Seine Begleiter steuerten auf ein kleines Haus neben dem Osttor zu und verschwanden darin, und Milan tat es ihnen gleich.
Drinnen musste er erst einmal verarbeiten, was er hier sah. Sicher, er war jetzt nach den Tagen in dem Nobelschuppen namens Tiber-Septim-Hotel verwöhnt, aber diese drückende Enge des Gastraumes war doch ein ganz schöner Abstieg, befand der Rothwardon. Während sich Arranges und Meryann an's Feuer stellten um sich erst einmal aufzuwärmen, erspähte Milan lediglich einen Rundtisch in der Mitte, der noch frei war und drei Plätze zählte. zwei Tische, ganz große Klasse, dachte sich der Rothwardon und steuerte darauf zu. Dabei fielen ihm die Gestalten links an dem anderen Tisch auf, vier Stück an der Zahl, welche die Neuankömmlinge kritisch musterten, sich dann aber wieder auf sich selbst konzentrierten und lachten und tranken. Milan ließ sich an dem Rundtisch nieder, hängte wie immer seinen Mantel und das Schwert über die Lehne und betrachtete dabei Meryann, welche am Feuer stand, von hinten. Mit einem Ohr hörte er jedoch den Leuten am Tisch hinter sich zu, welche mittlerweile etwas lauter wurden und sich gegenseitig piesackten wer denn der Stärkste von ihnen wäre, bis schließlich einer, der Stimme nach ein Nord, lauthals ein Wettkampf im Armdrücken vorschlug. Milan lächelte in sich hinein und musterte weiterhin Meryanns Rückseite, dabei stellte sich ihm aber die Frage, wo denn der Wirt blieb.

Als ihre Finger wenigstens wieder soweit aufgewärmt waren, dass sie sie wieder fühlen konnte, drehte sie sich wieder um und sah, dass Milan an dem einzig freien Tisch hinter ihr saß und sie ansah. Sie legte ebenfalls ihre Sachen ab, hängte den Mantel über die Lehne und setzte sich. Die Wärme des Feuers konnte sie immer noch spüren, und sie hatte es auch nicht in ihrem Rücken, sondern leicht seitlich. Sie sah sich suchend nach dem Wirt um, konnte jedoch niemanden entdecken, der danach aussah. Die Gestalten am zweiten Tisch wurden inzwischen lauter und der Nord schlug schließlich eine Runde Armdrücken vor. Die anderen am Tisch stimmten begeistert und ebenso lautstark zu, und die nächste Diskussion entbrannte, wer denn gegen wen anfangen sollte. Sie sah zu Milan, der seinen Mantel ausgezogen hatte und mit bis zu den Schultern nackten Armen da saß. Meryann schüttelte es bei dem Anblick erstmal, war ihr doch noch nicht ansatzweise warm geworden, sie fühlte sich nur nicht mehr halb erfroren. Schade, ein warmes Bad wird’s hier nicht geben.., dachte sie sich, während sie etwas abwesend Milan betrachtete.

Arranges hatte das Gespräch ebenfalls mitbekommen. Er allerdings blieb noch kurz vor dem Kamin stehen. Dann drehte auch er sich zu seinen Begleitern um. Sie saßen an einem runden Tisch, dem einzigen, welcher noch frei war. In dem kleinen Gastraum gab es nur diese beiden. Ein Wirt würde noch fehlen... Arranges gesellte sich zu seinen Gefährten und ließ sich auf den freien Stuhl fallen. Er dachte nicht daran, irgendetwas von seiner Ausrüstung abzulegen, stattdessen lehnte er sich zurück, legte die Hände in den Schoß und starrte gedankenverloren auf die Tischplatte. Hier hat alles seinen Lauf genommen... gekommen bist du als unfähiger Amateur, gegangen bist du als Meister... Er erinnerte sich weit zurück, an die Anfänge seiner Karriere, kurz nachdem er aus Cheydinhal fortgegangen war.

Milan verschränkte die Arme und lehnte sich zurück, als Meryann und schließlich auch Arranges an den Tisch kamen und sich setzten. Das provozierende Gerede hinter sich hatte er sehr wohl vernommen, anscheinend versuchten sich die Leute gegenseitig anzustacheln und kamen nicht so wirklich zum Punkt. Aus ihren Stimmen ließ sich heraushören, dass sie wohl schon einige Krüge intus hatten, so steigerte sich auch dementsprechend die Lautstärke. "Habt ihr einen Wirt gesehen?", meinte Milan zu der Bretonin und dem Kaiserlichen vor sich und schaute sich nochmals suchend um, aber niemand war zu entdecken. Gerade wollte er sich zu den Männern hinter sich umdrehen und sie fragen, als er einen Satzfetzen aufschnappte, der ihn in der Bewegung verharren ließ. "...vielleicht will die Wüstenratte mit den Fransen dort drüben mitmachen...Ach ne, vergiss mal, die haben schon früher immer nur Prügel bezogen und tun es auch heute noch...". Der Rothwardon dachte einen Moment lang über die Worte nach; sie zielten eindeutig auf den Konflikt zwischen Himmelsrand und Hammerfell ab; besonders kreativ waren sie dabei nicht vorgegangen, aber es reichte, dass Milan sich wieder zu seinen Begleitern umwandte und leicht schmunzelte. "Vielleicht fragt lieber einer von euch...", meinte er kurz angebunden und sah etwas amüsiert aus; hinter dieser Fassade aber arbeitete es gehörig, und der Bestienjäger mahnte sich zur Ruhe.

Meryann hatte noch keinen Wirt gesehen, da drehte sich Milan auch schon zu dem anderen Tisch. Den Kommentar von dort hatte sie ebenfalls gehört. Bitte, keinen Ärger, nicht jetzt. Milan hatte es anscheinend auch nicht vor, denn er wandte sich wieder Arranges und ihr zu. Auf seine Frage sah sie kurz zu dem Nebentisch und malte sich ihre Chancen auf eine ernsthafte Antwort aus. Diese schienen ihr gleich Null, und so sah sie fragend zu Arranges. Er hatte eindeutig die bessere Art, Leute anzusprechen. Meistens jedenfalls, dachte sie sich leicht amüsiert als sie an den Morgen in der Höhle dachte.

Arranges war total in Gedanken versunken und bekam den Kommentar nur mit einem Ohr am Rande mit. Als Milan sie aber ansprach, hob er den Kopf und ließ die Augen von ihm zu Meryann wandern. Als auch sie ihn nur fragend ansah, überlegte er kurz. Seine Laune war längst nicht mehr so angriffslustig und zornig wie am Morgen, inzwischen war er sogar richtig gut aufgelegt, was sich in einem gewohnt etwas müden Ausdruck seines Gesichts spiegelte. Er erhob sich etwas schwerfällig und drehte sich zu dem Nachbartisch. Dann ging er die zwei Schritte auf die kleine Gruppe zu. Die Gäste kümmerten sich nicht wirklich um ihn, sie sahen nicht auf und ließen sich auch nicht stören. Arranges sah sich noch einmal suchend im Raum um, überlegte kurz, dann machte er einen längeren Schritt nach hinten, griff nach seinem Stuhl und schob ihn zwischen zwei der Gäste an den Tisch. Die 4 Gestalten saßen recht breit gefächert an dem Tisch, sodass er sich ohne einen von beiden anzurempeln, zwischen sie setzen konnte. Die Gäste und der Wirt, von dem Arranges noch nicht wusste, dass er der Eigentümer hier war, verstummten augenblicklich und sahen auf. Langsam ließ sich Arranges nieder und sah einen nach dem anderen kurz an. 'Meine Herren, ich und meine Begleiter,' er deutete mit dem Daumen über die Schulter nach hinten,' haben heute schon einen langen Weg hinter uns und bräuchten nun dringend die Hilfe eines Wirts, der uns dabei hilft, die etwas trockenen Kehlen zu schmieren.' Zwei Nords und zwei Kaiserliche saßen an dem Tisch, alle recht kräftig und im Stehen wohl um einiges größer als Arranges, aber jetzt fiel die unterschiedliche Statur nicht unbedingt auf, da der Nekromant noch seine gesamte Montur am Leib trug. Der nordische Wirt lachte auf und sah Arranges scharf an. 'So, die Pfeife aus dort traut sich also nicht was?' Er nickte in Richtung von Milan. Arranges wollte gerade antworten, da schlug ihm ein Kaiserlicher rechts von ihm freundschaftlich, aber kräftig auf den Rücken und lachte dabei süffisant auf. 'Naja, wenn der Schmahlspurfechter nicht will, dann kann man nichts machen, Feiglinge und Unfähige werden von uns verschont, schließlich suchen wir ordentliche Herausforderungen.' Verdammt, ich weiß schon auf was das hinausläuft... Ihm blieb kurz die Luft weg, aber er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. 'Nun, wäre ich denn Herausforderung genug?' Der Wirt blickte ihn etwas erstaunt an, ihm war im Gegensatz zu den anderen wohl nicht entgangen, dass der Magier etwas schmächtig gebaut war. 'Ihr könnt es ja mal damit versuchen, euch euer Gesöff zu verdienen...' Meinte er dann grinsend. Er stellte den Ellenbogen krachend auf dem Tisch auf und forderte Arranges stumm zum Armdrücken. Genau das wollte ich vermeiden... Aber ihm blieb jetzt kaum mehr eine Wahl, also griff er nach der Pranke des Nords. Die sehnige Hand des Kaiserlichen verschwand in der schwieligen Extremität des Nords. Sie sahen sich beide konzentriert an und auf ein stummes Signal hin, begannen beide zu drücken. Der Nord hatte die Kraft eines Bären, welche gegen die Ausdauer des Nekromanten stand. Zaubern? ... Nein, schlechte Idee... Arranges hielt so gut es ihm möglich war, dagegen, aber er hatte nicht den Hauch einer Chance. Gähnend langsam, aber beständig, näherte sich seine Hand der Tischplatte. Die Umsitzenden sahen gebannt zu. Einige Augenblicke konnte Arranges der Kraft des Nords Einhalt gebieten, aber dann schlug die Hand des Kampfmagiers laut auf dem Holz auf. Der Nord öffnete seinen schraubstockartigen Griff und lachte schallend. 'Ihr seid kein gewöhnlicher Reisender oder? ... Ein wenig mehr und anspruchsvolleres Training und ein paar Kampfeinheiten mehr, dann wäre das hier anders gelaufen!' Meinte er lobend. Auch von den anderen kassierte Arranges anerkennende Blicke. Ja das ist toll, dass ich das weiß, meine Hand wird das aber nicht wieder heil machen... Der Aufschlag auf der Tischplatte war so stark und heftig gewesen, dass es das Handgelenk wohl irgendwie gestaucht haben musste. Aber er ließ sich nichts anmerken. 'Ihr habt euch einen ordentlichen Schluck mehr als verdient... auch eure Begleiter... wer mit so einem unterwegs ist, muss wohl einen anstrengenden Weg hinter sich haben, auf der Straße ward ihr sicher nicht unterwegs, da wäret ihr vermutlich eher eingeschlafen vor Langeweile...' Der Nord lachte wieder, erhob sich und ging zur Bar. Dort machte er sich daran etwas zu suchen. Arranges grinste etwas unsicher in die Runde, stand dann auf, wobei er versuchte nirgends mit der Hand hängen zu bleiben. Er zog den Stuhl hinter sich her und setzte sich wieder zu seinen Gefährten. Ausgerechnet die Schwerthand... Dachte er zähneknirschend, während er sich das leicht gerötete Handgelenk sanft massierte und nach etwaigen äußerlichen Verletzungen suchte. Er sah auf und warf seinen Begleitern einen Blick zu, da kam auch schon der Wirt vorbei und in einer Hand drei irdene Krüge, in der anderen ein kleines Fässchen. 'Ein herausragender Tropfen... besten Met aus Himmelsrand importiert! Das geht natürlich aufs Haus!' Damit stellte er alles ab. 'Wenn ihr etwas essen wollt, müsst ihr euch gedulden, ich muss erst vorheizen...' Der Nord verschwand wieder. Arranges grinste kurz schief in die Runde, dann widmete er sich wieder seinem Handgelenk.

Große Reden schwingen können sie alle, dabei sind diese Knallköpfe in ihrem armseeligen Leben höchstwahrscheinlich nicht mal in der Nähe der Hammerfell-Himmelsrand-Grenze gewesen. Sie haben nicht gesehen, wie sich ein paar Rothwardonen gegen eine ganze Gruppe Nords gestellt haben, weil es ihnen ihr Stolz gebührte. Und auch heute noch kämpfen sie gegen diese Barbaren aus dem Norden. Gut, ich liefere ihnen jetzt gerade einen Grund, uns für feige zu halten, aber das sollte mir egal sein, gerade weil ich es mit solch unwissenden Vollidioten zu tun habe. Warum also macht mich das so sauer.... Das Gegröle an dem Tisch und die Spitzen gegen seine Person hatte er inzwischen ausgeblendet, da er sich darauf konzentrierte, nicht vollkommen die Beherrschung zu verlieren.
Als sich dann Arranges wieder zu ihnen an den Tisch gesellte, hatte Milan immer noch die Arme verschränkt und saß angespannt da, wie als müsste er sich beherrschen, was auch wirklich der Fall war. Dennoch zwang er sich zu einem freundlichen Lächeln Richtung des Kaiserlichen. "Ich danke euch...", presste er hervor und nickte knapp. Dann trat plötzlich der Wirt an den Tisch mit drei Krügen in der Hand und einem Fässchen unterm Arm und posaunte hocherfreut seine Lobpreisungen für das Gesöff aus seiner Heimat heraus. Danach fragte er nach Essen. Milan schwieg dazu, ihm war der Appetit vergangen. Diese süße Brühe als herausragenden Tropfen zu bezeichnen ist jetzt der Gipfel. Wahrscheinlich stammt das Zeug aus irgendeinem feuchten Keller und kennt Himmelsrand nur vom Hören. Milan ließ den Krug achtlos auf dem Tisch stehen und blickte von Arranges, welcher sich mit seinem anscheinend lädierten Handgelenk beschäftigte, zu Meryann; er sagte kein Wort. Wenn mich jetzt noch einer von denen einmal persönlich angeht, fliegen die Fetzen..., nach außen hin aber zeigte sich Milans Gesicht ausdruckslos.

Meryann hatte die Szene am Nebentisch beobachtet, auch wie Arranges Hand auf den Tisch geschlagen war. Wenigstens war sein Einsatz nicht umsonst, an dem Tisch saß tatsächlich der Wirt und brachte ihnen gleich ein Fässchen Met. Milan schwieg immer noch und schien sich nur mühsam beherrschen zu können. Der Nord hatte eigentlich keinen Grund, so große Töne zu spucken, die Nord waren auch nicht immer ganz ehrenhaft gewesen, waren die Bretonen doch von ihnen Verraten worden, ausgerechnet an die Kaiserlichen. Meryann interessierten solche Andeutungen eigentlich kaum, vor allem wenn derjenige der sie vom Stapel lies nie in der Nähe dieser Schlachten gewesen war oder noch nicht einmal geboren worden war. "Danke.", sagte sie lächelnd zu Arranges. Um sein Handgelenk konnte sie sich später kümmern, wenn er wollte, das wäre hier jetzt wenig geschickt gewesen. Dann sah sie wieder zu Milan. Sie überlegte sich, wie sie am besten ein Gespräch beginnen könnte, ihr fiel aber nicht wirklich etwas ein. Sie sah Milan nur stumm in die grauen Augen, bevor sie schließlich in die Runde fragte: "Schon irgendwelche Pläne für morgen?"

Arranges sah fragend zu Milan, der sich wohl etwas schwer tat, über die Anspielungen der Nords hinweg zuhören. Er selbst hatte nicht wirklich Hunger, auch war ihm nicht wirklich nach Met im Moment. Er dachte kurz an das Trauma, nachdem sie das Randland der Inseln wieder verlassen mussten und er sich dort auch auf eine Stauchung zweier Fingerknöchel und einem angeknacksten Handgelenk hin, den ganzen Arm gebrochen hatte. Naja, wenigstens habe ich die Aussicht auf ein warmes Bett, bevor sich das wiederholen könnte. Er schielte kurz zu Meryann. Ob sie sowas wohl auch richten kann? Mittlerweile war er ja tatsächlich soweit, sich auf ihre Heilmagie einzulassen, wenn auch nicht immer ganz mit dem Einverständnis seines Gewissens, oder vielmehr seines Stolzes. 'Möglicherweise haben die Mönche in der Kapelle oder auch die Gräfin Carvain selbst, einen Auftrag für uns... um eine umständliche Audienz zu umgehen, könnten wir dahingehend auch einfach eine Wache im Schloss fragen... sonst würde mir hier auch nicht mehr einfallen, als das herrliche Wetter und die gute Bergluft zu genießen...' Noch während der Kaiserliche sprach, standen die verbliebenen drei Gäste vom Nachbartisch auf und gingen zur Tür. Einer der Nords brüllte in die Richtung, in die der Wirt zuvor in einer Tür verschwunden war: 'Bis morgen...'
'Wenn ich wieder Beschwerden von den Wachen bekomme, dass du betrunken im Dienst warst, gibt’s hier morgen nichts mehr für dich.' Kam als Antwort. Darauf folgte ein kehliges Lachen von beiden Seiten, dann waren die Gäste weg.

Milan hatte die Abreise dieser Knallköpfe wohlwollend zur Kenntnis genommen, nur dieser Wirt da behagte ihm gar nicht. Warum war ihm nicht schon vorher klar gewesen, dass eine Stadt, die im Norden von Cyrodiil und quasi an der Grenze lag, als Zufluchtsort für Nords diente? Sehr viel mehr als solche Kommentare waren von diesen schließlich nicht zu erwarten, und Milan würde sich das wohl noch eine ganze Weile anhören dürfen; mindestens solange wie der Aufenthalt hier dauerte.
Dann folgte der Rothwardon dem Gespräch von Meryann und Arranges. Aufträge? Das klingt, als ob er uns hier als furchtlose Gruppe sieht. Als Gruppe. Dabei dachte ich, dass die beiden hier nach Lust und Laune durch die Welt ziehen und nicht wie unsereins einen Auftrag nach dem anderen annehmen. So kann man sich täuschen. Milan rührte den Met immer noch nicht an, das hatte aber nichts mit seiner Abneigung gegen den Wirt zu tun; vielmehr erinnerte er sich schauderhaft an seinen Aufenthalt in Himmelsrand zurück. Er trank dieses Gesöff, sicher, aber nur wenn es nichts anderes gab. Allerdings fragte sich der Bestienjäger gerade, wie der Wirt auf eine Nachfrage nach einem anderen Getränk reagieren würde. Er war sich sicher, dass dieser Kerl wieder eine Spitze loslassen würde, wenn nicht sogar noch mehr, und dann würde es hier gehörig scheppern. So blieb Milan etwas entspannter sitzen, ignorierte das Getränk und meinte zu Meryann gewandt: "Nein, ich habe keine Pläne, aber wie Arranges schon sagte, irgendwo wird sich etwas finden lassen. Was allerdings ein Geistlicher uns anzubieten hätte außer die Reliquien in der Kapelle abzustauben oder irgendwelche Totenbeschwörer zu beseitigen weiß ich auch nicht...".

"Das Klima ist vermutlich nicht einmal so schlecht für Totenbeschwörer.", antwortete Meryann. Als Arranges von Aufträgen gesprochen hatte, kam ihr wieder ins Bewusstsein, dass sie langsam aber sicher auch wieder zu Geld kommen musste. Die Chancen wären in der Kaiserstadt eindeutig besser gewesen, aber jetzt waren sie hier. Sie selbst suchte selten planvoll nach Arbeit, irgendwo ergab sich schon immer eine Gelegenheit, wenn sie Geld brauchte. Sie schob ihren Becher zu Arranges, neben dem das Fässchen auf dem Tisch stand. "Würdet ihr bitte?" Milan und er schienen etwas gegen Met zu haben, jedenfalls hatte keiner von beiden bis jetzt seinen Krug gefüllt. "Ich werde mir wohl die Kapelle ansehen...", sagte sie schließlich noch.

Ich hoffe, dass sich etwas ergibt, ohne, dass wir Aufträge offiziell annehmen müssen... sowas bringt meistens Aufsehen mit sich, das ich nicht gebrauchen kann und nicht haben will... Der Vorschlag von ihm, sich entweder bei den Priestern oder der Gräfin nach eventuellen Aufträgen zu erkundigen, die normalerweise für Söldner und dergleichen gedacht waren, war im Prinzip nur die erste Eingebung von Arranges, die er als Antwort auf Meryanns Frage, hernahm. Bei dem weiteren Einwurf von Milan und dem darauffolgenden Kommentar der Bretonin merkte Arranges auf, in seinem Kopf läuteten Alarmglocken und er musste direkt wieder an den Abend im Hotel der Kaiserstadt denken, als er einen über den Durst getrunken hatte. Er konnte sich einfach nicht klar daran erinnern, was er dort gesagt hatte. Aber er war sich sicher, das Thema Nekromantie nie so offen angesprochen zu haben und vor allem nicht im Zusammenhang mit seiner Person im Gespräch mit Milan. Ja richtig, das Eis erhält die Toten... wäre schlecht für mich, wenn ich hier in nächster Zeit vielleicht bald wieder allein reisen müsste... Aber Arranges wusste nicht, was Milan wusste oder was Meryann mit ihrem Kommentar sagen wollte. Und solange das so war, beschloss er erstmal abzuwarten, schließlich hatte er sich schon einmal ein wenig getäuscht und in der folgenden Aktion sauber verschätzt. Als Meryann ihm ihren Krug hinschob, ließ Arranges die Rechte erst einmal auf seinem Schoß ruhen, während er den Becher unter einem kleinen, grob geschmiedeten Hahn aus einer Bronzelegierung auf halber Höhe des Fässchens, positionierte. Vorsichtig drehte er auf und füllte den Krug, dann schob er ihn Meryann wieder zu. 'Die Kapelle wird wohl die bessere Wahl sein, auch wenn die Aufträge, die wir dort bekommen könnten, vermutlich eher unspektakulär sein werden... Die Gräfin, ich selbst habe sie noch nie wirklich persönlich getroffen, wohl aber ihren Haushofmeister, soll anscheinend eine leidenschaftliche Sammlerin von Akaviriartefakten sein. Ich weiß nicht, was ihr über die Akaviri wisst, ich selbst weiß nicht sehr viel. Durch Gerüchte wurde mir allerdings öfter schon zugetragen dass die Gräfin hin und wieder mutige Recken als Schatzjäger ausschickt, die hinterher entweder gar nicht mehr gesehen wurden oder wenn doch, erst nach einer sehr langen Zeitspanne und zugerichtet, als wären sie ein halbes Jahr planlos in der Wildnis umhergestreift...' Der Wirt trat wieder in den Schankraum und kam an ihren Tisch. 'Der Herdofen wäre jetzt warm, wenn ihr also etwas essen wollt, so würde ich anfangen etwas zuzubereiten... allerdings muss ich bei der Auswahl enttäuschen, die letzten Wochen hier oben waren ungewöhnlich kalt, deswegen wird es wohl kein Wildbret oder ähnliches geben, das Einzige, was ich anbieten kann, wären Eberkäulen, die uns die Jäger hier direkt aus dem großen Forst bringen, etwas anderes habe ich leider nicht.' Meinte der Wirt freundlich, aber bestimmt. Besser als nichts ist das allemal... Arranges sah fragend in die Runde und als ihm auffiel, dass Milan wohl genauso wenig Gefallen an dem Met fand wie er, drehte er sich zu dem Nord um. 'Es wäre wohl nicht möglich, dass wir noch etwas anderes außer diesem Met haben könnten?' Fragte Arranges etwas müde. 'Wieso? Ich dachte ihr seid hart im nehmen, scheut jetzt aber vor Met zurück?' Empörung schwang in der Stimme des Nords mit. 'Nein, so war die Frage nicht gedacht. Es ist nur so, dass der Weg hierher heute etwas unangenehm beschwerlich war und ich zumindest jetzt im Moment ein Getränk bevorzugen würde, welches nicht so sehr auf die Sinne schlägt...' Antwortete der Kaiserliche beschwichtigend und freundlich. 'Ahh... ein stets wachsamer Schwertmann... nicht so eine Dumpfbacke wie die Gesellen, die vorher gegangen sind. Die haben‘s zwar auch faustdickhinter den Ohren, aber legen es immer darauf an, einen gewissen Pegel haben zu müssen...' Der Nord lachte auf und schlug dem Kaiserlichen freundschaftlich mit der Hand auf die Schulter. Arranges sog scharf die Luft ein, als ihm die massiv geschmiedeten Schulteransätze seines Mithrilpanzers ins Fleisch gedrückt wurden. Ja... ein stets wachsamer Schwertmann... Dachte er etwas ärgerlich, bemühte sich aber um ein Grinsen. 'Nun denn, wartet, ich... oder vielmehr die Kundschafter, schöpfen öfter Wasser aus den Quellen an den Füßen der Berge ab... eigentlich eher für Notfälle gedacht, aber im Notfall kannste auch den geschmolzenen Schnee saufen!' Der Wirt verschwand wieder in der Küche. Arranges rückte mit angesäuertem Ausdruck im Gesicht, seine Schulterpanzerung wieder zurecht und ließ seine Schulter einmal kreisen, ehe er aufsah und fragend zu Meryann und Milan schaute.

Milan war überrascht, als Arranges plötzlich ein anderes Getränk orderte, er lehnte den Met wohl genauso ab wie er selbst. Allerdings wohl aus einem anderen Grund. Der Rothwardon war sich nicht ganz sicher, ob der Nord verstanden hatte, dass sie beide den Met nicht wollten, aber ihm war es weitestgehend egal.
"Akaviri sagt ihr? In Hammerfells Wüsten gab es einige verschüttete Ruinen der Akaviri. Da in dieser unwirtlichen Gegend selbst eine Forschergruppe nicht gut genug ausgerüstet wäre um diese auszuheben, beherbergen diese mit Sicherheit noch viele nicht geplünderte Grabkammern und Räume. Dort wäre die Grafin wohl sehr gut bedient wenn sie auf der Suche nach Artefakten ist. Aber nach Hammerfell in die Alik'r zu reisen liegt nicht gerade auf dem nächsten Weg...", meinte er schmunzelnd, und dann mit Blick auf Meryann fügte er hinzu: "...auch wenn es dort bedeutend wärmer ist.".
Der Wirt erschien wieder auf der Bildfläche, einen Krug Wasser und, zu Milans Überraschung, zwei Gläsern in der Hand. Er stellte alles auf dem Tisch ab und wandte sich an Arranges. "Wohl bekomm's. Für deinen stummen Begleiter hab ich auch'n Glas mitgebracht. Wusste immer, dass das Kaiservolk auch in der Lage ist, diese Dunkelhäuter zu unterwerfen...". Kaum hatte der Nord die Worte ausgesprochen, erhob sich Milan abrupt, die Hände auf die Tischplatte gestützt; sein Stuhl knallte mit lautem Krachen hintenüber, sodass der Mantel und das Schwert auf dem Boden landeten, aber Milan schenkte dem keine Beachtung. Der Wirt, der Schreck stand ihm in's Gesicht geschrieben, drehte sich zu diesem um. Einen Wimpernschlag später stand Milan direkt vor dem Wirt, packte ihm am Kragen seines schäbigen Leinenhemdes und drückte ihn mit dem Rücken gegen den mittleren Pfeiler des Wirtshauses; sein Gesicht war nur noch Zentimeter von dem des Nords entfernt. "Ich gehöre zum Volk der Yokudan und muss mir von solch einem minderbemittelten Kerl wie dir sowas nicht gefallen lassen; du brüstest dich hier mit den Taten deiner Artgenossen, dabei warst du mit Sicherheit nicht mal in der Nähe der Grenze! ICH war dort, ich habe gesehen, wie es wirklich war; habe gesehen, wie ihr ganze Familien wegen ein paar Widerworte gnadenlos abgeschlachtet habt; habe gesehen, dass ihr eine kleine bewaffnete Gruppe meines Volkes nur mit einer Übermacht und unfairen Mitteln besiegen konntet, ja, das vergisst man ganz schnell, hab ich Recht? Und dass ihr in euren Besatzungszonen der Bevölkerung verbietet, Waffen zu tragen, auch! Sowas nenne ich Feigheit, weil ihr genau wisst, wozu WIR in der Lage sind! ICH habe das Recht, darüber zu reden, ICH war da! Aber solche Mitläufer und Schwätzer wie du haben nicht das Recht, darüber zu urteilen! Jetzt mach deinen Job, oder ich schwöre dir, dass ich dich in Einzelteilen zur Grenze schicke, dann hast du sie wirklich mal bereist!". Milan war nicht laut dabei, sondern sprach mit eindringlicher, aber bedrohlicher Stimme. Die ganze Zeit versuchte sich der kräftige Nord durch herum zappeln zu befreien, aber das Adrenalin, welches Milan nun ausschüttete, verlieh ihm die Kraft, selbst diesen Fleischberg im Zaum zu halten. Schließlich schob Milan ihn zur Seite und von sich weg. Der Wirt taumelte kurz, fing sich dann aber und blickte Milan grimmig an. Er schien zu überlegen, was er jetzt tun sollte; schließlich entschloss er sich aber dazu, den Rothwardonen nicht weiter zu reizen. "Ist ja schon gut...", brummte er, nickte knapp und zeigte damit dass er verstanden hatte. Dann verzog er sich Richtung Küche. Milan blickte ihm noch ausdruckslos hinterher und setzte sich dann wieder, nachdem er seinen Stuhl und die Sachen wieder aufgehoben hatte. "Wie gesagt, die Wüste ist schön warm...", meinte er freundlich in die Runde und goss sich ein Glas Wasser dabei ein, wieder vollkommen ruhig als wäre nichts gewesen.