalb ich sage, daß Ihr mich vorgehen lassen sollt. Aber Ihr lernt es einfach nicht. Nicht einmal durch Schmerzen. Wie bockstur kann man eigentlich sein!?“
Erynn riß Arranges’ Beinkleider ein Stück weiter auf, um die Wunde besser sehen zu können, ließ sich dann die Bandagen reichen. Der Verbrauch, den sie an diesen Dingern hatten, war nachgerade astronomisch. „Wie habt Ihr es bloß geschafft, bis heute zu überleben“, fragte sie barsch, während sie nicht allzu sanft einen festen Verband anlegte. „Verdammt noch mal, Finger weg! Sonst bin ich morgen noch nicht fertig.“ Sie war geladen wie eine Ballista, hatte es endgültig satt, immer und immer wieder die Unachtsamkeit des Kaiserlichen ausbügeln zu müssen. Irgendwann muß es der Kerl doch selbst merken... wie blöd kann ein Mensch eigentlich sein? „Könnt Ihr aufstehen?“ fragte sie gereizt.

weuze
09.03.2011, 18:30
'Ich habe hauptsächlich deswegen überlebt bis zum jetzigen Zeitpunkt, weil mir auf den meisten meiner Reisen niemand mit irgendeinem Gesülze, dämlichen und unnötigen Vorhaltungen oder mir einfach durch die Tatsache, mir ständig in die Quere zu kommen, meine Vorgehensweise durch irgendwelche schwachsinnigen Aktionen behindert hat... Ja verdammt, ich kann aufstehen, ich bin schließlich kein alter Greis...' Ungeduldig langte er nach seinem Stiefel, schlürfte mit dem Fuß hinein und zog ihn nach oben. Für einen Moment hielt er inne, als er ganz in dem Rüstungsteil steckte und sog scharf die Luft ein. Verdammt... dagegen war die Grummitfalle ein ganz kleines Licht... Dann kam er etwas mühsam auf die Füße. 'Und weil ich um eure Unwissenheit und eure Unfähigkeit genauestens bescheid weiss, werde ich trotzdem weiterhin vorangehen, ob es euch nun passt oder nicht!' Dann stapfte er ungelenk weiter.

Sie folgten dem Gang weiter hinauf. Kamen durch weitere Räume, die aber völlig leer waren, auch keine Fallen gab es. Der Weg erschien endlos lang. Hin und wieder führten auch kürzere Wegabschnitte frei im Innern des Turms um die Feuersäule herum. Arranges dachte schon, er würde hier schmelzen, was anhand seines Anblicks durchaus nicht zu abwegig war. Sie hatten gerade wieder einen leeren Raum hinter sich gelassen und gingen eine Rampe hinauf, als vor ihnen eine mehr oder weniger vertraute Tür auftauchte. Dank den Vieren! Dachte Arranges und keuchte. Sie passierten die Tür und fanden sich sogleich in einem grob gearbeiteten Gang wieder. Sie waren endlich in der Kuppel angekommen.

Arranges ging etwas vorsichtiger und achtete auf jede Unebenheit im Einflussbereich seines Zaubers. Nach einigen Augenblicken hatten sie die zwei Durchgänge erreicht, die zur inneren Kuppel mit den seltsamen Baldachinen aus Fleisch führten. Vorsichtig spähten sie in den Raum, aber alles war still, nichts regte sich. Arranges konnte auch keine Feinde spüren, die sich irgendwo verbargen. 'Seltsam... haben wir tatsächlich schon alles getötet?!' Murmelte Arranges, als sie sich langsam vorwärts bewegten. Sie hatten gerade die Treppen in die Spitze erreicht und waren die ersten Stufen hinaufgegangen, als Arranges plötzlich stehen blieb und Erynn ein Zeichen gab, leise zu sein. Am Rande seines Zaubers spürte Arrange seltsame Störungen, Verschiebungen in der von ihm gewobenen Magie, es waren aber wohl keine Feinde. Verflucht was ist das?! Das komische Phänomen kam von irgendwo hinter ihnen. Langsam drehte sich Arranges und ließ seinen Blick durch die Kuppel schweifen. Nichts. Der Nekormant wandte sich wieder zum Gehen um und winkte Erynn, ihm zu folgen...

Kaum hatte der Kaiserliche sich wieder umgedreht, ließ ihn ein lautes Fauchen wieder herumfahren. Auf der oberen Ebene, gegenüber der Treppen und somit in der Flanke der beiden, stand jetzt eine ganze Reihe Dremoras in voller Rüstung. Jede der Kreaturen hatte einen gewaltigen Bogen, mit grässlich blitzenden Pfeilen schussbereit gespannt. An einem Ende der Reihe stand ein Markynaz, mit hoch erhobenem Arm. Wieder war das laute Fauchen zu hören und der Markynaz senkte den Arm und zeigte nun direkt auf sie. Alles ging ganz schnell. Arranges hatte in dem Moment schon den Zauber auf den Lippen, als er die Dremoras erblickte. Er rammte Erynn die flache Hand in die Seite, zum einen in der Absicht, sie die Treppe hinunter zu stoßen und zum anderen um ihr einen Panzer zu verpassen. Die magische Rüstung dämpfte den Sturz. Sie entging dem folgenden Pfeilhagel, während Arranges für sich selbst ein Schild beschwor und es vor sich hielt. Binnen weniger Sekunden steckten dort, wo Erynn gerade noch gestanden hatte, einige Pfeile in der Wand. Der Schild fing ebenfalls einen Großteil der Pfeile ab, aber einige der Daedra schienen ihr Ziel nochmals geändert zu haben, als er den Schild beschwor und so zierten drei der Pfeile seine ungeschützten Beine, einer knapp mittig in der Leistengegend, der andere oberhalb des linken Knies und der dritte steckte im rechten Schienbein.. Aber anders als Bodkinspitzen oder ähnliche Rüstungsbrecher mit Wiederhaken, durchschlugen die Pfeile seine Beine nicht gänzlich. Sie drangen zwar weit ein, traten aber auf der Rückseite nicht wieder aus.

Sofort spürte Arranges das Brennen von Gift in seinem Körper. Er nutzte die kurze Feuerpause und warf den Daedra eine Eiskugel entgegen. Laut krachend schlug das Geschoss in der Schützenreihe ein und fegte ein paar der Krieger Mehrunes von den Beinen. Den kurzen Moment der Verwirrung nutzte Arranges um mit den jetzt komplett tauben Beinen die Stufen zu Erynn hinunter zuhasten. Gerade rechtzeitig kniete er sich mit dem breiten Schild vor sie, als die nächsten Pfeile heranjagten...

Glannaragh
09.03.2011, 20:42
Erynn duckte sich hinter den beschworenen Schild, als eine weitere Pfeilsalve heranflog. Dann erhob sie sich kurz aus der Deckung, um ihrerseits zu feuern und holte einen der Schützen von den Beinen. Da warens nur noch fünf, dachte sie, während sie wieder den Kopf einzog. Eines der Geschosse schlitzte ihre Schulter auf, und sie keuchte. Die Dremora hatten sich breit gefächert in dem Gang verteilt und veranstalteten jetzt ein Scheibenschießen auf die beiden Sterblichen.
„Arranges“, sagte sie drängend und legte über seinen Kopf hinweg ein weiteres Mal an, „schickt ihnen eines Eurer Sturmwesen entgegen.“ Der Pfeil zerbrach wirkungslos an einer stark gepanzerten Stelle der Daedrarüstung. „So, wie es jetzt aussieht, sind wir geliefert.“
Der Kaiserliche antwortete nicht. Er war hinter dem Schild zusammengesunken, der Schweiß rann ihm in Strömen übers Gesicht, doch er hob den Arm, wob mit der Hand ein Zeichen in die Luft und sprach einige fremdartige Worte. Eine Windhose erhob sich, aus der sich der Atronarch schälte. Die Kreatur gab ein schabendes Grollen von sich, als es den nächsten Pfeilhagel abfing, und warf sich den Dremoraschützen entgegen. Erynn hängte den Bogen über ihre Schulter, sprang hinter der Deckung hervor und rannte dicht hinter dem beschworenen Wesen her. Als es in die Reihen der Dremora fräste, löste sie sich aus seinem Schatten, drückte sich dicht an der Wand an den Kämpfenden vorbei und sprintete so schnell sie konnte in die Siegelkammer.

Es gab ein seltsames Geräusch, als sie auf die organische Rampe trat. Die Elfin fühlte, wie das Material unter ihren Füßen leicht nachgab und sie dann umso schneller nach vorne federn ließ. Sie hörte schwere Stiefel und ein bösartiges Fauchen hinter sich. Einer der Verteidiger hatte die Verfolgung aufgenommen. Als sie die erste Empore erreichte, konnte sie seinen heißen Atem im Nacken spüren und rannte noch einmal schneller. Ein schlecht plazierter Schwertstreich traf sie im Rücken, ließ sie straucheln und gequält aufschreien, als eine Rippe brach. Mit zusammengebissenen Zähnen stürzte sie weiter. Die Luft wurde ihr knapp, da sie nur mehr flach atmen konnte. Zehn Schritte. Sie hatte es fast geschafft. Der Daedra holte ein weiteres Mal aus, als sie gerade einen Blick über die Schulter warf. Erynn ließ sich fallen, und der Verfolger rannte in sie hinein, stolperte und fiel. Es fühlte sich an, als würde sie von einem Rammbock getroffen. Tränen des Schmerzes verschleierten ihre Sicht, als sie sich wieder aufrappelte und weiter auf den Siegelstein zuhielt.
Nur Sekunden später erreichte sie die schwarzschimmernde Kugel, riß sie aus ihrer Verankerung und drehte sich mit wildem Blick zu dem Dremora um. Sie sah noch sein wutverzerrtes Gesicht, bevor die Dimensionstasche in sich zusammenfiel und sie nach Nirn zurückschleuderte.
Für eine Weile lag sie einfach mit geschlossenen Augen auf dem festen Boden, spürte das Gras unter sich und den frischen Wind auf ihrem Gesicht. Mit beiden Händen hielt sie den Siegelstein fest umklammert und wunderte sich darüber, daß sie noch lebte. Schließlich setzte sie sich unter einigen Mühen auf. Deutlich war die Sorge in ihrer Stimme zu hören, als sie den Namen ihres Begleiters rief.

weuze
09.03.2011, 21:41
Haha... los, webt einen Zauber Arranges, aber bitte keinen, der mein Weltbild zerstört... aber jetzt bräuchten wir gerade mal doch einen! Imitierte der Kaiserliche Erynn in Gedanken, als sie ihn aufforderte, einen Sturmatronach zu beschwören. Er rief den Daedra an ihre Seite und gab schließlich auf, als der Kampfeslärm deutlich wurde. Arranges stützte sich auf den Schild, während er verzweifelt versuchte seine Beine zu bewegen. Das Gift hatte sie komplett gelähmt. Oben tobte der Kampf und Arranges hatte Mühe, das Band zu dem Atronach aufrecht zu erhalten. Plötzlich stach ein Geräusch durch die allgegenwärtige Kulisse scheppernden Metalls und wuterfüllten Brüllens. Die Schritte schwer gepanzerter Füße kamen langsam aber sicher auf ihn zu. Das Geräusch war jetzt nur noch etwa einen Meter von ihm entfernt, als es erstarb. Der Nekormant hob keuchend den Kopf. Vor ihm hatte sich der Markynaz aufgebaut, welcher oben die Dremoras befehligt hatte. Langsam, fast genüsslich, zog der Daedra den Bidenhänder auf seinem Rücken. Mit einem ohrenbetäubenden Scherbeln krachte die Klinge auf die Oberkante des Schildes. Arranges hatte sich unter dem Hieb hindurchgeduckt. Er hob den Schild und fing damit nur knapp den nächsten Streich ab. Wieder und wieder ging ein wuchtiger Streich des Daedrafürsten auf ihn nieder. Das Band zu dem Schild riss immer weiter ein, jeder Schlag knackte in den Gedanken des Kaiserlichen und hallte unangenehm in seinen Ohren nach. Nach einigen Schlägen, während denen sich Arranges nur noch hinter seinen magischen Schutz gekauert hatte, musste er den Schild auflösen, er hatte nicht mehr die Kraft, die bröselnde Magie zusammen zu halten... Der Zweihänder kam heran und hätte ihn geköpft...

... Mit einem erstickten Keucher riss der Magier die Augen auf und sog gierig die kalte Luft der Abenddämmerung in seine Lungen ein, nur um sie direkt wieder pfeifend darauf entweichen zu lassen. Etwa ab dem Brustbein abwärts schmerzte jeder Muskel. Sobald sich der Kaiserliche allerdings ein wenig rührte, explodierte ein grelles Brennen in seinem ganzen Körper. Vor allem dort, wo die drei Pfeile ihn getroffen hatten. Er lag auf dem Rücken, alle Gliedmaßen von sich gestreckt und wagte es nicht, sich zu bewegen, während er in den dunkelnden Himmel starrte. Sein Gesicht schmerzte, die vielen kleinen Wunden nässten noch immer leicht oder war es vielleicht auch nur der Schweiß. Deutlich spürte er die Brandblasen unter den Armschienen. Nichteinmal die Gefahren auf den Inseln haben mich so zugerichtet... Den übrigen allgemeinen Schmerz seiner zahlreichen Verletzungen ignorierend, atmete er nur sehr flach weiter, um das scheußliche Gift, welches wohl nichteinmal zum Töten oder Lähmen gedacht war, sondern vielmehr um zu quälen, nicht noch herauszufordern. Resignierend schloss er die Augen... nur, um sie einige Herzschläge später wieder zu öffnen, als Erynn nach ihm rief. Die Dunkelelfe hatte er für den Moment komplett vergessen, aber jetzt war er fast froh, eine vertraute Stimme zu hören. Seine Augen erfassten die Gestalt der Kriegrin am Rande seines Blickfelds. Er wagte es nicht, mehr als seine Augen zu bewegen und starrte sie daher nur wortlos an.

Glannaragh
10.03.2011, 03:06
Als keine Antwort kam, stand Erynn zur Gänze auf, die Wirbelsäule durchgebogen in dem nutzlosen Versuch, sich von dem Schmerz in ihrem Rücken wegzudrücken. Ihr Blick fiel auf den Kaiserlichen, und für einen Moment entgleisten ihr sämtliche Gesichtszüge. „Bei den Göttern...“ flüsterte sie, kniete neben ihrem Begleiter nieder. Wo beginnen? fragte sie sich hilflos.
Der Pfeil, der in den Unterleib des Beschwörers eingeschlagen war, bereitete ihr die meisten Sorgen. Es blieb nur zu hoffen, daß er die größten Blutgefäße verfehlt hatte. Sie griff ohne weitere Umschweife danach und brach ihn ab, dann hob sie das Kettenhemd an und schob es weiter nach oben. Die Wundränder sahen nicht so aus, als wären die Pfeilspitzen mit Widerhaken versehen gewesen. Wenigstens etwas, dachte sie und begann damit, rasch ein paar Äste zusammenzusuchen und mit Hilfe ihrer Magie ein Feuer zu entzünden. Ihre eigenen Verletzungen vergaß sie für den Moment, wirkten sie doch geradezu bedeutungslos gegen den verwüsteten Körper, der nur eine Armlänge neben ihr lag. Aus der Satteltasche ihres Wallachs holte sie ihr Handwerkszeug und ein kleines tönernes Gefäß mit Waffenöl, aus der des Fuchses ein paar Tücher und die restlichen Verbände. Sie entfernte den Korken der Amphore und steckte sie in die Glut des Feuers, dann kehrte sie zu Arranges zurück. Es bedurfte keiner Worte, außerdem hätte sie ohnehin nichts Gescheites zu sagen gehabt. Den Pfeil durchzustoßen getraute sie sich nicht, also zog sie entschlossen daran. Erynn spürte das Geschoß an mindestens einem Knochen entlangschaben, als es sich endlich bewegen ließ.

Arranges hatte noch gehofft, dass Erynn einfach die Finger von ihm lassen würde. Aber nur eine Sekunde später war ihm, als hätte ihm jemand den Inhalt sehr vieler verschiedener Farbkübel in die Augen geschüttet. Ein Gefühl, als würde ihn jemand der Länge nach auseinanderreissen, breitete sich in ihm aus, als die Dunmer nach dem Pfeil in der Hüfte griff und ihn abbrach. Aber zum Schreien viel zu schwach, kniff er lediglich die Augen zusammen und betete zu allen Göttern die ihm in diesen zwei Sekunden einfielen, dass Erynn ihre Hände wegnehmen möge. Als sie ihn abseits der Pfeile berührte, war dem Kaiserlichen, als krampften sich seine Eingeweide zusammen. Und dann... Endlich ließ sie ihn in Frieden. Nach dem Schmerzgewitter war die restliche Pein wie kühlender Schatten nach an einem Hochsommertag in der prallen Sonne. Den Göttern sei Dank... Der Kaiserliche hätte erleichtert ausgeatmet, wäre da nicht der Schmerz des Giftes. Aber alles war erträglicher, als die Qualen irgendeiner Regung seines Körpers aushalten zu müssen. Er bemerkte, wie Erynn Feuer machte und nur einige Augenblicke später wieder neben ihm kniete. Mehrunes, wenn ich einmal deine Hilfe benötige, DANN JETZT... schick einen Blitz vom Himmel und verkohl Er... 'AAAHHHHHH!!!' Als würde ihm jemand mit dem Knie voran in den Bauch springen, presste sich ihm die wenige Luft von ganz allein aus seinen Lungen. Irgendein imaginärer Gegner schien seine Wangen mit voller Wucht abwechselnd zu ohrfeigen, sodass er nicht mehr orten konnte, wo der Schmerz denn jetzt genau herkam. So musste sich die Hölle anfühlen! Aranges richtete sich allein durch den nunmehr einzig bestehenden Gedanken heraus, den Schmerz igrendwie zu beenden, auf. Aber da war es praktisch schon vorbei. Erynn hatte den Pfeil gerade ganz herausgezogen, als Arranges direkt bemerkte, wie eine wahnsinnige Flüssigkeitsansammlung um den Wundkanal jetzt aus dem Einschussloch in seiner Leiste herausquoll. Der Schmerz jedoch blieb größtenteils. 'SEID IHR VÖLLIG WAHNSINNIG GEWORDEN?!' Schrie er ihr entgegen, sank aber dann kraftlos zurück. Nach ein paar Sekunden lichtete sich sein Blickfeld wieder weitestgehend. Er starrte in den Himmel, sein Atem ging schnell, aber sehr flach. 'Bitte... nicht mehr...' War alles was er hervorpressen konnte. Er bemerkte, wie seine Beinkleider sich langsam aber sicher mit warmem Blut vollsaugten.

Blut schoß aus der Wunde, sobald sie den Schaft herausgezogen hatte. Arranges krümmte sich und schrie sie an, fiel aber sofort darauf wieder zurück. Erynn knüllte schnell eines der Tücher zusammen und preßte es fest auf die Verletzung. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis der Strom endlich versiegte. "Ich fange gerade erst an", murmelte sie, griff vorsichtig nach seiner linken Hand und legte sie auf das Tuch. "Haltet das fest, so gut Ihr könnt."
Die Elfin wandte sich dem zweiten Pfeil zu, der auf der gleichen Seite oberhalb des Knies steckte. Diesen brach sie weiter oben ab, kurz unterhalb der messerscharfen Befiederung. Danach schnitt sie das Leder der Beinschiene um das Geschoß herum auf, löste die Schnallen und hob das Rüstungsteil vorsichtig über den Pfeil, dann warf sie es achtlos zur Seite. Prüfend schaute sie in das Gesicht ihres Begleiters. Er schien klar im Kopf zu sein, was das Letzte war, das sie ihm in diesem Augenblick wünschte.
Der Pfeil hatte den Knochen gestreift, schon wieder. Sie fluchte unterdrückt. Durchstoßen war auch hier keine Option, wie sie zunächst gehofft hatte - bei dem Eintrittswinkel würde sie ihn glatt durch die Sehnen in der Kniekehle treiben. Alles in allem wünschte sie sich an einen Ort weit, weit fort von hier, ihretwegen auch wieder zurück in Torrahs Schlammloch. Sie hätte heulen können, wußte sie doch bestenfalls ungefähr, was sie hier eigentlich tat. Einem Feldscher zu assistieren, das war eine Sache, etwas, das sie sogar gerne tat, aber das beschränkte sich hauptsächlich darauf, den armen Teufel auf seinem Tisch ruhigzuhalten oder ihn zu beruhigen. Sie schüttelte den Kopf über ihre eigenen, närrischen Gedanken. Es gab hier niemanden außer ihr, darüber hinaus hatte sie noch den leichteren Part in diesem Massaker. Kurzerhand schnitt sie das Hosenbein auf halbem Oberschenkel ab, zog dann den Pfeil ebenso wie den ersten und tupfte das austretende Blut fort. Ein Knochensplitter schimmerte ihr entgegen, geradezu abstoßend weiß gegen das umgebende Gewebe. Das Ding war nicht größer als der Nagel ihres kleinen Fingers. Verdammt! Als ob das nicht alles schon schrecklich genug wäre...
Erynn drehte sich zu Feuer um, hoffte dabei, daß Arranges nicht masochistisch genug wäre, ihr zuzusehen und glühte das Messer aus. Mit einem Knie und der linken Hand fixierte sie das Bein des Kaiserlichen, senkte die Klinge in die Wunde und hebelte den Splitter heraus, goß dann etwas von dem mittlerweile heißen Öl in den Schußkanal. Nachdem Arranges endlich aufgehört hatte zu schreien und zu zappeln, verband sie auch diese Verletzung. Oh bitte, Ihr Götter und Ahnen, laßt es jetzt endlich einfacher werden...

Der Kaiserliche wusste nicht wie ihm geschah. Bei allen Göttern, so lasst micht doch einfach sterben oder in Ohnmacht fallen... ist das wirklich zu viel verlangt... War der einzige tatsächlich klare Gedanke, den er immer wieder hatte. Zwar ließen die Schmerzen deutlich nach, aber das Gift hatte sich mittlerweile im ganzen Körper ausgebreitet und allein schon der rythmische Herzschlag des Magiers verursachte bei jedem Schlag eine grelle Explosion in seinem Kopf. Auf der anderen Seite jedoch behinderte das Toxin, den zur Bewusstlosigkeit gereichenden Schockzustand, den er normalerweise erreicht hätte bei derart groben Verletzungen. Ein ekelhaftes Gefühl eines erneut eindringenden Fremdkörpers erreichte den Kern seines Bewusstseins, kurz nachdem Erynn den zweiten Pfeil gezogen hatte. Tränen - oder war es der eiskalte Schweiß? - traten ihm in die Augen, als er aufschrie und für einige Augenblicke wild um sich schlug. Aber der Schmerz war stärker als sein Wille und zwang ihn so wieder auf den Boden zurück. Stichflammen reiner Höllenqualen stießen durch seinen Körper bei jeder Berührung, die Erynn vollzog, als sie die Wunde versorgte. Als sie endlich fertig war, atmete Arranges tief ein, nur um direkt würgen zu müssen. Er drehte den Kopf zur Seite, was er direkt wieder bereute, schien der Schmerz ihm das Genick brechen zu wollen... Der Torso des Kaiserlichen zuckte einige Male unregelmäßig auf und ab, dann stellte sich wieder der schnelle, flache Atem ein. Er hatte sich zwar nicht erbrochen, aber das wohl vom Gift ausgelöste sehr dringende Bedürfnis seines Körpers zum Auswurf, hatte ihm die allerletzten Reserven geraubt. Völlig erschöpft, mit bleichem Gesicht, ließ er den Kopf einfach auf der Seite ruhen, nichteinmal mehr in der Lage, die Kiefer aufeinander zu pressen, sei es jetzt um das Speichelrinnsal zu stoppen oder die Schmerzen damit zu verdrängen. Bitte, mach einfach schnell fertig Erynn...

Arranges so zu sehen, machte die Elfin einfach nur fertig. Sie mochte schon öfter seine Wunden versorgt haben, aber es war noch nie so... entsetzlich gewesen. Es schien kaum eine Stelle an seinem Körper zu geben, die nicht geschunden war. Irgendwie hatte sie sich daran gewöhnt, ihn als den Stärkeren von ihnen beiden zu sehen, und auf eine seltsame Art gab ihr das ein Stück Sicherheit in der ganzen Verwirrung, in der sie sich befand.
"Es dauert nicht mehr lange", versprach sie, während sie auf die andere Seite wechselte. Der letzte Pfeil war nicht besonders tief eingedrungen. Nachdem sie den Stiefel aufgeschnitten und ausgezogen hatte, wußte sie auch warum: Das Geschoß steckte genau im Knochen. Sie sagte nichts dazu, hielt sein Bein diesesmal mit beiden Knien ruhig, als sie den Schaft abbrach und den kurzen Rest mit der Kettenzange packte. Sie legte beide Hände um deren Griffe und riß die Pfeilspitze mit einem Ruck heraus, versorgte dann die Wunde ebenso wie die vorangegangene.
Das brachte sie wieder zu der Verletzung in der Hüfte. Arranges hatte längst damit aufgehört, das Tuch auf die Verletzung zu pressen; kraftlos lagen seine Arme seitlich neben dem Körper. Erynn wußte nicht, wie sie an dieser komplizierten Stelle einen Verband anlegen sollte, also ließ sie es bleiben und drückte für eine Weile nur weiter das längst durchgesiffte Tuch darauf. Von dem Öl tat sie nichts in diese Wunde. Es hieß zwar, das verhindere, daß der Einschuß sich entzünde, aber wer wußte schon, was der Dremorapfeil genau durchschlagen hatte. Vielleicht würde sie ihren Begleiter damit eher umbringen, statt ihm zu helfen. Sie wünschte sich, einen Heiltrank zur Hand zu haben, der die meisten ihrer erbärmlichen Bemühungen überflüssig machen würde. Möglicherweise gab es hier Pflanzen, mit denen sie etwas ähnliches herstellen könnte, oder auch eine Salbe gegen die zahlreichen Verbrennungen auf den Armen und Händen des Beschwörers. Sie würde ihn danach fragen. Bald, sehr bald.
Schließlich, als kein weiteres Blut mehr aus der Wunde quoll, ließ sie das Tuch los. "Das Schlimmste ist vorbei", flüsterte sie Arranges zu, während sie mit großer Vorsicht die verkohlten Reste seiner Armschienen abschnallte. Der Schnitt fiel ihr auf, aber davon würde sie die Finger lassen. Es reichte für heute, definitiv. Sie tränkte zwei weitere Tücher mit dem Trinkwasser, das sie mitgebracht hatten, und legte sie ihm locker um Arme und Hände. Es waren die letzten, die sie hatten. Er zuckte kaum noch, war scheinbar endlich in einen gnädigen Dämmerzustand übergetreten. Erynn blieb neben seinem Kopf sitzen, beobachtete jede Reaktion genau. Als ob du wüßtest, was zu tun wäre wenn er sich doch noch entschließt zu verrecken, blöde Kuh, lästerte eine gemeine Stimme in ihrem Kopf. "Halts Maul", gab der Rest von Erynn zurück. Ihr wurde gar nicht bewußt, daß sie laut gesprochen hatte. Nach einer Weile griff sie nach Arranges' Stiefel. Nun, das ist wenigstens zur Abwechslung mal etwas, das ich kann, dachte sie mit einem gerüttelt Maß an Galgenhumor und machte sich daran, den Schnitt wieder zu reparieren.

Arranges Körper hatte nicht mehr die Kraft groß zu zucken, als Erynn die Spitze des letzten Pfeils aus seinem Schienbein zog. Dafür wirkte das Gift weiterhin in seinem Kopf. Die stechenden Farben in seinem Blickfeld konnte er zwar einfach ausblenden, indem er die Lider schloss, aber das Brennen im ganzen Körper und die schmetternden Gongschläge, die schmerzhaft in seinem Kopf widerhallten, als würde er unter einer Glocke einer kaiserlichen Kapelle stehen, waren kaum zu ignorieren.
Aber dann wurde es plötzlich kühl. So herrlich kühl! Er konnte nicht genau sagen, was Erynn jetzt schon wieder tat, aber genau in diesem Moment wünschte er sich, sie würde nicht damit aufhören. Erlösende Frische legte sich wie Balsam auf seine verbrannten Arme. Ein wenig lichtete sich der Schleier vor seinen Augen und er öffnete selbige. Erynn saß neben ihm und hantierte mit einem Stiefel herum. Der Kaiserliche versuchte in den Himmel zu schielen, gab es aber direkt wieder auf. Er wagte es nicht, sich irgendwie zu bewegen. Das Gift tobte in seinem Körper und seinem Kopf und der dumpfe Schmerz, welcher von seinem Herzschlag und dem ohnehin schon sehr flachen Atem ausging, genügte als Drohung vor dem, was passieren mochte, wenn er sich irgendwie sonst regte. Nachdem er eine ganze Weile schlicht gerade aus sah und somit zwangsläufig Erynn anblickte, trat die Nachwirkung des Giftes ein. Es war überall in seinem Körper, sein Blut hatte es in jeden Winkel transportiert und jetzt, verhielt es sich ein wenig wie mit Alkohol... Während sein Kopf noch immer dröhnte, ließen die übrigen Schmerzen gähnend langsam nach. Mit eisiger Hand griff der Schlaf nach Arranges Erschöpfung und hielt sie ihm wie eine Stumme Aufforderung vor. Die Lider des Nekromanten wurden allmählich immer schwerer. Er blinzelte, wehrte sich noch geringfügig gegen den Schlaf, aber schlussendlich musste er seinem Körper den Tribut zollen, der diesem zustand. Nach kurzer Zeit, nachdem Arranges eingeschlafen war, regulierte sich auch sein Atem ein wenig. Nicht mehr ganz so schnell, hob und senkte sich jetzt sein Brustkorb zwar immer noch recht wenig, aber im Gegensatz zu vorher recht deutlich und zeugte so davon, dass der Kaiserliche dabei war, das Toxin zu überwinden...

weuze
10.03.2011, 23:41
Nach einer Weile registrierte Erynn, daß Arranges eingeschlafen war. Sein Atem ging jetzt ruhiger, das Gesicht wirkte entspannt – soweit man das beurteilen konnte. Die Schwertsplitter aus Wange und Stirn zu pulen, würde noch einmal eine Aktion für sich werden. Sie beendete die Arbeit an dem Stiefel und stand dann mühsam auf, versuchte die Schnallen an der Seite ihres Harnischs zu öffnen. Unwillkürlich stöhnte sie, als ein greller Schmerz durch ihren Rücken schoß. Solange sie die Hände vor sich hielt, war es einigermaßen erträglich, doch selbst diese geringe Drehung war quälend. Ganz langsam, wie ein greises Weib, hob sie den Kürass über ihren Kopf. Die Arme über Brusthöhe zu heben, stellte sich als keine gute Idee heraus. Nachdem sie sich von den restlichen Rüstungsteilen befreit hatte, schichtete sie das Feuer etwas höher, um wilde Tiere fernzuhalten, dann ging sie langsam das kurze Stück zum Meer herunter. Wenn sie vornübergebeugt lief und dabei die Arme um ihre Rippen schlang, war es auszuhalten.
Hemd und Hose behielt Erynn am Leib, als sie ins Wasser stieg. Sie hatte keine Ambitionen, die Tortur von vorhin noch einmal durchzumachen, darüber hinaus war sie sich nicht sicher, ob sie die Klamotten hinterher wieder würde anlegen können. Sie zog scharf die Luft ein, als das Salzwasser durch die unzähligen nässenden Kratzer spülte, die sie davongetragen hatte. Zu den zwei langen Narben, die seit dem Zusammenprall mit dem Clannbann im ersten Tor ihre Wange zierten, würden nach diesem Tag noch unzählige weitere kommen. Sie hoffte, daß sich diese Aktion wenigstens lohnte und das Salz die Entzündungen aus den Wunden ziehen würde. Verfluchte Skamps! Das nächste dieser Biester brate ich am Spieß, dann erfüllt es wenigstens einen Zweck... Der Schnitt, den der Streifschuß hinterlassen hatte, war bei weitem am schlimmsten. Sie brüllte auf, als sie die Schultern unter Wasser tauchte.
Nach einigen Minuten entschied sie, daß sie für den Moment genug gelitten hatte und schleppte sich tropfnaß zum Lager zurück, setzte sich dicht ans Feuer und wartete darauf, daß es ihre Kleidung trocknete.

Arranges fühlte sich wie gerädert, als der Schlaf ihn wieder in die wache Welt entließ. Seine Arme waren bleischwer und durch seine Beine pochte ein dumpfer Druck. Ein Gefühl, als wäre sein Kopf viel zu groß für den Hals, der ihn trug, schwappte durch seinen Schädel, als er die Augen öffnete und sich umsah. Viel zu kurz war sein Schlaf, denn der Himmel war noch immer dunkel. Lediglich ein gräulicher Schimmer von Osten her verriet, dass die Nacht wohl bald vorrüber sein würde. Erynn saß knapp eine Armlänge neben ihm am Feuer, bekleidet nur mit Hemd und Hose. Der Kaiserliche stellte erleichtert fest, dass das Gift endlich nicht mehr wirkte, die Schmerzen hatten im Großen und Ganzen mehr als deutlich nachgelassen.
'Erynn?' Seine Stimme war heiser und brüchig, aber seine Worte waren klar gesprochen, 'wo ist der Siegelstein?'

Sie fuhr herum, als die Stimme des Beschwörers sie erreichte, und konnte einen gepeinigten Aufschrei nicht unterdrücken. Schlechte Idee, Erynn... "Hier ist er", antwortete sie schließlich, nachdem sie sich ein paar Atemzüge lang nur aufs Luftholen konzentriert hatte. Sie griff nach ihrem rechten Handschuh und zog die nachtschwarze Kugel aus der Armstulpe hervor. "Bitte, bewegt Euch nicht. Die Wunde in Eurer Leiste hat endlich aufgehört zu bluten und ich will nicht, daß sie wieder aufreißt. Wie fühlt Ihr Euch? Braucht Ihr irgendwas?"

In meiner... WAS?! Arranges hatte bis hierhin gar nicht registriert, wo der oberste Pfeil eingeschlagen war, aber jetzt, da er es wohl begriff, formte sich ein entsetzter Ausdurck auf seinem Gesicht. In einem Anflug von Panik hob er hektisch den Kopf und schaute an sich herunter. Alle Leiden mit einem Schlag vergessend, stemmte er sich hoch und starrte wieder an sich herab auf seinen Schoß. Ein tonnenschweres Gewicht aus wilder Panik schien von seinen Schultern zu fallen, als er sehr erleichtert ausatmete. Das wäre ja noch schöner gewesen... Nach dieser positiven Erkenntnis jedoch drängte der Schmerz wieder in sein Bewusstsein und er bemerkte, wie die Wunde wieder leicht zu nässen begann. 'Verdammt...' Schief lächelnd, schaute er schuldbewusst und verlegen zu Erynn. 'Tut mir leid, wenn ich eurem Willen nicht ganz nachkommen konnte...'

Erynn widerstand dem Drang, sich mit der Hand an die Stirn zu schlagen, konnte ein leichtes Lächeln dennoch nicht unterdrücken. "Arranges", sagte sie mit gespieltem Vorwurf in der Stimme, während sie den Siegelstein wieder verschwinden ließ und das Tuch abermals auf die Wunde drückte, "vertraut Ihr mir immer noch so wenig? Ich habe Euer Schamgefühl nicht verletzt, schon im eigenen Interesse." Sie zog ihre Hand weg, als der Kaiserliche selbst nach dem Leinen griff und es festhielt. "Wißt Ihr vielleicht, ob hier einige Pflanzen wachsen, die blutstillend wirken? Ich bin mit meinem Können am Ende, und reiten kann ich auf keinen Fall. Wir werden uns irgendwie selbst helfen müssen."

Mit völliger Unverständnis sah Arranges die Dunmer an. 'Was haben mein Schamgefühl und euer Interesse gemein?' Was bildet die sich ein?! Als ob es mich momentan stören würde, was sie da sieht oder nicht... mal davon abgesehen, dass ich auch nicht beleidigt gewesen wäre, hätte sie die Finger allgemein von den Pfeilen gelassen... 'Nur weil ihr da nichts habt,' er blickte provozierend auf ihren Brustkorb, 'heißt das noch lange nicht, dass andere... vielleicht auch weiter unten, ebenfalls nichts haben, um das es sich bei einer naheliegenden Verletzung zu sorgen lohnte...' Mit einem Schnauben ließ er sich zurücksinken. Hmm... ich hab von Alchemie nur geringfügig viel Ahnung... Steinpilze wären eine Möglichkeit, aber das Zeug wächst hier praktisch nicht... denk nach Arranges... Goldküste, Goldküste... Frauenmantel! ...

Erynn sah den Kaiserlichen für einen Moment verdutzt an, dann klappte ihre Kinnlade herunter. "Oh", brachte sie peinlich berührt heraus. "Tut mir leid..." Sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoß und wandte den Blick ab. Verdammt!
Nachdem sie sich wieder einigermaßen gesammelt hatte, hob sie den Kopf wieder und fuhr fort: "Ihr könnt jetzt aufhören, auf meinem Äußeren herumzuhacken. Ich habe mittlerweile mitbekommen, daß Ihr davon nicht sonderlich beeindruckt seid. Laßt es einfach... bitte. Glaubt Ihr etwa, ich sei zufrieden damit?" Sie bemerkte, daß sie sich gerade um Kopf und Kragen redete. "Oh, bei den Göttern! Vergeßt es." Da liegt er, mehr tot als lebendig, und schafft es immer noch, mich auszumanövrieren. Das muß eine Gabe der Säulen des Chaos persönlich sein...

Arranges hob selbstgefällig den Kopf, als Erynn fertiggesprochen hatte. 'Nun, das wiederum kann ich nicht ganz nachvollziehen...' Was er genau meinte, ließ der Kaiserliche offen. Grinsend blickte er der Dunmer in die Augen. 'Wenn ihr niemanden findet... es gibt da jemanden, ihr kennt ihn ebenfalls seit kurzem... er würde euch deswegen bestimmt nicht zurückweisen...' Arranges wusste trotz seiner Belustigung, die ihn gerade wunderbar von seinen Verletzungen ablenkte, dass Erynn sehr allergisch auf soetwas reagieren konnte. Beschwichtigend hob er die freie Hand. 'Schon gut, schon gut, ich bin ja schon still...' Das Grinsen blieb jedoch. 'Hier an der Goldküste wächst normalerweise eine Pflanze, von der ich weiss, dass sie heilende Kräfte besitzt. Es ist eine Wiesenblume, Frauenmantel, falls euch der Name etwas sagt... Geknitterte Blätter, gelbe Blüte... wenn ihr etwas gefunden habt, bringt einfach die gesamte Pflanze, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wie man sie verarbeitet, dazu muss ich das Gewächs sehen, dann fällt es mir wieder ein...'

"Arranges! Davon rede ich doch gar nicht!" rief sie empört aus. "Wieso glaubt ihr Kerle immer gleich..." Fast reflexmäßig hatte sie die Hand zum Schlag erhoben, ließ sie aber rasch wieder sinken, als ihr ein Stich in die Rippen fuhr. Sie krümmte sich gequält. "Also schön, Ihr hattet Euren Spaß. Treibt es nicht auf die Spitze", preßte sie unter Schmerzen hervor, dann stand sie mühsam auf. Jetzt, da der Harnisch sie nicht mehr stützte, schien es zusehends schlimmer zu werden. "Frauenmantel also. Ich werde sehen, was ich finden kann."
Humpelnd setzte sie sich in Bewegung, froh darüber, den Sticheleien des Kaiserlichen entkommen zu können, und sei es nur für kurze Zeit. Natürlich wußte sie, wie die Pflanze aussah, hatte ihm diese Tatsache aber in einem Anfall von Geistesgegenwart verschwiegen. Munition gegen sie hatte er längst genug.
Nach vielleicht einer Viertelstunde kehrte Erynn zurück. Sie hatte fünf der Gewächse gefunden und mitsamt Wurzel ausgegraben. "Ich hoffe, das genügt", sagte sie, als sie ihm ihre Ausbeute reichte.

Arranges hatte sich wieder ein wenig hochgestemmt und begutachtete die Blumen. 'Na wenigstens das könnt ihr...' Nuschelte er vor sich hin. 'Wir brauchen nur die Blätter, der Rest ist nicht verwertbar... seht in meiner Satteltasche nach einem Mörser und einem Stößel. Nehmt die großen Blätter von den Pflanzen und zerreibt sie und gebt ein wenig Wasser dazu, das müsste eigentlich schon alles gewesen sein. Achtet darauf, dass der Brei gleichmäßig und nicht zu dünn wird... Die Arznei wird nicht sehr viel bewirken können... ich weiss nichteinmal, ob die geringe Heilkraft so ganz ohne Destilierkolben und nur mit Wasser ordentlich zur Geltung kommt... aber was solls, wir kommen hier für heute eh nicht mehr weg und irgendwie muss die Zeit ja anders vergeudet werden, wenn ich euch schon nicht auf eure...' er grinste unterdrückt, er wusste jetzt, dass Erynn ihm in ihrer Verfassung nichts tun konnte, 'minimalistische Weiblichkeit ansprechen darf.' Ein breites Grinsen zeichnete sich jetzt auf seinem Gesicht ab, als er sich zurücksinken ließ.

Ach, mach deinen Scheiß doch alleine, grummelte sie vor sich hin, machte sich dann aber auf, den benötigten Kram zu holen. "Um stattdessen mal auf Euer minimalistisches Feingefühl zu kommen", bemerkte sie spitz "ich bin nicht diejenige, die genügend Metall im Gesicht hat, um in einem Kuriositätenkabinett ausgestellt zu werden." Bedächtig zermahlte sie die Blätter und fügte immer wieder ein wenig Wasser hinzu, bis sie eine Art Paste zusammenhatte. "Aber da es Euch ja anscheinend wieder einigermaßen gut geht, könnte ich das auch ändern." Sie hielt ihm das Ergebnis ihrer Bemühungen hin. "Seid Ihr dann endlich damit fertig, mich durch die Gegend zu schicken? Wahrscheinlich ist es Euch entgangen, aber ich kann selbst kaum laufen."

Das Grinsen des Kaiserlichen gefror bei ihren Worten. Verflucht... Die Splitter in seiner rechten Gesichtshälfte hatte er schon gar nicht mehr richtig wahrgenommen, schließlich taten seine Arme und im Grunde alles ab seinem Bauchnabel abwärts, mindestens so unangenehm weh. 'Ach? Wo bleibt denn jetzt eure leichtfüßige Fortbewegung?' Knurrte er nur. 'Ja, das wird so schon passen...' Er ließ sich zurücksinken. 'Nachdem ihr heute Nacht so besorgt um mich ward, könnt ihr gleich weitermachen und mir meine Arme damit irgendwie behandeln... bitte.'

Erynn stellte den Mörser mit einem Ruck ab. Von allen arroganten... "Ich bin doch nicht Euer Dienstmädchen. Seht zu, wie Ihr klarkommt."
Sie drehte ihm den Rücken zu, zog die Reste ihrer Rüstung zu sich heran und begann damit, die schlimmsten Schäden auszubessern. Die Beinschienen waren endgültig hin, doch so konnte sie diese wenigstens zerschneiden, um den Harnisch zu flicken. Es gelang ihr nicht, Arranges dabei komplett auszublenden, aber sie konnte wenigstens so tun. Scheißkerl!

Wäre ich heute Nacht nur mal in der Lage gewesen, zu sprechen... dann würden die Pfeile jetzt zwar noch in meinem Fleisch stecken, aber ich hätte nicht diese grausame Folter erdulden müssen... Fast ein wenig zufrieden richtete sich Arranges vorsichtig auf. Mürrisch begutachtete er seine Unterarme. Brandblasen überall und die Haut nässte allgemein mehr oder weniger stark. Als er jedoch den Schnitt entdeckte, zuckte er erschrocken zusammen. Oh nein! Hoffentlich hat sie den Schnitt nicht gesehen... Mit Grauen dachte der Kaiserliche daran, dass Erynn, würde sie von dem Schnitt wissen, ihn garantiert nähen wollen würde. Schnell drehte er den Arm ein wenig und legte ihn sich in den Schoß, während er zu der Dunkelelfe schielte um sicherzugehen, dass sie nichts bemerkt hatte. Mit der anderen Hand griff er nach dem Mörser. Aber seine Hand wollte sich nicht um das Gefäß schließen, jedenfalls nicht so, dass er es heben konnte. Allein bei kleinen Bewegungen einzelner Finger schmerzte die ganze Hand. Gut, dann eben nicht... Feindselig versuchte er die Tonschale wohl allein durch seine Gedanken anheben zu wollen. Aber so kann ich die Arme nicht lassen... Er blickte zu Erynn hinüber, die mit dem Rücken zu ihm saß, dann schaute er wieder auf das Tongefäß und warf diesem einen Blick zu, der die Keramikschale selbst für all seine Wunden verwantwortlich zu machen schien. Er blickte wieder zu Erynn... Das werd ich mir nie verzeihen...
'Ein Jammer, dass ich immer vor oder neben euch reite... mir ist dabei tatsächlich immer entgangen, wie sehr euer schneeweißes Haar eurem wunderbar geformten Rücken schmeichelt...' Und das war nichteinmal irgendwie falsch oder aufgesetzt gesagt. Tatsächlich empfand der Kaiserliche ein wenig verdrehte Faszination für die leicht sehnige, aber trotzdem irgendwie perfekte Form des Torsos, die er so zumindest durch das Hemd erkennen konnte. Bin ich besoffen?!

Was soll das denn?! Erynn hielt inne und ließ die Nadel sinken. "Spinnt Ihr jetzt völlig?" fragte sie unfreundlich. "Wenn das eine Entschuldigung sein sollte, hat es nicht funktioniert. Laßt Euch was besseres einfallen. Sehe ich aus wie ein hohlköpfiges Bauernmädchen, das auf jede noch so unbeholfene Schmeichelei reinfällt?" Das wär ja noch schöner. "Ihr habt Euch doch eben noch so viel Mühe gegeben, so ziemlich alles was ich bin oder tue abzuwerten. Es hat geklappt, Herzlichen Glückwunsch. Was paßt Euch jetzt wieder nicht?" Sie nahm ihre Arbeit wieder auf. Beinahe stach sie sich in den Finger, weil ihre Hände vor Wut zitterten. Hätte sie gekonnt, wäre sie jetzt aufgestanden und gegangen. Endgültig, ungeachtet aller Konsequenzen.

Nun, für ein dummes Bauernmädchen vielleicht nicht, aber für eine hirnlose Prügelmeid der Kämpfergilde... Arranges hatte sich nicht wirklich die Hoffnung gemacht, dass es funktionieren würde. 'Hm... was mir nicht passt? Ich werde von gewissen Leuten dazu gezwungen, durch ein Obliviontor nach dem anderen zu hetzen, sollte dabei bestenfalls nicht abkratzen und als ob das nicht schon genug wäre, muss ich zusätzlich noch auf euch aufpassen, damit ihr ebenfalls nicht in den Totenlanden das Zeitliche segnet... und wenn ich daran denke, dass ich mir in nächster Zeit noch überlegen muss, was ich den Großmeistern erzähle, wenn sie nach euch fragen, habe ich einiges zusammen, was mir gerade nicht passt... zudem liege ich gerade hier, praktisch beraubt jeder Handlungsmöglichkeit...' Er holte ein paarmal Luft. 'Na schön... Erynn... bitte seid so gut und helft mir bei der weiteren Wundversorgung...'

Du bist sowas von erbärmlich, Beschwörer! "Seid Ihr denn sicher, daß ich das hinbekomme - wo Ich Eurer geschätzten Meinung nach schon zu blöd zum Geradeauslaufen bin?" Langsam drehte sie sich um und schoß einen giftigen Blick auf Arranges ab. "Vielleicht ist es zu Eurem vollgemüllten Hirn noch nicht durchgedrungen, aber bisher war ich es, die Euch nach den Ausflügen in die Oblivionebenen zusammengeflickt hat. Was Eure Anführer betrifft: Die Suppe habt Ihr Euch selbst eingebrockt. Also laßt den Ärger über Eure Fehleinschätzungen nicht an mir aus." Sie fixierte den Kaiserlichen noch immer mit zornigen Augen, während sie nach dem Mörser griff. Ihre Berührungen jedoch waren sanft, als sie die Salbe auf den Brandblasen verstrich. "Warum nur müßt Ihr so garstig sein, Arranges?" fragte sie, als ihre Wut langsam verging. "Wie ich schon mal sagte, Ihr beißt nach jedem, der Euch wohlgesonnen ist. Man könnte fast meinen, Ihr fürchtet Euch davor."

'Würde ich meinen Ärger wirklich an euch auslassen, hätte ich das erste Tor schon allein... oder eben mit Dreveni, betreten...' Murmelte Arranges vor sich hin. Den Arm mit dem Schnitt verrenkte und drehte er immer ein wenig so, dass Erynn die Wunde nicht sehen konnte - unauffällig, wie er hoffte. 'Warum nur müsst ihr so zwanghaft freundlich sein?' Er ruckte den Arm wieder etwas nach und deutete auf eine noch freie Stelle, genau auf der gegenüberliegenden Seite des Schnitts. 'Das hat mit Furcht oder so nichts zu tun... hab ich euch das nicht schonmal erklärt... vor gar nicht so langer Zeit?'

"Ja, das habt Ihr. Ihr fürchtet Euch also tatsächlich", murmelte Erynn. "Ihr könnt übrigens aufhören, Euch zu verrenken. Ich habe den Schnitt längst gesehen." Nachdem sie die Paste verteilt hatte, befeuchtete sie die Tücher erneut und wickelte sie wieder um seine Arme. "Solange es nicht einreißt, werde ich aber nichts daran machen. Jetzt laßt mich Euer Gesicht ansehen."

'Scheisse...' Arranges zuckte zusammen, als Erynn erwähnte, dass sie von dem Schnitt wusste, atmete aber erleichtert aus, als sie meinte, dass sie vorerst nichts daran machen würde. 'Verdammt nochmal, ich habe keine Angst... vor was denn auch?' Maulte der Kaiserliche, als Erynn ihm die Arme erneut mit den nassen Tüchern umwickelte. Seine Augen wurden groß, als sie einen Blick auf die Splitter werfen wollte. Zögerlich drehte er ihr die rechte Wange hin. 'Aber... aber bitte seid vorsichtig, ja?' Er versuchte ganz locker zu lassen, aber es gelang ihm nur unzureichend, als er darauf wartete, dass sie ihm das Metall aus der Haut riss...

Auf sein Gerede hin zog Erynn nur vielsagend eine Augenbraue hoch, enthielt sich aber eines Kommentars. Ihr Blick sprach Bände. "Ich bin immer vorsichtig", antwortete sie stattdessen und drückte Arranges mit sanfter Gewalt zurück in eine liegende Position. Sie riß ein Stück von den übriggebliebenen Bandagen ab, tränkte den Fetzen mit Wasser und tupfte den Schorf aus dem Gesicht des Beschwörers. Einige wenige Splitter lösten sich bereits dabei. Die restlichen zog sie einen nach dem anderen, womit sie für eine ganze Weile gut beschäftigt war. Zum Schluß wischte sie noch einmal die nachgelaufenen Blutstropfen ab und bestrich die unzähligen kleinen Risse mit den Resten der Frauenmantelpaste. "Das wars", sprach sie schließlich die erlösenden Worte, stand noch einmal auf und legte dem Kaiserlichen einen Teil der Reiserationen und einen Wasserschlauch in Reichweite. "Jetzt laßt mich ein paar Stunden schlafen. Ich kann nicht mehr."
Sie versuchte unter reichlich unterdrücktem Gefluche eine Position zu finden, in der sie schlafen konnte. Am wenigsten gräßlich war es, wenn sie flach auf dem Rücken lag, doch erstmal so weit zu kommen, stellte eine nicht unerheblich Herausforderung dar. "Scheiß Dremora", knurrte sie, schon fast im Halbschlaf. "Warum sind eigentlich die Hübschen immer die Bösen?"

Glannaragh
11.03.2011, 03:07
Die... Hübschen?! Alles klar, sie muss irgendeinen üblen Schlag auf den Kopf bekommen haben... schon vor längerer Zeit... Dem Kaiserlichen blieb nicht viel mehr zu tun, als dazuliegen und in den Himmel zu starren. Es war in der Zwischenzeit hell geworden. Vereinzelte Schäfchenwolken zogen über den sonst blauen Himmel. Na wenigstens etwas... wir haben fast erholsames Wetter... Arranges korrigierte seine Gedanken zum Wetter nur wenig später, als die Sonne nicht mehr weit vom höchsten Stand entfernt war. Zu der angenehmen Wärme kam jetzt eine leicht kühlenden Briese von der See her hinzu. Wir haben erholsames Wetter... Dem Kaiserlichen war langweilig. Er traute sich nicht aufzustehen. Das klaffende Loch in seiner Hüfte könnte wieder anfangen zu bluten und wenn Erynn mitbekam, dass dies nur deswegen geschah, weil er aufgestanden war oder sonstwie herumturnte, würde sie nur auf die Idee kommen, das zu nähen. Der Nekromant beschränkte sich für die nächsten Stunden damit, herum zu zünseln, zu meditieren oder schlicht Löcher in die Luft zu starren. Aber irgendwann wurde ihm alles zu langweilig. Ihm missviel die gesamte Situation, weder konnte er sich zum nächsten Obliviontor aufmachen, noch sonst irgendetwas sinnvolles tun. Ach egal, sie schläft, was will sie schon bemerken... Der Kasierliche knüllte mühsam den Saum seines Umhangs zusammen und presste ihn mit einer Hand so fest er konnte auf die Wunde in der Hüfte, dazwischen hatte er noch ein Stück gefaltetes Tuch gelegt. Dann versuchte er sich auf die Beine zu wuchten. Sofort spürte er wieder die beiden anderen von den Pfeilen gerissenen Verletzungen. Als er auf die Knie kam, wurde ihm für einen Moment schlecht und sein Blick verschleierte sich... Schützen sind nicht tödlich, Schützen sind nicht tödlich... Arranges überlegte kurz, während er schwankend vor dem Lagerfeuer kniete. Er griff mit der anderen Hand vor sich in die Luft und hielt einen daedrischen Kampfstab in der Faust. Damit müsste es zumindest kurzfristig gehen... Mit unterdrückten Schmerzlauten zog sich der Kaiserliche an der Waffe hoch. Als er stand wurde ihm wieder für einen Moment schlecht. Keuchend fing er sich wieder und blickte sich schwer atmend um. Stolpernd und wankend drehte er sich zum Strand um und ließ seinen Blick umherwandern. Ah... genau, was ich suchte... Der Kaiserliche humpelte los zum Strand. Im Hinterkopf hoffte er, dass Erynn nicht vom Knirschen seiner unbeholfenen Schritte auf dem kiesigen Boden erwachte. Am Wasser angekommen, fiel er auf die Knie. Das war hier allerdings auch nur wegen des weichen Sandes möglich. Er ließ den Daedrastab verschwinden und angelte mit einer Hand nach einem langen, mehr oder weniger stabil wirkenden Stock, der wohl als Treibholz an den Strand gespült worden war. Als Feuerholz nicht wirklich zu gebrauchen, erfüllte das Holz jetzt dafür einen wunderbaren Zweck als Krücke.
Genauso mühsig, wie er hergekommen war, schleppte er sich wieder zum Lager zurück. Allerdings setzte er sich nicht wieder ans Feuer. Er wollte den Hang hinaufgehen und sich ein wenig umsehen. Aber gerade, als er an Erynn vorbeistolperte, regte sich die Dunkelelfe. Arranges erstarrte mitten in der Bewegung und blickte erschrocken auf Erynn herunter...

Die Elfin schreckte hoch, als ein Geräusch durch ihren Schlaf drang, das sie nicht genau einordnen konnte. Sofort darauf fiel sie zurück und verbrachte die nächsten paar Sekunden damit, haltlos zu brüllen. "Verfluchter Idiot", keuchte sie, als die Schmerzwellen endlich auf ein erträgliches Maß verebbt waren. "Wofür schlage ich mir eigentlich die Nacht um die Ohren, wenn Ihr die nächste Gelegenhiet nutzt, um alles wieder zunichte zu machen? Habt Ihr Todessehnsucht, oder was?" Sie versuchte, sich auf die Ellbogen hochzustemmen, scheiterte aber kläglich. "Hinlegen! Sofort."
In einem Winkel ihres Bewußtseins registrierte sie, daß die Salbe wohl besser wirken mußte als angenommen, wenn der Beschwörer schon wieder einen Stock halten konnte. Allerdings war sie viel zu wütend, um sich darüber freuen zu können.

Arranges erschrak so heftig, dass er den Stock fallen ließ und sich erst wie zur Salzsäule erstarrt, nicht rührte. Er schrumpfte vor Erynn zusammen und wurde kleinlaut. 'Aber... aber...' Er legte sich mühsam seine Gliedmaßen verrenkend hin, erst als er auf dem Rücken neben ihr lag, kam es ihm, was er eigentlich tat. Ja bin ich denn jetzt ganz verrückt?! Er holte tief Luft. 'Ich habe euch nicht um eure Hilfe gebeten!' Sagte er laut, aber nicht brüllend.

"Doch, das hast du. Es war in Skingrad, und ist schon eine ganze Weile her. Also halt das Maul, du undankbares Stück!" In diesem Moment beschloß sie, auf die förmliche Anrede zu verzichten. Sie reservierte sie für Personen, die sich durch eine gewisse Vernunft auszeichneten. "Du bist ungehobelt, verzogen und völlig von dir selbst eingenommen! Und darüber hinaus..." fuhr sie lauter fort, als er tief Luft holte "...ein mieser Schwertkämpfer, ein noch mieserer Taktiker und komplett unfähig, in der Gruppe zu kämpfen!"

WAS?! Ungeachtet all seiner Wunden schnappte er hoch, lenkte seinen Schwung über Erynn und ging ihr mit dem Ellenbogen voran auf das Brustbein. Irgendetwas in ihrem Torso knirschte vernehmlich. 'Ich bin also ein schlechter Schwertkämpfer und ein mieser Taktiker?! ... Nur, weil ich nicht mit so einer brutalen Kraft zuschlagen kann wie Dremoras, die ihr ja so liebt, bin ich deswegen noch kein schlechter Schwertkämpfer... was die Taktik ins Gespräch bringt... warum glaubt ihr wohl, konnte ich bis jetzt mein Leben sichern, das ja alles andere als ruhig und ungefährlich ist... geht doch zu euren Dremoras! Vielleicht erwiedern sie eure Liebe irgendwann mal... WENN SCHLAMMKRABBEN DAS FLIEGEN GELERNT HABEN!' Er wuchtete sich wieder von der Elfe herunter und blieb schnaufend auf dem Rücken liegen.

Erynn schrie auf, als die Knochenenden ekelhaft knackend übereinanderschabten. Mit einem Bein holte sie aus und traf Arranges sauber am Schienbein, als er wieder neben ihr zu liegen kam. "Du versteckst dich feige hinter irgendwelchen beschworenen Dingern und stichst dann ab, was sie übriglassen! Allein deshalb lebst du noch. Ich bin schwer beeindruckt! Welche Kunstfertigkeit", höhnte sie mit gifttriefender Stimme. "Meine Güte, hör endlich auf zu heulen, oder die nächste Schlammkrabbe fliegt direkt an deinen Holzkopf!"

Dem Kaiserlichen blieb die Luft weg, als Erynn sein Bein traf. Erst nach einigen endlos langen Sekunden lichteten sich die Schleier vor seinen Augen wieder. Er wollte aufspringen und sie einfach töten, aber dazu fehlte ihm die Kraft, er war in diesem Moment sogar zu erschöpft, um ihr den Ellenbogen in die Seite zu jagen. 'Achja... es ist also nicht feige, irgendwo aus dem Hinterhalt heraus seinem absolut unwissenden Gegner einen Pfeil ins Genick zu jagen... oh und natürlich hat der Feind auf offenem Feld sehr viel mehr Chancen, wenn er mit gezogener Waffe auf euch zukommt und ihr ihm in die Augen schaut, wenn ihr den Pfeil von der Sehne lasst... Tiber Septim hätte sich vor eurem ehrenwerten und taktischen Genie bis zum Boden verneigt! ... Und meine Güte, hör auf so einen Schwachsinn zu reden bei dem ich lachen müsste, wenn ich könnte, du könntest eine Schlammkrabbe nichteinmal hoch heben... geschweige denn werfen...'

"Ich heb dir auch ein Wildschwein hoch, wenns sein muß! Aber das kannst du dir wahrscheinlich sowieso nicht vorstellen. Woher auch, wenn du tagelang über irgendwelchen vermoderten Wälzern hockst. Ihr Magier seid allesamt ein verweichlichtes, spinnertes Pack! Völlig bekloppt in der Birne und nichtmal in der Lage, euch selbst die Tintenkleckse aus den Klamotten zu waschen! Und außerdem..." sagte sie mit einem gemeinen Funkeln in den Augen "...lieber ein Dremora als ein Pferd."

Arranges wollte erst noch etwas erwiedern, besann sich dann aber eines besseren. Schließlich wusste er, dass sie mit ihrer Behauptung im Unrecht war. Er war keiner dieser Magier, die tagelang ausschließlich über ihren Büchern brüteten. Er hatte wahrscheinlich sogar mehr Training mit der Klinge genossen als so mancher hochrangige Protektor der Gilde, dazu hatte er deutlich mehr gesehen und erlebt als Erynn und viele andere. Er hörte im Geiste die Stimme seines Meisters: Arranges, ihr dürft euch nicht zu schnell aufregen, atmet tief durch... es nützt euch nichts, wenn ihr euch zu sehr damit beschäftigt, wie ihr euren Gegner am qualvollsten bezwingen könnt... handelt stattdessen! Aber die letzte Bemerkung der Elfe hatte ihn getroffen wie ein ungebremster Faustschlag ins Gesicht. 'Ihr könnt mich mal kreuzweise, Erynn...' Sagte er monoton. Hob mühsam die Hand ein wenig und schob sie ihr auf den Bauch. Ein kurzes, grünes Flackern war zu sehen und die Elfe wurde von ihrem eigenen Gewicht an das Erdreich gefesselt. Ungeachtet ihrer Reaktionen, die sich jetzt nurmehr ausschließlich in Worte äußern konnten, stemmte er sich stöhnend hoch. Nach einigen Augenblicken, während denen er neben ihr kniete und sich am Gürtel herumnestelte, hielt er sein Gebrauchsmesser in der Hand. Er fasste es an der Klinge und blies den lederumwickelten Griff ab, sodass keine groben Fussel oder sonsiges mehr darauf war. Dann lehnte er sich zu der Dunkelelfe herüber und zwang ihr den Griff des Messers zwischen die Kiefer. Die eigenen Schmerzen ignorierend, nahm er sich seinen Umhang ab als er sich wieder mit der Hilfe des Stocks aufgerichtet hatte und deckte die Dunmer halb damit zu. Dann humpelte er ohne ein weiteres Wort zum Strand hinunter.

Erynn erwiderte nichts mehr, als sie die Auswirkung des Zaubers spürte, starrte den Kaiserlichen aber unverwandt mit bitterbösem Blick an. Halb erwartete sie, daß sie bald eine weitere blutige Verzierung auf ihrem Leib tragen würde, als das Messer in seiner Hand aufblitzte, doch Arranges zog es vor, ihr nur dessen Griff zwischen die Zähne zu drücken. Die Warnung war deutlich. Sehr deutlich.
Er löste den Bann, als er am Strand angelangt war. In hilflosem Zorn packte die Elfin die Klinge und rammte sie bis zum Heft in die Erde. Die Bewegung riß den Schnitt in ihrer Schulter wieder auf, oder vielleicht war das auch schon vorher geschehen. Eigentlich war es ihr herzlich egal. Du wirst dich schon wieder einkriegen, dachte sie grollend. Spätestens wenn du es geschafft hast, daß die Verletzungen wieder aufbrechen, kommst du ohnehin zurückgekrochen...

weuze
11.03.2011, 13:29
Arranges wusste nicht, wie er mit seinen jetzigen Gedanken umgehen sollte. Die letzten Worte der Dunmer und auch die Diskussion davor schon, hatten wie eine glühende Klinge in seinen Verstand geschnitten. Er ließ den Zyklon an seltsamen Gefühlen einfach dahinrauschen, während er auf das Meer hinausstarrte. Warum treffen mich ihre Worte so sehr... ich weiss doch, dass sie gar nicht recht haben kann... was ist schon dabei, wenn eine dumme, junge Dunmer irgendeinen Schwachsinn von mir behauptet... In seinem Innersten jedoch wusste der Kaiserliche, was so an ihm kratzte, er verdrängte es jedoch aus dem guten Wissen heraus, dass es ihm nur schaden würde, darüber nachzudenken...

Er bemerkte nach einer Weile, dass die Wunde in seiner Hüfte wieder zu bluten begann, nicht sehr stark, aber auch nicht so gering, als dass man es einfach hätte unbeachtet lassen können. Arranges hob mit einer Hand ein wenig ungelenk die sich überlappenden Schürzenglieder des Kettenhemds. Während er einige Augenblicke lang auf die Wunde schaute, überlegte er, wie er den Blutfluss stoppen konnte... Dann fädelde er etwas mühsig die steife Lederscheide seines Gebrauchsmessers vom Gürtel. Hmm... das müsste funktionieren... Er schob den Gürtel so weit nach unten, dass dessen breites Lederband jetzt genau über der Wunde lag. Zwischen Wunde und Gürtel hatte er wieder das leicht zerknüllte Tuch gelegt. Nach einigem Hantieren und unterdrücktem Fluchen, hatte er den Gürtel so eng wie möglich gestellt. Auf der anderen Seite der Hüfte, drückte er jetzt die Lederscheide quer zum Gürtel auf selbigen und begann damit, sie im Uhrzeigersinn zu drehen, wobei er die Scheide bei der ersten Umdrehung halbseitig so einfädelte, dass er nun eine Kordel aus dem Gurt drehen konnte. Es kostete ihn einige Mühe und schon nach zweimaligem Drehen ging er in die Knie, weil das Stehen zu anstrengend war. Noch einmal drehte er. Es war nicht ganze infach, da der Lastgurt eher ungewöhnlich breit war, aber nicht unmöglich. Durch das Zusammenziehen des Leders um seinen Körper hatte er jetzt einen guten Druck, mit dem das Tuch auf die Wunde in seiner Hüfte gepresst wurde. Das sollte reichen... Wiederum nach einigem Fluchen, dieses Mal laut, hatte er es geschafft, die Lederscheide so hinter den Gurt zu schieben, dass dieser sich nicht von allein wieder aufdrehen konnte. Ich brauche Erynn nicht um zu überleben... das wäre ja noch schöner! ... Ihre Folter hat zudem manchmal nur sehr wenig mit tatsächlicher Heilung zu tun wie ich glaube... Nur dass sie keine Heilzauber nutzte, rechnete ihr Arranges mehr oder weniger hoch an...

Nachdem er sich vorsichtig aufgerichtet hatte und erleichtert feststellte, dass sein provisorischer, aber effektiver Druckverband die Bewegungen ohne weiteres mitmachte, hinkte er wieder zurück zum Lager. Zwar taten seine Hände und Arme von diesem Übermaß an Anstrengung weh, aber das war das kleinste Problem, dazu hatte die Salbe ihr Übriges getan, die Heilung während der letzten Stunden erstaunlich schnell voran zutreiben. Beim Lager angekommen, kniete er sich wortlos neben Erynn nieder, zog das Messer aus dem Boden, setzte sich dann ihr gegenüber ans Feuer und starrte in die Flammen, während er mit der Klinge geistesabwesend herumspielte.

Glannaragh
11.03.2011, 18:44
Erynn starrte in den Himmel und haderte mit ihrem Schicksal. Sie war wütend auf den Kaiserlichen, der sich so bodenlos unvernünftig benahm, wütend auf ihre Verletzung, die sie an diesen Ort fesselte und wütend auf sich selbst, weil sie Arranges am Ende schon wieder unterlegen war. Es war zum Durchdrehen.
Sie ignorierte den Beschwörer, als er zum Feuer zurückkehrte. Ihr erster Impuls war gewesen, ihn um Verzeihung zu bitten, allerdings wußte sie nicht so recht, wofür. Seit er wieder bei Besinnung war, hatte er nichts anderes getan als sie zu demütigen, während sie sich nach besten Kräften in Geduld übte. Irgendwann mußte Schluß damit sein, vorzugsweise sofort.
Die Elfin folgte einer kleinen, weißgrauen Möwe mit den Augen und bemerkte, wie sich die Müdigkeit wieder heranschlich. Es war alles zu viel gewesen heute. Sie würde den Rest dieses abscheulichen Tages einfach verschlafen.

weuze
11.03.2011, 19:55
Nach einer Weile bemerkte Arranges, dass Erynn wohl eingeschlafen war. Er ließ die Gespräche der letzten Stunden nochmals revue passieren. Aber mit seinen Gedanken kam er auf keinen grünen Zweig... alles lief immer wieder darauf hinaus, dass er sich gegen seinen Willen eingestand, dass Erynn mehr für ihn war, als nur ein Mittel zum Zweck. Er hätte das für sich selbst nur zu gern revidiert, aber jedes Mal, wenn er daran dachte, wie oder warum er auf diesen abstrusen Gedanken kam, drängten sich die Worte Erynns mit dieser widerlichen Stimme in sein Bewusstsein. Lieber ein Dremora... Warum immer die Hübschen? ... Lieber ein Dremora... Der Kaiserliche stand vor sich selbst und wusste nicht, warum er darüber so brütete. Blöderweise drängten mit diesem Gedankenansatz auch gleich noch mehr Dinge nach. Warum habe ich sie nicht einfach irgendwo sterben lassen? Ich hätte sie in Torrahs Schlammloch einfach liegen lassen können, dann hätte ich jetzt fast keinerlei Probleme... Arranges konnte sich keinen Reim darauf bilden, warum er jetzt, da Erynn nicht mehr nur auf ihn fixiert war, er sich darum so viele Gedanken machte...

Er versuchte sich irgendwie abzulenken. Erst wollte er meditieren, aber das war fast unmöglich mit seinen Verletzungen. Eine Weile stocherte er im Feuer herum, beschäftigte sich in Form von Streicheleinheiten mit seinem Reittier besah sich die Umgebung nahe des Lagers. Irgendwann wurde es schließlich doch dunkel. Der Kaiserliche kehrte zum Lager zurück und blieb neben der Dunmer stehen. Als er so in ihr beinahe friedliches Gesicht schaute, spürte er einen seltsamen Schmerz. Als würde ihm jemand in die Brust greifen und dort die Organe zerquetschen wollen... Das wird jetzt aber doch nicht das Gift sein... nein, unmöglich... Der Kaiserliche war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, aber dieses seltsame Gefühl wollte nicht verschwinden. Er ging neben Erynn in die Knie und deckte sie bis zum Hals hin zu.

Erst als er sich wieder abwandte, verrauchte dieser komische Schmerz, der ihn aber irgendwie nicht behindert hatte, er war einfach da, ohne, dass Arranges hätte sagen können woher er kam... Arranges hielt die Nacht hindurch Wache. Mit dem Rücken zum Feuer, damit er die Dunmer nicht sehen musste.

Langsam schob sich die Sonne im Osten über den Horizont, als die Nacht wich. Der Kaiserliche hatte das Feuer erst vor ein paar Stunden nochmal ein wenig angefacht, aber trotz der knisternden Flammen hörte er, wie sich Erynn regte.

Glannaragh
12.03.2011, 13:43
Träge schlug sie die Augen auf. War es noch immer hell, oder schon wieder, fragte sie sich, als sie ins Dämmerlicht blinzelte. Nein, die Sonne stand tief im Osten. Sie hatte tatsächlich den halben Tag und die Nacht verschlafen. Eigentlich hatte Erynn vorgehabt, noch einmal im Meer zu baden. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gab sie es auf, sich erheben zu wollen. Dann würde sie eben einfach hier liegen bleiben, dachte sie sich – etwa für eine Stunde. Ihr wurde langweilig. Außerdem nervten sie die Fliegen, die immer lästiger um sie herumschwirrten. Und es war unbequem. Nicht zuletzt müßte sie sich mal dringend in die Büsche schlagen. „Verflucht...“
Arranges hat ganz andere Probleme als eine gebrochene Rippe, und hüpft trotzdem durch die Gegend... nicht zu fassen! Das gab letztendlich den Ausschlag. Sie spannte die Bauchmuskeln an, schwang ein Bein über das andere und wuchtete sich mit wildem Fauchen herum auf die Knie. Dort verharrte sie für einen Moment, bis sich die schwarzen Pünktchen vor ihren Augen verflüchtigten.

Diesesmal brannten die Schrammen nicht mehr so schlimm, als sie sich von den Wellen umspülen ließ. Erynn kehrte zum Feuer zurück und aß lustlos etwas von den Reiserationen. Sie konnte das Zeug jetzt schon nicht mehr sehen. Möglicherweise, so überlegte sie, könnte sie demnächst versuchen, ein paar Fische zu fangen.
Letzendlich überwand sie sich dazu, Arranges anzusprechen. „Wir sollten so langsam überlegen, wie wir hier wegkommen“, sagte sie, nachdem sie für eine Weile gegrübelt hatte. „In ein paar Tagen schaffe ich es vielleicht bis Beldaburo. Mit etwas Glück finde ich dort noch etwas Brauchbares, das die Banditen dort gehortet haben. Einen besseren Vorschlag habe ich leider nicht.“

weuze
12.03.2011, 15:34
Der Kaiserliche ignorierte, dass Erynn aufgestanden war. Er verdrängte krampfhaft ihre Anwesenheit in der Annahme, dass dieses ihm immer unangenehmere Drücken in der Brust nachließ... Er wusste selbst nicht, warum er gerade darauf schloss, dass es wegen Erynn entstanden war, aber irgendwoher musste es schließlich kommen...

Als die Dunmer ihn ansprach stellten sich die Nackenhaare des Magiers auf. Was zum Henker hat sie mit mir gemacht... Arranges bemühte sich um eine gleichgültige Haltung, als er sich zu Erynn umwandte. 'Nun... reiten werdet ihr kaum können... vielleicht könnten wir ein einfache Pritsche konstruieren und einem der Pferde anhängen...' Nach kurzer Überlegung jedach verwarf Arranges seinen Vorschlag. Sie hatten hier nichts, aus dem man hätte etwas halbwegs Stabiles bauen können. Nach einem weiteren kurzen Wortwechsel brachen sie das Lager ab und machten sich auf den Weg.

Der Weg war mühsam, Erynn tat sich schwer beim Laufen. Der Kaiserliche zwar ebenfalls, aber er hatte nicht das Problem mit der Atmung, er humpelte schlicht nur. Arranges tat sich währen der ganzen Zeit, die sie unterwegs waren schwer und war ungewöhnlich unsicher im Umgang mit Erynn. Stets wich er ihrem Blick aus, war teilweise abweisend und kühl, sorgte sich aber indirekt um sie, drängte immer wieder zu kurzen Pausen, damit sich die Dunmer erholen konnte. Wenn sie sprachen, behielt Arranges eine seltsam gleichgültige Tonlage. Weder versuchte er sich durch freundliche Worte an einem kurzen Wortwechsel zu beteiligen, noch würgte er irgendeinen Einwand von Erynn ab. Er ließ ihr verbal komplett freie Hand... Immer, wenn sie gerade nur schweigend nebeneinander herliefen, kehrten unerwünschte Gedanken in den Verstand des Kaiserlichen. Ihnen folgte das Gefühl eines Stichs in die Mitte seiner Brust. Er räzelte noch immer über die Ursache, war sich aber mittlerweile sicher, dass Erynn daran schuld war. Jedes Mal, wenn er ihr einen unauffälligen Seitenblick zuwarf, wurde das quälende Gefühl stärker und machte ihn schier wahnsinnig. Nichteinmal die Nähe seines Rotfuchses konnte den unnormalen Schmerz verdrängen, Der Kaiserliche war mit seinem Wissen, seinen Ideen und Vermutungen am Ende... Mit was für einem widerlichen Fluch hat sie mich nur belegt? Das kommt davon, wenn man seine Verletzungen nicht von vertrauenswürdigen Menschen versorgen lässt, bestimmt hat sie irgendeine Ohnmacht schon vor längerer Zeit ausgenuzt... schon vor Torrahs Tod...

Am Abend des dritten Tages, nachdem sie losmarschiert waren, zeichneten sich vor ihnen fast grell die weißen Ruinen Beldaburos gegen die hereinbrechende Nacht ab. Arranges wirkte während sie auf die Ruinen zugingen, einen Zauber um nicht überrascht zu werden. Aber es waren keine Banditen mehr da, alles war ruhig. Auch als sie näherkamen, war nichts Auffälliges zu sehen oder hören. Das Lager der Räuber war noch halbwegs intakt, sodass sie zwei einfache Zelte hatten und selbst keine aufbauen mussten. Bis sie schließlich ein kleines Feuer in Gang gebracht hatten, war es zu dunkel, um noch einen Blick in die Ruine zu werfen. Arranges hatte sich um diese Tatsache ein wenig zu bekräftigen, mit dem Buch, mit seinen eigenen Aufzeichnungen an das Feuer gesetzt und vergrub sich in den Seiten. Er hatte genug, er wollte endlich wissen, was es mit den Stichen und dem unangenehmen Druck in seiner Brust auf sich hatte, vielleicht hatte er auch nur etwas vergessen... von den Verletzungen jedenfalls stammten diese untypischen Schmerzen nicht, da war er sich sicher...

Glannaragh
13.03.2011, 18:27
Erynns Überlegungen schlossen eigentlich nicht ein, Arranges mitzunehmen, aber wie sie ihn kannte, würde er sich ohnehin davon abhalten lassen. Sie protestierte also nicht, hatte keine Lust auf einen weiteren Streit.
Der Weg war mühsam. Selbst wenn sie vornübergebeugt ging, wurde das Laufen mit der Zeit immer unerträglicher. Während der Nächte schlief sie mehr schlecht als recht im Sitzen, die Stirn auf die Knie gelegt. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, jetzt schon wieder durch die Wildnis zu latschen, überlegte sie. Sobald wir die Ruine erreichen, werde ich mich da einfach verkriechen und erst wieder hervorkommen, wenn das schlimmste überstanden ist.

Tatsächlich war das so ziemlich alles, was sie noch wollte. Die Verletzung war nicht weiter gefährlich, aber die ständigen Schmerzen machten sie mürbe und unleidlich. Arranges behandelte sie noch immer überaus kühl, aber der Elfin entging nicht, daß er sich auf seine eigene, verdrehte Art bemühte, Rücksicht zu nehmen. Sie hätte heulen können vor Erleichterung, als die Ayleidenruine an einem späten Abend vor ihnen auftauchte. Von den Leichen der Banditen war nicht mehr viel übrig. Wilde Tiere hatten die meisten Teile von ihnen fortgeschleppt, Insekten hatten sich zuverlässig um die wenigen Reste gekümmert.
Erynn ließ sich einfach zu Boden sinken, nachdem sie ihr Ziel erreicht hatten. Ihr Geist war hellwach und rastlos, und sie verfluchte die momentane Schwäche ihres Körpers. Der Kaiserliche widmete sich einem seiner Bücher, während sie sich ausruhte. Es war längst zu dunkel, als daß es Sinn ergeben hätte sich noch umzusehen, und so verschoben sie diese Aktion in stillem Einverständnis auf den folgenden Tag.
Erynn beobachtete ihren Begleiter aus dem Augenwinkel. Es wollte ihr nicht in den Kopf, woher er diese Zähigkeit nahm, die es ihm ermöglichte, sich selbst so gnadenlos voranzutreiben. Auf der anderen Seite begriff sie auch nicht, warum er seinen eigenen Körper dermaßen schund. Ehrgeiz? Selbsthaß? Oder vielleicht das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben? Ich möchte mit einem von den kurzlebigen Völkern wahrlich nicht tauschen...
Sie fragte ihn danach, behielt ihre Mutmaßungen jedoch für sich. Aber sie wollte endlich das Schweigen brechen, das nach ihrem kindischen Streit entstanden war. Sie hatte genug davon. Es lag einfach nicht in ihrer Natur, sich zu lange in ihren Zorn hineinzusteigern...

weuze
14.03.2011, 00:33
Arranges spürte wieder dieses unangenehme Sticheln, als Erynn ihn ansprach. Er hatte nichts darüber gefunden, weder bei seinen Aufzeichnungen zu Flüchen, noch bei sonstirgendwelchen nachhaltigen Sprüchen und Formeln, er tappte komplett im Dunkeln. Er schlug das Buch zu, legte es zur Seite und blickte der Dunmer fest in die Augen. Zunächst war er einen Moment fast überrascht von dieser Frage. 'Hmm... am liebsten würde ich euch sagen, dass ich mir selbst nicht im Klaren darüber bin, aber das wäre mindestens zur Hälfte gelogen... Wisst ihr, als ich vor 12 Jahren aus Cheydinhal fortging, war ich, wie ihr schon sagtet, ein schwacher, nicht sehr eigenständiger, verweichlichter Magier in viel zu großen Kinderschuhen... Erst mit der Zeit, in der ich streng genommen ständig unterwegs war, habe ich gelernt, mich nicht von Verletzungen egal welcher Art sie auch sein mochten, länger als unbedingt nötig, aufhalten zu lassen... Es stört mich auch nicht weiter, wenn der Heilprozess dadurch in die Länge gezogen wird und ich deswegen einige Zeit beeinträchtigt bin... irgendwann, in spätestens 10 Jahren, wird mich das Los meiner Leidenschaft als Nekromant, sowieso einholen... wisst ihr, wie alt ein Mitglied der Gathering, welches sich nicht zu den Großmeistern zählt, in der Regel wird? 35...'

Erynn wollte die Erklärung ihres Gegenübers schon akzeptieren. Sein letzter Satz jedoch schockierte sie so sehr, daß sich das Erschrecken deutlich auf ihrem Gesicht abzeichnete. "Das ist... nicht viel. Warum? Und wie, wenn doch... wenn doch ihre Mitglieder so mächtig sind? Ist es das wert?"
Mit einem Mal empfand sie einen brennenden Haß auf die Gathering. Sie wollte nicht, daß Arranges so jung sterben würde. Warum sie das eigentlich dermaßen mitnahm, war ihr selber nicht ganz klar. Irgendwie jedoch, gestand sie sich selbst ein, hatte sie diesen verrückten Kerl liebgewonnen. Trotz all seiner Macken, oder vielleicht auch gerade deswegen. Es war falsch, mehr noch, es war krank. "Was für ein entsetzliches Schicksal, sehenden Auges in das eigene Verderben laufen zu müssen", setzte sie flüsternd hinzu.

Wieder war Arranges erstaunt. Er hatte mit einer ruhigen zur Kenntnisnahme ihrerseits gerechnet, nicht aber damit, dass sie so sehr die Fassung verlieren würde. Gleichzeitig war ihm, als würde sich etwas unter seinem Brustbein schmerzhaft zusammenziehen. Hergott nochmal, ich muss diesen Scheiss endlich loswerden! 'Es hat nichts mit Macht zu tun... es ist nur so, dass die intensive Studie und die bis teilweise zum Fanatismus gereichende Leidenschaft, den Geist und den Körper von innen heraus zerfrisst. Die Großmeister haben Mittel und Wege gefunden, die den inneren Zusammenhalt der Gathering dadurch gewährleisten, dass man nicht alle paar Jahre einen neuen Großmeister für einen verstorbenen benennen muss... sie haben Möglichkeiten gefunden ihre Lebenszeit zu dehnen... diese Rituale sind jedoch geheim... Aber...' er stockte einen Moment, während er in ihrem Gesicht forschte, 'anfangs habe ich in der Nekromantie einen unschätzbaren Wert und gleichzeitigen Trost gesehen, mittlerweile ist sie für mich nur noch Studienobjekt um meinen Wissensdurst zu stillen und ein sehr nützliches Mittel zum Zweck... Aber sagt, warum seid ihr darüber so... entsetzt?' Der Kaiserliche bemühte sich um einen mehr oder weniger sachlichen Ton, er konnte nicht wirklich sagen, was die Dunmer so erschüttert hatte.

"Wie erkläre ich es am besten..." Der Elfin fiel es tatsächlich schwer, die richtigen Worte zu finden, da Arranges auch in dieser Sache völlig andere Maßstäbe anzulegen schien als sie selbst. "Vielleicht mit einer Gegenfrage: Stört es dich denn gar nicht zu wissen, daß dir nur ein so kurzes Leben beschieden sein wird, selbst nach menschlichen Maßstäben? Erscheint es dir nicht wie Verschwendung, daß all dein Wissen, all deine Kunst, in nur wenigen Jahren einfach verlöschen werden? Mich macht es unglaublich wütend, selbst wenn ich viele deiner Ansichten nicht teile." Erynn hielt den Blick des Beschwörers für einige Herzschläge lang fest, bevor sie sehr viel leiser fragte: "Fürchtest du dich nicht davor?"

'Nun... warum sollte ich etwas fürchten, das unausweichlich ist?' Arranges überlegte kurz. 'Vielleicht habe ich das Glück und gehöre nicht zum allgemeinen Rest der Mitglieder, vielleicht lebe ich auch so deutlich länger, ich habe praktisch alles erreicht, was ich mir bis zum heutigen Tag vorgenommen habe... sollte mir morgen etwas einfallen, das es lohnt, es bis zur Perfektion zu treiben, werde ich dies tun und so lange dem Tod trotzen, was also wollt ihr hören?' Kaum, dass er diese Worte ausgesprochen hatte, bereute er sie auch schon wieder. 'Allerdings ist mir in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich wohl nur eine Sache nie erreichen kann... selbst wenn mein Leben mir Zeit über die 35 hinaus gewähren sollte...' Verdutzt zuckte er zusammen, trotz seiner mentalen Sperre gegenüber solcher Gedanken, hatte sie sein Unterbewusstsein einfach hinausgeschleudert.

Erynn lächelte ein wenig. "Was ich hören will? Nur die Wahrheit, wie du sie siehst. Ich versuche, die Welt zu verstehen, in der du lebst, das ist alles. Auch wenn es mir schwerfällt und das alles sehr verwirrend ist." Sie legte den Kopf schief. "Deine nächste Frage wird sein, warum. Nun, weil auch ich danach strebe, meinen Horizont zu erweitern, auf eine andere Weise als du. Aber... was glaubst du, niemals erreichen zu können?"

Arranges senkte den Blick. Er haderte einen Moment arg mit sch selbst, während er nur in die Flammen blickte, dann antwortete er ihr endlich: 'Ich war immer der festen Überzeugung, dass ich niemand außer mich selbst brauche, wobei mein Pferd das einzige war, was ich als Familie und Freunde im Gesamten akzeptierte und liebte. Klar, ich brauche Personen wie Falanu, Meister Jurano, Bruder Marbell oder Nienna... auch Meisterin Marie oder Torrah waren nie schlicht nur Ärgernisse auf meinem Weg, aus jeder dieser Personen habe ich irgendeinen Nutzen für mich gezogen, vielleicht ist und war auch teils Freundschaft im Spiel... aber...' Er brach ab. Er wusste, was er sagen wollte, auch wenn es ihm quer gegen seiner Denkweise lag. Die Worte drängten jedoch heraus, während sich das Brennen und Stochern steigerte und sein Herz jeden Moment zu zerspringen drohte: 'Ich bin nun schon einige Zeit mit euch unterwegs Erynn... es... ich,' er schluckte, 'ich... dachte immer... ich meine, ich brauchte euch nur um dieses verdammte Amulett aus der Festung zu holen... und dann... ich dachte, ihr wärd mir gleichgültig, eine Begleitung, eine Ausrede dafür, dass ich in absehbarer Zeit wieder meine Freiheit, fernab vom Drängen der Gathering haben könnte...' Wieder brach er ab, seine Stimme hatte arg gezittert. Mühsam stemmte sich der Kaiserliche in die Höhe und wandte sich vom Lagerfeuer und von der Dunkelelfe ab, dann sprach er weiter: 'Und jetzt verliere ich etwas, was ich zuvor freiwillig, einfach so, von euch bekommen habe, aber in meiner Ignoranz und Selbstgefälligkeit nicht als die Kostbarkeit erkannte, die es darstellte, an das Abbild der Totenlande... an die Erscheinung eines Dremoras...' Die letzte Worte waren nur noch leise, gerade noch hörbar gesprochen...

Arranges' Worte fuhren ihr wie eine heiße Klinge direkt in die Seele, und sie krümmte sich wie unter körperlichem Schmerz. Mit einem einzigen Satz, beiläufig und schon fast im Schlaf gesprochen, hatte sie den Beschwörer von den Beinen gerissen, ohne es zu merken. Hatte ganz andere Dämonen geweckt als nur jene aus Mehrunes Dagons Reich. Erynn schlug die Augen nieder und wagte für eine Weile nicht zu sprechen. Ganz langsam erhob sie sich leise und trat von hinten an ihn heran. "Es sind nur Dremora. Sie faszinieren mich, auf eine Weise, die deiner Art zu denken vielleicht sehr nahe kommt. Es ist fast berauschend mir vorzustellen, ein solches Wesen kontrollieren zu können. Aber das wird mich nicht davon abhalten, jede dieser Kreaturen ins Visier zu nehmen, die uns angreift. Ich habe dir mehrfach gesagt, daß ich loyal zu dir stehe. Daran hat sich nichts geändert."

Arranges spürte, wie der Druck auf seiner Brust nachließ und sich eine unbändige Erleichterung und Freude einstellte. Er drehte sich zu Erynn herum und sah ihr in die Augen. Für einen kurzen Moment wollte er sie einfach nur in die Arme schließen, unterließ es aber in dem Wissen, ihr damit nur Schmerzen zu bereiten, was im Moment das Letzte war, was er wollte. 'Danke Erynn... ich habe dich wirklich gern in meiner Nähe...' Ein wenig schüchtern blickte er zu Boden.

Ich weiß... Sie lächelte warm, wenngleich ein wenig verunsichert über die unerwartete Wendung in seinem Verhalten, neigte leicht den Kopf. "Das ehrt mich. Und es freut mich", antwortete sie. Verdammt, was sagt man in so einer Situation, grübelte die Elfin, aber es fielen ihr keine besseren Worte ein. Vorsichtig kniete sie sich wieder an das Lagerfeuer, darauf bedacht, sich nicht zu sehr zu verbiegen. "Morgen werden wir uns hier genauer umsehen. Mit etwas Glück haben die Wegelagerer hier einige Heiltränke gehortet." Sie schaute für einige Zeit stumm in die Flammen. Vielleicht sollte ich einfach öfter mal ausflippen. Die Ergebnisse sind jedenfalls sehr interessant. Halb amüsiert, halb verärgert schob sie den Gedanken zur Seite. Ja, die Gesellschaft des Beschwörers färbte definitiv auf sie ab...

'Hoffen wir es...' Meinte Arranges mehr oder minder zuversichtlich, während er sich neben Erynn ans Feuer setzte. 'Aber trotzdem möchte ich, dass ihr das nochmals von einem Heiler in Anvil ansehen lasst... vor allem für den Fall, dass wir dort unten keine Tränke finden...' Arranges war erschöpft, von dem ganzen Gespräch, aber nicht erschöpft im eigentlichen Sinne. Er spürte wie die Stiche immer mehr und schneller einer wohlig angenehmen Wärme und Erleichterung wichen. Er saß noch eine Weile bei Erynn am Feuer, aber als ihn die Müdigkeit schließlich übermannte, schaffte er es nicht mehr an sein Zelt zu denken... es wäre sowieso unnötig gewesen, schließlich war es einen beinahe sternenklare Nacht. Der Kopf sank dem Magier auf die Brust und einige Augenblicke später kippte er nach hinten und blieb mit fast schon ungewöhnlich friedlichen und entspannten Gesichtszügen liegen...

Glannaragh
14.03.2011, 17:04
Erynn wachte die Nacht hindurch. Sie schaute in den klaren Himmel und beobachtete die Sterne, lausche auf die Geräusche der Wildnis. Als die dunkelste Stunde vorübergegangen war und der Morgen langsam dämmerte, beschloß sie, sich in der näheren Umgebung ein wenig umzusehen. Dann erstarrte sie. Von der Ruine klang ein schabendes Geräusch herüber, der Klang von Stein auf Stein. Sie faßte die Schulter ihres Begleiters und schüttelte sie leicht. „Still“, flüsterte sie, als er alarmiert die Augen aufschlug. „Irgend etwas kommt aus der Ruine.“
Das Etwas entpuppte sich als zwei betrunkene Banditen in abgerissen aussehender Fellrüstung, ein Kaiserlicher und ein Khajiit. Lallend, ohne jede Vorsicht, torkelten sie aus den Schattend des Eingangs. Der Kajiit kam schwankend zum Stehen, stieß seinen Kumpanen an und deutete in ihre Richtung. Sie hatten die Pferde entdeckt. Die nächste Bewegung der Ganoven ging zu ihren Waffen, etwas unsicher, aber dennoch zielstrebig. Langsam näherten sie sich dem Lagerfeuer.
Erynn fluchte leise. Unter normalen Umständen hätten diese Kerle nicht die geringste Gefahr dargestellt, aber ihr fehlte die Bewegungsfreiheit zum Kämpfen. Ihr Glück war wohl, daß die Banditen viel zu dicht waren um darauf zu kommen, in die Ayleidenruine zurückzurennen und Verstärkung zu holen. Dann waren sie und Arranges entdeckt. Die Gauner kamen näher, nicht ganz sicher auf den Füßen, aber mit wachsamem Blick. Die Elfin sah nur eine Handlungsmöglichkeit. Sie verdrängte die aufkeimende Nervosität und griff mit dem Geist nach der in ihr schlummernden Kraft. Sie bekam sie zu fassen, setzte sie in Brand und ließ sie fliegen. Der schwache Feuerball versengte das Fell im Gesicht des Katzenwesens und lenkte es für einige Augenblicke ab. Erynn warf einen Seitenblick auf den Beschwörer und konzentrierte sich erneut, versuchte diesesmal, mehr Kraft in ihr magisches Geschoß zu legen...

weuze
14.03.2011, 18:22
Der Kaiserliche wurde aus dem Schlaf gerüttelt und war bei den hastig geflüsterten Worten der Dunmer sofort hellwach. Er verharrte und blieb zunächst liegen. Als die Wegelagerer, wie er vermutete, jedoch näherkamen, stemmte er sich hoch und konnte gerade noch sehen, wie Erynn einen Feuerball nach dem Khajiit warf. Zu schwach... zu schwach, das wird nicht reichen... Arranges sollte Recht behalten, der Zauber richtete nicht sehr viel Schaden an, aber er sorgte einen Moment für Ablenkung. Diesen kurzen Augenblick nutzte Erynn. Alles ging blitzschnell, sodass Arranges erst kurz darauf begriff, was eigentlich genau geschehen war.

Der Nekromant bemerkte, wie sich langsam eine gewaltige Energiemenge von Erynn aus wie eine Aura ausbreitete. Der Gedanke, dass dies nicht gut gehen konnte, raste ihm noch durch den Kopf... Ein gleißendes Geschoss, einem Pfeil gleich, war für den Bruchteil eines Augenaufschlags in Richtung der Banditen unterwegs. Ein ohrenbetäubender, mächtiger Donnerschlag, nahm allen für einige Sekunden die Sinne. Arranges wurde umgerissen und segelte einige Fuß weit durch die Luft, ehe er hart aufschlug. Nach einigen Momenten während denen er auf dem Bauch liegend nach Luft japste, hatte er sich wieder so weit gefangen und wuchtete sich schwankend auf die Beine. Sein Gesicht brannte und sein Blickfeld wurde von grellen Punkten überlagert, als hätte er für einige Herzsschläge direkt in die Sonne gestarrt. In seinen Ohren verging langsam das Dröhnen der Explosion. Nach einem kurzen Rundumblick hatte er eine grobe Orientierung. Ein paar Meter weiter lag Erynn, ob bewusstlos oder nicht, konnte er kaum sagen, aber sie hatte ihren eigenen Feuerzauber auf jeden Fall besser überstanden, als er selbst. Er bemerkte, wie die Haut in seinem Gesicht vereinzelt Blasen schlug und schmerzte wie die Hölle selbst, auch sonst hatte es ihm die Lederrüstung und die Kleidung überall dort versengt und verkohlt, wo nicht das schützende Kettenhemd darüberlag. Verdammt... Dort, wo vor einigen Sekunden noch die Räuber gestanden hatten, war ein großer, leicht zum Krater gewölbter, rabenschwarzer Brandfleck auf der Erde, der im Durchmesser gut und gerne 3 Schritte maß. Von den Körpern der Angreifer war nicht mehr übrig, als ein paar verstreute Gliedmaßen und schwarze Hautfetzen... Was zum Teufel... Magie ist keine Kriegsaxt Erynn, lern das doch endlich, verflucht... dummes Weib! Arranges hatte aber nur wenig Zeit, sich wirklich darüber aufzuregen, denn schon drangen aus dem Eingang der Ruine ein paar weitere Stimmen. Und kurz darauf, sah sich der Magier zwei gut bewaffneten, aber nur leicht gepanzerten Rothwardonen gegenüber...

Nein, nicht am frühen Morgen! Ich habe keine Lust auf sowas... und schon gar nicht bevor ich nicht etwas gegessen habe! Der Kaiserliche war merklich wütend, nicht nur, weil Erynn ihm gezeigt hatte, wie sich ein Feueratronach wohl ständig fühlen musste, sondern schlicht deswegen, weil er seinen Schlaf, der so schon alles andere als wirklich erholsam war, wegen ein paar bescheuerten Wegelagerern so früh aufgeben musste... Die neuerlichen leichten Verletzungen ignorierend, zog er seine Magie zusammen. Es wurde kalt, so kalt, dass von dem heißen Erdreich an der Stelle der Explosion Dampf aufzusteigen begann. Die beiden neuen Gegner, waren verwirrt und blieben perplex am Eingang der Ruine stehen, während sie zu Arranges sahen. Die Erde schien sich vor dem Kaiserlichen aufzutun, ein tiefblauer Abgrund kam zum Vorschein, aus dem etwas Aufzutauchen begann. Majestätisch und absolut bedrohlich, schwebte ein Lich empor und hielt sich einige Handbreit über dem Boden, während sich das klaffende Loch aus Magie unter ihm schloss. Aufgehts... tu, was du am besten kannst und seh zu, dass ich nicht mehr von diesen Bastarden behelligt werde... Der Lich vernichtete die beiden Räuber einfach, aber gerade, als Arranges seinen Diener entlassen wollte, kamen nochmals Gestalten aus dem Eingang der Ruine hervor. 'Verdammt nochmal...!' Jetzt reichte es ihm entgültig. Mit schneidendem Zorn drang er in die Mentalität des Lichs ein und zwang ihn an das Führungskreuz einer Marionette, welches er hielt. Der Lich beschwor einen Skelettmeister an seine Seite, während Arranges sich seitlich zu seinen Beschwörungen bewegte um freies Schussfeld zu haben. Der Erste der drei Kontrahenten stürmte direkt auf das Skelett zu und fand sich einige Augenblicke später mit gespaltenem Kopf am Boden wieder. Der Zweite hatte den Lich über den Schaft seiner Pfeile hinweg ins Visier genommen und wollte gerade den zweiten Schuss abgeben, nachdem er die Silberspitze des ersten Pfeils im Torso des Untoten versenkt hatte. Bevor er jedoch noch die Sehne loslassen konnte, kassierte er die Quittung des Lichs und wurde von einem gewaltigen Feuerball in die Ruine zurückgeschleudert. Der Dritte verschwand derweil im Aufblitzen eines ihn treffenden Feuerzaubers, den Arranges geworfen hatte. Allerdings blieb er stehen. Arranges stutzte einen Moment, blickte aber dann hasserfüllt in die roten Augen eines Dunmers. Achso... das wird dir nur leider nichts nützen... Der Dunmer schien jedoch bewandert in der Magie und plötzlich machte der Skelettmeister kehrt und sprintete davon, als wäre Mehrunes Dagen persönlich hinter ihm her, auch der Lich sah sich plötzlich in seltsamen Fesseln wieder, die ihn am Angriff hinderten... Eine flimmernde Kugel jagte dem Dunkelelfen entgegen, der mit gezogener Klinge auf Arranges zukam. Er strauchelte und schlug schließlich hart auf. Der Kaiserliche war mit einigen wenigen Schritten bei ihm und ging ihm mit dem Knie voran ins Rückrad. Er hatte kein Schwert mehr, aber das sollte nicht das Problem sein. Ein gerufener Daedradolch verschwand knackend im Genick des Dunmers. Ein kurzes Zucken, dann hauchte er sein Leben aus.

Arranges erhob sich mühsig und lauschte einige Momente, ob nochmal jemand kam, aber das schienen alle gewesen zu sein. Er behielt den Lich trotzdem noch auf Nirn, auf Überraschungen hatte er nach so einem Tagesbeginn wahrlich keine Lust mehr. Vorsichtig strich er sich mit einer Hand über eine Wange. Die Haut hatte tatsächlich leichte Blasen geschlagen, das Haar an seiner Stirn war leicht angesengt und die Haut im ganzen Gesicht brannte abartig. Aber das war momentan nicht vorrangig für den Kaiserlichen, er eilte zu Erynn, die mittlerweile wohl wieder komplett zu sich gefunden hatte und auf dem Rücken liegend japste wie ein Fisch auf dem Trockenen. Neben ihr ließ er sich auf die Knie fallen. 'Verdammt, was habt ihr euch dabei gedacht?!' Seine Stimme klang mehr besorgt als verärgert. So vorsichtig wie irgend möglich hob er ihren Oberkörper in eine leicht sitzende Position und hielt sie mit einem Arm so, dass sie einigermaßen durchatmen konnte, während er ihr mit der anderen Hand das Haar aus dem Gesicht strich.

Glannaragh
14.03.2011, 20:16
Die Elfin griff weit tiefer in die magische Kraftquelle als jemals zuvor. Sie wollte diese beiden Mistkerle einfach nur schnell erledigen; es hätte durchaus fatal werden können, würde sie in den Nahkampf gezwungen. Plötzlich entglitt ihr die Kontrolle über die Magie. Sie staute sich auf, immer weiter. Das ist zuviel. Viel zuviel! Panik zerrte an ihrer Konzentration, ließ das filigrane Geflecht des Zaubers instabil werden. Sie spürte die gewaltige Hitze auf ihrer Haut, in ihrem Kopf, in ihren Knochen. Es würde sie zu Asche verbrennen! Mit der Kraft der Verzweifelung stieß sie Energien von sich fort, wurde von der Druckwelle zurückgeschleudert. Der Aufprall preßte ihr die Luft aus den Lungen und sie blieb benommen auf dem Rücken liegen.
Nach einer Weile hob sie schwach den Kopf. Ihr war schwindelig und ihr Hirn fühlte sich an, als hätte es sich verflüssigt. Fast automatisch tastete sie nach ihrem Dolch, erstarrte aber mitten in der Bewegung, als einige Meter entfernt von ihr ein Wesen aus dem Nichts auftauchte, das ihr völlig unbekannt war. Es war furchteinflößend, gekleidet in verrottete Fetzen und trotzdem majestätisch. Eine eisige Aura umgab die Kreatur, so kalt und trostlos wie eine lange verschüttete und vergessene Gruft. Das unbekannte Ding wischte zwei weitere Angreifer fort -woher auch immer die so plötzlich gekommen waren- und rief dann ein Gerippe an seine Seite. Erynn ließ sich wieder zurückfallen. Der Beschwörer hatte offenbar alles im Griff.
Der Rest des Kampfes erreichte sie nur noch undeutlich. Nachdem sie all ihre magischen Reserven auf einen Schlag buchstäblich verbrannt hatte, konnte sie nur noch quälend langsam denken und reagieren, und jeder verkrampfte, abgehackte Atemzug flutete ihren Leib mit neuerlichem Schmerz.

Dann kniete der Kaiserliche neben ihr und zog sie so weit hoch, daß sie ein wenig leichter atmen konnte. Er sagte irgendetwas, das nicht sofort zu ihr durchdrang. Langsam beruhigte sich ihr hämmerndes Herz, und sie schlug die Augen halb auf. Für eine Weile schaute sie Arranges nur nachdenklich an und versuchte herauszufinden, was mit seinem Gesicht nicht stimmte. „Oh, verflucht...“, brachte sie schließlich heraus. „War ich das?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht genau, was passiert ist“, beantwortete die Elfin schließlich seine Frage. „Ich habe irgendwie die Kontrolle verloren. Die Kräfte haben sich daraufhin verselbständigt und ließen sich nicht zurückdrängen... Arranges, bitte, in Neungötternamen, laß mich wieder runter. Du treibst mir die Rippe durch die Lunge.“

weuze
14.03.2011, 20:44
Der Kaiserliche zuckte erschrocken zusammen, als Erynn vor Schmerzen das Gesicht verzog und ihn stöhnend bat, ihn wieder herunter zu lassen. Langsam ließ er sie wieder absinken. Er wandte sich zu dem König der Untoten um und schickte ihn mit einem Wink ins Reich des Vergessens zurück.

'Halb so wild.' Versuchte er die Dunmer zu beruhigen. 'Es ist ja nichts weiter passiert... Ihr habt den Räubern ordentlich eingeheizt.' Sagte er und lächelte anerkennend. 'Aber bitte, tut mir den Gefallen, versucht das nächste Mal nicht irgendetwas... weckt mich, wenn ihr nicht kämpfen könnt...' Er warf Erynn nochmals einen flüchtigen, prüfenden Blick zu und erhob sich dann. Sein Gesicht brannte immernoch und die zahlreichen Schnitte an den Händen schienen auch wieder aufgeplatzt zu sein. Wird Zeit, dass wir nach Anvil zurückkehren... Arranges ging zu den Toten hinüber und durchsuchte ihre Leichen nach Heiltränken, aber außer einem arkanen Trank bei dem Dunmer fand er nichts. 'Verdammt!' Presste er hervor. Er ging zurück zu seinen Sachen, riss sich einen Stoffstreifen aus dem Umhang und tränkte ihn mit etwas Wasser. Vorsichtig und gähnend langsam ertastete er eine erste der relativ vielen Brandblasen im Gesicht und tupfte sie ab. Die Kühlung brachte nicht wirklich etwas, aber da ihm ebenfalls Rus und Staub entgegengeschleudert wurde, versuchte er so, die geschundene Haut ein wenig zu säubern, was sich als gar nicht so einfach herausstellte ohne Spiegel...

Glannaragh
15.03.2011, 00:19
Erynn wuchtete sich schließlich auf die Füße und verschaffte sich einen Überblick. Als ihr Blick auf die verkohlten Leichenteile fiel, welche das Ergebnis ihres außer Kontrolle geratenen Feuerzaubers darstellten, wurde ihr kurz noch einmal ziemlich übel. Trotzdem überwand sie sich und durchsuchte jene Leichen, von denen etwas mehr übriggeblieben war. Bei einem der Toten fand sie einen Köcher voll mit Silberpfeilen, den sie an sich nahm. Ein paar gut gearbeitete Stahlwaffen sah sie noch, darunter ein hervorragend gepflegtes Kurzschwert, das ein Rothwardon bei sich getragen hatte. Sie nahm auch dieses mit. Andere nützliche Dinge fand sie ebensowenig wie Arranges. Es kam ihr seltsam vor, die Leichen zu fleddern, aber welche Wahl hatte sie schon? Keine Tränke, keine Spruchrollen, nicht einmal starken Alkohol tragt ihr bei euch. Was für Banditen seid ihr eigentlich!?

Erynn sah zu ihrem Begleiter herüber. Verdammt, sie hatte wirklich ein schlechtes Gewissen! Laß mich das machen“, bat sie und hielt ihm die Handfläche hin, bis er den Stoffetzen hineinlegte. Es dauerte nicht lange, bis sie den gröbsten Schmutz fortgewischt hatte. „Wenn du die Nerven dazu hast, wasch die Verletzungen mit Meerwasser aus. Sie nässen dann weniger. Ich werde derweil versuchen, noch ein paar dieser Pflanzen zu finden...“ Die Elfin sah mindestens so zerknirscht aus, wie sie sich fühlte. „Ich habe übrigens noch dieses Schwert hier gefunden. Ich weiß, es ist kein Silber, aber solide und gut ausbalanciert. Vielleicht kannst du ja etwas damit anfangen.“ Damit wandte sie sich ab und ging ein Stück an der Ruine entlang. Sie fand ein paar von den Stauden, die sie suchte, außerdem entdeckte Erynn eine Kiste an der Rückseite des Gemäuers, gut versteckt hinter einem Busch. Sie war verschlossen, aber ein paar kräftige Tritte lösten das Problem. Eigentlich war es den Aufwand nicht wert. Sie enthielt einen Haufen Plunder und einen Beutel mit zehn Septimen und einem kleinen, gelblich schimmernden Halbedelstein.

Schließlich kehrte sie zum Lager zurück und verarbeitete die Blätter wie schon einige Tage zuvor zu einer Salbe. Dann betrachtete sie nachdenklich das steinerne Portal, das den Eingang zu Beldaburo verschloß. „Ich kann nicht sagen, daß ich begeistert von der Aussicht wäre, in dieses Gemäuer hinabzusteigen“, sagte sie, als sie dem Kaiserlichen den Mörser mit der Frauenmantelpampe reichte. „Andererseits... sind wir nun schon mal hier. Ich habe sieben Tote gezählt. Zusammen mit den drei anderen, die wir auf dem Hinweg erwischt haben, macht das Zehn. Ich kann mir nicht vorstellen, daß diese Bande noch viel mehr Leute zählt.“

weuze
15.03.2011, 11:17
Nach kurzem Zögern gab Arranges den Stoffetzen doch an Erynn weiter. Er war nicht sehr begeistert davon, die Dunmer hantieren zu lassen, aber es blieb ihm kaum etwas anderes übrig. Nachdem sie fertig war, gab sie ihm noch den Rat, sein Gesicht mit Meerwasser zu waschen. Naja, vielleicht hilfts ja... Und dann hielt sie ihm noch ein stählernes Kurzschwert hin, das er zuvor zwar ebenfalls erblickt hatte, ihm aber keine weitere Beachtung geschenkt hatte. Erynn meinte es aber wohl nur gut, also griff er nach der Klinge und nahm sie an sich. 'Besser als nichts...' Nuschelte er.

Während sie an der Ruine entlang nach weiteren Frauenmantelgewächsen suchte, ging er zum Strand hinunter und wusch vorsichtig sein Gesicht. Es brannte schlimmer als Feuer, aber als er fertig war und seine geschundene Haut trocknete, fühlte es sich nicht mehr so unangenehm an, wenngleich der Schmerz blieb.

Er ging zurück zum Lager, wo Erynn gerade die Arbeiten an einer neuerlichen Salbe beendete. Sie reichte ihm die massive, irdene Schale und sprach ihn darauf an, ob sie in der Ruine noch nachsehen sollten, ob es dort vielleicht etwas Verwertbares gab. Arranges trug vorsichtig die Salbe auf sein Gesicht und die Hände auf. 'Hmm... die Räuber werden nicht sehr weit in die Ruinen vorgedrungen sein... vielleicht haben sie nur den Eingangsbereich besetzt oder auch die erste größere Halle, aber sehr viel weiter hinein werden wir nicht müssen um ihr Lager zu erreichen... Könnt ihr überhaupt so gut laufen... ich meine, wir sollten keine weiteren Verletzungen riskieren, schließlich wissen wir nicht, ob die Gänge möglicherweise mit Fallen gespickt sind...' Er stellte nachdenklich den Mörser ab, als er fertig war und ließ seinen Blick über Erynn gleiten.

Glannaragh
15.03.2011, 18:03
„Es wird schon gehen.“ Sie zog eine Augenbraue hoch. „Um meine eigenen Kratzer mache ich mir dabei übrigens die geringsten Gedanken.“ Die Elfin stand auf und holte ihr Schwert. Nachdem die Entscheidung einmal getroffen war, wollte sie keine Zeit mehr mit warten verschwenden. Von dem Lederkürass waren praktisch nur noch Fetzen übrig, also ließ sie ihn liegen. Sie hatte ohnehin keine Ahnung, wie sie das Ding über ihren Kopf kriegen sollte. Ungerüstet in diese Ruine herabzusteigen, ist tatsächlich etwas waghalsig. Dann muß ich eben zusehen, daß ich ungesehen dicht genug an eventuelle Gegner herankomme, um sie mit einem Stich auszuschalten... Erynn erschrak über ihre eigenen Gedanken. Bin ich wirklich so kaltblütig? Das wollte ich niemals sein. Aber es sind in letzter Zeit so viele Dinge geschehen, die ich niemals wollte...

Langsam ging sie auf den Eingang zu. Hinter sich hörte sie, daß der Kaiserliche ihr folgte. Das Portal stand halb offen. Dahinter erstreckte sich nach wenigen Stufen ein kurzer Gang, der nach nur wenigen Schritten eine scharfe Linksbiegung beschrieb. Die Erbauer hatten die Wände zum Teil mit großen, sorgfältig behauenen Steinblöcken gestützt, zum Teil den natürlichen Fels sichtbar gelassen. Zusammen ergab es ein elegantes, harmonisches und auch sehr fremdartiges Bild, als hätten die Baumeister des alten Elfenvolkes versucht, den Übergang zwischen der Wildnis draußen und ihren kühnen, hohen Hallen so fließend wie möglich zu gestalten.
Noch einmal hielt Erynn inne und lauschte sie auf irgendwelche Geräusche, hörte aber nichts. Dann trat sie einige Schritte in das Halbdunkel und spähte um die Ecke. Der Gang ging in eine Empore mit steinernem Geländer über. Einige Wurzeln waren durch die Decke gestoßen und hingen in der Luft wie sich windende Schlangen. Von ihrer Position aus konnte sie in eine große Halle hinabsehen, die von vier schlanken Säulen gestützt wurde. Große, helle Kristalle wuchsen direkt aus der Decke und tauchten die Umgebung in bleiches, überirdisches Licht. Der Boden des großen Raums war übersät mit Kisten, Fässern, Decken und anderem Krempel. Offenbar hatten sie das Lager der Banditen gefunden. Direkt in der Mitte erhob sich eine etwa mannshohe Strele, auf der ein metallener Behälter stand. Erynn gab Arranges ein Zeichen, sich still zu verhalten und beobachtete für ein paar Minuten die Szenerie. Nichts regte sich, es gab kein Anzeichen dafür, daß sich hier noch jemand aufhielt.
Die Galerie umgab den Raum von zwei Seiten, dann mündete sie wieder in einen schmalen Gang, der ein ganzes Stück abwärts führte. Nach einer weiteren Biegung öffnete er sich zu der Halle, in die sie vorhin hatten herunterschauen können. Noch immer war kein Anzeichen von Leben zu entdecken. Banditen schien es hier keine mehr zu geben. Das äonenlange Schweigen hatte bereits begonnen, sich diesen Ort zurückzuerobern, und die Gegenstände, welche die Verbrecherbande hier eingelagert hatte, wirkten in ihrer Profanität wie eine Beleidigung der zeitlosen Würde, die aus jedem Quadratzentimeter dieses stolzen Bauwerks sprach.

Erynn riß sich nach einer schieren Ewigkeit von dem überwältigenden Anblick los und durchsuchte die Kisten und Fässer. Tatsächlich gab es neben jeder Menge nutzlosem Kram einiges, was sie beide gut gebrauchen konnten. Sie fand Kleidung, Pfeile und einige Beutel mit Septimen, dazu in einem Faß eine großzügige Menge eingepökeltes Wild. Schließlich öffnete sie eine Truhe, in der sich eine größere Anzahl an Tränken und alchemistische Zutaten befanden. Auf den Fläschchen waren keine Etiketten angebracht, und so konnte sie nicht sagen, was sie enthalten mochten. Sie winkte den Beschwörer zu sich. „Weißt du, was für ein Zeug das hier ist?“

weuze
15.03.2011, 21:21
Arranges folgte der Elfe in die Ruine, er war zwar ebenfalls beeindruckt von der Architektur, aber aufgrund dessen, dass er schon öfter eine Ayleidenruine von innen gesehen hatte, wurde er lange nicht mehr so in ihren Bann gezogen.

Während er Erynn mehr hinterher stolperte, als schlich, hatte er stets einige Zauber im Anschlag. Eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, selbst vorauszugehen, aber seine um Unauffälligkeit bemühten Bewegungen hallten teilweise arg nach in den Gängen. Im Lager der Gesetzeslosen fanden sie zunächst nichts Besonderes, außer dem üblichen Krempel. Arranges besah sich einen Moment lang eine Tunika in einem etwas ausgewaschenen Meerblau. Mal sehen, ob die mir passt... Doch bevor er sich daran machen konnte, seinen Oberkörper zu entkleiden, rief Erynn nach ihm. Er ging zu ihr hinüber und blickte in eine Kiste mit haufenweise Tränken, aber allesamt ohne Etikett. Oh... das wird lustig... Geschmacksprobe... 'Nunja, wenn keine Beschriftung auf den Tränken ist, wird uns kaum etwas anderes übrigbleiben, als anderweitig herauszufinden, was sie beinhalten...' Er bückte sich und nahm das nächstbeste Fläschchen aus der Kiste... Im gleichen Moment, als er das Glasgefäß anhob, rügte er sich jedoch für sein Tun.

Ein schabendes Geräusch war zu hören und die Kiste senkte sich vielleicht zwei Fingerbreit ruckartig ab. Eine Falle! Verfluchte Ayleiden! Von irgendwoher aus der Halle drang ein mahlendes Geräusch zu ihnen herüber und mit ihm senkten sich zwei schwere Steinplatten in der Mauer hinter ihnen in den Boden. Der Nekromant fuhr herum und sah sich einer kleinen Kammer gegenüber, aus welcher ihnen jetzt ein herber Verwesungsgeruch entgegenkam, aber als ob das nicht genug wäre, stolperte ein einarmiger, kopfloser Zombie auf sie zu. Der Kaiserliche knirschte hörbar mit den Zähnen. 'Wegelagerer früh morgens reichen wohl nicht...?' Knurrte er. Herrisch und ungeduldig winkte Arranges dem Untoten entgegen. 'Zisch ab!' Der Zombie verharrte einen Moment, fuhr dann auf dem Absatz herum und rannte blindlinks aus der Halle in die tiefer gelegenen Teile der Ruine davon.

Genervt den Kopf schüttelnd widmete sich Arranges wieder der Truhe mit den Tränken, wobei er den einen noch immer in der Hand hielt. 'Ja äh... Geschmacks- und Geruchsprobe ist alles, was uns da bleibt...' Er grinste sie schief an, entkorkte dann die Flasche und träufelte sich ein paar Tropfen davon auf den Zeigefinger der anderen Hand. 'Verdammter...!?’ Schon als der erste Tropfen seinen Finger traf, dampfte die Flüssigkeit mit einem zischenden Laut auf. Der Kaiserliche schüttelte hektisch seine Hand und wischte sie schnell an seinem Umhang ab. Als er die Hand wieder hochnahm und seinen Finger betrachtete, warf er gleichzeitig der Flasche einen vernichtenden Blick zu. Etwas arg setzte er dem Gefäß wieder den Korken auf. 'Irgendein verdammt starkes und ätzendes Gift.’ Sagte er wie beiläufig, als er Erynn das Fläschchen in die Hand drückte. So ging das eine Weile weiter, einige der 10 Tränke waren schlecht und nicht mehr zu gebrauchen, was Arranges immer mit einer von Ekel geprägten Fratze angab. Zum Schluss standen sie mit zwei sehr starken Giften da, wobei Arranges nicht wirklich sagen konnte, für was sie eigentlich genau gut waren, aber um zu töten würden sie garantiert reichen. Ein einziger Heiltrank war dabei. 'Na wenigstens etwas...' Sagte er aufmunternd zu der Dunkelelfe, als er ihr den Heiltrank reichte. 'Nehmt ihr ihn, bei mir wird die Salbe weiterhin reichen denke ich.' Dann wandte er sich ab und ging wieder zu der Truhe mit den Kleidungsstücken hinüber.

Nach nur wenigen Minuten hatte er seinen Oberkörper komplett entkleidet und griff nach der Tunika. Unter ihr kam ein grobes graues Leinenhemd zum Vorschein. Arranges sah kurz abwechselnd zwischen seinem zerrupften Hemd und dem anderen hin und her. Also wenn ich gerade schonmal dabei bin... Er legte die Tunika zur Seite und griff nach dem Hemd. Naja es wird ein wenig kratzen, aber egal... Doch bevor er das Hemd überzog, blickte er kurz an sich herab. Die Wunde aus dem Kloster war gut verheilt, aber irgendwie hatten sie und einige andere, der deutlich sichtbaren, keine solch eine Narbe zurückgelassen, wie die drei dunklen Flecken auf seinem Bauch. Ich glaube der Skalon ist sich seiner ihm anhaftenden Krankheiten irgendwie bewusst... Kopfschüttelnd zog er sich das Hemd über. Auch die Tunika passte im Großen und Ganzen. Er warf sich wieder den Kettenpanzer über, legte sich den Rest seines Umhangs um die Schultern und schnallte provisorisch die Armschienen wieder an. Das war eine halbe Spezialanfertigung... und dazu nichteinmal billig... Ich würde am liebsten die Reste dieses Skamps zusammenkehren und nochmals ins Reich der Toten befördern wenn ich könnte... Er drehte sich zu Erynn um. 'Wollt ihr noch weiter in die Ruinen vordringen?'

Glannaragh
16.03.2011, 18:16
„Nein. Verschwinden wir von hier, ein Zombie reicht mir völlig... Verdammt, ich hätte nicht geglaubt, daß die Biester so übel stinken.“ Wie lange der Untote wohl schon hier war? Ob die Ayleiden ihn hiergelassen haben? Wie kommt es, daß die Banditen diese Falle nicht ausgelöst haben? Oder war der Zombie das Werk dieses Magiers, der auch uns angegriffen hat? Erynn schüttelte den Kopf. Das Wesen stieß sie ab, aber es tat ihr auch leid. Vielleicht wäre es besser gewesen, sein Leiden zu beenden... Sie nahm die Beute auf und machte sich auf den Weg zum Ausgang der Ruine.
Die Elfin trat aus dem Schatten des Eingangs. Nach der Zeit in den kühlen Hallen von Beldaburo genoß sie die Wärme des jungen Morgens. Sie entfachte das Feuer neu -vorsichtshalber auf konventionelle Art- und legte zwei große, flache Steine in die Glut. Das Fleisch, das sie gefunden hatte, würde eine willkommene Abwechslung zu der faden Wegzehrung sein, die ihr schon seit Wochen zum Halse heraushing.

Während Erynn darauf wartete, daß das Feuer in Gang kam, sah sie sich auf dem Platz vor der Ruine um. Hier sitze ich, umgeben von Toten, und brate Fleisch. Irgendwas daran... läßt garantiert nicht auf einen gesunden Geisteszustand schließen. Sie erforschte ihre Gefühle und stellte fest, daß es ihr wirklich nichts ausmachte. Die ständigen Schmerzen und der wenige Schlaf in der letzten Zeit hatten sie abgestumpft. So geht das nicht weiter. Ich will mich nicht verlieren...
„Arranges? Ich habe mich gefragt, wie lange dieser Zombie wohl schon in dieser Ruine gewesen ist. Könnten die ursprünglichen Bewohner ihn vielleicht zurückgelassen haben? Es heißt jedenfalls, daß sie ihre Bauten von untoten Wächtern beschützen ließen, nachdem sie verschwanden. Kann man so ein... Ding über so lange Zeit zusammenhalten? Ich meine, totes Fleisch zersetzt sich nunmal. Irgendwann müßte doch nichts mehr davon übrig bleiben.“
Erstaunt stelle sie fest, daß es sie tatsächlich interessierte, und sei es nur um des schieren Wissens willen. Sie drückte ihrem Begleiter die Phiole mit dem Trank in die Hand. „Und was diesen Heiltrank betrifft: Wir werden ihn teilen. Zumindest die Schußverletzung in der Leiste solltest du damit behandeln. Sonst wirst du wochenlang nicht reiten können.“

weuze
19.03.2011, 14:28
Arranges hätte das Pökelfleisch vermutlich unbeachtet gelassen und wäre auch erst gar nicht nach Beldaburo hineingegangen. Aber wenn Erynn sich schonmal wortlos bereiterklärte, das auf Reisen eher seltene Gut zuzubereiten, war ihm das nur recht und so setzte er sich schweigend ans Feuer.

Die Frage der Dunmer überraschte ihn nicht wirklich, er hatte schon fast darauf gewettet, dass Erynn nach dem Untoten nochmal fragen würde. Er nahm den Trank entgegen, es hätte kaum Sinn gemacht, etwas dagegen zu sagen. Und bevor sie noch auf die Idee kommen würde, wieder ihre Nadeln und Messerchen und sonstige Werkzeuge auszupacken, die sie zur Wundversorgung nutzte, nahm er lieber den Trank. Er hatte den Gürtel, seitdem er ihn zum Wundverschluss zweckentfremdet hatte, nichtmehr wirklich angerührt, folglich wurde auch das Blut stellenweise abgedrückt, was den Nekromanten nicht weiter störte, er begrüßte es sogar, denn so hielten sich die Schmerzen weitestgehend in Grenzen, wenn das Gewebe um die Verletzung herum taub war. Er stellte den Trank neben sich ab und erhob sich. Während er sich bemühte, den Gürtel vorsichtig zu lösen, machte Arranges sich daran, die Frage der Dunmer zu beantworten. 'Nun, es gibt sicherlich Möglichkeiten, einen Zombie mehr oder weniger unbegrenzt lange am... Leben zu halten, ohne, dass sein Fleisch einfach zerfällt. Aber das sind Rituale, die jenseits von gut und böse liegen... sehr wahrscheinlich lassen sich Rituale dazu in dem Buch Kunst der Schleier finden, aber es ist nicht Sinn und Zweck der Nekromantie untote Geschöpfe zu erschaffen und diese dann so lange wie möglich zu halten... Ich weiss nicht, was die Ayleiden an dieser Stelle dachten, aber ich bin mir sicher, dass dieser Zombie dort unten nicht von ihnen war... das kann deswegen schon nicht sein, da die Kiste mit den Tränken zu genau auf der Trittplatte platziert war.' Arranges sog scharf die Luft ein, als der den Gürtel endlich aufgedreht hatte und jetzt wieder teilweise Blut durch zuvor gänzlich leere Bahnen strömte. 'Ich glaube eher, dass die Räuber den Öffnungsmechanismus ähnlich überraschend entdeckten wie wir und ihn dann zu ihrem Vorteil nutzten. Der Zombie war garantiert das Werk jenes Magiers, den wir vor einigen Tagen getötet haben...' Arranges löste die Gürtelschnalle und ließ das Lederband an dem ein Großteil seines Gepäcks hing, dann einfach fallen. Er stand seitlich zu Erynn, sodass sie nicht sehr viel sehen konnte. Der geknüllte Stofffetzen war bunt, im wahrsten Sinne des Wortes. Von schwarz über rot und braun, bis hin zu gelb, waren für eine Verletzung, die für gewöhnlich rot blutet, erstaunlich viele Farben dabei. Das wird lustig... Noch vorsichtiger als sowieso schon, zupfte der Nekromant an dem total verklebten Stoff herum. 'Die Alchemie bietet ebenfalls so einige Möglichkeiten, totes Fleisch weit bis über den natürlich eintretenden Verwesungsprozess hinaus zu konservieren, aber ich habe davon nicht sehr viel Ahnung, ich wurde in meiner Schülerzeit hauptsächlich dazu gezwungen, mich mit der Alchemie zu befassen und habe mittlerweile vieles schon wieder vergessen, die Grundlagen aber glücklicherweise noch behalten, wie mir scheint,' dabei sah er kurz auf seine schon recht ordentlich verheilten Arme, 'Ebenfalls und das ist der eigentliche Kern der Totenbeschwörung, kann man Verstorbene, die noch nicht einige Jahre unter der Erde verbracht haben, mit ihrer eigenen Seele durch Magie sozusagen an Nirn fesseln... gut, genau genommen kann man auch Leichen wieder auferstehen lassen, von denen nur mehr noch der halb zerbröselte Schädel übrig ist oder ähnlich wenige sterbliche Überreste...' Ich hätte von Meryann noch viel mehr als nur die Lichbeschwörung lernen können... Fast ein bisschen traurig dachte er kurz an die Erscheinung der Bretonin, mit der er die Inseln bereist hatte, konzentrierte sich aber dann wieder auf seine Wunde. Er hatte den Verband mittlerweile fast ganz entfernt. 'Ich selbst habe 9 Jahre lang...' Er brach ab, als er den Stoff in diesem Moment ganz entfernte. Darunter kam schneeweiße und wellige Haut zum Vorschein. Um den Einschuss herum war das Gewebe grau bis beinahe schwarz. Und kaum hatte er den Stofffetzen weggezogen, drängte farbloses Wundsekret und dicker, tiefgelber bis brauner Eiter aus der Wunde. Eine Mischung aus Ärger und ein wenig Ekel zeichnete sich auf dem Gesicht des Kaiserlichen ab. Schnell drehte er Erynn den Rücken zu und betete, dass sie nichts bemerkt hatte. Die säbelt mir aus einem Impuls heraus nur noch alles weg da unten, wenn sie das sieht... Da bin ich mal gespannt, ob der Heiltrank da etwas ausrichten kann... Der Kaiserliche blickte über die Schulter und bat Erynn mit Worten, die keine Widerrede zuließen, ihm den Heiltrank zu reichen, während er sich halb zu ihr drehte. Er tränkte das plattgedrückte, auf der einen Seite starre, auf der anderen Seite durchgesiffte Stoffknäuel mit ein paar Tropfen des Tranks und beeilte sich dann, den recht abstrakten Druckverband mit dem Gürtel wieder anzulegen. Nur war es jetzt unumgänglich, dass bei jeder Bewegung im Hüftbereich weiterer Eiter aus dem Wundkanal kam, der zu Arranges Unbehagen immer dunkler wurde. Der Pfeil hat gesessen... zu schade, dass ich die Zusammenstellung des Giftes nicht kenne, aber es müssen wohl von Mehrunes persönlich berührte Zutaten gewesen sein... da brauch ich auch den Trank nicht unnötig drauf verschwenden... Arranges versuchte, den Druckverband so schnell wie möglich wieder anzulegen, konnte dabei aber ein paar unterdrückte Flucher, jetzt, da er die Schmerzen wieder spürte, nicht zurückhalten.

Glannaragh
19.03.2011, 22:24
Die Dunkelelfin hörte den Ausführungen ihres Gegenübers genau zu. Je mehr sie erfuhr, umso mehr sträubte sich alles in ihr gegen diese ‚Wissenschaft’, oder als was man auch immer die Nekromantie bezeichnen mochte. Hätte ich bloß nicht gefragt. Das ist ja abscheulich!
Mehr aus Reflex stand sie auf, als Arranges im Kommandoton nach dem Heiltrank verlangte. Sie brauchte die Verletzung nicht zu sehen, um zu wissen, was vor sich ging. Die faulen Säfte auf dem Tuch und der bestialische Gestank, der aus der Wunde drang nachdem sie offengelegt war, sprachen ihre eigene Sprache. Als der Kaiserliche sich bemühte, den improvisierten Verband hastig wieder anzulegen, wurde ihr das Schauspiel zu dumm. „Arranges, bitte. Reinige die Verletzung wenigstens notdürftig, oder laß mich das machen, wenn du es nicht kannst. Sie stinkt ja schon nach Tod!“

Ich bin doch der leibhaftige Handlanger des Bestialischen, würde man dich nach mir befragen... Dem Kaiserlichen passte es nicht wirklich, dass Erynn schon wieder an seinem Umgang mit Verletzungen an sich, herumkritisierte. Bei aller Liebe, Zuneigung und Freundschaft, aber der Kaiserliche war nuneinmal ein erzogen anstrengender und undankbarer Patient. 'Ich bin Nekromant... natürlich rieche ich nach Tod... alles andere wäre eher seltsam... wagt es bloß nicht daran herumzufingern, Erynn!' Fügte er noch warnend hinzu, als er diesen... diesen unbeschreiblichen Ausdurck in ihrem Gesicht sah, der ankündigte, dass sie ihrer nicht vorhandenen Begeisterung über seine Worte gleich Luft verschaffen würde. Er selbst setzte seine Tätigkeit an dem Gurt unbeirrt fort...

Erynn verdrehte die Augen. "Vor allem bist du der lebende Beweis dafür, daß Intelligenz nicht gleichzeitig auch Vernunft bedeutet... meine Güte, jedesmal dasselbe Theater!" Sie wandte sich ab, holte ihren letzten Wasserschlauch aus der Satteltasche und hielt ihn dem Beschwörer mit Nachdruck unter die Nase. "Du kennst dich doch aus mit totem Fleisch. Muß ich dir erzählen was passiert, wenn eine Entzündung zu weit um sich frißt? ...warte, mir fällt gerade ein gutes Beispiel ein, noch aus meiner Zeit in Cheydinhal. Es handelte sich dabei um einen Ork, den die vergiftete Klinge eines Schmugglers erwischt hatte. Er bestand darauf, daß es sich nur um einen unbedeutenden Kratzer handelte. Nun, die Arkaypriester waren in diesem Fall tatsächlich mal zu etwas nutze. Sie konnten sein Leben damit retten, daß sie den Arm schließlich am Schultergelenk abtrennten. Verdammt häßliche Sache, wirklich."

Nein verdammt, ich habe sie nicht gern in meiner Nähe... ich sollte sie in den Brechern des Abeceanischen Meers ertränken... am besten jetzt gleich... Ärger zeichnete sich auf der Miene des Magiers ab. Er dachte nichteinmal daran, nach dem Wasserschlauch zu greifen, stattdessen zog er das Hemd und die Tunika bis fast zum Brustbein hoch, sodass sein Bauch entblößt wurde. 'Es zeigt sich mal wieder, dass du trotz so viel mehr Lebensjahren kein bisschen Erfahrung hast... vermutlich auch genauso wenig erlebt...' Er deutete auf die drei dunklen Flecken, welche etwas seitlich über den Bauchnabel in einer vertikalen Linie zu sehen waren. 'Ein Skalon konnte mich nicht töten und die üblen Krankheiten, die an seinen Klauen hafteten ebenfalls nicht... Und ich versichere dir, dass das weit schlimmer war, als diese etwas eiternde Wunde... ich kenn mich aus mit sterbendem und verwesendem Fleisch, also mach keinen Aufstand und sieh lieber zu, dass du deine eigenen Wunden versorgst.' Er zog die Kleidungsstücke wieder herunter und machte sich dann erneut daran, den Gürtel über der Wunde festzuziehen.

Sie seufzte schwer, setzte das Fläschchen mit dem Heiltrank an ihre Lippen und nahm einen kleinen Schluck. "Zufrieden? Für den Rest brauche ich deine Hilfe, ich komme im Moment nämlich nicht an meinen Rücken dran... und zum Henker, laß den Gürtel wenigstens so lange ab, bis die Fäulnis ausgelaufen ist!" Sie konnte nur den Kopf schütteln über so viel Dummheit. "Ich werde dich nicht anfassen, wenn du nicht willst - vorausgesetzt, du hörst jetzt mit den Spielchen auf, nimmst diesen beschissenen Wasserschlauch und kümmerst dich selber darum! Glaubst du etwa, ich habe Spaß daran, dich alle paar Wochen halbtot mitten in der Wildnis neben einem Lagerfeuer liegen zu haben und zu Akatosh und Molag Bal gleichermaßen zu beten, daß du mir nicht unter den Händen wegstirbst? Machst du das mit Absicht?"

Der Blick des Kaiserlichen verfinsterte sich. Er hielt ihre Augen gefangen. Dann, nach ein paar Herzschlägen zog er das gelochte Ende des Gürtels ruckartig und demonstrativ fest und schloss die Gürtelschnalle. Er ging gar nicht erst auf ihr Geplapper ein, sondern nahm ihr den Trank aus den Händen und machte eine auffordernde Geste. 'Wenn ich dir helfen soll, musst du mir schon sagen, was ich tun müsste...'

Erynn fluchte innerlich. Schlimm genug, daß ich dich um Hilfe bitten muß. Darf ich dir jetzt auch noch jeden Scheiß erklären? Na, fabelhaft... "Ich weiß nur, daß die Haut über dem Bruch aufgeplatzt ist. Keine Ahnung, wie es aussehen mag. Wird auch nicht besser dadurch, daß ich ständig darauf liege. Nimm ein Stück von den Verbänden, den Rest vom Trank und wasch es aus... bitte." Sie ließ sich auf die Knie nieder, während sie darauf wartete, daß Arranges den Kram zusammensuchte. "Übrigens... was ist ein Skalon?"

Arranges hatte sich schon darauf vorbereitet, auszuweichen, sobald Erynn versucht hätte auszuholen... aber sie blieb zumindest äußerlich ruhig. Der Magier hätte jetzt einen Kommentar zu ihren Worten abgegeben, aber das Risiko, doch noch eine zu fangen, wollte er jetzt auch nichtmehr eingehen. Er holte die Verbände und kniete sich dann hinter Erynn. Erst blickte er einen Moment unschlüssig auf den Rücken der Dunmer, während er sich am Kopf kratzte. Dann aber langte er nach dem Hemd und schob es einfach ohne weitere Vorbehalte nach oben. Darunter kam eine zwar relativ kleine, aber dafür arg ausgefranste Wunde zum Vorschein. Na Klasse... Der Kaiserliche konnte wenn überhaupt nur grob operieren, wenn man denn eine vergleichbare Handlung seinerseits bei Verletzten so bezeichnen konnte. Während er einen Streifen des Verbands zusammenfaltete, blickte er auf die Wunde und überlegte, wie er das anstellen sollte. Hmm... an Leichen zu arbeiten hat mir doch auch nie Schwierigkeiten bereitet... dort wurde meine ruhige Hand sogar gelobt... aber ich kann mir doch hier nicht vorstellen, dass Erynn totes Gebein wäre... Skeptisch und fragend schaute er auf das Stück Stoff in seiner Hand. Dann tränkte er es mit etwas Wasser und beäugte nochmals einen kurzen Moment die Wunde. Naja... so lange sie das nicht weiss... Mit der ruhigen und sanften Berührung eines Bildhauers, eines Chirurgen oder Zeichners, säuberte er sorgfältig und präzise die Wunde. Während er noch an der Wunde hantierte, begann er zu sprechen: 'Sicherlich hast du das Portal in der Nibenbucht nicht vergessen... du weisst schon, die Insel, an der wir vorbeikamen, als wir übersetzten. Es ist eine Tür ins Reich Sheogoraths, dem Daedraprinzen des Wahnsinns... Und sicherlich hast du in Cheydinhal mitbekommen, dass ich schoneinmal in einer Oblivionebene war. Ich war vor gar nicht so langer Zeit dort, auf den Zitternden Inseln... und neben all der schieren Pracht und Verliebtheit des Fürsten in sein Reich, ist es mindestens so tödlich wie jenes von Mehrunes Dagon... nur ist die Kreaturenvielfalt um einiges höher... so gibt es dort auch die Skalons. Aggressive sumpfbewohnende Monster, wie du sie noch nicht gesehen habt. Ich glaube nichts, was es im Reich Mehruns Dagons gibt, ist übler, als diese Bestien. Sie sind größer als Oger, flinker als Trolle und stärker als beide zusammen, darüber hinaus greifen sie im Schutze eines Chamälionzaubers an. Die dreigliedrige Klauenpranke von einer dieser Kreaturen ging durch meinen Kettenpanzer wie durch Butter... daher die drei Narbenpunkte...' Er tupfte die Ränder der Wunde nochmals ab und tränkte den Verband dann mit dem Heiltrank und benetzte damit vorsichtig das zerschundene Fleisch. 'Wie äh... soll ich dir beim Verbinden helfen oder willst du die Wunde offen lassen?'

Sie biß die Zähne zusammen, während Arranges die Wunde säuberte. Auf keinen Fall würde sie sich die Blöße geben, jetzt auch nur einmal zu zucken. Gebannt hörte sie zu, während er über Sheogoraths Reich sprach. Ihr wurde bewußt, wie recht er mit den Bemerkungen über ihre geringe Erfahrung hatte. Tausend Fragen schossen ihr durch den Kopf, und so dauerte es einen Moment bis sie registrierte, daß er sie direkt angesprochen hatte.
"Hm...? Nein, laß sie offen. Mit etwas Glück muß ich in Zukunft nicht mehr auf dem Rücken schlafen... du hast Talent, weißt du das? Ruhige Hände." Erynn hockte sich wieder ans Feuer und nahm das Fleisch von den heißen Steinen, reichte eines der Stücke ihrem Begleiter. "Du warst also tatsächlich auf den Zitternden Inseln..." murmelte sie und konnte nicht verhindern, daß sich so etwas wie Bewunderung in ihre Stimme schlich. Es ärgerte sie. Hoffentlich hat er das nicht gemerkt. Sonst habe ich neuen Arroganzanfällen gerade Tür und Tor geöffnet...
"Wir essen jetzt, dann gehen wir weiter", fuhr sie mit fester Stimme fort. "Ich will Anvil so schnell wie möglich erreichen. Du brauchst einen Heiler - am besten schon gestern." Und so lange der dich durch die Mangel dreht, kann ich in Ruhe jagen gehen...

weuze
19.03.2011, 23:01
Ja... ich habe nicht nur ruhige Hände, sondern auch ein sehr schönes Talent dafür, mir eine lebendige Person als tot vorzustellen... Arranges grinste innerlich. 'Und du brauchts dringend mehr auf den Rippen, dann liegst du dich nicht immer derart wund...' Das Konnte Arranges sich nicht verkneifen. Breit grinsend aß er weiter.

Nachdem sie gegessen hatten, brachen sie das Lager ab und machten sich wieder auf den Weg nach Anvil. Die weitere Reise dauerte fast 5 Tage. Arranges begann während sie unterwegs waren, immer mehr zu humpeln. Er verdrängte den Umstand, dass ihm die Entzündung in der Hüfte mehr und mehr zusetzte, aber die zunehmende Blässe in seinem Gesicht war nur schwerlich zu ignorieren. In der Nacht zum 5. Tag gab er sogar völlig freiwillig und ohne auch nur ein Widerwort die Nachtwache an Erynn weiter, er war zu erschöpft um mit ihr darüber zu streiten. Zu allem Überfluss wurde das Wetter auch immer schlechter und als sie am Mittag endlich die Türme Anvils hinter den Hügeln auftauchen sahen, waren sie bereits schon bis auf die Haut durchnässt. Sie gaben die Pferde bei den Stallungen ab und passierten ohne groß aufgehalten zu werden die Tore der Stadt.

'Ich werde mich zu einem Heiler begeben.' Meinte der Magier, als sie auf dem großen Platz am Haupttor standen. 'Du kannst so lange in der Gilde Quartier beziehen oder so... am liebsten würde ich dich ja bei der Magiergilde bei einem Heiler wissen...' Arranges war sichtlich erschöpft und ausgezehrt. Ohne ein weiteres Wort, verabschiedete er sich mit einem stummen Nicken und schlurfte in Richtung Hafentor.

Glannaragh
20.03.2011, 00:41
Nix Magiergilde. Da geh ich nicht hin! Erynn entschied, bis morgen in Anvil zu bleiben. Während der vergangenen Tage hatte sich ihr Zustand enorm verbessert, der Heiltrank entfaltete offenbar Wirkung. Mittlerweile war sie schmerzfrei, auch die Verspannungen, die sie sich infolge ihrer krummen Haltung eingefangen hatte, waren verschwunden. Arranges hingegen sah zusehends fürchterlich aus. Er beklagte sich niemals, doch es war offensichtlich, daß er am Ende seiner Kräfte war. Erynn sprach ihn nicht noch einmal auf die Verletzung an, erwartete jedoch jeden Moment, daß er einfach zusammenbrechen würde. Elender Sturkopf. Wie kann man nur freiwillig dermaßen leiden?
Sie war gut erleichtert, als sie die Hafenstadt endlich erreichten. Der Kaiserliche verabschiedete sich und verschwand, wie schon bei ihrem letzten Besuch hier, in Richtung der Docks. „Wehe, wenn du nicht wirklich einen Heiler aufsuchst! Dann brenne ich dir das Ding mit einem Stocheisen aus“, grollte sie, bevor sich ihr Begleiter außer Hörweite verziehen konnte.

Die Elfin sah sich auf dem großen Platz um und entdeckte ein Schild, das auf den Laden eines Schmieds hinwies. Sie wandte ihre Schritte dorthin und gab den Kürass zur Reparatur ab. Heute hatte sie wirklich keinen Nerv mehr, sich selbst darum zu kümmern. Außerdem orderte sie ein neues Paar Beinschienen. Die Ausbeute aus dem Banditenversteck unter Beldaburo war mehr als ausreichend, und Erynn genoß es, zur Abwechslung mal keine Geldsorgen zu haben. Sie wollte nicht zurück in die Gilde, ohne ihre Aufgabe erfüllt zu haben. Zwar hatte sie zwischenzeitlich darüber nachgedacht, eine wilde Geschichte von einem angriffslustigen Wolfsrudel zu erzählen, verwarf den Gedanken aber wieder. Wenn sie jemand fragen sollte, was sie so lange aufgehalten hatte, könnte sie immer noch darauf zurückgreifen.
Sie nahm sich schließlich ein Zimmer in einer Herberge an der Hauptstraße und verzog sich recht bald mit einer Flasche Wein in Richtung Zuber. Nach einer ganzen Weile, sauber und reichlich beduselt, legte sie sich schlafen. Es war noch recht früh am Tag, aber sie war viel zu geschafft, um noch so etwas wie Hunger zu empfinden.

Erynn erwachte erst recht spät am nächsten Tag. Die Sonne stand schon fast im Zenit, als sie schließlich ihre Rüstung vom Schmied abholte. Dann lenkte sie ihre Schritte zu den Stallungen. Im Hinterland sollten sich ein paar Bären finden lassen. Der Beschwörer dürfte noch für einige Tage außer Gefecht sein, so muß ich mir von ihm wenigstens kein Gemaule anhören, dachte sie einigermaßen zufrieden, als sie das Stadttor erreichte.

weuze
20.03.2011, 01:54
Blablabla... Arranges hätte sich in jeder anderen Situation nochmals zu einer Bemerkung hinreissen lassen, aber er war einfach zu erschöpft. Mühsam schleppte er sich zu den Docks und dort zu Niennas Haus. Arranges war vielleicht noch zwei Schritte von der Tür weg, als selbige nach innen aufschwang und die Nord mit dem Rücken voraus, herauskam. Einige Schriftrollen unter den Arm geklemmt, zog sie mit dem anderen die Tür zu und drehte sich dann zum Gehen um. Als ihr Blick auf den Kaiserlichen fiel, erschrak sie erst und erstarrte dann für einige Sekunden. 'A... Arranges?! Was zum Teufel ist mit dir passiert?'
'Halb so wild... ich brauche ersteinmal nur eine Unterkunft...'
'Schwachsinn! Du brauchst einen Heiler...'
'Das ist der zweite Grund, warum ich zu dir gekommen bin...'
Nienna konnte noch nicht so ganz fassen, was sie sah, schob aber dann die Tür weit auf und winkte den Magier herein.

Drinnen bedurfte es einiger Worte, bis der Magier schließlich nachgab und die Wunde zeigte. Es sah in der Tat wirklich noch übler aus, als bei Beldaburo schon. Das Gewebe um den Einschuss herum war kohlrabenschwarz. Sofort verbreitete sich ein bestialischer Gestank im ganzen Raum und eine dunkelbraune, zähe Masse quoll gähnend langsam aus dem Wundkanal. 'Ein daedrischer Pfeil... vergiftet... ich habe noch zwei davon abbekommen, die Wunden sind aber recht gut verheilt, nur diese hier scheint sich entzündet zu haben. Die Nord starrte nur mit offenem Mund und deutlich besorgt auf die hässliche Wunde. 'Du weisst, was du mir damit abverlangst... und vor allem dir selbst...' Meinte sie schließlich. 'Also gut, setz dich erstmal, ich bereite alles vor...'

Nach einer Weile legte sich Arranges nur mit Hemd und Hose soweit bekleidet, dass Nienna an die Wunde herankam, in die Mitte eines Pentagramms, welches die Nord mit Kreide auf den Boden gezeichnet hatte. Die Tür war verschlossen, die Läden ebenfalls. 'Gut, ich beginne...' Arranges nickte und sie kniete sich neben ihn, legte die Hände links und rechts neben die Wunde und begann Worte in einer fremden Sprache zu murmeln. Arranges hatte das Gefühl, dass sich sein Puls beschleunigte, während sich seine Eingeweide ruckartig immer wieder zusammen zu ziehen schienen. Wellen purer Magie fluteten von den Händen der Nord ausgehend immer wieder seinen Körper. Alles steigerte sich, bis das Mädchen schließlich in einen Rythmus mit ihrem Singsang verfiel und immer laute wurde. Das ist Wahnsinn... ich hätte zur Gilde gehen sollen... Arranges Blickfeld wurde überlagert von vielen bunten Punkten. die Muskeln um die Wunde herum krampften unter der Überstrapazierung der Magie. Und dann war plötzlich alles vorbei... oder vielmehr der Anfang vom Ende. Nienna verstummte. Sie nahm ihre Hände weg und lehnte sich etwas zurück. Nur eine Sekunde später durchbrach ein gurgelnder Laut die Stille. Arranges stöhnte auf, als unangekündigt Schmerz in seinem Kopf explodierte. Das Gewebe um den Wundkanal herum zog sich zusammen und leise schmatzend quoll übel riechender und flockiger Eiter, dunkles Blut und farbloses, aber noch übler stinkendes Wundsekret aus dem ausgefransten Loch. Während der Schmerz unendlich langsam abklang, drang immer mehr der faulen Flüssigkeiten teilweise schäumend und blubbernd aus dem Loch hervor, bis das brüchig wirkende, nekrose Gewebe drum herum aufbrach und sich unter saugenden Lauten vom gesunden Gewebe darunter schälte. Nienna hatte bereits einige Tücher geholt und sah zu, dass es keine zu große Sauerei gab. Nach einigen Minuten, die dem Magier wie die Ewigkeit vorkamen, war alles vorbei. Nienna konnte nun für die kurzen Momente, die das Fleisch brauchte, um die offene Stelle zu schließen, den kompletten Schusskanal, bis hin zum Beckenknochen einsehen. Schlussendlich war nicht mehr übrig als ein handflächengroßer Fleck, der sich deutlich heller vom Rest der Hautfarbe abhob. Die Nachwirkungen dieses Rituals jedoch hatten den Magier für die nächsten Stunden in einen tiefen, dunklen Abgrund gestürzt. In der Zeit kümmerte sich Nienna um die restlichen Schrammen. Allerdings bedurfte es hier keiner weiteren Magie, da das meiste schon beinahe rückstandslos und recht ordentlich verheilt war.

Der Kaiserliche erwachte am frühen Morgen. Er fühlte sich gut und die gewohnte Stärke kehrte wieder in seinen Körper zurück. Aber die Nord wusste um ihren Zauber besser bescheid und hielt Arranges zurück. So musste er bis zum Mittag warten, bis Nienna endlich nachgab und ihn gehen ließ, jedoch nicht, ohne ihm nochmals vorzuhalten, dass er gefälligst auf sich aufzupassen hat und sie ihm das letzte Mal den Standort eines Tors verraten hätte.

Gut gelaunt und mehr oder weniger frei jeder Sorge, trat Arranges durch das Hafentor und kam die Straße herauf. Er war nichteinmal beleidigt, als er Erynn nirgends sah. Mein Pferd kam auch etwas zu kurz in den letzten Tagen... so lange die Dunkelelfe mich nicht belästigt und nervt, werd ich direkt mal noch nach ihm sehen... Er ging durch das Haupttor und hielt auf die Stallungen zu. Gerade kam er um die Bretterhütte herum und das freundliche Gesicht gefror. Ich hätte wetten können, dass ich sie gleich wieder an der Backe habe... Als er an Erynn herantrat, grummelte er ein 'Guten Morgen...' blickte sie fragend an, während er gleichzeitig nach seinem Rotfuchs schielte. 'Hast du noch was zu erledigen? Sonst würde ich nämlich direkt aufbrechen... wir müssen in Skingrad sowieso halt machen, ich brauche neue Armschienen...'

Glannaragh
20.03.2011, 17:00
Erynn zuckte heftig zusammen, als die Stimme des Beschwörers sie erreichte, und fuhr herum. „Arranges? Was zum Geier machst du hier? Du solltest dich ausruhen...“ Verdammt, verdammt, verdammt! Diese Diskussion will ich jetzt echt nicht führen.
„Ich, äh... ja. Ich habe noch etwas zu erledigen. Ich muß ein paar Bärenfelle für die Kriegergilde besorgen. Ungefähr vier... oder fünf.“ Sie beobachtete, wie sich das Gesicht des Kaiserlichen verfinsterte und beeilte sich nachzuschieben: „Aber das kann ich auch allein erledigen. Hatte ich ohnehin vor. Du könntest schon nach Skingrad vorausreiten. Ich kommen dann nach.“ Bitte, bitte, mach jetzt einfach keine Szene...

Normalerweise wäre Arranges dem Vorschlag Erynns sofort nachgekommen, aber die Umstände schränkten ihn in dieser Hinsicht ein und so blieb ihm nichts anders, als weiterhin bei der Dunmer zu bleiben... Obwohl das eigentlich anders herum laufen sollte. Dass sie ihr Vorwärtskommen jetzt mit soetwas wieder behinderte, gab den Ausschlag. Er tippte sich mit dem Finger wortlos an die Stirn. 'Nichts da... weder das eine, noch das andere wird passieren, wir reiten zusammen und zwar ohne weitere Verzögerung nach Skingrad...!'

Was fällt dir ein, mich so herumzukommandieren!? "Sag mir gefälligst nicht, was ich zu tun habe", fauchte die Kriegerin. Sie hatte sich vor diesem Gespräch gefürchtet, und daher einfach nicht die Nerven, zumindest einigermaßen ruhig zu bleiben. "Ich werde dafür höchstens zwei oder drei Tage unterwegs sein. Wie gesagt, reite voraus. Ich kann dich für die Jagd ohnehin nicht gebrauchen." Sie funkelte ihren Begleiter unnachgiebig an. Gerade wieder auf den Beinen und schon wieder ne dicke Lippe riskieren... vergiß es, Magier!

'In viellerlei Hinsicht kann ich dich auch nicht gebrauchen und beschwere mich trotzdem nicht... Warum überhaupt braucht die Kriegergilde jetzt Bärenfelle und warum musst du diese besorgen? Dafür gibts doch Jäger, die dafür vermutlich ohnehin besser bezahlt werden...'

Erynn seufzte genervt. "Warum hast du dann gefragt, ob ich dich begleite?" schoß sie giftig zurück. Im nächsten Moment tat es ihr schon wieder leid. "Vergib mir... nun, die ansässigen Jäger wagen sich aufgrund der Tore nicht mehr aus der Stadt, darum hat die Gilde den Auftrag bekommen. Ich konnte dem Befehlshaber ja schlecht sagen, weshalb ich eigentlich keine Zeit zum Jagen habe, oder? Hör zu, ich kann und will mich da nicht einfach drum drücken. Noch habe ich ein halbwegs normales Leben, und ich werde alles tun, das so lange wie möglich zu erhalten. Keine Diskussion." Sie zog den Sattelgurt um Falchions Bauch fest. "Ich werde jetzt losreiten, um diese Felle zu besorgen, ob es dir paßt oder nicht."

Und da soll noch einmal jemand sagen, der Herr Arranges hätte wohl das umsorgteste und einfachste Leben innerhalb der Gathering... ich will denjenigen sehen, der es länger als zwei Tage mit Frauen aushält, wie ich sie seit Jahren um mich habe... das wird noch sehr spaßig, ich glaube, ich überlasse den neuen Mentor einfach Meisterin Marie... in spätestens einem Jahr dürfte sich das Problem von allein gelöst haben... 'Wenn du glaubst, dass ich das aus irgendeinem anderen Grund als dem des Zwangs machen, hast du dich geschnitten...' Damit rückte er ebenfalls den Sattel seines Rotfuchses zurecht und saß auf.

"Gut, dann wäre das ja geklärt", antwortete Erynn ungerührt. Sie schwang sich in den Sattel und lenkte ihren Wallach auf die Goldstraße Richtung Norden. Kurz vor der Brinakreuzherberge würde sie ins Hinterland abbiegen und sich dort an einem geeigneten Ort auf die Lauer legen. Sie beschloß, Arranges so weit wie möglich zu ignorieren, doch um die Wahrheit zu sagen, bereitete seine Antwort ihr einigen Kummer. An einem Tag sagst du, daß du gern mit mir unterwegs seist, am nächsten würdest du mir am liebsten den Hals aufschlizen, sobald etwas nicht nach deinen Vorstellungen läuft. Kann es für dich denn nichts anderes als Extreme geben? Kannst du nicht einmal über deine eigenen Interessen hinaussehen? Was muß ich tun, um auch nur einen kleinen Funken Menschlichkeit in dir zu wecken?

Die Sonne stand bereits tief im Westen, als sie bei der Herberge in die Wildnis abbogen. Der Kaiserliche hatte während der ganzen Zeit entweder wütend vor sich hingeknurrt und dabei auf seine zerstörten Armschienen gestarrt und daran herumgefingert oder aber die Umgebung beobachtet. Als der Sonnenuntergang das Himmelszelt schließlich in feuriges Rot tauchte, beendete Arranges das Schweigen: 'Wie gedenkst du dieser Bären habhaft zu werden? Ich sehe nämlich nicht ein jedem einzelnen Tier eine halbe Ewigkeit nachzustellen, bevor wir es erlegen und abziehen können...' Er klang weder versöhnlich, noch verärgert.

Sie ließ sich einen Moment Zeit mit der Antwort. Meine Güte, du hast wirklich gar keine Ahnung. Aber ich bin blöde, was? "Es wird ausreichen, nur einen zu finden. Der Kadaver wird die übrigen anlocken. Es sollte auch nicht lange dauern. Bärenspuren sind leicht zu lesen." Sie zögerte einen Augenblick, aus der Sorge heraus, Arranges könnte ihren nächsten Satz wieder in den falschen Hals bekommen. "Und bitte, überlaß es mir, die Tiere zu erlegen. Die Felle müssen möglichst heile bleiben, sonst sind sie wertlos."

'Jaja, ich hab schon verstanden... der grobschlechtige Fleischwolfnekromant soll bloß die Finger aus dem Spiel lassen...' Arranges sagte dies fast ein wenig zu beleidigt, als dass es ernst gewirkt hätte.

"Arranges, ich meine doch nur..." sie brach ab, als sie seinen Gesichtausdruck bemerkte. Verflucht, er schafft es doch immer wieder... "Schon gut. Wir lagern hier. Ich werde das restliche Tageslicht nutzen, um mich ein wenig umzusehen." Erynn glitt von Falchions Rücken und machte sich daran, ihm Zaum und Sattel abzunehmen. Dann klaubte sie so viel Feuerholz zusammen, wie sie finden konnte. "Sobald ich das erste Fell hierher zurückbringe, muß das Feuer die ganze Zeit brennen. Sonst könnte es sein, daß der Geruch wilde Tiere anlockt, die wir hier definitiv nicht haben wollen."

weuze
20.03.2011, 17:53
Der Kaiserliche blieb zurück. Er entfachte ein Feuer und lehnte sich dann missmutig in den Himmel blickend an einen Baum. Von Osten her trieb eine leichte Briese dicke Wolken heran. Na ganz toll... kaum ist ein Tag lang annehmbares Wetter, steht schon der nächste Regen ins Haus... Arranges erhob sich wieder und machte sich daran, zwischen dem Baum, an dem er saß und einem anderen, der nur zwei Meter weiter stand, ein Seil auf Hüfthöhe zu spannen... nur wenige Minuten später hatte er aus dem Seil, ein paar Holzpflöcken und seiner Zeltplane, ein einfaches Zelt als Regenschutz errichtet. Zufrieden schaute er auf seine Konstruktion. Aber während er so auf das Zelt blickte, schob sich ein genervt wirkender Ausdruck auf sein Gesicht. Verdammt, es wird etwas sehr eng da drunter... Sich mit der Tatsache abfindend, dass er um dieser Situation entgehen zu können, wohl wieder die ganze Nacht Wache halten würde müssen, ließ er sich wieder an einem der beiden Baumstämme auf den Boden sinken. Doch kaum saß der Nekromant, trat neben ihm eine Gestalt aus den mittlerweile recht dunklen Schatten, für die ein großes Doppelbett gerade ausreichend Platz zum Schlafen geboten hätte.

'Es stimmt also wirklich... Ihr seid auf eure Weise unzerstörbar Arranges...' Allein die Stimme bereitete dem Nekromanten Gänsehaut und fuhr ihm durch Mark und Bein. Was will der Meister denn... Moment mal... das ist doch keine Begrüßung eines Botschafters?! Fragend blickte Arranges zu dem Hünen auf. Aber es ist ein Botschafter... Noch bevor der Magier genauer fragen konnte, redete der Botschafter weiter: 'Die drei Erwachten Meister schicken mich, um euch eine Bitte zu überbringen.' Die drei... Erwachten Meister?! Er meint doch nicht etwa die Abtrünnigen? 'Ihr habt vermutlich gerade schon erraten, von wem ich spreche? Das würde dem zusprechen, was man mir über euch erzählte, warum man euch im Kreise der Erwachten aufnehmen will...' Was wird das?! 'Sicherlich fragt ihr euch, was das werden soll... nun, lasst mich erklären: Wir, die Erwachten, haben uns von den Einschränkungen und der Kontrollgier der Gathering abgelöst, wir wollen frei jeglicher Beobachtung, unserer Leidenschaft nachgehen... und wir wollen euch in unserer Mitte haben.' Der Magier hätte selbst nicht für möglich gehalten, wie schnell er tatsächlich auf die Beine kommen konnte, aber jetzt stand er mit einer Hand am Schwertgriff vor dem Hünen, der doppelt so breit und locker zwei Köpfe größer war als er selbst.
'Ihr wollt mich also in diesen Kreis irrer und engstirniger Verräter ziehen?!' Fragte er gereizt.
'Nicht doch Arranges... Wir wollen euch an unserer Spitze haben... ihr habt so viel Macht, wie manche Meister in der Gathering, aber davon abgesehen, schmerzt es viele von uns, euch angekettet in eurer Position als Mentor zu sehen... jemand wie ihr hat mehr verdient... eben das freie Studium... ihr sollt nicht länger den Schoßhund für die Großmeister spielen...'
'Was wisst ihr denn schon? Ich werde zu gar nichts gezwungen!'
'Dann habt ihr euch eurem Schicksal wohl schon ergeben?'
'Nein, ich bin gern und freiwillig Mentor... jetzt, da ich eine...' Etwas erschrocken brach Arranges ab. 'Jetzt, da ihr eine Schülerin habt und erkennt, wie so viel mehr Lohn die erfüllte Pflicht eines Mentors abwirft, als ihr ihn davor mit eurer Selbststudie und dem Drang nach immer mehr Wissen, erhalten habt?' Arranges stockte der Atem. 'Ja...' Keuchte er und war beinahe erstaunt über sich selbst.
'Nun, das soll kein Problem sein... natürlich dürft ihr Erynn gern als Schülerin behalten... und um euch unsere wohlwollenden Absichten zu beweisen, stellen wir es euch frei, sie das Kaltblutritual abhalten zu lassen oder nicht... bleibt sie bei der Gathering, muss sie es durchlaufen...' Arranges stutzte einen Moment. Das ist völliger Schwachsinn, Erynn ist ja noch nichteinmal meine Schülerin, was also rede ich da... es macht keinen Sinn, auf dieses Angebot einzugehen... es sind Verräter... darüber hinaus schirme ich die Dunmer sowieso gegen die Großmeister...
'Ich werde niemals auch nur daran denken irgendwelchen Verrätern beizutreten...!' Er riss die Klinge aus der Scheide. 'Ihr wisst, dass ihr keine Chance gegen einen Botschafter hättet...'
'Und wenn schon... ihr könnt mich töten, aber nicht dazu bringen, euch in irgendeiner Weise zu helfen, bei was auch immer... verschwindet!'
'Es ist traurig, wie sich der Gedanke an die Gathering in eurem Verstand festgefressen hat... Nun, vielleicht kommt ihr irgendwann zur Vernunft, lebt wohl Mentor Arranges Moryn.' Und damit war der Botschafter verschwunden.

Glannaragh
20.03.2011, 19:27
Erynn verlor keine weitere Zeit. Sie ging etwa zweitausend Schritte nach Norden, und es dauerte nicht lange, bis sie eindeutige Spuren fand. Ein Pfotenabdruck hier, tiefe Kratzer an einem Baumstamm dort. Um einen besseren Überblick zu bekommen, kletterte sie auf einen der großen, verwitterten Findlinge, welche hier in der Gegend verstreut lagen wie von Giganten geworfene und dann vergessene Murmeln. Ein guter Platz, entschied die Elfin. Groß und steil genug, um eine gewisse Sicherheit vor wütenden Bären zu bieten... Es würde ein verdammt gutes Auge und noch viel mehr Glück vonnöten sein, um eines dieser gewaltigen Tiere mit nur einem Schuß zu erledigen.
Für eine Weile hockte sie still und beobachtete die Umgebung. Tatsächlich erblickte sie einen Bären, ein relativ kleines Exemplar mit dichtem, schwarzen Fell. Noch war es weit entfernt, näherte sich aber nach und nach immer weiter ihrer Position. Langsam, mit größter Vorsicht griff Erynn über ihre Schulter nach nach dem Köcher. Die Dremorapfeile, die sie aus dem Tor mitgebracht hatte, waren dank Gewicht und Durchschlagskraft geradezu ideal für ihr Vorhaben, wenngleich sie sich an die Flugeigenschaften erst gewöhnen mußte.
Das Tier hielt inne, fletschte die Zähne und flehmte. Die Elfin erstarrte mitten in der Bewegung. Komm schon, nur noch ein paar Schritte näher... Der Bär jedoch hatte sie gewittert. Der unstete Wind mußte ihren Geruch zu ihm herübergetragen haben, und so entschied er sich, lieber das Weite zu suchen, anstatt sich etwas auszusetzen, daß er nicht einordnen konnte. „Verdammt...“

Erynn wartete noch eine ganze Weile. Die Sonne versank zusehends hinter den Hügeln, vom Meer her zog leichter Nebel auf. Dann eben nicht. Im Morgengrauen zu jagen, ist mir ohnehin lieber. Sie kletterte von dem Findling herunter und lief in leichtem Trab zum Lagerplatz zurück. Der Kaiserliche hatte sich um das Lager gekümmert und saß am Feuer. Er sah nachdenklich aus, aber das tat er eigentlich immer. Wenn er nicht gerade wütend war.
„Ich habe einen guten Ort gefunden und einen jungen Bären gesehen“, informierte sie ihn. „Ich glaube nicht, daß es der einzige hier in der Gegend ist – ich habe verschiedene Abdrücke und Markierungen gesehen.“ Wie um ihre Worte zu bekräftigen, warf sie mehr Holz auf das Feuer.
Arranges antwortete nicht, und so wandte sie sich ihm zu und forschte in seinem Gesicht. Er sah nicht nachdenklich aus – jeder Muskel in seinem Gesicht war zum Zerreißen gespannt. Gathering! schoß es ihr durch den Kopf und sie fühlte, wie ihr das Blut aus dem Kopf in die Körpermitte schoß. Sie hockte sich neben ihren Begleiter, ihr Gesichtsausdruck wandelte sich schlagartig von zufrieden zu ernsthaft besorgt. „Was ist geschehen?“

weuze
20.03.2011, 20:28
Sie gehen eindeutig zu weit... wird Zeit, dass sie vernichtet werden... es fehlt nur noch ein Siegelstein... und ich sitze hier und jage Bären anstatt dafür zu sorgen, dass diese Bastarde nicht noch weiteres Unheil anrichten können...

Er bemerkte nicht, dass Erynn wieder zurückkam, ebenso drangen ihre Worte wie durch einen dicken Vorhang nur sehr verzerrt und unverständlich zu ihm durch. Erst, als sie sich neben ihn setzte und ihn tatsächlich direkt fragte, was los war, zuckte er zusammen. Er blickte der Dunmer in die Augen. 'Ein Botschafter der Abtrünnigen war hier...' Arranges sah wieder ins Feuer. 'Die Abtrünnigen wollten mich auf ihre Seite ziehen. Er hat versucht, mich mit Schmeicheleien zu ködern. Als ich ihm klargemacht hatte, dass das nichts wird, bot er an, dass ich, würde ich mich ihnen anschließen, mich entscheiden dürfte, euch als Schülerin ein bestimmtes Ritual abhalten zu lassen oder nicht... dabei geht es aber eher um die Anerkennung zum Mentor... aber das nur als Nebensache... die falschen Schweine haben vieles aus der Gathering übernommen, wollen aber eine eigene Gemeinschaft ohne das kontrollierte Studium, wie wir es in der Gathering haben, aufbauen... das kann ich allerdings nicht ganz glauben, es hat gute Gründe, warum die Gathering vieles beobachtet, was ihre Mitglieder tun... da ist noch etwas anderes...'

Glannaragh
20.03.2011, 21:08
Die Kriegerin hörte fassungslos zu, während Arranges erzählte. Die Bedrohung durch die Abtrünnigen, bisher ständig präsent aber irgendwie dennoch diffus und weit weg, war mit einem Schlage sehr viel näher gekommen. „Ich hätte nicht gedacht, daß sie so dreist sein könnten...“ flüsterte Erynn, dann verstummte sie wieder, stützte den Kopf in die Hände und dachte nach.
Sie haben uns einmal gefunden, sie können uns ein weiteres Mal finden. Wissen sie, welchen Auftrag wir haben? Warum haben sie Arranges nicht getötet, und mich gleich dazu? Ist er wirklich mächtig genug, daß es den Versuch wert ist, ihn auf ihre Seite zu ziehen? Sie warf dem Beschwörer einen verstohlenen Blick durch ihre Finger hindurch zu. Hast du eine Schwachstelle, Nekromant? Gibt es etwas, mit dem die Abtrünnigen dich bedrohen oder verführen können, daß du die Seiten wechseln würdest? Und was habe ich damit zu tun? Was für ein Ritual?
„Du hattest Recht“, sagte sie schließlich. „Ich habe die Situation unterschätzt.“ Mit einem Ruck stand sie auf, schob das Feuer auseinander und trat es aus. „Pack zusammen. Wir reiten nach Skingrad, jetzt sofort.“ Erynn sah sich zu ihrem Begleiter um. „Schau mich bitte nicht so an. Ich sagte doch schon, daß ich die Lage verkannt habe.“

weuze
20.03.2011, 21:53
Und mit einem Mal saßen sie im Dunkeln. Was zur Hölle?! Arranges war völlig überrumpelt von ihrer sprunghaften Reaktion. Er hatte zwar den Drang dieser Verräterei den Garaus zu machen, aber so eine übertriebene Hetze war nicht angemessen, schon gar nicht jetzt, da sie vermutlich sowieso nicht nur mehr unter der Beobachtung der Gathering standen, sondern auch unter jener der Abtrünnigen, also ging der Wert von Erynns Impuls, jetzt so schnell wie möglich vorwärts zu kommen und den dritten Siegelstein zu holen, gegen null.

'Nun mach mal halblang...!' Arranges stand auf und legte der Dunmer sachte eine Hand auf die Schulter um ihre volle Aufmerksamkeit zu bekommen. 'Es würde nichts bringen, jetzt zu hetzen... Wenn wir tatsächlich beobachtet werden, kann jede überstürzte Handlung hässliche Auswirkungen haben... Davon mal abgesehen warst du im Gegensatz zu mir nicht bei einem Heiler... du brauchst noch eher Ruhe...' Er konnte im Schein der Sterne sehen, dass sie ihm nicht so ganz abnahm, was er sagte. Er atmete hörbar aus. 'Glücklicherweise handeln wir nach meinem Gutdünken... und ja, ich entscheide, dass wir die Nacht hier verbringen werden...!' Er zog die Hand zurück, schob das Feuer wieder zusammen und entfachte es neu.

Glannaragh
20.03.2011, 23:19
„Ich brauch keinen Heiler. Es geht mir gut... nein, verdammt, es geht mir nicht gut! Sie ließ sich auf die Knie sinken und vergrub den Kopf in den Händen. „Ich habe noch nie einen praktisch unsichtbaren Feind im Nacken gehabt. Ich bin Jäger, keine Beute“, wisperte sie tonlos. „Außer vielleicht... in der Ruine, aber das... das war schnell vorbei. Ich will hier weg!“
Erynn schluckte hart. Sie würde auf keinen Fall anfangen zu heulen, nein, diese Blöße würde sie sich nicht geben. Aber sie wollte weg von hier, irgendetwas tun, nur nicht diesen Moment ertragen müssen, in dem sie nicht handeln konnte.
Dennoch, kopflos loszurennen, war tatsächlich keine gute Idee. Auf einer eher verstandesmäßigen Ebene begriff sie Arranges’ Argumentation, was jedoch nichts daran änderte, daß sie sich wie auf dem Präsentierteller und völlig ausgeliefert fühlte. Denk nach, Erynn, denk nach! Du mußt dich endlich beruhigen. Es half alles nichts. Die Situation war ihr schneller entglitten als sie schauen konnte, und jetzt bekam sie den Scherbenhaufen ihrer Vernunft nicht wieder zusammengesetzt. Sie wußte noch nicht einmal, warum sie gerade so empfand oder aus welcher finsteren Ecke ihres Geistes der Panikanfall sie angesprungen hatte.
Trotz allem bewegte sie sich nicht, hielt still, als sei sie paralysiert und konzentrierte sich darauf, möglichst tief zu atmen. Lektionen aus der Anfangszeit in der Kriegergilde fielen ihr ein, aber angesichts der Realität war alle Theorie grau.

Langsam verging die Attacke, und sie hob den Kopf, als halbwegs gescheites Denken wieder einsetzte. Sie verbog sich, bis sie im Schneidersitz saß, zog langsam ihr Schwert und legte sich die Klinge quer über die Oberschenkel. Der Anblick des kühlen Stahls gab ihr eine Art Sicherheit. „Also gut. Bleiben wir also hier.“ Ihr Blick schweifte über die dunkle Landschaft. Was zum Henker ist gerade geschehen? So kenne ich mich gar nicht...

weuze
21.03.2011, 00:20
Zum Glück habe ich ihr nicht gesagt, was die Botschafter neben ihrer Hauptaufgabe der Nachrichtenübertragung noch für eine Funktion haben... gegen deren Waffenarsenal und Brutalität wirken viele der Meister eher wie ein schlechter Witz... Arranges widerstand dem Drang, einer blöden Bemerkung. Und zum Glück ist sie nicht wirklich meine Schülerin...

Der Kaiserliche setzte sich neben Erynn und wartete, bis sie sich wieder beruhigt hatte. 'Mach dir keine Sorgen... der Botschafter wird nicht angreifen... und mit der Gewissheit beobachtet zu werden lebst du ohnehin schon, seit ich dich in Skingrad gebeten habe, mich zu begleiten... Und selbst wenn wir angegriffen werden sollten, hätte ich kein wirkliches Problem mit denen.' Das war schlicht gelogen. Einem Mensch oder Mer, der durch zahlreiche grauenhafte alchemistische und rituelle Widerwärtigkeiten zu einem Fleischberg, bestehend aus reiner Muskelmasse, messerscharfer Intelligenz und unzähligen Kilos Waffenstahl geformt wurde, hatte er nur wenig entgegen zu setzen. Aber er wollte Erynn ein wenig Rückhalt geben. Bei einem Blick auf das Schwert in Erynns Schoß fiel ihm wieder ein, dass er selbst ebenfalls nur ein Stahlschwert hatte. Verdammt, ich wollte mir in Anvil doch wieder ein Silberschwert kaufen...

'Du wirst heute Nacht vermutlich keinen Schlaf mehr finden, oder?' Arranges erhob sich. 'Dann kannst du auch die erste Wache übernehmen.' Sagte er schließlich, während er zum Zelt hinüberging und damit begann, Arm- und Beinschienen, sowie die Stiefel auszuziehen. Er überlegte noch einen Moment und nahm dann den Rest seiner Rüstung ebenfalls ab. Schon bei dieser Aktion kündigte sich die Quittung an, die Arranges Körper für die unnatürliche und brachiale Heilung seiner Hüftverletzung ausgab. Die Heilkünste der Nord basierten auf einer anderen Grundlage. Der Körper war Tage danach meist sehr viel schneller erschöpft als im Normalfall und Arranges hatte diese Grenze gerade erreicht. 'Weck mich, wenn die halbe Nacht vorrüber ist... und bitte, mach keinen Blödsinn. Lass das Zaubern sein und lauf nicht Amok gegen die Pferde. Du wirst die Anwesenheit der Botschafter nicht bemerken, eher bildest du dir irgendetwas ein... du hast eigentlich nichts zu befürchten außer die wilden Tiere...' Meinte er noch müde, bevor er sich in das Zelt verkroch. Erleichtert richtete er sich unter der Plane ein und stellte fest, dass das Zelt von außern kleiner wirkte, als es tatsächlich war. Sich nicht weiter um den Platz scherend, bettete er sich großzügig und leicht schräg liegend auf der doppelt gelegten Decke auf dem Boden. Die gnadenlose Erschöpfung zwang ihn schließlich schnell in das Reich der Träume, ohne, dass er sich noch hätte weiter um Erynn oder sonstetwas hätte sorgen können.

Glannaragh
21.03.2011, 16:14
Ich werde bestimmt nicht anfangen hier rumzuzündeln, dachte sie und brachte es tatsächlich fertig, spöttisch zu salutieren. Die Erinnerung an das letzte Mal reicht mir völlig... Und nein, auch Schlaf würde sie in dieser Nacht kaum finden.
Sie konzentrierte sich auf die Geräusche in der Umgebung, doch es war nichts Ungewöhnliches zu hören, als seien sie tatsächlich allein in der Wildnis. Vielleicht waren sie das auch, aber allein die Vorstellung, daß von irgendwoher unsichtbare Augen sie beobachteten, war zermürbend. Erynn zuckte zusammen, als Arranges anfing leise zu schnarchen, entspannte sich daraufhin aber gleich wieder. Wie konnte ich nur dermaßen austicken...? Verflucht, ich bin doch kein Kind mehr! Erynns Gedanken schweiften wieder zu der Gathering, jener Organisation, über die sie trotz allem, was sie gesehen oder gehört hatte, noch immer nur so wenig wußte. Tatsächlich wirkten die Mitglieder, welche sie auf dem Stützpunkt in Morrowind gesehen hatte, auf den ersten Blick tatsächlich so, wie sie sich einen Haufen verschrobener Gelehrter immer vorgestellt hatte: Roben, Versammlungen mit viel Palaver und Jungspunde, die in total übertriebener Ehrfurcht zu den Ranghöheren aufschauten. Die Kriegergilde war da pragmatischer. Natürlich gab es eine Rangordnung, aber einen Protektor allein aufgrund seiner Position auf einen fast gurumäßigen Sockel zu heben, war nicht nur undenkbar, sondern auch schlicht peinlich.
Aber nur auf den ersten Blick... sie erinnerte sich, wie sie selbst zitternd vor den Großmeistern gestanden hatte wie das Kaninchen vor der Schlange. Die unglaubliche arkane Macht war selbst für ihre ungeübten Sinne spürbar gewesen und hatte sie getroffen wie ein Hammerschlag. Verstörend, bestenfalls. ... und genau deshalb ist es mir nach wie vor unverständlich, wie jemand die Stirn haben kann, sich aus diesem Verein rauszuwinden und dann auch noch die Dreistigkeit besitzt, völlig unverhohlen Mitglieder abzuwerben... das kann doch kein gutes Ende nehmen. Wie kommen diese Abtrünnigen bloß darauf, daß sie eine Chance haben könnten? Ich begreife das einfach nicht...
In diesem Moment bereute die Kriegerin ehrlich, ihrem Begleiter versprochen zu haben in diesem Punkt nicht weiter nachzuhaken. So konnte die Antwort auf diese Frage wie so oft nur ‚verrückte Magier’ lauten, auch wenn das natürlich keine Details erklärte. Und sie hatte die Blackwood Company für ein Problem gehalten...

Erynn hatte keine Ahnung, wie spät es wohl sein mochte. Der Abendnebel hatte sich verzogen, aber es hatte längst angefangen zu nieseln und schwere, dunkle Wolken verdeckten die Sicht auf Masser und Secunda. Das Zischen des Feuers, wenn die Regentropfen darauf trafen, überdeckte alle anderen Geräusche. Die Elfin überwand sich, stand auf und schritt einen Kreis um das Lager ab, um sich zu vergewissern, daß sich nichts und niemand unbemerkt nähern konnte. Ihr Blick wanderte zu den Pferden. Sie ließen die Köpfe hängen, aber während der Fuchs das Mistwetter mit stoischer Ruhe ertrug, schüttelte sich Falchion immer wieder und stampfte dann und wann unwillig mit den Hufen. Die Erkenntnis, wie sehr das Gebaren der Tiere dem ihres jeweiligen Besitzers ähnelte, ließ trotz ihrer Nervosität ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht huschen. Nun, so lange ihr beide euch nicht aufregt, wird sich wohl kaum etwas Bedrohliches nähern...

Sie kehrte zum Feuer zurück und wartete. Irgendwann drehte der Wind und trieb die Wolken nach Norden vor sich her, zerriß den finsteren Schleier an einigen Stellen und ließ Secundas schmale Sichel für einige Augenblicke hindurchschimmern. Es war tatsächlich spät geworden, die Nacht würde nur noch wenige Stunden dauern. Zeit, ein wenig Ruhe zu finden... wenn ich denn kann. Erynn weckte Arranges und verkroch sich dann selbst unter der Plane. Es dauerte nicht lange bis sie, erschöpft von ihren Grübeleien, in einen leichten, unruhigen Schlaf fiel.

weuze
21.03.2011, 20:36
Arranges war noch längst nicht ausgeruht, als Erynn ihn weckte, aber nach einem kurzen Moment zwang er sich doch noch aus dem Zelt und setzte sich ans Feuer. Er hatte kein wirkliches Problem mit dem Gedanken daran, dass hier irgendwo noch dieser Botschafter war. Würde er es darauf anlegen, wären sie beiden innerhalb weniger Minuten einfach tot. Der Kaiserliche schichtete das Feuer nochmals ordentlich auf und wartete dann bis zum Morgengrauen.

Es dämmerte gerade, als Arranges am Feuer sitzend, plötzlich den Kopf hob und angestrengt lauschte. Was war das? Ein entferntes Krachen trockenen Holzes hatte Arranges aufschrecken lassen. Der Magier erhob sich schwerfällig und blickte umher. Zu seinem Unbehagen spürte er leichte Erschütterungen im Boden. Als sein Blick zu den Pferden wanderte, sah er, dass diese die Ohren angelegt hatten und nervös mit den Hufen scharrten. Was zur Hölle ist das... Das Terrain Colovias war zudem auch noch eher schwer zu überblicken. Hohes, güldenes Gras versperrte den Einblick auf das Land rundherum. Die Pferde drehte den Kopf plötzlich in eine eindeutige Richtung. Arranges folgte ihrem Blick und erstarrte für eine Sekunde. Ein größeres Geschöpf mit dunklem Fell kam in gestrecktem Sprint auf ihn zu. Anhand dem Bisschen, was er erkennen konnte, lief das Ding auf allen vieren. Die Kreatur war noch gut 50 Meter entfernt, als der Magier sich langsam aber sicher ernsthafte Gedanken darüber machte, ob das Wesen nun angreifen würde oder nur einige Meter neben dem Lager ein Beutetier erblickt hatte...

Ein lautes, tiefes Brüllen donnerte über das Lager hinweg, die Kreatur war heran und Arranges Ausdruck wandelte sich zum blanken Entsetzen. Ein außerordentlich großer Bär stürmte auf ihn zu und schien ihn als sein Frühstück erwählt zu haben. Der Nekromant handelte mehr instinktiv, als durchdacht, was er in nur wenigen Sekunden bitter bereuen würde... Er streckte einen Arm vor und kurz darauf erreichte ein Zauber die Bestie. Noch im Flug, stürtzte das Untier auf den Kaiserlichen zu, bevor der schwere Leib vom Eigengewicht über dem Magier auf die Erde gezogen wurde und ihn fast ganz unter sich begrub. Arranges bemerkte, wie ihm die Luft aus den Lungen getrieben wurde, sein gesamter Torso wurde gequetscht. Fellhaare behinderten seine Atmung, da auch sein Kopf beinahe ganz unter dem Bären begraben lag. Der Kaiserliche spürte die Atmung und das Grollen des Bärs, der sich nicht mehr aus eigener Kraft hochstemmen konnte. Und er selbst hatte nur einen Arm frei, der nicht unter dem massigen Leib begraben lag.

Arranges brüllte so laut und viel, wie es die wenige Luft, die durch die dicke Wolle des Bärs drang, zuließ, nach Erynn, während er hektisch mit dem freien Arm winkte und wedelte.

Glannaragh
21.03.2011, 21:40
Erynn schreckte hoch, als sie das Gebrüll eines Bären vernahm. Von einem Moment auf den anderen war sie hellwach und sprang auf die Füße – gerade rechtzeitig um zu sehen, wie das massige Vieh von einem ihr nur zu bekannten Zauber getroffen wurde und den Kaiserlichen unter sich begrub. Für einen Moment stand sie fassungslos, fing sich aber schnell wieder. Sie stürzte zurück unter die Plane und löste das Seil vom Sattel des Rotfuchses. Hätte nicht gedacht, daß ich mal froh darüber sein würde, daß Arranges dieses Ding mit sich schleppt...
Die Elfin hastete zu den Pferden. Falchion war, wie befürchtet, starr vor Schreck und zu nichts zu gebrauchen. Kurzerhand legte sie das Seil dem Fuchs um und ließ die Schlinge dabei so weit, daß die Hauptlast später auf seiner Brust statt auf seinem Hals liegen würde. Dann packte sie das Tier kurzerhand beim Schopf und führte es näher an den Bären heran. Es schnaubte nervös, war aber abgebrüht genug, um ihr zu folgen. Erynn band das andere Ende des Seils um den Hals des verhinderten Angreifers und eilte dann zu dem Roten zurück.
„Zieh an“, schrie sie dem Tier entgegen und versetzte ihm einen leichten Schlag auf die Flanke. „Los, beweg dich!“

Das Pferd verlor letztendlich die Nerven, als es feststellte, daß das Raubtier an ihm hing, verdrehte die Augen, bis fast nur noch das Weiße darin zu sehen war und stemmte sich mit Macht in das improvisierte Geschirr. Es wirbelte Grasbüschel auf, faßte schließlich Tritt und zog das Biest von dem Beschwörer herunter. Allein, stehenbleiben würde es in dieser Situation nicht mehr. Erynn ließ den Fuchs laufen, zog ihr Schwert und kappte das Seil. Es zersprang mit einem Knall, und der Fuchs stürmte zurück zu Falchion, dabei mehrmals ungezielt nach hinten auskeilend. Schnaubend, mit zitternden Flanken blieb er schließlich stehen und bedachte die Kriegerin mit einem eindeutig anklagenden Blick.
Zufrieden, daß er sich nicht in den Resten des Seils verheddert hatte, wandte die Elfin sich wieder dem Bären zu. Ein älteres Männchen, aber glücklicherweise nicht allzu groß. Sie sprang auf seinen Rücken, setzte ihm die Spitze ihres Schwertes zwischen die Schulterblätter und trieb die Klinge weit in den Leib des Raubtiers. Es bäumte sich noch einmal eine Handbreit hoch auf, sogar gegen den Zauber, und lag dann still. Eine erstaunlich breite Palette an Flüchen lag Erynn auf der Zunge, aber sie schluckte sie alle herunter. Es war keine besonders geschickte Art, ihrer Sorge um den Magier Ausdruck zu verleihen. „Bist du in Ordnung?“ fragte sie stattdessen, als sie sich neben ihn kniete.

weuze
21.03.2011, 22:19
Arranges hatte schon fest damit gerechnet, dass Erynn sich einfach aus dem Staub gemacht hätte und er hier unwürdig unter den Massen dieses idiotischen Bärs abkratzen würde, anstatt von dem Tier zerfetzt zu werden. Er sah keine Möglichkeit, sich von allein zu befreien, den Zauber zu lösen würde ebenfalls seinen Tod bedeuten. Um so erleichterter war er, als das drückende Gewicht endlich nachließ. Japsend und hustend sog er die Luft in seine Lungen. Aber schon nach zwei tiefen Atemzügen ließ er auch das bleiben, da sein Brustbein und allgemein der komplette Brustkorb mit den Lungen zusammen arg gequetscht worden war und ihm jetzt Schmerzen beim Atmen bescherte.

Erynn kam von der Seite in sein Blickfeld. Sehe ich so aus, als wäre bei mir alles in Ordnung? Ja sicher doch, ich bin nur gerade eben von einem Bär plattgewalzt worden, aber sonst geht es mir hervorragend... mir ist schon klar, dass der Bär von deinen spitzen Knochen ganz automatisch wieder heruntergesprungen wäre... würde ich auch machen... aber sonst, danke der Nachfrage... 'Nein, bei mir ist nicht alles in Ordnung verdammt...!' Immernoch japsend und um Atem ringend, setzte er sich auf. Einen Augenblick später wuchtete er sich hustend und keuchend auf die Beine, während er allerdings mit einem Arm seinen Brustkorb umschlungen hielt. Wütend blickte er sich nach dem Bären um, als sein Blick auf das Tier viel, hob er die andere Hand, welche sogleich von einer in den Augen schmerzenden, grellen Flammenkugel eingehüllt wurde. Er fletschte die Zähne wie ein tollwütiger Wolf und sein Atem beschleunigte sich für einen Augenblick... Dann aber verpuffte der Zauber in seiner Hand wieder und sein Gesicht, ebenso wie sein Atem wurden entspannter.

'Da, jetzt hast du deinen ersten Bären... da können wir die anderen drei grade auch noch erlegen...' Sagte er nur noch ein wenig außer Atem und ließ sich ohne den Arm um seine Brust sinken zu lassen, an einem der Baumstämme auf den Boden gleiten.

Glannaragh
21.03.2011, 23:15
Ja, hervorragend. Das Vieh liegt mitten im Lager, du bist schon wieder kaputt und nicht zuletzt beobachten uns vermutlich irgendwelche finsteren Gestalten... außerdem, was heißt ‚wir’? Willst du nochmal den Köder spielen? Gar keine blöde Idee, eigentlich.
Sie seufzte schicksalsergeben, befreite den Fuchs von dem Seil und holte dann Sattel und Zaum ihres Wallachs. Ob es Falchion nun paßte oder nicht, er würde das Biest wegschleppen müssen. Er wird sich gefälligst daran gewöhnen. Wozu hab ich mir sonst ein Arbeitspferd zugelegt?
Nach einigem Gehampel hatte das Pferd anscheinend begriffen, daß der Bär es nicht mehr anspringen würde. Sie schleifte den Kadaver ein gutes Stück weg vom Lager, bis in die Nähe des Findlings, den sie am Tag zuvor ausfindig gemacht hatte und begann, dem Tier das Fell abzuziehen. Es war schweißtreibend, und die allgegenwärtigen Fliegen taten ihr Übriges um sie daran zu erinnern, warum sie sich dazu entschieden hatte, nicht den Beruf ihres Vaters zu übernehmen. Nach einer Weile hatte sie die Decke jedoch herunter und sich selbst nicht allzu sehr eingesaut. Erynn nahm auch die Krallen mit. Irgendwer bezahlte immer für solchen Tand.
Sie entschied, den Wallach zurückzubringen und bei der Gelegenheit auch gleich nach Arranges zu sehen. Vermutlich würde er zetern und sie für diese ganze Sache verantwortlich machen, aber das, so wußte sie mittlerweile, war ein sicheres Anzeichen dafür, daß er den Kopf noch nicht unter dem Arm trug. Vielleicht sollte ich doch irgendwann eine Familie gründen. Wenn ich den Kerl aushalte, sollten trotzige Kinder kein Problem darstellen...
Am Lager angekommen, breitete sie das Fell aus und warf dem Magier einen Blick zu. Er lehnte noch immer zusammengesunken an dem Baum, sah aber nicht unbedingt schlechter aus als noch vor einer Stunde. Erynn holte ihren Bogen und machte sich bereit, zu dem Findling zurückzukehren. „Brauchst du irgendwas?“ fragte sie, bevor sie sich wieder auf den Weg machte.

weuze
21.03.2011, 23:50
Ich weiss, was ich nicht brauche... und das ist dein... gruslige Fürsorge! 'Na los, mach dich dünne, bevor ich mir überlege mitzukommen...' Sagte Arranges mit gespielter Bosheit und winkte schwach mit einem Arm.

Die Zeit, die Erynn auf der Jagd war, verbrachte Arranges damit, Feuerholz zusammen zu suchen, das Zelt neu zu errichten und sich seine Rüstung wieder anzulegen. Erstaunt stellte er fest, dass diese normalerweise recht einfachen Tätigkeiten recht lange dauerten. Er konnte zwar die Arme über den Kopf heben, aber alle paar Minuten musste er einige Augenblicke erst wieder durchatmen. Verfluchter Bär... wehe, das hat sich nicht gelohnt, dann liegt Erynn bald in schönstes Rot gehüllt neben dem felllosen Bärenkadaver... und ich habe etwas, das ich Meisterin Marie bei der nächsten Gelegenheit als kleine Wiedergutmachung schenken könnte... ja, ich glaube die Haut einer Dunmer nennt sie bis jetzt noch nicht ihr Eigen... Die restliche Zeit langweilte Arranges sich und wartete, auch wenn er sich das nicht eingestand, auf die Rückkehr Erynns. Er achtete sorgfältig auf irgendwelche Anzeichen, die auf einen Botschafter hindeuten könnten, aber es war praktisch unmöglich einen zu spüren oder zu erblicken, wenn sie das nicht ebenfalls wollten. Er gab es schnell auf, es würde zu nichts führen...

Als die Dämmerung einsetzte, entfachte der Magier wieder das Feuer. Es war ein relativ großes Feuer und nachdem die Sonne ihre letzten Strahlen über den Rand der Erde schickte, sah er die dunkle Silhoutte der Kriegerin auf das Lager zukommen.

Glannaragh
22.03.2011, 01:20
Erynn ignorierte sein Gegifte und verschwand nach Norden. Zickig wie eine Prinzessin! Der Gedankengang führte dazu, daß sie sich den Beschwörer unwillkürlich in einem pastellfarbenen Rüschenkleid vorstellte, und das hob ihre Laune für den Rest des Tages beträchtlich.
An ihrem Felsen angekommen, stellte sie sich auf eine längere Wartezeit ein. Der Tag war längst zu weit fortgeschritten, als daß sie glaubte, daß noch viele Bären unterwegs sein würden. Sie wurde jedoch positiv überrascht, als das kleine Tier vom Vortag wieder auftauchte und sich dem Kadaver näherte. Er schnüffelte mißtrauisch, kam dann zögerlich heran, als erwarte es, daß von irgendwoher ein Konkurrent auftauchen könnte. Erynn legte einen Pfeil auf die Sehne. Der Räuber nagte vorsichtig an dem Fleisch, und nach einigen Minuten befand er sich in einem guten Winkel zu der Elfin. Sie zog die Sehne zurück, löste und griff bereits nach dem nächsten Pfeil. Ihr Beute strauchelte, kam wieder hoch und wandte sich ihr zu. Sie erhob sich und setzte den nächsten Pfeil in das aufgerissene Maul des Tieres, als es sich auf die Hinterbeine stellte. Es schwankte, fiel und lag reglos. Schlimmer als Wildschweine...
Erynn häutete auch dieses Tier und sah sich dabei immer wieder um. Jetzt, da sie ihr Pferd nicht dabei hatte, mußte sie doppelt aufpassen, nicht von einem anderen Raubtier überrascht zu werden. Vielleicht hätte ich den Beschwörer doch mitnehmen sollen, überlegte sie müßig, während sie sich mit dem Fell wieder auf den Findling verzog. Ein Zauber wie jener, den er vorhin geworfen hat, würde einiges an Mühe sparen.
Lange Zeit geschah nichts, außer daß sie sich langweilte und die Fliegen sie nervten. Sie beobachtete einen einzelnen Wolf, der einen großen Bissen ihres Köders wegschleppte und hoffte im Stillen, daß er nicht noch ein Rudel in der Nähe hatte. Erst, als die Sonne schon tief stand, hatte Kynareth ein Einsehen. Dieser Bär war weit größer als die beiden anderen, und sie wurde ziemlich nervös, nachdem ihr erster Schuß nicht richtig saß und das Raubtier blindwütig versuchte, den Findling zu erklimmen, auf dem sie hockte. Diesesmal wurde sie gestört, während sie ihrer Beute das Fell abzog. Sie machte sich gar nicht die Mühe, sich nach dem knurrenden Geräusch umzusehen, und flüchtete auf höheres Terrain. Es war ein älteres Tier, dessen Pelz sich schon an mehreren Stellen grau färbte.

Zu Tode erschöpft, aber durchaus zufrieden kehrte sie schließlich mit den drei Fellen zum Lager zurück. In nächster Zeit, so schätzte sie, würden sie wohl vor ungebetenen Besuchen diverser Raubtiere verschont bleiben. Die praktischerweise schon ausgepackten Kadaver nur ein Stück entfernt sollten ein leichter zu erlangendes Abendessen darstellen.
Erynn breitete die Felle aus und machte sich über ein Stück harten Käse her. Sie hatte tatsächlich den ganzen Tag noch nichts gegessen. Manchmal vergaß sie das eben einfach.

„Meinetwegen können wir los“, sagte sie zwischen zwei Bissen. „Ich habe alles zusammen, was ich brauche.“ Es sei denn, du hättest plötzlich einen bedenklichen Anfall von Vernunft und würdest es vorziehen, dich noch eine Nacht lang auszuruhen. Aber nein, ich weiß... fliegende Schlammkrabben und so...

weuze
22.03.2011, 13:17
Arranges war fast ein bisschen beeindruckt, als er sah, dass Erynn tatsächlich nochmal drei Felle holen konnte. Ihre Worte hingegen nahm er mit gemischten Gefühlen wahr. Naja, an erster Stelle steht nun, die Abtrünnigen nicht wissen zu lassen, was ich genau zu tun habe... sie scheinen es noch nicht zu wissen, sonst hätte der Botschafter mir gestern die Siegelsteine einfach abgenommen... es wäre mehr als verwirrend, wenn wir jetzt wieder nach Anvil reiten und schlicht die Felle zur Gilde bringen würden... 'Gut, dann brechen wir direkt auf...' Recht schnell hatten sie das Lager abgebrochen und als Sekunda und Masser von Osten her am Firmament erschienen, ritten sie los.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie die Straße wieder erreichten und als sie den Hang zur Hafenstadt hinunterritten, war beinahe die halbe Nacht vorrüber. Am Tor gab es keine weiteren Probleme. Die Tatsache, dass sie die Felle dabei hatten und sich so mehr oder weniger als Jäger ausgeben konnten, gab dem Wächter genug Grund, sie nicht aufzuhalten. Arranges war sichtlich erschöpft und sein Atem pfeifte kaum hörbar, als er sich auf dem Platz von der Dunmer verabschiedete. 'Ich werde mir ein Zimmer nehmen... gute Nacht...' Damit drehte er sich um und schlurfte davon.

Bei einer der Tavernen angekommen, musste er erst den Wirt herausklopfen, welcher nicht wirklich erfreut darüber war, sein Geld aber trotzdem annahm und ihm ein Zimmer überließ.

Glannaragh
22.03.2011, 18:22
Sie erreichten Anvil in finsterster Nacht. Erynn tappte zum Gildenhaus und begab sich direkt in den Schlafsaal, ließ Felle und Ausrüstung einfach neben einem freien Bett fallen und legte sich hin. Trotz ihrer Erschöpfung schlief sie unruhig, träumte seltsame, verworrene Dinge, an die sie sich am nächsten Morgen nur noch unzusammenhängend erinnern konnte. Daedra kamen darin vor, und Zombies. Was eines mit dem anderen zu tun hatte, konnte sie jedoch beim besten Willen nicht mehr sagen.
Als die Elfin schließlich erwachte, waren alle anderen Söldner längst auf den Beinen, und sie sah sich einen Moment lang desorientiert um, bis ihr wie der einfiel, wo sie sich befand. Abgrundtief seufzend schwang sie die Beine über die Bettkante und stützte den Kopf in die Hände. Sie haßte es, aufstehen zu müssen, und überhaupt – bequem schlafen ging anders. Nachdem sie die Nackenwirbel ein paarmal vernehmlich hatte krachen lassen, ging es ihr etwas besser. Warum nur bin ich so furchtbar müde? Ist ja nicht so, daß ich mich gestern übermäßig hätte anstrengen müssen... Unzufrieden betrachtete sie ihr Spiegelbild im Wasser einer Waschschüssel. Tatsächlich, ihre Augen lagen tief in den Höhlen und brannten in einem intensiven Rot, als trüge sie selbst etwas von den Feuern Oblivions in sich. Die beiden Narben auf ihrer Wange zeichneten sich schneeweiß und deutlich gegen die umgebende graue Haut ab. Sie wirkte wie ein abgehalfterter Veteran.

Erynn raffte sich auf und sagte dem Gildenleiter bescheid, daß sie die Felle hatte. „Was hat Euch so lange aufgehalten?“ fragte er nur. „Ich war schon drauf und dran, den Auftrag jemand anderem zu geben.“ Erynn nuschelte etwas von Banditen nördlich der Stadt und nahm den Tadel ansonsten stoisch hin. Sie war nur froh, ihre Aufgabe endlich erfüllt und den Kopf frei für dringlichere Probleme zu haben. Die Bezahlung fiel entsprechend mau aus, aber auch das kümmerte sie nicht weiter. Sie nahm sich gerade noch die Zeit für einen Becher Tee und ging dann los, um ihre Rüstung anzulegen. Hunger hatte sie keinen. Eigentlich hatte sie fast gar keinen Hunger mehr in letzter Zeit. Vielleicht werde ich krank. Oder irre. Eigentlich will ich nur noch zurück in die Totenlande. Ich wünschte wirklich, ich könnte ein Teil davon sein... Ja, ich werde irre. Ohne Zweifel.

Bald darauf stand sie wieder auf dem großen Platz von Anvil. Sie hielt sich nicht lange auf, sondern ging direkt zu den Ställen. Sie wollte sich Zeit nehmen, Falchion ausgiebig zu striegeln und dem Tier allgemein etwas von der Aufmerksamkeit schenken, die es in letzter Zeit praktisch nicht bekommen hatte. Und dann zurück nach Skingrad. Ich werde mich da mindestens einen Abend lang in Mogs Taverne setzen, mich von der Ork vollquatschen lassen und mir dabei gnadenlos die Kante geben – Ja, das klingt wie ein guter Plan.

weuze
22.03.2011, 20:22
Der Kaiserliche erwachte früh am Morgen und fühlte sich fast gut erholt. Erst als sein Blick auf seine mittlerweile wirklich desolate Ausrüstung fiel, verzog sich sein Gesicht kurz. Und wieder kann ich keinen ordentlichen Ersatz kaufen, weil es hier in Anvil nur diesen unfähigen Dunmerschmied gibt... Lustlos erhob er sich und saß für eine Weile nachdenklich auf der Bettkante. Arranges zog lustlos die Rüstung an. Wobei er bei den Armschienen eine ganze Weile rumhantierte, bis er sie schließlich frustriert in eine Ecke des Zimmers schleuderte. Dem nächsten Skamp, dem ich begegne, reisse ich einfach eigenhändig den Kopf ab... weil ichs kann! Die Armschienen waren mindestens zur Hälfte eine Einzelanfertigung der Nord in Skingrad und hatten dem Kaiserlichen sehr lange, sehr gute Dienste erwiesen. Aber einem ordentlichen Feuerball hatte das schon sichtlich gealterte Leder nichts entgegen zu setzen. Er zog seine Stiefel an und betrachtete die Reperaturarbeiten der Kriegerin. Das Leder war fast einwandfrei zusammengenäht worden und die Flickarbeiten wellten nichteinmal. Trotzdem werde ich mir neue kaufen... Dasselbe dachte er, als er seine Beinschienen betrachtete. Nach einem weiteren Moment zog er die Beinschienen wieder aus und einen Lidschlag später landeten sie in der gleichen Ecke wie die Armschienen... Soll sich der Wirt ne Weste draus basteln... Damit ging Arranges.

Er machte sich direkt auf den Weg zum Schmied und besorgte sich dort neue Lederbeinschienen, sowie Armschienen und neue Lederstiefel. Das Stahlschwert tauschte er mit einem kleinen Zusatz an Septimen gegen ein relativ ordentlich gefertigtes Silberschwert. So, habe ich dann alles... Tränke werde ich in Skingrad bei Falanu kaufen... Zufrieden ging er hinaus auf den Platz, nur um festzustellen, dass die neuen Armschienen abartig starr waren, kratzten und irgendwie grob gearbeitet. Na ganz toll... ich muss dringend zu der Nord... Und ich brauche einen neuen Umhang! Dachte er, als das zerschlissene Stück Stoff vom Wind in sein Blickfeld geweht wurde.

Ärgerlich an den Armschienen herumzerrend und -fingernd ging er zum Haupttor hinaus. Vor dem Tor fiel ihm ein, dass er vielleicht nach Erynn sehen sollte und war gerade im Begriff, wieder umzudrehen, als ihm sein Rotfuchs in den Sinn kam. Er überlegte einen Moment, drehte sich dann aber wieder um und ging weiter zu den Stallungen, während er leise vor sich hin fluchte und an den für ihn mit jeder Minute noch unbequemer und kantiger wirkenden Rüstungsteilen herumnestelte...

Glannaragh
22.03.2011, 21:12
Erynn schleppte sich durch das Stadttor zum Paddock des Mietstalls. Arranges war schon zugegen. Natürlich. Als ob es zu viel verlangt wäre, einen Moment Ruhe vor dir zu haben... Ihre Laune war wirklich mies an diesem Tag, und es nervte sie, daß sie noch nicht einmal genau sagen konnte woran das liegen mochte. Sie rang sich ein lustloses „Guten Morgen“ ab, schielte mit einem Auge nach dem Sonnenstand und zuckte dann die Achseln. „Oder so...“
Sie schnappte sich einen Striegel und begann, das Fell ihres Braunen damit zu bearbeiten, kontrollierte danach Beine und Hufe. Da Falchion barfuß lief, waren sie nicht wirklich lang geworden in der langen Zeit, in der sie keine Gelegenheit gefunden hatte, sich wirklich darum zu kümmern. Dennoch würde sie sich in Skingrad jemanden suchen, der das überschüssige Horn ausschneiden konnte.
Endlich zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen, ging sie in die Hütte neben dem Paddock und bezahlte die Pferdewirtin, danach sattelte sie auf. Irgendwie bekam sie heute nur die Hälfte mit von allem, was um sie herum vorging, und freute sich schon jetzt auf den Moment, in dem sie sich endlich wieder schlafen legen könnte. Irgendwo. Selbst ein Felsen war den Betten in der hiesigen Gilde vorzuziehen.
„Weißt du schon, wer Informationen über einen weiteren Standort eines Tores haben könnte“, fragte sie den Beschwörer, nachdem sie bereits eine Weile auf der Goldstraße unterwegs waren. „Vielleicht jemand anderes als dieser schleimige Molch?“ setzte sie ohne große Hoffnung hinzu.
Erynn brannte förmlich darauf, wieder in die Totenlande zurückzukehren. Andererseits wünschte sie sich, den Besuch dort so lange wie möglich hinauszuzögern. Es würde vielleicht das letzte Mal sein, daß sie eine Gelegenheit bekam, diese seltsame Welt zu betreten. Außerdem würden sie dann wohl die Meister aufsuchen müssen, um die Siegelsteine abzuliefern – was vermutlich zugleich die Gelegenheit für die Gathering wäre, ihr Schicksal zu besiegeln. Verdammter Mist...

weuze
22.03.2011, 22:09
'Nunja... es gibt durchaus andere Informanten, das Problem ist nur, dass ich die weitaus weniger gut kenne als den Argonier...' Arranges grinste. 'Er mag dich eben Erynn...' Ein kurzer Seitenblick zu der Dunmer verriet Arranges, dass sie nicht wirklich darüber lachen konnte. 'Aber du kannst auch gern in der Stadt warten, während ich ihn im Hafen suche...' Fügte er hinzu und das Grinsen verschwand.

Sie waren an der Abzweigung nach Kvatch längst vorrüber und es war auch schon dunkel, als sie sich entschieden, zu rasten. Arranges übernahm selbstverständlich die Wache. Sein Torso hatte sich relativ gut beruhigt, was die Quetschung und die Schmerzen anging. Er machte Feuer. Ein Zelt war nicht nötig, die Nacht war klar und die Sterne funkelten vom Himmel. Er beobachtete hin und wieder die Elfe. Sie sah aus, als würde sie seit Jahren nichts anderes tun, als in der Wildnis herumzustolpern. Das Gesicht war nicht eingefallen, aber doch ein wenig sehr schmahl geworden. Sie hatte sich sehr verändert und das in nur so kurzer Zeit... seit sie eben mit ihm unterwegs war. Er versuchte das Bild zu reproduzieren, als sie sich in der Taverne der beiden Orkschwestern vor einer halben Ewigkeit so schien es ihm jetzt, einfach an seinen Tisch setzte. Eine eher junge, ein wenig hagere, aber keinesfalls unansehnliche Dunmer. Ihr Gesicht war auch damals schon relativ schmahl gewesen, aber nicht so... dazu kamen jetzt noch die zwei unpassend wirkenden Narben auf ihrer Wange.

Fast tat es Arranges ein wenig leid und er wandte den Blick ab. Er starrte in die Flammen, stocherte mit einem Stock in der Gluht herum oder blickte in den Himmel. Plötzlich jedoch ließ ihn ein Geräusch aufhorchen. Es war nicht wirklich laut, aber auch schwer zu überhören in der Stille der Nacht. Da, da war es wieder. Es hörte sich an, als würde jemand etwas sehr Schweres über den von Laub bedeckten Boden schleifen, aber immer mit kurzen Pausen dazwischen. Arranges strengte sich an und in seinem Kopf arbeitete es. Und dann war das Geräusch plötzlich weg. Hmm... vielleicht nur ein Berglöwe, der seine Beute wegschleppt... Der Nekromant gab schon nichts mehr darauf, als etwas laut hinter ihm im Unterholz krachte, als würden ganze Bäume umgeknickt werden. Arranges fuhr herum, während er aufstand und schon automatisch sein Schwert zog. Massige Schritte erfüllten jetzt die Nacht. Schritte, die schnell auf ihn zukamen und plötzlich sah er einen Oger aus dem dichten Gebüsch hervorstürmen, in einer Pranke einen gut zwei Meter langen Baumstamm schwingend, der so dick war wie Arranges Wade. Arranges formte blitzschnell einen mächtigen Feuerball und schickte ihn dem Monster entgegen... er schaute nicht schlecht, als der schwerfällige Oger sich während er lief, flink unter dem magischen Geschoss hindurchduckte. Das gab dem Riese Zeit genug. Er war mit nochmals zwei langen Sätzen heran, mit einem Prankenhieb wischte er den Magier bei seite. Zum Glück hatte er nicht in der Absicht ausgeholt, den Nekromanten wirklich ernsthaft zu verletzten, sonst hätte Arranges das wohl nicht mehr ganz lebend überstanden. So segelte er lediglich ein paar Meter durch die Luft und blieb erstmal benommen liegen, bevor er sich einige Momente später wieder mühsam hochstemmte.

Der Oger hingegen starrte einige Herzschläge lang nur wie gebannt in die Flammen des Feuers, dann drehte er den Kopf zur Seite und suchte wohl nach dem Kaiserlichen, den er nur nicht sehen konnte, da der Beschwörer außerhalb des Lichkreises im Dunkeln lag. Der Blick der Bestie ging in die andere Richtung und fiel auf Erynn. Ein kehliges Knurren entrang sich seinen Lungen und er hob drohend seine primitive Waffe...

Glannaragh
22.03.2011, 23:41
Nachdem sie sich für die Nacht einen Platz etwas abseits der Straße gesucht hatten, ließ die Elfin sich einfach fallen und überließ es Arranges, Holz zusammenzusuchen und ein Feuer zu entzünden. Träge sah sie zu, wie er die Zweige allein mit einer eleganten Geste in Brand setzte. Morgen sieht alles wieder ganz anders aus. Ich hab einfach bloß einen schlechten Tag erwischt. Schlafen... nur schlafen. Hinter halbgeschlossenen Lidern beobachtete sie die tanzenden Flammen, bis sie langsam wegdämmerte. Die Flammen blieben. Wieder führten ihre Träume sie in Mehrunes Dagons Reich, jenen Ort, an dem sie sich auf so seltsame Weise zuhause fühlte. Im Schlaf konnte sie dort sein, ohne daß seine Gefahren sie berührten.

Nur langsam drangen die Geräusche aus der wachen Welt an ihre Ohren, vermischten sich mit dem Traumbild, bis der Schleier endlich zerriß. Alarmiert, wenngleich noch etwas verwirrt setzte sie sich auf und versuchte zu ergründen, was vor sich ging. Der Krach, wie sie zu ihrem Entsetzen feststellte, stammte nicht von einem Daedroth, sondern von einer sehr viel häßlicheren und beunruhigend realen Kreatur. Sie sah noch, wie der Zauber ihres Begleiters sein Ziel verfehlte, dann wischte der Oger ihn mit einer fast nachlässigen Bewegung fort. Erynn war längst aufgesprungen und zog ihr Schwert. Das Geräusch machte das Ungeheuer auf sie aufmerksam. Es wandte sich ihr zu, während sie ihm geduckt gegenüberstand, bereit, sich blitzschnell aus der Reichweite des Stamms einer jungen Weide zu bringen, die das Biest als Keule verwendete. Die schiere Masse des Angreifers täuschte über seine Flinkheit hinweg und Erynn entging nur knapp einem Schwinger mit der kruden Waffe. Sie duckte sich, stieß mit dem Schwert vor. Immerhin: Das erste Blut ging an sie. Der Oger brüllte, mehr vor Zorn als vor Schmerz, und sprang zurück. Seine kleinen, arglistigen Augen funkelten sie an. Geifer troff ihm aus dem Maul, das sich zu einem abstoßenden, bösartigen Grinsen verzog. Dann griff er wieder an. Erynn ließ sich fallen und rollte sich ab. Die Keule fegte nur eine Handbreit über sie hinweg. Sie mußte irgendwie hinter das Biest kommen, um Achilles- oder Kniesehnen durchtrennen zu können. Wenn es ihr nicht gelang, das Vieh zu Fall zu bringen, war sie geliefert. Die Elfin täuschte eine Bewegung an, stieß sich dann in die gegenüberliegende Richtung ab und zog ihre Klinge im Sprung über die armdicken Oberschenkelmuskeln des Monsters. Ein Prankenhieb stoppte ihren Lauf und schleuderte sie mehrere Meter zurück. Sie kam auf die Füße und sah sich hastig nach Arranges um. Ein Fehler, den sie bitter bereuen sollte.

Erynn spürte mehr als daß sie sah, wie die Waffe des Ogers heransauste. Reflexartig hob sie die Linke, um den Hieb abzuwehren. Die Keule schlug ein, und sie fühlte, wie mehrere Knochen in Hand und Arm brachen, als seien sie trockenes Geäst. Wieder wurde sie fortgeschleudert, war diesesmal viel zu benommen, um den Flug kontrollieren zu können. Sie landete unglücklich und fiel auf die Seite, als das rechte Fußgelenk mit einem feuchten Knacken nachgab.
Der Schmerz überstieg alle ihr bekannten Ausmaße, und sie schrie in Qual und Zorn. Als ihr Blick sich wieder klärte, sah sie den Oger auf sich zukommen. Langsam. Siegessicher.
Die Magie kam von selbst zu ihr, als rasende Pein sie in eine Art Trance versetzte. Ohne nachzudenken schleuderte sie dem Monster die Kräfte entgegen. Ihr letzter Gedanke galt Arranges und der Hoffnung, daß es dem Beschwörer gelingen möge, den Angreifer auszuschalten, dann schwanden ihr die Sinne.

weuze
23.03.2011, 00:29
Arranges schüttelte den Kopf, als er endlich wieder arg schwankend auf die Beine kam und durch die Grauschleier in seinem Blickfeld sah, wie Erynn durch die Luft flog. Der Oger kam langsam auf die am Boden liegende Elfe zu. So haben wir aber nicht gewettet! Arranges, sowieso schon wütend, weil der Oger sich auf Erynn statt auf ihn stürzte und ihn außerdem noch einfach so weggefegt hatte, war jetzt richtig zornig. Er wollte gerade zu einem Zauber ansetzen, als von Erynn ein magischer Impuls ausging und für einen Sekundenbruchteil die Luft selbst zu zerreissen schien. Aus Reflex riss Arranges die Arme vor sein Gesicht, aber die erwartete, heftige Explosion blieb aus. Es war schlicht nur unkonzentriert geballte Magie, nichts, was man irgendwie hätte als Zauber werten können. Der Oger zeigte sich ebenfalls recht unbeeindruckt davon und hatte den Prügel mit beiden Händen gepackt und hielt ihn jetzt bereit zum Schlag, über seinem kleinen Kopf.

Arranges setzte die ersten Worte leise an, wurde aber im Lauf der Formel immer lauter, bis er die letzten beiden Worte nur noch schrie und mit Schwung beide Arme nach vorn riss. Ein mächtiger, gleißender Feuerstrahl blitzte für die Dauer einer Sekunde auf. Das Monster bog den Rücken nach vorn durch und brüllte seinen Schmerz in die Nach hinaus. Arranges konnte gerade noch ausweichen, als der Oger herumfuhr und aus dem Schwung der Drehung heraus, ihm seine Waffe als absolut tödliches Geschoss entgegenschickte. Doch Arranges war dieses Mal schneller, als der Oger. Noch während die Bestie ihm Sabber entgegenbrüllte, war der Kaiserliche mit einem beschworenen Cleymore heran und zog die Klinge quer über den Unterleib des Monsters. Das Brüllen nahm von einer Sekunde auf die andere einen unnatürlich hohen Ton an, während aus der Wunde Darmschlingen und Blut unaufhaltsam herausdrängten. Der Nekromant tauchte unter einem letzten Prankenhieb hindurch und versenkte dann das Schwert im Hals des Monsters. Dumpf schlug der massige Leib auf dem Boden auf. Arranges stand noch einige Augenblicke schwer atmend über dem Koloss um sicherzugehen, dass er nicht nochmals aufstand.

'Erynn!' Keuchte er, als er sich schließlich neben der bewusstlosen Kriegerin auf die Knie sinken ließ. Ihr rechtes Fußgelenk war unnatürlich verdreht, genauso wie der gesamte linke Unterarm und die Hand. Verflucht, ich bin doch kein Heiler... und warum zum Henker habe ich in Anvil nicht einfach Tränke gekauft?! Der Kaiserliche besah sich die Verletzungen und kam zu dem Schluss, dass das Fußgelenk jedenfalls schlimmer aussah, als es war. Er hatte zwar ausgekugelte Gelenke eher selten gesehen, wusste aber schon allein wegen seiner Kenntnisse vom humanoiden Skelett, wie sie aussahen und im Normalfall funktionierten. Er zog Erynn jedoch ersteinmal zum Feuer hin, der widerliche Oger lag glücklicherweise einige Meter weiter. Vorsichtig nahm Arranges der Dunmer den Stiefel ab und war beinahe erleichtert, dass er nicht das Knirschen von gesplitterten Knochen vernahm. Er tastete um das Gelenk herum und musste erst nochmals überlegen, bevor er beherzt zupackte und die Gelenkskapsel mit einem saftigen Schnappen wieder in ihre angestammte Position beförderte. Bleibt nur zu hoffen, dass weder Sehnen, noch Bänder gerissen sind... Die Hand bereitete dem Kaiserlichen eindeutig mehr Sorgen. Als er den Arm vorsichtig anhob, war recht schnell klar, dass der Unterarm gebrochen war. Eine Schiene... Arranges überlegte kurz, zerrte sich dann seine eigene linke Armschiene herunter und war mit einem Mal sehr froh über deren starre Machart. Er bearbeitete sie noch ein wenig mit seinem Gebrauchsmesser und schob zur besseren Stabilisation einen halbwegs geraden und fingerdicken Ast ein, bevor er die Schnallen schloss. Jetzt kam der weitaus schwierigere Teil. Die Hand war weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick schön anzusehen. Im Grunde war zumindest die äußere Handpartie nur noch Brei. Die Haut war ein wenig aufgeplatzt. Arranges hatte keine Heiltränke und auch keine brauchbare Idee, wie er da etwas machen konnte. Er beschloss, die Hand lediglich sehr locker zu bandagieren und mit Wasser aus ihren Schleuchen ein wenig zu kühlen. Das nächste Mal kauf ich einfach Heiltränke!

Er bettete die Elfe sorgfältig auf die Decken, die sie dabei hatten und wartete, bis sie wieder zu sich kommen würde...

Glannaragh
23.03.2011, 20:20
Erynn stöhnte gequält auf, als die gnädige Schwärze sie wieder entließ. Für einen Moment wußte sie nicht genau, wo sie sich befand, dann schlug die Erinnerung ein. Sie fuhr auf, krümmte sich und sah sich mit wildem Blick um. Sie lag nahe dem Feuer, es war noch immer tiefe Nacht. Arranges hockte neben ihr, mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck. „Wo ist der Oger?“ lautete ihre erste Frage.

Der Kaiserliche hatte eher gehofft, dass Erynn noch eine Weile bewusstlos sein würde, bis ihm irgendetwas brauchbares eingefallen wäre, wie er ihre Hand versorgen könnte. Die aktuelle Lösung war mehr als dürftig. 'Der Oger ist tot, beruhig dich...' Sagte er leise, während er sie wieder mit sanfter Gewalt in eine liegende Position drückte. Bei allen Göttern... lasst sie wieder in Ohnmacht fallen... Dachte er bei sich.

Die Elfin rang sich ein mattes Lächeln ab. "Ich wußte, du kriegst das irgendwie hin", flüsterte sie erleichtert. Dann hob sie mit einiger Mühe den Arm vor ihr Gesicht und zupfte an den Bandagen. "Sieht das so beschissen aus, wie es sich anfühlt?" Tatsächlich hatte sie mit schweren Verletzungen praktisch keine Erfahrung, jedenfalls nicht, wenn sie selbst davon betroffen war. Ein paar Schnitte, die ein oder andere Prellung, darauf belief es sich. Jeder Pulsschlag schickte neue Wellen der Pein durch ihren Arm. "Wie lange war ich weg?" fragte sie durch zusammengebissene Zähne.

Ein Oger ist ja auch keine wirkliche Herausforderung... Arranges beeilte sich, zu verhindern, dass die Dunmer an dem Verband herumfummelte. 'Ja, es sieht aus wie... Brei.' Brachte er hervor und versuchte sich an einem Grinsen. 'Du warst vielleicht zwei Stunden ohnmächtig, länger nicht... und jetzt hör bitte auf, daran herumzuzupfen, dadurch wird es nicht besser.' Sagte bestimmt, aber nicht gereizt. 'Ich bin mir nicht sicher, aber da scheint einiges zu Bruch gegangen zu sein in deiner Hand... und ich bin kein Heiler, noch haben wir Tränke...'

"WAS?!" Erynn starrte den Beschwörer erschrocken an und zerrte noch einmal an den Binden, ließ es aber schnell bleiben und zog den Arm in Schonhaltung vor die Brust. "Mach die Verbände ab. Ich muß wissen, wie das aussieht!"

'Nein, musst du eigentlich nicht...' Murmelte Arranges und sah sie einen Moment nur schweigend an. Dann seufzte er. Es würde keinen Sinn machen, ihr das ausreden zu wollen. In dem Moment, in dem er kurz wegsehen würde, würde sie sich die Bandagen selbst herunterzerren und nachsehen. Und wer weiss, was sie dann in ihrer Dummheit machen würde. Nein, da war es Arranges lieber, direkt eingreifen zu können. Vorsichtig griff er nach dem Arm und machte den Verband weg. Es sah jetzt noch übler aus, als zu dem Zeitpunkt, als er die Hand verbunden hatte. Die Hand war rundherum geschwollen und bei jeder kleinen Bewegung war eindeutig zu sehen, dass in der Außenkante kein einziger Knochen mehr an einem Stück war. Ganz toll... Als Erynn schon nach ihrer Hand greifen wollte, packte er schnell ihren gesunden Arm und hielt ihn fest.

Erynn erbleichte, als der Kaiserliche sich an den Stoffbinden zu schaffen machte. So umsichtig er dabei auch zu Werke gehen mochte, jede Berührung war die Hölle. Als er ihr unversehrtes Handgelenk mit festem Griff faßte, hob sie den Kopf und und besah sich die Bescherung. Drei ihrer Finger waren gebrochen, der kleine stand im nahezu rechten Winkel ab und war ebenso Matsch wie die Außenkante der Mittelhand. Alles in allem war von den normalerweise schlanken Gliedmaßen nur noch ein unförmiger, rot und blau verfärbter blutiger Klumpen übrig. Von namenlosem Entsetzen gepackt sank sie zurück und schloß die Augen. "Nein..."

Der Kaiserliche sah noch, wie sich die Augen der Dunmer weiteten, dann sank sie zurück. Die Muskeln in ihrem Arm erschlafften und einen Moment später ließ Arranges ihn los. Beim Haus des Chaos... ist sie wieder bewusstlos? Hin und her gerissen zwischen Sorge und Erleichterung, vergewisserte sich der Nekromant nochmals, ob Erynn noch bei ihm war, wenngleich er insgeheim hoffte, dass sie wieder in gnädige Ohnmacht gefallen war. 'Erynn...?' Er tätschelte ihr leicht die Wange.

"Mhm?" flatternd öffneten sich ihre Lider. "Das ist doch alles nicht wahr." Sie schüttelte den Kopf, weigerte sich für eine Weile, das Gesehene zu akzeptieren. Doch das würde zu nichts führen. So, wie es jetzt war, konnte es unmöglich bleiben. Arranges sah im Großen und Ganzen ratlos aus - sie würde ihm sagen müssen, was zu tun war. Dennoch, sie hatte Angst. Schreckliche Angst. Laß mich einfach hier liegen, bis es von selbst wieder weggeht.
"Hol die Ahle her und mach ein paar Stiche, daß die Einblutungen abfließen können", brachte sie schließlich heraus. "Dann versuch, die Knochen wieder geradezurücken. Du weißt, wie das geht. Du hast mir zugesehen, als ich das bei Dreveni gemacht habe..." Erynn konnte ein Schaudern nicht unterdrücken, wünschte sich im Stillen, daß der Beschwörer sie einfach in den Arm nehmen und ihr sagen würde, daß alles nicht so schlimm sei. Eine vergebliche Hoffnung, das war ihr klar. Sowohl das Eine als auch das Andere.

Verdammt... die Vier Säulen sind einen Dreck wert, wenn man sie mal wirklich brauchen könnte... Der Kaiserliche hörte Erynn zu, aber sehr viel besser ging es ihm mit ihrer Unterstützung nicht. Während er die Ahle holte rügte er sich weiterhin in Gedanken, warum er in Anvil nicht einfach Tränke gekauft hatte, damit wäre die ganze Sache längts wieder behoben. Als er sich wieder neben Erynn kniete, die Nadel mit größter Vorsicht und absolut unangemessenem Respekt ein wenig von sich weghaltend, schaute er ihr fest in die Augen. 'Vergib mir...' Nuschelte er, während er mit der freien Hand nach ihrer gesunden griff. Für den kurzen Moment, während dem er ihre Hand hielt und sachte drückte, schimmerte sie kurz auf. Sein Zauber war bewusst stark gewählt, sie musste sich in diesem Moment fühlen, als hätten sich alle Muskeln in ihrem Leib in schweres Körperfett verwandelt. Dazu traf sie komplette Erschöpfung, als ob man mit einem Fingerschnippen von einem Moment auf den anderen ihr gesamtes Durchhaltevermögen einfach aufgelöst hätte. Ohne weiter auf ihre Mimik zu achten, Reden oder vielmehr Lallen war ihr noch immer möglich, machte sich Arranges an die Arbeit. Während er mit der Nadel noch größte Vorsicht - oder war es eher Furcht vor diesem Ding - walten ließ, packte er, nachdem er Tücher und Verbände unterlegt hatte und der größte Teil der Blutergüsse ausgelaufen war, etwas grober zu. Anders als mit schierer Gewalt war es kaum möglich die zwar kleinen, aber in der Hand mit einem Mal sehr sperrig wirkenden Knochen in ihre ursprüngliche Position zu bringen. Es knirschte und knackte einige Male arg, aber schlussendlich sah die Hand insgesamt wieder wie eine Hand aus. Bis auf den kleinen Finger und die Außenkante. Hier waren schlicht keine Knochen mehr, die man hätte zurechtrücken können. Der Finger baumelte recht frei an der Hand und die Außenkante fühlte sich tatsächlich an, als hätte man einen Hautsack mit grobem Schlamm gefüllt. Da gibts nichts mehr zu richten... bis wir einen Heiler erreichen können, ist das Ding abgefault... Dachte der Nekromant, als er sich die zusätzlich aufgeplatzte Haut ansah. Abschneiden wäre wohl die beste Lösung... Er sah in das Gesicht der Kriegerin. Sie sah schrecklich aus, als würde sie gerade irgendwo in der Hölle schmoren. Aber kann ich ihr das antun? Sie ist Schützin... braucht man den kleinen Finger der linken Hand um ein guter Bogenschütze zu sein?! 'Erynn ich äh... der kleine Finger... ich kann ihn nicht richten, die Knochen bestehen nur noch aus sehr vielen Splittern...' Was er dachte und eigentlich auch sagen wollte, ließ er vorsichtshalber ersteinmal weg...

Verdammt! Das kann alles nur ein schrecklicher Alptraum sein! Kalter Schweiß lief ihr über das Gesicht, während sie auf die Rückkehr des Nekromanten wartete. Sie fragte sich, wie sie das Folgende aushalten sollte, waren die Schmerzen doch jetzt schon nahezu unerträglich. Am liebsten hätte sie sich jetzt einfach irgendwo verkrochen, um zu sterben. Als Arranges sich wieder neben sie hockte, unterband er diese Möglichkeit auf seine Art.
So plötzlich zur Bewegungslosigkeit verdammt, überkam die Elfin blanke Panik, die selbst die unnatürliche Müdigkeit durchdrang, welche sie mit einem Mal befiel. Ihre Augen zuckten wild, während sie sich mit aller Macht und zitternden Muskeln gegen den Zauber stemmte. "Laß mich los", fauchte sie und zog dann scharf die Luft ein, als er die Ledernadel in das geschwollene Fleisch stieß. Sie spürte, wie warmes Blut quälend langsam über ihre Finger rann, und nach einer Weile wurde der Druck auf die geschundenen Knochen etwas erträglicher. Erynn entspannte sich ein wenig - genau bis zu dem Moment, in dem Arranges nach ihren Fingern griff. Instinktiv wollte sie fortkriechen, nach dem Beschwörer schlagen oder nach der Quelle der neuerlichen Qualen beißen. Nutzlos schlugen ihre Kiefer mit lautem Klacken aufeinander. Allein zu schreien blieb ihr, und genau das tat sie, bis sie heiser war, flehte dazwischen selbst für ihre Ohren unverständlich immer wieder, daß er aufhören möge. Als Arranges endlich von ihr abließ, war sie am Ende.
Seine Worte drangen nur undeutlich zu ihr durch, und es dauere einige Herzschläge lang, bis sich ihr tränenverschleierter Blick auf sein Gesicht fokussierte. Nein, natürlich konnte er den Finger nicht richten. Schon beim ersten Blick darauf hatte Erynn gewußt, daß das Glied nicht mehr zu retten war, hatte es aber nicht wahrhaben wollen. In den Augen ihres Begleiters spiegelten sich ihre eigenen Gedanken wieder. Das war zuviel. Hier und jetzt war die Grenze dessen überschritten, was sie glaubte ertragen zu können. "Bitte... nicht", flüsterte sie verzweifelt. "Bitte, bitte nicht..."

Der Ausdruck auf dem Gesicht des Kaiserlichen versteinerte. Seine Augen wurden kalt. Wenn ich jetzt nachgebe und das so lasse, könnte es in ein oder zwei Tagen sehr viel schlimmer sein... Er wusste nicht, was ihm in diesem Moment mehr zu schaffen machte. Die Tatsache, dass er Erynn einfach keine Schmerzen zufügen wollte, ihn die Umstände aber schlicht und einfach dazu zwangen oder aber der bohrende Gedanke daran, dass wenn er es nicht tat, um ihre Leiden für den Moment großteils zu beenden, sich die ganze Verletzung arg verschlimmern könnte. Arranges dachte einige Herzschläge lang angestrengt nach... nein, eigentlich horchte er eher in sich hinein, seinen Verstand für sich genommen ignorierend und fasste dann einen Entschluss. Er wollte kein längerfristiges Risiko für die Elfe verantworten. Der Gedanke daran, dass sie ohne den Finger nicht mehr ihrer Kriegerberufung nachgehen konnte, verlieh dem ganzen Gedanken einen positiven Aspekt. Dann kann sie das nächste Mal wenigstens nicht nochmals den Fehler begehen und irgendeinem Trottel folgen, den sie weder kennt, noch sonderlich mag... Arranges schlug die Tücher locker über der Hand zusammen. Dann schnitt er einen langen, aber sehr schmahlen Streifen aus seinem Umhang heraus. 'Das wird dir nicht gefallen, aber...' Er verstummte und schüttelte nur den Kopf. Er führte den Stoffstreifen unter der Armbeuge des linken Ellenbogens hindurch. Ein Arm- oder Halsband wäre so viel praktischer... genau wie TRÄNKE verdammt nochmal! Er band den Arm ab und suchte dann mit ausdruckslosem Gesicht nach einer Regung in dem der Dunmer. 'Ich werde den Finger abnehmen...' Er griff vor sich in die Luft und hielt einen beschworenen Dolch in der Hand. Aber bevor er ansetzte, wartete er noch, ob Erynn irgendeine Reaktion zeigte.

"NEIN! Ich will nicht verstümmelt sein!" Trotz des Zaubers, der sie an Ort und Stelle fesselte, zitterte sie. Nach einigen krampfhaften Atemzügen fuhr sie mit rauher Stimme fort: "Du mußt die Haut halbkreisförmig einschneiden..." sie schluckte. "Dann ziehst du sie zurück und legst das Gelenk frei. Danach... danach treibst du das Messer hinein, schlägst den Hautlappen über den Stumpf und legst darüber ein Stück Leinen." Was rede ich hier? Laß gefälligst deine Finger davon! "Den Stoff brennst du auf der Wunde fest... und bitte, beeil dich. Mach einfach nur schnell..." Erynn versuchte längst nicht mehr, ihr Schluchzen zu unterdrücken. Sie wünschte sich einfach nur noch weit fort von hier.

Arranges zog es die Eingeweide zusammen, als er nochmals in das Gesicht der Dunmer sah. Wie war das damals? Achja richtig... Bei den Ausführungen der Dunmer kam ihm wieder in den Sinn, was er vor unzähligen Jahren stundenlang in irgendeinem Kellerwinkel abgelegener Stützpunkte tat. Das Zerlegen und die Lehre von menschlichen Leichen. Im Grunde hätte er den Finger so abnehmen können, wie Erynn es ihm beschrieben hatte, aber dann währe immer noch der Rest des Ansatzes in der Hand... Arranges entschied alles abzunehmen und nach einem weitere Augenblick des Überlegens hatte er sogar eine Idee, wie es recht gut funktionieren könnte. Er zog den Dolch durch eine fast intensiv blau lodernde Flamme in seiner Hand und begann. Er schnitt wie Erynn ihm gesagt hatte, einen Halbkreis um den Fingeransatz, dann aber schnitt er weiter ungefähr drei Fingerbreit an der Handkante entlang. Die Schlinge, welche den Blutfluss behinderte reichte, wie er feststellte, aus, um das meiste des Lebenssafts zurückzuhalten. Wie sich herausstellte, musste er nicht sehr viel schneiden. Hauptsächlich war er damit beschäftigt, lose Gewebefetzen und Knochensplitter zu entfernen, der Finger ließ sich, nachdem er ein paar recht robuste Sehnen zerschnitten hatte, ganz einfach herausziehen. Er kontrollierte nochmals und stellte anhand der leichten Zuckungen der restlichen Hand zufrieden fest, dass er wohl nichts anderes beschädigt hatte. Er klappte die Haut an der Kante zusammen und jetzt wirkte es so, als hätte Erynn schon immer nur vier Finger an der linken Hand gehabt. Arranges hatte den gesamten Finger mit dem zertrümmerten Wurzelansatz sauber herausgetrennt. Er legte eine Schicht sauberen Verband darüber und fasste dann Erynns Hand in die seine. Seine Feuermagie wirkte präzise und einige Augenblicke später war der grobe Stoff leicht in die Haut eingebacken und hielt sie so zusammen. Durch die Hitzeeinwirkung konnte Arranges jetzt auch recht guten Gewissens davon ausgehen, dass es zu keiner Infektion kommen würde. Den Rest der blutigen Masse, die er zusammen mit dem Finger aus der Hand herausgeholt hatte, nahm er mit den Tüchern, auf denen sie lag, zusammen und tat alles beiseite. Dann verband er die ganze Hand sorgsam mit weiteren Verbänden. Er legte die Hand in Schonhaltung auf Erynns Brust und löste dann den Stoffstreifen in der Armbeuge. Dann löste er den Zauber auf und wartete auf eine Reaktion der Elfe.

Um die letzten Fetzen von Erynns Würde war es geschehen, sobald Arranges den Daedrastahl auf ihre Haut setzte. Ihre haltlosen Schreie klangen weit schriller als zuvor, und sie verfluchte den Beschwörer, den Oger und alle Götter mit Ausdrücken, die einer Hafenhure die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Als Arranges die Klinge in ihre Handkante senkte, Knochensplitter heraushebelte und Sehnen durchtrennte, winselte sie nur noch um Gnade. Das Grauen darüber, bei vollem Bewußtsein einen Teil von sich zu verlieren, war jenseits aller Beschreibung, die Tatsache, sich nicht rühren und gegen die Pein wehren zu können, versetzte sie in einen Schockzustand. Sie spürte, wie der Kaiserliche seine Hand um den zerschmetterten Finger schloß und registrierte voller Entsetzen, wie das Glied sich tatsächlich von seinem angestammten Platz löste. Noch einmal schrie sie, langanhaltend und durchdringend, bis sie keine Luft mehr in den Lungen hatte. Daß er die Wunde mit einem Feuerzauber verödete, veranlaßte sie nur noch zu einem gequälten Wimmern.
Völlig erschöpft hörte sie auf, sich gegen den Lastzauber zu wehren. Die Empfindung, wie Arranges die Verletzung verband, genoß sie nach der unvorstellbaren Tortur beinahe. Langsam beruhigte sich ihr wild pumpendes Herz. Alles war besser als durchstehen zu müssen, wie jemand ihre Hand zerriß. Als der Nekromant den Bann über ihre Muskeln aufhob, bäumte sich Erynns Körper noch einmal unwillkürlich auf, dann stürzte sie zurück. Am ganzen Leib unkontrolliert zitternd, drehte sie langsam den Kopf in die Richtung ihres Begleiters. Sie versuchte irgend etwas zu sagen, brachte aber zwischen würgenden Atemzügen und abgehackten Schluchzern kein Wort heraus. Die Erkenntnis, daß sie es zumindest fürs erste überstanden hatte, erreichte nur langsam ihr Bewußtsein.

Der Kaiserliche wartete, bis Erynn wieder lag und sich wenigstens ein bisschen beruhigt hatte. 'Es ist vorbei Erynn...' Er wusste nicht, was er genau sagen sollte, er hatte sie gerade eben einfach eines Fingers beraubt. Es ging ihm sichtlich nahe und jetzt, da er fertig war, verschwand auch der abweisende Ausdruck auf seinem Gesicht und das kalte Funkeln in seinen Augen. Er breitete die Decke wieder ordentlich über den Körper der Mer. Er war wirklich ratlos und wusste nicht, wie er ihr noch weiter hätte helfen können, den Schmerz von ihr zu nehmen lag nicht in seiner Macht. Seinen Sitz in eine etwas bequemere Position bringend, saß er nur schweigend neben Erynn. Vorsichtig strich er ihr die vom Schweiß nassen, ihr strähnig ins Gesicht fallenden Haare aus der Stirn und tupfte mit einem sauberen Verbandsfetzen den Schweiß ab.

Nach und nach beruhigte sich ihr Atem, und die Elfin hielt unter den ungewohnt sanften Berührungen des Beschwörers still. Mit noch etwas unstetem Blick betrachtete sie die Sterne am Himmelszelt. Der Schmerz war noch immer da und würde wohl auch noch eine Weile bleiben, tobte aber nicht mehr so erbarmungslos durch ihren Arm wie noch zuvor, als die gesplitterten Knochen jeden Pulsschlag zu einer Qual hatten werden lassen. "Ich bin froh, daß du bei mir bist", flüsterte sie schließlich, "und dankbar, daß du es bis zum Ende durchgezogen hast." Sie zwang sich zu einem schiefen Grinsen: "...und nein, ich halte dich nicht wirklich für einen syphilitischen Hurenbock..."

weuze
23.03.2011, 20:56
Der Kaiserliche erwiderte nichts mehr. Er saß schlicht nur neben Erynn und versuchte wenigstens ihr mit seiner Anwesenheit ein wenig Sicherheit zu geben. Nach einer Weile war die Dunmer eingeschlafen. Ihr Atem ging ruhig, wie Arranges sehr erleichtert feststellte. Dann vergrub er sein Gesicht in den Händen. Und das nächste Mal bin ich für ihren Tod verantwortlich oder was... Nach einigen Minuten, während denen er sich gegen seine total verdrehte Ansicht stemmen musste, der Dunmer gegen seinen Willen Schmerzen zugefügt zu haben, nur um bleibende Schäden irgendwie zu verhindern, erhob er sich völlig erschöpft. Er packte das blutige Bündel und beförderte es mit einem Anflug von Wut ins Feuer. Dann schichtete er das Feuer nochmal ordentlich auf, bis er eine Lichtinsel hatte, die im Durchmesser gut und gerne 8 Schritte maß. Er setzte sich wieder neben Erynn und hielt den Rest der Nacht Wache.

Mit den ersten Strahlen der Sonne regte sich die Kriegerin bereits wieder. Sie sah etwas desorientiert aus, schien aber soweit klar im Kopf. 'Guten Morgen... wie fühlst du dich?' Er versuchte aufmunternd zu lächeln.

Glannaragh
23.03.2011, 22:50
„Uh... beschissen.“ Sie schlug die Decke zurück und besah sich ihren Knöchel. In einen Stiefel würde sie das verdammte Ding in näherer Zukunft nicht zwängen können. Erynn stemmte sich mit der rechten Hand in eine aufrechte Position und rückte näher ans Feuer. Ihr Blick fiel auf den dicken Verband, und sie war dankbar dafür, das Ergebnis des Gemetzels von vergangener Nacht noch nicht sehen zu müssen. „Wo ist... wo sind die... Reste?“ Arranges deutete mit dem Kinn auf das Feuer. Die Dunmer nickte nur und schenkte ihm ein tapferes Lächeln. Tatsächlich sah der Beschwörer ungefähr so fertig aus, wie sie sich fühlte. Hat ihn das so sehr mitgenommen? Hätte ich nicht gedacht... sollte er als Totenbeschwörer da nicht sehr viel abgebrühter sein? Was geschieht hier?
Die Elfin kratzte sich vorsichtig an einer Stelle unter der steifen Armschiene - das Ding scheuerte. Ihre Hand pochte scheußlich, und sie war ruhelos. Darüber hinaus begann der Oger langsam aber sicher übel zu stinken – noch mehr als wenn er lebendig wäre, hieß das. Erynn wuchtete sich auf die Füße, nahm einen brennenden Scheit und humpelte zu dem Kadaver hinüber. Zufrieden beobachtete sie, wie der Fleischberg Feuer fing.
„Schon gut“, antwortete sie, als sie sich wieder an das Lagerfeuer setzte und Arranges gegen ihren kleinen Ausflug Protest anmelden wollte. „Laß mir diese kleine Rache.“ Mit einiger Mühe zog sie den anderen Stiefel ebenfalls aus. „Ich werde bestimmt nicht weit weglaufen. Gib mir noch diesen einen Tag, dann sehen wir zu, daß wir Skingrad erreichen.“

weuze
23.03.2011, 23:29
Arranges war nicht begeistert davon, dass Erynn schon wieder herumlief und Ogerkadaver anzündete. Aber er wollte sie auch nicht davon abhalten, schließlich konnte er es selbst nicht gebrauchen, wenn man ihn nach einer schwerwiegenden Verletzung ans Bett zwang. Er zeigte ihr jedoch deutlich, dass er besorgt um sie war. Der Tag zog sich dahin und im Grunde taten sie nicht sehr viel, außer am Feuer zu sitzen, zu essen und sich die meiste Zeit anzuschweigen. Arranges fragte in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, wie Erynn sich fühlte und hatte bei jeder ihrer Antworten, die beinahe immer die selbe war, ein schlechtes Gewissen. Er beschäftigte sich dann eine Weile mit seinem Fuchs, las oder schrieb in einem seiner Bücher oder blickte in den Himmel.

Es war später Nachmittag, als der Nekromant das Buch in seinem Schoß zuklappte und sich erhob um nochmals Feuerholz nachzulegen. Als er sich wieder gesetzt hatte, ließ er den Blick über das niedrige Gras um sich herum schweifen. Seine Augen blieben an einer einzelnen, kleinen Blume hängen. Die Blüte war goldgelb und knapp unterhalb spreizten sich zwei beinahe perfekt symetrische Blätter in einer leichten Neigung nach oben vom schlanken Stängel ab. Arranges beobachtete, wie sich das kleine Gewächs in der sanften Briese des Abends wog. Etwas, das er schon sehr lange nicht mehr getan hatte. Auf den Inseln das letzte Mal...

Er griff nach der Blume und knickte sie unnötig sorgsam ab. Vor seine Augen haltend, drehte er sie leicht zwischen Daumen und Zeigefinger. Er war kein Gelehrter, was Pflanzen anging, er hatte nur etwas für die äußerliche Form übrig. Es war eine ähnliche Vernarrtheit, mit der er in den Sonnenuntergang schaute, dem Vogelgezwitscher lauschte oder auch das leicht wippende Haar zwischen den Ohren seines Rotfuchses beobachtete... Nach einer Weile hörte er auf, die Blume anscheinend sinnlos zwischen den Fingern zu drehen. Mit der freien Hand griff er jetzt nach einem der beiden Blätter. In seinem Gesicht spigelte sich ein komischer, nicht zu deutender Ausdruck... und dann zupfte er das Blatt einfach weg. Mit fragendem Blick schaute er auf das grüne, mandelförmige Fetzchen in seiner Hand, dann wieder auf die Blume, die durch diesen Verlust jedoch nichts von ihrer Faszination verloren hatte... Arranges zuckte unwillkürlich zusammen. Er runzelte die Stirn, aber das Glänzen in seinen Augen blieb. Plötzlich wandte er sich Erynn zu und bemerkte, dass sie ihn wohl beobachtet hatte. Er schaute wieder auf die Blume und mit einem Mal, als wäre es nur eine lästige Fliege, die er gerade erwischt hatte und nur noch loswerden wollte, da sie für ihn keinerlei Sinn oder Zweck erfüllte, warf er das kleine Gewächs über die Schulter und blickte wieder ins Feuer, wie viele Stunden zuvor auch schon...

Sie aßen in der Dämmerung nochmals eine Kleinigkeit. Arranges erklärte, dass er die Nachtwache übernehmen würde, obwohl er erschöpft war, aber das war im Grunde ja nichts Neues... Er setzte sich mit dem Rücken an einen Baum und neigte den Kopf zum Himmel. Schon nach wenigen Minuten war nur noch ein Schnarchen von ihm zu hören...

Glannaragh
24.03.2011, 15:00
Erynn konnte sich ein Lächeln und leichtes Kopfschütteln nicht verkneifen, als leises Schnarchen zu ihr herüberdrang. Also würde sie heute Nacht wohl aufpassen, daß sich ihnen nichts und niemand unbemerkt näherte. Die Schmerzen ließen sie ohnehin noch keine Ruhe finden. Dafür war sie nicht müde genug und außerdem immer noch zu geschockt. Sie betrachtete den Verband und widerstand der Versuchung, die Binden abzuwickeln. Trotzdem hätte sie gerne gewußt, wie es jetzt wohl aussah. Ob sie wirklich so widerwärtig entstellt war, wie sie sich vorstellte. Was solls, Erynn. Du warst auch vorher schon nicht hübsch. Zumindest kannst du eine tolle Geschichte erzählen, wenn dich jemand danach fragt...
Mit Unbehagen dachte sie daran, daß sie noch einmal einen Heiler würde aufsuchen müssen, sobald sie in Skingrad war. In der Magiergilde würde sie gar nicht erst nachfragen – blieb also nur die Kapelle. Erynn ließ sich dort sonst niemals blicken. Die Missionierungsversuche der Cheydinhaler Priesterschaft hatten da ihre Spuren hinterlassen, wie bei den meisten Dunkelelfen der Stadt. Vielleicht doch besser die Gilde... nein, auf keinen Fall. Hinterher ende ich nur als Anschauungsobjekt für irgendwelche pickeligen, milchgesichtigen Novizen: ‚Seht her, Verkrüppelungen wie diese sind üblich für die Haudraufs von nebenan. Wären diese Typen nicht so minderbemittelt, könnten sie sich mit einem Zauber selbst helfen und müßten nicht unsere Zeit mit so einem Quatsch verschwenden – Du da, halte ihren Arm hoch und paß auf, daß du dir deine Robe nicht einsaust.’ Na, vielen Dank! Sie schnaubte ungehalten.
Die Elfin weckte den Beschwörer etwa eine Stunde nach Mitternacht. Wenn sie ihren Weg am nächsten Tag tatsächlich fortsetzen wollten, sollte sie zumindest versuchen, etwas Schlaf zu bekommen.

Der nächste Morgen begann nicht gut für Erynn. Es ärgerte sie maßlos, daß sie weder dabei helfen konnte das Lager abzubrechen, noch dazu in der Lage war, ihr Pferd selbst zu satteln. Sie wartete, bis der Beschwörer so weit war und fühlte sich nutzlos. Arranges fertigte aus den restlichen Verbänden eine Schlinge für ihren Arm und hievte sie dann auf Falchions Rücken. Sie richtete sich einigermaßen bequem im Sattel ein, schlug die Steigbügelriemen vor dem Vorderzwiesel übereinander und ließ ihre bloßen Füße frei an der Flanke des Wallachs herunterbaumeln. Blieb nur zu hoffen, daß sie auf dem Rest des Weges von weiterem Ärger verschont blieben. Momentan war sie wirklich zu nichts zu gebrauchen.
Sie folgten der Goldstraße weiter nach Osten und blieben weitgehend unbehelligt, abgesehen von einigen Kavalleriesoldaten auf Patrouille und einem Händlerkarren beladen mit Wein auf dem Weg nach Anvil begegnete ihnen niemand.
Es wurde Abend, bis sie die Stadt endlich erreichten. Die Kriegerin zügelte ihr Pferd auf der Straße vor den Ställen, schwang ein Bein über den Hals ihres Braunen und ließ sich vorsichtig zu Boden gleiten, übergab ihr Tier dann einem Stallburschen. Sie wandte sich ihrem Begleiter zu: „Ich werde jetzt nach Hause gehen und gleich morgen früh einen Heiler aufsuchen. Du kannst mich in der Gilde finden.“ Sie warf ihm einen frechen Blick zu. „Es sei denn, du willst lieber einen anderen Treffpunkt vorschlagen.“

weuze
24.03.2011, 16:44
'Nun, wie wäre es mit dem Friedhof vor der Stadt?' Erwiderte Arranges und grinste.

Bevor sie sich innerhalb der Stadtmauern trennten, beschied Arranges der Dunmer, dass er sie am nächsten Tag in der Gilde aufsuchen würde. Dann verschwand er. Seine Schritte führten ihn zunächst zur Schmiedin Skingrads. Aber er hatte vergebends gehofft, zu dieser späten Stunde hatte sie ihr Geschäft bereits geschlossen. Er ging zurück zur Taverne Zur Westebene und nahm sich ein Zimmer für die Nacht.

Arranges erwachte erst am späten Vormittag. Er hatte zur Abwechslung hervorragend geschlafen. Er gönnte sich ein üppiges Frühstück und verließ dann die Herberge. Er begab sich wieder zur Schmiedin. Es dauerte eine ganze Weile und bis er schließlich mit neuen Armschienen das Gebäude verließ, hatte die Sonne ihren Zenit längst überschritten. Die Armschienen waren ihren Vorgängern nachempfunden. Eine leichte Lederplatte lag auf dem Handrücken, genau an dessen Form angepasst und dort gehalten von einem leichten Stoffband, welches die Handfläche umschlang. Die flexibel angefügte Lederplatte, welche seinen Arm schützte, schmiegte sich beinahe perfekt an den Unterarm an und machte jede Bewegung problemlos mit. Die längs eingearbeiteten, leichten Stahlstreben verstärkten die Platten noch zusätzlich, sodass Arranges, wie er es in seinem Fechtstil öfter tat, taktische Hiebe blocken und die schweren ablenken konnte. Zufrieden ging er zu Falanus Haus und betrat den Verkaufsraum.

Die Dunmer sah routiniert langweilig von einem Pergament auf dem Ladentisch auf. Als ihr Blick auf den Nekromant fiel, begannen ihre Augen jedoch zu glänzen. 'Arranges!' Der Kaiserliche rang sich ein Lächeln ab, mehr aber auch nicht. Mit einer kurzen Geste gab er ihr zu verstehen, dass er in Eile war, wenngleich das nicht stimmte, aber auf ihre Anhänglichkeit hatte er im Moment nur wenig Lust. Falanu zeigte ihren Unmut darüber, indem sie die Lippen provokant schürzte, dazu aber ein ernst trauriges Gesicht aufsetzte. Arranges ignorierte dies vollkommen. Er gab nur auf, was er an Tränken brauchte und entschied, während er orderte, dass er wohl besser gleich ein paar mehr kaufen sollte.Trotz der Kränkung, die sie durch seine im Moment besonders abweisende Art erfuhr, senkte sie die Preise der Tränke so, dass man es schon fast als geschenkt hätte betrachten können. Mit mehreren starken Heiltränken, einigen arkanen Tränken und einem Trank gegen Krankheiten im Gepäck trat Arranges aus dem Alchemieladen.

Der Magier war sich erst nicht sicher, ob er Erynn noch aufsuchen sollte. Es war bereits später Nachmittag und er wusste nicht, ob es gut wäre mit der arg mitgenommenen Dunmer durch die Nacht zu reiten. Er beschloss dann doch noch zur Gilde zu gehen. Als er das Gildenhaus betrat, war der Erste, den er sah, wieder der Bretone in der makellosen Stahlrüstung. 'Seid gegrüßt... ich möchte zu Erynn Releth...' Der Protektor schaute ihn etwas komisch an, so, als würde er ihn von irgendwoher kennen, war sich aber nicht sicher. 'Darf ich fragen, wer nach ihr verlangt? Sie ist heute Nacht mit einem dick verbundenen Arm hier angekommen und hat heute morgen erst einen Heiler aufgesucht, ich bezweifle, dass sie momentan Aufträge annehmen kann.'
'Arranges ist mein Name,' er deutete eine Verbeugung an 'Ich würde sie trotzdem gern sprechen...' Antwortete Arranges ruhig. Der Bretone seufzte, verschwand aber dann nach oben...

Glannaragh
24.03.2011, 20:05
Hinkend schleppte sich die Dunmer zum Gildenhaus. Sie freute sich, wieder dorthin zu kommen, was sie der Einfachheit halber als Zuhause bezeichnete, und sei es nur für einen kurzen Zwischenstop. Angenehm vertraute Gerüche und Geräusche umfingen sie, als sie durch das Eingangsportal trat. Sie traf Bok Gro-Khuran im Speisesaal an, scheinbar war der Ork in der Skingrader Niederlassung hängengeblieben, ebenso wie sie. Er begrüßte die Elfin freudig, sah allerdings angesichts ihrer Erscheinung von einem kräftigen Schlag auf ihren Rücken ab. Stattdessen stellte er sich auf den unteren Treppenabsatz und brüllte nach Parwen, daß die Wände wackelten. Erynn lächelte in sich hinein. Ja, sie war wieder daheim...

Nach einigen Augenblicken kam die Waldelfe die Treppe heruntergeflitzt. Ihr freudiges Grinsen erstarrte, als ihr Blick den ihrer Freundin traf. Die Begrüßung fiel daraufhin eher pragmatisch aus: „Wie siehst du denn aus?!“ fragte die Bosmer konsterniert, zog einen Stuhl heran und ließ sich darauf fallen. Erynn winkte ab. „Eins nach dem anderen. Erstmal bin ich froh, wieder hier zu sein – auch, wenn ich wohl nur kurz bleiben werde.“
„Wieso? Hat dich die Wanderlust gepackt? Was hast du in den vergangenen Wochen eigentlich getrieben?“
„Jagen hauptsächlich. Bären und Wegelagerer.“ Nun, so ungefähr jedenfalls.
Parwen sah sie ungläubig an. „Wegelagerer. Du. Erynn ‚normalerweise-gibt-es-für-fast-jedes-Problem-eine-friedliche-Lösung’ Releth. Bist du betrunken?“
Sie grinste schief. „Nein. Aber ich wäre es gerne.“ Sie senkte die Stimme und warf sowohl der Bosmer als auch dem Ork einen Blick zu. „Hört zu, ich hab das Rumhängen nicht mehr ausgehalten. Also hab ich mir gedacht, daß ich auf eigene Faust losziehe... Sagt Ah-Malz nichts davon, daß ich mich hier langweile. Er grübelt auch so schon genug, und wahrscheinlich ist es ihm ohnehin klar...“ Zustimmendes Nicken. Der Ork verstand den Wink mit dem Zaunpfahl und besorgte Met, während Erynn ihre Freundin danach fragte, was in letzter Zeit in der Stadt geschehen war. Das Übliche: Die Weinlese war fürs erste durch, die Außenwände der Kapelle wurden gerade renoviert, vor der Stadt war ein Mord geschehen, für den man demnächst wahrscheinlich die Bäckerstochter aufknüpfen würde. Die Stadtwachen faselten in dem Zusammenhang irgendwas von ‚Eifersucht’. Vom Grafen hatte man nichts gehört oder gesehen. Skingrad blieb Skingrad.
„Und was ist jetzt mit deinem Arm passiert? Und... deinem Fuß?“ löcherte die Waldelfin sie nun, als Bok zurückkehrte und ihnen allen einschenkte.
Erynn zögerte. „Ein Oger. Zum Glück war ich nicht allein unterwegs, sonst würde ich hier nicht sitzen...“
„Wer hat dich denn begleitet?“
„Ein Abenteurer, dem genauso langweilig war wie mir...“
„Der Kerl, der vor ein paar Wochen hier war?“ schaltete der Ork sich ein.
„Mhm.“
„Was für ein Kerl?“ Parwen machte große Augen.
„Wie gesagt, ein Abenteurer...“
„Ach?“
Erynn hob abwehrend die rechte Hand. „Wenn du anfängst Gerüchte zu streuen, verhau ich dich!“
„Ja, sicher.“ Die Bosmer grinste.
Damit war das Thema erledigt. Die Dunmer erzählte ein wenig von der Gilde in Anvil und darüber, daß es dort im Zweifelsfalle genug zu tun gäbe, hörte sich im Gegenzug einige Geschichten des Orks an, der wohl in Skingrad bleiben würde, um Grünschnäbel im Nahkampf zu trainieren. Irgendwann, es war schon recht spät, erhob sich Erynn. Sie war längst nicht mehr ganz sicher auf ihren anderthalb Füßen, aber der Abend hatte nicht unerheblich dazu beizutragen, sie aus diesem seltsamen, fast traumwandlerischen Zustand zu holen, der sie befallen hatte als sie den Finger verlor und seitdem wie eine kalte Hand um ihr Herz lag. Parwen bestand darauf sie zu stützen, während sie auf ihr Zimmer ging. Bok sah sich das Schauspiel gefühlte fünf Herzschläge lang mit an, warf sich die Dunmer dann kurzerhand über eine massige Schulter und setzte sie vor ihrer Kammer wieder ab. Söldner waren einfach weniger kompliziert als Magier. Viel weniger. Wie praktisch.

Am nächsten Morgen machte Erynn sehr früh auf den Weg zur Kapelle. Sie wollte diese verdammte Sache hinter sich bringen, so lange sie noch im Halbschlaf war. Zögernd trat sie durch das reichverzierte Portal in das hohe Mittelschiff der Andachtshalle. Ihre Schritte hallten von den Steinfliesen wieder, und sie sah sich ein wenig ratlos um. Man verwies sie schließlich an eine junge Heilerin, welche die Elfin in eine kleine, aber angenehm warme und helle Kammer führte. Als die Frau die Bandagen um ihre Hand löste, hielt die Bogenschützin den Atem an.
Es sah... seltsam aus. Schmal wie die Hand eines Schreiberlings, trotz der Schwellungen, die noch um die Wunde herum waren. Wo der Feuerzauber das rohe Fleisch direkt berührt hatte, hatte es sich weiß verfärbt und mittlerweile eine rissige Kruste gebildet, die an mehreren Stellen näßte – natürliche Resistenz hin oder her. Erynn war einigermaßen entsetzt. Das ist ein Anblick, an den ich mich erst noch werde... gewöhnen... müssen. Sie schüttelte sich unwillkürlich. Die Heilerin versorgte die Verletzung, indem sie ihre Hände darumlegte und eine Art magischen Impuls aussandte. Die Dunmer spürte, wie sich das geschundene Gewebe regenerierte und wieder fest verknüpfte. Es war nicht unangenehm, auch wenn es einen Moment lang scheußlich juckte.
Ihr Unterarm wies zwei deutliche Knicke auf und begann höllisch zu schmerzen, sobald die improvisierte Schiene entfernt war. Erynn stellte sich gerade mental auf eine weitere Tortur ein, als die Klerikerin ihre Hände federleicht auch auf diese Stellen legte und ein hochkonzentrierter, abwesender Ausdruck in ihr Gesicht trat. Sie bewegte einzelne Finger ein wenig, und die Elfin spürte Knochenenden übereinanderschaben, nur für den Bruchteil eines Herzschlags, dann war es vorbei. Die Heilerin wies sie an, die Schiene noch eine Weile zu tragen, verfuhr mit dem Fußgelenk auf ähnliche Weise und entließ sie dann. Die Kriegerin forschte kurz im Gesicht der Frau. Ihr vorhin noch so frisches Antlitz wirkte jetzt erschöpft, als hätte sie bereits einen langen Tag hinter sich. Alles in allem war Erynn jedoch kaum eine halbe Stunde bei ihr gewesen. Magie, wunderte sie sich einmal mehr und schüttelte den Kopf. Mittlerweile wußte sie selbst, wie kräftezehrend der Umgang damit sein konnte, selbst wenn man dafür kaum einen Muskel bewegen mußte.

Zurück im Gildenhaus badete sie ausgiebig, vervollständigte ihr Ausrüstung und aß etwas. Dann legte sie sich schlafen, wenngleich der Mittag gerade erst vorüber war. Sie hatte es sich verdient, befand sie.
Erynn hob den Kopf, als ein dezentes Klopfen an ihrer Zimmertür sie weckte. „Wasn? ...Komm rein.“ Armand streckte den Kopf zur Tür herein. „Da ist ein Kaiserlicher, der Euch sprechen möchte. Er sagt, sein Name sei Arranges.“ Erynn ließ sich wieder auf die Matratze fallen und fuhr sich mit den Händen durchs Haar. Auch das fühlte sich seltsam an. „Sag ihm, ich bin unterwegs“, nuschelte sie undeutlich, erhob sich schließlich und quälte sich in ihre Rüstung. Die Handschuhe klemmte sie hinter ihren Gürtel. Den einen würde sie noch umändern müssen. Mit einiger Mühe und mehr Gefluche wickelte sie ihre Linke wieder in ein paar Leinenstreifen ein. Sie hatte sich den Rest des Tages redlich bemüht, den fehlenden Finger zu ignorieren, aber noch ertrug sie es nicht wirklich, ständig auf die Verstümmelung sehen zu müssen. Nachdem das erledigt war, klemmte sie ihr Gepäck unter den Arm und trabte die Treppe zur Eingangshalle herunter. Sie lächelte, als sie den Beschwörer erblickte, auch, wenn noch immer die Müdigkeit aus ihren Augen sprach. „Guten Abend“, begrüßte sie ihn. „Ich hätte dich heute gar nicht mehr erwartet.“ Dann winkte sie ihm, ihr aus dem Gildenhaus hinaus zu folgen. Was nun gesprochen werden würde, war nicht für die Ohren ihrer Söldnerkollegen bestimmt.

weuze
24.03.2011, 21:54
Der Himmel glühte bereits im Abendrot, als sie auf die Straße vor der Gilde traten. 'Nun, ich war mir selbst nicht sicher, ob ich dich heute noch aufsuchen sollte... du scheinst dich noch nicht wieder ganz erholt zu haben... Wir können auch gern noch eine Nacht in Skingrad bleiben...' Meinte Arranges besorgt. Die Dunmer lehnte ab. Sie beschlossen ohne großes Drumherum und trotz der hereinbrechenden Nacht loszureiten. Stumm waren sich beide einig, dass es wohl das Beste wäre, wenn sie die ganze Sache so schnell wie irgend möglich hinter sich bringen würden. Schließlich fehlte nur noch ein Siegelstein und mit der Hilfe des Argoniers hätten sie schon bald den nächsten Standort eines Tors.

Bis sie ihre Pferde geholt und Skingrad schließlich ganz hinter sich gelassen hatten, war die Sonne untergegangen und überließ den Himmel Masser und Sekunda. Der Kaiserliche fühlte sich nicht ganz wohl bei dem Gedanken, Erynn in ihrem jetzigen Zustand einfach weiterzuschleifen, aber er sagte nichts mehr dazu, es hätte ohnehin kaum Sinn gemacht, mit ihr darüber zu streiten. Skingrad war längst hinterm Horizont verschwunden, als Arranges kurzerhand entschied, dass sie für den Rest der Nacht rasten würden. Ein wenig abseits, südlich der Straße, schlugen sie ihr Lager auf. Als das Feuer endlich hell brannte und sie sich in den warmen Lichtkreis setzten, hörte Arranges plötzlich ein Rascheln im Gebüsch. Sein Kopf fuhr herum und blitzschnell war er auf den Beinen und hatte eine Hand am Schwertgriff. Im nächsten Moment brach ein Bosmer aus dem Unterholz hervor. Der arg auffällig sehnige Mer, gegen den Erynns Erscheinung eher wie die einer schlaffe Schnur wirkte, blieb wie angewurzelt vor Arranges stehen, stützte leicht vornüber gebeugt, die Hände auf die Oberschenkel und war schwer am Atmen, als hätte er gerade die Strecke zwischen Bruma und Leyawiin im Dauersprint zurückgelegt.

Der Fremde war gekleidet wie ein mehr oder weniger normaler Bürger. Eine recht eng anliegende Reiterhose in braun, dazu Läuferschuhe aus Wildleder, eine Gesteppte Weste und ein Gürtel in saftigem Grün, an welchem auf der einen Seite eine kleine Tasche und auf der anderen ein kurzer Dolch hing. Und als Arranges den Gürtel erblickte, entspannte er sich merklich. Ein Staffelläufer?! Einen von den Jungs habe ich das letzte Mal vor 4 Jahren gesehen... Nach einigen Minuten, in denen der Waldelf nur damit beschäftigt war, den wie es schien, enormen Sauerstoffbedarf seines Körpers zu decken, sah er endlich auf. 'Mentor Arranges...?' Der Nekromant nickte. 'Ich komme vom Anwesen Meister Parlovars...' Er sog noch zweimal gierig die Luft ein, bevor er weiterredete: 'Ich soll euch mitteilen, dass eure Hilfe dringend benötigt wird dort... Die Abtrünnigen... sie greifen Anwesen und Stützpunkte auf ganz Tamriel an... brennen nieder oder besetzen... töten alle, die sich ihnen in den Weg stellen...' Ein Ausdruck purer Verwirrung und Unverständnis zeichnete sich auf dem Gesicht des Kaiserlichen ab. 'Die... Abtrünnigen Meister greifen mit ihrem Gefolge Anwesen unserer Meister an?'
'Ja... meistens in der Nacht... und meistens in der Überzahl... Aus Himmelsrand und Hochfels kam schon seit mindestens zwei Wochen keine Nachricht mehr... die Gathering geht davon aus, dass hier bereits die Abtrünnigen gewütet haben, zudem auch bis jetzt noch kein Überlebender von den Anwesen und Stützpunkten von dort aufgetaucht ist...'
'Aber wie kann das sein?! Solcherlei offene Kampfhandlungen müssten doch die Legion auf den Plan rufen?' Der Magier konnte noch nicht recht glauben, was er hörte. 'Davon gingen auch die Großmeister zunächst aus, bis sich logischerweise von selbst schlussfolgerte, dass viele der Stützpunkte und Anwesen so sehr abgeschieden liegen, dass die Kämpfe kaum bis in wirklich zivilisierte Gegenden vordringen könnten...'
'Und warum verteidigt Meister Parlovar sein Anwesen nicht selbst? Er könnte es locker mit Botschaftern aufnehmen...'
'Er ist gar nicht dort... die Abtrünnigen greifen wie es aussieht, nicht wahllos an... sie haben die Kräfte der Gathering, nachdem diese zwar unendlich träge, aber endlich reagierte, bei den größeren und wichtigeren Anwesen gebunden, sodass jetzt an einigen kleineren Orten Schüler gegen Botschafter und Mentoren stehen... Das Anwesen des Meisters wurde vorletzte Nacht das erste Mal angegriffen... Meisterin Marie wurde als die Nächste informiert, aber von ihr kam bis heute keine Antwort... momentan sind wir, die Staffelläufer, auch die einzige Kommunikation zwischen den Stützpunkten, da die Botschafter in viele der Kampfhandlungen verstrickt sind...' Arranges schwieg einige Augenblicke, er konnte nicht fassen, was ihm soeben erzählt wurde. 'Wie alt sind diese Nachrichten?'
'Der Läufer kam gestern Mittag bei dem Anwesen an, seit dem bin ich unterwegs, nachdem es hieß, dass ihr hier zugegen sein müsstet und momentan der Einzige, der tatsächlich etwas ausrichten könnte... Mir wurde also der Umweg zu euch aufgetragen, bevor ich mich weiter nach Hammerfell bewege...' Der Beschwörer kam nicht umhin, den Bosmer bewundernd anzublicken. So eine Strecke in knapp 12 Stunden war mehr als beeindruckend. 'Wie sieht es dort im Moment aus?'
'Auf dem Anwesen? Vielleicht 10 oder 15 Schüler gegen 3 Botschafter, einen Mentoren und unzählige Novizen...' Arranges blieb nicht mehr als entsetzt zu keuchen. 'Es war reines Glück so wurde mir gesagt, dass sie den ersten Angriff abwehren konnten... allerdings glaube ich eher, dass es ein Anstechen war um zu sehen, wer das Anwesen verteidigt... ähnlich lief es anscheinend bei vielen der kleineren und aufgrund der vermuteten Strategie der Abtrünnigen, die ich schon zuvor nannte, eher schwach besetzten Stützpunkte ab...' Arranges sah mit leerem Blick zu Boden. 'Braucht ihr sonst noch Informationen, Mentor?'
'Nein... und danke, dass ich über die aktuelle Situation unterrichtet wurde...' Sagte Arranges abwesend. Der Läufer verlor keine Zeit und nach einem kurzen Wink war er auch schon wieder in der Nacht verschwunden.

Arranges ließ sich wo er saß auf den Boden plumpsen und sah immer noch geistesabwesend zu Boden. Wie kann das sein... was für einen Grund haben die Abtrünnigen, die Gathering vernichten zu wollen... und vor allem, woher nehmen sie plötzlich die Übermacht... es sind drei Meister und selbst wenn ihr Gefolge deutlich größer gewesen wäre, so kämen die Meister für sich genommen schon nicht gegen die Gathering an... Und wie kann es sein, dass sie noch Botschafter übrig haben, um sie trotzdem noch gegen Schüler zu schicken, wo sie doch einige mehr benötigen, um die gesamten Kräfte der Gathering andernorts zu binden...?!

Glannaragh
24.03.2011, 23:25
Erynn protestierte nicht, als Arranges schon nach relativ kurzer Zeit entschied, daß sie ihren Weg in deser Nacht nicht weiter fortsetzen würden. So ganz wiederhergestellt war sie noch lange nicht, wenngeich die Schmerzen verschwunden und durch einen leichten, konstanten Druck auf den verwundeten Stellen ersetzt worden waren. Die Heilmagie, welche ihren Körper gezwungen hatte, sich weit schneller als es natürlich war zu regenerieren, ließ sie ziemlich erschöpft zurück.
Sie fuhr hoch, als sie ein Geräusch aus den Büschen neben ihr vernahm. Ein Waldelf kam schlitternd vor dem Kaiserlichen zum Stehen, etwa einen Kopf kleiner als sie selbst und durchtrainiert wie ein Rennpferd. Schweiß schimmerte auf Schläfen und Hals, die nachtschwarzen Augen glänzten fiebrig. Er war längst jenseits von Erschöpfung und Schmerzempfinden.
Fassungslos hörte sie mit an, was der Mer zu berichten hatte. Für sie selbst war alles ziemlich verwirrend, so gut kannte sie die Strukturen innerhalb der Gathering noch nicht. Sie verstand jedoch genug um zu begreifen, daß sich die Befürchtungen, welche sie schon die ganze Zeit über die Abtrünnigen hegte, jetzt zu bewahrheiten schienen. Arranges indes erfaßte das Ausmaß dessen, was vor sich ging, scheinbar ziemlich genau. Ein Blick in sein Gesicht offenbarte ein Entsetzen, wie sie es bei ihm noch nie gesehen hatte. Der Bosmer verschwand, nachdem er seine Nachricht überbracht hatte, und sie waren wieder allein. Der Beschwörer sackte in sich zusammen.
Erynn beobachtete ihren Begleiter genau und behielt für eine Weile vorsichtiges Schweigen. Sie konnte nicht im Geringsten einschätzen, wie seine nächste Reaktion wohl aussehen mochte und befürchtete, mit einem falschen Wort den Kessel zum Platzen zu bringen. Dennoch, sie brauchte Antworten. Irgendwo dampfte die Kacke gewaltig, und sie steckte mittendrin. Schon wieder.

„Wer... wer ist Parlovar?“ fragte sie schließlich zögernd. „Wo ist dieses Anwesen? Und... wie gehen wir jetzt vor? Reiten wir hin, oder verfolgen wir weiter die Suche nach den Siegelsteinen?“

weuze
25.03.2011, 21:27
Dem Kaiserlichen schossen allerhand Gedanken durch den Kopf. Er versuchte die Lage irgendwie einzuschätzen, versuchte sich ein Bild davon su machen, was sinnvoll wäre, ob es sich lohnt, zum Anwesen zu reiten oder ob er besser daran täte, endlich den dritten Siegelstein zu holen... Wer war noch betroffen, vielleicht waren auch schon viele tot, die er kannte... was wenn Meister Juranos Anwesen ebenfalls angegriffen worden war... Und plötzlich wurden seine Gedanken von Erynns Worten einfach zerfetzt. Er schaute leicht verwirrt auf. 'Wir?!' Er schüttelte entschieden den Kopf. 'Wenn überhaupt ich... und ausschließlich ich... du wirst nach Skingrad zurückreiten...!'

Vor wenigen Wochen noch hätte Erynn zustimmend genickt, wäre auf ihr Pferd gestiegen und hätte sich im Gildenhaus verkrochen. Doch es war zu viel geschehen, um Arranges jetzt den Rücken zu kehren. Sie schüttelte ihrerseits nachdrücklich den Kopf. "Vergiß es. Ich lasse dich nicht allein gehen." Sie seufzte. "Ich stecke schon längst viel zu tief in der ganzen Sache drin, Beschwörer. Ich kann mich nicht einfach verpissen."

'Verdammt nochmal Erynn, die ganze Sache ist auch so schon schwer genug... mach es nicht noch schlimmer... du gehst zurück, weil ich über dich... verfüge... ja, verfüge... also bitte... sei brav, setz dich auf dein Pferd und mach dass du wegkommst!' An der Stimme allein war schon zu erkennen, dass es Arranges bitter Ernst damit war.

Sie schlug die Augen nieder und fühlte sich für einen Augenblick lang tatsächlich wie ein störrisches, ungezogenes Kind. Dann straffte sie ihre Gestalt und blikcte ihr Gegenüber ruhig an. "Du verfügst über mich, Arranges? Bist du dir so sicher, was das betrifft? Vielleicht mag die Gathering das glauben, und die Abtrünnigen auch... Verflucht, du sturköpfiger Hammel, ich will einfach nicht, daß du dich allein in eine Sache stürzt, die überhaupt nicht einschätzbar ist!" fauchte Erynn mit plötzlicher Heftigkeit. "Woher weißt du, daß dieser Bote echt war? Woher weißt du, daß es keine Falle ist? Die Abtrünnigen haben schon einmal versucht, dich in ihre Finger zu bekommen. Was sagt dir, daß sie ihre Methoden nicht ändern, um Erfolg damit zu haben?"

Der Kaiserliche zuckte zusammen und sah sie einen Moment nur fragend an. 'Ein weiterer Grund dafür, dass du nicht dabei sein wirst... ich will nicht verantworten, dich in diese missliche Situation noch weiter hinein zuziehen! Was du willst oder nicht willst, ist mir egal... das nächste Mal muss ich dir noch ein Bein abnehmen, aber davor würde ich mich eher in die nächstbeste Klinge stürzen... also bitte, verschwinde einfach...' Die letzten Worte sprach er nur noch leise.

"Arranges... wir wissen nicht, was vor sich geht. Nach allem, was uns bekannt ist, sind die Angriffe gezielt, effizient und vor allem schnell. Die Verräter kennen die Schwachstellen und wissen sie zu nutzen. Sie suchen sich Ziele aus, die nur wenig verteidigt sind, schlagen zu und verschwinden, bevor Verstärkung eintrifft."
Sie beugte sich vor, faßte das Kinn des Kaiserlichen mit festem Griff und zwang ihn dazu, sie anzusehen. "Ich weiß, du willst mich nicht in Gefahr bringen. Ich weiß das auch zu schätzen. Aber wenn du mich jetzt alleine fortschickst... wie lange, glaubst du, könnte ich mich gegen die Abtrünnigen wehren, wenn sie beschließen mich zu fangen und als Druckmittel gegen dich einzusetzen?" fragte sie mit gequälter Stimme. "Deine größte Schwachstelle im Moment... bin ich."

NEIN! Ich bin Mentor Arranges, ich habe nichts, was die Bezeichnung Schwachstelle verdient hätte! Der Nekromant machte sich grob vom Griff der Dunmer los und wich zurück. Man sah ihm deutlich an, dass er hin und her gerissen war. Einerseits sagte etwas in ihm mit Nachdruck, Erynn zu zwingen, nach Skingrad zurückzukehren, aber auf der anderen Seite haderte er mit sich selbst, da er irgendwo im Hinterkopf genau wusste, dass sie Recht hatte... 'Aber die Abtrünnigen... sie wissen nichts... was sollten sie mit dir als Druckmittel, ich meine... es... sie dürfen nicht... Es würde keinen Sinn ergeben, dich als Druckmittel zu verwenden...' Hatte er zuvor noch ganz genau gewusst, was er tun würde und wollte, so war er jetzt völlig ratlos und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass Erynn einfach aufsitzen würde und davonreiten würde...

Erynn starrte den Kaiserlichen weiter an, ohne einmal zu blinzeln. Er begann schon wieder, sich die Realität passend zu biegen, wie so oft, wenn die Dinge aus dem Ruder liefen. "Was dürfen sie nicht? Welche Grenzen halten diese Leute noch? Es sind Verräter, oder nicht? Und was genau wissen sie nicht? Wo sie uns finden?" die Elfin schnaubte abfällig, fixierte dann wieder den Beschwörer. "Bin ich ein geeignetes Druckmittel, Arranges? Beantworte die Frage ehrlich. Mir und auch dir selbst gegenüber."

Er blickte durch Erynn hindurch, schien sie gar nicht zu sehen und schaute stattdessen auf das bröckelnde, rissige Konstrukt, das einmal die funktionierende Gathering gewesen war, ohne großes Wenn und Aber... die Gemeinschaft, die ihn aufgenommen hatte, ohne ihn wegen seiner Vergangenheit irgendwie zu verurteilen... Die Gathering war im Begriff zu zerfallen... aber das durfte einfach nicht sein... aber noch sehr viel weniger wollte Arranges riskieren, dass Erynn nochmals etwas zustößt, die Sache mit ihrem Finger hing immer noch lose in seinem Verstand herum und schwelte vor sich hin... Er konnte der Dunmer nicht länger in die Augen blicken und schaute auf den Boden. Als er den Kopf nach einigen Herzschlägen wieder hob, beantwortete er ihre Frage mit tonloser, leicht zitternder Stimme: 'Ja...'

Die Elfin schloß langsam die Augen, brach den unnachgiebigen Blick, mit dem sie ihren Begleiter festgehalten hatte. Verdammt... "Wo ist dieses Anwesen, Arranges?" fragte sie ruhig.

Arranges war nicht ganz sicher, was er von der Reaktion der Elfe halten sollte, aber jetzt, da er schoneinmal nachgegeben hatte, konnte er ihr auch das sagen. 'Das Anwesen liegt nordwestlich der Stadt Dune an der Grenze zwischen Elsweyr und Valenwald. Ich selbst habe das Anwesen nur einmal sehr kurz gesehen... es steht auf einer niedrigen Anhöhe in mitten des lichten Waldlandes, das sich wie ein Gürtel um den dichten Urwald im Herzen der Heimat der Bosmer legt. Das Anwesen selbst sieht einfach gesagt, einer schlichten Turmburg aus massiven Holzstämmen gleich. Ein gut 10 Meter hoher Turm, an welchen sich ein unregelmäßiges Wohngebäude anlehnt. Umgeben ist das Anwesen von einer mannshohen Palisade. Ich weiss nicht, wie es jetzt dort aussieht, geschweige denn, ob es dort Möglichkeiten zur Unterbringung der Verletzten gibt, ich habe das Gebäude zwar von innen gesehen, aber es wirkt eher wie ein etwas größeres Haus des Adels... Meister Parlovar ist ein mächtiger Magier und ein noch mächtigerer Nekromant. Er legt viel Wert darauf, möglichst unauffällig zu agieren und zu leben... seltsamerweise erregt er auch mit seinem Anwesen nicht wirklich Aufsehen, was sicherlich zu einem Großteil daran liegt, dass es eben recht abgeschieden ist...'

Erynn hörte genau zu, was Arranges über das Haus des Meisters zu sagen hatte. Die befestigung des Ortes schien nicht über das übliche Maß hinauszugehen, was aber, bedachte man die Macht der Gatheringmitglieder, unter normalen Umständen auch nicht nötig sein dürfte. Allein, es waren keine normalen Umstände.
"Bewaldete Umgebung, sagst du? Sind die Bäume hoch und dicht genug, daß sich ein Schütze darin verstecken könnte und einigermaßen Sicht auf irgendwelche Belagerer hätte?" Sie schaute versonnen vor sich ins Leere, ging die dürftigen Informationen wieder und wieder durch, um nur nicht über dieses eine, leise 'ja' nachdenken zu müssen, das ihr einen so tiefen Einblick in das Innere ihres Begleiters gegeben hatte. Es tat ihr in der Seele weh, dem Beschwörer eine solche Last zu sein, und zugleich war sie froh, daß sie es ihm hatte ausreden können sie wegzuschicken. Allein der Gedanke daran, er könnte sich aus übertriebener Sorge um sie ohne Rückendeckung auf so einen Irrsinn einlassen, machte sie rasend.
"Mach dir keine Gedanken um mich", setzte sie schließlich hinzu und blickte wieder in sein angespanntes Gesicht. "Ich werd meinen Kopf schon unten halten."

Die letzten Worte der Elfe trugen nicht wirklich dazu bei, dass Arranges sich entspannte, im Gegenteil. Jetzt, da er ernsthaft über die wahrscheinliche Lage dort nachdachte, verspürte er mehr noch als vor ein paar Minuten, den Wunsch, Erynn einfach wegzuschicken oder direkt in den Sattel zu springen und einfach loszureiten. 'Ja... die Bäume sind recht hoch, aber die Kronen insgesamt eher schmahl... ein Waldelf könnte sich in den Wipfeln vielleicht gut verstecken...' Murmelte er vor sich hin. Er überlegte noch einen Moment, wie er sagen konnte, was er gerade tatsächlich dachte, dann stand er auf. 'Ich werde direkt losreiten... Vermutlich werde ich nur ein niedergebranntes Anwesen vorfinden, aber dafür könnte ich mir dann ein besseres Bild von der Gesamtsituation machen... Du kannst nach Skingrad zurückgehen, wenn du willst, ich erwarte nicht von dir, dass du mitkommst...' Während er zu seinem Rotfuchs ging um die Verschnürung der Satteltaschen zu kontrollieren und allgemein Anstalten machte, das Lager abzubrechen, fügte er noch flüsternd hinzu: 'Verschwinde doch einfach und mach es mir nicht ganz so schwer...' Die grundlegende Sorge hatte schließlich über die Vermutung, dass die Abtrünnigen sie entführen und als Druckmittel gegen ihn verwenden könnten, gesiegt.

"Fang nicht schon wieder damit an." Erynn ging dem Beschwörer hinüber und packte ihn fest bei den Schultern. "Glaubst du etwa, ich will dich bei diesem Haus sehen? Denkst du wirklich, ich könnte mich seelenruhig in der Gilde schlafen legen und wie ein zahmes Weibchen darauf warten, daß du irgendwann zurückkehrst - oder auch nicht? Wir haben zu viel gemeinsam durchgestanden. Ich lasse dich nicht alleine gehen. Ende der Diskussion." Mit diesen Worten wandte sie ab, schwang sich auf den Rücken ihres Wallachs und wartete darauf, daß Arranges ebenfalls aufsaß.

Arranges seufzte. Es würde nichts bringen weiter darüber zu reden, Erynn würde nicht locker lassen. Er trat das Feuer aus und saß dann ebenfalls auf. Er wandte sich nochmals zu der Dunmer um, als wollte er etwas sagen, machte aber dann nur eine wegwerfende Geste und preschte ungeachtet des stark bewachsenen und unebenen Geländes los.

Glannaragh
26.03.2011, 12:16
Erynn drückte ihrem Braunen die Fersen in die Flanken und jagte hinter Arranges her. Tief über die Hälse ihrer Pferde gebeugt, ritten sie in halsbrecherischem Tempo strack nach Süden, weiter in das Hinterland der Grafschaft Skingrad herein. Die Elfin holte das Letzte aus ihrem Reittier heraus, um den Anschluß nicht zu verlieren – Falchion war ein Gebrauchspferd, kein hochbeiniger Blüter wie der Fuchshengst. Nach einer Weile jedoch fand der Wallach seinen Rhythmus, streckte Hals und Rücken und griff mehr Raum. Außer dumpfem Hufschlag und dem Schnauben der Tiere war lange Zeit nichts zu hören.
Die Monde standen voll am Himmel, warfen ihr Licht auf die hügelige, grasbewachsene Landschaft. Dennoch blieb ihr Manöver tückisch. Mehr als einmal gelang es ihnen nur knapp, halb überwachsenen Steinen auszuweichen, die ihren Pferden leicht hätten die Beine brechen können. Mitternacht war vorüber, als sie an der Quelle des Strid vorüberflogen. Als sie die Stelle erreichten, an der Cyrodiil an die Grenzen von Elsweyr und Valenwald stieß, dämmerte bereits der Morgen. Die Landschaft veränderte sich zuehends, das Grasland wich mehr und mehr einem schattigen Laubwald. Arranges zügelte den Rotfuchs und orientierte sich kurz, korrigierte die Richtung nach Südwesten und stetzte den Weg im flotten Trab fort. Das Blätterdach von Valenwald schloß sich über ihnen, während sie sich jetzt rasch ihrem Ziel näherten. Auf ihrem ganzen Weg waren sie noch keiner Menschenseele begegnet. Sie erreichten einen schmalen, überwachsenen Weg, der sich in leichten Windungen ausfwärts schlängelte. Erynn entdeckte hier und da plattgetretene Pflanzen und abgeknickte Zweige.
Plötzlich parierte der Beschwörer sein Pferd zum Halt und hob warnend eine Hand. Erynn hielt ihr Tier ebenfalls an und lauschte. Es war still – zu still für einen mit Leben gefüllten Wald. Sie glaubte, von irgendwoher Rauch riechen zu können.
Langsam setzten sie sich wieder in Bewegung und folgten dem Pfad ein Stück weiter. Die Bäume lichteten sich, der Brandgeruch wurde stärker. Dann konnten sie bleiche Qualmsäulen sehen, die sich träge in den Himmel schraubten und im Wind zerfaserten.
Nach einigen weiteren Minuten erreichten sie den Ort des Geschehens und blickten fassungslos auf die Szenerie. Verbrannte Erde, die Bäume im näheren Umkreis von Feuer geschwärzt, die Holzpalisade um das Anwesen herum fehlte zum großen Teil. Nur wenige der Pfosten, so hoch wie zwei Mann, reckten sich noch wie stumme Mahnwachen in die Höhe. Der obere Teil des hölzernen Frieds in der Mitte der Befestigung war weggerissen worden, die Trümmer lagen versteut und noch immer qualmend im Innenhof verstreut, hatten sich wie Schrapnelle in den Boden und umliegende Gebäude gebohrt. Die Reste des turms ächzten bedenklich und schienen jeden Moment einstürzen zu wollen.
Die Elfin glaubte, in dem Chaos eine Bewegung ausmachen zu können. Nur einen Herzschlag später fegte ein Schockzauber heran, verfehlte die beiden Reiter nur knapp und schlug in ein schon ziemlich mitgenommenes Gebüsch ein, das sofort Feuer fing. Arranges fluchte kreativ, brüllte etwas von holzköpfigen Idioten und gab sich als Mentor zu erkennen.

Stille. Für eine Weile regte sich nichts, dann kamen mehrere, arg abgerissen wirkende Gestalten aus der Deckung hervor. Zehn, vielleicht fünfzehn, alle jung und völlig erschöpft. In ihren müden Augen lag Mißtrauen, aber auch so etwas wie vorsichtige Hoffnung. Sie lenkten ihre Pferde zu dem zerschmetterten Tor, als sich ein Rothwardon aus der Gruppe löste und auf sie zukam, ihnen die Handflächen in einer beschwichtigenden Geste entgegenstreckend. Er war noch kaum ein Mann, in dem schmalen, faltenlosen Gesicht zeigte sich gerade der erste, spärliche Bartflaum.
„Seid gegrüßt, Mentor Arranges“, sagte er „und vergebt uns die unfreundliche Begrüßung. Wir hatten nicht mehr damit gerechnet, daß noch Hilfe eintreffen würde. Wie ihr seht, haben die Verräter nicht viel übrig gelassen. Sie kamen vor zwei Nächten, ohne Vorwarnung, und griffen sofort an. Ich weiß nicht, wie viele es waren, aber es war mindestens ein Botschafter darunter. Uns blieb nicht einmal die Zeit, die Palisaden zu bemannen. Sie fegten durch die Anlage wie Mehrunes Dagons Zorn, brandschatzten und brachten alle um, die sich nicht schnell genug verstecken konnten...“ seine Stimme brach. „Zwölf von uns sind tot, zwei Schülerinnen haben sie weggeschleppt. Ich weiß nicht, was sie mit ihnen vorhaben. Dann... verschwanden sie so plötzlich, wie sie gekommen waren.“
Arranges’ Gesicht versteinerte, während der Junge sprach. „Was ist mit Meister Parlovar?“ verlangte er zu wissen. „Ich... ich weiß es nicht. Der Meister war nicht hier, als der Angriff stattfand, und wir haben noch nichts von ihm gehört. Wir harren hier aus und warten darauf, daß irgendwas geschieht. Wenn der Meister nicht bald wiederkommt, werden die Verräter noch einmal angreifen, befürchte ich. Aber dann werden wir sie nicht abwehren können...“ Der Rothwardon schluckte hart und kämpfte gegen die Tränen. „So wie es aussieht, konntet ihr das auch schon beim ersten Mal nicht“, gab der Kaiserliche kühl zurück. „was würde Meister Parlovar wohl dazu sagen wenn er erfährt, was für Jammerlappen er sich hier herangezüchtet hat?“ Er schwang sich aus dem Sattel. „Ich will mit den anderen Überlebenden sprechen.“
Erynn ließ sich ebenfalls vom Rücken ihres Pferdes gleiten und schlüpfte wieder in die Rolle der Schülerin. Sie verneigte sich knapp vor dem Beschwörer, griff nach den Zügeln des Fuchses und führte die beiden schweißnassen Reittiere trocken, während Arranges dem Jungen in die zerstörte Festung folgte.
Bei allen Göttern, dachte sie und ließ ihren Blick über die Verwüstung schweifen. Welche Kräfte müssen hier gewirkt worden sein, um fast alles dem Erdboden gleichzumachen? Sie bemerkte, daß ein paar der jüngeren Schüler sie beobachteten. Die zwei Khajiitmädchen und ein Nord mochten vielleicht fünfzehn Jahre alt sein, auch wenn sie sich bei den Katzenwesen nicht ganz sicher war. Erynn wandte den Blick ab und konzentrierte sich wieder auf die Pferde.

weuze
26.03.2011, 14:55
Arranges ging hinter dem Rothwardonen her und trat in das abrissreife Wohngebäude ein. Es war ein niedriger, dafür aber langer Bau und erinnerte ein wenig an die Langhäuser der Nords. Die Einrichtung drinnen war arg beschädigt worden, überall lagen kleinere Trümmerhaufen herum, die von der Decke gestürzt waren. 'Wo sind die Leichen?'
'Mentor?'
'Ja, du hast mich schon richtig verstanden, wo sind die sterblichen Überreste der toten Schüler vom ersten Angriffs?' Arranges klang arg gereizt. 'Es ist kaum etwas übrig, das man noch als Leichen bezeichnen könnte. Und jene, die noch an einem Stück waren, haben die Angreifer mitgenommen...'
'Mitgenommen?'
'Ja Herr, mitgenommen. Sie haben die nicht völlig zerfetzten oder verkohlten Leichen mitgenommen...' Verflucht, was haben diese Bastarde nur vor? 'Wer ist der älteste Schüler hier?'
'Ich...' Bei dieser Antwort schaute Arranges den Rothwardonen der vielleicht gerade die 20 erreicht hatte, entgeistert an. Dann fasste er sich nur an die Stirn und schüttelte den Kopf. Aufgeben und diese Schüler hier rausholen, wäre das Beste... aber dann hätten die Abtrünnigen gewonnen... 'Mentor... stimmt etwas nicht?'
'Bring mir jene Schüler, welche direkt von Meister Parlovar gelehrt werden!' Der Bursche verbeugte sich knapp und verschwand dann. Arranges ließ sich kraftlos auf einen der noch halbwegs heilen Stühle an der langen Tafel - oder das was noch von ihr übrig war - fallen und Stützte die Stirn in den auf der Tischplatte aufgestellten Arm. Ich verteidige eine Kinderholzburg mit unerfahrenen Schülern gegen Botschafter... wie soll das funktionieren?! Die löchrige Tür schwang auf und eine 19-jährige Bretonin, sowie eine gleichaltrige Nord kamen herein. Beide Mädchen sahen müde und erschöpft aus, ihre Roben waren fransig und zerschlissen, das Haar stand der einen strähnig ins Gesicht, während die braunen Locken der anderen wirr vom Kopf fielen. Angesichts des Alters seufzte Arranges. Er erhob sich und trat den beiden gegenüber. 'Ihr kennt euch hier auf dem Anwesen aus?' Während die Nord nur den Kopf schüttelte, antwortete die Bretonin: 'Ja Mentor... ich kenne die ganzen Räumlichkeitn hier recht gut...'
'Wenigstens etwas... du,' er deutete auf die Nord, 'sie zu, dass bis in einer halben Stunde etwa, alle Schüler hier versammelt sind!' Die Nord verschwand hastig aus dem Gebäude.
'Dein Name?'
'Tujenne.'
'Weisst du ob Meister Parlovar hier irgendwo Seelensteine lagert... und wenn ja, ob diese geladen sind?'
'Ja Herr, es gibt ein paar geheime Räume im Keller, die die Angreifer soweit ich weiss nicht gefunden haben...'
'Sehr schön, dann geh und hol mir alle verbliebenen Seelensteine....'
'Sehr wohl!' Die Bretonin verbeugte sich und verschwand dann im hinteren Teil des Gebäudes, wo eine Treppe nach unten führte.

Arranges indessen kehrte den Blick nach innen... er wusste nicht, was er tun sollte, dieser Trümmerhaufen war praktisch unhaltbar, er allein konnte es mit einem Botschafter nicht wirklich aufnehmen... und sobald es mehr als einer sein würden, hätten sie keine reelle Chance mehr. Er wusste noch nichteinmal, warum er die Schülerin jetzt die Seelensteine holen ließ, er hatte zwar eine grobe Idee, zweifelte aber daran, dass sie irgendwie funktionieren könnte... Kraftlos hing er in dem Stuhl und starrte vor sich hin. Wir warten hier auf unsere Vernichtung, anstatt dass ich den dritten Siegelstein hole und man dem ganzen Spuk ein Ende bereiten könnte...

Glannaragh
26.03.2011, 16:13
Nachdem sich der Atem der Pferde wieder beruhigt hatte, band Erynn die Tiere an einer einigermaßen geschützten Stelle an und warf ihnen Decken über. Sie ließ sie aufgesattelt, war doch nicht abzuschätzen, ob sie demnächst schnell würden verschwinden müssen.
Sie ging ein paar Schritte und sah sich um. Zumindest auf den ersten Blick war nichts mehr erhalten, was den Begriff ‚Verteidigungsstellung’ verdient hätte. Sie fluchte unterdrückt, dann folgte sie dem Beschwörer in das Innere des Gebäudes, in dem er verschwunden war.
Die Elfin fand ihn allein, tief in Gedanken versunken auf einem wackligen Stuhl zusammengesackt.
„Arranges?“ langsam trat sie an ihn heran. „Hier gibt es nichts mehr, was man noch verteidigen könnte... wir können uns hier nirgendwo eingraben. Die Palisaden zumindest notdürftig wieder zu ersetzen, würde lange dauern – zumal ich bezweifle, daß es so etwas wie Zimmerleute unter den Schülern gibt.“ Sie zögerte. „Falls du einen Vorschlag hören willst... ich sage, wir geben diesen Stützpunkt auf und ziehen uns in den Wald zurück, versuchen herauszufinden, welche Fähigkeiten die Überlebenden haben. Sollten die Verräter zurückkommen um zu plündern, warten wir bis sie die Gebäude betreten haben und brennen nieder, was noch übrig ist.“ Sie lehnte sich an den Tisch. „Ich weiß, das gefällt dir nicht. Aber wenn du keinen anderen Plan hast, ist das die einzige Möglichkeit, die ich sehe...“

weuze
26.03.2011, 17:01
Arranges schreckte hoch, als Erynn begann zu reden. Er hörte ihr zu, schüttelte aber nur den Kopf, als sie fertig war. 'Für so einen Hinterhalt sind wir entschieden zu wenige. Die Abtrünnigen haben zweifellos die gesamte Gegend um das Anwesen herum im Blick... ich glaube auch nicht wirklich, dass wir von ihnen unbemerkt geblieben sind... Nein, wenn wir das Anwesen jetzt verlassen und uns irgendwo im Wald versuchen zu verschanzen, werden sie kommen und uns auseinandertreiben und aufreiben...' Arranges stand auf und blickte missmutig umher. 'Wir sitzen hier in der Falle und uns bleibt nicht mehr, als zu warten, dass sie zuschnappt und uns zermalmt... wir könnten nichteinmal mit den Schülern flüchten, ohne zu riskieren, dass die Flucht in einem heillosen Gemetzel enden würde.' Arranges hob gedankenverloren einen armlangen Splitter eines Dachbalkens auf und drehte ihn in der Hand. 'Es gibt eine Möglichkeit, aber... aber so wie ich das sehe, ist außer den beiden Mädche und vielleicht noch dem Rothwardonen keiner der Schüler in der Lage auch nur eine Spruchrolle richtig einzusetzen... Vielleicht kann der ein oder andere mit dem Bogen umgehen und sicherlich weiss jeder von ihnen, wo bei einem Schwert der Griff und wo der Ort ist, aber mehr auch nicht... Sie stehen alle noch relativ am Anfang ihrer Ausbildung, mehr als einen torkelnden Zombie oder ein einfaches Skelett bekommen diese Schüler noch nicht hin... es ist Übertreibung hier von Fähigkeiten zu sprechen...' Seine Worte klangen sowohl niedergeschlagen, als auch wütend darüber, dass er keinerlei Möglichkeit sah den Verrätern die Stirn zu bieten. Zornig schleuderte er das Holzstück gegen die Wand und drehte sich zu Erynn um. 'Schau sie dir an, es sind verängstigte Mädchen und Burschen, die meisten von ihnen noch fast Kinder... wir...' In diesem Moment kam die Bretonin wieder aus dem Keller herauf. Sie hatte sich einen schwer wirkenden Sack über die Schulter geworfen, den sie jetzt auf den Tisch fallen ließ. Der Inhalt klimperte vielversprechend.

Arranges warf Erynn noch einen letzten vielsagenden aber dennoch unzufriedenen Blick zu. 'Gut, nun geh nach draussen und sag den anderen bescheid, dass sie die verbliebenen ganzen Holzstämme der Palisaden zusammentragen sollen...' Das Mädchen verschwand, während Arranges zu dem Sack hinüberging. Er war voll mit Seelensteinen. Und als er einen in die Hand nahm, stellte er erleichtert fest, dass sie geladen waren. Er drehte sich zu Erynn um. 'Beherrschst du die Schrift der Daedra?'

Glannaragh
26.03.2011, 20:40
Erynn lachte humorlos auf. „Nein, sowas kann ich nicht lesen.“ Verärgert über sich selbst verschränkte sie die Arme. „Aber ich kann vielleicht jemanden auftreiben, der die Schrift beherrscht. Irgendwas müssen die Schüler hier doch gelernt haben.“
Sie betrachtete den Seelenstein in Arranges’ Hand. „Du wirst wahrscheinlich genug zu tun haben in nächster Zeit. Ich werde mich darum kümmern, die Arbeiten zu koordinieren und herausfinden, ob es hier sowas wie Geheimgänge, Fluchtwege oder besonders geschützte Räume gibt, was an Vorräten und Waffen erhalten ist und ähnliches. Wenn du etwas brauchst, dann sag bescheid, ich werde dir die Leute freistellen... mehr kann ich leider nicht tun, aber meine Fähigkeiten dürften so am Besten eingesetzt sein.“ Sie seufzte. „Falls wir das hier überleben, will ich lernen wie man Daedra beschwört. Und es wäre schön, wenn du mir das Lesen richtig beibringen könntest. Was willst du mit den Seelensteinen?“

'Prügelknabe...' Nuschelte Arranges vor sich hin... 'Auch ein beschworenes Dremora wird dir nicht das geben können, was du dir davon erwünschst...' Er grinste breit. 'Aber das Lesen und Schreiben daedrischer Lettern kann ich dir beibringen, dann kannst du wenigstens ordentliche Liebesbriefe nach Oblivion schicken ohne dich gleich lächerlich zu machen... was ich mit den Seelensteinen will? Nun ganz einfach, ich werde mit ihnen dafür sorgen, dass ich dir das alles nicht im Reich des Vergessens beibringen muss...'

"Arranges!! Das ist weder der Ort noch die Zeit für anzügliche Witze!" Sie fuhr sich durch das wirre Haar, blieb mit dem Verband darin hängen und riß ihn ärgerlich herunter. "... hätte ich doch bloß nichts gesagt... oh, vergiß es! Ich versuche doch nur, mich nützlich zu machen und dir den Rücken freizuhalten. Wenn wir nicht wegkönnen, brauchen wir zumindest Barrikaden und so etwas wie einen rudimentären Plan... Also, was hast du mit den Steinen vor?" Sie senkte die Stimme. "Für den Fall, daß wir überrannt werden: Die Pferde stehen versteckt hinter diesem Haus, gesattelt und aufgezäumt..."

Wenn du versucht hättest dich nützlich zu machen, wärst du zurück nach Skingrad geritten! 'Nun gut,' setzte er an, das Grinsen jedoch blieb, 'eine magische Schriftrolle hast du sicher schon gesehen oder? Das Prinzip ist so einfach wie sicher. Man nimmt einen Gegenstand, in diesem Fall ein Stück Pergament, schreibt die Formel eines Zaubers darauf und prägt die Magie darauf... ähnlich, wie ein Künstler eine Szene mit einem Bild festhält... Was ich nun vorhabe ist mittels eines magischen Lesepultes, das Meister Parlovar sehr wahrscheinlich irgendwo im Keller stehen haben wird, einige dieser Schriftrollen anzufertigen... du weisst hoffentlich noch, was ich dir über Daedra gegen Untote gesagt habe? Die Abtrünnigen sind Fanatiker... sie werden sicher mit allerhand untotem Gesocks anrücken... wenn wir ihnen jedoch mit Daedra begegnen, haben wir den Hauch einer Chance... nur leider,' sein Grinsen verschwand und wandelte sich wieder in die hilflose Erkenntnis, dass ihnen nur ein Wunder - an die er nicht glaubte - helfen konnte, 'kann vermutlich kaum einer der Schüler eine Spruchrolle wirken...'

"Versuch es trotzdem. Ich werde gehen und mich unter den Schülern umhören, wer in der Lage ist, solche Spruchrollen zu lesen oder einigermaßen brauchbare Zauber zu werfen", sagte sie müde. "Daedra und Untote..." plötzlich kam ihr eine Idee. "Es heißt, Untote aller Art reagierten sehr anfällig auf Feuer. Stimmt das?" Der Kaiserliche sah sie mit einer Mischung aus Abfälligkeit und Verwirrung an. "Ja?" antwortete er schließlich. "Gut. Ich kann vielleicht keinen Zauber sicher werfen, dafür aber Brandsätze. Wir werden alles zusammentragen, was wir an Öl und leeren Flaschen finden können..."

Die Miene des Kaiserlichen hellte sich deutlich auf und er schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. 'Ja natürlich... dann sieh gleich mal im Keller nach... Meister Parlovar hat einen gewissen Ruf weg,,, er trinkt, seit er Meister geworden ist, es sollten also recht viele leere als auch volle Flaschen vorhanden sein...' Arranges schenkte Erynn ein dankbares Lächeln für ihren recht genialen Einfall. 'Wenn du nach draussen gehst, fragt direkt, wer Daedralettern lesen und vor allem schreiben kann und schick mir die Schüler herein... und die Bretonin, Tujenne, die vorher die Seelensteine herbrachte, die brauch ich auch... Du... hast Kavalleriehindernisse schonmal gesehen oder weisst was das ist? Lass die Schüler draussen die gesammelten Palisadenstangen an einer Seite anspitzen und errichte an dem Erdwall, auf dem vorher die Palisade stand, so ein Annäherungshindernis...' Dann nahm der Nekromant den Sack mit den Steinen und verschwand im Keller.

"Du meinst diese Wegsperren aus angespitzten gekreuzten Pfählen... Ja, das kriegen wir hin." Erynn machte auf dem Absatz kehrt und ging nach draußen. Als ihr Blick auf die Schüler fiel, die sich mit den Palisadenbruchstücken abmühten, verdrehte sie die Augen. Magier! Verweichlichte, verwöhnte, schwächliche Magier. Die Elite unter den Pionieren... hurra! Sie steckte zwei Finger in den Mund und stieß einen schrillen Pfiff aus, um sich die Aufmerksamkeit der Leute zu sichern.
"Wer von euch kann daedrisch lesen und schreiben?" fragte sie. Vier Hände kamen zögernd in die Höhe. Eine davon gehörte Tujenne. "Mentor Arranges verlangt, daß ihr ihm zur Hand geht. Bewegt euch." Ihre forsche, sichere Stimme schien den verstörten Halbstarken etwas Halt zu geben, und sie entfernten sich schnell. Die beiden kleinen Khajiitmädchen schickte sie los, die Brandsätze vorzubereiten. Sie hatten ohnehin kaum die Kraft, die schweren Balken zu bewegen. "Und wer von euch anderen kann einigermaßen brauchbare Zauber weben oder mit Schwert oder Bogen umgehen?" Betretenes Schweigen. Die Kriegerin seufzte.
Mit den verbleibenden acht Leuten machte sich die Elfin daran, die Sperren vorzubereiten. Es war mühsam, aber nach und nach wuchs auf dem Palisadenwall ein Gestrüpp aus angespitzten Pfählen und Gattern. Die angehenden Nekromanten waren schwere Arbeit offensichtlich nicht gewöhnt, aber schiere Furcht ließ sie über sich hinauswachsen. Am Nachmittag war Erynn mit dem Ergebnis leidlich zufrieden. "Gut", sagte sie schließlich. "Jetzt nehmt so viel von dem Unrat aus dem Innenhof und werft ihn vor die Außenseite des Walls. Was auch immer das Vorankommen der Angreifer verlangsamen mag, soll mir recht sein." Die Sonne senkte sich langsam dem westlichen Horizont entgegen, als der Hof schließlich weitgehend frei von Bruchstücken war. Sie teilte den Schülern Wachposten zu und ging dann zurück ins Haus um nachzusehen, wie Arranges vorankam.

weuze
26.03.2011, 22:33
Arranges hatte im Keller des Anwesens bald gefunden, was er suchte. Er war ein schlichtes, unscheinbares Lesepult aus dunklem Holz. Als der Kaiserliche seine Hände darauf legte, spürte er den magischen Fluss darin. Ja, hier würde er die Spruchrollen herstellen können, er brauchte nur noch Papier und Feder. In diesem Moment kamen gerade die vier Schüler herunter, angeführt von Tujenne.

'Gut, Tujenne, du besorgst Pergament, Federkiele und Tinte, bring alles was du finden kannst und ihr drei anderen, könnt ihr Schriftrollen wirken?' Zögerndes, unsicheres Nicken. 'Das heißt wohl ihr wisst wie es geht habt es aber noch nie getan vermute ich?' Diesesmal zustimmendes Nicken. Bei den vier Säulen, was sind das für Schüler... ein Haufen Kinder, die noch keine echte Leiche präpariert haben... 'Dann werdet ihr das heute tun... zunächst aber müssen wir die Spruchrollen fertigen... ihr beherrscht die daedrische Schrift, denn deswegen hat euch Erynn zu mir geschickt nehme ich hoffentlich an...' Betretenes Schweigen und ehrfürchtiges Nicken. Arranges seufzte. Nachdem Tujenne wieder mit den Pergament un dem Schreibzeug kam, begannen sie die Arbeit. Der Kaiserliche zeigte und erklärte den Schülern, wie die Zauberformel zur Beschwörung eines Caitiffs aussah. Mit großen Augen hingen sie ihm an den Lippen. Außer der Thorie zur Beschwörung niederer Untoter hatten sie sehr wahrscheinlich nicht gewusst, dass man ebenso auch Daedra beschwören konnte. Als sie verstanden hatten, was er verlangte, machten sie sich daran, auf jedes der Pergamente die kunstvollen daedrischen Buchstaben zu schreiben. Arranges musste anfangs oft das Fluchen unterdrücken und sich zusammennehmen um nicht wütend herumzubrüllen. Oft waren Fehler in den Wörtern, ein Seelenstein hatte eine zu geringe Seele aufgenommen das Papier wurde während der Verzauberung zerstört, jedenfalls hatte er genug Gründe, um sich aufregen zu können...

Es musste bereits spät sein, als Erynn herunterkam. Arranges hatte gerade die letzten unverzauberten Pergamente neben sich liegen, während die anderen, bereits fertigen Schriftrollen zu Hauf im ganzen Raum verteilt lagen. Die Schüler saßen nach getaner Arbeit nur nutzlos und gelangweilt herum. 'Ihr könnt euch entfernen...' Sagte Arranges zu den Schülern, als er Erynn bemerkt hatte. Sie beeilten sich den Raum zu verlassen. Arranges wartete noch einen Moment, bis Tujenne die Tür hinter sich zugezogen hatte, dann wandte er sich an Erynn. 'Ich bin beinahe fertig hier... ich hoffe, dass der Angriff noch nicht heute Nacht stattfinden wird. Wir haben hier zwar ein vielversprechendes Arsenal, aber mit nur einer handvoll Leuten können wir unmöglich die gesamte Schlagkraft ausnutzen...' Er machte einen Schritt auf die Dunmer zu und griff dabei hinter seinen Rücken und machte etwas von seinem Gürtel los. Als er die Hand wieder vornahm, hielt er darin eine kleine, arg abgenutzt wirkende Schriftrolle aus dünnem Leder. 'Ich weiss, das wird dir nicht passen, aber wenn du jetzt nicht tust, was ich dir sage, garantiere ich dir für die nächsten drei Tage eine Reise, geknebelt und gefesselt auf dem Rücken meines Fuchses nach Skingrad.' Er sprach nicht drohend, aber bestimmt. 'Diese Schriftrolle hier trage ich schon seit einiger Ewigkeit mit mir herum und ich brauche sie eigentlich nie wirklich... es ist eine Rolle des Windwandlers, man wendet sie auf sich selbst an. Die Magie, die von diesem Zauber ausgeht lässt dich mit dem Wind laufen, während du zeitgleich mit deiner Umgebung verschmilzt und praktisch unsichtbar bist... nimm sie und wenn es hier bald heiß hergeht, und die Lage aussichtslos wird, machst du, dass du hier wegkommst!' Seine Worte ließen keinen Widerspruch zu. Erynn wollte wohl trotzdem gerade etwas sagen, als von oben Gepolter zu hören war. Kurz darauf stürzte ein junger Ork durch die Tür. 'Mentor... jemand nähert sich dem Anwesen... er ist allein und hat ein seltsames Tier, einem Hund gleich bei sich...'
'Was? Los, zeig mir wo!' Arranges drückte Erynn die Schriftrolle einfach in die Hand und eilte dem Ork nach.

Draussen angekommen wies der Ork dem Kaiserlichen die Richtung an. Tatsächlich, knapp zehn Meter von den Sperren entfernt stand eine hochgewachsene Gestalt in voller Ebenholzrüstung. Neben der Gestaltstand eine... Kreatur, die dem fremden bis zur Hüfte reichte. Äußerlich ähnelte sie einem Hund, aber sie war schlicht und ergreifend hässlich und grotesk entstellt. Der Brustkorb wirkte durch unnatürlich viele Muskeln aufgebläht, die Vorderbeine waren kurz und stämmig. Alles was danach folgte wirkte wieder wie der Körper eines normalen Hundes, schlanke Taille, stelzenartige Hinterläufe. Der Kopf war markant und besonders hässlich. Eines der beiden Augen war leicht aufgedunsen und im Grund nicht mehr als ein mattglänzender, roter Klumpen, der leicht aus der Höhle hervorquoll. Die Lefzen fehlten komplett, stattdessen schienen lange, nagelartige Zähne ansatzlos direkt aus dem Kieferknochen zu kommen. die Zunge hing seitlich aus dem Maul, während sich mit dem hechelnden Rythmus der Kreatur blasse Dampfwölkchen vor der Schnauze bildeten.

'Ahh... Mentor Arranges... ich hätte ehrlich nicht damit gerechnet, dass ich euch hier antreffen würde.' Begann die Gestalt laut. 'Ich hingegen schon, ihr ward schon immer ein perverses Schwein Dialga!'
'Warum verfallt ihr jetzt in so eine Barbarensprache Arranges... von einem Schoßhündchen und einem Liebling der Großmeister habe ich ein bisschen mehr erwartet...'
'Was wollt ihr?'
'Nun... im Grunde war es meine Absicht, das Anwesen dieses elenden Säufers einfach vom Antlitz der Erde zu tilgen, aber dieser Kindergarten,' der Altmer kicherte abfällig, 'mit dem ihr euch da umgeben habt, hat sich quergestellt, als meine elitären Novizen hier unter der Führung von Botschafter Anyerotibro ankamen um ihren Auftrag auszuführen... es musste wohl einen guten Grund dafür geben, dass sie aufgehalten worden sind, also bin ich aus Hammerfell hergekommen um zu sehen was sie aufhält. Da ich aber euch jetzt hier antreffe Arranges, habe ich beschlossen, zu verhandeln, ich bin schließlich kein Unmensch...'
'Ihr seid ein Mer Dialga, hört auf eure ekelhafte und widerwärtige Rasse mit der der Menschen zu vergleichen... ich verhandle nicht mit euch...'
'Das ist wirklich schade denn,' Dialag sah nachdenklich in den Himmel und strich sich übertrieben bedeutungsvoll übers Kinn, 'dann muss ich dich und den ganzen Haufen nichtsnutziger Amateure vernichten... achja, bevor ichs vergesse.' Er griff in einen Beutel an seinem Gürtel und förderte einen runden, behaarten Gegenstand daraus hervor, den er schwungvoll zu Arranges warf. Der Kaiserliche fing das fransige Bündel reflexartig auf. 'Den habe ich auf meinem Feldzug durch Hammerfell an der Nodwestgrenze Cyrodiils aufgegabelt... ich weiss nicht, aber ich dachte mir, dass ihr den vielleicht nochmal gebrauchen könntet, nachdem er euch wohl hier her gelotst hat... als Grabbeigabe oder so...' Arranges brauchte nicht erst groß nachprüfen, was er dort in Händen hielt, er spürte bereits, wie ihm kaltes, flockiges Blut aus dem Halsansatz über die Finger lief. Und dennoch drehte er den Kopf herum und blickte in die leeren, glasigen Augen jenes Bosmers, der ihnen vor einem knappen Tag die Nachricht überbrachte, dass er zu diesem Anwesen kommen sollte. Als er wieder aufblickte, reckte der Altmer den Kopf gen Himmel und ein bestialisches Lachen entrang sich seiner Kehle, während er und die Kreatur sich gähnend langsam auflösten.

Mit dem Kopf in den Händen drehte sich der Kaiserliche zum Haus um. Meister Dialga also... dieser Bastard... Auf dem Gesicht des Magiers zeichnete sich mit einem Mal absolute Verzweiflung ab. Der Kopf entglitt den plötzlich kraftlosen Händen, während der Nekromant völlig geistesabwesend wieder nach drinnen ging, die Treppe in den Keller hinunter und die Tür hinter sich schloss. Mitten im Raum blieb er einfach stehen und starrte vor sich auf den Boden. Sein Kopf war völlig leer, als hätte diese eine Begegnung alle Hoffnungen, Chancen, Vorbereitungen und Pläne hinweggefegt wie lose Blätter...

Glannaragh
26.03.2011, 23:41
Erynn beobachtete teils amüsiert, teils mitleidig, wie sich die vier Schüler aus dem Staub machten. Der Kaiserliche hatte sie wohl ähnlich getriezt wie sie ihre Leute an der Barrikade.
Sie verkniff es sich so gerade, genervt die Augen zu verdrehen, als er schon wieder damit anfing, sie fortschicken zu wollen.
Arranges schloß ihre Finger um die Schriftrolle und verschwand, nachdem ein Ork ziemlich aufgelöst in den Keller gestürzt kam. Ein unbequemer Ritt gegen die Forderung, mich feige zu verdrücken? Im Einschüchtern warst du schonmal besser, Beschwörer... Sie steckte das Pergament hinten in ihren Gürtel, überprüfte den Sitz ihrer Waffen und machte sich auf die Suche nach dem Weinkeller und den beiden Khajiit.
Die Auswahl war... beeindruckend. Es schien, als lagerte die Jahresproduktion von Skingrads Weingütern in dem weitläufigen, kühlen Gewölbe. Sie fand die zwei Mädchen in einer Ecke, umgeben von Weinflaschen, großen Amphoren mit Lampenöl und Stoffetzen. Sie hatten gute Arbeit geleistet und eine ganze Menge Flaschen präpariert. Erynn half ihnen, die Brandsätze in Kisten zu verpacken und das ganze Zeug ins Freie zu tragen.
Dort angekommen sah sie gerade noch, wie Arranges sich wie betäubt an ihr vorbeidrückte und wieder im Inneren des Hauses verschwand. In den Gesichtern der übrigen Schüler stand Furcht und Verzweiflung. Verflucht! Was wird das hier? Wollt ihr kämpfen oder heulen? Sie wunderte sich einen Moment lang über ihre eigenen Gedanken. Eigentlich taten die Kinder ihr leid, aber irgendwer mußte schließlich die Haltung bewahren. Die Dunmer sah sich um. Kein Anzeichen irgendwelcher Angreifer, keine verräterische Bewegung in den Büschen außerhalb der Barrikade. Sie packte den jungen Nord am Arm, als er an ihr vorüberhastete. „Du da. Wie heißt du eigentlich?“ „Thorval...“ „Hör mir zu. Du bleibst am Eingang des Wohnhauses stehen. Sobald sich irgend etwas regt, läufst du los und holst Mentor Arranges und mich. Hast du verstanden?“ Er machte große Augen und nickte.

Erynn hastete hinter dem Beschwörer her. Sie fand ihn in dem Kellerraum mit den Spruchrollen. „Was ist passiert?“ fragte sie, nachdem sie die Tür hinter sich krachend in Schloß hatte fallen lassen.

weuze
27.03.2011, 03:27
Die Tür flog ins Schloss, aber Arranges zuckte nichteinmal, er schien sich in einer komplett anderen Welt aufzuhalten. Als Erynn ihn ansprach drehte er ihr nur den Kopf zu und sah sie an. Er klappte den Mund auf, als wolle er etwas sagen, aber statt irgendwelcher Worte, machte er den Mund wieder zu und starrte wieder auf den Boden. 'Meister Dialga steht uns gegenüber... ein Feind, den man nicht bezwingen kann, selbst wenn er nicht mitkämpfen würde, sind seine Leute absolut unüberwindbar. Sogar die Botschafter haben vor ihm mehr Angst, als vor den Großmeistern... das ist kein einfacher Hochelf, er ist eine Bestie... ob wir nun Kämpfen oder nicht... lebend kommen weder wir, noch die Schüler aus diesem Hexenkessel heraus...' Arranges war ehrlich verzweifelt, Dialga hatte mit seiner Anwesenheit von nur einigen Augenblicken, die das Gespräch dauerte, alles eingerissen, was den Kaiserlichen zuvor so standhaft und stur gemacht hatte, nichteinmal seine überhebliche Arroganz konnte die Hoffnungslosigkeit brechen...

Erynn wußte nicht, was sie darauf erwidern sollte. Sie hatte keinen Grund, den Worten des Kaiserlichen keinen Glauben zu schenken, hatte sie doch mittlerweile genug über die Macht der Meister erfahren, um sich über ihre Gefährlichkeit keine Illusionen machen zu können. Einem Impuls folgend, ging sie zu Arranges hinüber und schloß ihn fest in die Arme. "Wenn wir schon untergehen, dann sollten wir dabei wenigstens auf unseren Füßen stehen", sagte sie an seiner Schulter. "Sich hier unten zu verkriechen wird auch zu nichts führen."
Die Elfin trat einen Schritt zurück. "Wir müssen es wenigstens versuchen. Gibt es denn gar nichts, was einen Meister verletzen oder zumindest schwächen könnte? Wenn unser Angriff nur konzentriert genug ausfällt..."

Ihre Umarmung riss Arranges zurück, als er sich gerade wieder in sich selbst verbarrikadieren wollte. Die schiere Lebensmüdigkeit wollte aber nicht wirklich weichen. 'Nein... überhaupt bis zu ihm durchzukommen wäre fast unmöglich, da er garantiert von einem Botschafter geschirmt wir und wie ich bereits sagte, Botschafter sind für die Mitglieder der Gathering selbst, die nicht in der Position eines Meisters oder Großmeisters sind, nicht bezwingbar... denn, und das habe ich dir bis jetzt verschwiegen... Botschafter werden zur Jagd abtrünniger Schüler und Mentoren eingesetzt. Sie werden darin ausgebildet, Magie zu bannen und zu entziehen... und genau das ist es, was sie so gefährlich für uns Magier macht... wenn nur ein Botschafter in dem Angriff mitläuft, braucht hier keiner mehr mit irgendwelchen Zaubern anfangen...'

"Ich bin aber kein Magier, Arranges. Daher werde ich mich um diesen... Botschafter kümmern. Zwar würde ich lieber die Verteidigung koordinieren, aber das dürfte ohnehin keinen Zweck haben. Diese... Kinder... würden eine Waffe nicht einmal erkennen, wenn man sie damit schlägt." Bedächtig zog Erynn ihren linken Handschuh aus dem Gürtel, nahm ihren Dolch und schnitt den kleinen Finger davon ab. Dann streifte sie die Rüstungsteile über ihre Hände. "Ein Pfeil bleibt immer ein Pfeil, und Fleisch bleibt Fleisch. Sobald sich eine Möglichkeit ergibt, versuchen wir durchzubrechen und zu verschwinden." Sie rang mit sich, haßte sich für ihre nächsten Worte. "Die Schüler werden nicht lange durchhalten. Ich bleibe bei ihnen, so lange ich kann, aber wenn..." Sie verstummte und schlug mit der Faust gegen ein Regal. Kopfschüttelnd blickte sie wieder zu Arranges auf.

Arranges zog eine Augenbraue hoch. 'Du wirst sehr viele Pfeile brauchen um den Botschafter ernsthaft verletzen zu können... es sei denn...' Arranges griff an die Seite seines Gürtels und zog zwei schmahle Fläschchen hervor. 'Ich bin ein eher schlechter Alchemist, aber diese Gifte hier sind stark genug um mit einer Flasche eine ganze Horde randalierender Oger zu töten...' Die zähe Verzweiflung, die sich über ihn gelegt hatte, bekam einen Sprung. 'Vielleicht haben wir doch eine Chance... Erynn, egal, was ich jemals über Schützen gesagt habe... aber wären alle Bogenschützen auf Tamriel nur halb so gut wie du, würde die Legion nur noch aus den Jungs bestehen... Ich glaube, dass du die Botschafter töten kannst, wenn du deine Pfeile mit den Giften behandelst...' Ein Feuer des Trotzes loderte hinter den Augen des Nekromanten auf. 'Na los, wir haben noch viel zu tun... wir müssen die Zeit nutzen, die uns noch gegeben ist!' Damit packte er sich einige der Schriftrollen auf die Arme und verschwand nach oben...

Erynn lächelte, als sie sah wie das Feuer in die Augen des Beschwörers zurückkehrte und nahm die Phiolen mit dem Gift engegen. Sie verstaute sie in einer kleinen Tasche an ihrer Hüfte, schnappte sich einige weitere Schriftrollen und folgte dem Mentor. Eine starke Truppe habe ich hier... meine Krieger sind Kinder, der Befehlshaber fällt von einem Extrem ins andere... und ich mittendrin. Sie seufzte.
Draußen brach die Dunkelheit rasch herein. Sie half Arranges dabei, die Schriftrollen zu verteilen und sah zu, daß die Schüler an Orten standen, wo sie zumindest ein wenig Deckung hatten und nicht Gefahr liefen, sich gegenseitig mit ihren Zaubern oder den explosiven Weinflaschen zu treffen. Dann schaute sie zu den Resten des Turms auf. Riskant. Wenn mich die Angreifer dort bemerken und sich auf mich einschießen, komme ich da nur schwer wieder weg. Aber es gibt hier keinen anderen Ort, der hoch genug wäre um einen guten Überblick zu behalten...

Schon kurz nachdem die Nacht hereingebrochen war, begann es zu nieseln. Arranges bemühte sich, noch so vielen Schülern wie möglich die Handhabung der Schriftrollen beizubringen. Wenns nur die Hälfte fertigbringt die Dinger zu nutzen, bin ich schon mehr als zufrieden... Sie warteten und warteten... Etwa gegen Mitternacht entlud sich ein leichtes Gewitter über ihnen, aber in den Wäldern ringsum tat sich nichts. Die halbe Nacht war vorrüber und noch immer kein Anzeichen eines Angriffs oder überhaupt davon, dass sie von Feinden umringt waren... Es waren vielleicht noch zwei Stunden bis zum Morgengrauen, viele der Schüler hatten sich irgendwie so postiert, dass sie Schutz vor dem Regen hatten. Plötzlich leuchtete in nordöstlicher Richtung ein kurzes Licht tief im Wlad auf, als würde dort etwas explodieren. Viele merkten auf, alles waren sofort wieder hellwach. Einige Sekunden später zerriss ein kehliges Brüllen die Stille und dröhnte in den Ohren schmerzhaft nach. Es geht los... wieder blinkte etwas zweimal kurz hintereinander auf im Wald, dieses Mal aber nur schwach und sehr weit weg. Ein leises, dumpfes Scheppernd erreichte das Anwesen. Ein Rauschen, gefolgt von einem lauten Pfeifen. zwei glühende Klumpen rasten einen dunklen Russchweif nach sich ziehend, in flachem Bogen über den Wald hinweg heran. 'VORSICHT!' Brüllte Arranges und hechtete zur Seite. Eines der Geschosse schlug in den Wall ein und riss eine breite Presche hinein. Die Erde erzitterte unter dem Aufprall. Das zweite Geschoss schlug empfindlich näher ein und zwar am Fuße des Turms, der daraufhin gefährlich schwankte. Die Geschosse waren wohl dafür gedacht, den Turm zu zerstören... Arranges richtete sich auf und wischte sich den schlammigen Dreck vom Torso. Sein Blick viel auf ganze Heerscharen von Skeletten, die jetzt plötzlich zwar ringsherum, aber hauptsächlich aus der Richtung herandrängte, aus welcher auch die zwei Geschosse gekommen waren...

Glannaragh
27.03.2011, 15:37
Erynn machte sich daran, die wackligen Trümmer des Turms zu erklimmen. Ein paar mal geriet sie ins Rutschen, als Teile der angekohlten Balken unter ihren Füßen nachgaben. Schließlich aber fand sie eine Stelle an der Rückseite des Frieds, von der sie auf die Überreste einer Zwischendecke kam. Dort richtete sie sich häuslich ein, stellte den kleinen Sack mit improvisierten Wurfgeschossen neben sich ab und wartete.
Der Himmel zog sich zu. Es regnete, während die Zeit verstrich. Sie warf einen Blick auf den Innenhof hinunter. Die Schüler drückten sich in ihre Deckung, litten offensichtlich unter dem Wetter. Die Elfin schüttelte unmerklich den Kopf. Es gab nichts, was sie tun konnte, um ihnen die quälenden Stunden des Wartens zu erleichtern. Sie konzentrierte sich wieder auf den dunklen Waldrand.

Der Angriff begann zur dunkelsten Stunde der Nacht. Die Dunmer sah die feurigen Geschosse heranfliegen, hörte noch Arranges Warnschrei. Dann erbebte der ganze Turm unter einem mächtigen Einschlag. Verdammt! Erynn kroch nach hinten, während Staub und Holzsplitter auf sie hinabregneten. Hier konnte sie unmöglich bleiben. Sie machte sich an den Abstieg, der eine Ewigkeit zu dauern schien. Das Gebäude schwankte und neigte sich um ein paar Grad zum Hof hin. Erynn sprang den letzten Meter auf das löchrige Satteldach des anliegenden Wohnhauses und rannte geduckt den First entlang, fort von dem instabilen Turm. Der Regen machte die hölzernen Schindeln glitschig. Am fernen Giebel angekommen, ließ sie sich auf ein Knie sinken und verschaffte sich einen Überblick.
Gerippe schälten sich aus dem Wald, viele davon. Hier und dort blitzten erste Zauber auf, Dremora schälten sich aus den Verwerfungen zwischen den Welten, als die Schüler die Magie der ersten Schriftrollen freisetzten. Erynn dachte kurz darüber nach, selbst ein paar Feuerzauber zu werfen, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Sie konnte die Kräfte nicht gut genug kontrollieren, außerdem hätte sie ihre Position damit sicher verraten. Also beschränkte sie sich aufs Beobachten. Sie öffnete die kleine Tasche an ihrer Hüfte, entfernte den Korken eines der Giftfläschchen und tauchte die Spitze eines schweren Daedrapfeils hinein. Die Kavalleriesperren verlangsamten den Vormarsch der Untoten tatsächlich ein wenig, doch es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Skelette die Phalanx der Caitiffs durchbrechen könnten.

Dann sah sie ihn. Ein Ungetüm von einem Mann, über zwei Meter groß und bepackt mit mächtigen, schwellenden Muskeln. Seine dröhnende Stimme übertönte sogar den Lärm der Schlacht, als er sich am Waldrand aufbaute und Befehle brüllte. Die Nekromanten, die um die fleischgewordene Naturgewalt herumschwärmten, wirkten gegen ihn geradezu winzig, selbst die zwei Altmer, die sie erkennen konnte. Die Elfin beobachtete, wie der Hüne von einem Schockzauber getroffen wurde. Das magische Geschoß prallte von ihm ab und wurde zurückgeworfen. Unten im Hof erklang ein gellender, gequälter Schrei. Der Rothwardon.
Erynn hob ihren Bogen.
Der Botschafter war gut zu sehen, kümmerte sich nicht darum, daß sein massiger Leib ein offensichtliches Ziel bot. Scheinbar fühlte er sich sicher, und angesichts des Schutzes durch den starken Reflektionszauber hatte er auch allen Grund dazu. Die Kriegerin schätzte die Entfernung, zog die Sehne zurück und ließ ihren Pfeil fliegen. Das fehlende Glied an ihrer linken Hand behinderte sie dabei nicht, wie sie erleichtert feststellte. Der Schuß saß. Der große Mann taumelte kurz und brüllte wie ein wütender Bär. Es klang eher überrascht als schmerzerfüllt. Er schüttelte sich und blickte dann wild um sich, suchte nach der verborgenen Schützin. Sie tauchte einen zweiten Pfeil in die Phiole und legte wieder an. In die Reihen der Angreifer kam hektische Bewegung, als sie registrierten, daß ihr Feldherr getroffen worden war. Weitere Zauber leuchteten vor der Barrikade auf, spuckten mehr Untote aus. Der Riese ließ sich ein Stück zurückfallen. Seine Bewegungen wirkten jetzt fahrig, aber noch hielt er sich auf den Beinen. Sie feuerte ein weiteres Mal, erwischte diesesmal aber nur den Arm des Botschafters. Aber es würde reichen, um das Gift seine Wirkung tun zu lassen. Es sollte noch fast einhundert Herzschläge dauern, bis der unheimliche Mann endlich in die Knie brach.
Die beschworenen Daedra waren derweil in arge Bedrängnis geraten. Mehreren Untoten war es gelungen, die Absperrungen zu überwinden und sie kreisten die Caitiffs zusehends ein. Sie entdeckte Arranges, der sich in der Nähe der Bresche in ihrer Verteidigung den Angreifern nach besten Kräften mit Magie und Silber erwehrte. Sie hängte sich ihren Bogen über die Schulter, griff nach einem der Brandsätze und ließ die Zündschnur mit einem Fingerschnippen in Flammen aufgehen. Dann schleuderte sie die Flasche auf die Skelette, die sich vor der Lücke in der Barrikade drängten, um dem Mentor ein wenig Luft zu verschaffen. Allein, nur die Gerippe zu bekämpfen, würde ihnen keinen fußbreit Boden einbringen. Jene die fielen und ihr Unleben endgültig aushauchten, wurden in kürzester Zeit durch neue ersetzt. Erynn nahm ihren Bogen wieder zur Hand und legte auf Dialgas Schüler an...

weuze
27.03.2011, 17:51
Der Ansturm kam gnadenlos. Arranges hatte sich direkt auf die breite Lücke in dem Erdwall zubewegt, die Sperren würden die Skelette ein wenig aufhalten, aber dort konnten sie ungehindert durchlaufen. Erste Dremoras erschienen und warfen sich den Untoten entgegen. Arranges heilt sich mit Beschwörungen zurück, er würde die Lücke hinterher füllen müssen, wenn die Schriftrollen aufgebraucht sein würden. Es waren Skelettwächter, Skelettschergen und zum Teil auch Meister. Ein großes Spektrum an Untoten wurde abgedeckt.

Der Nekromant kam langsam aber sicher in arge Bedrängnis, immer mehr Gerippe drängten durch die Bresche. Davor stauten sich die Untoten bereits. Er war völlig ausgefüllt davon, seine Klinge zu führen, bedacht richtige Schritte zu machen und im richtigen Moment zuzustoßen, während er mit der freien Hand immer wieder einzelne Gegner mit Zaubern zurück ins Jenseits schickte. Aber er kam aus der Defensive nicht heraus, Schritt für Schritt musste er zurückweichen. Zunehmen kam ihm mehr und mehr die ernüchternde Erkenntnis, das sie so nicht gewinnen konnten. Er brauchte Platz, um auf das Feld vor den Barrikaden gelangen zu können um somit die Schüler, welche sich dort in den hinteren Reihen aufhielten, attackieren zu können. Arranges musste immer weiter zurückweichen. Mittlerweile legten auch gegnerische Armbrustschützen auf die Verteidiger an. Und plötzlich explodierte einer der Brandsätze vor Arranges. Einige der Skelette wurden hinweggefegt, andere standen erst noch für einige Sekunden in Flammen, bevor sie ebenfalls das Zeitliche segneten. Arranges nutzte die Chance. Während des Kampfes bis hierher hatte er aus den Augenwinkeln heraus die Caitiffs beobachtet, die Daedra brauchten mehr Platz um ihre Schlagkraft entfalten zu können. Arranges nahm die kurze Pause von nur wenigen Herzschlägen wahr, um sich auf eine Beschwörung konzentrieren zu können. Glutrot flammte eine Wolke vor der dunklen Kulisse der Nacht auf. Ein Daedroth trat tief knurrend daraus hervor. Knochen barsten, Schwerter und Äxte flogen durch die Luft und immer wieder war das kehlige Brüllen des Monsters zu hören, während sich das Reptil durch die Skelette fräste. Durch diesen plötzlichen Vorstoß ermutigt, flogen jetzt weitere Brandsätze. Überall loderten Flammen auf und erhellten die Nacht. Die Caitiffs hechteten in die Lücken vor und prügelten unter wildem Fauchen auf die Untoten ein. Aber der Gürtel an Skeletten zwischen den Verteidigern und den Schülern war noch zu breit...

Arranges sprang in die schneise, die das Daedroth in den Reihen der Untoten hinterlassen hatte und schickte einige der Skelette mit Magie zurück ins Reich des Vergessens. Ihre Lage sah jetzt sehr viel besser aus, die Skelette waren zwar zäh, wurden langsam aber sich trotzdem aufgerieben. Befehle hallten aus den Gegnerreihen über das Schlachtfeld... einige Minuten später bemerkte Arranges, dass sich unter die Angreifer zunehmend Zombies und Geister mischten. Was nicht unbedingt schlecht war (aus deren Sicht), es war ein genialer Schachzug der Angreifer. Die Zombies drängten direkt in die vorderste Reihe, während sich die Skelette zurückfallen ließen. Aus den hinteren Reihen wurden die Verteidiger jetzt mit einer Vielzahl an Zaubern eingedeckt. Fontänen aus Dreck schossen dem Himmel entgegen, wenn Feuerbälle rund um das Anwesen herum einschlugen. Schockzauber jagten durch die Nacht. Und überall klagende Schreie, das Scheppern von Waffen und das Zischen von Pfeilen und Zaubern. Der Magier musste sich etwas einfallen lassen, ehe die Schüler oder Erynn dort beim Anwesen von den Geschossen getötet werden würden. Mit Hilfe des Daedroths drängte Arranges immer weiter auf das Feld vor, bis er sich schließlich irgendwann mit einer Handvoll Caitiffs und der Echse umzingelt von verschiedensten Untoten sah. Er versuchte die Kräfte hier um sich herum zu binden, was recht gut funktionierte, wie er zufrieden feststellte, während er weiteren Hieben auswich, aber auch einiges austeilte. Ein lauter Befehl dröhnte über das Schlachtfeld hinweg. Und kurz darauf erbebte die Erde unter massigen Füßen. Gurgelndes Brüllen drang aus dem Wald heraus. Arranges hob den Kopf und blickte sich um, um zu sehen, welche neue Teufelei jetzt auf sie zukam. Ein riesiger Fleischklumpen brach aus dem Wald hervor. Eine massige Gestalt, einem Troll sehr ähnlich, aber mindestens doppelt so groß. Der Nekromant konnte nicht viel erkennen in der Dunkelheit, aber was er sah beantwortete mit einem Mal die Frage, was die Abtrünnigen wohl mit den Leichen gemacht hatten.

Die Kreatur kam genau auf ihn zu und fegte ungeachtet dessen, ob Freund oder Feind, durch die Reihen beschworener Kreaturen. Mit einem Hieb ungeahnter Kraft, zertrümmerte die Bestie das Haupt des Daedroths, als sie heran war. Auch die Caitiffs folgten dem Daedra wenige Augenblicke später auf ähnliche Wese. Das Monstrum stand nun direkt dem Kaiserlichen gegenüber. Im flackernden Licht der Feuer und dem ersten Hauch von Grau am östlichen Himmel, erkannte Arranges die abstoßende Grimasse, die das Gesicht dieser Bestie bildete. Der Kopf allein musste wohl aus mindestens 5 verschiedenen bestehen. Mit ihren riesigen Pranken versuchte sie nach ihm zu greifen. Der Kaiserliche konnte sich nur noch auf diesen einen Feind konzentrieren. Aber die anderen Untoten ringsherum schenkten ihm keine Beachtung mehr, sie stürmten weiter auf das Anwesen ein. Der Magier jedoch sah sich jetzt einem Feind gegenüber, der ähnlich unbezwingbar - schon allein aufgrund der schieren Masse - schien wie der Torwächter auf den Inseln. Immer wieder flogen die Fäuste heran, Arranges wich immer wieder aus, versuchte nach den Armen zu hacken, aber er kam nichteinmal wirklich in die Reichweite, um den Fleischberg verletzen zu können. Seine Kräfte ließen langsam nach und er hatte Schwierigkeiten damit, noch ordentlich auszuweichen... Er konnte sich auch nicht nach dem Anwesen umsehen, denn dann hätte das Monstrum ihn. Mit einzelnen Zaubern versuchte er seinem Widersacher zu schaden, aber die meisten verpufften einfach und die, die nicht verpufften, zeigten kaum Wirkung. Der Beschwörer war schon am Verzweifeln, als etwas in die Schulter der Kreatur einschlug. Ein nasses Klatschen, gefolgt von einem derben Kreischen. Der Schaft eines Pfeils ragte nur noch einige Fingerbreit aus dem Fleisch hervor. Erynn...! Die Kreatur bäumte sich auf und Arranges nahm das kurze Zeitfenster von nur wenigen Sekunden wahr. Er schleuderte sein Silbeschwert von sich, rief sich ein Cleymore und machte einen Satz nach vorn. Die Klinke aus Daedrastahl verschwand beinahe bis zum Heft im Unterleib des Monsters. Die Zähne fletschend ruckte Arranges am Griff der Waffe und drehte sie dann einmal herum, bevor er sie herauszog. Das hasserfüllte Brüllen der Kreatur hinterließ ein penetrantes Pfeifen in den Ohren des Kaiserlichen. Während eine schwarze, sehr zähe Flüssigkeit aus dem Loch hervorschoss, sackte die Bestie in sich zusammen...

Ein verzerrter Schrei, der nicht von dieser Welt zu stammen schien gellte über das Schlachtfeld hinweg. Arranges hatte sogleich die Quelle erblickt. Ein zweiter Botschafter war aufgetaucht und wohl nicht ganze erfreut über den Verlust seiner Kreation. 'PIIIILAAAA!!!!' Schmetterte der Botschafter über die Kämpfenden hinweg. Arranges wusste nicht gleich, was jetzt kommen sollte, erst, als aus einigen anderen Ecken plötzlich eine Art Bestätigung zu kommen schien, begriff er. Aus allen Richtungen drangen jetzt kurze, aber laute Rufe über das Feld. 'Pilum... bereit!'
'Pilum hier...!'
'PILUM!'
Aus dem Dunkel des Waldes drangen nun einige Schüler, die sich mit ihrer Rüstung deutlich von den anderen abhoben. Es waren leichte Bänderrüstungen, wie sie auf alten Zeichnungen akavirischer Rüstungen zu sehen waren. Die Helme auffällig mit geschmiedeten Geweihen verziert, während das Gesicht von einer Art Maske verdeckt wurde. 'Tötet den Mentor!' Brüllte der Botschafter aus Leibeskräften. Arranges, der sich schon wieder gegen die Skelette wehren musste und jetzt auch noch allein, hörte diesen Befehl sogar über den Lärm des Kampfes hinweg. Er versuchte sich noch einige Schritte rückwärts zum Anwesen zurück zu bewegen und gleichzeitig nach Angreifern zu suchen, die im Stande waren, diesen Befehl tatsächlich ausführen zu können, als ein Ruck durch seinen Unterleib ging und er ins Straucheln kam. Er schaute an sich herab. Während seine freie Linke wie von selbst zu dem Wurfgeschoss fuhr und sich um den Griff legte. Das Pilum hatte seinen Unterleib durchschlagen und war bis zum Griffstück eingedrungen. Am Rücken des Kaiserlichen hatte sich die Spitze wie geplant leicht verbogen...

Der Kopf des Kaiserlichen war leer, lediglich ein lautes Rauschen war da. Das Rauschen schwoll an, ohne, dass er hätte sagen können warum. Ein zweites Pilum drang knackend und knirschend leicht schräg von der Seite durch den Torso und zerschlug einige Knochen im Leib des Magiers. Nur einen Lidschlag später fühlte Arranges, wie ihn fast zeitgleich drei Bolzen erreichten. Einer riss den Arm des Kaiserlichen zurück. Das Cleymore wurde ihm aus der Hand geschleudert und löste sich auf. Der zweite Bolzen streifte nur knapp seinen Kopf und hinterließ einen rot sabbernden Schnitt an der Schläfe, während der dritte Bolzen in seinen Oberschenkel eindrang. Arranges stolperte und schwankte. Die Skelette rings herum nahmen keine Notiz mehr von ihm... er hob schwach den Kopf und sah, wie der Botschafter auf ihn zukam. zwischen seinen beiden Händen formte sich eine eisblaue Kugel, aber Arranges war nicht mehr in der Lage zu erfassen, was es war... Die Welt schien sich plötzlich vertikal zu ihm zu drehen, der Botschafter und die Wipfel der Bäume im Hintergrund rutschten nach unten aus seinem Blickfeld, was blieb war der dämmernde Himmel, in den er starrte, ohne zu wissen, was er hier eigentlich tat, er spürte, wie sein Puls immer langsamer wurde. Sein Mund wurde erfüllt vom Geschmack des Blutes und unangenehme Kälte kroch langsam in seinen Körper und machte ihm das Atmen schwer, sodass er schon nach wenigen Augenblicken beschloss einfach damit aufzuhören... oder es einfach irgendwie seinem Unterbewusstsein aufzutragen... nur noch schlafen... schlafen... Das Letzte, was er sah, bevor seine Augen dunkel wurden, war der erste Gruß der Sonne. Ein sattroter Schein, der unter die dunkle Wolkendecke fuhr und die Welt in allgegenwärtigem Glühen aufflammen ließ...

Glannaragh
27.03.2011, 20:41
Sie holte einige der Angreifer von den Füßen. Die Schergen Dialgas standen in einer breit gefächerten Phalanx in der Nähe des Waldrandes - das reinste Scheibenschießen. Es war fast zu leicht. Erynn beobachtete, wie sich Arranges Zoll um Zoll näher an die Schüler herankämpfte, tatkräftig unterstützt von einem Daedroth und einer Handvoll Dremora. Die Elfin wandte sich wieder ihren Zielen zu.
Plötzlich erschütterte ein ohrenbetäubendes Brüllen das Schlachtfeld. Aus den Schatten des Waldes stürzte ein... Ding, eine Abscheulichkeit, das nach verderbter Magie geradezu stank. Was auch immer es war. Die Kreatur spaltete den Schädel des Daedroth mit einem gewaltigen Hieb und fegte auch die übrigen Dremora hinfort wie lästiges Ungeziefer. Erynn sah fassungslos, wie das Biest sich Arranges näherte und den Beschwörer immer weiter zurücktrieb. Sie löste sich aus ihrer Starre, tränkte eine weitere Pfeilspitze mit Gift und visierte das widernatürliche Ungeheuer an. Die Bewegungen des Kaiserlichen waren unmöglich vorauszuahnen, und so zielte sie relativ hoch, über den Kopf ihres Kampfgefährten hinweg. Er nutzte die kurze Ablenkung, die der Pfeiltreffer ihm bot, und vernichtete das Wesen.

Die Dunmer atmete auf, wenngleich nur für einen Moment: Die Verräter erweiterten ihre Taktik, schickten statt weiteren Magiern jetzt Speerkämpfer in die Schlacht, angeführt von einem weiteren... Verflucht! Noch ein Botschafter?
Dann ging alles sehr schnell. Erynn sah Arranges stürzen, sah den Botschafter auf ihn zukommen. Rasend vor Zorn erhob sie sich aus der Hocke, feuerte wild eine Folge von drei Pfeilen auf den riesigen Mann ab. Mindestens einer davon traf und riß den Hünen zurück. Nachdem er sich wieder gefangen hatte, hob er den Blick und entdeckte sie. Er schrie einen Befehl, und im nächsten Augenblick flogen drei Feuerbälle auf das Wohnhaus zu, schlugen mit ohrenbetäubendem Krachen in das Dach ein und rissen der Kriegerin den Boden unter den Füßen weg. Sie ließ den Bogen fallen als sie stürzte und griff instinktiv nach dem nächsten Halt, den sie erreichen konnte. Erynn bekam die Firstpfette zu fassen und hing für einige Herzschläge lang frei in der Luft. Flammen fraßen sich durch die verbliebenen Schindeln und Balken, Rauch trübte ihre Sicht und ließ sie husten. Sie warf einen vorsichtigen Blick nach unten. Der Bau an sich war flach, und das war ihr Glück – sie ließ sich fallen und rollte sich auf dem von Unrat übersähten Boden ab, griff nach dem Stahlbogen und stürmte auf den Ausgang zu. Hinter ihr gab das Dach endgültig nach und fiel in sich zusammen.

Der Innenhof war verwüstet. „Setzt eure Spruchrollen ein“, brüllte die Bogenschützin den verstörten Schülern entgegen. „Verteidigt euch, ihr Volltrottel!“ Das Zucken von Lichtblitzen über dem Blätterdach des Waldes erregte ihre Aufmerksamkeit. Noch ein Gewitter? Nein, das sieht anders aus... Plötzlich drangen Schreie aus den Reihen der Angreifer zu ihnen herüber, aber sie klangen nicht triumphierend, sondern vielmehr erschrocken und schmerzerfüllt. Sieh an, die Kavallerie. Zu spät, ihr Narren, ihr seid zu spät! Blind vor Zorn riß sie ihr Schwert aus der Scheide und warf sich auf die verbleibenden Untoten, stach und hackte ohne Rücksicht auf Verluste nach Knochen und fauligem Fleisch. Sie mußte Arranges erreichen. Wenn es denn nicht schon zu spät war. Erynn traf auf immer weniger ernsthaften Widerstand, einige der Zombies und Skelette fielen gar in sich zusammen und vergingen, ohne daß ihre Klinge sie berührt hätte. Erynn hatte keine Ahnung, wer den Entsatz befehligen mochte, aber für den Moment war es ihr auch egal. Wichtig war, daß Hilfe kam, und bald war es vorbei. Sie sah, wie sich die wenigen verbleibenden Schüler von Dialga zu Flucht wandten, die meisten wurden niedergemacht, andere überwältigt und mit Lastzaubern bewegungsunfähig gehalten.
Die Elfin erreichte ihren Begleiter und ließ sich neben ihm auf die Knie fallen. Er atmete noch - gerade noch, stellte sie fest, als sie eine Hand auf seine Brust legte. Arranges blutete aus mehreren, bösartig aussehenden Wunden. In seinem Unterleib steckte ein Wurfspeer, ein weiterer lag neben ihm, hatte die Flanke aufgerissen. Verzweiflung schlug über Erynn zusammen und lähmte jeden Gedanken.

Sie sah auf, als ein Schatten auf sie fiel. Über ihr stand eine Frau, die viel zu zierlich wirkte, als daß ihre Erscheinung zu dem Schlachtfeld passen würde, das sich um sie herum ausbreitete. Das Gesicht kam ihr vage bekannt vor. Sie hatte es schon einmal gesehen... in Morrowind. „Meisterin Marie“, murmelte die Kriegerin und senkte in demütiger Geste den Kopf. Die Frau ignorierte sie, wies vier ihrer Begleiter an, den Kaiserlichen fortzutragen. Erynn blieb allein zurück.
Nach einer Weile erhob sie sich und ging mit unsicheren Schritten zu dem zerstörten Anwesen zurück, suchte nach bekannten Gesichtern. Die beiden jungen Khajiit waren tot. Sie lagen dicht nebeneinander und wirkten fast friedlich, so als würden sie schlafen, wären da nicht die gebrochenen Augen gewesen, die blicklos in den Himmel starrten. Der Rothwardon würde nicht mehr lange leben. Er lehnte an einem Schutthaufen, seine Haut war zum größten Teil verkohlt, weggerissen von seinem eigenen Zauber. Der Atem ging mühsam und pfeifend. Als Erynn sich abwandte, hörte sie, wie der Körper zur Seite rutschte und dumpf auf den Boden aufschlug. Sie drehte sich nicht noch einmal um.

weuze
28.03.2011, 01:30
Meisterin Marie hatte einige ihrer Botschafter mitgebracht. Es waren ihrer 7 Stück. Sie ließ das brennende Anwesen löschen und koordinierte Aufräumarbeiten. Alles um sie herum wirkte irgendwie kühl und steril, als könnte sie kein richtiges Mitleid empfinden. Sie ließ die toten Schüler aus den Trümmern schaffen. Von den ehemals 15 waren sage und schreibe 4 übrig geblieben. Es war Mittag. Die Sonne drang als blasse, verwaschene Scheibe durch die Wolkenbänder am Himmel. Sie und ihre Begleiter hatten viel mitgebracht, darunter einiges an Verbänden und Zeltplanen. Das großteils zerstörte Anwesen erinnerte schon nach kurzer Zeit an ein mit Planen notdürftig repariertes Haus. Der Keller war glücklicherweise nicht eingestürzt, sie mussten nur die Treppe räumen. Nach kurzer Zeit ließ Marie Arranges, der mittlerweile aschfahl war und nicht mehr spürbar atmete, nach unten bringen. Erynn verwehrte sie den Zutritt trotz allen Protests. Erst spät am Abend kam Marie wieder aus dem Keller. War ihr Gesicht zuvor noch kühl und abweisend gewesen, so zeigte es jetzt eine Spur von Trauer. Sie ging zu einem der Botschafter, der oben an der Treppe stand. Mit gedämpfter Stimme sagte sie zu ihm: 'Ich habe alles getan, was ich konnte... Er ist zwar zäh, aber die Verletzungen sind zu heftig... ich glaube kaum, dass er es schafft...' Die abstoßenden, meist von hässlichen Narben überzogenen Gesichter der anwesenden Botschafter, welche immer versteinert wirkten, regten sich undeutbar, als würden sie etwas wie Ehrfurcht vor den Wunden zeigen, die selbst Meisterin Marie nicht heilen konnte... 'Wir packen zusammen... am Mittag des morgigen Tages geben wir Parlovars Anwesen auf...' Dann verschwand die Kaiserliche nach draussen und mit ihr alle Botschafter.

Erynn hatte nicht das geringste Problem damit es dem Stab der Meisterin überlassen, sich um die Beseitigung der Leichen und schlimmsten Schäden zu kümmern. Wie betäubt lehnte sie sich an die geschwärzten Pfeiler des ehemaligen Wohnhauses und wartete. Die Nekromantin wollte ihr nicht erlauben, nach Arranges zu sehen, und ihre kalte Art sowie die Anwesenheit der Botschafter hielten die Elfin davon ab, sich allzu laut gegen diese Entscheidung auszusprechen. Nach einer Weile stand sie auf, um nach den wenigen überlebenden Schülern zu suchen. Tujenne war eine von ihnen, auch wenn sie arg mitgenommen aussah. Ihr Gesicht würde für immer entstellt sein, auf der linken Hälfte fehlten Ohr und Auge. Sie sprachen nicht, keiner von ihnen. Erynn versuchte für eine Weile, sie aus ihrer Starre zu holen, doch ihre Bemühungen führten zu nichts. Die Zeit war noch nicht reif dafür.
Aus dem Wald drangen ferne Schreie zu dem Anwesen herüber - die Botschafter verloren offenbar keine Zeit damit, die Verräter zu verhören. Erynn wünschte ihnen im Stillen viel Erfolg. Sollten sie leiden, diese verfluchten Hunde, ihretwegen für immer. Auch, wenn die Laute ihr den Magen umdrehten. Sie ließ die Schüler allein und setzte sich wieder auf ihren Platz an der Wand. Und wartete. Die schlechten Nachrichten der Meisterin nahm sie mit versteinerter Miene auf. In dieser Gesellschaft schien es ihr keine gute Idee, jetzt emotional zu werden, auch wenn sie am liebsten laut geschrien hätte. Sie stand langsam auf und ging die Kellertreppe hinab, nachdem Marie und ihre Elite sich entfernt hatten.
Arranges lag auf einem hölzernen Tisch, den Kopf auf ein Kissen gebettet. In einem Kamin in der Ecke brannte ein Feuer und verbreitete angenehme Wärme. Der Torso des Beschwörers war zum großen Teil von Verbänden bedeckt, seine Augen waren geschlossen, das Gesicht bleich und eingefallen. Erynn zog einen Stuhl heran, nahm seine kalte Hand in ihre und ließ ihre Stirn auf die Tischkante sinken. In dieser Nacht betete sie um jeden weiteren, mühsamen Atemzug.

War zu Beginn der Nacht noch mit sehr sehr viel gutem Glauben und Phantasie so etwas wie Atmungsaktivität zu sehen und zu hören, konnte man sich dies mit dem Voranschreiten der Nacht auch nicht mehr einreden. Nichteinmal mehr an der Halsschlagader war ein Puls zu fühlen. Und trotz des Feuers wurde der Körper des Nekromanten immer kälter. Die Nacht war halb vorrüber, als Meisterin Marie herunterkam und langsam neben Erynn trat. Sie sah kritisch auf das Gesicht des Magiers. Die Augen hatten sich mit der Zeit in Zeitlupe wie von selbst geöffnet, aber es war kein Glanz darin, sie wirkten wie Puppenaugen. In den Pupillen fehlte das Feuer und die dunkelblaue, fast schwarze Iris hatte eine gebrochene Farbe. 'Ihr mochtet ihn wohl sehr?' Fragte Marie. Ihre Stimme war zwar fest, aber ein seltsamer Unterton schwang mit.

Die Elfin ließ die schlaffe Hand ihres Begleiters nicht los, wenngleich sie immer kälter und lebloser wurde. Wie schwachsinnig starrte sie vor sich hin, reglos, nicht in der Lage, auch nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Als die Nekromantin zurückkehrte, hob Erynn langsam den Kopf und schaute ihr gerade in die schwer zu deutenden Augen. Ihre Stimme war monoton und kraftlos, als sie antwortete. "Ja. Ja, ich denke schon. Wir haben uns gegenseitig das Leben gerettet, öfter als einmal. Aber heute war ich nicht schnell genug. Nicht gut genug..." sie verstummte.

'Das stimmt nicht Erynn und das wisst ihr... Euch ist es zu verdanken, dass er hier jetzt an einem Stück liegen kann...' Sie zog sich ebenfalls einen Stuhl heran und setzte sich neben die Dunmer. 'Wisst ihr, ich hätte allen Grund, mich über seinen Tod zu freuen... aber ich kann es nicht...'

Sie wand sich unter dem intensiven Blick der Meisterin, wußte nicht, wohin dieses Gespräch wohl führen mochte und was die Frau damit bezwecken wollte. Erynn wollte nur in Ruhe gelassen werden und sich darüber klarwerden, was eigentlich in ihr vorging. Die fast warme Stimme Maries machte sie mißtrauisch, aber ihr fehlte die Geistesgegenwart, um auf eventuelle Fallen reagieren zu können.
"An einem Stück vielleicht, Herrin, aber dennoch tot..." sie schluckte. "Ihr sprecht von Eurer Schülerin. Torrah. Ich kann Euch nichts dazu sagen, denn ich kannte sie nicht."

Marie schüttelte leicht den Kopf. 'Sicher, ich liebte Torrah auf meine Weise, sie war mein Schützling, aber sie stand mir in Wahrheit lange nicht so nahe, wie ich es mir von Arranges gewünscht hätte...' Marie senkte den Blick. Sie konnte förmlich spüren, wie sich Verwirrung bei Erynn breit machte. 'Ich war nicht immer die kalte Nekromantin, die als einzige Frau im Kreis der Meister saß und jeden anderen Meister allein mit einem Blick zum Schweigen bringen konnte... Geistige Umnachtung und die Suche nach etwas Rückhalt brachten mich damals, vor so vielen Jahren zur Gathering - nachdem mein Sohn und mein Gatte brutal ermordet worden waren... Ich habe nie wirklich getrauert. Das Bild meines Mannes habe schon nicht mehr richtig vor mir... aber Arranges hat dafür gesorgt, dass das Antlitz meines Sohnes mich einige Jahre später, nachdem Torrah ihn zu mir geführt hatte, wieder verfolgte.' Sie blickte auf und ihre Augen waren feucht. Sie sah in das Gesicht des Nekromanten. 'Er sah damals genau so aus, wie mein Sohn... und die beiden würden sich auch sicherlich jetzt zum Verwechseln ähnlich sehen, würde mein Sohn noch leben...' Sie blickte Erynn wieder in die Augen. 'Seit dem Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, habe ich Arranges gehasst dafür, dass er diese schmerzliche Erinnerung wieder wachgerufen hatte... jedoch dankte ich immer wieder den Göttern für diese honigsüße Illusion... das war auch der Grund, warum ich Arranges nicht lehren wollte... für ihn sah es eher so aus, als hasse ich ihn aus Prinzip, als ich ihn von mir wies und er zu Meister Jurano kam... Den wahren Hintergrund kannte Arranges bis heute nicht... dabei war er niemals unfair zu mir, er hat meine Launen stets ertragen, sich von Torrah wie ein Ball umherwerfen lassen... und jetzt nehmen mir die Götter diese Illusion auch noch, nachdem sie mir schon Torrah entrissen haben...' Marie vergrub für einige Minuten das Gesicht in ihren Händen. Dann jedoch zog sie trotzig die Nase hoch und stand auf. Mit dem Handrücken wischte sie sich über die Augen und ging um den Tisch herum zum Kopf des Kaiserlichen. Sachte strich sie ihm über die Augen und schloss sie so. Bevor sie den Raum verließ, wandte sie sich nochmals zu Erynn um. 'Lasst es mich wissen, wenn ihr Abschied genommen habt... wir werden ihn spätestens im Morgengrauen verbrennen...' Dann ging Marie hinaus und zog die Tür leise hinter sich zu.

Erynn hörte fassungslos zu, während Marie sprach. Diese kalte, harte Frau... hatte sie tatsächlich... Gefühle? Eine Seele gar? Die Worte der Meisterin gingen ihr wie ein Stilett direkt ins Herz, doch sie schwieg, fand keine Erwiderung, die sie ihr hätte geben können.
Nachdem die Andere sie verlassen hatte, vergrub Erynn den Kopf in ihren Händen und die viel zu lange zurückgehaltenen Tränen brachen sich endlich Bahn. Sie würde sich hier nicht wegrühren, nicht bis zum Morgengrauen, bis jemand kommen und die Leiche abholen würde. Dialga... Dafür wirst du bluten! Und wenn es das Letzte ist, was ich tue...

Draussen wurde es im Osten allmählich heller. Doch auf dem Anwesen blieb alles ruhig. Regungslos, wie steinerne Wächter, standen die Botschafter verteilt auf dem Anwesen. Für Meisterin Marie hatte man ein extra Zelt vor dem Gebäude errichtet, während man für die vier Schüler ein Lager innerhalb der hölzernen Wände bereitet hatte. Von Morgengrauen konnte man jedoch noch lange nicht sprechen...
Das Feuer im Kamin des Kellers war heruntergebrannt und so wurde das gesamte Zimmer nur noch von einem hellen, roten Glutschein erfüllt. Erynn saß noch immer neben dem Kaiserlichen, sie weigerte sich noch immer, ihn einfach aus ihren Gedanken freizugeben. Ihre Tränen waren längst alle geweint. Von oben drang ein leises Poltern durch die Decke, gefolgt von leisem Geflüster, es war der orkische Schüler, der die Schlacht am besten überstanden hatte. Die rauhe mahnende Stimme eines Botschafters war zu vernehmen, während sich Schritte entfernten und plötzlich zuckte der Brustkorb des Magiers. Ein kratzendes Keuchen und dann schlug Arranges die Augen auf...

Nach einer langen Weile verklang das harte Schluchzen der Elfin. Ihre Augen brannten, ihr Gesicht war geschwollen und heiß. Mit leerem Kopf hing sie zusammengesunken auf ihrem Stuhl und starrte vor sich auf den Fußboden. Langsam übermannte sie die Erschöpfung. Sie döste ein wenig ein, schreckte aber alle paar Momente wieder hoch. Über sich hörte sie halb geflüsterte Worte. Nein, noch nicht. Es ist noch zu früh... geht weg!
Ein anderes Geräusch drang durch ihre vernebelten Gedanken, und sie erstarrte. Ganz langsam drehte Erynn den Kopf. Sollten ihre überreizten Sinne ihr einen Streich spielen? "Arranges...?" Ihre Stimme war kratzig und tonlos, und sie erhob sich schwankend. Die Lider des Kaiserlichen flatterten, die Augen zuckten schwach hin und her, als versuche er zu begreifen, was geschehen war. Ihr fiel ein Stein vom Herzen, als schiere Erleichterung durch jede Faser ihres Körpers flutete. Abermals faßte sie seine Hand. "Sei ganz ruhig. Du bist in Sicherheit..."

Der Kaiserliche wusste nicht, wo er sich befand. Aber zumindest war die... Umgebung gleich, er erinnerte sich als letztes nur noch an einen blutroten Himmel. Und hier hatte er eine rot angeleuchtete Steindecke über sich. Bin ich tot... ist das mein Mausoleum?! Interessant... Erynns Stimme drang in seine Gedanken und riss ihn vollends ins Leben zurück. Jemand griff nach seiner Hand. Die Wärme der anderen Hand fühlte sich mehr als gut an. Der Reflex seines Zwechfells zwang den Kaiserlichen zum Atmen und erst nach ein paarmal krampfhaftem Schnappen nach Luft, atmete er wieder normal. Er spürte, wie sein Herz wieder richtig pumpte, Leben drang in seine Gliedmaßen und dann blickte er in das geschwollenen Gesicht der Dunmer, die sich leicht über ihn beugte. 'Meine Güte siehst du beschissen aus...'

Erynn hätte alles erwartet, aber das nicht. Die Schrecken der letzten Stunden lösten sich in einem ziemlich heiseren, aber ehrlichen Lachen, nachdem sie den Beschwörer für einen Moment völlig baff angesehen hatte. Dann wurde ihr Gesicht wieder ernst. "Wir dachten, du seist tot..." flüsterte sie und spürte, wie ihr schon wieder die Tränen in die Augen traten. "Der Angriff wurde zurückgeschlagen. Meisterin Marie ist hier... sie hat die Verräter vernichtet."

Man dachte ich sei tot und Erynn saß die ganze Zeit hier?! Aber wie... Der Kaiserliche sah, wie die Augen der Dunmer begannen zu glänzen. Er wusste nicht, was er erwidern sollte, stattdessen drückte er einfach nur ihre Hand.
Die Tür wurde aufgeschoben und Marie trat ein. Mitten in der Bewegung erstarrte sie jedoch, als ihr Blick auf Arranges fiel. Unzählige Gedanken rauschten durch ihren Kopf und ihre Mundwinkel zuckten, aber mehr Regung war nicht zu erkennen. 'Ich hätte nicht gedacht, dass ihr nochmals die Augen öffnet Arranges...' Sagte sie kühl, während sie an den Tisch herantrat. 'Tut mir leid, dass ich euren Wünschen nicht nachkommen kann Meisterin Marie, ich gelobe Besserung...' Gab Arranges zurück.
Marie nahm Erynn mit nach oben. Sie gab ihr in einem Gespräch unter vier Augen zu verstehen, dass es besser für sie wäre, ihr kleines Geheimnis für sich zu behalten. Außerdem würde Marie mit 4 ihrer Botschafter zu ihrem Haus zurückkehren. Die restlichen drei unterstellte sie dem direkten Befehl der Dunmer. 'Passt gut auf ihn auf, wir lassen euch Verbände und Arznei da... ich hatte wirklich nicht geglaubt, dass er auf meine Heilzauber anspricht... Sorgt dafür, dass er noch ein paar Tage absolute Ruhe hat, ich bin kein Gott und wenn seine Wunden aufreissen, kann ihm keiner mehr helfen... bis zu unserem nächsten Treffen, Erynn!' Damit verschwand Marie mit den 4 Botschaftern im Wald.
Als Erynn in den Keller zurückkehrte, war Arranges gerade dabei, auf der Tischkante sitzend, an den Verbänden um seinen Oberkörper herumzuzupfen.

Glannaragh
28.03.2011, 15:15
Auf einen Wink der Meisterin folgte Erynn ihr aus dem Keller hinaus. Sie ahnte bereits, worüber die Frau mit ihr würde sprechen wollen – und tatsächlich, sie sollte recht behalten. Keine Sorge, ich werde bestimmt kein Wort darüber verlieren... Moment mal, WAS?! Ich soll bitte was? Die Elfin warf ihrem Gegenüber einen zweifelnden Blick zu. Sie sollte hingehen und den Elitekämpfern sagen, was zu tun sei? Nene... die Kerle könnten mich am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Meine Güte, wenn sich irgendein Frischling, gerade mal eine halbe Hand höher als ein Schwein, vor mich hinstellen und mir was erzählen wollte, würd ich den bestenfalls auslachen! Erynn beschloß,die Botschafter bis auf Weiteres einfach in Ruhe zu lassen, sie wüßten wahrscheinlich ohnehin selbst am besten, wie sie sich nützlich machen konnten. Nachdem sich die Nekromantin verabschiedet hatte, floh die Dunmer zurück in den Keller.
... und mußte ziemlich an sich halten, um ihren Kopf nicht mit Wucht gegen den Türrahmen zu schlagen. Ich fasse es nicht. Bin ich denn nur von Verrückten umgeben? Mit drei schnellen Schritten war sie bei Arranges, legte wortlos den einen Arm um seine Schultern, schob den anderen unter seine Kniekehlen und verfrachtete ihn wieder in eine liegende Position. „In den nächsten Tagen wirst du keinesfalls hier herumhampeln. Du wirst nicht aufstehen, du wirst keine Turnübungen veranstalten und du wirst gefälligst nicht an den Verbänden herumfingern! Ich meine es ernst, Arranges, und wenn du dich noch so sehr langweilst.“

Arranges konnte gar nicht so schnell schauen, wie Erynn ihn wieder hingelegt hatte. Verwirrt und fragend blickte er sie nur an. 'Entschuldige, aber... hier herumhampeln?! Das sicherlich nicht, wir können hier nicht bleiben...' Er machte eine wegwerfende Geste und schien den Worten der Dunmer kaum bis keine Bedeutung zu zuschreiben. 'Das Anwesen ist verloren... trotzdessen, dass wir die Angreifer geschlagen haben, so wie es aussieht... unsere Aufgabe hier ist im Grunde erledigt...' Er versuchte sich wieder hochzstemmen.

"Hör mir zu", sagte sie und unterband seinen Versuch, sich wieder auf die Ellbogen hochstützen zu wollen. "Es ist noch keine Stunde her, da warst du praktisch scheintot. Ich weiß nicht, was die Meisterin mit dir gemacht hat, aber ihre Anweisungen waren mehr als deutlich. Du gehst nirgendwo hin, und zwar mindestens für fünf Tage. Wenn du pinkeln mußt, besorg ich dir einen Eimer." Ihre Stimme wurde weicher. "Du wurdest von zwei Wurfspießen und einigen Bolzen getroffen, erinnerst du dich? Es ist ein Wunder, daß du überhaupt hier rumquengeln kannst... Also, bitte: Bleib einfach liegen, bis die Wunden verheilt sind." Sie seufzte. "Ja, dieses Haus wurde aufgegeben. Aber wir sind gut genug versorgt, um noch für mehrere Tage ausharren zu können. Danach sehen wir weiter."

Ja, Arranges erinnerte sich noch daran, wie die Geschosse ihn getroffen hatten. Das hinderte ihn aber nicht daran, seinen Freiheitsdrang irgendwie versuchend auszuleben. 'Meisterin Marie ist eine herausragende Heilerin... auch wenn es das erste Mal war, dass ich derjenige bin, der ihre Künste diesbezüglich in Anspruch nahm... Es geht mir gut Erynn... wir können nicht noch 5 Tage warten... unmöglich!' Er wischte ihre Hände zur Seite, die auf seinem Brustkorb ruhten, um ihn auf dem Tisch zu halten. 'Wir müssen zusehen, dass wir an den dritten Siegelstein gelangen...' Wieder stemmte er sich hoch. 'Ich kann, will und werde hier nicht herumliegen und warten, bis die Abtrünnigen für den endgültigen Zerfall der Gathering gesorgt haben...'

"Richtig. Sie ist hervorragend, und darum wird sie wohl Recht haben wenn sie sagt, daß du noch Ruhe brauchst." Was hab ich bloß angestellt, um das hier verdient zu haben... wie unvernünftig kann einer allein denn überhaupt sein? Magier! "Wir werden uns den letzten Siegelstein ohnehin nicht erkämpfen können, solange du geschwächt bist. Und wir haben den Verrätern einen empfindlichen Schlag versetzt. Sie werden gewiß eine Weile brauchen, bis sie sich davon erholt haben... Verflucht noch mal, ich habe gesagt, du sollst nicht rumhampeln! Die Meisterin hat drei Botschafter zu unserem Schutz hiergelassen. Wenn du nicht sofort mit diesem Unfug aufhörst werde ich die Jungs bitten, dich festzubinden - ich schwörs dir!"

Arranges erstarrte mitten in der Bewegung. Nach einem kurzen Augenblick fing er sich aber wieder. 'Quatsch... warum sollte Marie ihre Botschafter hierlassen? Und selbst wenn, würden die eher auf mich hören als auf dich... also hör auf so dreist zu lügen, das konntest du nie sehr gut...'

Erynn verdrehte die Augen. Am liebsten hätte sie angesichts von so viel Sturheit laut geschrien. "Sag mal, hast du 'nen Nagel im Kopf? Warum willst du dich mit aller Gewalt doch noch umbringen? Ich hab keine Ahnung, warum sie einen Teil ihrer Elite hiergelassen hat. Glaubst du, sie erklärt mir ihre Gründe?"
Langsam aber sicher wurde ihr die ganze Sache zu absurd. "Außerdem hat sie die Botschafter explizit angewiesen, sich mit mir abzusprechen. Also führ mich nicht in Versuchung!"

'Ach sieh an... du hast dich mit ihr verbrüdert?! ... Und als nächstes habe ich Torrah völlig um sonst umgebracht, weil die hochgeschätzte Meisterin Marie sich einen neuen Schützling formen will... Ich war mir ja klar darüber, dass Marie mich hasst, aber dass sie immer weiter sucht, um etwas zu finden, mit dem sie mich abwürgen und mir ihre Antipathie mir gegenüber zeigen kann, hätte ich zumindest dieser Tage nicht erwartet...' Kraftlos ließ sich Arranges auf den Tisch zurücksinken, schloss die Augen und winkte mit einer Hand leicht in Richtung Tür. 'Ihr dürft euch entfernen, Schüler... ich brauche Ruhe...' Anhand seiner Stimme war nicht ganz klar, ob er in leichtem Fieberwahn sprach, der vom Heilprozess und der Erschöpfung herrührte oder seine Worte tatsächlich so ernst meinte, wie er sie sprach.

Arranges' Worte waren gut gezielt, und die Dunmer zuckte zusammen wie unter einem Peitschenhieb. "Ich habe mich nicht mit ihr verbündet", antwortete sie mit trauriger Stimme. "Aber wenn diese Wunden wieder aufbrechen, wirst du daran sterben. Seit spätestens letzter Nacht weiß ich, daß ich das nicht ertragen könnte... denk darüber nach." Mit diesen Worten wandte sie sich ab und verließ den Raum.

weuze
28.03.2011, 16:13
Arranges hob den Kopf und schielte zur Tür hinüber. Von wegen, das könntest du nicht ertragen... es hat sich seit unserer allerersten Begegnung nichts geändert... Er brütete noch einige Minuten über diesen Gedanken und kam zu dem Schluss, dass ihn hier schlicht nichts mehr hielt. Seine Wunden waren versorgt und er fühlte sich allgemein gesund. Er stemmte sich hoch und setzte sich wieder an die Tischkante. Gerade wollte sich Arranges von der Tischplatte rutschen lassen, da bemerkte er eine Bewegung im Augenwinkel. Er drehte den Kopf. Ein Botschafter trat neben ihm aus dem Nichts. 'An eurer Stelle würde ich das unterlassen Arranges!'
'Wie... warum? Ich habe von der Gathering eine Aufgabe zugeteilt bekommen, die ich so schnell wie möglich erledigen sollte.' Arranges bemühte sich um eine feste Stimme. Aber trotzdessen, dass die Botschafter unverhüllt waren, dadurch ihre Stimme nicht so stechend im Kopf nachhallte und sie allgemein nicht so unangreifbar wirkten, waren sie noch immer eine Erscheinung, mit der man sich nicht unbedingt anlegen wollte. 'Erynn hat mir aufgetragen, hier über euch zu wachen und sicherzugehen, dass ihr euer Krankenlager nicht verlasst!'
'Ihr stellt euch also gegen den Befehl der Gathering?!'
'Nein, ich gehorche nur jenem Befehlenden, dem ich zugeteilt wurde... ihr wisst das doch Arranges...'
'Allerdings... jedoch könnt und dürft ihr mich nicht aufhalten... einem direkten Befehl der Großmeister darf in keinster Weise entgegengewirkt werden!'
'Richtig... jedoch erfordern besondere Situationen, besondere Maßnahmen...' Arranges reagierte schon nicht mehr und setzte bereits die Spitze eines Fußes auf den Boden, 'das ist meine letzte Warnung Mentor! Legt euch wieder hin oder ich,' Arranges sah den Hünen herausfordernd an und setzte den zweiten Fuß auf, 'wie ihr wollt... Erynn hat zwar von solcherlei Maßnahmen dringend abgeraten, aber ihr lasst mir keine Wahl...!' Eine lange, sehr schmahle Nadel blitzte auf, an deren Ende ein kurzes Griffstück aus Kork und einem abschließenden kleinen Federschaft hing. Nur einen Herzschlag später steckte der Wurfpfeil in der Schulter des Kaiserlichen. Arranges bemerkte, wie erst sein Arm, dann der Rest seines Körpers taub wurde und die Hand des Schlafes nach ihm griff...

Er hatte den ganzen restlichen Tag und die komplette folgende Nacht geschlafen. Er öffnete langsam die Augen am Morgen des zweiten Tages. Verfluchte Botschafter... Sein Kopf schmerzte. Instinktiv wollte er sich mit einer Hand an die Stirn fassen, doch es war unmöglich. Was zur Hölle?! Er wollte den anderen Arm heben, aber das war genauso nicht möglich. Als er sich insgesamt rührte und auch seine Füße nicht bewegen konnte, bemerkte und realisierte er, dass er festgebunden war. Seine Arme waren an den Handgelenken fest mit Lederriemen an den Tisch fixiert, ebenso seine Füße. Mit einem breiten Lederband wurde sein Oberkörper am Tisch gehalten. Ordentlich laut fluchend, rüttelte er an seinen Fesseln. Scheiss Leder... los, brenn! Die Fessel an seiner rechten Hand verkohlte augenblicklich und als er mit der glühenden Hand nach der Fessel um das linke Handgelenk greifen wollte, spürte er eine Berührung an der Stirn. Das Glühen verschwand und mit ihm entzog sich der komplette Zugang des Magiers zu seiner Magie. Eine riesige Pranke schloss sich um die wild fuchtelnde Hand und hielt sie unerbittlich fest. 'Wollt ihr gleich nochmal eine Betäubung genießen oder werdet ihr auf meinen Rat hin auch so Ruhe geben, Arranges?' Der Botschafter, der ihn auch am Vortag schon bewacht hatte, hatte sich am Kopf, außerhalb des Blickfelds des Genesenden postiert, trat aber jetzt, die Hand noch immer festhaltend, neben ihn. 'Lass mich los!'
'Ihr habt nicht das Privileg, über mich zu verfügen, Mentor.' Arranges stieß einige üble Beleidigungen aus, die den Botschafter jedoch nicht im Geringsten interessierten. Und dann brüllte der Kaiserliche so laut er konnte nach Erynn.

Es dauerte nur ein paar Minuten, bis die Dunmer den Keller betrat und ein wenig verwirrt auf die wohl recht seltsame Szene schaute, die sich ihr bot: Der Botschafter hielt den dünn wie ein Zahnstocher wirkenden Arm des Kaiserlichen in seiner schaufelartigen Hand und sah zu ihr herüber, wohl auf irgendwelche Anweisungen wartend. 'Verfluchtes Blutauge... PFEIF ENDLICH DIESEN BOTSCHAFTER ZURÜCK!'

Glannaragh
28.03.2011, 18:44
Erynn stürmte die Kellertreppe hinauf. Sie war nicht wirklich wütend, aber maßlos enttäuscht. Im Hof blieb sie stehen und sah sich suchend um. Verdammt, wo sind diese Kerle...?
Die Elfin schrak zusammen, als sich eine der massigen Gestalten aus einem Schatten löste. Sie hätte schwören können, daß er vorhin noch nicht dort gestanden hatte. „Lady Erynn?“ Sie legte den Kopf in den Nacken, um dem Botschafter ins Gesicht sehen zu können. Tatsächlich reichte sie ihm gerade bis knapp an das Brustbein. „Das ‚Lady’ könnt Ihr weglassen. Bitte seid so gut und sorgt dafür, daß Mentor Arranges sich ausruht. Ich kann ihn nicht bändigen. Aber... geht behutsam vor. Er ist im Moment zerbrechlicher, als er tut.“ Der Hüne nickte und verschwand – wortwörtlich. Er war einfach weg. Mit dieser einen Sorge weniger machte sie sich daran, Parlovars überlebende Schüler zu suchen. Sie wußte nicht, ob Marie sie vielleicht mitgenommen hatte, aber wenn dem nicht so war, wollte sie sich zumindest versichern, daß es ihnen einigermaßen gut ging.
Schließlich fand sie zumindest Tujenne vor einem halbwegs intakten Nebengebäude sitzen. Der Schock stand ihr noch immer ins Gesicht geschrieben, aber sie konnte der Elfin zumindest mitteilen, daß die drei anderen sich zum Schlafen zurückgezogen hatten. Erynn nickte und zermarterte sich das Hirn, welche möglichst anspruchslose Aufgabe sie der Bretonin auftragen konnte, um sie ein bißchen in Bewegung zu bringen. Das mußte möglichst bald geschehen, wie sie wußte, sonst bestand die Gefahr, daß das Mädchen für lange Zeit in ihrem Schrecken erstarrte. Als sie sich mit einer Hand durchs Haar fuhr, kam ihr eine Idee und sie bat die Schülerin, ihr einen Kamm zu bringen. Sie sah die Dunmer für einen Moment verwirrt an, verschwand dann aber, um bald darauf zurückzukehren. Erynn nahm das Utensil entgegen, löste das Lederband in ihrem Nacken und begann, es durch ihre verfilzte Mähne zu ziehen. „Seit wann lernst du bei Meister Parlovar?“ fragte sie. Keine Antwort. Hm. Ich gebe zu, das war verdammt platt... Aber da ich leider nicht weiß, wie ich in nächster Zeit eine Seelsorgepriesterin hierher schaffen soll, wirst du mit mir vorlieb nehmen müssen. „Hast du noch Schmerzen?“ fragte sie weiter. Wieder antwortete das Mädchen nicht, stand aber mit einem Ruck auf und nahm ihr den Kamm aus der Hand. Mit bedächtigen, sorgfältigen Bewegungen begann Tujenne, die Haare der Dunmerin zu entwirren. Sie ließ es geschehen, war froh darüber, daß die Andere überhaupt etwas tat. Sie ist sehr hübsch gewesen, überlegte Erynn, und wahrscheinlich ebenso stolz darauf. Es muß grausam sein zu wissen, daß niemand sie je mehr mit Bewunderung ansehen wird... Mit einem Mal kam ihr ihre eigene, entstellte Hand überhaupt nicht mehr schlimm vor. Mechanisch flocht die Bretonin das Haar zu einem kunstvollen Zopf und verkündete dann, sich ebenfalls hinlegen zu wollen. Die Elfin dankte ihr und nickte.
Sie kehrte in den Keller zurück und fand Arranges ruhiggestellt vor, ein Zustand, der, so informierte sie der Botschafter, auch noch für eine ganze Weile anhalten dürfte. Meine Güte, was für ein Theater... und jedesmal dieselbe Scheiße. Was treibt dich bloß dazu, in solchen Situationen immer wieder deinen Dickschädel durchsetzen zu wollen? Es dauerte tatsächlich einen Augenblick, bis es ihr wieder einfiel. Kontrollverlust, natürlich. Sie hatte sich schon so dermaßen an diese Macke gewöhnt, daß sie sie unter normalen Umständen gar nicht mehr wahrnahm. In der Nacht schlief sie zusammengerollt auf den bloßen Fliesen vor dem Kamin. Arranges’ Worte hatten sie verletzt, ohne Zweifel. Dennoch wollte sie in der Nähe sein, wenn sich irgend etwas änderte. Die Präsenz des Botschafters blendete sie dabei aus. Nachdem sie sich die letzten beiden Nächte um die Ohren geschlagen hatte war sie viel zu erschöpft, um sich daran zu stören. Sie konnte den Kerl ohnehin nicht sehen, auch wenn sie genau wußte, daß er da war.

Als Erynn erwachte, beschloß sie irgendwo etwas Eßbares aufzutreiben und zumindest für die Schüler ein Frühstück zu bereiten. Ich entwickle mich wahrhaftig zu einer Glucke... nicht zu fassen! Andererseits: Irgendwer muß in diesem Irrenhaus doch zumindest einigermaßen in der Spur laufen – und wie es aussieht, bin das wohl ich. Es war ein Witz, vermutete sie. Von Sheogorath persönlich.
Sie hatte den Ausgang des abbruchreifen Langhauses noch nicht erreicht, als sie hörte, wie Arranges ihren Namen schrie. Es klang wütend. Natürlich. Die Elfin hob die Hände in flehender Geste zum Himmel, wandte sich um und ging die Kellerstufen wieder herunter. Der Anblick, der sich ihr bot, war mit einem Wort zu beschreiben: grotesk.
„Was ist hier los?“ fragte sie deutlich genervt, nachdem sie sich das Gezeter des Beschwörers angehört hatte.

weuze
28.03.2011, 22:20
'Mentor Arranges hat wieder versucht sich von seinem Krankenlager zu entfernen. Er war gerade dabei, die Fixierungen zu zerstören und...'
'Halt den Rand!' Fiel ihm der Nekromant ins Wort. 'Verdammt Erynn, wenn ihr nicht sofort diesen Kleiderschrank hier an die Leine nehmt, schwöre ich euch...' Und weiter kam Arranges nicht. Der Körper des Kaiserlichen leuchtete kurz grün auf, dann brachte er keinen Ton mehr heraus. Der Botschafter ließ die Hand los, welche daraufhin auf den Oberkörper des Magiers fiel. 'Er wollte sich jedenfalls schon wider entgegen jeder Anordnung davonmachen...' Der Botschafter machte einen Schritt zur Seite. 'Sagt bescheid, wenn ich den Lähmzauber auflösen soll, damit ihr mit ihm reden könnt...'

Erynn faßte sich mit zwei Fingern an die Nasenwurzel und schloß kurz die Augen. "Ich bin wirklich verdammt froh, daß ihr Jungs hier seid..." murmelte sie. Dann, lauter: "Bitte, ersetzt den Riemen und löst den Zauber auf. Dann laßt uns für einen Moment allein... aber bleibt in der Nähe." Das kann ja heiter werden... warum beim Abgrund mußt du immer alles so kompliziert machen, Beschwörer?

Der Botschafter nickte stumm und tat wie ihm geheißen. Einige Minuten verstrichen, bis er fertig war. Er verließ den Raum und gerade, als er die Tür ins Schloss gezogen hatte, löste er auch den Lähmzauber. 'Erynn... sobald ich hier irgendwann wegkomme, habt ihr ein hässliches Problem, wenn ihr mich nicht sofort losmacht!'

"Ich habe gerade jede Menge häßlicher Probleme, da kommt es auf eines mehr auch nicht mehr an. Eines davon bist du." Sie ließ sich auf den Stuhl fallen. "Arranges, was du hier gerade abziehst, ist lebensgefährlich! Du kannst noch nicht wieder herumlaufen, begreif das doch endlich!" Sie sprang wieder auf und tigerte in dem Raum auf und ab. "Du bist wahrscheinlich der schwierigste, undankbarste Patient, den es gibt. Und ich wurde nunmal blöderweise dazu verdonnert, auf dich aufzupassen. Mach doch nicht alles noch schlimmer, als es ohnehin schon ist. Glaubst du etwa, mir gefällt es dich so zu sehen?"
Langsam aber sicher überkam sie Verzweiflung. Ja, sie haßte diese ganze Situation, litt darunter, daß der Kaiserliche wütend auf sie war und war nicht zuletzt zu Tode erschöpft. Es war zum Davonrennen.

Der Kaiserliche steigerte sich immer mehr in die Sache hinein. Er ruckte an den Fesseln herum, versuchte einen Schwachpunkt zu finden. 'Ich weiss nicht, ob dir das gefällt oder nicht, aber ich habe das Gefühl, dass es das tut... hättest du auf mich gehört, würdest du jetzt in Skingrad sitzen und hättest keines deiner anscheinend so zahlreichen Probleme, noch müsstest du auf mich aufpassen und mich umsorgen oder sonst etwas... also hör auf mit deinem Geschwätz und mach mich verdammt nochmal los...!' Er rüttelte an den Fesseln herum und tat sein Möglichstes, seine Gesicht dem einer in die Enge getriebenen Raubkatze ähneln zu lassen...

Erynn beschloß, Arranges erst einmal toben zu lassen. Sie drehte den Stuhl herum, setzte sich rittlings darauf und stützte die Arme auf die Lehne. Dann sah sie sich das Schauspiel an. Verdammt noch mal, wenn sie nur könnte, hätte sie ihn längst losgeschnallt. So wie er sich gebärdete war daran jedoch nicht zu denken. Das wird noch Ärger geben. Gewaltigen Ärger... bleibt nur zu hoffen, daß der Kerl in nächster Zeit nicht allzu hart wird zuschlagen können...

Arranges musste nach einer Weile schlicht aufgeben. Mit Schweißperlen auf der Stirn lag er schwer atmend auf dem Tisch, bewegte sich aber sonst nicht mehr wirklich. Er drehte den Kopf ein wenig und blickte der Dunmer für einige Minuten nur stumm in die Augen. 'Bereitet es dir wenigstens Vergnügen, mich jetzt, da du einen Botschafter auf deiner Seite hast, kontrollieren und beherrschen zu können?'

Sie schüttelte den Kopf. "Nein, im Gegenteil. Es zerreißt mir das Herz. Aber ich werde nicht zulassen, daß du dich allein aus Sturheit heraus umbringst, oder weil du es nicht ertragen kannst, daß die Dinge nicht nach deinen Vorstellungen laufen. Bitte, hör endlich auf dich zu wehren und laß deinem Körper Zeit, wieder heil zu werden... bitte." Sie fuhr sich mit der Linken über das Gesicht. Als sie wieder sprach, flüsterte sie nur noch. "Es war entsetzlich, dich da liegen zu sehen, scheinbar ohne einen Funken Leben im Leib... laß es jetzt nicht wieder so weit kommen, und noch dazu völlig sinnlos."

In seiner innerlichen Raserei hatte er fest mit einem Ja gerechnet. Aber die Worte der Dunmer brachen wie eine Sturzflut über die lodernde Wut herein und alles was blieb, war grauer Nebel. 'Es... es tut mir leid...' Sagte er ehrlich. Er war so von ihrer Sorge um ihn überwältigt, dass er zunächst nicht wusste, was er ihr sagen konnte, stattdessen blickte er ihr nur wieder stumm in die Augen. Dann drehte er den Kopf wieder und schaute zur Decke. 'Ich werde hier liegen bleiben... auch wenn es mir schwer fallen wird...' Nach einigen Augenblicken fügte er hinzu: 'Aber bitte nimm mir die Fesseln ab... und... und,' bleib bei mir, 'sieh zu, dass nicht irgendwer nach den heilenden Wunden sieht...'

Die Elfin stand langsam auf, trat an den Tisch heran und löste die Riemen. Arranges hatte es tatsächlich geschafft, sich die Gelenke daran aufzuschürfen. "Keine Sorge. Ich werde die Verbände morgen selbst wechseln... in vier Tagen können wir hier weg." Mit einem weichen Tuch tupfte sie dem Beschwörer den kalten Schweiß vom Gesicht. "Ich muß mich um die überlebenden Schüler kümmern. Marie hat sie hiergelassen, und im Moment kann keiner von denen auch nur gescheit geradeaus laufen. In ein paar Stunden bin ich zurück."

Arranges wollte den Kopf erst wegdrehen, hielt aber dann doch still... Als Erynn das Zimmer verlassen hatte, war sein erster Impuls, einfach aufzuspringen, aber nach ein paar Herzschlägen hatte er diesen Drang niedergekämpf und blieb liegen. Langsam aber sicher, bemerkte er auch, wie der Zauber, der seine Verbindung zur Magie blockiert hatte, nachließ. Nach einer Weile, in der Erynn noch nicht wiederkam, schlief Arranges schlussendlich doch wieder ein. Allerdings war sein Schlaf eher unruhig, denn entspannt...

Glannaragh
29.03.2011, 12:24
Der Botschafter wartete am oberen Treppenabsatz auf sie. Erynn dankte ihm für seine Mühe und informierte ihn, daß sie seine Hilfe vermutlich nicht mehr brauchen würde. Der große Mann nickte und entfernte sich dann. Sie machte sich wieder auf die Suche nach den Schülern und spannte sie dafür ein, so weit das möglich war, ein warmes Essen zuzubereiten. Der Ork hatte die Erlebnisse während ihres verzweifelten Kampfes bisher am besten weggesteckt. Die übrigen funktionierten mehr oder minder, doch ihre Augen blieben leer. Ich wette einen Jahressold, daß ihr keine Ahnung hattet, worauf ihr euch einlaßt. Wolltet ein bißchen mit verbotener Magie herumspielen, weil es ja so verrucht ist, was? Von der großen Macht und Überlegenheit träumen. Nun, willkommen in der Wirklichkeit... Dafür habt ihr euch definitiv den falschen Laden ausgesucht.
Erynn nahm den Ork beiseite und ging ein paar Schritte mit ihm. Von ihm erfuhr sie, daß Parlovar bereits seit längerer Zeit abwesend und seine Schützlinge seither auf sich selbst gestellt waren. Was für ein Vorbild... und das in Zeiten wie diesen. Nicht zu fassen. Zudem hat Arranges gesagt, daß die Ausbildung der Schüler noch nicht sehr weit fortgeschritten sei – ganz schön mutig, einen Haufen Frischlinge für so lange allein zu lassen. Hat sich der Meister gar keine Sorgen gemacht, daß sie aus Selbstüberschätzung sein Labor in Brand stecken könnten oder sowas? Sehr seltsam das Ganze. Das Bild des gut gefüllten Weinkellers drängte sich in ihr Bewußtsein, und für den Moment akzeptierte sie diese Tatsache als hinreichende Erklärung. Und natürlich war da noch eine weitere Sache: Magier!

Der Ork blieb plötzlich stehen und sah sie an. „Meisterin Marie hat gesagt, ihr sollt uns bis nach Cyrodiil mitnehmen...“ Der Elfin entgleisten sämtliche Gesichtszüge. Hatte sie doch gerade erst die schlimmsten Wogen geglättet, dürfte diese Entwicklung den Beschwörer direkt zu einem erneuten Tobsuchtsanfall verleiten. Was bei allen Göttern und Ahnen hab ich bloß verbrochen, um das hier verdient zu haben, fragte sie sich zum wiederholten Male. Dem Schüler war ihr Aussetzer nicht entgangen. „Das war nicht meine Idee. Die Anweisung kam von der Meisterin“, sagte er mit deutlicher Verunsicherung in der Stimme. „Schon gut.“ Erynn zuckte die Achseln. „Ich werde es dem Mentor schon irgendwie begreiflich machen...“
Sie ließ den Ork stehen und kümmerte sich um die Pferde, nahm ihnen endlich das Lederzeug ab und tränkte sie. Die Tiere hatten den Angriff wohl gut überstanden. Gelangweilt standen sie zusammen, dösten mit gesenkten Köpfen und schlugen mit den Schweifen träge nach einigen Fliegen.
Erynn ging zurück in den Keller, hoffte, dort noch ein bißchen Ruhe zu bekommen. Sie fand Arranges unruhig schlafend, rückte die zerwühlte Decke zurecht und streckte sich dann an ihrem Platz vor dem Kamin aus. Das werden noch vier verdammt lange Tage...

weuze
29.03.2011, 13:41
Arranges träumte wirres Zeug. Davon, dass statt ihm Erynn hier dem Tode näher als dem Leben liegen würde, krümmte sich unter den Bildern einer zerstörten Gathering und musste mitansehen, wie Nienna, Jurano, Marbell, Meryann, Falanu und viele andere, die ihm nahestanden, von Botschaftern der Abtrünnigen hingerichtet wurden. Nur er blieb verschont, wurde gezwungen, sich in die neue Ordnung zu fügen, genau wie die Großmeister, die aus irgendeinem Grunde den Verrätern schlussendlich doch unterlegen waren...

... in dem Moment, in dem er allerdings schweißgebadet hochschrak, war der größte Teil der Bilder wieder vergessen, nur der tief sitzende Schrecken blieb. Arranges versuchte sich zu beruhigen, während er mit weit aufgerissenen, aber geröteten Augen zur Decke blickte. Einige Minuten später hatte er sich soweit gefangen, dass er klar denken konnte. Aber bevor er überhaupt irgendeinen eigenen Gedanken fassen konnte, forderte sein Körper ein, womit er schon seit viel zu vielen Stunden vernachlässigt worden war. Arranges drehte den Kopf zur Tür, sie war verschlossen. Ich sollte das eigentlich nicht tun... aber... ach egal... Arranges stützte sich vorsichtig hoch, bis er in einer annähernd sitzenden Position war. Er wollte sich gerade von dem Tisch schieben, als sich hinter ihm etwas regte. Erschrocken zuckte er zusammen und verharrte. Langsam drehte er den Kopf und sah Erynn, die sich gerade ebenfalls vor dem Kamin liegend, aufrichtete und ihn jetzt aus ihren im Schein des Feuers eindrucksvoll glühenden Augen anschaute. Verdammt! Verdammt! Verdammt! Arranges ließ sich ohne große Umschweife wieder zurücksinken. 'Ich wollte nicht... ich meine...' Er atmete deutlich genervt aus. 'Sag einfach nichts! ... Ich... ein Eimer wäre praktisch... und etwas zu essen... bitte.' Mit einer Falte auf der Stirn, die unübersehbar zum Ausdruck brachte, wie arg er sich darüber ärgerte, das alles nicht selbst erledigen zu können, weil er nicht aufstehen sollte, starrte er zur Decke, während er hörte, wie sich die Dunmer erhob...

Glannaragh
29.03.2011, 16:15
Das werden wirklich vier sehr lange Tage... Noch etwas benommen vom Schlaf stemmte sie sich hoch. „Sicher...“ meinte sie nur und machte sich auf den Weg.
Erynn verließ den Raum und schaute den Kellergang entlang. Neben dem Zimmer, in dem der Kaiserliche lag, befand sich der Weinkeller, dem gegenüber die einzige weitere Tür. Diese stieß sie auf, spähte in das Halbdunkel und würgte. Ganz sicher nicht die Besenkammer. Die Wände des erstaunlich großen Gewölbes waren von seltsamen Zeichen und daedrischen Hieroglyphen bedeckt, an zwei Wänden zogen sich Regale vollgestopft mit Büchern, Glaskolben und weiteren, wenig vertrauenerweckenden Gegenständen entlang. In der Mitte standen zwei Tische, auf denen jeweils ein mumifizierter Leichnam lag, die Münder wie zu einem stummen Schrei aufgerissen. Ein leichter Geruch nach Moder und Balsamierungsflüssigkeit hing in der Luft.
Die Kriegerin atmete einmal tief durch, zog den Kopf ein und huschte durch den unheimlichen Raum, bis sie fand, was sie suchte. Fluchtartig verließ sie das Gewölbe wieder und schlug die Tür hinter sich zu. Widerlich! Blanker Ekel stand in ihrem Gesicht, aber wenigstens war sie jetzt wach.

Erynn stellte den Eimer neben Arranges’ Lager ab und verzog sich wieder, besorgte eine Schale von dem Eintopf, der vom Frühstück übrig geblieben war und fragte sich währenddessen ernsthaft, ob sie vielleicht ihren Beruf verfehlt hatte. Nachdem sie auch das Essen abgeliefert und den Eimer gleich wieder mitgenommen und in einem Gebüsch ausgeleert hatte, stand sie für eine Weile unschlüssig im Hof. Ich muß da noch mal rein. Sonst verfolgt mich das nächtelang in meinen Träumen...
Kurz darauf stand sie wieder vor der Tür zu Parlovars Arbeitsraum. Zögernd trat sie ein und zwang sich, diesesmal die ganze Szenerie in sich aufzunehmen, ging schließlich nahe an einen der Tische heran und besah sich den trockenen Körper darauf genauer. Es war einmal ein Khajiit gewesen. Mit fehlendem Fell und leeren Augenhöhlen wirkte der Leichnam noch grotesker als ohnehin schon. Sie erkannte einige Schnitte am Torso und winzige, mit schwarzer Tinte gemalte Symbole auf der Haut. Vorsichtig streckte sie eine Hand aus, wagte letztendlich aber doch nicht, den Toten zu berühren, aus Furcht, das Präparat könnte plötzlich aufstehen und sie anspringen. Sie wandte sich ab und strich die Regale entlang. Die darin aufgeschichteten Knochen und Schädel schreckten sie längst nicht mehr, als eine Reihe gläserner Behälter ihre Aufmerksamkeit weckte. Erynn ging dicht an einen davon heran, zuckte zurück und stieß einen leisen Schrei aus, als sie das darin schwimmende Knäuel als Embryo identifizierte. Das ist krank... warum bewahrt man sowas auf?
Langsam aber sicher hatte sie genug, verstand sie doch ohnehin das meiste davon nicht und ohne weitere Erklärung würde sich ihr Kopf nur die wildesten Dinge dazu ausmalen. Aufs Geratewohl griff sie nach zwei Büchern und verließ den Raum, fragte sich dabei, wie viel Ärger es ihr wohl einbringen mochte, wenn sie den Weinkeller eines Gatheringmeisters plünderte. Angesichts der letzten Eindrücke entschied die Elfin, daß es das Risiko nicht wert sei.

Erynn kehrte zu Arranges zurück, ziemlich bleich um die Nase, was ihr einen fragenden Blick des Beschwörers einbrachte. „Es gibt hier... eine Art Labor, und eine Forschungssammlung“, erklärte sie und schluckte einmal. „Meine Güte, wie hältst du das nur aus!?“ Dann winkte sie ab. „Wie dem auch sei, ich hab dir zwei Bücher mitgebracht. Keine Ahnung, ob du damit etwas anfangen kannst. Und da ist noch was: Marie hat anscheinend verfügt, daß wir Parlovars Schüler mit nach Cyrodiil nehmen sollen...“

weuze
30.03.2011, 00:21
Nachdem Erynn ihm das Essen gebracht hatte, musste Arranges nach einigem hin und her verärgert feststellen, dass er zwar kaum zwei Tage nach der Schlacht wieder brüllen konnte, aber das Schlucken nicht so recht funktionierte. Eines der Pila musste dort hart getroffen haben. Nicht nur einmal musste er arg husten, nachdem er sich verschluckt hatte. Und dann wurde es ihm doch zu bunt. Unsanft stellte er die Schüssel auf dem Stuhl neben dem Tisch ab. Vielleicht zwei Löffel hatte er hinuntergewürgt, der Rest war noch in der Schüssel. Er legte sich gerade wieder, als die Dunmer das Zimmer betrat. Sie hatte zwei Bücher unter den Arm geklemmt. Was wird das denn jetzt... du hast was?! Was machst du im Labor eines Meisters?! Aber ehe er sich wirklich darüber aufregen konnte, verschlug es ihm die Sprache, als Erynn das mit den Schülern erwähnte. 'Nein... auf keinen Fall! Die kannst du mit den Botschaftern zu Meisterin Marie schicken... wir können keine 4 Schüler beschützen...'

"Pfff... ich hab auch keine Lust darauf, Arranges. Aber es ist und bleibt eine Anweisung. Die Meisterin wäre sicher nicht begeistert, wenn ich sie einfach den Botschaftern aufhalsen würde. Außerdem... ich trau mich nicht, die Kerle darum zu bitten", antwortete sie zerknirscht. "Und einfach zurücklassen können wir sie auch nicht. Sie sind immer noch völlig aufgelöst."

Verdammt... es ist eine Anweisung... daran kann man nicht rütteln... 'Du... traust dich nicht die Botschafter darum zu bitten? Wie kann man nur so dämlich sein Erynn? Sie unterstehen deinem Befehl, die Jungs würden sich sogar für dich ins Feuer setzen, wenn es dein Überleben sichern würde...' Arranges atmete genervt aus. 'Und was hattest du überhaupt im Labor des Meisters zu suchen? ... Ich frage natürlich nur, damit ich weiss weswegen ich das nächste Mal von der Gathering zusammengefaltet werde...' Verdammt ich muss dringend etwas essen...

Erynn zuckte zusammen. "Äh. Also. Eigentlich hab ich einen Eimer gesucht... und dann... mußte ich mir das einfach nochmal genauer ansehen, weil... weil." Oh, Scheiße! "Weil ich sonst den Rest meines Lebens Alpträume von diesem Gewölbe gehabt hätte! Das war einfach nur abstoßend! Aber... ich hab nichts angefaßt. Ehrlich." Unsicher sah sie Arranges an. "Tut mir leid..."

Arranges zog eine Augenbraue hoch und blickte deutend auf die zwei Bücher unter ihrem Arm. 'Nichts angefasst? ... Wieso bist du dann nochmal rein, wenn es so abstoßend war? Und warum bekommst du von soetwas noch immer Alpträume... Außerdem sollten neben den vielen Alpträumen, die du mir zu verdanken hast, kein Platz mehr für andere sein.' Fügte er mit gespielter Eifersucht hinzu.

"Was? Oh, die Bücher..." Sie legte die beiden staubigen Wälzer rasch auf die Tischkante. "Ich meinte die Leichen. Die hab ich wirklich nicht angefaßt." Erynn bekam immer mehr das Gefühl, diesesmal wirklich Mist gebaut zu haben. "Warum ich da wieder reingegangen bin? Hab ich dir doch schon gesagt. Ich wollte wenigstens wissen, wovor ich mich fürchte. Beim erstenmal... also, da hab ich mich nicht so richtig umgeschaut..."
Dann stutzte sie. "Und überhaupt, was soll das heißen, kein Platz mehr? Willst du mir jetzt auch noch vorschreiben, was ich zu träumen habe?"

'Die Leichen hätte ich auch nicht angefasst... ich will nicht behaupten, dass Meister Parlovar ein sehr seltsamer Mensch ist, das sind sie sowieso alle, aber er ist, was die Totenbeschwörung an sich angeht, immer sehr... kreativ.' Arranges grinste schief. 'Hör zu Erynn, wenn er was merkt und einen Verantwortlichen sucht, nehme ich das sowieso auf mich. Mentor sein bedeutet nicht nur den verhassten Lehrer zu spielen... ich bin als Mentor auch schützend für dich verantwortlich... auch wenn wir die Schülersache der Gathering nur vorgaukeln.' Dann wurde sein Grinsen breiter. 'Und was die Sache mit den Träumen angeht... nun...' Arranges wurde von seinem Magen unterbrochen, der jetzt lauthals nach Nahrung verlangte. Verflucht... ich kann nichts essen... Und wie zur Demonstration, mit der er sich vor sich selbst zu rechtfertigen suchte, schluckte er leer... und es funktionierte, ohne, dass er sich vor husten krümmen musste. Was zur Hölle?! Aber dann kümmerte sich Arranges nicht mehr um Erynn. Er stemmte sich hoch und griff nach der Schüssel neben sich... nur einige Herzschläge später war der Magier wieder dabei nach Luft zu schnappen, nachdem er beinahe wieder am Essen erstickt wäre. Zornesröte stieg ihm ins Gesicht und seine Faust schloss sich um den Löffel so fest, dass die Fingerknochen weiß unter der Haut hervortraten und die Hand leicht zitterte. Mit einem Rumms landete die Schüssel wieder auf dem Stuhl, aber dieses Mal gab die Tonschale nach und zwei Risse zogen sich durch das Material. Arranges ließ sich wieder auf das Lager zurücksinken, während sein Magen enttäuscht angesichts der erwarteten und doch nicht bekommenen Nahrung wieder zu knurren begann. Der Kaiserliche starrte hasserfüllt zur Decke, weährend er einige Male versuchte zu schlucken. Warum bei den vier Säulen geht das im Liegen, nicht aber im Sitzen... bis ich in ein paar Tagen genesen bin, kann ich auch liegenbleiben, bis dahin habe ich gar nicht mehr die Kraft aufzustehen...

"Bist du dir sicher, daß das Ganze nach diesem Kampf immer noch ein Spiel ist? Ich meine..." setzte sie an, wurde dann aber von Arranges' Husten unterbrochen. "Verdammt!" Als ob es ihm nicht schon längst beschissen genug ginge... Ihr Blick fiel auf die Schüssel, und sie seufzte abgrundtief. Na, hervorragend!

'Wieso sollte es kein Spiel mehr sein?' Arranges hob den Kopf und blickte Erynn fragend an. 'Falls du dir irgendetwas seltsames zusammenreimst, egal was... für mich jedenfalls ist es noch genau der selbe Plan wie zu Beginn. Du bist nach außen hin meine Schülerin, damit ich für eine Weile Ruhe vor der Gathering habe und hinterher sagen kann, dass ich eine Schülerin hatte, falls sie in den nächsten Jahren wieder ankommen und mir meine Pflichten unter die Nase reiben wollen... Du wirst weder das Siegelpapier unterzeichnen, noch sonstetwas seltsames dahingehend unternehmen...!'

"Ich... nein. Solange niemand mitbekommen hat, daß ich in der Lage war einen Botschafter niederzuschießen, kommst du damit vielleicht sogar durch", murmelte sie und schüttelte sich. "Nach dem, was ich vorhin gesehen habe, will ich noch weniger ein Teil davon sein als ohnehin schon." Auch, wenn ich keine Ahnung habe, wie ich mein Leben einfach so weiterführen soll nach eben all den Dingen, die ich in den letzten Monaten gesehen und erlebt habe...
Erynn wechselte das Thema: "Willst du etwas anderes zu essen haben? Irgendwas mit weniger Brocken drin?"

Arranges schnaubte ärgerlich. 'Das liegt nicht am Essen, sondern vielmehr daran, dass ich nicht schlucken kann, sobald ich sitze... und so wie ich das sehe, wird mir das noch eine Weile bleiben...' Weiterhin starrte er an die Decke.

Mist... nein, vergiß es! Ich fütter dich nicht. Auf keinen Fall... verfluchte Scheiße. Erynn dachte ernsthaft darüber nach, den Botschafter zu bitten, Arranges noch einmal ins Reich der Träume zu befördern. Sie rannte sich schon den ganzen Tag die Hacken ab, um alle möglichen Leute zu betüddeln. Irgendwann mußte es doch genug sein! "Und... was heißt das genau?" fragte sie mißtrauisch.

'Naja, das heißt, dass ich mir jetzt ersteinmal überlegen muss, wie ich im Liegen essen kann, ohne, dass hinterher mehr von dem Zeug auf meiner Decke zu finden ist, als in meinem Bauch... trinken wird nochmal eine andere Herausforderung...' Arranges verschränkte die Arme vor der Brust. 'Derjenige, der mit dem Wurfspieß auf meinen Bauch gezielt hat, hat gut getroffen und dabei so einiges verletzt, das auch Marie nicht so einfach direkt heilen konnte, also werde ich mir besser eine längerfristig gute Taktik einfallen lassen müssen, wie ich im Liegen essen kann...'

Erynn faßte sich mit der Hand an die Stirn und atmete tief durch. Dann hob sie Arranges Kopf vorsichtig an, zog das Kissen darunter hervor, rollte es zusammen und bettete den Kaiserlichen ein wenig höher. Das. Ist. Entwürdigend. Warum immer ich? Sie nahm die Schale auf und hielt ihm einen Löffel von dem Eintopf unter die Nase. "Bitte, mach jetzt kein Theater und iß einfach. Für mich ist das gerade genauso schrecklich wie für dich." Ich schwöre, beim nächsten Kampf werde ich es sein, die völlig kopf- und planlos in die Gegner hineinrennt...

Arranges schaute sie schon verwirrt an, als sie das Kissen zusammengerollt unter seinen Kopf schob. Erst recht und komplett entgeistert starrte er Erynn an, als sie sich daran machte, ihn füttern zu wollen wie einen greisen Mann. Zur nächsten Mahlzeit werde ich einfach wieder aufste... ach verdammt... Verflucht, ich bin an dieses beknackte Krankenlager gebunden und das sogar ganz ohne Fesseln... Der Nekromant hätte seinem Ärger am liebsten durch Worte Luft verschafft, unterließ es aber und aß einfach. Im Stillen betete er zu allen Göttern, deren Namen er je gehört hatte, dass jetzt keiner hereinkommen würde. Mit einem Mal wusste er seinen derzeit schwachen Kreislauf zu schätzen, so konnte man ihm nicht etwa an geröteten Wangen ansehen, wie peinlich ihm die ganze Sache gerade war. Als die Schale endlich leer war, nuschelte Arranges ein 'Danke...' vor sich hin.

"Keine Ursache." Es gelang ihr nicht ganz, die Erleichterung aus ihrer Stimme zu verbannen, als sie von der Tischkante rutschte und die Schüssel abstellte. "Äh... was ist jetzt mit diesen Büchern?"

'Was soll mit denen sein?' Arranges warf einen kurzen Blick auf die Titel. Einen davon konnte man kaum lesen, da der Ledereinband bereits so rissig war, den anderen kannte er bereits. 'Das hier,' er deutete auf jenes, bei dem man den Titel lesen konnte, 'ist etwas zur Leichenaufbereitung... ich glaube kaum, dass dich das interessiert... Und das hier,' er schlug das andere Buch auf, '... ist in daedrischen Lettern geschrieben und bringt dir nichts.' Er grinste sie breit und etwas überlegen an. Arranges las die ersten paar Sätze für sich durch und blickte dann wieder zu Erynn auf. 'Eine nette Lektüre...hätte nicht gedacht, dass Meister Parlovar Sinn für Poesie hat... wo doch sein Verlangen nach kulturellem Luxus sehr einfach durch einen guten Wein gestillt werden kann...'

[Forsetzung folgt]

Glannaragh
31.03.2011, 15:49
"Eigentlich hatte ich sie auch eher für dich mitgebracht", bemerkte sie spitz. "Wenn du also nicht willst, daß ich die Dinger wieder zurückschleppe oder dir sonst etwas einfällt, mit dem du mich auf Trab halten kannst, dann laß mich jetzt ein paar Stunden schlafen. Ich kann nicht mehr." Erynn verzog sich vor den Kamin und ließ sich von den Flammen den Rücken wärmen. "Allein, in deinen Dickschädel zu prügeln, daß du dich nicht von diesem Tisch wegbewegen sollst, ist eigentlich eine Aufgabe für vier schwergerüstete Orkkrieger", maulte sie.

'Oh... nun...' Arranges fühlte sich fast ein wenig schuldig, obwohl er gar nicht wusste, warum genau. 'Es tut mir leid Erynn... aber versteh... oder versuch es zumindest... Ich kann es nicht ertragen hier mit der Gewissheit, dass die Gathering gerade zerstört wird, herumzuliegen... es geht mir auch gewaltig gegen den Strich, dass ich mich jetzt schon füttern lassen muss.' In seiner Stimme lag gleichsam Scham und Zorn.

"Ist schon gut. Es ist eben gerade nicht zu ändern." Die Elfin war einigermaßen versöhnt. Sie stemmte sich noch einmal hoch und ließ sich wieder auf den Stuhl fallen.
"Was ich einfach nicht begreife: Wie können drei Meister so dermaßen viel Ärger verursachen? Ich meine, gut, man kann sie nicht einfach ausschalten. Aber ihnen gegenüber steht eine Organisation, die sich über ganz Tamriel verteilt, mit uneingeschränktem Zugang zu jeder Menge Wissen und Ressourcen. Es kann doch nicht angehen, daß sie nicht in der Lage sind, ihre Leute zu schützen. Es sei denn... es gibt noch weitere Verräter, die ihre Absichten nicht öffentlich gemacht haben, sondern sich noch immer innerhalb der Gathering bewegen, und zwar in den höchsten Kreisen. Woher sonst sollten die Abtrünnigen wissen, welche Orte gerade ungeschützt sind und wo sie zuschlagen müssen? Warum gibt es keine Gegenschläge? Zumindest beim Gefolge könnte man ansetzen. Wenn die Schüler und Botschafter reduziert werden, schwächt das die Position der Angreifer, oder nicht? Irgendwer im Rat stellt sich quer und hält Informationen zurück, darauf wette ich einen Jahressold. Die Sache könnte weit größer sein, als wir beide bisher ahnen..."

'Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir wie die Großmeister vermutlich auch, absolut keinen Reim darauf machen kann, wie drei Meister der Gathering so übel mitspielen können... Woher sie jedoch wissen, wie die Verteidigung im Moment ausschaut, ist wohl einfach zu erklären... ich bin kein Stratege, Aber diese Sache leuchtet sogar mir ein. Es haben wohl im Vorfeld einige Angriffe stattgefunden, die aber nur dazu dienten, die Bestie zu wecken und auf sich aufmerksam zu machen. Während dann also die Gathering sich organisierte und versuchte, die betroffenen Orte zu schützen, mussten logischerweise irgendwo anders Botschafter und so weiter, abgezogen werden. Die Abtrünnigen sind sich dessen bewusst und wissen deswegen auch, welche Anwesen ungeschützt sind, während sie die Kräfte an anderer Stelle binden... Die Abtrünnigen wären allerdings für sich genommen schon nicht in der Position einfach anzugreifen, da sie rein zahlenmäßig unterlegen sind. Jedem Meister stehen etwa 10 Botschafter zu, welche ja wohl die Speerspitze eines jeden Angriffs bilden. Die Zahl kann durchaus schwanken, da wie du selbst bemerkt haben dürftest, die Botschafter nur demjenigen gehorchen, dem sie zugeteilt wurden. Die Zuteilung erfolgt bei der Eingliederung eines neuen Botschafters durch die Gathering und im Weiteren durch die Meister deren Befehl sie von den Großmeistern unterstellt wurden... Die Botschafter sind also unter den Meistern frei verschiebbar... Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass einer der anderen Meister freiwillig Botschafter von sichan zu den Abtrünnigen abkommandiert... wäre das so, müssten jetzt sehr viele Meister ohne Botschafter dastehen, damit sich die Überlegenheit der Abtrünnigen wieder erklären ließe...' Arranges schaute in die Augen der Dunmer. Sie schien nur die Hälfte von dem was er sagte, zu verstehen. Er wechselte das Thema: 'Mir persönlich gibt eher zu denken, warum Marie plötzlich hier auftauchte. Entweder, sie wurde von der Gathering gezwungen sich zu beteiligen, was ich bezweifle, oder aber irgendetwas an der ganze Sache hat ihr arg zu denken gegeben, sodass sie sich doch von selbst dazu entschied, ihre Neutralität aufzugeben...'

"Diese ganzen Strukturen sind ziemlich verwirrend... wenn es so ist, wie du sagst, wird das Problem dadurch aber nicht geringer. Wenn die Abtrünnigen mit ihrer Zuschlagen-und-Verschwinden - Strategie weitermachen, und das werden sie, wenn sie halbwegs gescheit sind, verhindert es, daß die Gathering ihre Kräfte effizient bündeln kann. Es sei denn, sie gäben die kleineren Anwesen von sich aus auf und legen ihre Leute auf großen Stützpunkten zusammen... ich weiß nicht genug über die Struktur, ob das für ihre Mitglieder akzeptabel oder auch nur praktikabel ist - aber es ist ohnehin müßig, mir darüber Gedanken zu machen. Der Rat wird schon von selbst darauf gekommen sein."
Erynn zuckte die Achseln. "Ich weiß nicht, warum Meisterin Marie hierher gekommen ist. Sie hat kein Wort darüber verloren. Ebensowenig kann ich dir sagen, was die Botschafter aus den Verrätern herausgequetscht haben. Vielleicht könnte ich sie fragen, aber das heißt nicht, daß uns das weiterhelfen wird - wenn sie es mir überhaupt sagen dürfen. Tatsache ist, Marie kam mit ihrem Entsatz praktisch im allerletzten Moment hier an. Eine Stunde später, und hier wäre niemand mehr am Leben gewesen."

'Ich weiss, dass eigentlich alle Meister sehr übel darauf reagieren, wenn man in ihren Gemächern herumstöbert. Viele haben sogar die Angewohnheit, Schüler, die wenn auch nur per Zufall in ihre privaten Räume auf den Anwesen, stolpern, direkt nicht mehr als ihre Schüler anerkennen. Sind es fremde Schüler, werden sie irgendeinen Verantwortlichen finden, Ähnliches gilt für Mentoren und Botschafter... daher glaube ich nicht, dass sich irgendein Meister dazu überreden lassen wird, sein Anwesen aufzugeben. Diese Orte mit dem vielen angehäuften Wissen darin, sind den Meistern wichtiger als alles andere...' Arranges machte eine abwinkende Geste. 'Vermutlich brauchte die Meisterin nur wieder einen Grund, mich bei unserer nächsten Begegnung auf meine Schwäche aufmerksam machen zu können...Jetzt, da Torrah, tot ist, muss sie es eben vorwiegend selbst in die Hand nehmen, mich zu hassen...'

"Mag sein... Marie erschien mir als schwer durchschaubare Frau." Erynn fuhr sich mit der Hand durchs Haar. "Oh Mann, mit dem Labor hab ich wirklich Mist gebaut, oder? Wenn ich das nur vorher gewußt hätte..." sie verstummte und schüttelte sich.
"Nun, das kompliziert die Sache noch zusätzlich. Wenn die Großmeister letztendlich gezwungen sein sollten, diese Struktren aufzubrechen, könnte es auch bei den Meistern zu Unmut führen... und ich dachte, die Blackwood Company wäre ein Problem. Denkste! ...Wir sollten uns trotzdem schonmal überlegen, wie wir weiter vorgehen. Ich würde sagen, wir kehren nach Cyrodiil zurück und trennen uns dann an der Goldstraße. Ich bringe die Schüler nach Skingrad, das ist die nächstgelegene Stadt. Von dort aus kommen sie sicher weiter, wohin auch immer. Du reitest zur Kaiserstadt voraus und triffst dich mit dem Kundschafter. Ich werde zusehen, daß ich dich dort möglichst schnell einhole."

'Ja, wer sie nicht kennt, kann sie nicht durchschauen, so wirkt sie meistens eher wie eine für ihr Alter noch recht jung gebliebene und verträumte Frau... ihre bestialische Ader zeigt sich erst mit den Jahren...' Arranges sah Erynn wieder in die Augen. 'Das mit dem Labor werde ich regeln, mach dir da einfach keine weiteren Gedanken... Und was unser weiteres Vorgehen betrifft, so werde ich mitkommen nach Skingrad. Siegelstein hin oder her, aber wenn uns aufgetragen wurde, die Schüler in Sicherheit zu bringen, dann sollten wir das auch mit bestem Können tun... Vielleicht kann ich sie bei Falanu unterbringen... außerdem,' er lächelte, 'will ich eigentlich nicht riskieren, dich mit den Schülern allein umherwandern zu lassen...'

"Auch gut, dann machen wir es so." Sie gähnte."Ich werd es ihnen nachher mitteilen, aber jetzt muß ich erstmal ein paar Stunden schlafen, oder ich kippe einfach vom Stuhl..." Ohne weitere Umschweife streckte sie sich wieder vor dem Feuer aus. Bleibt nur zu hoffen, daß wir unterwegs nicht noch in einen Hinterhalt der Abtrünnigen geraten. Wir werden langsam sein, und mit den Schülern ist nichts anzufangen. Noch ein Massaker brauche ich in der nächsten Zeit eigentlich nicht...

weuze
31.03.2011, 17:27
Die Botschafter sorgten trotzdessen, dass man sie so gut wie nie sah, für eine unerschütterliche Sicherheit rund um das Anwesen. Sie machten sich verschiedenst nützlich und das ohne, dass Erynn sehr viel sagen musste. Jeden Tag war dank ihnen neues Feuerholz verfügbar. Sie machten sich daran, das beinahe gänzlich zerstörte Gebäude soweit zu reparieren, dass es nicht mehr einsturzgefährdet war. Außerdem rissen sie kontrolliert den immer wieder gefährlich schwankenden Turm am dritten Tag ab.

Bis auf den Ork waren die Schüler weiterhin still und hatten die Blicke nach innen gekehrt. Die Grünhaut hingegen hatte sich schon am zweiten Tag fast komplett wieder von dem Schrecken der Schlacht erholt und turnte munter auf dem Anwesen herum, ging Erynn zur Hand und widmete sich so gut es möglich war, wieder seinem Studium. Er war ein aufmerksamer und aufgeweckter Kerl.

Arranges erholte sich während die Tage zäh dahinzogen, ebenfalls recht gut, nur das Problem mit dem Schlucken blieb, was ihn zusehens ärgerte. Er wagte es nicht, sich irgendwie und schon gar nicht negativ, dazu zu äußern, wenn Erynn ihn bei eigentlich jeder Mahlzeit füttern musste. Während sie sich auf eine absurde Weise fast daran gewöhnte, hatte er mehr und mehr ein Problem damit. Am vierten Tag versuchte er es zum ersten Mal wieder selbst - im Sitzen... Lautes Husten, mit vereinzelten Fluchern dazwischen, konnten das Geräusch von zerschellendem Ton nicht ganz übertönen, als die Schale an der Wand zerbarst... Er hielt sein Versprechen, liegen zu bleiben, obwohl er sich bereits wieder fit genug fühlte... seinen Unmut darüber ließ er Erynn zum Teil deutlich spüren.

Es war der Morgen des fünften Tages, der Tag ihres Aufbruchs. Arranges registrierte dies mit einem Lächeln im Gesicht, als er die Augen aufschlug. Er sah nach hinten zu Erynn, die wie auch schon in den vergangenen Nächten vor dem Kamin lag und noch schlief.

Der Kaiserliche setzte sich auf die Tischkante und stand vorsichtig auf. Er war etwas wackelig auf den Beinen vom vielen Liegen, aber das konnte ihn nicht davon abhalten, durch das Zimmer zu laufen und seine Sachen zusammen zu suchen. Das Gewicht der Ausrüstung lastete unerwartet schwer auf seinen Muskeln. Als er sich gerade das Kettenhemd überstreifte und feststellte, dass zwei große Löcher in der Front und wohl auch am Rücken waren, bemerkte er, wie sich Erynn hinter ihm regte. Er drehte sich zu ihr herum, ging neben ihr in die Knie und schaute ihr in die noch halb in Träumen gefangenen Augen. 'Guten Morgen...' Ein leichtes Lächeln formte seine Mundpartie.

Glannaragh
31.03.2011, 18:33
„Hä? Wasn?“ Achso, wir wollten los. Den Göttern sei Dank. Noch einen Tag Geknatsche hätte ich wohl nicht ausgehalten. „Uh... guten Morgen.“ Erynn erhob sich mit knirschenden Gelenken. Nach fünf Nächten auf dem Fußboden und ohne die Rüstung abzulegen -sie wollte im Falle von neuerlichem Ärger nicht erst wieder aufrödeln müssen- erschien ihr selbst die Aussicht darauf, an diesem Abend irgendwo auf dem Waldboden zu schlafen, bemerkenswert attraktiv. Arranges war praktisch abmarschbereit, was sie kein bißchen verwunderte. Unwillkürlich malte sie sich aus was wohl geschehen würde, wenn sie dem Beschwörer sagte, daß sie entschieden hatte noch einen weiteren Tag zu warten. Es zauberte ihr ein leichtes Grinsen ins Gesicht und sie verzog sich rasch, um die Schüler zusammenzutrommeln.
Den Botschafter, der bisher auch ihr Kontaktmann gewesen war, fragte sie danach, ob ihr Auftrag ebenfalls beinhaltete, die kleine Gruppe auf dem Weg nach Cyrodiil zu begleiten. Dem war nicht so. Es kam ihr nicht unbedingt logisch vor, aber das traf im Zusammenhang mit Magiern auf viele Dinge zu. Also dankte sie ihm für die Mühe und entließ die Elitekrieger.

Bis Erynn die Pferde gesattelt heranführte, waren bereits alle im Innenhof versammelt. Ein wenig mißmutig schaute sie auf den kleinen Haufen Leute – sie hatte nicht wirklich Lust dazu, für die kommenden paar Tage die unterwürfige Schülerin mimen zu müssen. Arranges hingegen würde es in vollen Zügen genießen, dessen war sie sich sicher. Dann waren sie unterwegs und schlugen sich nach Nordosten durch den Wald, immer auf die cyrodiilische Grenze zu. Die Elfin führte ihr Pferd, ließ die drei weniger starken Schüler abwechselnd darauf reiten. Der Kaiserliche hingegen ging ganz in seiner Rolle als Ekelpaket der Gruppe auf und trieb sie unbarmherzig voran. Mehr als einmal gelang es der Kriegerin nur knapp, nicht entnervt die Augen zu verdrehen.

Am Abend, besser gesagt in der Nacht, hielten sie auf einer kleinen Lichtung an, um zu rasten. Ihre Schützlinge stießen einen kollektiven Seufzer der Erleichterung aus und ließen sich in das spärliche Gras fallen, nur um gleich wieder hochgescheucht und mit der Suche nach Feuerholz beauftragt zu werden. Erynn lächelte ein wenig gequält, erkannte aber die Methode hinter der Aktion: Je kaputter die jungen Leute wären, desto weniger Zeit würden sie mit Grübeln verbringen. Dazu hatten sie in den letzten Tagen ohnehin schon viel zu viel Gelegenheit gehabt.
Als letztendlich doch alle ums Feuer versammelt saßen oder lagen, schoß sie einen unauffälligen, aber mahnenden Blick auf den Beschwörer ab. Denk nicht mal ansatzweise darüber nach, die Wache übernehmen zu wollen...
Den Rest der Nacht verbrachte die Elfin dösend mit halbgeschlossenen Lidern, verließ sich mehr auf ihr Gehör als auf ihre Augen. Alles blieb ruhig, und mit dem ersten Morgengrauen setzten sie ihren Marsch fort. Erynn gab darauf Acht, daß niemand den Anschluß verlor, und wenngleich ihre Stimme niemals einen harschen Ton annahm, ließ sie sich doch kein Mitleid anmerken. Keine Sonderbehandlung für zartfüßige Magiernovizen... auf keinen Fall!

weuze
31.03.2011, 19:58
Arranges ließ es sich nicht nehmen selbst zu reiten. Insgeheim hätte er zwar Erynn bevorzugt behandelt, aber sie war eine Schülerin wie die anderen auch. Und um die Lügenkulisse aufrecht zu erhalten, musste er ihr gegenüber genauso harsch reagieren, wie den jungen Novizen. Er versuchte diesen Eindruck so gut wie möglich zu vermitteln... hatte er sich in den vergangenen Wochen doch schon sehr daran gewöhnt, in Erynn eine normale Begleiterin zu sehen.

Am zweiten Tag erreichten sie am Abend endlich die Grenze zu Cyrodiil. Arranges hatte darauf geachtet, dass sie sofern es das Gelände ebenfalls zuließ, immer nach Norden gingen. Würden sie zu weit nach Westen kommen, kämen sie bald in dichter besiedelte Gebiete an der Hauptstraße, welche von Skingrad aus in die südwestlichen Provinzen führte. Das wollte Arranges unbedingt vermeiden. Es würden nur unangenehme Fragen darüber aufkommen, warum sich ein Kaiserlicher, eine Dunmer und ein Haufen Kinder einfach so durch die Wälder Valenwalds schlugen...

Arranges fiel es leicht, seine Rolle als Mentor auszufüllen. Die Schüler hatten schon nach sehr kurzer Zeit übergroßen Respekt vor ihm. Lediglich dem Ork, der so viel mehr als nur ein grünhäutiger, heranwachsender Barbar war, schien aufgefallen zu sein, dass Erynn nicht nur Schülerin zu sein schien. Er ließ sich diese vermutete Feststellung jedoch nicht anmerken und hütete sich in der Gegenwart des Nekromanten jemandem von seiner Beobachtung zu erzählen...

Sie rasteten unter einer Gruppe hoher Tannen, die nahe beieinander wuchsen und Schutz vor dem Wind boten, der am Vormittag aufgekommen war. Der Kaiserliche wollte erst Anstalten machen, die Wache zu übernehmen, jedoch unterließ er es, ein Wort darüber zu verlieren, nachdem Erynn ihm wie auch schon am Vorabend, einen warnenden Blick zugeworfen hatte. Eine solche Diskussion kann ich mir mit ihr nicht erlauben vor den Schülern... Fast noch vor allen anderen nickte der Kaiserliche schließlich an einen Baum gelehnt ein.

Glannaragh
31.03.2011, 21:05
Drei weitere Tage stolperten sie durch das Hinterland der Grafschaft Skingrad, während das Wetter zunehmend schlechter wurde. Bald schon sanken sie knöcheltief in die aufgeweichte Erde ein, und niemand hatte auch nur mehr einen trockenen Fleck am Körper. Der jüngste ihrer Schützlinge, ein zierlicher Bretone, begann nach einer Weile heftig zu husten. Am Abend fieberte er. Dieser Umstand zwang Tujenne und Kal-Leesha, die letzte im Bunde, die ganze Zeit selber zu laufen. Es machte sie noch langsamer, selbst Arranges’ ungehaltenes Gefauche vermochte nicht, sie dauerhaft zu einem höheren Tempo zu treiben. Sie mochten vielleicht noch einen halben Tag von der Goldstraße entfernt sein, als der Junge wie ein nasser Sack aus dem Sattel fiel. Erynn kniete neben ihm nieder und tastete nach dem Puls, versuchte Anzeichend für Atmung und Herzschlag zu finden. Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Nichts mehr“, verkündete sie dann und bemühte sich dabei, ihrer Stimme einen emotionslosen Klang zu geben. Der Kaiserliche schwang sich aus dem Sattel, webte einen starken Feuerzauber und verbrannte den Körper zu Asche. „Weiter“, blaffte er.

Für die Argonierin war das zu viel. Sie brach in hysterisches Weinen aus, schien nicht dazu in der Lage, einen weiteren Schritt zu tun. Verdammt! Das können wir uns jetzt beim besten Willen nicht leisten... wir müssen alle aus diesem Regen raus, und das so schnell wie möglich. Sie warf Arranges einen fragenden Blick zu – alles wozu er sich herabließ, war eine unwillige Geste. Erynn war mit zwei schnellen Schritten bei der Schülerin, holte aus und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige. Sie verachtete sich selbst dafür. „Was für ein Totenbeschwörer bist du eigentlich?“ zischte sie. „Du hast den Mentor gehört. Los, weiter!“ Kal-Leesha gelang es, ihr durch die tränenverschleierten Augen einen haßerfüllten Blick zuzuwerfen. Der Ausdruck ‚Sklaventreiber’ war eindeutig darin zu lesen. Die Dunmer deutete wortlos über ihre Schulter auf Falchion, und sie setzten den Weg fort. Am Nachmittag erreichten sie die Goldstraße. Zwei- wie Vierbeiner atmeten auf, als sie das schwierige Gelände endlich verlassen konnten. Jetzt haben wir es bald geschafft – und keinen Augenblick zu früh. Wir können den Schülern nicht noch mehr zumuten...

weuze
01.04.2011, 16:13
Sie waren vielleicht noch einen Tagesmarsch von Skingrad entfernt, als es zu dunkeln begann. Arranges entschied, dass es genug sei. Er selbst war erschöpft, was er mit jedem einzelnen Wort deutlich zeigte. Aber damit war er sicherlich nicht allein in der kleinen Gruppe. Sie sahen alle recht abgerissen aus, waren bis auf die Haut durchnässt und wirkten alle so, als würden sie gleich im Stehen einschlafen. In einem Dickicht abseits der Straße versuchten sie mit zwei Zeltplanen einen provisorischen Schutz vor dem Regen zu erreichten, unter dem sie alle Platz fanden. Arranges brauchte eine Weile um das nasse Holz zum Brennen zu bringen, aber schließlich saßen sie doch alle um ein knisterndes Feuer herum. Arranges schlief wie immer in den letzten Tagen, als Erster ein. Der Heilprozess war wohl noch lange nicht gänzlich abgeschlossen und die neuerliche Belastung zehrte arg an seinen Reserven.
Als auch die Argonierin und die Bretonin eingeschlafen waren, saßen nur noch der Ork und Erynn wach am Feuer. Nach einer Weile, in der der Ork praktisch keine Anstalten machte, ebenfalls einfach müde umzukippen, wandte er den Kopf in ihre Richtung. 'Erynn? Dürfte ich euch eine Frage stellen?' Respekt vor ihrer Person schwang in seiner Stimme mit.

Erynn war einerseits zufrieden darüber, daß Arranges sich wenigstens des Nachts schonte und schlief, andererseits jedoch war sie am Ende. Der Kaiserliche hatte ihr in den letzten zwei Tagen ein paar Stunden Schlaf vor dem Morgengrauen gegönnt, doch es wollte nicht reichen, um sie bei Kräften zu halten. Mit müden Augen sah sie zu dem Ork auf und ließ das kleine Flämmchen verpuffen, mit dem sie sich die Hände gewärmt hatte. "Natürlich. Was willst du wissen?"

'Nun, ich wollte euch fragen, wie ihr zu Mentor Arranges steht...' Er schielte verstohlen zu dem Kaiserlichen hinüber, als wolle er sichergehen, dass er auch wirklich schlief. 'Ich meine, er sieht in euch etwas anderes, als nur eine Novizin... Versteht mich bitte nicht falsch Erynn, aber ich habe ihn beobachtet. Er scheint zumindest indirekt anders mit euch umzuspringen, als mit uns... Es kann natürlich auch sein, dass das daher kommt, weil ihr seine Schülerin seid und wir nur andere Novizen, mit denen er eigentlich nichts zu schaffen hätte...'

Erynn stutzte kurz. Was geht dich das denn an? "Nun", sagte sie langsam. "Er ist mein Lehrer, also geht er mit mir wahrscheinlich wirklich anders um. Er weiß ungefähr, was ich kann und was mir zuzutrauen ist. Dir ist aufgefallen, daß der Mentor mir relativ große Handlungsfreiheit läßt, nicht wahr? Das liegt hauptsächlich an der jetzigen Situation. Ich habe ein wenig Kampferfahrung, daher hält er mich gerade an der längeren Leine." Was wird das, wenns fertig ist? Willst du mich aushorchen?

Für den Bruchteil eines Augenaufschlags wirkte es so, als helle sich die erschöpfte Miene des Orks auf, aber das hätte auch Einbildung sein können... 'Das heißt... ihr mögt ihn eigentlich auch nicht wirklich?'

Erynn zog eine Augenbraue hoch und hielt den Blick des Orsimer fest, während es hinter ihrer Stirn arbeitete. Du bist einer Organisation von Nekromanten beigetreten und heulst jetzt rum, weil der Umgangston ruppig ist? Was bist du denn für einer? Dann jedoch beschloß sie, den Spieß umzudrehen. Jetzt war sie neugierig, wohin dieses Gespräch wohl führen mochte. Sie senkte die Stimme noch weiter: "Nein, nicht wirklich. Warum fragst du?"

Jetzt war die Erleichterung, die kurz über sein Gesicht huschte, deutlich zu erkennen. 'Ich hätte mich auch ehrlich gewundert, wenn jemand wie du... ich meine wie ihr, jemanden wie Arranges mögen würdet... warum versucht ihr nicht den Mentor irgendwie zu wechseln... ich weiss, dass das möglich ist, es kommt nur recht selten vor, wie ich in meinen 3 Jahren, die ich schon dabei bin, mitbekommen habe...'

Wieder erwischte der Ork sie unvorbereitet, und sie setzte einen, wie sie hoffte, grüblerischen Gesichtsausdruck auf, während sie schnell nachdachte. "Das kann man machen? Interessant." Dann schüttelte sie leicht den Kopf. "Das wäre, als würde ich kapitulieren... Du weißt nicht, wie entsetzlich dieser Mann wirklich sein kann. Wenn er glaubt, daß ich schwach bin, würde er mich innerhalb der Gathering ruinieren. Glaub mir, Mentor Arranges wäre fähig dazu." Bemerkenswert. Wenn das so weitergeht, wird aus mir doch noch eine gute Lügnerin...

Der Ork blickte etwas zerknirscht drein. 'Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit, wie es nicht dazu kommen würde. Arranges ist auch nur ein Mentor. Ihm sind die Hände gebunden, wenn die Gathering direkte Anweisungen gibt...' Seine Stimme hatte einen leicht flehenden Unterton.

Erynn zog die Augenbrauen zusammen. "Warum ist dir das so wichtig", fragte sie und ließ einen leicht mißtrauischen Unterton in ihre Stimme einfließen. "Du kennst mich doch kaum, und momentan hast du ganz andere Probleme. Abgesehen davon: Warum sollte ich die Gathering damit belästigen, daß ich mit einem Mentor nicht klarkomme? Ich bin nur Schülerin - warum sollten sie ihre Zeit darauf verschwenden?"

Der Ork blickte zu Boden, als Erynn geendet hatte. Einige Momente, die lang wie die Ewigkeit schienen, rührte er sich gar nicht, bis er endlich wieder den Kopf hob. Selbst im flackernden Schein des Feuers und trotz der ohnehin schon recht dunklen Färbung seiner Haut, waren deutlich gerötete Wangen zu erkennen. Er druckste noch kurz herum, bevor er, jetzt gar nicht mehr sicher, drauflos stotterte: 'Ja ich... es ist so weisst du... ihr... Erynn,' verlegen blickte er wieder ins Feuer und begann damit, seine Hände zu kneten, 'als du und Mentor Arranges... als ich euch, also dich... beim Anwesen dort zum ersten Mal sah... ich... du und der Kaiserliche, ihr ward zwar Hoffnung für uns alle... aber... ich mag euch nicht in der Nähe dieses Ekels dort zu sehen... ich glaube,' er senkte die Stimme zu einem Flüstern, 'ich mag euch seit dem ersten Augenblick sehr gerne... nein, Unfug! Ich liebe euch... dich!'

Erynn schluckte einmal. Und dann noch einmal. "Robrak..." Verdammt! Das war... kompliziert - und irgendwie schlecht. Sie setzte noch einmal an. "Das... ist kein guter Moment. Dafür. Ich meine, mit der aktuellen Krise, die Abtrünnigen und das Ganze..." langsam aber sicher schlich sich leise Panik in ihre Stimme. Diese Situation war neu. Sie hatte nicht den geringsten Schimmer, wie sie damit umgehen sollte. "Morgen werden wir Skingrad erreichen. Wahrscheinlich sehen wir uns danach nie wieder... oder zumindest für lange Zeit nicht. Du... bist dir sicher? Ich will sagen, wir sind in einer Extremsituation an Parlovars Anwesen aufgetaucht. Vielleicht... vielleicht projizierst du nur irgendwas. Auf mich... Keine Ahnung." Arranges, bitte, bitte, bitte wach auf! Jetzt! Sag, daß du alles mit angehört hast und laß den Anschiß deines Lebens los, daß dieser... Halbstarke sich nie wieder traut, mich auch nur anzusehen. Bitte! Verdammt.

Der Ork erstarrte für einen Moment. Auf ihre Frage, ob er sich mit irgendetwas sicher war, ging er gar nicht ein. 'Aber du kannst doch in Skingrad bleiben... ich meine, es ist nicht verpflichtend, dass ein Schüler ständig um seinen Mentor kreist...' Die Hände des Orks zitterten leicht, während er in ihre Augen sah und nach irgendeiner Zustimmung und Erwiderung suchte.

"Ich kann nicht bleiben. Auf keinen Fall. Hör zu... Robrak. Ich will dir nicht weh tun, aber... schlag dir das aus dem Kopf. Im Moment geschieht einfach zu viel, und der Mentor und ich sind mittendrin, wie dir sicherlich aufgefallen ist." Sie hatte sich tatsächlich in ihrer Lüge verstrickt, jetzt mußte sie zusehen, wie sie sich da wieder rauswinden konnte. "Vielleicht wird es besser, wenn das Problem mit den Abtrünnigen gelöst ist. Vielleicht ist er" sie ruckte mit dem Kopf in Richtung Arranges "dann nicht mehr so grausam..." Schlechter Ansatz. Bleibt nur noch die Flucht nach vorn.
Erynn sah den Ork scharf an. "Du wirst nichts unternehmen, um mir einen anderen Mentor zuteilen zu lassen. Er ist verdammt noch mal der Beste, und ich will vom Besten gelehrt werden. Verstanden?"

Der Körper des Orks erbebte. Als er den Kopf abermals hob, hatte er die Zähne gefletscht. 'Aber... aber...' Seine Stimme zitterte vor Wut und Hilflosigkeit. Dann sprang er plötzlich auf. 'Nein, wenn nicht ich, dann niemand... und er schon gar nicht, sowas wie dich hat der Mentor nicht verdient!' Schrie er. Tränen begannen ihm über die Wangen zu rollen.
'Verflucht nochmal, was ist das für ein Krach mitten in der Nacht!' War jetzt die Stimme des Kaiserlichen zu hören, der deutlich verärgert war. Arranges setzte sich auf und sah, wie der Ork, der breitbeinig und schwer atmend am Lagerfeuer stand, jetzt in seine Richtung blickte. 'DU!' Abseits jeden bewussten Gedankens, griff der Ork vor sich in die Luft und hielt einen Dolch in der Hand. 'Du wirst sie mir nicht wegnehmen!' Dann stürmte er auf den Kaiserlichen zu. Verdammt... was äh?! Arranges musste jetzt erst handeln, fragen konnte er später noch immer. Ein Zauber flog dem Ork entgegen und eine Skeunde später wurde sein Körper auf die Erde gezogen. Der Dolch verbuffte. 'Was zur Hölle ist in dich gefahren Junge?!' Brüllte Arranges, während er sich hochwuchtete. 'Bist du ungünstig in der Rauchsäule des Feuers gestanden oder was?!' Arranges war bei dem Ork angekommen und ging ihm mit einem Knie voran ins Rückgrat, während er seinen Zauber auflöste. 'ANTWORTE, SCHÜLER!' Aber statt einer Antwort war nur ein gepresstes Schluchzen zu hören. Was bei den vier Säulen? Drehen jetzt alle am Rad oder was?! Arranges wandte sich um und sah fragend zu Erynn... in ihrem verwirrten Gesicht konnte er jedoch auch keine Antwort finden. Von dem Krach waren die beiden anderen Schüler ebenfalls erwacht und blickte nun ebenfalls völlig desorientiert umher. Arranges verlor jedoch keine Zeit. Schnell hatte er den Ork hochgezogen und drückte ihn jetzt gegen einen der Baumstämme, während seine Klinge am Hals der Grünhaut ruhte. 'Mir sind leider die Hände gebunden, aber wenn du nicht sofort den Mund aufmachst und mir sagst, was dich dazu bringt, mich anzugreifen, schwöre ich dir bei allen Göttern, dass du Zeit deines Lebens keinen glücklichen Augenblick mehr erfahren wirst...!' Der Ork indes schluchzte nur noch, nicht in der Lage, sich irgendwie zu artikulieren. Pure Angst sprach aus seinen Augen...

Das darf doch alles nicht wahr sein! Das passiert gerade nicht wirklich! Erynn starrte konsterniert auf die Szene. Nach einer Weile, in der der Ork seine Sprache noch immer nicht wieder fand, trat sie vorsichtig an den Beschwörer heran. "Arr... Mentor Arranges, Herr. Auf ein Wort, ich bitte Euch..." Sie deutete mit dem Kinn auf eine Stelle ein Stück entfernt. Nein, nein, nein! Wie peinlich... Warum schon wieder ich?!

Arranges blickte noch einmal zwischen dem Ork und Erynn hin und her, bevor er mit einem Ruck den Ork losließ. Dieser sank an dem Stamm auf den Boden und blieb hocken, wie er war, während er weiterhin sein Schluchzen unterdrückte. Der Kaiserliche schob sein Schwert ein. 'Wenn du dich auch nur eine Handbreit wegbewegst, vergesse ich für kurz, dass du Novize der Gathering bist...!' Dann packte er Erynn unsanft am Arm und zog sie einfach mit zu der Stelle, die sie gedeutet hatte. 'Verdammt, was willst du?' Zischte er wütend, seinen Zorn nur schwerlich unterdrücken könnend...

Die Elfin warf einen Blick auf sein Gesicht, schluckte schwer und bemerkte, daß sie tatsächlich zitterte. Es war lange her, daß Arranges ihr so viel Angst eingejagt hatte. "Ich... muß dir das erklären, denke ich", flüsterte sie schließlich und zog den Kopf ein. "Robrak fragte mich plötzlich, was ich von dir hielte... er meinte, er kann dich nicht ausstehen. Ich wollte wissen, wohin das führen sollte und sagte, ich auch... nicht. Ab dem Moment geriet alles außer Kontrolle. Er sprach davon, dafür sorgen zu wollen, daß ich einem anderen Mentor zugeteilt werde, ließ sich gar nicht davon abbringen." Erynn spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoß und wurde noch leiser. "Er glaubt, er hätte sich in mich... verliebt...", piepste sie. "Als ich ihm sagte, er soll sich das aus dem Kopf schlagen und sich nicht einmischen, ist er... naja... ausgetickt." Völlig verunsichert sah sie wieder zu ihrem Begleiter auf. "Also... jetzt weißt du jedenfalls, was passiert ist..."

Arranges schien immer noch wütender zu werden, was seinen Gesichtsausdruck anging. Doch als Erynn dieses letzte, pikante Detail aussprach, stockte ihm der Atem. Seine Miene wandelte sich von zornig zu verblüfft, bis ein paar Augenblicke später schließlich ein breites, spöttisches Grinsen zu sehen war. Im letzten Moment konnte er sich das Lachen verkneifen, indem er die Lippen fest zusammenpresste. 'Es ist mir ja ein Rätsel, wie das passieren konnte... ich bin mit der Entwicklung orkischer Kinder nicht vertraut, aber der hier scheint gerade eine... interessante Phase durchzumachen... Es wird wohl besser sein, wenn ich mich da nicht... einmische...' Die Worte kamen nur mit Mühe über seine Lippen, da er immernoch arg damit zu kämpfen hatte, nicht lauthals loszuprusten.

"Was!?" fiepste sie. "Arranges, das kannst du nicht machen! Bitte, tu... irgendwas... mir egal, was. Ich hab überhaupt keine Ahnung... das ist mir noch nie passiert!" Flehend sah sie ihn an. "Und hör gefälligst auf zu grinsen! Du kannst mich doch jetzt nicht hängen lassen! Bitte, das ist so... peinlich!" Erynn wußte selbst nicht, ob sie hysterisch lachen oder heulen sollte. Oder einfach im Boden versinken. "Verdammt noch mal, mach irgendwas!" Sie schlug die Hände vors Gesicht und betete darum, daß das alles nur ein Alptraum war.

Das Grinsen des Kaiserlichen wurde immer breiter. 'Warum ist dir das peinlich? Ich meine, das ist innerhalb kurzer Zeit schon der Zweite, der etwas an dir gefunden hat, das es anscheinend zu begehren lohnt... Was dachtest du, sollte ich jetzt machen? ... Ah, ich weiss... ich werde dem Kerlchen einfach sagen, dass er in mir keinen Konkurrenten zu befürchten braucht...' Ihre Mimik verriet ihm, dass sie nur schwerlich darüber lachen konnte, was ihm in diesem Moment jedoch eher gleichgültig war. Der Zorn von vorhin war komplett vergangen und er hatte gerade irrsinnigen Spaß an der ganzen Situation.

"Be-gehren? Ja, weißt du, genau da liegt das Problem. Ich weiß doch gar nicht... und überhaupt... ich meine... verdammt!" Sie atmete tief durch. "Arranges, ich flehe dich an, hol mich da raus! Ich kann damit nicht umgehen. Kein Stück. Das ist doch alles verrückt! Wieso sollte irgendein halbstarker Ork..." Sie schüttelte den Kopf und merkte zu ihrem Entsetzen, daß ihr wirklich die Tränen kamen. "Ich sagte, hör auf zu grinsen! Das ist nicht witzig!"

Die Tatsache, dass sie wohl wirklich verzweifelt war, nahmen dem Magier ein wenig den Spaß an der Sache. Als ihr dann auch noch Tränen in die Augenwinkel traten, erbarmte er sich. Das Grinsen verschwand größtenteils. 'Ich bin mir zwar nicht sicher, was du jetzt genau von mir erwartest... ich kann ihn schließlich schlecht irgendwie wegschicken... aber ich werde zusehen, dass er dich nicht weiter mit seinem Gefühlschaos behelligt, in Ordnung?' Er grinste nicht mehr, sondern schaute sie ernst, aber mit weicher Miene an und wartete auf irgendeine Bestätigung.

Erynn nickte schüchtern, froh darüber, daß der Kaiserliche sie wenigstens für den Moment vom Haken ließ. Da würde noch was nachkommen, dessen war sie sich sicher. So schaute sie jetzt nur noch mit gesenktem Kopf zu Boden und harrte der Dinge, die da kommen mochten. Wie konnte ich nur so blöd sein? Ich werde nie wieder versuchen, irgendwen auszuhorchen... Nie wieder!

Arranges ging zum Lager zurück, Der Ork hatte sich mittlerweile beruhigt. Er hatte wohl die ganze Zeit in ihre Richtung geschielt, ebenso die beiden anderen Schüler. Während Arranges auf den Ork zuging, schaute er zur Seite und wies grob mit der Hand auf Tujenne und die Argonierin. 'Legt euch wieder hin und schlaft!' Sagte er streng. Er ging vor dem Ork in die Knie, welcher daraufhin zu zittern begann und den Blick abwandte. 'Hör gut zu! Ich weiss nicht, wer oder was in dich gefahren ist, aber lass dir gesagt sein, dass ich es nicht dulden werde, dass meine Schülerin in ihrer Studie durch ein Hirngespinnst, das wohl eher der Gegend unterhalb deiner Gürtellinie entsprungen ist, behindert und abgelenkt wird... Ich rate dir, sie während der weiteren Reise besser in Frieden zu lassen... und gnaden dir die Götter, wenn du sie auch nur noch einmal ansiehst und ich in deinen Augen einen anderen Gedanken, als den an eine normale, gleichwertige Schülerin, sehen kann... und jetzt leg dich schlafen, wir werden morgen Skingrad erreichen und wenn wir dafür bis in die Nacht hinein unterwegs sind...!' Der Magier sprach ruhig, aber mit einer sehr eindringlichen, leicht drohenden Stimme.
Arranges begab sich wieder zu seinem Lager, er legte sich jedoch nicht hin, sondern lehnte sich nur im Schneidersitz an einen Baum und blickte in die Flammen. Schlafen würde er nicht mehr in dieser Nacht... schon allein aus dem Grund nicht, um den Ork im Blick behalten zu können, falls der Schüler nochmal einen seltsamen Einfall haben könnte...

Glannaragh
01.04.2011, 18:54
Erynn trottete hinter Arranges her zurück zum Lager, den Blick dabei fest auf den Boden geheftet. Sie traute sich nicht, den Ork oder eine der anderen Novizinnen anzusehen, kauerte sich dann ein Stück entfernt von der Gruppe unter einen Baum.
Du bist so ein Feigling, Erynn Releth! Warum konnte ich dem armen Kerl nicht einfach sagen, daß er keine Schnitte hat, und gut wärs gewesen... Robrak tat ihr hauptsächlich nur noch leid. Wenn sie nicht so unglaublich schlau hätte sein wollen, wäre die ganze Situation wahrscheinlich niemals eskaliert. Aber was hätte ich schon tun sollen? Riskieren, daß diese ganze Nummer auffliegt und die Gathering Wind davon bekommt, daß wir nur eine Show abziehen? Nene, da ist mir der Arsch immer noch näher als die Hose... Scheiße! Langsam aber sicher steigerte sie sich in ihre aufkommende Wut hinein. Was ist in letzter Zeit eigentlich los?! Zuerst dieser ekelhafte Argonier, und jetzt ein halbstarker Ork. Das ist alles andere als... schmeichelhaft, wirklich! Spinnen denn alle nur noch?
Die Elfin warf einen vorsichtigen Blick zu dem Beschwörer herüber. Er war wach und würde es für den Rest der Nacht wohl auch bleiben, was vermutlich klug war. Wenn ich später auch nur ein Wort von dir höre, zerreiße ich dich in der Luft! Komische Zauber hin oder her... wag es nicht, ich warne dich... Sie hielt in ihrem stummen Toben inne. Natürlich würde Arranges die komplette Katastrophe früher oder später genüßlich vor ihr ausbreiten. Erynn überlegte fieberhaft an einer Abwehrstrategie herum, aber dieses Spiel konnte sie einfach nicht spielen. Irgendwann döste sie ein, beschloß, das ganze Theater schlicht auszuhalten und sich ansonsten still zu verhalten. Irgendwann mußte es ja vorbeigehen.

Der Morgen dämmerte früh, kalt und windig. Sie sattelte die Pferde, starrte dann die Straße entlang und tippte genervt mit der Fußspitze auf den Boden, während sie darauf wartete, daß die anderen Schüler ihr schnelles Frühstück beendeten. Ihr selbst war der Appetit gründlich vergangen. Nach einem gefühlten Zeitalter waren endlich alle abmarschbereit. „Aufs Pferd mit dir, Tujenne“, waren die ersten und einzigen Worte, die Erynn für lange Zeit sprechen sollte. Sie hatte schon wieder Mist gebaut! Die Scham darüber wog fast noch schwerer als die Ereignisse der letzten Nacht an sich. Mit Erleichterung registrierte sie, daß sie sich endlich der ausgeräucherten Goblinhöhle näherten. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern, bis sie die Stadt erreichen und hoffentlich auch schnell wieder verlassen würden, ob nun Mistwetter herrschte oder nicht.

weuze
01.04.2011, 20:59
Sie hatten Skingrad am Abend erreicht. Arranges behielt den Ork die ganze Zeit über im Auge, was diesem sehr wohl auffiel. Er wagte es nicht, Erynn auch nur einmal direkt anzusehen. Arranges überlegte sich während sie unterwegs waren, wie er Falanu am besten beibringen konnte, dass sie die Kinder vorrübergehend aufnehmen müsste. Er kam nach längerem Grübeln darauf, dass er wohl keine Wahl hatte und ihre Zuneigung zu ihm ein wenig ausnutzen würde müssen. Sie kamen bei den Stadttoren an. Der Kaiserliche hatte den Schülern eindringlich geraten, den Mund zu halten, sobald sie sich der Stadt näherten. Er erzählte der Wache schließlich etwas von Wegelagereren, die im Zuge der Oblivionkrise wohl irgendeinen abartigen Menschenhandel betreiben würden. Sie hätten die Kinder aufgegabelt und würden sie jetzt ersteinmal in die Sicherheit hinter den Bollwerke bringen. Der Soldat am Tor verwies noch knapp auf die Kapelle und die Notunterkünfte dort und ließ sie dann passieren.

Arranges lenkte ihre Schritte zu Falanu. Sie hatte noch geöffnet, also trat er einfach ein. Er musste nicht befürchten zu der Zeit noch auf Kunden zu treffen... Wie immer stand die Dunmer hinter dem Verkaufstisch und blätterte Pergamentbögen durch. Als Arranges mit der Meute den Raum betrat, blickte sie auf. Erst war ein Anflug von sehnsüchtiger Freude auf ihrem Gesicht zu sehen, als sie um den Tisch herumlief, dann aber wurden ihre Schritte langsamer, Verwirrung machte sich breit und Arranges konnte genau sagen, wann ihr Blick auf Erynn fiel und genau in diesem Moment, als eine gewisse Eifersucht in ihre Augen trat, wusste er, dass seine Idee, die Kinder hierher zu bringen schlechter nicht hätte sein können. Verdammt... warum habe ich daran nicht gedacht...

Die Begrüßung zwischen ihr und dem Kaiserlichen war eher knapp. 'Was... was hast du mit den Kindern vor... und was... macht die Kriegerin hier...?' Oh verdammt, halt doch den Mund! Jetzt war es tatsächlich möglich, dass der ganze Schwindel aufflog... wenn die Novizen jetzt verstanden, was Falanu damit meinen könnte, war der Betrug um Erynns Schülerschaft aufgeflogen. Denk nach Arranges! Er blickte sich nach Erynn um. 'Was meinst du mit... Kriegerin? Ich habe sie wie die Kinder auch, auf der Straße aufgegabelt... sie war in einen Kampf mit Wegelagereren verwickelt, die wohl irgendwie Schmuggel mit... Kindern betrieben... Ich kenne sie nicht wirklich...'
'Natürlich, das ist doch Erynn... aus der Kriegergilde...' Erwiderte Falanu. Arranges schaute nochmal zu Erynn. Halt jetzt bloß den Rand! Er schüttelte den Kopf. 'Nein, du musst sie da mit jemandem verwechseln...' Falanu schaute ihn fragend an. 'Das ist nicht Erynn... wer auch immer Erynn sein mag... Oder glaubst du, dass die Gilde ihre Krieger so schlecht gerüstet, allein in den Kampf gegen Wegelagerer schickt?' Resignierend Schüttelte Falanu leicht den Kopf. 'Jedenfalls bin ich wegen den Kindern hier... ich wollte dich fragen, ob du sie aufnehmen könntest... vorrübergehend?' Entgeistert schaute Falanu ihn an. 'Wie hast du dir das vorgestellt? Ich muss hier mein Geschäft führen und überhaupt...' Weiter kam sie nicht. Der Kaiserliche schloss sie kurzerhand in die Arme und küsste sie trocken auf den Mund. 'Ich äh...' Sie brachte kaum mehr ein Wort hervor, als sie von ihm zurücktrat, nachdem er sich von ihr gelöst hatte. Trotz ihrer dunklen Haut war das Blut zu sehen, das ihr ins Gesicht schoss und ihre Wangen rot färbte. Helle Euphorie strahlte aus ihren Augen. 'Bitte Falanu, tu es für mich...' Sagte Arranges ruhig. 'Nun... aber...'
'Du wirst keinen Ärger bekommen, ich werde das Weitere schon irgendwie regeln...'
'Und was ist mit ihr?' Falanu deutete auf Erynn. Arranges folgte ihrem Zeig und zuckte mit den Schultern. 'Sie ist nur mitgekommen, um sicherzugehen, dass die Kinder gut versorgt sind...' Erynn nickte leicht. Dann sah Falanu wieder dem Kaiserlichen in die Augen. 'Gut, ich werde auf die Kinder aufpassen... wirst du Skingrad bald wieder verlassen?'
'Ja... ich bin eigentlich in Eile...'
'Sei wie immer vorsichtig auf deinen Wegen...' Und ohne, dass Arranges noch etwas tun konnte, umarmte Falanu ihn ihrerseits. Der Magier löste sich mit sanfter Gewalt von ihr und lächelte sie an. 'Ich danke dir... leb wohl...'

Während er mit Erynn aus dem Gebäude trat, konnte er förmlich spüren, wie sich der sehnsüchtige Blick der Achlemistin in seinen Rücken bohrte und ihn beschwor, die Nacht bei ihr zu verbringen. Die Kinder ließen sie einfach stehen. Sie würden keinen Ärger machen und schon bald würde jemand von der Gathering kommen und sie abholen... das Ganze wird sehr einfach ablaufen und Falanu würde gar nicht bemerken, dass sich ihr ein Botschafter als fürsorglicher Priester oder Edelmann verkaufen wird...

Vor dem Haus blieb Arranges stehen. Er warf Erynn einen Seitenblick zu und sah dann seufzend in den Himmel hinauf. 'Sag einfach nichts...'

Glannaragh
02.04.2011, 03:43
Die Dunmer hob nur abwehrend die Hände. „Bestimmt nicht. Auch, wenn du es mir beizeiten vielleicht erklären solltest. Ich dachte schon, die Hlaalu würde mir die Kehle aufschlitzen...“ Sie stieß einen langgezogenen, abgrundtiefen Seufzer aus. „Gut, daß diese Sache durch ist. Können wir jetzt von hier verschwinden?“ fragte sie mit leichtem Drängen. Skingrad, so beschloß sie, würde sie für eine Weile nicht wiedersehen. Jedenfalls nicht, bis irgendwer Parlovars Novizen hier weggeschafft hatte.

Arranges atmete nochmal sehr erschöpft aus. 'Falanu und dir die Kehle aufschlitzen? Wohl kaum...' Sie setzten sich in Bewegung in Richtung Westtor. 'Wir können Skingrad gerne verlassen... allerdings ist mein Kettenhemd bestensfalls Zierde, mir tut alles weh und ich brauch jetzt dringend etwas... bevor wir die Stadt noch heute Nacht verlassen... Wenn wir die Stadt verlassen, werde ich aber nicht mehr sehr weit reiten... können...'

"Ich kann mich auch bei Mog einnisten... in der Zwei Schwestern Herberge meine ich. Wenn ich so abgerissen in die Gilde komme, muß ich mir nur wieder eine wilde Geschichte ausdenken und so langsam wird es schwierig, das alles stimmig zu halten", sagte Erynn ohne große Begeisterung. "Ich meine, wenn du müde bist, bleiben wir eben hier. Die Nacht ist ohnehin schon halb rum." Sie warf einen kritischen Blick auf die großen Löcher im Kettenpanzer des Kaiserlichen. "Ohne Ersatzringe krieg ich das auch nicht wieder hin... und an Mithril bricht man sich sowieso fast die Finger."

Arranges überlegte kurz. 'Nein, wir verlassen Skingrad... das mit dem Kettenpanzer ist erstmal nur Nebensache, ich will eigentlich mehr und mehr direkt wieder raus aus der Stadt... sonst laufe ich Falanu nochmal über den Weg und darauf habe ich nur wenig Lust...' Sie kamen an der Taverne Zur Westebne vorbei. 'Warte kurz...' Der Kaiserliche verschwand in dem Gebäude. Nur einige Augenblicke später kam er wieder heraus und hielt eine bauchige Flasche in der Hand. 'Schau nicht so anschuldigend... ich kann seit knapp zwei Tagen wieder in annähernd aufrechter Position essen... diese Unabhängigeit muss ich ausnutzen, bevor ich ich wieder durchlöchert werde...' Er hörte sich doch schon erschöpft an, versuchte das aber wohl irgendwie zu überspielen...

"Sah aber gar nicht so aus", nuschelte sie halblaut auf Arranges' Kommentar die Alchemistin betreffend hin - vorsichtshalber erst, nachdem der Kaiserliche in der Taverne verschwunden war. Als er wieder herauskam, zog sie nur vielsagend eine Augenbraue hoch. Genau deshalb ist es wahrscheinlich ne blöde Idee, jetzt schon wieder Hochprozentiges in dich reinzukippen - aber wer weiß, vielleicht desinfiziert das ja von innen... "Was heißt hier 'wieder'? Du wirst das bitteschön in Zukunft lassen", murrte die Elfin nur halb gespielt, während sie ihren Weg zum Stadttor fortsetzten.
Die Pferde wirkten ziemlich deutlich nicht begeistert, die beiden schon wieder zu sehen, ließen sich aber ohne Theater einfangen. Nur Minuten später waren sie wieder unterwegs, die Goldstraße entlang auf die Kaiserstadt zu.

Die Türme Skingrads waren gerade hinter dem Hügelland Colovias verschwunden, als sie am Wegrand ihr Lager aufschlugen. Nach kurzer Zeit hatten sie sich eingerichtet und ein Feuer prasselte zwischen ihnen. Der Kaiserliche hatte seinem Fuchs das Zaumzeug und den Sattel abgenommen und ließ alles gerade da, wo er am Feuer stand, fallen, ließ sich daneben plumpsen und zog die Flasche hervor. Nach einem kurzen Blick auf das Ettiket verzog er für einen Moment das Gesicht. Fusel... Dann jedoch hebelte er doch den Korken aus dem Flaschenhals. Er blickte kurz zu Erynn, dann wieder auf die Flasche... 'Willst du auch?'

"Ja, gerne..." Erynn war eigentlich selbst zu Tode erschöpft, jedoch noch immer irgendwie aufgewühlt nach den Geschehnissen der vergangenen Nacht, so daß sie vermutete, nicht unbedingt viel Ruhe finden zu können. Mit beduseltem Kopf sollte das etwas leichter werden. Sie lehnte sich zurück und streckte sich, bis die Gelenke krachten. Ich könnte jetzt wirklich was vertragen. Hoffentlich seh ich diesen Ork nie wieder...

Arranges reichte die Flasche der Dunmer. Als er sie wiederbekam, nahm er selbst zwei große Schlücke. 'Achja. du wolltest doch wissen, was es mit Falanu auf sich hat? Nun, das ist eigentlich recht einfach... noch bevor du mich das erste Mal getroffen hast, damals in der Orktaverne... warst du mir ihr unterwegs... und ihre Beschreibung malte mich zweifelsohne irgendeiner heroischen Gestalt gleich, die ihr blöderweise nicht mehr aus dem Kopf gehen will... kurzum, sie liebt mich... und ich, so leid sie mir manchmal tut, nutze das aus, indem ich vieles zu niedrigen Preisen und noch mehr um sonst bei ihr bekomme... sie weiss von der Gathering, aber ich hätte komische Fragen beantworten müssen, wenn ich ihr gesagt hätte, dass das Schüler wären... der Kuss war dabei nur Mittel zum Zweck.' Arranges nahm nochmals einen Schluck. 'Die Reaktion ihrerseits darauf dürfte dir nicht entgangen sein...'

"Nee. War offensichtlich." Erynn angelte nochmals nach der Flasche. Das Zeug wärmte hervorragend, ließ den schneidenden Wind weniger scheußlich erscheinen. Für einen Moment wunderte sie sich, daß der Kaisrliche so offen über die Hlaalu sprach. Der Alkohol ging wohl schnell in den Kopf - sie würde aufpassen müssen. "Was passiert jetzt mit den Schülern?" versuchte sie das Gespräch in unverfänglichere Bahnen zu lenken.

'Hmm... nun, ich denke, dass die Schüler und so auch wir in gewisser Weise verfolgt wurden... ein Botschafter wird sie dort irgendwann abholen, aber Falanu wird keinen Verdacht schöpfen, weder, dass der Botschafter ein Botschafter ist, noch, dass die Schüler irgendwie der Gathering angehören...' Verdammt... der Fusel wirkt aber verflucht schnell... Arranges trank im Grunde recht selten und wenn, dann noch seltener in der Absicht sich tatsächlich bis zur Bewusstlosigkeit zu besaufen. Hmm... Er beugte sich herüber und griff nochmals nach der Flasche. 'Die Schüler selbst werden wohl kaum etwas sagen... sie werden sich sicher ausmalen, was ihnen blüht, wenn ich davon Wind bekommen würde...'

Sie grinste und schüttelte leicht den Kopf, als ihre Sicht ein wenig verschwamm. Ich hätte heute vielleicht doch etwas essen sollen... "Schießlich hab ich mir alle Mühe gegeben, genau diesen Eindruck heraufzubeschwören... ein bißchen zu erfolgreich, wie mir scheint." Nein! Verfluchter Branntwein!

'Stimmt, vor allem die Argonierin dürfte dich in Erinnerung behalten... genau wie der Ork,,, wenn auch aus komplett verschiedenen Gründen...' Arranges bemerkte selbst, wie er nicht mehr ganz einwandfrei sprechen konnte, aber noch war seine Aussprache recht deutlich. Ich sollte mich schlafen legen... jetzt... sofort! Stattdessen nahm er noch einen Schluck.

"Oh, hör bloß auf... das arme Mädchen tut mir immer noch leid." Einen Augenblick lang schaute sie sinnend in die Flammen. "Ich frage mich, was sie wohl dazu getrieben hat, sich für die Totenbeschwörung zu entscheiden. Rebellion? Warum hast du diesen Weg gewählt? Es gibt doch so viele Möglichkeiten." Erynn überlegte einen Moment lang, noch einmal nach der Flasche zu greifen, ließ es dann aber bleiben. Sie würde sich in dieser Nacht sonst um Kopf und Kragen reden.

Der Magier sah sie einen Moment lang an. Bei ihrer Frage schrillten tausende Alarmglocken durch seinen Kopf. 'Es gibt viele Gründe, warum man zum Nekromant wird. Meistens kommen junge Leute schlicht wegen Neugier und dem Verlangen nach Wissen über diese nicht ganz reine Macht... habe ich dir nicht schonmal erzählt, warum ich mich der Totenbeschwörung zuwandte? Ich meine mich erinnern zu können...' Während der letzten Worte war ein leichtes Lallen in seinen Worten zu hören.

Erynn bemerkte, wie trotz des benebelten Zustandes eine gefährliche Wachsamkeit in seine Augen trat. Woran hab ich jetzt wieder gekratzt? "Ja", antwortete sie nach einer Weile. "Du hast mir schonmal etwas dazu gesagt. Sehr genau bist du allerdings nicht geworden." Sie forschte in seinem Gesicht, fragte sich, wie weit sie gehen konnte. "Es ist nur... zwischen Interesse und der Entscheidung, einer entsprechenden Gilde beizutreten, liegen Welten. Als Halbstarke habe ich mich auch für die Daedrafürsten interessiert, aber deshalb hätte ich trotzdem keinen Kontakt zu einem Zirkel gesucht. Es wäre so... endgültig gewesen."

'Ich dachte eher, du wärst an den Schergen der Daedrafürsten, den Dremora, interessiert...' Meinte Arranges und grinste. 'Naja, bei mir war es damals auch ein Stück weit Neugier... aber mindestens im gleichen Maße auch das, was du als... Kontrollzwang so sehr an mir schätzt... der jedoch entwickelte sich vor der Leidenschaft und dem Drang mehr zu lernen, wie mir jetzt, da ich die Sache aus einiger Distanz betrachte, auffällt... du könntest dir daraus selbst einen Reim machen Erynn... denk nach, warum du mich vor einiger Zeit darum gebeten hast, dir ein wenig über die Magie zu lehren...' Er setzte die Flasche wieder an und nahm ein paar Züge.

Erynn verdrehte die Augen. Es geht schon wieder los... Wenn ihr nicht langsam etwas Passendes einfiel - etwas, das nicht wieder darin resultierte, daß sie sich gegenseitig vermöbelten - würde ihr das ewig nachhängen. Sie beschloß, einen Vorstoß zu wagen, während sie Arranges weiter zuhörte.
"Eigentlich wollte ich mehr über Magie wissen, um mich besser dagegen verteidigen zu können", erklärte sie. "Torrahs Illusion war... eindrücklich. Aber bis es so weit ist, wird es noch eine lange Zeit dauern, das weiß ich jetzt. Falls ich überhaupt irgendwann dazu in der Lage sein sollte. Aber ich verstehe, was du meinst..."
Dann fuhr sie fort: "Bis vor kurzer Zeit wußte ich übrigens noch nicht einmal genau, wie ein Dremora aussieht. Schade eigentlich, so rückblickend betrachtet." Sie sah den Beschwörer herausfordernd an, nahm ihm die Flasche weg und setzte sie an ihre Lippen. Nur ein kleiner Schluck, wahrscheinlich würde sie es bei dem sich anbahnenden Wortgefecht doch noch brauchen.

'Ich glaube nicht, dass du verstanden hast... aber wie solltest du auch...' Er nahm ihr die Flasche wieder ab. 'Erynn, du weisst, dass ich es... nicht ertrage, wenn du von den Dremoras schwärmst...' Mittlerweile lallte er doch deutlich hörbar, was ihn allerdings nicht daran hinderte, direkt noch einen Schluck Branntwein zu nehmen.

Sie lächelte, ganz leicht nur, aber nicht bösartig. Also doch kein Gekabbel. Meinetwegen. Dann beugte sie sich vor, nahm ihrem Begleiter den Branntwein wieder ab und stellte die Flasche außer Reichweite ab. "Vor allem weiß ich, daß du für heute genug von dem Zeug hattest." Dann legte sie den Kopf schief und sah Arranges in die Augen. "Warum fühlst du dich bedroht von diesen Viechern? Wie ich schonmal sagte, es sind nur... Daedra."

'Wieso sollte ich mich bedroht durch Dremoras fühlen... Geschöpfe, die ich selbst kontrollieren kann?! ... Aber nun... es...' Er hielt inne und schien seine Gedanken zu sortieren. 'Mir kommt es so vor, als hättet ihr seit einiger Zeit, seit dem ersten Tor in Cheydinhal, nur noch Gedanken für diese Kreaturen übrig... weiss der Geier warum...' Er schielte nach der Flasche. 'Ich weiss aber, dass ich selbst weiss, wann es genug ist.' Damit lehnte er sich hinüber und versuchte die Flasche zu erreichen...

Erynn seufzte schicksalsergeben. Das Kontrolldingens in Kombination mit Trunkenheit und einem leichten Anfall von Bockigkeit. Das kann ja heiter werden... Sie griff nach dem Arm des Kaiserlichen, halb um ihm zu verwehren, die Flasche zu erreichen, halb, um ihn am Umfallen zu hindern. "Richtig. Du hast selbst genau erkannt, daß du nichts mehr davon willst." Nächster Punkt. "...diese Kreaturen faszinieren mich nunmal. Und nicht nur die Dremora. Auch Clannbanns und die anderen Echsendaedra. Seit ich die Totenlande zum ersten Mal betreten habe, haben sie mich in ihren Bann geschlagen. Nenn es... Forschergeist, vielleicht. So, wie du dich in ein Studienprojekt versenken würdest, nur, daß mir die Vorbildung dafür fehlt." Meine Güte... du bist doch nicht wirklich eifersüchtig?

Verblödetes Blutauge... gib mir die Flasche verflucht! 'Aber... ein Studienprojekt... ist kein Daedra... Falanu würde niemals irgendwelche Hassgedanken gegen einen Stapel Papiere oder zwei dicke Wälzer entwickeln und sich überlegen, wie sie sie beseitigen könnte, nur um mich davon loszubekommen und mich... praktisch dazu zu zwingen... meine Aufmerksamkeit irgendwie ihr zu widmen...' Verdammtl, ich will die Flasche...! 'Verdammt Erynn... jetzt gib mir endlich die Flasche...' Er entwand sich ihrem Griff und langte nach dem Branntwein.

Häh? Wovon zum Donner redest du eigentlich? Wenn man das überhaupt noch reden nennen kann? Sie ließ dem Magier seinen Willen, während sie versuchte zu entwirren, was er ihr mitteilen wollte. Von wem sprichst du eigentlich? Von Falanu, von dir oder von mir? Schließlich glaubte sie, einen gewissen Sinn ausgemacht zu haben. "Arranges? Du meinst also, du müßtest meine Aufmerksamkeit von den Daedra weglenken?!" Sie sah ihn scharf an, wartete, bis sich sein Blick zumindest halbwegs auf ihr Gesicht fokussiert hatte. "Ich fasse es nicht. Du bist tatsächlich eifersüchtig!"

Arranges hatte zwar die Flasche, aber er war sich nicht mehr sicher, was er mit ihr eigentlich wollte. Fragend blickte er auf die Flasche, dann zu Erynn. Bedeutungsvoll schwänkte er die freie Hand in einer ausholenden Geste. 'Ich... meine gar nichts...' nach einem weiteren Augenblick war ihm wohl wieder eingefallen, was er mit der Flasche wollte und kippte die letzten zwei Schlück in sich hinein. 'Hmm... ja... äh, ich meinen nein... also doch, ja... ich würde mich wundern, wäre ich nicht eifersüchtig... ihr... du verstehts?'

Erynn hatte eher mit einigen unzusammenhängenden Beleidigungen gerechnet, und so erwischte Arranges Gesabbel sie etwas unvorbereitet. Jetzt fang du nicht auch noch an! Spinnen jetzt alle? Hat mir irgendwer Socken unter die Tunika geschoben? Oder ist einfach nur Frühling? Nach einer Weile fing sie sich wieder, zumindest halbwegs. "Ja, ich denke, ich habe verstanden... vielleicht." Sie stand auf und tippte dem Beschwörer mit zwei Fingern leicht gegen die Stirn, was ihn dazu veranlaßte, wie ein gefällter Baum nach hinten umzukippen. "Du willst sagen, du bist todmüde, völlig dicht und hoffst inständig, daß du dich Morgen an nichts mehr erinnern kannst."

'Äh... was?!' Arranges blieb zwar liegen, starrte der Dunmer aber irgendwie flehend entgegen, ohne selbst zu wissen warum und für Erynn wohl ebenfalls eher sinnfrei. 'Nein... an was nicht erinnern... an dich... ich bin nicht müde verdammt... na dann... dann... dann geh halt zu deinen Daedra...' Der Kaiserliche fuchtelte wild mit den Armen in der Luft umher und ehe sich Erynn versah, stand sie plötzlich einem Markynaz gegenüber. Voll gerüstet, blitzte er ihr feinselig mit seinen feurroten Augen durch die Sehschlitze seines imposanten Kronenhelms entgegen. Die Kreatur zog den Bidenhänder auf ihrem Rücken und kam mit erhobener Waffe langsam auf Erynn zu. Ein Fauchen, die Klinge flog auf die Kriegerin zu und plötzlich war das Dremora weg, es war einfach verschwunden, ehe die Klinge sie treffen konnte. Der Blick auf Arranges war wieder frei. Der Nekromant lag schnarchend, mit teilweise verkrampftem Gesicht, so wie er gefallen war, auf dem Boden...

Einen absurden Moment lang wunderte sich die Elfin, daß ihr Begleiter selbst in seinem Zustand noch immer fähig war, einen sauberen Zauber zu weben. Als der beschworene Krieger seine Klinge zog und auf sie zuglitt, wich sie langsam, Schritt für Schritt, zurück. "Arranges... Das ist nicht komisch! Ruf dieses Ding zurück!" Dann hechtete sie zur Seite, um dem heransausenden Schwert zu entkommen. Was zum Henker...? Das Wesen löste sich in roten Nebel auf, verschwand ebenso schnell, wie es erschienen war. Fassungslos starrte Erynn auf den Kaiserlichen herab.
"Idiot!" Sie holte aus und versetzte ihm einen wuchtigen Tritt vors Schienbein. Das entlockte ihm ein Knurren und einen unverständlichen, gegrunzten Laut des Mißfallens, aber sonst geschah nicht viel. Ich hätte mein Glück doch mit dem Ork versuchen sollen... du bist ja vollkommen irre! Als hätte sie das nicht vorher gewußt. Solange wir beide gemeinsam unterwegs sind, rührst du keinen Tropfen Fusel mehr an! Mach dich auf die Standpauke deines Lebens gefaßt, sobald du wieder ansprechbar bist! Noch etwas zittrig, aber kochend vor Wut hockte sie sich wieder ans Feuer. Wie es aussah, würde sie wohl heute Nacht die Umgebung im Auge behalten. Nicht, daß sie überhaupt hätte schlafen können bei dem Krach, den der Beschwörer mit seinem Schnarchen veranstaltete...

weuze
02.04.2011, 12:34
Kalte Nässe schlug dem Nekromanten ins Gesicht wie eine ordentlich geschwungene Faust. Das Gefühl wollte so gar nicht zu der warmen Stube passen, in der er bei Kerzenschein über einige Bücher gebeugt saß und völlig ungestört seinen Studien nachging. Die seltsame Wahrnehmung zerriss dieses Bild jedoch und noch bevor Arranges sich überlegen konnte, warum das so war, löste sich das Zimmer bereits auf...

... Prustend kam der Magier aus dem Schlaf zu sich. Kaltes Wasser rann ihm in den Nacken und war überall im Kragen, in Mund und Nase... Ein Reflex ließ ihn hochfahren und mit der Hand übers Gesicht wischen, während er hustend um sich blinzelte. Erynn stand vor ihm, einen der Wasserschläuche in der Hand und schaute ungeduldig auf ihn herab. Es war später Vormittag, zur Abwechlung schien die Sonne vom Himmel und als er sich nach ein paar Augenblicken wieder gefangen hatte, sah er hasserfüllt zu der Dunmer auf. 'Aber sonst gehts dir gut oder... was fällt dir eigentlich...' Der nächste Schwall Wasser traf Gesicht und Oberkörper, sodass er erst wieder nicht sprechen konnte, sondern nur mehr husten musste. 'Verdammt nochmal, ich bin doch schon WACH!!!'
'Ja... und jetzt bist du auch wieder ein wenig gewaschen...' Antwortete sie sichtlich unbeeindruckt. Arranges sprang wütend auf und riss ihr den Wasserschlauch aus den Händen. 'Was hat dich heute Nacht eigentlich gestochen... hör auf mit diesem Schwachsinn... das gereicht nichteinmal zu einem Schmunzeln...!' Tatsächlich fiel ihm direkt auf, dass er sich nur noch an den Ritt von Skingrad weg auf der Goldstraße in Richtung Kaiserstadt erinnern konnte. Allerdings hatte er auch keine Kopfschmerzen. Er schloss direkt ersteinmal aus, dass er betrunken war... Vielleicht war ich nur zu erschöpft...

Glannaragh
02.04.2011, 13:21
Erynn nutzte die freigewordenen Hände, um dem Kaiserlichen eine zu schallern. „Ungefähr so witzig, wie wenn du mir im besoffenen Kopp einen Dremora auf den Hals hetzt! Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?“ fauchte sie zurück. Ein Anflug von Verwirrung mischte sich in den wütenden Blick des Beschwörers, als versuche er herauszufinden, wovon sie eigentlich sprach. Dann setzten die gewohnten Mechanismen wieder ein. „Seit wann stört dich das?“ giftete er und fing sich eine weitere Ohrfeige ein. „Verdammt, hör auf damit!“

Die Elfin fühlte ihre Halsschlagader pochen. „Gib mir einen Grund dafür...“ Sie wandte sich ab und trat gegen einen Stein, fuhr dann wieder herum und holte einmal sehr tief Luft. „Was bei allen Schrecken des Abgrunds sollte diese Aktion? Du hättest mich fast umgebracht! Wenn du den Fusel nicht verträgst, dann laß ihn aus der Birne! Ich sag dir was: Ab sofort will ich von dir kein Wort mehr über Dremora hören. Keine dämlichen Sprüche, keine anzüglichen Witze und verdammt noch mal kein Gejammer darüber, daß ich über diese Biester nachdenke! Schmier dir deine kindischen Eifersüchteleien meinetwegen in die Haare. Und noch was: Erwische ich dich noch einmal dabei, wie du volltrunken anfängst Blödsinn zu machen, verpaß ich dir eine Abreibung, wie du sie noch nie erlebt hast! Du wirst dir noch wünschen, daß ich dich nur zusammennähe. Und jetzt pack deine Sachen, wir hängen hier ohnehin schon viel zu lange rum.“
Zitternd und bleich vor Wut funkelte sie ihr Gegenüber an. Und wag es nicht, mir jetzt auch noch Widerworte geben zu wollen...

weuze
02.04.2011, 16:00
Spätestens nach der zweiten Ohrfeige war Arranges zwar komplett wach, aber dafür umso verwirrter. Als Erynn dann auch noch irgendetwas von Dremora und Fusel und sie umbringen und Eifersucht redete, verstand er die Welt nicht mehr. Entgeistert starrte er die Elfe einen Moment an. 'Ich soll... was gemacht haben?! Und was redest du da von Eifersucht...?' Arranges schien ehrlich keinen Ahnung zu haben...

Erynn klappte die Kinnlade herunter und für einen Moment lang starrte sie den Beschwörer nur konsterniert an. "Du hast... wirklich keinen Schimmer, was gestern Nacht passiert ist, oder?" Sie stützte die Hände auf die Hüften und deutete mit dem Kinn auf die Pulle, die neben ihm im Gras lag. "Das da hast du dir praktisch alleine in den Kopf geschraubt. Und zu guter Letzt hast du mich von einem beschworenen Dremora angreifen lassen, weil dir irgendwas nicht gepaßt hat, was ich gesagt habe. Wird das Bild so langsam klarer?"

Arranges schaute auf die leere Flasche. Ja, die hab ich gestern in Skingrad gekauft... aber... nein... Scheissdreck! Er schüttelt heftig den Kopf, als er Erynn wieder in die Augen sah. 'Nein, ich habe... wirklich keine Ahnung, was ich getan habe... aber bitte... bitte sag mir, dass ich einfach ruhig eingeschlafen bin...' Er wusste selbst, dass das umöglich so gewesen sein konnte... aber neben der Scham, die aus seinem Gesicht sprach, schob sich ebenfalls ein flehender Ausdruck in seine Miene.

Nach einem weiteren Blick auf sein Gesicht war die Elfin schon wieder drauf und dran, Arranges vom Haken zu lassen. Dann aber zogen sich ihre Augenbrauen noch ein Stück weiter zusammen. Verflucht sei mein weiches Herz! Du windest dich da nicht einfach raus. "Tut mir Leid, aber du hast gestern einen gewaltigen Haufen Mist erzählt... oder nein, in dem Zustand war es vermutlich eben kein Mist - was bei weitem erschreckender ist."

Arranges ließ den Wasserschlauch fallen und schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. Das darf nicht wahr sein... jetzt hätte ich gern nochmal einen Schwall Wasser im Gesicht, nur um festzustellen, dass Erynn mich wegen meinem Geschnarche oder einfach um mich zu ärgern, wecken würde... 'Ich will es eigentlich nicht hören, aber... kannst du mir vielleicht... erzählen, was ich gesagt oder getan habe...?' Seine Gesichtszüge waren längst jenseits von dem abweisend kühlen Ausdruck, den er sonst pflegte...

Muß ich das wirklich...? Oh, bitte nicht! Dann riß sie sich zusammen. "Du hast wieder angefangen, mich wegen der... Dremora" -bei diesem Wort beobachtete sie die Reaktion des Kaiserlichen genau- "zu nerven. Nun, diesesmal hab ich es mir nicht gefallen lassen und bin darauf eingestiegen. Darauf hin hast du mir äußerst wortreich und trotzdem nur schwer verständlich erklärt, daß du es nicht ertragen kannst, daß diese Wesen mich faszinieren." Sie zog eine Augenbraue hoch und fuhr fort: "Ich hab dann beschlossen, daß du dich besser hinlegen und schlafen solltest - was dir wiederum nicht gepaßt hat und du mich von einem dieser Viecher hast angreifen lassen. Die begleitenden Worte werde ich hier nicht wiederholen. Wie dem auch sei, das Ding löste sich auf, nachdem du eingepennt warst. Was glücklicherweise nicht lange dauerte. Beantwortet das deine Frage?"

Sein Blick verfinsterte sich kurz, als sie sich selbst und Dremora in einem Satz nannte, aber dann entgleisten ihm alle Gesichtszüge komplett. Er schaute erst einige Minuten nur schweigend auf den Boden. Man konnte förmlich hören, wie es in seinem Gehirn ratterte, während er verzweifelt versuchte, irgendetwas vom gestrigen Abend zu reproduzieren. Als er schließlich wieder aufsah, stand ihm die Peinlichkeit dieser ganzen Sache mit großen, fetten Lettern unübersehbar auf die Stirn geschrieben. 'Ich... Erynn, es... es tut mir leid... bitte verzeih mir, bitte...' Er wusste selbst, dass irgendeine Art von Rückzieher jetzt nicht mehr möglich war. Er redete viel und vor allem stets die unveränderte Wahrheit, wenn er getrunken hatte - was der Hauptgrund dafür war, dass er es nicht wirklich oft tat. 'Bevor du falsche Schlüsse daraus ziehst, will ich versuchen, es dir zu erklären...' Er atmete einmal tief ein und aus. 'Es macht nur noch wenig Sinn, das verbergen zu wollen und ich bitte dich, mir daraus nicht irgendeinen Strick zu ziehen... so bescheuert ich manchmal auch zu dir bin... ich hab dich wirklich liebgewonnen... dabei hat es nichts mit Liebe direkt oder irgendetwas in dieser Richtung zu tun... und ja, ich verspüre Eifersucht, wenn du schon beinahe von den Schergen Dagons schwärmst, wie ein Mädchen vom Ritter in strahlender Rüstung...' So seltsam unpassend, die Worte gerade für jemanden wie Arranges, der sie aussprach, klangen, waren sie doch mit unzweifelhafter Ehrlichkeit gesprochen, was sie wohl auch irgendwie seltsam und ungewohnt klingen ließen. Der Kaiserliche war sich darüber nicht wirklich bewusst, aber irgendwo in seinem Hinterkopf sagte ihm eine Stimme, dass er auf diese Sache nur so heftig reagiert, weil Erynn zum einen seit einem gefühlten Jahrhundert wieder jemand war, dem er uneingeschränktes Vertrauen und Zuneigung schenkte und er die gleiche oder eine ähnliche Situation in der Bindung zu seinem Rotfuchs schlicht nicht kannte. Das Pferd war nur für ihn da und hatte nicht noch irgendeinen seltsamen Nebenbuler, auf den er hätte irgendwie eifersüchtig sein müssen...

Erynn schwieg daraufhin eine Zeitlang, dann wurden ihre Gesichtszüge weicher und sie nickte. "Ich weiß das längst, Arranges, und es ist in Ordnung. Mir selbst geht es ähnlich." Dann teilte ein Lächeln ihre Lippen. "Wir werden nicht mehr über die vergangene Nacht sprechen - versprich mir nur, wegen irgendwelcher Daedra nicht noch einmal so auszurasten..."

Eine sehr viel größerere Erleichterung, als er vermutete oder sich erhofft hatte, überkam ihn bei ihren Worten, wenngleich er sich auch noch einen Moment fragte, woher sie das wissen wollte... 'In Ordnung, ich werde mich zusammenreissen...' Meinte der Kaiserliche und lächelte ebenfalls. 'Hast du die ganze Nacht hindurch Wache gehalten?' Fragte er nach einem kurzen, kritischen Blick in ihr Gesicht. 'Willst dich vielleicht noch ein paar Stunden hinlegen? ... Bis zur Kaiserstadt sind es, wenn wir nicht aufgehalten werden noch mindestens eineinhalb Tage...'

Glannaragh
02.04.2011, 18:22
Statt einer Antwort ließ sich Erynn fallen wo sie gerade stand. Nachdem ihr Zorn verraucht war, war sie tatsächlich nur noch unglaublich müde, schlief fest und traumlos bis zum frühen Nachmittag.
Dann sattelten sie auf und setzten die Reise in Richtung Kaiserstadt fort. Es wurde Abend, bis sie die ersten Ausläufer des großen Forstes erreichten, und unter seinem schattigen Blätterdach wandelte sich das Zwielicht rasch zur echten Dunkelheit. Keiner von beiden dachte ernsthaft darüber nach, in der Nacht noch einmal anzuhalten, auch wenn es so finster wurde, daß man die Hand kaum vor Augen sehen konnte. Die Zeit drängte – wenn man bedachte, daß der verheerende Angriff auf Parlovars Anwesen in Valenwald nur ein Beispiel unter vielen gewesen war, wurde es längst höchste Zeit, auch den letzten Siegelstein zu beschaffen. Also ritten sie schweigend weiter, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend.
Erynn fragte sich, wann die Abtrünnigen wohl ihre relative Heimlichleit endgültig aufgeben würden. Zuerst hatte man geglaubt, die Verräter würden keinen aktiven Konflikt mit der Gathering suchen wollen. Das hatte sich als falsch erwiesen. Wie lange mochte es dauern, bis sie dreist genug waren, auch in dichter besiedelten Gebieten zuzuschlagen und dort irgendwelche Personen verschwinden lassen? Selbst die Schläge gegen die abgelegenen, gut versteckten kleineren Häuser konnten nicht ewig unbemerkt bleiben. Erynn erinnerte sich an die Rauchsäulen, die sich bis weit über die Baumkronen des dicht bewaldeten Gebiets in den Himmel schraubten, an die zuckenden Reflektionen unzähliger Zauber am Nachthimmel. Irgend jemand mußte das einfach gesehen haben, hatte es vielleicht für Wetterleuchten und die Folgen eines Blitzeinschlages gehalten. Diesesmal. Aber was, wenn irgendwo Leute mißtrauisch wurden und zu der Stelle gingen, sei es in Valenwald oder sonstwo. Was, wenn sie in die geschwärzten Ruinen vordrangen und fanden, was auf ewig verborgen bleiben sollte? Was sollte geschehen, wenn jemand durch einen dummen Zufall die obskure Gathring ins Licht des Tages zerrte? Die Elfin fürchtete dabei nicht so sehr um den Nekromantenbund – er war und blieb etwas, das sie nicht gutheißen konnte, wenngleich sie sich daran gewöhnt hatte, seine Existenz zu akzeptieren. Doch was würde passieren, wenn den Leuten Tamriels aufgedeckt wurde wer sie waren, was sie taten, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlten? Sie wagte kaum, darüber nachzudenken. Die Pläne der Abtrünnigen zudem kannte nur Boethia allein. Wer konnte sagen, welche Ziele sie letztendlich verfolgen mochten. Wir sitzen auf einem Pulverfaß, und die Lunte brennt längst...

Das erste, zögerliche Sonnenlicht traf die Ruine Ceyatatar, als sie daran vorbeiritten, brachte den uralten, kunstvoll behauenen Stein zum Strahlen wie ein magisches Leuchtfeuer, das den Weg in andere, halb vergessene Zeitalter wies. Erynn wandte den Blick ab. Das bittersüße Symbol von Ewigkeit und Vergänglichkeit gleichermaßen machte ihr ihre eigene Sterblichkeit überdeutlich bewußt.
Nach einer Weile, während der Wald um sie herum erwachte und unzählige Vögel und Insekten ihre Lieder anstimmten, erreichten sie die Ringstraße. In wenigen Stunden würden sie in der Kaiserstadt angekommen und noch vor der Abenddämmerung vielleicht einen Schritt weiter sein. Ein letzter Stein, danach würden die Großmeister hoffentlich in der Lage sein, dem Wüten der Verräter Einhalt zu gebieten...

weuze
02.04.2011, 20:39
Sie sahen die Ayleidenruine Fanacasecul am Strand des Rumaresees auftauchen. Die Sonne hatte den höchsten Stand fast erreicht. Zu ihrer Rechten erhoben sich die gewaltigen Befestigungsanlagen der Kaiserstadt. In der Mitte stach hoch der Weißgoldturm heraus und schien als stummer Wächter ganz Tamriel im Auge zu behalten.

Gerade kamen sie an den halb versunkenen, aber dennoch beeindruckenden Mauern der Ruine entlang, als plötzlich vor ihnen ein hochgewachsener Kaiserlicher aus den Mauern hervortrat. Arranges hatte bereits die Hand am Schwert. Aber der Fremde sah nicht so aus, als würde er sie irgendwie bedrohen wollen, er wirkte auf den ersten Blick wie ein Reisender oder Abenteurer. Erst, als sich der Mann einige Schritte vor ihnen aufstellte und die Kapuze zurückstreifte, war Arranges sicher, dass es ein Wegelagerer war... Aber die Ausrüstung passte nicht so recht. Eine Kutte, die ihm irgendwie vertraut vorkam, ein normaler Dolch am Gürtel und sehr viel mehr konnte man nicht sehen...

'Seid gegrüßt Reisende... oder sollte ich besser sagen Mentor Arranges und Novizin Erynn?' Arranges zuckte zusammen. Natürlich, die Kutte war eine Art Standardgewand, welches jeder neu ernannte Mentor bekam. Allerdings nur eine Formsache, kaum einer der Mentoren trug dieses hässliche Ding arg lange nach seiner Ernennung... 'Wer seid ihr?' Fragte Arranges. Etwas kam ihm nicht ganz geheuer vor, warum sollte ein Mentor ihn mitten in der Landschaft aufsuchen und dazu noch ein neu ernannter wie es schien? 'Ich bin Mentor Remogius Genius... und ich würde euch bitten, von den Pferden zu steigen... es redet sich so schlecht für mich, wenn ich ständig den Kopf neigen muss um euch in die Augen sehen zu können...'
'Gerade zum Mentor ernannt und so überheblich?' Arranges war nicht verblüfft, vielmehr verärgert. 'Was wollt ihr?'
'Zunächst muss ich euch meine Enttäuschung mitteilen... ihr seid recht naiv Arranges... und was ich will? Habe ich doch schon gesagt, ihr sollt von den Pferden runter...' Arranges hatte keine Lust auf derlei Spielchen... 'Verdammt, Mentor... sagt, was ihr tatsächlich wollt oder wir reiten euch nieder!'
'Das wage ich zu bezweifeln... in etwa jeweils 10 Bolzenspitzen zeigen gerade auf jeden von euch...' Unwillkürlich zuckte der Magier zusammen und kam nicht umhin, sich umzusehen. Ein spöttisches Kichern drang von dem Kaiserlichen zu ihnen. 'Ihr werdet sie nicht sehen können, die Schützen... Es sind unter anderem auch Botschafter dabei... ich an eurer Stelle würde über die nächste Aktion gut nachdenken...' Wut zeichnete sich auf dem Gesicht des Nekromanten ab. 'Was wollt ihr Remogius?! ... Wartet, ihr gehört zu den Abtrünnigen?! ...'
'Nicht Abtrünnige...' Sagte der andere tadelnd. 'Wir beziechnen uns eher als die Erwachten... das hört sich nicht nur wunderbar frisch an im Gegensatz zu diesem groben, holzigen und bereits Staub ansetztenden Namen der Gathering, sondern beinhaltet auch das, was ihr bei der Gathering nicht seid... nämlich frei...' Der Mann wusste seine Worte so zu betonen, dass man sie nicht als offene Provokation werten konnte und dennoch fuhren sie wie ein heißes Schwert in die Gedanken von Arranges. 'Und jetzt... bitte, steigt von den Pferden ab, ich mag kein Blut an mir kleben haben, von keinem von euch...' Ihnen blieb im Moment nichts anderes, als abzusteigen. Als Erynn und Arranges auf den eigenen Füßen standen, begann der andere Kaiserliche wieder zu reden: 'Das klappt ja schonmal ganz gut... Was ich will, ist Erynn... Meister Dialga hat mir aufgetragen, sie von euch zu trennen und zu ihm zu bringen... er meinte, dass er Verwendung für jemanden hätte, der Botschafter töten könne... Und Arranges, ich würde das besser lassen...' Fügte er hinzu, als er sah, wie Wut in dem Magier aufstieg und die Hand zum Schwert wanderte. 'Ihr werdet es schön bleiben lassen, euch zu wiedersetzen, mittlerweile dürften die Bolzen auf euren Rotfuchs zeigen.' Arranges zuckte deutlich zusammen. 'Ahh... wir verstehen uns... sehr schön... nun, dann habt ihr also nichts mehr dagegen, dass ich Erynn mitnehme?'
'Elender Bastard...!'
'Ihr müsst mir nicht danken Arranges, ich befreie euch sozusagen... ihr wolltet doch sowieso nie eine Schülerin haben, seid froh...' Er schnippte einmal mit den Fingern, woraufhin ein breiter Ork, ähnlich gekleidet wie Remogius, aus den Ruinen hervortrat, auf Erynn zukam und sie zu Remogius zerrte, ohne, dass sie sich tatsächlich wehren konnte. Arranges stand nur mit hängenden Schultern daneben und sah teilnahmslos zu. Mach jetzt nichts Dummes Arranges... Das Bild seines Fuchses, der hinter ihm stand, füllte seinen gesamten Verstand aus. 'Eure Kooperationsbereitschaft ist erstaunlich Arranges... Nun, da das so gut funktioniert hat, würde ich euch noch bitten, diesen Trank hier zu schlucken...' Der Kaiserliche zog ein kleines Fläschchen hervor. 'Ich will nur verhindern, dass ihr uns alle unglücklich macht, indem ihr uns folgt... und um das zu unterbinden, werdet ihr euch selbst für einige Stunden ins Land der Träume versetzen...' Der Kaiserliche kam auf Arranges zu und drückte ihm den Trank in die Hände. 'Trinkt... oder euer Pferd muss doch noch dran glauben...' Mechanisch, von der Angst um sein Pferd kontrolliert, entkorte er die Phiole... Wohlwollend sah ihm Remogius in die Augen. 'Ihr werdet Erynn sicher gut verschmerzen können, Arranges, ihr tut das Richtige...' Der Nekromant sah noch einmal über die Schultern seines Gegenübers und blickte Erynn in die Augen, setzte die Flasche an die Lippen und trank sie mit einem Zug leer. Remogius klopfte lobend auf die Schulter des Beschwörers. Dann klappte Arranges zusammen.

'Er mag vielleicht unzerstörbar sein, aber nicht, wenn Erynn oder jemand anderes, der Heilkunst mächtig, nicht bei ihm ist und schon gar nicht, wenn man weiss, an welchem Hebel man anpacken muss...' Sagte der Kaiserliche, als er sich umdrehte und zu dem Ork herüberkam. 'Ihr werdet euch schön brav fügen, oder ich muss Meister Dialga sagen, dass ihr doch nicht würdig seid... das hätte unschöne Konsequenzen...' Er sah wieder zu dem Ork auf, der Erynn festhielt wie ein Schraubstock. 'In Valenwald haben wir einen ganzen Stoßtrupp an ihm verloren... hier waren wir nur zu zweit und haben den wohl einfachsten Sieg errungen, den man sich vorstellen kann... los, Abmarsch...' Der Ork warf sich die Dunmer über die Schulter und dann verschwanden sie im Wald abseits der Straße.

Glannaragh
03.04.2011, 00:14
Erynn verfolgte das Gespräch mit versteinerter Miene und zusammengepreßten Kiefern. Sie waren direkt in einen Hinterhalt gelaufen, wie dämliche Anfänger, und es gab nichts, was sie tun konnten. Die Siegelsteine! Wenn wir uns wehren und niederschießen lassen, bekommen sie die Siegelsteine! Dann werden sie sicher herausfinden, was der Rat plant und die Chance, ihnen so beizukommen, ist für immer vergeben. Trotzdem spannte sie die Muskeln, als der Ork sie von ihrem Pferd wegzerrte. Es sollte zu nichts führen, ihr fehlte schlicht die Masse, um sich gegen den Griff zu stemmen. Der Verräter hatte an alles gedacht. Den Fuchs würde Arranges nicht auf Spiel setzen, niemals. In dem flüchtigen Moment, in dem sich ihre Blicke trafen, nickte Erynn unmerklich. Bring die Steine zurück... laß sie bluten für all das hier! Dann fiel ihr Begleiter zu Boden.

Sie starrte den falschen Mentor haßerfüllt an, bis dessen Scherge sie kurzerhand hochhob und sie sich wie einen nassen Sack über die Schulter warf. Ihre Gedanken rasten, während sie sich auf den Waldrand zubewegten. Sie sind nur zu zweit... keine Botschafter, keine Heckenschützen. Daraus muß sich doch irgendwas machen lassen. Ihre Waffen jedoch waren außerhalb ihrer Reichweite. Remogius hatte sie an sich genommen, selbst den Dolch im Stiefel hatten sie gefunden. Nach einer Weile begann sie zu zappeln. „Laß mich runter, du Scheißkerl! Ich kann alleine laufen.“ Ihre Entführer ignorierten sie. Erynn wand sich, bis es ihr gelang, von der Schulter des Orsimer zu rutschen. Er packte sie beim Genick und drückte sie auf den Waldboden. „Jetzt fühlst du dich wohl unglaublich stark, was? Geradezu heldenhaft, wie du das hinkriegst. Jetzt nimm deine Drecksgriffel weg!“ Sie kochte vor Wut, und sie wollte wütend bleiben, das war besser, als sich jetzt von der Furcht übermannen zu lassen, die dicht unter der Oberfläche ihrer Wahrnehmung brodelte. Der Kaiserliche kam heran, ging neben der Elfin in die Hocke. „Spart Euch das Gezeter, Novizin. Ihr verbessert Eure Situation nicht gerade, wenn Ihr so ein Theater veranstaltet.“
Sie knurrte wild. „Als ob dich das interessieren würde, Verräter. Frei bist du, ja? Du bist auch bloß ein Kettenhund, nur daß du an Dialgas Leine liegst... mach dir doch nichts vor.“ Remogius lächelte, dann wurde sein Gesicht kalt. „Weiter“, wandte er sich an den Ork. Erynn fühlte sich wieder hochgehoben, dann setzten sie den reichlich unbequemen Marsch fort. Sie versuchte herauszufinden, wohin sie sich gerade bewegen mochten, doch aus ihrer Perspektive, welche die Sicht erheblich einschränkte, war es ihr unmöglich sich zu orientieren. Sie würde abwarten müssen, bis sich die Gelegenheit zu einem Fluchtversuch ergab. Wenn sie erst einmal entwischen konnte, würde sie sich ihren Entführern entziehen können, dessen war sie sicher. Sie mochte der Kraft des Orks und wohl auch den Zaubern des Mentors nichts entgegenzusetzen haben, aber sie war flink und an das Leben im Wald gewöhnt. Zunächst einmal würde sie sich still verhalten.

Bis zum Abend taten ihr alle Knochen weh. In einer kleinen Senke wurde sie schließlich unsanft abgesetzt und gleich wieder auf den Boden gedrückt. Verflucht, hört das denn nie auf? „Laß sie los, Geshrak“, hörte sie den Kaiserlichen sagen. Der Druck der Pranke auf ihren Nacken verschwand, und sie setzte sich auf.
„Damit kommst du nicht durch, Remogius.“
„Ach, wirklich nicht?“
„Ihr seid doch nur ein Haufen Spinner, zu schwach, um nach den Regeln der Gathering zu leben, zu erbärmlich, euch das einzugestehen. Die Erwachten, pah! Geistig umnachtet seid ihr, alle miteinander!“
Der Kaiserliche holte aus, versetzte ihr einen harten Schlag mit dem Handrücken. Erynn schmeckte Blut, als sie den Kopf wieder hob und ihn böse anfunkelte. „Ihr werdet jetzt Eure vorlaute Klappe halten, Dunmer. Oder ich sorge dafür, daß ihr jedes einzelne weitere Wort bitter bereuen werdet. Bleibt an Ort und Stelle, und wir werden wunderbar miteinander auskommen.“ Damit wandte er sich ab, ließ sie unter den wachsamen Augen seines Begleiters zurück.
Die Kriegerin sah keine Möglichkeit zu handeln. Von der Senke aus konnte sie das Gelände nicht überblicken, der Ork paßte auf wie ein Wachhund. Diese Jungs sind sicher nicht so blöd, wie ich es gerne hätte. Sie wissen ziemlich genau, was sie tun. Wenn es ihnen gelingt, mich zu diesem Dialga zu schaffen, wars das... Verflucht, Arranges, sieh zu, daß du unsere Fährte aufnimmst.
Irgendwann döste sie ein, nur um viel zu kurz darauf wieder aus dem Schlaf gerissen zu werden. Die Monde standen noch hell am Himmel, als sie erneut aufbrachen. Erynn verrenkte sich den Hals, während sie nach bekannten Landmarken suchte, aber hier sah alles gleich aus. Sie mußten irgendwo zwischen der Schwarzen und der Goldstraße sein, so viel wußte sie. Was habt ihr Mistkerle vor? Wollt ihr mich umdrehen? Nicht besonders klug, seinen Laden auf Leuten aufzubauen, die man zur Kooperation gezwungen hat, wirklich... Die Berichte von Parlovars Schülern fielen ihr wieder ein. Zwei von ihnen waren von den Abtrünnigen verschleppt worden, ebenso wie sie jetzt gerade. Die Kriegerin hatte damals geglaubt, daß man sie benutzen würde, um das Aufgebot an Untoten zu verstärken. Aber sie? Remogius hatte gesagt, daß sie sich für sie interessierten, weil sie einen Botschafter erledigt hatte. Als sabbernder Zombie würde von ihren Fähigkeiten wohl nicht viel übrig bleiben. Oder...?
Was wußte sie schon über diese Kreaturen? Praktisch nichts, außer daß sie stanken und häßlich waren. Langsam aber sicher griff die Furcht mit kalten Fingern nach ihrem Herzen. Oder geht es hier gar nicht um mich? Habe ich Recht gehabt mit meiner Vermutung, und sie wollen Arranges? Wollen erreichen, daß er freiwillig zu ihnen kommt? So oder so, ich muß hier weg...
Nach ihrer Schätzung mochten ihr vielleicht noch zwei Stunden Dunkelheit bleiben. Jetzt oder nie. Erynn spannte die Muskeln an, bäumte sich auf und biß dem Ork mit aller Kraft in den Nacken. Mit einem Laut des Erschreckens schleuderte er sie von sich. Sie rollte sich ab und lief Haken schlagend durch das Unterholz. Irgendwohin, nur weg von diesen Verrückten. Ein Zauber verfehlte sie nur knapp, schlug in einen nahen Baum ein. Die Elfin sah sich nicht um, sondern lief weiter. Sie hörte, wie ihre Entführer ihr folgten, spürte sie deutlich im Nacken. Sie mußte schneller sein. Schneller...
Dann fühlte sie sich von einer großen, kräftigen Hand herumgerissen. Ihre Welt wurde schwarz, als die Faust des Orks auf ihre Schläfe traf.

Es war noch dunkel, als sie wieder zu sich kam. Ihr Schädel dröhnte. Sie lehnte halb aufrecht an einem Baum und stellte fest, daß sie sich nicht wirklich bewegen konnte. Man hatte ihr Hände und Füße gebunden. Remogius, offenbar durch leises Stöhnen aufmerksam geworden, trat an sie heran und ging vor ihr in die Hocke. „Du hast dich also endlich dazu entschlossen aufzuwachen.“ Von der falschen Freundlichkeit, die er noch bei Fanacasecul an den Tag gelegt hatte, war nun nichts mehr in seiner Stimme zu finden. „Schade eigentlich. Es war ein sehr ruhiger, angenehmer Tag, so ganz ohne deine erbärmlichen Versuche, Widerstand zu leisten... Der Meister wird davon erfahren, das ist dir hoffentlich klar. Wir werden sehen, was ihm so dazu einfällt, aber sei versichert, daß ich das Schauspiel genießen werde. Weißt du, ich selbst glaube eigentlich nicht, daß du den ganzen Ärger wert bist, also erwarte nicht von mir, daß ich weiterhin Nachsicht üben werde.“ Er streckte die Hand aus und strich ihr leicht über die Wange. Angewidert drehte Erynn den Kopf weg. „Du wirst dich von jetzt an fügen, oder ich überlasse dich Geshrak. Du sollst lebendig und in einem Stück ankommen, aber weitere Anweisungen habe ich nicht. Denk gut darüber nach, bevor du wieder irgendeinen Unsinn anstellst.“
Die Bogenschützin war noch viel zu benommen, um irgendetwas erwidern zu können. Den Rest der Nacht und auch den folgenden Tag war sie viel zu sehr damit beschäftigt, die Übelkeit und den Schmerz in ihrem Kopf irgendwie zu ertragen, als das sie irgendwas hätte unternehmen können. Tatsächlich hätte sie das auch längst nicht mehr gewagt – das Versprechen, daß sie sonst dem Ork als Zerstreuung dienen würde, hatte Wirkung gezeigt. Sie zweifelte mittlerweile stark daran, daß Arranges oder sonst jemand sie noch finden würde.
Erst am folgenden Tag kehrten ihre Lebensgeister langsam wieder. Geshrak hielt sich lange nicht mehr so aufrecht wie noch vor drei Tagen, und sie hörte ihn häufiger unterdrückt fluchen, während er mit ihr auf dem Rücken durch den Wald trampelte. Irgendwann hatte er scheinbar genug. Er ließ die Elfin einfach fallen, und sie schlug schwer auf dem Boden auf. „Mentor Remogius“, dröhnte seine tiefe Stimme. Der Angesprochene wandte sich um, einen leicht spöttischen Ausdruck im Gesicht. „Was willst du?“
Im folgenden, hitzig geführten Gespräch wurde schließlich beschlossen, daß sie für eine Weile rasten würden. Der Kaiserliche war nicht begeistert, gewährte diese Gnade am Ende aber dennoch 'großzügig'. Er ließ sich sogar dazu herab, Erynns Fesseln zu lösen. Sie keuchte gepeinigt, als das Blut in die schon so lange tauben Glieder zurückfloß. Plötzlich packte der Mentor grob ihren Schopf und riß ihr den Kopf in den Nacken. „Das ist schiere Freundlichkeit meinerseits... wage es nicht, irgendwelchen Blödsinn zu veranstalten, oder ich füge deiner Wange ein paar neue Verzierungen hinzu, hast du verstanden?“

weuze
03.04.2011, 03:51
Arranges erwachte, als er eine leichte Berührung im Gesicht spürte. Er schlug die Augen auf und sah die Nüstern seines Rotfuchses über sich. Das Tier war natürlich die ganze Zeit bei ihm geblieben. Es war tiefe Nacht. Falchion war ebenfalls noch dort, mit hängendem Kopf stand er neben dem Reittier des Kaiserlichen. Der Kopf des Magiers brummte. Aber als er völlig wach war, stemmte er sich hektisch hoch und sah sich gehetzt um. Niemand war mehr da. Von den Abtrünnigen keine Spur... Was habe ich auch anderes erwartet... Ratlosigkeit vermischt mit Zorn über sich selbst machte sich in den Gedanken des Magiers breit. Ich muss eigentlich den dritten Siegelstein holen... aber ich will mir nicht ausmalen, was diese Aushilfsnekromanten mit Erynn vorhaben... Er haderte mit sich selbst... er konnte weder das eine, noch wollte er das andere vernachlässigen... Aber je mehr er darüber nachdachte, desto mehr Zorn spürte er darüber, Erynn einfach so ausgeliefert zu haben. Allein der Gedanke daran, sie in den Händen der Abtrünnigen zu wissen, machte ihn, jetzt, da er sich so richtig darüber bewusst wurde, rasend... Plötzlich fasste er einen Entschluss... Gumora...! Er schwang sich in den Sattel seines Fuchses und testete, ob Falchion ihm folgen würde. Der Wallach der Dunmer kam dem Rotfuchs ohne Scheu nach, die beiden hatten sich mittlerweile so aneinander gewöhnt, dass das keine weiteren Probleme bereiten würde...

Arranges preschte durch die Nacht zur Kaiserstadt. Dort angekommen hielt er mit großen Schritten auf das Hafenviertel zu... Zum Teufel, wo ist diese schmierige Eidechse, wenn man sie mal braucht?! Der Kaiserliche schritt die Docks ab, ging auf die andere Seite der Kais zu den Armensiedlungen. Aber außer einem Bettler war dort niemand zu sehen. In seiner Verzweiflung ging er auf die vom Leben gebeutelte Gestalt zu, die an einem kleinen Feuerchen am Strand saß. 'He, ihr da...' Der Bettler, ein alter Bretone, sah fragend auf. 'Wisst ihr wo Gumora ist... oder habt ihr ihn in letzte Zeit hier gesehen?' Dabei zog Arranges einen Septim aus einem Beutel und ließ das Goldstück im Mondschein blinken. 'Hmm...' Machte der Alte und wies auf die Wasseroberfläch vor sich am Strand. 'Verdammt, wollt ihr mich zum Narren halten alter Mann? Ich habe keinen Nerv für solche Spielchen!'
'HMMMmmmMM...' Brummte der Bretone energisch und deutete nochmal auf die Wasser des Rumare. Arranges blickte nochmal hinaus auf den See und tatsächlich, nach einigen Augenblicken tauchte der gehörnte Kopf des Argoniers aus de Wasser auf. 'Arranges... des weiße Ritter kommt mich mitten in der Nacht besuchen?' Der... weiße Ritter?! Was zum Teufel hast du wieder geschluckt Gumora? Der Nekromant wartete, bis Gumora aus dem Wasser gestapft kam. Er wollte ihn gerade grüßen, als er ein leichtes Ziehen an seinem Umhang spürte. Er blickte zur Seite. Der Bretone schaute zu ihm auf und drehte ihm jetzt auffordernd die Handfläche hin. Genervt atmete Arranges aus und legte dem Bettler das Geldstück in die Hand. Wortlos ließ dieser es verschwinden und schaute wieder zu dem Argonier, der mittlerweile bei ihnen angekommen war. Gumora nickte dem Bettler zu. Dieser zog ein Stück Kohle und ein arg zerknittertes Papier hervor und machte ein paar Striche in eine Liste, dann ließ er beides wieder verschwinden und richtete den Blick wieder starr auf den Rumare hinaus...

'Seid mir gegrüßt Gumora... was meintet ihr vorhin mit dem Ritter?'
'Das wisst ihr noch nicht... vor einigen Tagen hat sich hier das Gerücht ausgebreitet, dass ein strahlender Ritter, wie er in Märchen vorkommt, das Tor bei Cheydinhal geschlossen haben soll...' Dem Kaiserlichen klappte die Kinnlade herunter. 'Hat es euch die Sprache verschlagen?' Grinste der Argonier. 'Wie kommt ihr darauf, dass ich das gewesen sein soll?'
'Nun, der Einzige, den ich kenne, der bis jetzt von sich behauptet, schon einmal ein Tor aus der Nähe gesehen zu haben, mich nach dem Standort eines weiteren Tors gefragt hat und von dem ich glaube, dass er verrückt genug ist, die Oblivionebenen zu betreten, seid ihr, Arranges...'
'Glaubt was ihr wollt Gumora... ich bin wegen etwas sehr viel Dringlicherem hier... ihr könnt doch Spuren lesen?'
'Ich bin freier Kundschafter, es wäre mir peinlich, wenn ich es nicht könnte...'
'Gut, dann brauche ich eure Hilfe... jetzt!'
'Mit jetzt meint ihr... jetzt gleich?'
'Ja was denn sonst?!' Fragte Arranges gereizt. 'Was braucht ihr denn?'
'Erinnerst du dich noch an Erynn? Man hat sie entführt... und ich will sie... befreien...' Für einen kurzen Moment trat ein sehr seltsamer und undeutbarer Ausdruck in seine Augen. 'Wo habt ihr sie als letztes gesehen?'
'Bei Fanacasecul...'
'Hmm... wartet, ich werde mich kurz ankleiden, dann will ich versuchen euch zu helfen... ihr wisst also nicht, ich welche Richtung die Entführer gegangen sind und braucht deswegen meine Fähigkeit Spuren zu lesen?' Arranges nickte.

Es dämmerte bereits, als sie Fanacasecul endlich erreicht hatten. Bis der Argonier endlich ein paar Spuren gefunden hatte, die wohl passen mochten - Arranges konnte dazu nichts sagen, er war weder Jäger, noch Kundschafter - machten sie sich auf den Weg und folgten den Spuren direkt nach Westen in den dichten Wald hinein. Gumora bestätigte Arranges, dass die Entführer wohl nur langsam vorankamen und noch nicht sehr weit gekommen sein konnten... gegen Mittag hatten sie eine der vielen Erhebungen, die weiter im Nordwesten, südlich von Chorrol in das Colovianische Hochland übergingen, erreicht. Gumora bedeutet dem Kaiserlichen zu halten. 'Was ist, haben wir sie bereits eingeholt?' Fragte der Beschwörer hoffnungsvoll. Aber statt einer Antwort lenkte der Argonier nur sein Pferd schweigend dem des Beschwörers gegenüber. 'Es tut mir leid Arranges, aber man hat mir für diesen kleinen Dienst sehr viel Geld geboten... und ihr wisst, der Meistbietende hat bei mir Vorrang. Der Magier wusste jetzt gar nicht mehr, was er denken sollte. Aber noch bevor er überhaupt einen klaren Gedanken fassen konnte, zog der Argonier eine Schriftrolle hervor, wirkte selbige und verschwand mit samt Pferd. Du mieses, kleines... 'Jetzt fangt bloß nicht an zu weinen Arranges...' Die Stimme des Botschafters war unverkennbar, aber es war niemand zu sehen. Arranges schwang sich aus dem Sattel und schaute sich um. 'Es wird mir eine Ehre sein, dem Mentor Arranges den Hals umzudrehen...' Ein Hüne trat vor dem Nekromanten aus dem Schatten der Bäume. 'Ihr seht traurig aus... Arranges... der Verlust eurer Freundin macht euch wohl sehr zu schaffen...'
'Was wollt ihr?!'
'Nanu... keinen Respekt mehr vor einem Botschafter? Das ist schlecht Arranges...'
'Vor Botschaftern schon, vor Abtrünnigen und Verrätern jedoch nicht...' Der Botschafter seufzte. 'Es war wohl doch sehr viel klüger einfach Erynn zu holen und für Dialgas Vorhaben einzusetzen, als euch, den so talentierten und unbesiegbaren Arranges zwingen zu wollen, unserer Gemeinschaft beizutreten.'
'Was für Zwecke?!'
'Wenn ihr uns beitretet Arranges, würdet ihr es erfahren...'
'Niemals!' Der Botschafter kam nicht mehr zum Antworten. Arranges begann den Kampf einfach. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er stets geglaubt, dass Botschafter unbezwingbar wären, aber sein Hass loderte weiß in ihm auf. Funkensprühende, annähernd weiße Sphären verschluckten seine jetzt leicht vom Körper gestreckten Hände. 'Die Botschafter waren mal eine Herausforderung... heute werde ich beweisen, dass sie es nicht sind...' Sein Gegner erkannte wohl den Ernst der Lage und brachte sich selbst in Kampfhaltung. Aber bis sein Gegenüber überhaupt reagieren konnte, traf ihn ein gewaltiger Feuerstrahl. der Botschafter wurde zurückgerissen und kam arg ins Taumeln. Auf seiner Brust war jetzt ein kreisrundes Loch in der Rüstung zu sehen. Metall, Stoff, Leder und Haut waren an den Rändern der grob blasenschlagenden Wunde miteinander verbacken. das Metall glühte leicht. Blitzschnell beschwor Arranges ein geradezu gewaltiges Daedroth. er hörte, wie zwei Schwerter gezogen wurden. Der Botschafter hatte seine beiden Dai Katanas aus den Scheiden gerissen und führte jetzt mit jeder Hand eines davon. Klingen wirbelten, blitzen und funkelten hin und her, während das Oblivionmonster gleichermaßen mit seinen Klauen arbeitete und Feuerzauber nach Feuerzauber auf den Botschafter abfeuerte. Arranges bewegte sich seitlich zu den Kämpfenden. Er gab über das mentale Band dem Daedra zu verstehen, auf sein Zeichen hin einen gewaltigen Feuerzauber abzugeben. Der Botschafter hingegen war wohl total überrumpelt von der Aggressivität, die ihm da entgegenschlug. Arranges hatte seine beiden Arme ausgestreckt vor sich zusammengeführt und zielte auf den Hünen. Im gleichen Moment jedoch, als Arranges dem Daedroth sein Zeichen geben wollte, führte der Botschafter einen gewaltigen Hieb gegen das Reptil und vernichtete es. Arranges gab seinen Zauber trotzdem ab... Einer der beiden Zweihänder kam ihm wirbelnd entgegen geflogen und schrammte über seine Schulterplatte... sein Zauber hingegen riss dem Botschafter den Kopf und die komplette linke Schulter inklusive Arm weg. Schmatzend spritzte unnatürlich dunkles Blut aus dem massigen Körper hervor, der erst nicht umkippen wollte. Nach einigen Sekunden ließ die eine Hand kraftlos das Schwert fallen. Nochmals einen Augenblick später sackte der Körper zusammen. Arranges jedoch war noch nicht zufrieden. Er riss sein Schwert aus der Scheide und stürmte auf den Fleischberg zu. Einige Minuten lang hackte er mit wildem Gekläffe auf den toten Botschafter ein. Er entlud seinen ganzen Zorn auf diesen einen Verräter. Gedärme, die wirkten, als wären sie schon lange nicht mehr durchblutet worden, flogen durch die Luft, Blut spritze... bis schlussendlich nur noch ein großer Fleischberg übrig war, der mehr an eine volle Schlachtbank beim Metzger erinnerte, denn an einen Humanoiden... Erschöpft sank er schließlich resignierend auf die Knie. Wie sollte er Erynn jetzt noch erreichen? Er hatte keine Ahnung wo er genau war, nur eine grobe Vorstellung... vermutlich hatte man ihn auch noch in eine ganz andere Richtung geführt. Flehend blickte er zum Himmel auf, bevor er sein rot gesprenkeltes Gesicht in seinen blutigen Händen vergrub... Irgendwann jedoch zwang ihn sein unnachgiebiger Wille, das, was von dem Botschafter übrig war, zu untersuchen... Er fand ein ganzes Arsenal an Waffen aller Arten, Tränke ohne Ende und eine kleine Tasche am Gürtel über dem Gesäß des Toten. Er öffnete sie und schaute hinein. Er angelte ein paar blutige Umschläge daraus hervor. Enttäuscht, weil sie alle entweder nicht lesbar waren oder nicht das beinhalteten, was er gehofft hatte, wollte er sie gerade wegwerfen, als ihm auf einem der Pergamente, der Name Erynn ins Auge stach. Neue Hoffnung drängte sich in seinem Kopf an vorderste Stelle. Vieles konnte man wegen Blutflecken oder grausiger Handschrift nicht lesen, aber einige Informationen waren sauber geschrieben. Er konnte den Zeilen entnehmen, dass sich Remogius wohl am vierten Tag nach der Entführung irgendwo südwestlich nahe Chorrol befinden sollte um sich dort mit dem Botschafter zu treffen... Der Kaiserliche verlor keine Zeit damit, darüber nachzudenken, wie absolut exakt diese ganze Aktion auf sein Verhalten abgeglichen worden war. Er saß auf und preschte nach Norden durch den Wald...

... Sie hatten bis zum frühen Abend Rast gemacht. Seltsamerweise hatte es Remogius plötzlich gar nicht mehr so eilig, aber das konnte auch eine Einbildung sein. 'Mentor...?'
'Was ist denn schon wieder Geshrak?'
'Ich habe hier ein Problem...' Remogius verdrehte genervt die Augen. 'Was denn?'
'Ich habe ein Problem damit, Dialga einfach irgendjemanden abzuliefern, der möglicherweise nicht für seine Vorhaben geeignet ist...' Der Kaiserliche zog eine Augenbraue hoch. 'Seit wann denkst du so viel Geshrak?' Der Ork sah ihn nur bedeutungsvoll an. 'Ah, ich verstehe... hm... Der Befehl lautete aber, sie erstens lebendig zu Dialga zu bringen und zweitens auch sonst möglichst unversehrt... das wird nicht funktionieren Geshrak...'
'Achwas...' Der Ork warf Erynn einen vielsagenden Blick zu. 'Die sieht aus, als könnte sie das schon aushalten...' Remogius sah ihn fragend an und blickte dann ebenfalls zu Erynn hinüber. Sie war jetzt wohl nicht mehr so trotzsicher, wie vor einigen Minuten noch. 'Ohhh... schaut nur Remogius, sie zittert... ihr werdet doch wohl keine Angst vor... mir haben?' Erynn antwortete nicht. 'Vielleicht sollten wir ihr erklären, dass wir ihr wie dem Kaiserlichen auch, einen riesen Gefallen getan haben in dem wir beide voneinander trennten...' Sagte Remogius und grinste dabei fies. 'Glaubt ihr nicht, dass wir ihr damit noch mehr Angst machen?'
'Dummkopf, mit diesem... Vergleich nehmen wir ihr die Angst vor dir... das kann nur besser sein für dich... und angenehmer wahrscheinlich auch...'
'Stimmt, wenn ich an das erste Gespräch zurückdenke, das er vor der Gathering hatte, als er zum Novize ernannt worden war... damals dachten viele, dass er einen derben Schaden haben musste... ich glaub nur Meisterin Marie war übler drauf als er...' Sagte der Ork. 'Naja,' Remogius warf nochmal einen Seitenblick auf die Dunmer, 'ich jedenfalls würde kein Schüler von jemandem sein wollen, der seine Eltern einfach nicht gehen lassen wollte... er hatte damals ja auch noch die Aufgabe bekommen, Drimo... wie hieß sie noch gleich... da seine Freundin während seiner Schülerzeit, zu foltern, als es hieß, dass sie abtrünnig geworden sei... insgeheim glauben ja noch immer viele, dass er es auf sie abgewälzt hatte und so nur selbst der Folter entgehen wollte...'
'Nicht zu vergessen die beiden Kaltblutrituale... die Ergebnisse wurden nie öffentlich gemacht, aber es sickerte von beiden gewissen Dinge durch, die sogar Meisterin Marie an Arbartigkeit übertreffen...' Fiel ihm der Ork ins Wort. 'Nun, die unterschwellige Behauptung, dass flüssiges Eis, statt Blut durch seine Adern pumpt, kursiert jedenfalls nicht völlig um sonst innerhalb der Gathering...'
'Ja und...' Ein glühendes Geschoss rauschte plötzlich heran und zerfetzte den Ork, der gerade wieder zum Sprechen ansetzte. 'Richtig... es ist dunkles, dickes, eiskaltes Blut...' Arranges trat wie der Tod persönlich auf die kleine Lichtung, blutverschmiert und funkelnden Augen. Remogius sprang erschrocken und mit blankem Entsetzen in den Augen, auf. 'Arranges... aber, aber...'
'Ihr müsst ein bisschen früher... erwachen um mich zu kriegen...' Mit einem Satz war der Kaiserliche bei Remogius. Ein gurgelnder Laut war zu hören, als Arranges seine von einem blauen Schimmer eingehüllte Hand um den Hals des anderen legte. Der Abtrünnige war von seinem Schreck so gelähmt, dass er sich nicht wehrte... Eine Sekunde später kippte der Leib um und der Kopf platzte am Kragen vom restlichen Körper ab, dort, wo das Gewebe innerhalb von Sekunden schockgefrostet worden war. Arranges wandte sich Erynn zu. Die Verräter hatten sie wohl im weiteren Verlauf der Rast wieder gefesselt. Er kniete sich vor sie hin, zog sein Gebrauchsmesser und zerschnitt die Stricke...

Glannaragh
03.04.2011, 19:13
Erynn lag wie erstarrt, während sie dem Reden ihrer Entführer zuhörte. Sie weigerte sich wahrzunehmen was gerade geschah, weigerte sich zu glauben, was sie über Arranges sagten. Sie mußte hier weg, oder aber kämpfen, wenn sie schon nicht fliehen konnte, notfalls mit Zähnen und Krallen. Ihre Muskeln jedoch gehorchten dem Befehl des Gehirns nicht, sich gegen die Fesseln zu stemmen, wie sie mit blankem Entsetzen feststellte.
Dann geschahen mehrere Dinge sehr schnell. Der Leib Geshraks zerbarst förmlich in einem Feuersturm. Heißes Blut und Gewebefetzen trafen sie, sprenkelten Gesicht und Rüstung der Dunmer. Arranges!
Der Beschwörer trat aus den Schatten des Waldes - er sah aus wie die personifizierte Rache der Neun. Remogius, völlig konsterniert von seinem plötzlichen Auftauchen, machte nicht einmal Anstalten, sich zu verteidigen. Nur wenige Herzschläge später war es vorbei.
Erynn starrte mit regungslosem Gesicht und leerem Blick vor sich auf den Waldboden, während ihr Begleiter die Stricke um ihre Gelenke zerschnitt. Noch hatte die Erkenntnis, daß sie gerade sehr knapp entkommen war, ihre bewußten Gedanken nicht erreicht.

Arranges steckte sein Messer weg und streifte die Stricke vollends von den Gliedmaßen der Dunmer. Sie war völlig überfordert mit der Situation und regte sich kein bisschen. Der Kaiserliche hatte nicht wirklich etwas davon mitbekommen, was die beiden Verräter Erynn erzählten, nur gerade noch, wie sie ihr wohl Angst einjagen wollten, indem sie ihn als ein Monster darstellten. Verfluchte Bastarde... ich hätte euch erst noch ein wenig quälen sollen... Er legte Erynn vorsichtig eine Hand auf die Schulter. Er wollte sie keinsefalls erschrecken, aber er musste wissen, ob sie noch bei sich war... oder ob sie überhaupt ansprechbar war. 'Erynn? Bist du irgendwie verletzt...?' Fragte er etwas unbeholfen, aber ehrlich besorgt.

Die Reaktionen der Elfin setzten mit einem Schlag wieder ein, als sie eine Berührung spürte. Sie zuckte zurück, die Zähne gefletscht und in den aufgerissenen Augen schiere Mordlust. "Faß mich nicht an!" fauchte sie mit einer Stimme, die sie nicht als ihre eigene erkannte. Eine ganze Weile starrte sie den Beschwörer nur ohne zu blinzeln an, bis sich langsam zunächst Verwirrung und dann Erkennen in ihren Blick mischten. Erynn entspannte sich ein wenig und senkte den Kopf. "Ich hatte nicht mehr geglaubt, daß du mich noch finden würdest..." murmelte sie schließlich.

Arranges zog seine Hand zurück, als Erynn wohl noch immer verwirrt, ihn am liebsten angesprungen und zerfleischt hätte. Er wartete einfach auf ihre nächste Reaktion. Er streckte die Hand nochmals aus, fasst ihr Kinn und hob ihren Kopf ein wenig an. 'Es tut mir leid Erynn, ich wollte nicht... ich meine... ich hätte deine Entführung verhindern müssen... irgendwie... wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen und würde meinen Fuchs, statt dir geben...'

Sie sah den Beschwörer müde an und schüttelte leicht den Kopf. "Nein, würdest du nicht. Könntest du nicht... und so, wie es sich bei der Ruine darstellte, hattest du ohnehin keine andere Wahl. Die Siegelsteine, verstehst du? Sie hätten sie auf keinen Fall bekommen dürfen." Die Elfin atmete einmal tief durch. "Es gab niemals Armbrustschützen, und auch keine Botschafter... das haben die beiden da gesagt. Wir sind sauber reingelegt worden." Nach einer Weile ergänzte sie: "Ich kann dir nicht sagen, was Dialga plant, darüber wurde nicht gesprochen. Aber ich bin nicht die erste, die sie entführt haben. Erinnerst du dich an das, was der Rothwardon über die beiden Schülerinnen aus Valenwald sagte?" Wieder schüttelte sie mit dem Kopf. "Keine Ahnung. Aber sag, wie hast du mich gefunden?"

'Hauptsächlich wurde wohl ich an der Nase herumgeführt...' Arranges setzte sich neben Erynn. 'Ich war bis in die Nacht hinein bewusstlos... Mein Pferd hat mich wachgerüttelt... Ich war erst arg verzweifelt, ich wusste nicht, was ich tun sollte... einerseits hatten die Siegelsteine höchste Priorität, aber dich in den Händen der Abtrünnigen zu wissen setzte mir ebenso zu... Ich... musste zuerst nach dir suchen... Aber meine einzige Möglichkeit war, irgendeinen Spurenleser aufzutreiben... du erinnerst dich noch an dieses Schwein Gumora? ... Ihn habe ich in der Kaiserstadt mitten in der Nacht aufgesucht und dafür angeheuert, mir zu helfen, dich wieder zu finden... Er hat tatsächlich Spuren gefunden... Spuren, die mich letztendlich in einen weiteren Hinterhalt führten... Die Abtrünnigen hatten genau gewusst, was ich tun würde... sie haben Gumora in diesem Wissen bestochen. Er hat mich genau in die Arme eines Botschafters geführt... den Botschafter habe ich getötet... Ja, ich weiss, dass ich dir gesagt habe, dass sie normalerweise nicht von jemandem wie mir besiegt werden können, aber ich habe ihn einfach vernichtet. Zerstört, aus der Wut heraus, dich verfehlt zu haben.' Er machte eine kurze Pause. Es wurde rasch dunkel, aber Arranges verzichtete auf ein Feuer, er redete nach ein paar Minuten weiter. 'Dieses ekelhafte, Schuppen tragende Stück Dreck, konnte ich leider nicht mehr erwischt, der feige Hund hat sich einfach unsichtbar gemacht... bei dem Botschafter fand ich schließlich eine Art Auftrag, der wohl im Groben alles beschrieb, wie die Abtrünnigen uns hinters Licht führen wollten. Dieser Brief hat mich schließlich hergeführt...'

"Gumora also...", flüsterte sie. Seltsam angenehme, beruhigende Eiseskälte spülte durch die Adern der Dunmer, bot ihr ein Ziel, an dem sie sich für die erlittene Furcht und Demütigung rächen konnte. "Den verdammten Molch pack ich mir. Früher oder später." Sie warf einen kurzen Blick auf das, was von den Abtrünnigen übrig war. "Ich will hier weg", sagte sie, stemmte sich hoch und bemühte sich, auf ihren tauben Füßen das Gleichgewicht zu halten. "Wo ist Falchion?"

Arranges erhob sich mit Erynn, zuckte aber leicht zusammen, als sie nach ihrem Wallach fragte. 'Nun... den habe ich in den Stallungen der Kaiserstadt gelassen...' Verlegen und sich ein wenig schuldig fühlend, sah er Erynn in die Augen. 'Du kannst auf meinem Fuchs reiten... wenn du willst...' Der Kaiserliche pfiff einmal kurz laut auf zwei Fingern. Nach einem kurzen Moment kam der Rotfuchs zwischen den Bäumen heraus und blieb bei ihnen stehen.

"Schon gut", sagte sie und lächelte leicht, als sie Arranges Reaktion bemerkte. "Er hätte dich auf dem Weg hierher ohnehin nur aufgehalten... Ja, ich nehme dein Angebot gerne an." Erynn kletterte auf den Rücken des Hengstes, dann verließen sie den Schauplatz des Massakers. Nach einer Weile, während der sie einfach nur froh war, relativ glimpflich davongekommen zu sein, schweiften ihre Gedanken ab, zurück zu dem, was Geshrak und Remogius gesagt hatten. Wie viel von dem mag wahr sein? Tatsächlich weiß ich ja kaum etwas über Arranges. Nachdenklich betrachtete sie den Nacken des Beschwörers, der den Fuchs am Zügel führte. Und was bedeutet 'nicht gehen lassen wollte'? Offensichtlich nicht, der Reaktion am Grab seiner Eltern nach zu urteilen, aber was ist das Verwerfliche daran? Oder meinten die Scheißkerle etwa...?
Sie mußte es wissen. Sobald sie das nächste Mal irgendwo anhielten, würde sie ihn danach fragen.

Der Kaiserliche führte das Pferd Richtung Osten. Sie hatten bald das Gelände im Herzland erreicht, wo die Hänge rings um den Rumaresee zu dessen Ufern hin abfielen. Auf einer kleinen Kuppel, die am oberen Rand dieser teils relativ steilen Hänge etwas herausstach, hielt Arranges an. Zwischen den Kronen der Bäume hindruch, die unter ihnen am Hang wuchsen, konnten sie im Osten die Kaiserstadt sehen. Arranges überlegte noch, ob sie noch bis zur Stadt gehen sollten, beschloss aber dann, dass es schlicht zu weit war. Er hatte seit drei Tagen praktisch kaum geschlafen und langsam aber sicher machte sich die Erschöfpung bemerkbar, was nicht zwangsläufig bedeutete, dass er auch wirklich schon müde war und den direkten Zwang zur Ruhe verspürte. 'Wir werden hier für heute rasten...' Während Erynn den Rotfuchs ablud, stapelte Arranges ein kleines Feuer auf und entzündete es. 'Wenn du dich waschen willst, ich habe deinen Wasserschlauch auch dabei...' Bemerkte er bei einem Blick in ihr rot getüpfeltes Gesicht.

Erynn nahm den Hautsack ein wenig zerstreut entgegen, legte den Kopf in den Nacken und ließ sich das Wasser einfach über das Gesicht rinnen. Sie hatte keine Ahnung, wie groß der Nutzen tatsächlich gewesen sein mochte, aber letztendlich interessierte es sie momentan auch nur am Rande. Nachdenklich blickte sie danach für eine Weile auf die glitzernde Fläche des Rumaresees, der sich jenseits der Ringstraße vor ihren Augen ausbreitete.
"Arranges? Hast du... hast du mitbekommen, was die Verräter geredet haben, bevor du sie angegriffen hast?" Die Elfin suchte nach Worten. Stockend und sehr leise fuhr sie fort: "Sie sagten... du hättest jemanden gefoltert, der dir lieb und teuer war. Stimmt das? Und daß du... deine Eltern nicht gehen lassen wolltest, nachdem sie gestorben waren. Was... was meinten sie damit?" Unsicher und auch ziemlich eingeschüchtert sah sie ihren Begleiter an.

weuze
03.04.2011, 22:54
Arranges hatte gedankenverloren in die Flammen geblickt und sich eigentlich darauf eingestellt, in ein paar Minuten ein wenig Schlaf zu suchen. Aber als Erynn begann zu reden... und vor allem bei dem, was sie redete und ihn fragte, war er sofort wieder hellwach. 'Diese Schweine haben tatsächlich versucht, dir mit meiner Vergangenheit Angst zu machen...' Knurrte er nach einer Weile vor sich hin. Aber Arranges konnte wieder keinen Rückzieher machen, es war wie einige Tage zuvor, am Morgen nach dem Besäufnis... Erynn wusste irgendetwas und würde nicht Ruhe geben, bis er es ihr gesagt haben würde. Er sah auf und blickte der Dunmer für einige Herzschläge in die Augen. Sein Gesicht war hart und er sprach mit monotoner Stimme, aber die Wut, die in ihm brodelte, war deutlich zu spüren. 'Nein, ich habe nur etwas von diesem Gerücht, das ich ebenfalls länger kenne, gehört... Es gibt einige Novizen und auch Mentoren, die der Ansicht sind, dass ich kein normaler Mensch wäre... Von wegen Eisklumpen in den Adern, ein Steinbrocken in der Brust und ein Blick, bei dem das Blut sofort gerinnt, wenn er einen trifft...' Arranges lachte kurz trocken auf. 'Es ist auch praktisch nicht möglich, diese wie ich finde erheiternde Geschichte, totzukriegen... Sie wird ständig weitergegeben... und ja,' sein Gesicht verfinsterte sich nochmals; 'wenn man meine Vergangenheit kennt... oder wie einige, von denen die Ansätze für die Geschichten über mich stammen, bei meiner Aufnahme vor der Gathering dabei war, könnte man fast meinen, dass es wirklich so ist, wie die Gerüchte es besagen...' Er atmete einmal tief aus und ein. 'Ich wollte nicht, dass du das erfährst, Erynn... und es wiederstrebt mir auch jetzt, es dir zu sagen... andererseits jedoch vertraue ich dir auf eine andere Weise, wie es bei anderen der Fall ist... nur eines noch, wenn du gehen willst, tu das, aber bitte spring nicht auf und lauf schreiend davon...' Es hatte fast etwas Lustiges an sich, aber das Gesicht des Kaiserlichen blieb ernst. Es war eigentlich das erste Mal, dass er bewusst einer völlig unwissenden Person von seiner Vergangenheit erzählte. 'Wenn ich dir das erzähle, wirst du vielleicht ein paar Dinge verstehen, die dir zuvor mehr Kopfzerbrechen bereitet haben... Du weisst ja, dass ich in Cheydinhal gelebt habe. Als Kind eines Vaters, der legitim den Beruf des Zauberers ausübte. Er hat mir damals, als kleiner Junge, von vielleicht 7 oder 8 Jahren schon viel beigebracht... keine Nekromantie, wie du vielleicht vermuten würdest... es waren allgemeine Grundlagen, wie sie jeder andere Lehrling der Magie erlernt.' Schon bei diesen ersten Worten verlor das Gesicht des Beschwörers den harten Ausdruck und wurde mit jedem weiteren Wort trauriger. Das dunkle Loch in seinen Gedanken platzte einfach auf, ohne, dass er etwas dagegen hätte tun können. 'Ich war talentiert, wusste die Magie anzuwenden, konnte mit ihr umgehen... ich sollte später in die Fußstapfen meines Vaters als freier Magier an der geheimen Universität treten... Vaters Gebiet beinhaltete die Illusion und Veränderung, Zerstörungszauber waren auch noch dabei... er war immer mein Vorbild, stets wollte ich so sein wie mein Vater. Ich hatte als Kind bereits einen gesunden Ergeiz entwickelt... reagierte auf tadelnde Worte meines Vaters mit mehr Lerneinheiten... verspürte unbändige Freude, wenn meine Mutter Fortschritte lobte... ich hatte eine wunderbare Kindheit, unbeschwert und ohne Sorgen... bis zum 13. Jahr meines Lebens.... Mein... Vater versuchte sich an einem neuartigen Zauber, den er entwickelt hatte... irgendetwas ging jedoch schief...' Arranges stockte und schluckte hart. Seine Stimme war brüchig, als er weitersprach: 'Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls im Keller... und dieser verdammte... Narr... der Zauber wurde... ging über in Feuer... die Flammen... sie... sie fraßen meinem... Vater das Fleisch von den Knochen... Mutter wurde nur halb von den Flammen erfasst...' Wieder musste Arranges innehalten. Fahrig strich er sich mit einer Hand über die Haare. Der Schein der Flammen spiegelte sich glitzernd in einer einzelnen Träne wieder, die dem Kaiserlichen über die Wange rollte... nach ein paar krampfhaft unter Kontrolle gehaltenen Atemzügen, zwang sich Arranges weiter zu reden, jedoch zitterte seine Stimme heftig: 'Ich werde nie... das Kreischen vergessen, als Mutter von... Flammen eingehüllt... am oberen Treppenabsatz... vor... mir... fiel... und vor... mir bei lebendigem Leibe verbrannte...' Eine zweite Träne lief über sein Gesicht. 'Ich konnte absolut nichts tun... sie starben einfach... und ich musste... hilflos zusehen... Vater... er hat einfach so... eine Lücke in mein Leben gerissen... dieser Narr!' Er wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. Dann wurde seine Stimme wieder ein wenig fester: 'Ich wollte es nicht wahrhaben... ich war geistig noch lange danach völlig verstört, vieles wurde von einer Dunmer, einer langjährigen Ziehmutter, geregelt... die Leichen wurden jedoch nie beerdigt... ich habe ihr erzählt, dass sie komplett verbrannt worden waren... ich habe ihr einfach so ins Gesicht gelogen... und dann sind nur noch viele Lücken in meinem Gedächtnis... ich erinnere mich noch an ein Buch meines Vaters, das sich mit der Nekromantie beschäftigte, er hat es nie gelesen... aber ich habe aus einem perversen Gedanken heraus damit Mutter wieder zum Leben erweckt und... als Untote im Keller gehalten wie eine eingesperrte Ratte... Ich weiss auch heute nicht mehr warum... diese Kunst, veränderte mich... Von da an war ich nur noch jener, der für Dinge gebraucht wurde, die absolute Emotionslosigkeit erforderte, so auch die Folterung von Drimofinya... sie war mir eine gute Freundin während der Schülerzeit bei der Gathering... bis sie abtrünnig wurde... sie hatte eine ähnliche Lücke hinterlassen... wie Vater und Mutter... auch bei ihr konnte ich nichts tun um sie am Leben zu erhalten... so auch viele andere Dinge... ich habe das immer einfach angenommen, ohne mir Gedanken darüber zu machen... es war für mich immer besser, alles so zu halten, wie man es gern von mir gesehen hatte... alles, worauf ich Einfluss gehabt habe, war für mich besser, als noch einmal... so eine... so ein... im Keller... ich...' Dann übermannten ihn seine Gefühle und Erinnerungen an seine Kindheit vor dem Tod seiner Eltern. Er vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Vereinzelte, unterdrückte Schluchzer waren als Begleitung zu dem krampfhaften Zucken seines Brustkorbs zu hören...

Also doch... Sie saß eine Zeitlang nur da wie vor den Kopf geschlagen. Es war entsetzlich, einfach nur krank! Und doch... eine so verzweifelte Tat. Es widersprach allem, was sie je gelernt oder geglaubt hatte, mehr noch,es war das schwerste Verbrechen nach dem Wenigen, das sie an Überlieferungen aus ihrem Heimatland kannte. Dennoch fühlte Erynn sich außerstande, den Stab über ihrem Begleiter zu brechen.
Das also ist deine Geschichte... Das ist die Wunde, die in deiner Seele schwärt. Vor unser aller Augen, mitten in Cheydinhal. Und niemand hat irgendwas gesehen, irgendwas bemerkt... Weil verflucht noch mal niemand irgendwas bemerken wollte! Heißer Zorn spülte durch ihren Kopf und ließ nur Verachtung übrig. Verachtung für sich selbst, Verachtung für die dummen, gleichgültigen Leute von Cheydinhal. Ja, es war eine furchtbare Tragödie... über die man sich ein paar Wochen lang das Maul zerreißen konnte, um dann zur Tagesordnung überzugehen. Aber wirklich zu handeln, einen Blick hinter das Augenscheinliche zu werfen, war wohl zu viel verlangt. Was hätte alles verhindert werden können, wenn wir uns nicht so bequem in unserem oberflächlichen Mitleid eigerichtet und stattdessen wirkliche Anteilnahme gezeigt hätten? Wie erbärmlich... wie endlos, unverzeihlich erbärmlich!
Es gab keine Worte, die sie hätte sprechen können. Keine Entschuldigung für sein Handeln, doch sie war sich sicher, daß Arranges auch keine Absolution suchte. Diese Bürde würde er tragen müssen, bis in den Tod und vielleicht auch darüber hinaus.
Erynn ging neben ihrem Begleiter auf die Knie, legte ihm einen Arm um den Rücken, die andere Hand in seinen Nacken und barg seinen Kopf an ihrer Schulter. "Ich gehe nicht weg", flüsterte sie, "gewiß nicht. Nicht nach allem, was wir durchgestanden haben..."

Arranges lehnte eine ganze Weile schluchzend an der Schulter der Dunmer. Irgendwann war er einfach nur noch erschöpft. Seine Tränen waren längts alle geweint und seine Stimme war rauh. Er löste sich aus den Armen der Dunmer, blieb aber direkt bei ihr sitzen. Ihm war kalt, aber es war eine andere Kälte, nicht jene, die er so einfach mit seiner Magie vertreiben konnte... Er fühlte sich schutzlos... Erynn aber schien eine Wärmequelle darzustellen, die diese andere Kälte auf Abstand hielt... Er dachte nichteinmal daran, irgendwie von der Dunmer abzurücken, ihre Nähe spendete so wunderbar warmen Trost. 'Nun weisst du, warum ich so... bin. Diese Geschichte war nicht nur Grundlage für die Gerüchte, die da kursieren, sondern ist auch gleichzeitig Aushängeschild für den Mentor Arranges Moryn... und trotzdem musste ich wie jeder andere auch, das Kaltblutritual durchlaufen...'

Erynn schwieg, während sie abwartete bis Arranges sich beruhigte. Ihre Gedanken wanden sich weiterhin auf verschlungenen Pfaden, die zu keinem Ziel führten. In dieser Sache schien es keine Antworten zu geben. Sie sah auf, als der Beschwörer wieder zu reden anfing. Er schaute sie nicht an, sondern blickte auf einen unbestimmbaren Punkt in der Ferne. "Ja", antwortete sie, nachdem er geendet hatte. "Zweimal." Dann zog sie die Augenbrauen leicht zusammen. "Was ist das für ein... Ritual?"

Arranges seufzte bei ihrer Frage. 'Dieses Ritual muss jeder Novize durchlaufen, sobald er von einem Meister anerkannt wird, den Titel eines Mentors zu tragen... Das Ritual ist Pflicht für jeden, es gibt keine Sonderregeln oder Ausnahmen... Das Ritual selbst dient dazu, Emotionen einfach abzuschalten... Mir wurde mal erzählt, dass jene, die sich zu Botschaftern machen lassen, dieses Ritual in häufiger Regelmäßigkeit durchlaufen... Das Ritual findet in einer Art kleinen Arena in den Ratshallen in Morrowind statt... Der Novize wird dabei von den Großmeistern so mit Zaubern vollgepumpt, dass er übernatürlich stark wird und eine heftige Aggressivität entwickelt. Ein Gefangener, meist irgendein Abtrünniger, wird in die Arena geschickt, vollgestopft mit Drogen, die die Angriffslust steigern. Der Novize muss den anderen nun umbringen... mit bloßen Händen... Man braucht dafür nicht zu überlegen, die Zauber zwingen einen dazu dies zu tun... Das Ergebnis, welches die Großmeister dabei sehen, sagt ihnen wohl, ob der Novize tatsächlich bereit ist Mentor zu werden oder nicht... Ich weiss nicht genau, was sie da wirklich sehen, ich weiss nur, dass... besondere Ergebnisse, ich vermute dabei, wie die Novizen töteten, nicht innerhalb der Gathering öffentlich kundgetan werden... Bei mir wurde das erste nicht offengelegt... das zweite nur halb... das allein ist aber oft schon Information genug... Ich mochte aber weder das erste Ritual, noch das zweite... viele hegen eine Abneigung gegen das Kalblutritual...'

Die Elfin stützte ihren Kopf schwer in beide Hände. Das wird ja immer schlimmer... Meine Güte, was für ein verdammter Saustall! "Aber die Gefühle werden nicht dauerhaft ausgelöscht... und nicht vollständig. Wäre dem so, wären die Leute, die es durchlaufen hätten, nur noch antriebslose, willenlose Schatten. Somit ist es mehr ein Kontrollinstrument, um die eigenen Leute auf Linie zu halten - durch Verstörung. Warum tut ihr euch das eigentlich alles an? Genügt es nicht zu wissen, daß sich jemand der Nekromantie verschreibt? Wohin sollte sich jemand mit dieser... Profession schon sonst wenden, wenn er nicht in Rattenlöchern hausen und gejagt werden will wie die Anhänger des Wurmkönigs?"

'Warum sich das andere antun weiss ich nicht, ich habe keine Ahnung, aus welcher Überzeugung heraus sich jemand anderes der Gathering anschließt und dieses Ritual durchläuft... Ich kann nur von mir sprechen... Während meiner Zeit als Schüler hatte sich eine recht große Leidenschaft für die Nekromantie entwickelt... Die Leidenschaft ist jetzt allerdings nur mehr ein Relikt aus diesen Tagen... jedenfalls war ich damals regelrecht beflügelt von dem Gedanken, Mentor zu werden... Der Weg dorthin führte nunmal durch die Arena, ich lehnte das Ritual ganz offenkundig ab und das ist unter Schülern, die Mentor werden, nichteinmal selten... aber es war eben ein notwendiges Übel... warum ich es ein zweites Mal machen musste lag wohl daran, dass ich als Mentor nach so vielen Jahren wieder etwas zu viel Menschlichkeit entwickelt hatte... Meister werden bei sowas nicht mehr mit dieser Sache behelligt... es gibt Meister, die Zeichnen, stundenlang vor ihrem Anwesen sitzen und ins Grüne starren oder schlicht abends mit ein paar Schülern zusammensitzen und sich über höchst philosophische Dinge unterhalten. Angehenden Mentoren, denen, die es schon sind und den Botschaftern wird diese Freiheit der Gefühle nicht gewährt... Novizen im Grunde auch nicht, aber sie werden eher als unbehauene Steine angesehen und so ist es von Meister zu Meister unterschiedlich, ob die jeweiligen Schüler zur Kälte erzogen werden oder nicht... Möglicherweise ist es ein Kontrollinstrument... aber selbst wenn, würde es meinen Posten als Mentor sichern, würde ich es wieder durchlaufen nur um bei der Gathering ohne nachfolgende Schwierigkeiten bleiben zu können...es ist wie du sagts Erynn... Ist man einmal dabei, kann man nirgendwo anders mehr hin...'

Erynn ließ den Atem in einem langen, langsamen Stoß entweichen. "Das ist in der Tat keine sehr umfassende Erklärung, aber vielleicht gibt es auch keine, wie das bei Traditionen häufig der Fall ist... vergiß am besten, was ich gesagt habe - es ist gefährlich so zu reden, vor allem in Zeiten wie diesen. Es ist einfach, wie es ist, nur... das ist alles so fremd für mich. Unter Kämpfern ist es närrisch, die Dinge komplizierter zu machen, als sie ohnehin schon sind. Man muß schnell handeln und schnell reagieren, und es kann tödlich sein, wenn der Kopf mit irgendwelchen Dingen belastet ist, welche die Aufmerksamkeit beeinträchtigen. Daher wohl das Klischee vom hirnlosen Schläger..." Sie zögerte kurz. "Es mag jetzt seltsam klingen, aber... hast du irgendwas Eßbares dabei? Ich habe seit vier Tagen nichts gegessen und wenn das so weitergeht, kippe ich gleich einfach um."

'Hmm... kämpfe ich dir also zu träge und langsam?' Fragte Arranges und ein spöttisches Grinsen huschte über sein Gesicht. 'Warte, ich werd mal sehen, was ich dabei habe...' Er stand auf und kramte kurz in den Satteltaschen. Als er sich wieder neben Erynn setzte - ungewöhnlich direkt neben sie, er schmiegte sich beinahe an ihre Seite - hielt er ihr den üblichen Reiseproviant hin. 'Ich würde dir ja gerne etwas anderes bieten...' Entschuldigend schaute er ihr in die Augen. Erynn war wohl trotzdem dankbar und nahm den Proviant an. Arranges blickte in die Flammen des Feuers, während Erynn aß. Er ertappte sich dabei, wie er zweimal einnickte... sein Körper forderte den Schlaf immer energischer ein. Beim dritten Mal wachte Arranges nicht mehr auf. Den Kopf auf der Schulter der Dunmer, schlief er schließlich friedlich ein...

Glannaragh
04.04.2011, 12:38
Erynn hing ihren eigenen Gedanken nach, bis leises Schnarchen sehr dicht an ihrem Ohr ihre Aufmerksamkeit einforderte. Du kannst wirklich überall schlafen, was? Das kann doch nicht bequem sein... Sie drehte die Schulter ein wenig und legte den Kaiserlichen auf dem Boden ab, strich ihm, einem Impuls folgend, ein paarmal durch das noch immer blutverkrustete Haar und schüttelte den Kopf über sich selber. Sie rannte mit einem mehr als nur leicht geschädigten Nekromanten durch die Gegend, und es störte sie nicht einmal. Ihrem Denken waren in letzter Zeit verwirrend viele Grauschattierungen hinzugefügt worden.
Irgendwann streckte sie sich dicht am Feuer aus und beobachtete den Nachthimmel, suchte nach ihrem Sternzeichen. Sie fand die Schlange schließlich in der Nähe des Magiers. Interessanter Zufall.

Langsam fielen ihr die Augen zu. Es war einfach zu viel gewesen in den letzten Tagen und ihr Körper war zu keinen weiteren Diskussionen bereit. Erst als sich bereits der erste Grauschimmer am östlichen Horizont erahnen ließ, schreckte die Elfin wieder hoch. Pferd und Ausrüstung waren noch da, darüber hinaus hatte sich offenbar niemand die Mühe gemacht, ihr die Kehle durchzuschneiden. Sie setzte sich auf, aß noch etwas und wartete darauf, daß Arranges aufwachte. Es war noch früh und recht kühl, als sie wieder in Richtung Kaiserstadt loszogen. Der Beschwörer führte den Rotfuchs am Zügel, trotzdem kamen sie auch zu Fuß recht schnell voran, jedenfalls wenn man das Gestolper durch die Wildnis mit vier verwöhnten Novizen im Schlepptau als Maßstab anlegte. Nachdem sie Weye hinter sich gelassen und die Brücke zur Kaiserstadt etwas zur Hälfte überquert hatten, fragte Erynn: „Wenn wir auf die Echse jetzt nicht mehr zählen können, wen willst du stattdessen nach dem Standort eines Tores fragen?“

weuze
04.04.2011, 13:30
'Hmm... Ich hätte eigentlich die Kundschafter der Legion fragen können, aber in Anbetracht der Situation und vor allem, weil dieses dämliche Gerücht mit dem Ritter kursiert, wollte ich das eigntlich nicht... da würden nur komische Fragen aufkommen und gegenüber Legionären wage ich es nicht, all zu dreiste Lügen zu erfinden... Es gibt noch einige andere Bekanntschaften von mir in ganz Cyrodiil, aber nach der Sache mit Gumora sollte ich ganz genau überlegen, welchen davon ich noch vertrauen kann...' Arranges führte seinen Fuchs den steilen Weg zum Haupttor und den Stallungen hunauf.

Erynn war direkt bei ihrem Wallach. Arranges lud während dessen den Rotfuchs ab und gab ihn in die Obhut eines Stallburschen. Mit den beiden Satteltaschen über den Schultern, wartete er auf Erynn. 'Der nächste Kontaktmann dem ich sehr sehr vielen Jahren immer vertrauen konnte, wäre eigentlich im Großen Forst zu finden... es ist... wieder ein Argonier,' er bemerkte, wie sich die Miene der Dunkelelfe verzog und hob abwehrend die Hände, 'keine Sorge, er ist ein Druide und uralt, ich glaube kaum, dass er großes Interesse an dir zeigen wird...' Sagte Arranges mit gespieltem Mitleid. 'Das Problem an der Sache ist nur das, dass er eher schwer zu finden ist, da er keinen festen Wohnsitz hat und sich auch nicht wie Gumora im Hafenviertel, die Hälfte seiner Zeit an einem bestimmten Ordt aufhält...' Arranges atmete erschöpft aus. 'Aber um ehrlich zu sein Erynn, ich würde ganz gerne mal wieder eine Nacht in einem ordentlichen Bett verbringen, etwas Gescheites zu essen haben und mich ein wenig waschen... wenn du nichts dagegen hast, könnten wir die Nacht vielleicht im Tiber-Septim Hotel verbringen... meinetwegen auch in einer anderen Herberge... ich zahle...'

Glannaragh
04.04.2011, 18:53
„Übertreib es nicht.“ Erynn grinste schief. „Zur Abwechslung bin ich nicht völlig abgebrannt, da kann ich auch für mich selber sorgen – vorausgesetzt, die schmeißen uns aus dem Nobelschuppen nicht gleich wieder raus“, setzte sie mit einem Seitenblick auf Arranges’ immer noch recht besudeltes Erscheinungsbild hinzu. Sie selbst sah nur wenig besser aus.
Nach einigem hin und her jedoch bekamen sie tatsächlich Zimmer vermietet; Septime waren und blieben einfach ein durchschlagendes Argument.
Beide verbrachten den Rest des Tages hauptsächlich damit, zu essen und herumzuhängen. Es war eine Erleichterung, die müden Knochen und arg beanspruchten Muskeln strecken zu können und ausnahmsweise mal nicht das Gewicht einer Rüstung auf den Schultern zu spüren. Die Dunmer brauchte eine Weile, bis sie sich an das große, dekadent ausgestattete Gebäude gewöhnt hatte. Die so penetrant zur Schau gestellte Noblesse erschien ihr wie Verschwendung und nervte sie mehr, als daß sie davon beeindruckt war. Der Speisesaal im Obergeschoß würde einen hervorragenden Übungsraum abgeben, wenn man die Tische an die Wand schiebt und den ganzen Tand aus dem Fenster wirft, dachte sie unwillkürlich und mußte grinsen. Ohnehin fielen sie zwischen den ganzen höhergestellten Persönlichkeiten, die sich hier eingenistet hatten, ziemlich auf. Jedenfalls kam es ihr so vor, was sie jedoch nicht davon abhielt, die Bequemlichkeiten zu genießen, die das Septimhotel ihr bot. Sie mußte ja nicht für lange hierbleiben.
Erynn verabschiedete sich schon recht früh am Abend. Sie war sauber, sie war satt und ihr war warm. Kein Grund, nicht auch zur Abwechslung einmal lange und bequem zu schlafen, ohne von Wetter oder Mücken geplagt zu werden und immer mit halbem Ohr auf die Umgebung zu lauschen. Es war wirklich fast unanständig luxuriös!

Am nächsten Morgen erwachte sie früh und natürlich mit schlechter Laune. Die Ereignisse der vergangenen anderthalb Wochen waren nicht spurlos an ihr vorbeigegangen und hatten sie in ihren Träumen heimgesucht. Nachdem sie sich etwas eine halbe Stunde lang gesammelt hatte, betrat sie voll gerüstet und abmarschbereit die Empfangshalle, setzte sich auf eine Bank in einer Ecke und streckte die Beine unter dem dazugehörigen Tisch aus. Träge betrachtete die Elfin das langsam zunehmende Treiben, während sie darauf wartete, daß Arranges sich bequemte aufzustehen. Also zurück in den Forst? Ich weiß ja nicht... einen einzelnen Druiden kann man da drin wirklich lange suchen. Sie überlegte. Parwen hat mal was von einem Tor irgendwo in der Westebene gesagt... Erynn verwarf den Gedanken wieder. Die Bosmer würde nicht locker lassen bis sie herausbekommen hatte, wozu ihre Freundin das würde wissen wollen.

weuze
04.04.2011, 20:02
Der Nekromant versuchte den Aufenthalt im Hotel irgendwie zu genießen, was ihm auch so lange gelang, wie er im Waschzuber saß, mit Erynn speiste und danach noch eine Weile mit ihr am Tisch saß und über belanglose Dinge sinniert. Doch sobald er die Tür seines Zimmers hinter sich ins Schloss warf, war es vorbei mit der Entspannung. Den Anfang machte sein Kettenpanter, der noch immer alles andere war, nur keine Schutz bietende Rüstung. Sein Schwert hatte bereits auch wieder so einiges abbekommen. Silber... Dachte Arranges und atmete genervt aus. Für die Suche nach dem Druiden im Forst brauchten sie außerdem Tränke. Der dichte Wald bot mehr und vor allem schlimmerere Gefaharen, als die Straße oder das größtenteils offene Colovia oder die Goldküste... Arranges war sich im Moment sogar nichteinmal sicher, ob der Große Forst möglicherweise grausamer war als der Dunkelwald... Vor allem... wie finde ich den alten Harchaxas dort überhaupt... die einzige Möglichkeit wäre eigentlich, in Bleichersweg nachzufragen, ob er dort unlängts durchgekommen war... Der Kaiserliche lag die halbe Nacht lang wach und überlegte hin und her... Er kam zu keinem brauchbaren Ergebnis, der Druide war ihre einzige Möglichkeit, ohne größeres Aufsehen an die Information eines Torstandorts zu kommen... Was aber neben dieser Sache ebenfalls noch für eine praktisch schlaflose Nacht sorgte, war die, dass die Abtrünnigen mittlerweile sogar bescheid wissen konnten, was die Siegelsteine anging. Es wäre nicht unwahrscheinlich, wenn sie Gumora für eine kleine Summe noch einige Informationen entlockt haben könnten - und wäre es nur die einzige die er hatte, nämlich, dass der Nekromant gezielt nach Toren fragte. Herauszufinden, dass der Argonier eine Bekanntschaft und Informationsquelle für Arranges darstellte, war schließlich nicht sehr schwer. Wenn das hier alles vorbei ist, werde ich Gumora töten lassen... Selbst nach dieser hinterhältigen Echse zu suchen, wäre Zeitverschwendung gewesen... das sollte jemand machen, der beruflich sowieso nichts anderes tat, als irgendjemandem, dessen Name auf einem Zettelchen stand, mit einer Summe darunter, nachzustellen... Irgendwann schlief Arranges dann doch ein, allerdings hatte er einen nur unzureichend erholsamen Schlaf.

Als er am nächsten Morgen gerüstet unten in die große Empfangshalle trat, der Vormittag war schon fortgeschritten, sah er Erynn gelangweilt in einer Ecke sitzen. Er versuchte seine Müdigkeit zu verbergen, indem er lächelte, als er ihr einen guten Morgen wünschte. 'Wir können sofort gehen... allerdings...' er setzte sich neben sie auf die Kante der Bank und senkte die Stimme etwas, 'muss mein Kettenhemd dringend repariert werden... ich würde es begrüßen, wenn du das machen könntest, ich mochte den groben Schmied im Marktviertel noch nie...'

Glannaragh
04.04.2011, 21:58
„Kann ich machen. Allerdings brauche ich immer noch Kettenringe dafür.“ Sie sprang auf, wobei man der Elfin deutlich ansah, daß sie froh war aus dem piekfeinen Laden wegzukommen.
Also machten sie sich auf den Weg ins Marktviertel, um Verpflegung und Ausrüstung zu besorgen. Der Vorteil war unbestreitbar, daß sie danach sofort aufbrechen konnten und nicht darauf warten mußten, daß der niedergelassene Schmied seine Arbeit beendet hätte. Erynn würde sich darum kümmern, wenn sie die nächste Rast einlegten.
Es wurde später Vormittag, bis sie schließlich an den Ställen ankamen. Die Kaiserstadt, so stellte die Dunmer nicht zum ersten mal mißmutig fest, war nicht nur gnadenlos verbaut, sondern auch so ausgedehnt, daß man sich schier die Hacken ablatschte, wenn man vom einen Ende zum anderen und zurück mußte. Sie verstand nicht, was andere Leute daran fanden. Das Ding hockte störend wie ein stinkendes Geschwür in der Mitte des Rumaresees und verschandelte die Landschaft auf Meilen hinaus. Egal, wo man geade unterwegs war, irgendwie fiel der Blick immer auf diese gepuderte, parfümierte Kloake.

Falchion begrüßte sie freudig. Das Pferd war gut gepflegt und ausgeruht und es wirkte, als könne es kaum erwarten, wieder etwas Bewegung zu bekommen. Die Kriegerin zauste seine Mähne, als sie es durch das Gatter auf die Straße lenkte. Nachdem sie Weye hinter sich gelassen hatten, trieben sie die Tiere zu einem flotten Trab und folgten dem weiten Bogen der Ringstraße nach Osten.

weuze
04.04.2011, 22:40
Die weitere Reise verlief ohne weitere Zwischenfälle. Ein Rappenkurier und zwei berittene Legionäre kamen an ihnen vorbei, aber sonst tat sich nichts um sie herum. Es war nach den vergangenen Tagen fast ein wenig seltsam. Nicht nur, dass Arranges immer wieder daran dachte, dass er einen Botschafter einfach getötet hatte, sondern auch die Tatsache, dass er Erynn aus den Fängen der Abtrünnigen befreit hatte. Er fühlte sich im Gegensatz noch zu vor dem Überfall auf Parlovars Anwesen fast ein bisschen zu mächtig. Zudem kam noch, dass Erynn einen sehr tiefen Einblick in seine Erinnerungen bekommen hatte. Schon komisch... vor knapp drei Monaten noch wäre mir im Traum nicht eingefallen, jemandem, die Großmeister ausgenommen, viel mehr von mir zu erzählen, als dass ich ein Magier wäre... in Ausnahmefällen auch Nekromant... Erynn war mittlerweile sehr viel mehr, als eine Begleiterin... Nienna hatte Arranges bis jetzt immer mit seinem Rotfuchs gleichgestellt, Drimofinya vielleicht auch noch... die Dunkelelfe jedoch stand bereits deutlich über dem Tier. Das war ihm bewusst geworden, just in dem Moment, als sich die Entführungspläne beinahe zur Gänze aufgedeckt hatten, als er den Brief aus der Tasche des Botschafters zog...

Die Nacht brach herein, als sie den Bogen nach Osten hinter sich hatten und in einiger Entfernung die Ortschaft Bockbierquell sehen konnten. Arranges hatte wirklich nur sehr wenig Lust, in dieser Taverne Quartier zu beziehen. Sie ritten weiter, bis sie an der Weggabelung bei Sercen angekommen waren. Das Wetter hatte mittlerweile umgeschlagen und von Süden zogen dicke Wolken herauf, in deren dunklen Innereien bereits Blitze zuckten. Bockbierquell wäre vielleicht doch die bessere Idee gewesen... Sie hielten Abstand zu der Ayleidenruine, schlugen sich westlich der Straße, die hinauf nach Bruma führte, in das Unterholz des beginnenden Waldes. Auf einem breiten Felsen, der aus den steilen Hängen herausstach, den sie über einen ausgetrampelten Pfad erreichten, schlugen sie ihr Lager auf. Der Lagerplatz war eine dämliche Idee, wie Arranges und wohl auch Erynn nicht ganz eine Stunde später grummelnd feststellten. Direkt an die Front des Felsens klammerte sich zwar eine breite Kiefer. Jedoch bot sie weder Schutz vor dem Wind, der ihnen jetzt, da das Unwetter sie erreicht hatte, schneidend um die Ohren pfiff, noch vor dem Regen, der sie Minuten, nachdem er einsetzte, bis auf die Haut durchnässt hatte.

Die Pferde standen mit hängenden Köpfen dicht am nördlichen Hang beieinander, während Arranges darum bemüht war, das Feuer, das er vor dem Gewitter entfacht hatte, am Laufen zu halten. Und das nur für einen Lagerplatz, der halbwegs troll- und ogersicher ist...

Glannaragh
05.04.2011, 15:19
Erynn warf den Sturmwolken einen bitterbösen Blick zu und zog die Kapuze über ihren Kopf. Von Arranges erfuhr sie, daß sie zu einer kleinen, sehr abgelegenen Siedlung namens Bleichersweg unterwegs waren. Sie kannte das Dorf nicht, kannte sich in dieser Gegend ohnehin kaum aus. Der Wald um Cheydinhal und um die Goldstraße herum war ihr vertraut, doch die steilen Hänge hier, die sich zum Jerallgebirge hinaufzogen, waren unbekanntes Land. Der Beschwörer meinte, es sei nicht mehr weit bis zu der Ansiedlung, aber sie stimmten beide darin überein, daß es zu gefährlich sei zu versuchen, das tückische Gelände bei Dunkelheit mit den Pferden durchqueren zu wollen. Zu leicht konnte eines von ihnen auf den glitschigen Steinen ausgleiten oder über eine Wurzel stolpern und sich dabei alle Knochen brechen. Die Elfin beschloß, Wind und Regen einfach zu ertragen, gab es doch ohnehin nichts, was sie dagegen hätte unternehmen können. Langsam erhöhte sie ihre Körpertemperatur und sperrte so zumindest die Kälte aus, blieb allein die nervtötende Nässe, die sich schwer und scheußlich auf die Haut legte.

Sie grübelte über die letzten Tage nach, wieder einmal. Die Entführung hatte irgendetwas aus ihr herausgerissen und ein häßliches Loch hinterlassen, das nicht minder verstörend wirkte als der rein körperliche Verlust ihres kleinen Fingers. Es dauerte eine Weile, bis sie darauf kam, was es war: Das Gefühl des Ausgeliefertseins, des totalen Verlustes jeglicher Handlungsmöglichkeiten. Hilflos weggeführt zu werden wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geht. Hinzu kam der bittere Geschmack des Verrats, der sie vielleicht nicht direkt betraf, wohl aber ihren Begleiter, den sie längst so liebgewonnen hatte. Die Geschehnisse seit dem Angriff des Ogers verstärkten diese Empfindung nur noch.
Ein Teil ihrer Seele war verlorengegangen, unwiederbringlich. Mit diesem Teil war eine Grenze verschwunden, deren Sinn und Nutzen sich schlicht in Luft aufgelöst hatte. Nachdenklich betrachtete sie die breite, helle Narbe in ihrer Handkante. Ebenso müßte sie den Riß in ihrem Inneren verschließen, oder es würde ewig schmerzen. Aber nicht mit Feuer, sondern mit Eis. Fast bedauerte sie, daß Geshrak und Remogius so schnell gestorben waren, ohne daß sie eine Möglichkeit gehabt hatte, die Machtverhältnisse umzukehren und so ein neues Gleichgewicht zu schaffen. Erynn ließ es schließlich zu, daß ihr Kopf den Gedanken ungeschönt ausformulierte: Ohne die Möglichkeit, Rache zu nehmen...
In diesem Moment konnte sie Arranges’ Furcht davor, die Kontrolle zu verlieren, nur zu gut nachvollziehen - sie mußte eine Möglichkeit finden, das Gleichgewicht wiederherzustellen, oder die Demütigung würde sich auf ewig in ihrem Herzen festbeißen. Da ihre Entführer tot und somit außerhalb ihrer Reichweite waren, blieb nur noch der Argonier. Sie hob den Blick und sah den Beschwörer an. „Arranges? Ich will, daß du Gumora in Ruhe läßt. Die Echse gehört mir.“

weuze
05.04.2011, 19:56
Fragend blickte Arranges zu Erynn hinüber. Was hat sie denn jetzt vor... Arranges schüttelte leicht den Kopf. 'Ich bin gespannt, wie du das anstellen willst... Gumora hat dir einiges Voraus, er kennt das Land, wie kaum ein Zweiter, wenn er nicht gefunden oder verfolgt werden will, ist es praktisch nicht möglich, ihn zu finden, außer er selbst verrät dir durch irgendeinen Hinweis, wo er gerade ist... zudem... seit wann verspürst du Rachegelüste...?'

"Ich kann jagen, Arranges. Seit ich ein kleines Kind war. Wenn es eine Fährte gibt, und es gibt immer eine, finde ich sie. Ich werde ebenfalls sagen können, ob sie echt ist oder mit Absicht gelegt wurde." Das letzte war eine recht optimistische Einschätzung. Für gewöhnlich Banditen mochte das stimmen, bei einem Kundschafter konnte sich die Sache durchaus anders darstellen. Dennoch würde es sie nicht davon abhalten, den verdammten Molch zu suchen. Sie atmete einmal tief durch. "Bisher war mir vor allem wichtig die Verräter zu bekämpfen, weil ich darum fürchtete was geschehen mag, wenn Unbeteiligte von diesem Krieg Wind bekommen. Aber jetzt nicht mehr." Sie fluchte ausgiebig und fuhr dann mit ziemlicher Heftigkeit fort: "Wie können sie es wagen, mich verschleppen zu wollen! Was gibt ihnen das dreimal verfluchte Recht, mir ihren Willen aufzuzwingen? Jetzt ist es eine persönliche Sache. Ich lasse mich vo